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Akt. 06.03.10; 16:36 Pub. 05.03.10; 13:58


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AZEM UND BASHKIM, TEIL 2

Zwei Einwanderer, zwei Storys, ein Mordfall


von Joel Bedetti

Sie wuchsen zusammen auf, sie wurden zu Vorbildern, sie waren beide
Ausnahmetalente. Einer kämpfte sich in den Kickbox-Olymp, der andere wurde
zum Mörder. Eine Integrationsgeschichte.

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Der ehemalige Thaibox-Weltmeister wurde am 21. August 2009 zu 14 Jahen Haft


verurteilt. Er hatte einen Mann im Streit um einen Parkplatz erschossen.

Bashkim Berisha, Thaibox-Weltmeister, notorischer Prügler und mutmasslicher


Mörder. Bild: Frenetic Films

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Bashkim Berisha: Der ehemalige Weltmeister sitzt wegen Mordes hinter Gittern.

Maksutaj und Berisha waren die grossen


Namen in der regionalen, wenn nicht der
nationalen Thaiboxszene. Azem Maksutaj
hatte sich inzwischen als Promoter von
Thaibox-Kämpfen in der Ostschweiz
etabliert. Er lieferte den Hauptkampf,
Berisha trat oft in einem Vorkampf an.

Die beiden pflegten, das sagen Beteiligte


übereinstimmend, eine distanzierte Mit einem blauen Auge davongekommen:
Beziehung. Reinhard Meier, Berishas Azem Maksutaj
späterer Mentor, sagt «Persönlich hatten sie
das Heu nicht auf derselben Bühne». Auch
andere wundern sich darüber: «Ich bin
erstaunt, dass die beiden keine Freunde
waren. Sie kamen ja aus demselben Dorf»,
sagt einer, der Bashkim Berisha eine Zeit
lang nahestand.

Der Promoter und der Aussenseiter

Die Rollenverteilung zwischen den beiden,


erinnert sich der Mann, sei klar gewesen.
«An den Kämpfen herrschten völlig Den Kampf gegen den eigenen Jähzorn
unterschiedliche Stimmungen, je nach dem verloren: Bashkim Berisha
ob Azem oder Bashkim kämpften.» Maksutaj
sei der grosse Mann gewesen, der Promoter, Interaktiv-Box
der mit einer Limousine angerauscht sei. Bildstrecke: Der «Parkplatzmörder»
«Bashkim dagegen war der Aussenseiter. steht vor Gericht
Doch er hatte eine starke Gefolgschaft unter
seinen Landsleuten», sagt die Person. Bildstrecke: Azem Maksutaj - der
«Wenn er auf die Bühne kam und die Thaibox-Champ
Kosovarische Flagge schwang, kochte es im
Saal.»

Vielleicht, meint die Person weiter, habe diese Rollenverteilung in der Vergangenheit im
Kosovo gewurzelt. «Azem Maksutaj kommt aus einer kleinen Familie, die Berishas aber
sind in der Heimat ein wichtiger Name». Vielleicht war die Rollenverteilung auch
symptomatisch für das Schicksal der beiden. Maksutaj, der Vollprofi-Kickboxer und smarte
Geschäftsmann. Bashkim Berisha, der charismatische Ghettokrieger, die Faust der
zornigen Kosovaren, die sich in der neuen Heimat nicht willkommen fühlen.

«Beide hatten ein Riesentalent»

Dabei hätte Berisha keine Not gehabt, den Aussenseiter zu spielen. Sein späterer Trainer
Reinhard Meier sagt: «Bashkim war so gut, er hätte mit Kickboxen eine Menge Geld
verdienen können.» Rohy Batliwaha, Azem Maksutajs Trainer, sagt: «Beide hatten ein
Riesentalent, beide hätten Karriere machen können wie nur wenige!»

Mehr will er nicht sagen, wie viele in der Winterthurer Kampfsportszene. Zu traurig endet
die Geschichte. Damals, Ende der 90er-Jahre, war der Ausgang der Berisha-Story noch
offen. Manchmal schien sich die Hoffnung, dass der Ring und die Aussicht auf eine Karriere
Berishas Aggressionen bändigen würden, zu erfüllen. Manchmal rückte das Happy End
wieder in weite Ferne, beispielsweise als er 1999 vor einer Winterthurer Disco einen
Polizisten verprügelte und dafür 18 Monate ins Gefängnis musste.

Filmstar Bashkim Berisha

In dieser Zeit drehte der Basler Filmer Vadim Jendreyko den Dokumentarfilm «Bashkim»,
der ein gewaltiges Echo in Kino und Fernsehen fand und 2001 mit dem Schweizer Filmpreis

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ausgezeichnet wurde. Der Film zeigte Bashkim Berisha im Kampf seines Lebens, dem
gegen seinen Jähzorn.

Schon vorher war es zum Bruch mit Azem Maksutaj gekommen. Azem Maksutaj, der bei
seinen Thaibox-Schülern in Sachen Gewalt eine Nulltoleranz-Politik fährt, warf Berisha aus
dem «Wing Thai Gym», als der sich partout nicht bessern wollte. An diesem Punkt
trennten sich die Leben der beiden endgültig. Maksutaj boxte sich in den Thaibox-Olymp,
Berisha in den Abgrund.

Bester Kampf aller Zeiten

Kurz vor dem Fall erlebte Berisha noch den Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn. Nach
dem Bruch mit Maksutaj und der 18-monatigen Gefängnisstrafe hatte ihn der Winterthurer
Boxtrainer Reinhard Meier unter seine Fittiche genommen. 2002 wurde Bashkim, er war
nun 22 Jahre alt, ebenfalls Thaiboxweltmeister. Sein letzter Triumph. Doch die Kurve
kriegte er nicht. Es blieb noch eine Weile ruhig um ihn.

Dann erschoss er am 11. Februar 2005, praktisch aus dem Nichts, einen Mann, der ihn
fragte ob er seinen Wagen umstellen könne.

2005 führte Azem Maksutaj in Las Vegas gegen den Russen Ruslan Karaev den Kampf, der
nachträglich als der beste K-1-Kampf aller Zeiten auf amerikanischem Boden gewählt
wurde.

Rücktritt und Gefängnis

Am 21. August 2009 wurde Bashkim Berisha wegen Mordes zu 14 Jahren Gefängnis
verurteilt. Im selben Jahr wurde Azem Maksutajs Sohn zwei Jahre alt. Azem Maksutaj ist
mit Njomza, einer Vermögensverwalterin verheiratet, er wechselt dem Sohn die Windeln,
und er kündigte nach einen vierzehn Thaibox-Weltmeistertiteln seinen Rücktritt an.

Das Leben hat die beiden Kosovaren Azem Maksutaj und Bashkim Berisha, die beide im
selben Ort starteten, an die beiden entgegengesetzten Enden einer Skala geworfen: Beide
sind zu Symbolen der Integrationsthematik geworden, Bashkim Berisha das Mahnmal,
Azem Maksutaj ist der Leuchtturm.

Von «Aeschbi» bis «Samschtigjass»

Im Vorfeld der Kinopremiere von «Being Azem» tingelte der Vorzeigesportler quer durchs
Sendeprogramm vom Schweizer Fernsehen. Er war bei «Glanz und Gloria», kasperte mit
Kurt Aeschbacher herum, am vergangenen Wochenende war Makustaj gar beim
«Samschtigjass» zu Gast, was integrationsmässig wohl nichts anderes den ultimativen
Ritterschlag darstellen kann.

Azem Maksutaj will nicht über Bashkim Berisha reden. «Ich will nicht alte Wunden
aufreissen», sagt er. Verständlich. Noch lange hing der Schatten von Berisha über ihm und
der ganzen Thaibox-Szene. Als Berisha nach dem Mord türmte, riefen pausenlos
Journalisten bei Maksutaj an, fragten ihn über Berisha aus und verlangten Fotos vom
«Parkplatzmörder».

«Jeden Albaner hat das geschmerzt»

Maksutaj sieht gewisse Parallelen im Lebenslauf, aber keine nähere Verbindung zu


Bashkim Berisha: «Im Kosovo kannte ich Bashkim nur vom sehen her, er war ja viel
jünger als ich». Auch sei Berisha nur eine kurze Zeit bei ihm im Training gewesen, als
«kleiner Bube».

Ob es ihn nicht trotzdem geschmerzt habe, als der dermassen vom Weg abkam?

«Natürlich hat das geschmerzt, dass Berisha so auf den falschen Weg geraten ist», sagt
Azem Maksutaj.

Aber ihn persönlich, den Trainer und das Vorbild? «Natürlich hat es mich auch persönlich
getroffen.»

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Das ist alles, was sich Azem Maksutaj entlocken lässt.

Er sagt noch: « Vergessen Sie das nicht: Wir Kosovoalbaner sind vor dem Krieg in die
Schweiz geflohen. Wir haben eine schwierige Vergangenheit. Vergessen Sie das nicht.»

Lesen Sie im ersten Teil der Maksutaj-Berisha-Story, wie die beiden vor dem Bürgerkrieg
aus dem Dorf Peje in den kosovarischen Bergen nach Winterthur flohen und in einem
Thaibox-Keller ihre Berufung entdeckten.

«Being Azem» läuft in Zürich, Schaffhausen und Winterthur im Kino. In den kommenden
Wochen startet der Film auch in Basel, Luzern und weiteren Städten.

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