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NisargadattaNisargadatta MaharajMaharaj

IchIch binbin DasDas

NisargadattaNisargadatta MaharajMaharaj (1897-1981)(1897-1981)
NisargadattaNisargadatta MaharajMaharaj
(1897-1981)(1897-1981)

Nisargadatta Maharaj Ich bin Das

NisargadattaNisargadatta MaharajMaharaj

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Lizenzbestimmung:

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Clemens Vargas Ramos, im Dezember 2009 vargasramos@gmx.net

Übersetzung durch Clemens Vargas Ramos von „I am That“, den Gesprächsaufzeichnungen von Nisargadatta Maharaj, die frei im Internet unter der Adresse http://www.sankaracharya.org/i_am_that.php verfügbar sind.

Es fehlen diejenigen Textteile, die zum Zeitpunkt dieser Übersetzung bereits in den deutschen Ausgaben vom Kamphausen-Verlag von „Ich Bin“ in den Teilen I und II enthalten gewesen sind. Sie sind kenntlich gemacht durch den Hinweis: (Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten).

Fertiggestellt im Dezember 2007. Zuletzt bearbeitet

am 16.12.09.

InhaltsverzeichnisInhaltsverzeichnis

Widmung

9

Anmerkung des Übersetzers

11

Anmerkung des Herausgebers

14

Wer ist Nisargadatta Maharaj?

16

Das „Ich bin“-Gefühl

16

Die Körper-Besessenheit

16

Lebendige Gegenwart

16

Die wahre Welt ist jenseits des Verstandes

16

Was geboren wurde, muss sterben

16

Meditation

16

Der Verstand

16

Das Selbst liegt jenseits des Verstandes

16

Antworten aus der Erinnerung

17

Der Zeuge

17

Gewahrsein und Bewusstsein

17

Die Person ist nicht wirklich

17

Das Höchste, der Verstand und die Wirklichkeit

17

Erscheinungsformen und Wirklichkeit

17

Der Jnani

17

Wunschlosigkeit - der höchste Segen

17

Das Immer-Gegenwärtige

17

Finde heraus, was du nicht bist, um zu sehen, was du bist

18

Wirklichkeit liegt im Objektiven

18

Das Höchste geht über alles hinaus

18

Wer bin Ich?

18

Leben ist Liebe - Liebe ist Leben

18

Unterscheidung führt zur Entsagung

18

Gott ist der All-Tätige - der Jnani ist der Nicht-Tätige

Halten Sie am „Ich bin“ fest

18

Die Persönlichkeit - das Hindernis

18

Das Anfangslose fängt auf ewig an

19

Alles Leiden ist aus dem Wunsch geboren

19

Leben ist des Lebens einziger Zweck

19

Du bist JETZT frei

19

Unterschätze die Wachsamkeit nicht

19

Leben ist selbst der Höchste Guru

19

Alles geschieht aus sich selbst heraus

19

Der Verstand ist die Ruhelosigkeit in Person

19

Der größte Guru ist dein inneres Selbst

19

Töten verletzt den Tötenden - nicht das

Getötete.

.20

Über Schmerz und Freude hinaus liegt die Seligkeit

 

20

Spirituelle Praxis ist Selbsterforschung

20

Durch sich selbst existiert nichts

20

Nur das Selbst ist wirklich

20

Entwickele die Haltung des Zeugen

20

Wirklichkeit kann nicht ausgedrückt werden

20

Unwissenheit kann wahrgenommen werden - Jnana

nicht

“Ich bin“ ist wahr - alles andere ist Schlussfolgerung

20

 

20

Was kommt und geht, hat kein Sein

21

Gewahrsein des Seins ist Seligkeit

21

Beobachte deinen Verstand

21

Gewahrsein ist frei

21

Der Verstand erzeugt die Ungewissheit

21

Selbst-Gewahrsein ist der Zeuge

21

Sei gleichmütig gegenüber Schmerz und Freude

21

Glücklich sein, glücklich machen ist der Rythmus des Lebens

21

Erfüllte Wünsche führen zu noch mehr Wünschen. 21 Körper und Verstand sind Symptome der

Verliere alles - und gewinne alles

22

Bewusstsein und Welt tauchen gemeinsam auf

22

Jenseits des Verstandes ist kein Leiden

22

Vollkommenheit - die Seele von allem

22

Furcht und Verlangen – Zustände des Ego

24

Leben, nicht phantasieren

31

Materie ist Bewusstsein

37

Im Höchsten erscheint der Zeuge

46

Das Gefühl der Täterschaft bedeutet Bindung

55

Alles was dich erfreut, wirft dich zurück

60

Alles was du brauchst, ist ein stiller Verstand

62

Die Suche nach dem Glück führt zum Unglück

69

Erfahrung ist nicht wahr

81

Suchen Sie nach der Quelle des Bewusstseins

88

Die Vergänglichkeit ist der Prüfstein des Unwirklichen

93

Gott ist das Ende allen Verlangens und allen Wissens

102

Im Selbst-Gewahrsein lernt man sich selbst kennen

 

104

Was rein, unvermischt und ungebunden ist, ist wirklich

113

Der Tod des Gemüts ist die Geburt der Weisheit

114

Die Wahrheit ist Hier und Jetzt

124

Im Frieden und in der Stille ist Wachstum

136

Zu wissen, dass man nichts weiß, ist wahre Weisheit

 

144

“Ich“ und „mein“ sind falsche Ideen

146

Alles Wissen ist Unwissenheit

153

Person, Zeuge und Höchstes

163

Gewahrsein

171

Die Wurzel der Furcht

180

Absolute Vollkommenheit ist hier und jetzt

182

Der wahre Guru

184

Ihr Ziel ist Ihr Guru

194

“Ich bin“ – Grundlage aller Erfahrung

204

Das Unbekannte ist die Heimat des Wirklichen

212

Halte den Verstand still – und du wirst erkennen. 224 Das Wissen des Verstandes ist kein wahres Wissen

 

231

Fortschritt im spirituellen Leben

240

Gib dich an dein eigenes Selbst hin

247

Lust und Glück

258

Gehe über die Idee „Ich bin der Körper“ hinaus

265

Der Mensch ist nicht der Täter

272

Du bist jenseits von Zeit und Raum

279

Nimm das Leben, wie es kommt

279

Erinnerungen und Erwartungen aufgeben

286

Verstand und Welt sind nicht verschieden

293

Freiheit von der Selbst-Identifikation

295

Das Wahrgenommene kann nicht der Wahrnehmer

sein

304

Verstehen führt zur Freiheit

315

Der Jnani hält nicht fest

322

Anhang 1 – Nisarga Yoga

333

Anhang 2 - Navnath Sampradaya

338

WidmungWidmung

Das, worin alle Wesen wohnen, und das in allen Wesen wohnt, das der Bringer der Gnade für alle ist, die Höchste Seele des Universums, unbegrenztes Sein - Das bin Ich. Amritbindu Upanishad

Das, was alles durchdringt und von nichts anderem durchdrungen wird, welches wie der Raum des Universums um uns herum, alles vollständig von innen und von außen erfüllt, dieses Höchste, non-duale Brahman - Das bist Du. Sankaracharya

Der Suchende ist der, der nach sich selbst sucht. Geben Sie alle Fragen außer der einen auf: „Wer bin ich?“. Die einzige Tatsache, der Sie stets gewiss sein können, ist schließlich die Tatsache, dass Sie sind. „Ich bin“ ist gewiss - „ich bin dies“ nicht. Kämpfen Sie, um herauszufinden, was Sie in Wirklichkeit sind. Um sich selbst zu kennen, müssen Sie als erstes untersuchen und wissen, was Sie nicht sind. Entdecken Sie all das, was Sie nicht sind - der Körper, die Gefühle, die Gedanken, Zeit, Raum, dies oder das. Nichts, was konkret oder abstrakt ist, was Sie wahrnehmen können, kann Sie sein. Der bloße Akt der Wahrnehmung zeugt, dass Sie nicht sind, was Sie wahrnehmen. Je klarer Sie begreifen, dass Sie auf der Ebene des Verstandes nur in negativen Begriffen beschrieben werden können, desto schneller werden Sie das Ziel Ihrer Suche erreichen und Ihr unbegrenztes Sein realisieren. Sri Nisargadatta Maharaj

AnmerkungAnmerkung desdes ÜbersetzersÜbersetzers

Ich traf Sri Nisargadatta Maharaj vor einigen Jahren und war beeindruckt von der spontanen Einfachheit seiner Erscheinung und seines Auftretens sowie einer tiefen und echten Ernsthaftigkeit in der Mitteilung seiner Erfahrung. Obwohl seine kleine Wohnung in den Hinterhöfen von Bombay schlicht und schwierig zu entdecken war, haben doch viele ihren Weg hierher gefunden. Die meisten von ihnen waren Inder, die die Freiheit hatten, sich mit ihm in ihrer Muttersprache unterhalten zu können. Es gab jedoch auch viele Ausländer, die einen Übersetzer brauchten. Wenn ich anwesend bei den Gesprächen war, dann fiel mir diese Aufgabe des Übersetzens zu. Viele der gestellten Fragen und gegebenen Antworten waren so interessant und bedeutsam, dass schließlich ein Bandaufnahmegerät herbeigeschafft wurde. Die meisten der Bänder enthielten das übliche Gemisch von Englisch und Marathi, während andere mehrsprachige verschiedene indische und europäische Sprachen vermischt enthielten. Später wurden dann die Bänder entziffert und ins Englische übertragen. Es war nicht leicht, gleichzeitig wortgetreu zu übersetzen und mühsame und überflüssige Wiederholungen zu vermeiden. Wir dürfen hoffen, dass die vorliegende Übersetzung der Bandaufnahmen den Eindruck dieses klaren Verstandes eines großzügigen und in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen menschlichen Wesens nicht verringert hat. Eine Marathi-Version dieser Gespräche, die von Sri Nisargadatta selbst überprüft und bestätigt wurde, wurde gesondert veröffentlicht.

Maurice Frydman, Übersetzer Bombay 16. Oktober 1973

AnmerkungAnmerkung desdes HerausgebersHerausgebers

Diese Auflage von „Ich bin Das“ ist eine neu durchgesehene und überarbeitete Version der 101 Gespräche, die in den zwei Ausgaben der früheren Auflagen erschienen sind. Es wurden hier nicht nur besser lesbare Schriften und Kapitelüberschriften neu verwendet, sondern ebenso auch neue Fotos von Sri Nisargadatta Maharaj hier eingebunden. Des Weiteren gibt es im Anhang bisher unveröffentlichtes, wertvolles Material. Ich möchte der Aufmerksamkeit des Lesers ganz besonders den Beitrag namens „Nisarga Yoga“ empfehlen, in welchem mein sehr geschätzter Freund, der spätere Maurice Frydman, knapp und prägnant die Lehre von Maharaj dargestellt hat. Wie Maurice festgestellt hat, sind die Schlüsselworte seiner Unterweisung die Einfachheit und die Bescheidenheit. Der Meister trägt keinerlei intellektuelles Konzept oder Doktrin vor. Er erlegt dem Suchenden keinerlei Vorbedingungen auf und heißt sie genauso willkommen, wie sie sind. Sri Nisargadatta Maharaj ist auf ganz besondere Art frei von allen Formen von Herabsetzung und Verdammung. Für ihn sind der Sünder und der Heilige nur austauschbare Zuweisungen. Der Heilige hat gesündigt, und der Sünder kann geheiligt werden. Es ist nur die Zeit, die sie zu trennen scheint – es ist die Zeit, die sie wieder zusammenbringt. Der Lehrer bewertet nichts – seine einzige Sorge gilt dem „Leiden und der Beendigung des Leidens“. Aus seiner persönlichen und beständigen Erfahrung weiß er, dass die Wurzeln der Sorge im Gemüt liegen und dieses daher von seinen verwirrenden und zerstörerischen Neigungen befreit werden muss. Von diesen ist vor allem die Identifikation des Selbst mit seinen Projektionen die fatalste. Durch seine eigene Unterweisung und sein

persönliches Beispiel entsteht bei Sri Nisargadatta ein ganz eigener kurzgefasster, a-logischer, aber empirisch fassbarer Klang des Auftretens. Einmal verstanden, kann er weiterführen. Die Durchsicht und Überarbeitung von „Ich bin Das“ war für mein inneres Selbst wie eine wahre Pilgerschaft – gleichzeitig tief befriedigend und erleuchtend. Ich habe diese meine Aufgabe im Geist der persönlichen Hingabe mit allergrößter Ernsthaftigkeit zu erfüllen gesucht. Ich habe die Fragen der einzelnen Fragesteller wie meine eigenen behandelt, und ich habe die Antworten des Meisters mit einem Verstand aufgenommen, der von allem zuvor Gewussten leer war. Es mag jedoch sein, dass ich in diesem Prozess, den man vielleicht eine zweistimmige Meditation nennen könnte, an einigen Stellen gewisse Versäumnisse begangen habe aufgrund der förmlichen Anforderungen an Syntax und Zeichensetzung, wie sie von einem Herausgeber nun einmal verlangt werden. Für diese Mangelhaftigkeiten, falls vorhanden, bitte ich den Leser um Nachsicht. Bevor ich hiermit schließe, möchte ich meinen herzlichen Dank an Professor Douwe Tiemersma von der Philosophischen Fakultät der Erasmus- Universität in Rotterdam, Holland, wegen des neuen Vorwortes für diese Ausgabe aussprechen. Dass er meiner Anfrage so bereitwillig entgegengekommen ist, hat mich mit noch größerer Dankbarkeit erfüllt.

Sudhakar S. Dikshit, Herausgeber Bombay Juli 1981

WerWer istist NisargadattaNisargadatta Maharaj?Maharaj?

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DasDas „Ich„Ich bin“-Gefühlbin“-Gefühl

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DieDie Körper-BesessenheitKörper-Besessenheit

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

LebendigeLebendige GegenwartGegenwart

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DieDie wahrewahre WeltWelt istist jenseitsjenseits desdes VerstandesVerstandes

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

WasWas geborengeboren wurde,wurde, mussmuss sterbensterben

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

MeditationMeditation

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DerDer VerstandVerstand

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DasDas SelbstSelbst liegtliegt jenseitsjenseits desdes VerstandesVerstandes

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

AntwortenAntworten ausaus derder ErinnerungErinnerung

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DerDer ZeugeZeuge

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

GewahrseinGewahrsein undund BewusstseinBewusstsein

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DieDie PersonPerson istist nichtnicht wirklichwirklich

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DasDas Höchste,Höchste, derder VerstandVerstand undund diedie WirklichkeitWirklichkeit

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

ErscheinungsformenErscheinungsformen undund WirklichkeitWirklichkeit

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DerDer JnaniJnani

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

WunschlosigkeitWunschlosigkeit -- derder höchstehöchste SegenSegen

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DasDas Immer-GegenwärtigeImmer-Gegenwärtige

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

FindeFinde heraus,heraus, waswas dudu nichtnicht bist,bist, umum zuzu sehen,sehen, waswas dudu bistbist

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

WirklichkeitWirklichkeit liegtliegt imim ObjektivenObjektiven

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DasDas HöchsteHöchste gehtgeht überüber allesalles hinaushinaus

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

WerWer binbin Ich?Ich?

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

LebenLeben istist LiebeLiebe -- LiebeLiebe istist LebenLeben

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

UnterscheidungUnterscheidung führtführt zurzur EntsagungEntsagung

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

GottGott istist derder All-All-TätigeTätige -- derder JnaniJnani istist derder Nicht-Nicht-TätigeTätige

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

HaltenHalten SieSie amam „Ich„Ich bin“bin“ festfest

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DieDie PersönlichkeitPersönlichkeit -- dasdas HindernisHindernis

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DasDas AnfangsloseAnfangslose fängtfängt aufauf ewigewig anan

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

AllesAlles LeidenLeiden istist ausaus demdem WunschWunsch geborengeboren

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

LebenLeben istist desdes LebensLebens einzigereinziger ZweckZweck

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DuDu bistbist JETZTJETZT freifrei

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

UnterschätzeUnterschätze diedie WachsamkeitWachsamkeit nichtnicht

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

LebenLeben istist selbstselbst derder HöchsteHöchste GuruGuru

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

AllesAlles geschiehtgeschieht ausaus sichsich selbstselbst herausheraus

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DerDer VerstandVerstand istist diedie RuhelosigkeitRuhelosigkeit inin PersonPerson

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DerDer größtegrößte GuruGuru istist deindein inneresinneres SelbstSelbst

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

TötenTöten verletztverletzt denden TötendenTötenden -- nichtnicht dasdas GetöteteGetötete

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

ÜberÜber SchmerzSchmerz undund FreudeFreude hinaushinaus liegtliegt diedie SeligkeitSeligkeit

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

SpirituelleSpirituelle PraxisPraxis istist SelbsterforschungSelbsterforschung

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DurchDurch sichsich selbstselbst existiertexistiert nichtsnichts

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

NurNur dasdas SelbstSelbst istist wirklichwirklich

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

EntwickeleEntwickele diedie HaltungHaltung desdes ZeugenZeugen

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

WirklichkeitWirklichkeit kannkann nichtnicht ausgedrücktausgedrückt werdenwerden

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

UnwissenheitUnwissenheit kannkann wahrgenommenwahrgenommen werdenwerden -- JnanaJnana nichtnicht

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

“Ich“Ich bin“bin“ istist wahrwahr -- allesalles andereandere istist SchlussfolgerungSchlussfolgerung

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

WasWas kommtkommt undund geht,geht, hathat keinkein SeinSein

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

GewahrseinGewahrsein desdes SeinsSeins istist SeligkeitSeligkeit

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

BeobachteBeobachte deinendeinen VerstandVerstand

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

GewahrseinGewahrsein istist freifrei

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

DerDer VerstandVerstand erzeugterzeugt diedie UngewissheitUngewissheit

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

Selbst-GewahrseinSelbst-Gewahrsein istist derder ZeugeZeuge

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

SeiSei gleichmütiggleichmütig gegenübergegenüber SchmerzSchmerz undund FreudeFreude

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

GlücklichGlücklich sein,sein, glücklichglücklich machenmachen istist derder RythmusRythmus desdes LebensLebens

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

ErfüllteErfüllte WünscheWünsche führenführen zuzu nochnoch mehrmehr WünschenWünschen

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

KörperKörper undund VerstandVerstand sindsind SymptomeSymptome derder UnwissenheitUnwissenheit

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

VerliereVerliere allesalles -- undund gewinnegewinne allesalles

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

BewusstseinBewusstsein undund WeltWelt tauchentauchen gemeinsamgemeinsam aufauf

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

JenseitsJenseits desdes VerstandesVerstandes istist keinkein LeidenLeiden

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

VollkommenheitVollkommenheit -- diedie SeeleSeele vonvon allemallem

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

FurchtFurcht undund VerlangenVerlangen ZuständeZustände desdes EgoEgo

Frage: Ich würde noch einmal gern auf die Frage nach Freude und Schmerz, Furcht und Verlangen, zurückkommen. Ich verstehe, dass Furcht aus der Erinnerung kommt und die Vorwegnahme von Schmerz ist. Sie ist essenziell für die Erhaltung des Lebewesens und seiner Lebensmuster. Gefühlte Bedürfnisse können schmerzhaft sein, während ihre Vorwegnahme voll Furcht sein kann. Manchmal sind wir regelrecht erschrocken darüber, dass wir unsere grundlegenden Bedürfnisse nicht erfüllen können. Die Erleichterung, die wir erfahren, wenn ein Bedürfnis erfüllt oder eine Sorge beseitigt ist, ist gänzlich auf die Beendigung des Schmerzes zurückzuführen. Vielleicht können wir diesem positive Bezeichnungen wie Vergnügen, Freude oder Glücklichsein geben, aber essenziell ist es ein Nachlassen von Schmerz. Es ist diese Furcht vor Schmerz, die alle unsere sozialen, ökonomischen und politischen Institutionen zusammenhält.

Was mich wundert, ist, dass wir Vergnügen von Dingen und Gemütszuständen erwarten, die nichts mit dem eigentlichen Überleben zu tun haben. Im Gegenteil – unsere Vergnügen sind normalerweise destruktiv. Sie zerstören oder beschädigen das Objekt, das Instrument und auch das Subjekt des Vergnügens. Wäre es anders, dann würde das Vergnügen und das Verfolgen desselben gar kein Problem sein. Damit komme ich zum Kern meiner Frage: Was macht das Vergnügen destruktiv? Und weshalb wird es trotz seiner Destruktivität gewollt? Ich möchte noch hinzufügen, dass ich hierbei nicht an das Muster Schmerz-Freude denke, mit dem die Natur uns dazu nötigt, ihren Wegen zu folgen. Ich denke im Gegenteil an die allein vom Menschen gemachten sinnlichen und sonstigen

subtilen Vergnügen, von den gröbsten wie dem Zuviel-Essen bis hin zu den raffinierteren. Die Sucht nach dem Vergnügen um jeden Preis ist so universell, dass es etwas Bedeutsames geben muss, was die Ursache von all dem ist? Natürlich muss nicht jede menschliche Aktivität nützlich sein und immer nur dazu dienen, ein sinnvolles Bedürfnis zu erfüllen. So ist beispielsweise das Spiel natürlich, und der Mensch ist ja in der Schöpfung das am meisten verspielte Tier. Das Spielen erfüllt das Bedürfnis der Selbst- Entdeckung und der Selbst-Entwicklung. Aber sogar im Verlaufe dieses Spiels wird der Mensch destruktiv gegenüber der Natur, anderen und sich selbst. Maharaj: Kurz gefasst – Sie wenden nichts gegen das Vergnügen ein, sondern nur gegen seinen Preis in der Form von Kummer und Schmerz. Frage: Wenn die Wirklichkeit selbst Seligkeit sein soll, dann muss das Vergnügen mit dieser Seligkeit in irgendeiner Weise in Beziehung stehen. Maharaj: Lassen wir eine Herangehensweise an das Problem mit Hilfe verbaler Logik einmal beiseite. Die Seligkeit des Wirklichen schließt das Leiden nicht aus. Abgesehen davon kennen Sie nur das Vergnügen, aber nicht die Seligkeit des reinen Seins. Lassen Sie uns also das Vergnügen auf seiner ganz eigenen Ebene betrachten. Wenn Sie sich selbst in Momenten von Freude oder Schmerz betrachten, dann werden Sie ausnahmslos feststellen, dass nicht das jeweilige Ding selbst, sondern die Situation, von der es ein Teil ist, erfreulich oder schmerzvoll ist. Freude oder Vergnügen liegt in der Beziehung zwischen dem sich Erfreuenden und dem Erfreulichen. Und die Essenz davon ist Akzeptanz. Was auch immer die Situation sein mag – sobald sie akzeptabel ist, ist sie auch erfreulich. Ist sie dagegen nicht akzeptabel, dann ist

sie schmerzlich. Was genau sie akzeptabel macht, ist nicht wichtig. Die Ursache mag physisch, psychologisch oder auch unauffindbar sein, aber Akzeptanz ist der ausschlaggebende Faktor. Umgekehrt ist das Leiden dem Umstand des Nicht- Akzeptierens geschuldet. Frage: Schmerz ist nicht akzeptabel. Maharaj: Weshalb nicht? Haben Sie es schon einmal ausprobiert? Versuchen Sie es, und Sie werden im Schmerz eine Freude finden, die das Vergnügen nicht erzielen kann. Und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die Akzeptanz des Schmerzes sie tiefer führt, als das Vergnügen es jemals könnte. Das persönliche Selbst ist aufgrund seiner eigenen Natur beständig auf der Suche nach dem Vergnügen und dem Vermeiden von Schmerzen. Die Beendigung dieses Musters bedeutet auch die Beendigung dieses Selbst. Die Beendigung dieses Selbst mit seinen Wünschen und Ängsten versetzt Sie in die Lage, zu Ihrer wahren Natur, der Quelle allen Glücks und Friedens, zurückzukehren. Der beständige Wunsch nach dem Vergnügen ist die Widerspiegelung der in ihr enthaltenen zeitlosen Harmonie. Es ist eine beobachtbare Tatsache, dass man nur dann zum Bewusstsein seiner selbst kommt, wenn man im Konflikt zwischen Freude und Schmerz gefangen ist, wodurch sich die Notwendigkeit ergibt, eine Wahl, eine Entscheidung zu treffen. Es ist dieser Zusammenstoß zwischen Verlangen und Furcht, der den Zorn entstehen lässt – den großen Zerstörer der Harmonie des Lebens. Wenn der Schmerz als dass akzeptiert wird, was er ist, nämlich als eine Lektion und eine Warnung, und als solcher tief betrachtet und wahrgenommen wird, dann bricht die Trennung zwischen Freude und Schmerz zusammen, und beide werden zur offenbaren Erfahrung:

Schmerzlich im Widerstand, freudig im Akzeptieren.

Frage: Empfehlen Sie dann, das Vergnügen zu meiden und den Schmerz zu suchen?

Maharaj: Nein, auch nicht das Vergnügen zu suchen und den Schmerz zu vermeiden. Akzeptieren Sie beides wie es kommt. Erfreuen Sie sich an ihnen, so lange sie dauern, und lassen Sie sie gehen, wenn sie gehen müssen.

Schmerz

wertschätzen? Der physische Schmerz erfordert jedenfalls eine Erleichterung. Maharaj: Natürlich. Und auch der mentale. Die Seligkeit besteht im Gewahrsein davon; indem man sich in keiner Weise widerstrebend verhält oder davon abwendet. Alles Glück stammt vom Gewahrsein. Je bewusster wir sind, umso tiefer ist die Freude. Die Akzeptanz des Schmerzes, des Nicht-Widerstehens, Mut und Geduld – all dieses öffnet tiefe und beständige Quellen echten Glücks, wahrer Seligkeit. Frage: Weshalb sollte der Schmerz wirkungsvoller als das Vergnügen sein?

Maharaj: Vergnügen wird immer recht schnell akzeptiert, während alles im persönlichen Selbst den Schmerz verneint. Weil die Akzeptanz des Schmerzes die Verleugnung des persönlichen Selbst darstellt und dieses dem wahren Glück im Wege steht, setzt die aufrichtige Akzeptanz des Schmerzes die Quellen des Glücks frei.

des

Leidens auf dieselbe Art und Weise? Maharaj: Die Tatsache eines Schmerzes kann leicht in den Fokus des Gewahrseins gerückt werden. Mit dem Leiden ist es nicht ganz so einfach. Das Leiden im Fokus zu haben genügt im Hinblick auf das mentale Leben nicht, da dieses, wie wir alle es kennen, ein kontinuierlicher Strom des Leidens ist. Um die tieferen Ebenen des Leidens zu

Frage:

Wie

kann

ich

denn

den

Frage:

Funktioniert

auch

die

Akzeptanz

erreichen, muss man zu ihren Wurzeln gehen und deren ungeheure unterirdische Vernetzung entdecken, in der Furcht und Verlangen aufs engste miteinander verwoben und die Ströme der Lebensenergien einander gegenüberstehen, behindern und zerstören.

Frage: Wie kann ich eine Verwirrung auflösen, die sich gänzlich unterhalb der Ebene meines Bewusstseins befindet? Maharaj: Indem Sie mit sich selbst sind, mit dem „Ich bin“. Indem Sie sich im Alltag mit wachsamem Interesse und mit der Absicht beobachten, zu verstehen statt zu bewerten; in voller Akzeptanz von allem, was auftauchen könnte, weil es da ist. Dadurch ermutigen Sie die Tiefe, an die Oberfläche zu kommen und Ihr Leben und Bewusstsein mit seinen fesselnden Energien zu bereichern. Darin besteht die große Arbeit des Gewahrseins – sie entfernt die Hindernisse und setzt Energien durch das Verstehen der Natur des Lebens und Gemüts frei. Die Intelligenz ist das Tor zur Freiheit, und wache Aufmerksamkeit ist die Mutter der Intelligenz.

endet

Vergnügen in Schmerz? Maharaj: Alles hat einen Anfang und ein Ende, und so auch das Vergnügen. Erwarten Sie nichts, und bedauern Sie nichts - so wird es keinerlei Schmerz geben. Es sind Erinnerung und Vorstellung, die das Leiden verursachen. Natürlich kann Schmerz nach dem Vergnügen auch aus dem Missbrauch des Körpers oder Gemüts herstammen. Der Körper kennt sein Maß, aber das Gemüt nicht. Seine Gelüste sind grenzenlos und zahllos. Beobachten Sie Ihr Gemüt mit großem Eifer, denn hier liegen sowohl Ihre Fesseln als auch der Schlüssel zur Freiheit verborgen.

Frage:

Eine

weitere

Frage:

Weshalb

Frage: Meine Frage ist noch nicht voll beantwortet: Weshalb sind die Vergnügen des Menschen so destruktiv? Weshalb findet er so viel Vergnügen an der Zerstörung? Alle Sorge des Lebens liegt im Beschützen, in der Fortdauer und der Erweiterung seiner selbst. Dabei wird es durch den Prozess von Schmerz und Freude gesteuert. An welchem Punkt schlägt all dies in Destruktivität um? Maharaj: Sobald das Gemüt übernimmt, erinnert und erwartet, beginnt es zu übertreiben, zu verzerren und zu ignorieren. Die Vergangenheit ist die Projektion der Zukunft, und die Zukunft widerlegt die Erwartungen der Vergangenheit. Die Handlungs- und Sinnesorgane werden überstrapaziert und brechen dann unvermeidlicherweise zusammen. Die Objekte des Vergnügens können nicht das erzielen, was man von ihnen erwartet, und so verbrauchen sie sich oder werden durch Missbrauch beschädigt. Aus dem Vergnügen, nach dem ursprünglich gesucht wurde, wird auf diese Weise ein Übermaß an Schmerz.

ja nicht nur uns selbst,

sondern auch andere! Maharaj: Selbstsüchtigkeit ist von Natur aus zerstörerisch. Verlangen und Furcht sind beide Zustände im Ego-Verstand. Zwischen Verlangen und Furcht taucht der Zorn auf, und wenn dieser zu Hass wird, entsteht eine hasserfüllte Leidenschaft für die Zerstörung. Krieg ist tätiger Hass – organisiert und ausgerüstet mit den Instrumenten des Todes. Frage: Gibt es seine Möglichkeit zur Beendigung dieses Horrors?

Maharaj: Sobald immer mehr Menschen sich ihrer wahren Natur bewusst werden, wird die Auswirkung dessen, obwohl sie noch so subtil sein mag, schließlich überwiegen und die emotionale Atmosphäre versüßen. Die Menschen folgen ihren

Frage:

Wir

zerstören

Führern. Wenn unter diesen auch nur einige sind, großzügig in Herz und Verstand und absolut frei von der Selbstsucht, dann wird allein ihr Einfluss ausreichen, um die Grausamkeiten und Verbrechen der heutigen Zeit zu verhindern. Ein neues goldenes Zeitalter könnte kommen, eine Zeitlang andauern und schließlich an seiner eigenen Vollkommenheit zugrunde gehen. Denn die Ebbe beginnt, wenn die Flut ihren höchsten Stand erreicht hat. Frage: Gibt es nicht so etwas wie permanente Vollkommenheit? Maharaj: Ja, das gibt es, aber sie beinhaltet all die Unvollkommenheit. Es ist die Vollkommenheit unserer Selbst-Natur, die alles möglich, wahrnehmbar und interessant macht. Sie kennt kein Leiden, da sie keine Vorlieben oder Abneigungen hat; weder akzeptiert noch zurückweist. Schöpfung und Zerstörung sind die beiden Pole, zwischen denen sie ihr immerwährendes Muster webt. Seien Sie frei von Vorlieben und Voreingenommenheiten, und der Verstand mit seinen Sorgenlasten wird nicht mehr da sein. Frage: Aber nicht nur ich allein leide. Da sind noch andere. Maharaj: Wenn Sie mit all Ihren Wünschen und Ängsten zu ihnen gehen, werden Sie ihre Sorgen nur noch vermehren. Seien Sie erst frei von Ihrem eigenen Leiden – dann können Sie daran denken, wie Sie anderen helfen. Sie brauchen sich dies nicht einmal zu wünschen, denn schon allein Ihre Existenz wird für die Mitmenschen dann die allergrößte Hilfe sein, die Sie ihnen geben können.

Leben,Leben, nichtnicht phantasierenphantasieren

Frage: Sie sagen immer, dass alles, was Sie sehen, Sie selbst sind. Sie geben außerdem zu, dass Sie die Welt ebenso wie wir sehen. Hier habe ich die Zeitung von heute mit all dem Schrecken, der vor sich geht. Da die Welt angeblich Sie selbst ist – wie können Sie uns dann diese Entgleisungen erklären?

Maharaj: Von welcher Welt reden Sie?

Frage: Von unserer gemeinsamen Welt, in der wir leben. Maharaj: Sind Sie denn sicher, dass wir in derselben Welt leben? Ich rede dabei nicht von der Natur, dem Meer und den Kontinenten, Pflanzen und Tieren. Weder sind diese das Problem, noch sind es der unbegrenzte Raum, die unendliche Zeit und die unerschöpfliche Energie. Lassen Sie sich von meinem Essen und Trinken, meinem Lesen und Sprechen nicht irreführen. Mein Verstand ist nicht hier; mein Leben ist nicht hier. Ihre Welt, voll von Wünschen und deren Erfüllung, von Ängsten und dem Entkommen davor, ist definitiv nicht meine Welt. Ich nehme sie nicht einmal wahr mit Ausnahme dessen, was Sie mir darüber erzählen. Es ist Ihr privater Traum in Ihrer privaten Traumwelt. Meine einzige Antwort darauf ist Sie aufzufordern, aufzuhören zu träumen. Frage: Kriege und Aufstände sind ganz gewiss keine Träume. Kranke Mütter und hungernde Kinder sind keine Träume. Reichtum, Wahnsinn und Missbrauch sind kein Traum. Maharaj: Was sonst? Frage: Ein Traum kann nicht gemeinsam erlebt werden.

Maharaj:

Und

wiederum

auch

nicht

der

Wachzustand.

Alle

diese

drei

Zustände

des

Wachens, Träumens und Schlafens, sind subjektiv, persönlich und intim. Sie alle geschehen und sind enthalten innerhalb dieser kleinen Blase im Bewusstsein namens „Ich“. Die wahre Welt liegt jenseits des persönlichen Selbst.

nicht Selbst – die Fakten

sprechen für sich. Maharaj: Natürlich sind Fakten wirklich. Ich lebe ja selbst mit ihnen. Sie jedoch leben mit Phantasien, nicht mit Fakten. Fakten stoßen niemals zusammen, während Ihr Leben und Ihre Welt voll von Widersprüchen sind. Der Widerspruch ist der Prüfstein des Unwirklichen – das Wirkliche steht niemals im Widerspruch mit sich selbst.

Sie beklagen sich beispielsweise über die Leute, die so arm sind. Und doch teilen Sie nicht Ihren eigenen Reichtum mit ihnen. Sie sorgen sich um den Krieg eine Tür weiter, aber sie würden sich kaum darum kümmern, wenn dies in einem fernen Land geschehen würde. Die wechselnden Geschicke Ihres Egos bestimmen auch Ihre Wertvorstellungen:

„Ich denke“, „Ich möchte“, „Ich muss“ machen Sie zu absoluten Werten. Frage: Trotzdem ist doch das Böse real.

Maharaj: Nicht realer als Sie selbst sind. Böse ist die falsche Annäherung an Probleme, die allein durch Missverständnisse und Missbrauch erzeugt worden sind. Es ist ein Teufelskreislauf.

Frage:

Selbst

oder

Frage:

Kann

dieser

Kreislauf durchbrochen

werden?

Maharaj: Ein irrealer Kreislauf muss nicht durchbrochen wurden. Es genügt, ihn als solchen zu sehen – als inexistent.

Frage:

Aber

existent

genug,

um

uns

Würdelosigkeiten und

Grausamkeiten

zu

unterziehen und erleiden zu lassen.

Maharaj: Wahnsinn ist überall. Klarheit ist selten. Doch es gibt Hoffnung, denn sobald wir unseren Wahnsinn erkennen, sind wir auf dem Wege der Besserung. Darin besteht die Aufgabe des Lehrers – uns die Verrücktheit unseres täglichen Lebens vor Augen zu führen. Das Leben macht Sie bewusst, aber der Lehrer macht Sie gewahr. Frage: Sir, Sie sind weder der erste noch werden Sie der letzte sein. Seit unvordenklichen Zeiten sind Menschen in das Wirkliche eingedrungen. Doch wie wenig hat dies unser Leben beeinflusst! Die Ramas und die Krishnas, die Buddhas und die Christus sind gekommen und gegangen, aber wir sind geblieben, die wir waren – watend in Schweiß und Tränen. Was haben die Großen getan, deren Leben wir bezeugt haben? Was haben Sie getan, Sir, um die Hörigkeiten der Welt zu erleichtern? Maharaj: Nur Sie allein können das Böse, dass Sie geschaffen haben, beseitigen. Es ist Ihre eigene versteinerte Selbstsucht, die die Wurzel davon ist. Bringen Sie zuerst Ihr eigenes Haus in Ordnung. Dann werden Sie von selbst feststellen, dass alle Ihre Arbeit getan ist. Frage: All die Männer und Frauen voll von Weisheit und Liebe, die vor uns schon waren, haben sich selbst Geltung zu verschaffen gewusst – oftmals zu einem enorm hohen Preis. Was war das Endergebnis? Ein Shooting Star, wie hell er auch immer leuchten mag, macht die Nacht auch nicht weniger dunkel. Maharaj: Um diese Leute und deren Werk dieser Leute beurteilen zu können, müssen Sie wie diese werden. Ein Frosch in einer Quelle weiß nichts von den Vögeln am Himmel. Frage: Wollen Sie damit sagen, dass es zwischen Gut und Böse keinerlei Trennwand gibt? Maharaj: Es gibt keine Wand, weil es Gut und Böse

überhaupt nicht gibt. In jeder konkreten Situation gibt es stets nur das Nötige und das Unnötige. Das Nötige ist immer richtig, das Nutzlose dagegen stets falsch. Frage: Wer entscheidet das? Maharaj: Die Situation. Jede Situation stellt eine Herausforderung dar, die nach der richtigen Antwort verlangt. Ist die Antwort richtig, dann ist der Herausforderung begegnet worden, und das Problem verschwindet. Ist die Antwort dagegen falsch, dann ist der Herausforderung nicht begegnet worden, und das Problem bleibt ungelöst. Es sind Ihre ungelösten Probleme, die Ihr Karma bestimmen. Lösen Sie sie richtig, und Sie werden frei sein. Frage: Es sieht so aus, als ob Sie es immer wieder schaffen, mich auf mich selbst zurückzuwerfen. Gibt es denn nicht eine objektive Lösung für die Probleme der Welt? Maharaj: Die Probleme der Welt werden von den zahllosen Menschen wie Sie erzeugt, die alle voll von Wünschen und Ängsten sind. Wer kann Sie denn von Ihrer persönlichen und sozialen Vergangenheit befreien, wenn nicht Sie selbst? Und werden Sie denn nicht erst dann tun, wenn Sie die dringende Notwendigkeit zu sehen beginnen, sich zuerst selbst von all Ihren aus der Täuschung geborenen Begierden zu befreien? Wie können Sie denn wahrhaft hilfreich sein, so lange Sie selbst Hilfe benötigen? Frage: Auf welche Weise helfen uns die alten Weisen? Auf welche Weise helfen Sie uns? Einige wenige Individuen profitieren von Ihnen, da ist kein Zweifel. Ihre Führung und Beispiel können viel für sie bedeuten. Aber in welcher Weise berühren Sie die Menschlichkeit, die Gesamtheit des Lebens und Bewusstseins? Sie sagen, dass die Welt Sie sind,

und Sie sind die Welt. Aber welche Wirkung haben Sie auf sie ausgeübt? Maharaj: Welche Art von Wirkung erwarten Sie? Frage: Der Mensch ist dumm, selbstsüchtig und grausam.

weise,

Maharaj:

Der

Mensch

ist

ebenso

warmherzig und freundlich. Frage: Warum gibt es so wenig Göttliches?

Maharaj: Gibt es ja – in der Welt der Wirklichkeit, in der ich lebe. In meiner Welt ist sogar das, was Sie das Böse nennen, der Diener des Guten und daher notwendig. Es ist wie mit den Geschwüren und Fiebern, die den Körper von Unreinheiten befreien. Krankheit ist schmerzvoll, sogar gefährlich, aber heilt, wenn richtig damit umgegangen wird. Frage: Oder sie tötet. Maharaj: In manchen Fällen ist der Tod die beste Kur. Ein Leben mag schlimmer sein als der Tod, der nur selten trotz aller gegenteiligen Eindrücke eine unerfreuliche Erfahrung ist. Daher sollten Sie stets die Lebenden, aber nie die Toten bedauern. Dieses Problem der Dinge, die gut und böse in sich selbst seien, existiert in meiner Welt nicht. Das Nötige ist gut, das Nutzlose dagegen böse. In Ihrer Welt ist das Erfreuliche gut und das Schmerzliche böse. Frage: Was muss getan werden? Maharaj: Zu wachsen ist erforderlich. Erwachsen zu werden ist erforderlich. Es ist erforderlich, dass Gute zum Wohle des Besseren zu lassen. Frage: Bis zu welchem Ende? Maharaj: Das Ende ist der Anfang. Sie enden dort, wo Sie angefangen haben – im Absoluten.

diese

Schwierigkeiten? Nur um dort wieder anzukommen, wo ich angefangen habe?

Frage:

Weshalb

gibt

es

dann

alle

Maharaj: Wessen Schwierigkeiten? Wessen Probleme? Bedauern Sie denn den Samen, der wächst und sich vervielfältigt, bis er zu einem mächtigen Wald geworden ist? Töten Sie das Kind, um es vor den Sorgen des Geborenwerdens zu bewahren? Was ist falsch mit dem Leben, mit all diesem Leben? Entfernen Sie die Hindernisse des Wachstums und alle Ihre persönlichen, sozialen, ökonomischen und politischen Probleme werden sich einfach auflösen. Das Universum ist als Ganzes vollkommen, und das Streben seiner Teile nach Vollkommenheit ist ein Weg der Freude. Opfern Sie bereitwillig das Unvollkommene dem Vollkommenen, dann wird es auch keinerlei Reden mehr über das Gute und das Böse geben. Frage: Wir fürchten uns jedoch vor dem Besseren und hängen am Schlechteren.

die

schließlich in Wahnsinn übergeht.

Maharaj:

Darin

besteht

unsere

Dummheit,

MaterieMaterie istist BewusstseinBewusstsein

Frage: Ich war so glücklich, mein ganzes Leben über die Gesellschaft von Heiligen gehabt zu haben. Genügt dies, um zur Selbst-Verwirklichung zu gelangen?

davon ab, was Sie daraus

machen. Frage: Ich habe gehört, dass der befreiende Akt von Satsang automatisch erfolgt. So wie der Fluss zur Flussmündung trägt, so trägt mich der subtile und stille Einfluss guter Menschen zur Wirklichkeit. Maharaj: Er trägt Sie zum Fluss – Überqueren müssen Sie ihn jedoch selbst. Die Freiheit kann weder erlangt noch behalten werden ohne den Willen zur Freiheit. Für die Befreiung müssen Sie kämpfen – das Mindeste, was Sie tun müssen, ist, eifrig nach den Hindernissen zu suchen und diese zu beseitigen. Wenn Sie den Frieden wollen, dann müssen Sie dafür kämpfen. Sie werden Frieden nicht einfach dadurch Erlangen, dass Sie still sind. Frage: Ein Kind wächst auf. Weder plant es sein Wachstum noch hat es eine Voreingenommenheit, und es wächst auch nicht bruchstückhaft - eine Hand hier, ein Bein da. Es wächst ganzheitlich und unbewusst. Maharaj: Weil es frei von der Imagination ist. Auch Sie können auf dieselbe Art und Weise wachsen, wenn Sie sich nicht in Berechnungen und Pläne, geboren aus der Erinnerung und der Erwartung, verwickeln. Eine der Eigentümlichkeiten des Jnani besteht darin, dass er sich nicht um die Zukunft sorgt. Ihre Sorge um die Zukunft ist ihrer Furcht vor dem Schmerz und dem Verlangen nach Genüssen geschuldet, während für den Jnani alles Seligkeit ist – er ist glücklich mit allem, was passieren mag.

Maharaj: Es hängt

eine Menge

Dinge, die auch für den Jnani unerfreulich wären. Maharaj: Ein Jnani stößt vielleicht auf Schwierigkeiten, aber sie machen ihn nicht leiden. Ein Kind großzuziehen, von der Geburt bis zum Erwachsenwerden, mag als eine harte Aufgabe erscheinen, aber für eine Mutter sind die Erinnerung an die Härten Anlass zur Freude. Mit der Welt ist nichts falsch. Falsch ist nur die Art und Weise, in der Sie sie betrachten. Ihre eigene Vorstellungskraft führt Sie in die Irre. Ohne Vorstellungskraft gäbe es keine Welt. Es ist Ihre Überzeugung, dass Sie sich einer Welt bewusst seien, die die Welt ist. Die von Ihnen wahrgenommene Welt besteht aus Bewusstsein - was Sie Materie nennen, ist ebenfalls nur Bewusstsein. Sie selbst sind der Raum (akash), in der diese sich bewegt; die Zeit, in der sie andauert, und die Liebe, die sie dem Leben verleiht. Legen Sie die Imagination und die Anhaftungen ab – was bleibt übrig? Frage: Die Welt bleibt - ich bleibe. Maharaj: Ja. Aber wie anders sieht die Sache aus, wenn Sie sie sehen können, wie sie ist - ohne die Leinwand von Wunsch und Furcht. Frage: Was ist mit all diesen Unterscheidungen von Realität und Illusion, Weisheit und Unwissenheit, Heiliger und Sünder? Jeder ist auf der Suche nach dem Glück, jeder kämpft verzweifelt, jeder ist ein Yogi und sein Leben eine Schule der Weisheit. Jeder lernt nur diejenigen Lektionen, derer er bedarf. Die Gesellschaft billigt einige davon, andere wiederum nicht. Es gibt keinerlei Regeln, die sich zu jeder Zeit und überall anwenden ließen. Maharaj: In meiner Welt ist nur Liebe das einzige Gesetz. Ich frage nicht nach Liebe – ich gebe sie. Das ist meine Natur. Frage: Ich sehe Sie ein alltägliches, von

Frage: Es gibt doch aber gewiss

Gewohnheiten bestimmtes Leben führen. Sie leiten eine Meditationsklasse am Morgen, lesen und haben regelmäßige Diskussionsveranstaltungen, zweimal täglich machen Sie Gottesdienst (puja) und singen (religiöse Lieder; bhajan) am Abend. Sie scheinen alle diese Gewohnheiten gewissenhaft zu befolgen. Maharaj: Gottesdienst und Singen war schon immer meine Gewohnheit, und ich habe nie einen Grund gesehen, damit aufzuhören. Die Aufgaben des Alltags entstammen den Wünschen der Menschen, mit denen ich umständehalber zusammenlebe oder die hierherkommen, um mir zuzuhören. Es gibt viele berufstätige Leute mit vielen Verpflichtungen – die Zeiteinteilung ist für ihre Bedürfnisse gemacht. Manche Routine ist unvermeidbar. Sogar Tiere und Pflanzen haben ihre festen Zeiteinteilungen. Frage: Ja, überall im Leben erkennen wir einen geregelten Ablauf. Aber wer erhält sie am Leben? Gibt es einen inneren Ordner? Wer legt die Gesetze nieder und erzwingt deren Durchsetzung? Maharaj: Alles bewegt sich entsprechend seine Natur. Wo sollte die Notwendigkeit für einen Polizisten bestehen? Jede Aktion erzeugt eine Gegenaktion, die die ursprüngliche Aktion ausbalanciert und aufhebt. Alles geschieht einfach, aber es gibt stets ein beständiges Aufheben all dessen, und am Ende schließlich ist alles so, als wäre niemals etwas geschehen. Frage: Trösten Sie mich nicht mit Vorstellungen von Endzeit-Harmonien. Unter dem Strich wird die Summe größer, aber der Verlust geht auf meine Rechnung. Maharaj: Warten Sie ab und sehen Sie selbst. Vielleicht bekommen Sie zum Schluss einen Gewinn, der groß genug sein wird, um Sie für alle Ihre Auslagen zu entschädigen.

Frage: Hinter mir liegt ein langes Leben, und ich frage mich oft, ob die vielen Ereignisse darin zufällig oder nach einem Plan stattgefunden haben. Gab es vor meiner Geburt irgendeine Zielsetzung für das Leben, so wie ich es leben sollte? Falls ja - wer hat diesen Plan gemacht, und wer setzte ihn durch? Kann es darin Verirrungen und Fehler gegeben haben? Manche sagen, das Schicksal sei unwandelbar, und jede Sekunde des Lebens sei vorherbestimmt. Andere sagen wiederum, dass alles nur durch reinen Zufall bestimmt sei. Maharaj: Sie können es sehen, wie Sie möchten. Sie können in Ihrem Leben einen Plan oder bloß eine Kette von Zufällen sehen. Erklärungen dienen nur zur Unterhaltung des Verstandes. Sie müssen nicht der Wahrheit entsprechen. Die Wirklichkeit ist undefinierbar und unbeschreibbar. Frage: Sir, Sie weichen meiner Frage aus! Ich möchte wissen, wie ich die Dinge verstehen soll. Wo immer wir auch hinschauen, finden wir Strukturen unglaublicher Intelligenz und Schönheit. Wie kann ich annehmen, dass das Universum formlos und chaotisch sei? Ihre Welt, die Welt, in der Sie leben, mag formlos sein, aber sie muss nicht auch chaotisch sein. Maharaj: Das objektive Universum hat Struktur, ist geordnet und herrlich. Niemand kann dies leugnen. Struktur und Plan jedoch beinhalten Beschränkung und Zwang. Meine Welt ist absolut frei - alles darin ist selbst-bestimmt. Daher bleibe ich dabei zu sagen, dass alles allein durch sich selbst geschieht. Auch in meiner Welt gibt es jedoch eine Ordnung - sie ist jedoch nicht von außerhalb auferlegt. Sie entsteht spontan und im Moment, da sie zeitlos ist. Vollkommenheit ist nicht in der Zukunft. Sie ist jetzt. Frage: Trifft Ihre Welt auf die meine? Maharaj: Nur an einem einzigen Punkt - am Punkt

des Jetzt. Er gibt ihr ihr momentanes Sein – einen fließenden Sinn von Realität. Im vollem Gewahrsein wird der Kontakt hergestellt. Er erfordert müheloses, nicht-selbst-bewusste Aufmerksamkeit. Frage: Ist Aufmerksamkeit nicht eine Eigenschaft des Verstandes? Maharaj: Ja, sofern der Verstand eifrig nach der Wirklichkeit sucht – dann sorgt er auch für die Aufmerksamkeit. Mit Ihrer Welt ist nichts falsch –nur Ihr Denken über sich selbst ist falsch, dass Sie getrennt davon sind – dadurch wird die Unordnung erzeugt. Die Selbstsucht ist die Quelle alles Bösen. Frage: Ich komme noch einmal auf meine Frage zurück. Bevor ich geboren wurde – war es da mein inneres Selbst, dass alle Einzelheiten meines Lebens festlegte, oder wurde dies gänzlich durch Zufälle und durch die Gnade von Erbe und Umständen bestimmt? Maharaj: Diejenigen, die behaupten, sich ihren Vater und ihre Mutter selbst ausgesucht zu haben, und die Entscheidungen darüber treffen, wie sie ihr nächstes Leben zu verbringen gedenken, werden sich diese Frage selbst beantworten müssen. Ich für mich selbst weiß. Ich wurde niemals geboren. Frage: Ich sehe Sie aber vor mir sitzen und meine Fragen beantworten. Maharaj: Sie sehen nur den Körper, der natürlich geboren wurde und sterben wird. Frage: Es ist die Lebensgeschichte dieses Körper- Verstandes, die mich interessiert. Ist sie irgendwie von Ihnen oder jemand anderes vorausgeplant worden, oder ist sie zufällig entstanden? Maharaj: In Ihrer Frage gibt es einen Haken. Ich selber mache nie einen Unterschied zwischen dem Körper und dem Universum. Jeder ist die Ursache des anderen; jeder IST in Wahrheit der andere. Ich

jedoch bin jenseits von all dem. Wenn ich Ihnen doch sage, dass ich niemals geboren wurde - weshalb fragen Sie mich dann, worin meine Vorbereitungen für meine nächste Geburt bestehen? Im selben Moment, in dem Sie ihrer Vorstellungskraft freien Lauf lassen, ersinnt sie ein ganzes Universum. Es ist einfach so, dass Sie Vorstellungen entwickeln, während ich selbst nicht an Ihre Vorstellungen gebunden bin. Frage: Die Erschaffung und das Leben des Körpers erfordert Intelligenz und Energie. Von wo kommt das? Maharaj: Es gibt nur die Vorstellungskraft. Die Intelligenz und die Macht sind zusammen in Ihrer Vorstellung enthalten. Sie sind so komplett von ihr absorbiert, dass Sie einfach nicht erfassen können, wie weit Sie von der Wirklichkeit entfernt haben. Ohne jeden Zweifel ist die Vorstellungskraft extrem kreativ. Sie erschafft Universen auf Universen. Doch sind sie sämtlich in Zeit und Raum, Vergangenheit und Zukunft enthalten, die einfach nicht existieren. Frage: Neulich habe ich einen Bericht über ein kleines Mädchen gelesen, das in ihrer Kindheit grausam behandelt worden ist. Sie wurde schwer verstümmelt und verunstaltet, und wuchs in einem Waisenhaus auf, wobei man sie völlig getrennt von der Umgebung hielt. Das kleine Mädchen war still und gehorsam, aber völlig indifferent. Eine der Schwestern, die sich um das Kind kümmerte, war überzeugt, dass es nicht mental zurückgeblieben, sondern einfach unansprechbar, in sich selbst zurückgezogen war. Ein Psychoanalytiker wurde hinzugezogen, der sich des Falls annahm. Zwei Jahre lang traf er das Kind einmal die Woche und versuchte, die Mauer der Isolation zu durchbrechen. Sie benahm sich fügsam und wohlerzogen, beachtete ihren Arzt aber nicht. Er brachte ihr ein Puppenhaus mit Zimmern und beweglichen Möbeln

und Puppen, die Vater, Mutter und Kinder darstellten. Das erzielte ein Resultat, denn das Mädchen schien sich zu interessieren. Eines Tages kamen die alten Wunden aber wieder an die Oberfläche. Sie erholte sich schrittweise. Eine Reihe von Operationen gaben ihr ihr Gesicht und ihren Körper zurück. Schließlich wuchs sie zu einer aktiven und attraktiven jungen Frau auf. Es kostete den Doktor mehr als fünf Jahre, aber schließlich war die Arbeit doch erfolgreich. Er war wahrhaftig ein echter Guru! Weder verlangte er etwas noch stellt er seine Hilfsbereitschaft und Vorzüge heraus. Ohne Zuversicht und ohne Hoffnung, nur mit Liebe begann er die Arbeit wieder und wieder. Maharaj: Ja, das ist die Natur eines Guru. Er gibt niemals auf. Um aber erfolgreich sein zu können, darf man ihm nicht zuviel Widerstand entgegensetzen. Zweifel und Ungehorsam verzögern die Sache zwangsläufig. Sobald Vertrauen und Entgegenkommen vorhanden sind, kann er jedoch im Schüler rasch einen radikalen Wandel bewirken. Beides wird benötigt: Das tiefe Verständnis des Guru und die Ernsthaftigkeit des Schülers. Was auch immer ihre Verfassung gewesen sein mag – das Mädchen in Ihrer Geschichte litt offensichtlich am Mangel an Ernsthaftigkeit in den Menschen. Die Schwierigsten von allen sind die Intellektuellen. Sie reden viel, sind aber nicht ernsthaft. Was Sie Verwirklichung nennen, ist eine ganz natürliche Angelegenheit. Sobald Sie bereit sind, erwartet Sie Ihr Guru. Sadhana ist mühelos. Sobald die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Lehrer stimmt, beginnen Sie zu wachsen. Vertrauen in ihn ist alles. Er kann Sie nicht in die Irre führen. Frage: Auch dann nicht, wenn er mich zu etwas offensichtlich Falschem auffordert? Maharaj: Tun sie es. Ein Sanyasi wurde von

seinem Guru gebeten, zu heiraten. Er gehorchte und litt bitterlich. Seine vier Kinder jedoch wurden alle Heilige und Seher – die Größten im Maharashtra. Seien Sie glücklich mit allem, was auch immer von Ihrem Guru kommt, und Sie werden ohne Kampf zur Vollkommenheit heranwachsen. Frage: Sir, haben Sie vielleicht irgendwelche Wünsche oder Erwartungen? Kann ich etwas für Sie tun? Maharaj: Was können Sie mir geben, was ich nicht habe? Materielle Dinge sind notwendig zur Zufriedenheit. Ich jedoch bin zufrieden mit mir selbst. Was brauche ich noch?

Sie hungrig sind, dann

benötigen Sie doch gewiss Nahrung, und wenn Sie krank sind, dann Medizin. Maharaj: Der Hunger sorgt für die Nahrung und die Krankheit für die Medizin. Alles ist die Arbeit der Natur.

Frage: Wenn ich Ihnen etwas bringe, von dem ich glaube, dass Sie es brauchen – werden Sie es dann annehmen? Maharaj: Die Liebe, mit der Sie es anbieten, wird mich veranlassen, es anzunehmen. Frage: Und wenn Ihnen jemand anbieten würde, Ihnen einen schönen Ashram zu bauen? Maharaj: Lassen Sie ihn dies unbedingt tun. Lassen Sie ihn dafür ein Vermögen ausgeben und Hunderte beschäftigen und Tausenden Nahrung geben. Frage: Wäre es nicht ein Wunsch?

nur

bitten, dies richtig zu tun; nicht gleichgültig, halbherzig. Er erfüllt nur seinen eigenen Wunsch, nicht meinen. Lassen Sie ihn dies gut tun und berühmt unter den Menschen und Göttern werden.

Frage:

Nun,

wenn

Maharaj:

Überhaupt

nicht.

Ich

würde

ihn

Frage: Aber würden Sie selbst es wollen? Maharaj: Nein, ich würde es selbst nicht wollen. Frage: Würden Sie es akzeptieren? Maharaj: Ich würde es nicht brauchen. Frage: Würden Sie dorthin kommen? Maharaj: Falls man mich dazu verlockt. Frage: Was könnte Sie verlocken? Maharaj: Die Liebe derjenigen, die nach dem Licht suchen. Frage: Ja, ich kann Sie jetzt verstehen. Wie kann ich nun in den Samadhi kommen? Maharaj: Wenn Sie sich im richtigen Zustand befinden, wird alles, was Sie sehen, Sie in Samadhi versetzen. Schließlich ist Samadhi nichts ungewöhnliches. Wenn der Verstand intensiv an etwas interessiert ist, dann wird er mit dem Objekt des Interesses eins – der Seher und das Gesehene werden eins im Sehen, der Hörer und das Gehörte werden eins im Hören, und der Liebende und das Geliebte werden eins im Lieben. Jede Erfahrung kann die Grundlage für Samadhi werden. Frage: Sind Sie immer im Zustand des Samadhi?

Maharaj: Gewiss ist Samadhi kein Zustand des Verstandes. Ich bin jenseits jeder Erfahrung, sogar derjenigen des Samadhi. Ich bin der große Verschlinger und Zerstörer - was immer ich berühre, löst sich in Nichts (akasha) auf.

Samadhis für die

Selbstverwirklichung. Maharaj: Sie haben all die Selbstverwirklichung, derer Sie bedürfen, aber Sie vertrauen ihr nicht. Haben Sie Mut, vertrauen Sie sich selbst; gehen, sprechen, handeln Sie; geben Sie ihr eine Chance, sich zu erweisen. Bei einigen kommt die Verwirklichung unmerklich, und sie benötigen dann

Frage:

Ich

brauche

irgendwie die Überzeugtheit davon. Sie haben sich verwandelt, aber sie bemerken es nicht. Unspektakuläre Fälle dieser Art sind oft die stabilsten.

verwirklicht

halten und sich irren? Maharaj: Natürlich. Die Idee „Ich bin selbst- verwirklicht“ ist selbst der Fehler. Es gibt kein „Ich bin dies“ oder „Ich bin das“ im natürlichen Zustand.

Frage:

Kann

man

sich

selbst

für

ImIm HöchstenHöchsten erscheinterscheint derder ZeugeZeuge

Frage: Vor etwa vierzig Jahren sagte J. Krishnamurti, dass es nur Leben gäbe und sämtliche Reden all der Persönlichkeiten und Individualitäten keinerlei Grundlage in der Realität hätten. Er versuchte dabei nicht das Leben zu beschreiben – er sagte einfach nur, dass Leben nicht beschrieben werden kann und muss. Es kann voll erfahren werden, wenn die Hindernisse, es zu erfahren, beseitigt würden. Das Haupthindernis besteht in unserer Idee von der Zeit wie in unserer Anhaftung daran; in unserer Gewohnheit, aus der Vergangenheit heraus eine Zukunft erschaffen zu wollen. Unter dem Strich besteht die Summe der Vergangenheit im „Ich war“, während die Hoffnung der Zukunft dann zu „Ich sollte sein“ wird. Das Leben wäre dann eine beständige Bemühung, vom „Ich war“ zum „Ich sollte sein“ hinüberzuwechseln. Der gegenwärtige Moment, das „Jetzt“, wird aus den Augen verloren. Maharaj spricht vom „Ich bin“. Es ist ebenso eine Illusion wie „Ich war“ oder „Ich sollte sein“. Oder sollte daran irgendetwas Reales sein? Und falls das „Ich bin“ auch eine Illusion sein sollte, wie kann man sich dann davon befreien? Die Wahrnehmung des „Ich bin frei“ am „Ich bin“ ist doch eine Absurdität. Ist denn irgendetwas Reales, Dauerhaftes, am „Ich bin“ im Unterschied zum „Ich war“ oder „Ich werde sein“, die alle mit der Zeit sich wandeln, indem die Erinnerungen neue Erwartungen erzeugen? Maharaj: Das gegenwärtige „Ich bin“ ist ebenso unecht wie das „Ich war“ oder „Ich werde sein“. Es ist nur eine Idee im Verstand; ein Eindruck, der von der Erinnerung hinterlassen wird, während das Gefühl der separaten Identität, die es erzeugt, falsch ist. Diese Gewohnheit, sich auf ein solches falsches Wahrnehmungszentrum zu beziehen, muss

verschwinden. Die Wahrnehmung „Ich sehe“, „Ich denke“, „Ich handele“ muss aus dem Feld des Bewusstseins verschwinden. Was dann verbleibt, wenn das Falsche nicht länger ist, ist das Reale. Frage: Wie steht es mit dieser großen Debatte über die Beseitigung des Ego? Wie kann das Ego sich selbst beseitigen? Welche Art von metaphysischer Akrobatik kann das Verschwinden des Akrobaten bewirken? Am Ende taucht er ja doch wieder auf – vielleicht sogar mächtig stolz auf sein Verschwinden. Maharaj: Sie brauchen nicht das „Ich bin“ zu jagen, um es zu töten. Sie können es auch gar nicht. Alles dessen Sie bedürfen, ist das ernsthafte Verlangen nach dem Wahren. Wir nennen dies Atma-Bhakti, die Liebe zum Höchsten, oder Moksha- Sankalpa, die Entschlossenheit, frei vom Falschen werden zu wollen. Ohne Liebe und durch Liebe inspirierten Willen kann nichts getan werden. Das bloße Reden über die Wirklichkeit, ohne etwas dazu zu tun, ist nur Selbsttäuschung. In der Beziehung zwischen der Person, die „Ich bin“ sagt, und dem Beobachter des „Ich bin“ muss es Liebe geben. So lange der Beobachter, das innere, das „höhere“ Selbst, sich selbst für getrennt vom Beobachteten, dem „niederen“ Selbst hält und dieses verschmäht und verdammt, ist die Situation hoffnungslos. Wenn der Beobachter (vyakta) die Person (vyakti) als eine Projektion oder Manifestation von sich selbst akzeptiert und auf diese Weise sozusagen das Selbst ins Selbst hineinträgt, verschwindet die Dualität des „Ich“ und „dies“, und in der Identität des Innern und Äußern manifestiert sich die Höchste Wirklichkeit. Diese Gemeinschaft vom Seher und dem Gesehenen geschieht dann, wenn der Seher seiner selbst als des Sehers bewusst wird. Er ist dann nicht einfach nur am Gesehenen interessiert ist, das er

ohnehin auch ist, sondern auch interessiert daran, interessiert zu sein, der Achtsamkeit Achtsamkeit zu geben, gewahr des Gewahrseins zu sein. Das leidenschaftliche Gewahrsein ist der kritische Faktor, der die Wirklichkeit in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt.

Frage: Laut den Theosophen und den mit ihnen verbündeten Okkultisten besteht der Mensch aus drei Aspekten: Der Persönlichkeit, der Individualität und der Spiritualität. Jenseits der Spiritualität liegt die Göttlichkeit. Der Persönlichkeit ist das rein Zeitliche und als solches nur für die Dauer dieser menschlichen Geburt von Belang. Sie beginnt mit der Geburt des Körpers und endet mit der Geburt des nächsten Körpers. Einmal vorbei, ist sie für nichts mehr gut – es bleibt nichts als einige wenige süße oder auch bittere Erfahrungen. Die Individualität beginnt mit dem animalischen Menschen und endet mit dem vollständigen Menschen. Für unsere Zeit ist der Bruch zwischen der Persönlichkeit und der Individualität charakteristisch. Auf der einen Seite ist die Individualität mit ihrem Verlangen nach dem Wahren, Schönen und Guten, während sich auf der anderen Seite der hässliche Streit zwischen Gewohnheit und Ehrgeiz, Furcht und Gier, Passivität und Gewalttätigkeit findet. Der spirituelle Aspekt befindet sich noch in der Schwebe. Selbst kann er sich in einer Atmosphäre der Dualität nicht manifestieren. Erst dann, wenn die Persönlichkeit mit der Individualität wiedervereinigt wird und zu einem vielleicht begrenzten, aber echten Ausdruck dieser gelangt ist, können das Licht, die Liebe und die Schönheit des Spirituellen zu ihrem Recht kommen.

avyakta

(Beobachter,

der

Sie

lehren

vyakti,

vyakta

und

Beobachtetes

und

Mittel

Beobachtung).

Entsprechen

diese

der

anderen

Sichtweise?

Maharaj: Ja, wenn der vyakti seine eigene Unwirklichkeit in der Trennung von vyakta erkennt und vyakta vyakti als seinen eigenen Ausdruck versteht, dann werden der Friede und die Stille des avyakta-Zustandes real. In Wahrheit sind die dreien eines: vyakta und avyakta sind untrennbar, während vyakti der Apparat des Fühlens- Empfindens-Denkens ist, der sich auf den aus den fünf Elementen bestehenden Körper stützt.

zwischen

vyakta und avyakta? Maharaj: Wie kann es eine Beziehung geben, wenn sie eins sind? Alles Reden über die Trennung und die Beziehungen ist auf den verwirrenden und irritierenden Einfluss der Idee „Ich bin der Körper“ zurückzuführen. Das äußere Selbst (vyakti) ist lediglich eine Projektion des Körper-Verstandes vom inneren Selbst (vyakta), welches wiederum nur ein Ausdruck des Höchsten Selbst (avyakta) darstellt, welches alles dieses und gleichzeitig nichts ist. Frage: Es gibt Lehrer, die nicht vom höheren und niederen Selbst sprechen. Sie sprechen so vom Menschen, als ob nur das niedere Selbst existiere. Weder Buddha noch Christus erwähnten jemals ein höheres Selbst. J. Krishnamurty schien sich ebenfalls zu scheuen, vom höheren Selbst zu sprechen. Was mögen die Gründe sein? Maharaj: Wie kann es zwei Selbste in einem Körper geben? Das „Ich bin“ ist eines. Es gibt kein „höheres Ich-bin“ und „niederes Ich-bin“. Sämtliche Zustände des Verstandes gelangen ins Gewahrsein – dann findet eine Selbst-Identifizierung damit statt. Die Objekte der Beobachtung sind nicht das, als was sie erscheinen, und die Haltung, mit der wir an sie herantreten, ist nicht unbedingt die richtige. Falls

Frage:

Worin

besteht

die

Beziehung

Sie glauben, dass Buddha, Jesus oder Krishnamurti zur Person gesprochen haben, dann sind Sie im Irrtum. Sie wussten sehr gut, dass vyakti, das äußere Selbst, nichts als ein Schatten von vyakta, dem inneren Selbst, ist. Sie wendeten sich ausdrücklich nur an vyakta. Sie wiesen es darauf hin, Acht zugeben auf das äußere Selbst, um es zu leiten und zu führen, um sich für es verantwortlich zu fühlen; kurz gesagt, sich seiner voll gewahr zu sein. Das Gewahrsein stammt aus dem Höchsten und durchdringt das innere Selbst, während das so genannte äußere Selbst nur derjenige Teil des Seins eines Menschen ist, dessen er sich nicht gewahr ist. Man kann zwar bewusst sein, da ja alles letztlich Bewusstsein ist, aber man muss nicht auch gewahr sein. Was ins Gewahrsein genommen wird, wird zum Inneren und nimmt an diesem Inneren teil. Sie können es auch anders ausdrücken: Das äußere Selbst wird durch den Körper definiert, das Bewusstsein durch das innere Selbst, und im reinen Gewahrsein wird Kontakt mit dem Höchsten aufgenommen. Frage: Sie sagten, dass das äußere Selbst durch den Körper definiert wird. Da Sie einen Körper haben, haben Sie demnach also auch ein äußeres Selbst? Maharaj: Ich würde, wenn ich mich an den Körper gebunden fühlte und ihn mit mir selbst verwechseln würde.

nur

gewahr und beachten seine Bedürfnisse. Maharaj: Das Gegenteil ist eigentlich wahrer – der Körper kennt mich und ist meiner Bedürfnisse gewahr. Jedoch weder das eine noch das andere ist wirklich so, wie es scheint. Dieser Körper erscheint in Ihrem Gemüt, während in meinem Gemüt dagegen nichts dergleichen existiert.

Frage:

Sie

sind

demnach

seiner

einfach

gänzlich

unbewusst sind, einen Körper zu haben? Maharaj: Im Gegenteil, ich bin bewusst, keinen Körper zu haben. Frage: Aber ich sehe Sie rauchen?

Maharaj: So ist’s – Sie sehen mich rauchen. Finden Sie für sich selbst heraus, wie es geschehen konnte, dass Sie mich Rauchen sehen – dann werden Sie sehr leicht erkennen, dass es Ihr Bewusstseinszustand des „Ich bin der Körper“ ist, der für diese Idee „ich sehe Sie Rauchen“ verantwortlich ist.

Den

Körper kenne ich. Aber was bin ich dann? Maharaj: Es gibt weder ein vom Körper noch von der Welt getrenntes „Ich“. Alle drei tauchen gemeinsam auf und verschwinden auch gemeinsam wieder. An der Wurzel von allem befindet sich das Gefühl von „Ich bin“. Gehen Sie darüber hinaus. Die Idee „Ich bin nicht der Körper“ ist nur ein Gegengift für die Idee „Ich bin der Körper“, die falsch ist. Was ist dieses „Ich bin“? So lange Sie sich selbst nicht kennen – was können Sie dann schon wissen? Frage: Aus dem, was Sie sagen, schlussfolgere ich, dass es ohne den Körper keine Befreiung geben kann. Wenn die Idee „Ich bin nicht der Körper“ zur Befreiung führt, dann ist die Anwesenheit des Körpers wesentlich.

Maharaj: Ganz richtig. Wie könnte die Idee „Ich bin nicht der Körper“ ohne die Anwesenheit des Körpers einen Sinn haben? Die Idee „Ich bin frei“ ist ebenso falsch wie die Idee „Ich bin gebunden“. Erforschen Sie das „Ich bin“, das beiden gemeinsam ist, und gehen Sie dann darüber hinaus. Frage: Alles ist nur ein Traum. Maharaj: Alles sind nur Worte - wozu könnten Sie

Frage:

Meinen

Sie

damit,

dass

Sie

Frage: Da

ist der

Körper

und da

bin ich.

Ihnen nützen? Sie haben sich in das Spinnennetz rein verbaler Definitionen und Formulierungen verfangen. Gehen Sie über Ihre Konzepte und Ideen hinaus – wenn Gedanken und Wünsche gestillt sind, wird die Wahrheit gefunden.

zu

erinnern – wie verrückt! Maharaj: Natürlich kann dies nicht getan werden – es muss geschehen! Und es geschieht dann, wenn Sie wahrhaftig die Notwendigkeit dazu einsehen. Und noch einmal: Ernsthaftigkeit ist der goldene Schlüssel. Frage: Irgendwo in meinem Gemüt ist eine Biene, die die ganze Zeit summt. Zahlreiche Gedanken schwirren in mir hin und her, während diese formlose Wolke die ganze Zeit in mir ist. Ist das bei Ihnen auch so? Was passiert in Ihrem Hinterstübchen? Maharaj: Wo es kein Gemüt gibt, gibt es auch kein Hinterstübchen. Ich bin stets in der Vorder-, nicht in einer Hinterstube. Die Leere spricht, die Leere bleibt.

Frage: Gibt es denn keine Erinnerungen an etwas? Maharaj: Keine Erinnerungen an vergangene Freuden oder Schmerzen verbleiben. Jeder einzelne Moment ist wie neugeboren. Frage: Ohne Erinnerung kann man doch nicht bewusst sein. Maharaj: Gewiss bin ich voll bewusst und dessen voll gewahr. Ich bin schließlich kein Holzklotz! Vergleichen Sie einmal das Bewusstsein und dessen Inhalt mit einer Wolke. Sie befinden sich innerhalb dieser Wolke, während ich von außen auf sie schaue. Sie fühlen sich darin verloren und sehen kaum die Hand vor Augen, während ich die Wolke sehe und auch noch viele andere, ebenso auch den

Frage:

Man

soll

sich

also

erinnern,

nicht

blauen Himmel, die Sonne, den Mond und die Sterne. Für uns beide ist die Wirklichkeit gleich, während sie jedoch für Sie ein Gefängnis und für mich mein Zuhause ist. Frage: Sie sprachen von der Person (vyakti), dem Zeugen (vyakta) und dem Höchsten (avyakta). Was kommt zuerst? Maharaj: Im Höchsten taucht der Zeuge auf. Der Zeuge erschafft die Person und denkt sich selbst als von dieser getrennt. Der Zeuge sieht, dass die Person im Bewusstsein erscheint, das wiederum im Zeugen erscheint. Diese Verwirklichung der grundlegenden Einheit ist das Wirken des Höchsten. Es ist die Macht hinter dem Zeugen - die Quelle, aus der alles entstammt. Sie kann so lange nicht kontaktiert werden, bis es nicht eine Einheit, Liebe und eine wechselseitige Hilfe zwischen der Person und dem Zeugen gibt; so lange das Tun nicht in Harmonie mit dem Sein und dem Gewussten ist. Das Höchste ist sowohl die Quelle als auch die Frucht dieser Harmonie. Wenn ich zu Ihnen spreche, dann befinde ich mich in einem Zustand von losgelöster, aber leidenschaftlichen Gewahrsein (turiya). Wenn sich dieses Gewahrsein seiner selbst bewusst wird, dann können Sie es den Höchsten Zustand (turiyatita) nennen. Die fundamentale Wirklichkeit jedoch ist jenseits des Gewahrseins - jenseits der drei Zustände des Werdens, des Seins und des Nicht-Seins. Frage: Wie kommt es nur, dass mein Verstand hier sich mit den hohen Fragen befasst und das Verharren bei ihnen einfach und erfreulich findet. Wenn ich dann nach Hause zurückkehre, dann sehe ich, dass ich alles Gelernte vergessen habe, mich sorge und gereizt bin, und mich meiner wahre Natur nicht einmal für einen Augenblick erinnern kann. Was ist wohl die Ursache davon? Maharaj: Sie kehren in dem Moment zu Ihrer

Kindhaftigkeit zurück. Sie sind noch nicht ganz erwachsen – es gibt noch Ebenen in Ihnen, die aufgrund mangelnder Pflege unentwickelt sind. Geben Sie dem in Ihnen, was noch roh und unbearbeitet, unvernünftig und unfreundlich, also kindlich ist, Ihre volle Aufmerksamkeit. So werden Sie schließlich reifen. Die Reife des Herzens und des Verstandes ist wesentlich. Sie kommt ohne jede Anstrengung, sobald das Haupthindernis beseitigt ist – mangelnde Aufmerksamkeit, mangelndes Gewahrsein. Im Gewahrsein beginnen Sie zu wachsen.

DasDas GefühlGefühl derder TäterschaftTäterschaft bedeutetbedeutet BindungBindung

Frage: Wir haben einige Zeit im Satya Sai Baba Ashram gelebt. Außerdem haben wir zwei Monate im Sri Ramanashram in Tiruvannamalai verbracht. Jetzt sind wir im Begriff, die Rückreise in die Vereinigten Staaten anzutreten. Maharaj: Hat Indien Sie verändert? Frage: Wir haben das Gefühl, unsere Last verloren zu haben. Sri Satya Sai Baba erklärte uns, alles ihm anzuvertrauen und einfach von Tag zu Tag so rechtschaffen wie möglich zu leben. ’Seien Sie gut und überlassen Sie mir den Rest’, pflegte er uns zu sagen. Maharaj: Was haben Sie im Sri Ramanashram getan? Frage: Wir haben die Arbeit mit dem Mantra, welches uns vom Guru gegeben wurde, fortgesetzt. Wir haben außerdem meditiert. Viel Nachdenken oder Studium gab es dabei nicht – wir versuchten einfach nur, still zu sein. Wie gehen den Bhakti-Pfad und sind in Philosophie nicht so beschlagen. Es gibt nicht so viel, worüber wir nachdenken – wir vertrauen einfach nur unserem Guru und leben unser Leben. Maharaj: Die meisten Bhaktas vertrauen Ihrem Guru nur so lange, wie sie sich wohl fühlen. Sobald Schwierigkeiten entstehen, fühlen sie sich verlassen und begeben sich auf die Suche nach einem anderen Guru. Frage: Ja, vor dieser Gefahr sind wir gewarnt worden. Wir versuchen, sowohl die schlechten wie die guten Seiten des Lebens zu nehmen. Das Gefühl von „alles ist Gnade“ muss sehr stark sein. Ein Sadhu ging einmal ostwärts, als ein starker Wind zu

blasen begann. Der Sadhu drehte sich einfach um und ging westwärts. Wir glauben, dass wir selber in eben diesem Sinne leben – indem wir uns an die Umstände anpassen, die uns von unserem Guru geschickt werden. Maharaj: Es gibt nur Leben. Es gibt niemanden, der dieses Leben lebt. Frage: Wir verstehen das zwar, aber versuchen trotzdem immer wieder, unsere Leben zu leben anstatt einfach zu leben. Das Plänemachen für die Zukunft scheint bei uns eine hartnäckige Gewohnheit zu sein. Maharaj: Ob Sie es planen oder nicht – das Leben geht weiter. Im Leben selbst jedoch entsteht ein kleiner Wirbel, der sich in Fantasien ergibt und sich selbst vorstellt, das Leben bestimmen und kontrollieren zu können. Leben selbst ist wunschlos. Das falsche Selbst jedoch möchte fortleben – auf erfreuliche Weise. Daher ist es ständig damit beschäftigt, seine eigene Kontinuität zu erhalten. Das Leben ist furchtlos und frei. So lange Sie die Idee haben, die Ereignisse beeinflussen zu müssen, so lange wird Ihnen keine Befreiung möglich sein. Das Gefühl der Täterschaft, nämlich die Ursache für etwas zu sein, bedeutet Bindung. Frage: Wie können wir die Dualität zwischen dem Täter und der Tätigkeit beseitigen?

Maharaj: Kontemplieren Sie über das Leben als unendlich, ungeteilt und immer gegenwärtig, bis Sie realisieren, dass Sie selbst eins mit ihm sind. Es ist nicht einmal sehr schwierig, da Sie dadurch nur zu Ihrem wahren Zustand zurückkehren. Sobald Sie realisieren, dass alles von innen kommt, dass die Welt, in der Sie leben, nicht auf Sie, sondern von Ihnen selbst projiziert wird, dann

hören

identifizieren Sie sich mit den äußeren

die

Ängste auf. Ohne diese Realisierung

Gegebenheiten wie dem Körper, dem Gemüt, der Gesellschaft, der Nation, der Menschlichkeit oder sogar Gott oder dem Absoluten. Jedoch sind dies alles nur Ausflüchte vor der Furcht. Nur indem Sie Ihre Verantwortlichkeit für die kleine Welt, in der Sie leben, erkennen, und indem Sie den Prozess ihrer Erschaffung, Erhaltung und Zerstörung wahrnehmen, können Sie frei von Ihrer eingebildeten Bindung werden. Frage: Weshalb sollte ich mich selbst als so elend wahrnehmen? Maharaj: Sie tun es nur aufgrund von Gewohnheit. Ändern Sie die Art und Weise Ihres Fühlens und Denkens – halten Sie inne und erforschen Sie sie genauer. Sie sind aufgrund von Unachtsamkeit gebunden. Achtsamkeit befreit. Sie nehmen so viele Dinge für bare Münze. Beginnen Sie Fragen zu stellen. Die offensichtlichsten Dinge sind die fragwürdigsten. Stellen Sie sich selbst Fragen wie:

„Wurde ich wirklich geboren?“ „Bin ich wirklich so oder so?“ „Woher weiß ich, dass ich existiere?“ „Wer sind meine Eltern?“ „Haben sie mich erzeugt, oder habe ich sie selbst erzeugt?“ „Muss ich alles glauben, was mir über mich erzählt wurde?“ „Wer bin ich überhaupt?“ Sie haben so große Energie dafür aufgewendet, um ein Gefängnis für sich selbst zu bauen. Stecken Sie diese ganze Energie nun dahinein, es zu zerstören. Die Zerstörung ist sogar ganz einfach, weil das Falsche einfach dadurch verschwindet, dass es erkannt wird. Alles geht von der Idee „Ich bin“ aus. Untersuchen Sie sie sehr gründlich. Sie liegt an der Wurzel aller Schwierigkeiten. Es ist wie eine Art Haut, die Sie von der Wirklichkeit fernhält. Das Wirkliche liegt sowohl in als auch außerhalb der Haut, aber die Haut selbst ist nicht wirklich. Diese Idee „Ich bin“ wurde nicht mit Ihnen zusammen geboren. Sie hätten sehr gut ohne diese Idee leben können. Sie kam später, als

Sie sich selbst mit Ihrem Körper identifiziert haben. Dadurch wurde die Illusion von Trennung dort geschaffen, wo keine war. Es machte Sie zu einem Fremden in Ihrer eigenen Welt, und es machte die Welt fremd und unbehaglich. Ohne das Gefühl von „Ich bin“ geht das Leben einfach weiter. Es gibt Momente, in denen wir ohne das Gefühl von „Ich bin“ sind – wir sind dann im Frieden und glücklich. Mit der Rückkehr vom „Ich bin“ beginnen dann wieder die Schwierigkeiten.

man vom „Ich“-Gefühl frei

werden? Maharaj: Sie müssen mit dem „Ich“-Gefühl arbeiten, wenn Sie frei davon werden wollen. Beobachten Sie es während seiner Tätigkeit und seiner Ruhe. Schauen Sie, wie es beginnt und aufhört, was es will und wie es dies zu bekommen versucht. Bis Sie es klar erkennen und vollständig verstehen können. Alle Yoga-Techniken unabhängig von ihrem Ursprung und Charakter haben stets nur ein einziges Ziel: Sie aus der Misere zu erretten, ein getrenntes Individuum zu sein, ein bedeutungsloser Punkt in einem gewaltigen und herrlichen Gesamtbild.

Sie leiden, weil Sie sich selbst von der Wirklichkeit entfremdet haben, und weil Sie nun nach einer Fluchtmöglichkeit aus dieser Entfremdung suchen. Ihren eigenen Besessenheiten können Sie nicht entkommen. Sie können lediglich aufhören, sie dauernd zu nähren. Nur weil dieses „Ich bin“ falsch ist, deshalb will es fortbestehen. Die Wirklichkeit selbst benötigt keine Kontinuität- sie weiß, dass sie unzerstörbar ist. Sie ist indifferent gegenüber der Zerstörung von Formen und Ausdrücken. Um dieses „Ich bin“ zu stärken und zu stützen, tun wir alle möglichen Dinge; und alle vergeblich, denn das „Ich bin“ wird in jedem Moment aufs Neue erzeugt. Es ist

Frage:

Wie

kann

unaufhörliche Arbeit. Die einzige radikale Lösung besteht darin, den sich getrennt fühlenden Sinn des „Ich bin diese oder jene Person“ einmal und für immer aufzulösen. Das Sein verbleibt - und zwar ohne das „ich selber sein“. Frage: Ich habe ganz klare spirituelle Ambitionen. Muss ich nicht an ihrer Erfüllung arbeiten? Maharaj: Ambitionen sind nie spirituell. Sämtliche Ambitionen dienen nur dem Heil des „Ich bin“. Wenn Sie ernsthafte Fortschritte machen möchten, dann müssen Sie sämtliche Ideen von persönlichem Erwerb aufgeben. Die Ambitionen der so genannten Yogis sind widersinnig. Der Wunsch eines Mannes nach einer Frau ist in sich selbst unschuldig; verglichen mit der Gier nach ewiger persönlicher Seligkeit. Der Verstand ist ein Betrüger. Je frommer er scheint, umso schlimmer ist sein Verrat. Frage: Die Menschen kommen sehr oft mit ihren weltlichen Problemen zu Ihnen und fragen Sie um Rat. Woher wissen Sie, was Sie Ihnen in dem Moment sagen müssen? Maharaj: Ich sage ihnen nur dass, was mir in diesem Moment in den Sinn kommt. Ich verfüge über keine standardisierten Verfahrensweisen im Umgang mit Menschen. Frage: Sie sind Ihrer selbst sicher. Aber wenn jetzt Menschen zu mir kommen würden, um um Rat zu fragen – wie kann ich sicher sein, dass mein Rat richtig ist? Maharaj: Beobachten Sie sich selbst, in welchem Zustand Sie sich befinden; auf welcher Ebene Sie sprechen. Wenn Sie von der Ebene des Verstandes sprechen, dann irren Sie sich vielleicht. Wenn Sie aus der vollen Einsicht in Ihre Situation sprechen, wobei Ihre mentalen Gewohnheiten außer Kraft sind, dann stellt Ihr Rat vielleicht eine wahre Antwort dar. Der wichtige Punkt besteht darin, sich

voll gewahr zu sein, dass weder Sie noch der Mensch vor Ihnen nur ein Körper ist. Wenn Ihr Gewahrsein klar und vollständig ist, dann ist ein Fehler weniger wahrscheinlich.

AllesAlles waswas dichdich erfreut,erfreut, wirftwirft dichdich zurückzurück

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

AllesAlles waswas dudu brauchst,brauchst, istist einein stillerstiller VerstandVerstand

Frage: Ich fühle mich nicht wohl. Ich fühle mich ziemlich schwach. Was soll ich tun?

dem

Maharaj:

Wem

ist

unwohl

-

Ihnen

oder

Körper? Frage: Meinem Körper natürlich. Maharaj: Gestern fühlten Sie sich noch wohl. Was hat sich da wohl gefühlt?

Frage: Der Körper. Maharaj: Sie waren erfreut, als sich der Körper wohl fühlte, und Sie sind traurig, wenn der Körper sich unwohl fühlt. Wer ist nun an einem Tag glücklich und am anderen unglücklich? Frage: Der Verstand.

veränderlichen

Verstand? Frage: Der Verstand. Maharaj: Der Verstand ist der Kenner. Wer kennt den Kenner? Frage: Kennt der Kenner nicht sich selbst? Maharaj: Der Verstand ist sprunghaft. Immer wieder hat er Aussetzer wie im Schlaf oder in Ohnmacht oder Zerstreutheit. Es muss etwas Beständiges geben, was die Unbeständigkeit registriert. Frage: Der Verstand erinnert sich. Das ist die Beständigkeit. Maharaj: Die Erinnerung ist stets bruchstückhaft, unzuverlässig und flüchtig. Sie erklärt nicht das starke Gefühl der Identität, die das Bewusstsein durchdringt, nämlich das Gefühl „Ich bin“. Finden Sie heraus, was die Wurzel davon ist.

Maharaj:

Und

wer

kennt

den

Frage: Wie tief ich auch schaue – ich finde immer nur den Verstand. Ich kann mit Ihren Worten „jenseits des Verstandes“ nichts anfangen. Maharaj: Solange Sie mit dem Verstand schauen, können Sie auch nicht jenseits von ihm gehen. Um darüber hinaus zu gehen, müssen Sie vom Verstand und seinen Inhalten absehen. Frage: In welche Richtung soll ich schauen? Maharaj: Sämtliche Richtungen befinden sich stets im Verstand! Ich fordere Sie nicht auf, in eine bestimmte Richtung zu schauen. Sehen Sie einfach von allem ab, was in Ihrem Verstand geschieht, und führen Sie alles auf das Gefühl von „Ich bin“ zurück. Das „Ich bin“ ist keine Richtung. Es ist die Negation aller Richtungen. Zu guter Letzt wird sogar das „Ich bin“ gehen müssen, weil Sie nicht auf etwas bestehen müssen, was offensichtlich ist. Das Zurückführen des Verstandes zum Gefühl „Ich bin“ hilft bloß dabei, den Verstand von allem anderen abzulenken. Frage: Und wo führt all dies hin? Maharaj: Wenn der Verstand von all seinen Beschäftigungen fortgehalten wird, wird er still. Wenn Sie diese Stillheit nicht stören und darin verbleiben, dann werden Sie feststellen, dass sie von einem Licht und einer Liebe durchdrungen ist, die Sie noch nie bemerkt haben. Und alles das erkennen Sie als Ihre eigene Natur. Sobald Sie diese Erfahrung durchgemacht haben, sind Sie nicht mehr derselbe Mensch wie zuvor. Der ungebärdige Verstand durchbricht diesen Frieden vielleicht wieder und löscht diese Vision aus, aber er muss zwangsläufig dahin wieder zurückkehren, solange die Bemühungen nachhaltig genug sind. Und dies führt zu dem Tag, an dem alle Fesseln durchbrochen sind, die Enttäuschungen und Anhaftungen enden, und wenn das Leben selbst im Gegenwärtigen

präsent wird. Frage: Was ist dann das Ergebnis? Maharaj: Der Verstand existiert nicht länger. Es gibt nur noch tätige Liebe. Frage: Wie kann ich diesen Zustand erkennen, sobald ich ihn erreicht habe? Maharaj: Es wird keine Furcht mehr geben. Frage: Wie kann ich ohne Furcht bleiben bei dieser Welt, die voll von Rätseln und Gefahren ist? Maharaj: Ihr eigener unbedeutender Körper ist selbst voll von Rätseln und Gefahren, und doch fürchten Sie sich nicht vor ihm, weil Sie ihn für sich selbst halten. Sie wissen noch nicht, dass das gesamte Universum Ihr Körper ist. Sie brauchen sich daher nicht zu fürchten. Man kann sagen, dass Sie über zwei Körper verfügen - den persönlichen und den universellen. Der persönliche kommt und geht – der universelle ist stets mit Ihnen. Die gesamte Schöpfung ist Ihr universeller Körper. Sie sind so geblendet von Ihrem Begriff von „persönlich“, dass Sie das Universelle nicht sehen können. Diese Geblendetheit endet nicht von selbst – sie muss behutsam und geschickt aufgehoben werden. Wenn sämtliche Illusionen verstanden und aufgegeben wurden, erreichen Sie den fehlerfreien und vollkommenen Zustand, in dem alle Unterscheidungen zwischen dem Persönlichen und dem Universellen nicht länger existieren. Frage: Als Person, die ich bin, bin ich zeitlich und räumlich begrenzt. Ich nehme einen winzigen Raum ein und dauere nur wenige Momente an; ich bin nicht in der Lage, mich selbst als ewig und allesdurchdringend wahrzunehmen. Maharaj: Trotzdem sind Sie dies. Wenn Sie tief in sich selbst auf der Suche nach Ihrer wahren Natur tauchen, werden Sie entdecken, dass Ihr Körper

klein und Ihre Erinnerung kurz ist, während Ihnen der ungeheure Ozean des Lebens gehört.

Frage: Die Worte „Ich“ und „universell“ sind widersprüchlich – sie schließen sich gegenseitig aus. Maharaj: Keineswegs. Das Gefühl der Identität durchdringt das Universelle. Suchen Sie, und Sie werden die Universelle Person entdecken, die Sie selbst und unendlich viel mehr ist. Beginnen Sie mit der Erkenntnis, dass die Welt in Ihnen ist – nicht Sie in der Welt. Frage: Wie kann das sein? Ich bin nur ein Teil der

Welt.

enthalten

einem Spiegel? Maharaj: Eben das, was Sie sagen, ist die Wahrheit. Ihr persönlicher Körper ist ein Teil, in dem das Ganze auf großartige Weise reflektiert wird. Außerdem haben Sie jedoch noch einen universellen Körper. Sie können niemals behaupten, dass Sie ihn nicht kennen, weil Sie ihn fortwährend sehen und erfahren. Sie nennen ihn allerdings „die Welt“ und fürchten Sie dann vor dieser. Frage: Ich fühle, dass ich diese meinen kleinen Körper kenne, während ich den anderen außer durch die Erkenntnisse der Wissenschaft nicht kenne.

Reflektion wie bei

die ganze Welt in einem Teil

Wie

kann

sein;

außer

durch

Maharaj: Ihr kleiner Körper ist voller Geheimnisse und Wunder, die Sie nicht kennen. In der Hinsicht ist auch die Wissenschaft Ihr einziger Führer. Sie selbst sind durch die Anatomie und die Astronomie beschreibbar.

vom

universellen Körper als Arbeitshypothese akzeptieren würde – wie kann ich sie überprüfen, und von welchem Nutzen wäre sie für mich? Maharaj: Indem Sie sich selbst als den Bewohner beider Körper kennen, werden Sie nichts verleugnen

Frage:

Und

wenn

ich

nun

Ihre

Doktrin

müssen. Alles im Universum betrifft Sie – Sie lieben jedes lebendige Ding und umsorgen es zart und mit Weisheit. Es gibt keinerlei Zusammenstoß zwischen Ihnen und anderen. Jedes Ausnutzen hört völlig auf. Alle Ihre Handlungen werden wohltätig sein - alle Bewegungen werden ein Segen sein. Frage: All dies klingt sehr verführerisch – aber wie kann ich damit beginnen, mein universelles Sein zu verwirklichen? Maharaj: Es stehen Ihnen zwei Wege zur Verfügung: Sie geben Ihr Herz und Ihren Verstand der Selbsterforschung hin, oder Sie akzeptieren meine Worte voller Vertrauen und handeln in Übereinstimmung mit Ihnen. Anders ausgedrückt:

Entweder werden Sie vollkommen an sich selbst interessiert – oder vollkommen desinteressiert an sich selbst. Das Wort „vollkommen“ ist sehr wichtig. Um das Höchste zu erreichen, müssen Sie extrem sein. Frage: Wie kann ich, klein und begrenzt wie ich bin, solche Höhen erreichen? Maharaj: Erkennen Sie sich selbst als den Ozean des Bewusstseins, in dem alles geschieht. Dies ist gar nicht schwierig. Ein wenig Achtsamkeit – eine genaue Beobachtung seiner selbst, und Sie werden sehen, dass sich kein einziges Ereignis außerhalb Ihres Bewusstseins befindet. Frage: Die Welt ist voller Ereignisse, die nicht in mein Bewusstsein gelangen. Maharaj: Sogar Ihr Körper ist voller Ereignisse, die nicht in Ihr Bewusstsein gelangen. Dies hindert Sie jedoch nicht daran, Ihren Körper als Ihren eigenen anzusehen. Sie kennen die Welt genau so, wie Sie auch Ihren Körper kennen - über Ihre Sinne. Es ist Ihr Verstand, der die Welt außerhalb Ihrer Haut von derjenigen innen getrennt und in einen Gegensatz zueinander gebracht hat. Dadurch wurde Furcht und

Hass

Lebens.

geschaffen,

und

damit all

die Misere des

Frage: Ich kann nicht ganz folgen, wenn Sie davon sprechen, über das Bewusstsein hinauszugehen. Ich verstehe die Worte, kann aber die Erfahrung nicht visualisieren. Schließlich haben Sie selbst gesagt, dass alle Erfahrung im Bewusstsein ist. Maharaj: Sie haben Recht – eine Erfahrung außerhalb des Bewusstseins gibt es nicht. Doch es gibt noch die Erfahrung zu sein. Dies ist ein Zustand jenseits des Bewusstseins, der jedoch nicht unbewusst ist. Manche nennen es Überbewusstsein oder reines Bewusstsein, oder aber Höchstes Bewusstsein. Es ist reines, von der Subjekt-Objekt- Verknüpfung freies Bewusstsein. Frage: Ich habe Theosophie studiert und finde in dem, was Sie sagen, nichts Vertrautes wieder. Ich gebe zu, dass sich die Theosophie nur mit der Manifestation befasst. Sie beschreibt äußerst detailliert das Universum und seine Bewohner. Sie spricht von vielen Ebenen de Materie und diesen entsprechenden Ebenen der Erfahrung, scheint aber nicht darüber hinaus zu gehen. Was Sie dagegen sagen, geht über alle Erfahrung hinaus. Wenn es aber nicht erfahrbar ist, weshalb dann aber so viel darüber sprechen? Maharaj: Bewusstsein ist intermittierend – voll von Zwischenräumen. Und doch gibt es eine Kontinuität der Identität. Woher kann dieses Gefühl von Identität stammen, wenn nicht von etwas über das Bewusstsein Hinausreichende?

Verstand

hinausgegangen bin - wie kann ich mich dann selbst verändern?

Maharaj: Wo sollte die Notwendigkeit für eine Änderung von irgend etwas bestehen? Der Verstand verändert sich von selbst die ganze Zeit über.

Frage:

Wenn

ich

über

den

Schauen Sie Ihren Verstand leidenschaftslos an – das genügt, um ihn zu beruhigen. Wenn er erst einmal still ist, dann können Sie auch jenseits von ihm gehen. Sorgen Sie dafür, dass er nicht die ganze Zeit in Tätigkeit ist. Stoppen Sie ihn – und seien Sie einfach. Wenn Sie die Gelegenheit geben, wird er sich beruhigen und seine eigene Reinheit und Stärke entdecken. Ständiges Denken verdirbt ihn. Frage: Wie kommt es, dass ich mein wahren Sein nicht kenne, wenn es doch ständig mit mir ist? Maharaj: Weil es sehr subtil ist, während Ihr Verstand grob und voll von Gedanken und Gefühlen ist. Beruhigen und klären Sie Ihren Verstand – uns Sie werden sich selbst als das kennen, was Sie sind. Frage: Benötige ich den Verstand, um mich selbst zu kennen? Maharaj: Sie sind jenseits des Verstandes, aber Sie wissen mit Hilfe Ihres Verstandes. Es ist offensichtlich, dass der Umfang, die Tiefe und die Art des Wissens von dem von Ihnen verwendeten Instrument abhängt. Verbessern Sie Ihr Instrument – und Ihr Wissen wird sich verbessern. Frage: Zum vollkommenen Wissen benötige ich einen vollkommenen Verstand. Maharaj: Alles was Sie benötigen, ist ein stiller Verstand. Alles geschieht zur rechten Zeit, solange Ihr Verstand nur still ist. So wie die aufgehende Sonne die Welt in Tätigkeit versetzt, so bewirkt auch das Selbst-Gewahrsein Veränderungen im Verstand. Im Licht des ruhigen und stetigen Selbst- Gewahrseins erwachen die Energien des Innern und bewirken Wunder ohne jede Bemühung von Ihrer Seite. Frage: Wollen Sie damit zum Ausdruck bringen, dass die wertvollste Arbeit geschieht, indem nicht gearbeitet wird?

Maharaj: Genau das. Verstehen Sie, dass Sie der Erleuchtung nicht entkommen können. Arbeiten Sie mit Ihrem Schicksal zusammen – gehen Sie nicht dagegen an; behindern Sie es nicht. Erlauben Sie ihm, sich voll zu entfalten. Alles, was Sie dafür tun müssen, ist, die vom närrischen Verstand erzeugten Hindernisse zu beobachten.

DieDie SucheSuche nachnach demdem GlückGlück führtführt zumzum UnglückUnglück

Frage: Ich bin aus England gekommen und nun auf dem Weg nach Madras. Dort treffe ich meinen Vater, und dann werden wir per Auto über Land nach London zurückfahren. Ich will Psychologie studieren, weiß aber noch nicht, was ich dann mit meinem Abschluss anfangen soll. Vielleicht probiere ich Industriepsychologie oder Psychotherapie zu machen. Mein Vater ist Allgemeinarzt, und vielleicht folge ich seinen Fußstapfen. Meine Interessen sind aber damit noch nicht abgedeckt. Es gibt gewisse Fragen, die im Laufe der Zeit stets unverändert bleiben. Ich habe gehört, dass Sie auf solche Fragen Antworten haben, und deshalb hatte ich den Wunsch, Sie zu sehen. Maharaj: Ich frage mich, ob ich der Richtige bin, um Ihre Fragen zu beantworten. Ich weiß kaum etwas über Dinge und Leute. Ich weiß nur, dass Ich bin, und dies wissen Sie ebenfalls. Wir sind also gleich. Frage: Natürlich weiß ich, dass Ich bin. Aber ich weiß nicht, was dies bedeuten soll. Maharaj: Dieses „Ich“ im „Ich bin“, für das Sie sich selbst halten, sind nicht Sie selbst. Zu wissen dass Sie sind, ist natürlich – zu wissen, was Sie sind, ist das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung. Sie müssen das gesamte Feld des Bewusstseins erforschen und dann darüber hinaus gehen. Dazu müssen Sie den richtigen Lehrer finden und die Bedingungen herstellen, die für die Untersuchung benötigt werden. Allgemein ausgedrückt, gibt es zwei Wege, nämlich innere und äußere. Sie müssen entweder mit jemandem zusammen sein, der die Wahrheit kennt, und sich gänzlich seiner führenden und formenden Tätigkeit hingeben, oder aber Sie

suchen den inneren Führer und folgen dessen Licht, wo immer Sie dies auch hinführen mag. In beiden Fällen müssen Ihre persönlichen Wünsche und Ängste beiseite gelegt werden. Entweder lernen Sie durch Nahesein oder Erforschen – dem passiven oder dem aktiven Weg. Entweder lassen Sie sich vom Strom des Lebens und der von Ihrem Guru repräsentierten Liebe tragen, oder Sie unternehmen Ihre eigenen Bemühungen, die von Ihrem inneren Stern geleitet werden. In beiden Fällen müssen Sie aktiv sein, Sie müssen ernsthaft sein. Es gibt nur wenig Menschen, die so glücklich waren jemanden zu finden, der ihrer Liebe und ihres Vertrauens wert war. Die meisten müssen den harten Weg gehen, nämlich den Weg der Intelligenz und des Verstehens, der Unterscheidung und der Entsagung (viveka-vairagya). Dieser Weg steht allen offen. Frage: Ich bin sehr froh, hierher gekommen zu sein. Obwohl ich morgen wieder abreise, kann schon ein einziges Gespräch mit Ihnen mein ganzes Leben verändern. Maharaj: Ja. Wenn Sie sagen „Ich möchte die Wahrheit finden“, dann wird Ihr ganzes Leben zutiefst davon berührt werden. Alle Ihre mentalen und physischen Gewohnheiten, Gefühle und Empfindungen, Ängste und Hoffnungen, Pläne und Entscheidungen werden einem radikalen Wandel unterzogen. Frage: Wenn ich meinen Verstand bereit zur Entdeckung der Wirklichkeit gemacht habe – was mache ich dann als nächstes? Maharaj: Es hängt von Ihrem Temperament ab. Wenn Sie eifrig sind, dann werden Sie auf jedem von Ihnen gewählten Weg zum Ziel kommen. Die Ernsthaftigkeit ist der entscheidende Faktor.

der

Ernsthaftigkeit?

Frage:

Worin

besteht

die

Quelle

Maharaj: Es ist das Heimatgefühl, das den Vogel zu seinem Nest und den Fisch zur Quelle des Stroms, an der er geboren wurde, zurückkehren lässt. Der Same kehrt zur Erde zurück, sobald die Frucht ausgereift ist. Reife ist alles. Frage: Was wird mich reifen lassen? Brauche ich dazu Erfahrung? Maharaj: Sie besitzen bereits all die Erfahrung, derer Sie bedürfen, denn andernfalls wären Sie nicht hierher gekommen. Sie benötigen darüber hinaus nichts weiter, sondern Sie müssen im Gegenteil über die Erfahrung hinausgehen. Gleichgültig, wie viel Bemühungen Sie unternehmen, und welche Methode (Sadhana) Sie ausüben – Sie werden lediglich neue Erfahrungen produzieren, die Sie aber nicht jenseits von allem führen. Auch das Lesen von Büchern hilft nicht. Sie werden Ihren Verstand bereichern, aber die Person, die Sie sind, bleibt intakt. Falls Sie von Ihrer mentalen, materiellen oder spirituellen Suche irgendwelche Erfolge erwarten, dann haben Sie den springenden Punkt noch nicht verstanden. Die Wahrheit bietet keinerlei Vorteile. Sie verleiht weder einen höheren Status noch Macht über andere – Sie erlangen nichts als die Wahrheit und die Freiheit vom Falschen. Frage: Aber die Wahrheit verleiht doch gewiss die Macht, anderen helfen zu können. Maharaj: Ein nobler Gedanke, aber trotzdem reine Einbildung! In Wahrheit helfen Sie anderen nicht, weil es keine „anderen“ gibt. Sie teilen die Menschen in ehrenwerte und weniger ehrenwerte ein, und bitten dann die Ehrenwerten darum, den Unehrenwerten zu helfen. Damit trennen, bewerten, beurteilen und verdammen Sie –im Namen der Wahrheit zerstören Sie damit letztlich alles. Ihr Wunsch, Wahrheit zu formulieren, behindert alles, weil diese nicht in Worten ausgedrückt werden kann. Die Wahrheit kann nur durch die Verleugnung

des Falschen ausgedrückt werden, und zwar in tätiger Aktion. Zu diesem Zweck müssen Sie das Falsche als falsch erkennen (viveka) und zurückweisen (vairagya). Das Aufgeben des Falschen ist wahrhaft befreiend und wohltuend. Es öffnet den Weg zur Vollkommenheit.

die

Wahrheit erkannt habe? Maharaj: Wenn die Idee „dies oder das ist wahr“ nicht mehr auftaucht. Die Wahrheit bewertet sich selbst nicht – sie liegt im Sehen des Falschen als falsch und in der Zuweisung dessen. Es ist nutzlos, nach der Wahrheit zu suchen, wenn der Verstand blind gegenüber dem Falschen ist. Er muss komplett von allem Falschen gereinigt werden, bevor die Wahrheit aufdämmern kann.

Frage: Was ist denn „falsch“? Maharaj: Was kein Sein hat, ist ganz sicherlich falsch.

Frage: Was meinen Sie mit „hat kein Sein“? Das Falsche ist da – vor aller Augen. Maharaj: Was sich selbst widerspricht, hat kein Sein. Oder aber es verfügt nur über ein momentanes Sein, was auf dasselbe hinausläuft. Weil das, was einen Anfang und ein Ende hat, keine Mitte hat. Es ist hohl. Es hat lediglich einen Namen und eine Gestalt, die ihm vom Verstand verliehen wurde, aber weder Substanz noch Essenz. Frage: Wenn alles Vorübergehende kein Sein hat – dann hat auch das Universum kein Sein. Maharaj: Wer hat das geleugnet? Natürlich hat das Universum keinerlei Sein. Frage: Was dann?

abhängt, um zu

existieren, was nicht zusammen mit dem aufsteigenden Universum aufsteigt, was keinerlei

Frage:

Wann

werde

ich

wissen,

dass

ich

Maharaj:

Was

von

nichts

Erweis bedarf, und doch jeder Berührung das Wirkliche verleiht. Die Natur des Falschen liegt darin, dass es nur für einen Augenblick als wirklich erscheint. Man könnte sagen, dass das Wahre zum Vater des Falschen wird. Das Falsche jedoch ist begrenzt in Zeit und Raum – es wird von den Umständen erzeugt. Frage: Wie kann ich das Falsche aufgeben und das Wirkliche bewahren? Maharaj: Zu welchem Zweck?

befriedigenderes,

integrierteres und glücklicheres Leben zu leben. Maharaj: Was immer auch vom Verstand ersonnen wird, muss falsch sein, weil er an das Relative und Begrenzte gebunden ist. Das Wirkliche ist unausdenkbar und kann keinem Zweck unterworfen werden. Es muss allein um seiner selbst willen gesucht werden.

Unausdenkbare

wollen? Maharaj: Was gibt außer diesem, was des Wollens wert wäre? Zugegebenerweise kann aber das Wirkliche nicht gewollt werden, so wie ein Ding gewollt wird. Jedoch können Sie das Unwirkliche als unwirklich erkennen und aufgeben. Es ist das Aufgeben des Falschen, das den Weg zum Wahren bahnt.

im

Alltagsleben aus? Maharaj: Das Interesse an sich selbst und die Selbstbezogenheit sind die entscheidenden Punkte des Falschen. Ihr Alltagsleben schwingt zwischen Wunsch und Furcht hin und her. Beobachten Sie dies mit voller Absicht. Sie werden sehen, wie der Verstand zahllose Namen und Formen erzeugt; wie ein Fluss, der in der Flussschnelle schäumt.

Frage:

Um

ein

besseres,

Frage:

Weshalb

sollte

ich

das

Frage:

Ich

verstehe,

aber

wie

sieht

das

Verfolgen Sie alle Tätigkeiten zu ihrem selbstbezogenen Motiv zurück und untersuchen Sie intensiv das Motiv, bis es sich auflöst.

Frage: Um leben zu können, muss man sich um sich selbst kümmern und Geld verdienen. Maharaj: Für sich selbst müssen Sie nichts verdienen, aber vielleicht für eine Frau und ein Kind. Vielleicht müssen Sie arbeiten gehen zum Wohle anderer. Es kann schon ein Opfer darstellen, einfach nur am Leben zu bleiben. Eine Notwendigkeit gleich welcher Art zur Selbstsucht besteht nicht. Weisen Sie jedes selbstsüchtige Motiv ab, sobald Sie dieses erkennen, und so brauchen Sie nicht nach der Wahrheit zu suchen – die Wahrheit wird nach Ihnen suchen. Frage: Es gibt aber Grundbedürfnisse. Maharaj: Werden Sie nicht seit Ihrer Geburt erfüllt? Geben Sie die Fessel der Selbstbezogenheit auf und seien Sie, der Sie sind – Intelligenz und tätige Liebe. Frage: Aber man muss doch überleben! Maharaj: Das Überleben können Sie überhaupt nicht verhindern! Das wirkliche „Sie“ ist zeitlos und hinausgehend über Tod und Geburt. Der Körper wird so lange überleben, wie er benötigt wird. Es ist nicht von Bedeutung, dass er lange lebt – ein erfülltes Leben ist viel besser als ein langes Leben. Frage: Wer will denn sagen, was ein erfülltes

kulturellen

Leben

Hintergrund ab. Maharaj: Wenn Sie nach der Wirklichkeit suchen, müssen Sie sich von allen Hintergründen, allen Kulturen und allen Mustern des Denkens und Fühlens frei machen. Auch die Idee, ein Mann oder eine Frau oder auch nur ein Mensch zu sein, sollte vollkommen aufgegeben werden. Der Ozean des

ist?

Dies

hängt

von

meinem

Lebens enthält alle und alles – nicht nur Menschen. Geben Sie daher als erstes jede Selbst- Identifizierung auf; hören Sie auch, von sich selbst als der-und-der, so-und-so oder dies-oder-das zu denken. Geben Sie ferner jede Selbstsucht auf; sorgen Sie sich nicht um Ihr Wohlergehen, weder materiell noch spirituell; geben Sie alle Wünsche auf, ob grob oder subtile, und hören Sie auf, an irgendwelche Erwerbungen gleich welcher Art zu denken. So wie Sie hier sind, so sind Sie vollständig und benötigen absolut nichts darüber hinaus. Dies heißt nicht, dass Sie wie ein Gehirnloser oder Narr, leichtsinnig oder indifferent, sein sollen, sondern nur diese grundlegende Ängstlichkeit um sich selbst muss gehen. Sie brauchen für sich und Ihre Angehörigen etwas Nahrung, Kleidung und Unterkunft, aber dies wird keinerlei Probleme erzeugen, solange Bedürfnis und nicht Gier im Vordergrund steht. Leben Sie in Verbindung mit den Dingen, wie sie sind, und nicht, wie man sie sich normalerweise nur vorstellt.

bin ich denn, wenn ich nicht

menschlich bin? Maharaj: Das was Sie denken macht, dass Sie ein Mensch sind, ist selbst nicht menschlich. Es ist nichts als ein dimensionsloser Punkt des Bewusstseins – ein bewusstes Nichts. Alles was Sie über sich selbst sagen können, ist „Ich bin“. Sie sind reines Sein – Gewahrsein – Seligkeit. Die Verwirklichung dessen ist das Ende allen Suchens. Sie erlangen es, indem Sie sehen, dass all Ihr Denken über sich selbst nichts als bloße Einbildung ist und fern vom reinen Gewahrsein steht, in dem das Vergängliche als vergänglich, das Eingebildete als eingebildet und das Unwirkliche als unwirklich gesehen wird. Es ist gar nicht so schwer – was benötigt wird, ist Leidenschaftslosigkeit. Es ist das Hängen am Falschen, was es so schwer macht, das

Frage:

Was

Wahre zu erkennen. Sobald Sie einmal verstanden haben, dass das Falsche Zeit braucht, während alles, was Zeit braucht, falsch ist, dann sind Sie näher an der Wirklichkeit, die zeitlos und stets im Jetzt ist. Das Ewige im Zeitlichen ist nichts als Wiederholung – wie die Bewegung des Uhrzeigers. Sie fließt von der Vergangenheit in die Zukunft – ein leeres Andauern. Die Wirklichkeit ist das, was die Gegenwart so lebendig macht, so unterschieden von der Vergangenheit und der Zukunft, die rein mental sind. Sobald Sie Zeit brauchen, um etwas zu erreichen, muss es falsch sein. Das Wirkliche ist immer mit Ihnen – Sie müssen auf nichts warten, um zu sein, was Sie sind. Sie dürfen lediglich Ihrem Verstand nicht erlauben, im Außen auf die Suche nach Ihnen selbst zu gehen. Sobald Sie etwas wünschen, fragen Sie sich selbst: Brauche ich dies wirklich? Und wenn die Antwort „nein“ lautet, dann lassen Sie den Wunsch einfach fallen. Frage: Darf ich denn nicht glücklich sein? Vielleicht brauche ich wirklich nichts, aber wenn mich eine Sache glücklich machen kann – weshalb sollte ich nicht danach greifen? Maharaj: Nichts kann Sie glücklicher machen als Sie bereits sind. Alle Suche nach dem Glück ist Elend und führt letztlich nur zu mehr Elend. Das einzige Glück, das diesen Namen verdient, ist das natürliche Glück des bewussten Seins. Frage: Brauche ich nicht eine Menge Erfahrung, bevor ich diesen hohen Grad an Gewahrsein erreiche? Maharaj: Erfahrung hinterlässt lediglich Erinnerungen und erhöht die Last nur noch, die schon schwer genug ist. Sie benötigen keine weiteren Erfahrungen. Die vergangenen sind völlig ausreichend. Und falls Sie das Gefühl haben, mehr davon zu brauchen, dann schauen Sie in die Herzen der Menschen um Sie herum. Sie werden eine

Anzahl von Erfahrungen finden, die Sie auch in Tausenden von Jahren nicht verarbeiten könnten. Lernen Sie von den Sorgen der anderen und retten Sie sich vor ihren eigenen. Sie benötigen dazu keine Erfahrung, sondern im Gegenteil die Freiheit von aller Erfahrung. Verlangen Sie nicht nach Erfahrungen – Sie brauchen keine. Frage: Aber machen Sie denn nicht selbst auch Erfahrungen? Maharaj: Um mich herum geschehen Dinge, aber ich nehme nicht an ihnen teil. Ein Ereignis wird nur dann zu einer Erfahrung, wenn ich emotional daran teilnehme. Ich befinde mich in einem Zustand, der vollständig ist – er benötigt keinerlei weitere Verbesserung. Welchen Nutzen hätte Erfahrung dann für mich? Frage: Man braucht doch Wissen, Bildung. Maharaj: Um mit Dingen umgehen zu können, wird ein Wissen über die Dinge benötigt. Um mit Menschen umgehen zu können, benötigen Sie Einsicht und Mitempfinden. Um mit sich selbst umgehen zu können, benötigen Sie gar nichts. Seien Sie einfach, was Sie sind: Bewusstes Sein. Bleiben Sie einfach bei sich und gehen Sie nicht anderswohin.

doch

sehr nützlich. Maharaj: Kein Zweifel – es hilft Ihnen beim Verdienen Ihres Lebensunterhalts. Es unterrichtet Sie aber nicht darin, wie man leben soll. Sie sind Student der Psychologie. In gewissen Situationen ist das hilfreich. Aber können Sie durch Psychologie leben? Leben ist dieser Bezeichnung nur dann wert, wenn es tätig die Wirklichkeit widerspiegelt. Keine Universität kann Sie darin unterrichten, wie Sie leben sollten. Und wenn dann die Zeit des Sterbens kommt, sollten Sie sagen können: Ich habe gut

Frage:

Eine

Universitätsausbildung

wäre

gelebt, aber ich brauche das nicht – noch einmal zu leben. Die meisten von uns wünschen sich ja, noch einmal leben zu können. So viele Fehler begangen worden sind, so viele bleiben unerledigt zurück. Die meisten Menschen vegetieren – sie leben nicht wirklich. Sie sammeln einfach nur Erfahrungen und reichern ihre Erinnerungen an. Erfahrung jedoch ist die Verleugnung der Wirklichkeit, die weder sinnlich noch konzeptuell, noch körperlich oder verstandesmäßig ist, obschon sie all dies beinhaltet und transzendiert. Frage: Aber Erfahrung ist äußerst wertvoll. Durch Erfahrung lernt man, nicht in eine Flamme zu fassen. Maharaj: Ich sagte Ihnen bereits, dass Wissen nützlich im Umgang mit Dingen ist. Es sagt Ihnen jedoch nichts darüber, wie Sie mit Menschen und sich selbst umgehen müssen; wie Sie ein Leben leben sollten. Wir sprechen nicht darüber, wie man ein Auto lenkt oder Geld verdient. Dafür benötigen Sie Erfahrung. Um aber ein Licht für sich selbst zu sein, kann materielles Wissen von keinem Nutzen für Sie sein. Um Sie selbst im wahren Sinne des Wortes zu sein, benötigen Sie etwas, was intimer und tiefer als das vermittelnde Wissen ist. Ihr äußeres Leben ist unwichtig. Sie können Nachtwächter werden und glücklich leben. Was Sie innen sind, ist das, was zählt -. Ihr innerer Friede und die Freude, die Sie daraus gewinnen. Dies ist viel schwieriger, als Geld zu verdienen. Keine Universität kann Sie lehren, Sie selbst zu sein. Der einzige Weg, dies zu lernen, besteht in der Praxis. Beginnen Sie sofort damit, Sie selbst zu sein. Verwerfen Sie alles das, was Sie nicht sind, und gehen Sie dann noch tiefer. So wie ein Mann, der einen Brunnen gräbt, alles verwirft, was nicht Wasser ist, bis er schließlich die wasserführende Schicht erreicht hat, so müssen Sie alles verwerfen,

was nicht Ihr eigen ist, bis nichts mehr vorhanden ist, das Sie ablegen können. Sie werden feststellen, dass das Übrigbleibende nichts ist, woran der Verstand festhalten kann. Sie sind nicht einmal ein menschliches Wesen. Sie sind einfach nur – ein Punkt des Gewahrseins – sich zusammen mit Zeit und Raum ausdehnend und doch über beides hinausgehend – die letzte Ursache; selbst unverursacht. Wenn Sie mich fragen würden: „Wer sind Sie“, würde meine Antwort lauten: „Nichts spezielles. Ich bin einfach nur“. Frage: Wenn Sie also nichts spezielles sind, dann müssen Sie also universell sein. Maharaj: Was bedeutet es, universell zu sein – nicht als Konzept, sondern als eine Art des Lebens? Nichts zu trennen – nichts gegeneinander zu stellen, sondern zu verstehen und zu lieben, was immer Ihnen begegnet – das ist universell leben. Um wahrhaftig sagen zu können: Ich bin die Welt, die Welt ist ich, Ich bin zuhause in der Welt, die Welt ist mein eigen. Jede Existenz ist meine Existenz, jedes Bewusstsein ist mein Bewusstsein, jede Sorge ist meine Sorge und jede Freude ist meine Freude - das ist universelles Leben. Und doch geht mein wirkliches Sein und auch Ihres, über das Universum hinaus, und daher auch über die Kategorien des Besonderen und Universalen. Es ist, wie es ist – total in sich selbst enthalten und unabhängig. Frage: Ich finde dies schwer zu verstehen. Maharaj: Sie müssen sich die Zeit nehmen, um über diesen Fragen zu brüten. All die alten Spuren des Denkens müssen in Ihrem Gehirn gelöscht werden, ohne dass sich neue bilden. Sie müssen erkennen, dass Sie selbst das Unbewegte hinter und jenseits des Bewegten sind, der stille Zeuge von allem, was geschieht. Frage: Bedeutet dies, dass ich alle Vorstellungen

eines aktiven Lebens aufgeben muss? Maharaj: Überhaupt nicht. Es kann eine Heirat geben, es kann Kinder geben, es kann das Geldverdienen geben, um die Familie zu unterhalten – all dies geschieht im natürlichen Verlauf der Ereignisse, denn das Schicksal muss sich selbst erfüllen. Gehen Sie ohne Widerstand da hindurch und sehen Sie den Tatsachen ins Auge, wie sie gerade kommen mögen - wachsam und gründlich – sowohl in kleinen wie in großen Dingen. Die allgemeine Haltung sollte die der leidenschaftlichen Leidenschaftslosigkeit sein, des absoluten Wohlwollens; ohne die Erwartung einer Belohnung; mit ständigem Geben ohne Erwartungen. Verheiratet sind weder der Gatte noch die Gattin, sondern beide sind die Liebe zwischen ihnen. Sie sind die Klarheit und Liebenswürdigkeit, die alles ordnet und glücklich macht. Vielleicht kommt Ihnen dies vage vor, aber wenn Sie ein wenig nachdenken, werden Sie feststellen, dass das Rätselhafte das Praktischste ist, weil es Ihr Leben auf kreative Weise glücklich macht. Ihr Bewusstsein wird auf eine höhere Stufe gehoben, von der aus Sie alles viel klarer und mit größerer Intensität sehen können. Sie erkennen, dass die Person, als die Sie geboren wurden, und die mit dem Tode sterben wird, zeitlich und unecht ist. Sie sind weder eine sinnliche, emotionale noch intellektuelle Person, die von Wünschen und Ängsten geschüttelt wird. Finden Sie Ihr wahres Sein. Wer bin ich? ist die fundamentale Frage aller Philosophie und Psychologie. Tauchen Sie tief in sie ein.

ErfahrungErfahrung istist nichtnicht wahrwahr

Maharaj: Der Sucher ist derjenige, der nach sich selbst sucht. Schon bald entdeckt er, dass er nicht sein Körper sein kann. Sobald die Überzeugung: „Ich bin nicht der Körper“ so fest gegründet ist, dass er nicht länger wie der Körper fühlen, denken oder handeln kann, wird er ganz leicht entdecken, dass er das universelle Sein, Wissen und Handeln selbst ist; dass erst in ihm und durch ihn das ganze Universum real, bewusst und aktiv ist. Dies ist das ganze Herz der Fragestellung. Entweder sind Sie körperbewusst und damit ein Sklave der Umstände – oder Sie sind das universelle Bewusstsein selbst, womit Sie die volle Kontrolle über jedes einzelne Ereignis haben. Jedoch weder Bewusstsein, ob individuell oder universell, ist meine wahre Heimstatt – ich bin weder darin, noch ist dies meins; in Mir gibt es kein „mich“. Ich bin jenseits dessen, obschon es nicht leicht zu erklären ist, wie man weder bewusst noch unbewusst, sondern einfach darüber hinausgehend sein kann. Ich kann weder sagen: Ich bin in Gott oder Ich bin Gott – Gott ist das universelle Licht und die Liebe, der universelle Zeuge. Ich bin sogar jenseits des Universellen. Frage: In diesem Fall wären Sie sogar ohne Name und Form. Welcher Art wäre dann Ihr Sein? Maharaj: Ich bin was ich bin; weder mit Form noch formlos; weder bewusst noch unbewusst. Ich befinde mich außerhalb all dieser Kategorien. Frage: Folgen Sie dabei dem Weg des neti-neti (nicht dies, nicht das)? Maharaj: Durch bloße Verneinung können Sie mich nicht finden. Ich bin ebenso alles wie auch nichts. Weder beides noch eines von beiden. Definitionen

wie diese gelten für den Herrn des Universums – nicht jedoch für mich. Frage: Wollen Sie dann damit sagen, dass Sie einfach nichts sind?

und

vollkommen. Ich bin das Seiende im Sein, das Wissende im Wissen, die Fülle im Glück. Auf Leere können Sie mich nicht reduzieren. Frage: Wenn Sie jenseits von Worten sind - worüber sprechen wir dann hier? Metaphysisch gesprochen, ergibt das, was Sie sagen, einen Sinn – da ist kein innerer Widerspruch. Aber in mir gibt es keinerlei Widerhall auf das, was Sie sagen. Frage: All dies ist so komplett weg von dem, dessen ich dringend bedarf. Ich frage nach Brot, und Sie geben mit Juwelen. Kein Zweifel - sie sind herrlich. Aber ich bin hungrig. Maharaj: So ist es aber nicht. Ich biete Ihnen genau das an, was Sie brauchen – das Erwachen. Sie sind weder hungrig noch brauchen Sie Brot. Sie benötigen ein Aufhören, Loslassen, eine Entwirrung. Was Sie für Ihre Bedürfnisse halten, ist nicht, was Sie brauchen. Ich weiß, wessen Sie bedürfen – Sie nicht. Sie benötigen eine Rückkehr in den Zustand, in dem ich mich befinde – in Ihren natürlichen Zustand. Alles andere, woran Sie denken mögen, ist nur eine Illusion und ein Hindernis. Glauben Sie mir - Sie benötigen nichts als zu sein, was Sie sind. Sie stellen sich vor, dass Sie Ihren Wert durch Erwerbungen erhöhen können. Es ist wie Gold, das sich vorstellt, dass eine Beimengung von Kupfer es verbessern würde. Eliminierung und Reinigung, Zurückweisen von allem, was Ihrer Natur fremd ist, genügen völlig. Alles andere ist nur Eitelkeit. Frage: Das ist leichter gesagt als getan. Ein Mann kommt zu Ihnen mit Magenschmerzen und Sie raten ihm, seinen Magen auszuspeien. Natürlich würde es

Maharaj:

Oh

nein!

Ich

bin

vollständig

ohne den Verstand keine Probleme geben. Jedoch er ist nun einmal da, und zwar auf recht handgreifliche Weise. Maharaj: Es ist der Verstand, der Ihnen erzählt, dass er da sei. Lassen Sie sich nicht täuschen. Alle diese endlosen Diskussionen über den Verstand werden vom Verstand zum Zwecke seiner eigenen Schutzes, seines Fortbestehens und seiner Vergrößerung selbst produziert. Nur die strikte Zurückweisung all dieser Windungen und Zuckungen des Verstandes kann Sie jenseits von ihm führen. Frage: Sir, ich bin ein bescheidener spiritueller Sucher, während Sie die Höchste Wirklichkeit selbst sind. Der Sucher möchte sich dem Höchsten nähern, um erleuchtet zu werden. Was aber tut das Höchste? Maharaj: Hören Sie einfach nur zu, was ich Ihnen zu erklären versuche, ohne davon abzuschweifen. Denken Sie die ganze Zeit darüber nach, und nur darüber. Wenn Sie dann bis dahin gekommen sind, geben Sie als nächstes alle Gedanken auf; nicht nur die an die Welt, sondern auch diejenigen über sich selbst. Nehmen Sie einen Standpunkt jenseits aller Gedanken ein, in stillem Sein-Gewahrsein. Es handelt sich nicht um eine Entwicklung, weil das, wohin Sie kommen, bereits in Ihnen ist und Sie erwartet. Frage: Sie sagen also, ich sollte versuchen, mit dem Denken aufzuhören und stetig in der Idee zu verbleiben: „Ich bin“. Maharaj: Ja, und welche Gedanken auch immer in Verbindung mit dem „Ich bin“ kommen mögen, die leeren Sie von jeder Bedeutung und beachten Sie überhaupt nicht. Frage: Ich habe viele junge Leute aus dem Westen kennen gelernt und festgestellt, dass es einen

grundlegenden Unterschied zwischen ihnen und den Indern gibt. Es sieht so aus, als sei ihre Psyche (antahkarana) anders. Konzepte wie Selbst, Wirklichkeit, reiner Verstand und universelles Bewusstsein versteht der indische Verstand sehr leicht. Sie klingen vertraut, und sie schmecken süß. Der westliche Verstand dagegen reagiert nicht auf sie – er scheint sie sogar zurückzuweisen. Er will gleich alles konkretisieren und sofort in den Dienst seiner Voreingenommenheiten stellen. Und die Werte dieser Voreingenommenheiten sind oftmals persönlich: Gesundheit, Wohlergehen, Gewinnstreben. Gelegentlich sind sie auch sozial, wie etwa eine bessere Gesellschaft und ein glücklicheres Leben für alle. Alle sind sie verbunden mit weltlichen Problemen persönlicher oder unpersönlicher Natur. Man trifft im Gespräch mit Westlern oft eine weitere Schwierigkeit an, nämlich das alles für sie eine Erfahrung ist – so wie sie Essen, Trinken und Frauen, Kunst und Reisen erfahren wollen, so wollen sie auch Yoga, Verwirklichung und Befreiung erfahren. Es ist für sie einfach nur eine weitere Erfahrung, die man kaufen kann. Sie stellen sich vor, dass man diese Erfahrung kaufen und über ihre Kosten verhandeln könnte. Sobald ein Guru „zu hohe Preise“ hat in Begriffen von Zeit und Anstrengung, gehen sie zu einem anderen, der „Ratenzahlung“ anbietet, die anscheinend sehr leicht zu erfüllen ist, aber mit unerfüllbaren Bedingungen überhäuft ist. Es ist die alte Geschichte davon, dass man beim Einnehmen der Medizin nicht an einen grauen Affen denken soll! In diesem Fall geht es nicht um das Denken an die Welt, das „Aufgeben aller Selbstbezogenheit“, die „Auslöschung des Verlangens“, ein „perfekter Mönch“ werden usw. Überall sieht man da auf allen Ebenen einen riesengroßen Betrug vor sich gehen, während die Ergebnisse gleich Null sind. Es gibt Gurus, die in schierer Verzweiflung sämtliche

Disziplin fahren lassen, keinerlei Bedingungen stellen, zur Mühelosigkeit raten, zu Natürlichkeit und einfachem Dasein in passivem Gewahrsein ohne jede Haltung eines „muss“ oder „darf nicht“. Und es gibt viele Schüler, deren frühere Erfahrungen sie dazu gebracht haben, sich selbst so sehr abzulehnen, dass sie einfach nicht mehr wirklich in sich selbst hineinschauen wollen. Sie sind entweder überdrüssig oder gelangweilt. Sie leiden unter einem Übermaß an Wissen; sie wollen etwas anderes. Maharaj: Lassen Sie sie nicht an sich selbst denken, wenn sie es nicht mögen. Lassen Sie sie bei einem Guru sein, ihn beobachten und an ihn denken. Bald schon werden sie eine Art von Seligkeit erfahren, ganz frisch und neu, die sie nie zuvor erfahren haben, außer vielleicht in der Kindheit. Die Erfahrung ist so unverwechselbar neu, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen und Interesse erzeugen wird. Sobald das Interesse einmal erwacht ist, wird sich eine vernünftige Herangehensweise entwickeln. Frage: Diese Leute sind überkritisch und argwöhnisch. Sie können gar nicht anders sein, das sie so viel vergebliches Lernen und Enttäuschung durchgemacht haben. Einerseits wollen sie Erfahrung, andererseits misstrauen sie ihr. Gott allein weiß, wie man sie noch erreichen kann! Maharaj: Wahrhafte Einsicht und Liebe wird sie erreichen. Frage: Sobald sie dann etwas spirituelle Erfahrung haben, taucht eine andere Schwierigkeit auf. Sie beklagen sich dann darüber, dass die Erfahrung nicht dauerhaft sei und auf völlig willkürliche Weise komme und gehe. Nachdem Sie einmal den Lutscher bekommen haben, wollen sie die ganze Zeit daran lutschen.

Maharaj: Erfahrung, wie sublim sie auch sein mag, ist nicht wirklich wichtig. Es liegt in ihrer Natur, dass sie kommt und geht. Die Selbst-Verwirklichung ist keine Erwerbung von etwas. Hier geht es mehr um eine bestimmte Art und Weise des Verstehens. Sobald sie einmal gereift ist, kann sie nicht mehr verlorengehen. Andererseits ist das Bewusstsein wechselhaft, fließend und in jedem Moment veränderlich und transformativ. Halten Sie nicht am Bewusstsein und seinen Inhalten fest. Ein angehaltenes Bewusstsein hört auf. Zu versuchen, einen Blitz der inneren Einsicht oder einen kurzen Ausbruch von Freude festzuhalten, zerstört das, was erhalten werden soll. Was kommt, muss auch wieder gehen. Das Dauernde ist jenseits von allem Kommen und Gehen. Gehen Sie zur Wurzel der Erfahrung selbst, zum Gefühl des Seins. Jenseits von Sein und Nicht-Sein liegt die Unermesslichkeit des Wirklichen. Versuchen Sie es wieder und wieder. Frage: Zum Versuchen braucht man Vertrauen. Maharaj: Zuerst muss es den Wunsch geben. Ist der Wunsch stark genug, wird auch die Bereitschaft zu Versuchen entstehen. Sobald der Wunsch stark ist, brauchen Sie keine Erfolgsgarantie mehr. Dann sind Sie bereit, alles aufs Spiel zu setzen. Frage: Starker Wunsch – starke Zuversicht. Läuft das nicht auf dasselbe hinaus? Diese Leute trauen ja weder ihren Eltern oder der Gesellschaft, sondern noch nicht einmal sich selbst. Alles was sie anfassen, wird zu Asche. Geben Sie ihnen eine absolut authentische, unbezweifelbare Erfahrung, die jenseits aller Argumente des Verstandes liegt, und sie werden Ihnen bis ans Ende der Welt folgen. Maharaj: Ich tue ja nichts anderes! Ohne Ende versuche ich ihre Aufmerksamkeit auf den einen unbestreitbaren Faktor zu lenken – den des Seins. Sein benötigt keine Beweise – es beweist sich von selbst. Wenn sie nur tief genug in die Tatsache des

Sein einsteigen und die Ungeheuerlichkeit und den Glanz entdecken könnten, zu denen das „Ich bin“ das Tor ist, und dann dieses Tor durchschreiten und jenseits davon gehen, dann würde ihr Leben voll Glück und Licht sein. Glauben Sie mir – die Anstrengung, die dies kostet, ist nichts im Vergleich mit den Entdeckungen, die auf sie warten. Frage: Was Sie sagen, ist die Wahrheit. Aber diese Leute haben weder Vertrauen noch Geduld. Schon eine kleine Bemühung ermüdet sie. Es ist wahrhaftig mitleiderregend zu sehen, wie sie blind umhertappen und doch unfähig sind, die helfende Hand zu ergreifen. Grundsätzlich sind sie wohl sympathische Leute, aber total verwirrt. Ich sage ihnen immer wieder: Ihr könnt die Wahrheit nicht nach eurem eigenen Kopf haben. Ihr müsst die Bedingungen akzeptieren. Darauf antworten sie dann: Einige akzeptieren die Bedingungen und andere eben nicht. Akzeptieren und Nicht- Akzeptieren ist oberflächlich und beliebig – Realität ist in allem – es muss doch einen Weg für alle geben, der etwas taugt, und zwar ohne alle Bedingungen. Maharaj: Es gibt einen solchen Weg, der allen auf allen Ebenen und in jeder Lebensweise offensteht. Jeder ist seiner selbst gewahr. Die Vertiefung und Erweiterung des Selbst-Gewahrseins ist der Königsweg für alle. Nennen Sie dies Achtsamkeit, Zeugenschaft oder einfach nur Wachsamkeit. Es ist ein Weg für alle. Niemand ist dafür zu unreif, und niemand kann versagen. Natürlich darf man nicht einfach nur aufmerksam sein. Ihre Achtsamkeit muss auch den Verstand einschließen. Die Zeugenschaft besteht hauptsächlich im Gewahrsein des Bewusstseins und seiner Bewegungen.

SuchenSuchen SieSie nachnach derder QuelleQuelle desdes BewusstseinsBewusstseins

Frage: Letztens haben wir über die Arbeitsweise des modernen westlichen Verstandes und die Schwierigkeiten bei der Anerkennung der Moral und intellektuellen Disziplin des Vedanta gesprochen. Eines der Hindernisse liegt in den Besorgnissen der jungen Europäer und Amerikaner über die katastrophalen Zustände in der Welt und das dringende Erfordernis, hier einzugreifen. Sie haben keine Geduld mit Menschen wie Ihnen, die als Vorbedingung für die Besserung der Welt die persönliche Selbstverbesserung predigen. Sie sagen, dass dies weder möglich noch nötig sei. Die Menschlichkeit ist bereit für einen Wandel der Systeme – sozial, ökonomisch oder politisch. Eine Welt-Regierung, eine Welt-Polizei, eine weltweite Planung und die Abschaffung aller physischen und ideologischen Barrieren sei genug – eine persönliche Transformation sei überflüssig. Kein Zweifel – die Menschen formen die Gesellschaft, aber die Gesellschaft formt auch die Menschen. In einer humanen Gesellschaft sind die Menschen human. Außerdem bietet die Wissenschaft die Antwort auf viele Fragen, die früher im Bereich der Religion lagen. Maharaj: Kein Zweifel - das Streben nach der Verbesserung der Welt ist wohl die lobenswürdigste Beschäftigung. Wenn sie selbstlos geschieht, klärt sie den Verstand und reinigt das Herz. Aber bald wird der Mensch erkennen, dass er nur einem Schatten hinterherläuft. Die örtliche und zeitweise Verbesserung ist immer möglich und auch unter dem Einfluss großer Könige oder Lehrer immer wieder erzielt worden. Bald jedoch gibt es ein Ende von all dem, das die Menschlichkeit in einen

Kreislauf des Elends führt. Es liegt in der Natur der Manifestation, dass das Gute und das Böse einander folgen und einander gleichwertig sind. Die wahre Zuflucht ist allein das Unmanifestierte. Frage: Empfehlen Sie damit nicht die Flucht? Maharaj: Im Gegenteil. Der einzige Weg zur Erneuerung liegt in der Zerstörung. Das alte Schmuckstück müssen Sie in formloses Gold einschmelzen, um ein neues erschaffen zu können. Nur die Leute, die über die Welt hinaus gegangen sind, können die Welt ändern. Anders herum kann es niemals geschehen. Die wenigen, die einen dauerhaften Einfluss hatten, waren sämtliche Kenner der Wirklichkeit. Erreichen Sie deren Ebene und sprechen Sie erst dann über Hilfe für die Welt.

nicht die Flüsse und Berge,

denen wir helfen möchten, sondern den Menschen. Maharaj: An der Welt ist nichts falsch, sondern an den Menschen, die sie schlecht gemacht haben. Gehen Sie zu ihnen und fordern Sie sie zu besseren Benehmen auf.

Frage: Verlangen und Furcht machen sie zu dem, was sie sind. Maharaj: Genau das. So lange menschliches Verhalten von Wunsch und Furcht gesteuert wird, gibt es nicht viel Hoffnung. Und um den Weg zu kennen, der die Leute effektiv erreicht, müssen Sie erst selbst frei von Verlangen und Furcht sein. Frage: Gewisse grundlegende Wünsche und Ängste wie diejenigen, die mit Nahrung, Sex und Tod verbunden sind, sind doch unvermeidbar. Maharaj: Es sind lediglich Bedürfnisse, und sie sind als solche sehr leicht zu beherrschen. Frage: Ist denn auch der Tod ein Bedürfnis?

ein

fruchtbares Leben gehabt haben, empfinden Sie

Frage: Es sind

ja

Maharaj:

Wenn

Sie

lange

gelebt

und

sogar die Notwendigkeit zu sterben. Verlangen und Furcht werden nur bei falschem Verstehen destruktiv. Verlangen Sie einfach nach dem Richtigen und fürchten Sie das Falsche. Jedoch wenn die Menschen das Falsche wünschen und das Richtige fürchten, erzeugen sie Chaos und Verzweiflung.

Frage: Was ist richtig und was falsch? Maharaj: Relativ ausgedrückt: Was Leiden verursacht, ist falsch, und was es erleichtert, ist richtig. Absolut gesprochen: Was Sie zurück zur Wirklichkeit bringt, ist richtig, und was die Wirklichkeit verdunkelt, ist falsch.

die

Unterstützung des Humanen reden, dann meinen wir den Kampf gegen Unordnung und Leiden. Maharaj: Letztlich reden Sie aber nur vom Helfen. Haben Sie schon jemals einem einzigen Menschen wirklich geholfen? Haben Sie jemals einer einzigen Seele über die Notwendigkeit weiterer Hilfe hinaus geholfen? Können Sie einem Menschen einen Charakter verleihen, der mindestens auf der vollen Realisierung seiner Pflichten und Möglichkeiten, wenn nicht sogar auf der Einsicht in sein wahres Sein basiert? Wenn Sie nicht wissen, was gut für Sie selbst ist – wie können Sie dann wissen, was gut für andere ist?

zum

Lebensunterhalt wäre doch für alle gut. Sie mögen Gott sein, aber auch Sie benötigen einen gut genährten Körper, um zu uns sprechen zu können. Maharaj: Es sind Sie selbst, der meinen Körper benötigt, damit er zu Ihnen spricht. Ich bin weder mein Körper noch benötige ich ihn. Ich bin lediglich der Zeuge. Ich habe keine eigene Gestalt. Sie sind so an den Gedanken gewöhnt, sich selbst für Körper zu halten, die Bewusstsein haben, dass Sie sich

Frage:

Wenn

wir

über

das

Helfen

und

Frage:

Das

Minimum

der

Mittel

einfach nicht vorstellen können, sich als Bewusstsein zu denken, das Körper hat. Sobald Sie realisieren, dass die körperliche Existenz nichts als ein Zustand im Verstand, eine Bewegung im Bewusstsein ist, dass der Ozean des Bewusstseins ewiglich und unendlich ist, und das Sie im Kontakt mit Bewusstsein nur der Zeuge sind, dann werden Sie in der Lage sein, sich völlig hinter das Bewusstsein zurückzuziehen. Frage: Uns wurde gesagt, dass es viele Ebenen der Existenz gibt. Betreten und verlassen Sie alle diese Ebenen nach Gutdünken? Sind Sie, während Sie auf der Erde sind, gleichzeitig im Himmel (swarga)? Maharaj: Ich bin nirgendwo zu finden! Ich bin kein Ding, dem man einen Platz unter den anderen Dingen geben könnte. Alle Dinge sind in mir, aber ich selbst bin nicht unter den Dingen. Sie erzählen mir etwas über den Gebäudeaufbau, während ich mit den Fundamenten befasst bin. Die Aufbauten werden errichten und stürzen wieder zusammen, während die Fundamente dauerhaft sind. Am Vergänglichen bin ich nicht interessiert, während Sie dagegen von nichts anderem sprechen. Frage: Sehen Sie mir bitte die folgende seltsame Frage nach. Wenn jemandem mit einem rasiermesserscharfen Schwert Sie plötzlich ernsthaft am Kopf verletzen würde, was würde dies für Sie für einen Unterschied machen? Maharaj: Gar keinen. Der Körper verliert seinen Kopf und bestimmte Nervenverbindungen werden durchtrennt – das ist alles. Zwei Leute telefonieren miteinander, und plötzlich wird der Draht durchgeschnitten. Den Leuten geschieht nichts – sie müssen lediglich nach anderen Möglichkeiten der Kommunikation suchen. Die Bhagavad Gita sagt:

„Das Schwert schneidet es nicht“. Das ist wörtlich so. Es liegt in der Natur des Bewusstseins, seine

Ausdrucksträger zu überleben. Es ist wie beim Feuer: Es verbrennt das Benzin, aber nicht sich selbst. So wie ein Feuer einen ganzen Berg Brennstoff verbrennen kann, so überlebt das Bewusstsein zahllose Körper. Frage: Der Brennstoff nährt die Flamme. Maharaj: So lange er vorhanden ist. Ändern Sie die Art des Brennstoffs und die Farbe und das Aussehen der Flamme ändern sich auch. Wir reden hier miteinander. Dafür wird Gegenwärtigkeit benötigt – wenn wir nicht gegenwärtig sind, können wir uns nicht unterhalten. Jedoch Gegenwärtigkeit allein genügt nicht. Es muss außerdem den Wunsch zu sprechen geben. Letztlich sollten wir stets bewusst bleiben. Wir können noch so viel Leiden und alle Demütigungen erleben, aber wir sollten stets bewusst bleiben. Solange wir uns nicht gegen dieses heftige Verlangen nach Erfahrung stellen und alles Manifestierte fahrenlassen, solange wird es auch keine Hilfe geben. Wir würden stets gefangen bleiben. Frage: Sie sagen, dass Sie einerseits der stille Zeuge und andererseits jenseits des Bewusstseins wären. Ist dies nicht ein Widerspruch in sich selbst? Wenn Sie jenseits des Bewusstseins sind – was bezeugen Sie dann? Maharaj: Ich bin bewusst und unbewusst, sowohl bewusst als auch unbewusst, weder bewusst noch unbewusst – alles dieses bezeuge ich. In Wirklichkeit gibt es jedoch keinen Zeugen, da es nichts gibt, was zu bezeugen wäre. Ich bin vollständig leer von allen mentalen Formen, leer des Verstandes – und doch voll bewusst. Auf diese Art versuche ich meinen Ausspruch auszudrücken, dass ich jenseits des Verstandes sei. Frage: Aber wie kann ich dann Kontakt mit Ihnen

aufnehmen? Maharaj: Seien Sie sich des Bewusst-Seins bewusst und suchen Sie nach der Quelle des Bewusstseins. Das ist alles. Es gibt nur sehr wenig, was man in Worten ausdrücken könnte. Was das Licht bringt, ist nicht das, was ich Ihnen sage, sondern dass Sie tun, wie ich gesagt habe. Die Mittel spielen keine so große Rolle - es ist der Wunsch, der Drang, die Ernsthaftigkeit, die zählen.

DieDie VergänglichkeitVergänglichkeit istist derder PrüfsteinPrüfstein desdes UnwirklichenUnwirklichen

Frage: Mein Freund ist Deutscher und ich bin in England von französischen Eltern geboren worden. Ich bin seit einem Jahr in Indien und wandere von Ashram zu Ashram.

Praktiken

(sadhanas)? Frage: Studieren und meditieren. Maharaj: Über was meditieren Sie? Frage: Über das, was ich lese. Maharaj: Gut. Frage: Was tun Sie, Sir? Maharaj: Ich sitze. Frage: Was sonst? Maharaj: Ich spreche. Frage: Worüber sprechen Sie? Maharaj: Wollen Sie Unterricht? Fragen Sie besser nach etwas, was wirklich wichtig für Sie ist, so dass Sie ein starkes Empfunden haben können. Solange Sie nicht emotional involviert sind, können Sie wohl mit mir argumentieren, aber es wird kein echtes Verstehen zwischen uns geben. Wenn Sie sagen: „es gibt nichts, was mich beunruhigt; ich habe keine Probleme“, dann ist dies in Ordnung für mich und wir können schweigen. Aber falls es etwas gibt, was Sie wirklich bewegt, dann ist Sprechen sinnvoll.

Darf ich Sie etwas fragen? Worin liegt der Sinn, wenn Sie sich von Ort zu Ort bewegen?

treffe Leute und versuche sie zu

Maharaj:

Irgendwelche

spirituellen

Frage:

Ich

verstehen.

Maharaj:

Welche

Art

Leute

versuchen

Sie

zu

verstehen? Wonach suchen Sie?

Frage: Integration. Maharaj: Wenn Sie Integration wünschen, müssen Sie wissen, wen Sie integrieren möchten. Frage: Indem man Leute trifft und sie beobachtet, kann man auch dahin kommen, sich selbst kennen zu lernen. Es geht Hand in Hand. Maharaj: Es geht nicht notwendigerweise Hand in Hand. Frage: Der eine verbessert den anderen.

Maharaj: So funktioniert das nicht. Der Spiegel reflektiert das Bild, aber das Bild verbessert den Spiegel nicht. Sie sind weder der Spiegel noch das Bild im Spiegel. Indem Sie den Spiegel so perfektionieren, dass er auf wahrhaftige, korrekte Weise reflektiert, können Sie ihn schließlich umdrehen und in ihm eine wahre Reflektion Ihrer selbst erkennen – wahr so weit, wie der Spiegel zu reflektieren in der Lage ist. Jedoch sind Sie nicht die Reflektion – Sie sind der Seher der Reflektion. Dies müssen Sie klar verstehen: Was immer Sie auch wahrnehmen – Sie sind nicht das Wahrgenommene.

und die Welt ist das

Bild? Maharaj: Sie können sowohl das Bild und den Spiegel sehen. Sie sind weder das eine noch das andere. Wer sind Sie? Lösen Sie diese Frage nicht durch Schemata. Die Antwort liegt nicht in Worten. Was Sie in Worten maximal ausdrücken können, ist:

Ich bin das, was die Wahrnehmung ermöglicht; ich bin das Leben jenseits des Erfahrenden und seiner Erfahrung. Können Sie sich dann selbst sowohl vom Spiegel als auch vom Bild im Spiegel trennen und vollständig allein für sich verbleiben - nur für sich selbst seiend? Frage: Nein, das kann ich nicht.

Frage: Bin ich der Spiegel

Maharaj: Woher wissen Sie, dass Sie es nicht können? Es gibt so viele Dinge, die Sie tun, ohne zu wissen, wie Sie sie tun. Ihre Verdauung, der Kreislauf Ihres Blutes und der Lymphe, Ihre Bewegungen mit Hilfe der Muskeln – alles dies geschieht ohne Ihr Wissen. Auf dieselbe Weise nehmen Sie wahr, fühlen Sie, und denken Sie, ohne zu wissen, weshalb und wie. Ähnlich dazu sind Sie auch Sie selbst, ohne es zu wissen. Es ist nichts falsch mit Ihnen als dem Selbst. Es ist, was es ist. Es ist der Spiegel, der nicht rein und wahr ist, und der daher falsche Bilder spiegelt. Sie müssen sich nicht selbst verbessern – richten Sie nur Ihre Idee von sich selbst neu aus. Lernen Sie, sich selbst vom Bild und vom Spiegel zu trennen, indem Sie sich immer erinnern: Ich bin weder der Verstand noch seine Ideen. Tun Sie dies geduldig und mit Überzeugung, und Sie werden gewiss zu einer unmittelbaren Schau Ihrer selbst als die Quelle des Seins gelangen – wissend, liebend, ewiglich, allumfassend und alldurchdringend. Sie sind das Unendliche, dass sich in einem Körper darstellt. Im Moment sehen Sie nur den Körper. Arbeiten Sie ernsthaft und eines Tages werden Sie nur noch das Unendliche sehen. Frage: Dauert die Erfahrung de Wirklichkeit, wenn sie eines Tages kommt, an? Maharaj: Alle Erfahrung ist notwendigerweise vergänglich. Aber die Grundlage aller Erfahrung ist unbeweglich. Nichts, was ein Ereignis genannt wird, dauert an. Jedoch manche Ereignisse reinigen den Verstand, während andere ihn beschmutzen. Momente tiefer Einsicht und allumfassender Liebe reinigen den Verstand, während Wünsche und Ängste, Neid und Ärger, blinder Glaube und intellektuelle Arroganz die Psyche verseuchen und abstumpfen.

Frage:

Ist

Selbst-Verwirklichung

wirklich

so

wichtig?

Maharaj: Ohne sie werden Sie von Ihren Wünschen und Ängsten verfolgt - sie wiederholen sich in völliger Sinnlosigkeit und verursachen endlose Leiden. Die meisten Leute wissen nichts davon, dass sie dem Schmerz ein Ende bereiten können. Sobald sie dann die gute Nachricht vernommen haben, dann ist das Beste, was sie tun können, allen Hader und Kampf hinter sich zu lassen. Sie wissen, dass sie frei sein können. Nun liegt es bei Ihnen. Entweder bleiben Sie für immer hungrig und durstig, suchen, verlangen, tasten umher, halten fest, verlieren und bekümmern sich auf ewig, oder Sie gehen mutig auf die Suche nach der zeitlosen Vollkommenheit, der nichts hinzugefügt und nichts weggenommen werden kann. Dort sind alle Wünsche und Ängste abwesend; nicht etwa, weil sie aufgegeben worden sind, sondern weil sie ihre Bedeutung verloren haben.

Frage: Bis hierhin kann ich Ihnen folgen. Was soll ich nun tun? Maharaj: Es gibt nichts zu tun. Seien Sie einfach. Tun Sie nichts. Seien Sie. Klettern Sie nicht auf Berge und sitzen Sie nicht in Höhlen. Ich sage nicht einmal: „sei du selbst“, da Sie sich selbst nicht kennen. Seien Sie einfach nur. Indem Sie sehen, dass Sie weder die „äußere Welt“ des Wahrnehmbaren noch die „innere“ Welt des Denkbaren, dass Sie weder Körper noch Verstand sind – seien Sie einfach.

der

Verwirklichung. Maharaj: Es gibt keine Schritte zur Selbst- Verwirklichung. Da sind keinerlei Grade oder Stufen. Es passiert plötzlich und ist unumkehrbar. Sie wechseln in eine neue Dimension über, von der aus Sie die frühere als bloße Abstraktion erkennen. So wie Sie bei einem Sonnenaufgang die Dinge so sehen, wie sie sind, so sehen Sie bei der Selbst-

Frage:

Es

gibt

doch

gewiss

Grade

Verwirklichung alles so, wie es ist. Die Welt der Illusionen liegt hinter Ihnen. Frage: Ändern sich im Zustand der Verwirklichung die Dinge noch? Werden Sie farbiger und bedeutungsvoller? Maharaj: Die Erfahrung ist wohl so, aber es ist nicht die Erfahrung der Wirklichkeit (sadanubhav), sondern der Harmonie (satvanubhav) des Universums. Frage: Trotzdem gibt es doch da ein Fortschreiten. Maharaj: Ein Fortschreiten kann es nur in der Vorbereitung (sadhana) geben – die Verwirklichung ist plötzlich. Die Frucht reift langsam und fällt ohne Wiederkehr plötzlich vom Baum. Frage: Physisch und mental bin ich im Frieden. Was brauche ich mehr? Maharaj: Vielleicht befinden Sie sich noch nicht im letzten Zustand. Sie werden die Rückkehr zum natürlichen Zustand daran erkennen, dass es eine komplette Abwesenheit aller Wünsche und Ängste gibt. An der Wurzel aller Wünsche und Ängste liegt das Empfinden, nicht zu sein, was Sie sind. So wie ein verrenkter Arm nur so lange schmerzt, so lange er nicht eingerenkt ist, und vergessen wird, nachdem er wieder in Ordnung gebracht wurde, so ist alle Selbst-Bezogenheit ein Symptom einer mentalen Störung, die verschwindet, sobald man im normalen Zustand ist. Frage: Ja, aber worin besteht das sadhana zum Erreichen des natürlichen Zustands? Maharaj: Halten Sie am Gefühl „Ich bin“ fest, indem Sie alles andere ausschließen. Sobald der Verstand auf diese Weise komplett still geworden ist, leuchtet er in einem neuen Licht und vibriert mit einem neuen Wissen. Alles kommt spontan – Sie brauchen nur am „Ich bin“ festzuhalten. So wie nach

dem Erwachen aus dem Schlaf oder einer Ekstase fühlen Sie sich ausgeruht und können doch nicht erklären, weshalb und wie es kam, dass Sie sich so wohl fühlen. In derselben Weise fühlen Sie sich nach der Verwirklichung vollständig, erfüllt, frei vom Schmerz-Vergnügen-Problem, und ebenfalls nicht gänzlich in der Lage, was weshalb und wie passiert ist. Sie können es nur in negativen Begriffen ausdrücken: „Nichts ist mehr falsch an mir“. Nur durch den Vergleich mit der Vergangenheit können Sie wissen, dass Sie es hinter sich haben. Sie sind einfach nur noch Sie selbst. Versuchen Sie nicht, es anderen zu erklären. Falls Sie es können, dann ist nichts Wahres daran. Seien Sie still und beobachten Sie es, wie es sich selbst in Aktion zum Ausdruck bringt. Frage: Wenn Sie mir erklären würden, wie ich werden sollte, könnte mir dies bei der Beobachtung meiner Entwicklung helfen. Maharaj: Wie könnte Ihnen irgendjemand erklären, wie Sie werden sollten, wenn es doch kein Werden gibt? Sie entdecken einfach nur, was Sie sind. Alles Formen von sich selbst in ein vorgegebenes Muster ist nur ein verdrießliches Verschwenden von Zeit. Denken Sie weder an die Vergangenheit noch an die Zukunft – seien Sie einfach.

sein?

Veränderungen gibt es immer. Maharaj: Veränderungen sind unvermeidlich im Veränderlichen, aber Sie sind dem nicht unterworfen. Sie sind der wandellose Hintergrund, von dem aus Veränderungen wahrgenommen werden.

Frage: Alles wandelt sich, auch der Hintergrund. Es gibt keine Notwendigkeit dazu, einen wandellosen Hintergrund zum Wahrnehmungen von Änderungen zu haben. Das Selbst ist momentan –

Frage:

Wie

kann

ich

denn

einfach

nur

es ist bloß der Punkt, wo die Vergangenheit die Zukunft trifft.

Maharaj: Natürlich ist ein auf die Erinnerung gegründetes Selbst nur momentan. Jedoch setzt ein solches Selbst eine ungebrochene Kontinuität dahinter voraus. Sie wissen aus der Erfahrung, dass es dort Lücken gibt, wo Sie Ihr Selbst vergessen haben. Wodurch kommt es dann wieder ins Dasein? Was weckt Sie am Morgen? Es muss einen konstanten Faktor geben, der die Lücken im Bewusstsein überbrückt. Wenn Sie sorgfältig beobachten, werden Sie feststellen, dass Ihr tägliches Bewusstsein wie ein Aufblitzen ist; mit alle Zeit darin vorkommenden Lücken. Was ist in den Lücken? Was kann anderes darin sein als Ihr wahres Sein, das zeitlos ist, und für welches Verstand und Verstandlosigkeit ein und dasselbe sind. Frage: Gibt es irgend einen besonderen Ort, den Sie mir empfehlen würden, um nach spirituellen Zielen zu suchen? Maharaj: Der einzig richtige Ort ist innen. Die äußere Welt hilft weder noch behindert sie dabei. Kein System, kein Tätigkeitsmuster kann Sie an Ihr Ziel bringen. Geben Sie alles Arbeiten an einer Zukunft auf, konzentrieren Sie sich völlig auf das Jetzt, seien Sie nur mit Ihrer eigenen Antwort auf jeden Moment des Lebens, wie es geschieht, befasst.

Drangs,

umherzuwandern? Maharaj: Es gibt keine Ursache. Sie träumen lediglich, dass Sie umherwandern. In einigen Jahren wird Ihnen Ihr Aufenthalt in Indien wie ein Traum vorkommen. Dann träumen Sie wieder irgend einen anderen Traum. Erkennen Sie, dass es nicht Sie selbst sind, der von Traum zu Traum wandert, sondern dass die Träume vor Ihnen ablaufen und Sie

Frage:

Was

ist

die

Ursache

dieses

selbst der unbewegliche Zeuge sind. Kein Geschehen kann Ihr wahres Sein berühren – dies ist die absolute Wahrheit.

physisch

bewegen und stetig nach innen gewandt sein? Maharaj: Das können Sie, aber zu welchem Zweck? Wenn Sie nur ernsthaft genug sind, werden Sie erkennen, dass Sie am Ende nur des Umherwanderns überdrüssig sind und die Verschwendung an Zeit und Energie bedauern. Um Ihr Selbst zu finden, brauchen Sie keinen einzigen Schritt zu gehen. Frage: Gibt es einen Unterschied zwischen der Erfahrung des Selbst (atman) und des Absoluten (brahman)? Maharaj: Es kann keine Erfahrung des Absoluten geben, da es über alle Erfahrung hinausgeht. Andererseits ist das Selbst der in jeder Erfahrung von jedermann erfahrene Faktor, und von daher in gewisser Weise die Bestätigung der Vielfalt der Erfahrungen. Die Welt mag voll vieler Dinge von großem Wert sein, aber es gibt niemanden, der sie kaufen könnten – sie haben keinen Preis. Das Absolute enthält alles Erfahrbare, aber ohne die Erfahrung sind sie wertlos. Das, was die Erfahrung möglich macht, ist das Absolute. Was sie wirklich macht, ist das Selbst. Frage: Können wir das Absolute nicht durch einen Prozess schrittweiser Erfahrung erreichen? Indem wir z.B. mit der gröbsten beginnen und mit der sublimsten enden? Maharaj: Es kann keine Erfahrung ohne einen Wunsch danach geben. Es kann Grade der Wünsche geben, aber zwischen dem sublimsten Wunsch und der Freiheit von allen Wünschen ist eine Kluft, die überwunden werden muss. Das Unwirkliche mag wirklich erscheinen, aber es ist vergänglich. Das

Frage:

Aber

kann

ich

mich

nicht

Wirkliche fürchtet sich nicht vor der Zeit. Frage: Ist das Unwirkliche nicht der Ausdruck des Wirklichen? Maharaj: Wie kann das sein? Es ist, als würde man sagen, dass die Wahrheit sich selbst in Träumen ausdrückt. Für das Wirkliche ist das Unwirkliche nicht. Es erscheint als wirklich nur deshalb, weil Sie daran glauben. Bezweifeln Sie es – und es wird verschwinden. Wenn Sie in jemanden verliebt sind, geben Sie dem eine Wirklichkeit. Sie stellen sich Ihre Liebe als allmächtig und ewig vor. Wenn es dann endet, sagen Sie: „Ich dachte, es wäre wirklich, aber das war es nicht.“ Die Vergänglichkeit ist der Prüfstein des Unwirklichen. Was in Zeit und Raum begrenzt und nur für eine einzelne Person gültig ist, ist nicht wirklich. Das Wirkliche ist für immer und ewig. Sie schätzen sich selbst über alles. Sie würden nichts im Austausch für Ihre Existenz akzeptieren wollen. Der Wunsch zu sein ist der stärkste aller Wünsche. Er geht erst dann, wenn die Verwirklichung Ihrer wahren Natur da ist. Frage: Sogar im Unwirklichen gibt es doch eine Spur des Wirklichen. Maharaj: Ja, die Wirklichkeit, die Sie ihr verleihen, indem Sie an sie glauben. Sobald Sie sich einmal von etwas überzeugt haben, sind Sie an Ihre Überzeugung gebunden. Wenn die Sonne scheint, erscheinen die Farben. Wenn sie untergeht, verschwinden sie wieder. Was wären die Farben ohne das Licht? Frage: Das wäre ein Denken in Dualität. Maharaj: Alles Denken ist in der Dualität. In der Identität überlebt kein einziger Gedanke.

GottGott istist dasdas EndeEnde allenallen VerlangensVerlangens undund allenallen WissensWissens

(Text in der Ausgabe vom Kamphausen-Verlag enthalten)

ImIm Selbst-GewahrseinSelbst-Gewahrsein lerntlernt manman sichsich selbstselbst kennenkennen

Frage: Unser aller oftmalige Erfahrung ist es, dass die Schüler dem Guru viel Schaden zufügen. Sie machen lauter Pläne, die sie dann ohne Berücksichtigung der Wünsche des Gurus ausführen. Am Ende gibt es dann nur endlose Probleme für den Guru und Kummer bei den Schülern. Maharaj: Ja, das stimmt. Frage: Wer zwingt den Guru dazu, sich diesen Würdelosigkeiten zu unterwerfen? Maharaj: Der Guru ist grundsätzlich ohne alle Wünsche. Er sieht, was geschieht, fühlt aber keinen Drang einzugreifen. Er hat keine Vorlieben und trifft keine Entscheidungen. Als reiner Zeuge beobachtet er alles, was vor sich geht, und bleibt unberührt. Frage: Aber sein Werk leidet. Maharaj: Am Ende ist ihm stets der Sieg sicher. Er weiß, dass die Schüler, die nicht von seinen Worten lernen, aus ihren Fehlern lernen werden. Im Innern bleibt er stets still und schweigend. Er hat kein Gefühl davon, eine getrennte Person zu sein. Das gesamte Universum ist sein einschließlich seiner Schüler mit ihren kleinen Plänen. Es gibt nichts, was ihn besonders betrifft, oder, was auf dasselbe hinausläuft, das gesamte Universum betrifft ihn in allem in gleichem Maße. Frage: Gibt es nicht so etwas wie die Gnade des Gurus? Maharaj: Seine Gnade ist konstant und universell. Sie wird nicht dem einen gegeben und dem anderen nicht. Frage: Auf welche betrifft mich dies persönlich?

Maharaj: Es geschieht durch die Gnade des Gurus, dass Ihr Gemüt sich der Suche nach der Wahrheit zuwendet, die Sie schließlich durch seine Gnade finden. Sie arbeitet im Hintergrund und beständig für Ihr letztliches Wohl. Und dies gilt für alle. Frage: Manche Schüler sind reif und bereit und andere nicht. Muss der Guru dann nicht eine Wahl und Entscheidungen treffen? Maharaj: Der Guru kennt das höchste Ziel und treibt den Schüler schonungslos in seine Richtung. Der Schler ist voller Hindernisse, die er selbst überwinden lernen muss. De Guru ist nicht so sehr mit all den Oberflächlichkeiten im Leben des Schülers befasst. Es ist wie bei der Schwerkraft: Der Apfel muss fallen, sobald er nicht länger zurückgehalten wird. Frage: Wenn der Schüler nicht das Ziel kennt, wie kann er dann die Hindernisse beseitigen? Maharaj: Das Ziel wird vom Guru gezeigt, während die Hindernisse vom Schüler entdeckt werden. Der Guru hat keinerlei Vorlieben, aber diejenigen, die Hindernisse zum Überwinden in sich trage, kommen nicht hinterher. In Wahrheit ist der Schüler nicht unterschieden vom Guru. Er ist selbst dasselbe dimensionslose Zentrum der Wahrnehmung und tätiger Liebe. Nur seine eigene Vorstellung und Selbst-Identifizierung mit dem Vorgestellten schließt ihn ein und verwandelt ihn in eine Person. Der Guru macht sich nur wenig Gedanken um die Person. Seine Aufmerksamkeit liegt auf dem inneren Zuschauer. Es ist die Aufgabe des inneren Zuschauers, die Person zu verstehen und gegebenenfalls zu eliminieren. Auf der einen Seite muss es Gnade geben, und auf der anderen muss es eine Hingabe an die Sache geben. Frage: Die Person möchte aber nicht eliminiert

werden.

Maharaj: Die Person ist nur das Ergebnis eines Missverständnisses. In der Wirklichkeit gibt es so etwas wie die Person nicht. Gefühle, Gedanken und Handlungen laufen vor dem Zuschauer in endloser Folge ab. Sie hinterlassen im Gehirn Spuren und erzeugen die Illusion von Kontinuität. Eine Reflektion des Zuschauers im Gemüt erzeugt dann das Gefühl des „Ich“. Die Person erwirbt dadurch eine anscheinend unabhängige Existenz. In Wirklichkeit gibt es keine Person – nur den Zuschauer, der sich selbst mit dem „Ich“ und dem „mein“ identifiziert. Der Lehrer sagt dem Zuschauer: Dies bist du nicht, darin ist nichts von Dir selbst außer dem winzigen Punkt des „Ich bin“, der die Brücke zwischen dem Beobachter und seinem Traum darstellt. „Ich bin dies, ich bin das“ ist nur ein Traum, während das reine „Ich bin“ das Siegel der Wirklichkeit trägt. Sie haben so viele Dinge gekostet – alle werden zunichte werden. Allein das Gefühl „Ich bin“ dauert an – unverändert. Bleiben Sie angesichts der Veränderlichen beim Unveränderlichen, bis Sie fähig sind, darüber hinaus zu gehen. Frage: Was wird dann als nächstes geschehen?

die

Hindernisse beseitigt haben. Frage: Welche Hindernisse? Maharaj: Das Verlangen nach dem Falschen und die Furcht vor dem Wahren. Sie als Person stellen sich vor, dass der Guru an Ihnen als einer Person interessiert sei. Überhaupt nicht. Für Ihn sind Sie eine Plage und ein Ärgernis für sich selbst, das beseitigt werden muss. Tatsächlich arbeitet er an Ihrer Beseitigung als einen Faktor im Bewusstsein. Frage: Und wenn ich dann eliminiert bin – was wird dann sein? Maharaj: Nichts wird bleiben – alles wird bleiben.

Maharaj:

Es

wird

geschehen,

sobald

Sie

Das Gefühl der Identität wird bleiben, aber nicht länger in der Form einer Identifikation mit einem bestimmten Körper. Sein – Gewahrsein – Liebe wird in vollem Licht erblühen. Bei der Befreiung wird niemals die Person befreit, sondern sie ist im Gegenteil eine Befreiung von der Person. Frage: Und bleiben keinerlei Spuren der Person zurück? Maharaj: Es bleibt eine vage Erinnerung, wie die an einen Traum oder die frühe Kindheit. Woran sollte man sich schließlich noch erinnern? Es ist ja alles nur ein Fluß von Ereignissen – die meisten davon zufällig und bedeutungslos. Eine Abfolge von Wünschen, Ängsten und unwichtigen Irritationen. Was gäbe es, dass einer Erinnerung wert wäre? Die Person ist nichts als eine Schale, in der Sie eingesperrt sind. Brechen Sie die Schale auf. Frage: An wen richten Sie Ihre Aufforderung, die Schale aufzubrechen? Wer soll die Schale aufbrechen? Maharaj: Durchbrechen Sie die Fesseln der Erinnerung und der Selbst-Identifizierung, und die Schale wird von selbst aufbrechen. Es gibt ein Zentrum, das allem, was es wahrnimmt, Wirklichkeit mitteilt. Alles was Sie brauchen, ist das Verstehen, dass Sie die Quelle der Wirklichkeit sind; das Sie selbst die Wirklichkeit verleihen, anstatt diese zu bekommen; dass Sie keinerlei Unterstützung oder Bestätigung benötigen. Die Dinge sind wie sie sind, weil Sie sie so akzeptieren, wie sie Ihnen erscheinen. Hören Sie damit auf, sie zu akzeptieren, und sie werden sich auflösen. Was immer Sie wünschen oder fürchten, wird vor Ihren Augen als wirklich auftauchen. Schauen Sie es ohne Verlangen und Furcht an – und es wird seine ganze Substanz verlieren. Vergnügen und Schmerz sind nur momentan. Es ist viel einfacher und leichter, sie zu ignorieren als darauf zu reagieren.

Frage: Wenn alle Dinge schließlich an ihr Ende kommen, wozu tauchen Sie denn überhaupt auf? Maharaj: Das Erschaffen liegt in der Natur des Bewusstseins. Bewusstsein verursacht Erscheinungen. Die Wirklichkeit liegt jenseits des Bewusstseins. Frage: Wenn wir uns der Erscheinungen doch bewusst sind – wie kann es dann geschehen, dass wir uns ihrer nicht als bloße Erscheinungen bewusst sind? Maharaj: Der Verstand verdeckt die Wirklichkeit, ohne davon zu wissen. Um die Natur des Verstandes kennen zu lernen, benötigen Sie Intelligenz, die Fähigkeit zur stillen Betrachtung des Verstandes und leidenschaftsloses Gewahrsein. Frage: Wenn ich die Natur allesdurchdringenden Gewahrseins habe, wie können dann all diese Unwissenheit und Illusionen zu mir gekommen sein? Maharaj: Weder Unwissenheit noch Illusionen sind jemals zu Ihnen gekommen. Finden Sie das Selbst, dem Sie die Unwissenheit und Illusion zuschreiben, und Ihre Frage wird beantwortet sein. Sie sprechen so, als würden Sie das Selbst kennen, und so sehen Sie es unter einem Schleier von Unwissenheit und Illusion begraben. Tatsache ist jedoch, dass Sie weder das Selbst kennen noch der Unwissenheit gewahr sind. Werden Sie gewahr – dies wird Sie zum Selbst bringen, und Sie werden erkennen, dass in ihm weder Unwissenheit noch Illusion sind. Es ist als würde man sagen: Wenn da die Sonne ist, wie kann es dann Dunkelheit geben? Wie es unter einem Stein dunkel ist, wie stark auch das Sonnenlicht sein mag, so muss es im Schatten des „Ich-bin-der- Körper“-Bewusstseins zwangläufig Dunkelheit geben. Frage: Aber weshalb ist das Körperbewusstsein überhaupt entstanden?

Maharaj: Fragen Sie nicht „weshalb“, sondern „wie“. Es liegt in der Natur der schöpferischen Vorstellungskraft, sich selbst mit seinen Schöpfungen zu identifizieren. Sie können dies jederzeit stoppen, indem Sie die Aufmerksamkeit darauf abschalten. Oder Sie erzielen es durch Erforschung.

der

Erforschung? Maharaj: Als erstes erzeugen Sie die Welt, dann wird das „ich bin“ eine Person, die aus verschiedenen Gründen nicht besonders glücklich ist. Sie wandert herum auf der Suche nach dem Glück, und trifft den Guru, der ihr sagt: „Sie sind keine Person – finden Sie heraus, wer Sie sind.“ Er tut es und geht darüber hinaus.

Frage:

Kommt

die

Erschaffung

vor

Frage: Weshalb tut er es nicht von Anfang an?

Sinn. Er

brauchte jemanden, der es ihm erzählte. Frage: War das dann ausreichend? Maharaj: Das war ausreichend. Frage: Und warum funktioniert es in meinem Fall nicht? Maharaj: Sie vertrauen mir nicht. Frage: Weshalb ist mein Vertrauen so schwach? Maharaj: Verlangen und Furcht haben Ihr Gemüt stumpf gemacht. Es muss geschärft werden. Frage: Wie kann ich mein Gemüt denn klarer machen? Maharaj: Durch unnachsichtige Beobachtung. Unaufmerksamkeit verdunkelt, Aufmerksamkeit klärt. Frage: Weshalb treten die indischen Lehrer für die Inaktivität ein? Maharaj: Die meisten Beschäftigungen der

Maharaj: Es

kommt

ihm nicht

in

den

Menschen sind wertlos oder sogar direkt destruktiv. Da sie von Furcht und Verlangen dominiert werden, können sie für nichts gut sein. Das Gute beginnt damit, dass man das Böse aufgibt. Daher kommt die Notwendigkeit, alle Aktivitäten für eine gewisse Zeit einzustellen, die eigenen Wünsche und Motive zu erforschen, zu sehen, was falsch im eigenen Leben läuft, das Gemüt von allem Bösen zu reinigen und dann die Tätigkeit wieder aufs neue aufzunehmen, indem man mit den offensichtlichsten Pflichten beginnt. Falls Sie eine Gelegenheit haben, irgend jemandem zu helfen, tun Sie es auf jeden Fall und sofort – lassen Sie ihn nicht warten, bis Sie perfekt sind. Aber versuchen Sie nicht, ein professioneller Wohltäter zu werden.

Frage: Ich habe nicht das Gefühl, dass es unter den Schülern besonders viele Gutes-Tuende gibt. Die meisten von denen, die ich getroffen habe, sind in ihre eigenen kleinen Konflikte vertieft. Sie haben kein Herz für andere. Maharaj: Diese Selbstbezogenheit ist nur zeitweise. Seien Sie geduldig mit diesen Menschen. Sie haben so viele Jahre lang ihre Aufmerksamkeit allem möglichen außer sich selbst gegeben. Geben Sie ihnen die Chance, sich sich selbst zuzuwenden, um einen Wandel herbeizuführen.

sind die Früchte des Selbst-

Gewahrseins? Maharaj: Sie werden intelligenter in allem. Im Gewahrsein beginnen Sie zu lernen. Im Selbst- Gewahrsein lernt man sich selbst kennen. Natürlich können Sie immer nur lernen, was Sie nicht sind. Um zu wissen, was Sie sind, müssen Sie jenseits des Verstandes gehen.

Frage: Ist Gewahrsein nicht bereits jenseits des Verstandes? Maharaj: Gewahrsein ist der Punkt, an dem der

Frage:

Was

Verstand über sich selbst hinauslangt in die Wirklichkeit. Im Gewahrsein suchen Sie nicht nach dem, was erfreut, sondern nach dem, was wahr ist. Frage: Ich finde, dass das Gewahrsein einen Zustand der inneren Stille entstehen lässt; einen Zustand psychischer Leere. Maharaj: Es ist in Ordnung, wie es sich anfühlt, aber es ist nicht genug. Haben Sie ein Gefühl für die allumfassende Leere, in der das Universum treibt wie eine Wolke am blauen Himmel? Frage: Sir, lassen Sie mich erst einmal dahin kommen, meinen eigenen inneren Raum gut kennenzulernen. Maharaj: Zerstören Sie die trennende Mauer, die Idee „Ich bin der Körper“, und das Innere und Äußere werden eins. Frage: Werde ich dabei sterben? Maharaj: Die physische Zerstörung ist unwichtig. Es ist das Hängen am sinnlichen Leben, welches Sie bindet. Wenn Sie die innere Leere vollständig erfassen können, ist die Explosion in die Totalität nahe. Frage: In meiner eigenen spirituellen Erfahrung gibt es Jahreszeiten. Manchmal fühle ich mich glorreich, dann bin ich wieder am Boden. Ich bin dann wie ein kleiner Junge – es geht auf und ab, auf und ab. Maharaj: Alle Wandel im Bewusstsein sind auf die Idee „Ich bin der Körper“ zurückzuführen. Ein Gemüt, dass dieser Idee beraubt worden ist, wird stetig. Da ist dieses reine Sein – frei von allen besonderen Erfahrungen. Um es aber zu erkennen, müssen Sie tun, was Ihr Lehrer Ihnen rät. Bloßes Zuhören, auch nur Erinnern, genügt nicht. Wenn Sie nicht hart dafür kämpfen, jedes einzelne gehörte Wort in Ihrem Alltag anzuwenden, dann dürfen Sie

sich auch nicht beklagen, wenn Sie keine Fortschritte machen. Aller wahrer Fortschritt ist unumkehrbar. Hochs und Tiefs zeigen nur, dass die Lehre noch nicht das Herz erreicht hat und noch nicht vollständig in Tätigkeit übersetzt wurde.

Frage: Letztens haben Sie uns gesagt, dass es so etwas wie Karma nicht gäbe. Und doch sehen wir, dass alle Dinge ihre Ursache haben, und dass die Gesamtsumme aller Ursachen sehr wohl Karma genannt werden kann. Maharaj: So lange Sie daran glauben, ein Körper zu sein, so lange werden Sie allem Ursachen zuschreiben. Ich habe nicht gesagt, dass Dinge keine Ursachen haben. Jedes Ding hat zahllose Ursachen. Es ist wie es ist, weil die Welt so ist wie sie ist. Jede Ursache in allen ihren Verzweigungen enthält das ganze Universum. Wenn Sie erkennen, dass Sie absolut frei sind, zu sein, was Sie sein möchten, dass Sie aufgrund von Unwissenheit und Illusion das sind, als was Sie erscheinen, dann liegt es bei Ihnen, ob sie revoltieren und ändern. Sie gestatten sich selbst, etwas zu sein, was Sie nicht sind. Sie suchen nach den Ursachen eines Seins, das Sie nicht sind! Es ist eine fruchtlose Suche. Es gibt keine Ursachen außer Ihrer Unwissenheit über Ihr wahres Sein, das vollkommen und über alle Verursachung hinausreicht. Was auch immer geschieht – alles im Universum ist die Ursache, während Sie selbst die Ursache des Universums sind. Frage: Ich weiß nichts darüber, die Ursache des Universums zu sein. Maharaj: