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Positionspapier „Altes Stadtbad“

von

Dr. Volker Ullrich, Stadtrat

I. Historie

Im Jahr 1895 schenkten die Industriellenfamilie Forster der Stadt Augsburg


300.000 Goldmark zur Errichtung eines bereits lange gewünschten Volksbades. Daraufhin
wurden die Planungen nach Beschluss des Stadtrats 1896 durch den Oberstadtbaurat Fritz
Steinhäußer begonnen. Die Spende der Familie Forster wurde noch vor Baubeginn sogar
auf 360.000 Goldmark erhöht. Der heutige Gegenwert dieser Spende dürfte sich zwischen 3
und 4 Millionen Euro bewegen.

Auf oder in der Nähe des Areals am Mauerberg hatte es bereits früher Schwimmbäder
gegeben. So stand hier bis 1794 das Kellerbad und in unmittelbarer Nähe das bis 1885 in
Gebrauch befindliche Mauerbad.

Nach dem Baubeginn am 1. Mai 1901 und einer zweijährigen Bauzeit fand die feierliche
Eröffnung mit einem „Schau-Schwimmen“ am 1. März 1903 statt. Die Baukosten betrugen
letztlich 952.246 Mark, da der Baugrund schlammig war und die angrenzenden Kanäle
technische Probleme verursachten.

Das Stadtbad wurde damit nach dem Müllerschen Volksbad in München das zweite
Hallenbad Bayerns überhaupt. Bei Eröffnung galt es als Augsburger „Sehenswürdigkeit
ersten Ranges“, wie es in einem zeitgenössischen Stadtführer beschrieben wurde. In den 19
20 er und 1930er-Jahren kamen jährlich bis zu 400.000 Badegäste ins Haus. Das Stadtbad
war damit eine soziale Einrichtung ersten Ranges.

In den Jahren 1987 bis 19992 wurde das Alte Stadtbad einer umfassenden Generalsanierung
unterzogen, wobei der Freistaat Bayern aus Anlass der 2000 Jahr-Feier der Stadt Augsburg
diese Sanierung tatkräftig unterstützte. Insgesamt 13 Millionen Euro wurden für diese
Sanierung aus Steuergeldern aufgebracht.

Das Stadtbad ist also ein großer Vermögenswert der Stadt, der über ein Jahrhundert durch
die Bürgerschaft der Stadt angesammelt wurde und deren Ausgangspunkt eine großzügige
Stiftung war. Viele Augsburger Bürger verbinden angenehme Erinnerungen mit dem
Stadtbad. Es ist ein Teil der Identität unserer Stadt.
II. Situation der Bäderlandschaft - Kostendeckungsgrade

Die Bäderlandschaft in Deutschland ist heute durch klassische Hallenbäder sowie durch
Bäder mit Thermen-Charakter (Sauna und Wellness-Bereiche) geprägt. Diese
Unterscheidung schlägt sich auch im Kostenbereich nieder. Während nach einer Studie von
Wenzel Consulting aus Hamburg klassische Hallenbäder einen Kostendeckungsgrad von etwa
30% bis 40% aufweisen, erreichen moderne Thermen mit Sauna und Wellnesslandschaft
einen Kostendeckungsgrad von bis zu 80%. Ein Zuschußgeschäft für die Kommunen bleiben
Bäder im Regelfall, egal, ob die Kommune das Bad selbst oder durch einen privaten
Betreiber betreibt. Lediglich Thermen der absoluten Spitzenklasse erreichen schwarze
Zahlen. Dies gelingt aber nur einer Handvoll Bädern wie der Therme Erding, die allerdings
auch eine konsequente Hochpreispolitik betreibt und von der besonders hohen Kaufkraft im
Münchner Umland profitiert.

Die Thermen in Deutschland, welche schwarze Zahlen schreiben, sind von vorneherein von
einem Investor geplant und gebaut worden. Es gibt praktisch keinen Fall in Deutschland, wo
ein privater Investor eine bestehende Therme, noch dazu eine denkmalgeschützte,
übernommen und diese zu schwarzen Zahlen geführt hat. Die Thermen mit schwarzen
Zahlen sind energetische Neubauten mit starker Wellness-Orientierung im
Hochpreissegment.

Im Regelfall kann eine Therme also nicht kostendeckend betrieben werden. Daran ändert
auch ein privater Betreiber nichts. In den meisten Fällen bezuschusst eine Kommune eine
private Betreibergesellschaft. Bei entsprechender betriebswirtschaftlicher Optimierung
kann auch ein Bad in kommunaler Hand ebenso effizient wie in privater Hand geführt
werden. Die Gleichung, dass privat stets effizienter und besser ist als in kommunaler Hand,
stimmt nicht immer. Der deutschlandweite Trend heißt momentan: Rekommunalisierung
von Aufgaben der Daseinsvorsorge. Die Welle der Privatisierungen ist eigentlich schon
vorbei.

Zu beachten ist auch ein sozialer Gedanke. Wenn das Alte Stadtbad eine privat betriebene
Wellness-Therme unter dem Gesichtspunkt einer annähernden Kostendeckung unter
Berücksichtigung üblicher privater Renditeerwartungen werden soll, dann dürften die
Eintrittspreise sich schon kurzfristig unter Zugrundelegung von Erfahrungen aus anderen
Städten weit mehr als verdoppeln, was für viele Augsburger ein Bade- oder
Saunavergnügen unerschwinglich macht. Zudem refinanzieren sich solche Thermen auch
über erhöhte Preise in der Gastronomie. Die Gastronomie im Stadtbad ist heute durch
moderate Preise gekennzeichnet Ein weiterer Vorteil. Ein Bad mit einem Mindestmaß an
Gemeinwohlorientierung zeichnet sich eben auch dadurch aus, dass 4 Stunden Bad und
Sauna eben keine 25 Euro pro Person kosten. Ziel muss sein, Bademöglichkeiten für alle,
insbesondere für Familien und nicht nur für ein handverlesenes Publikum anzubieten.

III. Organisatorische Veränderungen

Politisches Ziel ist die Reduzierung des Betriebskostendefizits des alten Stadtbads unter
Verbesserung der Qualität und der Attraktivität des Bades für die Benutzer. Vor dem Verkauf
an einen privaten Investor steht zunächst die Prüfung von alternativen
Betriebsmöglichkeiten im Rahmen einer städtischen Lösung. Momentan wird das Alte
Stadtbad durch das Sport- und Bäderamt im Rahmen der Verwaltung selbst geführt. Dies ist
keine zukunftsfähige Organisationsform.
Dazu bieten sich folgende organisatorische Lösungen an:

- Betrieb durch die Stadtwerke Augsburg

Die Stadtwerke Augsburg gründen eine 100% Tochtergesellschaft, die Stadtwerke Augsburg
Bäder GmbH. Diese Gesellschaft betreibt das Alte Stadtbad und bei Bedarf weitere Bäder
und erhält dazu einen Betriebskostenzuschuss der Stadt. Gegebenenfalls könnte auch die
Gewinnabführung der Stadtwerke an die Stadt wegen des Betriebs der Bäder reduziert
werden. Vorteil dieser Lösung wäre, dass die Stadtwerke Augsburg Investitionen in die
Bäder steueroptimiert vornehmen und möglicherweise die Verluste aus den Bädern auch
durch den Querverbund (Überschüsse aus der Energie GmbH) gedeckt werden können. Die
Stadtwerke Lösung hätte auch den Vorteil, dass Investitionen wie die Außenfassade oder die
Sanierung der Dampfsauna bald getätigt werden könnten. Ein solches Modell existiert mit
Erfolg bereits bei den Stadtwerken München. Das Stadtbad als Liegenschaft bleibt natürlich
in der Hand der Stadt.

- Kommunaler Eigenbetrieb Städtische Bäder

Eine betriebswirtschaftliche Lösung könnte auch durch Überführung der Bäder in einen
kommunalen Eigenbetrieb darstellen. Dieser kann im Rahmen der Betriebssatzung flexibler
also in Form eines Amtes geführt werden. Zudem ist er flexibler im finanzwirtschaftlichen
Ausgleich der Verluste, da die Stadt erst nach 5 Jahren zur Deckung des Defizits verpflichtet
ist.
- Stiftung Stadtbad

Die Stadt Augsburg könnte das Stadtbad auch in eine Stiftung einbringen. Damit ließe sich
der ursprüngliche Gedanke der Stiftung an die Bürger der Stadt Augsburg erfüllen. Und im
Rahmen einer Stiftung wäre auch ein betriebswirtschaftliches Konzept möglich.

- Modell WBG

Schließlich könnte die Stadt auch einen Contracting-Vertrag mit der städtischen
Wohnungsbau-Gesellschaft WBG oder deren Tochter AGS abschließen. Ziel dieses Vertrages
ist die Beratung zur Betriebsoptimierung durch die WBG sowie eine Vorfinanzierung der
notwendigen Sanierungen. Als Gegenleistung erhält die WBG ähnlich wie bei der Messe eine
Art Leasing oder Mietgebühr aus den Einnahmen des Stadtbades. Das Betriebsdefizit trägt
weiterhin die Stadt.

IV. Marketingkonzept

Entscheidend für die Reduzierung des Betriebskostendefizits des Stadtbades ist zudem, dass
endlich ein Marketingkonzept für das Stadtbad entwickelt und umgesetzt wird, mit dem Ziel,
die Besucherzahlen zu erhöhen. Eine Steigerung der Besucherzahlen reduziert nämlich das
Betriebsdefizit und erhöht den Deckungsbeitrag pro verkaufter Eintrittskarte. Ein
Marketingkonzept ist unabhängig von der Rechtsform und der Art des Betriebes sofort
anzugehen
Das Alte Stadtbad Augsburg ist ein Jugendstiljuwel und eine Attraktion Augsburgs, die
momentan weder beworben, noch vermarktet wird.

Zu fordern ist daher schon kurzfristig eine Marketingoffensive für das Stadtbad unter
Einbeziehung der schon vorhandenen Wellness-Angebote. Zudem ist die Preisstruktur zu
modernisieren und Ideen des Stadtbadpersonals sind stärker umzusetzen. Auch sind die
Öffnungszeiten flexibler zu gestalten. Es ist nicht einzusehen, dass gerade am Sonntag das
Stadtbad schon um 18 Uhr und am Samstag um 20 Uhr schließen muss. Die Zielgruppe der
erholungssuchenden Berufstätigen ist noch stärker in den Mittelpunkt der Überlegungen zu
rücken. Auch über eine moderate Parkplatzbewirtschaftung zur Einnahmeerzielung ist
nachzudenken.
Fazit:

Der Verkauf an einen privaten Investor ist keine zielführende, zukunftsweisende Lösung
für das Alte Stadtbad. Vielmehr wäre dies ein unverzeihlicher Ausverkauf eines städtischen
Juwels und Kulturdenkmals an dem Augsburger Geschichte hängt. Ein Verkauf ist unnötig,
weil bislang überhaupt keine Maßnahmen in die Wege geleitet wurden, mit Möglichkeiten
der Stadt das Betriebskostendefizit zu verringern. Das wäre aber unbedingt vorrangig vor
einem Verkauf zu prüfen und durchzuführen. Angesichts der Millioneninvestitionen in das
Stadtbad müsste ein Betreiber auch bereit sein, bei einem Erwerb einen Teil der
durchgeführten Investitionskosten zu übernehmen. Das erscheint illusorisch. Zudem würden
sich durch einen privaten Investor die Eintrittspreise erfahrungsgemäß stark verteuern. Dies
ist sozial unerwünscht.

Durch organisatorische Änderungen und eine Marketingoffensive könnte schon jetzt das
Defizit reduziert werden. Ein Verkauf würde überflüssig. Zudem könnte dauerhaft durch
eine betriebswirtschaftliche Organisation in den Händen der Stadt die Attraktivität des
Bades gesteigert und die Kosten gesenkt werden.

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