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Einige Unterschiede zwischen Mnnern und Frauen

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In einem anderen Experiment dagegen, in dem der Fragebogen das


Thema der Zugehrigkeit zum weiblichen Geschlecht und nicht mehr
der kulturellen Unterschiede betraf, fielen die Mathematikresultate
schlechter aus als in der Gruppe ohne Fragebogen. Die Forscher
begrndeten diese Diskrepanz mit dem Einfluss des Stereotyps Im
Vergleich zu Mnnern sind Frauen in Mathematik Nieten.

Tatschlich wirkt hier nicht das Stereotyp als solches, sondern das
Verhalten, das es bei der betroffenen Person auslst: Da sie sich
des Vorurteils bewusst ist, versucht sie, es zu besttigen, insbesondere in Beurteilungssituationen. Das wird zum Hemmschuh fr
ihr Leistungsvermgen. Im Ergebnis fhrt dieses Phnomen zu
einem Desinteresse der stigmatisierten Gruppen fr die Bereiche,
in denen das Stereotyp zur Anwendung kommt. berdies knnte
sich so schulisches Versagen bei den Angehrigen dieser Gruppen
erklren.
Dar-Nimrod und Heine besttigten 2006, dass die Mathematikleistungen von Frauen durch ein Stereotyp beeinflusst werden. Diese Psychologen legten 200 Frauen einen angeblich wissenschaftlichen Text
ber geschlechterspezifische Unterschiede in Mathematik vor. Ein
Viertel der Probandinnen las in dem Text, diese Unterschiede seien
genetisch bedingt und daher angeboren. Andere bekamen einen Text,
der die Unterschiede auf die Umwelt zurckfhrte (beispielsweise war
zu lesen, dass Mathematiklehrer in den ersten Jahren des Mathematikunterrichts Jungen besser behandelten als Mdchen). Wieder andere
Teilnehmerinnen erfuhren, es bestnden keinerlei Unterschiede zwischen den Mathematikleistungen von Mnnern und Frauen, und das
letzte Viertel schlielich, die Unterschiede hingen in einem Stereotyp
im Hinterkopf der Frauen zusammen. Anschlieend sollten alle
Frauen mehrere Mathematikaufgaben lsen. Danach zeigte sich, dass
diejenigen, die eine umweltbezogene Erklrung gelesen hatten, sowie
diejenigen, die nach der Lektre keine geschlechterspezifischen Unterschiede mehr sahen, besser abgeschnitten hatten als die anderen Probandinnen.