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Neue Anforderungen an die Aufsichtsbehörden aufgrund von Änderungen im

Obligationenrecht und weiteren Neuerungen

Die stetigen Veränderungen in der Gesetzgebung führen dazu, dass es für alle Akteure
zunehmend schwieriger wird, den Überblick über die Neuerungen und deren Auswirkungen
auf die Praxis zu behalten. Dies gilt nicht zuletzt auf für die Aufsichtsbehörden über
Stiftungen und Einrichtungen der beruflichen Vorsorge. So war denn die traditionelle Aus-
und Weiterbildungsveranstaltung der Konferenz der kantonalen BVG- und
Stiftungsaufsichtsbehörden vom 24. April 2008 in Bern mit mehr als 65 TeilnehmerInnen aus
praktisch allen Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein gut besucht. Neben den
Änderungen aufgrund der neuen Handelsregisterverordnung und der neu ausgestalteten
Revisionsaufsicht wurden insbesondere auch die geänderten OR-Bestimmungen behandelt.
Ein Schwerpunkt stellte dabei das interne Kontrollsystem (IKS) dar, welches bei klassischen
Stiftungen direkt aus der Prüf- bzw. Bestätigungspflicht der Revisionsstelle abgeleitet werden
kann. Bei den Einrichtungen der beruflichen Vorsorge ist ein IKS ebenfalls notwendig, ergibt
sich aber aus einer anderen gesetzlichen Grundlage. Dabei kann folgendes festgehalten
werden:

Die spezialgesetzlichen Bestimmungen des BVG und seiner Verordnungen gehen Art. 728a
und 728b OR, welche ein IKS und die Prüfung und Bestätigung desselben durch die
Revisionsstelle verlangen, vor. Eine (direkte) Anwendbarkeit der OR-Bestimmungen auf
Vorsorgeeinrichtungen scheidet daher aus.

Registrierte Vorsorgeeinrichtungen müssen jedoch aufgrund von Art. 6 lit.d BVV1 über ein
IKS verfügen. Das IKS ist als Teil der rechtmässigen Geschäftsführung von der
Revisionsstelle zu prüfen und in der Bestätigung der Rechtsmässigkeit der Geschäftsführung
enthalten.

Auch nicht registrierte Vorsorgeeinrichtungen müssen über ein geeignetes System interner
Kontrollen verfügen, da dies zwingend zu einer sachgemässen Organisation gehört. Die
sachgemässe Organisation ihrerseits ist Teil der rechtmässigen Geschäftsführung und somit
in der Bestätigung der Rechtmässigkeit der Geschäftsführung durch die Revisionsstelle
enthalten.

Dabei ist aber zu beachten, dass die zukünftige zum IKS nach Art. 728a und 728b OR
entwickelte Lehre, Praxis und Rechtsprechung aufgrund der spezialgesetzlichen
Bestimmungen des BVG nicht einfach linear und unbesehen auf Vorsorgeeinrichtungen
angewendet werden können wird.

Dr. Christina Ruggli-Wüest


Präsidentin der Konferenz der
Kantonalen BVG- und Stiftungs-
aufsichtsbehörden