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Frisch – Homo Faber

Grundlegendes
 „Ein Bericht“ -> Sachlich will Faber den Weg zu seiner Schuld erläutern
 Seine Schuld besteht größtenteils darin, seine Vaterschaft nicht wahrhaben zu wollen

Aufbau und Textstruktur


 Ein analytischer Roman, in dem die eigentliche Handlung vor dem Beginn des Romans selbst liegt und
nach und nach enthüllt wird (Tagebuchaufzeichnungen Walter Fabers)
 Versuchst zunächst seine Unschuld an der Inzest und dem Tode seine Tochter nachzuweisen, erkennt
aber immer mehr, dass er durch das „Bildnis“, das er sich von sich und anderen gemacht hat, schuldig
geworden ist
 Wichtige Ereignisse werden aus dem Zusammenhang des Romans genommen und später nachgetragen
(z.B. inzestuöse Vereinigung in Avignon)
 Persönliche Ansichten und Kommentare sind natürlich Teil der Aufzeichnungen
 Aufzeichnungen bestehen aus zwei Teilen
 Erste Station: Caracas (krank) mit Rückblenden auf sein Leben und die Reise dorthin, die Begegnung
mit Sabeth und die folgenden Geschehen
 Zweite Station: Athen (Krankenhaus -> Magen-OP) mit Bericht über die wahre Todesursache
(Schädelfraktur), seine Abschiedreisen (Zürich, Düsseldorf, Habana, Caracas) und seine letzten aus den
Gesprächen gewonnenen Erkenntnisse über Hannah

Charakterisierung der Hauptpersonen


Walter Faber
 Hauptperson, Tagebuchschreiber, Ich-Erzähler
 Ingenieur bei UNESCO „Technische Hilfe für unterentwickelte Völker“
 Homo Faber (Name von Hanna gegeben): geschickter, kunstfertiger Mensch
 Selbstbild als Techniker, Rationalist
 Technik muss immer funktionieren (repariert Rasierapparat obwohl er noch einen hat); Natur ist
schlecht
 Tut alles für seine gewünschte Rolle: amüsiert sich über emotionale Menschen, nennt unterzivilisierte
Völker weibisch, denunziert Frauen, fühlt sich als Herrenmensch und Inbegriff eines Mannes, will alles
planen können
 Er ist Subjekt (da Mann) und kann über andere verfügen (nennt Elisabeth einfach Sabeth weil er es so
lieber mag)
 Viele Possessivpronomen: Überlegenheitsdenken zeigt sich auch in Besitzen-Wollen
 Für ihn greift der verantwortungsbewusste Mensch planend in sein Leben ein
 Versucht immer die ihm bequeme Lösung zu rechtfertigen (z.B. Schwangerschaft als moderne Form der
Hygiene)
 Hannas Schwangerschaft kreuzte seine Pläne, worauf er von „dein Kind“ sprach um es nicht Teil seiner
geplanten Zukunft sein zu lassen
 Kein Bedürfnis für Bekanntschaften, vor allem nicht mit Künstlern, Schwärmern u.ä.

 Aber auch deutliche Minderwertigkeitsgefühle: z.B. gerät Weltbild ins Wanken, als Hanna sagt, dass es
nicht schlimm sei, dass er sie nicht geheiratet habe
 Seit Wiedersehen mit Hanna zerbröckelt sein Weltbild zunehmend
 Plant nun Hanna zu heiraten statt alleine zu sein
 Spricht in Habana von wunderbaren Menschen und erklärt, dass er den Schuhputzer liebe
 Erkennt vor seinem Tod, dass er sich ein Bild von sich gemacht hat, zu dem es nicht passte, die Welt zu
erleben (immer alles durch die Filmkamera gesehen)

Hanna Landsberg
 Wird gefiltert durch Fabers Betrachtungsweise dargestellt, denn sein Bericht ist als Rechtfertigung
Hanna gegenüber geschrieben
 Selbstbewusste und emanzipierte Frau (beruflich erfolgreich, zieht Kind alleine groß, hübsch)
 Ihr gelingt es mit ihrem Verhalten die Überlegenheit Fabers (der Männer) zu zerstören
 Hanna schließt irgendwann die Männer aus ihrem Leben aus: Faber erfährt nichts von dem Kind,
Joachim darf es nicht erziehen (sie lässt sich sogar heimlich sterilisieren, damit Joachim keine Rechte
an ihrem Kind bekommen kann)
 Auch sie kann nicht als „Partner“ leben, wie sie es Faber vorwirft, denn zur Partnerschaft gehört das
Männliche und das Weibliche
 Hat ihr Leben nur für die Tochter gelebt, nennt es daher selbst „verpfuscht“
 Ihre Schuld liegt darin, dass sie dem Vater das Kind vorenthalten hat, was auch zur Inzest führte

Elisabeth Piper
 Keine persönliche Tiefe: typisch junges Mädchen mit Interesse an Kunst und Kultur
 „lehrt“ Faber die Kunst im Louvre zu betrachten oder phantasievolle Vergleiche zu ziehen
 Faber sieht sie aber meist nur als Mädchen oder Kind und auch ihr Charakter weist deutlich jugendliche
Züge auf
 Sie erinnert Faber an Hanna
 Wird durch die inzestuöse Liebe getötet

Marcel
 Kontrastfigur zu Faber
 Künstler, der in Freizeit Götterreliefs kopiert (nicht fotografiert, wie es Faber täte)
 Faber erfährt durch ihn, dass auch andere Lebensweisen als die des Technikers gibt (Mayas z.B.
Hochkultur ohne das Rad zu kennen)
 Stellt Nutzen von Fabers Tätigkeit infrage: Missionarsarbeit, Lebensstandard statt Lebenssinn für die
Völker
 Er ist es, dem es mit seiner infantilen Freundlichkeit gelingt, den Landrover zu bekommen und er, der
von Faber und Herbert nicht ernst genommen wird, findet auch Joachims Plantage

Ivy
 Geliebte Fabers und typisches Mannequin; negatives Bild der Amerikanerin der 50er Jahre
 Hängt an Faber (Ivy=Efeu)
 Opfer eine von Männern dominierten Gesellschaft, in der Frauen gerne als abhängige und
unselbstständige Wesen gesehen werden
 Äußere Dinge sind ihr wichtig
 Oberflächliche Beziehung (er weiß nicht einmal wie oft sie schon verheiratet war)
 Sie ist ein untrüglicher Beweis für den Chauvinisten Faber, dass Frauen auf lästige Art und Weise
anhänglich sind und ein Mann lieber in seiner Arbeit leben sollte

Herbert Hencke
 An ihm wird ergänzend zu Faber die Lebenseinstellung seines von der Technik begeisterten Menschen
im Nachkriegseuropa deutlich
 Von Vorurteilen geprägtes Denken („Asiaten bleiben Asiaten“ S. 10; „guten Hitler“ S. 10)
 Bruder von Joachim, veranlasst Faber dazu, über seine Vergangenheit nachzudenken

Zentrale Aspekte und Motive


Reisen
 Gesamte Handlung setzt sich aus Reisen zusammen; alle handlungstragenden Personen sind Reisende
 Jede reise Fabers ist mit Bewusstseinsveränderung verbunden
 Ausgangspunkt ist die zivilisierte Welt, New York
 Reisemittel werden immer primitiver und bodenständiger (Flugzeug, Schiff, Auto, Eselskarren) ->
Abschied von bisheriger Lebensweise
 Bei der Autofahrt lernt er die europäische Kultur kennen (bewundert Kunst im Louvre) -> Techniker-
Image nur Fassade
 In Griechenland zeigt ihm Hanna, dass er sein Leben nicht richtig gelebt hat -> Erleuchtung
 Griechenland: Licht und Helligkeit -> Selbsterkenntnis
 Faber stirbt in Griechenland im Bewusstsein seiner Schuld und Anerkennung der Tatsache, dass es zum
Leben gehört, den Tod zu akzeptieren
 Reisen stehen also nicht nur für räumliche Veränderung, sondern auch für einen Wechsel von Fabers
Zustand
 Faber lernt durch seine Reisen und verändert sich

Todesboten
 Professor O., der den Leser daran erinnert, dass Faber todkrank ist
 Ebenfalls von Technik geprägtes Weltbild und ebenfalls Magenkrebs
 Seine Beschreibung erinnert an den Tod (Totenschädelkopf, grässliches Lachen)
 Das O steht für Omega, den letzten Buchstaben im griech. Alphabet; außerdem gibt Faber seine Omega
Uhr dem Fahrer des LKW der Sabeth ins Krankenhaus bringt, was symbolisch anzeigt, dass Zeit für ihn
ohne Bedeutung ist, quasi stehen bleibt (Lebensende steht bevor)
 In Paris lehnt Faber es ab mit O. einen Aperitif zu nehmen, geht lieber mit der 30 Jahre jüngeren Sabeth
in die Oper -> verdrängt den Tod, wendet sich dem Leben zu
 In Zürich, kurz vor seinem Tod, nimmt er die Einladung ins Cafe an -> verdrängt den Tod nicht mehr
 Im Krankenhaus notiert Faber, dass O. gestorben sei

Spiegel
 Nur 3x im Roman, zeigt Faber sich selbst und präsentiert ihm Spuren von Krankheit und Tod
 1) Houston Zwischenlandung: Faber sieht sich kreidebleich im Spiegel, bricht zusammen
 2) Paris: Ringe unter den Augen als Zeichen der Krankheit
 3) Athen Krankenhaus: er ist erschrocken, baldiger Tod steht bevor

Blindheit
 Faber bezeichnet sich selbst als nicht blind, was so viel bedeutet, wie, dass er alles realistisch sieht
 seine Blindheit ist so zu verstehen, dass er alles nur vordergründig sieht
 Blindheit ist sein Egoismus, ein Bild von sich zu machen, in das er alles einpassen will
 Hinweis auf Ödipussage: nachdem Ödipus seine Schuld erkannt hatte, blendete er sich; Faber will im
Speisewagen nach Zürich (nach Elisabeths Tod) sich am liebsten die Augen mit zwei Gabeln
ausstechen

Erzähltechnik und Erzählperspektive


 Subjektiv, da Aufzeichnungen
 Subjektive Assoziationen Fabers machen dies deutlich (wertende Beschreibungen)
 Bezug auf das Ganze wird nicht wahrgenommen, Blickwinkel auf einen kleinen Ausschnitt eingeengt
 -> begrenzte Sichtweise Fabers
 sprunghafte Veränderungen der Blickrichtung stellen Desorientiertheit dar (z.B. wenn Herbert mit
Faber im Flugzeug redet und dieser mal aus dem Fenster schaut, mal sich im Flugzeug umsieht)
 Frischs Erzähltechnik mit Rückblenden, Dialogen und Reflexionen schafft trotz Ich-Perspektive eine
kritische Distanz von Leser zu Faber

Sprache
Gesprochene Alltagssprache
 Verkürzung der Syntax – es fehlt meist das ist-Prädikat im Hauptsatz
 Sprache in der Nähe zur gesprochenen Sprache
 Läuft etwas nicht reibungslos, so gebraucht Faber häufig das Wort „nervös“
 Gossensprache bei der Beschreibung nicht-technischer oder rationaler Dinge („sauscharf“,
„Hühnerdorf“

Originalsprache
 Faber verwendet oft Anglizismen (seine Originalsprache)
 Will damit Bemühen um Authenzität zeigen

Impressionsstil
 So genannter Impressionsstil: einzelne Eindrücke werden, wie sie dem Tagebuchschreiber in den Sinn
kommen, aufgeschrieben und zu einer Assoziationskette aneinander gefügt
 Vollständige Satzgefüge sind am Schluss des Romans zu finden, wenn faber wirklich berichtet und
nicht reflektierend erläutert
 Schließlich enden Fabers Aufzeichnungen und damit der Roman mit einem längeren Satzgefüge

Gestörte Kommunikation
 Dialoge weisen häufig Merkmale gestörter Kommunikation auf
 Faber lebt nach eigener Aussage am liebsten allein und auch die anderen Personen sind eher isoliert
bzw. Einzelgänger
 Die Gespräche sind einseitig oder zerfallen
 Am deutlichsten wird die Kommunikationsstörung bei den Gesprächen mit Elisabeth oder mit Hannah
(siehe Gespräch mit Elisabeth an der Via Appia)
 Kommunikationsstörung entsteht, da beide Gesprächspartner nicht aufeinander eingehen können
 Jeder ist mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt und nicht in der Lage, auf den anderen zu
hören

Zynismus
 Fabers Sprache zeichnet sich vor allem durch Zynismus aus
 Gegenstand dieser zynisch-aggressiven Aussagen sind Frauen und die nicht-technisierte Welt

Interpretation von Schlüsselstellen


Seite 52, 23 bis Seite 55, 4
 Faber verlässt sein eigentlichen Lebensplan und geht in den Dschungel
 Ekel vor der Natur wird deutlich
 Die Eindrücke schildert Faber so, wie sie ihm gerade in den Sinn kommen (typischer Impressionist) ->
zahlreiche Eindrücke einfach aneinander gereiht
 Deutlich wird, dass dem Leben im Dschungel mit technischen Mitteln nicht beizukommen ist (Zopilote
reagieren nicht auf Hupen)
 Ironischerweise gibt gerade Faber in Bezug auf die H-Bombe den Hinweis auf den Untergang der
Menschheit durch Technik

Seite 196, 4 bis Seite 197, 16


 Genießt das intensive Leben dort
 Viele Verben der Wahrnehmung
 Bewundernde Worte für die Umgebung
 Kleinigkeiten werden beschrieben (Schild vor einem barber-shop)
 Faber will nachholen was er bisher versäumt hatte
 Viele richtige Satzkonstruktionen statt der sonst üblichen Aufzählungen
 Sogar regelrecht poetische Beschreibungen mit Alliterationen