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Musikprojekt

I. Ort

Besonderes Augenmerk legten wir zu Anfang auf die Wahl der Lokalität, wobei wir uns letzlich für
die Turnhalle entschieden, diese eignet sich besonders aufgrund ihrer doch relativ großzügig
bemessenen Größe und ihrer (bei entsprechenden Boxen) nachhallenden Akustik, vor allem aber
durch ihre Dreiteilung hervorragend für unser Vorhaben.

II. Die Mittel

Um möglichst wenig vom eigentlichen Zweck unseres Projektes abzulenken, entschlossen wir uns,
auf spezielle Ausschmückung und vielfältige Utensilien zu verzichten, dass es dennoch nicht ganz
ohne Mittel zum Zweck funktioniert, ist ebenso klar:
Das wichtigste davon ist sicherlich der bereits gegebene Raum der Sporthalle, diese besitzt schon
für sich und ohne äußere Einwirkung eine sehr eindrucksvolle Wirkung, solange man sich nur wohl
konzentriert und auf Reizeinwirkungen einlässt.
Zusätzlich zu dieser bereits vorhandenen Stimmung, die die richtige Atmosphäre und Umgebung,
vor allem für unsere optische, aber natürlich zum Teil auch für die akustische Reizwahrnehmung
schafft, benötigen wir noch 2 CD-Player, einen im „zweiten“ und einem im „dritten“ Drittel (von
vorne gesehen; Blick Richtung Feursstraße) der dreigeteilten Halle, auf denen im Folgenden unser
Musikstück abgespielt wird.
Als übrige Artefakte zur Gestaltung unserer Vorführung dienen lediglich ein Basketball, ein Paar
Sportschuhe und ein Trampolin.

III. Die Durchführung

Der Hörer betritt die Turnhalle durch die vorderste Tür und befindet sich somit im ersten Drittel der
Halle. Hierbei ist es wichtig, dass er allein den Raum betritt, so dass er nicht durch Mithörer irritiert
wird. Da dies jedoch ob Zeitmangels im Rahmen einer Vorführung vor der gesamten Klasse zu
Komplikationen führen würde, müssen wohl oder übel alle gemeinsam eintreten, was jedoch
gegebenenfalls die von uns erdachte Wirkung verfälschen oder sogar verhindern könnte.
Nichtsdestotrotz steht (oder sitzt, je nach Belieben) der Zuhörer nun fest da und hat seinen Blick
Richtung heruntergefahrener Trennwand gerichtet.
Nun werden wir beginnen, eine Sportstunde schematisch darzustellen: Einer springt monoton auf
einem Trampolin, ein anderer läuft recht gleichmäßig und ein dritter dribbelt mit dem Basketball.
Der nächste Schritt besteht darin, dass der vierte die erste Trennwand hochfährt, und hinter der
Wand ein neues Bild auftaucht, parallel verstummen langsam die Sportgeräusche des ersten
Bereichs. In diesem zweiten Drittel befindet sich ein CD-Player, auf dem Meeresrauschen zu hören
ist, selbstverständlich sorgt dieser Wechsel für Verwirrung beim Hörer, jedoch schafft diese
Verwirrung auch die Grundlage für eine Hinterfragung der Vorgänge: „Weshalb auf einmal
Meeresrauschen, was soll das?!“ doch dazu mehr in der Intention bzw. Interpretation.
Nach einer circa eine Minute dauernden Einwirkung des Meeresrauschens wird der eventuell schon
Lösungsansätze erfasst habende Hörer erneut jäh aus seinem fest gefassten Bilde herausgerissen,
auch die zweite Trennwand fährt nun hoch und gibt wieder ein neues „Bild“ preis, jedoch nur auf
phonetischem Wege: Auch diesmal befindet sich lediglich ein CD-Player im Raum, auf dem der
Song „Heart & Soul“ läuft, der jedoch durch zahlreiche Verfremdungen ebenfalls Distanz und
Verwirrung kreiert, was eine geringere Identifikation mit dem Präsentierten und dadurch eine
höhere rationale Auseinandersetzung mit der Thematik zur Folge hat, da man weniger Kraft
benötigt, sich in seiner emotionalen Erfassung zu verlieren, so wie beim modernen Theater des Bert
Brecht.
IV. Intention und Interpretation

Aus dieser Durchführung ergeben sich nun freilich eine Reihe an Fragen, die es zu klären gilt, an
erster Stelle steht hierbei der globale, übergeordnete, allgemeine Gedanke, die Frage nach dem Sinn
hinter der Wahl genau dieser Art und Form der Umsetzung und Theoriebildung.
Dieser ist, wie auch die folgenden, natürlich nicht allgemeingültig sondern individuell, unser
Hauptziel bestand jedoch darin, zu zeigen, dass oft mehr hinter den Dingen steckt, als man auf den
ersten Blick vermutet, dass oftmals der Schein trügt und man sich nur allzu gern in Scheinbarem
ergibt, der Oberflächlichkeit frönt und Hinterfragung aus Bequemlichkeit ablehnt, dessen sollte man
sich nach dem Hören des Stückes bewusst sein oder werden, dieses kann also gleichwohl als ein
moralisches Lehrstück gesehen werden, das es sich auf die Fahne schreibt, gegen Vordergründigkeit
zu kämpfen und vorschnelle Schlüsse oder trügerische Sicherheit ablehnt, also ein gesundes Maß an
Misstrauen fordert.
Ins Detail gehender gibt es auch noch Fragen, die zu beantworten sind, so fragt man sich
versändlicherweise wozu die einzelnen Ebenen des Stückes einzeln gesehen dienen, also Abbildung
einer Sportstunde, plötzlicher Szenenwechsel in ein naturnahes, friedliches akustisches Umfeld und
Abspielen des Songs von „Huey Lewis And The News“, gut sind.
Der erste Teil ist dazu da, die ordinärste Assoziation bzw. die gewöhnlichsten Konnotationen mit
einer Turnhalle hervorzurufen, nämlich jene mit Sport(unterricht), er schafft folglich die Basis für
die Intention, also die Ablehnung der stetigen Vordergründigkeit.
Eben dieses hervorgerufene Bild wird nun erschüttert und durch ein völlig andere Elemente
enthaltendes ersetzt, was zum ersten Mal zeigt, dass das scheinbare Verständnis, die logische
Sicherheit im ersten Teil, schlichtweg ein wenig zu naiv war, da es bzw. sie sich nur allzu leicht
erschüttern ließ.
Um sicherzustellen, dass nun dieser lehrende Wechsel zum Hintergründigeren, nicht durch
irgendeine rationale oder sonstige Verknüpfung beim Hörer untergeht, versuchen wir durch ein
erneutes Schaffen einer neuen Umgebung, eine Denkleistung beim Hörer zu fordern, der sich nun
eine meistens nicht zu findende Erklärung für das Gehörte und Erlebte sucht, dabei ist das Stück
„Heart & Soul“ zwar scheinbar willkürlich gewählt worden, doch wer weiß, eventuell hatte ja auch
das einen Sinn, um nicht zu viel zu verraten, die persönliche Kreativität nicht zu unterfordern und
dadurch träge werden zu lassen und um eine gewisse Restspannung aufrecht zu erhalten beenden
wir hiermit die Erläuterungen in diesem Dokument, schließlich soll unser Projekt ja auch zur
autonomen, selbstständigen Auseinandersetzung dienen und anregen, bei weiteren Fragen wenden
Sie sich bitte an uns, wir stehen Ihnen gerne mit Rat zur Seite.

Tobias Hundhammer, Daniel John, Maximilian Dullinger, Simon Mendisch