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„Und die Sintflut gab es doch“


Buchbesprechung zu A. Tollmann & E. Tollmann:
Und die Sintflut gab es doch.
Vom Mythos zur historischen Wahrheit.
Droemer Knaur, München, 1993

von Thomas Fritzsche

Einführung darunter die Dinosaurier und Ammoniten. Massen-


Seit knapp eineinhalb Jahrzehnten wird in den Erd- sterben hat es in der Erdgeschichte wiederholt gege-
wissenschaften und mehreren benachbarten Diszipli- ben. Während an der Kreide/Tertiär-Grenze bis zu
nen mit großem Einsatz der Frage nachgegangen, wie 65 % aller damals lebenden Arten ausgestorben sein
Impakt-Ereignisse das Geschehen auf der Erde beein- sollen, waren es an der Perm/Trias-Grenze 90-95 %
flussen. Seit Jahrhunderten diskutiert, aber in den aller Arten. Bis heute bleibt umstritten, was schließ-
Folgen letztlich über- oder unterschätzt, war die Be- lich die Ursachen der Massensterben waren und über
deutung von Meteoriteneinschlägen für die Evolution welchen Zeitraum sie sich erstreckten. Im Falle eines
der Lebewesen und der Erde von vielen Wissen- Impakts sollte man am besten von einem Auslöser und
schaftlern heruntergespielt oder einfach nicht beachtet verschiedensten Ursachen (Verbrennen, Erfrieren,
worden. Zwar wurden größere Meteoriteneinschläge Verhungern etc.) sprechen.
nicht generell geleugnet, es fehlte aber an klar er- Ein Impakt an der K/T-Grenze gilt heute als si-
kennbaren Hinweisen auf ihre Wirksamkeit. Die Ent- cher: die Iridiumanomalie, weitere charakteristische
deckung einer erhöhten Konzentration des in Meteo- Isotopenverhältnisse, das Vorkommen von Quarzen
riten stärker angereicherten Elementes Iridium in mit Schocklamellen, Hochdruck-Modifikationen von
mehreren Grenztonlagen zwischen den geologischen Quarz, große Mengen Ruß im Grenzton und das Vor-
Formationen Kreide und Tertiär veranlaßte Alvarez kommen extraterrestrischer Aminosäuren sind neben
und Mitarb. (1980), den Einschlag (Impakt) eines dem drastischen Faunen- und Florenschnitt selbst kla-
Asteroiden zu dieser Zeit anzunehmen; das Ausster- re Hinweise auf einen gewaltigen äußeren Einfluß. In
ben zahlreicher Tiergruppen wäre dann als unmittel- jüngster Zeit hat man auch den zum Impakt gehören-
bare Folge dieser gewaltigen Katastrophe erklärbar. den Krater auf der Yucatan-Halbinsel gefunden. Für
keinen anderen Impakt hat man Indizien in dieser
Fülle sammeln können, obwohl auf der Erde rund 150
Aussage des Buches
Krater bekannt sind. Und kein anderer Faunenschnitt
Das Autorenehepaar ist davon überzeugt, daß die in der Erdgeschichte läßt sich so sicher mit einem Im-
zahlreichen Überlieferungen aus den verschiedensten pakt verknüpfen. Sofern es sich bei Impaktoren um
Kulturen praktisch übereinstimmend von einem bzw. Kometen handelt, die durch den Aufprall größtenteils
mehreren Impakterlebnissen berichten. Ausgehend verdampfen, dürfte der Nachweis ohnehin schwierig
von den inzwischen erforschten möglichen Auswir- sein.
kungen des Kreide/Tertiär-Impaktes wird in den Die Folgen eines Impakts sind heute zumindest im
Überlieferungen nach Beschreibungen genau dieser Modell umfassend erforscht; der Aufprall eines Ge-
Auswirkungen gefahndet. Auffällig ist, wie viele Tra- schosses aus dem All würde eine Explosionsdruck-
ditionen Elemente enthalten, die sich eigentlich nur welle gefolgt von einem Hitzeorkan auslösen, Gift-
als Beschreibung eines Impakts deuten lassen. Gerade gaswolken, Glutregen und Weltenbrand hätten ver-
die anschließenden Überflutungen (die „Sintflut“) bil- heerende Auswirkungen, wochenlange Regenfälle
den einen wichtigen Bestandteil. und Meereswellen, die sich beim Auflaufen auf die
Küste kilometerhoch türmen, würden ein sintflutarti-
Der Kreide/Tertiär-Impakt ges Szenario erzeugen, der in die Stratosphäre ge-
Die Kreide/Tertiär-Grenze (K/T-Grenze) markiert den schleuderte Staub bewirkt eine Wochen oder Monate
Übergang vom Erdmittelalter (Mesozoikum) zur Erd- währende Dunkelheit, der anfänglichen Hitze folgt ei-
neuzeit (Känozoikum). Die Untersuchung von damals ne drastische Abkühlung mit ausgedehnten Schnee-
ausgeflossenen Basalten lieferte ein radiometrisches fällen; schließlich werden vom Impakt Erdbeben nicht
Modellalter von rund 65 Millionen Jahren. Zu dieser vorstellbaren Ausmaßes ausgelöst (S. 10).
Zeit sind einige sehr bekannte Tierarten ausgestorben,

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INFORMATIONEN 3/94
Die Autoren liefern eine eindrucksvolle Schilde- ben vieler Tiergruppen nur dem Impakt zuschreiben
rung der inzwischen durchgespielten Szenarien an der (Thies, 1991).
Wende Kreide/Tertiär; anschließend suchen sie in den Aussagen zum christlichen Weltbild
Mythen der Völker nach Beschreibungen eben dieser Der biblische Sintflutbericht ist sicher das bekannteste
Szenarien – und werden fündig. Ob persisch, indisch, Dokument, in dem eine weltweite Flut bezeugt wird.
asiatisch oder indianisch, die Menschen von den Fi- Bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde nur ver-
dschi-Inseln bis Feuerland scheinen eine Erinnerung einzelt Kritik an der globalen Wirkung der Flut geäu-
an diese Vorgänge zu haben und viele, wie z.B. die ßert; im 18. und 19. Jahrhundert verkam das Flut-
Aborigenes in Australien, schildern überraschende ereignis in den Wertungen der meisten Theologen und
Details. Was am deutlichsten hervortritt, sind die Pa- Naturforscher zunehmend zu einer lokalen, keines-
rallelen in den Schriften aus aller Welt, die unbeein- wegs einzigartigen Überschwemmung. Im vorliegen-
flußt von den Schilderungen in der Bibel beispiels- den Werk werden die Sintflutberichte vieler Kulturen
weise von einer Sintflut berichten. Dieses Charakteri- gewissermaßen rehabilitiert, es darf wieder global ge-
stikum war von den Vertretern der biblischen Sintflut dacht werden. Zwar sehen die Autoren im biblischen
schon wiederholt herausgearbeitet worden, ohne die Bericht eine orientalisch ausgeschmückte Version, in
gebührende Anerkennung zu finden. der ebenso wie in anderen Überlieferungen das Über-
leben auf einem Schiff nur symbolisch zu verstehen
An welchen Stellen ist Vorsicht gebo- sei (das Arche-Noah-Problem sei die absurdeste aller
ten? religiös-wissenschaftlichen Debatten des 19. Jahrhun-
derts, S. 393), doch die Allgemeinheit der Sintfluttra-
Thematische Vielfalt
dition beweise die Allgemeinheit der Katastrophe
Trotz der Länge von über 500 Seiten werden viele
selbst (S. 428).
Themen nur angerissen und ganz sicher unvollständig
Neben dem biblischen Sintflutbericht, den die
abgehandelt. Vor allem am Ende des Buches, wenn es
Autoren als veränderte Beschreibung der Katastrophe,
um Atlantis, Stonehenge, Pyramiden, Sphinx uvm.
aber nicht als Strafgericht betrachten, werden dem
geht, ist man geneigt, den Autoren einen „Allerklä-
Schöpfungsbericht und der Offenbarung des Johannes
rungsanspruch“ zu unterstellen. Zwar behaupten sie,
größere Bedeutung beigemessen. Der Schöpfungsbe-
mit ihren Ausführungen nur weitere Forschungsar-
richt soll die Neubesiedlung nach der großen Kata-
beiten anregen zu wollen, doch scheinen sie von ihrer
strophe, die Rückkehr zu normalen Verhältnissen be-
Interpretation – stets im Sinne eines Sintflut-Impakts –
schreiben. In der Offenbarung wird ganz offensicht-
überzeugt. Ihre Kritik an anderen Autoren, die eben-
lich ein Impaktgeschehen geschildert. Allerdings wird
falls eine Lösung für zahlreiche Probleme angeboten
die prophetische Schau nur als eine Aufarbeitung alter
haben (Velikovsky, Whitcomb & Morris), ist zwar be-
Berichte gesehen. Symbolcharakter haben Schlange,
rechtigt, dennoch müssen sich Tollmann & Tollmann
Regenbogen und Leviathan.
selbst eben dieser Kritik stellen. Es bleibt abzuwarten,
Den Theologen wird empfohlen, in der Frage der
welche Themenkomplexe letztlich im Rahmen einer
Sintflutdeutung wieder zum Alten Testament zurück-
Impaktfolge deutbar erscheinen.
zukehren (S. 365). Ansonsten solle man aber die Un-
Vulkanismus-Hypothese gereimtheiten des Alten Testaments abwerfen und
Als Alternative zur Impakt-Hypothese wurde einige sich ganz auf die Lehre Jesu im Neuen Testament be-
Jahre lang die Vulkanismus-Hypothese gehandelt. schränken (S. 389). Die Wertung biblischer Texte
Etwa zu der Zeit, als der Impakt an der Kreide/Tertiär- folgt keiner klaren Linie: Einmal werden sie sehr ernst
Grenze erfolgte, ergossen sich enorme Mengen heißer genommen, dann wieder als von orientalischer Phan-
Lava über eine weite Fläche des heutigen Indien. Da tasie umrankt angesehen (S. 18), und schließlich gilt
man an einem Vulkan auf Hawaii festgestellt hatte, als Arbeitsprinzip, bibelähnliche Texte aus der Be-
daß die vulkanischen Gase auch Iridium enthalten, lag trachtung herauszunehmen, denn sie könnten durch
der Verdacht nahe, die weltweite Iridium-Anomalie missionarische Einflüsse die ursprüngliche Überliefe-
könnte auch vulkanisch bedingt sein. In der Dezem- rung verfälscht haben.
berausgabe 1990 von „Spektrum der Wissenschaft“ Den Ursprung von Religion an sich, des metaphy-
werden die beiden Hypothesen noch nebeneinander sischen Denkens der Menschen, sehen sie im Urer-
behandelt. Die Forschungsergebnisse aus der zweiten lebnis der schrecklichen Impaktfolgen. Das unerklär-
Hälfte der 80er Jahre (u.a. geschockte Quarze, Hoch- liche Geschehen sei als Strafe der Götter gedeutet
druckminerale von Quarz) machten die Vulkanismus- worden. In verschiedensten Ausprägungen wurde das
Hypothese zunehmend unwahrscheinlich. Im Toll- Impakterleben verarbeitet, konserviert und Maßnah-
mann-Buch wird sie in wenigen Sätzen verworfen; men ergriffen, um die Götter zu besänftigen. Offen-
dennoch bleibt zu erwähnen, daß die Paläontologen kundig verlangten die Götter nach Menschenleben, so
große Bedenken anmelden, wollte man das Ausster- seien die Menschenopfer zu deuten. Als Fortsetzung
der Menschenopfer sehen sie die „Blutkulthandlung“

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des christlichen Abendmahles (S. 491) an. Denn wie vor (S. 378), was ein gemeinsames Vorgehen der
sollte ein liebender Gott am Opfertod seines Sohnes Menschen erfordert, unseren nächsten Entwicklungs-
Gefallen finden (S. 451), überhaupt: was ist das für schritt, oder die konzentrierten radioaktiven Substan-
ein grausamer Gott, der solch unverzeihliche, unüber- zen in Reaktoren, Endlagern und Aufbereitungsanla-
bietbare Greuel an seinen Geschöpfen zuläßt (S. gen werden mit dem nächsten Impakt freigesetzt und
431)? Hier fällt auf, daß die Autoren nicht nur histori- garantiert das Ende für die Menschheit bedeuten.
sche und prophetische Aussagen der Bibel in ihre Es muß jedoch bedacht werden, daß der langwäh-
Überlegungen einbeziehen, sondern unter Mißachtung rende Überlebenskampf nach den fürchterlichen Im-
der gesamten theologischen Diskussion auch den paktfolgen, der tägliche Kampf kranker Menschen
Kern des Evangeliums in die Impaktwirkungen inte- gegen den Hunger und die widrigen äußeren Bedin-
grieren wollen. gungen, vermutlich jegliche Überlieferung unterbun-
Ihre religiösen Anschauungen den haben, weil einfach keine Zeit und Gelegenheit
Will man allen Überlieferungen gerecht werden und waren, um die Nachkommenschaft ausreichend zu
ihre Bedeutung entschlüsseln, wird man zwangsläufig unterrichten. Die Konservierung von Wissen und das
eine Weltreise durch nahezu alle religiösen Strömun- Festhalten an gewissen Traditionen ist zwar gerade
gen antreten. Daß der biblische Beitrag dann nur als auch bei äußerer Bedrängnis wichtig für den Zusam-
einer unter vielen gewertet wird, ist methodisch ver- menhalt einer Menschengruppe, aber in extremen Si-
tretbar; allerdings erscheinen manche Interpretationen tuationen ist eher der Verlust erworbener Fähigkeiten
gewagt und erklären sich nur aus mangelnder Ver- und Kenntnisse zu erwarten. Eine Verinnerlichung
trautheit mit den zentralen Elementen der biblischen des Impakterlebens, eine dauerhafte Prägung des Be-
Botschaft. Abgesehen von negativen Äußerungen wußtseins, nur so können die zeitlichen Lücken zwi-
zum christlichen Weltbild verhalten sich die Autoren schen Impakt und Niederschrift verstanden werden –
eher neutral; an einigen Stellen ist eine leichte Ten- und genau hier verlassen die Autoren die Ebene wis-
denz zu asiatischen Vorstellungen (z.B. das Drachen- senschaftlicher Arbeitsweise in Richtung geistig wirk-
symbol als Dekoration in einem Wiener Chinarestau- samer Kräfte – welcher Kräfte?!
rant, S. 466) zu vermuten.
Dennoch ist eine „religiöse“ Position unüberseh- Alternativen
bar: Die Möglichkeit von Visionen wollen die Auto- Die vielen Gemeinsamkeiten in den Berichten können
ren nicht grundsätzlich ausschließen (S. 430). An ei- sicherlich als Hinweise auf erlebte Großkatastrophen
ner Präkognition, einem Vorauswissen zukünftiger gedeutet werden. Demnach hätte nur eine geringe
Ereignisse, zweifeln die Autoren nicht (S. 433). Die Zahl der damals lebenden Menschen in entlegenen
Entwicklungsgeschichte des Lebens sei nicht streng Gegenden diese Katastrophen überlebt. In einigen Be-
materialistisch-mechanistisch zu verstehen, vor allem richten werden Aussagen über die Richtung gemacht,
dürfe das Prinzip der geistig-seelischen Kraft des aus der die Schrecken auf die Menschen zurollten; je
Weltgeistes (S. 422) nicht unbeachtet bleiben. nach damaligem Besiedlungsgebiet wären unter-
Zeitdifferenz zwischen Impakterlebnis und schiedliche Richtungsangaben zu erwarten, was sich
Aufzeichnung aus einigen Äußerungen herauslesen läßt. Das welt-
Das größte Fragezeichen steht hinter der enormen weite Einsetzen heftiger Schneefälle muß auf der
zeitlichen Differenz zwischen dem Erleben und der Nord- und Südhalbkugel der Erde zu verschiedenen
schriftlichen Dokumentation des Impaktgeschehens. Jahreszeiten eingetreten sein; genau dies kommt in
Die Folgen der Kometeneinschläge müssen für die den Berichten zum Ausdruck. Aber selbst wenn die
Überlebenden so schockierend gewesen sein, daß sie Überlieferungen eine Verteilung der Menschheit über
sich regelrecht ins menschliche Bewußtsein einge- die gesamte Erde vor den Impakten nahelegen, wäre
brannt haben. Genau auf diese These setzt das Ehe- zu überlegen, ob die Ähnlichkeiten in den Berichten
paar Tollmann, und hier wird es äußerst problema- auch andere Deutungen zulassen. Eine denkbare Al-
tisch. Sollten die Menschen ihre Erlebnisse in zum ternative wäre darin zu sehen, daß die Überlieferun-
Teil stark abgewandelter Form tatsächlich 6000-8000 gen von einem Ort ausgingen; nur eine kleine Zahl
Jahre mündlich tradiert und erst in den letzten Jahr- von Menschen hätte die Katastrophe in einer be-
tausenden schriftlich niedergelegt haben, so muß man stimmten Region überlebt. Die Erinnerung daran wäre
eine „Evolution des Bewußtseins“ annehmen. Die auch nach der anschließenden Ausbreitung der
schrecklichen Erlebnisse wären dann Anlaß für einen Menschheit in den verschiedensten Ausschmückun-
Entwicklungsschritt vom unbesorgten Menschsein hin gen erhalten geblieben.
zum gottsuchenden und -fürchtenden Menschen, also Diese Alternative ist nicht mehr als eine Spekula-
das Entstehen von Religion (S.447). Hinsichtlich un- tion, sie hebt einzelne Aspekte hervor und stellt ande-
serer Zukunft stehen wir übrigens vor der Wahl: Ent- re in den Hintergrund. Doch wäre zu bedenken, daß
weder beugen wir den nächsten möglichen Impakten die Autoren bei ihrer Auswahl der überlieferten Texte
ebenfalls selektiv vorgehen: Der Impakt soll nachge-

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wiesen werden, ist aber zugleich das Unterschei- oder vermuteten Impaktfolgen zu messen und die üb-
dungskriterium für den Wahrheitsgehalt der Berichte. rigen Passagen nur als schmückendes Beiwerk gelten
Dabei scheiden sowohl Berichte ohne Impaktmerk- zu lassen. Kritisch bleibt zu vermerken, daß ein fach-
male als auch unterstellte Zusätze, z.B. die Erzählun- lich ansprechendes Buch durch die Wahl des Verlages
gen von einer Rettungsarche, aus. Würde man die (Droemer Knaur) die Aufmerksamkeit einer breiten
Texte ähnlich selektiv unter einer anderen Hypothese Leserschaft gegen die Analyse durch die Fachleute
werten, z.B. Wiederausbreitung der Menschheit nach ausspielt. Dies könnte sich daraus erklären, daß es
einem Flutereignis, so könnten die Beobachtungs- dem Ehepaar Tollmann neben der rein fachlichen
richtungen und auch Angaben über die Jahreszeit Auseinandersetzung auch um die Vermittlung einer
nachträglich hinzugekommen sein und den Hinweisen Botschaft geht. Trotzdem: Die angerissenen Probleme
auf eine Arche würde stattdessen größere Bedeutung müssen in den nächsten Jahren unter neuen Gesichts-
zukommen. Außerdem bleibt zu überlegen, ob in den punkten diskutiert werden – „Und die Sintflut gab es
Berichten nicht zeitlich versetzte Erlebnisse zusam- doch“ liefert wertvolle Ansätze.
mengefaßt wurden.
Die zweite Alternative wäre darin zu sehen, daß Literatur
die zeitliche Stellung der Impaktereignisse mit 9545 Alvarez, L.W.; Alvarez, W.; Asaro, F.; Michel, H.V.
Jahren vor heute hinterfragt werden müßte. Wenn die (1980): Extraterrestrial cause for the Cretaceous-
in den Überlieferungen beschriebenen Begebenheiten Tertiary extinction. Science 208, 1095-1108.
im wesentlichen auf das gleiche Erlebnis hinweisen
Alvarez, W. & Asaro, F. (1990): Die Kreide-Tertiär-
und in vielen Fällen zugleich noch so frisch wirken,
Wende: ein Meteoriteneinschlag? Spektrum der
könnte es angemessen sein, die Ursache in einem weit
Wissenschaft, Dez., 52-59.
jüngeren Geschehen zu suchen. Auch wenn diese
Überlegung zunächst nicht von naturkundlichen Be- Courtillot, V.E. (1990): Die Kreide-Tertiär-Wende:
obachtungen gestützt werden kann, sind die zahlrei- verheerender Vulkanismus? Spektrum der Wissen-
chen Berichte von Völkern aus aller Welt allein schon schaft, Dez., 60-69.
ein wichtiges Indiz für außergewöhnliche geologische Thies, D. (1991): Das Phänomen des Massenausster-
Ereignisse. Der von den Autoren eingeschlagene bens in der Erdgeschichte. Die Geowissenschaften
Weg, die Impaktfolge derart weit zurückzudatieren 9, 49-56.
und lange Phasen mündlicher Überlieferung zu po-
Vom gleichen Autor erhältlich:
stulieren, strapaziert das Vorstellungsvermögen des
„Anmerkungen zum Buch ,Erde im Aufruhr‘ von
nüchternen Betrachters und könnte dazu führen, daß
Immanuel Velikovsky“ (Disk.-Beitr. 4/94) – ist bei
den Mythen selbst die Anerkennung als teilweise hi-
den unten angegebenen Adressen oder im Internet
storische Dokumente verweigert wird – eine Behand-
(s.u.) erhältlich.
lung, die sie zweifellos nicht verdienen.
Geowissenschaftliche Fachtagungen der Studienge-
Abschließende Wertung meinschaft Wort und Wissen finden jährlich statt. In-
formationen bei: Dr. Martin Ernst, Lerchenfeldstr. 47,
Das Buch hinterläßt einen insgesamt positiven Ein-
D-79199 Kirchzarten, Tel. 07661/7022.
druck. Die Aufarbeitung der Forschungsergebnisse
zum Kreide/Tertiär-Impakt und weiterer geologischer Weitere Exemplare dieses Blatts können kostenlos angefordert werden
Aspekte von einem qualifizierten Geologenehepaar bei: SG WORT UND WISSEN, Rosenbergweg 29, D-72270 Baiersbronn,
sind ausgesprochen lesenswert. Die Zusammenstel- Tel. 0 74 42 / 8 10 06 (Fax 8 10 08), oder bei W+W-Medienstelle,
Heimgarten 2163, CH-8180 Bülach.
lung von Impaktmerkmalen aus verschiedenen Über- Für Kosten bei Abnahme größerer Mengen wird eine Spende erbeten:
lieferungen und der mögliche Bezug zu tiefgreifenden Sparkasse Hagen BLZ 450 500 01, Kto. 128 041 660; Postfinance CH-
menschlichen Erfahrungen ist sicherlich berechtigt. 4040 Basel, Kto. 80-76159-5.
Zweifelhaft ist die angewandte Methode: den Wahr- Internetadresse: http://www.wort-und-wissen.de
Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, 1994 – kopieren erlaubt!
heitsgehalt der Überlieferungen an heute erforschten

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