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No. 252/2 d
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Application Bulletin

Von Interesse für:

Allgemeine Analytik

Validierung von Metrohm-Titriergeräten (potentiometrisch) gemäss GLP/ISO9001

Richtlinien

Zusammenfassung

GLP (Good Laboratory Practice) fordert unter anderem die periodische Prüfung der analytischen Geräte auf ihre Reproduzierbarkeit und Rich- tigkeit anhand von Standard-Arbeitsanweisungen (englisch: Standard Operating Procedure, SOP).

Dem Anwender wird empfohlen, die Metrohm-Titriergeräte als ganzes, integriertes Titriersystem zu validieren, d.h. eine Serie von Probetitratio- nen mit Primärstandards (Urtiter-Substanzen) durchzuführen und die Resultate kritisch mit statistischen Mitteln zu beurteilen.

Das Überprüfen der elektronischen und mechanischen Funktionsgrup- pen von Messgeräten kann und soll im Rahmen eines regelmässigen Service vom Fachpersonal der Herstellerfirma übernommen werden. Al- le Metrohm-Geräte sind mit Start-up-Prüfroutinen versehen, die beim Einschalten des Gerätes das einwandfreie Funktionieren der relevanten Baugruppen überprüfen. Wenn dabei keine Fehlermeldung angezeigt wird, kann davon ausgegangen werden, dass das Gerät fehlerlos funkti- oniert. Die Firma Metrohm liefert ihre Geräte ausserdem mit integrierten Diagnoseprogrammen aus, die es dem Anwender erlauben, bei eventu- ell auftretenden Störungen oder Fehlverhalten das Funktionieren be- stimmter Baugruppen zu überprüfen und den Fehler zu lokalisieren. Di- agnoseprogramme können auch in ein Validierungsverfahren integriert werden.

Als Richtlinie zur Erstellung von Standard-Arbeitsanweisungen zur Ü- berprüfung eines Titriersystems, bestehend aus Titrator, Dosiereinheit, Messkette und evtl. Probenwechsler, schlägt Ihnen Metrohm das unten beschriebene Verfahren vor. Die Vorgaben der Grenzwerte sind als Vor- schläge zu betrachten. Je nach den firmenspezifischen Anforderungen an die Genauigkeit des Messsystems sind diese Grenzwerte in der je- weiligen Standard-Arbeitsanweisung neu festzulegen.

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Anwendungsbereich

Die vorliegende Prüfvorschrift ist auf folgende Metrohm-Titratoren an- wendbar:

Titroprocessoren

Titrandos

Titrinos

Potentiographen

Prüfperioden

Eine jährliche Wiederholung der Prüfung von Titriergeräten erscheint sinnvoll. Wenn die Dosiereinrichtung im Dauerbetrieb eingesetzt wird oder wenn häufig mit ätzenden, korrosiven oder niederschlagbildenden Titrierlösungen gearbeitet wird, welche die Dosier- und/oder Messein- richtung in erhöhtem Masse beeinträchtigen, kann eine häufigere Prü- fungsfrequenz angezeigt sein, z.B. 6- oder gar 3-monatlich. Eine ausserordentliche Validierung ist angezeigt, wenn eine oder mehre- re Komponenten des Titriersystems ausgetauscht werden.

Geräteinterne Prüfroutinen

Die Metrohm-Titratoren verfügen über geräteinterne Einschalttests und Prüfroutinen. Beim Einschalttest werden die Anzeige-Elemente überprüft und der Inhalt der Programmspeicher via Checksummen-Test überprüft. Der Datenspeicher-Bereich wird mit Schreib-/Lesetest auf Funktions- tüchtigkeit getestet. Beim 670 Titroprocessor wird verifiziert, ob ein Dosimat angeschlossen und betriebsbereit ist. Bei der Titrino-Geräteserie wird ausserdem die RS232-Schnittstelle einem ausführlichen Test unterzogen.

Wenn die Titratoren einer regelmässigen Wartung unterzogen werden, kann generell auf die spezifische Validierung der Geräteelektronik ver- zichtet werden.

Unterhalt / Service

Unerlässliche Voraussetzung um einen GLP-konformen Betrieb aller im Labor eingesetzten Geräte zu gewährleisten, ist die sorgfältige Pflege und Reinigung, sowie insbesondere der fachgerechte Umgang mit den- selben. Die zum Gerät gelieferte Gebrauchsanweisung sollte allen Labormitarbeitern zur Verfügung stehen. Wir empfehlen darüber hinaus, alle relevanten Messgeräte einem regelmässigen, jährlichen Service zu unterziehen. Viele Metrohm-Vertretungen bieten für ihre Geräte kosten- günstige Wartungsverträge an.

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Methode

Wenn nur mit wenigen, bestimmten Titrationsmethoden gearbeitet wird, empfiehlt es sich, für die Validierung des Titrators eine Kombination aus Titriermittel und Probesubstanz zu wählen, die möglichst einer der häu- fig angewandten Methoden entspricht und zu der eine Urtitersubstanz mit definierter, hoher Reinheit zur Verfügung steht. Ausserdem sollten methodenbedingte Fehlerquellen möglichst ausgeschaltet werden kön- nen.

Aus der Vielfalt aller möglichen Kombinationen von Titriermitteln und Messketten wurde die pH-Titration mit Salzsäure ausgewählt. Als "Pro- be" wird die Urtitersubstanz Tris(hydroxymethyl)-aminomethan (TRIS) titriert, die im Fachhandel erhältlich ist. Die Resultatberechnung erfolgt als Titerbestimmung.

Mögliche weitere Kombinationen:

Titriermittel

Urtitersubstanz

Bemerkung

HCl

TRIS

unproblematisch

NaOH

Kaliumhydrogenphthalat

carbonatfrei arbeiten *

AgNO 3

Natriumchlorid, NaCl

NaCl hygroskopisch

Natriumthiosulfat

Kaliumhydrogendiiodat

pH beachten

Cer-IV-sulfat, Ce 4+

As 2 O 3

pH beachten

Kaliumpermanganat

di-Natriumoxalat

pH beachten

TBAOH

Benzoesäure

carbonatfrei arbeiten

Perchlorsäure

Kaliumhydrogenphthalat

Temperatur beachten

NaNO 2

Sulfanilsäure

MET-Modus

EDTA

CaCO 3

puffern

* Natronlauge ist sehr empfindlich für Carbonataufnahme aus der Um- gebungsluft. Schützen Sie Ihre Titrierlösung gegen das Eindringen von CO 2 durch Aufsetzen eines Trockenrohres (6.1609.000), gefüllt mit CO 2 - Absorber oder eines Absorberrohres (6.1612.003), gefüllt mit NaOH.

Weitere Möglichkeiten können der einschlägigen Literatur entnommen werden, z.B. Metrohm Application Bulletin Nr. 206.

Es ist unbedingt darauf zu achten, dass nur hochreine, getrocknete Urti- tersubstanzen (Gehalt min. 99,95 %) verwendet werden. Urtitersubstan- zen sollten nicht hygroskopisch und weitgehend unempfindlich gegen- über CO 2 und Luft sein. Als Titriermittel sollten möglichst wässrige Lösungen gewählt werden, die ebenfalls weitgehend beständig gegenüber CO 2 , Luft- und Lichtein- flüssen sein sollten.

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Benötigte Geräte

Titrator mit Dosiereinheit und Rührer (Stabrührer oder Magnetrührer)

Wechseleinheit mit diffusionsmindernder Bürettenspitze (6.1543.050)

kalibrierte Messkette, z.B. kombinierte pH-Glaselektrode

(6.0233.100)

Analysenwaage, Auflösung min. 0,1 mg

10 saubere Titriergefässe oder Bechergläser à 100 mL

geeichtes Thermometer oder Temperaturfühler

Benötigte Chemikalien

Urtitersubstanz z.B. TRIS, zertifiziert, mit garantiertem Gehalt von min. 99,95 %, zwei Stunden bei 105°C getrocknet, im Exsikkator ab- gekühlt und aufbewahrt

Frisches Titriermittel c=0,1 mol/L, evtl. c=1 mol/L (z.B. c(HCl)=0,1 mol/L). Titerabweichung < 0,2 % (kommerziell als fertige, zertifizierte Masslösung in Flaschen erhältlich)

Voraussetzungen

Versuchsanordnung vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und Zug- luft vermeiden. Das System muss im thermischen Gleichgewicht sein.

Die Waage sollte vorgängig validiert worden sein.

Die Messreihe ist ohne grösseren zeitlichen Unterbruch durchzuführen.

Bei der Durchführung der Titrationen soll auf optimale Durchmischung der Probelösung geachtet werden. Die unten skizzierte Anordnung hat sich in der Praxis bewährt.

Anordnung im Titrierbecher

B E
B
E
Anordnung hat sich in der Praxis bewährt. Anordnung im Titrierbecher B E Seite 4 B ürettens

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Bürettens pitze ürettenspitze

Elektrodeunten skizzierte Anordnung hat sich in der Praxis bewährt. Anordnung im Titrierbecher B E Seite 4

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Die Urtitersubstanz muss in einer flachen Schale getrocknet (z.B. zwei Stunden bei 105°C, je nach Art des Urtiters) und in einem Exsikkator mindestens eine Stunde abgekühlt werden. Urtitersubstanzen sind im- mer in einem Exsikkator aufzubewahren.

Bei pH-Titrationen wird empfohlen, zur Kontrolle der Elektrodenparame- ter, vorgängig eine Kalibrierung der Elektrode durchzuführen. Dazu müssen frische Pufferlösungen (Sollwert ± pH 0,02) verwendet werden.

Anforderungen an die Kalibrierung:

Steilheit (Slope) > 0,97

pH(as) 6,9

(bei komb. Glaselektrode, mit 3-molarer KCl-Lösung als Elektrolyt)

7,1

Bei Endpunkttitrationen (SET) auf einen vorgegebenen pH-Wert ist eine Kalibrierung unerlässlich. Ausserdem wird empfohlen, die Arbeitstempe- ratur zur Kompensation im Titrator einzugeben oder einen Pt100- oder Pt1000-Messfühler am Titrator anzuschliessen. Die Titrierlösung sollte sich im thermischen Gleichgewicht mit der Umgebung befinden.

Vorgehen

1. Berechnungsformel für den Titer

Für Titrinos

Titer

=

RS

1=

C

00

* C

01

 

C

02

* EP

1

oder C00 * C01/(C02 *EP1)

mit 4 Nachkommastellen

C00

Einwaage Urtiter in g

C01

Theor. Verbrauch an Titriermittel für 1 Mol Urtiter in mL

C02

(1000 bzw. 10 000 bei 1-molarem / 0,1-molarem Titriermittel) Molmasse Urtiter (TRIS 121,14 g/Mol)

EP1

Verbrauch an Titriermittel in mL

Für 670 Titroprocessor

Titer = RT1 = SS*1000/C/ID2/EP1

mit 4 Nachkommastellen

SS

Einwaage Urtiter in g

C1

Konzentration des Titriermittels

Id2

Molmasse Urtiter (TRIS 121,14 g/Mol)

EP1

Verbrauch an Titriermittel in mL

Für Titrandos

Titer = R2 = C00*1000/CONC/CI2/EP1

mit 4 Nachkommastellen

C00

Einwaage Urtiter in g

CONC

Konzentration des Titriermittels

CI2

Molmasse Urtiter (TRIS 121,14 g/Mol)

EP1

Verbrauch an Titriermittel in mL

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2. Titrationsparameter einstellen

Die Titrationsparameter werden je nach Gerät und Modus eingestellt. Es sollte jeweils der Modus gewählt werden, der am häufigsten benutzt wird. Die nachfolgende Tabelle enthält die empfohlenen, relevanten Parame- ter für die jeweiligen Geräte und Modi für die Titration von TRIS mit c(HCl)=0,1 mol/L.

Relatives Startvolumen am Titrando:

R1 = C00*1000*CV02/CV01/CI2

1000 Umrechnung in mL

CI2

Molare Masse Urtitersubstanz

C00

Einmass in g

CV01 Konzentration des Titriermittels CV02 Anteil des Endpunktvolumens das dosiert werden soll.

Gerät

 

Parameter

 

Titrando

DET pH

MET pH

 

SET pH

z.B. 808, 809

Messpkt.dichte

4

V

Inkrement

0.10 ml

EP1 bei pH Regelbereich Max.Rate Min.Rate Start V

5.1

Min.Inkrement

10.0 μl

Titr.Geschw.

max

3

Start V:

R1

Start V:

R1

5 ml/min

Stopp pH

2.8

Stopp pH

2.8

0.5 μl/min

Messw.Drift

50mV/min

Messw.Drift

50 mV/min

R1

   

Stopp Drift

20 μl/min

Titrino

DET pH

MET pH

 

SET pH

702, 716, 719, 720, 718

Messpkt.dichte

4

V

Inkrement

0.10 ml

EP1 bei pH Regelbereich Max.Rate Min.Rate Start V Faktor Stopp Drift

5.1

Min.Inkrement

10.0 μl

Titr.Geschw.

max

3

 

Start V:

rel.

Start V:

rel.

5 ml/min

Faktor

50

Faktor

50

0.5 μl/min

Stopp pH

2.8

Stopp pH

2.8

rel.

Messw.Drift

50 mV/min

Messw.Drift

50 mV/min

50

   

20 μl/min

Titroprocessor

GET pH

MET pH

 

SET pH

686, 682 und 678

titr.rate

0.10 ml/min

drift

50 mV/min

EP1 pH

5.1

anticip.

0

stop pH

2.8

dyn. ΔpH1

3.0

stop pH

3.0

start pH

8

drift1

10,0 mV/s

start pH

7.0

 

t(delay)1

10s

EP crit.

3

dV/dt

2

Titroprocessor

DET pH

MET pH

 

SET pH

796

Messpkt.dichte

4

V

Inkrement

0.10 ml

EP1 bei pH Regelbereich Max.Rate Min.Rate Start V Faktor Stopp Drift

5.1

Min.Inkrement

10.0 μl

Titr.Geschw.

max

3

Start V:

rel.

Start V:

rel.

5 ml/min

Faktor

50

Faktor

50

0.5 μl/min

Stopp pH

2.8

Stopp pH

2.8

rel.

Messw.Drift

50 mV/min

Messw.Drift

50 mV/min

50

   

20 μl/min

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3. Durchführung

Es werden 10 Titrationen mit gleichen Geräte-Einstellungen und unter- schiedlichen Einwaagen der Urtitersubstanz (z.B. TRIS) durchgeführt. Die Grösse der Einwaagen soll in zufälliger Reihenfolge variiert werden und einen Verbrauch an Titriermittel von ca. 0,2 bis 0,9 Zylindervolumen ergeben. Das Zwischenfüllen des Zylinders sollte vermieden werden.

Die empfohlenen Einwägebereiche für TRIS können der folgenden Ta- belle entnommen werden.

Zylindervolumen

Einwägebereich für TRIS

c(HCl)=

5 mL

120

550

mg

 

1 mol/L

10

mL

250

1100

/ 25

110

mg

1 mol/L / 0,1 mol/L

20

mL

50

220

mg

0,1 mol/L

50

mL

120

550

mg

 

0,1 mol/L

Um zu kleine Einwaagen zu vermeiden, die den Wägefehler und damit die Streuung der Resultate erhöhen, wird empfohlen, bei 5 mL- und evtl. bei 10 mL-Zylindern 1,0-molare Titrierlösungen zu verwenden.

Die Einwaagen werden in ca. 40 mL destilliertem oder deionisiertem Wasser gelöst und umgehend titriert.

Das Erstellen von Stammlösungen und das Titrieren eines aliquoten Tei- les davon schafft eine weitere Fehlerquelle (Pipettierfehler) und ist des- halb nicht zu empfehlen.

Auswertung der Ergebnisse

Für die Validierung von Messgeräten ist die Reproduzierbarkeit (precisi- on, dt. auch Präzision, Streumass) und die Richtigkeit der Messresultate (accuracy) relevant. Zur Beurteilung dieser Grössen geschieht folgen- dermassen:

Aus den 10 Bestimmungen werden die erhaltenen Werte (Titer der Lö-

sung) für die Berechnung des Mittelwertes x und der absoluten Stan- dardabweichung s abs beigezogen. Diese Berechnungen können, wo vor- handen, mit der eingebauten Statistikfunktion direkt im Gerät oder mit Hilfe eines Taschenrechners oder einer geeigneten Software (z.B. Ta- bellenkalkulation) am PC (Personal Computer) durchgeführt werden. Da bei komplexen Berechnungen mit verschiedenen Rechenhilfsmitteln, aufgrund unterschiedlicher Rechengenauigkeit, leicht variierende Resul- tate erhalten werden können, sind die vom Gerät intern berechneten Werte auf jeden Fall vorzuziehen.

Mittelwert

x =

xx +

12

K

++

x

n

=

1

n n

n Summe der Einzelwerte

=

x

i

i

=

1

Anzahl Einzelwerte

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Standardabweichung

s abs =

2 n 1 ( ∑ x − x ) i n − 1 i =
2
n
1 (
x
− x
)
i
n
− 1
i = 1

=

2 ⎛ n ⎞ ⎜ ∑ x ⎜ i ⎟ ⎟ n ⎝ ⎠ 2
2
n
x
i
⎟ ⎟
n
2
i
= 1
x
i
n
i = 1
n − 1

1. Reproduzierbarkeit, Streuung (precision)

Die Reproduzierbarkeit (Wiederholbarkeit) der Messung wird mit der re- lativen Standardabweichung ausgedrückt.

rel. Standardabweichung s rel = s

*100 = abs.Standardabweichung *100

x Mittelwert

Anforderung: Die relative Standardabweichung soll 0,3 % sein.

(Der Grenzwert von 0,3 % für die rel. Standardabweichung ist eine pra- xisgerechte Limite, die im Normalfall gut eingehalten werden kann. Unter optimalen Bedingungen sind jedoch mit Metrohm-Titratoren rel. Stan- dardabweichungen von 0,1 % und darunter erreichbar.)

2. Richtigkeit (accuracy)

Die Richtigkeit der erhaltenen Resultate stützt sich auf den vom Herstel- ler garantierten Gehalt der Urtitersubstanz ( = Primärstandard, Annah- me: Gehalt = 100,00 %).

a. Berechnung des Titer-Sollwertes in Funktion der Temperatur

Der Titer-Sollwert der Titrierlösung bei 20°C beträgt 1,000 mit einer Tite- rerniedrigung von 0,02 % pro Grad Temperaturerhöhung (bei wässrigen Lösungen, siehe Garantie des Chemikalienherstellers).

Titer soll (bei X°C) = 1000,

+

0,0002 * (20 x)

b. Berechnung der systematischen Abweichung d rel

Die systematische Abweichung berechnet sich nach

d rel = Titer

Mittel

Titer

soll

Titer

soll

* 100

Anforderung: Die systematische Abweichung soll max. ± 0,5 % sein.

Bemerkung: Bei Probetitrationen sind Reproduzierbarkeit und Linearität (Verbrauch gegen Einwaage) wichtig. Die Richtigkeit ist normalerweise

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gegeben, sofern alle Titrierlösungen einer regelmässigen Titerbestim- mung unterzogen und der Titer sowie die Probe mit den gleichen Titrati- onseinstellungen bestimmt werden.

3. Systematische Fehler a. Lineare Regression Verbrauch / Einmass

Zur Aufdeckung von systematischen Fehlern, z.B. methodenbedingten Störeinflüssen oder Lösemittel-Blindwerte, kann eine lineare Regression von Verbrauch (in mL) gegen Einmass (in g) berechnet werden. Dazu sollte ein leistungsfähiger Taschenrechner oder ein Statistikpaket bzw. eine Tabellenkalkulation auf einem Personal Computer verwendet wer- den. Das Einmass wird dabei als x-Koordinate (unabhängige Variable) und der Verbrauch als y-Koordinate (abhängige Variable) angenommen.

Die lineare Regression legt durch die Messpunkte eine Gerade, und zwar so, dass die Summe der Quadrate der einzelnen Abweichungen minimal ist. Die Regressionsgerade wird beschrieben durch die Formel:

y = bx + a , wobei a für den y-Achsenabschnitt und b für die Steigung

der Geraden steht (siehe Zeichnung unten).

Systematische Fehler der Titriermethode äussern sich in einer signifi- kanten Abweichung der Nullpunktkoordinate der y-Achse (englisch inter- cept), d.h. die berechnete Regressionsgerade aus den Wertepaaren Verbrauch/Einmass schneidet die y-Achse nicht genau im Ursprung des Koordinatensystems.

a sys

Einmass
Einmass

a sys als Mass für den systematischen Fehler berechnet sich aus den Mit- telwerten der x-Werte, den Mittelwerten der y-Werte und dem Regressi- onskoeffizienten b (slope).

Die Berechnungsformeln :

b =

n

=

1

i

(

x

i

)(

xy

i

y

)

n

=

1

i

(

x

i

x

)

2

=

 

n

n

 

n

x

i

*

y

i

x y

i

i

= 1

 

i =

1

 

i

=

1

i

n

 
 

n

n

x

i

2

 

x

 

2

 

i

= 1

i

 

n

 

i = 1

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a sys = y-Achsenabschnitt =

Beurteilung:

ybx

*

Sollte a sys > ± 0,010 mL (oder ± 10 μL) bei einer 1 mL Bürette bzw. a sys > ± 50 μL bei 5, 10, 20 und 50 mL Büretten sein, muss davon ausgegan- gen werden, dass ein systematischer Fehler vorliegt. Eine Überprüfung der Titriermethode und anderer möglicher, systembedingter Störeinflüs- se ist dann unumgänglich. Sollte keine Optimierung der Validiermethode möglich sein, müssen die einzelnen Werte des Verbrauchs in mL um den Wert von a sys korrigiert werden (Verbrauch a sys in mL), damit der systematische Fehler der Methode nicht in die Beurteilung des Titrierge- rätes einfliesst. In der Folge müssen die relevanten Kenndaten für die Reproduzierbarkeit und die Richtigkeit der Titrierresultate mit den korri- gierten Verbrauchswerten neu berechnet werden.

Diese aufwendigen Berechnungen sollten, falls sie sich aufdrängen, nur mit maschinellen Hilfsmitteln vorgenommen werden. Zu beachten ist al- lerdings, dass auch hier auf verschiedenen Rechnersystemen, aufgrund unterschiedlicher Rechengenauigkeit, leicht differierende Resultate er- halten werden können.

b. Lineare Regression Titer / Verbrauch

Eine weitere, mögliche Methode zur Aufdeckung von systematischen Fehlern ist die Darstellung der Regressionsgeraden (Streudiagramm) der Wertepaare Titer / Verbrauch. Da dieses Diagramm auch einen gu- ten visuellen Eindruck über die Streuung der Resultate ermöglicht, ist die Erstellung eines solchen empfehlenswert. Signifikante positive oder negative Steigungen der Regressionsgeraden deuten auf eine scheinbare Abhängigkeit des Titers von der Grösse des Verbrauchs bzw. des Einmasses hin. Auch dies kann ein Hinweis auf methodenbedingte, systematische Störeinflüsse sein.

Die Steigung b T/Vol (Regressionskoeffizient b, Berechnungsformel siehe S. 9) aus der Geradengleichung y = bx + a sollte hier im Idealfall 0,000 betragen, d.h die Gerade sollte eine Waagrechte durch y=1,000 darstel- len.

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mit systematischem Fehler Verbrauch
mit systematischem Fehler
Verbrauch

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mit a sys korrigiert Verbrauch
mit a sys korrigiert
Verbrauch
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Beurteilung:

Sollte b T/Vol grösser als ± 0,0010 sein, muss auch hier ein systemati- scher, methodenbedingter Fehler angenommen werden. Eine Korrektur der Verbrauchswerte mit a sys (Verbrauch in mL a sys in mL) und eine nachfolgende Neuberechnung des Titers zeigt in der erneuten Darstel- lung der Regressionsgeraden (Titer gegen Verbrauch) eine drastische Verbesserung.

Fazit:

Sollten systematische Fehler vorliegen, muss versucht werden, die Titra- tionsmethode zu optimieren und die Standard Arbeitsanweisung (SOP) entsprechend angepasst werden. Sollte keine Optimierung möglich sein oder eine vorgegebene Methode unverändert angewandt werden, sollte die Berechnung der relevanten Kenndaten mit korrigierten Verbrauchs- werten (Verbrauch in mL – a sys in mL) erfolgen.

Mögliche Fehlerquellen

Urtiter

Waage/Einwägen

Titriergefäss

Lösemittel

Titriermittel

Dosiereinheit

Messung

Titrator

Temperatur

ungeeignet, verunreinigt, feucht, inhomogen, keine garantierte Urtiterqualität

Waage zu ungenau, Luftzug, Temperaturein- flüsse, verschmutzte Waage, Temperaturdiffe- renz Titriergefäss/Waage, unsorgfältiges Ein- wägen, zu kleine Einwaagen

verunreinigt

verunreinigt (Blindwert), schlechtes Lösungs- vermögen

CO 2 -haltig, verschmutzt

undichte Schlauchverbindungen, verschmutz- ter Zylinder (sichtbare Ätzränder), undichter Kolben (Flüssigkeitsfilm oder Kristalle unter- halb des Kolbens), zu hohe Füllgeschwindig- keit, undichte Bürettenspitze, Luft im Schlauchsystem, Dreiweghahn undicht

verschmutzte Elektrode, verstopftes Dia- phragma, Wackelkontakt am Stecker, defek- tes Kabel, schlechte Durchmischung der Pro- belösung, ungünstige Anordnung von Büret- tenspitze und Elektrode, zu lange Ansprech- zeit der Elektrode

ungeeigneter Titriermodus, falsche Messpa- rameter, zu schnelle oder zu langsame Titriergeschwindigkeit

Temperaturschwankungen, besonders bei Titriermitteln in organischen Lösemitteln

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Empfehlungen zur Fehlersuche

Bei zu hoher rel. Standardabweichung (schlechte Reproduzierbarkeit)

Frische Urtitersubstanz in der Reibschale fein vermahlen, trocknen und im Exsikkator abkühlen lassen (evtl. nochmals vermahlen).

Vollständiges Auflösen der Einwaage im Lösemittel sicherstellen.

Anordnung von Bürettenspitze, Elektrode und Rührer optimieren.

Elektrode regenerieren oder wechseln.

Titrierparameter optimieren (siehe Metrohm Application Bulletins).

Wechseleinheit demontieren, reinigen und evtl. Schläuche, sowie Kolben und/oder Zylinder auswechseln.

Einwägen nur bei Temperaturgleichgewicht zwischen Waage und Titriergefäss.

Evtl. Einwaagen erhöhen

Bei zu hoher rel. systematischer Abweichung (Richtigkeit ungenügend)

Reines Lösemittel (ohne Blindwert) verwenden (evtl. Wasser ausko- chen).

Urtitersubstanz trocknen.

Vollständiges Auflösen der Einwaage im Lösemittel sicherstellen.

Frisches Titriermittel verwenden (evtl. andere Herstellcharge wählen).

Wechseleinheit visuell überprüfen und evtl. auswechseln.

Elektrode und Titrierparameter überprüfen, Elektrode regenerieren oder wechseln.

Waage überprüfen.

Vorgehen bei nicht spezifikations-konformen Werten

Alle abweichenden Werte sind im Validierungsprotokoll zu kommentie- ren und das weitere Vorgehen zu vermerken.

Wenn zu hohe Abweichungen festgestellt werden, müssen die verschie- denen Punkte unter den Stichworten "Mögliche Fehlerquellen" und "Empfehlungen zur Fehlersuche" gewissenhaft überprüft und die Störeinflüsse beseitigt werden. Die Validierung ist unbedingt zu wieder- holen. Falls bei einer Wiederholung der Prüfserie noch immer keine be- friedigenden Resultate erzielt werden, sollte die Validierung von einer anderen Person an einem anderen Tag nochmals vorgenommen wer- den.

Falls Zweifel an der Präzision des Dosiersystems bestehen, kann dieses separat überprüft werden (siehe Metrohm Application Bulletin No. 238).

Für die Überprüfung der internen Auswertungsalgorithmen inkrementel- ler Titrationsmethoden (DET, MET) steht für Titrinos ein Testdatensatz im jeweiligen Menü-Programm zur Verfügung. Diese Algorithmen haben sich in der Praxis bei zahlreichen Benützern im täglichen Einsatz be-

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währt. Bei irregulären Resultaten sollten daher primär Mängel der Titra- tionsmethode oder der Arbeitstechnik in Betracht gezogen werden.

Die meisten Metrohm-Titriergeräte verfügen über ein spezielles Diagno- se-Programm, das erlaubt, Fehlfunktionen des Gerätes aufzuspüren und zu lokalisieren. Bei berechtigtem Verdacht auf Fehlfunktionen im Gerät (wiederholt auftretende Fehler, grosse Streuung) muss das Diagnose- programm gewissenhaft und Schritt für Schritt ausgeführt werden. Die genaue Vorgehensweise dazu kann in der jeweiligen Gebrauchsanwei- sung des Titrators nachgelesen werden.

Falls bei der Diagnose eine Fehlfunktion lokalisiert werden kann, ist die- se der Metrohm-Serviceabteilung zu melden und das Gerät bis zur Be- hebung des Fehlers vom Gebrauch auszuschliessen.

Literaturhinweise

Weitere Informationen zu Titrationen und Titerbestimmungen können folgenden Veröffentlichungen entnommen werden:

Metrohm Application Bulletin Nr. 206, Titerbestimmungen in der Po- tentiometrie

Metrohm Application Bulletin Nr. 238, Dosimat-Test nach GLP/ISO

Instrumentelle Titrationstechnik, F. Oehme und W. Richter, Hüthig Verlag, Heidelberg, 1983

Moderne Titrationstechnik, W. Richter und U. Tinner, Monographien Metrohm AG, 1988

Elektroden in der Potentiometrie, U. Tinner, Monographien Metrohm AG, 1989

Auf den folgenden Seiten finden Sie das Beispiel eines Validierungsprotokolls, sowie ein Diagramm der erwähnten linearen Regression.

Die letzte Seite kann als Kopiervorlage für Validierungsprotokolle dienen.

PC-Anwender können bei Metrohm eine 3,5“-Diskette mit einem Arbeitsblatt für die statistischen Auswertungen in den Formaten Excel 5.0 und Excel 4.0 be- ziehen (Application Service Disk, Best. No. 8.000.8001).

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Application Bulletin No. 252 /2 d

Application Bulletin

No. 252 /2 d

Validierungsprotokoll Titratoren

 

Firma :

Metrohm AG

 

Abteilung :

Chem.Lab 1

Temperatur in °C :

 

24.5

Gerät :

DMS Titrino 716 /OE9 135

Titriermittel :

 

HCl

Elektrode :

6.0219.100/II

Conc. in mol/L :

 

1.0

Steilheit :

0.998

Charge / Herstelldatum :

 

4.09.94

pH (as) :

7.03

Urtiter/Herst.:

 

TRIS

Wechseleinheit :

6.3011.253/ I

Molmasse in g/mol

 

121.14

Bürettenvolumen :

5 mL

Titrierparameter :

 

Modus :

DET pH

Messpkt.dichte

 

4

Stopp pH

2

Min.Inkrement

 

10 µL

Messw.Drift

50 mV/min

Start V

rel.

Faktor

5

Einmass :

Verbrauch :

Titer :

No.

Kommentar :

0.1608

g

1.332

ml

0.9962

1

0.3398

g

2.810

ml

0.9983

2

 

0.1520

g

1.258

ml

0.9973

3

Berechnungen :

0.4558

g

3.769

ml

0.9984

4

s rel = 0.0010 * 100 / 0.9983 = 0.10 %

 

0.2301

g

1.902

ml

0.9985

5

Titer soll = 1.000 + 0.0002 * (20 -24.5°C) = 0.9991

0.2895

g

2.394

ml

0.9982

6

d rel = (0.9983 - 0.9991) / 0.9991 * 100 = -0.08 %

0.5237

g

4.325

ml

0.9995

7

Mittelwert =

0.9983

s abs =

0.0010

0.3848

g

3.179

ml

0.9993

8

Titer soll =

0.9991

s rel =

0.10 %

0.2089

g

1.729

ml

0.9976

9

d rel =

-0.08 %

a sys =

0.0043 ml

0.5082

g

4.198

ml

0.9993

10

 

b T/Vol =

0.0007

Entscheid :

i.O.

Datum :

5.09.94

Unterschrift :

D. Möckli

Visum :

VS

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Validierung Titratoren

lineare Regression Titer / Verbrauch

y = 0.0007x + 0.9962

1.1000 1.0500 1.0000 0.9500 0.9000 0.000 ml 0.500 ml 1.000 ml 1.500 ml 2.000 ml
1.1000
1.0500
1.0000
0.9500
0.9000
0.000 ml
0.500 ml
1.000 ml
1.500 ml
2.000 ml
2.500 ml
3.000 ml
3.500 ml
4.000 ml
4.500 ml
Titer

Verbrauch

Validierungsprotokoll Titratoren

 

Firma :

 

Abteilung :

Temperatur in °C :

 

Gerät :

Titriermittel :

Elektrode :

Conc. in mol/L :

 

Steilheit :

Charge / Herstelldatum :

 

pH (as) :

Urtiter/Herst.:

Wechseleinheit :

Molmasse in g/mol

 

Bürettenvolumen :

Titrierparameter :

 

Modus :

Einmass :

Verbrauch :

Titer :

No.

Kommentar :

     

1

     

2

 
     

3

 
     

4

 
     

5

 
     

6

 
     

7

Mittelwert =

s abs =

     

8

Titer soll =

s rel =

     

9

d rel =

a sys =

     

10

 

b T/Vol =

Entscheid :

Datum :

Unterschrift :

Visum :