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Die Aufhebung des Rechtsstaates in den USA

Nach dem 11. September 2001 wurden in den USA, von der ffentlichkeit weitgehend
unbeachtet, in aller Eile Verordnungen verabschiedet, mit denen sich der Prsident quasi
diktatorische Vollmachten angeeignet hat: Nach dem aktuellen Stand kann ein Bewohner
der Vereinigten Staaten auf unbegrenzte Zeit, ohne Anspruch auf Kontaktaufnahme zu
einem Anwalt und auf eine Gerichtsverhandlung festgehalten werden. Und wenn es zu
einem Prozess kommt, findet dieser im Geheimen statt, der Angeklagte hat immer noch kein
Recht auf einen Anwalt und er kann auf der Basis von Vermutungen (!), ohne
Berufungsmglichkeit zum Tode verurteilt werden. Das letzte Wort hat dabei - man mag es
kaum glauben - der Prsident, der ja eigentlich keine Person der Rechtsgewalt ist.
Damit wurde durchaus erst gemacht: Nach dem 11. September wurden in einer
Fahndungswelle rund 1200 Mnner festgenommen, von denen nur etwa hundert unter dem
konkreten Verdacht standen, mit Terrorgruppen in Verbindung zu stehen. Die meisten
wurden einfach in "vorsorgliche Haft" genommen. Die ffentlichkeit wurde weder ber die
Namen noch ber die Anklagepunkte informiert.
Mit der Installation solcher "Militrgerichte" ist ein zweites Rechtssystem installiert
worden, durch das die Rechtsstaatlichkeit jederzeit aufgehoben werden kann und das somit
auch gegen die Verfassung verstt. Es wre nach amerikanischem Recht nunmehr sogar
mglich, dass ein US-Kriegsschiff an der deutschen Kste vor Anker geht, ein Trupp EliteSoldaten bersetzt und einen Deutschen festnimmt, der des Terrors verdchtigt wird und
dann auf oben beschriebene Weise zum Tode verurteilt wird. Der Willkr sind hier im
Prinzip keine Grenzen gesetzt, denn dadurch, dass die Verurteilungen im Geheimen
stattfinden, werden sie der ffentlichkeit niemals bekannt, die Rechtsverletzungen knnen
schlichtweg nicht kritisiert werden.
Die Sddeutsche Zeitung weist auch darauf hin, dass der Terrorismus in den neuen
Verordnungen so weitlufig definiert wird, dass auch die Blockade oder Besetzung von
Infrastrukturen als terroristischer Akt gelten knnen.
"Dies wrde allerdings bedeuten, dass nicht nur Krawalle wie die in Genua und Gteborg,
sondern auch ziviler Widerstand und sogar die Streiks von Belegschaften unter die
Antiterrorgesetzgebung fallen knnten" (SZ).
Quelle: Sddeutsche Zeitung vom 6. Dezember 2001.