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Charles Baudelaire - Die Blumen des Bösen

Abel und Kain


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Geschlechter Abels, eßt und trinket;


Gott lächelt, es ist wohlgetan;

Geschlechter Kains, im Schlamm versinket,


Verkriecht euch drin und sterbt daran.

Geschlechter Abels, Opferbrände


Von euch sind Engeln duftend Mahl!

Geschlechter Kains, wann raucht zu Ende


Der Scheiterhaufen Eurer Qual?

Geschlechter Abels, seht die Weide,


Die Herde und die Saat gedeihn;

Geschlechter Kains, Eure Geweide


Wie alte Hunde Hungers schrein.

Geschlechter Abels, geht euch wärmen


Am Herd in eurer Väter Saal;

Geschlechter Kains, ihr sollt euch härmen


In kaltem Loch wie der Schakal.

Geschlechter Abels, liebt und mehrt euch!


Auch Gold bei euch noch Junge heckt;

Geschlechter Kains, das Herz verzehrt euch,


Drum keine heißen Gierden weckt!

Geschlechter Abels, glaubt und äset


Wie Läuse in der Bäume Laub;

Geschlechter Kains, ach, ihr verweset


Mit krankem Kind im Straßenstaub!

Geschlechter Abels, eure Leichen


Sind einmal fetter Erden Dung!

Geschlechter Kains, in euren Reichen


Ist, was ihr tatet, nicht genung!

Geschlechter Abels, feig Gewimmel;


Das Eisen ward des Schaftes Spott!

Geschlechter Kains, erstürmt den Himmel


Und stürzt zur Erde nieder Gott!

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