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Hälfte des Lebens (1803)

1 Mit gelben Birnen hänget 8 Weh mir, wo nehm ich, wenn


2 Und voll mit wilden Rosen 9 Es Winter ist, die Blumen, und wo
3 Das Land in den See, 10 Den Sonnenschein,
4 Ihr holden Schwäne, 11 Und Schatten der Erde?
5 Und trunken von Küssen 12 Die Mauern stehn
6 Tunkt ihr das Haupt 13 Sprachlos und kalt, im Winde
7 Ins heilignüchterne Wasser. 14 Klirren die Fahnen.

1.Strophe: ideale poetische Situation: 2.Strophe: kalt-dissonantes Lebensgefühl:


Einvernehmen mit dem göttlich-schönen keine Kommunikation/Harmonie zwischen Him-
Leben, indem alles Entgegengesetzte mel/Erde und Ich/Welt
liebevoll verbunden ist. Disharmonische, gestörte Form durch zerhackt
Ruhige, harmonische Form durch mit wirkende Strophen, männliche Kadenzen
„und“ verbundene Aussagesätze und
weibliche Kadenzen und Auftakt scharfe Zäsur (V 12,13)
Sommerstrophe als Hochbild eines erfüll- Winterstrophe als Annäherung an den Tod
ten Lebens

Adjektive: gelb (V. 1), wild (V. 2), Exclamatio: „weh mir“
hold (V. 4), heilignüchtern (V. 7) Repetitio: wo (V. 1f)
—> schön, optimistisch „Schatten“ (V. 11) verdeckt Licht auf der Erde;
„wilden Rosen“ —> Judend Kälte; Farblosigkeit; Sonnenschein (V. 10)
„gelben Birnen“ —> Reife zum Leben existentiell
Reinheit: Schwäne (V. 1), heilignüchternes Ängste vor der Zukunft
Wasser (V. 7) Sinne: Sehen(Natur), Fühlen(Kälte), Hören
Lebendigkeit: Reifen/Blühen der Früchte (Klirren)
„Sprachlos“ (V. 13): Unbestimmte Zukunft
Enjambement/Zeilensprünge
Beschreibung der Natur
Bezug auf die Überschrift

Biographische Interpretation:
 Hölderlin könnte selbst das lyrische Ich darstellen.
 steht in der Mitte seines Lebens:
 das Schwanenpärchen könnte für ihn und Susette (Diotima) in glücklichen
Zeiten stehen,
 die zweite, kalte Strophe für die nun kommende Zeit ohne die kürzlich ver-
storbene Geliebte

Franzy Klüpfel
25.Jan 2010
Q11.1