Sie sind auf Seite 1von 112
Ausgabe 2/2015 I Februar I 4,20 Euro Auslandspreise: A 4,50 € • B 4,50 €
Ausgabe 2/2015 I Februar I 4,20 Euro
Auslandspreise: A 4,50 € • B 4,50 € • CH 8,50 CHF • CZ 160,00 CZK • DK 43 DKK • HR 47 KN •
H 2200 FT • E 5,60 € • GR 5,60 € • I 5,60 € • L 4,50 € • N 54 NOK • NL 4,50 € • S 65 SEK • SLO 5,60 €
FORD MUSTANG
GT 390 Fastback
CHEVROLET
CAMARO RS/SS 396
Die coolsten
aller Zeiten
CHRYSLER
Town&Country
S.10
CHEVROLET
Corvette C4
Dauertest-Bilanz
PLYMOUTH
Belvedere
CHEVROLET
Caprice Police Car
0 2
S.140
50 000 km im
Opel Monza
Alfa Romeo
im Preis-Check
4
197435
104208
40 JAHRE BMW 3er
Die große
Geschichte auf
16 Seiten
S.152
Mit Fakes!
Mit dem Käfer
um die Welt
S.92
S.174
Skandal um
Porsche-
Diesel-Legenden
der 7Oer
S.64
Klau
Vergleichstest
504
/8
Rekord
S.90
PEUGEOT MERCEDES OPEL
‡ EDITORIAL Liebe Leser: Let the Good Times Roll ‡ Was soll das heißen, werden

EDITORIAL

Liebe Leser:

Let the Good Times Roll

‡ Was soll das heißen, werden Sie sich vielleicht fragen:

Lassen Sie die guten Zeiten rollen? Wohin denn? Nein, eine exakte Übersetzung für diesen Satz gibt es nicht. Geprägt hat ihn Louis Jordan, der Großvater des Rock’n’Roll, 1946, und Ray Charles hat den Song „Let the Good Times Roll“ weltberühmt gemacht. „Hey, Leute“, singt er da, „lasst uns Spaß haben. Ihr lebt nur einmal, und wenn ihr tot seid, seid ihr fertig. Also: Let the good times roll.“ Darum geht’s in diesem Heft. Nicht nur ab Seite 182, wo wir zeigen, wie hemmungslos der King of Rock ’n’ Roll seine Lie- be zu Autos auslebte. Nicht nur in der Amerika- Strecke ab Seite 10 mit den coolsten US-Cars aus sechs Jahrzehnten. Sondern auch dazwi- schen. „Good times“ er- leben, unterwegs sein, selbstbestimmt, sich Träume erfüllen: Das hat Rudolf Dassel uns auf seinen Reisen zwischen Island und Afghanistan

vorgelebt (Seite 174),

und auf seine ganz per- sönliche, eher ruhige Art und Weise tut das auch der Sammler Ekkehard Diez (Seite 76). Falls Sie sich fragen: Kann man denn weite Reisen in einem Old- timer wagen, ist das nicht zu teuer, geht da nicht dauernd was kaputt – dann lege ich Ihnen unseren Artikel ab Seite 152 ans Herz, den Abschlussbericht unseres Dauertests. Zum ersten Mal hat eine Zeitschrift einen Oldtimer sage und schreibe 50 000 Kilometer gefahren. Ein Ergebnis kann ich Ihnen hier schon verraten: Wir werden uns mit Freude und Wehmut an ihn er- innern – und an die guten Zeiten, als wir mit ihm gerollt sind.

Chefredakteur

Bernd Wieland

als wir mit ihm gerollt sind. Chefredakteur Bernd Wieland AUTO BILD KLASSIK bei Facebook: Aktuelle News
AUTO BILD KLASSIK bei Facebook: Aktuelle News und coole Spiele, herrliche Fotos und packende Videos
AUTO BILD KLASSIK bei
Facebook: Aktuelle News
und coole Spiele, herrliche Fotos
und packende Videos gibt’s
unter www.facebook.com/
autobild-klassik. „Gefällt mir“ kli-
cken und nichts mehr verpassen!
AUTO BILD KLASSIK als E-
Paper: Jede Ausgabe gibt es
auchelektronisch–fürIhrenRech-
ner, Ihr iPad oder einen anderen
Tablet-Computer. Einfach im App
Store gratis die iKiosk-App laden
oder auf www.ikiosk.de gehen.
Umbau des Monats Eine Gruppe von Technikern aus der Schweiz hat einen restaurierungsbedürf- tigen Haflinger
Umbau des
Monats
Eine Gruppe von Technikern aus der
Schweiz hat einen restaurierungsbedürf-
tigen Haflinger 703 APL auf drei Achsen
und Sechsradantrieb umgerüstet. Das
Zugpferd heißt nun Haflinger 706.
Zwischen 2000 und 2500 Arbeitsstunden
steckte das fünfköpfige Team in den
komplizierten Umbau. Die zusätzliche
Achse wurde weitestgehend mit Ori-
ginalbauteilen aus der Haflinger-Serie
konstruiert. Die eigentlich als Vorder-
achse vorgesehene Mittelachse musste
stark modifiziert werden. Doch eine
Straßenzulassung hat der 706 bekommen.
Entdeckung des Monats Böse Überraschung für einen nichtsahnenden Autobastler aus Houston, Texas. Für die Restaurierung

Entdeckung des Monats

Böse Überraschung für einen nichtsahnenden Autobastler aus Houston, Texas. Für die Restaurierung hatte er seinen International Harvester Scout II nach Florida überführt, wo ihm ein seltsames Geräusch auffiel. Als er das Seitenteil aufschnitt, stieß er auf eine fleißig summende Bienen- kolonie, wie auf einem YouTube-Video zu sehen ist. Der Amerikaner blieb cool. Angeblich hat er die Bienen artgerecht entfernt.

wie auf einem YouTube-Video zu sehen ist. Der Amerikaner blieb cool. Angeblich hat er die Bienen

Zahl

des Monats

2013 beteiligten sich

44

Prozent

der Oldtimer-Clubs an

Wohltätigkeitsveran-

staltungen. Das ergab eine Umfrage des Old- timer-Weltverbands FIVA, an der u. a. 1500 Clubs in 15 EU-Mitglieds- staaten teilnahmen. Sie sammeln zum Beispiel Spendengeld oder er- möglichen Kranken und Behinderten Ausfahrten in Oldtimern.

Hobby des Monats Ernie Adams (74) aus Arizona, USA, baut maßstabsgerechte Oldtimer, die nur halb
Hobby des Monats
Ernie Adams (74) aus Arizona, USA, baut maßstabsgerechte Oldtimer, die nur halb so groß sind
wie die Originale. Das Besondere an den sogenannten Dwarf Cars (zu Deutsch: Zwergen-
autos) des pensionierten Mechanikers: Sie sind alle voll funktionsfähig und haben sogar eine
Zulassung. Schon als Kind baute er Spielmobile aus Obstkisten. Nun sind es
meist Hot Rods aus den 30er-, 40er- und 50er-Jahren. Verkäuflich sind sie leider nicht.
FOTOS: ZWISCHENGAS.COM (2), A. EMMERLING, THOMAS GEIGER, PRIVAT

FOTOS: B. HANSELMANN, CORBIS, G. VON STERNENFELS, H. ALMONAT, PICTURE ALLIANCE/DPA, R. TIMM

VON STERNENFELS, H. ALMONAT, PICTURE ALLIANCE/DPA, R. TIMM INHALT Titel 10 Die coolsten US-Cars aller Zeiten

INHALT

Titel

10

Die coolsten US-Cars aller Zeiten Vom Hot Rod über Mustang und Corvette bis zum Caprice-Polizeiwagen

64

Diesel-Legenden der 70er Peugeot 504 D, Mercedes 220 D /8 und Opel Rekord 2100 Diesel im Vergleich

92

40 Jahre BMW 3er Die ganze Geschichte – auf 16 Seiten

Nachrichten

54

Wo sind die Mercedes 123 geblieben? Sind alle abgemeldet – oder verschwin- den Daten beim Kraftfahrt-Bundesamt?

56

Beziehungskiste Papas Auto zurückgekauft: Nicolino Artuso und sein Lancia Fulvia Coupé

58

Sammelklage gegen BestOf4All Dauer-Ärger: Immer noch warten Kunden auf ihre Kippwagenheber

Report

60

76

80

Scheunenfunde Fotos vom Ende der Welt von Autos, die am Ende sind Auto-Biografie Ekkehard Diez sammelt so ziemlich alles, was mit Porsche zu tun hat Sieben Oldtimer zu gewinnen Kastenente und Jaguar Mk II, Golf I und Ferrari Mondial: So gewinnen Sie einen Klassiker der Oldtimerspendenaktion Skandal um gestohlenen Porsche Ralf Müller findet seinen 911 wieder – der Richter sagt: Zu spät, Pech gehabt Mit dem Käfer durch den Orient Irak, Afghanistan, Ägypten: Was ein Abenteurer im 58er Export-Käfer erlebte 182 Elvis fährt Großzügig wie ein König:

90

174

182 Elvis fährt Großzügig wie ein König: 90 174 Wie der King sich und anderen schöne

Wie der King sich und anderen schöne Autos gönnte

Die Sticker

vom Lack

Wenn Michael Struve loslegt, bleibt kein Aufkleber an seinem Platz. Wie wirklich jeder Sticker abgeht V Seite 162

4 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

Seite 162 4 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 Die Ente von Gießen Wenn Sie

Die Ente von Gießen

Wenn Sie eine Kastenente oder einen anderen Oldtimer haben wollen, dann gewinnen Sie doch einen. Wie das geht und wem Sie damit helfen V Seite 80

Autos

in diesem Heft

Seite

Alfa Romeo 33 Alfa Romeo Spider Alfa Romeo Alfasud Alfa Romeo Giulia Alfa Romeo Montreal Alfa Romeo 75 Audi 80 CL BMW 3er E21 BMW 3er E30 BMW 3er E36 BMW 507 Cadillac Fleetwood Citroën AK Ford Hot Rod Ford Mustang Chevrolet Camaro Chrysler Town & Country Chevrolet Corvette C4 Chevrolet Caprice Police Car Ferrari Mondial Cabrio Glas Schwimmwagen Jaguar Mk II Lancia Fulvia Coupé Mercedes S 123 Mercedes 200 /8 Mercedes 220 D /8 Mini Cooper 1.3 Opel Commodore A Cabriolet Opel Rekord 2100 Diesel Opel Kadett Stufenheck Opel Monza Opel Manta A Peugeot 504 D Porsche 911 Plymouth Belvedere Rolls-Royce Silver Shadow II Renault 11 Renault 16 Renault 19 Chamade Skoda 966 Supersport Shelby Cobra Trabant Cabrio VW Golf I GL VW T3 VW Käfer 1200 Export VW 1600 Typ 3

140

140

140

140

140

140

116

90

90

90

186

184

80

12

24

24

30

36

42

80

55

80

56

54

80

64

80

132

64

75

152

80

64

90

18

134

167

56

75

57

185

110

80

167

174

138

75 57 185 110 80 167 174 138 Die Schlüssel von Elvis Wenn er wirklich lebt,

Die Schlüssel von Elvis

Wenn er wirklich lebt, dann wird er jetzt, am 18. Januar, 80. Vielleicht kommt Elvis vorbei, greift die Schlüssel seines Stutz Blackhawk, der wie in einem übergroßen Solarium steht, und braust los. Wie sehr der King die Autos liebte V Seite 182

Markt & Meinung 167 108 Auktionen Winterstart mit spannenden Versteige- rungen in Deutschland und der
Markt & Meinung
167
108 Auktionen
Winterstart mit spannenden Versteige-
rungen in Deutschland und der Schweiz
Fuhrpark
Bekommt der Renault 11 von
Kollege Matthias Brügge probemlos
die HU-Plakette?
Der Sammler
von Ammerbuch
168
Termine
170
Modelle
Ratgeber
172
Bücher
140
Marktanalyse Alfa Romeo
Schnäppchen-Alarm! Klassiker
der Traditionsmarke warten auf
ihren Durchbruch
Rubriken
6
Zeit im Bild
Wenn Ekkehard Diez
aus Schwaben etwas sieht, wo
„Porsche“ draufsteht, ist er kaum
zu halten. 400 Briefmarken,
2000 Prospekte, 2100 Ansteck-
nadeln hat er gesammelt,
er steht sogar im Guinness-Buch.
Warum er das tut V Seite 76
8
Leserbriefe, Impressum
142
3000 Klassikerpreise
41 Abo-Angebot
152
Abschied vom Opel Monza
Wir sagen unserem Dauertest-
wagen Tschüs: die große Bilanz
nach 50 000 Kilometern
Die Reste vom Ford
74
Ja bitte / Nein danke
75
Vor 25 Jahren
110
Kleinanzeigen/Probe gefahren
150
Cartoon
162
So gehen alte Aufkleber ab
ohne dass der Untergrund
zerstört wird
166
www.autobild-klassik.de
194
Vorschau, Abo-Coupon
Wenn ein paar Teile einer Tin-Lizzie-
Karosserie und gekröpfte Starr-
achsen einen Chevy-Motor und
blanke Stahlsitze aufnehmen,
dann ist das ein Hot Rod. Warum
Hot Rods die Massen begeisterten,
welchen Sinn sie ergeben und wie
sich das Fahren anfühlt V Seite 12
© Alle Rechte vorbehalten - Axel Springer SE, Berlin - Jede Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.as-infopool.de/lizenzierung
AUTO BILD KLASSIK-2015-01-02-sil-25 f4aa3235a8bb99eff5642e9ada08b1cd

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 5

FOTO: PICTURE ALLIANCE/DPA

ZEIT IM BILD

6 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

© Alle Rechte vorbehalten - Axel Springer SE, Berlin - Jede Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.as-infopool.de/lizenzierung

AUTO BILD KLASSIK-2015-01-02-sil-25 f4aa3235a8bb99eff5642e9ada08b1cd

Wann wird’s mal wiederrichtigWinter?

‡ Es sieht so harmlos aus: plattes Land, ein bisschen zuckriger Schnee, und statt Begrenzungspfählen markieren dünne Äste den Straßenverlauf. Aber das, liebe Leser, ist kein Land: Das ist die Elbe. Zugefroren. Eine Armlänge unter dem Opel Olympia Rekord strömen jede Stunde Tausende Kubikmeter kaltes Wasser Richtung Nordsee. Hier bei Geesthacht, auf halber Strecke zwischen Hamburg und der DDR, hat die Fähre „Krümmel“ keine Chance mehr. „Seit sieben Jahren“, steht im Original-Bildtext vom 4. Januar 1963, ist das Eis „zum ersten Mal wieder so fest, dass man es für eine Achslast von 750 kg offiziell freigegeben hat“. Das würde heute für die meisten Autos nicht mehr reichen. Viele Oldtimer dürften aber immer noch rüber.

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 7

FOTOS: HERSTELLER (2), L. BARTHELMESS, R. RÄTZKE, R. TIMM, PRIVAT

8

So erreichen Sie uns

Für Fragen und Kommentare an die Redaktion:

LESERBRIEFE

AUTO BILD KLASSIK Brieffach 3910, 20350 Hamburguns Für Fragen und Kommentare an die Redaktion: LESERBRIEFE klassik@autobild.de www.autobild-klassik.de 01805-01 52 96*

klassik@autobild.de www.autobild-klassik.deLESERBRIEFE AUTO BILD KLASSIK Brieffach 3910, 20350 Hamburg 01805-01 52 96* 01805-01 52 95* Bitte geben

01805-01 52 96*20350 Hamburg klassik@autobild.de www.autobild-klassik.de 01805-01 52 95* Bitte geben Sie auch bei Zuschriften per

01805-01 52 95*klassik@autobild.de www.autobild-klassik.de 01805-01 52 96* Bitte geben Sie auch bei Zuschriften per E-Mail immer Ihre

Bitte geben Sie auch bei Zuschriften per E-Mail immer Ihre Postanschrift an!

Für alle weiteren Fragen und Anregungen:

AXEL SPRINGER 24H-SERVICE

01 80-6-63 00 30**weiteren Fragen und Anregungen: AXEL SPRINGER 24H-SERVICE ABONNEMENT AUTO BILD KLASSIK Abo-Betreuung Brieffach

ABONNEMENT

AUTO BILD KLASSIK Abo-Betreuung Brieffach 398207002, 20350 HamburgAXEL SPRINGER 24H-SERVICE 01 80-6-63 00 30** ABONNEMENT autobildklassikabo@axelspringer.de 01806-354028**

autobildklassikabo@axelspringer.deKLASSIK Abo-Betreuung Brieffach 398207002, 20350 Hamburg 01806-354028** 01806-354027** ONLINE-ABO-SERVICE

01806-354028**398207002, 20350 Hamburg autobildklassikabo@axelspringer.de 01806-354027** ONLINE-ABO-SERVICE 24-Stunden-Abo-Service

01806-354027**Hamburg autobildklassikabo@axelspringer.de 01806-354028** ONLINE-ABO-SERVICE 24-Stunden-Abo-Service auch unter

ONLINE-ABO-SERVICE

24-Stunden-Abo-Service auch unter www.autobildklassik.de/aboservice01806-354028** 01806-354027** ONLINE-ABO-SERVICE *0,14 € /Anruf aus dt. Festnetz, Mobilfunk max 0,42 €

*0,14 /Anruf aus dt. Festnetz, Mobilfunk max 0,42 **0,20 /Anruf aus dt. Festnetz, Mobilfunk max. 0,60 /Anruf

IMPRESSUM

CHEFREDAKTEUR

Bernd Wieland (verantwortlich für den Inhalt)

STELLVERTRETER DES CHEFREDAKTEURS Christian Steiger STELLVERTRETENDER CHEFREDAKTEUR Frank B. Meyer ART DIRECTOR Henning Rucks REDAKTIONSMANAGER UND CHEF VOM DIENST Leif Rohwedder, Mario Pukšec (Stv.) AUTOREN Henning Hinze, Dipl.-Ing. Wolfgang König, Martin Puthz NACHRICHTEN/REPORTAGEN Matthias Moetsch RATGEBER Andreas May TEST UND TECHNIK Andreas Borchmann FOTOREDAKTION Kersten Weichbrodt, Božo Furkes (Stv.); Ljuba Greulich, Thomas Sprung FOTOARCHIV Rüdiger Dombrowski, Burkhard Frey LAYOUT Peggy Hiltrop GRAFIK Jennifer Behrens, Laura Kluczny, Arne Reuter, Nadine Schulz KOORDINATION Thomas Lammertz REPRO Bernd Klinner, Rudolf Lösel, Heiko Loose DOKUMENTATION Wilfried Kock SCHLUSSREDAKTION Manfred Dzeick, Manfred Kolbe TESTKOORDINATION Manfred Klangwald, Daniel Gau TESTWAGEN Gunnar Heisch, Gerald Schadendorf LESERREDAKTION Stephan Puls; Andreas Lübeck REDAKTIONSASSISTENZ Hinrich Blume MITARBEITER DIESER AUSGABE Andreas A. Berse, Matthias Brügge, Malte Büttner, Simon Erdem, Andreas Feßer, Sabine Franz, Lukas Hambrecht, Lars Hänsch-Petersen, Tomas Hirschberger, Marc Keiterling, Uschi Kettenmann, Bendix Krohn, Peter Michaely, Jan-Henrik Muche, Daniela Pemöller, Dieter Ritter, Diether Rodatz, Till Schauen, Frederik E. Scherer, Bernhard Schmidt, Helene Schmidt, Laura Schubert, Knut Simon, Michael Struve, Marco Weidig, Thomas Wirth OBJEKTLEITER Malte Riken VERLAGSREFERENTIN Lynn Scotti WWW.AUTOBILD.DE Burkhard Knopke (Chefredakteur) MARKETING-/ANZEIGENLEITUNG Wolfgang Bergho-

fer (verantw. für den Inhalt der Anzeigen), Stefan Müller

ANZEIGENVERTRETUNG B&M Marketing GmbH, Wendelsteiner Str. 2a, 91126 Schwabach; E-Mail: info@bm-marketing.net, Telefon: 09122-6 31 33 00, Fax: 09122-6 31 33 01 DRUCK Evers-Druck GmbH, Ernst-Günter-Albers-Straße, 25704 Meldorf VERTRIEB (Einzelverkauf) Sales Impact GmbH & Co. KG, 20350 Hamburg; verantwortlich: Michaela Steen

AUTO BILD KLASSIK erscheint monatlich und kostet im Einzelhandel 4,20 Euro (inkl. 7% USt.), im Abonnement 4,20 Euro pro Heftfolge. Preise für Auslandsabonnements auf Anfrage. Ein aktuelles Abo-Ange- bot finden Sie auf der letzten Seite. Die Rechte für die Nutzung von Artikeln für elektronische Pressespiegel erhalten Sie über die PMG Presse-Monitor GmbH, Tel. 030-284930 oder www.presse-monitor.de. Das Papier von AUTO BILD KLASSIK ist altpapierhaltig, umweltfreund- lich und recyclingfähig. Zu seiner Herstellung wurde ausschließlich chlorfrei gebleichter Zellstoff verwendet.

ISSN 2190-0744 ausschließlich chlorfrei gebleichter Zellstoff verwendet. VERLAG: Axel Springer Auto Verlag GmbH, Axel-Springer-Platz

VERLAG: Axel Springer Auto Verlag GmbH, Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg GESCHÄFTSFÜHRER: Dr. Hans H. Hamer, David Löffler

GESCHÄFTSFÜHRER: Dr. Hans H. Hamer, David Löffler Heißes Teil: Auch Leser hatten mit dem Fiat Uno

Heißes Teil: Auch Leser hatten mit dem Fiat Uno Turbo viel Spaß

Endlich 30!

AUSGABE 12/2014

Die Neuheiten von 1985 stür- men nächstes Jahr die Oldie- Charts: vom Mercedes 190 E 2.6 bis zum Fiat Uno Turbo

Danke für den Uno-Turbo-Ar- tikel, der mich an meine Ver- gangenheit erinnerte, fuhr ich doch zwei Exemplare dieser Gattung. Leider war keiner von beiden rot. Aber giftig waren sie auf jeden Fall – die Tacho- nadel zeigte beim Galopp sehr optimistische 220 km/h. Der perfekte Untersatz in der Sturm-und-Drang-Zeit, besser als ein GTI oder ein 3er BMW!

Matthias Gerschwitz, 10585 Berlin

Sehr gut hat mir Euer Bericht über die Klassiker des Jahres 1985 gefallen. Überrascht war ich dabei von dem Hinweis auf meine Jugendheldin Sandra, die 1985 mit „Maria Magdale- na“ einen Hit gelandet hatte. Es wundert mich immer wie- der, dass sich heute außer mir noch jemand an sie erinnern kann.

André Schaper, 21516 Woltersdorf

LESERBRIEFE

Der Bericht über den Mercedes Zwosechser hat mein Herz er- wärmt. Es war mein erstes Auto. Nach dreieinhalb Jah- ren habe ich mich von ihm ge- trennt und muss sagen, dass es das bestes Auto war, das ich je hatte. Keine komplizierte Elektronik, und für einen am- bitionierten Schrauber ist al- les leicht zu warten und zu reparieren. Danke für den schönen Artikel. Ich werde nun meinen frisch restaurierten Chevy verhökern und nach einem Zwosechser suchen!

Frank Peters, 18147 Rostock

Toller Bericht über den Uno Turbo! Der lief wirklich über 200 km/h und war in der Be- schleunigung von 120 bis 200 schneller als alle „Großen“. Was hatte ich für einen Heiden- spaß, wenn ich für böse blin- kende BMW und Mercedes ar- tig die Spur räumte und dann

wie am Gummiband gezogen davonziehen konnte. Eine Fahrt vom Ruhrgebiet nach Pullach in weniger als vier Stunden fand allerdings wäh- rend des Länderspiels Deutsch- land gegen England statt.

Dirk Mittmann, 45529 Hattingen

Sportcoupés der 60er

AUSGABE 12/2014

Glas GT und OSI-Ford neh- men im Vergleichstest den Porsche 912 in die Zange

Leider bin ich anderer Mei- nung als Herr Scherer. Image verpflichtet nur selten – genau- so wie Schönheit. Und deshalb gebührt für mich der erste Platz dem OSI. Alle drei sind auf dem Nürburgring deplatziert, aber auf der Königsallee in Düssel- dorf findet nur der OSI seine Bewunderer. Wie eine italieni-

dorf findet nur der OSI seine Bewunderer. Wie eine italieni- Glas, OSI-Ford und Porsche: „Der Glas

Glas, OSI-Ford und Porsche: „Der Glas stand zu Unrecht im Schatten“

Aus dem Familienalbum ‡ Im Winter des Jahres 1978 hatte ich als 18-Jähriger den Führerschein
Aus dem Familienalbum
‡ Im Winter des Jahres 1978
hatte ich als 18-Jähriger den
Führerschein in der Tasche. Da-
mals versuchte ich mich erst-
mals mit meinem ersten, vom
Großvater gesponserten VW
Käfer 1200 auf Sommerreifen
im nahegelegenen Westerwald
im Schnee.
Mike Herzog, 51147 Köln
Unterm
Käfer nur
Sommer-
Haben Sie auch einen
Foto-Schatz in Ihrem Album?
reifen, aber
die Klamot-
ten sitzen:
Leser Mike
Herzog
anno 1978
Dann schicken Sie ihn uns per
E-Mail an klassik@autobild.de.
Oder per Post an AUTO BILD
KLASSIK, Brieffach 39 10, 20350
Hamburg. Auf Wunsch schicken
wir das Bild selbstverständlich
an Sie zurück.

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

Sie zurück. www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 Spielzeug wie auf Drogen: Die Mattel Hot

Spielzeug wie auf Drogen: Die Mattel Hot Wheels sind die höchste Eskalationsstufe kalifornischer Tuning-Kultur

sche Pizza – nicht kulinarisch wertvoll, sieht aber lecker aus!

Helmuth Barts, 47623 Kevelaer

Schön, dass Ihr den Glas aufs Treppchen gehievt habt, er stand immer zu Unrecht im Schatten des Porsche. Als Pen- näler durfte ich Mamas 1700 GT schon mal zur Schule mit- nehmen, um den Mädels zu imponieren. Herrlich, was man damit auf dem Parkplatz für Kreise driften konnte!

Dirk Mittmann, 45529 Hattingen

Hot Wheels

AUSGABE 12/2014

Das irrste Spielzeug aller Zeiten: Die Mattel-Modelle trampeln auf allen Regeln von Technik und Anstand herum

Ich bin 53 und sammle seit 1969 Matchbox- und seit 2009 Hot-Wheels-Modelle. Mit der Zeit sind es knapp 900 gewor- den, und ich freue mich schon, dass ich 2015 die 1000 schaffe. Es ist wie eine Sucht. Aber wenn ich sehe, was für schöne Autos in meinen Glasvitrinen stehen, dann sammle ich wahr- scheinlich noch einige Jahre.

Henry Hörholdt, per E-Mail

Meine Lieblingsautos sind nach wie vor die AMS-Elektro- Slotcars der Gebrüder Faller aus Gütenbach im Schwarz- wald: unglaublich viele, liebe- volle Ausstattungsdetails und Spielmöglichkeiten. Mitte der 1960er-Jahre fuhr ich mit mei- nen Freunden 24-Stunden- Rennen auf der damals einzi- gen Spielzeugautobahn, die den Fahrbetrieb zweier unab- hängig voneinander geregelter Autos auf einer Spur ermög- lichte. Herrlich!

Joachim Storch, 61350 Bad Homburg

Auto-Biografie

AUSGABE 11/2014

Claus Mirbach lebt seit über 50 Jahren mit und von Old- timern. Jetzt hat er ein Buch über sein Leben geschrieben

Mirbachs Laden gehörte für mich in meiner Kindheit zum festen Freitagabend-Pro- gramm. Wenn ich mit meinen Eltern dort vorbeifuhr, musste mein Vater anhalten, und wir

Früher, in den 80ern, war es noch einfacher als heute, eine Sammlung mit älteren Hot- Wheels-Modellen aufzubauen. Wenn man Glück hatte, er- wischte man noch Redliner auf dem Flohmarkt für 50 Pfennig. Allerdinges musste man für gu- te Stücke auch damals schon ein bis zwei Mark hinlegen. Da ich besonders auf amerikani- sche Fahrzeuge stehe, komme ich auch heute an neuen Mo- dellen im Lebensmittel-Laden oder Kaufhaus nicht vorbei. Sind ja nicht so teuer, und ein Modell passt immer irgendwo rein. Das sagt man allerdings jedes Mal

Horst Schmidt, 66780 Rehlingen

betrachteten die Fahrzeuge im Fenster und die davor gepark- ten Autos. Bis zu dem Tag, als ich mit meiner kleinen Rollei 35 vor Mirbachs Laden stand und einen kleinen MG Midget fotografieren wollte. Herr Mir- bach kam herausgerannt und erklärte mir mit lauter Stimme, dass andere Leute viel Geld dafür bezahlen würden, seine Autos zu fotografieren! Er schick- te mich weg. Von hanseatischer Gelassenheit war da wenig zu spüren.

Guido Lambeck, 14050 Berlin

Dauertest

AUSGABE 12/2014

Kurioses, Anekdoten, Fach- wissen: 13 Fakten zum Opel Monza, die kaum einer kennt

Wusten Sie, dass es der Opel Monza im Rennsport durchaus zu internationalen Erfolgen ge- bracht hat? Mein Vater Hanno Schumacher hat 1980 mit dem Gilden Kölsch Racing Team auf Opel Monza die Trans Europa Trophy gewonnen, das war die Europameisterschaft für Se- rientourenwagen. Das ist in den Medien und im Internet nahezu unbekannt.

Nicolai Schumacher, per E-Mail

Leserbrief des Monats AUTO BILD KLASSIK-Leser Ulrich Eck- hardt aus Lehrte schildert seine Erfah- rungen

Leserbrief des Monats

AUTO BILD KLASSIK-Leser Ulrich Eck- hardt aus Lehrte schildert seine Erfah- rungen mit dem Ford Taunus Den Taunus wollte in den 90er-Jahren nicht mal jemand geschenkt haben, ganz still und heimlich verschwand er aus dem Straßenbild. Ich wollte 1985 mit 18 als Kfz-Lehrling in einem Ford-Autohaus natürlich einen Ford fahren. Mein ers- tes Auto wurde ein 73er Taunus 1.6 XL Coupé. Der hatte mit seinen 72 PS und

dem schwammigen Fahrwerk allerdings Mühe, mit den BMW 02 und Opel Manta im Freundeskreis mitzuhalten. Also woll- te ich ihn nach einem halben Jahr wie- der verkaufen. Das war jedoch gar nicht so einfach, und ich habe ihn wochenlang wie Sauerbier angeboten. Zum Schluss ging er zum Dumpingpreis weg. Heute wäre ich froh, wenn ich ihn aufgehoben hätte. Aber man war ja jung damals, und das Geld war knapp.

DieRedaktionbelohntden„LeserbriefdesMonats“ mit einer kleinen Prämie. In diesem Monat:

BLUETOOTH-CASSETTEN-ADAPTER

Der Bluetooth-Adapter von Ion erweitert ein Radio mit Kassettendeck um eine Bluetooth-Schnittstelle. So lässt sich jedes Smartphone mit einem Autoradio verbinden. Wert: rund 60 Euro, www.ionaudio.de

mit einem Autoradio verbinden. Wert: rund 60 Euro, www.ionaudio.de www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 9

KLASSIKER aus Amerika

FOTOS: R. RÄTZKE (2), A. PERKOVIC, B. HANSELMANN, GETTY IMAGES, H. ALMONAT, PICTURE ALLIANCE/DPA, S. KRIEGER

Open Road

Sieben coole US-Klassiker aus sechs Jahrzehnten in AUTO BILD KLASSIK, darunter gute und böse Typen. Unsere Redakteure geben Gas und widerlegen manch angestaubtes Ami-Klischee

geben Gas und widerlegen manch angestaubtes Ami-Klischee Bryan Adams Adams kommt als Sohn bri- tischer Eltern

Bryan

Adams

Adams kommt als Sohn bri- tischer Eltern in Kanada zur Welt. Der Durchbruch gelingt 1984 mit dem Album „Reck- less“ und Evergreens wie „Heaven“, „Run to You“ und „Summer of ’69“. „Open Road“ aus dem Jahr 2004 gehört bereits zu den Klassikern des Highway Rock.

‡ Reduzieren Sie Ihr inneres Tempo

auf 60 Meilen pro Stunde und hauen Sie den Tempomaten rein. Zeit zu cruisen, die Woche war anstrengend genug. Stel- len Sie Ihr Smartphone aus, lassen Sie die

Gedanken reisen. Vor Ihnen liegt eine wei- te Strecke, und das Radio spielt einen Song, den Sie schon lange mal wieder hören wollten. Stellen Sie es ruhig etwas lauter. Der Himmel ist klar, der Tank randvoll und

der Weg das Ziel. Hier gehen sieben US- Cars aus sechs Jahrzehnten an den Start. Eine Auswahl, so bunt wie eine Kiste Hot- Wheels-Autos. Für Muttis und Söhne, für Cops und Outlaws: eine verdammt schnelle Bastelbude und ein Straßen- kreuzer, der die Zeitgrenze durchbrechen sollte. Zwei verfeindete Ponys, ein sel- tener Riesenkombi, ein irrlichternder Technologieträger, der mit seinen Klapp- scheinwerfern nach Europa schielte – und ein Streifenwagen. Nur so zur Sicherheit. Falls einer meint, sich nicht an das Speed- limit halten zu müssen. So einsam wie die Straße in den grasi- gen Hügeln des San Joaquin Valley in Kali- fornien (Foto) sind Fans amerikanischer Autos bei uns in Deutschland längst nicht mehr. Die Szene wächst und wächst. Sehn- suchtsland Amerika, immer noch? Zumin-

dest seine Auto-Klassiker wirken auf die Benzinköpfe der Alten Welt anziehender denn je. Immer mehr junge Typen mit Altauto-Macke hören Rockabilly-Musik, gehen mit Mädchen im Pin-up-Style, tra- gen Kette an der Jeans und Elvis-Tolle, schrauben an Achtzylinder-Big-Blocks und essen Bacon Burger im Diner. Als läge Gelsenkirchen im Mittleren Westen der Ver- einigten Staaten und als sei Hamburgs Con- tainerhafen ein Industriegebiet in New Jersey. Tun wir auf den kommenden Sei- ten einfach mal so, als kostete die Gallone Sprit immer noch 31 Cent, wie 1957. Viel Spaß beim Lesen! Lukas Hambrecht

Amis, die die Welt bewegten S. 48
Amis, die die Welt bewegten
S. 48
Lesen! Lukas Hambrecht Amis, die die Welt bewegten S. 48 Ford Hot Rod S. 12 Plymouth
Lesen! Lukas Hambrecht Amis, die die Welt bewegten S. 48 Ford Hot Rod S. 12 Plymouth
Ford Hot Rod S. 12
Ford Hot Rod
S. 12
Plymouth Belvedere S. 18
Plymouth Belvedere
S. 18
Chevy Camaro und Ford Mustang S. 24
Chevy Camaro und Ford Mustang S. 24
Chrysler Town & Country S. 30
Chrysler Town & Country
S. 30
Chevrolet Corvette C4 S. 36
Chevrolet Corvette C4
S. 36
Chevrolet Caprice Police Car S. 42
Chevrolet Caprice Police Car
S. 42

KLASSIKER aus Amerika

KLASSIKER aus Amerika Robert Johnson ging einen Pakt mit dem Teufel ein, sagt die Legen- de.

Robert

Johnson

ging einen Pakt mit dem Teufel ein, sagt die Legen- de. Der verhalf ihm zu Ruhm und Frauen und holte seine Seele. Kein großer Musiker ohne Mythos! Der Bluesgitarrist

(19111938)

war ein Grün- dervater der Rockmusik, was damals keiner merk- te. Sein Stil gilt als enorm einflussreich, seine Wirkung hält bis heute an.

FORD HOT ROD

Hellhound on My Trail

Die ersten wirklich schnellen US-Straßen- autos waren Bastelbuden. Wer das nicht als Kompliment versteht, der sollte jetzt nicht weiterlesen. Denn hier geht es um Hot Rods, die ersten Motorsport-Geräte für das Volk

‡ Früher, Mitte der 1930er-Jahre, war

es einfach: Es ging um Speed. Das war leicht zu verstehen und schnell abgehan- delt. Wer als Erster an der nächsten Am- pel ankommt, hat gewonnen. Der Verlie- rer trollt sich nach Hause, schraubt eine

Woche lang an seiner Karre (nach Feier- abend, denn tagsüber fährt er damit ja zur Arbeit und zum Einkaufen), und am Samstagabend, wenn die Dämmerung hereinbricht, trifft man sich dann wieder an der Ampel

Mitte der 30er legt ein wandernder Blues-Gitarrist namens Robert Johnson die Grundlagen für die Popmusik. Vor seinem frühen Tod 1938 nimmt er 29 Lie- der auf, die damals kaum jemanden in- teressieren, heute aber als Meilensteine

HOT ROD VIDEO www.autobild.de/go/hotrod-video
HOT ROD VIDEO
www.autobild.de/go/hotrod-video

gelten. In „Hellhound on My Trail“, einer gespenstischen Ballade über Unrast und Fernweh, stecken drei Viertel der Pop- musik von den 50ern bis heute, Rock in- klusive – roh und schlicht, aber unver-

kennbar. Genauso ist es mit dem Hot

¤

Gewicht sparen! Manche frühe Hot Rods axmh,axmn fuhren bMag ohne niam Lack: dolor Fünf Kilo
Gewicht sparen!
Manche frühe Hot
Rods axmh,axmn fuhren bMag ohne
niam Lack: dolor Fünf Kilo ilit ac-
weniger cummy nonulputet können die
del entscheidenden iustrud modo-
Zehntel lesed tat. auf Eraese- der Vier-
quisi.Eratue telmeile bringen. dolo-
Die bor ungepolsterten se con he
dolobor Sitze stammten se con he-
anfangs oft aus
ausgemusterten
Flugzeugen,
weswegen sie bis
heute „bomber
seats“ genannt wer-
den. Diese Karos-
serie trat auf einem
Ford T in die Welt
FOTOS: H. ALMONAT (2), ULLSTEIN

KLASSIKER aus Amerika

FOTOS: H. ALMONAT (4)

FORD HOT ROD

Rod: Es nimmt die folgenden Jahrzehnte vorweg, Dragster-Rennen und Custom Cars, sämtliche Muscle Cars und Volks- sportler inklusive Golf GTI und Tuning- Manta. Was aber ist ein Hot Rod? Wenn man zehn Rodder fragt, bekommt man 20 Ant- worten. Irgendwie hat es mit fehlenden Motorhauben und frei stehenden Rädern zu tun, mit Mattlack und Starrachsen – oft aber auch nicht. Für heute hilft uns Florian Hauspurg, Schöpfer des hier ab- gebildeten Autos (www.outlaw-hotrods. de). Ein Hot Rod? Das sei „ein zusammen- gestückelter Metallhaufen“. Das sagt er durchaus liebevoll, und es trifft die Sache auch ganz gut. Früher nämlich (und der Ein- fachheit halber sprechen wir nur von den frü- hen Jahren der

Hot-Rodderei bis etwa 1955) nahm ein Rodder, was er fand, um sich sein Auto zu bauen. Und das waren meistens Ford-Teile, von denen es jede Menge gab. Seit Einführung des Seitenven- til-V8 1932 hatten viele Ford einen Motor, aus dem man richtig was raus- holen konnte. Und anders als zu Vor- kriegszeiten wussten die Jungs ab 1945 auch, was sie taten. Als nämlich im Sommer und Herbst jenes Jahres scharenweise US-Solda- ten ihre Uniformen ablegen, kennen sie sich mit Technik aus, weil sie die letzten Jahre als Techniker an Flug- zeugen, Lastern und Jeeps ge- schraubt haben. Sie spü- ren dasselbe Heißblut wie zehn Jahre zuvor, ha- ben aber jetzt fun- diertes

Wissen. Und mit großer Freude ent- decken sie massenweise abgelegte Ford, aus denen man richtige Kracher bauen kann. Viel Dampf für wenig Geld – der Traum jedes Heißsporns! So trat der Hot Rod in die Welt, mit einer Wucht, die sich aus Jahren mili- tärischer Enthaltsamkeit speiste. Fortan duellieren sie sich an den Ampeln, später dann auf Salzseen, wo keine Cops lauern. Und bald spaltet sich die Szene auf, bald gibt es Street Rods (weniger brutal, fast komfor- tabel), Show Rods (reine Ausstellungs- autos, gewissermaßen Stilstudien), Custom Cars (basierend auf den Ponton- Autos ab 1949), reine Viertelmeilen-Ren-

ner und noch mehr. Jedes neue Jahrzehnt bringt einen neu- en Stil hervor: In den
ner und noch mehr.
Jedes neue Jahrzehnt bringt einen neu-
en Stil hervor: In den 90ern sind es High-
tech-Rods mit Hochglanzlacken, viel Alu,
GFK und modernster Technik. Das neue
Millennium wendet sich zurück zum
¤
Tacho? Überflüssig! Wichtig ist
der Drehzahlmesser im Blickfeld
des Fahrers, dazu drei Uhren
für wichtige Motordaten. Ein Old-
School-Rod ist nichts für Zart-
besaitete, Komfort Fehlanzeige.
Hier geht es um das pure Fahren
besaitete, Komfort Fehlanzeige. Hier geht es um das pure Fahren 14 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 ·

KLASSIKER aus Amerika

FORD HOT ROD

Old-Style-Rod: Seitenventil-Motoren, Mattlack und Starrachsen sind wieder in. Und auch hier kristallisieren sich schon bald wieder diverse Spielarten heraus. Früher war’s einfach: Drauftreten, dass die Erde bebt! Ein Old-School-Rod kommt mit möglichst wenig aus: Starrachsen, nacktes Blech (auch die Sitze), wenig Glas, keinerlei Dämmung, Ford-Flathead-V8 oder Chevy Small Block. Ein solches Auto ist wie Robert Johnsons Blues: roh, ein- fach, sehr persönlich und unvermittelt. Es schenkt dir nichts, aber es öffnet sich dir vorbehaltlos. Es ist nicht unterwürfig

wie heutige Autos, sondern fordernd. Und beherrscht damit etwas, was selbst viele Oldtimer oft nur im Ansatz hinbekommen: Es führt dich zurück zu der Essenz des Fahrens. An diesem Punkt wird es wieder ganz einfach: Du spürst jeden Meter Strecke und jede Vibration der Kur- belwelle, du musst Lenkrad und Gang- schaltung gleichermaßen mit Ent- schlossenheit und Feingefühl behan- deln. Der Wind ballert dir in die Oh- ren, die Auspuffrohre noch viel mehr, du musst die kleinen Signale der Ach-

sen richtig deuten. Und wenn es schnell gehen soll, dann musst du aufpassen wie ein Höllenhund – der Rod verlangt die Zuwendung einer Diva, aber er gibt dir mehr, als du un- terwegs verarbeiten kannst. Das ist echtes Autofahren! Der amerikanische Ur-Hot-Rod ist eine kulturelle Glanzleistung ohne Erfinder – so wie Schere, Hosenknopf oder Streichholz. Wie Robert Johnson ist er bis heute enorm einflussreich, auch wenn sich sein Einfluss nur mehr sehr unterschwellig zeigt. Till Schauen

16 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 Der Small Block von Chevrolet ist okay

16 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

Der Small Block von Chevrolet ist okay für Old-Style-Rods. Dieses axmh,axmn Fahrgestell bMag wurde niam
Der Small Block von
Chevrolet ist okay
für Old-Style-Rods.
Dieses axmh,axmn Fahrgestell bMag
wurde niam dolor 1932 ilit mit ac- Sei-
tenventil-V8 cummy nonulputet aus-
geliefert, del lesed iustrud tat. viele Eraese- modo- frühe
Rods quisi.Eratue 1960 bekamen einen Chevy- dolo- um
bor motor. dolobor Starrachse se con Gekröpfte se he con für he- die
Tieferlegung vorn
PLUS/MINUS Was ist ein Hot Rod? 80 Jahre nach ihrer Erfindung gibt es noch immer

PLUS/MINUS

Was ist ein Hot Rod? 80 Jahre nach ihrer Erfindung gibt es noch immer keine feste Definition. Das bedeutet Freiheit für die eigenen Vorstellungen – andererseits muss man diese erst einmal entwi- ckeln. Zwar existieren Stilrichtungen und Mode- Phänomene, aber eben kein Schema F. Jeder Old- School-Rod ist anspruchsvoll, beim Fahren wie bei der Wartung. Das muss man wollen. Außerdem kann man zwar vieles zusammenbauen, aber wenn man das fertige Auto auch legal fahren möchte, wird der Spielraum deutlich schmaler. Aber das ist wie ein japanischer Haiku: Die Erfüllung liegt darin, aus begrenzten Mitteln große Eleganz zu schaffen. Wenn man die besten Traditionen mit den eigenen Konzepten elegant zusammenführt und rechtzei- tig mit TÜV oder DEKRA spricht, bekommt man ein Auto wie kein anderes.

ERSATZTEILE

Hier hängt vieles davon ab, was für Teile das Auto enthält. Hot Rods dürfen gemixt sein aus verschie- denen Marken und Jahren. Die wichtigsten Ford- Teile sind gut verfügbar. Inzwischen werden sogar Motorblöcke für den Flathead-V8 nachgegossen. Spezielle Wünsche sind vor allem eine Frage des Budgets, plus der Geduld, falls man es auf Original- teile von damals abgesehen hat. Die USA sind eine reiche Quelle, und auch hierzulande bemüht sich eine ganze Reihe von Spezialisten um gute und, wenn möglich, preisgünstige Teile (z. B. www.pan-industries.de, www.oldhotrodparts.de).

MARKTLAGE

Erstaunlich gut. Selbst diesseits des Atlantiks ist die Auswahl groß. Viele unterschiedlich konzipier- te und ausgeführte Hot Rods sind im Angebot, aber nicht alle sind gut oder sinnvoll aufgebaut. Den Unterschied erkennen erfahrende Rodder ziem- lich schnell. Es ist übrigens durchaus üblich, einen existierenden Hot Rod nach eigenen Vorstellun- gen umzubauen. Billigprojekte gibt es aber nicht. Egal, ob man ihn fertig kauft oder selbst aufbaut:

Mit weniger als 20 000 Euro wird man nicht aus- kommen – schon gar nicht, wenn das Vehikel ge- tüvt werden soll.

EMPFEHLUNG

Einen fahren. Dafür aber muss man erst einmal Kontakte in die Szene knüpfen, sich in die Mate- rie einfinden, die Fachbegriffe lernen. Dann gilt es herauszufinden, ob einem ein Street Rod mit moderner Technik (vielleicht sogar Servolenkung und Klimaanlage) mehr behagt als ein harter, karger Oldstyler wie der hier gezeigte. Ein Neu- bau in Eigenregie ist zwar möglich, aber nicht oh- ne! Hier stellen sich andere Fragen als bei einer normalen Restaurierung. Andererseits kann man inzwischen auf eine überreiche Tradition zurück- greifen. Die German Street Rod Association (www. gsra.de) ist hierzulande eine sehr gute Adresse für alle Fragen rund um den Bau von Hot Rods. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Spezialis- ten wie Florian Hauspurg (www.outlawhotrods. de).

TECHNISCHE DATEN

Motor: Chevrolet Small-Block-V8 „Stroker 383“, v. längs • eine zentrale Nockenwelle, 2 Ventile/Zylinder, 400er-Small-Block-Kurbelwel- le, Ford-Dreifachvergaser, offene Krümmer • Bohrung x Hub 102,3 x 95,25 mm • Hubraum 6270 cm³ • Leistung ca. 200 kW (270 PS) bei 4000/min Antrieb/Fahrwerk: Viergang-Schaltgetriebe • Hinterradantrieb • Rahmen 1932er Ford • Starrachsen, vorn gekröpft an quer- liegender Blattfeder, Längslenker, Teleskopdämpfer; hinten Spiralfedern mit Dämpfern und längsliegenden Schubstreben • Reifen v. 6.70-15, h. 8.20-15 Aufbau: Ford T Roadster 1927 Maße: Radstand 2692 mm • L/B/H 3790/1710/1350 mm • Leergewicht 1050 kg Fahr- leistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 6,2 s • Spitze ca. 170 km/h • Verbrauch k. A. Neupreis: 495 US-Dollar (Ford V-8, 1932).

HISTORIE

Vor dem Hot Rod war die Tuning-Industrie, und die erwachte, kurz nachdem der Ford T das Licht der Welt erblickte. Ab 1915 gab es Bausätze, die zahme Seitenventiler in DOHC-Kreischer verwandelten, da- zu Zweigang-Hinterachsen, Tieferlegungssätze und Speedster-Karosserien. Hot-Rod-Kultur und After- market-Industrie sind eng verbandelt – wobei die Ausgestaltung der einzelnen Autos absolut indivi- duell war und ist. Die wichtigste Grundlage für Hot Rods schuf 1932 der Ford-V-8: billig, große Stück- zahlen, perfekt zum Selbstschrauben. Der klassi- sche Hot Rod basiert also auf einem Ford bis Bau- jahr 1939 (heute zentrales Kriterium für eine Zulas- sung in Deutschland), wobei viele Rodder ihre Sei- tenventilmotoren ab Mitte der 50er durch den Small- Block von Chevrolet ersetzten. Die Herkunft des Be- griffs „Hot Rod“ ist übrigens unklar. In den 30ern sprach man von „gow jobs“; „rod“ kommt wahr- scheinlich von Roadster, damals Synonym für schnelle Straßenwagen.

von Roadster, damals Synonym für schnelle Straßenwagen. Ford T (1908 − 1927) Der Anfang von allem,
von Roadster, damals Synonym für schnelle Straßenwagen. Ford T (1908 − 1927) Der Anfang von allem,
von Roadster, damals Synonym für schnelle Straßenwagen. Ford T (1908 − 1927) Der Anfang von allem,
von Roadster, damals Synonym für schnelle Straßenwagen. Ford T (1908 − 1927) Der Anfang von allem,

Ford T

(19081927)

Der Anfang von allem, auch von Tuning und Hot Rodding

Ford A

(19271931)

Erbe des T:

schneller,

solider, besser

zu tunen

Ford V-8

(19321934)

Endlich mit

kongenialem

Motor: dem

Flathead-V8

Chevrolet Bel Air (1955) Sein Small- Block-V8 löste den Ford- Flathead ab

Alltagstauglichkeit

14444

Reparaturfreundlichkeit

11111

Ersatzteilversorgung

11114

Unterhaltskosten

11144

Verfügbarkeit

11114

Preisprognose

11144

ADRESSEN

Clubs: www.gsra.de, www.hotheadseast.com, www.goodguys.info Literatur: Peter Vincent: Hot Rod An American Original. Motorbooks 2001 (englischer Text), antiquarisch, circa 30 Euro

1 mangelhaft • 11 ausreichend • 111 befriedigend • 1111 gut • 11111 sehr gut

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 17

KLASSIKER aus Amerika

KLASSIKER aus Amerika Eddie Cochran Er hatte nur zwei Jahre Zeit: Mit 19 ist Cochran ein

Eddie

Cochran

Er hatte nur zwei Jahre Zeit: Mit 19 ist Cochran ein Rocka- billy-Star, mit 21 stirbt er bei einem Autounfall. Sein größter Hit „Summer- time Blues“ handelt vom Kampf mit Auto- ritäten: Der Boss nervt, die Alten auch, keine Zeit für Urlaub und Mädchen.

PLYMOUTH BELVEDERE

Summertime

Blues

„Three years ahead“, drei Jahre Vorsprung:

Plymouth liefert seinen Kunden im Dezember 1956 das Modell für 1960, schockt die Konkurrenz und bezahlt am Ende mit dem eigenen Ruf. Vom Auto, das die Zeitgrenze durchbrechen sollte

‡ Nicht zu fassen, was Chrysler da

herausbringt: Die neuen Plymouth-Mo- delle tragen fesche Augenbrauen über den Doppelscheinwerfern, haben große Glas- flächen, eine glattgebügelte Karosserie mit langem Radstand und eine unerhört niedrige Gürtellinie, gipfelnd in spitzen Flossen mit Rückleuchten im Lollipop- Look. Im Hauptquartier des Gegners spie- len sich deshalb Szenen ab wie in einem Billy-Wilder-Film: „Wieso kündigen Sie nicht?“, wütet General-Motors-Designboss Harley Earl und knallt dem Chef des Che- vrolet-Designstudios, Clare MacKichan, einen druckfrischen Plymouth-Katalog

auf den Schreibtisch. Panik in den Füh- rungsetagen des weltgrößten Autoher- stellers. Schuld sind die Plaza, Savoy und Belvedere, die am 18. Dezember 1956 zu den Händlern rollen. Chrysler-Chefstylist Virgil Exner hat es allen gezeigt. „Suddenly its 1960“, trällert der Wer- bechor aus den Flimmerkästen. Auf ein- mal ist’s 1960 – und die Zukunft so nah wie der nächste Plymouth-Dealer. Einst als verstaubte Alte-Leute-Marke abge- stempelt, tritt Plymouth nun mit stolzer Brust auf. Zu Recht: Gegen den schnittigen „Forward Look“ sehen die Schuhschach- teln von GM und Ford alt aus. Drei Jahre

PLYMOUTH FURY www.autobild.de/fury
PLYMOUTH FURY
www.autobild.de/fury

Vorsprung – in Zeiten jährlicher Modell- wechsel eine Ewigkeit. „Ich denke, keiner wusste diese Autos mehr zu würdigen als wir bei GM“, gesteht Designer Dave Holls Anfang der 1990er-Jahre. Nie wieder schnürt Daddys Straßen-

kreuzer modischer durch die Vorstadt- siedlung. Schau sich nur einer die seitli- chen Zierpanels aus eloxiertem Alu an, der Silhouette einer Concorde im Sinkflug nicht unähnlich. Nur dass es die Concorde damals noch nicht gibt, dafür ist auf In- terkontinentalflügen mit Lockheeds Super Constellation exzessives Qualmen er-

laubt. Das Raketenzeitalter hat gerade

¤

Kein Wunder, dass Stephen Kings Horrorauto „Christine“ ein 1958er Plymouth ist — bei diesem Blick
Kein Wunder, dass Stephen Kings
Horrorauto „Christine“
ein 1958er Plymouth ist — bei diesem
Blick (links). Ein Rücklicht wie
Kirschlutscher und elektrisches
Verdeck (unten) — in den
50ern US-Mittelklasse-Standard
FOTOS: R. RÄTZKE (7), GETTY IMAGES

KLASSIKER aus Amerika

PLYMOUTH BELVEDERE

Die Sitzbänke, deren Muster an ein gestörtes Fernsehbild erinnern (oben) sowie die grüne Beleuchtung der
Die Sitzbänke, deren Muster an ein gestörtes Fernsehbild
erinnern (oben) sowie die grüne Beleuchtung der Drucktasten,
mit denen sich die Torqueflite-Automatik bedienen lässt,
sind original (rechts). Belvedere bedeutet so viel wie „ Schöne
Aussicht “ – die hat der Fahrer, wenn er das Cabriolet in
all seiner Offenheit genießt und hinterm Lenkrad über die
große Haube in „Toreador Red“ gen Horizont blickt

begonnen und beflügelt die Fanta- sien von Designern wie Exner. Wer anständig verdient, kann sich so einen Belvedere easy in die Fertighausein- fahrt stellen. Als Sedan mit zwei oder vier Türen, Hardtop-Coupé, familien- freundlichen Suburban oder Conver- tible mit elektrischem Verdeck. Gern in Pastelltönen wie „Coral“, „Sunflo- wer Yellow“ oder „Misty Green“ und mit mindestens sechs Zylindern. Wer die Viertelmeile in 16,5 Sekunden pa- cken will, greift ab Januar 1957 zum 290 SAE-PS starken High-Perfor- mance-Submodell namens Fury. Guido Straathof aus Alphen aan den Rijn in Holland kennt alle 50er-Jahre-Amis und verrät, was er am Belvedere liebt:

„Du sitzt richtig tief in diesem Auto, nicht hoch wie auf einem Planwagen, wie in ei- nem Chevy von damals. Der hier fährt sich fast schon sportlich – probier mal!“ Die schwere Tür fällt ins Schloss. Zündung.

Der raspelige Leerlauf des Achtzylin- ders erinnert Fans sofort daran, dass das hier ein Chrysler-Produkt ist – ty- pisch, dieser räudige, angriffslustige Sound. Passt, denn ein 2613-Dollar- Cabrio ist 1958 nichts für wohlstands- müde Beverly-Hills-Pensionäre, die fahren doppelt so teure Imperial. Ame- rikas Benzinblüter lieben diesen 5,2- Liter-Gusseisen-V8, schärfen ihn tau- sendfach nach. Faire 146 Dollar Auf- preis kostet der Fury-V-800-Motor samt „Super-Pak“ (yes, ohne c): Carter-Vier- fachvergaser, Hochleistungsnocken- welle, Doppelauspuff, 250 SAE-PS. Verblüffend: Auf Tastendruck schwappt

der Milchshake in der Beifahrerinnenhand nicht über, stattdessen flutscht muffin- weich der erste Gang der 220-Dollar- Torqueflite-Automatik rein. Und noch eine Enttäuschung für alle, die in glühender Erwartung ausgenudel-

ter Straßenkreuzer-Klischees bis hier

¤

Das liegend montierte Ersatz- rad nimmt Platz weg, trotzdem ist im Heck des Fullsize-Cabrios mehr
Das liegend
montierte Ersatz-
rad nimmt Platz
weg, trotzdem ist
im Heck des
Fullsize-Cabrios
mehr Platz
als in einem euro-
päischen Ober-
klasseauto seiner
Zeit (rechts). Mit
443 779 Plaza,
Savoy, Belvedere
und Fury liegt
Plymouth 1958
auf Rang drei der
US-Zulassungs-
statistik. Lediglich
9941 Käufer ent-
scheiden sich für
das Convertible,
das Plymouth
nur mit V8 liefert —
das goldene V
verrät ’ s: „Pass
auf, Alter, ich
bin kein müder
Basis-Sechs-
zylinder “ (rechts
unten)
FOTOS: R. RÄTZKE (6)

KLASSIKER aus Amerika

PLYMOUTH BELVEDERE

gelesen haben: Mit seiner drehstabgefe- derten Vorderradaufhängung gehört der Plymouth Belvedere zu den komfortabels- ten und fahrsichersten US-Autos seiner Zeit. Zusammen mit neu konstruierten Blattfedern der hinteren Starrachse be- schert „Torsion-Aire“ den Chrysler-Mar- ken einen Handling-Vorsprung, den der kleinste Gigant der „Big Three“ bis weit in die 1970er-Jahre verteidigen kann. „Motor Trend“ feiert den Plymouth da- mals als das Auto mit dem landesbesten Fahrverhalten. Warum, lässt sich heute noch spüren: Bei erhöhter Spritzufuhr geht das rote Cabrio sanft in die Hocke, neigt sich kaum in Kurven. Scharf gebremst, tau-

chen die Vorderräder niemals in ge- fährliche Tiefen der Radkästen – ein Riesenfortschritt in einer Zeit, als die US-Autoindustrie knieweiche Fahr- werke zum Standard und Atomantrieb zum Zukunftstraum erklärt. Dann doch lieber Benzin verbren- nen, wenn es auch mal 20 Liter sind:

461 Newtonmeter stemmt der Rote bei lässigen 2800 Touren auf die Kurbel- welle. Die Servolenkung (77 Dollar) arbeitet so exakt, dass es genügt, wenn der Fahrer mit der Linken sachte das rot-weiße Lenkrad wiegt. Die andere bleibt frei – für die Autokino-Beglei- tung oder um sich einfach lässig auf der

Sitzlehne zu fläzen. Ob der Suchlauf des Transistorradios (106 Dollar) einen Fifties-Hit findet? Egal: Rock nRoll ist hier Serie, spätestens wenn das Blech vibriert, einem der Wind um die Ohren weht und die Weißwandpu- schen sirrend über den Asphalt spuren. Für Plymouth hat der Schnellschuss fatale Folgen: Auf hektisches Kassen- klingeln folgt das Geschrei wütender Kunden und ein zerschmettertes Image: Rost, Materialmurks, Lack- pfusch. In den folgenden Jahrzehnten stirbt die Marke im Marketing-Wirr- warr der Chrysler Corporation bis 2001 einen langsamen Tod. Lukas Hambrecht

Der 318er-Block (o.) leistet dank Vier- fachvergaser axmh,axmn bMag und niam scharfer dolor Nocken- ilit
Der 318er-Block (o.)
leistet dank Vier-
fachvergaser axmh,axmn bMag und
niam scharfer dolor Nocken- ilit ac-
welle cummy 250 nonulputet SAE-PS.
del Parkleuchte iustrud modo-
lesed über den tat. Doppel- Eraese-
quisi.Eratue scheinwerfern dolo-
(links), bor se con Schriftzug he
dolobor und Panel se im con he-
Googie-Stil (rechts)
22
www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015
FOTOS: R. RÄTZKE (4), PRIVAT (3), THAT HARTFORD GUY
PLUS/MINUS Größter Schwachpunkt eines Plymouth-Modells aus den Jahren 1957 bis 1959 ist die Fertigungsqualität. Vor

PLUS/MINUS

Größter Schwachpunkt eines Plymouth-Modells aus den Jahren 1957 bis 1959 ist die Fertigungsqualität. Vor allem frühe Autos waren nachlässig zusammen- gebaut und ruinierten den Ruf der Marke auf Jahre, weil der Kunde als Beta-Tester für Chryslers Design- innovationen bezahlen musste. Schnell nagte der Rost am unteren Drittel des Karosseriekörpers und an den Bodenblechen. Käufer beschwerten sich über herabschneiende Lackflocken, reißende Polster und nerviges Karosserieklappern. Auch Chryslers ge- feierte Drehstabfederung führt zu Verdruss, weil die Erbsenzähler anfangs auf Gummidichtungen verzichtet hatten. Gemessen an der stattlichen Pro- duktionszahl haben nur wenige Autos im Original- zustand überlebt. Stephen Kings menschenmorden- des Horrorauto Christineträgt seit den 80ern zur Marktüberhitzung bei. Fettes Plus: Motoren und Au- tomatikgetriebe gelten als äußerst robust.

ERSATZTEILE

Weil sich auch ein 58er Plymouth abseits der Kino- leinwand nicht von selbst repariert und Belvedere- Besitzer nicht häufiger durch ihr eigenes Auto zu Tode kommen als andere Oldtimerfans, was den Markt mit Teileträgern fluten könnte, ist die Situa- tion angespannt. Lagerware ( new old stock ) in gutem Zustand kostet Apothekerpreise und ist schwer zu finden. Ein Besuch auf dem Power Big Meet in Västerås, Schweden, kann helfen, Kontakte zu knüpfen, außerdem die Web-Community für Forward-Look-Plymouth (www.forwardlook.net).

MARKTLAGE

Teuer ist das Topmodell Belvedere in allen Karos- serieformen, aber besonders als zweitüriges Sport- Coupé (2-Door Hardtop) in Toreador Red mit eis- bergweißem Dach – Christineeben. Denn die war eigentlich nie ein Fury, das Belvedere-Submodell gab es nur in Eierschalenweiß mit Gold. Billig dage- gen, vor allem als Sechszylinder: Plaza und Savoy.

dage- gen, vor allem als Sechszylinder: Plaza und Savoy. Preisspiegel in Euro 47 300 43 800

Preisspiegel in Euro

47 300

43 800 40 600 37 200
43 800
40 600
37 200

2009

2011

2013

2015

Quelle: Classic Data. Preise für Autos in Zustand 2, d. h. gutem Zustand: entweder seltener, guter, unrestaurierter Originalzustand oder fachgerecht und aufwendig restauriert; technisch einwandfrei und mit leichten Gebrauchsspuren.

EMPFEHLUNG

Das Angebot an Plymouth der späten 50er in den gängigen Online-Börsen ist bei Redaktionsschluss überschaubar, reicht aber vom sauberen Sechszy- linder-Savoy für weniger als 20 000 Euro bis zum toprestaurierten Belvedere Convertible auf diesen Seiten. Wer von Christineohne Oberteil träumt und das nötige Kleingeld hat, kann für 89 500 Euro zuschlagen: www.lasalleclassiccars.nl. Grundsätz- lich kosten zweitürige Club Sedan und Viertürer deutlich weniger als Sport-Coupés, Cabriolets und Kombis, bieten aber denselben Forward Look.

TECHNISCHE DATEN

Motor: V8, vorn längs • eine zentrale Nockenwelle, über Kette angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, ein Vierfachvergaser (Carter) • Hubraum 5205 cmÍ • Leistung 184 kW (250 PS) bei 4400/min • max. Drehmoment 461 Nm bei 2800/min Antrieb/ Fahrwerk: Dreistufenautomatik Torqueflite (Serie Dreigang-Schaltgetriebe) • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung und Drehstabfedern vorn, hinten Starrachse, längs verlaufende Blattfedern, Teleskopstoßdämpfer • Reifen 7.50 x 14 Maße:

Radstand 2997 mm • L/B/H 5197/1986/1486 mm • Leergewicht 1608 kg Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 8,9 s • Spitze ca. 180 km/h • Verbrauch 18,5 l S pro 100 km Neupreis: 2613 Dollar (Plymouth Belvedere 2-Door Convertible 1958)

HISTORIE

Zum ersten Mal taucht der Name Belvedere1951 in Plymouth-Prospekten auf – als Zusatzbezeichnung für ein 2-Door Hardtop Coupe auf Basis des Cran- brook mit Zweifarblackierung, Chryslers Antwort auf den Chevrolet Bel Air. Zum Modelljahr 1954 wächst der Belvedere zur eigenständigen Modell- familie heran. 1955 erfindet sich die Marke neu, mit modernen Automatikgetrieben, neuen Achtzylin- dern von Dodge und frischem Styling. 1958 folgt ein echter Plymouth-V8 bei marginalen Designän- derungen. Dann, im Dezember 1956, die Revolution:

Virgil Exners Forward-Look-Modelle rollen zu den Händlern. GM-Styling-Boss Harley Earl zitieren sie ins Vorstandsbüro, als der neue Plymouth-Katalog im Detroiter General-Motors-Hauptquartier, 3044 West Grand Boulevard, ankommt. Der Belvedere behält zunächst seinen Status als Plymouth-Flagg- schiff, tritt ihn aber 1959 an den Fury ab, der vor- her nur ein Sondermodell ist. 1970 übernimmt der Satellite die Rolle des Mittelklasse-Plymouth.

der Satellite die Rolle des Mittelklasse-Plymouth. Belvedere 4-Door Sedan (1954) Premiere als eigenständi-
der Satellite die Rolle des Mittelklasse-Plymouth. Belvedere 4-Door Sedan (1954) Premiere als eigenständi-
der Satellite die Rolle des Mittelklasse-Plymouth. Belvedere 4-Door Sedan (1954) Premiere als eigenständi-
der Satellite die Rolle des Mittelklasse-Plymouth. Belvedere 4-Door Sedan (1954) Premiere als eigenständi-

Belvedere

4-Door

Sedan (1954)

Premiere als

eigenständi-

ges Topmodell

Belvedere

2-Door Hemi

(1964) Ein

Sieben-Liter-

Hemi in der Mittelklasse

GTX (1968) Gedoptes Kassengestell auf B-Platt- form Muscle- Car-Alarm!

Satellite

Wagon (1971)

Plymouths

Mittelklasse-

modell der

frühen 70er

Alltagstauglichkeit

11144

Reparaturfreundlichkeit

11144

Ersatzteilversorgung

11444

Unterhaltskosten

11144

Verfügbarkeit

11444

Preisprognose

11144

ADRESSEN

Spezialisten: www.lasalleclassiccars.nl (Händler), www.forwardlook.net (amerikanische Community) Literatur: Ron Kowalke: Standard Catalog of American Cars 19461975, 4th Edition, 976 Seiten, KP Books, antiquarisch

1 mangelhaft • 11 ausreichend • 111 befriedigend • 1111 gut • 11111 sehr gut

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 23

KLASSIKER aus Amerika

KLASSIKER aus Amerika The Doors Gewitter, dazu Texte über mordende An- halter und hypnotisieren- de E-Piano-

The Doors

Gewitter, dazu

Texte über

mordende An-

halter und

hypnotisieren-

de E-Piano- Klänge: So hört

sich der psychedelische Albtraum der Blumenkinder an. Jim Morri- sons düstere

Rock-Lyrik verursacht Gänsehaut. „Riders on the Storm“ ist der letzte Song des fina- len Doors- Albums „L.A. Woman“ von

1971.

CHEVROLET CAMARO UND FORD MUSTANG

Riders on the

Storm

In den Swinging Sixties übertrumpfen Amerikas Autobauer einander mit immer heftigeren Ausbaustufen ihrer Pony Cars. Der Rausch aus Farben, Formen, Sound und PS-Zahlen wirkt bis heute nach

‡ Der Pony-Car-Krieg beginnt am

28. Juni 1966. General Motors lädt an die- sem Tag rund 200 Pressevertreter ins De- troiter Statler-Hilton Hotel, wo noch kein neuer Mustang-Gegner zu sehen ist. Dafür lüftet GM das Geheimnis um den Namen des Autos mit dem Code XP-836. Das Auto, das Chevrolet unter der Tarnung „Panther“ entwickelt hat, soll „Camaro“ heißen. Als einer der Journalisten fragt, was denn ein Camaro sei, lautet die Ant- wort der Produktmanager: „Ein kleines, böses Tier, das Mustangs frisst.“ Tatsäch- lich ist der Name Camaro aus dem Fran-

zösischen entliehen und bedeutet so viel

wie „Freund“ oder „Kamerad“, was gar nicht böse klingt, aber durchaus zu einem Personal Car nach Mustang-Vorbild passt. Und in die Chevrolet-Familie, weil Ca- maro mit C beginnt, genau wie Corvair, Chevy II, Chevelle, Caprice und Corvette. Mal ehrlich: Was ist schon ein Held oh- ne seinen fiesen Gegenspieler? Batman hat den Joker, Superman hat Lex Luthor, Captain America hat Red Skull – und der Mustang den Camaro. Dabei haftet dem Camaro stets ein Trittbrettfahrer-Image an. Zu Recht? GM arbeitet bereits 1958 an einem Auto im Pony-Format: viersitzig, sportlich, kompakt. Pontiac-Designer Bill

50 JAHRE MUSTANG www.autobild.de/mustang
50 JAHRE MUSTANG
www.autobild.de/mustang

Porter erinnert sich später: „Der Konzern hatte dann doch kein Interesse.“ Das än- dert sich schnell, als Ford im Debütjahr des Mustang 680 989 Stück verkauft, ein bis heute ungebrochener Rekord. Nach zwei Jahren ist die Million voll. Das Pony Car ist der größte Sixties-Hit der US-Auto- industrie. Und General Motors sieht ein, dass der Chevrolet Corvair mit Heckmotor nicht zum Mustang-Killer taugt. Gepusht vom General Manager der Ford Division, Lee Iacocca, ist der Mus- tang das richtige Auto zur richtigen Zeit. Mit seiner Vorstellung am 17. April 1964

auf der Weltausstellung in New York

¤

Ein Hauch von Detroit im Hamburger Industriehafen: Der Chevrolet Camaro ist seit 1966 ärgster Mustang-
Ein Hauch von Detroit im Hamburger
Industriehafen: Der Chevrolet
Camaro ist seit 1966 ärgster Mustang-
Rivale. Als Power-Ponys
Camaro RS/SS 396 und Mustang GT
390 S-Code machen sie die Aus-
fallstraßen der Großstadt unsicher

KLASSIKER aus Amerika

CHEVROLET CAMARO UND FORD MUSTANG

26 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015
26 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015
26 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

26 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

26 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015
26 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

präsentiert Ford das Traumauto für die Kids der geburtenstarken Nach- kriegsjahre. Ein Auto für ein neues Le- bensgefühl, Ergebnis tiefschürfen- der Marktanalysen. Als die Pharma- industrie die Pille herausbringt und fünf Rüpel aus dem englischen Dart- ford als The Rolling Stones die US-Bill- board-Charts stürmen, bietet kein Massenmodell mehr Sex fürs Geld. Myriaden von Extras und mehr als ein halbes Dutzend Motoren sind für denMustangbestellbar. Derburgunder- farbene auf diesen Seiten ist nicht die Weißbrot-und-Erdnussbutter-Ver- sion: Highschool-Rebellen träumen vom GT 390 Fastback, vom S-Code mit 6,4-Li- ter-Thunderbird-V8, Holley-Vierfachver- gaser, Viergang-Schaltgetriebe und – spre- chen wir es aus – einem der geilsten Rücken der Autogeschichte. Der fehlende Ford-Schriftzug am vorderen Motorhau- benende, seitliche Positionsleuchten und vereinfachte Fake-Lufteinlässe an den Flanken kennzeichnen den 68er. Hinterm Lenkrad des Mustang nimmt der Fahrer wie von selbst eine lässige Hal- tung ein. Die Kupplung greift spät, was bei der Power nicht stört – bereits bei 3200 Touren liegen grizzlybärige 579 Newton- meter an. Dass unterm Blech der ordinäre Falcon steckt, ist dem legendären Kampf- preis geschuldet. Wie das ein oder andere Spaltmaß. Das Big-Block-Brabrabrabrab macht es wieder wett. Und wehe, wenn

Chevrolet Camaro RS/SS 396 Fruchtig: Camaro SS in „Hugger Orange“ (Mitte). Cool: In- terieur mit
Chevrolet
Camaro
RS/SS 396
Fruchtig: Camaro SS
in „Hugger Orange“
(Mitte). Cool: In-
terieur mit Pepita-
Sitzmuster und
Billardkugel-Kopf
auf dem Hebel der
Hurst-Viergangbox
(oben). Versteck-
spielchen treibt der
Chevy mit den
Scheinwerferjalou-
sien des optionalen
RS-Pakets. Mächtig:
6,5-Liter-Turbo-
jet-V8 (rechts)
diesen 320-PS-Gaul der Hafer sticht: 7,4 Sekunden von null auf 96 km/h – Vrooom! Enge
diesen 320-PS-Gaul der Hafer sticht: 7,4
Sekunden von null auf 96 km/h – Vrooom!
Enge Kurvenradien mag der Stang nicht.
In die muss der Fahrer ihn hineinquälen.
Und höllisch aufpassen, dass ihn beim
ersten Gasstoß nicht die trampelnde Starr-
achse überholt. Alternativ kann er – wenn
er es kann – wie Lieutenant Frank Bullitt
durch die Kurve driften.
Und der Camaro? Kaum zu fassen, dass
Styling-Chef Bill Mitchell ihn nicht mochte:
aggressive Front, muskulöse Haube mit
Lufteinlässen, „Bumblebee“-Rennstreifen,
flaches Dach, knackiger Hintern – sexy, das.
Vor allem als Camaro SS 396 mit RS-Option
und fein nachgeschärftem 6,5-Liter-Turbo-
Jet samt Holley-Vierfachvergaser und
Edelbrock-Nockenwelle bringt der Camaro
jede Reifensorte zum Schmelzen. Das Inte-
rieur ist kastig und bis auf etwas geklebtes
Holzfurnier vergleichsweise trist. 375 PS
drücken die Insassen in den Pepita-Stoff
der Bucket Seats. Im Leerlauf brabbelt der
Chevy wie eine Hafenbarkasse, dreht dann
entschlossen hoch wie ein NASCAR-Ren-
ner. Noch brutaler als der Ford: 6,8 Sekun-
den von null auf 96 km/h, gefühlt sind es
dreieinhalb. Die Schaltung arbeitet einen
Tick präziser als die Mustang-Box, das här-
tere Fahrwerk der Super-Sport-Option
macht den Camaro zum Fahrerauto.
Mustang gegen Camaro – Feinde fürs
Leben. Gut für uns Petrolheads, dass sich
diese beiden Typen absolut nicht aus-
stehen können. Lukas Hambrecht
Ford
Mustang
GT 390
Mit rauchiger Note:
Mustang GT 390 in
„Burgundy“. Lässig:
Blick auf fünf
chromumrandete
Rundinstrumente
(oben). Zum Modell-
jahr 1967 geht der
Stang deutlich in die
Breite, damit der
6,4-Liter-V8
reinpasst (links).
Nebelleuchten
vorm Kühler, Blech-
harfe hinter der
B-Säule (rechts)
www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 27
FOTOS: S. KRIEGER (17)

FORD MUSTANG GT 390 FASTBACK

CHEVROLET CAMARO RS/SS 396

Autohintern, die uns nicht aus dem Kopf gehen. Oder?

CHEVROLET CAMARO UND FORD MUSTANG

dem Kopf gehen. Oder? ‡ CHEVROLET CAMARO UND FORD MUSTANG PLUS/MINUS Lange fristete der Camaro ein
PLUS/MINUS
PLUS/MINUS

Lange fristete der Camaro ein Schattendasein in Deutschlands Szene. Dabei kann er vieles besser als sein großer Rivale, der Mustang. Tech- nikteile sind für den Chevy oft sogar günstiger als für den Ford. Noch

ist der Camaro das seltenere Auto zum günstigeren Preis. Rost nistet sich meist im Bereich des Heckscheibenrahmens ein, frisst sich dann über die hinteren Seitenteile bis zum Kofferraum durch. Ebenfalls betroffen: die

Hohlräume an den Blattfederaufnahmen vorn und die Fußräume, wenn die Wind- schutzscheibe leckt. Technisch gilt der Camaro, wie die meisten US-Autos seiner Zeit, als unproblematisch. Vorsicht bei Tuningmotoren!

Die meisten Mustang sind restauriert. Es gilt zu checken, in welcher Qualität. Bei Besichtigungen immer einen Schichtdickenmesser da- beihaben. Finger weg von Shelby-Nachbauten! Originalmotor, -farbe

und -ausstattung lassen sich anhand der Fahrgestellnummer deco- dieren. Deutschlands US-Car-Gemeinde hat sich gewandelt, längst geht originell nicht mehr über original. Rost befällt das Pony gern an Batterie-

kästen, Federbeindomen, den Kotflügelschraubkanten an Stehblechen und A-Säulen sowie an hinteren Kotflügeln und im Kofferraum. Technik-Zicken er- laubt sich der Mustang kaum. Allerdings sind die V8 nicht vollgasfest.

ERSATZTEILE

Um es kurz zu sagen: kein Problem. Chevrolet-Teile-Riese Eckler’s sorgt für lücken- losen Teilenachschub, um die Gesundung aller Erstserien-Camaro (Modelljahr 1967– 69) zu gewährleisten. Die Preise sind fair. Auf der Seite www.rickscamaros.com, einer Eckler’s-Tochter, gibt es vom Fender-Emblem über Karosserie- und Inte- rieurteile bis hin zum kompletten Ersatzmotor so ziemlich alles.

Preisspiegel in Euro 32 100 26 700 25 200 25 200 2009 2011 2013 2015
Preisspiegel in Euro
32 100
26 700
25 200
25 200
2009
2011
2013
2015

Quelle: Classic Data. Preise für Camaro SS in Zustand 2, d. h. gutem Zustand: entweder seltener, guter, unrestaurierter Originalzustand oder fachgerecht und aufwendig restauriert; technisch einwandfrei und mit leichten Gebrauchsspuren.

Wer die Ersatzteilpreise für klassische Mustang überfliegt, stellt fest, dass das Liebesobjekt aller US-Car-Einsteiger bis heute ein bodenständiges Traumauto ge- blieben ist. Spezialisten wie KTS Classic American Parts (www.only-dr-mustang.de) in Bönningstedt bei Hamburg liefern alles. Weil der Ford Mustang in Amerika so verbreitet ist wie bei uns der Käfer, lohnen sich Reproduktionen.

Preisspiegel in Euro 43100 38800 35100 28800 2009 2011 2013 2015
Preisspiegel in Euro
43100
38800
35100
28800
2009
2011
2013
2015
in Euro 43100 38800 35100 28800 2009 2011 2013 2015 Quelle: Classic Data. Preise für GT

Quelle: Classic Data. Preise für GT 350 Fastback in Zustand 2, d. h. gutem Zustand: entweder seltener, guter, unrestaurierter Originalzustand oder fachgerecht und aufwendig restauriert; technisch einwandfrei und mit leichten Gebrauchsspuren.

MARKTLAGE

Das Angebot ist überschaubar, die Preise sind moderat. Experten sehen im Camaro noch großes Potenzial. Bisher hatten Sammlermodelle wie der SS 396 in den Staaten einen hö- heren Stellenwert als bei uns, doch die Zahl der Kenner wächst. Und die legen Wert auf seltene Ausstattun- gen und Originalität.

Der ganz große Mustang-Boom ist vorbei, sagen Szenekenner. Abge- kühlt ist vor allem der Markt für den Stufenheck-Mustang („Notchback“) der ersten Generation. Eine Folge natürlicher Marktsättigung. Teure Sammlermodelle, beispielsweise K- und S-Codes oder Shelbys, gehen weiterhin wie warme Bagels.

EMPFEHLUNG

Offerten wie der Camaro RS/SS in Hugger Orange auf diesen Fotos sind selten. Er hat neben dem höher verdichteten Big Block mit 369 Cubic Inches (6,5 Liter), Schmiedekolben, Fächerkrümmer, Edelbrock-Nockenwelle, Holley-Double-Pum- per und Scheibenbremsen vorn mit Bremskraftverstärker das RS-Paket mit Scheinwerferjalousien an Bord. Für 42 900 Euro hat ihn musclecarforyou.com im Angebot. Wer nicht zwingend das Kraftmodell braucht, kommt günstiger weg.

Vergleichsweise günstig ist der edle Mustang-Bruder Mercury Cougar. Den kön- nen wir empfehlen – auch weil er nicht an jeder Ecke parkt. Wenn es unbedingt ein Mustang sein muss und die Brieftasche locker sitzt, geht in Sachen Fahrspaß und Wertstabilität nichts über einen GT 390 S-Code, natürlich als Fastback. Okay, vielleicht ein 428 Cobra Jet – aber finden Sie mal einen. Der rote GT 390 Fast- back auf diesen Seiten steht zum Verkauf – Kontakt über die Redaktion.

TECHNISCHE DATEN

Motor: V8, vorn längs • zentrale Nockenwelle (Kette), zwei Ventile pro Zylinder, ein Fallstrom- Vierfachvergaser Rochester (Serie) • Hubraum 6489 cmÍ • Leistung 375 SAE-PS bei 5600/min • max. Drehmoment 562 Nm bei 3600/min Antrieb/Fahrwerk: Viergang-Schaltgetriebe (optio- nal, Serie: Dreigang-Schaltgetriebe, a. W. Dreistufen-„Turbo Hydra-Matic“) • Hinterradantrieb • vorn Trapez-Dreiecksquerlenker und Schraubenfedern, Kurvenstabilisator, hinten Starrachse mit Einblattfedern, Teleskopdämpfer • Reifen F70-14 (Serie) • Scheibenbremsen vorn, hi. Trom- mel Maße: Radstand 2745 mm • L/B/H 4725/1880/1300 mm • Leergewicht 1572 kg Fahrleis- tungen/Verbrauch: 0–96 km/h in 6,8 s • Spitze 200–225 km/h • Verbrauch 19,5 l Super/100 km Neupreis: 3148 Dollar (Camaro SS 396 mit Viergang und RS-Optionspaket, Modelljahr 1969)

Motor: V8, vorn längs • zentrale Nockenwelle (Kette), zwei Ventile pro Zylinder, ein Fallstrom- Vierfachvergaser Holley • Hubraum 6361 cmÍ • Leistung 325 SAE-PS bei 4800/min • max. Drehmoment 579 Nm bei 3200/min Antrieb/Fahrwerk: Viergang-Schaltgetriebe (optional, Serie: Dreistufen-„Cruise-O-Matic“) • Hinterradantrieb • vorn obere Trapez-Dreiecksquerlenker, unten einf. Querlenker, Schraubenfedern, Teleskopdämpfer, hinten Starrachse mit Halbelliptik- federn, Teleskopdämpfer • Reifen 6,95 H 14 (Serie) • Scheibenbremsen vorn, hinten Trommel Maße: Radstand 2740 mm • L/B/H 4665/1900/1315 mm • Leergewicht 1540 kg Fahrleistungen/ Verbrauch: 0–96 km/h in 7,4 s • Spitze ca. 200 km/h • Verbrauch 20 l Super/100 km Neu- preis: 3157 Dollar (Mustang GT 390 Fastback mit Viergang, Modelljahr 1968)

HISTORIE

Gerüchte über ein Pony Car von Chevrolet machen bereits kurz nach dem Bomben- Start des Mustang die Runde. Ironie des Schicksals: Chevrolets unkonventionelles Heckmotor-Kompaktmodell Corvair ist einer der Impulsgeber für die Entwick- lung des Mustang. In zwei Jahren entwickelt GM das Auto mit dem Codenamen XP-836 zur Serienreife. Mögliche Namen: „Panther“, „Chapparal“ und „Wild- cat“. Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass der Camaro auf dem Chevy II basiert. Tatsächlich teilt sich der komplett neue Chevy II für 1968, der später Nova heißt, viele Teile mit dem 67er Camaro, der im Herbst 1966 bei den Händlern steht. Ba- sismotor ist ein 3,8-Liter-Reihensechser mit 140 SAE-PS, Stärkster ab 1968 der 6,5-Liter-Big-Block mit 375 PS. Topmodell der ersten Generation: der Z28 mit offi- ziell 290 und inoffiziell 400 SAE-PS als Basis für die Trans-Am-Rennserie. Heute baut Chevrolet, nach einer Pause 2002–2006, Camaro-Generation fünf.

Der erste Mustang-Prototyp mit Vierzylinder-Mittelmotor von 1962 sieht wie ein Le-Mans-Renner aus. Das Mustang II Concept von 1963 weist den Weg. Im April 64 rollt das Serienmodell als Stufenheck und Cabrio zu den Händlern. Gedränge in den Showrooms, Mustang-Vater Iacocca landet auf dem Cover des Magazins „Time“. In Texas versteigert ein Händler einen Wagen höchstbietend – der Gewin- ner schläft darin, bis am nächsten Morgen klar ist: Der Scheck ist gedeckt. Im Okto- ber folgt das Fastback als dritte Karosserievariante. 1967 geht das Pony in die Breite, damit der Big Block reinpasst. Unter Ford-Präsident „Bunkie“ Knudsen legt der Mustang an Gewicht zu, Papa Iacocca nennt ihn „fettes Schwein“. Die Öl- krise und horrende Versicherungsprämien führen zum schlanken Mustang II. En- de der 80er will Ford den Mustang zugunsten des Probe einschläfern, wütende Proteste verhindern das. Mustang Nummer sechs kommt 2015 auch zu uns.

verhindern das. Mustang Nummer sechs kommt 2015 auch zu uns. Chevrolet Camaro Convertible (1966) Das Urmodell
verhindern das. Mustang Nummer sechs kommt 2015 auch zu uns. Chevrolet Camaro Convertible (1966) Das Urmodell
verhindern das. Mustang Nummer sechs kommt 2015 auch zu uns. Chevrolet Camaro Convertible (1966) Das Urmodell
verhindern das. Mustang Nummer sechs kommt 2015 auch zu uns. Chevrolet Camaro Convertible (1966) Das Urmodell

Chevrolet Camaro Convertible (1966) Das Urmodell gibt es als Cabriolet und Coupé

Chevrolet Camaro SS 454 (1972) Anfangs noch mit 7,4 Litern: Camaro der Zweite

Ford Mustang Convertible (1964) Das Urmodell löst eine Massenhysterie aus

Ford Mustang II (1974) Pony-Vater Lee Iacocca nennt ihn stolz sein „kleines Juwel“

Lee Iacocca nennt ihn stolz sein „kleines Juwel“ Chevrolet Camaro IROC-Z (1985) Das coolste Pony Car
Lee Iacocca nennt ihn stolz sein „kleines Juwel“ Chevrolet Camaro IROC-Z (1985) Das coolste Pony Car
Lee Iacocca nennt ihn stolz sein „kleines Juwel“ Chevrolet Camaro IROC-Z (1985) Das coolste Pony Car
Lee Iacocca nennt ihn stolz sein „kleines Juwel“ Chevrolet Camaro IROC-Z (1985) Das coolste Pony Car

Chevrolet Camaro IROC-Z (1985) Das coolste Pony Car der 80er – keine Diskussion!

Chevrolet Camaro Z28 (1993) Kommt komplett neu, 2002 ist vorerst Schluss

Ford Mustang 5.0 SVT (1993) Brandheißes Finale der dritten Mustang-Generation

Ford Mustang GT (1994) Das Pony sollte sterben, die Fans protestierten – so kam er

Alltagstauglichkeit

11144

Alltagstauglichkeit

11144

Reparaturfreundlichkeit

11114

Reparaturfreundlichkeit

11114

Ersatzteilversorgung

11111

Ersatzteilversorgung

11111

Unterhaltskosten

11444

Unterhaltskosten

11444

Verfügbarkeit

11144

Verfügbarkeit

11111

Preisprognose

11114

Preisprognose

11144

Club: 1. Camaro Club Deutschland e. V.,

www.1-camaroclub.de,

Literatur: David Newhardt: The Complete Book of Camaro. Every Model Since 1967. Motorbooks 2013, ca. 34 Euro (engl.)

ADRESSEN

Clubs: First Mustang Club of Germany e. V., www.mustangclub.de (Homepage), www.mustang-inside.de (Forum) Literatur: Mike Mueller: Ford Mustang. Alle Modelle ab 1964. Heel Verlag 2010, nur noch antiquarisch

KLASSIKER aus Amerika

FOTOS: A. PERKOVIC (3)

CHRYSLER TOWN & COUNTRY

Go Your Own Way

Wahre Größe kommt nur von innen? Laufen Sie mal einem Chrysler Town & Country von 1975 über den Weg! Dann verschieben sich Ihre Maßstäbe

ist nur, wann. Dieser Chrysler Town & Country von 1975 ist der einzige, den das

Internet bei unserer Recherche ausspuckt. In ganz Europa, wohlgemerkt. Einen 300 SL Flügeltürer findet man leichter. Szenenwechsel: das Land der unbe- grenzten Abmessungen (auch USA ge- nannt), 1974. Chrysler stellt seinen neu- en Town & Country vor, im Grunde die Kombiversion des New Yorker. 5,77 Meter lang, zwei Meter breit, 1,50 Meter hoch,

Ein Schiff wird kommen. Die Frage

leer 2,3 Tonnen schwer, 7,2-Liter-Big- Block-V8 unter der Haube. Wer fest aufs Gaspedal tritt, schafft Verbrauchswerte, wie sie sonst nur ein Flugzeugträger der US-Marine in aufgewühlter See erreicht. Gefühlt, zumindest. Kaum ein Auto hat je einen schlechte- ren Zeitpunkt für sein Debüt erwischt. Die Ölkrise von 1973 liegt erst wenige Monate zurück, und selbst in den USA – bis dahin auch das Land des unbegrenz- ten, weil lächerlich billigen Sprit-Angebots

– geht die nackte Angst um. Wird das schwarze Gold womöglich zum knappen, unerschwinglichen Edel-Rohstoff? Den Town & Country trifft die Panik- stimmung wie die Bugwelle besagten Flug- zeugträgers. Nur 2236 Sechssitzer und 5958 Neunsitzer mit dritter Sitzbank im Kofferraum kann Chrysler 1974 verkaufen. Das Unternehmen reagiert und bietet den plötzlich vom Aussterben bedrohten Kom- bi-Dino 1975 auch mit kleinerem (!) 6,6-Li- ter-V8 an. Und mit einer skurrilen Warn-

anzeige, die den Fahrer darauf aufmerksam macht, wenn er nicht optimal mit dem an Schwere gewöhnten Gasfuß umgeht. Tritt er zu fest drauf, leuchten auf der Rücksei- te der kleinen Blinkerwarze auf dem lin- ken vorderen Kotflügel Warnlämpchen auf. Hat übrigens beim Foto-Modell noch tadellos funktioniert. Es hilft nichts: Der Town & Country bleibt eine aussterbende Art. 1975 finden sich insgesamt nur 6655 Käufer, die die Zeitläufe so ungerührt ignorieren wie die dramatisch fallende Tanknadel unterwegs. 1976 geht das Artensterben weiter, in die- sem Jahr bestellen 4498 Personen den Kombi-Giganten. 1977 erholen sich die Verkaufszahlen zwar auf 7275 Einheiten, doch es ist zu spät: Ab 1978 baut der Town & Country auf der kleineren M-Plattform von Chrysler auf.

CHEVY CAPRICE SEDAN www.autobild.de/caprice
CHEVY CAPRICE SEDAN
www.autobild.de/caprice

Kein Kostverächter ist 1975 jedenfalls Wayne Cedoz aus dem kleinen Städtchen Port Clinton in Ohio, direkt am mächtigen Eriesee gelegen. Er bestellt seinen Town & Country beim örtlichen Chrysler-Händ- ler, wie die alten Dokumente verraten, die im Handschuhfach auftauchen. Im Juni 1975 wird sein Auto montiert, was ein Auf- kleber in der Fahrertür festhält. Ausgelie- fert wird der Kombi am 1. Oktober – die Vollfettstufe mit 7,2-Liter-V8 und dritter Sitzbank im Kofferraum. 6244 Dollar kostet der Riese, nach da- maligem Kurs umgerechnet rund 15 400 Mark. Ungefähr so teuer ist in Deutsch- land der Opel Rekord Caravan L 2000 S, das Top-Kombimodell der Baureihe. Nur dass der Opel im Vergleich zum Chrysler so winzig wie Sammy Davis jr. in einem

Basketball-Team wirkt.

¤

Ein Town & Country fährt nicht um die Kurve – er wankt durch. So ziemlich
Ein Town & Country fährt nicht um die Kurve – er wankt durch. So ziemlich

Ein Town & Country fährt nicht um die Kurve – er wankt durch. So ziemlich alles an und in ihm hat XXL-Format – auch die vorderen Sitzmöbel. Was Mercedes kann, kann Chrysler auch:

Von den 1950ern bis in die 1980er verwendete die Marke gern Emble- me im Wappen- Stil. Hauptsache, bombastisch!

auch: Von den 1950ern bis in die 1980er verwendete die Marke gern Emble- me im Wappen-
Nr. 2 · Februar 2015 31

Nr. 2 · Februar 2015 31

Hauptsache, bombastisch! Nr. 2 · Februar 2015 31 Fleetwood Mac Im privaten Chaos schaffen Fleetwood Mac

Fleetwood

Mac

Im privaten

Chaos schaffen

Fleetwood

Mac aus

Trennungs-

schmerz

melodische

Pop-Kunst-

werke wie „Go Your Own Way“ oder „Don't Stop“. Mit 40 Mil- lionen Platten gehört „Rumours“ von 1977 zu den meist- verkauften Alben aller Zeiten.

30

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

KLASSIKER aus Amerika

FOTOS: A. PERKOVIC (8)

CHRYSLER TOWN & COUNTRY

Aber sehen wir uns das Schiff doch etwas näher an. Für europäische Maß- stäbe klingt es wie blanker Hohn, einem solchen Giganten den Namen (für) Stadt & Land zu geben. In unseren Gefilden – in diesem Fall holländi- schen – fühlt man sich, als wollte man mit dem bereits bekannten Flugzeug- träger eine Flusskreuzfahrt auf dem Rhein unternehmen. Selbst für brei- tere Landstraßen ist dieser Chrysler beinahe noch zu groß. Der V8 wummert unter der Haube wie ein voluminöser Schiffsdiesel, während der Kapitän mühsam ver- sucht, den Kahn auf Kurs zu halten. Es ist eben ungewohnt, mit einem vergleichswei- se winzigen Lenkrad eine Servolenkung zu bedienen, die dem Fahrer so viel Wi- derstand entgegensetzt wie ein Kochlöffel beim Rühren in einer wässrigen Suppe. Den Begriff Lenkpräzisionvergessen wir lieber gleich. Gut, dass der Chrysler trotz seiner riesigen Ausmaße wenigstens über- sichtlicher ist als so mancher moderne Kleinwagen. So stampft unser Schiff grollend dem Horizont entgegen, wiegt und wankt in

seiner weichen Federung wie eine Jacht auf den Wellen und saugt den Tank so ungeniert leer wie weiland Dean Martin eine Flasche Bourbon. Suchen wir uns also besser schnell einen (leeren) Supermarktplatz, um den inneren Werten dieses Autos nä- herzukommen. Von außen betrachtet ist es schlicht Ehrfurcht gebietend. Allein die Plas- tikholz-Folie auf den Flanken reicht gefühlt aus, um mindestens drei Klein- wagen komplett einzuwickeln. Die massive Kofferraumtür hängt schwer wie die eines Tresors in den Angeln und schwingt weit nach links auf. Genial ist die Variabilität: Auf der dritten Sitzbank finden drei Personen Platz. Versenkt man sie im Ladeboden und legt auch noch die Lehne der mittleren Bank um, wird der Town & Country-Laderaum zum Grand Canyon. Wenige Handgriffe und ein ge- nialer Faltmechanismus genügen, und das Gepäckabteil misst der Länge nach sage und schreibe knapp 2,50 ebene Meter. Solch ein Schiff ist also bei uns aufge- kreuzt. Oder besser gesagt wir bei ihm. Ein seltenes Vergnügen. Peter Michaely

gesagt wir bei ihm. Ein seltenes Vergnügen. Peter Michaely Ein Spaltmaß, das seinem Namen Ehre macht
gesagt wir bei ihm. Ein seltenes Vergnügen. Peter Michaely Ein Spaltmaß, das seinem Namen Ehre macht

Ein Spaltmaß, das seinem Namen Ehre macht (oben). Nur von fern wirkt das Heck schlicht. Heavy metal: die Schalter für die elektrischen Fensterheber in der Fahrertür. Im Bug grollt ein 7,2-Liter-Big-Block-V8. Der Autor (1,83 Meter) reist selbst auf der dritten Sitzbank, die gegen die Fahrtrichtung montiert ist, bequem. Sobald die Zündung eingeschaltet ist, wird die Heck- tür verriegelt. Ihr Fenster lässt sich rauf- und runterfahren

verriegelt. Ihr Fenster lässt sich rauf- und runterfahren 32 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

32 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

Das Cockpit ist unspektakulär. Knapp 2,50 Meter Ladelänge aber sind gigantisch. Der Tank leert sich
Das Cockpit ist
unspektakulär.
Knapp 2,50 Meter
Ladelänge aber
sind gigantisch.
Der Tank leert
sich beängstigend
schnell. Das Foto-
Auto mit abgelese-
nen 76 200 Meilen
(ca. 122 000 km)
steht bei Classic-
Master im hollän-
dischen Roosen-
daal für 17 950 Eu-
ro zum Verkauf.
Kontakt:
www.classicmaster.nl
Nr. 2 · Februar 2015 33

FOTO: A. PERKOVIC

CHRYSLER TOWN & COUNTRY

PLUS/MINUS Sie lieben das Raumgefühl eines Linienbusses, kombiniert mit Abmessungen ähnlich denen eines Mercedes 600?

PLUS/MINUS

Sie lieben das Raumgefühl eines Linienbusses, kombiniert mit Abmessungen ähnlich denen eines Mercedes 600? Ihnen macht es auch nichts aus, sich beim Fahren wie der Kapitän eines Flugzeugträgers zu fühlen? Dann ist so ein Town & Country der Mitt- siebziger das richtige Dickschiff für Sie. Deutsche In- nerortsstraßen, Supermarktparkplätze und Tiefga- ragen schrumpfen allerdings auf Playmobil-Format zusammen, wenn der Gigant anrollt. Seine Technik ist US-typisch simpel. Der Big-Block-V8 rumort meist bei niedrigen Drehzahlen vor sich hin und ist bei an- ständiger Wartung und Pflege kaum zu zerstören. Das robuste Heavy-Duty-Fahrwerk könnte auch un- ter einem voll beladenen Kleinlaster mühelos sei- nen Dienst verrichten. Trotzdem – oder gerade des- halb – lohnt sich ein Blick auf die Bremsen und Auf- hängungs-Bestandteile. Rost kann sowohl an der Karosserie als auch am massiven Fahrwerk nagen.

ERSATZTEILE

Wer Ersatz für spezielle Teile der Innenaustattung und der Karosserie oder Zierrat braucht, muss Ge- duld mitbringen. Technik-Teile sind im Vergleich dazu einfacher zu bekommen. Besonders der US- Anbieter Rockauto (www.rockauto.com) bietet, nach Baujahren sortiert, ein breites Sortiment an, auch für den Town & Country. Praktisch: Die Seite ist auch auf Deutsch samt (günstigen) Preisen in Euro ver- fügbar. Vordere Bremsscheiben kosten circa 50 Eu- ro pro Stück, ein Schalldämpfer unter 50 Euro. Hin- zu kommen Versandkosten und Zollgebühren.

MARKTLAGE

Die letzten Town & Country-Riesen-Kombis sind rar, auch in Amerika. Einen Markt gibt es praktisch nicht. Unser Fotoauto im Zustand 3 soll 17 950 Euro kos- ten. Im Internet war während der Recherche ein 77er-Exemplar mit angeblich nur 33 000 Meilen und Showroom-Zustand für 22 900 Dollar (umgerech- net 18 000 Euro) in den USA im Angebot.

Preisspiegel in Euro 17 100 17 000 17 000 13 100 2009 2011 2013 2015
Preisspiegel in Euro
17 100
17 000
17 000
13 100
2009
2011
2013
2015

Quelle: Classic Data. Preise für Autos in Zustand 2, d. h. gutem Zustand: entweder seltener, guter, unrestaurierter Originalzustand oder fachgerecht und aufwendig restauriert; technisch einwandfrei und mit leichten Gebrauchsspuren.

EMPFEHLUNG

Mit H-Kennzeichen bleiben die Unterhaltskosten halbwegs im Rahmen. Trotzdem: Ein Riesen-Auto wie dieser Chrysler mit seinem Riesen-Motor säuft Sprit wie ein Loch. Für US-Oldtimer-Fans, die ihren Town & Country nur gelegentlich aus der Garage (sorry: Lagerhalle) holen, dürfte das zu verschmer- zen sein. Richtig cool ist die Version mit dritter Sitz- bank, die den Kombi zum Neunsitzer macht. Potenzielle Kaufinteressenten sollten auf jeden Fall auch den US-Markt im Blick haben und vor ei- nem Import nicht zurückschrecken.

TECHNISCHE DATEN

Motor: V8, vorn längs • zentrale Nockenwelle, über Kette angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, 1 Fallstrom-Vierfachvergaser Carter • Hubraum 7206 cmÍ • Leistung 160 kW (218 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 447 Nm bei 3200/min Antrieb/Fahr- werk: Dreistufenautomatik (Chrysler TorqueFlite) • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung vorn, oben Dreiecksquerlenker, unten einfacher Querlenker mit elastisch gelagerter Zugstrebe und längs liegendem Torsionsfederstab, Stabi, hinten Starrach- se mit Halbelliptikfedern, Teleskopdämpfer • Reifen 235/75 R 15 Maße: Radst. 3150 mm • L/B/H 5771/2017/1496 mm • Leergew. 2286 kg Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h 13,1 s • Spitze 184 km/h • Verbr. 22,5 l/100 km Preis: 6244 Dollar (1975)

HISTORIE

Der erste Chrysler Town & Country-Kombi ist ein echter Woodie. Er wird 1941 präsentiert und bis 1950 gebaut. In der unmittelbaren Nachkriegszeit tragen auch Limousinen, Coupés und Cabrios von Chrysler mit Teil-Holzaufbau den gleichen Beina- men. Von 1951 bis 1969 ist die Nomenklatur reich- lich wirr. So gibt es den Town & Country-Kombi zum Beispiel als Newport, Windsor, Saratoga und New Yorker. Erst ab 1969 verwendet Chrysler den Namen ausschließlich für seine großen Kombis, die seit dem Vorjahr Holzfolie an den Flanken tragen – zur Erinnerung an das Urmodell. Das Modell auf den Fo- tos wird mit wenigen Änderungen von 1974 bis 1977 gebaut, 1978 löst der viel kleinere Town & Country auf LeBaron-Basis (M-Plattform) den Riesen ab. Er wird bis 1981 produziert. Von 1982 bis 1988 basiert der Town & Country auf dem Frontantriebs-LeBaron (K-Plattform). 1990 debütiert ein Van gleichen Na- mens, der in Europa unter der Bezeichnung Chrysler Voyager verkauft wird.

Europa unter der Bezeichnung Chrysler Voyager verkauft wird. Der Erste Das Urmodell feiert bereits 1941 Premiere
Europa unter der Bezeichnung Chrysler Voyager verkauft wird. Der Erste Das Urmodell feiert bereits 1941 Premiere
Europa unter der Bezeichnung Chrysler Voyager verkauft wird. Der Erste Das Urmodell feiert bereits 1941 Premiere
Europa unter der Bezeichnung Chrysler Voyager verkauft wird. Der Erste Das Urmodell feiert bereits 1941 Premiere

Der Erste Das Urmodell feiert bereits 1941 Premiere – als Woodie mit Echtholz

Der Offene Von 1946 bis 1950 gibt es auch Town & Country- Cabriolets

Der Kleine Auf LeBaron- Basis wirkt der Town & Country winzig

(19781981)

Der Geräu- mige Als Van gibt es den Town & Country in den USA seit 1990

Alltagstauglichkeit

11444

Reparaturfreundlichkeit

11114

Ersatzteilversorgung

11144

Unterhaltskosten

11444

Verfügbarkeit

14444

Preisprognose

11144

ADRESSEN

Clubs: www.chryslerclub.org (USA); http://local.aaca.org/tcor (T. & C. Owners Registry) Literatur: James M. Flammang: Chrysler Chronicle. An Illustrated History of Chrysler, DeSoto, Dodge u. a., Publications International 1998, ab ca. 25 Euro

34 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

25 Euro 34 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 © Alle Rechte vorbehalten - Axel

© Alle Rechte vorbehalten - Axel Springer SE, Berlin - Jede Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.as-infopool.de/lizenzierung

AUTO BILD KLASSIK-2015-01-02-sil-25 f4aa3235a8bb99eff5642e9ada08b1cd

KLASSIKER aus Amerika

KLASSIKER aus Amerika Prince Prince Rogers Nelson zählt zu den größ- ten Musikstars der 80er. „

Prince

Prince Rogers Nelson zählt zu den größ- ten Musikstars der 80er. Little Red Corvettegehört zu den ersten Video- clips eines Schwarzen, die der Musik- sender MTV

in Dauer- schleife spielt. Der Song er- zählt in Auto-

mobil-Meta-

phern von

einer sexuell

ungebunde-

nen Schönheit.

CHEVROLET CORVETTE C4

FRÜHE CORVETTE www.autobild.de/corvette
FRÜHE CORVETTE
www.autobild.de/corvette

Little Red Corvette

In der vierten Generation machte die US-Ikone einen Riesensprung nach vorn. Erstmals konnte sie auch europäischen Sportwagen auf Augenhöhe begegnen

‡ Ralf Grumbulski ist ein Typ, dem

man ein Männerauto zutraut. Zwei Me- ter groß, Arme wie Popeye und ein Kreuz im Kleiderschrank-Format: Neben ihm wirkt selbst seine C4 zierlich und spiel- zeughaft. Little Red Corvette? Eigentlich verbietet sich bei der US-Ikone aus den 80ern jede Vernied- lichung. Beinhartes Fahrwerk, blei- schwere Lenkung und ein Sound, bei dem selbst harten Kerlen die Brusthaare stramm stehen: Die Flunder aus Bowling Green, Kentucky, stellt unverhohlen klar, dass sie kein Auto ist für Jungs, die noch nicht trocken sind hinter den Ohren. Ihr V8 brüllt auf wie eine Herde Bisons, die von einer Bande Cowboys mit rau- chenden Colts gesprengt wird. Und nach der ersten Klangsalve verfällt er in einen

unruhigen, bollernden Leerlauf – so, als wolle er sagen: Traust du dich? Dann komm. Steig ein. Ring mich nieder, wenn du kannst. Bändige mich. Aber vergiss nie, mit wem du dich einlässt! Zartfühlende Zeitgenossen gehen an- gesichts solch offen zur Schau getragener Kraftmeierei auf Abstand. Manche wenden sich gar naserümpfend ab. Gebrandmarkt mit dem Stigma der prolligen Halbwelt- Kalesche, hat die C4 kein leichtes Los. Der Kreis an Liebhabern ist überschaubar, die Zahl an guten Originalfahrzeugen mitt- lerweile ebenfalls, das Preisniveau düm- pelt seit Jahren im Keller. In ordentlichem Gebrauchszustand kostet eine C4 nach wie vor keine 10 000 Euro, etwa ein Drittel eines gleich alten Porsche 911. Dabei hätte sie mehr Wertschätzung verdient. Nicht

nur weil sie die erste Corvette war, die – auch mit europäischen Augen betrachtet – als kompetenter Sportwagen durchging. Sondern auch weil sie innerhalb der Bau- reihe den größten Technologiesprung ver- körpert. Mit der C4 wagt General Motors 1984 einen bizarren Spagat zwischen techni- schem Altertum und automobiler Zukunft. Querblattfedern vorn und hinten irritie- ren uns Europäer, Schmiernippel an der Vorderachse verlangen regelmäßig nach der Fettpresse. Auch der V8 mit seiner tief im Herzen seines gusseisernen Blocks rotierenden Nockenwelle ist ein antikes Stück Maschinenbau. Doch unter der Kunststoff-Karosserie treibt eine Vielzahl elektronischer Steuergeräte ihr Unwesen, und im Cockpit zucken LED-Kaskaden,

die einen nach dem Einsteigen erst einmal zweifeln lassen, ob Muscle Shirt und Jeans wirklich das richtige Outfit sind oder ob man nicht besser den Druckanzug eines „Top Gun“-Piloten übergestreift hätte. Auch wenn das Entwicklungsteam um Dave McLellan sich (außer vom Porsche 928) tatsächlich von Jets und Powerbooten inspirieren ließ: Das Fahren erdet einen wieder. Hat man sich über die hohen Schweller – ein Kollateralschaden des ge- genüber der C3 massiv versteiften Stahl- rahmens – in den schmalen Sitzschacht ge- fädelt und lässt sich vom brausenden V8- Vibrato den Rücken massieren, bleibt beim Niedertreten des Pedals das Katapultstart- Gefühl eines Düsenjägers erst mal aus. Zwar quirlt die Vierstufenautomatik nicht unentschlossen im Wandleröl, sondern ¤

Bass-Booster: Die nachgerüstete Vierrohr-Anlage trägt zur akustischen Dramatik bei. Schraubstöcke: Die prallen
Bass-Booster: Die nachgerüstete
Vierrohr-Anlage trägt zur akustischen
Dramatik bei. Schraubstöcke: Die
prallen Lederpolster geben guten Halt,
sind jedoch − wie das gesamte
Auto – von eher rustikaler Machart
FOTOS: R. RÄTZKE (3), PICTURE ALLIANCE/DPA
Halt, sind jedoch − wie das gesamte Auto – von eher rustikaler Machart FOTOS: R. RÄTZKE

KLASSIKER aus Amerika

CHEVROLET CORVETTE C4

Cockpit mit beklagenswerter Kunststoffqualität und digitalem Info-Overkill, gepolsterte Prallfläche statt Bei-
Cockpit mit beklagenswerter Kunststoffqualität und
digitalem Info-Overkill, gepolsterte Prallfläche statt Bei-
fahrer-Airbag. Hohe Schweller erschweren den Einstieg.
Das Targadach lässt sich unter der hochklappbaren Heck-
scheibe hinter den Sitzen verstauen, unvorsichtiges Rein-
und-Raus kann leicht die Dichtungen beschädigen. Die kantige
Heckpartie mit Konkav-Kerbe blieb bis zum Facelift 1991
Heckpartie mit Konkav-Kerbe blieb bis zum Facelift 1991 spannt die Pferde an kurzer Deichsel vor die
Heckpartie mit Konkav-Kerbe blieb bis zum Facelift 1991 spannt die Pferde an kurzer Deichsel vor die

spannt die Pferde an kurzer Deichsel vor die Hinterachse. Auch sind in Ralf Grumbulskis 89er C4 die Tage der öl- krisenbedingten Leistungskastration längst überwunden – mit 243 PS spielt die Corvette im Sportwagenorchester nicht mehr die allerletzte Geige. Man kommt also flott aus den Startlöchern. Dennoch: Untenherum gibt sich die US-Legende zahm. Die Dominanz des Drehmoments bestimmt das Fahrer- lebnis, und trotz des düsteren Fighter- Cockpits stellt sich fast so etwas wie Gemütlichkeit ein. Die C4 kann aber auch anders. Wenn Querrillen, Bahnschienen oder As- phaltflicken dazwischenfunken, scheint der nahezu nicht vorhandene Federungs- komfort immer wieder klarstellen zu wol- len, dass man es bei ihr mit einem Sport- wagen zu tun hat. Die trampelnde, zum Versetzen neigende Hinterachse weckt zudem Heimatgefühle bei Umsteigern vom Vorgängermodell. Aber wenn die Straßen kurviger werden und der Dreh- zahlbalken ins obere Drittel schießt, stößt die C4 Corvette-Nostalgikern die Tür zu einer bislang nicht gekannten Welt der Fahrdynamik auf. Erstmals war eine Corvette nicht nur geradeaus oder in den Nudeltöpfen der

Rennserie NASCAR schnell, sondern konnte auch durch Kurven pfeffern wie ein Porsche – was man in ihrer Heimat euphorisch und in der Alten Welt mit einer Mischung aus Überra- schung und Bewunderung registrier- te. Das damals schnellste Auto Ame- rikas verkraftete mit 0,9 g eine Quer- beschleunigung, die europäische Kon- struktionen übertraf. Dass hier ein echter Konkurrent für das Establish- ment herangewachsen war, ließ sich nun selbst von anspruchsvollen deut- schen Testern nicht mehr leugnen. Allerdings schleppte die C4 auch ein paar alte Hypotheken in die Neuzeit mit: eine Verarbeitungsqualität, die keinen gesteigerten Drang zur Perfektion erken- nen lässt, und den bei schwerem Gasfuß dramatisch hochschnellenden Spritver- brauch zum Beispiel. Kommt man beim Cruisen – besonders mit dem ab 1990 ange- botenen Sechsgangschalter – problemlos auf Werte mit einer Elf vorm Komma, düst bei beherzter Gangart auch schon mal das Doppelte durch die „Tuned Port In- jection“. Typen wie Ralf Grumbulski zu- cken da nur mit den Achseln. Und allen anderen scheint die C4 auch in diesem Punkt sagen zu wollen: Bin ich zu stark, bist du zu schwach. Martin Puthz

FOTOS: R. RÄTZKE (7)
FOTOS: R. RÄTZKE (7)
Die Automatik verfügt über einen Overdrive-Modus („D“ im Kringel), der in den oberen Fahrstufen die
Die Automatik
verfügt über einen
Overdrive-Modus
(„D“ im Kringel),
der in den oberen
Fahrstufen die
Drehzahl senkt.
Zielflagge und
Bowtie-Logo auch
auf den Naben-
deckeln. Obwohl
die „clamshell“-
Haube (Muschel-
schale) wie beim
Jaguar E-Type samt
Kotflügeln auf-
schwingt, sind viele
Motorbauteile
schwer zugänglich.
Als L98 mit Tuned-
Port-Einspritzung
leistet der simpel
konstruierte Stoß-
stangen-V8 243 PS
schwer zugänglich. Als L98 mit Tuned- Port-Einspritzung leistet der simpel konstruierte Stoß- stangen-V8 243 PS

FOTOS: R. RÄTZKE (2), C. BITTMANN, HERSTELLER, T. RUDDIES

CHEVROLET CORVETTE C4

PLUS/MINUS Technisch irrlichtert die C4 zwischen automobiler Steinzeit und Zukunft hin und her. Besitzer müssen

PLUS/MINUS

Technisch irrlichtert die C4 zwischen automobiler Steinzeit und Zukunft hin und her. Besitzer müssen sich einerseits noch mit Schmiernippeln befassen, werden aber andererseits mit hochkomplexer Elek- tronik konfrontiert. Defekte können teuer werden, besonders wenn Steuergeräte, Teile der Einspritz- anlage oder das digitale Mäusekino ihren Geist auf- geben. Ein Kostentreiber ist auch die schlechte Zu- gänglichkeit vieler Bauteile. So kostet etwa ein simp- ler Kerzenwechsel bei den ab 1986 eingesetzten Alu-Zylinderköpfen 250 Euro. Auch an Einspritzdüsen und Kraftstofffilter kommt man schwer heran. Der V8 selbst ist ein robustes Stück Eisen, grillt aber die Zündkabel und mag keine hohen Dauerdrehzahlen. Die Automatik dankt schonende Behandlung eben- falls. Und ja – auch Rost ist ein Thema: Zwar gam- melt die Karosserie nicht, da aus Kunststoff, dafür aber die stählernen Rahmenbestandteile.

ERSATZTEILE

Corvette-Eigner bekommen alles, was sie brauchen – entweder bei in Deutschland ansässigen Spe- zialisten (www.renzuscars.de, www.usspeed.de) oder US-Anbietern (www.rockauto.com oder www. mamotorworks.com). Bei Preis und Qualität gibt’s eine Riesen-Streuung. Was allzu billig angeboten wird, taugt selten was, also Finger weg! Wer drü- ben bestellt, sollte zudem bedenken: Auf die güns- tigen Teilepreise (Bremsscheiben und -beläge ab 250 Dollar, Stoßdämpfer-Set ab 150 Dollar) kommen noch Versand und Zollgebühren drauf.

MARKTLAGE

Wer sich durch die einschlägigen Autobörsen klickt, stößt auf ein erstaunlich umfangreiches Ange- bot. Auch die Preise locken – sie beginnen schon deutlich unter 10 000 Euro. Doch Vorsicht: Schein und Wirklichkeit klaffen bei vielen Autos ausein- ander; nicht originale Umbauten und Wartungs- stau sind an der Tagesordnung.

Preisspiegel in Euro 13 600 13 500 13 500 13 400 2009 2011 2013 2015
Preisspiegel in Euro
13 600
13 500
13 500
13 400
2009
2011
2013
2015

Quelle: Classic Data. Preise für Autos in Zustand 2, d. h. gutem Zustand: entweder seltener, guter, unrestaurierter Originalzustand oder fachgerecht und aufwendig restauriert; technisch einwandfrei und mit leichten Gebrauchsspuren.

EMPFEHLUNG

Die tuningfreudige US-Car-Szene sieht zwar vieles nicht so eng, mit einem naturbelassenen Exemplar fährt man in Sachen Werterhalt jedoch am besten. Bei solchen Autos besteht auch die größte Chance auf eine ordentlich dokumentierte Vorgeschichte, denn die Bastel-Fraktion ließ in Sachen Wartung häufig Fünfe gerade sein. Wer eine C4 mit Schalt- getriebe sucht (wofür vieles spricht), wird ab Modelljahr 89 fündig. Leistungsmäßig am reizvolls- ten sind die ab 1992 angebotenen Exemplare mit dem 300 PS starken LT1-Motor.

TECHNISCHE DATEN

Motor: V8, vorn längs • zwei Ventile pro Zyl., eine zentrale Nockenwelle, über Kette angetrieben, elektron. Benzineinspritzung • Hubraum 5733 cmÍ • Leistung 179 kW (243 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 454 Nm bei 3200/min Antrieb/Fahrwerk:

Vierstufenautomatik mit Overdrive (a. W. Sechsgang-Schaltgetriebe) • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung, vorn an Drei- ecksquerlenkern, hinten an Quer- und Längslenkern, vorn und hinten Querblattfedern, Stabilisator u. Teleskopstoßdämpfer • Reifen 275/40 ZR 17 Maße: Radstand 2443 mm • L/B/H 4483/1803/1186 mm • Leergewicht 1462 kg Fahrleistungen/Ver- brauch: 0–100 km/h in 7,2 s • Spitze 245 km/h • Verbrauch ca. 15 l S pro 100 km • Neupreis: 81 379 Mark (1989)

HISTORIE

Die C3 ist in ihrem letzten Lebensjahr (1982) nur noch ein Schatten ihrer selbst. Optisch macht sie zwar nach wie vor auf dicke Hose, doch ein Groß- teil ihrer Pferdestärken hat sich in der Ölkrise ver- galoppiert – magere 190 sind am Ende noch übrig. Auch die C4 startet 1984 mit Leistungsmangel. Die anfänglichen 208 PS ziehen kein Steak vom Teller, fahrdynamisch und technologisch läutet sie jedoch eine neue Zeitrechnung in der Corvette-Geschichte ein. Zudem schickt GM den Achtzylinder alsbald in die Muckibude: Bis 1992 klettert die Leistung des Serienmodells schrittweise auf 300 PS, daneben gibt es High-Performance-Varianten, die nicht nur den Puls der Fahrer, sondern auch den Gummiab- rieb an der Hinterachse beschleunigen. 1986 wird das Cabrio eingeführt, ABS ist nun serienmäßig. 1991 folgt ein moderates Facelift, die Heckpartie verliert dabei ihren Knick. 1994 kommt neuer Schwung ins Cockpit, 1997 startet die C5. Insgesamt 358 180 C4 werden gebaut.

1997 startet die C5. Insgesamt 358 180 C4 werden gebaut. Corvette C3 Longseller im Coke-Bottle- Design,
1997 startet die C5. Insgesamt 358 180 C4 werden gebaut. Corvette C3 Longseller im Coke-Bottle- Design,
1997 startet die C5. Insgesamt 358 180 C4 werden gebaut. Corvette C3 Longseller im Coke-Bottle- Design,
1997 startet die C5. Insgesamt 358 180 C4 werden gebaut. Corvette C3 Longseller im Coke-Bottle- Design,

Corvette C3

Longseller

im Coke-Bottle-

Design, von

1968 bis 1982

im Angebot

Callaway

1987 mit zwei

Turbos auf zunächst 350, später auf 457 PS gebracht

Cabrio Debüt 1986; ab 1990 wie das Coupé mit geändertem Heckdesign

Corvette C5

Komplett neu

konstruierte

Nachfolgerin,

1997 bis 2004,

350 bis 411 PS

Alltagstauglichkeit

11144

Reparaturfreundlichkeit

11144

Ersatzteilversorgung

11111

Unterhaltskosten

11444

Verfügbarkeit

11144

Preisprognose

11144

ADRESSEN

Club: www.corvette-club-germany.de (Auf der Website finden sich Links zu regionalen und internationalen Corvette-Clubs.) Literatur: Randy Leffingwell: Corvette — 60 Jahre, 256 Seiten, GeraMond Verlag, 39,95 Euro

40 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

Euro 40 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 © Alle Rechte vorbehalten - Axel Springer

© Alle Rechte vorbehalten - Axel Springer SE, Berlin - Jede Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.as-infopool.de/lizenzierung

AUTO BILD KLASSIK-2015-01-02-sil-25 f4aa3235a8bb99eff5642e9ada08b1cd

KLASSIKER aus Amerika

FOTOS: B. HANSELMANN (3), PICTURE ALLIANCE/DPA

CHEVROLET CAPRICE POLICE CAR 9C1

WEITERE POLIZEIAUTOS www.autobild.de/polizei
WEITERE POLIZEIAUTOS
www.autobild.de/polizei

Gangsta’s

Paradise

Taucht jaulend und blinkend ein 9C1-Chevrolet im Rückspiegel auf, ist das Spiel vorbei. Leider geht mit dem Caprice auch die Fullsize-Ära zu Ende

‡ Der Tod im New York der 90er ist

nie weit entfernt. Drogen, Rapper-Kriege, Drive-by-Shootings, Taxifahrten. Vorne:

ein suizidaler Fahrer lateinamerikani- scher Herkunft, der fluchend sein Yellow Cab im Slalom um Konkurrenz und Zivi- listen treibt und es mit 50 Meilen durch tiefe Schlaglöcher hoch nach Harlem prü- gelt. Hinten: drei halbjunge Touristen aus Deutschland, leichenblass, die Finger ins glitschige Kunstleder der riesigen Rück- bank gekrallt. Welcher Droschkenkutscher daheim in Frankfurt-Mainhattan wäre je so gefahren? Wie auch, mit einem Mercedes W 124 unterm Hintern und Saugdiesel statt Small-Block-V8? Sein New Yorker Kollege ist klar im Vor- teil. Er fährt Chevrolet Caprice, wie alle hier. Wie die Gondeln zu Venedig gehör-

ten die Fullsize-Chevy zum Big Apple. Im gelben Gedränge reicht der kleine Fünf- liter-V8 mit 170 PS völlig aus, der läuft zur Not auch ein paar Tage ohne Öl und Was- ser. Die zerstörerischen Kräfte maroder Straßen versacken im Heavy-Duty-Fahr- werk und der schweren Rahmenkonstruk- tion des 5,43 Meter langen Caprice, den noch nicht einmal seine zynischen Fahrer kleinkriegen. Es stimmt mal wieder: Wer hier durchkommt, schafft es überall. Wer dabei vom rechten Weg abbiegt, den packen große Männer mit irischen Namen an Kopf und Schulter und zwän- gen ihn auf die Rückbank ihres Polizei- autos. Auch Cops fahren Caprice. Im Schleichgang durch dunkle Viertel, auf leisen Sohlen um den Block, mit 143 mph, also 230 km/h, über den Highway.

Die Tage unlenkbarer Bullen-Karren à la Dodge Monaco sind gezählt, und der ewige Konkurrent Ford Crown Victoria ist chancenlos, als der letzte Caprice mit 9C1- Code zum – vielleicht – besten Polizei- auto aller Zeiten aufsteigt. Die 90er sind auch das Jahrzehnt, in dem GM die besten ältesten Neuwagen der gesamten Firmen- geschichte baut und Cops sowie Käufer mit Muscle Cars ab Werk beliefert. Dass der Chevrolet Caprice trotz bei- nahe grenzenloser Belastbarkeit zum Tode verurteilt ist, liegt nicht an ihm, sondern an der Zeit und der Mode. Bigger is better:

Die neuen SUV drängen ihn aus dem Pro- gramm, das GM-Management braucht die Produktionskapazitäten. Der Caprice der Jahre 1991 bis 1996 ist der Letzte sei- ner Art, das Ende einer Epoche.

Nüchtern betrachtet ist er aber schon als Neuwagen ein Anachronismus. Das liegt daran, dass er eine Uralt-Kon- struktion ist. Wie in den Zeiten der India- nerkriege sitzt die Karosserie auf einem separaten Leiterrahmen, im Heck tut eine angetriebene Starrachse Dienst, und unter der Haube arbeiten V8-Motoren. Die Konstruktion ist damit noch älter als die Modellbezeichnung. Seit 1966 ist der Chevrolet Caprice der Inbegriff von be- zahlbarem GM-Fullsize. Eine feste Grö- ße, deren wichtigste Parameter – Maße, Leistung, Komfort – immer nur in Nuan- cen geändert werden. Mit der Zeit ist der Caprice vom anfäng- lichen Top-of-the-Line-Modell der GM- Einsteigermarke Chevrolet zum Konsum- gut geworden, das im Vorbeigehen ¤

Los Angeles Police Department, Wagen 609, Devonshire Division. In den 90ern halfen Abertausen- de ähnlicher Streifenwagen US- Gesetzeshütern „zu schützen und zu dienen“. Viele von ihnen ver- missen den Caprice noch heute

Streifenwagen US- Gesetzeshütern „zu schützen und zu dienen“. Viele von ihnen ver- missen den Caprice noch

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 43

heute www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 43 Coolio Schon Ende der 70er fängt Artis
heute www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 43 Coolio Schon Ende der 70er fängt Artis

Coolio

Schon Ende der 70er fängt Artis Ivey mit dem Rappen an. Der Er- folg kommt jedoch erst 1996 mit „Gangsta’s Paradise“. Es folgt neben einer

Schauspiel-

karriere vor

allem Ärger

wegen

Diebstahls,

Drogen-

und Waffen-

besitzes –

Gangsta-Shit

eben.

42 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

KLASSIKER aus Amerika

CHEVROLET CORVETTE C4

Cockpit mit beklagenswerter Kunststoffqualität und digitalem Info-Overkill, gepolsterte Prallfläche statt Bei-
Cockpit mit beklagenswerter Kunststoffqualität und
digitalem Info-Overkill, gepolsterte Prallfläche statt Bei-
fahrer-Airbag. Hohe Schweller erschweren den Einstieg.
Das Targadach lässt sich unter der hochklappbaren Heck-
scheibe hinter den Sitzen verstauen, unvorsichtiges Rein-
und-Raus kann leicht die Dichtungen beschädigen. Die kantige
Heckpartie mit Konkav-Kerbe blieb bis zum Facelift 1991
Heckpartie mit Konkav-Kerbe blieb bis zum Facelift 1991 spannt die Pferde an kurzer Deichsel vor die
Heckpartie mit Konkav-Kerbe blieb bis zum Facelift 1991 spannt die Pferde an kurzer Deichsel vor die

spannt die Pferde an kurzer Deichsel vor die Hinterachse. Auch sind in Ralf Grumbulskis 89er C4 die Tage der öl- krisenbedingten Leistungskastration längst überwunden – mit 243 PS spielt die Corvette im Sportwagenorchester nicht mehr die allerletzte Geige. Man kommt also flott aus den Startlöchern. Dennoch: Untenherum gibt sich die US-Legende zahm. Die Dominanz des Drehmoments bestimmt das Fahrer- lebnis, und trotz des düsteren Fighter- Cockpits stellt sich fast so etwas wie Gemütlichkeit ein. Die C4 kann aber auch anders. Wenn Querrillen, Bahnschienen oder As- phaltflicken dazwischenfunken, scheint der nahezu nicht vorhandene Federungs- komfort immer wieder klarstellen zu wol- len, dass man es bei ihr mit einem Sport- wagen zu tun hat. Die trampelnde, zum Versetzen neigende Hinterachse weckt zudem Heimatgefühle bei Umsteigern vom Vorgängermodell. Aber wenn die Straßen kurviger werden und der Dreh- zahlbalken ins obere Drittel schießt, stößt die C4 Corvette-Nostalgikern die Tür zu einer bislang nicht gekannten Welt der Fahrdynamik auf. Erstmals war eine Corvette nicht nur geradeaus oder in den Nudeltöpfen der

Rennserie NASCAR schnell, sondern konnte auch durch Kurven pfeffern wie ein Porsche – was man in ihrer Heimat euphorisch und in der Alten Welt mit einer Mischung aus Überra- schung und Bewunderung registrier- te. Das damals schnellste Auto Ame- rikas verkraftete mit 0,9 g eine Quer- beschleunigung, die europäische Kon- struktionen übertraf. Dass hier ein echter Konkurrent für das Establish- ment herangewachsen war, ließ sich nun selbst von anspruchsvollen deut- schen Testern nicht mehr leugnen. Allerdings schleppte die C4 auch ein paar alte Hypotheken in die Neuzeit mit: eine Verarbeitungsqualität, die keinen gesteigerten Drang zur Perfektion erken- nen lässt, und den bei schwerem Gasfuß dramatisch hochschnellenden Spritver- brauch zum Beispiel. Kommt man beim Cruisen – besonders mit dem ab 1990 ange- botenen Sechsgangschalter – problemlos auf Werte mit einer Elf vorm Komma, düst bei beherzter Gangart auch schon mal das Doppelte durch die „Tuned Port In- jection“. Typen wie Ralf Grumbulski zu- cken da nur mit den Achseln. Und allen anderen scheint die C4 auch in diesem Punkt sagen zu wollen: Bin ich zu stark, bist du zu schwach. Martin Puthz

FOTOS: R. RÄTZKE (7)
FOTOS: R. RÄTZKE (7)
Die Automatik verfügt über einen Overdrive-Modus („D“ im Kringel), der in den oberen Fahrstufen die
Die Automatik
verfügt über einen
Overdrive-Modus
(„D“ im Kringel),
der in den oberen
Fahrstufen die
Drehzahl senkt.
Zielflagge und
Bowtie-Logo auch
auf den Naben-
deckeln. Obwohl
die „clamshell“-
Haube (Muschel-
schale) wie beim
Jaguar E-Type samt
Kotflügeln auf-
schwingt, sind viele
Motorbauteile
schwer zugänglich.
Als L98 mit Tuned-
Port-Einspritzung
leistet der simpel
konstruierte Stoß-
stangen-V8 243 PS
schwer zugänglich. Als L98 mit Tuned- Port-Einspritzung leistet der simpel konstruierte Stoß- stangen-V8 243 PS

CHEVROLET CAPRICE POLICE CAR 9C1

FOTOS: B. HANSELMANN (6)

CHEVROLET CAPRICE POLICE CAR 9C1 FOTOS: B. HANSELMANN (6) Feuer unterm Dach. Und unter der Haube.

Feuer unterm Dach. Und unter der Haube. In den 90ern setzt die Polizei in den USA auf Ithaca-Flinten und Chevy-Power. 264 PS leistet der neu entwickelte, kompakt bauende 5,7-Liter-V8. Typisch Bullen-Motor: leistungs- starke 140-A-Lichtmaschine und minzgrüne Silikon-Kühlerschläuche – wenn’s mal brennt

44 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

brennt 44 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 gekauft wird. Ein großer Wagen zum ver-

gekauft wird. Ein großer Wagen zum ver- nünftigen Preis. Typen wie Opel Rekord, Ford Taunus und VW Passat sind ihm we-

sensverwandt, aber deutlich moderner. In Amerika steht ein Caprice in jeder Straße, vor jedem Motel, ist fester Bestand- teil des amerikanischen Landschaftsbil- des. Von der viertürigen Hardtop-Limousi- ne bis zum Cabriolet reichte einmal das Angebot. 1991, zum Start der vierten Ge- neration, sind noch Limousine (Sedan) und Kombi (Wagon) übrig. 5,52 Meter lang ist der Achtsitzer mit dritter Sitz- bank im Heck, 2625 Liter groß der Kof- ferraum, und von Heckklappe bis Vor- dersitz misst die Ladefläche 2,27 Meter. Downsizing, eine Idee der 70er-Jah- re, ist von gestern. Die vierte Caprice- Generation ist größer als die vorherige. Kurzlebige Oldsmobile-Diesel-V8 und kleinmütige V6-Motoren gehören der Vergangenheit an. Noch ist der klassi- sche Small-Block-V8 – 1954 vorgestellt und nach 60 Jahren mit über 100 Mil- lionen gefertigten Einheiten der meist- gebaute Motor der Welt – mit bis zu 5,7 Liter Hubraum und rund 200 PS das

KLASSIKER aus Amerika

Maß aller Dinge.

¤

rund 200 PS das KLASSIKER aus Amerika Maß aller Dinge. ¤ Digitaltacho und vier Anzeigen, mehr
Digitaltacho und vier Anzeigen, mehr Infos übers Arbeitsgerät Auto braucht der Officer nicht. Der Kofferraumdeckel
Digitaltacho und vier Anzeigen, mehr Infos übers Arbeitsgerät
Auto braucht der Officer nicht. Der Kofferraumdeckel öffnet auf
Knopfdruck, der Wählhebel der Automatik sitzt an der Lenk-
säule. Trotz üppiger Breite wäre zwischen den Vordersitzen auch
kein Platz dafür, weil im zivilen Caprice hier der sechste Pas-
sagier und in der 9C1-Version die Fernbedienung sitzt. Mikrofon,
Lichtsignale und Kollege Computer werden von hier aus bedient

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 45

CHEVROLET CAPRICE POLICE CAR 9C1

‡ CHEVROLET CAPRICE POLICE CAR 9C1 Star und Streife. Der funkelnde Aero-Dynic-Lichtbalken auf dem Dach ist

Star und Streife. Der funkelnde Aero-Dynic-Lichtbalken auf dem Dach ist original LAPD, und natürlich trägt der Chevy Bullen- Reifen auf durchgeschweißten Heavy-Duty-Rädern mit Löchern für die Bremsbelüftung

46 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

Auch die Namen der baugleichen, nur besser ausgestatteten Schwestermodelle Buick Roadmaster und Oldsmobile Custom Cruiser stammen von gestern. Trotzdem fremdelt das alte Amerika mit den neuen Fullsize-Typen. Die als seifig und verquollen emp- fundene, aerodynamische Form über- fordert die Kundschaft. Sie kaufen den Caprice, weil sie es immer taten: 75 Pro- zent der Käufer sind Pensionäre. Jung und wild wird der Fullsize-Chevy erst als Impala Super Sport, der an goldene Muscle-Car-Zeiten anknüpft. Der Im- pala SS ist ein halbstarker, tiefschwar- zer Caprice, und er besitzt den neuen Small-Block-V8 mit dem Kürzel LT1. Der Grauguss-V8 ist komplexer, als er aussieht, und leistet 264 PS. Autos für Normalkunden werden bei 175 km/h abgeregelt, die Polizei im 9C1-Caprice fährt 230 Sachen. Ein laaaanger Overdrive macht es möglich.

Untenrum sorgt die kurze Übersetzung für gewaltigen Schub. Metallisch häm- mernd springen zwei Tonnen Cop Car voran, Reifengummi löst sich dramatisch in Rauch auf – eine Szene wie im Film, aber ungestellt. Scheibenbremsen ver- zögern die Fuhre zuverlässig, straff und leise gleiten wir dahin. Gäbe es keine XXL-Fernsehsessel-Sitze und Cup- holder im Hartplastik der Armaturen- landschaft, die letzten Vorurteile von der Ami-Schaukel wären dahin. Es gibt US-Car-Fans, die wollen keinen Caprice mit LT1-Motor oder Impala SS, obwohl er ein 9C1 in Zivil ist. Sie suchen das Cop Car, weil der fette B-Body-Caprice eines der letzten Abenteuer der amerikanischen Auto- industrie darstellt, ein Muscle Car in Uniform. New York ist auch kein Auf- reger mehr, dort treten Nissan-Vans zum Taxidienst an. Die 90er sind ewig weit weg. Jan-Henrik Muche

KLASSIKER aus Amerika

PLUS/MINUS Auf deutschen Straßen im schwarz-weißen Blues- mobil unterwegs sein? Auffälliger geht es nicht! Für

PLUS/MINUS

Auf deutschen Straßen im schwarz-weißen Blues- mobil unterwegs sein? Auffälliger geht es nicht! Für Police-Car-Fans ein Plus, für den großen Rest meist ein dickes, rotes Minus. Abseits des 9C1-Exo- ten-Faktors ist ein Caprice der letzten Generation jedoch einfach nur ein klassischer Ami mit standes- gemäßen Fullsize-Abmessungen, strammen V8- Motoren und millionenfach bewährter, unbedingt haltbarer Technik – sowie einer (mit Ausnahme des Dachs) sogar vollverzinkten Karosserie. Der großen Klassiker-Karriere steht derzeit noch die moderne, chromarme Formgebung gegenüber, was die Prei- se am Boden hält. Wer das Bio-Design aber nicht als Manko, sondern als Ausdruck von Individualität begreift, liegt beim Caprice goldrichtig: Er liefert das Flair einer untergegangenen Auto-Epoche zum Gebrauchtwagenpreis und glänzt nebenbei mit sehr guter Alltagstauglichkeit.

ERSATZTEILE

Es gibt alles. Oder gar nichts. Während der billigs- te Caprice-Stoßdämpfer bei Autoteile-Allround- Händlern wie RockAuto.com für 8,35 Dollar in der Liste steht, kostet ein Bowtie-Kofferraumemblem 200 und ein intaktes Plastik-Armaturenbrett sogar um die 500 Dollar. Für 9C1-typische, minzgrüne Sili- konschläuche muss der Spezialist erst gefunden werden, Fahrwerkfedern für Polizeiautos, Sitze, Lenkräder und Türverkleidungen gibt es gar nicht mehr. Ein komplettes, gepflegtes Serienauto ist in jedem Fall der einfachste und vernünftigste Kauf.

MARKTLAGE

Echte, erhaltenswerte 9C1-Versionen sind rar, kos- ten zwischen 7500 und 15 000 Euro. Aber selbst der deutlich billigere Normalfall Caprice ist bei uns sel- ten, keine 300 Autos verkaufte GM in Deutschland. In den Benelux-Ländern ist der Markt deutlich bes- ser bestückt, gute bis sehr gute Fahrzeuge kosten zwischen 3000 und 5000 Euro – viel Auto fürs Geld.

kosten zwischen 3000 und 5000 Euro – viel Auto fürs Geld. Preisspiegel in Euro 8500 8400

Preisspiegel in Euro

8500 8400 7900 7700
8500
8400
7900
7700

2009

2011

2013

2015

Quelle: Classic Data. Preise für zivile Caprice in Zustand 2, d. h. gutem Zustand: entweder seltener, guter, unrestaurierter Originalzustand oder fachgerecht und aufwendig restauriert; technisch einwandfrei und mit leichten Gebrauchsspuren.

EMPFEHLUNG

Drei Empfehlungen: Wenn es ein Caprice Police Car sein muss: Fragen Sie Sönke Priebe von Oldschool Custom Works in Weinstadt, der über ein Dutzend davon besitzt. Wenn nicht, ist ein Impala SS die erste Wahl. Die Muscle-Car-Limousine verfügt zu großen Teilen über Fahrwerk- und Antriebstechnik des Polizei-Caprice und besitzt seit Bandablauf Klassi- kerstatus – gute Autos sind deutlich leichter zu fin- den. Geht es um V8 und Lebensgefühl, tut es viel- leicht auch ein normaler Caprice. Oder ein Typ aus der nahen Buick- oder Oldsmobile-Verwandtschaft.

TECHNISCHE DATEN

Motor: V8, vorn längs • zentral liegende Nockenwelle, über Kette angetrieben, zwei Ventile pro Zylinder, elektr. Einspritzung • Hubraum 5733 cmÍ • Leistung 194 kW (264 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment 447 Nm bei 3200/min Antrieb/Fahr- werk: Vierstufenautomatik • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung an Querlenkern vorn, Starrachse an Schubstreben hin- ten, Schraubenfedern vorne und hinten • Reifen 215/75 R15 Maße: Radstand 2945 mm • L/B/H 5439/1968/1415 mm • Leerge- wicht 1850 kg Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 7,1 s • Spitze 175–230 km/h • Verbrauch 11,3 l N pro 100 km • Neu- preis: 21 435 Dollar (1994)

HISTORIE

Der Chevrolet Caprice, 1965 noch eine Ausstattungs- variante der Impala-Baureihe, wird mit dem Modell- jahr 1966 zum eigenständigen Topmodell der Marke. Von Anfang bis Ende gehört ein Kombi zum Ange- bot, das letzte Caprice Cabrio wird 1975 gebaut. 1977 erfolgt ein Downsizing, Chevys Fullsize-Modelle werden kompakter und leichter, Basismotor ist ein 4,1-Liter-Reihensechszylinder. 1980 wird er durch einen 3,8-Liter-V6 ersetzt, erstmals rückt ein 5,7-Li- ter-V8-Diesel ins Programm. 1991 erscheint der neue Caprice in aerodynamischer Formgebung mit 5,0-, später 5,7-Liter-V8, erhältlich als viertürige Limousine und Kombi. Ein 4,3-Liter-V8 ersetzt 1994 den alten Fünfliter, das Sportmodell Impala SS be- sitzt serienmäßig den 5,7-Liter-LT1-Motor mit 264 PS, der ab 1995 auch im Caprice zu bekommen ist. 1996 läuft die Caprice-Baureihe nach 30 Jahren aus, die letzten GM-Autos in Rahmenbauweise werden produziert. Der hinterradgetriebene Nachfolger des Chevy Caprice ist ein australischer Holden.

Nachfolger des Chevy Caprice ist ein australischer Holden. 1966 − 70 Der neue Caprice markiert die
Nachfolger des Chevy Caprice ist ein australischer Holden. 1966 − 70 Der neue Caprice markiert die
Nachfolger des Chevy Caprice ist ein australischer Holden. 1966 − 70 Der neue Caprice markiert die
Nachfolger des Chevy Caprice ist ein australischer Holden. 1966 − 70 Der neue Caprice markiert die

196670

Der neue Caprice markiert die Spitze der Full- size-Typen bei Chevrolet

197176

Das Topmodell wächst weiter, der 7,4-Liter- V8 leistet bis zu 270 PS

197690

Der Caprice speckt ab, Sedan und Estate bleiben 15 Jahre im Angebot

199196

Die Form ist neu, die Technik bewährt. Auf Fullsize folgt der SUV-Boom

Alltagstauglichkeit

11111

Reparaturfreundlichkeit

11114

Ersatzteilversorgung

11114

Unterhaltskosten

11144

Verfügbarkeit

11144

Preisprognose

11444

ADRESSEN

Club: Police Car Owners of America, Europ. Chapter, www.pcooa-ev.de Link: B-Body-Hilfswerk, www.oldschoolcustoms.de Literatur: Edwin J. Sanow: Chevrolet Police Cars 195596, 222 S. (engl.), KP Books 1997, 75 Euro

1 mangelhaft • 11 ausreichend • 111 befriedigend • 1111 gut • 11111 sehr gut

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 47

KLASSIKER aus Amerika

FOTOS: PICTURE ALLIANCE/DPA (7), GETTY IMAGES (2), G. VON STERNENFELS, U. SONNTAG

US-CARS DER 60ER www.autobild.de/uscars
US-CARS DER 60ER
www.autobild.de/uscars

AMIS, die die Welt bewegten

Born in the U.S.A.

Willys MB (1940−45) Idee 111 Kommerzieller Erfolg 111 Langzeitwirkung 11111 Vom Ur-Jeep entste- hen bis
Willys MB
(1940−45)
Idee
111
Kommerzieller Erfolg
111
Langzeitwirkung
11111
Vom Ur-Jeep entste-
hen bis Kriegsende
370 000 Stück. Den
Wehrmachtskübeln
hat er vor
allem den
Allradan-
trieb voraus.
Er ist Symbol für
die Befreiung Eu-
ropas vom Nazi-
Terror und für den
kulturellen Einfluss
der GIs im Nachkriegs-
deutschland–wieBubble
Gum und Blue Jeans.
Er befreite Deutschland von Hitler: Willys MB mit
60-PS-Reihenvierzylinder (Spitzname „Go Devil“)

Sieben US-Cars haben wir ausführlich beleuchtet – doch denke bloß keiner, dass Amerikas Autogeschichte damit auserzählt ist. Deshalb nun weitere 30 Amis. Darunter manche, die Geschichte schrieben, und einige, die zu Unrecht keiner mehr kennt

TEXTE: LUKAS HAMBRECHT

die zu Unrecht keiner mehr kennt TEXTE: LUKAS HAMBRECHT Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto
die zu Unrecht keiner mehr kennt TEXTE: LUKAS HAMBRECHT Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto
die zu Unrecht keiner mehr kennt TEXTE: LUKAS HAMBRECHT Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto
die zu Unrecht keiner mehr kennt TEXTE: LUKAS HAMBRECHT Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto
die zu Unrecht keiner mehr kennt TEXTE: LUKAS HAMBRECHT Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto
die zu Unrecht keiner mehr kennt TEXTE: LUKAS HAMBRECHT Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto
Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto in den USA ein Ford T
Im Jahr 1918 ist jedes zweite
Auto in den USA ein Ford T
Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto in den USA ein Ford T
Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto in den USA ein Ford T
Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto in den USA ein Ford T
Im Jahr 1918 ist jedes zweite Auto in den USA ein Ford T Bruce Springsteen Bis

Bruce

Springsteen

Bis heute ist „Born in the U.S.A.“ der bekannteste Song des Rockmusikers aus New Jersey. Und sein am meis- ten miss-

verstande-

ner, denn hier geht es

nicht um

Patriotismus,

sondern

um einen

Vietnam-

Heimkehrer,

der sein

Land nicht

mehr

erkennt.

Detroit Electric (1910−20)
Detroit Electric (1910−20)

Ford V8 Model 18 Tudor (1932)

Detroit Electric (1910−20) Ford V8 Model 18 Tudor (1932) Elektroautos, ein Neu- zeit-Phänomen? Her- steller tun

Elektroautos, ein Neu- zeit-Phänomen? Her- steller tun gern so. De- troit Electric baut in den 1910er-Jahren bis zu 2000 Stück pro Jahr.

Her- steller tun gern so. De- troit Electric baut in den 1910er-Jahren bis zu 2000 Stück

11111

111

11111

bis zu 2000 Stück pro Jahr. 11111 111 11111 Mit dem T schafft Ford das Massenauto.

Mit dem T schafft Ford das Massenauto. Der nächste Schritt folgt 1932: Amerikas erster Volks-V8, später Lieb- ling aller Hot Rodder.

111 11111 1111

111

11111

1111

Cadillac V16 (1930−40) „The last word in moto- ring“: Cadillacs V16 mit ölhydraulischer Ventil-
Cadillac V16 (1930−40)
„The last word in moto-
ring“: Cadillacs V16 mit
ölhydraulischer Ventil-
spieleinstellung kata-
pultiert die Marke in
den Auto-Olymp.
Chrysler Airflow (1934−37)
Der Stromlinien-Chrys-
ler scheitert grandios.
20 Jahre wagt der Kon-
zern keine Experimen-
te mehr – bis zu Exners
„Forward-Look“ (S. 18)
Cord 810 (1936−37)
In den Top Five der cools-
ten 30er-Jahre-Autos ist
er dabei – unter ande-
rem dank der ersten
Klappscheinwerfer der
Autogeschichte.
11111
1111
1111
111
11
11
111
11
11111
Stout Scarab (1932−46)
Avantgardistischer Mini-
van der 30er-Jahre mit
Spaceframe-Rahmen
und Ford-V8 im Heck.
Neun Stück entstehen
in Handarbeit.
Phantom Corsair (1938)
Weil Ideengeber Rusty
Heinz, Mitglied des Ket-
chup-Imperiums, bei
einem Autounfall stirbt,
geht das Zukunftsauto
nie in Serie.
Tucker 48 (1948 )
Preston Thomas Tucker
erschafft eines der mo-
dernsten und sichersten
Autos seiner Zeit. Dann
schließt die Steuerbe-
hörde seine Fabrik.
11111
1111
1111
1
1
1
11
11
11
sichersten Autos seiner Zeit. Dann schließt die Steuerbe- hörde seine Fabrik. 11111 1111 1111 1 1
sichersten Autos seiner Zeit. Dann schließt die Steuerbe- hörde seine Fabrik. 11111 1111 1111 1 1
sichersten Autos seiner Zeit. Dann schließt die Steuerbe- hörde seine Fabrik. 11111 1111 1111 1 1
sichersten Autos seiner Zeit. Dann schließt die Steuerbe- hörde seine Fabrik. 11111 1111 1111 1 1
sichersten Autos seiner Zeit. Dann schließt die Steuerbe- hörde seine Fabrik. 11111 1111 1111 1 1
sichersten Autos seiner Zeit. Dann schließt die Steuerbe- hörde seine Fabrik. 11111 1111 1111 1 1
‡ AMIS, die die Welt bewegten Cadillac Eldorado Biarritz (1959) Testwagen mit Gummireifen – die
‡ AMIS, die die Welt bewegten
Cadillac Eldorado
Biarritz (1959)
Testwagen
mit Gummireifen
– die Stahldraht-
schluffen halten
der höheren
Schwerkraft auf
der Erde
nicht stand
Lunar Roving
Vehicle (1971)
Idee
Idee
1111
11111
Kommerzieller Erfolg
Kommerzieller Erfolg
111
1
Langzeitwirkung
Langzeitwirkung
11111
11111
Im Jahr 1948
kommt das ers-
te US-Auto mit
Heckflossen auf
den Markt. Na klar:
ein Cadillac. Stylist Har-
ley Earl hat sich vom
Doppelschwanz-Jagd-
bomber Lockheed P-38
Lightning inspirieren
lassen. 1959 erreicht der
Flossen-Hype seinen
Höhepunkt. Und auch
diesmal setzt Cadillac
die Design-Messlatte –
für die Ewigkeit.
Wer an „Amerika“ und „Fünfziger“ denkt, hat ihn vor Augen: Cadillac Eldorado Biarritz
Sechsmal landet die
NASA zwischen 1969
und 1972 auf dem Erd-
trabanten. Apollo 15 hat
erstmals das LRV im Ge-
päck – mit Faltchassis,
einem Elektromotor pro
Rad und einem Mast mit
Antennenschüssel. Das
Mondauto erweitert den
Aktionsradius der Astro-
nauten, die mit ihm Ge-
steinsproben sammeln
– und wichtige Erkennt-
nisse über die Entste-
hung des Mondes.
Mercury 9CM (1949)
Eines der schönsten US-
Autodesigns der Nach-
kriegszeit, nicht nur als
halbhölzerner Kombi
(„Woodie“). Sehr beliebt
bei Customizern.
Kaiser-Frazer Manhattan (1952)
Henry J. Kaiser ist be-
reits Schiffbau-Pionier,
als er sich mit Joseph W.
Frazer an Autos wagt –
ohne Chance gegen die
ganz Großen.
Shelby Cobra 427 (1965−67)
Carroll Shelbys Idee,
einen fetten Ami-V8 in
einen britischen Road-
ster zu packen, ist so
simpel wie genial. Das
Ergebnis? Hochgiftig!
Ford GT40 Mk II (1966)
Enzo will Ferrari nicht
an Ford verkaufen.
„Dann besiegen wir sie
eben“, denkt sich Hen-
ry II. Der GT40 gewinnt
viermal in Le Mans.
111
11
1111
1111
1111
11
1111
11
11
11
11111
11111
Chrysler 300 C Hemi (1955)
Damals Amerikas
stärkstes Serienauto
mit 5,7-Liter-Hemi-V8
und wichtiges Image-
modell für Chysler. Im
Motorsport erfolgreich.
Studebaker Avanti (1962−63)
Sein fortschrittliches
Chevrolet El Camino SS 396 (1967)
Plymouth Road Runner Superbird (1970)
Raymond-Loewy-De-
sign rettet Studebaker
Chrysler verpasst sei-
nen Muscle Cars mäch-
tige Flügel. Das Ziel:
nicht. Später von der
Avanti Motor Corpora-
tion weitergebaut.
Halb Truck, halb Muscle
Car. Unter der Haube,
bei Bedarf: Chevrolets
heißer 396er-Motor
(S. 24). Eines der cools-
ten Cars der 60er.
Siege in der NASCAR-
Rennserie. Viele Käufer
finden die Vögel nicht.
1111
1111
11
1111
11
111
1111
1111
111
111
1
111
FOTOS: GETTY IMAGES (5), PICTURE ALLIANCE/DPA (2), B. SCHMIDT, HERSTELLER, K.-U. KNOTH, R. RÄTZKE
KLASSIKER aus Amerika

KLASSIKER aus Amerika

FOTOS: PRIVAT (5), HERSTELLER (3), C. PIEPENBURG (2), GETTY IMAGES, S. KRIEGER

AMIS, die die Welt bewegten

GETTY IMAGES, S. KRIEGER ‡ AMIS, die die Welt bewegten Ende der 70er ist Chrysler am
Ende der 70er ist Chrysler am Boden. Clevere Autos helfen dem Konzern auf die Beine
Ende der 70er ist Chrysler
am Boden. Clevere Autos helfen
dem Konzern auf die Beine
Dodge Caravan, (1984 − 96) Idee 1111 Kommerzieller Erfolg 1111 Langzeitwirkung 11111 Der Lieb- ling

Dodge Caravan,

(198496)

Idee

1111

Kommerzieller Erfolg

1111

Langzeitwirkung

11111

Der Lieb- ling der Soccer Moms kommt 1984 zur Welt und transpor- tiert die Minivan-Idee als Chrysler Voyager später auch zu uns.

Pontiac Firebird Trans Am (1978) Pontiac Firebird Trans Am, 1978 Schnorrati-König Burt Reynolds stellt mit
Pontiac Firebird Trans Am (1978)
Pontiac Firebird Trans Am, 1978
Schnorrati-König Burt
Reynolds stellt mit dem
schrillsten Pony Car der
70er-Jahre in „Ein aus-
gekochtes Schlitzohr“
lustige Sachen an.
11
111
11
Jeep Cherokee (1984−96)
Jeep Cherokee, 1984
Kastiger Vorreiter im
Softroader-Segment.
Ist Ihnen ein Ersthand-
Vierliter bekannt? Kau-
fen und wegstellen –
Zukunftsklassiker!
111
1111
11111
Ist Ihnen ein Ersthand- Vierliter bekannt? Kau- fen und wegstellen – Zukunftsklassiker! 111 1111 11111
Lincoln Continental Mark IV, 1971 - 1976 Lincoln Continental Mark IV (1971−76) AMC Eagle Kammback
Lincoln Continental Mark IV, 1971 - 1976
Lincoln Continental Mark IV (1971−76)
AMC Eagle Kammback (1981−82)
AMC Eagle SX/4
Ein Kühlergrill wie ein griechischer Tempel, Harald Glööckler wür- de „Pompöös“ dran- schreiben.
Ein Kühlergrill wie ein
griechischer Tempel,
Harald Glööckler wür-
de „Pompöös“ dran-
schreiben. Fortschritt?
Joa, machen andere.
1
111
11
AMC tut sich im Schat-
ten der „Big Three“ GM,
Ford und Chrysler im-
mer wieder durch un-
gewöhnliche Konzepte
hervor – vergeblich.
111
11
11
Stiller Zeuge eines ver- hinderten General Motors EV1 Elektroauto- (1996−99) zeitalters: General Motors EV1
Stiller Zeuge
eines ver-
hinderten
General Motors EV1
Elektroauto-
(1996−99)
zeitalters:
General
Motors EV1
Idee
11111
Kommerzieller Erfolg
11
Langzeitwirkung
11111
General Motors
baut 1117 EV1
und ver-
least sie
an ausge-
w ä h l t e
Kunden.
Die sind
begeistert
vom leisen
Zukunftsauto
(Reichweite 225 km) –
und empört, als der
Konzern die Fahrzeu-
ge später einkassiert
und verschrottet.
GMC Syclone (1991−92) In 4,7 Sekunden von null auf 100 km/h – 1991 ist der
GMC Syclone (1991−92)
In 4,7 Sekunden von null
auf 100 km/h – 1991 ist
der Syclone der welt-
schnellste Pick-up. Mit
Sechszylinder-Turbo,
Allradantrieb und ABS.
Dodge Viper R/T 10 (1992−2002)
11
111
11
ThrustSSC (1996)
Am 15. Oktober 1996
fährt Andy Green mit
dem ThrustSSC in Neva-
da schneller als der
Schall. 1227,985 km/h –
Weltrekord, bis heute.
Tesla Model S (ab 2012)
11
1
111

Die Cobra der 90er hat satte acht Liter Hub- raum, 408 PS und Side- pipes – okay, keine be- sonders subtile Idee, doch leider geil!

– okay, keine be- sonders subtile Idee, doch leider geil! 11 111 111 Visionär Elon Musk

11

111

111

Visionär Elon Musk heizt mit seinem Start-up- Unternehmen den eta- blierten Autoherstel- lern ein. Langzeitwir- kung? Abwarten!

heizt mit seinem Start-up- Unternehmen den eta- blierten Autoherstel- lern ein. Langzeitwir- kung? Abwarten! 1111 111

1111

111

111

mit seinem Start-up- Unternehmen den eta- blierten Autoherstel- lern ein. Langzeitwir- kung? Abwarten! 1111 111 111
mit seinem Start-up- Unternehmen den eta- blierten Autoherstel- lern ein. Langzeitwir- kung? Abwarten! 1111 111 111

FOTOS: HERSTELLER (3), PRIVAT (3), BUCK FOTODESIGN (2), ARTCURIAL, BMW GROUP ARCHIV, C. BITTMANN, MUTARD, PICTURE ALLIANCE/DPA, S. BALDVINSSON

NACHRICHTEN

KBA-BESTANDSZAHLEN KOMMENTAR T-Modelle vermisst AUTO BILD KLASSIK- Mitarbeiter Frederik E. Scherer Laut
KBA-BESTANDSZAHLEN
KOMMENTAR
T-Modelle vermisst
AUTO BILD KLASSIK-
Mitarbeiter
Frederik E. Scherer
Laut Kraftfahrt-Bundesamt ist der Bestand an Mercedes-Kombis der
Baureihe 123 massiv eingebrochen. Doch die Statistik wirkt fehlerhaft
‡ „Rettet die T-Modelle!“, ruft der Mer-
cedes-Benz W123-Club in seinem Maga-
zin auf. Anlass sind beunruhigende Be-
standszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts
(KBA): Für die Kombis der 123er-Baureihe
verzeichnet die Statistik (Stand: 1. 1. 2014,
siehe Grafik) gegenüber 2013 Einbrüche
von über 55 Prozent. Der Bestand an
W 123-Limousinen ist dagegen konstant
geblieben, nur der 220 D zeigt eine Ab-
weichung um fast 86 Prozent – nach oben!
„Man muss das statistisch sehen: Wenn
so große Spitzen drin sind, ist irgendwas
faul“, meint Michael Liesch, der die Zah-
len für den Club ausgewertet hat. Selt-
sam auch: Weniger als 80 Prozent der
jetzt 316 angemeldeten 220 D sollen in
privater Hand sein, normalerweise liegt
die Quote über 90 Prozent.
Offenbar Grund für die Verwirrung: Das
KBA ermittelt die Bestandszahlen auf
Grundlage der Hersteller-und Typschlüs-
selnummern (HSN und TSN) des Zentralen
Fahrzeugregisters. Doch seit 2014 wer-
den im Zuge „qualitätsfördernder Maß-
nahmen“ die Bestandszahlen mit den
Typgenehmigungsdaten der jeweiligen
Modelle abgeglichen; bei Abweichungen
werde die TSN des Fahrzeugs auf „000“
gesetzt. Das passiere z. B. bei technischen
Veränderungen am Fahrzeug und bei
Fahrzeugen aus dem Ausland (Re-
importe). Wenn die Zulassungsstelle ver-
säumt hat, gewisse Veränderun-
‡ Die (statistisch) verschwunde-
nen T-Modelle werfen Fragen zur
Glaubwürdigkeit der KBA-Zahlen
auf. Verständlich, aber absolute
Bestandszahlen eines Modells
kann man beim KBA nicht bekom-
men. Denn hier ist nur gelistet,
wie viele Fahrzeuge mit einer be-
stimmten HSN und TSN verzeich-
net sind. Ein Modell kann aber
mehrere TSN haben. Die muss
man kennen. Dann gibt es noch
die Modelle mit einer „000“-TSN.
Sie verschwinden im Ord-
gen einzutragen, wird dies nun
korrigiert.
3640
3627 ner „Sonstige“. Eine Behör-
de ist halt keine Auskunft.
FAHRZEUGBESTAND MERCEDES BAUREIHE 123 (AUSZUG)
Während die KBA-Bestandszahlen für Limousinen und Coupés kaum Veränderungen zeigen, sind
bei den Kombis und beim 220 D gegenüber dem Vorjahr enorme Abweichungen sichtbar.
819
423
454
437
316
325 254
170
112
2013
2014 187
240 TD
230 TE
200 T
220 D
230 CE
200
Die KBA-Statistik lässt
ein Massensterben der
T-Modelle vermuten
lässt ein Massensterben der T-Modelle vermuten AvD-HISTO-MONTE Jetzt noch schnell bewerben ‡ Nach

AvD-HISTO-MONTE

Jetzt noch schnell bewerben

‡ Nach zweijähriger Pause starten un-

ter der neuen Leitung von Peter Göbel am 4. Februar rund 70 Old- und Young- timer zur 19. AvD-Histo-Monte. Zum ers-

ten Mal findet die technische Abnahme auf dem Domplatz in Mainz statt. Von dort geht es knapp 1800 Kilometer nach Monaco, mit Zwischenstopp auch an der Promenade in Nizza. Von den 27 Wertungsprüfungen finden zehn auf Originalstrecken der Monte statt. Die Bewerbungsfrist endet am 9. Januar! www.avd-histo-monte.com

OLDTIMER-REISEN I

Tour durch Großbritannien

‡ Der AvD bietet nun auch ausgewähl- te Old- und Youngtimerreisen an. In Zu- sammenarbeit mit der experience GmbH führen die Touren, die nur für AvD-Mit- glieder buchbar sind, nach Großbritan- nien, Südafrika, Marokko und Südame- rika. Los geht es mit der „Great Britain

Malt and Castle“ vom 22. bis 31. Mai 2015. Von Calais aus geht es zu den berühm- ten Kreidefelsen, ins malerische Salis- bury, den Lake District im Norden Eng- lands sowie in die schottischen High- lands. Infos: www.avd-experience.com

die schottischen High- lands. Infos: www.avd-experience.com AUFRUF Suche nach dem letzten Falcon ‡ „Der vornehmste

AUFRUF

Suche nach dem letzten Falcon

‡ „Der vornehmste Wa-

Suche nach dem letzten Falcon ‡ „Der vornehmste Wa- gen seiner Klasse“ – so selbstbewusst warben
Suche nach dem letzten Falcon ‡ „Der vornehmste Wa- gen seiner Klasse“ – so selbstbewusst warben

gen seiner Klasse“ – so

selbstbewusst warben die Falcon-Werke aus Ober-Ramstadt, die von

1922 bis 1926 knapp 400 Fahrzeuge bauten. Kein einzigesscheintüberlebt zu haben. Jetzt tauch- ten zwei Kühler und ein Öldruckmano- meter auf – und

WernerSchollenber-

ger von den Freunden Historischer Fahr-

zeugeOber-Ramstadt(FHFO)schöpftHoff- chen dabei aber Hilfe: Jedes Fragment,

malinternationalnacheinemFalcon,brau-

paar Fotos gibt. Jetzt suchen wir noch ein-

nung: „Das ist sensationell! Wir dachten immer, dass es von Falcon nur noch ein

jeder Hinweis kann nützlich sein!“ Kontakt: schollenberger13@t-online.de

KENNEN SIE DEN? Glas Schwimmwagen ‡ Alles müsse der Wagen können, be- schwerte sich ein

KENNEN SIE DEN?

KENNEN SIE DEN? Glas Schwimmwagen ‡ Alles müsse der Wagen können, be- schwerte sich ein Glas-Vorstand,

Glas Schwimmwagen

‡ Alles müsse der Wagen können, be- schwerte sich ein Glas-Vorstand, außer vielleicht fliegen. Die rührige Firma Glas arbeitete jahrelang fleißig an einem „Führungs- und Verbindungs- Kraftfahrzeug“ für die Bundeswehr, dem Munga-Nachfolger – doch ach, die

Beschaffungsämter schickten nicht den rettenden Großauftrag, sondern stän- dig neue Vorgaben. Als der „LKW 0,5 GL“ dann alles konnte (außer fliegen), ging Glas die Luft aus. BMW führte das Projekt halbherzig weiter und gab es 1971 entnervt auf.

SAMMLUNG

Spektakulärer Fund

‡ Experten haben 60 Oldtimer auf einem Privatgelände im Westen Frankreichs aufgespürt, darunter verloren geglaub- te Ikonen wie den Ferrari 250 GT SWB California Spider von Alain Delon – der al- lein ist rund zehn Millionen Euro wert. Das Pariser Auktionshaus Artcurial wird die vergessene Sammlung am 6. Februar in Paris versteigern. Von 1955 an sammelte der Lastwagenpro- duzent und Auto-Fan Roger Baillon Fahr- zeuge. Sein Traum war ein eigenes Mu- seum, doch nach Geldproblemen war ein Großteil seiner Sammlung Ende der 1970er versteigert worden. Der vergessene Rest lagerte teils ungeschützt im Freien, teils unter notdürftig gezimmerten Dächern.

im Freien, teils unter notdürftig gezimmerten Dächern. Unter Zeitschriften: Ferrari 250 GT SWB, Maserati A6G Gran

Unter Zeitschriften: Ferrari 250 GT SWB, Maserati A6G Gran Sport Frua

Die Zustände sind zwar oft schlecht, je- doch finden sich auf der Fundliste Marken wie Bugatti, Delahaye, Delage, Hispano- Suiza, Ferrari, Lagonda, Maserati, Voisin und drei Saoutchik-Talbot Lago. Atemberaubende Bilder von dem Sensa- tionsfund auf www.autobild.de/baillon

Bilder von dem Sensa- tionsfund auf www.autobild.de/baillon Vor 20 Jahren entstand durch Zusammenlegung der
Vor 20 Jahren
Vor 20 Jahren

entstand durch Zusammenlegung der Mercedes-Omnibussparte mit der Karl Kässbohrer GmbH die Evobus GmbH mit Sitz in Kirchheim unter Teck, die das europäische Daimler- Omnibusgeschäft verantwortet. Die Marken Mercedes-Benz und Setra blieben eigenständig erhalten. Für Daimler interessant waren vor allem das neue Omnibus-Montagewerk in Neu-Ulm und das moderne Werk in Ligny-en-Barrois (Lothringen), die Kässbohrer mit in die Fusion brachte.

(Lothringen), die Kässbohrer mit in die Fusion brachte. Vor 25 Jahren verwirklichte Opel als erster Autoprodu-

Vor 25 Jahren

verwirklichte Opel als erster Autoprodu- zent einen Recycling-Kreislauf für Kunststoffe. Schon bei der Konstruktion neuer Autos wurde die spätere Entsorgung einzelner Kom- ponenten berücksichtigt. 2000 verab- schiedete die EU die Altfahrzeugrichtlinie, die Deutschland 2002 umsetzte. Danach muss jedes Auto zu 85 Prozent, ab 2015 so- gar zu 95 Prozent wiederverwertbar sein.

ab 2015 so- gar zu 95 Prozent wiederverwertbar sein. Vor 30 Jahren demontierten chinesische Arbeiter das

Vor 30 Jahren

demontierten chinesische Arbeiter das Zündapp-Werk in München. Eine Fahrradfabrik in Tianjin (Tientsin) hatte die Produktionsan- lagen des 1984 in Insolvenz gegangenen Zwei- radherstellers für 15 Mio. Mark gekauft. In vier Monaten wurde alles in 900 Container verpackt und nach China verschickt. 1987 sollte bei Xunda, so hieß das neue Werk, die Serienproduktion losgehen. Doch nichts pas- sierte. Bald darauf übernahm Honda das Werk.

Vor 40 Jahren

bemalte Alexander Calder einen BMW 3.0 CSL. Die Initiative kam vom französischen Auk- tionator und Rennfahrer Hervé Poulain. Das erste Fahrzeug, das Kunst und Motorsport vereinte, startete 1975 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Seitdem sind 17 BMW Art Cars entstanden, u. a. von Frank Stella, Roy Lichtenstein, Andy Warhol, A.R. Penck, David Hockney und Jeff Koons. Mehr dazu auf Seite 172.

David Hockney und Jeff Koons. Mehr dazu auf Seite 172. 54 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 ·
David Hockney und Jeff Koons. Mehr dazu auf Seite 172. 54 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 ·

54 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 55

© Alle Rechte vorbehalten - Axel Springer SE, Berlin - Jede Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.as-infopool.de/lizenzierung

AUTO BILD KLASSIK-2015-01-02-sil-25 f4aa3235a8bb99eff5642e9ada08b1cd

NACHRICHTEN

KLASSIK-KANAL

TV-TIPPS

VON LAURA SCHUBERT

Vanilla Sky

Cameron Crowes Remake ist zwar nicht mit dem Original zu verglei- chen, geht aber trotzdem unter die Haut. Verleger und Narziss David Aames (Tom Cruise) verliebt sich

Verleger und Narziss David Aames (Tom Cruise) verliebt sich unsterblich in Sofia (Penélope Cruz). Seine

unsterblich in Sofia (Penélope Cruz). Seine Langzeitgeliebte Julie (Cameron Diaz) ist verständlicher- weise nicht sonderlich begeistert und manövriert ihren Angebeteten samt Buick Skylark in eine äußerst ausweglose Situation. Was als Ro- manze beginnt, entpuppt sich als Science-Fiction-Drama.

Sixx SO • 4. JAN. • 20.15 UHR

Als der Südwesten fahren lernte

Es gab eine Zeit, da konnte man mit 100 km/h innerhalb von Ortschaf- ten über die Straßen brettern und das, ohne sich strafbar zu machen. Denn das innerstädtische Tempo- limit wurde erst 1957 eingeführt. Diese Dokumentation ist eine amü- sante Tour durch die Anfangszeit der heutigen Verkehrsregeln. Einer Zeit, in der ernsthaft darüber dis- kutiert wurde, ob Sicherheitsgurte sinnvoll sind.

SWR SA • 10. JAN. • 20.15 UHR

BEZIEHUNGS KISTEN Nicolino Artuso mit dem Auto seiner Kindheit. Bislang hatte der Musiker mit Oldtimern
BEZIEHUNGS
KISTEN
Nicolino Artuso mit dem Auto seiner Kindheit. Bislang hatte der Musiker mit Oldtimern nicht viel zu tun.
Doch dieses Schmuckstück von 1975 musste er nach 35 Jahren wieder zurück in die Familie führen
FOTOS: HERSTELLER (6), T. STARCK (2), PRIVAT (2), INTERFOTO, PARAMOUNT PICTURES, ULLSTEIN, IMAGE ARCHILOOKS

NICOLINO ARTUSO UND SEIN LANCIA FULVIA 1.3 S VON 1975

Papas Auto zurückgekauft

‡ Nicolino Artuso ist ein Familienmensch. Inzwischen selbst Vater, interessiert sich der gebürtige Italiener, der in Berlin als DJ, Musikproduzent und Fotomodell ar- beitet, in den letzten Jahren verstärkt für seine Herkunft. Seine Eltern kamen als Gastarbeiter Ende der 1960er-Jahre aus Apulien nach Süddeutschland. Vater An- tonio fuhr regelmäßig in die Heimat und brachte Lebensmittel, Arbeiter für sein kleines Bauunternehmen und meistens auch ein neues Auto mit. „Da saßen dann vier Italiener in geripp- ten Unterhemden 15 Stunden zwischen Lambrusco, Käse und Oliven auch mal in einem Maserati Bora“, erzählt Nicolino. 1975 kam der Vater mit einem maronen- braunen Lancia Fulvia 1.3 S mit beiger Le-

derausstattung zurück. Zwei Jahre fuhr die vierköpfige Familie das Coupé, dann verkaufte es Antonio an seinen Kumpel Francesco. 35 Jahre später traf Nicolinos Bruder zufällig Francesco wieder. Der er- zählte, er habe den Lancia an einen Deut- schen bei Heilbronn verkauft, „der auch mal die Frauen beeindrucken wollte“.

verkauft, „der auch mal die Frauen beeindrucken wollte“. Vor 40 Jahren saß Antonio an diesem Steuer.

Vor 40 Jahren saß Antonio an diesem Steuer. Nun tut es sein Sohn

Nicolino recherchierte und fand den Wa- gen – mit nur 89 000 Kilometern auf dem Zähler. Kurzerhand überredete er den Be- sitzer mit italienischem Charme zum Ver- kauf. Seinem Vater erzählte er nichts, lud ihn dafür spontan nach Berlin ein. Dort war die Wiedersehensfreude groß: Papa Antonio erkannte den Wagen sofort.

groß: Papa Antonio erkannte den Wagen sofort. Papa Antonio und der Lancia Fulvia am Flughafen Schönefeld

Papa Antonio und der Lancia Fulvia am Flughafen Schönefeld in Berlin

und der Lancia Fulvia am Flughafen Schönefeld in Berlin LEGENDÄRE FILMROUTEN NACHGEFAHREN Vier Verfolgungsjagden

LEGENDÄRE FILMROUTEN NACHGEFAHREN

Vier Verfolgungsjagden

HEIDI HETZER

NEUE MESSE ESSEN

Großer Umbau ab Mai 2016

‡ Am 2. Mai 2016 soll der Umbau der

Endlich in China unterwegs

‡HeidiHetzerundihrHudsonhabenChi-

in China unterwegs ‡HeidiHetzerundihrHudsonhabenChi- Eine der besten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte: „The

Eine der besten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte: „The Italian Job“

‡ Die Briten sind ja bekannt für Skurrilitä- ten.DochwasdieseverrücktenAutofansmit Hang zu Actionfilmen geleistet haben, ist echte Fleißarbeit. Mit mühevoller Hinga- be fuhren Rich Duisberg und seine Kollegen vier pikante Autorennszenen aus vier be- rühmten Blockbustern in vier verschiede- nenStädtennach. DiegenauenRoutensamt Filmclips mit dazugehörigen Rennszenen stelltensieaufdieWebsitewww.motorpunk. co.uk/articles. Zu sehen sind Routen aus „Die BourneIdentität“durchParis,aus„BadBoys II“ durch Miami, aus „Nur noch 60 Sekun- den“ durch Los Angeles und die legendäre Verfolgungsjagd mit drei klassischen Mini Cooper aus „The Italien Job – Charlie staubt Millionen ab“ von 1969 durch Turin.

na

erreicht. Allerdings nicht aus eigener

Messe Essen beginnen. Rund 90 Millio-

jetzigeDoppelgeschosshallewirdzurück-

Kraft, sondern auf einem Abschleppwa- gen. Denn der Wintereinbruch und ein

spart jetzt fünf Tage Zeit. Schließlich will

nen Euro soll das Bauprojekt kosten. Die

Pass machten Hudo zu schaffen. Nächt- liche Temperaturen von minus 35 Grad

gebaut. Geplant sind fünf neue große Hallen mit optimierter Logistik anstelle

ließen alles einfrieren. Erst ein Stück am Abschlepphaken löste die Starre, und Hudo sprang kurz wieder an. Nun ist Dolmetscher Wang an Heidis Seite. Ihre Strecke überarbeitete sie erneut und

der heute 14 kleinteiligen Hallen im Nord- bereich. Außerdem sieht der Umbau im Eingangsbereich Ost ein modernes Glas- foyer mit rund 2000 Quadrat- meter Fläche

sie

am 8. Dezember in Singapur sein, um

sowieneueFas-

ihr

Schiff nach Australien zu bekommen.

saden im Osten

Vorher muss sie aber noch durch Laos,

und

Norden

Kambodscha, Thailand und Malaysia.

vor.

RESTAURIERUNG

Skoda-Unikat rollt wieder

‡ Der einzige erhaltene von drei gebau- ten Skoda 966 Supersport ist ab sofort im Skoda Museum in Mladá Boleslav zu sehen. Spezialisten haben den Rennwagen mit Alu-Karosserie aufwendig in den Zustand der Saison 1953 zurückversetzt – mit knapp 200 km/h Höchstgeschwin- digkeit war er damals das schnellste tschechoslowakische Automobil. Der ers- te Wagen wurde 1950 so stark beschädigt,

dass er ersetzt werden musste. Um zwei Fahrzeuge im Werksteam einsetzen zu können, wurde noch ein weiteres Exem- plar gebaut. Dieser dritte Supersport feier- te seine Premiere beim Großen Preis der Tschechoslowakei am 24. September 1950, war bis 1962 auf der Rennstrecke im Ein- satz und ist als Einziger erhalten. Lange war er im Besitz des tschechischen Renn- fahrers Ivan Micík.ˇ

Aufwendig restauriert: der letzte erhaltene Skoda 966 Supersport
Aufwendig restauriert: der letzte
erhaltene Skoda 966 Supersport
restauriert: der letzte erhaltene Skoda 966 Supersport BUCHPROJEKT Zeitzeugen und Fotos gesucht ‡ Motorjournalist

BUCHPROJEKT

Zeitzeugen und Fotos gesucht

‡ Motorjournalist Martin Häußermann

schreibt an einem Buch über den Mer- cedes 300 S/Sc (W 188), von dem nur 760 Exemplare gebaut wurden. Er sucht

historische Fotos sowie Zeitzeugen, die

an der Luxuskarosse mitgearbeitet oder

sich damit beschäftigt haben. Der W 188

ist eines der luxuriösesten deutschen

Autos der Nachkriegszeit. Auch heutige

W 188-Besitzer, die ihr Auto für Foto-

aufnahmen zur Verfügung stellen wol-

len, sind gefragt. Informationen bitte

an klassik@autobild.de

RCCO-CHAMPION

Rennserie hat neuen Meister

‡ Mit einem Doppelerfolg im „Channel

Hamburg“ sicherte sich Stefan Waschow vom Team „Volkswagen Motorsport – Das Kartell“ den Titel „RCCO-Champion 2014“. Der 26-jährige Student, Team- mitglied der Formula-Student-Mann- schaft der Hochschule Hannover, setzte

sich in der Rennserie mit Slotracing- Modellautos sowohl beim Supersprint als auch beim 24-Stunden-Rennen durch. Den von AUTO BILD KLASSIK un- terstützten „rallye racing Carrera Cup“

gibt es seit 1991.

„rallye racing Carrera Cup“ gibt es seit 1991. Vor 50 Jahren stellte Renault am 4. Januar
„rallye racing Carrera Cup“ gibt es seit 1991. Vor 50 Jahren stellte Renault am 4. Januar
Vor 50 Jahren stellte Renault am 4. Januar 1965 Journa- listen den neuen R16 vor.
Vor 50 Jahren
stellte Renault am 4. Januar 1965 Journa-
listen den neuen R16 vor. Die Schrägheck-
Limousine brachte erstmals eine große Heck-
klappe in die Mittelklasse und sorgte damit
für Furore. Die Rücksitzbank konnte umge-
klappt oder ausgebaut und so
das Ladevolumen von 346 auf
1200 Liter erhöht werden.
Die Mischung aus Variabilität,
Wirtschaftlichkeit und Ober-
klasse-Gefühl zog: Bis 1980
liefen 1 845 959 Exemplare
des R16 vom Band.
Vor 60 Jahren
Vor 70 Jahren
Vor 80 Jahren
begann der Serienanlauf des Goggomobils,
des ersten Autos der Hans Glas GmbH in
Dingolfing. Nach Anlaufschwierigkeiten florierte
der Absatz des Kleinwagens schnell. 1956
gesellte sich zur Limousine ein Coupé, dem
250-cm³-Motor mit 13,6 PS folgten stärkere Mo-
torvarianten mit 300 bzw. 400 cm³. 1969, drei
Jahre nach der Übernahme durch
BMW, war nach 214 313 Exemplaren Schluss.
taufte William Lyons seine 1922 gegründete
Firma Swallow Sidecars in Jaguar Cars Ltd. um
und übernahm so die seit zehn Jahren genutzte
Modellbezeichnung. Grund war die negativ behaftete
Bezeichnung „S.S.“. Als Markensignet ersetzte
nun ein Jaguar die Buchstaben S.S. 1935 war der Name
Jaguar erstmals als Zusatzbezeichnung beim SS 100
aufgetaucht, 1938 hatten PR-Chef Bill Rankin und Künstler
Frederick Gordon Crosby die springende Raubkatze neu gestaltet.
entwickelte Wallace Hume Carothers am 28. Februar
1935 aus Hexamethylendiamin und Adipinsäure
das Polyamid 6.6 (Nylon). Die erste vollständig syn-
thetisch hergestellte Faser ließ sich zu Fäden mit
naturseidenähnlichen Eigenschaften ziehen und er-
langte durch Recken hohe Festigkeit. Im Mai
1940 kamen die ersten Nylonstrümpfe auf den
Markt. Kurz darauf nutzte der Fahrzeugbau die
Kunstfaser, z. B. bei Kraftstoffleitungen und Sitzen.
56 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015
www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 57

© Alle Rechte vorbehalten - Axel Springer SE, Berlin - Jede Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.as-infopool.de/lizenzierung

AUTO BILD KLASSIK-2015-01-02-sil-25 f4aa3235a8bb99eff5642e9ada08b1cd

NACHRICHTEN

KLASSIK IN KÜRZE

KLASSIK IN KÜRZE Wirbel um Warhol ‡ Die kürzliche Versteigerung zweier Warhol-Kunstwerke für über 150 Millionen

Wirbel um Warhol

Die kürzliche Versteigerung

zweier Warhol-Kunstwerke für über 150 Millionen Dollar löste im MAC Museum Art & Cars in Singen eine Verschärfung der Sicher- heitsmaßnahmen aus. In der Aus- stellung „Andy Warhol. Cars“ (sie- he Ausgabe 12/2014) hängen bis zum 17. Mai 2015 rund 40 Werke

des Pop-Art-Künstlers. Nun wur- de die Polizeipräsenz erhöht.

Auszeichnung für AvD

Der AvD-Oldtimer-Grand-Prix

wurde mit dem FMC Heritage Cup der FIA ausgezeichnet. Der Foun-

dingMembers’Club(FMC)desAuto-

mobil-Weltverbands hat das Old-

timer-Spektakel am Nürburgring unter mehreren internationalen Nominierungen ausgewählt.

Bodensee-Klassik

Es ist die schönste Rallye im

Süden: die Bodensee-Klassik von AUTO BILD KLASSIK. 180 Old- und Youngtimer fahren 2015 vom 7. bis 9. Mai wieder rund um den Boden- see. Wer dabei sein will, muss sich schnell bewerben. Die Nennfrist

läuftnurnochbis28.Februar2015.

Infos: www.bodensee-klassik.de

KIPPWAGENHEBER

Polizei sucht Firmenchef

Geprellte Kunden wollen Sammelklage gegen „BestOf4All“ vorbereiten

Kunden wie Adrian Kreß (rechts) und Reiner Vogl aus Lollar in Hessen warten bis heute
Kunden wie Adrian Kreß
(rechts) und Reiner Vogl aus
Lollar in Hessen warten
bis heute auf den bestellten
Kippwagenheber
FOTOS: HERSTELLER (2), PRIVAT (2), A.HARDER, DAIMLER AG © THE ANDY WARHOL FOUNDATION FOR THE VISUAL ARTS, PORSCHE

‡ Ralf Bech, Geschäftsführer der Firma „BestOf4All“ aus Aachen, wird aktuell per Haftbefehl gesucht. Das Unternehmen, das Kippwagenheber für Oldtimer-Restaurie- rungen herstellen lässt und vertreibt, wird seit Langem von Kunden beschuldigt, im Voraus bezahlte Kippwagenheber ver- zögert oder gar nicht auszuliefern (siehe AUTO BILD KLASSIK 10/2013). Entsprechen- de Recherchen von AUTO BILD KLASSIK

bestätigten diese Beschuldigungen. Trotz

mehrfacherVersicherungenvonBestOf4All,

URTEIL

Keine Drohun- gen beim Kauf

sämtliche bestellten und bezahlten Kipp- wagenheber unverzüglich auszuliefern, warten noch immer viele Kunden auf ihre 999 Euro teure Ware. Manche von ihnen schon seit rund zwei Jahren. Da Ralf Bech aufgrund fehlender Melde- adresse für die ermittelnden Behörden nicht greifbar ist, wurde jetzt Haftbefehl erlassen. Solange Geschäftsführer Bech nicht gefunden und befragt worden sei, könne auch keine Klage gegen das Unter- nehmen wegen Verdachts auf Betrug er-

‡ Eine durch Einschüchterung erzielte Kaufpreisminderung ist unwirksam. So entschied das OLG in Koblenz (Az.: 2 U 393/13 vom 16. 11. 2014). Ein Autohändler hatte im Internet einen Skoda Octavia von einem Privatverkäufer gekauft. Bei der

öffnet werden. „Wir können entsprechen- de Dokumente schlicht nicht zustellen“, sagt dazu die Staatsanwaltschaft. Dabei existieren Unterlagen, die den Bau der Kippwagenheber eindeutig belegen. Doch auch zu diesen potenziell entlastenden Dokumenten kann Bech nicht befragt wer- den, solange er sich versteckt hält. Viele der geprellten Kunden wollen sich nun an einer Sammelklage gegen das Unterneh- men beteiligen. Die Ermittlungen der Be- hörden dauern an.

Abholung behauptete der Händler, das an- gegebene Baujahr 2008 sei falsch, drohte mit nicht berechtigten Schadensersatzan- sprüchen und drückte den Preis von 8000 auf 5000 Euro. Dagegen klagte der Ver- käufer und bekam in zweiter Instanz recht.

KOMENDA-STREIT

Porsche weist Ansprüche zurück

‡ Kein Ende in Sicht im Streit zwischen

Porsche und Dr. Iris Steineck um die Aner- kennung des Ex-Porsche-Designers Erwin Komenda. Das Unternehmen weist alle Forderungen von Komendas Enkelin zu- rück, auch ihr Hausverbot im Entwick- lungszentrum Weissach bleibt bestehen. Steineck hatte mehr öffentliche Aner- kennung der Leistungen ihres Großva- ters gefordert (siehe Ausgabe 1/2015). Außerdem bezweifelt sie, dass mit den Anstellungsverträgen bei Porsche alle finanziellen Ansprüche ihres Großvaters und seiner Nachkommen abgegolten sei-

und beruft sich auf seine Rechtsabteilung und externe Fachanwälte. Steineck er- klärte gegenüber AUTO BILD KLASSIK, dass sie die Vorlage der Verträge fordert:

„Meiner Meinung nach ist das Thema Ko- menda nach dieser harten Abfuhr nicht vom Tisch.“

Ko- menda nach dieser harten Abfuhr nicht vom Tisch.“ en. Dem widerspricht das Unternehmen UNESCO-WÜRDIGUNG Turin

en. Dem widerspricht das Unternehmen

UNESCO-WÜRDIGUNG

Turin ist jetzt „Creative City“

‡ Die einstige Auto-Metropole Turin

jubelt: Am 1. Dezember hat die UNESCO verkündet, dass die Stadt im Piemont Teil ihres „Creative City“-Netzwerks ist – und den Titel „UNESCO City of De- sign“ tragen darf. 28 Städte sind neu in diese Liste aufgenommen worden, je- doch spielt der Erfolg Turins eine her- ausragende Rolle: Es ist die erste Aner- kennung des automobilen Erbes als Kulturgut auf höchster internationaler Ebene. „Das sind gute Nachrichten“, sagt Giorgio Andrian, der als UNESCO- Kenner die Bewerbung Turins koordi- niert hatte, „doch es ist nur ein erster

Schritt.“ Andrian möchte nun im kom- menden Frühjahr am UNESCO-Sitz in Paris eine offene Diskussion initiieren, die das breit gefächerte Thema auto- mobiles Kulturgut international be- kannter macht und gemeinsame Lösun- gen zum künftigen Schutz erarbeitet.

AUTO BILD REISEMOBIL

Das neue Heft ist ab 7. 1. am Kiosk

‡ In der neuen AUTO BILD REISEMOBIL (ab 7. Januar 2015 im Handel) finden sich auf 204 Seiten auch viele schöne Old- timer-Geschichten. Bei den „coolen Ge- brauchten“ werden ein VW T2b mit Riviera- Ausbau, ein Hymer-Eriba 750 CL von 1985 und ein Vixen 21 von 1986 vorgestellt. Außerdem steht im Heft, wie es sich im Tempo Matador 50 mit Hebmüller-Aus- bau von 1952 (siehe Foto) reisen lässt. Schrauber Manfred Schwarz hat die rol- lende Gartenlaube, die einst der Bundes- grenzschutz bestellte, wieder auf die Stra-

REPORTAGE Tempo Matador 50 mit Hebmüller-Aufbau unser Reisetempo Das ist Ein Jahre altes Reisemobil wie
REPORTAGE
Tempo Matador 50 mit Hebmüller-Aufbau
unser Reisetempo
Das ist
Ein
Jahre
altes Reisemobil
wie
der
Tempo
stört Matador
macht
jede
und Flucht
aus
dem
Alltag
zur Zeitreise.
Dass Mops-
Hersteller:
gesicht
VW-Motor
so sehr
auffallen,
Vidal
& Sohn
Tempo-Werk
GmbH,
nur 63
manchmal
Hamburg-Harburg
Länge:
4500 mm
Sitzplätze:
Schlafplätze:
2 2
www.tempo-dienst.de
Manfred und Angelika
erfahrene Retro-Camper. Der Matador begleitet
Schwarz sind
sie im Sommer – wie auch
neugierige Leute und
ihre Fragen
188 www.autobild.de/reisemobil
www.autobild.de/reisemobil
189
KLEINT.FOTO:
www.autobild.de/reisemobil 189 KLEINT.FOTO: Vor 90 Jahren gründete Marcel Pourtout 1925 seine
Vor 90 Jahren gründete Marcel Pourtout 1925 seine Karosseriewerkstatt bei Paris. Bis 1939 entstanden luxuriöse
Vor 90 Jahren
gründete Marcel Pourtout 1925
seine Karosseriewerkstatt bei Paris.
Bis 1939 entstanden luxuriöse Fahr-
zeuge auf Basis zum Beispiel von Delage, Lancia
und Renault. Berühmt wurde Pourtout mit dem
von Georges Paulin gestalteten Peugeot 302/402.
Auf dessen Basis entstanden rund 80 Eclipse-
Modelle als Zwei-/Dreisitzer mit der von Paulin
entwickelten Klappdachmechanik. 1942 wurde
Paulin von den Nazis als Mitglied der Résistance
hingerichtet. Das Unternehmen konnte nach
dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr an seine frü-
heren Erfolge anknüpfen.

Vor 110 Jahren

an seine frü- heren Erfolge anknüpfen. Vor 110 Jahren präsentierten die Berliner Siemens-Schu- ckert-Werke auf

präsentierten die Berliner Siemens-Schu- ckert-Werke auf der Berliner Autoausstellung die „Elektrische Viktoria“. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h und einer Reichweite von max. 80 km pro Batterie- ladung diente das Elektroauto vor allem als Hoteltaxi und Lieferwagen. Der von einer Blei-Gel-Batterie betriebene Motor hatte bei einer Spannung von 88 Volt und einer Stromstärke von 40 Ampere eine Leistung von ca. 4,5 PS. Bis 1910 entstanden (je nach Quelle) 30 bis 50 Exemplare, die zwi- schen 11 000 und 17 500 Mark kosteten.

Exemplare, die zwi- schen 11 000 und 17 500 Mark kosteten. Vor 130 Jahren gründeten Johann

Vor 130 Jahren

gründeten Johann Baptist Winklhofer und Richard Adolf Jaenicke am 15. Februar 1885 für Vertrieb und Re- paratur von englischen Hochrädern das „Velociped-De- pot“ in Chemnitz. Ein Jahr später bauten die Mechaniker eigene Fahrräder, die sie unter der Marke „Wanderer“ vertrieben. Ab 1896 nannten sie auch ihre Firma so. Nach der Produktion von Werkzeugmaschinen (1899), Motor- rädern (1902) sowie Schreib- und Büromaschinen (1903) folgte 1913 der Einstieg in den Automobilbau. 1932 ging die Firma in der neu gegründeten Auto Union AG auf.

ging die Firma in der neu gegründeten Auto Union AG auf. 58 www.autobild-klassik.de | Nr. 2

58 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

59 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015

2015 59 www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 15 Jahre RETRO CLASSICS ® EUROPAS GRÖSSTE
15 Jahre
15
Jahre
www.autobild-klassik.de | Nr. 2 · Februar 2015 15 Jahre RETRO CLASSICS ® EUROPAS GRÖSSTE OLDTIMERMESSE ELEGANZ