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Rudolf Steinhaus, Beiträge zur Fotografie

Faszination Schwarzweiß
Ein Handbuch für Amateure

1
2
Rudolf Steinhaus

FASZINATION SCHWARZWEISS
Ein Handbuch für
fortgeschrittene Amateure

SEPTEMBER 2002

3
„Schwarzweiß ist Farbe genug.“
Barbara Klemm

Barbara Klemm (*27. Dezember 1939 in Münster//Westfalen)


ist eine deutsche Fotografin und Journalistin. Sie war von 1970
bis zu ihrer Pensionierung 2005 Redaktionsfotografin der FAZ
in Frankfurt a.M. Barbara Klemm zählt zu den bedeutendsten
deutschen Fotografen der Nachkriegsperiode. Ihre
Schwarzweißbilder sind eindrucksvollste Dokumente zur
Zeitgeschichte und verbinden die Reportage mit künstlerisch
gestalteter Darstellung der Motive. Barbara Klemm ist
Preisträgerin des Max-Beckmann-Preises 2010 der Stadt
Frankfurt a.M.

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Inhalt
Vorwort Seite 6
Kapitel 1 Fotografie und Licht, Begriffe Seite 7
Kapitel 2 Schwarzweiß-Fotografie Seite 51
Eine praktische Einführung
Kapitel 3 Schwarzweiß-Arbeiten in der Dunkelkammer Seite 101
Praktische Hinweise
Kapitel 4 Die Dunkelkammer im Hotel, Entwicklung Seite 161
von Schwarzweiß-Filmen auf der Reise
Kapitel 5 Arbeitsempfindlichkeit von Schwarzweiß-Filmen Seite 166
Kapitel 6 Einfluß des Streulichts in der Fotografie Seite 201
Kapitel 7 Über die Anwendung von Nahlinsen Seite 211
Kapitel 8 Zur Schärfentiefe bei fotografischen Seite 226
Aufnahmen
Kapitel 9 Schärfe und Schärfeeindruck in der Fotografie Seite 246
Kapitel 10 Reinigung von Glasoberflächen in optischen Seite 251
Systemen
Kapitel 11 Photographik, Schwarzweiß ohne Kamera Seite 256
Kapitel 12 Bildbetrachtung Seite 262

Literaturverzeichnis Seite 270

Nachtrag 1 Automatische Belichtungsmessung Seite 271


Nachtrag 2 Zum Unschärfekreis Seite 273
Nachtrag 3 Die „Regenrinne“, Entwicklungsgefäß für Seite 276
sehr große Vergrößerungen
Nachtrag 4 Ergiebigkeit von Arbeitslösungen Seite 279

Anlage Fotografische Begriffe, Photographik Terms Seite 281

_______________

Verfasser: Rudolf Steinhaus, Pillauer Straße 16, 23 843 Bad Oldesloe


Tel. 04 531,3 340, Fax. 04 531.128 379
e-mail: rudolf.steinhaus@t-online.de

Alle Rechte vorbehalten. Kopien und Nachdruck nur mit Genehmigung des Verfassers.

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VORWORT
Noch immer übt die klassische Schwarzweiß-Fotografie
eine Faszination aus, die unter der immer stärker in den
Vordergrund drängenden digitalen Technologie kaum Abbruch
erleidet, da in der Praxis „digital“ mit „bunt“ verbunden und
oftmals auch verwechselt wird. Es erscheint daher lohnenswert,
die praktischen Erfahrungen von Jahrzehnten
zusammenfassend darzustellen. Die Ausführungen wenden
sich vorwiegend an anspruchsvolle Amateure, aber auch an
Einsteiger, die Lust auf „Schwarzweiß“ haben. Dazu wird in
übersichtlicher Form zusammengetragen, was nur schwer,
mitunter unzutreffend oder unvollständig und oft gar nicht in
fotografischen Lexika und Handbüchern zu diesem Thema
aufzufinden ist. Die digitale Technik wird hier nicht behandelt,
da sie praktisch keinerlei Laborarbeit erfordert und durch die
Bedienungsanleitungen der ständig wechselnden Geräte und
ihrer Software für den Benutzer hinreichend dargestellt wird.
Der Inhalt des vorliegenden Textes besteht aus Aufsätzen
zu unterschiedlichen und in sich abgeschlossenen Themen, die
neben „Schwarzweiß“ auch einige allgemein fotografische
Aspekte berücksichtigen. Diese Monografien sind etwa in den
letzten fünfzehn Jahren entstanden, dienten für Vorträge und
Präsentationen ihres technischen Inhalts und wurden für den
Zweck dieser Zusammenfassung, vor allem zur Vermeidung
von Wiederholungen, überarbeitet. Naturgemäß sollen die
folgenden Kapitel kein fotografisches Lehrbuch und kein
wissenschaftliches Handbuch der Fotografie ersetzen und auch
kein entsprechendes Lexikon. Es handelt sich vielmehr um
einen praktischen Leitfaden, mit dessen Text in der Hand der
Leser unmittelbar zur Tat schreiten kann. Besonderer Wert
wurde darauf gelegt, die anstehenden technischen
Zusammenhänge so einfach wie möglich darzustellen, so daß
keine weit zurückliegende Schulweisheit wiederbelebt werden
muß.
Ein großer Raum wird dabei den Begriffen und ihren
Erklärungen gewidmet. Ferner enthalten die längeren Kapitel
ein eigenes Inhaltsverzeichnis. Die Literaturangaben sind aus
den einzelnen Kapiteln herausgenommen und am Ende
zusammengestellt. Auf ein Register wurde verzichtet, da die
umfangreicheren Kapitel eigene Abschnitte mit Begriffen
aufweisen, die gemeinsam mit den zugehörigen
Inhaltsverzeichnissen als Register genutzt werden können.
September 2002

Der Text wurde ohne sachliche Änderungen formal auf die


Schriftart ARIAL umgestellt. Alle einschlägigen Bezeichnungen
von Produkten wurden belassen, auch wenn einige heute nicht
mehr am Markt erhältlich sind, denn sie dienen hier nur als
Beispiele, an denen die dargestellten Zusammenhänge
erläutert werden.
Januar 2010

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Kapitel 1

FOTOGRAFIE UND LICHT


BEFRIFFE

7
INHALT

Abschnitt Seite

Einleitung 11
Aufgabe 11
Begriffe 11
1 Licht 11
2 Photo... 11
3 Fotografie (Photographie) 12
4 Lichtgeschwindigkeit 12
5 Frequenz 12
6 Wellenlänge 12
7 Elektromagnetische Strahlung 13
8 Farbe 13
9 Weißes Licht 14
10 Farbspektrum 14
11 Schwarzer Körper 14
12 Thermodynamische Temperatur 14
13 Farbtemperatur 15
14 Lichtstärke 15
15 Lichtstrom 16
16 Leuchtdichte 16
17 Lichtmenge 17
18 Beleuchtungsstärke 17
19 Belichtung 17
20 Photodetektor 17
21 Innerer Photoeffekt 18
22 Äußerer Photoeffekt 18
23 Photoelement 18
24 Halbleiter-Photoelement 18
25 Halbleiter-Photozelle 18
26 Selen-Photoelement 19
27 Photowiderstand 19
28 Selenzelle 20
29 Cadmiumsulfidzelle 20
30 Sperrschicht-Photodetektor 21
31 Photodiode 21
32 Silicium-Photodiode 21
33 Relative spektrale Photometrie 21
34 Hellempfindlichkeit des menschlichen Auges 22
35 Photometer 22
36 Physikalisches Photometer 23
37 Fotolichtquelle 23
38 Dauerlicht 23
39 Tageslicht 23
40 Kunstlicht 23
41 Elektrische Lampen 23
42 Fotoleuchte 23
43 Fotolampe 23
44 Blitzgerät 24
45 Blitzlicht 24

8
46 Blitzbelichtung 24
47 Pulverblitzgerät 24
48 Blitzlampe 24
49 Elektronenblitzgerät 25
50 Belichten 25
51 Mehrfachbelichten 25
52 Überbelichten 26
53 Unterbelichten 26
54 Vorbelichten 26
55 Nachbelichten 26
56 Latensifikation 26
57 Herschel-Effekt 26
58 Belichtungszeit 26
59 Blende 27
60 Blendenzahl 27
61 Belichtungsstufe 27
62 Belichtungswert 28
63 Lichtwert 28
64 Belichtungsmessung 28
65 Belichtungsmesser 28
66 Objektmessung 29
67 Meßwinkel 29
68 Lichtmessung 29
69 Handbelichtungsmesser 30
70 Kamera-Belichtungsmesser 31
71 Gekoppelter Belichtungsmesser 31
72 Automatische Belichtungsmessung 31
73 Innen- oder TTL-Messung 31
74 Spiegelreflexsucher 32
75 Integralmessung 32
76 Mehrfeldmessung 32
77 Selektivmessung 32
78 Spotmessung 32
79 Blitzbelichtungsmesser 32
80 Leitzahl 33
81 Kameraverschluß 33
82 Zentralverschluß 33
83 Schlitzverschluß 33
84 Synchronisation 34
85 Tageslichtfilm 34
86 Kunstlichtfilm 34
87 Filter 5
88 Korrektur- oder Konversionsfilter 35
89 UV-Filter 35
90 Filter für die Schwarzweiß-Fotografie 36
91 Spezialfilter 36
92 Lineares Polarisationsfilter 36
93 Zirkular-Polarisationsfilter 36
94 Objektumfang 37
95 Belichtungsumfang von Schwarzweiß-Filmen 37
96 Dichteumfang von Schwarzweiß-Filmen 37
97 Kopierumfang von Schwarzweiß-Fotopapier 37

9
98 Graukarte 37
99 Available light 38
100 Streulicht 38
101 Streulichtanteil 38
102 Callier-Effekt 38
103 Gegenlicht 39
104 Sonnenblende 39
105 Gegenlichtblende 39

Zitat 40
Anhang A Sperrschicht-Photodetektor 41
A1 Halbleiterdiode 41
A2 Sperrschicht-Photoeffekt 41
A3 Photodiode 42
Anhang B Elektrische Lampen 43
Anhang C Alphabetisches Register 44
Anhang D Thomas Alva Edison 47

10
EINLEITUNG
Licht ist das eigentliche Medium der Fotografie. Um es für
fotografische Zwecke zu nutzen, bedarf es einer Vielzahl
technischer Einrichtungen und lichtempfindlicher Komponenten.
Dazu fallen uns sofort Stichworte ein wie Kamera, Objektiv,
Belichtungsmesser, Vergrößerungsgerät, Film, Fotopapier, aber
auch Scanner, Drucker, PC und Chip. In diesem ersten Kapitel
wird das Licht und seine meßtechnische Bewertung für die
Fotografie besprochen.

AUFGABE
Bei der Zusammenstellung des Stoffes zeigte es sich, daß
eine Stichwortsammlung mit den entsprechenden Erklärungen
dem gestellten Thema am besten gerecht wird. Die Texte
werden so allgemeinverständlich formuliert, daß die Lust am
Lesen erhalten bleibt. Es werden über 100 Begriffe dargestellt,
die Fotografie und Licht verbinden. Wer verstehen will, was
beim Fotografieren wirklich geschieht, kann sich mit Hilfe dieser
Begriffe einen Überblick verschaffen. So sollen sie auch dazu
dienen, Texte in Fachberichten, Fachzeitschriften und
fotografischen Periodika zum Thema Licht und Belichtung zu
ergänzen. Dabei liegt hier der Schwerpunkt auf den
physikalischen Zusammenhängen. Jedoch wird eine zu starke
Vertiefung in die Physik und in Einzelheiten der Technik
weitgehend vermieden. Es wird kein Anspruch auf
Vollständigkeit erhoben. So sprechen zum Beispiel viele
Begriffe in der Wortverbindung Licht... wie Lichtschacht,
Lichtschleuse, Lichtzeiger für sich und sind hier nicht
aufgenommen. Ebenso sind fotochemische Begriffe nicht
Gegenstand dieser Zusammenstellung.

BEGRIFFE
Die folgenden Begriffe sind in didaktischer Reihenfolge und
nicht alphabetisch geordnet. Im laufenden Text fett gedruckte
Begriffe werden unter einem eigenen Stichwort erklärt.
Anhang C enthält ein alphabetisches Register zum leichten
Auffinden eines Begriffs.

1 Licht (althochdeutsch lioht, lateinisch lux, griechisch


leukos, weiß, glänzend)
Allgemein ist das sichtbare Licht, das hier einfach Licht
genannt werden soll, eine elektromagnetische Strahlung. Die
Wahrnehmung dieser Strahlung wird, vornehmlich durch das
Auge, als Helligkeit empfunden. Diese Wahrnehmung heißt
sehen.

2 Photo... (griechisch, für Licht, licht...)


(1) Photo... ist eine Vorsilbe bei Begriffen, die mit Licht im
Zusammenhang stehen. In vielen dieser Fälle kann daher
Photo... mit Licht... gleichgesetzt werden.

11
(2) Photo wird allgemein als Kurzform für ein auf
fotografischem Wege erzeugtes Bild verwendet, zum Beispiel in
„Zeig mir bitte Deine Photos“.
(3) Im modernen deutschen Sprachgebrauch außer in
Wissenschaft und Technik wird Photo... häufig durch Foto...
ersetzt, wie in Fotograf, Fotografie, Fotoapparat, Fototasche
und anderen einschlägigen Begriffen.

3 Fotografie (Photographie)
Fotografie bedeutet ganz allgemein die Technik, mit Licht
zu schreiben.

4 Lichtgeschwindigkeit
Die Geschwindigkeit, mit der sich Licht ausbreitet, wird
Lichtgeschwindigkeit genannt und mit c bezeichnet. Im Vakuum
gilt für alle Frequenzen, auch für die der unsichtbaren
elektromagnetischen Strahlung, c ≈ 3 x 108 m/s. Die
Lichtgeschwindigkeit in Luft weicht davon nur unerheblich ab,
sie ist etwa 0,03% geringer als im Vakuum, weshalb auch die
Wellenlängen in Luft und Vakuum praktisch gleich groß sind.

Anmerkung 1 - Ein Jahr hat 365 x 24 x 60 x 60 =


31 536 000 Sekunden. Wird dies mit der Lichtgeschwindigkeit c
multipliziert, so ergibt sich die Strecke, die das Licht in einem
Jahr zurücklegt. Diese Strecke beträgt 9,5 x 1015 m oder rund
1013 km. Sie wird mit Lichtjahr bezeichnet. Ein Lichtjahr ist also
keine Zeiteinheit, sondern ein Maß für eine kosmische
Entfernung.

5 Frequenz
Die Zahl der Schwingungen, die das Licht und allgemein
jede elektromagnetische Strahlung in der Sekunde ausübt,
wird Frequenz genannt und in Hz (Hertz) gemessen. Sie ist
diejenige Eigenschaft, welche die typische Wirkung einer
bestimmten elektromagnetischen Strahlung verursacht. Im
Falle des Lichts, also der sichtbaren elektromagnetischen
Strahlung, erzeugen unterschiedliche Frequenzen
unterschiedliche Farbeindrücke im Auge. Das sichtbare Licht
umfaßt den Bereich der Frequenzen von etwa 4 x 1014 Hz,
Dunkelrot, bis 8 x 1014 Hz, Violett. Dazwischen liegen die
Farben Rot, Gelb, Grün und Blau mit allen Übergängen von
einer Farbe zur nächsten. So erscheint dem menschlichen
Auge zum Beispiel Licht mit einer Frequenz von 540 x 1012 Hz
als ein Grün ohne gelblichen und ohne bläulichen Stich.

6 Wellenlänge
Die Wellenlänge des Lichts ist der Quotient aus
Lichtgeschwindigkeit c und seiner Frequenz f, l = c/f. Der
Bereich der Wellenlänge des sichtbaren Lichts in Luft oder
Vakuum reicht von 380 nm, Violett, bis zu 750 nm, Dunkelrot.
Die Wellenlänge des grünen Lichts beträgt
3 x 108/540 x 1012 = 0,555 x 10-6 m = 555 nm.

12
Anmerkung 2
Es gilt 1 nm = 1 Nanometer = 10-9 m
= 0,000 000 001 m

Tabelle 1 - Elektromagnetische Strahlung

Strahlungsart Wellenlänge Frequenz


Hz

Radio-Langwellen 100 - 1 km 3x103 - 3x105


Radio-Mittelwellen 1 - 0,1 km 3x105 - 3x106
Radio-Kurzwellen 100 - 10 m 3x106 - 3x107
Ultrakurzwellen, UKW, TV 10 - 1 m 3x107 - 3x108

Dezimeterwellen, Mikrow. 10 - 1 dm 3x108 - 3x109


Radar 6 - 0,75 dm 5x108 - 4x1010
Infrarot 106 - 760 nm 3x1011 - 4x1014

Licht 750 - 380 nm 4x1014 - 8x1014

Ultraviolett 380 - 10 nm 8x1014 - 3x1016


- UVA 380 - 320 nm 8x1014 - 1015
- UVB 320 - 280 nm 1015 - 1,1x1015
- UVC < 280 nm > 1,1x1015

Röntgenstrahlen 0,3 - 0,003 nm 1018 - 1020


Gammastrahlen 0,03 - 10-5 nm 1019 - 3x1022
Kosmische Strahlen < 10-5 nm > 3x1022

7 Elektromagnetische Strahlung
Die folgende Tabelle 1 gibt einen Überblick über die
verschiedenen Arten der elektromagnetischen Strahlung, wie
sie in Technik und Wissenschaft auftreten beziehungsweise
angewendet werden. Diese Arten unterscheiden sich
physikalisch durch ihre Frequenz beziehungsweise
Wellenlänge, technisch durch ihre Wirkung. Der Bereich der
bekannten elektromagnetischen Strahlung reicht von einer
Frequenz von etwa 3 000 Hz bis zu 3 x 1022 Hz. Die
Frequenzen der sogenannten kosmischen Strahlung gehen
noch weit darüber hinaus. Der Bereich des Lichts dagegen
reicht nur von etwa 400x1012 Hz bis 800x1012 Hz. Licht nimmt
also nur einen sehr kleinen Bruchteil des gesamten Spektrums
der bekannten elektromagnetischen Strahlung ein.

8 Farbe
Allgemein ist Farbe ein subjektiver Begriff. Hier beschreibt
Farbe den Eindruck, den Licht einer bestimmten Frequenz auf
das menschliche Auge ausübt. Wird ein fester Körper auf
Temperaturen deutlich über 1 000 °C erhitzt, so strahlt er
Energie ab, die das menschliche Auge als Licht wahrnehmen
kann. Die abgestrahlte Lichtenergie setzt sich aus einem

13
kontinuierlichen Farbspektrum aller Frequenzen oder Farben
des sichtbaren Lichtes zusammen und steigt mit zunehmender
Temperatur des Strahlers an, das Licht wird also mit
steigender Temperatur auch heller. Durch geeignete
Maßnahmen kann dieses Licht in alle seine Farben zerlegt
werden. Die Natur führt uns ein solches Schauspiel vor, wenn
das schräg einfallende Sonnenlicht in eine Regenwand scheint,
die mit ihren Wassertröpfchen die Strahlen der Sonne in ihre
Farbanteile zerlegt und in allen „Regenbogenfarben“
aufleuchten läßt.

9 Weißes Licht
Dem menschlichen Auge erscheint Licht, das die Anteile
Rot, Grün und Blau zu etwa gleichen Teilen enthält, als weiß.
Weißes Licht ist also ein Mischlicht. Das Tageslicht ist ein
Beispiel für weißes Licht.

10 Farbspektrum
Wie in jedem Mittelstufe-Lehrbuch für Physik und in
Konversationslexika nachzulesen, kann Weißes Licht in einem
klassischen Versuch in seine Farben zerlegt werden. Dazu wird
ein Spalt mit weißem Licht beleuchtet, zum Beispiel mit
Sonnenlicht. Der aus dem Spalt austretende Strahl wird durch
ein Glasprisma geführt, welches das Licht wegen der
unterschiedlichen Brechungsindizes der verschiedenen
Frequenzen in seine Farben zerlegt. Eine Sammellinse hinter
dem Prisma projiziert das Bild des Spalts auf einen weißen
Schirm, auf welchem die Farben des Farbspektrums des
weißen Lichts erscheinen wie bei einem Regenbogen.

11 Schwarzer Körper
Um den Zusammenhang von der Temperatur eines
strahlenden Körpers und der Farbzusammensetzung der von
ihm abgestrahlten Lichtenergie zu beschreiben, wird ein so
genannter idealer schwarzer Körper angenommen. Das ist ein
Körper, der auftreffende Strahlung aller Wellenlängen
vollständig absorbiert und überhaupt kein Licht reflektiert. Am
besten läßt sich ein solcher Körper an dem Beispiel eines
Gartengrills erklären, auf dem Holzkohlestücke zu einem
Haufen geschichtet sind. Beim Betrachten solchen Haufens fällt
sofort auf, daß die Stellen ganz im Innern zwischen den
Kohlestücken besonders schwarz erscheinen. Wird der Haufen
angezündet und erreicht einen glühenden Zustand, so fällt
wiederum auf, daß die zuvor dunkelsten Stellen jetzt am
hellsten leuchten. Diese Stellen kommen dem idealen
schwarzen Körper sehr nahe.

12 Thermodynamische Temperatur
Die so genannte thermodynamische Temperatur ist eine der
sieben Basisgrößen des Internationalen Einheitensystems (SI).
Ihre Einheit ist das Kelvin (K). Daneben besteht die Einheit
Grad Celsius (°C). Die Einheiten 1 K und 1 °C haben den

14
gleichen Betrag, ihre Skalen sind jedoch so gegeneinander
verschoben, daß
273,15 K = 0 °C
oder - 273,15 °C = 0 K
sind. In Gleichungen und Formeln, insbesondere in
angewandter Physik und Technik, wird jedoch ausschließlich
mit der Einheit Kelvin gerechnet. Die Temperatur von 0 K wird
auch als absoluter Nullpunkt bezeichnet. Sie ist die tiefste
theoretisch denkbare und praktisch realisierbare Temperatur
und beschreibt die Temperatur des Weltraums.

13 Farbtemperatur
Die Kenntnis der Farbtemperatur des Lichts ist für die
Filmwahl erforderlich. Als Farbtemperatur eines Lichts
bestimmter Zusammensetzung wird die thermodynamische
Temperatur des strahlenden schwarzen Körpers bezeichnet,
der dieses Licht gerade aussendet. Die Farbtemperatur wird in
Kelvin gemessen. Beträgt jetzt die Farbtemperatur einer
Lichtquelle zum Beispiel gerade 5 500 K, so enthält das Licht
etwa je ein Drittel Rot-, Grün- und Blauanteile und entspricht
dem durchschnittlichen Tageslicht. Bei Erhöhung der
Farbtemperatur der Lichtquelle nimmt der Blauanteil auf Kosten
des Rotanteils zu und umgekehrt. Der Grünanteil bleibt mit
etwa einem Drittel über den weiten Bereich von 2 000 K bis 10
000 K praktisch konstant. Nach Tabelle 2 beträgt der Rotanteil
des Lichts einer Fotolampe etwa 50%, derjenige des blauen
Himmels nur noch etwa 26% bis 28%. Tabelle 3 zeigt die
Farbtemperaturen verschiedener Lichtquellen [1].

Tabelle 2 - Farbanteile

Lichtquelle Farbanteil
%

Rot Grün Blau

Wachskerze 77 17 6
Fotolampe 50 30 20
Tageslicht 33 33 34
Blauer Himmel 27 34 39

14 Lichtstärke
Die Lichtstärke ist eine der sieben Basisgrößen des
Internationalen Einheitensystems (SI). Ihre Einheit ist die
Candela (Betonung auf der zweiten Silbe). 1 Candela (cd) ist
die Lichtstärke einer Strahlungsquelle, welche
monochromatische Strahlung der Frequenz 540 x 1012 Hertz in
eine bestimmte Richtung aussendet, in der die Strahlstärke
1/683 Watt durch Steradiant (sr) beträgt. Verständlicher
ausgedrückt, beschreibt der Begriff der Lichtstärke den

15
Lichtstrom, der von einer Lichtquelle in den Raumwinkel
abgestrahlt wird. Lichtstärke ist also der Quotient aus
Lichtstrom und Raumwinkel.

Anmerkung 3 - Steradiant ist ein Maß für den


Raumwinkel. Das muß sich der Fotograf nicht
unbedingt merken.

Tabelle 3 – Farbtemperaturen
Verschiedener Lichtquellen

Lichtquelle Farbtemperatur
K

Kerze 2 000
Glühlampe 2 700
Opallampe 3 000
Halogen-Fotolampe 3 200
Kolbenblitz 4 000
Elektronenblitz 5 500
Direkte Sonne 5 500 - 6 000

Durchschnittliches 5 500
Tageslicht mittags

Bedeckter Himmel 7 000


Lichtbogenlampe 7 000 - 8 000
Blauer Himmel 8 000 - 12 000

15 Lichtstrom
Lichtstrom ist eine abgeleitete Größe des SI und ist das
Produkt aus Lichtstärke und Raumwinkel. Die Einheit des
Lichtstroms ist das Lumen (lm). 1 lm = 1 cd x 1 sr.

Anmerkung 4 - Der Lichtstrom erhöht sich, wenn


zum Beispiel beim Betrachten eines Sterns der
Raumwinkel vergrößert wird. Das geschieht durch
Vergrößern des Durchmessers der Frontlinse eines
Teleskops. Eine Verdopplung des Durchmessers
ergibt den vierfachen Raumwinkel und damit auch
den vierfachen Lichtstrom. Dies erklärt das ständige
Bestreben der Astronomen nach Teleskopen mit
immer größerem Durchmesser.

16 Leuchtdichte
Leuchtdichte ist eine abgeleitete SI-Größe und ist der
Quotient aus Lichtstärke und (relativer) Fläche, gemessen in
Candela/Quadratmeter (cd/m2). Wird mit einem
Belichtungsmesser eine Objektmessung durchgeführt, so
ergibt die vom Belichtungsmesser erkannte Lichtstärke des

16
angemessenen Objekts, bezogen auf seine Meßfläche, gerade
die Leuchtdichte am Ort des Belichtungsmessers.
Entsprechend wird der Meßumfang eines
2
Belichtungsmessers in cd/m angegeben.

17 Lichtmenge
Lichtmenge ist eine abgeleitete SI-Größe und ist das
Produkt aus Lichtstrom und Zeit, gemessen in
Lumen x Sekunde (lms).

18 Beleuchtungsstärke
Beleuchtungsstärke ist eine abgeleitete SI-Größe und ist
der Quotient aus Lichtstrom und Fläche. Die Einheit der
Beleuchtungsstärke ist das Lux (lx) mit
2 2
1 lx = 1 lm/m = 1 cd x sr/m . Beispiele für die
Beleuchtungsstärke gibt Tabelle 4.

Tabelle 4 - Beleuchtung durch


unterschiedliche Lichtquellen

Lichtquelle Beleuchtungsstärke
lx

Mond etwa 0,2


Autoscheinwerfer in 25 m 10 bis 25
Straßenbeleuchtung 10 bis 20
Wohnraumbeleuchtung 100 bis 200
Beleuchtung zum Lesen 300
Beleuchtung am Arbeitsplatz 1 000 bis 4 000
Indirektes Sonnenlicht 2 000 bis 10 000
Direktes Sonnenlicht 70 000 bis 100 000

19 Belichtung
Belichtung ist eine abgeleitete SI-Größe und ist das Produkt
aus Beleuchtungsstärke und Zeit, gemessen in
Lux x Sekunde (lx s).

20 Photodetektor
Ein Photodetektor ist eine elektronische Komponente, die
auftreffende elektromagnetische Strahlung im ultravioletten,
sichtbaren und infraroten Bereich in eine elektrische Anzeige
umwandelt. Ein Photodetektor ist daher ein Bauteil der Foto-
Elektronik. Je nach Art des optisch aktiven Elements benötigen
Photodetektoren eine zusätzlich angelegte Batteriespannung
oder kommen ohne diese aus, wie das gute, alte Selen-
Photoelement. Für das Folgende und insbesondere für die
Fotografie weniger wichtig sind Photodetektoren mit indirekter
Signalumwandlung, die zumeist auf thermischen Effekten
beruhen wie zum Beispiel Bolometer, Thermoelement,
pyroelektrischer Detektor, Golay-Zelle und allgemein

17
thermische Photodetektoren. Die folgende Liste zeigt die für
den Fotografen wichtigen Photodetektoren, die auf dem so
genannten inneren Photoeffekt beruhen und auch als
Quanten-Photodetektoren bezeichnet werden. Die
Empfindlichkeit dieser Bauelemente ist von der Bauart und
besonders von der Wellenlänge abhängig.

21 Innerer Photoeffekt
Der innere Photo- oder lichtelektrische Effekt beruht auf der
Tatsache, daß gewisse Kristalle, die sich im Dunkeln wie gute
elektrische Isolatoren verhalten, bei Bestrahlung mit
elektromagnetischen Wellen, also hier mit Licht, vorerst fest
gebundene Elektronen teilweise freisetzen, die durch ihre damit
gewonnene Beweglichkeit zu einer geringen Leitfähigkeit des
Kristalls führen. Es wird unterschieden zwischen
a) Photoleitfähigkeitsdetektoren, nämlich
- der Halbleiter-Photozelle
- und dem Photowiderstand und
b) Sperrschicht-Photodetektoren, nämlich
- der Photodiode,
- dem Phototransistor
- und dem Photothyristor.

22 Äußerer Photoeffekt
In diesem Zusammenhang weniger wichtig sind
Photodetektoren, die auf dem so genannten äußeren
Photoeffekt beruhen und als photoemissive Photodetektoren
bezeichnet werden. Dies sind zum Beispiel Bildwandler,
Photokathoden, Photozellen und Sekundärelektronen-
Vervielfacher (Photomultiplier). Sie beruhen auf der
Wechselwirkung von Lichtquant mit Elektron und haben für den
Amateurfotografen keine praktische Bedeutung.

23 Photoelement
Siehe hierzu Halbleiter-Photoelement.

24 Halbleiter-Photoelement
Ein Halbleiter-Photoelement ist ein Photodetektor, der zum
Beispiel in elektronischen Belichtungsmessern und
physikalischen Photometern verwendet wird.

Anmerkung 5 - Diese Begriffszuordnung ist in


der Literatur jedoch keineswegs so eindeutig. Unter
Halbleiter-Photoelement wird gelegentlich
einschränkend ein Photodetektor verstanden, der
keine zusätzliche Batteriespannung erfordert.

25 Halbleiter-Photozelle
Eine Halbleiter-Photozelle ist ein Halbleiter-Photoelement,
das bei Lichteinwirkung ohne zusätzliche Batteriespannung
einen elektrischen Strom liefert, der zum Beispiel einen
Ausschlag eines Galvanometers bewirken kann.

18
Anmerkung 6 - Die Solarzelle oder Sonnenzelle ist eine
Halbleiter-Photozelle in großflächiger Ausführung zur
Umwandlung der Strahlungsleistung der Sonne in elektrische
Leistung.

26 Selen-Photoelement
Das Selen-Photoelement, gelegentlich auch als Selenzelle
bezeichnet, gilt als klassische Halbleiter-Photozelle für
Belichtungsmesser. Es fand für diesen Zweck früher weite
Verbreitung, wird aber auch heute noch in einfach
ausgestatteten und preiswerten Belichtungsmessern
angeboten und von Puristen bevorzugt. Der Vorteil des Selen-
Photoelements liegt in seiner einfachen Bauart und Robustheit
sowie der Tatsache, daß keine Batteriespannung erforderlich
ist.
Ein Selen-Photoelement besteht aus einem Substrat aus
einem Metallblech, das mit einer dünnen Selenschicht versehen
ist. Darauf wird, zum Beispiel durch Aufdampfen im Vakuum,
eine Cadmiumschicht gebracht, die so dünn ist, daß sie noch
lichtdurchlässig bleibt. Zwischen beiden Schichten entsteht eine
elektrische Spannung, wenn die Selenschicht durch die
Cadmiumschicht hindurch beleuchtet wird. Die Spannung kann
zwischen dem metallischen Substrat und einer Metallisierung
auf dem Rand der Cadmiumschicht abgegriffen werden. Um
wirksame Ströme zu erzeugen, sind Flächen von 4 bis 10 cm2
erforderlich. Die Oberfläche des Selen-Photoelements wird
dabei mit einer Wabenlinse versehen, um den Meßwinkel zu
begrenzen. Die Größe der Meßfläche verhindert es gewöhnlich
dennoch, mit dem Selen-Photoelement sehr kleine Meßwinkel
zu erzielen.
Bild 1 zeigt die relative spektrale Empfindlichkeit von zwei
Halbleiter-Photoelementen. Die Kurve für das Selen-
Photoelement nähert sich weitgehend der Kurve für die relative
spektrale Hellempfindlichkeit des menschlichen Auges nach
Bild 2 an.

27 Photowiderstand
Der Photowiderstand gehört zu den Photoelementen, die
eine zusätzliche Batteriespannung erfordern. Seine Wirkung
beruht auf der Änderung der Leitfähigkeit einer
Halbleiterschicht, wenn diese beleuchtet wird. Ein
Photowiderstand besteht aus einem Substrat aus einem
geeigneten Isolierstoff, dessen Oberfläche mit einer dünnen
Schicht eines Halbleiters versehen ist, der zum Beispiel
aufgedampft, aufgesprüht oder chemisch aufgetragen wird. Als
Halbleiter sind Blei- oder Cadmium-Selenid (Selenzelle),
Bleisulfid (Bleisulfidzelle), Bleitellurid und vor allem
Cadmiumsulfid für Belichtungsmesser gebräuchlich
(Cadmiumsulfidzelle). Da der Photowiderstand den von einer
Batterie gelieferten Strom steuert, kann mittels Transistor-
Verstärker genügend große Leistung für hohe Empfindlichkeit
auch bei sehr kleinen Meßwinkeln erreicht werden.

19
28 Selenzelle
Die Selenzelle besteht aus Cadmium-Selenid und ist nicht
zu verwechseln mit dem Selen-Photoelement. Sie stellt den
ältesten bekannten Photowiderstand dar und wurde
vorwiegend in Belichtungsmessern der ersten
batteriebetriebenen Generation verwendet.

Relative spektrale
Empfindlichkeit
des Photoelements

1,00 o
0,95 o o
0,90 o o 1 +
0,85 o o +
0,80 o o +
0,75 o +
0,70 o + o
0,65 o + o
0,60 o + o
0,55 o + o
0,50 + o
0,45 + o
0,40 + o
0,35 + o
0,30 + o
0,25 o
0,20 o 2
0,15 o
0,10 Kurve 1 – Silicium-Photodiode o
0,05 Kurve 2 – Selen-Photoelement o
0 o
400 500 600 nm 700
Wellenlänge

Bild 1 - Relative spektrale Empfindlichkeit


gebräuchlicher Photoelemente

29 Cadmium-Ssulfidzelle
Cadmiumsulfidzellen haben die Selenzellen verdrängt und
sind heute gebräuchliche Photoelemente in preiswerten bis
anspruchsvollen Belichtungsmessern. Cadmiumsulfidzellen
haben einen größeren spektralen Ansprechbereich als
Selenzellen. Sie sind jedoch kälte- und blendempfindlich. In der
Kälte werden sie sehr träge, und nach starker Blendung, zum
Beispiel durch direktes Sonnenlicht, kann es mehrere Stunden
dauern, bis sie sich erholt haben und wieder einsatzfähig sind.
Cadmiumsulfidzellen sprechen träge an und sind daher für

20
Innen- beziehungsweise TTL-Messung in Kameras sowie für
Blitzbelichtungsmesser ungeeignet.

30 Sperrschicht-Photodetektor
Sperrschicht-Photodetektoren sind Photodioden, deren
Wirkungsweise darauf beruht, daß sie bei Bestrahlung mit Licht
eine geringe Leitfähigkeit in Sperr-Richtung aufweisen.

31 Photodiode
Die Photodiode ist eine Halbleiterdiode. Sie ist ein Beispiel
für einen Sperrschicht-Photodetektor. Die Photodiode läßt,
wie alle Dioden, bei angelegter Batteriespannung nur Strom in
einer Richtung fließen. Wird sie jedoch mit Licht bestrahlt, so
fließt bei entsprechend angelegter Batteriespannung auch in
Sperr-Richtung ein geringer Strom. Dieser Sperrstrom dient
zum Nachweis der vorliegenden Belichtung. Naturgemäß ist
zum Betrieb der Photodiode eine Batteriespannung erforderlich.
Photodioden sprechen völlig trägheitslos an, ihr
Anwendungsbereich geht daher deutlich über denjenigen der
Cadmium-Sulfid-zelle hinaus. Neuzeitliche
Belichtungsmeßsysteme beruhen daher auf der
Belichtungsmessung mittels Photodiode.

32 Silizium-Photodiode
Als modernes Photoelement hat sich die Silizium-
Photodiode weitgehend durchgesetzt. Im Gegensatz zur
Cadmiumsulfidzelle reagiert sie trägheitslos. Sie deckt den
Ansprechbereich der Cadmiumsulfidzelle ab und ist darüber
hinaus auch im Infrarotbereich besonders empfindlich. Wegen
der trägheitslosen Ansprechempfindlichkeit ist sie ein wichtiges
Bauteil für Blitzbelichtungsmesser und für Kamera-
Belichtungsmesser zur Steuerung von Kameraverschluß und
-blende (TTL-Messung). Die Kurve für die spektrale
Empfindlichkeit der Silizium-Photodiode ist in Bild 1 darstellt.
Diese Kurve zeigt deutlich, daß zur Angleichung an die relative
spektrale Hellempfindlichkeit des menschlichen Auges nach
Bild 2 eine Filterung mit einem gewöhnlich im Bauteil
integrierten Blaufilter erforderlich ist. Daraus ergibt sich der
englische Begriff silicon blue cell (sbc). Substitute für die
Silizium-Photodiode sind Gallium-arsenid-, Galliumphosphid-
und andere Dioden, siehe hierzu Anhang A. Streulicht-
geschützte und auf die Hellempfindlichkeit des menschlichen
Auges abgestimmte Silizium-Photodioden (sbc) sind heute
Standard in allen hochwertigen Belichtungsmeßsystemen,
vor allem auch Blitzbelichtungsmessern und werden unter
anderem auch in Kameras wie zum Beispiel der Leica M6 und
den gängigen Leica R-Modellen verwendet.

33 Relative spektrale Photometrie


Der Begriff Photometrie beschreibt das Arbeitsgebiet der
Lichttechnik, insbesondere die Definition und Messung
lichttechnischer Größen wie Lichtstärke, Lichtstrom,

21
Beleuchtungsstärke, Leuchtdichte und Belichtung. Die
Photometrie vergleicht die energetischen Strahlungsgrößen mit
der relativen spektralen Hellempfindlichkeit des menschlichen
Auges nach Bild 2. Ist das Auge eines Normalbeobachters der
Lichtempfänger, so handelt es sich um visuelle Photometrie, im
Falle eines lichtelektrischen Empfängers um physikalische
Photometrie.

Hellempfindlichkeit des
menschlichen Auges

1,00 o
0,95 o o
0,90 o o
0,85 o o
0,80 o o
0,75 o o
0,70 o o
0,65 o o
0,60 o o
0,55 o o
0,50 o o
0,45 o o
0,40 o o
0,35 o o
0,30 o o
0,25 o o
0,20 o o
0,15 o o
0,10 o o
0,05 o o
0 o o
400 500 600 nm 700
Wellenlänge

Bild 2 - Relative spektrale Hellempfindlichkeit


des menschlichen Auges für Tagsehen

34 Hellempfindlichkeit des menschlichen Auges


Bild 2 zeigt die international genormte Kurve der relativen
spektralen Hellempfindlichkeit des menschlichen Auges für
Tagsehen. Sie ist Grundlage der Photometrie.

35 Photometer
Ein Photometer ist ein Photodetektor, der zur Messung
bestimmter photometrischer Größen oder für fotografische
Zwecke geeignet ist. Ein Photometer wird gewöhnlich auf die
relative spektrale Hellempfindlichkeit des menschlichen
Auges nach Bild 2 kalibriert.

22
36 Physikalisches Photometer
Ein physikalisches Photometer verwendet als
Lichtempfänger ein opto-elektronisches Bauteil. Im weiteren
Sinne sind auch Belichtungsmesser den physikalischen
Photometern zuzurechnen.
37 Fotolichtquelle
Als Fotolichtquelle eignen sich das Tageslicht, das
Kunstlicht geeigneter Lichtquellen, zum Beispiel elektrischer
Lampen, und das von Blitzgeräten ausgesandte Blitzlicht,
siehe hierzu auch Tabelle 3.

38 Dauerlicht
Als Dauerlicht wird das Licht bezeichnet, das als
Tageslicht oder zum Beispiel als mit elektrischen Lampen
erzeugtes Kunstlicht für die fotografische Aufnahme über
einen längeren Zeitraum mit einer gewissen Gleichmäßigkeit
zur Verfügung steht.

39 Tageslicht
Tageslicht ist das durch die Sonnenstrahlung direkt oder
indirekt erzeugte natürliche Licht, siehe hierzu auch Tabelle 3.

40 Kunstlicht
Von der Talgkerze und Ähnlichem abgesehen, wird
Kunstlicht als Hilfsmittel der Fotografie in der Form von
Dauerlicht vorwiegend mit elektrischen Lampen und in der
Form von Blitzlicht mit den Entladungslampen elektronischer
Blitzgeräte erzeugt.

41 Elektrische Lampen
Mit der Einführung der Halogenlampen sind Fotoleuchten
mit hoher Leistung für Studio-, Makro-, Portrait-, und sonstige
Innenaufnahmen auch für den Fotoamateur erschwinglich
geworden. Anhang B hierzu enthält eine Übersicht über die am
Markt gehandelten elektrischen Lampen, wobei kein Anspruch
auf Vollständigkeit der Liste erhoben wird.

Anmerkung 7 - Im allgemeinen Sprachgebrauch


ist der Unterschied zwischen Lampe und Leuchte
verwischt. Technisch ist jedoch die Lampe das aktive
elektrische Bauteil, das in die Leuchte eingesetzt
wird.

42 Fotoleuchte
Für fotografische Aufnahmezwecke mit Kunstlicht werden
heute unter anderem vorwiegend Leuchten angeboten, die mit
Halogenlampen für 230 V bestückt und bei entsprechender
Leistung ventilatorgekühlt sind.

43 Fotolampe
Die in den Fotoleuchten für Amateurbedarf verwendeten
Fotolampen sind Halogenlampen mit einer Leistung von 500 bis

23
1000 .W. Mit ihnen wird eine Farbtemperatur von etwa 3 200 K
erzielt. Sie erfordern daher für die Belichtung eines
Tageslichtfilms einen entsprechenden Korrektur- oder
Konversionsfilter.

44 Blitzgerät
Ein Blitzgerät dient der Erzeugung von Blitzlicht für
fotografische Aufnahmen. Das von einem Blitzgerät
ausgesandte Blitzlicht steht nur während der Belichtungszeit
zur Verfügung. Die Auslösung der Brenndauer muß dazu
manuell oder durch Synchronisation mit dem
Kameraverschluß so gesteuert werden, daß die wirksame
Leuchtzeit des Blitzlichts in das Zeitintervall der
Belichtungszeit fällt, in dem der Kameraverschluß ganz
geöffnet ist.

45 Blitzlicht
Das von einem Blitzgerät ausgesandte Licht wird als
Blitzlicht bezeichnet, siehe hierzu auch Tabelle 3.

46 Blitzbelichtung
Als Blitzbelichtung wird das Belichten mittels Blitzlicht
bezeichnet, das durch geeignete Maßnahmen zum Zeitpunkt
einer fotografischen Aufnahme und nur für diese kurzfristig
erzeugt wird.

47 Pulverblitzgerät
Am Anfang der Technik der Blitzbelichtung wurde
Blitzlicht durch Verbrennen eines Pulvers erzeugt. Das Pulver
bestand aus einer Mischung aus Aluminium- oder
Magnesiumpulver mit Chemikalien, die Sauerstoff abgeben. Als
Blitzgerät diente eine „Pistole“ mit Feuerstein, wie sie auch als
„Gasanzünder“ zum Zünden der Flamme eines Gasherdes
gebräuchlich war. Diese Pistole wurde an ihrer Spitze mit einem
Blech versehen, auf das eine gehörige Portion der zündfähigen
Mischung des Pulvers gegeben wurde. Das Pulver hatte eine
längere Brenndauer. Deshalb mußte der Fotograf die Szene
stellen, den Kameraverschluß öffnen, das Gemisch durch
Abdrücken der Pistole zünden und den Kameraverschluß
wieder schließen. Anschließend wurde mit tränenden Augen
darauf gewartet, daß sich der Pulverdampf legte. Das Ergebnis
war gewöhnlich wenig ermutigend. Wegen der langen
Brenndauer hoffte der Fotograf bei jedem Versuch, daß das
durch die Verbrennung des Pulvers erzeugte Blitzlicht noch
vor dem Pulverdampf zur Wirkung kam, der die Aufnahme
vernebelte.

48 Blitzlampe
Zu Beginn der 50er Jahre verdrängte die Blitzlampe das
Pulverblitzgerät. Sie besteht aus einem Glaskolben mit
Reflektor. Der Kolben ist mit Metallflitter, zum Beispiel fein
geschnitzelter Zirkonfolie, gefüllt und enthält eine

24
Sauerstoffatmosphäre im Überdruck. Mittels Entladung eines
Kondensators wird ein „Zündplättchen“ gezündet und leitet die
rasche Verbrennung des Metalls ein, die etwa 15 ms bis 30 ms
dauert. Der Verschluß der Kamera wird auf diesen Ablauf
synchronisiert. Wegen der Brenndauer muß jedoch die
Verschlußzeit mindestens 1/30 s betragen, um die gesamte
Lichtenergie der Blitzlampe auszunutzen. Nach der Belichtung
muß eine neue Lampe eingesetzt oder zugeschaltet werden.
Die Farbtemperatur der Verbrennung beträgt etwa 4 000 K.
Daher ist der Lampenkolben mittels einer Lackschicht blau
gefärbt, um die Farbtemperatur auf etwa 5 500 K für Tageslicht-
Farbfilme anzuheben.

Anmerkung 8 - 1ms = 1 Millisekunde = 0,001 s

Anmerkung 9 - Die so genannte Pocketkamera war ein


einfaches Aufnahmegerät für den 110er Kassettenfilm mit dem
Filmformat von 13 mm ▫ 17 mm. Auf dem, wenn auch kleinem,
Höhepunkt der Pocketkameras führte die Technik der
Blitzlampen zu Anordnungen mit Steckkontakt, der eine
Platine aufnahm, die zum Beispiel 10 oder sogar 20
Blitzlampen enthielt. Der Vorteil dieser Technik bestand darin,
daß solch eine Platine mit der genannten Zahl von Blitzlampen
in die an der Pocketkamera angebrachte passende Steckdose
gesteckt wurde und daß beim Auslösen automatisch jeweils die
nächste Lampe gezündet wurde, so daß das Auswechseln
nach jeder Aufnahme entfiel.

49 Elektronenblitzgerät
Das Elektronenblitzgerät ist die heute gebräuchliche Quelle
für Blitzbelichtungen mit einer Farbtemperatur von etwa
5 500 K. Es gestattet die wiederholte Zündung einer
Entladungsröhre, die mit Xenon- oder Quecksilberdampf gefüllt
ist. Sie wird bei modernen Geräten durch eine
Niederspannungs-Thyristorschaltung gezündet und entlädt
einen Kondensator. Die Entladungsdauer verlängert sich mit
steigender Lichtleistung und beträgt etwa 1/20 000 s bis zu
1/300 s. Die Aufladezeit begrenzt die Blitzfolgezeit, die auch bei
sehr leistungsfähigen Stabblitzgeräten bei voller Energieabgabe
höchstens ein Blitzlicht je Sekunde beträgt.

50 Belichten
Belichten ist der in der Fotografie übliche Vorgang, die auf
einem Träger aufgebrachte, lichtempfindliche, fotografische
Schicht einer bestimmten Lichteinwirkung auszusetzen.

51 Mehrfachbelichten
Ist die Kamera dafür eingerichtet, so kann der Vorgang des
Belichtens wiederholt werden, ohne den Film zu transportieren.
Durch diese Maßnahme kann ein Negativ einfach, doppelt oder
beliebig mehrfach belichtet werden.

25
52 Überbelichten
Überbelichten bedeutet, daß der Vorgang des Belichtens
und die nachfolgende Entwicklung zu einer Schwärzung der
fotografischen Schicht führt, die keine Differenzierung in den
Lichtern zuläßt. Die Lichter sind „ausgefranst“ und zeigen
keinerlei Struktur.
53 Unterbelichten
Unterbelichten bedeutet, daß der Vorgang des Belichtens
und die nachfolgende Entwicklung zu einer Schwärzung der
fotografischen Schicht führt, die keine Differenzierung in den
Schatten zuläßt. Die Schatten sind „zugelaufen“ und zeigen
keinerlei Struktur.

54 Vorbelichten
Vorbelichten ist eine schwache Belichtung mit diffusem
Licht, die vor dem eigentlichen Vorgang des bildmäßigen
Belichtens vorgenommen wird. Vorbelichten dient der
Empfindlichkeitssteigerung und/oder der Vergrößerung des
Belichtungsumfangs eines Negativs beziehungsweise des
Kopierumfangs eines Fotopapiers.

55 Nachbelichten
(1) siehe Latensifikation.
(2) siehe Herschel-Effekt.
(3) Ein partielles Nachbelichten zum Beispiel eines
fotografischen Papiers beim Vorgang der Vergrößerung dient
der Erhöhung des Kopierumfangs zur Anpassung an zu stark
geschwärzte Bildstellen auf dem Negativ.

56 Latensifikation
Latensifikation ist die heute nicht mehr angewendete
Methode, das latente Bild vor der Entwicklung entweder durch
schwache Belichtung mit diffusem Licht oder durch chemische
Behandlung zu verstärken.

57 Herschel-Effekt
Wird eine bildmäßig belichtete fotografische Schicht, die
nicht rotempfindlich ist, vor der Entwicklung mit diffusem roten
oder infraroten Licht nachbelichtet, so gehen durch Licht
angeregte Silberhalogenmoleküle in den Grundzustand zurück,
und das latente Bild wird im Maße des Nachbelichtens
abgebaut. Da stärker belichtete Stellen nach dem „Herscheln“
schwächer geschwärzt erscheinen als weniger belichtete
Stellen, kann sogar Bildumkehr auftreten.

Anmerkung 10 – Sir John Frederick Herschel (1792-1871)


war Astronom und hat unter anderem einen der ersten
Sternenkataloge erstellt.

58 Belichtungszeit
Beim Vergrößerungsvorgang kann für die Belichtungszeit
jeder beliebige Wert gewählt werden, der in Sekunden

26
gemessen wird und zweckmäßig zwischen mindestens vier und
höchstens 60 Sekunden liegt. Bei der Kamera sind die
Belichtungszeiten durch die Verschlußzeiten des
Kameraverschlusses vorgegeben. Sie haben heute genormte
Beträge und sind in Schritten angeordnet, die sich etwa um den
Faktor zwei unterscheiden und damit jeweils eine Verdoppelung
oder Halbierung der Belichtung des Films bewirken.
Beginnend mit 1 s ergibt sich die Folge zu längeren
Verschlußzeiten in Sekunden zu 1, 2, 4, 8, 16, 30, 60 und
so weiter und diejenige zu kürzeren Verschlußzeiten in
Sekunden zu 1, 1/2.
1/4, 1/8, 1/16, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500,
1/1 000, 1/2 000, und so weiter. Gewisse Kameras lassen sich
auch auf Zwischenwerte einstellen. Automatisch belichtende
Kameras mit so genannter Zeitfunktion wählen jeden gerade
passenden Zwischenwert selbsttätig.

59 Blende
Blende ist die mechanische Einrichtung im Strahlengang
des Objektivs, mit deren Öffnen oder Schließen die
Lichtmenge verändert werden kann, die durch das Objektiv auf
den Film oder das Fotopapier gelangt.

Anmerkung 11 - Der Begriff der Blende wird in der


Umgangssprache fälschlich auch für Blendenzahl verwendet.
Soweit die Bedeutung zweifelsfrei erkennbar ist, spricht nichts
gegen diesen „Mißbrauch“.

60 Blendenzahl
An Kamera- und Vergrößerungsobjektiven wird das
Verhältnis des Durchmessers der Blendenöffnung, richtiger der
Eintrittspupille, und der Brennweite des Objektivs als
Blendenzahl F bezeichnet. Die Änderung der Einstellung von
einer Blendenzahl zur nächsthöheren oder nächsttieferen
bewirkt eine Halbierung beziehungsweise Verdoppelung der
Fläche, durch die das Licht auf den Film oder das Fotopapier
fällt. Dies bedeutet eine Halbierung beziehungsweise
Verdoppelung der Belichtung. Um dies zu erreichen, sind die
Blendenzahlen, beginnend mit 1, etwa mit dem Faktor √2
gestuft. Damit ergibt sich die gebräuchliche Reihe der
(gerundeten) Blendenzahlen zu 1 - 1,4 – 2 -2,8 - 4 - 5,6 - 8 -
11 - 16 - 22 - 32 und so weiter. Der am Objektiv befindliche
Einstellring für die Blendenzahl läßt gewöhnlich die Einstellung
in halben Blendenzahlen zu. Automatisch belichtende Kameras
mit so genannter Blendenfunktion wählen jeden gerade
passenden Zwischenwert selbsttätig.

61 Belichtungsstufe
Eine Belichtungsstufe entspricht der Verdoppelung oder
Halbierung der Belichtung. Dies geschieht durch Halbieren
oder Verdoppeln der Belichtungszeit oder durch Öffnen oder
Schließen der Blende um eine Blendenzahl. Eine

27
Belichtungsstufe entspricht damit der Änderung der
Kameraeinstellung um genau einen Lichtwert.

62 Belichtungswert
Siehe hierzu Lichtwert.

63 Lichtwert
Der Lichtwert (LW) müßte besser mit Belichtungswert
entsprechend dem englischen „exposure value (EV)“
bezeichnet werden. Alle an der Kamera eingestellten
Kombinationen von Belichtungszeit und Blendenzahl, die bei
vorgegebenen Lichtverhältnissen zu gleicher Belichtung
führen, repräsentieren den gleichen Lichtwert. Der Lichtwert ist
also eine Kennzahl und beschreibt die an der Kamera
vorgenommene Einstellung. Der Lichtwert gibt nicht die
Lichtmenge an, die auf den Film gelangt, denn diese hängt
zusätzlich von der vom Objekt erzeugten Beleuchtungsstärke
am Ort der Kamera ab. Die Folge der Lichtwerte besteht aus
ganzen Zahlen.
Vereinbarungsgemäß wird die Einstellung mit
Belichtungszeit 1 s und Blendenzahl 1 [1s;F1] als Lichtwert 0
bezeichnet. Davon ausgehend steigen die Lichtwerte an, wenn
knapper belichtet wird, oder werden negativ gezählt, wenn
reichlicher belichtet wird. Zum Beispiel entspricht die
Einstellung [1/60s;F1] dem Lichtwert 6 (oder LW6, englisch
EV6), da um die sechs Belichtungsstufen von 1 s zu 1/2 s, 1/4
s, 1/8 s, 1/16 s, 1/30 s bis 1/60 s weniger belichtet wird.
Entsprechend gilt [1/60s;F8] = LW12, [8s;F2] = LW-1, [60s;F4]
= LW-2, [1/500s;F8] = LW15 und so weiter.

64 Belichtungsmessung
Belichtungsmessung ist die Ermittlung des zum Belichten
der fotografischen Schicht geeigneten Wertepaares
Belichtungszeit und Blendenzahl. Das gilt gleichermaßen für
die Kamera wie für das Vergrößerungsgerät. Soweit die
Belichtungsmessung nicht automatisch erfolgt, besteht sie in
der Bestimmung der Belichtungszeit für eine gegebene
Blendenzahl oder umgekehrt in der Bestimmung der
Blendenzahl für eine gegebene Belichtungszeit mit Hilfe
eines dazu geeigneten Belichtungsmeßsystems.

65 Belichtungsmesser
Der Belichtungsmesser dient der Ermittlung der richtigen
Belichtung. Praktisch alle heute gebräuchlichen
Belichtungsmesser enthalten einen photoelektrischen
Detektor, der entweder aus einem Selen-Photoelement, einer
Cadmiumsulfidzelle (CdS) oder einer Silicium-Photodiode
(sbc) besteht. Belichtungsmesser gehören im weiteren Sinne
zu den physikalischen Photometern. Bei Anwendung der
Objektmessung wird mit dem Belichtungsmesser die
Leuchtdichte des Objekts bestimmt. Sein Meßumfang wird
daher in cd/m2 angegeben. Belichtungsmesser werden als

28
Handbelichtungsmesser angeboten oder sind als Kamera-
Belichtungsmesser in die Kamera eingebaut. Für die
Dunkelkammer stehen Laborbelichtungsmesser zur Verfügung,
deren Meßprinzip ähnlich aufgebaut ist, die aber für die
besonderen Bedürfnisse in der Dunkelkammer konstruiert
wurden und in besserer Ausstattung gleich mit einer
Schalteinrichtung für das Vergrößerungsgerät versehen sind.
Sie zeigen das Meßergebnis mittels Leuchtdioden an, die im
dunklen Raum gut zu erkennen sind, und gestatten eine
Mehrpunktmessung mit geometrischer Mittelung sowie eine
Bestimmung des Dichteumfangs des Negativs.

Anmerkung 12 - Die Unternehmung Gossen in Nürnberg


hat zu Beginn der 30er Jahre mit dem Typ Ombrux den ersten
elektronischen Belichtungsmesser vorgestellt, dem später
Sixtus, Sixtomat und Lunasix folgten. Die ersten drei Geräte
enthielten als Meßzelle noch ein Selen-Photoelement, der
Lunasix wartete bereits mit einem CdS-Widerstand auf. Als
ernsthafter Wettbewerber in Deutschland etablierte sich
gleichzeitig Metrawatt, ebenfalls in Nürnberg ansässig.

66 Objektmessung
Bei der Objektmessung wird der Belichtungsmesser auf
das Objekt gerichtet und das vom Objekt reflektierte Licht am
Standpunkt der Kamera gemessen. Genauer ausgedrückt, wird
die Leuchtdichte des Objekts am Ort des
Belichtungsmessers bestimmt. Mittels Objektmessung
werden zum Beispiel der Reihe nach unterschiedlich helle
Bereiche des Objekts angemessen, um den Objektumfang zu
ermitteln. Hiernach kann die gewünschte Belichtung des
Negativs festgelegt werden. Insbesondere gestattet die
Objektmessung auch die sogenannte Einpunktmessung.

67 Meßwinkel
Bei der Objektmessung ist der Meßwinkel von besonderer
Bedeutung. Mit genügend kleinem Meßwinkel können
ausgewählte Bereiche des Objekts, denen ein bestimmter
Grauwert zugewiesen werden soll, genau angemessen
werden. Belichtungsmesser, insbesondere
Handbelichtungsmesser mit einem Meßwinkel größer als
30 °, sind hierfür nur bedingt geeignet. Um die verschiedenen
Grauwerte des Objekts zu erfassen, führt die Möglichkeit einer
Spotmessung noch besser zum Ziel. Bei
Belichtungsmessern mit Selen-Photoelement wird ein
optischer Vorsatz vor der Meßzelle verwendet, der ein
Wabenmuster besitzt und dadurch den Meßwinkel in gewissem
Maße niedrig hält. Bei einfachen Geräten mit Selen-
Photoelement kann der Meßwinkel 60 bis 70° betragen.

68 Lichtmessung
Bei der Lichtmessung wird der Belichtungsmesser vom
Ort des Objekts auf die Kamera gerichtet und das auf das

29
Objekt fallende Licht gemessen. Dazu muß alles Licht erfaßt
werden, was zur Beleuchtung des Objekts beiträgt, also auch
seitlich einfallendes Licht. Zu diesem Zweck wird vor die
Meßzelle des Belichtungsmessers eine Kalotte oder ein Rollo
geschoben, die als Streufilter oder Diffusor wirken. Sie sind so
beschaffen, daß Licht bis zu einem Raumwinkel von 180° für
die Messung berücksichtigt wird. Ist der Belichtungsmesser
richtig kalibriert, so ergibt die Lichtmessung die korrekte
Belichtung für Standardgrau. Die Lichtmessung ist eine sehr
sichere Meßmethode, die praktisch immer zu richtigen
Meßergebnissen führt. Sie ist bei schwierigen
Lichtverhältnissen, besonders bei Außenaufnahmen mit
großem Objektumfang von Vorteil und hilft immerhin, das
Ergebnis der Objektmessung zu bestätigen oder zu
korrigieren. Siehe hierzu Kapitel 2.

69 Handbelichtungsmesser
Handbelichtungsmesser sind ein von der Kamera völlig
unabhängiges Zubehör. Es sind dies gewöhnlich handliche,
kleine Geräte, die in der Jacken- oder Hosentasche
transportiert werden können. Mit dem Handbelichtungsmesser
kann dicht am Objekt an unterschiedlichen Stellen gemessen
werden. Viele dieser Geräte erlauben auch die Lichtmessung,
die insbesondere mit Kamera-Belichtungsmessern moderner
Sucher- und Reflexkameras gewöhnlich nicht möglich ist.

Daher ist der Handbelichtungsmesser eine Ergänzung zum


Kamera-Belichtungsmesser und sollte in der Fotoausrüstung
nicht fehlen.

Ein guter Handbelichtungsmesser muß bestimmte


Mindestanforderungen erfüllen. Er muß zum Beispiel

- einen photoelektrischen Detektor auf Basis CdS oder


besser sbc besitzen;
- die eingestellte Filmempfindlichkeit in DIN und ASA
anzeigen;
- die gemessene Kombination von Belichtungszeit und
Blendenzahl anzeigen;
- den zugehörigen Lichtwert angeben;
- eine analoge Skala der Blendenzahlen gegenüber der
Skala der Belichtungszeiten besitzen, damit der
Objektumfang abgeschätzt werden kann;
- für Objektmessung und für Lichtmessung ausgelegt
sein;
- einen Meßumfang von etwa 20 Lichtwerten besitzen;
- Belichtungszeiten von etwa 60 min bis 1/4 000 s
anzeigen;
- Blendenzahlen von etwa 1 bis 45 anzeigen;
- einen Meßwinkel von höchstens 30 ° besitzen.

30
Siehe hierzu die Marktübersicht in dem monatlich
erscheinenden Periodikum Color Foto vom April 1999, wo 35
marktgängige Handbelichtungsmesser verschiedenster Bauart
vorgestellt und miteinander verglichen wurden [2].

70 Kamera-Belichtungsmesser
Der in die Kamera eingebaute oder an der Kamera
angebrachte Belichtungsmesser wird als Kamera-
Belichtungsmesser bezeichnet. Ursprünglich bestanden die in
Kameras eingebauten Belichtungsmesser aus einem Bauteil,
das von den sonstigen Kamerafunktionen völlig entkoppelt war
wie zum Beispiel das Radio im Automobil. In der Praxis
unterscheiden sich diese Belichtungsmesser daher nicht vom
Handbelichtungsmesser. Wie bei diesem mußten die
gemessenen Werte abgelesen und an der Kamera eingestellt
werden. Die Meßzellen waren gewöhnlich Selen-
Photoelemente, die eine größere Meßfläche beanspruchten,
erkenntlich an den großen Meßfenstern der entsprechenden
Kameras. Bei den zweiäugigen Rolleiflex-Kameras zum
Beispiel geht die Meßzelle über die ganze Breite des
Kamerakörpers. Hier wie bei einigen anderen Kameratypen
besteht auch die Möglichkeit der Lichtmessung durch
Vorsetzen oder Vorschieben eines Diffusors oder einer Kalotte.

71 Gekoppelter Belichtungsmesser
Der technische Fortschritt, den der gekoppelte
Belichtungsmesser darstellt, besteht darin, daß die Werte für
Belichtungszeit und Blendenzahl beim manuellen Abgleichen
des gekoppelten Belichtungsmessers automatisch an der
Kamera eingestellt werden.

72 Automatische Belichtungsmessung
Eine weitere Neuerung und Erleichterung für so manchen
Fotografen ergab sich mit der Einführung der elektronisch
geregelten Kameraverschlüsse zusammen mit der
Cadmiumsulfid-Zelle (CdS). Dieser mit Batterie betriebene
Photowiderstand gestattet, genügend große Stellkräfte zu
erzielen, um zum Beispiel bei Kompakt-Kameras den Ablauf
des Zentralverschlusses mit der richtigen Kombination aus
Belichtungszeit und Blendenzahl zu steuern. Dabei ist das
Fenster der Meßzelle auf einen Kreis von wenigen Millimetern
Durchmesser reduziert. Eine Lichtmessung ist gewöhnlich
nicht möglich. Ein Beispiel hierzu war die Rollei XF 35, die vor
etwa 25 Jahren auf den Markt kam. An diesem Prinzip hat sich
auch bei modernen Kompaktkameras nichts geändert, wobei
allerdings heute der Silizium-Photodiode als „treibender Kraft“
der Vorrang gegeben wird.

73 Innen- oder TTL-Messung


Eine Anordnung, bei der der Kamera-Belichtungsmesser
die von dem durch das Objektiv (Through The Lens)
einfallenden Licht erzeugte Beleuchtungsstärke in der

31
Filmebene mißt, wird als Innen- oder TTL-Messung bezeichnet.
Der Abgleich erfolgt manuell und gekoppelt oder automatisch.
Die Vorteile dieses Systems sind offenkundig.
Lichtabschwächung durch Filter vor dem Objektiv wird
automatisch berücksichtigt wie auch der Lichtabfall durch
Auszugsverlängerung bei Nahaufnahmen. Als Meßzellen
dienen Silicium-Photodioden (sbc), die praktisch
verzögerungs- und blendfrei ansprechen. Die Innenmessung
gestattet gewöhnlich keine Lichtmessung.

74 Spiegelreflexsucher
Zusammen mit dem Spiegelreflexsucher führt die
Innenmessung zu einem Belichtungsmeßsystem, das mit
Ausnahme der Lichtmessung praktisch keine Wünsche offen
läßt. Die Anbringung mehrerer Meßzellen hinter dem
teildurchlässigen Umlenkspiegel gestattet, die Lichtverteilung
auf dem Bild beliebig genau und nach unterschiedlichen
Methoden zu ermitteln. Hierbei werden zum Beispiel Integral-,
Mehrfeld, Selektiv- und Spotmessung angeboten. Eingebaute
Rechenchips werten die Meßergebnisse verzögerungsfrei aus,
die daher sofort im Sucher angezeigt werden. Kombiniert mit
unterschiedlichen Automatikfunktionen, gehört dieses
Meßsystem zum Standard moderner Spiegelreflexkameras.

75 Integralmessung
Bei der Integralmessung wird ein Durchschnittswert der
Belichtungen für alle Bildpunkte, bei der sogenannten
mittenbetonten Integralmessung ein mittenbetonter Mittelwert
bestimmt.

76 Mehrfeldmessung
Bei der Mehrfeldmessung der Belichtung werden die
einzelnen Bereiche des Bildes in Felder eingeteilt und mit
Sensoren versehen. Die Ergebnisse der einzelnen Felder
werden nach angepaßter Wichtung ihres Beitrags zur
Belichtung gemittelt.

77 Selektivmessung
Bei der Selektivmessung wird ein Bereich im Zentrum des
Bildes berücksichtigt, der etwa 20% bis 25% der Bildfläche
entspricht.

78 Spotmessung
Bei der Spotmessung ist der Meßwinkel gewöhnlich kleiner
als 3°. Die Spotmessung erlaubt daher die gezielte Messung
auf die einzelnen Bereiche des Objekts. Damit kann der
Objektumfang bestimmt und eine angepaßte Belichtung
ermittelt werden.

79 Blitzbelichtungsmesser
Blitzbelichtungsmesser messen mit gerätespezifischen
Meßwinkeln von etwa 1 ° bis 45 ° das vom Blitzgerät

32
ausgesandte und vom Objekt reflektierte Blitzlicht. Als
Photodetektor dient gewöhnlich die verzögerungsfrei
arbeitende Silicium-Photozelle (sbc). Die Geräte sind
überwiegend auch für die Messung von Dauerlicht und einige
auch für Blitzlicht-Lichtmessung ausgelegt.

80 Leitzahl
Ein typisches Kennzeichen der Leistung eines Blitzgerätes
ist die Leitzahl. Sie ergibt sich als Produkt aus Blendenzahl
und Entfernung in Metern des zu beleuchtenden Objekts und
wird auf eine Filmempfindlichkeit von ISO 100/21 ° bezogen.
Wird bei dieser Filmempfindlichkeit ein Objekt zum Beispiel
mit Blendenzahl 5,6 in 7 m Entfernung gerade richtig belichtet,
so ist die Leitzahl des Blitzgerätes 5,6 x 7 ≈ 40.

81 Kameraverschluß
Beim Auslösen sorgt der Kameraverschluß für die
gewünschte oder passende Belichtungszeit. Bei rein
mechanisch arbeitenden Systemen wird hierzu die
Belichtungszeit vorgewählt und an der Kamera manuell
eingestellt. Bei elektromechanisch arbeitenden Systemen kann,
soweit eine manuelle Funktion vorgesehen ist, ebenso
vorgegangen werden. Bei Automatik-Funktion wird die durch
den Kamera-Belichtungsmesser ermittelte Belichtungszeit
zu einem entsprechenden Signal umgewandelt und der
Kameraverschluß entsprechend angesteuert. Bei
Programmautomatik-Funktion werden sowohl Kameraverschluß
als auch Blende zur richtigen Belichtung angesteuert. Bei
guten Systemen wird eine größte Toleranz von einem DIN-Grad
sowohl beim Kameraverschluß als auch bei der Blende
erwartet.

82 Zentralverschluß
Der Zentralverschluß einer Kamera ist gewöhnlich im
Objektivkörper an geeigneter Stelle untergebracht und besteht
aus mehreren Lamellen, die beim Auslösen ein zentral
gelegenes Fenster für die eingestellte Belichtungszeit öffnen.
Der Zentralverschluß gestattet Blitzaufnahmen bei allen
vorhandenen Verschlußzeiten. Bei Kompaktkameras sind
Blende und Kameraverschluß häufig zu einem Element
vereint, so daß der Kameraverschluß gleichzeitig die
Blendenfunktion übernimmt.

83 Schlitzverschluß
Der Schlitzverschluß hat zwei Vorhänge, die unmittelbar vor
der Negativebene angebracht sind und aus gummiertem
schwarzen Tuch, aus Metallfolie oder aus Metallamellen
bestehen. Ist der Verschluß gespannt, verdeckt der erste
Vorhang das Negativfenster. Beim Auslösen läuft er parallel zur
Bildebene und gibt das Licht auf das Negativ frei. Der zweite
Vorhang läuft mit gewissem Abstand hinterher und verdeckt
das Negativ wieder. Die Geschwindigkeit, mit der die Vorhänge

33
über das Negativ wandern, ist immer konstant. Die
Belichtungszeit wird durch den Abstand bestimmt, mit dem
der zweite Vorhang dem ersten folgt. Bei sehr kurzen
Belichtungszeiten ist dieser Abstand nur ein schmaler Schlitz,
was zu dem Namen dieses Verschlusses führt. Beträgt die Zeit,
die der erste Vorhang benötigt, um das Fenster ganz zu öffnen,
zum Beispiel 1/250 s, so darf bei Verwenden eines
Blitzgerätes der zweite Vorhang nicht vor Ablauf dieser 1/250 s
starten, damit das Fenster zu Beginn der Bewegung des
zweiten Vorhangs ganz geöffnet ist. Werden in diesem Beispiel
kürzere Belichtungszeiten als 1/250 s eingestellt, dann sind
Teile des Negativs nicht vom Blitzlicht belichtet worden, weil sie
durch den zweiten Vorhang bereits verdeckt sind. Dagegen
kann jede beliebige längere Belichtungszeit als 1/250 s zum
Blitzen verwendet werden.

84 Synchronisation
Ist ein Blitzgerät an die Kamera angeschlossen, so muß es
genau dann gezündet werden, wenn der Kameraverschluß
ganz geöffnet ist. Dabei muß die Anlaufzeit des Blitzlichts
berücksichtigt werden. Die Auslösung des Blitzlichts muß also
mit dem Ablauf des Kameraverschlusses synchronisiert sein.
Die Kamerahersteller berücksichtigen dabei heute nur noch die
Synchronisation für das Elektronenblitzgerät, während ältere
Kameras von Elektronenblitzgerät zu Blitzlampe umschaltbar
ausgerüstet wurden. Zum Anschluß des
Elektronenblitzgerätes hat die Kamera entweder einen
sogenannten Mittenkontakt im Aufsteckschuh oder eine
genormte Steckbuchse (X-Kontakt) oder beides. Werden
mehrere Blitzgeräte gleichzeitig durch eine geeignete
Maßnahme gezündet oder wird eine Studioblitzanlage
verwendet, so muß mit einer insgesamt längeren Brenndauer
gerechnet werden. In dem Fall sollte als kürzeste
Belichtungszeit 1/125 s nicht unterschritten werden, auch
wenn der Kameraverschluß kürzere Synchronzeiten als diese
zuläßt.

85 Tageslichtfilm
Tageslichtfilme sind auf die durchschnittliche
Farbtemperatur des Tageslichts von 5 500 K sensibilisiert, die
auch derjenigen von Blitzlicht eines Elektronenblitzgeräts
entspricht. Soll ein Tageslicht-Film mit Lichtquellen anderer
Farbtemperatur verwendet werden, helfen entsprechende
Korrektur- oder Konversionsfilter. Wird ein Tageslichtfilm
ohne geeignetes Korrektur- oder Konversionsfilter zum
Beispiel mit dem Kunstlicht von Fotoleuchten belichtet, so
werden die Rottöne zu stark betont.

86 Kunstlichtfilm
Kunstlichtfilme sind auf die Farbtemperatur der
Fotolampen von etwa 3 200 K sensibilisiert. Soll ein
Kunstlichtfilm mit Lichtquellen anderer Farbtemperatur

34
verwendet werden, so helfen auch hier entsprechende
Korrektur- oder Konversions-filter. Wird ein Kunstlichtfilm
ohne geeignetes Korrektur- oder Konversionsfilter zum
Beispiel mit Tageslicht belichtet, so werden die Blautöne zu
stark betont.

87 Filter
Filter in der Fotografie sind in der Masse gefärbte,
planparallele und gewöhnlich vergütete Glasscheiben, die mit
entsprechender Fassung vor das Objektiv gesetzt werden
können, oder es sind Kunststoff-Folien, in der Masse gefärbt
oder mit gefärbter Gelatine beschichtet, die in so genannten
Filterhaltern vor dem Objektiv oder vor der Lichtquelle
angebracht werden. Von Spezial-Filtern abgesehen, lassen
Filter bestimmte Anteile des Lichts bevorzugt durch und halten
andere zurück. Grundsätzlich gilt dabei, daß Filter Licht der
Eigenfarbe weitgehend ungehindert durchlassen, Licht der
Komplementärfarbe dagegen je nach Filterdichte mehr oder
weniger abschwächen. Filter dienen also dazu, die
Farbzusammensetzung des für die Aufnahme zur Verfügung
stehenden Lichts zu verändern und damit bestimmte Farben
des Objekts bei der Wiedergabe zu verstärken oder
abzuschwächen.

88 Korrektur- oder Konversionsfilter


Aufgabe des Korrektur- oder Konversionsfilters ist es, die
Farbtemperatur des Lichts an diejenige des Filmmaterials
anzupassen. Die Typbezeichnung von Korrekturfiltern, die die
Farbtemperatur senken, beginnt mit „KR“. So hat zum Beispiel
ein kräftiges, leicht gelbliches Skylight-Filter, das die
Farbtemperatur von 6 800 K auf 5 500 K senkt, die
Bezeichnung KR 3; ein Korrekturfilter, das die Anwendung von
Kunstlichtfilm bei Tageslicht erlaubt, also die Farbtemperatur
von 5 500 K auf 3 200 K senkt, hat die Bezeichnung KR 12. Die
Typbezeichnung von Korrekturfiltern, die die Farbtemperatur
anheben, beginnt mit „KB“. So hat zum Beispiel ein
Korrekturfilter, das die Anwendung von Tageslichtfilm bei
Kunstlicht erlaubt, also die Farbtemperatur von 3 200 K auf
5 500 K anhebt, die Bezeichnung KB 12.

89 UV-Filter
UV-Filter zeichnen sich dadurch aus, daß ihre Anwendung
wie die aller altbewährten Hausmittel gewöhnlich nicht schadet.
Wird jedoch keine Gegenlichtblende vor das UV-Filter gesetzt,
so erhöht sich der Streulichtanteil im Objektiv, was zu flauen
Bildern führen kann, siehe hierzu Kapitel 6. Außer in großen
Höhen im Hochgebirge bei sehr starker Sonneneinstrahlung
oder an der Küste bei rauem Wetter zum Schutz der Frontlinse
des Objektivs vor Salzwasserspritzern und ähnlich widrigen
Umständen ist die Benutzung eines UV-Filters eher
unzweckmäßig, mindestens aber völlig überflüssig.

35
90 Filter für die Schwarzweiß-Fotografie
Schwarzweiß-Filme geben Licht und Farben nur in
Grauwerten auf einer Skala von ganz schwarz bis ganz weiß
wieder. In der Schwarzweiß-Fotografie werden Filter eingesetzt,
um bestimmte Farben zu betonen oder abzuschwächen.
Gelbfilter zum Beispiel schwächen Himmelsblau ab und
erzeugen so auf dem Positiv einen dunkleren Himmel vor hellen
Wolken. Grünfilter lassen Blattgrün in hellerem Grau
erscheinen, als es unserem Eindruck entspricht. Orange- und
Rotfilter verstärken den Effekt des Gelbfilters bis zu einem
dramatischen Bildaufbau, machen Grün aber dunkel.
Filterhersteller liefern zu ihren Filtern eine Fibel, in der zu jedem
Filter seine typische Anwendung und Wirkung angegeben ist.

91 Spezial-Filter
Den Filter-Fibeln der einschlägigen Hersteller wie zum
Beispiel Hama, B+W oder Schneider können Hinweise auf eine
große Zahl von Spezial-Filtern entnommen werden. Hierzu
gehören zum Beispiel IR-Filter, Weichzeichner, Verlaufsfilter,
Tricklinsen und Graufilter. Letztere dienen dem Abschwächen
zu starken Aufnahmelichts, wie es gelegentlich im Hochgebirge
bei klarem Himmel auftreten kann.

92 Lineares Polarisationsfilter
Licht schwingt senkrecht zu seiner Ausbreitungsrichtung
statistisch verteilt in allen Ebenen. Spiegelt sich Licht in einer
nichtmetallischen Fläche, ist das reflektierte Licht je nach
Einfallswinkel mehr oder weniger polarisiert. Es schwingt
bevorzugt nur noch in einer Ebene parallel zu der
reflektierenden Fläche. Ein lineares Polarisationsfilter, kurz
Polfilter genannt, läßt nur solches Licht passieren, das in der
Polarisationsebene des Filters schwingt. Steht diese Ebene
senkrecht zu der spiegelnden Fläche, wird das reflektierte Licht
nicht durch das Filter durchgelassen, der durch die Spiegelung
hervorgerufene Blendeffekt ist damit ausgelöscht oder
aufgehoben.

93 Zirkular-Polarisationsfilter
Hinter das lineare Polarisationsfilter kann ein so genanntes
„Viertel-Wellenlängen-Blättchen“ geschaltet werden, das die
Eigenschaft besitzt, die Schwingungsebene von linear
polarisiertem Licht kontinuierlich zu drehen. Dieses System
wird als Zirkular-Polarisationsfilter bezeichnet. Seine
Anwendung ist bei jenen Spiegelreflexkameras erforderlich, bei
denen bei der Innenmessung der Belichtung der Meßstrahl
den Schwingspiegel passiert, der für linear polarisiertes Licht,
das senkrecht zu seiner Ebene schwingt, undurchlässig ist.
Dies kann ohne Zirkular-Polarisationsfilter zu erheblichen
Meßfehlern bei der Belichtungsmessung führen. Gleiches gilt
gegebenenfalls für den Autofokusmeßstrahl.

36
94 Objektumfang
Der Objektumfang ist der Helligkeitsumfang des
Aufnahmegegenstandes und wird auch Objektkontrastumfang
und Objekt- oder Motivkontrast genannt. Er ist das Verhältnis
der Leuchtdichte des hellsten zu der des dunkelsten Bereichs
eines leuchtenden Gegenstands oder einer leuchtenden
Fläche. Bei beliebiger aber fester Einstellung der Blende
entspricht der Objektumfang dem Verhältnis der für die beiden
Bereiche gemessenen Belichtungszeiten.

95 Belichtungsumfang von Schwarzweiß-Filmen


Der Belichtungsumfang eines Schwarzweiß-Films kann
seiner Dichtekurve entnommen werden, die die Schwärzung
des Films auf der y-Achse als Funktion der Belichtung
darstellt, die logarithmisch auf der x-Achse aufgetragen wird.
Der Belichtungsumfang entspricht dem Bereich der x-Achse,
der unter dem nutzbaren Dichteumfang der Kurve liegt. Sind
dies zum Beispiel acht Belichtungsstufen, so ist der
Belichtungsumfang auf der x-Achse der Dichtekurve gerade
log28 = 8log2 = 2,4. Dies entspricht etwa dem Verhältnis der
Belichtungszeiten von 250:1. Theoretisch muß der
Belichtungsumfang des Films mindestens dem Objektumfang
entsprechen. Siehe hierzu aber Kapitel 6.

96 Dichteumfang von Schwarzweiß-Filmen


Der Dichteumfang eines Schwarzweiß-Films entspricht der
Differenz von größter zu kleinster Schwärzung. Diese Differenz
kann 2,5 und mehr betragen. Nutzbar ist jedoch nur ein
Dichteumfang von etwa 1,5, weil Fotopapier keine größeren
Kontraste verarbeiten kann.

97 Kopierumfang von Schwarzweiß-Fotopapier


Dem Belichtungsumfang des Films entspricht der
Kopierumfang des Fotopapiers. Er beträgt bei sehr weich
arbeitendem Papier maximal 5log2 ≈ 1,5 oder einem
Belichtungsverhältnis von 32:1 und nimmt mit zunehmender
„Härte“ des Papiers ab. Negative mit größerem
Kontrastumfang als 32:1 können daher bei
Vergrößerungsarbeiten Probleme bereiten.

98 Graukarte
Eine Graukarte besteht zum Beispiel aus einem Karton, der
auf einer Seite mit einer grauen Beschichtung versehen ist, die
gerade 18% (genau 17,68%) des auffallenden weißen
Tageslichtes reflektiert. Dieses Grau wird als Standardgrau
bezeichnet. Entsprechend einer internationalen Vereinbarung
wird dieser Reflexionswert bei der Kalibrierung aller
Belichtungsmeßsysteme berücksichtigt. Eine Graukarte kann
daher als wichtiges Hilfsmittel bei der Belichtungsmessung
dienen.
Dabei wird der Belichtungsmesser in hinreichend dichtem
Abstand auf die Graukarte gerichtet, die dazu an die Stelle des

37
Objekts gehalten wird. Graukarten sind in den Formaten A4, A5
und A6 lieferbar und werden zum Beispiel von Fotowand oder
Kodak angeboten.

99 Available light
Dieser aus dem Englischen übernommene Ausdruck heißt
so viel wie vorhandenes Licht und beschreibt den Zustand der
Lichtverhältnisse zum Beispiel bei Bühnenaufnahmen, im
Zirkus und ähnlichen Situationen, wo es dem Fotografen nicht
gestattet ist, mittels Blitz oder gar Fotolampen der für die
Fotografie schwachen Beleuchtung nachzuhelfen.
Available light bedeutet also, sich mittels hochempfindlichem
Film und lichtstarkem Objektiv auf diese Situation
vorzubereiten.

100 Streulicht
Streulicht ist vagabundierendes Licht, das nicht zum
Bildaufbau beiträgt. Es erzeugt zum Beispiel im
Aufnahmeobjektiv den so genannten Streulichtanteil und in
der Dunkelkammer bei Verwendung einer
Beleuchtungseinrichtung des Vergrößerungsgeräts mit
Kondensorlicht den Callier-Effekt. Siehe hierzu Kapitel 2.

101 Streulichtanteil
Bei einer fotografischen Aufnahme wird der Streulichtanteil
des Aufnahmeobjektivs durch die Annahme definiert, daß er für
jeden Bildpunkt in der Filmebene gleich groß ist. Sein Betrag
wird in % der größten Beleuchtungsstärke angegeben, die
irgendwo in der Filmebene auftritt. Nach Auskunft von Leica AG
beträgt der Streulichtanteil moderner Leica-Objektive 2% bis
2,5%. Rollei gibt für die in Lizenz gefertigten Zeiss-Objektive
Beträge von 0,5% bis höchstens 1,5% an. Marchesi stellt Werte
von 1% bis 2% zur Diskussion [4]. Bei einem angenommenen
Objektumfang von zum Beispiel 500:1 ist die größte relative
Beleuchtungsstärke auf dem Negativ 500 und die kleinste 1.
Der Streulichtanteil addiert sich zur Beleuchtungsstärke.
Beträgt er zum Beispiel 1,5%, so addieren sich 7,5, nämlich
1,5% von 500. Damit reduziert sich der Umfang der
Beleuchtungsstärke oder der Belichtungsumfang auf dem
Negativ zu (500 + 7,5)/(1 + 7,5) = 60:1. Das Streulicht bewirkt
also eine Komprimierung des Belichtungsumfangs. Das führt
bei zu großem Streulichtanteil zu einem flauen Negativ.
Andererseits zeigt das angeführte Rechenbeispiel, daß der
Streulichtanteil hilft, einen großen Objektumfang mit
herkömmlichem Filmmaterial zu verkraften, denn ein Dia-Film
hat zum Beispiel nur einen Belichtungsumfang von
höchstens 64:1.

102 Callier-Effekt
Besteht die Beleuchtungseinrichtung des
Vergrößerungsgeräts aus einem Kondensorsystem, so wird das
durch den Kondensor stark gerichtete Licht an den Partikeln

38
der Filmschicht, also den Silberkornzusammenballungen, aber
auch an Staubteilchen, Schrammen und sonstigen
Verunreinigungen gestreut und geht für die Abbildung verloren.
Dieser Callier-Effekt genannte Vorgang verstärkt sich mit
zunehmender Dichte des Negativs. Daher wird eine Stelle der
Kopie weniger geschwärzt, als es der Dichte der zugehörigen
Stelle des Negativs entspricht. Die Streuung des gerichteten
Lichts bewirkt also eine scheinbare Verstärkung des
Dichteumfangs, das Negativ erscheint härter und erfordert für
die Kopie weicheres Papier als bei Anwendung einer
Beleuchtungseinrichtung mit diffusem Licht.

103 Gegenlicht
Scheint das Hauptlicht zur Beleuchtung des Objekts ganz
oder überwiegend in die Richtung des Kamerastandorts, so
wird es als Gegenlicht bezeichnet, entsprechende Aufnahmen
als Gegenlichtaufnahmen. Bei Aufnahmen im Gegenlicht muß
unbedingt vermieden werden, daß das Licht der
Beleuchtungsquelle auf die Frontlinse des Objektivs fällt. Die
damit verbundene starke Erhöhung des Streulichtanteils im
Objektiv würde die Aufnahme verderben. Abhilfe schafft eine
Gegenlicht- oder Sonnenblende, die Abschattung mit der
Hand oder einem geeigneten Karton oder ein natürlicher
Schatten, den zum Beispiel ein Baum wirft.

104 Sonnenblende
Siehe hierzu Gegenlichtblende.

105 Gegenlichtblende
Die Gegenlichtblende, auch Sonnenblende genannt,
bewirkt, daß die Frontlinse des Objektivs gegen seitlich
einfallendes Licht, das nicht zum gewünschten Bildaufbau
beiträgt, abgeschirmt wird. Dies gilt in besonderem Maße bei
Gegenlichtaufnahmen. Jedoch erfolgt unter allen
Aufnahmebedingungen mehr oder weniger seitlicher
Lichteintritt. Daher muß die Gegenlichtblende immer benutzt
werden, wenn klare und kontrastreiche Bilder gewünscht sind.
Leider steht der Begriff Gegenlicht- oder Sonnenblende dem
entgegen und verleitet dazu, die Gegenlichtblende gewöhnlich
wegzulassen. Der verwegene Amateur schraubt statt dessen
ein UV-Filter auf das Objektiv, womit der Streulichtanteil
nochmals deutlich erhöht wird. Die Gegenlichtblende heißt im
Englischen lens hood, übersetzt Objektivhaube. Der englische
Begriff schränkt die Benutzung also nicht auf Gegenlicht und
Sonne ein. Siehe hierzu auch Kapitel 6.

39
ZITAT
Entnommen aus der utopischen Fabel Neu-Atlantis von
Francis Bacon (1561-1626), Seite 51, Reclam, 2003,
ursprünglich veröffentlicht 1624 in Utrecht in lateinischer
Sprache:

„Dann gibt es bei uns noch Häuser für Optik, in denen wir
Versuche auf dem ganzen Gebiet der Farben anstellen. Aus
durchsichtigen und farblosen Gegenständen stellen wir die
einzelnen Farben her, nicht die regenbogenfarbenen
Lichtstrahlen, wie sie Edelsteine und Prismen zeigen, sondern
einfache und beständige richtige Farben. Insbesondere
befassen wir uns auch mit allen Verstärkungen der
Lichtstrahlen, so daß wir das Licht auf weite Entfernungen
aussenden und seine Stärke am Ort des Auftreffens so sehr
erhöhen können, daß man bei dieser Beleuchtung auch die
feinsten Linien und Punkte unterscheiden kann. Wir können
auch farbiges und buntes Licht jeder Art hervorbringen, ferner
alle möglichen optischen Täuschungen in Bezug auf Formen,
Dimensionen, Bewegungen und Farben, endlich auch
Schauspiele und Erscheinungen, die auf Luftspiegelung
beruhen.“

40
ANHANG A
Sperrschicht-Photodetektor

A1 HALBLEITERDIODE
Halbleiter sind gewöhnlich kristalline Festkörper, die bei
tiefen Temperaturen in einem elektrischen Stromkreis wie
Isolatoren wirken und bei höheren Temperaturen eine gewisse
elektrische Leitfähigkeit annehmen. Eine Halbleiterdiode
besteht aus zwei Halbleitern verschiedenen Leitungstyps, die
aneinander grenzen. Durch entsprechende Dotierung oder
„Verunreinigung“ der Kristallstruktur infolge Zugabe kleiner
Mengen geeigneter Elemente wird im Halbleiterkristall ein
Überschuß an freien Ladungsträgern erzielt, die positiv (p-Typ)
oder negativ (n-Typ) sein können. Die positiven Ladungsträger
werden auch als „Löcher“ bezeichnet, die negativen
Ladungsträger sind Elektronen. Wird an eine Diode, die aus
zwei solchen Halbleitern besteht, eine Batteriespannung gelegt
mit dem positive Pol an den p-Typ, so fließt ein Strom, siehe
hierzu Bild A1. Wird die Polarität umgekehrt, so fließt praktisch
kein Strom, siehe hierzu Bild A2. Eine Halbleiterdiode ist
demnach ein Gleichrichter, der Strom nur in einer Richtung
durchläßt, nämlich von dem Halbleiter des p-Typs zu dem
Halbleiter des n-Typs. Die Grenzschicht zwischen den beiden
Halbleitern wird entsprechend als Sperrschicht bezeichnet.

A2 SPERRSCHICHT-PHOTOEFFEKT
Tatsächlich fließt auch in Sperr-Richtung nach Bild A2 ein
Strom, der jedoch sehr gering ist und bei der Anwendung als
Gleichrichter vernachlässigt werden kann. Bei gewissen
Halbleitern hat die Sperrschicht die Eigenschaft, unter der
Einwirkung von Licht zusätzliche Ladungsträger freizusetzen.
Die dadurch entstehende geringe Spannung wirkt der
angelegten Spannung entgegen und ändert den Sperrstrom.
Diese Änderung des Sperrstroms wird als Photostrom
bezeichnet, der Vorgang als Sperrschicht-Photoeffekt und die
entsprechende Diode als Photodiode oder Sperrschicht-
Detektor. Der Sperrschicht-Detektor ist damit ein Sonderfall des
Photodetektors.

p n
+ + - -

Bild A1 – Halbleiterdiode in Durchlaßrichtung

Der Photostrom ist weitgehend proportional der


Beleuchtungsstärke infolge des Lichteinfalls auf die Detektor-
Zelle und wird in einem elektronischen Schaltkreis verstärkt.

41
Das so entstandene Signal dient der Steuerung der analogen
oder digitalen Anzeige des Belichtungswertes beziehungsweise
bei Innenmessung zur Steuerung der Belichtungsfunktionen der
Kamera.

p n
- + - +

Bild A2 – Halbleiterdiode in Sperrichtung

A3 PHOTODIODE
Geeignete Halbleiter für die Photodiode sind zum Beispiel
Germanium, Selen und Silizium. Besondere Bedeutung haben
heute Photodioden aus Silizium, das einen p-Typ ergibt, wenn
es mit Bor dotiert wird (Löcherüberschuß), und einen n-Typ,
wenn es mit Phosphor dotiert wird (Elektronenüberschuß).
Bild A3 zeigt ein Beispiel für den Aufbau einer Photodiode.

Licht
Metallisierung
Isolator Substrat
p
n

Bild A3 – Schematische Darstellung einer


Photodiode in Sperrichtung

42
ANHANG B
Elektrische Lampen

Das folgende Schema zeigt die wichtigsten heute


gebräuchlichen elektrischen Lampentypen. Lampen für
fotografische Anwendungen sind fett gedruckt.
Lampen mit Umwandlung elektrischer Energie in
Lichtenergie

Glühlampe

Standardlampe mit Argon-Stickstoff-Gasfüllung


Kryptonlampe mit Krypton-Gasfüllung.
Opallampe, 3 000 bis 3 200 K, für Schwarzweiß-
Vergrößerungsgerät mit Kondensorbeleuchtung.
Niedervolt-Kaltspiegel-Halogenlampe, 3 200 K, für
Farbmischlicht-Schacht und für Projektionsgeräte.
Halogen-Aufnahmelampe für 230 V, zum Beispiel
Osram Halogen-Superphot, 3 200 K.
Halogenlampe für 230 V für allgemeine Anwendung.

Gasentladungslampe

Lichtbogenlampe mit Kohleelektroden (Bogenlampe),


7 000 K und darüber, früher für Filmvorführungen und
ähnliche Anwendungen.
Xenon-Hochdrucklampe mit hoher Leuchtdichte mit
weiß-bläulichem Licht für Laufbildprojektion und
neuerdings f ür Autoscheinwerfer.

Metalldampflampe

Quecksilberdampflampe

Leuchtstofflampe, mit Leuchtstoff und


Quecksilber gefüllt (Niederdruck).
Quarzlampe aus UV-durchlässigem
Quarzglas, mit Quecksilber gefüllt
(Hochdruck), für Heimsonne und Solarium.

Natriumdampflampe, zum Beispiel


Dunkelkammerkammerleuchte von Osram.

Halogen-Metalldampflampe für Straßenleuchten


und Flutlicht.

Leuchtdiode (Light emitting diode, LED)

Halbleiterdiode auf Basis Gallium-Phosphor


mit monochromatischem Licht für Dunkelkammer-
Beleuchtung

43
ANHANG C
Alphabetisches Register

Begriff Nummer

Äußerer Photoeffekt 22
Automatische Belichtungsmessung 72
Available light 99
Beleuchtungsstärke 18
Belichten 50
Belichtung 19
Belichtungsmesser 65
Belichtungsmessung 64
Belichtungsstufe 61
Belichtungsumfang von Schwarzweiß-Filmen 95
Belichtungswert 62
Belichtungszeit 58
Blende 59
Blendenzahl 60
Blitzbelichtung 46
Blitzbelichtungsmesser 79
Blitzgerät 44
Blitzlampe 48
Blitzlicht 45
Cadmiumsulfidzelle 29
Callier-Effekt 102
Dauerlicht 38
Dichteumfang von Schwarzweiß-Filmen 96
Elektrische Lampen 41
Elektromagnetische Strahlung 7
Elektronenblitzgerät 49
Farbe 8
Farbspektrum 10
Farbtemperatur 13
Filter 87
Filter für die Schwarzweiß-Fotografie 90
Fotografie (Photographie) 3
Fotolampe 43
Fotoleuchte 42
Fotolichtquelle 37
Frequenz 5
Gegenlicht 103
Gegenlichtblende 105
Gekoppelter Belichtungsmesser 71
Graukarte 98
Halbleiter-Photoelement 24
Halbleiter-Photozelle 25
Handbelichtungsmesser 69
Hellempfindlichkeit 34
Herschel-Effekt 57
Innen- oder TTL-Messung 73
Innerer Photoeffekt 21

44
Integralmessung 75
Kamera-Belichtungsmesser 70
Kameraverschluß 81
Kopierumfang von Schwarzweiß-Fotopapier 97
Korrektur- oder Konversionsfilter 88
Kunstlicht 40
Kunstlichtfilm 86
Latensifikation 56
Leitzahl 80
Leuchtdichte 16
Licht 1
Lichtgeschwindigkeit 4
Lichtmenge 17
Lichtmessung 68
Lichtstärke 14
Lichtstrom 15
Lichtwert 63
Lineares Polarisationsfilter 92
Mehrfachbelichten 76
Mehrfeldmessung 76
Meßwinkel 67
Nachbelichten 55
Objektmessung 66
Objektumfang 94
Photo... 2
Photodetektor 20
Photodiode 31
Photoelement 23
Photometer 35
Photometrie 33
Photowiderstand 27
Physikalisches Photometer 36
Pulverblitzgerät 47
Schlitzverschluß 83
Schwarzer Körper 11
Selektivmessung 77
Selen-Photoelement 26
Selenzelle 28
Silizium-Photodiode 32
Sonnenblende 104
Sperrschicht-Photodetektor 30
Spezial-Filter 91
Spiegelreflexsucher 74
Spotmessung 78
Streulicht 100
Streulichtanteil 101
Synchronisation 84
Tageslicht 39
Tageslichtfilm 85
Thermodynamische Temperatur 12
Überbelichten 52
Unterbelichten 53

45
UV-Filter 89
Vorbelichten 54
Weißes Licht 9
Wellenlänge 6
Zentralverschluß 82
Zirkular-Polarisationsfilter 93

46
ANHANG D
(informativ)

Damit es hell bleibt auch im Dunkeln,


läßt Edison die Lampe funkeln.
Mit ihrem Schein gibt sie uns Licht,
doch ohne Strom entflammt sie nicht.
Weil Strom nicht so vom Himmel fällt,
baut er das erste Kraftwerk dieser Welt

Thomas Alva Edison


Amerikanischer Elektroingenieur
Geboren am 14.02.1847 in Milan, Ohio,
gestorben am 18.10.1931 in West Orange, New York

Edison hat uns das elektrische Licht gebracht, indem er die


Großserienfertigung von elektrischen Lampen einführte. Er
meldete über 1 000 Patente an. Einige seiner bedeutendsten
Entwicklungen und Erfindungen sind
1876 Kohlekörnertelefon;
1677 Phonograph;
1879 Kohlefadenlampe;
1881 Generator mit Dampfmaschine gekoppelt;
1882 Erstes öffentliches Elektrizitätswerk der
Welt in New York für Straßenbeleuchtung;
1883 Er erkannte die Glühemission (Austritt von
Elektronen aus glühender Kathode unter
Vakuum);
1889 Kinematograph (Filmaufnahmegerät);
1893 1 3/8-Zoll-Film (35-mm-Film) mit beidseitiger
Perforation, 1896 zum Patent angemeldet;
1895 Vitaskop (Laufbildprojektor);
1904 Eisen-Nickel-Akkumulator;
1904 Ein Betongießverfahren.
Vieles hiervon wurde im frühen 20. Jahrhundert und noch
zu Lebzeiten Edisons zu großtechnischer Reife gebracht und
industriell ausgewertet und bis heute weltweit verbreitet. Kein
anderer Pionier der Frühzeit des Industriezeitalters konnte am
Ende seines Lebens in praktisch jedem Erdenwinkel so viele
technische Einrichtungen sehen, deren Ursprung auf seinen
Ideen, Erfindungen und Entwicklungen beruhte.
Einer der Beiträge Edisons zur Fotografie hat bis auf den
heutigen Tag weltweit Bestand, nämlich der beidseitig
perforierte Kinofilm (cine-film) mit einer Breite von 1 3/8 inch
(Zoll). Wegen 1 inch = 25,4 mm ergibt sich für die Breite des
Films im metrischen System gerade 35 mm. Edison hat diesen
Film 1893 entwickelt und 1896 zum Patent angemeldet. Etwa
15 Jahre später entschied sich Oskar Batnak bei Leitz, für
diesen Film wegen seiner von Charge zu Charge
schwankenden Empfindlichkeit einen Belichtungsmesser zu
bauen. Aus diesem Projekt ergab sich sozusagen als

47
Nebenprodukt die Leica-Kamera. In der Folge wurde damit
Edisons Kinofilm auch in 1,5 m Längen für 36 Aufnahmen und
in lichtdichten Patronen konfektioniert und zuerst als Leica-Film,
dann in Deutschland als Kleinbildfilm und weltweit als
135 mm-Film in die Fotografie eingeführt.

Anmerkung – Die Frage, warum es gerade 36 Aufnahmen geworden


sind, läßt mehrere Vermutungen zu. Der Platz in der Filmpatrone ist
begrenzt, aber auch der Platz für die Anzeige des Zählwerks, die aus einer
Gravur am Aufzugsknopf besteht, läßt kaum mehr als 36 Zähler zu.
Schließlich befand man sich in der Weltwirtschaftskrise, und viele
Entlassungen standen bevor. Die Entscheidung für die Leica war eher als
ein Griff nach dem Stromhalm zu verstehen. Da durften keine Marketing-
Fehler gemacht werden. Und das Team um Barnak hatte den Wettbewerb
sicher fest im Blick: Die Rollfimbox mit 9 Aufnahmen 6x9 im Verrhältnis 1:1,5
war bereits weltweit millionenfach verbreitet. Ein Film mit 36 Aufnahmen
24x36 lieferte aber genau viermal so viele Belichtungen bei gleichem
Seitenverhältnis und für etwa den gleichen Preis. Schließlich entsprechen 36
Aufnahmen ziemlich genau einem Filmstreifen von 1,50 m Länge. Jede
Bildlänge beträgt mit einem Steg zwischen zwei Bildern gerade 38 mm.
Einschließlich Lasche gehen am Filmanfang etwa drei Bildlängen verloren,
und am Ende bleibt etwa eine halbe Bildlänge in der Patrone stecken. 39,5
Bildlängen zu 38 mm ergeben aber gerade 1,50 m, ein einprägsames Maß
für den Handel und den Benutzer von Meterware. Zusammen mit
erstklassiger Optik trat man so gegen die Box an, die dann zu Beginn der
50er vom Markt verschwand.
All das hatte Edison noch zu seinen Lebzeiten erfahren, und vielleicht
hat er bereits mit einer Leica fotografiert. Aber jetzt sitzt er im Himmel in
seinem Logenplatz, um das Theater auf unserer Erde zu betrachten. Dabei
schaut er zornig und mit Unverständnis auf seine unfähigen, geldgierigen
und korrupten Kollegen, die am 14. August 2003 New York und Teile
Nordamerikas, etwa so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, im
Dunkeln versinken ließen.

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50
Kapitel 2

SCHWARZWEISS-FOTOGRAFIE
Eine praktische Einführung

51
Abschnitt INHALT Seite

1 Einleitung 54
2 Aufgabe 54
3 Begriffe 55
4 Schwarzweiß-Filme 64
4.1 Übersicht 64
4.2 Empfindlichkeit 12 bis 18 ° DIN 65
4.3 Empfindlichkeit 19 bis 24 ° DIN 65
4.4 Empfindlichkeit 25 bis 30 ° DIN 66
4.5 Wahl des Films
5 Entwickler für Schwarzweiß-Filme 67
5.1 Übersicht 67
5.2 Wirkungsweise 67
5.3 Feinkornentwickler 67
5.4 Schichtoberflächen-Entwickler 68
5.5 Schichttiefen-Entwickler 69
5.6 Einmal-Entwickler 69
5.7 Mehrfach-Entwickler 69
5.8 Zwei-Stufen-Entwickler 69
5.9 Die Entwickler nach Tabelle 10 70
5.9.1 Der Methusalem 70
5.9.2 Der Kleinbild-Spezialist 70
5.9.3 Der Kornzerkleinerer 71
5.9.4 Die Schiedsrichter 71
5.9.5 Der Außenseiter 71
5.10 Wahl des Filmentwicklers 71
6 Film-Entwickler-Kombination 72
7 Belichten von Filmen 72
7.1 Belichtungsmessung 73
7.2 Objektmessung 73
7.2.1 Manuelle Einpunkt-Objektmessung 76
7.2.2 Messung auf Graukarte 76
7.3 Lichtmessung 76
8 Entwickeln von Filmen 77
8.1 Allgemeine Hilfsmittel 77
8.2 Hilfsmittel für die Entwicklung 77
von Filmen
8.3 Chemikalien 77
8.4 Entwicklung 78
8.5 Entwicklungsdose 78
8.6 Lösungen 78
8.6.1 Entwicklerlösung 79
8.6.2 Stoppbad 79
8.6.3 Fixierbad 80
8.6.4 Schlußwässerung 80
8.6.5 Entspanntes Wasser 80
8.6.6 Trocknen des Films 80
8.7 Sicherheitshinweise 81
8.8 Aufbewahrung des Films 81
9 Fotopapier 81
9.1 Schichtträger 81

52
9.2 Fotografische Schicht 82
9.3 „Marktübersicht“ 82
9.4 Fest graduiertes Papier 82
9.5 Gradationswandelpapier 83
9.6 Papieroberfläche 83
9.7 Hinweise 83
10 Entwickler für Fotopapier 84
11 Belichten von Fotopapier 84
12 Entwickeln von Fotopapier 85
12.1 Allgemeine Hilfsmittel 85
12.2 Hilfsmittel für die Entwicklung 85
von Fotopapier
12.3 Chemikalien 85
12.4 Entwicklung 85
12.5 Entwicklungsgefäße 86
12.6 Lösungen 86
12.6.1 Entwicklerlösung 86
12.6.2 Stoppbad 86
12.6.3 Fixierbad 96
12.6.4 Schlußwässerung 87
12.6.5 Stabilisatorlösung 87
12.7 Trocknen des Fotopapiers 87
12.8 Sicherheitshinweise 88
13 Die Aufnahme 88
13.1 Technik 88
13.2 Gestaltung 88
13.3 Präsentation des Bildes 89
13.3.1 Aufziehen 90
13.3.2 Das Passepartout 90
13.3.3 Die optische Wirkung des 90
Passepartout 90
13.3.4 Anfertigen von Passepartout und 91
Rahmen
13.4 Hilfsmittel 93
13.4.1 Benötigte Werkzeuge 93
13.4.2 Benötigte Werkstoffe 93

Anhang A Lichtmessung, Einpunktmessung 94


und Mehrpunktmessung
A1 Belichtungsmesser und Graukarte 94
A2 Einpunktmessung 94
A2.1 Objektmessung ohne Graukarte 94
A2.2 Objektmessung mit Graukarte 94
A2.3 Lichtmessung 95
A3 Mehrpunktmessung 95
A3.1 Manuelle Mehrpunktmessung 95
A3.2 Integrierte Mehrfeld-Meßsysteme 96
A4 Folgerungen 96

53
1 EINLEITUNG
Dieses Kapitel beruht auf einem Referat vor den
Hamburger Leica Freunden im Februar 1993. Trotz der rasch
fortschreitenden Entwicklungen auf dem Gebiet der digitalen
Fotografie und ihren unbestrittenen Vorteilen für die Reportage
wird die Chemie noch lange die preiswerte Grundlage für
Hobby- und Amateurfotografen sein. Die Forschungen im
letzten Jahrzehnt haben zur Entwicklung neuartiger Filme und
Papiere geführt, die zu deutlich verbesserte Ergebnisse liefern
und sich auch leichter und sicherer verarbeiten lassen. Sie
warten mit einigen Eigenschaften auf, die vorerst auf digitalem
Wege noch nicht zu erreichen und auch vom Taschengeld nicht
zu bezahlen sind. Der Veteran unter den Schwarzweiß-Filmen,
der Klassiker Agfapan APX 100 Professional, als Typ seit etwa
einem viertel Jahrhundert im Markt, löst noch Linien auf, die auf
dem Negativ mit einem Abstand von nur 0,007 mm abgebildet
sind. Diese Auflösung kann digital erreicht werden, wenn der
Abstand des Pixel-Rasters höchstens 0,005 mm beträgt. Das
würde etwa 32 Millionen Pixel für das Kleinbildformat und
125 Millionen Pixel für das 6x6-Format des 120er Rollfilms
entsprechen.
Hierzu zeigt ein Vergleich der derzeitigen Kosten
dramatische Unterschiede. In der Fotoecke des Drogerie- oder
Supermarktes wird zum Beispiel ein Farbposter in
angemessener Qualität und im Format 30 cm x 45 cm für 1 bis
1,5 EUR angeboten, ein Poster im Format 50 cm x 75 cm für 3
bis 5 EUR. Könnte der Amateur sich den Luxus eines
entsprechend großen Druckers leisten, so dürfte dieses Poster
den Tintenvorrat im Gegenwert von 20 bis 30 EUR
aufbrauchen, wobei die Papierkosten und die unvermeidlichen
Fehldrucke nicht berücksichtigt sind. Schwarzweiß-Poster
fertigen wir selbst und ähnlich preiswert an wie die Farbposter
im Drogeriemarkt. Daher werden uns der Reiz und die
vielfältigen Möglichkeiten der klassischen Fotochemie noch
lange erhalten bleiben.

2 AUFGABE
Es werden Informationen ohne nennenswerte Anwendung
von Theorie zusammengefaßt, die den erforderlichen
Kenntnisstand für die Herstellung technisch brauchbarer bis
guter Schwarzweiß-Bilder vermitteln. Die angeführten Beispiele
beruhen auf den heute marktgängigen Materialien. Besonderer
Wert wurde auf die Erklärung einiger wichtiger Begriffe gelegt,
da begriffliche Unstimmigkeiten ein großes Hindernis für das
Verständnis dieses Arbeitsgebietes sind. Anwendungen wie
Tonen, Retuschieren und andere verändernde, verbessernde
oder verfremdende Möglichkeiten und Mittel einschließlich
elektronischer Bildbearbeitung werden nicht behandelt. Dies gilt
auch für Infrarotfotografie sowie für bildhafte Fotografie mit
Reproduktionsfilmen wie zum Beispiel Kodak Technical Pan.
Hierzu wird auf die weitergehende Fachliteratur verwiesen.

54
3 BEGRIFFE
Farbnegativ-Filme weisen einen Belichtungsspielraum von
teilweise mehr als ± zwei Belichtungsstufen auf, ohne daß die
erwartete Qualität bei Ausnutzung dieser Grenzen besonders
leidet. Dies gilt dagegen nicht für Schwarzweiß-Filme. Soll der
ganze Helligkeitsumfang eines Objektes problemlos auf Papier
kopiert werden können, so darf die Belichtung höchstens um
eine halbe Belichtungsstufe nach oben oder unten vom
optimalen Wert abweichen. Die Kenntnis der folgenden Begriffe
hilft, die Bedeutung der richtigem Belichtung besser zu
verstehen. Die Reihenfolge der aufgezählten Begriffe ist nicht
alphabetisch sondern nach didaktischen Überlegungen
geordnet. Erscheint in der Erklärung eines Begriffs ein weiterer,
der hier auch erklärt wird, so ist er fett gedruckt.

Relative Belichtung
Als relative Belichtung wird der Quotient zweier
Belichtungswerte H2 und H1 bezeichnet. Sein Logarithmus wird
bei Dichte- oder Schwärzungskurven als unabhängige
Variable in Richtung der x-Achse aufgetragen,
log(H2/H1) = log H2 -log H1.

Blendenstufe
Der Übergang bei der Einstellung des Objektivs von einer
Blendenzahl zur vorhergehenden oder nächstfolgenden wird als
Blendenstufe bezeichnet.

Kontrastumfang
Der Kontrastumfang wird auch als Helligkeitsumfang oder
einfach als Kontrast bezeichnet. Er ist das Verhältnis der
Leuchtdichte des hellsten zu der des dunkelsten Bereichs eines
leuchtenden Gegenstandes oder einer leuchtenden Fläche. Bei
beliebiger aber fester Einstellung eines Belichtungsmessers
entspricht der Kontrastumfang dem Verhältnis der für die
beiden Bereiche gemessenen Belichtungszeiten. Der Begriff
des Kontrastumfangs bezieht sich also immer auf direkt
gemessene Belichtungszeiten.

Helligkeitsumfang des Aufnahmegegenstandes


Ein Sonderfall des Kontrastumfangs ist der
Helligkeitsumfang des Aufnahmegegenstandes und wird auch
als Objektkontrastumfang, als Objekt- oder Motivkontrast oder
einfach als Objektumfang bezeichnet.

Kontrastumfang des Negativs


Der Begriff Kontrastumfang wird auch auf Negative
angewendet und läßt sich einfach darstellen. Wird zum Beispiel
das Negativ vom Vergrößerungsobjektiv des
Vergrößerungsgerätes auf das Grundbrett projiziert, so ergibt
sich als Kontrastumfang des Negativs das Verhältnis der
beiden Belichtungszeiten, gemessen an der hellsten und an
der dunkelsten Stelle auf dem Grundbrett, wenn diese Stellen

55
noch mit erkennbarer Struktur auf das Papier kopiert werden
sollen.

Entwicklung
Unter Entwicklung wird der chemische Prozeß verstanden,
bei dem die belichtete fotografische Schicht in eine stark
reduzierende Lösung, nämlich den Entwickler getaucht wird,
wobei die Silberhalogenid-Moleküle, die durch Lichteinwirkung
“geimpft“ sind, zu schwarzem, metallischen Silber reduziert
werden.

Dichte und Schwärzung


Dichte, Schwärzung, Schwärzungsdichte oder Dichte der
Schwärzung sind verschiedene gebräuchliche Ausdrücke für
den gleichen sachlichen Inhalt. Zur einfacheren Unterscheidung
soll hier beim Negativ von Dichte und beim Papier von
Schwärzung gesprochen werden. Je mehr die fotografische
Schicht belichtet wird, um so größer wird die Dichte oder die
Schwärzung nach der Entwicklung sein. Jede lichtempfindliche
Schicht besitzt jedoch eine Sättigung der Dichte oder
Schwärzung. Wird weiter belichtet, so nimmt die Dichte oder
Schwärzung wieder ab. Der Dichte- oder Schwärzungsbereich
jenseits der Sättigung ist nicht Gegenstand dieser
Betrachtungen.

Relative Dichte und relative Schwärzung


Die Begriffe Dichte und Schwärzung sind logarithmisch
definiert und bedürfen daher, wie alle logarithmischen Angaben,
immer einer geeigneten Bezugsgröße. Es kann daher nur der
Unterschied zweier Dichte- oder Schwärzungswerte gemessen
und angegeben werden. Dichte und Schwärzung ergeben sich
einfach aus der Differenz der Logarithmen von zwei
Belichtungszeiten. Wird ein Negativ in die Filmbühne eines
Vergrößerungsgerätes gelegt und auf das Grundbrett projiziert,
so kann mit irgendeiner festen Einstellung des
Laborbelichtungsmessers die Belichtungszeit an zwei
beliebigen Stellen des abgebildeten Negativs gemessen
werden. Die Differenz der Logarithmen dieser beiden
Belichtungszeiten t1 und t2 gibt gerade die Dichtedifferenz der
beiden Negativstellen oder die relative Dichte D der zweiten
Stelle bezogen auf die erste an,
D = logt2 - logt1
= log(t2/t1).
Entsprechendes gilt für die Schwärzung von
fotografischem Papier, nur kann hier nicht mit einfachen Mitteln
wie beim Negativ die relative Schwärzung bestimmt werden.

Schleier und Dichte über Schleier


Wird ein unbelichteter Bereich des Negativs ausgewählt und
die dazu unter dem Vergrößerungsgerät gemessene
Belichtungszeit mit to bezeichnet, so ergibt sich die relative
Dichte einer zweiten beliebigen, aber bildhaften Stelle x zu

56
Dx = log(tx/to).
Die Dichte des unbelichteten Negativs wird als Schleier
bezeichnet und Dx daher als Dichte über Schleier.
Kleinste Dichte
Die kleinste gerade noch gut erkennbare Dichte über
Schleier beträgt etwa 0,1.

Größte Dichte oder größte Schwärzung


Bei Schwarzweiß-Filmen kann die größte Dichte über
Schleier bis etwa 3,0 betragen, bei Fotopapieren die größte
Schwärzung bis etwa 2,3.

Nutzbarer Dichteumfang des Films


Der nutzbare Dichteumfang des Films ergibt sich aus der
Tatsache, daß selbst Vergrößerungspapier der Gradation 0
höchstens einen Kontrastumfang des Negativs von 32:1
verarbeiten kann. Dem entspricht ein nutzbarer Dichteumfang
des Films von 1,5 wegen
log32 – log1 ≈ 1,5 - 0.
Als praktische Voraussetzung, die hier durchgehend
zugrunde gelegt ist, gilt die Regel, daß der nutzbare
Dichteumfang eines Films durch den Bereich der Dichten über
Schleier von 0,1 bis 1,6 gegeben ist. Insbesondere darf bei
einem einzelnen bildhaften Negativ der für die Kopie
vorgesehene Negativbereich den Kontrastumfang von 32:1
beziehungsweise den Dichteumfang von 1,5 keinesfalls
überschreiten.

Dichte- oder Schwärzungskurve


In Bild 1 wird als Beispiel eine typische Dichtekurve eines
Negativfilms gezeigt. Die Dichte ist als Funktion der Belichtung
aufgetragen. Die x-Achse ist dazu in ganzen Zahlen geteilt,
wobei der Übergang von einer Zahl zur nächsten gerade der
Verdopplung oder Halbierung der Belichtung entspricht. Die
Wahl des Nullpunkts ist willkürlich und kann ohne
Beschränkung der Allgemeinheit der Aussagen so gewählt
werden, daß es einer komfortablen Auswertung dienlich ist. Die
Dichtekurve ist nur für den Bereich dargestellt, der für die
bildhafte Fotografie nützlich ist. Die dargestellte Dichtekurve
zeigt zunächst, daß die Steilheit ß = y/x = 0,63 beträgt. Dies ist
ein günstiger ß-Wert für die Weiterverarbeitung in einem
Vergrößerungsgerät mit diffuser Beleuchtung. Die Dichtekurve
zeigt weiter, daß die Dichte für Stufe 4 gerade 0,85 beträgt, ein
optimaler Wert, wie an anderer Stelle gezeigt wird.

Nutzbarer Belichtungsumfang des Films


Der nutzbare Belichtungsumfang des Films wird aus dem
Diagramm der Dichtekurve nach Bild 1 entnommen und
entspricht dem Bereich der x-Achse, der unter dem Teil der
Dichtekurve liegt, der den nutzbaren Dichteumfang des
Films darstellt. Der nutzbare Belichtungsumfang muß

57
mindestens so groß sein wie der Objektumfang, wenn alle
Bereiche des Objekts noch gut durchgezeichnet auf Papier
kopiert werden sollen. Siehe hierzu aber Kapitel 5.

Dichte über
Schleier
2,0

B1,5 = 8
1,6
1,5

D5 = 1,05
1,0
D4 = 0,85

ß = (1,05 - 0,1)/5 log2


= 0,63
0,5

0,1
0
-1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Relativer Belichtungswert

Bild 1 – Beispiel für eine idealisierte Dichtekurve


eines Schwarzweiß-Films

ß-Wert, Steilheit und Gradation


Die Dichtekurven von Filmen verlaufen nicht immer so
geradlinig, wie im Beispiel von Bild 1 gezeigt, sondern bilden
häufig ein langgestrecktes und nach rechts gekipptes „S“.
Dabei kann der mittlere, etwa geradlinige Teil der Dichtekurve
steiler oder flacher verlaufen. Dieser Anstieg beeinflußt nicht
nur nachhaltig die Anwendbarkeit des Films, sondern auch
seine weitere Bearbeitung zu Kopien. Ein extrem steiler Anstieg
ist zum Beispiel für die Reproduktion von Strichzeichnungen
geeignet, ein mäßiger Anstieg für die bildhafte Fotografie und
ein sehr flacher Verlauf für die Bewältigung extrem großer
Objektkontraste. Der Anstieg der Dichtekurve wird auch mit
Gradation oder Steilheit bezeichnet. Es hat viele Vorschläge
gegeben, den Anstieg der Dichtekurve zu definieren. Einige
legen zum Beispiel eine mittlere Gerade durch die S-förmig
geschwungene Kurve, andere berücksichtigen nur den
geradlinig verlaufenden Teil. Wir begnügen uns mit dem so
genannten ß-Wert. Dies ist der Betrag von ß = y/X, wenn für x
fünf Belichtungsstufen eingesetzt werden, also

58
x = 5 log2 ≈ 1,5, und für y die Dichte für Stufe 5 minus Schleier,
also y = D5 - 0,1.

Empfindlichkeit des Films


Die Empfindlichkeit der Filmemulsion ist chemisch bedingt
und wird physikalisch beschrieben und ermittelt. Die
Empfindlichkeit des Films, insbesondere eines Schwarzweiß-
Films, wird auf das Grau einer Graukarte, das Standardgrau,
bezogen. Zum Verständnis dient die folgende Erklärung, die
keine Definition sein soll: Die Belichtung, die gerade zu einer
Schwärzung führt, die derjenigen in der Mitte der Dichtekurve
entspricht, ist ein Maß für die Empfindlichkeit. Würde an einem
Belichtungsmesser diese Belichtung eingestellt und der
Belichtungsmesser bei Messung auf die Graukarte durch
Änderung der Empfindlichkeitsskala abgeglichen, wobei gleiche
Lichtverhältnissen wie bei der Aufnahme der Belichtungsreihe
vorliegen sollen, so könnte nach Abgleich die Empfindlichkeit
des Films abgelesen werden. In der Praxis des Fotografierens
geht es natürlich umgekehrt zu: Die Filmempfindlichkeit wird am
Belichtungsmesser eingestellt und der Belichtungsmesser
daraufhin durch Verstellen der Belichtung abgeglichen.
Auf der Filmpackung steht zum Beispiel ISO 100/21°. ISO
bedeutet „International Organization for Standardization“ und
weist darauf hin, daß hier etwas international genormt ist, zum
Beispiel die Ermittlung der Empfindlichkeit oder die Art ihrer
Angabe. Tatsächlich haben wir es mit zwei Angaben zu tun, die
erste nach der ehemaligen ASA-Norm und die zweite nach der
ehemaligen DIN-Norm. ASA steht für „American Standard
Association“ und DIN steht für „Deutsches Institut für Normung“.
Die erste Angabe ist ein lineares Maß für die Empfindlichkeit,
zum Beispiel heißt „200“ doppelt so empfindlich wie „100“. Die
zweite Angabe ist ein logarithmisches Maß. Jeweils drei Zähler
bedeuten eine Verdoppelung beziehungsweise eine Halbierung
der Empfindlichkeit. Damit heißt zum Beispiel „24“ doppelt so
empfindlich wie „21“. Das amerikanische ASA-Maß ist
anschaulicher, mit der deutschen DIN-Angabe läßt es sich aber
viel einfacher rechnen. Tabelle 1 zeigt eine Gegenüberstellung
der beiden Systeme.

Nennempfindlichkeit des Films


Die Angabe der Empfindlichkeit im Datenblatt oder auf der
Filmpackung heißt Nennempfindlichkeit des Films und stimmt
nicht immer mit seiner Arbeitsempfindlichkeit überein.

Film-Entwickler-Kombination
Das fotografische Ergebnis hängt, abgesehen vom
Fotografen selbst und seinen technischen Hilfsmitteln, von der
Filmemulsion und vom Entwicklertyp und der Art seiner
Anwendung hinsichtlich Konzentration, Temperatur,
Bewegungsart und Entwicklungszeit ab. Wird einer dieser
Parameter geändert, so ändert sich auch das Ergebnis. Eine
Film-Entwickler-Kombination ist also durch ihre Komponenten

59
Filmtyp und Entwicklertyp sowie durch die
Entwicklungsparameter gekennzeichnet.

Tabelle 1 - Filmempfindlichkeiten

ASA DIN°

6 9
12 12
25 15
50 18
100 21

200 24
400 27
800 30
1 600 33
3 200 36

Arbeitsempfindlichkeit des Films


Im Gegensatz zur Nennempfindlichkeit hängt die
praktische Empfindlichkeit des Films von einer Reihe von
Einflüssen ab wie zum Beispiel Art und Verschluß der Kamera,
Lichtdurchlässigkeit des Objektivs, verwendetes
Lichtmeßsystem, Filmentwickler, Entwicklungsprozedur nebst
Konzentration, Entwicklungszeit und -temperatur und von der
Art der Beleuchtungseinheit des Vergrößerungsgerätes. Die
Empfindlichkeit, die sich bei Berücksichtigung dieser Einflüsse
ergibt, heißt Arbeitsempfindlichkeit. Sie ist eine Größe, die für
jeden Fotografen von seiner Ausrüstung und seinen
Hantierungsgewohnheiten abhängt und daher nur von ihm
selbst ermittelt werden kann. Grundlage für die Ermittlung der
Arbeitsempfindlichkeit ist zum Beispiel eine Belichtungsreihe
auf eine Graukarte. Siehe hierzu Kapitel 5.

Belichtungsreihe
Wird ein Objekt mehrmals so fotografiert, daß sich jede
Belichtung eines Negativs von der des vorhergehenden um
den gleichen Faktor unterscheidet, so ergibt sich eine
Belichtungsreihe. Einen wichtigen Sonderfall stellt die
Belichtungsreihe dar, bei der je zwei aufeinander folgende
Belichtungen sich um eine Belichtungsstufe unterscheiden, also
um den Faktor 2 in der Belichtungszeit oder um eine
Blendenstufe.

Graukarte
Eine Graukarte reflektiert 17,7% des auffallenden weißen
Tageslichtes. Ihr Grau entspricht dem Standardgrau in
Tabelle 2. Siehe hierzu auch Kapitel 1.

60
Grauwert und Grauwertskala
Es werde eine Belichtungsreihe betrachtet, bei der eine
Graukarte mehrmals fotografiert wird, wobei die Belichtung des
Films nach jeder Aufnahme um einen Lichtwert erhöht, also
verdoppelt wird, bis diese Belichtungsreihe zum Beispiel neun
Belichtungsstufen umfaßt. Bei entsprechendem Vorgehen
ergibt sich zum Beispiel nach dem Entwickeln für je zwei
aufeinanderfolgende Negative ein Dichteunterschied von etwa
0,15, und alle Dichtewerte liegen weitgehend auf dem geraden
Teil der Dichtekurve der gewählten Film-Entwickler-
Kombination. Die hierfür erforderlichen zehn Belichtungen
werden zum Beispiel mit 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 9
bezeichnet. Für die Anfertigung dieser Belichtungsreihe wird
der Belichtungsmesser auf die Nennempfindlichkeit des Films
eingestellt. Danach wird auf das Standardgrau der Graukarte
gemessen und diese Einstellung mit Belichtung 4 bezeichnet.
Für Belichtung 0 zum Beispiel wird daher um vier Lichtwerte
kürzer belichtet, und für die nächsten Belichtungen wird
entsprechend vorgegangen. Das ergibt nach Entwickeln des
Films und nach Kopieren aller 10 Negative bei konstant
gehaltener Belichtung beim Vergrößern auf Fotopapier der
Gradation 2 mit etwas Glück eine Reihe von abgestuften
Grauwerten, wie in Tabelle 2 beschrieben.

Tabelle 2 - Grauwertskala

Relativer Grauwert auf


Belichtungswert dem Papier

keine Belichtung „Pechschwarz“


0 Schwarz

1 Schwarzgrau
2 Dunkelgrau
3 Mittelgrau

4 Standardgrau

5 Hellgrau
6 Hell
7 Sehr hell

8 Weiß
9 Papierweiß

Im Falle bildhafter Fotografie bringen die Grauwerte


Pechschwarz und Schwarz beziehungsweise Weiß und
Papierweiß keine Strukturen mehr auf das Papier. Sie
unterscheiden sich aber, bei sehr hellem Licht betrachtet, noch
erkennbar in der Schwärzung beziehungsweise Helligkeit. Bei
den Grauwerten 1 und 7 sind Strukturen gerade noch

61
erkennbar. Die mittleren fünf Grauwerte zeigen dagegen
deutliche Durchzeichnung aller Strukturen. Ein Schwarzweiß-
Bild setzt sich vorwiegend aus den Grauwerten 1 bis 7 und
ihren Zwischenwerten zusammen und umfaßt damit also sechs
Belichtungsstufen.

Körnigkeit
Körnigkeit ist ein Maß für die durchschnittliche Größe der
schwarzen Silberkristalle und ihrer Zusammenballungen nach
der Entwicklung des Films. Die Körnigkeit hängt von der Art
der Emulsion und vom Entwickler ab und nimmt mit
zunehmender Belichtung und zunehmender Entwicklungsdauer
zu. Die Körnigkeit läßt sich nur mit aufwändigen
Messeinrichtungen bestimmen. Dem Amateur bleibt jedoch
zum Beispiel die Möglichkeit, ein auf eine Graukarte
aufgenommenes Negativ mittlerer Dichte zum Beispiel mit einer
Lupe mit 10facher Vergrößerung oder unter einem Mikroskop
mit mäßiger Vergrößerung zu betrachten, um sich einen
Eindruck von der Körnigkeit des Filmmaterials zu verschaffen.
Körnigkeit wird in Maßzahlen von 0 bis etwa 50 gemessen. Als
Beispiel zeigt Tabelle 3 Angaben aus Datenblättern von Agfa.
Von den aufgeführten Filmtypen ist jedoch nur noch APX 100
im Markt.

Tabelle 3- Körnigkeit

Filmtyp Körnigkeit Beschreibung

Ortho 25 6 Sehr feines Korn

APX 25 7 Sehr feines Korn

APX 100 9 Feines Korn

AP 400 14 Mittleres Korn

Auflösungsvermögen
Das Auflösungsvermögen einer fotografischen Schicht wird
gewöhnlich in Linien/mm gemessen, die noch als getrennte
Linien auf einer Kopie zu erkennen sind. Tabelle 4 zeigt als
Beispiel auch hier Angaben aus Agfa-Datenblättern. Körnigkeit
und Auflösungsvermögen hängen in gewisser Weise
miteinander zusammen. Der Schärfeeindruck eines Bildes
wird aber nicht unbedingt durch ein hohes Auflösungsvermögen
verstärkt und auch nicht unbedingt durch grobes Korn
geschwächt. Hier kommt ein subjektiver Eindruck zum Tragen,
der sich nicht in Maßzahlen fassen lässt.

Schärfe und Schärfeeindruck


Immer wieder wird, auch von so genannten Profis, im
Rahmen von Filmtests berichtet, daß dieser oder jener Film

62
besonders scharf oder weniger scharf zeichnet. Nun ist,
abgesehen von der beim Fokussieren erreichten
Einstellschärfe, der Begriff der Schärfe eines Films gar nicht
definiert. Gemeint ist vielmehr, auch von den Testern, der
Schärfeeindruck, den ein Negativ oder ein Bild vermittelt.
Dieser Schärfeeindruck ergibt sich beim Film vor allem aus dem
Zusammenwirken von Auflösungsvermögen und Körnigkeit.
Siehe hierzu Kapitel 9.

Kopierumfang des Papiers


Der größte Dichteumfang einer Negativvorlage, bei der das
Papier gerade noch zu erkennbaren Strukturen in den
Schwärzen und Lichtern entwickelt werden kann, ist eine
typische Kennzahl eines Papiers. Wird dieser größte
Dichteumfang einer Vorlage, den ein Papier gerade noch
verarbeiten kann, mit dem Faktor 100 multipliziert und mit
einem vorangestellten „R“ versehen, so ergibt sich daraus eine
genormte Bezeichnung für den Kopierumfang des Papiers.
Kann zum Beispiel ein Papier gerade noch einen
Dichteumfang von 1,10 verarbeiten, so wird sein
Kopierumfang mit R 110 bezeichnet. Festgraduierte Papiere
erreichen in der Gradation 0 (Weich) einen größten
Kopierumfang von R 130 und Gradationswandelpapiere
schaffen noch R 160. Der Kopierumfang muß an den
Dichteumfang der Vorlage angepaßt sein.

Tabelle 4- Auflösungsvermögen

Filmtyp Linien/mm Beschreibung

Ortho 25 350 Extrem hoch

APX 25 200 Sehr hoch

APX 100 150 Hoch

AP 400 119 Mäßig

Gradation des Papiers


Die Gradation des Papiers wird als das Verhältnis der
Schwärzung zu seinem Kopierumfang definiert und
gewöhnlich in sechs Stufen eingeteilt. Die Stufen werden mit
den Kennzahlen 0 bis 5 bezeichnet. Die Zuordnung der Stufen
zum Kopierumfang wird von den Herstellern willkürlich und
daher nicht einheitlich vorgenommen. Tabelle 5 gibt hierzu
Anhaltswerte. In Tabelle 6 wird dem Kontrastumfang des
Negativs der zugehörige Kopierumfang des Papiers
gegenübergestellt.
Anmerkung 1 – Die Kennzahlen 0 bis 5 für diese Stufen
werden auch mit Grad 0 bis Grad 5 bezeichnet. Hier bedeutet
„Grad„ jedoch nicht das Gleiche wie zum Beispiel in Grad

63
Celsius oder in Bogengrad, es ist nicht einmal der Grad der
Abstufung gemeint. Hier ist „Grad“ eine Abkürzung für
Gradient = Anstieg oder Steilheit, nämlich Steilheit der
Schwärzungskurve des Papiers.

Tabelle 5 - Kopierumfang und Gradation


von Vergrößerungspapier

Kopierumfang Gradation

über bis Kennzahl Beschreibung

50 5 Extrahart
50 70 4 Hart
70 90 3 Normal
90 110 2 Special
110 130 1 Weich
130 150 0 Extraweich
150 00 Extrem weich

Tabelle 6 - Kontrastumfang des Negativs


und Kopierumfang des Papiers

Kontrastumfang Beschreibung Kopierumfang


des Negativs des Papiers des Papiers

über bis über bis

2:1 Sehr hart 50


2:1 4:1 Hart 50 70
4:1 8:1 Normal 70 90
8:1 16 : 1 „Special“ 90 110
16 : 1 32 : 1 Weich 110 130
32 : 1 64 : 1 Sehr weich 130 150
64 : 1 Extra weich 150

Schwärzungsumfang des Papiers


Der Schwärzungsumfang des Papiers wird durch Messung
des reflektierten Lichtes ermittelt, wofür dem Amateur die
apparativen Voraussetzungen fehlen. Da entwickeltes Papier
aber nicht weiter als Vorlage verwendet sondern nur betrachtet
werden soll, sind die Datenblattangaben zum
Schwärzungsumfang des Papiers ausreichend.

4 SCHWARZWEISS-FILME
4.1 Übersicht
Nur die folgenden, marktgängigen Schwarzweiß-Filme
werden empfohlen. Von der Verwendung von Exoten wird
abgeraten. Viele Filmtypen, die uns seit vielen Jahren und

64
teilweise seit Jahrzehnten vertraut sind, werden heute nicht
mehr hergestellt. Als letzter fiel der Agfa APX 25 dem Rotstift
zum Opfer und wird seit Beginn 2002 nicht mehr gefertigt.
Diese Lücke wird durch kein anderes Fabrikat ausgefüllt. Die
außer APX 25 in Tabelle 7 angeführten Typen gehören daher
nur bedingt in diese Kategorie. Im Monat April 2002 erschien
eine Marktübersicht für alle zur Zeit im Markt erhältlichen
Schwarzweiß-Filme [5]. Als Bezugs- und Informationsquelle
dient zum Beispiel auch die Firma Brenner mit ihrem jeweils
letzten Katalog [6].

4.2 Empfindlichkeit 10 bis 19° DIN


Filme in diesem Empfindlichkeitsbereich werden vor allem
zur Wiedergabe feiner und feinster Strukturen eingesetzt, also
zum Beispiel in der Architektur-Fotografie und dort, wo starke
Vergrößerungen erforderlich sind. Diese Filme sind sehr
feinkörnig und besitzen ein sehr hohes Auflösungsvermögen.
Ihre Dichtekurve verläuft sehr steil, so daß ihr
Belichtungsumfang klein ist und sieben bis acht
Belichtungsstufen keinesfalls überschreitet. Die
Arbeitsempfindlichkeit hängt deutlich von der Film-Entwickler-
Kombination ab, sie kann durch Verlängern der
Entwicklungszeit praktisch nicht erhöht werden und liegt
gewöhnlich unter der angegebenen Nennempfindlichkeit.

Tabelle 7 - Die Superscharfen

Beschreibung Typ Empfind-


lichkeit
°DIN

Der Klassiker Agfa APX 25 12 bis 15


Der Allrounder Ilford PAN F Plus 16 bis 19
Der „Feinste“ Kodak 10 bis 13
l Technical PAN

4.3 Empfindlichkeit von 19 bis 24° DIN


Filme in diesem Empfindlichkeitsbereich werden für
Standardanwendungen benutzt, also zum Beispiel für
Landschaft, Portrait, Reise-Dokumentation oder
Nahaufnahmen. Sie sind sehr feinkörnig und besitzen ein
hohes Auflösungsvermögen. Die Dichtekurven verlaufen
gewöhnlich ideal, und die Film-Entwickler-Kombination läßt sich
für die Weiterverarbeitung nach Wunsch auf Kondensorlicht
oder auf diffuses Vergrößerungslicht einstellen. Wegen der
flacheren Dichtekurve ergibt sich ein mittlerer bis großer
Belichtungsumfang, so daß auch hohe Kontraste verarbeitet
werden können. Die Arbeitsempfindlichkeit hängt auch hier von
der Film-Entwickler-Kombination ab, sie liegt etwa im Bereich
der Nennempfindlichkeit.

65
Tabelle 8 - Die Standardfilme

Beschreibung Typ Empfind-


lichkeit
°DIN

Der Klassiker Agfa APX 100 20 bis 21


Der T-grain Kodak T-max 100 21 bis 22
Der Alte Ilford FP4 Plus 22 bis 24
Der Neue Ilford Delta 100 21 bis 22

4.4 Empfindlichkeit von 25 bis 30° DIN


Filme in diesem Empfindlichkeitsbereich werden für
„schnelle“ Aufnahmen benutzt, also in der Sportfotografie
eingesetzt, aber zum Beispiel auch für Portrait. Ihr
Auflösungsvermögen ist eher mäßig und die Körnigkeit bereits
doppelt so groß wie bei den Standardfilmen. Die Dichtekurve
verläuft gewöhnlich sehr flach, so daß ein Belichtungsumfang
bis über 12 Belichtungsstufen erreicht werden kann. Damit
lassen sich extrem große Kontraste bewältigen. Die
Arbeitsempfindlichkeit der Film-Entwickler-Kombination erreicht
höchstens die Nennempfindlichkeit.

Tabelle 9 - Die Hochempfindlichen

Beschreibung Typ Empfind-


lichkeit
°DIN

Der Klassiker Kodak Tri-x Pan 25 bis 28


Der T-grain Kodak T-max 400 24 bis 27
Der Alte Agfa APX 400 24 bis 27
Der Neue Ilford Delta 400 25 bis 28

4.5 Wahl des Films


Alle genannten marktgängigen Filme sind empfehlenswert
und lassen bei typgerechter Anwendung zufriedenstellende
Ergebnisse erwarten. Bei der Entscheidung für einen Film sollte
bedacht werden, daß durchschnittlich gute Eigenschaften
besser sind als ständiges Wechseln des Filmtyps.
Bei der Wahl des Filmtyps sollte auch an die Verfügbarkeit
gedacht werden. Wer zum Beispiel viel ins Ausland reist, wird
es schwer, wenn nicht unmöglich finden, dort seine zur Neige
gehenden Vorräte an Agfa-Filmen aufzustocken. Hier ist es
nützlich, sich zum Beispiel mit Kodak oder Ilford anzufreunden.

Anmerkung 2 – Die Filme Delta 100, Delta 400, Tmax 100


und Tmax 400 beruhen auf Emulsionen, die gezüchtete flache
Kristalle in engeren Toleranzen enthalten. Mit dieser so
genannten T-Kristall-Technologie sollte vor allem bei

66
gleichbleibender Empfindlichkeit eine geringere Körnigkeit
erreicht werden, die Kernaufgabe bei der Entwicklung von
neuen Filmemulsionen. Agfa hat diesen Schritt bis jetzt nicht
mit- beziehungsweise nachvollzogen. Es besteht aber der
Eindruck, daß mit Delta 100 und Tmax 100 der vom APX 100
seit langem gesetzte Standard gerade erst erreicht wurde.
Doch während der APX 25 seit Ende 2001 nicht mehr
produziert wird und der Agfa AP 400 deutlich gegenüber seinen
jungen Wettbewerbern zurückfällt, ist die Position von Agfa am
Markt für Schwarzweiß-Filme schwach geworden.

5 ENTWICKLER FÜR SCHWARZWEISS-FILME


5.1 Übersicht
Entwickler für Schwarzweiß-Filme werden gekauft oder
selbst angesetzt. Vom Selbstansatz wird abgeraten; er ist nur
zweckmäßig für Profis oder Großverbraucher, die sich damit
auskennen, und allenfalls für „Bastler“, die sich damit die Zeit
vertreiben. Rezepte wie zum Beispiel diejenigen von Raffay [7],
haben ihren Reiz, sie sind in den Händen von Profis oder darin
erfahrenen Amateuren auch gut aufgehoben. Diese und andere
Rezeptsammlungen verschaffen Unerfahrenen und zumal den
chemisch nicht Ausgebildeten und Ungeübten nur Ärger,
Kosten, Zeitverlust und vor allem Fehlschläge. Daher wird
empfohlen, jedes Risiko zu vermeiden und die benötigten
Entwicklersubstanzen oder -konzentrate zu kaufen. Namhafte
und zuverlässige Hersteller von Fotochemikalien sind zum
Beispiel Agfa, Ilford, Kodak und Tetenal. Die in Tabelle 10
vorgeschlagenen Entwickler sind eine Auswahl aus einer Fülle
von Produkten, die der Markt anbietet. Insbesondere aber
handelt es sich in Tabelle 10 um Produkte, die jeder
kompetente Händler auf Lager hält.

5.2 Wirkungsweise
Die lichtempfindlichen Substanzen in den fotografischen
Schichten von Filmen und Papieren sind Silberhalogenide,
Silbersalze der so genannten Halogene, von denen Chlor und
Brom in der Fotochemie eine besondere Bedeutung besitzen.
Diese Silbersalze bilden Kristalle, deren Moleküle, Silberchlorid
oder Silberbromid, durch Lichteinwirkung in einen labilen
Zustand übergehen und sich danach durch ein
Reduktionsmittel, nämlich den Entwickler, zu schwarzem,
metallischem Silber reduzieren lassen, wobei zum Beispiel
Bromsäure entsteht. Größere Kristalle fangen mehr Licht ein
und führen daher zu größerer Empfindlichkeit der Schicht, aber
auch zu größerer Körnigkeit. Die Kunst und Aufgabe der
Hersteller von Filmen besteht also darin, lichtempfindliche
fotografische Emulsionen herzustellen, die ein möglichst großes
Verhältnis von Empfindlichkeit zu Körnigkeit besitzen.

5.3 Feinkornentwickler
Diesem Problem wird zum Beispiel dadurch begegnet, daß
dem Entwickler Substanzen beigemischt werden, die die

67
Silberhalogenid-Kristalle auflösen und nach der
abgeschlossenen chemischen Entwicklung das metallische
Silber wieder ausscheiden. Dabei wird bei gleichbleibender
Empfindlichkeit die Körnigkeit verringert. Mit zunehmendem
Anteil dieser so genannten physikalischen Entwicklung wird
aber auch der Schärfeeindruck des Negativs und der Kopie
deutlich verringert. Der Grund ist darin zu suchen, daß sich
nach Auflösung des Silberhalogenid-Kristalls das reduzierte
Slilberbromid nicht unbedingt dort ablagert, wo es belichtet
wurde. Entwickler mit diesen Eigenschaften werden Feinkorn-
oder Feinstkornentwickler genannt.

Tabelle 10 - Entwickler für Filme

Beschreibung Typ Hersteller

Der Klassiker Rodinal Agfa


KB-Entwickler Neofin Tetenal
Universal-E. Ultrafin liquid Tetenal
Referenz-E.. ID 11 Ilford
Wie ID 11 D 76 Kodak
Zwei Stufen-E. Emofin Tetenal

Anmerkung 3 – Der Begriff Feinkornentwickler hat wie kein


anderer in der Fotografie für Verwirrung gesorgt. In dem Maße,
wie die physikalische Entwicklung mitwirkt, ändern sich zum
Beispiel bei Tetenal die Produkt-Bezeichnungen:
Ausgleichsentwickler = keine physikalische Entwicklung,
Beispiel Neofin.
Feinkornentwickler = kleiner Anteil physikalischer
Entwicklung, Beispiel Leicanol.
Echter Feinkornentwickler = großer Anteil physikalischer
Entwicklung, Beispiel Ultrafin.
Feinstkornentwickler = sehr großer Anteil physikalischer
Entwicklung, Beispiel Emofin.

Anmerkung 4 –Die Erfindung des Begriffs


Ausgleichsentwickler fand sicher nicht in einem Labor sondern
eher in einer Marketingabteilung statt. Der Begriff ist
irreführend, denn eine ausgleichende Wirkung auf die Lichter
kann bei entsprechender Wahl der Entwicklungszeit mit jedem
Entwickler erzielt werden.

5.4 Schichtoberflächen-Entwickler
Die so genannten Schichtoberflächen-Entwickler arbeiten
rasch und entwickeln zuerst und gleichzeitig in der gesamten
Oberfläche die ganz schwach belichteten Moleküle, die beim
Aufnahmeobjekt den Schatten entsprechen. In dem Maße, wie
der Entwickler in die Schicht diffundiert, entwickelt er mehr und
mehr die stärker und stark belichteten Moleküle, die beim
Aufnahmeobjekt den Lichtern entsprechen. Mit zunehmender

68
Entwicklungszeit nimmt also die Schwärzung in den Lichtern
und damit die Steilheit der Dichtekurve zu. Der Kontrastumfang
des Films kann also durch die Entwicklungszeit gesteuert
werden. Da die Schatten zuerst entwickelt werden, leidet die
Empfindlichkeit des Films nicht unter vorzeitigem Abbruch der
Entwicklung, sie ist praktisch unabhängig von der
Entwicklungszeit. Alle in Tabelle 10 angegebenen Entwickler
sind Schichtoberflächen-Entwickler [8].

5.5 Schichttiefen-Entwickler
Die so genannten Schichttiefen-Entwickler arbeiten viel
langsamer. Sie diffundieren zwar schnell in die Schicht ein,
entwickeln aber zuerst die stark belichteten Moleküle (Lichter)
und nach und nach auch die schwach belichteten. (Schatten).
Sind diese endlich entwickelt, ist die Schwärzung der Lichter
bereits zu groß und die Dichtekurve viel zu steil. Bei einem
vorzeitigen Abbruch sind die Schatten nicht durchentwickelt,
worunter die Empfindlichkeit des Films leidet. Diese Entwickler
werden praktisch nicht mehr auf Filme angewendet [8].

5.6 Einmal-Entwickler
Einmal-Entwickler ist eine Entwicklerlösung, die zum
Zeitpunkt ihrer Verwendung aus einem flüssigen Konzentrat
angesetzt und nach Abschluß des Entwicklungsvorgangs
entsorgt wird. Es wird also immer mit frisch angesetzter
Entwicklerlösung und damit so reproduzierbar gearbeitet, wie
es der Hersteller des Konzentrats möglich macht. Die
Konzentrate sind, dunkel und unter Schutzgas in gut
verschlossenen Glasflaschen aufbewahrt, viele Jahre haltbar.
Die in Tabelle 10 angegebenen Substanzen Rodinal, Neofin
und Ultrafin liquid sind Einmal-Entwickler beziehungsweise als
solche zu verwenden.

5.7 Mehrfach-Entwickler
Während alle Einmal-Entwickler als Flüssigkonzentrat
gekauft werden, sind die Mehrfach-Entwickler gewöhnlich in
Pulverform konfektioniert. Sie müssen genau nach der
beiliegenden Anweisung angesetzt werden. Dabei gilt die alte
Praktikerregel, daß dieser Ansatz am Vortag der ersten
Benutzung erfolgen sollte, damit die Lösung Zeit zum
Homogenisieren hat. Vor jedem Entwicklungsvorgang muß die
Lösung temperiert werden, zum Beispiel auf 20 °C. Für jede
weitere Entwicklung muß die Entwicklungszeit verlängert
werden, zum Beispiel um 10% der vorhergehenden. Die
Lagerstabilität der Lösung ist begrenzt.

5.8 Zwei-Stufen-Entwickler
Dieser Entwickler ist ein Mehrfach-Entwickler, der aus zwei
Lösungen besteht. In der ersten Lösung nimmt die Emulsion die
Entwicklersubstanz auf, in der zweiten wird der
Entwicklungsprozeß eingeleitet. Je nach Dauer der Behandlung
in der ersten Lösung wird der Film mehr oder weniger kräftig

69
entwickelt. Die Dauer der Behandlung im zweiten Bad hat
praktisch keinen Einfluß mehr auf das Ergebnis.

5.9 Die Entwickler nach Tabelle 10


Nach dieser Einführung können die Entwickler nach
Tabelle 10 besser zugeordnet werden.

5.9.1 Der Methusalem


Im Jahre 1920, also vor über achtzig Jahren, wurde Rodinal
unter diesem Namen von Agfa auf den Markt gebracht. Ähnlich
Aspirin von Bayer oder Nivea von Beiersdorf ist Rodinal ein
Glücksfall nicht nur für den Hersteller. Rodinal ist ein
Universalentwickler, der sowohl für Filme als auch für
Fotopapiere verwendet werden kann. Er wird als Konzentrat
geliefert und als Einmal-Entwickler verwendet. Für Filme ist
eine Verdünnung von 1+10 bis 1+25 gebräuchlich. Dieser
Entwickler gilt als Schärfekünstler. Tatsächlich führen in
Rodinal entwickelte Negative zu Kopien, die einen hohen
Schärfeeindruck vermitteln. Hierfür gibt es zwei Ursachen:
Rodinal befördert den Kanten- oder Eberhard-Effekt, der die
Konturen an Hell-/Dunkelgrenzen überhöht und so den
Schärfeeindruck unterstützt. Siehe hierzu Kapitel 9. Rodinal
beläßt aber auch das Korn in seiner ursprünglichen Größe, und
schöne dicke, schwarze Körner vermitteln ebenfalls einen
hohen Schärfeeindruck. Jedoch zeigt zum Beispiel APX 100,
12 min in Rodinal 1+25 entwickelt, bei 20facher Vergrößerung
auf Fotopapier noch kein Korn. Daher gibt es keine bessere
Einstiegsdroge für den Schwarzweiß-Fotografen als Rodinal
von Agfa.

5.9.2 Der Kleinbild-Spezialist


Die Entwickler Neofin blau und Neofin rot von Tetenal sind
laut Hersteller für das Kleinbild-Format entwickelt worden.
Naturgemäß zeigte sich, daß sie damit erst recht für das
Mittelformat geeignet sind, so daß der Verdacht besteht, daß
die Propagierung für das Kleinbild-Format ähnlich der
Propagierung des „Ausgleichsentwicklers“ eher eine reine
Marketing-Strategie war. Tatsächlich ist Neofin ein sehr zu
empfehlender Entwickler, der ähnlich Rodinal arbeitet und
genauso zuverlässig und komfortabel anzuwenden ist.
Neofin blau ist für niedrig- und mittelempfindliche Filme, der
kräftiger arbeitende Neofin Rot für hochempfindliche Filme
vorgesehen. Neofin wird als Konzentrat, neuerdings in kleinen,
braunen Glasfläschchen, geliefert, wobei der Inhalt eines
Fläschchens in 500 ml temperiertes Leitungswasser gegeben
wird, um die gebrauchsfertige Lösung zu erhalten. Darin
können unmittelbar nacheinander oder gleichzeitig zwei Filme
entwickelt werden. Wir nennen Neofin dennoch Einmal-
Entwickler.

70
5.9.3 Der Kornzerkleinerer
Ultrafin von Tetenal wird als Pulver und als Konzentrat
geliefert, letzteres unter der Bezeichnung Ultrafin liquid. Die
Anwendung von Ultrafin liquid ist genau so bequem wie die von
Rodinal oder Neofin. Das Konzentrat kann in unterschiedlichen
Verdünnungen eingesetzt werden. Für Filme haben sich
Verdünnungen von 1+10 für hochempfindliche und 1+20 für
Standardfilme als optimal erwiesen.
Ultrafin arbeitet etwas feinkörniger als die vorgenannten
Entwickler. Da moderne Schwarzweiß-Filme jedoch bis zu
Vergrößerungsmaßstäben von 20:1 kaum Korn erkennen
lassen, ist diese Eigenschaft praktisch unerheblich. Der
wesentliche Vorteil dieses Entwicklers ist in der einfachen
Handhabung als Einmal-Entwickler begründet.

5.9.4 Die Schiedsrichter


Die in Tabelle 10 genannten Entwickler D 11 von Ilford und
ID 76 von Kodak sind praktisch identisch. Sie werden
gelegentlich als so genannte Referenz-Entwickler bei Filmtests
benutzt. Sie sind als Pulversubstanzen im Handel erhältlich und
wie Mehrfach-Entwickler anzuwenden. Es sind Ergebnisse wie
mit Ultrafin liquid zu erwarten.

5.9.5 Der Außenseiter


Der Zwei-Stufen-Entwickler Emofin ist ein Mehrfach-
Entwickler, der sehr ausgewogene Ergebnisse mit äußerst
feinem Korn liefert. Seine Anwendung ist unproblematisch,
obwohl die Zwei-Stufen-Entwicklung den Einsteiger abschreckt.
Der Schärfeeindruck der Kopien leidet geringfügig unter dem
sehr feinen Korn und der fehlenden Ausbildung eines
Kanteneffekts. Dafür ist die Empfindlichkeitsausnutzung sehr
hoch, Filme können um ein bis zwei Belichtungsstufen knapper
belichtet werden, als auf der Filmpackung angegeben. Damit
bietet sich Emofin auch als Entwickler für „available light“
Aufnahmen an.

5.10 Wahl des Entwicklers


Im Verlauf der industriellen Herstellung von Entwicklern sind
in den letzten 130 Jahren unzählige Substanzen gefunden oder
entwickelt worden, die sich zur Reduktion von Silbersalz zu
Silber eignen. Für den Amateur oder gar Einsteiger ist es
jedoch nicht erforderlich, sich mit der Chemie zu befassen. Es
genügt vielmehr, aus dem Angebot in Tabelle 10 eine Auswahl
zu treffen.
Alle oben genannten Beispiele für Entwickler liefern gute
Ergebnisse. Für den Anfang wird empfohlen, es mit Neofin,
Rodinal oder Ultrafin liquid zu versuchen. Neofin ist die
sicherste Empfehlung für Einsteiger. Für die Auswahl eines
Entwicklers gilt grundsätzlich dasselbe wie für Filme: Ein
zuverlässig arbeitender und gewohnter Entwickler ist besser als
ständiges Wechseln und Probieren. Die Bevorratung und

71
Lagerung von Entwicklerkonzentraten und -lösungen ist
ausführlich in Kapitel 3 beschrieben.
Entwickler verrichten ihre Arbeit gewöhnlich am besten in
einem stark alkalischen Medium. Daher sind
Entwicklerlösungen starke Laugen, und im Umgang mit ihnen
ist große Vorsicht geboten. Insbesondere beim Ansetzen und
Umfüllen sind Schutzbrille und Haushaltshandschuhe angesagt.
Im Ernstfall hilft viel Wasser. Geht ein Spritzer ins Auge, muß
sofort der Arzt aufgesucht werden.

6 FILM-ENTWICKLER-KOMBINATIONEN
Empfindlichkeit und Entwicklungszeit des Films sind von
den werkseitig vorgegebenen typischen Eigenschaften von Film
und Entwickler abhängig, zusätzlich aber auch von Einflüssen
wie
- Kamera und Objektiv;
- Belichtungsmesser und Meßmethode;
- Entwicklungsbedingungen wie
Konzentration, Temperatur und
Kippfrequenz;
- Angestrebter Kontrastumfang;
- Typ des Vergrößerungsgerätes mit
Kondensor- oder diffuser Beleuchtung
(Callier-Effekt);
- Typ des Papiers und der Papieroberfläche;
- Art der Präsentation der Kopie.
Die Hersteller des Films und des Entwicklers können diese
Einflüsse nicht berücksichtigen. Sie empfehlen daher
Filmempfindlichkeiten und Entwicklungszeiten, die auf den
Erfahrungen ihrer Labore beruhen und die nicht immer und
nicht notwendig zum besten Ergebnis führen. Daher muß jeder
Fotograf die Arbeitsempfindlichkeit einer gegebenen Film-
Entwickler-Kombination unter seinen Arbeitsbedingungen selbst
ermitteln Schon hieraus ergibt sich, daß die Inanspruchnahme
eines Fachlabors für Entwicklung und Vergrößerung von
Schwarzweiß-Filmen nur in Glücksfällen zu zufriedenstellenden
Kopien führen kann.
Eine sichere Methode zur Ermittlung der
Arbeitsempfindlichkeit einer Film-Entwickler-Kombination
besteht darin, eine Belichtungsreihe von zehn bis zwölf
Aufnahmen mit Belichtung auf eine Graukarte zu erstellen. Die
Auswertung führt zu einer Dichtekurve, der die typischen Daten
der Film-Entwickler-Kombination entnommen werden können,
wie zum Beispiel Arbeitsempfindlichkeit, Belichtungsumfang, ß-
Wert und Dichte für Standardgrau. Die Auswertung geschieht
grafisch oder numerisch und ist im Einzelnen einschließlich
einiger Ergebnisse in Kapitel 5 beschrieben.

7 BELICHTEN VON FILMEN


Moderne Farbnegativ-Filme belohnen den Fotografen bei
einer Fehlbelichtung von etwa zwei Belichtungsstufen Über-
beziehungsweise Unterbelichtung noch mit brauchbaren

72
Ergebnissen. Dabei kann der Farbeindruck gewisse
Schwächen überdecken. Bei Schwarzweiß-Filmen setzt sich
das Bild aber nur aus abgestuften Grauwerten zusammen, und
das Korsett der Farbe fehlt. Bereits bei geringer Fehlbelichtung
wird am oberen oder am unteren Ende der Dichtekurve des
Films ein entsprechender Teil des darzustellenden
Objektumfangs abgeschnitten, so daß helle Lichter auf dem
Film in tiefem Schwarz versinken oder Schatten nicht mehr
durchgezeichnet und damit strukturlos sind, je nachdem, ob
über- oder unterbelichtet wurde. Um nicht nur brauchbare
sondern auch gute technische Ergebnisse zu erzielen, muß der
Schwarzweiß-Film daher möglichst genau belichtet werden. Um
davon sehr gute Bilder zu kopieren, kann beim Vergrößern
noch etwas, aber nicht beliebig viel nachgeholfen werden. Auf
eine genaue Belichtungsmessung kann darum beim
Schwarzweiß-Film keinesfalls verzichtet werden.
Die richtige Belichtung von Schwarzweiß-Filmen ist das
Kernthema der Schwarzweiß-Fotografie und hat damit in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine ganze Generation von
Schwarzweiß-Fotografen unter Führung von Ansel Adams in
Atem gehalten. Die richtige Belichtung ist auch in dieser kurzen
Anleitung die zentrale Aufgabe, die hier so einfach wie möglich
bewältigt werden soll. Für einen richtig belichteten
Schwarzweiß-Film gilt im wörtlichen Sinne wie für kaum einen
anderen technischen Vorgang der sonst so banale Satz: „Was
man - richtig belichtet - Schwarz auf Weiß besitzt, kann man
getrost nach Hause tragen“.

7.1 Belichtungsmessung
Es werden drei Prinzipien der Belichtungsmessung
unterschieden, die Objektmessung mit dem auf das Objekt
gerichteten Belichtungsmesser, die Messung auf eine
Graukarte anstelle des Objekts und die Lichtmessung, die an
dem Ort des Objektes in Richtung auf die Kamera erfolgt.
Moderne Kameras haben für die Belichtungsmessung eine oder
mehrere Automatikfunktionen eingebaut. Das ist in vielen
Aufnahmefällen von Vorteil und führt meistens zu einigermaßen
richtige belichteten Negativen.. Aber auch für die Anwendung
der Belichtungsautomatik ist die Kenntnis der folgenden
Hinweise für eine manuell durchgeführte Belichtungsmessung
erforderlich. Für die richtige Belichtung von Schwarzweiß-
Filmen reicht die Belichtungsautomatik nicht immer aus. Ihr
grundsätzlicher Nachteil besteht darin, daß der Fotograf dabei
nicht immer erkennen kann, wie die Kamera belichtet hat.

7.2 Objektmessung
Die klassischen Arten der Objektmessung sind die integrale
und die integral-mittenbetonte Mehrfeldmessung, die Selektiv-
und die Spotmessung. Darüber hinaus sind mit der ständig
fortschreitenden Miniaturisierung der elektronischen
Komponenten in modernen Kameras immer komplexere
Meßsysteme eingebaut, die hier nicht im einzelnen aufgezählt

73
werden müssen. Jeder Kamera liegen dazu eingehende
Erläuterungen in der Bedienungsanweisung bei. Hier sollen nur
die Prinzipien besprochen werden, die das Verständnis solcher
Anleitungen erleichtern.
Eine professionelle Objektmessung läßt sich am sichersten
mit einem Spot-Belichtungsmesser mit einem Meßwinkel < 3ø
durchführen, der in einigen semi-professionellen Kameras
bereits eingebaut ist. Moderne Leicas verfügen über eine so
genannte Selektivmessung, die eine Spotmessung zwar nicht
ersetzt, aber nach kurzer Eingewöhnung sehr gut zum Ziel
führt. Praktisch alle modernen Spiegel-Reflex-Kameras bieten
eine Integralmessung an, bei der die Beleuchtungsstärke mit
mehreren, über das Bildfeld verteilten Meßzellen erfaßt und
logarithmisch gemittelt wird. In vielen Fällen kann dies
wahlweise auch mittenbetont geschehen. Mit Erfolg läßt sich
auch eine mitgeführte Graukarte verwenden, die in Richtung
des Motivs gehalten und als einheitlich leuchtende Fläche
anstelle des Motivs in geringem Abstand angemessen wird.

7.2.1 Manuelle Ein-Punkt-Objektmessung


Die Möglichkeiten und die Prinzipien der
Belichtungsmessung sind in Anhang A zusammengefaßt. Der
Sonderfall der manuellen Objektmessung soll jedoch wegen
seiner Bedeutung in der fotografischen Praxis an einem
Beispiel erläutert werden.
Mit der folgenden einfachen Methode werden mittels einer
Ein-Punkt-Messung die bildwichtigen Bereiche eines Motivs
einigermaßen sicher in richtigen Grauwerten dargestellt. Dazu
wird der Belichtungsmesser auf die Arbeitsempfindlichkeit der
Film-Entwickler-Kombination eingestellt. Der Meßvorgang
geschieht in fünf einfachen Schritten, die in Tabelle 11
angegeben sind. Es wird empfohlen, hierzu einige
Blindübungen zu machen, um sich an den Ablauf des Vorgangs
zu gewöhnen.

Beispiel 1
Schritt 1 - Das Motiv sei eine Hausfassade mit rotem
Ziegeldach, dunkelbraunem Holztor, hellbraunen Fensterläden
und grauem Rauputz. Eine Fläche, die sich gut anmessen läßt
und einen wichtigen Bestandteil des Motivs darstellt,, ist das
Tor mit Schnitzereien.
Schritt 2 - Dem Tor wird der Grauwert 2 entsprechend
Dunkelgrau zugeordnet.
Schritt 3 - Die Differenz von Grauwert 4 zu Grauwert 2
ergibt 4 - 2 = 2 Belichtungsstufen.
Schritt 4 - Die Messung auf die Fläche des Tores ergibt
den Lichtwert 10.
Schritt 5 - Das Ergebnis von Schritt 3 wird hinzugezählt,
also an der Kamera der Lichtwert 10 + 2 = 12 für die Aufnahme
eingestellt.

74
Tabelle 11 – Ein-Punkt-Messung

Schritt 1
Das Motiv wird festgelegt und ein auffälliger oder
bildwichtiger Bereich des Motivs für die Messung
ausgewählt.

Schritt 2
Die Helligkeit dieses Bereichs wird einem der sieben
Grauwerte 1 bis 7 nach Tabelle 2 zugeordnet.

Schritt 3
Die Nummer dieses Grauwerts wird von der Zahl 4
subtrahiert und ergibt damit die Anzahl der
Belichtungsstufen, mit der die nach Schritt 4
gemessene Belichtung korrigiert werden muß.

Schritt 4
Die Belichtungsmessung erfolgt auf den
ausgewählten Bereich des Motivs nach Schritt 1.

Schritt 5
Die Belichtungsstufen nach Schritt 3 werden zum
Meßwert nach Schritt 4 addiert und die Summe an der
Kamera eingestellt.

Beispiel 2
Schritt 1 - Das Motiv sei das Gleiche wie in Beispiel 1,
jedoch mit sehr heller Kalkstein-Hauswand.
Schritt 2 - Die Hauswand läßt sich gut anmessen, ihr wird
der Grauwert 7 entsprechend Sehr hell zugeordnet.
Schritt 3 - Die Differenz zum Grauwert 4 ergibt
4 - 7 = - 3 Belichtungsstufen.
Schritt 4 - Die Messung auf die Hauswand ergibt den
Lichtwert 16.
Schritt 5 - Das Ergebnis von Schritt 3 wird hinzugezählt,
also der Lichtwert 16 - 3 = 13 an der Kamera für die Aufnahme
eingestellt.
Die Beispiele 1 und 2 zeigen, daß je nach subjektiver
Beurteilung der Helligkeit der ausgewählten Fläche und damit
ihrer Zuordnung zu einer Graustufe unterschiedliche
Belichtungsergebnisse entstehen können. Erst nach der
Entwicklung kann dann festgestellt werden, wie genau
geschätzt worden ist und ob der bildwichtige Teil im richtigen
Grauton erscheint. In besonderen Fällen werden daher
zweckmäßig zwei zusätzliche Negative belichtet, jeweils eine
Belichtungsstufe heller und eine Belichtungsstufe dunkler als
oben ermittelt. Es wird also eine kleine Belichtungsreihe
angefertigt. Dadurch ist in der größten Zahl aller Fälle
sichergestellt, daß immer eines der drei belichteten Negative
mit einer optimalen Grauwertabstufung vorliegt.

75
Es genügt das Durchspielen von etwa einem Dutzend
praktischen Beispielen mit der Kamera in der Hand, um sich an
diese einfache Prozedur mit der Zuordnung eines Grauwertes
zum ausgewählten Flächenbereich des Motivs zu gewöhnen
und so zu der gewünschten und weitgehend zutreffenden
Belichtungseinstellung zu gelangen.

Anmerkung 5 - Diese Prozedur läßt sich naturgemäß auch


dann mit Vorteil anwenden, wenn die Kamera mit einem
Farbnegativfilm oder Farbdiafilm geladen ist.

7.2.2 Messung auf Graukarte


Die Messung auf eine Graukarte ist ein Sonderfall der Ein-
Punkt-Messung. Der Meßwert kann unmittelbar an der Kamera
eingestellt werden und führt dazu, daß Grauwerte des Motivs,
deren Helligkeit dem der Graukarte entsprechen, als
Grauwert 4 nach Tabelle 2 dargestellt werden und somit in der
Mitte der Dichtekurve der verwendeten Film-Entwickler-
Kombination liegen.
Voraussetzung für die Anwendung einer Graukarte sind
identische Beleuchtungsstärke für Motiv und Graukarte.
Gegebenenfalls muß mit Graukarte und Belichtungsmesser
(Kamera) an den Ort des Motivs gegangen werden. Ist diese
Voraussetzung erfüllt, so ist die Belichtungsmessung mittels
Graukarte eine sehr sichere Methode, um eine genaue
Belichtung des Films zu erzielen.
.
7.3 Lichtmessung
Wir können die so genannte Lichtmessung als Referenz-
Meßverfahren bezeichnen, denn, richtig angewendet, gibt sie
einfach und untrüglich die optimale Belichtung an. Die
Lichtmessung kann insbesondere bei schwierigen
Aufnahmesituationen dem Fotografen zu einer sicheren
Messung der Belichtung verhelfen. Eine solche Situation ist
zum Beispiel eine Gegenlichtaufnahme im schräg einfallenden
Sonnenlicht, bei der die Schattenpartien noch gut
durchgezeichnet werden sollen.
Die Lichtmessung erfolgt vom Aufnahmeobjekt aus in
Richtung auf die Kamera. Dabei wird die bei vielen
Handbelichtungsmessern vorhandene milchig weiße Kalotte vor
die Meßzelle geschoben. Durch diese Anordnung wird alles
Licht erfaßt, das im vollen Raumwinkel von 180 ° auf das
Objekt fällt und zu seiner Beleuchtung beiträgt. Der abgelesene
Lichtwert gibt die richtige Belichtung für Standardgrau an.
Weitere Einzelheiten zu dieser Meßmethode sind in Anhang A,
beschrieben.

8 ENTWICKELN VON FILMEN


8.1 Allgemeine Hilfsmittel
Die folgenden Geräte sind als Grundausrüstung
erforderlich:

76
- Thermometer, das gleichzeitig auch als Rührstock
verwendet werden kann, mit gut ablesbarer Teilung in ganzen
Grad Celsius und einem Meßbereich von etwa 0 °C bis 60 °C.
- Zwei Meßzylinder bis 50 cm3 und 100 cm3.
- Durchsichtige Meßbecher verschiedener Größen aus
Plastik oder Glas mit cm3-Teilung, mindestens je ein solches
Gefäß mit einem Inhalt von 250, 1 000 und 2 000 cm3.
- Töpfe mit Henkel aus klarem Plastikwerkstoff, wie sie in
der Küche verwendet werden, erfüllen die Anforderungen,
sofern sie eine Teilung besitzen, die den Inhalt hinreichend
korrekt anzeigt.
- Spritze oder Meßpipette bis 10 cm3 Inhalt zum genauen
Dosieren von Entwicklerkonzentraten.
- Mehrere Vorratsflaschen aus dunkelbraunem Glas mit
Schraubverschluß und von 1 bis 2,5 Liter Inhalt.
- Sortiment verschieden großer Trichter zum Umfüllen.
- Gut ablesbare Laborstoppuhr mit einem Durchmesser von
mindestens 15 cm, die aufrecht hingestellt oder an die Wand
gehängt werden kann.
- Papierschere.

8.2 Hilfsmittel für die Entwicklung von Filmen


Hierfür sind zusätzlich die folgenden Geräte und
Einrichtungen erforderlich:
- Zwei bis drei Film-Entwicklungsdosen.
- Wäscheklammern.
- Vorrichtung zum Aufhängen der Filme zum Trocknen, zum
Beispiel eine Trockenschere über der Badewanne.
- Filmtüten und Ordner zum Aufbewahren der Negative.
- Lupe mit 6 bis 10facher Vergrößerung zum Beurteilen des
entwickelten Negativs hinsichtlich Schärfe und Körnigkeit.
Siehe hierzu Kapitel 9..
- Leuchtkasten dazu.

Anmerkung 6 - Mit Schärfe beziehungsweise Unschärfe ist


hierbei die bei der fotografischen Aufnahme möglicherweise
aufgetretene Unschärfe durch falsches Fokussieren
(Einstellunschärfe) oder durch Verwackeln der Kamera bei der
Aufnahme oder durch Bewegung des Objekts
(Bewegungsunschärfe) gemeint.

8.3 Chemikalien
Für die Entwicklung von Filmen sind die folgenden
Chemikalien erforderlich:
- Vorrat von Entwickler oder Entwickler-Konzentrat.
- Vorrat von 1 kg Fixiersalz oder1 l Fixierbad-Konzentrat..
- Vorrat von 1 l konzentrierter Essigsäure, zum Beispiel von
Tetenal (60%ig).
- Entspannungsmittel, zum Beispiel Mirasol 2000 antistatic
von Tetenal.
- Fixierbadprüfer, zum Beispiel von Tetenal.

77
8.4 Entwicklung
Es wird zwischen Tankentwicklung, Rotationsentwicklung
und Dosenentwicklung unterschieden. Für den Amateur mit
höchstens 50 Filmen im Jahr ist die Dosenentwicklung das
angemessene Verfahren. Die Tankentwicklung ist nur für
Labore mit ständigem Einsatz und kontinuierlicher
Regenerierung des Badinhalts geeignet. Die
Rotationsentwicklung ist im Amateurbereich eher für Arbeiten
zur Farbfotografie erforderlich, für Schwarzweiß-Filme eher
unzweckmäßig.

Anmerkung 7 - Entwicklungstrommel ist ein Gerät, in


dessen Trommel der Film eingelegt und mit verhältnismäßig
wenig und genau bemessener Entwicklerzugabe durch
elektromechanisch bewirktes Drehen der Trommel entwickelt
und danach in entsprechender Weise fixiert wird.

8.5 Entwicklungsdose
Entwicklungsdosen sind während der Entwicklung lichtdicht
verschlossene Gefäße, die zur Aufnahme des Films eine
Spirale aus Kunststoff oder Edelstahl enthalten. Es gibt Dosen
sehr unterschiedlicher Bauart. Solche mit Metallgehäuse sind
zu vermeiden, da sie zum Beispiel die Handwärme schnell auf
die Entwicklerlösung übertragen. Bei einigen Dosen wird die
Spirale zur Bewegung der Entwicklerlösung gedreht, andere
Dosen werden dazu einfach gekippt. Es gibt so genannte
Tageslichtdosen, in die der Film bei Tageslicht ohne
Abdunklung des Raumes eingelegt werden kann. Ansonsten
erfolgt das Einlegen eines Films in die Spirale und Dose in
einem völlig dunklen Raum und sollte vorher mit einem bereits
entwickelten und/oder verdorbenen Film auch im Dunklen geübt
werden.

8.6 Lösungen
Für die Entwicklung werden Lösungen in folgender
Reihenfolge benötigt:
- Entwicklerlösung,
- Stoppbadlösung,
- Leitungswasser,
- Fixierbadlösung,
- Leitungswasser und
- entspanntes Wasser.
Alle erforderlichen Lösungen werden zu Beginn des
Entwicklungsvorganges bereitgestellt, ebenso Putzlappen und
genügend saugfähiges Papier, zum Beispiel die übliche
„Küchenrolle“.

8.6.1 Entwicklerlösung
Die Entwicklerlösung muß genau nach den Angaben auf
dem Beipackzettel angesetzt werden, Einmal-Entwickler
unmittelbar vor dem Entwicklungsvorgang, Mehrfach-

78
Entwickler, die in Pulverform erworben werden, möglichst einen
Tag vorher. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, werden
Filme grundsätzlich bei 20 °C entwickelt. Der Einmal-Entwickler
kann dazu in das im Meßbecher temperierte Leitungswasser
gegeben werden, der Mehrfach-Entwickler muß im Wasserbad
auf 20 °C temperiert werden. Die jeweils angesetzten Mengen
richten sich nach dem Volumen der Entwicklungsdose. Bei
Mehrfach-Entwicklern muß der Schwund nach jeder
Entwicklung berücksichtigt werden, und es wird empfohlen,
Mengen von 1 l oder 2 l anzusetzen. Die Entwicklungszeit wird
mit der Laborstoppuhr gemessen. Beginn und Ende der
Entwicklungszeit müssen immer an der gleichen Stelle des
Vorgangs gezählt werden, zum Beispiel Beginn unmittelbar
nach Einfüllen der Entwicklerlösung und Ende unmittelbar vor
Ausgießen der Entwicklerlösung.
Die Entwicklungsdose wird während der Entwicklung
gekippt, oder ihr Spulenkern wird gedreht. Es kann ständig
gekippt oder gedreht werden oder alle drei Sekunden oder jede
halbe oder jede ganze Minute. Je öfter bewegt wird, um so
kürzer ist die Entwicklungszeit und um so sauberer das
Ergebnis. Je weniger bewegt wird, um so größer ist der
Kanteneffekt und damit der Schärfeeindruck. Bei geringerer
Bewegung steigt aber auch die Neigung, in den stark
belichteten Bereichen (Himmel) dunkle Streifen oder Schlieren
zu erzeugen, die durch Ablaufen gelösten aber noch nicht vor
Ort entwickelten Silbers entstehen. Ein guter Kompromiß ist die
sehr alte Agfa-Empfehlung: In der ersten Minute ständig
bewegen, danach alle 30 s einmal kippen oder eine halbe
Drehung durchführen. Auf jeden Fall muß die gewählte
Bewegungsart immer genau eingehalten werden, um
reproduzierbar zu arbeiten.

8.6.2 Stoppbad
Das Stoppbad wird aus 60%iger Essigsäure gemischt. Dazu
werden 33 ml dieser Essigsäure in einen Liter Wasser gegeben
und verrührt.
Beim Umgang mit 60%iger Essigsäure ist wegen der damit
verbundene Verätzungsgefahr allergrößte Vorsicht geboten. Es
wird dringend empfohlen, Haushaltshandschuhe und
Schutzbrille zu tragen. Im Ernstfall helfen schnell sehr viel
Wasser und danach unbedingt der Arzt. Die Vorratsflasche
muß für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden.
Am Ende der Entwicklungszeit wird der Entwickler
ausgegossen und ohne Zwischenwässerung die Stoppbad-
Lösung in die Dose gefüllt. Die Dose mit dem Stoppbad wird
eine halbe Minute ständig gekippt beziehungsweise die Spule
ständig gedreht, das Stoppbad ausgegossen und mit zwei
Dosenfüllungen Leitungswasser nachgespült.
8.6.3 Fixierbad
Das Fixierbad dient zur Lösung des nicht belichteten
Silberhalogenids und zu seiner Entfernung aus der
fotografischen Schicht. In der Emulsion verbleibendes

79
unbelichtetes Silberhalogenid zerfällt nach längerer
Lichteinwirkung und schwärzt das Bild auch ohne Anwendung
von Entwickler.
Es werden normales Fixiersalz und Expreß-Fixiersalz
angeboten. Empfohlen wird Expreß-Fixiersalz, das ergiebiger
ist und deutlich schneller arbeitet. Es werden Lösungen nach
Herstellerangeben vorbereitet, wozu gewöhnlich 100 g
Fixiersalz in einem Liter Leitungswasser gelöst werden. Nahezu
verbrauchte Lösungen neigen dazu, nach einiger Zeit das
Silber auszuscheiden. Bei Kunststoffbehältern ist der dadurch
entstehende schwarze Belag praktisch nicht mehr zu entfernen.
Es wird daher empfohlen, Fixierbadlösungen nur in
Glasflaschen aufzubewahren. Fixierbäder für Filme und Papiere
müssen getrennt gehalten werden, um Verunreinigungen auf
der Oberfläche der Negative zu vermeiden. Kopien von
Negativen können beliebig oft angefertigt werden, verdorbene
Negative sind unwiederbringlich verloren.
Der Silbergehalt des Fixierbades wird regelmäßig vor jeder
Anwendung mittels Fixierbadprüfer ermittelt. Im Fixierbad wird
etwa 10 min fixiert, im Expreß-Fixierbad etwa 5 min.
Filmemulsionen in T-Kristalltechnik erhalten die doppelte dieser
Fixierzeiten. Wieder wird die erste Minute ständig bewegt,
danach etwa alle 30 s. Deutlich längeres Fixieren kann zu
Änderungen der Negativdichte führen und sollte vermieden
werden.

8.6.4 Schlußwässerung
Die Schlußwässerung wird mit Leitungswasser von 15 °C
bis 25 °C vorgenommen, also nicht zu kalt und nicht zu warm.
Sie dauert etwa 6 min bei halbminutigem Wasseraustausch.

8.6.5 Entspanntes Wasser


Der letzten Wasserfüllung nach 8.6.4 wird die vom
Hersteller angegebene Menge an Netzmittel zugesetzt.
Keinesfalls werden Pril oder ähnliche Haushaltsmittel
verwendet, sondern zum Beispiel die oben angegebene
Substanz von Tetenal. Der Film bleibt etwa 1 Minute in dieser
Netzmittel-Lösung.

8.6.6 Trocknen des Films


Der Film wird aus der Spirale entnommen. Anhaftendes
Wasser wird zwischen zwei Fingern und möglichst nicht mittels
Filmabstreifer entfernt. Danach wird der Film mittels einer
Klammer, zum Beispiel einer normalen Wäscheklammer, an
geeigneter und staubfreier Stelle zum Trocknen aufgehängt und
nicht mehr angefaßt. Das Netzmittel sorgt für ein Ablaufen der
restlichen Feuchtigkeit und ein nasenfreies Trocknen der
Emulsion. Der Film wird am unteren Ende mit einer weiteren
Klammer beschwert, damit er glatt hängt und nach dem
Trocknen plan ist.

80
8.7 Sicherheitshinweise
Wo sich Entwicklerlösung und Fixierbad mischen, kann es
zu häßlichen braunen Flecken kommen. Wischlappen und
saugfähiges Papier müssen bereitgelegt werden für den Fall,
daß es ein kleines Unglück gibt. Augen, Hände und Kleidung
müssen gegen Spritzer geschützt sein. Im Ernstfall hilft viel
Wasser, gegebenenfalls ist ein sofortiger Arztbesuch angesagt.

8.8 Aufbewahrung des Films


Der Film wird nach völliger Trocknung von den Klammern
befreit und an einem staubfreien Ort in Streifen geschnitten, die
der Breite der Filmtüten entsprechen, die für die Aufbewahrung
vorgesehen sind. Empfohlen werden Filmtüten namhafter
Zubehörhersteller wie zum Beispiel Hama. Diese Tüten sind
aus klar durchsichtigem oder mattem, säurefreiem Material.
Filme können darin endlos lange gelagert werden, ohne
Schaden zu nehmen. Die Lebensdauer sorgfältig und richtig
behandelter Schwarzweiß-Filme kann als unbegrenzt
bezeichnet werden.
Diese Filmtüten sind auch im Format für die gebräuchlichen
Büroordner erhältlich und nehmen dann gerade einen
Kleinbildfilm oder einen 120er Rollfilm auf. Es wird empfohlen,
die Filmtüten chronologisch zu nummerieren und eine Liste
anzulegen, die die wichtigsten Daten hinsichtlich
Aufnahmegerät, Filterung, Belichtung, Entwickler und
Entwicklungsdaten sowie Inhalt, Aufnahmedatum und
Entwicklungsdatum enthält. Ist ein PC vorhanden, bietet es sich
an , zum Beispiel unter Lotus– oder Exel-Software
entsprechende Tabellen anzulegen und Ausdrucke davon in
den zugehörigen Büroordnern abzulegen.

9 FOTOPAPIER
9.1 Schichtträger
Fotopapiere bestehen aus einem Trägermaterial, auf das
die lichtempfindliche Schicht aufgebracht ist. Als Trägermaterial
dient üblicherweise, wie bereits der Name sagt, Papier oder
Karton, die holz- und säurefrei sein müssen. Die Seite des
Trägermaterials, welche die fotografische Schicht aufnimmt,
wird mit einem „Weißmacher“ versehen, der gewöhnlich, wie
auch in der Farben- und Lacktechnologie üblich, aus
Bariumsulfat besteht. Dies ist ein Mineral, das als Schwerspat
gewonnen wird. Hierfür hat sich auch der Handelsname Baryt
als allgemeine Bezeichnung eingebürgert. Baryt ist ein
schwerer, besonders weißer, aber auch teurer Füllstoff mit
hoher Deckkraft. Wird eine sehr starke Barytschicht
aufgetragen, so wird das entsprechende Papier als Baryt-
Papier bezeichnet, das vor allem für Präsentationszwecke und
Archivierung in Museen eingesetzt wird. Infolge der starken
Barytschicht sinkt die Emulsion nicht in den Papierfilz ein und
zeigt bessere Detailzeichnung sowie tieferes Schwarz und
helleres Weiß.

81
Bei dem so genannten RC-Papier (RC = resin coated) wird
der einseitig mit Baryt vorbehandelte Papier- oder Kartonträger
beidseitig mit Polyethylen (PE) beschichtet, um ein Eindringen
von Flüssigkeit in den Papierfilz während des
Entwicklungsprozesses zu verhindern. Die lichtempfindliche
Emulsion wird auf diese Schicht gegossen. Die Ergebnisse mit
heute angebotenen RC-Papieren und besonders mit Baryt-RC-
Papieren einschließlich der Gradationswandelpapiere stellen
die Vorteile des Baryt-Papiers praktisch ein. Im Gegensatz zu
den herkömmlichen Baryt-Papieren, die mechanisch nur mit
Mühe zu zähmen sind, weil sie sich wellen und gewöhnlich eine
Heißpresse erfordern, bleiben Rc-Papiere während und nach
der Verarbeitung völlig plan und trocknen dabei besonders
schnell. Über ihre Haltbarkeit liegen noch keine Erfahrungen
vor. Kopien, vor etwa 20 Jahren mit den ersten RC-Papieren
hergestellt, sind bisher zwar nicht vergilbt, aber doch „in Ehren
ergraut“.

9.2 Fotografische Schicht


Die lichtempfindliche Schicht besteht je nach Art des
Papiers vorzugsweise aus einer Bromsilber- oder
Chlorbromsilberemulsion. Sie ist, je nach Anwendungszweck,
blauempfindlich für fest graduierte Papiere, panchromatisch zur
Schwarzweißwiedergabe von Farbnegativen oder
gradationswandelfähig je nach angewendeter Farbe des Lichts
bei der Belichtung. Häufig ist bei RC-Papieren bereits
Entwickler in die Emulsion eingearbeitet, um die
Enzwicklungszeit abzukürzen. Von Agfa zum Beispiel wurden
solche Papiere daher in der Bezeichnung mit dem Zusatz
„Speed“ versehen. Es ist zu vermuten, daß der leichte
Grauschleier hierauf zurückgeführt werden kann, den länger
gelagerte Papiere bereits unmittelbar nach der Verarbeitung
aufweisen. Auch viele der jetzt im Markt befindlichen Typen
besitzen eingearbeiteten Entwickler. Die wichtigsten Anbieter
von Fotopapier sind Agfa, Ilford und Tetenal, daneben auch
Kodak, Oriental und Pal .

9.3 „Marktübersicht“
Vor einem Jahrzehnt war es noch möglich, eine tabellarisch
angeordnete Marktübersicht über die gängigen Papiere zu
geben. Alle damals angebotenen Papiere sind nicht mehr am
Markt, sondern entweder ganz zurückgezogen oder durch
andere, verbesserte Typen ersetzt. Schnellere Vermarktung
neuer Produkte, Insolvenzen und häufige Neuausrichtung der
Produktpalette vieler Hersteller führt zu ständigen Änderungen
im Angebot. Daher kann hier keine Übersicht mehr gegeben
werden. Wie schon bei den Schwarzweiß-Filmen wird hier zum
Beispiel auf den Katalog der Firma Brenner verwiesen.

82
9.4 Fest graduiertes Papier
Dieses Papier besitzt einen fest vorgegebenen
Kopierumfang, der sich durch die Farbe der Beleuchtung nicht
beeinflussen läßt. Üblicherweise wird der Kopierumfang in
Stufen oder Gradationen nach Tabelle 6 eingeteilt und für die
Kopie beim Vergrößern die dem Kontrastumfang des Negativs
entsprechende Stufe der Papiergradation ausgewählt. Von den
heute am Markt erhältlichen Papieren hat sich der Typ WORK
von Tetenal als besonders gut erwiesen. Work wird von allen
guten Fotohändlern angeboten und bietet ein angemessenes
Preis/Leistungs-Verhältnis.

9.5 Gradationswandelpapier
Gradationswandelpapier ändert je nach Farbe der
Beleuchtung seinen Kopierumfang. Ist also die erforderliche
Beleuchtungsvorrichtung oder ein Satz entsprechender Filter
für die Filterschublade im Vergrößerungsgerät vorhanden, so
kann für Gradationswandelpapier jeder gewünschte
Kopierumfang eingestellt werden. Von den heute am Markt
befindlichen Papieren hat sich Multigrad IV von Ilford als
besonders gut erwiesen. Es wird von allen kompetenten
Fotohändlern angeboten bei einem sehr guten
Preis/Leistungsverhältnis.

9.6 Papieroberfläche
Fotografische Papiere werden mit verschiedenen
Oberflächen hergestellt, zum Beispiel in Matt, Halbmatt,
Seidenmatt, Perleffekt, Filigran und Glänzend. Als Regel gilt,
daß für Standardarbeiten bis zum Format 24 x 30 eine
glänzende und für größere Formate eine halbmatte Oberfläche
angewendet wird. Die weiteren Möglichkeiten bleiben
besonderen Ansprüchen vorbehalten. Die matte oder halbmatte
Oberfläche gestattet ein einfaches Retuschieren, falls
erforderlich, wozu ein weicher Bleistift der Bleistifthärte B6 oder
B7 ausreicht.

9.7 Hinweise
Siehe hierzu auch Kapitel 3.
- Für richtig belichtete Filme und bei Verwenden eines
Vergrößerungsgerätes mit Diffusor-Lichtschacht werden
vorwiegend die Gradationen 3 und 4 benötigt.
- Bei Verwenden eines Vergrößerungsgerätes mit
Kondensor-Lichtschacht werden vorwiegend die
Gradationen 2 und 3 benötigt.
- Gradationswandelpapiere bieten den Vorteil, daß je
Papierformat und -oberfläche nur eine Packung bevorratet
werden muß.
- Die als besonders weiß geltenden Baryt- oder
Studiopapiere sind umständlich zu verarbeiten, da sie sich voll
Flüssigkeit saugen, in einer heizbaren Presse getrocknet und
unbedingt aufgezogen werden müssen, da sie sich sonst wellen
und dann zu Muschelbruch neigen. Außerdem sind diese

83
Papiere verhältnismäßig teuer. Moderne Standardpapiere wie
zum Beispiel WORK von Tetenal oder Multigrad IV von Ilford
laufen ihnen, zumindest im Amateurbereich, mehr und mehr
den Rang ab.
- Neuerdings werden auch RC-Papiere als festgraduierte
und als Gradationswandelpapiere Baryt-Papiere angeboten.
- Panchromatisches Papier für Schwarzweiß-Abzüge vom
Farbnegativ, Chlorsilberpapier für Kontaktabzüge und Exoten
wie beschichtetes Leinengewebe sind praktisch vom Markt
verschwunden.

10 ENTWICKLER FÜR FOTOPAPIER


Mit der Wahl des Papierentwicklers und/oder seiner
Temperatur läßt sich grundsätzlich der Bildton von Warm bis
Neutral und die Gradation von Weich bis Normal steuern. Der
Drang nach kürzeren Verarbeitungszeiten hat aber dazu
geführt, daß die Hersteller von Fotopapier der fotografischen
Schicht bereits Entwicklersubstanzen zusetzen, die dies
bewirken sollen. Das erfreut den Fachmann und den
Papiertester und vereinfacht für den Amateur die Wahl des
Entwicklers. Denn diese Papiere reagieren auf unterschiedliche
Entwickler und Entwicklertemperaturen praktisch nicht mehr
erkennbar.
Daher wird dem Einsteiger empfohlen, zunächst nur die am
deutschen Markt überall erhältlichen Papierentwickler

Neutol liquid NE von Agfa


oder
Eukobrom von Tetenal

zu benutzen. Beide Substanzen werden als


Flüssigkonzentrate geliefert und zum Gebrauch im
gewünschten Verhältnis mit Leitungswasser verdünnt, zum
Beispiel 1+7 beim Neutol und 1+9 beim Eukobrom. Die
Gebrauchslösung sollte, unabhängig von ihrer Ausnutzung
nach spätestens zwei Wochen entsorgt werden. Beim Umgang
mit Papierentwicklerlösungen gilt der gleiche Sicherheitshinweis
wie in 5.10. Die Bevorratung und Lagerung von
Entwicklerkonzentraten und -lösungen ist ausführlich in
Kapitel 3 beschrieben.

11 BELICHTEN VON FOTOPAPIER


Alle Verrichtungen und Arbeiten, die zum fertig entwickelten
Schwarzweißnegativ führen, erfordern keine Dunkelkammer.
Lediglich für das Einlegen des Films in die Entwicklungsdose
wird gegebenenfalls ein Dunkelraum benötigt, der sich,
spätestens nach Sonnenuntergang, in jeder Wohnung findet.
Alle Arbeiten dagegen, die sich mit der Belichtung und
Entwicklung von Fotopapier befassen, erfordern eine
Dunkelkammer oder einen Raum, der sich vorrübergehend als
solche benutzen läßt. Alle Informationen über die notwendige
Ausstattung einer Dunkelkammer wie zum Beispiel

84
Beleuchtung, Vergrößerungsgerät und Objektive,
Laborbelichtungsmesser, Filterungs- und
Entzerrungseinrichtungen sowie die richtige Handhabung der
technischen Komponenten sind in Kapitel 3 zusammengefaßt.
In diesem Beitrag wird auch das Verfahren zur Auswahl der
richtigen Papiergradation oder Filterung beschrieben sowie die
Meßmethode, die zu einer richtigen Belichtung des Fotopapiers
führt.

12 ENTWICKELN VON FOTOPAPIER


12.1 Allgemeine Hilfsmittel
Es werden die allgemeinen Hilfsmittel nach 8.1 benötigt.

12.2 Hilfsmittel für die Entwicklung von


FotopapierHierzu sind zusätzlich die folgenden Geräte und
Einrichtungen erforderlich:
- Je drei Entwicklerschalen für jedes zu verarbeitende
Papierformat.
- Zwei bis drei Papierzangen für den Transport der nassen
Papiere.
- Haushalts-Gummihandschuhe.
- Angemessen großer Behälter zum Wässern der Papiere,
zum Beispiel Waschbecken, Wassereimer, Waschwanne oder
Badewanne.
Rollenquetscher für Baryt-Papier.

12.3 Chemikalien
Für die Entwicklung von Fotopapier sind die folgenden
Chemikalien erforderlich:
- Vorrat von Entwickler oder Entwicklerkonzentrat.
- Vorrat von 1 kg Fixiersalz oder Fixiermittel-Konzentrat.
- Vorrat von 1 l konzentrierter Essigsäure, zum Beispiel von
Tetenal (60%ig).
- Fixierbadprüfer, zum Beispiel von Tetenal.
- Stabilisierungsmittel, zum Beispiel Sistan von Agfa.

12.4 Entwicklung
Es wird zwischen Tankentwicklung, Rotationsentwicklung
und Schalenentwicklung unterschieden. Für den Amateur ist
zum Einstieg die Schalenentwicklung das angemessene
Verfahren. Die Tankentwicklung ist nur für Labore mit
ständigem Einsatz und kontinuierlicher Regenerierung des
Badinhalts geeignet. Die Rotationsentwicklung in einer
Entwicklungstrommel ist im Amateurbereich eher für Arbeiten
zur Farbfotografie erforderlich.

Anmerkung 8 - Entwicklungstrommel ist ein Gerät, in


dessen Trommel das Papier eingelegt und mit verhältnismäßig
wenig und genau bemessener Entwicklerzugabe durch
elektromechanisch bewirktes Drehen der Trommel entwickelt
und danach in entsprechender Weise fixiert wird. Die
Trommelentwicklung ist besonders für das Entwickeln von

85
Farbpapieren und bei großen Papierformaten geeignet und nur
dann, wenn dies regelmäßig in größerem Umfang geschieht,
auch für Schwarzweiß-Papiere..

12.5 Entwicklungsgefäße
Als Entwicklungsgefäße werden flache, offene Schalen aus
Kunststoff verwendet. Sie sind rechteckig und in Maßen, die
den üblichen Papierformaten entsprechen. Sie werden in
unterschiedlichen Farben angeboten, so daß ein Satz von drei
Schalen einheitlichen Formats zum Beispiel aus den Farben
Rot für Entwicklerbad, Gelb für Stoppbad und Grün für
Fixierbad bestehen kann. Dadurch sind die Bäder in der
Dunkelkammer eindeutig gekennzeichnet, so daß
„Fehlbelegungen“ vermieden werden..

12.6 Lösungen
Für die Entwicklung werden Lösungen in der folgenden
Reihenfolge benötigt:
- Entwicklerlösung,
- Stoppbadlösung,
- Leitungswasser,
- Fixierbadlösung,
- Leitungswasser und
- Stabilisatorlösung.
Alle erforderlichen Lösungen werden zu Beginn des
Entwicklungsvorganges bereitgestellt und ebenso Wischlappen
und saugfähiges Papier, zum Beispiel die übliche „Küchenrolle“.

12.6.1 Entwicklerlösung
Die Entwicklerlösung muß genau nach den Angaben auf
dem Beipackzettel angesetzt werden. Von wenigen Ausnahmen
abgesehen, werden Fotopapiere grundsätzlich bei 20 °C
entwickelt. Die Entwicklerlösung muß im Wasserbad auf diese
Temperatur gebracht werden. Die jeweils angesetzten Mengen
richten sich nach dem Volumen der Entwicklungsschalen. Die
Entwicklungszeit beträgt je nach Typ des Papiers ein bis zwei
Minuten. Das Papier wird während der Entwicklung ständig
leicht bewegt. Eine geringfügige Überschreitung der
Entwicklungszeit bis zu zwei Minuten beeinflußt das Ergebnis
nicht.

12.6.2 Stoppbad
Das Stoppbad wird aus 60%iger Essigsäure gemischt.
Dazu werden 33 ml dieser Essigsäure in einen Liter Wasser
gegeben und verrührt. Am Ende der Entwicklungszeit wird das
Papier ohne Zwischenwässerung für etwa eine halbe Minute in
die Stoppbadlösung getaucht, gefolgt von einer Wässerung in
Leitungswasser für etwa eine halbe Minute.
Beim Umgang mit 60%iger Essigsäure ist wegen der damit
verbundene Verätzungsgefahr allergrößte Vorsicht geboten. Es
wird dringend empfohlen, Haushaltshandschuhe und
Schutzbrille zu tragen. Im Ernstfall helfen schnell sehr viel

86
Wasser und danach unbedingt der Arzt. Die Vorratsflasche
muß für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden.

12.6.3 Fixierbad
Das Fixierbad dient zur Lösung des nicht belichteten
Silberhalogenids und zu seiner Entfernung aus der
fotografischen Schicht. In der Emulsion verbleibendes
unbelichtetes Silberhalogenid zerfällt nach längerer
Lichteinwirkung und schwärzt und verdirbt damit das Bild auch
ohne Anwendung von Entwickler.
Es werden normales Fixiersalz und Expreß-Fixiersalz
angeboten. Empfohlen wird Expreß-Fixiersalz, das ergiebiger
ist und deutlich schneller arbeitet. Es werden Lösungen nach
Herstellerangeben vorbereitet, wozu gewöhnlich 100 g
Fixiersalz in einem Liter Leitungswasser gelöst werden. Nahezu
verbrauchte Lösungen neigen dazu, nach einiger Zeit das
Silber auszuscheiden. Bei Kunststoffbehältern ist der dadurch
entstehende schwarze Belag praktisch nicht mehr zu entfernen.
Es wird daher empfohlen, Fixierbadlösungen nur in
Glasflaschen aufzubewahren. Der Silbergehalt des Fixierbades
wird regelmäßig vor jeder Anwendung mittels Fixierbadprüfer
ermittelt. Im Fixierbad wird etwa fünf bis sieben Minuten fixiert,
im Expreß-Fixierbad etwa drei bis fünf Minuten. Dabei wird die
erste Minute ständig bewegt, danach etwa alle 30 s. Deutlich
längeres Fixieren kann zu Änderungen der Papierschwärzung
führen.

12.6.4 Schlußwässerung
Die Schlußwässerung wie auch die Zwischenwässerung
werden mit Leitungswasser von 15 °C bis 25 °C vorgenommen.
Die Schlußwässerung erfolgt in leicht fließendem Wasser in
etwa fünf bis sechs Minuten. Baryt-Papiere erhalten die
doppelte Wässerungszeit. Zu lange Wässerung führt bei RC-
Papier zum Eindringen von Wasser in die Ränder, was nach
Trocknen der Papiere sichtbar bleiben kann.

12.6.5 Stabilisatorlösung
Um die Vergilbung infolge von Umwelteinflüssen zu
vermeiden, wird die Anwendung einer Stabilisatorlösung
empfohlen. Dazu wird zum Beispiel eine Lösung von dem oben
angegebenen Sistan von Agfa hergestellt, in der das Papier
eine Minute gelagert wird.

12.7 Trocknen des Fotopapiers


RC-Fotopapier wird beidseitig zum Beispiel mittels eines
sauberen Küchenhandtuchs abgewischt und auf einem
entsprechend großen, sauberen Tuch, zum Beispiel einem
Badehandtuch, ausgebreitet. Es trocknet in kurzer Zeit völlig
auf und bleibt dabei ganz plan
Baryt-Papiere ohne RC-Beschichtung müssen auf eine
Plane und glatte Unterlage gequetscht oder gerollt werden.
Siehe hierzu Kapitel 3I.

87
12.8 Sicherheitshinweise
Entwicklerlösung und Fixierbad stehen in offenen Schalen,
deren Unterlage säure- und laugenfest sein muß, da
gelegentliche Tropfen beim Ein- und Austauchen des Papiers
nicht zu vermeiden sind. Eine zweckmäßige Unterlage ist zum
Beispiel eine um ein bis zwei Nummern größere
Entwicklerschale. Wo sich Entwicklerlösung und Fixierbad
mischen, kann es zu häßlichen braunen Flecken kommen, die
einer Entfernung hartnäckig widerstehen. Wischlappen und
saugfähiges Papier müssen bereitgelegt werden für den Fall,
daß es ein kleines Unglück gibt. Wegen der Verdunstung aus
den offenen Schalen muß die Dunkelkammer gut durchlüftet
sein. Augen, Hände und Kleidung müssen gegen Spritzer
geschützt sein. Im Ernstfall hilft viel Wasser, gegebenenfalls ist
sofort ein Arztbesuch angesagt.

13 DIE FOTOGRAFISCHE AUFNAHME


Viele wichtige technische Informationen zur fotografischen
Praxis sind für den Amateur nur schwer zugänglich, da sie in
den gängigen Handbüchern und Lexika nicht oder nur
unvollständig aufgeführt werden. Ganz anders sieht es mit dem
Angebot aus, das das weitgefaßte Thema „Wie mache ich ein
gutes Bild“ zum Inhalt hat. Hierzu findet sich in jeder gut
sortierten Buchhandlung hinreichend Literatur, auf die hierzu
verwiesen werden kann.
Andererseits ist der Moment der Aufnahme das
bedeutendste Ereignis in der Kette der Vorgänge, die zur
fotografischen Gestaltung des endgültigen Bildes führen. Die
folgenden wenigen Hinweise sollen helfen, grobe Fehler bei der
Aufnahme zu vermeiden.

Anmerkung 9 – Hierzu darf zum Beispiel die Buchhandlung


Lindemann in Stuttgart, Telefon 0 711.24 899 977, genannt
werden, die auf fotografische Literatur spezialisiert ist.

13.1 Technik
Es muß jede Möglichkeit genutzt werden, die der Kamera
einen festen Stand oder Halt gibt. Hierzu wird an das Stativ,
gegebenenfalls das Einbein-Stativ, verbunden mit einem
Drahtauslöser, erinnert. Bei Aufnahmen aus der Hand wird die
Kamera mit der rechten Hand gehalten, mit der linken Hand von
unten unterstützt und fest an die Stirn gedrückt. Bei Aufnahmen
aus der Hand wird ferner jede Möglichkeit genutzt, den Körper
abzustützen, zum Beispiel mit einer Schulter gegen eine Mauer,
einen Pfahl, einen Baum oder ähnliche „Stützen“. Ist kein Stativ
vorhanden, kann bei Aufnahmen aus der Hand und bei
unruhigem Wetter auch mit dem Selbstauslöser gearbeitet und
die Verwackelungsgefahr gemindert werden.
Für Landschaftsaufnahmen dagegen wird immer das Stativ
und dazu einer der heute üblichen, baumwollenen
Einkaufsbeutel mitgenommen. Dieser wird bei windigem oder
gar stürmischem Wetter unter das Stativ gehängt und mit einem

88
schweren Wackerstein gefüllt. Das Stativ wird durch diese
Maßnahme erheblich stabilisiert.
Es wird immer eine Gegenlichtblende (Sonnenblende)
verwendet. Ein UV-Filter ist immer überflüssig und in fast allen
Fällen eher schädlich. Moderne Objektive schützen den Film
bereits hinreichend vor UV-Licht. Die wesentliche Wirkung des
UV-Filters besteht darin, daß es wie alle Filter zusätzliches
Streulicht erzeugt, das die Brillanz der Aufnahme mindert.
Werden bei Landschaftsaufnahmen Filter verwendet, zum
Beispiel Gelb- oder Orangefilter, so muß eine Gegenlichtblende
vor beziehungsweise auf dem Filter angebracht sein.
Bei Landschaftsaufnahmen wird die Kamera zweckmäßig
auf Unendlich fokussiert und gegebenenfalls auf volle Schärfe
im Vordergrund der Aufnahme verzichtet. Siehe hierzu
Kapitel 8.
Bei Außenaufnahmen muß der Sonnenstand berücksichtigt
werden. Eine tiefe Sonne im Rücken erzeugt einen unnötig
dunklen Himmel und flache Kontraste. Diese Art der
Beleuchtung wird nur verwendet, wenn ein Regenbogen
fotografiert werden soll. In den Sommermonaten und vor allem
in südlichen Breiten wird die Kamera zweckmäßig nach 10 Uhr
vormittags gut verpackt im Schatten aufbewahrt und erst wieder
nachmittags ab 15 Uhr hervorgeholt.

13.2 Gestaltung
Der Fotograf sollte bei jeder Aufnahme wissen, welcher der
folgenden allgemeinen Gruppen sie zuzurechnen ist. Wir
unterscheiden technisch die drei Gruppen der Fernaufnahmen,
Nahaufnahmen und Mikroaufnahmen, etwa gekennzeichnet
durch die Abbildungsmaßstäbe
Mf < 1:10 ≤ Mn < 10:1 ≤ Mm. Nach dem Aufnahmeziel
eingeteilt, kann die Aufnahme zum Beispiel Gruppen wie
Landschaft, Architektur, Portrait, Dokumentation
Urlaubserinnerung zugeordnet werden. Jede der aufgezählten
Gruppen erfordert technisch wie gestalterisch andere Mittel,
Anforderungen und auch Erfahrungen. Auch für alle diese
Anwendungen gibt es hinreichend Literatur zum Nachschlagen
im einschlägigen Buchhandel. Immer sollten aber bei der
Bildgestaltung die folgenden Regeln und Hinweise beachtet
werden:
- Es muß von vornherein bedacht werden, ob für das
jeweilige Motiv das Hoch- oder das Querformat besser geeignet
ist, oder welches Format für die spätere Verwendung
gewünscht wird.
- Die Kamera muß in der Regel so gehalten werden, daß
der Horizont etwa in einem Drittel der Bildhöhe liegt und
horizontal verläuft.
- die Senkrechten sollten möglichst senkrecht stehen.
- Das Bild muß einen Vordergrund und zum Beispiel
diagonal verlaufende Strukturen aufweisen, die ihm Schwung
und Perspektive verleihen.

89
- Der Aussageschwerpunkt muß nicht immer unbedingt und
langweilig in der Mitte des Bildes liegen. Es ist immer von
Vorteil, sich gelegentlich an den Goldenen Schnitt zu erinnern.
Siehe hierzu Kapitel 9.

13.3 Präsentation des Bildes


13.3.1 Aufziehen
Die Aufmachung der fertigen Kopie entscheidet über den
Erfolg bei der Präsentation, und sei es auch nur auf der
eigenen Zimmerwand. Hierbei wollen wir das so genannte
Aufziehen des Bildes auf eine feste Unterlage unberücksichtigt
lassen, denn diese Maßnahme diente lediglich dem Bändigen
des störrischen Papierfilzes von Fotopapier ohne RC-Auflage

13.3.2 Das Passepartout


Wir unterscheiden zwischen einem echten und einem
Pseudo-Passepartout. Das echte Passepartout besteht aus
einem holz- und säurefreien Karton von mindestens 1,5 mm
Dicke, der einen Ausschnitt für das Bild enthält, der gewöhnlich
mit schräger Phase in 45 Grad ausgeführt ist. Der Ausschnitt
deckt das Bild an den Rändern geringfügig ab. Er bewirkt
gegebenenfalls einen Abstand zu einer Glasauflage und
verhindert dadurch die Bildung Newtonscher Ringe. Zum
Anbringen der Kopie wird das Passepartout auf der Rückseite
entlang den Rändern des Ausschnitts mit einem breiten,
braunen Tesaband beklebt, wie es zum Verschließen von
Verpackungen benutzt wird. Darauf wird das Bild mit
Tesakreppband geklebt, wie es bei Malerarbeiten zum
Abkleben verwendet wird. Das Tesakreppband läßt sich bei
Bedarf sehr leicht vom Tesa-Klebeband lösen, und das
Passepartout wird nicht beschädigt und kann für das nächste
Bild dienen. Ein Pseudo-Passepartout ist einfach ein dünner
Karton, auf dem das Bild zum Beispiel mit doppelt klebendem
Fototesa befestigt wird.

13.3.3 Die optische Wirkung des Passepartouts


Für die Präsentation wird eine optische Täuschung
ausgenutzt: Ein Passepartout mit oder ohne Rahmen läßt das
Bild deutlich größer wirken, ein Rahmen ohne Passepartout
deutlich kleiner, als es in Wirklichkeit ist. Siehe hierzu die drei
folgenden grafischen Darstellungen im Vergleich. Ein Bild sollte
daher möglichst in einem Passepartout gezeigt werden, das
zum gefälligeren Aussehen auch einen Rahmen erhält. Die
Breite des Passepartouts sollte ringsherum etwa 15% bis
höchstens 25% der jeweiligen Bilddimension betragen. Der
untere Passepartoutrand sollte geringfügig breiter sein als der
obere. Ist aus bestimmten Gründen ein breiteres Passepartout
gewünscht, so sollte auch der Rahmen in etwa gleichem Maße
verbreitert werden.

90
13.3.4 Anfertigen von Passepartout und Rahmen
Passepartoutschneider werden im Handel unter Zeichen-
und Malereibedarf angeboten. Der Umgang mit ihnen ist
gewöhnungsbedürftig und erfordert etwas Geduld und Übung.
Der Ausschnitt wird auf der Rückseite des Passepartouts
aufgetragen. Auch der Schnitt erfolgt auf der Rückseite. Dazu
wird das Passepartout mittels 5 mm dickem Stahllineal und
Schraubzwingen festgesetzt, wobei als Unterlage zum Beispiel
eine Spanplatte und direkt unter dem Passepartout
Abfallstreifen des Passepartoutkartons dienen, um die
Messerschneide zu schützen.
Einzelheiten ergeben sich aus der Erfahrung im Umgang
mit dem Passepartoutschneider und der mitgelieferten
Anleitung. Die folgende Liste ist ein Beispiel dafür, daß diese
Arbeiten einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung bedürfen.
Das Passepartout kann passend für einen rahmenlosen
Bilderhalter geschnitten werden. Ebenso kann der Rahmen
dafür passend angefertigt werden. Der fertige Rahmen wird
dann einfach von vorne über den Bilderhalter gestülpt und auf
dessen Rückseite in geeigneter Weise befestigt. Das fertige Set
wird am Bilderhalter aufgehängt, der Rahmen muß sich
lediglich selber halten und nicht den schweren Bilderhalter
tragen.

91
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX

Bild 2 - Mit Passepartout und Rahmen

XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX

Bild 3 - Ohne Passepartout und Rahmen

XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXX

Bild 4 - Nur mit Rahmen

92
13.4 Hilfsmittel

Motto
„Ohne die gehörigen Mittel
soll man keinen Krieg beginnen.“

Wilhelm Busch

13.4.1 Erforderliche Werkzeuge zum Anfertigen


von Rahmen und Passepartout
01 Schleifpapier Nr. 150, 220 und 400
02 Doppelt geführte Gehrungssäge
03 Schleifkorken
04 Rahmen-Spannband, zwei Spannbänder für große
05 Rahmen
06 Bleistift
07 Zollstock
08 Lineal 30 bis 50 cm
09 Stahllineal 1 m
10 Stahlmaßband 1 m
11 Zwei Schraubzwingen
12 Universalmesser mit auswechselbaren Klingen
13 Passepartout-Schneider
14 Papierschere
15 Heftnadel-Tacker

13.4.2 Erforderliche Werkstoffe


16 Heftnadeln
17 Rahmenleisten
18 Ponal-Leim von Henkel
19 Kartonreste zum Unterfüttern beim Schneiden
20 Passepartoutkarton mit einer Dicke ≥ 1,5 mm
21 Rahmenloser Bilderhalter
22 Tesa Verpackungs-Klebeband
23 Tesa Kreppband
24 Holzbeize
25 Holzgrundierung
26 Holzlack

93
ANHANG A
Lichtmessung, Einpunktmessung und Mehrpunktmessung

A1 BELICHTUNGSMESSER UND GRAUKARTE


Steht ein Handbelichtungsmesser zur Verfügung, der auch
für die Lichtmessung eingerichtet ist, so hilft die Graukarte bei
folgendem Experiment.
Schritt 1 - Es wird ein beliebiger Standort gewählt, wo
genügend Licht für ein brauchbares Foto zur Verfügung steht.
Eine Richtung wird als die Aufnahmerichtung festgelegt, also
als diejenige Richtung, in die die Kamera blickt. Der
Belichtungsmesser wird auf Lichtmessung geschaltet und etwa
in der Objektebene entgegen der Aufnahmerichtung auf die
Kamera gerichtet. Der ermittelte Lichtwert wird abgelesen und
aufgeschrieben.
Schritt 2 - Eine Graukarte, möglichst im Format A4, wird
etwa senkrecht in die Objektebene gebracht. Der
Belichtungsmesser wird auf Objektmessung geschaltet und
jetzt in Aufnahmerichtung so gehalten, daß er sich in einem
Abstand von etwa der Diagonalen der Graukarte vor ihr
befindet. Das von der Graukarte reflektierte Licht wird
gemessen. Wieder wird der ermittelte Lichtwert abgelesen und
aufgeschrieben.
Ist der Belichtungsmesser auf eine Graukarte mit einem
Reflexionswert von 17,7% kalibriert, wie dies für alle seit etwa
30 Jahren ausgelieferten Belichtungsmesser der Fall ist, und ist
die verwendete eine solche Graukarte, so werden bei den
Messungen nach Schritten 1 und 2 dieselben Lichtwerte
angezeigt. Ist dies nicht der Fall, sollte der Belichtungsmesser
überprüft und erneut kalibriert werden. Das angegebene
Experiment zeigt, daß bei der Lichtmessung eine Belichtung
ermittelt wird, die sich auf das Standardgrau bezieht, wie es die
Graukarte aufweist.

A2 EINPUNKTMESSUNG
A2.1 Objektmessung ohne Graukarte
Bei der Einpunktmessung mißt der Fotograf einen
Objektbereich mit homogener Helligkeit als Meßfläche an und
teilt dieser ausgewählten Meßfläche einen Grauwert nach
Tabelle 2 zu. Die Belichtung muß um die Zahl der
entsprechenden Belichtungsstufen gegenüber dem Meßwert
verlängert oder verkürzt werden, je nachdem, um wie viel
Grauwerte die gewählte Meßfläche heller oder dunkler
geschätzt wird als das Standardgrau. Diese Methode eignet
sich besonders gut für Kameras, die eine Spot- oder
Selektivmessung ermöglichen. Siehe hierzu die in 7.2.1
angegebenen Beispiele 1 und 2.

A2.2 Objektmessung mit Graukarte


Ist eine Graukarte verfügbar, so wird sie wie oben unter
Schritt 2 oder bei identischer Beleuchtung gehalten und

94
angemessen und der so ermittelte Meßwert direkt für die
Belichtung verwendet.

A2.3 Lichtmessung
Ist ein Handbelichtungsmesser verfügbar, der auch für
Lichtmessung eingerichtet ist, oder ist das in die Kamera
integrierte Meßsystem für die Lichtmessung geeignet, so wird
eine Lichtmessung an der Stelle des Objekts in Richtung
Kamerastandort wie oben in Schritt 1 vorgenommen und der
so erhaltene Lichtwert direkt für die Belichtung verwendet. Bei
Landschaftsaufnahmen liegt das Objekt im Unendlichen und
kann nicht leicht zur Lichtmessung in Richtung Kamera erreicht
werden. Die Lichtmessung am Standort der Kamera entgegen
der Aufnahmerichtung oder eine Objektmessung bringt in
diesem Fall gewöhnlich richtige Meßwerte.

A3 MEHRPUNKTMESSUNG
Bei der Mehrpunktmessung werden mehrere
Objektbereiche angemessen, die Meßwerte gewichtet und
danach logarithmisch gemittelt. Der Fotograf bestimmt hierbei,
welche Objektbereiche angemessen werden sollen. Moderne
Spiegelreflex-Kamerasysteme bieten unterschiedliche
Programme für die Belichtung an, die alle auf diesem Prinzip
beruhen.

A3.1 Manuelle Mehrpunktmessung


Ein Sonderfall der Mehrpunktmessung besteht im Ermitteln
der Belichtung von nur zwei Objektbereichen, wobei
zweckmäßig der hellste und der dunkelste Bereich gewählt
werden, die noch mit Struktur wiedergegeben werden sollen.
Werden hierbei mit fester Blendenvorwahl zum Beispiel 1/250 s
und 1/8 s gemessen, so ist der logarithmische Mittelwert für die
Belichtung
t = exp{[log(1/250) + log(1/8)]/2}
= 1/45 s
Selbst dieser einfache Sonderfall läßt sich ersichtlich nicht
durch Kopfrechnen lösen, kann aber zum Beispiel auf der
Zeitenskala des Handbelichtungsmessers einfach abgelesen
werden: Das Ergebnis ist der Wert in der linearen Mitte
zwischen den beiden gemessenen Zeiten. Im vorliegenden
Beispiel liegt diese Mitte zwischen 1/60 und 1/30 s. In diesem
Falle könnte sich der Fotograf zum Beispiel für 1/60 s
entscheiden und die Blende gegenüber dem Blendenwert bei
der Messung um eine halbe Stufe öffnen.
Erheblich umständlicher und umfangreicher wird die
Auswertung, wenn mehr als zwei Meßpunkte ausgewählt und
die einzelnen Meßpunkte womöglich noch gewichtet werden
sollen. Dazu sind bereits ein wissenschaftlicher
Taschenrechner sowie Papier und Bleistift erforderlich.
Insbesondere bei Außenaufnahmen, bei denen wesentliche
Teile des Objekts nicht in greifbarer Nähe liegen, kann eine

95
Spotmessung hilfreich sein, um eine Belichtungsmessung auf
die festgelegten Bereiche durchzuführen.

A3.2 Integrierte Mehrfeld-Meßsysteme


Die Kamerahersteller nehmen dem Fotografen diese
Aufgabe ab, indem sie Mehrfeld-Meßsysteme in ihre Kameras
integriert haben und diese Systeme sogar wahlweise mit
Zeitvorwahl, Blendenvorwahl oder unterschiedlichen
Programmvorwahlen zu einer automatischen Belichtung
verbinden. Selbst Leica AG ist diesem Trend der
Benutzerfreundlichkeit gefolgt, wenn auch sehr zögerlich und
nur teilweise. Der Fotograf kann bei diesen integrierten
Meßsystemen jedoch nicht bestimmen, welche Objektbereiche
mit welcher Gewichtung berücksichtigt werden. Integrierte
Mehrfeld-Meßsysteme können daher zum Beispiel nicht für das
so genannte Zonensystem verwendet werden.

A4 FOLGERUNGEN
Der erfahrene Fotograf wird immer wieder auf die Methode
nach A2.1 zurückgreifen, die einfach und schnell ist, auch
schnell genug für Schnappschüsse, und bei der er selber
entscheidet, wie welcher Objektbereich belichtet wird.
Ersatzweise kann die Objektmessung mit Graukarte nach A2.2
eingesetzt werden. Die Lichtmessung nach A2.3 ist die
sicherste Methode, um ein durchschnittlich richtig belichtetes
Negativ zu erhalten. Sie benötigt jedoch einen
Belichtungsmesser, der dafür eingerichtet ist. Das Vorgehen
nach A3.1 ist professioneller, erfordert aber Rechenarbeit. Die
integrierten Mehrfeld-Meßsysteme nach A3.2 erbringen gute
Ergebnisse, lassen den Fotografen aber im Dunkeln darüber,
auf was die Kamera vorwiegend belichtet hat und warum es
häufig so gut ausgeht und gelegentlich überhaupt nicht.

Anmerkung A1 - Bei der Lichtmessung wird die


Beleuchtungsstärke, gemessen in lux, ermittelt, die alle zur
Beleuchtung des Objekts beitragenden Einflüsse umfaßt. Der
Belichtungsmesser arbeitet in dieser Meßanordnung also als
Luxmeter.

Anmerkung A2 - Das Buch von Miha Podlogar über


Belichtungsmesser ist für Photographica-Sammler gedacht und
gibt eine chronologische Aufzählung der Einrichtungen zur
Messung des Lichts von Anbeginn bis 1970. Es klammert damit
nicht nur neue Technologien mit Siliziumzellen (sbc) aus,
sondern berücksichtigt auch nicht die Tatsache, daß bis auf den
heutigen Tag gute Belichtungsmesser mit Selenzellen gefertigt
und gehandelt werden. Die Aufzählung der Meßgeräte ist
unvollständig, und Laborbelichtungsmesser werden überhaupt
nicht behandelt. Damit ist das kleine Buch (Paperback)
insbesondere für Sammler, für die es eigentlich gedacht ist,
weniger geeignet. Es ist außerdem mit EUR 30 unverständlich
teuer [9].

96
Freie Seite für persönliche Notizen

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Freie Seite für persönliche Notizen

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Freie Seite für persönliche Notizen

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Freie Seite für persönliche Notizen

100
Kapitel 3

SCHWARZWEIS-ARBEITEN
IN DER DUNKELKAMMER
Praktische Hinweise

101
Abschnitt Inhalt Seite

1 Einleitung 105
2 Aufgabe 105
3 Streulicht in der Dunkelkammer 106
4 Dunkelkammerleuchten 107
5 Umschalter für Dunkelkammer- 08
leuchten und Vergrößerungslampe
5.1 Beispiel für ein Prinzipschaltbild 108
5.2 Erläuterungen 108
6 Schwärzungsprobe 109
7 Vergrößerungsgeräte 110
7.1 Beleuchtungseinrichtung 110
7.2 Vergrößerungsmaßstab 110
7.3 Schärfedehnung nach Scheimpflug 111
7.4 Spannungskonstanthalter 112
7.5 Scharfeinstellhilfe 112
7.6 Kleinbild- oder Mittelformat 113
7.7 Aufstellung 113
7.8 Anschluß der Halogenlampe 113
8 Vergrößerungsobjektive 114
8.1 Mittel- oder Oberklasse 114
8.2 Vergrößerung vom Mittelformat- 114
Negativ mittels 50-mm-Objektiv
9 Glasflächen im Strahlengang 115
9.1 Filmbühne 115
9.2 Glasandruckplatte für Fotopapier 115
10 Papierauflage 116
10.1 Rahmenlose Anordnung 116
10.2 Kopierrahmen 117
11 Meßeinrichtungen 118
11.1 Laborstoppuhr 118
11.2 Laborbelichtungsmesser 118
11.3 Taschenrechner 119
11.3.1 Dichteumfang des Negativs 119
11.3.2 Belichtungszeit 119
11.3.3 Korrektur der Belichtungszeit 119
11.4 Thermometer 120
12 Kopierumfang des Fotopapiers 120
12.1 Kopierumfang und Dichteumfang 120
12.2 Kopierumfang und Gradation 121
12.3 Kopierumfang verschiedener 122
Papiertypen
12.4 Gradation und Filterung 122
13 Gradationswandelpapier 123
13.1 Farbkopierfilter 124
13.2 Filterschublade 124
13.3 Farbmischkopf 125
13.4 Variokontrastkopf 125
13.5 Filterfolie und Farbmischlicht 125
13.6 Beispiel 126
13.7 Mehrfachbelichtung 127

102
14 Chemikalien 127
14.1 Lagerung 127
14.2 Primärverpackung 128
14.3 Sicherheit 128
14.4 Prüfen auf Gebrauchsfähigkeit 128
14.4.1 Filmentwickler 128
14.4.2 Papierentwickler 129
14.4.3 Fixierbadlösung 129
14.4.4 Stoppbad-, Netzmittel- und 129
Stabilisatorlösung
14.5 Temperieren dre Entwicklerlösung 129
15 Nützliche Hilfsmittel 129
15.1 Dosierung von Konzentrat 129
15.2 Nachbelichten oder „Abwedeln“ 130
15.3 Trocknen 130
15.3.1 Rückstandsfreie Filmtrocknung 130
15.3.2 Hochglanztrocknung von Baryt- 131
Fotopapier
15.4 Stabilisierung von Filmen und 131
Fotopapier
15.5 Kittmasse 132
15.6 Rutschfeste Unterlage 132
15.7 Staub 132
15.7.1 Objektiv 132
15.7.2 Filmbühne 132
15.7.3 Negativ 133
15.7.4 Staubpinsel 133
15.8 Graukarte 133
15.9 Papierschneideeinrichtung 134
16 Entzerrung 134
16.1 Entzerrung mittels Schärfedehnung 134
nach Scheimpflug
16.1.1 Durch Neigen des Kopfes des 134
Vergrößerungsgerätes
16.1.2 Durch Neigen der Papierauflage 136
16.1.3 Kleinbild-Format 136
16.1.4 Mittelformat 136
16.2 Entzerrung ohne Schärfedehnung 136
nach Scheimpfl56
17 Arbeitsprotokoll 137
17.1 Filmentwicklung 137
17.2 Vergrößerung 138
18 Tabellen und Informationen 138
19 Ersatzteile und Vorräte 138
19.1 Filmentwickler 138
19.2 Papierentwickler 139
19.3 Fixiersalz 139
19.4 Schwarzweiß-Fotopapier 139
19.4.1 Barytpapier 139
19.4.2 RC-Papier 139
19.4.3 Gradationswandelpapier 139
19.4.4 Papierformat 140

103
19.4.5 Gradation 140
19.4.6 Papieroberfläche 141
19.4.7 Menge der Vorratspackungen 141
19.5 Probestreifen 141
20 Die Dunkelkammer im Hotel 141

Anhang A Änderung der Bildproportionen 142


beim Entzerr63
A1 Verhältnis der Bildhöhe zur kleineren 142
der beiden parallelen Bildseiten
A2 Kleinbild-Format 145
A3 Verzerrung oder erwünschte Dehnung 146
der Bildhöhe

Anhang B Papierauflage als „Schiefe Ebene“ 147


B1 Vorrichtung zur Neigung der 147
Papierauflage
B2 Anforderungen 147
B3 Beispiel für eine Neigungsvorrichtung 147

Anhang C, Entzerren ohne Schärfe- 150


dehnung nach Scheimpflug
C1 Anwendung 150
C2 Berechnung der Einstellgrenzen 150
C3 Schärfentiefe bei geneigter 151
Papierauflage
C3.1 Berechnung 151
C3.2 Einschränkung 152
C4 Berechnung der Einstell- und der 152
Schärfentiefengrenzen bei
Neigung der Papierauflage
C5 Erlaubte Kombinationen 154

Anhang D Tabellen und Informationen 155


D1 Tabellen im Text 155
D2 Tabellen für die Filmentwicklung 155
D2.1 Verdünnungen 155
D2.2 Stoppbad 155
D3 Film-Entwickler-Kombinationen 155
D4 Arbeitsprotokoll beim Vergrößern 156

104
1 EINLEITUNG
Angesichts des schnellen Vordringens der digitalen
Fotografie ist die Frage nach dem Zweck dieses Kapitels
berechtigt. Laut Schätzung von Casio in Japan waren bereits im
Jahr 2000 weltweit 100 Millionen digitale Kameras im Umlauf
mit stetig steigender Tendenz und entsprechendem Einbruch
der Preise. Das rasche Vordringen der digitalen Fotografie in
den Markt für Amateure bleibt auch nicht ohne Einfluß auf die
Schwarzweiß-Fotografie. Bevor jedoch von APS bis Leica M
und R alles unter die Dinosaurier gereiht wird, bleibt uns die
traditionelle Fotochemie mit all ihrem Charme noch lange Zeit
erhalten, besonders dort, wo es um Kopien großer Formate
geht. Dabei muß nicht nur an die Arbeiten von Fotografen wie
Axel Hütte oder Helmut Newton gedacht werden mit
Fotografien im Format von 1 m x 2 m und mehr. Auch Bilder im
Format von 24 x 30 bis 50 x 60 werden bis auf weiteres immer
noch vom herkömmlichen Negativ unter Anwendung der
Silberchemie in der Dunkelkammer angefertigt, und dies nicht
nur aus Kostengründen.
Die Auflösung eines SW-Kleinbild-Negativs eines 21-DIN-
Films erfordert digital etwa 32 Millionen Pixel, die eines
Rollfilms entsprechend mehr als 100 Millionen Pixel. Diese
Abschätzung zeigt, daß es für den Schwarzweiß-Amateur noch
einen deutlichen Abstand, um nicht zu sagen Vorsprung zur
digitalen Fotografie gibt. Es wird noch eine längere Zeit
verstreichen, bis 32 bis 100 Millionen Pixel und mehr technisch
machbar und zu einem ähnlich niedrigen Preis für die ganze
Verarbeitungskette angeboten werden können und bis Drucker
vergleichbar preiswert Großkopien liefern. Zusätzlich darf
vermutet werden, daß auch die Chemiker nicht schlafen,
sondern die Silberchemie weiterentwickeln werden. Die
beachtlichen Fortschritte der vergangenen fünfzehn Jahre
haben bewiesen, daß das klassische Gebiet der Silberchemie
noch längst nicht ausgereizt ist. Beide Technologien werden
noch sehr lange eine sich ergänzende Koexistenz führen.

2 AUFGABE
Diese Ausarbeitung ist eine Ergänzung zu Kapitel 2 und
bezieht sich auf herkömmliche Schwarzweiß-Fotoarbeiten in
der Dunkelkammer. Sie faßt die Erfahrungen vieler Jahre
praktischer Dunkelkammerarbeit zusammen, deren Anwendung
manche Hantierung erleichtern und die angestrebten
Ergebnisse sicherer machen kann. Als Ausrüstungsstand wird
Dosenentwicklung für Filme und Schalenentwicklung für
Bildkopien vorausgesetzt, wie es bei mäßigem Verbrauch an
Filmen, Papier und Chemikalien im Amateurbereich am
zweckmäßigsten ist. Es werden vor allem ausgewählte
Besonderheiten und Probleme besprochen, die bei der
praktischen Arbeit in der Dunkelkammer auftreten und die in
der zugänglichen Literatur gewöhnlich ausgeklammert bleiben.
Dieser Text war auszugsweise auch Grundlage eines Referats
am 17. September 1997 vor den Hamburger Leica Freunden.

105
Soweit erforderlich, wird zur Erklärung von Begriffen auf
Kapitel 2 verwiesen.

3 STREULICHT IN DER DUNKELKAMMER


Unter Streulicht in der Dunkelkammer wird hier vor allem
Weißlicht verstanden, also Licht, das Fotopapier schwärzt.
Streulicht in der Dunkelkammer wirkt bei der Bildbelichtung und
-bearbeitung kontrastmindernd und wird häufig nicht genügend
beachtet. Wesentliche Quelle für Streulicht ist vor allem das
Vergrößerungsgerät. Praktisch alle am Markt befindlichen
Vergrößerungsgeräte sind nicht völlig lichtdicht. Das
austretende Weißlicht wird an den Wänden und der Decke
sowie an sonstigen hellen Flächen zu vagabundierendem
Streulicht reflektiert, welches Fotopapier schwärzen kann.
Hinzu kommt der Weißlichtanteil der Dunkelkammerleuchten,
dessen Wirkung auf das Fotopapier ebenso untersucht und
gegebenenfalls berücksichtigt werden muß.
Bei kurzen Belichtungszeiten bis etwa 20 s ist die Wirkung
des vorhandenen Streulichts oft vernachlässigbar. Der Einfluß
ist aber besonders dann möglich, wenn großformatige Kopien
angefertigt werden, die lange Belichtungszeiten von zum
Beispiel 60 s und mehr erfordern. Ist Streulicht im Spiel,
erscheinen diese Kopien weicher als kleinere Formate vom
gleichen Negativ. Ist dies der Fall, müssen die Lichtaustritte am
Vergrößerungsgerät genau studiert und die entsprechenden
Stellen abgeschirmt werden. Die notwendige Bastelarbeit muß
gründlich durchgeführt werden. Dabei muß darauf geachtet
werden, daß Lüftungsschlitze und -öffnungen des
Lampengehäuses nicht zugedeckt werden. Mattschwarzer
Karton, eine Rolle Tesa und eine Schere genügen gewöhnlich
für diese Abschirmarbeiten.
Besonderes Augenmerk muß auch dem Licht dienen, das
von der Kopie selbst während des Belichtungsvorganges
reflektiert und an das Vergrößerungsgerät oder an die Decke
geworfen und von dort zurück gestreut wird. Hier hilft
gegebenenfalls ein großer mattschwarzer Karton, der einen
kleinen runden Ausschnitt für das Objektiv besitzt und der für
die Dauer der Belichtung von unten über das Objektiv
geschoben und dazu gegebenenfalls von Hand oder in anderer
geeigneter Weise gehalten wird. Schließlich können auch helle
Flächen in der Umgebung der Papierauflage, zum Beispiel die
Wand dahinter, mit mattschwarzem Karton abgedeckt werden.
Der Einfluß des Streulichts wird nach Abschnitt 6 geprüft,
wobei anstelle der Dunkelkammerleuchten das Licht des
Vergrößerungsgerätes eingeschaltet ist. Es ist wichtig und
zweckmäßig, sich von vornherein über den Einfluß von
Streulicht Klarheit zu verschaffen und hierzu die in Abschnitt 6
empfohlenen Maßnahmen anzuwenden. Nur hierdurch kann die
Beeinträchtigung der Ergebnisse durch Streulicht erkannt und
mit Sicherheit ausgeschlossen werden.
Moderne Vergrößerungsgeräte mit Kaltspiegel-
Halogenlampe und diffuser Beleuchtungseinrichtung sind so

106
lichtstark, daß selbst bei Vergrößerungsformaten von
50 cm x 60 cm und Blendenzahl 8 bis 11 Belichtungszeiten von
30 s kaum überschritten werden, falls normal belichtete
Negative vorliegen. Obwohl durch kürzere Belichtungszeiten
der Einfluß des aus dem Vergrößerungsgerät austretenden
Streulichts gemindert wird, sollte dies nicht zum Leichtsinn
verleiten.

4 DUNKELKAMMERLEUCHTEN
Empfehlenswert ist eine kleine und schwenkbare
Dunkelkammerleuchte, bestückt mit einer auswechselbaren
Sperrfilterscheibe in der Größe 9 cm x 12 cm und mit einer
gewöhnlichen Glühlampe von höchstens 15 W. Solch eine
Standardleuchte ist seit jeher und auch heute noch preiswert
erhältlich. Sie wird zweckmäßig mit einer Sperrfilterscheibe für
Gradations-wandelpapier versehen und kann damit für alle
Schwarzweiß-Papiere verwendet werden. Es werden zwei bis
vier Exemplare dieser Leuchten in der Dunkelkammer auf
geeignete Stellen verteilt, so daß bei Ausfall einer der Lampen
einfach weitergearbeitet werden kann, ohne den gerade
laufenden Prozeß abbrechen zu müssen.
Leuchten für 150 bis 300 EUR können demgegenüber keine
besonderen Vorteile vorweisen. Wenn das Prestige es aber
erfordert, so ist als Grundbeleuchtung der Dunkelkammer zum
Beispiel eine Leuchte empfehlenswert, die mit etwa 80 oder
mehr gelben LEDs bestückt ist und an die Decke der
Dunkelkammer gerichtet wird. Bei der Farbe dieser LEDs ist die
Empfindlichkeit der meisten Schwarzweiß-Papiere sehr gering.
Beim Verarbeiten von Gradationswandelpapier und von
Farbpapier dient die abnehmbare Haube dieser Leuchte als
zusätzlicher Sperrfilter.
Leuchten, die mit Metalldampflampen bestückt sind, werden
nicht empfohlen. Sie stabilisieren sich nach dem Einschalten zu
langsam und sind nicht für ständiges Ein- und Ausschalten
ausgelegt. Ferner ist die Lebensdauer der Metalldampflampe
deutlich geringer als 100 Stunden und steht damit in keinem
Verhältnis zu ihrem Nutzen und dem sehr hohen Preis von bis
zu 50 EUR für den Ersatz der ausgefallenen Metall-
dampflampe. Siehe hierzu Abschnitt 5.

5 UMSCHALTER FÜR DUNKELKAMMER-


LEUCHTEN UND VERGRÖSSERUNGSLAMPE
Vorteilhaft ist ein Umschalter, der es gestattet, beim
Einschalten der Vergrößerungslampe automatisch alle
Dunkelkammerleuchten gleichzeitig auszuschalten, ohne daß
dies zusätzlich von Hand geschehen muß. Damit wird immer
ein blendfreies Einstellen und Beurteilen des Negativbildes auf
der Papierauflage, also zum Beispiel auf dem Grundbrett
gewährleistet und die Meßzelle des Laborbelichtungsmessers
nicht durch Fremdlicht getäuscht. Bei Verwendung dieser
automatischen Umschaltung sind wegen des häufigen Ein- und

107
Ausschaltens mit Metalldampflampen bestückte
Dunkelkammerleuchten unzweckmäßig.

5.1 Beispiel für ein Prinzipschaltbild


In Bild 1 ist ein Blockdiagramm für den Schaltkreis
wiedergegeben, der die für diesen Zweck erforderlichen
Elemente aufweist. Zusätzlich zu den vorhandenen Bauteilen
müssen ein Relais mit einer Schaltleistung von 230 V und 1 A
sowie zwei Miniatur-Einbausteckdosen einschließlich Stecker
und dazu die entsprechenden Anschlußleitungen und
Stopfbuchsen angeschafft werden. Alles wird zum Beispiel in
eine 0,5-Liter-Weißblechdose mit Deckel eingebaut.

Netz Schaltdose 230 V


mit Dunkelkammer-
Schalter S Relais R leuchten L, 230 V

L
S R L
L

V1
SW
Opal
M
230 V

Belichtungsmesser M Vergrößerungsgeräte V

V2
Trafo Color
230/ Halogen
12 V 12 V

Bild 1 – Blockdiagramm für den Schaltkreis zur


Umschaltung der Dunkelkammerleuchten
auf die Vergrößerungslampe

5.2 Erläuterungen
Die Dunkelkammerleuchten L nach Bild 1 werden an die
Steckdose D1 an der Schaltdose angeschlossen. Die Spannung

108
hierfür wird über die Stopfbuchse B1 vom Netz über eine
Steckdosenleiste zugeführt und über den Ruhekontakt des
Relais R geschaltet. Der Schalter S und das Meßgerät M bilden
eine Einheit. Wird der Schalter S über das Meßgerät M
eingeschaltet, so führt die im Schalter S eingebaute
Schukosteckdose Spannung. Das Relais R in der Schaltdose
wird über die Stopfbuchse B2 an diese Steckdose
angeschlossen.
Das Vergrößerungsgerät in der Ausführung V1 mit
Schwarzweiß-Lampenhaus und Opallampe wird direkt mit der
Steckdose D2 der Schaltdose verbunden, das
Vergrößerungsgerät in der Ausführung V2 mit
Farbmischlichtkopf und 12 V-Halogenlampe wird über den
Transformator T mit der Steckdose D2 an der Schaltdose
verbunden. Wird der Schalter S über das Meßgerät M
eingeschaltet, so wird das Relais R aktiviert. Gleichzeitig damit
werden die Dunkelkammerleuchten L ausgeschaltet und die
jeweils angeschlossene Vergrößerungslampe über die
Steckdose D2 eingeschaltet. Wird der Schalter S über das
Meßgerät M ausgeschaltet, fällt das Relais R ab, und die
Dunkelkammerleuchten werden wieder ein- und die
Vergrößerungslampe ausgeschaltet.
Stopfbuchsen, Relais und Miniatursteckverbindungen sind
beim Elektronikhändler zu erstehen, die als Gehäuse dienende
0,5-Liter-Weißblechdose plus Deckel beim Farbenhändler. Bei
der Verdrahtung wird der über die Stopfbuchse B1 zugeführte
Schutzleiter direkt an das Weißblechgehäuse im Innern der
Dose gelötet. Wer sich die Montagearbeit nicht zutraut, findet
dafür sicher einen hilfreichen Bastelfreund. Es lohnt sich auf
jeden Fall: Niemand, der diese Schalteinrichtung einmal benutzt
hat, möchte sie je wieder missen.

6 SCHWÄRZUNGSPROBE
Die Wirkung des von den Dunkelkammerleuchten
ausgestrahlten Lichts auf das zu verarbeitende Fotopapier muß
überprüft werden. Wird ein neuer Papiertyp benutzt, so wird von
diesem Papier ein Probestreifen entnommen und so
vorbelichtet, daß er nach der Entwicklung ein helles Grau zeigt.
Anschließend wird ein weiterer Probestreifen mit gleicher
Belichtungszeit vorbelichtet und etwa vier Minuten dem
Dunkelkammerlicht ausgesetzt. Dazu wird ein Teil des
Probestreifens mit einem Geldstück abgedeckt. Diese
Nachbelichtung geschieht im üblichen Arbeitsabstand von den
Dunkelkammerleuchten. Nach Entwickeln und völligem
Trocknen des Probestreifens darf der vom Geldstück
abgedeckte Fleck nicht sichtbar sein und zum Beispiel bei
Betrachtung unter sehr hellem Licht nicht erkennbar heller
erscheinen als seine Umgebung. Ist dies jedoch der Fall, so
sind die Dunkelkammerleuchten zu hell, die verwendeten Filter
darin für das geprüfte Papier ungeeignet und/oder der
Arbeitsabstand ist zu gering gewählt. Entsprechende Abhilfe ist
erforderlich.

109
7 VERGRÖSSERUNGSGERÄTE
7.1 Beleuchtungseinrichtung
Entgegen einer häufig vertretenen Ansicht ist bei Arbeiten
zur bildhaften Fotografie die höhere "Schärfeleistung" eines
Vergrößerungsgerätes mit Kondensorbeleuchtung gegenüber
einem Gerät mit diffuser Beleuchtung auch bei sehr starken
Vergrößerungen bis etwa zum Faktor 20 praktisch nicht
erkennbar. Dieser Effekt kommt erst bei hochauflösenden und
hart arbeitenden Filmen und Vergrößerungen zum Tragen, die
deutlich darüber liegen. Gegenüber Kondensorbeleuchtung hat
aber die heute vorherrschende Beleuchtungseinrichtung,
bestehend aus Kaltspiegel-Halogenlampe, Farbmischkopf und
Lichtmischbox mit Diffusorscheibe, einige Vorteile.
- Die Lichtausbeute ist sehr hoch, was den Komfort beim
Arbeiten fördert.
- Geräte mit Kondensorbeleuchtung neigen dank des
Callier-Effekts zur unnötigen, dafür aber sehr deutlichen und
eindrucksvollen Darstellung von Staub, Kratzern und sonstigen
Verunreinigungen des Negativs.
- Diffuse Beleuchtung "übersieht" Staubteilchen und kleine
Fehler im Negativ weitgehend. Körnigkeit tritt auf der Kopie
ebenfalls deutlich abgeschwächt hervor.
- Ein Mittelformat-Vergrößerungsgerät mit diffuser
Beleuchtung kann gewöhnlich vom Mittelformat auf das
Kleinbildformat umgeschaltet werden. Die
Kondensorbeleuchtung erfordert hierzu zusätzlich das
Auswechseln des Kondensors, der auf die Brennweite des
Vergrößerungsobjektivs abgestimmt sein muß.
- Bei Geräten mit Farbmischkopf und Licht-mischbox kann
sowohl in Schwarzweiß als auch in Farbe gearbeitet und damit
also auch auf Kontrastwandelpapier vergrößert werden. Hierbei
können alle Zwischenwerte für den Kopierumfang des Papiers
eingestellt werden.
- Ein Vergrößerungsgerät mit Kondensorbeleuchtung muß
eine Filterschublade für die Aufnahme von Farbfiltern besitzen,
damit Gradationswandelpapiere verarbeitet werden können.
- Mit Kondensorbeleuchtung wird infolge des Callier-Effekts
der wirksame Dichteumfang des Negativs über den
tatsächlichen hinaus gesteigert. Dies geschieht je nach Art der
Kondensoreinrichtung unterschiedlich stark. Ein Negativ
erscheint im Kondensorlicht daher deutlich härter als im
diffusen Licht. Der Unterschied kann bis zu zwei Gradationen
weicheres Papier erfordern. Bild 2 zeigt ein Beispiel von zwei
entsprechenden Dichtekurven, das Kapitel 5 entnommen ist.

7.2 Vergrößerungsmaßstab
Die Säulenhöhe muß Vergrößerungen auf die
Papierauflage, zum Beispiel das Grundbrett des
Vergrößerungsgerätes, von mindestens 40 cm x 60 cm vom
Kleinbild-Negativ und von 70 cm x 70 cm vom Mittelformat-
Negativ erlauben. Dies entspricht einem
Vergrößerungsmaßstab von etwa 17 beim Kleinbild-Film und

110
etwa 13 beim Mittelformat-Film. Siehe hierzu auch 7.7. So
gestatten zum Beispiel das Vergrößerungsgerät M 605 von
Durst mit einem Objektiv von 80 mm Brennweite
Vergrößerungen vom Mittelformat-Negativ bis etwa
40 cm x 40 cm, mit Verlängerungsstück bis etwa
60 cm x 60 cm,. Der nicht mehr gefertigte Focomat von Leica
vergrößert mit einem Objektiv von 40 mm Brennweite vom
Kleinbild-Negativ bis etwa 40 cm x 60 cm auf sein Grundbrett.

Dichte über
Schleier

1,6

1,4

1,2
Kondensor Diffusor
1,0

0,8

0,6

0,4

0,2
0,1

0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Belichtungsstufe

Bild 2 – Dichtekurven von Agfapan APX 100,


20,0 min in Neofin blau mit 30 s
Kipprhythmus entwickelt

7.3 Schärfedehnung nach Scheimpflug


Auf die Möglichkeit der Entzerrung eines Negativbildes mit
"stürzenden Linien" kann nicht verzichtet werden. Die
Entzerrung geschieht in eleganter Weise unter Anwendung des
Prinzips der Schärfedehnung nach Scheimpflug. Dazu muß
jedoch ein Mittelformat-Vergrößerungsgerät angeschafft
werden, da die am Markt angebotenen Kleinbild-
Vergrößerungsgeräte nicht mit der Möglichkeit der
Schärfedehnung nach Scheimpflug ausgestattet sind. Dies
kann ein wichtiger Grund dafür sein, sich anstelle eines
Kleinbild-Vergrößerungsgerätes für ein Mittelformat-Gerät zu
entscheiden, das auch für Kleinbild eingerichtet ist.

111
7.4 Spannungskonstanthalter
Falls keine Farbvergrößerungen angefertigt werden sollen
oder falls die Dunkelkammer nicht im Bereich einer Großstadt
liegt, wo deutliche Spannungsschwankungen zu bestimmten
aber meist bekannten Tageszeiten stattfinden, ist ein
Spannungsstabilisator für den Anschluß der
Beleuchtungseinheit des Vergrößerungsgerätes nicht
erforderlich.

7.5 Scharfeinstellhilfe
Besonders bei sehr großen Vergrößerungsmaßstäben kann
die Scharfeinstellhilfe ein nützliches Zubehör sein. Üblich sind
vom Vergrößerungsgerät unabhängige Scharfeinstellhilfen, die
auf das Grundbrett gestellt werden. Bei sehr großen
Vergrößerungen kann jedoch der Abstand von der
Papierauflage bis zum Fokussierknopf, insbesondere mit
Säulenverlängerung, so groß werden, daß die Arme viel zu kurz
sind, wenn gleichzeitig nachgestellt und mit dem Auge über
dem Okular der Scharfeinstellhilfe auf der Papierauflage das
Ergebnis überprüft werden soll. Bei der Anbringung des
Vergrößerungsgerätes an der Wand kommen noch weitere
Zentimeter dazu. Daher sind vom Vergrößerungsgerät
unabhängige Scharfeinstellhilfen nur bedingt anwendbar. Für
den genannten Extremfall gibt es eine sehr einfache und
praktische Abhilfe. Frau oder Mann setzt, soweit sie
Brillenträger sind, die Fernbrille auf und bedient sich dann einer
üblichen und meist vorhandenen großen Leselupe, um eine
Bildpartie zu betrachten. Dabei reicht der freie Arm zum
Fokussieren gewöhnlich aus.
Vergrößerungsgeräte mit eingebauter optischer
Scharfeinstellhilfe für den semi-professionellen oder gehobenen
Amateurbereich sind nicht bekannt. Es werden jedoch zwei
Geräte in der Preisklasse oberhalb 1 500 bis 2 000 EUR
angeboten, die eine automatische Fokussiereinrichtung
besitzen.

Anmerkung 1 - Der Verfasser benutzt seit 1960 unter


anderem ein Kondensor-Vergrößerungsgerät von Typ
Veigel Exakt für Kleinbild- und Mittelformat-Negative.
Unmittelbar über der Filmbühne befindet sich ein Schieber, mit
dem eine Platine in den Strahlengang gebracht werden kann,
die mit einer optischen Scharfeinstellhilfe versehen ist. Dabei
erscheint auf der dadurch verdunkelten Papierauflage das
Schnittbild von zwei senkrechten, hellen Strichen. Wird die
Fokussierung so verstellt, daß die beiden Striche scharf
abgebildet werden und dabei genau übereinander liegen, so ist
genau auf die Papierauflage fokussiert. Das geschieht
unabhängig von dem Abstand Objektiv-Papierauflage und
erfordert keine Voreinstellung. Diese Technologie wurde bei der
Entwicklung moderner Vergrößerungsgeräte ignoriert, wegen
der Kosten verworfen, übersehen oder aber einfach vergessen.

112
7.6 Kleinbild- oder Mittelformat
Diese Frage sollte besonders sorgfältig geprüft werden, falls
noch kein Vergrößerungsgerät vorhanden ist. Der
Preisunterschied zwischen einem gut ausgestatteten Kleinbild-
Vergrößerungsgerät und einem Mittelformat-
Vergrößerungsgerät ist nicht übermäßig groß. Jedes gute
Mittelformat-Vergrößerungsgerät ist aber gleichzeitig auch für
das Kleinbild ausgerüstet. Bei Neukauf wird daher ein
Mittelformat-Vergrößerungsgerät auch dann empfohlen, wenn
ausschließlich Arbeiten mit Kleinbild geplant sind. Früher oder
später geraten dem Kleinbild-Amateur nämlich Negative in die
Hände, die den Kleinbildrahmen sprengen. Auch ist die
Mittelformat-Bühne bereits groß genug, um negativfreie
"Photographik"-Arbeiten durchzuführen. Schließlich hat das
Mittelformat-Vergrößerungsgerät eine erheblich längere Säule,
was Großkopien vom Kleinbild-Negativ erleichtert, und ist bei
erforderlicher Entzerrung mit der Möglichkeit der
Schärfedehnung nach Scheimpflug ausgestattet.

7.7 Aufstellung
Bei der Aufstellung des Vergrößerungsgerätes müssen
mögliche Schwingungen und Vibrationen berücksichtigt
werden, die zum Beispiel durch Tritte oder Straßenverkehr
ausgelöst und besonders über den Fußboden übertragen
werden. Gewöhnlich steht das Vergrößerungsgerät mit seinem
Grundbrett auf der Tischplatte eines Arbeitstisches. Günstig ist
ein ganz fest an der Wand stehender Tisch mit schwerer
Tischplatte, wie er zum Beispiel auch bei Kücheneinbaumöbeln
verwendet wird.
Wände neigen deutlich weniger zu Schwingungen oder
Vibrationen. Für Vergrößerungsgeräte von Durst zum Beispiel
werden Wandhalterungen geliefert. Die Wandbefestigung des
Vergrößerungsgerätes besitzt eine Reihe von Vorteilen.
- Es gibt praktisch keine Übertragung von Schwingungen.
- Da die Säule oben und unten an der Wand befestigt ist
kann sie auch bei ganz ausgefahrenem Kopf nicht
nachschwingen.
- Die Tischplatte bleibt außer für die Papierauflage frei.
Stehen keine fotografischen Arbeiten an, kann sie durchgehend
für andere Zwecke genutzt werden.
- Das Vergrößerungsgerät kann deutlich höher angebracht
werden, als wenn es mit seinem Grundbrett auf der Tischplatte
steht. Das erlaubt größere Vergrößerungsmaßstäbe und
bequemeres Arbeiten bei kleineren Vergrößerungen. Siehe
hierzu Abschnitt 10.

7.8 Anschluß der Halogenlampe


Kaltspiegel-Halogenlampen benötigen verhältnismäßig
große Ströme, die für Vergrößerungsgeräte übliche Lampe von
100 W zum Beispiel einen Strom von 8,3 A. Dabei kann nach
längerem Betrieb eine störende Kontakterosion auftreten, was
sich durch flackerndes Licht bemerkbar macht. Es wird daher

113
empfohlen, von vornherein die gelieferte Steckverbindung im
Gerät durch eine Schraubverbindung zu ersetzen. Dazu bieten
sich die in Lüsterklemmen befindlichen Klemmen an, die nach
Entfernen der kleinen Klemmschrauben einfach aus dem
Klemmengehäuse entnommen werden können. Der damit
verbundene sehr geringe Arbeitsaufwand kann unnötigen Ärger
verhindern und ist praktisch kostenlos.

8 VERGRÖSSERUNGSOBJEKTIVE
8.1 Mittel- oder Oberklasse
Wird ein Objektiv der Mittelklasse eingesetzt, werden
bereits bei einer Vergrößerung um den Faktor 7 feinste
Strukturen nicht mehr gut aufgelöst, so daß hiermit das
Papierformat 18 cm x 24 cm für Kleinbild-Negative und
30 cm x 40 cm für Mittelformat-Negative eine obere Grenze
bildet. Sind stärkere Vergrößerungen geplant, so muß ein
Objektiv der Oberklasse angeschafft werden.
Vergrößerungsobjektive für Kleinbild-Negative sollten eher
40 mm als 50 mm Brennweite besitzen, solche für Mittelformat-
Negative 75 mm bis 80 mm. Wird ein Mittelformat-
Vergrößerungsgerät benutzt, das auch für Kleinbild-Negative
eingerichtet ist, müssen im Falle der Verwendung von
Kondensoreinrichtungen die jeweilige Brennweite des
Vergrößerungsobjektivs und die Kondensoreinrichtung
aufeinander abgestimmt sein. Beim Übergang von einer
Brennweite zur anderen muß daher die Kondensoreinrichtung
ausgewechselt werden.

8.2 Vergrößerung vom Mittelformat-Negativ


mittels 50-mm-Objektiv
Soll von einem Mittelformat-Negativ eine
Ausschnittvergrößerung angefertigt werden und wird die
gewünschte Größe der Kopie zum Beispiel im Format 50 x 60
nicht erreicht, so kann der Kunstgriff helfen, anstelle des
Objektivs von 80 mm ein solches von 40 bis 50 mm Brennweite
zu verwenden. Dazu wird das Negativ so in der Filmbühne
verschoben, daß sich der gewünschte Ausschnitt mittig über
dem Objektiv befindet. Der Ausschnitt muß ferner ganz in dem
jetzt kleineren Bildkreis von etwa 50 mm Durchmesser liegen,
darf also eine Größe von etwa 35 mm x 35 mm nicht
überschreiten.
Diese Maßnahme ist dann besonders vorteilhaft
anwendbar, wenn ein Vergrößerungsgerät mit Farbmischkopf
und Lichtmischbox verwendet wird, denn hierbei muß in diesem
Anwendungsfall kein Kondensor gewechselt werden. Es wird
auch nicht auf KB-Licht umgeschaltet, so daß keine Gefahr der
Vignettierung der Bildecken entsteht. Somit wird empfohlen, für
Mittelformat-Vergrößerungen neben dem Objektiv von 80 mm
auch ein solches von 40 bis 50 mm Brennweite bereitzuhalten.

Anmerkung 2 – Insbesondere bei sehr starken


Vergrößerungen werden hohe Anforderungen an das Objektiv

114
gestellt. Wer sich daher auf all das eingelassen hat, was hier
und bisher empfohlen wurde, wird nicht nur das 80er sondern
auch ein 40er oder 50er Objektiv in Apo-Qualität kaufen.

9 GLASFLÄCHEN IM STRAHLENGANG
Glas zwischen Negativ und Objektiv sowie zwischen
Objektiv und Fotopapier beeinträchtigt die Qualität der
Wiedergabe auf der Kopie und verhindert die Darstellung
feinster Strukturen bei stärkeren Vergrößerungen. Eine
Glasscheibe führt infolge ihrer Dicke zu Verzerrungen, sie
erzeugt zusätzliches Streulicht und vermindert damit Auflösung
und Kontrast des Bildes auf dem Papier.

9.1 Filmbühne
Bei einigen Vergrößerungsgeräten für Kleinbild-Negative
wird in der Negativbühne ganz auf Glasscheiben zur
Unterstützung der Planlage verzichtet. In einigen Fällen gibt es
die Option zu glasloser Auflage, jedoch mit oberer
Glasandruckplatte. Diese Anordnung ist optimal und bewährt
sich auch beim Mittelformat. Dabei wird das Negativ, das sich
infolge der Erwärmung nach oben wölben will, durch die
andrückende Glasscheibe in der Planlage gehalten. Die dem
Negativ zugewandte Seite der Glasandruckplatte muß eine
Anti-Newton-Ätzung aufweisen, um Newtonsche Ringe zu
vermeiden. Diese Anordnung kann etwa bis zum Format 6 x 6
angewendet werden, darüber hinausgehende Formate
erfordern zusätzlich eine Glasauflage. Eine Glasplatte als
Auflage für das Negativ erzeugt jedoch zusätzliche
Komplikationen.
- Da die Schichtseite des Negativs die Glasfläche berührt,
ist eine Anti-Newton-Ätzung nicht möglich. Sie würde
gleichzeitig mit dem Negativ abgebildet werden. Eine
unbehandelte Glasfläche dagegen kann zu Newtonschen
Ringen führen, die sich genau so hartnäckig behaupten wie
Staub im Kondensorlicht.
- Unerwünschte Partikel wie zum Beispiel Staub werden
gegen die Emulsion gepreßt, abgebildet und im ungünstigsten
Falle in die Emulsion gedrückt.

9.2 Glasandruckplatte für Fotopapier


Wird das Papier für die Kopie unter eine Glasplatte gelegt,
um es in die Planlage zu zwingen, so gilt, was oben gesagt
wurde. Ein glasloser Vergrößerungsrahmen ist die bessere
Lösung, die beste dagegen das planliegende Papier ohne
Rahmen oder Glas. Moderne RC-Papiere liegen praktisch plan,
und geringe Abweichungen davon werden durch das übliche
Abblenden des Vergrößerungsobjektivs um ein bis drei
Blendenzahlen vom Schärfentiefenbereich erfaßt. Wenn die
Anwendung einer Glasplatte unumgänglich ist, sollte sie
beidseitig plangeschliffen sein und eine mäßige Dicke von
höchstens 3 mm besitzen.

115
10 PAPIERAUFLAGE
10.1 Rahmenlose Anordnung
Da RC-Papiere und moderne Portfolio-Papiere hinreichend
plan liegen, genügt als Papierauflage eine hellweiße Unterlage,
auf der die Anordnung des Fotopapiers zum Beispiel mit
Filzschreiber gekennzeichnet wird. Nur in ganz besonderen
Fällen wird ein Vergrößerungsrahmen benötigt. Wird das
Vergrößerungsgerät an der Wand befestigt, kann es mit Vorteil
höher angebracht werden, als wenn es mit seinem Grundbrett
auf der Tischplatte steht. Dann ist entsprechend Bild 3 für
kleinere Vergrößerungen ein Kasten hilfreich, der als
Papierauflage dient und dessen Höhe so bemessen ist, daß
seine Auflagefläche in die Ebene des unteren Endes der Säule
fällt.
Für kleinere Vergrößerungen zum Beispiel bis zum
Format 30 x 40, bringt dieser Kasten die Papierauflage in eine
bequeme Arbeitshöhe. In dem ausgeführten Beispiel, das
Bild 3 als Vorlage diente, beträgt die Arbeitshöhe etwa 25 cm
über Tischhöhe, im gegebenen Falle also insgesamt 112 cm.
Der verwendete Kasten ist aus drei Teilen zusammengesetzt,
die aus perlweiß beschichteter Spanplatte bestehen und
miteinander verleimt sind. Die Kanten sind wegen des besseren
Aussehens mit Umleimern versehen. Die Fläche für die
Papierauflage von Teil 1 beträgt 30,5 cm x 40,6 cm für
Fotopapier des Formats 30 x 40. Für kleinere Formate sind die
Umrahmungen „skrupellos“ und, zur vorderen, linken Ecke
ausgerichtet, mit Filzschreiber aufgetragen. Teil 2 ist schmäler
als Teil 3 und deutlich zurückgesetzt, damit bei starken
Ausschnittvergrößerungen Teil 1 über die vordere Kante der
Arbeitsplatte, zum Beispiel der Tischplatte, hinausragen kann.
Für Vergrößerungen auf Formate bis 50 x 60 kann eine
Spanplatte, ebenfalls perlweiß beschichtet und mit Umleimer
versehen, in den Außenmaßen 50,8 cm x 61,0 cm für das
Format 50x60 als Papierauflage dienen.

Anmerkung 3 - In jedem Teppich- und Gardinenladen gibt


es gazeartige Teppichunterlagen, die das Rutschen verhindern.
Dieses Material kann vielfältig im Haushalt, aber auch in der
Dunkelkammer angewendet werden. Entsprechende
Ausschnitte, unter die oben beschriebenen Papierauflagen
gelegt, verhindern jegliches unbeabsichtigte Verschieben der
unter dem Vergrößerungsgerät ausgerichteten Papierauflage,
die sich förmlich gegen eine Lageänderung stemmt. Im
Haushalt kann dieses Material zum Beispiel unter einem
Schneidebrett mit gleichem Effekt benutzt werden und so
weiter.
Für störrisches Barytpapier gibt es preislich aufwendige
Einrichtungen zur Papierauflage, die das Papier mit Vakuum
ansaugen. Eine saugende Papierauflage läßt sich aber leicht in
Heimarbeit anfertigen und an einen Handstaubsauger
anschließen.

116
Wandhalterung

Mischlichtbox

Filmbühne

Objektiv

Papierauflage
Teil1

Teil 2 Teil 3
Teil 2
Kasten
Teil 3

Arbeitsplatte

Schematische Frontansicht und Seitenansicht

Die Teile 1, 2 und 3 bestehen aus beschichteter Spanplatte mit


perlweißer Oberfläche.

Bild 3 – Anordnung des Vergrößerungsgeräts mit


Wandhalterung und mit Kasten als
Papierauflage für Fotopapiere bis zum
Format von 30 x 40 (30,5 cm x 40,6 cm)

10.2 Kopierrahmen
Die Verwendung eines Kopierrahmens ist sinnvoll oder
erforderlich, wenn das Fotopapier nicht hinreichend plan liegt
oder wenn ein weißer Rand gewünscht wird. Für Formate ab
30 cm x 40 cm ist kein weißer Rand erforderlich, da diese
Formate gewöhnlich mit Passepartout präsentiert werden.
Rahmen gibt es in unterschiedlichen Größen und vor allem in
sehr unterschiedlicher Qualität. Es werden leider sehr viel
schlechte Geräte angeboten. Beim Kauf muß daher sehr genau
auf die Verarbeitung und die Handhabung geachtet werden.
Dabei können die folgenden Hinweise helfen.
- Die Schenkel müssen stabil und schwer sein, damit sie
störrisches Papier auch wirklich niederhalten. Sie müssen
sicher geführt sein und seitlich nicht nachgeben.
- Die Schenkel müssen sich leicht einstellen lassen.
- Die Schenkel müssen sicher arretierbar sein.
- In einer Dimension müssen zwei parallel zueinander
liegende und zueinander verschiebbare Schenkel vorhanden
sein.

117
- Die festen Anschlagkanten des Rahmens müssen eine
einstellbar breite Abdeckung der entsprechenden Bildkanten
zulassen.
- Ein guter Rahmen muß mit einer Glasscheibe geliefert
werden, die sich bei Bedarf einfach installieren oder entfernen
läßt.
- Schenkel und Kanten müssen eine gut ablesbare und
genaue Gravur besitzen.
- Es müssen Markierungen für die gängigen Papierformate
angebracht sein.
Gute Rahmen sind sehr teuer. Für Formate über 24 x 30
sind sie sogar sündhaft teuer und praktisch überflüssig. Zum
Niederhalten des Papiers kann dabei gegebenenfalls eine
entsprechend große Planglasscheibe dienen.

Anmerkung 4 Sind weiße Bildkanten erwünscht, so kann


für Formate bis etwa 30x40 auch anstelle eines Rahmens ein
sauber geschnittenes Passepartout dienen, das an zwei
senkrecht zueinander liegenden Seiten mit je zwei Passerstiften
auf dem als Papierauflage dienende Grundbrett fixiert wird.
Dabei dienen die Passerstifte gleichzeitig als Anschlag für das
zu belichtende Fotopapier. Die Anbringung der Passerstifte
sowie die Größe des Passepartout-Ausschnitts werden so
gewählt, daß die Bildkanten gleichmäßig, zum Beispiel mit
5 mm abgedeckt sind. Die Kantenabdeckung ist hierbei nicht
variabel, kann aber durch Nachschneiden verringert werden.

11 MESSEINRICHTUNGEN
Die Schwarzweißarbeiten in der Dunkelkammer erfordern
nur wenige und vergleichsweise einfache Meßeinrichtungen.

11.1 Laborstoppuhr
Eine normale Stoppuhr ersetzt keine Laborstoppuhr. In der
Dunkelkammer ist eine Laborstoppuhr mit einem Ziffernblatt
von mindestens 10 cm Durchmesser zu bevorzugen. Sie läßt
sich auch bei schwachem Licht gut ablesen und ist besonders
geeignet, wenn sie an die Wand gehängt werden kann.

In der Dunkelkammer ist jede Möglichkeit willkommen,


Gerätschaften von der Tischplatte fernzuhalten.

11.2 Laborbelichtungsmesser
Für Schwarzweißarbeiten werden an einen Labor-
Belichtungsmesser nur wenige Anforderungen gestellt.
- Er muß einen Meßbereich von etwa 1 s bis 300 s besitzen.
- Er muß sich auf die Empfindlichkeit des Papiers kalibrieren
lassen.
- Er muß wenigstens zwei Meßwerte speichern und
geometrisch (logarithmisch) mitteln können.
- Er muß den Dichteunterschied zwischen zwei aufeinander
folgenden Meßpunkten oder ersatzweise die hierfür
erforderliche Papiergradation angeben.

118
- Er muß einen integrierten oder mit einem Kabel
verbundenen Leistungsschalter mit Schukosteckdose zum
Anschluß der Beleuchtungseinrichtung des
Vergrößerungsgerätes besitzen.
Diese Anforderungen erfüllt praktisch jeder bessere im
Handel erhältliche Laborbelichtungsmesser. Siehe hierzu auch
15.8.

11.3 Taschenrechner
Ein Taschenrechner, wie er für schulischen Gebrauch
verwendet wird und der die Logarithmus-Funktion bietet, sollte
in der Dunkelkammer nicht fehlen. Die folgenden
Rechenbeispiele zeigen, wie mittels Taschenrechner schnell
und einfach Informationen ermittelt werden, die für die Wahl der
Papier-Gradation und für die Optimierung der Belichtung
erforderlich sind.

11.3.1 Dichteumfang des Negativs


Kann der Dichteumfang des Negativs mit dem vorhandenen
Laborbelichtungsmesser nicht ermittelt werden, so hilft der
Taschenrechner mit Logarithmus-Funktion.

Beispiel 1 - An der hellsten Stelle eines Negativbildes, die


noch mit Zeichnung vergrößert werden soll, werden 7,5 s und
an der dunkelsten Stelle, die noch mit Zeichnung vergrößert
werden soll, werden 95 s Belichtungszeit gemessen. Daraus
ergibt sich der zu verarbeitende Dichteumfang des Negativs zu
D = log95 – log7,5
= 1,98 - 0,88
= 1,1

11.3.2 Belichtungszeit
Die Belichtungszeit ergibt sich aus dem Mittelwert der
Logarithmen. Im Beispiel 1 ist dieser Mittelwert
Logt1 = (log95 + log7,5)/2
= 1,43
und damit t1= 27 s.

11.3.3 Korrektur der Belichtungszeit


Neben der Wahl der richtigen Gradation muß die Kopie
genau belichtet werden. Auch hier kann der Taschenrechner
helfen. Der im Beispiel 1 mit 27 s belichtete Probestreifen
erscheine zu dunkel. Daher soll der nächste Probestreifen um
etwa zwei Graustufen heller belichtet werden.
1/10 des Dichteumfangs des Negativs erzeugt bei
angepaßtem Kopierumfang des Papiers auf der Kopie eine
Änderung der Schwärzung von etwa einer Graustufe.
n Beispiel 1 beträgt 1/10 des Dichteumfangs gerade 0,11,
für zwei Graustufen also 0,22. Jetzt wird 0,22 von 1,43
abgezogen und dann wieder der Numerus gebildet:
Logt2 = 1,43 - 0,22
t2 = 16,2 s.

119
Dies ist die Belichtungszeit, mit der erneut zu probieren
wäre, und so weiter. Mit dem Taschenrechner können alle
Zwischenwerte für die Schwärzung berücksichtigt werden, um
zu der nächsten Belichtungsprobe für eine Vergrößerung zu
gelangen. Beispiel 1 zeigt damit, daß ein Taschenrechner mit
Logarithmus-Funktion in der Dunkelkammer sehr hilfreich und
eigentlich unverzichtbar ist.
Das Vorgehen bei der Korrektur der Belichtungszeit muß
besonders beachtet werden, da diese Rechnung bei jedem
Vergrößerungsvorgang angewendet werden kann.

11.4 Thermometer
Zum Temperieren von Lösungen eignen sich alle
Flüssigkeits-Thermometer, die sich im Bereich von 10 °C bis
60 °C sicher auf 2/10 °C ablesen lassen und die eine Toleranz
von 0,5 °C besitzen. Thermometer müssen chemikalienfest sein
und ihr Gehäuse daher vorzugsweise aus Glas bestehen. Sie
können, wie laborüblich, gleichzeitig als Rührstock verwendet
werden.
Elektronische Thermometer mit einem Meßfühler, der in die
Lösung getaucht wird, müssen auf Basis eines Widerstands-
Thermometers arbeiten. Sie haben in der Dunkelkammer
Nachteile, weil sich damit auf dem Arbeitstisch ein zusätzliches
Meßgerät mit Zuleitung und Anschlußkabel für das
Thermometer auf dem Arbeitstisch befinden und den
Arbeitsablauf behindern.

12 KOPIERUMFANG DES FOTOPAPIERS


Um den Dichteumfang des Negativs vollständig und
weitgehend richtig wiederzugeben, muß Fotopapier mit
angepaßtem Kopierumfang verwendet werden. Wird ein Papier
mit variabler Gradation benutzt, so muß es mit der richtigen
Filterung mittels Farbkopierfilter oder Farbmischkopf belichtet
werden. Es ist daher eine immer wiederkehrende Aufgabe bei
der Anfertigung von Schwarzweiß-Vergrößerungen, den
erforderlichen Kopierumfang des Fotopapiers zu ermitteln und
dazu die richtige Gradation auszuwählen oder den richtigen
Filterwert einzustellen.

12.1 Kopierumfang und Dichteumfang


Der Kopierumfang des Fotopapiers muß mindestens dem
Dichteumfang des Negativs entsprechen.
Wird der Dichteumfang eines Negativs, den ein Papier
gerade noch verarbeiten kann, mit dem Faktor 100 multipliziert
und mit einem vorangestellten "R" versehen, so ist dies die
genormte ISO-Bezeichnung für den Kopierumfang dieses
Papiers. Kann zum Beispiel ein Papier gerade noch das Bild
eines Negativs mit einem Dichteumfang von 1,10 verarbeiten,
so wird sein Kopierumfang mit R 110 angegeben.
Damit ist ein nach 11.3.1 ermittelter Dichteumfang des
Negativs bereits ein Maß für die Auswahl des Papiers mit dem
passenden Kopierumfang. In Beispiel 1 ist der Dichteumfang

120
des Negativs 1,1. Es wird daher zweckmäßig mit einem
Kopierumfang von R 110 probiert. Aber erst der oder die
Probestreifen von den kritischen Stellen des Bildes zeigen, ob
härter oder weicher gearbeitet werden muß. Einen gewissen,
wenn auch geringen Einfluß auf den Kopierumfang
beziehungsweise die zu verwendende Gradation haben die
gewählte Bildgröße, die Papieroberfläche sowie die spätere Art
der Rahmung und Beleuchtung des Bildes. Die Wirkung dieser
Art Einflüsse kann nur nach Erwerb einiger eigener
Erfahrungen abgeschätzt werden.

12.2 Kopierumfang und Gradation


Die Anbieter von Fotopapier geben zum Kopierumfang
gewöhnlich keine oder nur sehr ungenaue Informationen auf
ihren Verpackungen oder Beipackzetteln an. Sie beschränken
sich bei festgraduierten Papieren auf die Angabe einer der
Gradationsziffern 0 bis 5 und bei Papieren mit variabler
Gradation auf die Angabe der Filterung, die solchen
Gradationsziffern entspricht. Nun wird der Kopierumfang
indirekt auch durch diese Gradationsziffern ausgedrückt.
Jedoch gibt es zwischen den namhaften Anbietern keine
Vereinbarung darüber, welche Kopierumfänge diesen Ziffern
jeweils entsprechen.

Tabelle 1 - Gradation und Kopierumfang


von Vergrößerungspapier

Gradation Kopierumfang
... R

Kennziffer Bezeichnung über bis

5 Extrahart 50
4 Hart 50 70
3 Normal 70 90
2 Spezial 90 110
1 Weich 110 130
0 Extraweich 130 150
00 Extrem weich 150

Tabelle 1 zeigt daher zunächst nur Durchschnittswerte der


Kopierumfänge für unterschiedliche Gradationsziffern, die im
Einzelfall signifikant abweichen können, jedoch als erster
Anhalt dienen mögen. Auch die in Tabelle 1 gegebenen
Bezeichnungen werden nicht einheitlich verwendet oder so den
Ziffern o bis 5 zugeordnet, entsprechen aber weitgehend der
Konvention im deutschen Sprachgebrauch. Die Bezeichnung
Extrem weich wird hier hinzugefügt und bezieht sich auf das
Gradationswandelpapier MG IV von Ilford.

121
12.3 Kopierumfang verschiedener Papiertypen
Beim Vergleich verschiedener Datenblätter fällt auf, daß
Kopierumfang und Gradation einander nicht eindeutig
zugeordnet sind. Selbst ein und derselbe Hersteller kann von
Papiertyp zu Papiertyp abweichende Zuordnungen treffen. Bei
Agfa wird zum Beispiel der Kopierumfang R 130 für
Brovira Speed der Gradation 1 oder Weich, zugeordnet und für
Multikontrast MCP Premium der Gradation 0 oder Extraweich.
Tabelle 2 zeigt die Kopierumfänge einiger am Markt
gehandelter Papiere und die dazu vom Hersteller angegebenen
Gradationsziffern. Es werden ersichtlich sehr unterschiedliche
Kopierumfänge für ein und dieselbe Gradationsziffer
angegeben. Tabelle 2 zeigt nebenbei, daß Ilford mit dem
Multigrade IV RC de Luxe hinsichtlich Kopierumfang einen
deutlichen Maßstab gesetzt hat, der sich auch in der
Laborpraxis bestätigt. Obwohl mit dem Papier Work von
Tetenal hervorragende Ergebnisse erzielt werden, sind die
Werksangaben mit Vorsicht zu gebrauchen. In der Laborpraxis
werden zwischen den Gradationen 2 und 3 erkennbare
Unterschiede vermißt. Zwischen den Gradationen 3 und 4
können Unterschiede nur mit gutem Willen erkannt werden.
Aber richtig belichtete Negative bringen tiefes Schwarz und
leuchtendes Weiß auf Work-Papiere, wie es ehedem nur bei
teuren Barytpapieren hervortrat. Auf Vorrat wird daher
gegebenenfalls Papier der Gradationen 1, 3 und 5 gelegt.

Tabelle 2 - Kopierumfang nach Angaben


verschiedener Papierhersteller

Papiertyp Kopierumfang R...


und Hersteller
Vom Hersteller angegebene Gradation

00 0 1 2 3 4 5

Ilford MG IV 180 160 130 110 90 60 40


Agfa Brovira 150 130 110 90 70 50
Tetenal Work 120 100 80 60 50
Agfa MCP 130 110 90 75 60 50

12.4 Gradation und Filterung


Bei festgraduiertem Papier muß die richtige Gradation und
bei Gradationswandelpapier die richtige Filterung ermittelt
werden. Mit etwas Glück helfen hierbei die Angaben des
Papierherstellers, die leider nicht immer vorliegen. Als Beispiel
gibt Ilford zu seinem Gradationswandelpapier Multigrade IV im
Beipackzettel die Hinweise nach Tabelle 3. Dabei entsprechen
die Ilford-Filterwerte der jeweiligen Gradation. Um problemlos
technisch einwandfreie und hochwertige Abzüge zu erhalten,
sollte Filmbelichtung und -entwicklung zu einer Dichte des

122
Negativs führen, die die erforderliche Filterung im fett
gedruckten Bereich der Tabelle 3 ermöglicht. Siehe hierzu
Kapitel 5. Die Angaben in Tabelle 3 stimmen etwa mit denen in
Tabelle 1 überein.

Tabelle 3 – Multigrade IV
Filterung und Kopierumfang

Ilford-Filterfolie Durst-Mischlicht Kopierumfang


Nr. (max. 130M) R...

00 120Y 180
0 70Y 170
0,5 50Y 150

1 40Y 130
1,5 25Y 120
2 0 110

2,5 10M 100


3 30M 90
3,5 50M 76

4 75M 60
4,5 120M 50
5 130M 40

Die Tabellen 1 bis 3 können als Anhalt für die Auswahl der
Gradation eines Papiers oder für die richtige Filterung
herangezogen werden. Auch Agfa und Kodak stellen
entsprechende Kopierfilter her. Wenn keine grundlegenden
Erfahrungen vorliegen, wird empfohlen, sich zunächst auf
einen ausgewählten Papiertyp eines Gradationswandelpapiers
nach Abschnitt 13 zu beschränken und diesen mit Hilfe eines
Satzes von Farbkopierfiltern, zum Beispiel von Ilford, zu
verarbeiten.

13 GRADATIONSWANDELPAPIER
Gradationswandelpapier verändert je nach der Farbe, mit
der es belichtet wird, seinen Kopierumfang beziehungsweise
die Gradation. Mit Gelblicht belichtet, arbeitet es weich, mit
Purpurlicht hart. Je nach Art des Filters können alle
Zwischenstufen des Kopierumfangs erreicht werden. Das kann
durch die Verwendung von Farbkopierfiltern oder mit Hilfe der
Möglichkeit der Farbmischung im Kopf des
Vergrößerungsgerätes geschehen. Gradationswandelpapiere
haben eine Qualität erreicht, die kaum noch Wünsche offen
läßt, zumal jetzt auch Barytpapier mit variabler Gradation
angeboten wird. Hinzu kommen die großen logistischen Vorteile
bei der Lagerhaltung.

123
13.1 Farbkopierfilter
Farbkopierfilter zur Steuerung der Gradation von
Gradationswandelpapieren sind Folien, die aus einem
beidseitig mit Gelatinefiltern beschichtetem Polyesterträger
bestehen. Die Oberflächen dieser Filterfolien müssen gegen
Zerkratzen, Feuchtigkeit und sonstige Verschmutzung und
übermäßige Erwärmung geschützt werden. Sie sollten daher
nur mit Pinzette angefaßt und in sicherer Verwahrung, am
besten in der Originalverpackung, aufbewahrt werden.
Für die praktische Arbeit wird jeweils ein Satz von
Filterfolien benötigt, der es gestattet, die gewünschte Gradation
einzustellen, gestuft von extraweich bis extrahart. In Anlehnung
an die Benennung der Gradationsstufen der traditionellen,
festgraduierten Fotopapiere werden die Filterfolien eines
Satzes gewöhnlich mit den Ziffern 0 für extraweich bis 5 für
extrahart bezeichnet. Jedoch wird mit ein und derselben
Filterfolie bei unterschiedlichen Papiertypen gewöhnlich nicht
der gleiche Kopierumfang erzielt. So besitzt zum Beispiel bei
Verwenden des Ilford-Filters 3 das Papier MCP von Agfa einen
Kopierumfang von etwa R 80, das Papier MG IV von Ilford
jedoch einen Kopierumfang von etwa R 100.
Jeweils abgestimmt auf die eigenen Papiere liefern Agfa,
Ilford so wie Kodak solche Filterfolien, bestehend aus einem
Satz von 12 Farbkopierfiltern und einem Sperrfilter
einschließlich Bedienungsanleitung. Sie werden zum Beispiel
von Ilford im Format 8,9 cm x 8,9 cm oder 15,2 cm x 15,2 cm
angeboten. Diese 12 Filterfolien sind in "halbe
Gradationsschritte" gestuft und werden mit 00, 0, ½, 1, 1½, 2,
2½, 3, 3½, 4, 4½ und 5 bezeichnet, siehe hierzu Tabelle 3. Die
Filterfolien 00 bis 3½ haben gleiche Dichte und damit auch
gleiche Belichtungszeiten. Für die Filterfolien 4 bis 5 muß die
Belichtungszeit gegenüber denen von 00 bis 3½ verdoppelt
werden.

13.2 Filterschublade
Filterfolien erfordern eine Filterschublade. Sie sollte nicht im
optischen Strahlengang, also zwischen Filmbühne und
Vergrößerungsobjektiv oder zwischen Vergrößerungsobjektiv
und Fotopapier liegen, weil hierdurch die Abbildungsqualität
beeinträchtigt werden kann. Die Filterschublade oder sonstige
Aufnahmevorrichtungen für die Filterfolien müssen zweckmäßig
oberhalb der Negativbühne, also im Strahlengang der
Beleuchtungseinrichtung liegen. Dies ist auch die übliche
Anordnung bei Vergrößerungsgeräten, die eine Filterschublade
aufweisen, zum Beispiel beim Durst Modular 70 BW. Die
Filterfolien können mit jedem Papierschneidegerät oder mit
einer Schere passend für die Anwendung zugeschnitten
werden.

Anmerkung 5 - Ilford liefert eine Aufnahmevorrichtung zum


Anbringen der Filterfolien unter dem Vergrößerungsobjektiv.

124
Vom Einsatz dieser Einrichtung wird aber wegen der dadurch
möglichen Beeinträchtigung der Abbildungsqualität abgeraten.

13.3 Farbmischkopf
Farbvergrößerungsgeräte besitzen einen Farbmischkopf,
bei dem die Farben Y = Gelb (Yellow), M = Purpur (Magenta)
und C = Blaugrün (Cyan) unabhängig voneinander und
stufenlos in den Strahlengang des beleuchtenden Lichts
gefiltert werden können. Für Gradationswandelpapiere werden
die Farben Gelb und Purpur benötigt. Der densitometrische
Filterumfang entspricht gewöhnlich demjenigen eines
Filterfoliensatzes oder übertrifft ihn geringfügig.

13.4 Variokontrastkopf
Einige Hersteller bieten Vergrößerungsgeräte an, die mit
einem besonders auf die Erfordernisse der
Gradationswandelpapiere ausgestatteten Kopf versehen sind,
einem so genannten Variokontrastkopf. Der Variokontrastkopf
ist so ausgelegt, daß bei Veränderung des Filterwertes die
Filterdichte und damit die Belichtungszeit immer konstant bleibt.
Das gilt nicht für einen normalen Mischlichtschacht. Wer also
nur Schwarzweiß arbeiten will, ist mit solch einem Kopf gut
bedient, der jedoch nicht für das Mittelformat angeboten wird.

13.5 Filterfolie oder Farbmischlicht


Der gewünschte Kopierumfang von
Gradationswandelpapieren kann wahlweise mit den dafür
vorgesehenen Filterfolien oder durch Wahl des geeigneten
Mischlichts eingestellt werden. Beide Methoden haben Vor-
und Nachteile.
- Die Ergebnisse mit Filterfolien sind sehr gut
reproduzierbar. Filterfolien sind preiswert und können leicht
ausgetauscht und durch neue ersetzt werden.
- Die Reproduzierbarkeit der Einstellung am Farbmischkopf
kann vom Amateur gewöhnlich nicht überprüft werden.
- Dies gilt auch für die Eigenschaften des Mischlichts aus
dem Farbmischkopf und seine Änderungen nach längerem
Gebrauch. Seriöse Hersteller verwenden dichroitische Filter, die
auch bei längerem Gebrauch nicht ausbleichen.
- Selbst ohne vorliegende Information über die
gradationssteuernde Wirkung auf ein beliebiges
Gradationswandelpapier ergibt die Abstufung innerhalb eines
Satzes von Filterfolien einen Anhalt für die praktische
Anwendung: Die Nummer des jeweils verwendeten Filters
liefert einen sinnfälligen Merkwert.
- Die Einstellungen am Farbmischkopf können nur mit Hilfe
einer Tabelle vorgenommen werden, in der die Yellow-
und/oder Magentawerte für den gewünschten Kopierumfang
aufgetragen sind. Diese Werte lassen sich schwer merken. Die
Einstellung ist etwas umständlich und verleitet zu Fehlern bei

125
der Ablesung in der Tabelle, am Farbmischkopf oder durch
Vergessen der Umschaltung des Weißlichthebels.
- Die Abstufung der Einstellwerte für Yellow und/oder
Magenta am Farbmischkopf ist für ein gegebenes Papier
wegen der unvollständigen und unzuverlässigen Angaben der
Papierhersteller mit umständlichem Probieren und Raten
verbunden. Liegen jedoch Informationen entsprechend den
Angaben in Tabelle 3 vor, so ist nach einer gewissen Einübung
die Anwendung des Farbmischkopfes gegenüber der
Benutzung der Filterfolien die elegantere Methode.
- Um mit dem Farbmischkopf gleiche Dichten bei
unterschiedlichen Gradationen zu erzielen, muß zum Beispiel
gleichzeitig zum Yellowfilter auch das Magentafilter reingedreht
werden und umgekehrt. Die Größe der dabei jeweils
erforderlichen Skalenwerte für Yellow und Magenta hängt vom
verwendeten Papier und von den Eigenschaften des
Farbmischkopfes ab und ist nicht immer bekannt. Damit entfällt
diese Methode in vielen Fällen bei der Anwendung des
Farbmischkopfes.
- Der Variokontrastkopf ist ein Sonderfall des
Farbmischkopfes und wird von einigen Herstellern von
Vergrößerungsgeräten als Schwarzweiß-Modul angeboten. Der
Variokontrastkopf gestattet die Einstellung der Gradation in
Stufen von 1 bis 5 bei gleichbleibender Dichte, also
gleichbleibender Belichtungszeit. Damit verbindet der
Variokontrastkopf die Vorteile der Filterfolien mit denen des
Farbmischkopfes bei Vermeidung der genannten Nachteile.
- Filterfolien erfordern eine Filterschublade oder eine
ähnliche geeignete Aufnahme-vorrichtung, zum Beispiel ein
Fach in der Negativbühne oberhalb des Negativs. Aber nur die
von der Negativbühne unabhängige Filterschublade ermöglicht
eine mehrfache Belichtung ein und desselben Fotopapiers mit
unterschiedlichen Filterfolien.
- Gute Schwarzweiß-Vergrößerungsgeräte mit
Kondensorbeleuchtung weisen eine Filterschublade oberhalb
der Negativbühne auf.
- Vergrößerungsgeräte mit Farbmischkopf besitzen
gewöhnlich keine Filterschublade.
- Ist gar keine geeignete Aufnahmevorrichtung für die
Filterfolie vorhanden, so kann die passend geschnittene
Filterfolie auf dem Negativ als Sandwich mit dem Negativ in die
Filmbühne gelegt werden. Auch hier gilt die oben genannte
Einschränkung für die mehrfache Belichtung.
- Mit dem Farbmischkopf können, wenn auch etwas
umständlich, mehrfache Belichtungen mit unterschiedlichem
Kopierumfang auf dasselbe Fotopapier vorgenommen werden.

13.6 Beispiel
Wird ein Kopierumfang von R 60 benötigt, so kann für
Fotopapier Multigrad IV nach Tabelle 3 entweder die
Filterfolie 4 benutzt oder am Durst-Vergrößerungsgerät 75
Magenta eingestellt werden

126
13.7 Mehrfachbelichtung
Gradationswandelpapier gestattet, unterschiedliche
Bildbereiche mit unterschiedlichem Kopierumfang zu belichten,
zum Beispiel die Wolkenbildung am Himmel weich und
Bereiche im Vordergrund des Bildaufbaus normal oder hart. Es
ist auch möglich, ein und denselben Bildbereich erst weich und
danach zusätzlich hart zu belichten. Dabei ist es für die zu
erzielenden Schwärzungen auf dem Papier unerheblich, mit
welchem Kopierumfang zuerst belichtet wird. Bei den dafür
erforderlichen Belichtungsproben ist es jedoch vorteilhaft, das
Bild zuerst mit dem dominierenden Licht aufzubauen und
danach "hartes" beziehungsweise "weiches" Licht
hinzuzufügen. Dazu müssen die anzuwendenden
Kopierumfänge und die erforderliche Belichtungszeit oder das
Verhältnis der Belichtungszeiten für harte und weiche
Belichtung mittels Probestreifen bestimmt werden.
Für spätere Wiederholungen der Kopie mit anderem
Ausschnitt und/oder Vergrößerungsmaßstab ist es günstig, das
Verhältnis der Belichtungszeiten mit den unterschiedlichen
Einstellungen des Kopierumfangs für die jeweiligen
Bildbereiche zu notieren. Dann genügt für die Wiederholung
gewöhnlich eine einzige Belichtungsprobe.

14 CHEMIKALIEN
Die gebräuchlichsten Chemikalien in der Dunkelkammer
sind unter anderem Film- und Papierentwickler, Essig,
Fixiermittel, Toner, destilliertes Wasser, Netzmittel und
Bildstabilisator. Sie liegen als Flüssigkonzentrat, in Pulverform
oder als Gebrauchslösung vor. Sind Vergrößerungen im Format
bis 50 x 60 geplant, so müssen auch die benötigten Mengen
und der damit verbundene logistische Aufwand berücksichtigt
werden. Es müssen Lagerplatz und entsprechende Behälter,
gegebenenfalls für viele Liter Chemikalienlösung bereitgestellt
werden. Soll zum Beispiel Papier des Formats 50 x 60 in
Schalen verarbeitet werden, so muß, abgesehen von dem
Platzbedarf für diese Schalen vor, während und nach den
Fotoarbeiten, jede Schale mit etwa 5 Liter Lösung befüllt
werden.

14.1 Lagerung
Sind kleine Kinder im Haus, müssen ausnahmslos alle
Chemikalien für die Kinder unerreichbar hoch und/oder
verschlossen aufbewahrt werden. Auch destilliertes Wasser ist
Gift. Hochprozentige Essigsäure ist sehr stark ätzend.
Für die verschiedenen Behälter genügt nicht nur ein
Abstellplatz. Für die Lagerung vieler gelöster Chemikalien muß
es ein dunkler Abstellplatz sein, da sich die Lösungen beim
Einwirken von Licht verändern können. Daher ist immer zu
empfehlen, Schrankraum für die benötigte Chemie
bereitzustellen, der gegebenenfalls abschließbar sein muß.

127
14.2 Primärverpackung
Handelt es sich um Lösungen, so ist immer eine
Glasflasche dem Kunststoffbehälter vorzuziehen. Frisch
erstandene Entwicklerkonzentrate für Film- und
Papierentwicklung, deren Primärverpackung meistens aus
Kunststoffbehältern besteht, können zum Beispiel zweckmäßig
auf kleine dunkelbraune Flaschen von 100 ml oder 200 ml
Inhalt abgefüllt und vor dem Verschließen mit Schutzgas
versiegelt werden, so daß bei der Verarbeitung immer nur eine
Flasche mit geringem Volumen geöffnet werden muß.
Kunststoffbehälter sind nicht gasdicht. Sauerstoff kann von
außen nach innen durch die Behälterwand diffundieren und die
Entwicklerlösung oxidieren. Kleine braune Glasflaschen mit
sicherem Verschluß sind preiswert in jeder Apotheke erhältlich.
Für Papierentwickler-Konzentrate dienen braune Glasflaschen
von etwa 1 Liter Inhalt. Auch für Fixierbadlösungen sind braune
Glasflaschen von 1 Liter bis 3 Liter Inhalt dem
Kunststoffbehälter vorzuziehen. Fixierbadlösungen neigen
dazu, das enthaltene Silber auszuscheiden, das sich dabei an
den Wänden und dem Boden des Gefäßes niederschlägt. Ein
Kunststoffbehälter läßt sich in diesem Fall nicht wieder
vollständig säubern, sondern behält eine Silberauflage auf der
Innenseite, die sich bei späterer Befüllung mit frischer
Fixierbadlösung teilweise ablöst und die frische Lösung
verunreinigt.
Fixierbadlösung, die für Filme verwendet werden soll, muß
getrennt von solcher Lösung gehalten werden, die für die
Papierverarbeitung benutzt wird. Andernfalls können bei der
Papierfixage eingeschleppte Staub- und Schmutzteilchen das
Negativ verderben. Dieser Schaden ist gewöhnlich nicht zu
beheben.
Gebrauchsfertige Lösungen von Papierentwicklern bilden
eine Ausnahme. Sie können wegen der ohnehin geringen
Lagerzeit auch in Kunststoffbehältern geeigneter Größe
aufbewahrt werden.

14.3 Sicherheit
Für das Befüllen, Umfüllen, Verdünnen und ähnliche
Vorgänge werden ein Satz Trichter, chemikalienfeste
Gummihandschuhe (Haushaltshandschuhe aus Gummi) und
eine Schutzbrille benötigt. Eine Rolle Haushaltspapier für das
kleine Unglück muß dabei immer in Griffweite liegen.

14.4 Prüfen auf Gebrauchsfähigkeit


14.4.1 Filmentwickler
Filmentwickler müssen genau nach Packungsangabe
angesetzt und verarbeitet werden. Sind es Einmalentwickler, so
stellt sich das Problem der Lagerstabilität nicht. Hat sich das
Konzentrat jedoch deutlich dunkel verfärbt, sollte es verworfen
werden, denn mit einfachen Mitteln kann eine chemische
Überprüfung des Filmentwicklers nicht durchgeführt werden. Im

128
Zweifel ist es immer klüger und billiger, den Entwickler zu
verwerfen als einen wertvollen Film zu verderben.

14.4.2 Papierentwickler
Von einem neuen, größeren Ansatz gebrauchsfertiger
Lösung wird eine kleine Prüfmenge von zum Beispiel 200 ml
abgenommen und in eine entsprechend große Weithals-
Kunststoffflasche gefüllt. Die Gebrauchslösung wird überprüft,
indem von zwei in gleicher Weise belichteten Probestreifen
einer in der Gebrauchslösung in der Entwicklerschale und der
andere in der unverbrauchten Prüflösung in der Weithalsflasche
entwickelt wird. Gibt es erkennbare Unterschiede in der
Schwärzung der beiden Probestreifen nach gleich langer
Entwicklungszeit, so ist die Gebrauchslösung zu verwerfen.

14.4.3 Fixierbadlösung
Fixierbadlösungen werden auf Silbergehalt und pH-Wert
hinreichend sicher mit den dafür vorgesehenen Teststreifen
geprüft, die als Fixierbadprüfer im Fotohandel erhältlich sind.

14.4.4 Stoppbad-, Netzmittel- und Stabilisatorlösung


Lösungen von Essigsäure, Netzmittel (zum Beispiel
MIRASOL 2000 ANTISTATIC von Tetenal) und Bildstabilisator
(zum Beispiel Sistan von Agfa) werden nach Gebrauch entsorgt
und nicht aufbewahrt. Das Problem der Überprüfung der
Gebrauchsfähigkeit stellt sich daher nicht.

14.5 Temperieren der Entwicklerlösung


Beim Temperieren geht es vorwiegend um die
Entwicklerlösung. Der Einmal-Filmentwickler wird wohl-
temperiert angesetzt, die aufbewahrte Gebrauchslösung eines
Mehrfach-Filmentwicklers wird im Wasserbad auf die
gewünschte Temperatur gebracht.
Papierentwicklerlösung in der Entwicklerschale kühlt
während längerer Arbeiten infolge Verdunstung ab, die der
Lösung Wärme entzieht. Hier hilft irgendein vorhandener
Kunststoffbehälter von 1 bis 2 l Inhalt mit rechteckigem
Querschnitt. Dieser Behälter wird soweit mit heißem Wasser
gefüllt und verschlossen, daß er in der Entwicklerschale flach
schwimmend seine Wärme abgeben kann. Hiermit geht der
gewünschte Temperiervorgang sehr rasch vonstatten.

15 NÜTZLICHE HILFSMITTEL
15.1 Dosierung von Konzentrat
Zum Dosieren von Filmentwicklerkonzentrat bei hohen
Verdünnungen kann ein 10 ml-Kolbenansatzstück einer
Injektionsspritze verwendet werden. Der Kolben ist transparent,
und die Scala gewöhnlich in 1/2 ml geteilt und sehr gut
ablesbar. Der Kolben läßt sich durch wiederholtes Füllen mit
Wasser leicht reinigen und kann viele Male verwendet werden.
Um eine Entwicklungsdose zum Beispiel mit einer Lösung 1+25
zu füllen, werden 17 ml Konzentrat zu 425 ml Wasser gegeben.

129
17 ml lassen sich auch mit einer Mensur abmessen, aber mit
dem Kolben geht es einfacher und sicherer.

15.2 Nachbelichten oder „Abwedeln“


Es gibt nicht nur notorische Abwedler, sondern auch immer
wieder Negative, bei denen Nachbelichten einiger Bildbereiche
der einzig mögliche Ausweg für den Fotografen ist. Besonders
häufig fordern Landschaftsaufnahmen dazu auf, den Himmel
nachzubelichten beziehungsweise bei Verwenden von
Multikontrastpapier weicher zu belichten als den Rest des
Bildes. Bei diesem Vorgang muß ein Teil der Kopie abgedeckt
werden. Hierzu eignet sich besonders gut ein mattschwarzer
Karton. Dazu wird ein Stück aus dem Karton geschnitten, bei
dem der Verlauf der Grenzlinie zwischen abzudeckendem und
nachzubelichtendem Teil der Kopie etwa nachgebildet wird. Der
Karton sollte jedoch im abzudeckenden Bereich deutlich über
die Bildseiten hinausragen. Der so vorbereitete Karton wird
rechts und links gehalten und während der Nachbelichtung
dicht über der Kopie geringfügig kreisend oder senkrecht zur
Grenzkante bewegt. Für diese Bewegung haben die frühen
Fotografen den Begriff „Abwedeln“ eingeführt.
Darüber hinaus wird auf die vielen unterschiedlichen
Vorschläge für Formen und Gegenstände zum Abwedeln
verwiesen, die in den fotografischen Periodika und in der
Fotoliteratur vorgestellt werden.
Gewöhnlich gibt es gute Ergebnisse, wenn sich die Grenze
des Schattens der Kartonkante im abzudeckenden Bereich
bewegt und nicht im nachzubelichtenden, da sonst ein Halo
entstehen kann, das so witzig wie unerwünscht ist.

15.3 Trocknen
Zum Abtropfen und Trocknen von Filmen nach der
Schlußwässerung eignet sich zum Beispiel bestens eine an der
Wand befestigte und ausziehbare Wäschetrockenschere. Zum
Befestigen und Beschweren genügen einfache Plastik-
Wäscheklammern. Anstelle einer Trockenschere tut es auch
eine Wäscheleine. RC-Papiere können zum Trocknen flach auf
Handtücher gelegt werden, wobei mit einem sauberen Tuch,
zum Beispiel einem Geschirrtuch, überschüssiges Wasser
beidseitig aufgenommen und abgewischt wird.

15.3.1 Rückstandsfreie Filmtrocknung


Es ist von Vorteil, den gerade entwickelten Film nach der
Schlußwässerung für etwa 1 Minute in ein Netzmittelbad zu
tauchen. Das Netzmittelbad kann zum Beispiel aus einer
Lösung von 0,5 ml MIRASOL 2000 ANTISTATIC von TETENAL
in 1 Liter destillierten Wassers bestehen. Die anhaftende
Flüssigkeit läuft ab und trocknet rückstandsfrei auf, wenn der
Film rasch nach der Entnahme aus dem Netzmittelbad
aufgehängt wird. Der skeptische Fotograf kann nachhelfen und
den Film zusätzlich und behutsam in althergebrachter Weise
zwischen zwei Fingern abstreifen.

130
Von der Anwendung eines so genannten Filmabstreifers
wird grundsätzlich abgeraten. Er fällt unter das Kapitel "Wie
zerkratze ich meinen Film".

15.3.2 Hochglanztrocknung von Baryt-Fotopapier


Barytpapier erhält seine hochglänzende Oberfläche erst,
wenn es zum Trocknen auf eine harte, glatte und wasserfeste
Unterlage, zum Beispiel auf eine Fensterscheibe oder einen
Kristallspiegel gequetscht wird. Zum Auftragen der Kopien ist
ein so genannter Rollenquetscher erforderlich. Ein
Tapetenandruckroller aus dem Baumarkt tut es aber ebenso
und kostet nur einen Bruchteil eines Rollenquetschers aus dem
Fotoladen.
Als Vorbehandlung der Kopien dient ein Bad in einer
Lösung mit Mirasol nach 15.3.1. Die Glasoberfläche wird
gründlich gesäubert und ebenfalls mit dieser Lösung
abgerieben. Dadurch wird verhindert, daß die Kopie an der
Glasoberfläche festklebt. Sie löst sich nach dem Trocknen von
selbst.
Eine beheizte Trockenpresse mit verchromter Metallfolie,
deren Oberfläche sehr empfindlich ist, muß hierfür nicht
vorgehalten werden, es sei denn, der Fotograf hat es sehr eilig.
Trockenpressen haben den Nachteil, daß sie ein begrenztes
Format besitzen, während gewöhnlich für jede Größe und jede
Menge fotografischer Kopien auch in einer kleineren
Behausung genügend Spiegel- und Fensterflächen zur
Verfügung stehen. Soll eine matte Oberfläche erzielt werden,
so wird empfohlen, das Baryt-Fotopapier dennoch wie oben
beschrieben zu trocknen, jedoch mit seiner Rückseite auf dem
Glas. Baryt-Fotopapier wellt sich nach dem Trocknen immer,
jedoch viel stärker, wenn es liegend oder hängend getrocknet
wird.

Anmerkung 6 - Modernes Fensterglas ist praktisch so plan


wie ein geschliffener Kristallspiegel.

15.4 Stabilisierung von Filmen und Fotopapier


Um Negative und Fotopapier gegen Veränderungen des
Bildsilbers zu schützen, die vor allem durch
Luftverunreinigungen eintreten können, wird nach der
Schlußwässerung eine Behandlung mit einer
Bildsilberstabilisatorlösung als vorteilhaft empfohlen. Hierzu
werden zum Beispiel 25 ml Sistan von Agfa in 1 Liter
destillierten Wassers gelöst. Die Behandlungsdauer beträgt
1 min.
Nur für die abschließende Behandlung von Filmen mit
Netzmittel- oder Stabilisatorlösung werden Lösungen in
destilliertem Wasser empfohlen. Für alle anderen
Anwendungen werden die Fotochemikalien mit Leitungswasser
angesetzt oder verdünnt.

131
15.5 Kittmasse
Als praktisches Hilfsmittel hat sich dauerelastische
Kittmasse erwiesen, wie sie in den Baumärkten als Dichtmasse
zu erhalten ist oder beim Spielwarenhändler als Knetmasse.
Diese Kittmasse läßt sich gewöhnlich rückstandsfrei entfernen.
Sie ist daher bestens geeignet, um vorübergehend Teile oder
Geräte zu fixieren, zum Beispiel Kartons zum Abschirmen zu
befestigen.

15.6 Rutschfeste Unterlage


Die kautschukartigen Gewebebahnen, wie sie als
rutschverhindernde Unterlage für Teppiche benutzt werden, die
auf glatten Böden liegen, sind auch bestens für alle
erdenklichen Tätigkeiten in Küche, Hobbyraum und nicht zuletzt
in der Dunkelkammer geeignet. Ist zum Beispiel das
Vergrößerungsgerät oberhalb der Arbeitsplatte des
Arbeitstisches an der Wand befestigt, so liegt die Papierauflage
oder der Vergrößerungsrahmen lose auf der Arbeitsplatte. Die
Anbringung der rutschfesten Unterlage auf seiner Unterseite
verhindert jegliches Verrutschen nach Ausrichten auf den
gewünschten Ausschnitt. Siehe hierzu auch Anmerkung 3.

15.7 Staub
Nach Einführung der Vergrößerungsgeräte mit diffuser
Beleuchtungseinrichtung hat Staub in der Dunkelkammer
seinen größten Schrecken verloren. Nachlässigkeit wird aber
noch immer sofort bestraft. Der Fotograf muß ständig auf der
Hut sein, besonders aber bei Arbeiten mit dem Kondensorgerät.
Im Falle von beabsichtigten Großvergrößérungen sollte, um
Fehldrucke zu vermeiden, vorab eine Kopie in einem
kostengünstigen kleinen Format angefertigt und auf abgebildete
Verunreinigungen untersucht werden.

15.7.1 Objektiv
Das Objektiv wird so gereinigt wie andere Objektive auch.
Einzelne Staubkörnchen auf den der Frontlinse beeinflussen
das Ergebnis nicht. Ein verstaubtes und schmuddeliges
Objektiv dagegen verursacht eine Kontrastminderung des
Bildes, die im Maße der Verschmutzung zunimmt. Das Objektiv
wird aus dem Vergrößerungsgerät entfernt und möglichst
außerhalb der Dunkelkammer bei gutem Licht gereinigt. Auf
jeden Fall ist es unzweckmäßig, lose anhaftenden Staub auf
den Linsen des Objektivs innerhalb der Dunkelkammer,
womöglich in der unmittelbaren Umgebung der Negativbühne
mit einem Gummipneu oder vollen Backen wegzupusten. Durch
Pusten verteilt sich Staub gleichmäßig und legt sich auch dort
nieder, wo er unerwünscht und störend ist.

15.7.2 Filmbühne
Hier gilt, was in 15.7.1 über das Pusten gesagt wird. Auch
die Filmbühne wird daher möglichst außerhalb der
Dunkelkammer gereinigt. Siehe hierzu Kapitel 10.

132
15.7.3 Negativ
Ähnlich wie bei Glasoberflächen kann beim Negativ lose
anhaftender Staub außerhalb der Dunkelkammer weggepustet
werden. Falls sich Staubreste damit nicht entfernen lassen,
wird, anders als bei Glas, empfohlen, einen besonders weichen
Pinsel nach 15.7.4 zu benutzen. Hilft dies auch nicht, so muß
das Negativ nochmals in Netzmittellösung gebadet und danach
staubfrei getrocknet werden. Andere Möglichkeiten stehen für
die Entfernung von Staub auf dem Negativ praktisch nicht zur
Verfügung. Zur Vermeidung statischer Ladung kann das
Negativ, bevor es in die Negativbühne gelegt wird, ähnlich dem
Objektiv ganz leicht angehaucht werden.

15.7.4 Staubpinsel
Die üblichen, im Fotoladen angebotenen Reinigungspinsel,
meist auf einen Püster gesteckt, sind für den Film ungeeignet.
Es wird empfohlen, einen ganz weichen Make-up-Pinsel zu
benutzen, wie er in jedem einschlägigen Geschäft erstanden
werden kann. Dieser Pinsel wird von Zeit zu Zeit, mindestens
aber vor seinem ersten Gebrauch, 1 min in einer Mirasol-
Lösung nach 15.3.1 gespült, kurz in Spiritus getaucht und nach
dem Trocknen in einem geeigneten staubdichten Etui verwahrt.
Das Bad in der Mirasol-Lösung vermindert statische Aufladung
und hat eine reinigende Wirkung.

15.8 Graukarte
Auch die Graukarte darf in der Dunkelkammer nicht fehlen.
Sie dient unter anderem der Kalibrierung des
Laborbelichtungsmessers auf ein bestimmtes Fotopapier. Mit
Hilfe von Probestreifen wird dazu bei einer beliebigen
Einstellung des Vergrößerungsgerätes und leerer Filmbühne
die Belichtungszeit ermittelt, die zu dem Grau der Graukarte
führt, wenn der entwickelte Probestreifen bei schräger Aufsicht
mit mäßig hellem Licht betrachtet wird. Jetzt wird der
Laborbelichtungsmesser anstelle des Probestreifens unter das
Vergrößerungsgerät gelegt und seine Empfindlichkeit solange
geändert, bis er die soeben ermittelte Belichtungszeit anzeigt.
Die Empfindlichkeitseinstellung am Laborbelichtungsmesser
wird, ergänzt durch das Datum der Messung, auf die
Papierpackung geschrieben und vor jedem neuen Gebrauch
dieses Papiers wieder am Laborbelichtungsmesser eingestellt.
Bei großen Kopien gilt diese Einstellung jedoch nur als
Richtwert. Die Belichtung der Kopie muß aus technischen und
aus Kostengründen zusätzlich mittels Probestreifen abgesichert
werden.

15.9 Papierschneideeinrichtung
Für fotografische Arbeiten der verschiedensten Art ist eine
Papierschneideeinrichtung unerläßlich. Dieses Gerät muß so
stabil sein, daß es auch Kartons bis zu etwa 0,5 mm Dicke
einwandfrei schneidet. Es muß eine beim Schneiden
automatisch einsetzende und sehr wirksame Klemmvorrichtung

133
besitzen, die verhindert, daß sich das Papier oder der Karton
während des Schnitts verschiebt. Es muß eine Schnittlänge von
etwa 70 cm besitzen, damit Papierbögen von 60 cm Breite noch
einwandfrei geteilt werden können. Es muß schließlich, wie alle
Geräte, die zum Teilen, Schneiden, Bohren und sonstigem
Bearbeiten von Werkstoffen vorgesehen sind, eine TÜV-
Zulassung besitzen. Sehr preisgünstig sind so genannte
Rollenschneider, wobei hierbei besonders auf die Einhaltung
der oben genannten Kriterien geachtet werden muß.

16 ENTZERRUNG
Werden so genannte "stürzende Linien" auf dem Negativ
durch Neigen der Negativbühne und/oder der Papierauflage auf
dem Bild wieder parallel ausgerichtet, so nimmt das Bild auf der
Papierauflage nach dieser "Entzerrung" eine trapezförmige
Gestalt an. Mit der Entzerrung der stürzenden Linien wird also
gleichzeitig eine Verzerrung der Bildproportionen bewirkt. Dabei
wird die Beleuchtungstärke mit zunehmendem
Entzerrungswinkel an der kürzeren der beiden parallelen
Bildseiten deutlich größer als an der längeren. Dadurch kann es
erforderlich werden, daß in Richtung der längeren der beiden
parallelen Bildseiten nachbelichtet werden muß.
Ist eine Entzerrung vorgenommen und stehen senkrechte
Objektlinien auch auf dem Bild wieder parallel nebeneinander,
so wirkt sich die Verzerrung der Bildproportionen unter
anderem so aus, daß das Verhältnis der Höhe des Bildes zu
seiner mittleren Breite größer geworden ist als vor der
Entzerrung. Siehe hierzu Anhang A.

16.1 Entzerrung mittels Schärfedehnung


nach Scheimpflug
Der Wiener Theodor Scheimpflug (1865 bis 1911) befaßte
sich mit Fotoprojektions-Problemen und fand unter anderem die
Bedingung für die scharfe Abbildung einer schiefen Ebene. Es
ist einfach einzusehen und unter dem Vergrößerungsgerät
durch entsprechendes Neigen des Grundbrettes zu zeigen, daß
Linien wieder Parallel zueinander verlaufen, die es auch im
Objektraum tun, die aber auf dem Negativ durch Kippen der
aufnehmenden Kamera sich zueinander neigen, also
„stürzende Linien“ bilden.
Wird in diesem Falle aber das Grundbrett soweit geneigt,
bis diese Linien wieder parallel zueinander verlaufen, so wird
sofort festgestellt, daß entweder nur auf das untere Ende des
Bildes oder auf das obere Ende scharf fokussiert werden kann,
nicht jedoch auf beide gleichzeitig. Scheimpflug hat hier Abhilfe
geschaffen, indem er gezeigt hat, daß gleichzeitig alle Punkte
des Negativs auf die schiefe Ebene scharf abgebildet werden,
falls sich die schiefe Ebene, die Negativebene sowie die Ebene
senkrecht zur optischen Achse des Objektivs in einer Linie
schneiden. Dies wird schematisch in Bild 4 gezeigt, wobei
wegen der zweidimensionalen Darstellung aus der Schnittlinie
der Punkt „S“ wird. Ferner müssen aus Platzmangel auf dieser

134
Druckseite die Neigungswinkel übertrieben groß gewählt
werden.
Für die Entzerrung mit Schärfedehnung nach Scheimpflug
sind nur wenige einfache Schritte erforderlich.

Negativebene
S

Objektiv

Geneigte Papierauflage

Arbeitstisch

Bild 4 - Schematische Darstellung der


Anordnung nach Scheimpflug

16.1.1 Durch Neigen des Kopfes des


Vergrößerungsgerätes
- Der Kopf des Vergrößerungsgerätes mitsamt der
Filmbühne wird soweit geneigt, bis senkrechte Linien des
Objekts auch in der Projektion des Negativs auf die
Papierauflage wieder parallel zueinander verlaufen. Der
erforderliche Winkel ist der gleiche, mit der die Kamera aus der
Horizontalen nach oben geschwenkt wurde. Danach hat das
Bild eine trapezförmige Gestalt, wobei die parallel zueinander
verlaufenden Bildbegrenzungen unterschiedlich lang sind. Die
kürzere dieser beiden Seiten liegt noch etwa unter dem
Vergrößerungsgerät, die längere ist in Abhängigkeit von dem
Neigungswinkel deutlich weiter nach einer Seite projiziert.
- Mit dem Fokussierknopf wird auf einen Bildbereich an der
längeren Seite scharf gestellt.
- Durch zusätzliches Neigen der Objektivstandarte wird auf
einen Bildbereich an der kürzeren fokussiert. Die hierfür
erforderliche Neigung der Objektivstandarte ist gewöhnlich
minimal.
- Der Vorgang wird so oft wiederholt, bis das projizierte Bild
an beiden Seiten gleichzeitig scharf erscheint. Gewöhnlich
geschieht dies bereits nach der ersten Wiederholung des
Vorgangs.

135
Beim Entzerren und bei größeren Kopien und
Neigungswinkeln geht das Bild gewöhnlich über den Rand
eines fest mit dem Vergrößerungsgerät verbundenen
Grundbretts hinaus und manchmal sogar über die verfügbare
Arbeitsfläche.
Eine vom Vergrößerungsgerät unabhängige Papierauflage
und die Wandaufhängung des Vergrößerungsgerätes ist hier
von großem Vorteil und für das Folgende Voraussetzung, siehe
hierzu auch Abschnitt 10, Bild 3.

16.1.2 Durch Neigen der Papierauflage


Es kann gelegentlich vorteilhaft sein, nicht den Kopf des
Vergrößerungsgerätes zu neigen sondern die Papierauflage,
wie in Bild 4 angedeutet. Dabei wird das projizierte Bild
genauso entzerrt, bleibt aber etwa unter dem
Vergrößerungsobjektiv. Das Einstellen der Entzerrung erfolgt
sinngemäß. In Anhang B wird ein Beispiel einer einfach
anzufertigenden Neigungsvorrichtung beschrieben.

16.1.3 Kleinbild-Format
Keines der am Markt befindlichen Vergrößerungsgeräte für
das Kleinbild-Format bietet die Möglichkeit einer Entzerrung
durch Neigen des Vergrößerungskopfes. Sie ist daher nur nach
16.1.2 möglich oder mit einem Vergrößerungsgerät für das
Mittelformat, das eine Entzerrung mit Schärfedehnung nach
Scheimpflug gestattet. Mit diesem kann das Kleinbild-Negativ
sofort entzerrt werden, wenn es im Hochformat aufgenommen
ist. Eine Entzerrung des Querformats ist nur möglich, wenn das
Kleinbild-Negativ aus dem Filmstreifen herausgeschnitten und
quer in die Negativbühne eingelegt wird.

16.1.4 Mittelformat
Bei Filmen, die zum Beispiel mit einer 6x6-Hasselblad oder
6x6-Rolleiflex belichtet wurden, laufen die Negative immer
"hochkant" durch die Negativbühne des Vergrößerungsgerätes,
können also bei Bedarf immer entzerrt werden. Bei Filmen, die
zum Beispiel mit einer Mamiya 7 im Format 6x7 belichtet
werden, können nur diejenigen Negative sofort entzerrt werden,
die hochkant aufgenommen wurden. Ein quer aufgenommenes
Negativ muß aus dem Filmstreifen herausgeschnitten und als
Einzelnegativ quer in die Filmbühne gelegt werden. Dabei
können, je nach Bauart der Filmbühne, 10 mm der
Negativbreite abgedeckt sein oder müssen sogar vom Negativ
abgeschnitten werden.

16.2 Entzerrung ohne Schärfedehnung


nach Scheimpflug
Unter gewissen Voraussetzungen ist es möglich, eine
Entzerrung ohne Anwendung des Scheimpflug-Prinzips
durchzuführen. Dabei findet die Entzerrung nur durch Neigen
der Papierauflage statt. Die Fokussierung erfolgt etwa auf zwei
Drittel der Höhe des gekippten Bildes, wobei die untere und

136
obere Bildseite im Schärfentiefenbereich der Abbildung liegen
müssen. Die Voraussetzungen, unter denen dies möglich ist,
sind in Anhang C beschrieben.

17 ARBEITSPROTOKOLL
Wesentliche Arbeiten in der Dunkelkammer wie zum
Beispiel Filmentwicklung, Anfertigung von Vergrößerungen und
Kalibrieren des Laborbelichtungsmessers auf ein bestimmtes
Fotopapier müssen protokolliert werden. Insbesondere dem
Amateur, der nicht regelmäßig in der Dunkelkammer arbeitet,
entfallen Einzelheiten so schnell, daß auf das Gedächtnis nicht
gebaut werden kann. Für das Protokoll genügen zunächst ein
Schreibblock und ein Kugelschreiber, die sich in Griffweite auf
dem Arbeitstisch befinden. Wer einen PC besitzt, kann die
festgehaltenen Daten später in dafür vorbereitete Dateien
eintragen. Als Software eignen sich besonders Lotus, Excel
oder ähnliche, die es gestatten, sehr viele Spalten, jeweils mit
beliebiger Spaltenbreite, vorzusehen, so daß damit jeder
Vorgang vollständig in einer Zeile aufgenommen werden kann.
Anstelle eines PCs kann auch ein fest eingebundenes
Protokollbuch dienen, wie es früher üblich war, im Norden
Deutschlands Kladde genannt. Darin müssen die Seiten
nummeriert und vor jedem Eintrag das Datum angegeben
werden. Es kann eine Kladde für Filme und eine für Kopien
eingerichtet werden. Darin können auch Eintragungen über den
Kauf von Filmen beziehungsweise Papieren und Chemikalien
gemacht werden sowie über Ansätze von Lösungen,
Kalibriervorgänge und Besonderheiten, die bei der Arbeit
auffallen und bemerkenswert sind. Wird anstelle eines PCs eine
Kladde verwendet, so entfällt das Notieren auf einem
Schreibblock. Alle Vorgänge werden dann in klassischer Weise
direkt in die Kladde eingetragen.
Die Erfahrung lehrt, daß früher oder später wiederholt
werden muß, was nicht ordentlich aufgeschrieben wird, und
damit zu Doppelarbeit führt.

Anmerkung 8 – Der Vorteil des PCs gegenüber der


altbewährten Kladde liegt darin, daß die Aufzeichnungen
gegliedert werden können. Sie sind dann nicht nur
chronologisch angeordnet, sondern auch nach Themen
gegliedert. An jeder Stelle kann beliebig viel neue Information
zwischengeschoben werden.

17.1 Filmentwicklung
Hierzu werden mindestens notiert das Datum der
Entwicklung, die laufende Filmnummer, der Filmtyp, eine kurze
Beschreibung des Inhalts der Aufnahmen, das
Aufnahmedatum, die verwendete Kamera, die eingestellte
Empfindlichkeit bei der Belichtung, gegebenenfalls die
benutzten Objektive und Filter, der Entwicklertyp und seine
Verdünnung und Anwendung, die Entwicklungszeit und -
temperatur sowie sonstige technische Bemerkungen.

137
17.2 Vergrößerung
Hierzu werden mindestens notiert das Datum der
Anfertigung der Kopie, die Filmnummer, die Bildnummer, der
Bildtitel, die Bildgröße, der Dichteumfang des Negativs, der
Papiertyp, die Gradation beziehungsweise der Kopierumfang
des Papiers, die Art der Beleuchtungseinrichtung, die
Einstellung des Farbmischkopfes oder das verwendete Filter,
die Brennweite des Vergrößerungsobjektives, die Einstellung
des Vergrößerungsgeräts, zum Beispiel in cm der jeweiligen
Säulenhöhe, gegebenenfalls die Neigung des Kopfes des
Vergrößerungsgeräts oder der Papierauflage in Winkelgrad bei
Entzerrung des Bildes, die Blende, die Belichtungszeit, die
Belichtungszeiten bei Nachbelichtung oder bei
Doppelbelichtung und eine Beurteilung des Ergebnisses. Ein
Beispiel für ein entsprechendes Vergrößerungsprotokoll ist in
Anhang D gegeben.

18 TABELLEN UND INFORMATIONEN


Es ist vorteilhaft, Tabellen für den ständigen Gebrauch in
Klarsichttaschen zu fassen und in Augenhöhe in der
Dunkelkammer anzubringen, zum Beispiel auf der Innenseite
der Tür eines Wandschranks. Diese Tabellen sind damit immer
zur Hand, sprich vor Augen. Hierzu gehören zum Beispiel
Tabelle über
- die Mischung von Entwicklerkonzentrat mit Wasser für
verschiedene Verdünnungen;
- Dichteumfang und Gradation beziehungsweise Filterwerte
von Gradationswandelpapier;
- Entwicklungszeit verschiedener Film-Entwickler-
Kombinationen bei bestimmter genutzter Arbeitsempfindlichkeit;
- Informationen zu Meßgeräten und sonstigen technischen
Einrichtungen;
- Datenblattangaben zu Filmen, Papieren und Chemikalien.
Siehe hierzu Anhang D.

19 ERSATZTEILE UND VORRÄTE


Eine gewisse Vorratshaltung ist notwendig. Dies betrifft
nicht nur die Filme für den nächsten Urlaub. Für die
Dunkelkammer müssen Vorräte an Fotopapieren, Entwickler für
Filme und Papiere, Fixiersalz und sonstige Chemikalien und
Agenzien bereitgehalten werden. Wichtig sind auch
Ersatzlampen für das oder die Vergrößerungsgeräte und für die
Dunkelkammerleuchten.
Alle Vorräte, besonders Fotopapiere und Chemikalien
müssen in einem trocknen Raum bei normalem Raumklima
aufbewahrt werden. Filme können, in Gefrierboxen verpackt, im
Kühlschrank sehr lange, auch über Jahre gelagert werden.

19.1 Filmentwickler
Die Vorräte an Filmentwicklern sollten den Bedarf für etwa
ein Jahr nicht überschreiten, damit keine
Überlagerungsprobleme auftreten. Flüssigkonzentrate werden

138
zweckmäßig in dunkelbraune Glasflaschen umgefüllt, mit
Schutzgas versiegelt und dunkel aufbewahrt. Entwickler, die in
Pulverform geliefert werden, sollten nicht länger als etwa sechs
Monate bis zum Verbrauch gelagert werden, zumal der
Verbraucher das Verpackungsdatum und die
Lagerungsbedingungen in der Handelskette nicht kennt.

19.2 Papierentwickler
Als Konzentratlösung gekaufte Papierentwickler sind,
umgefüllt in braune Glasflaschen und gut verschlossen und
dunkel aufbewahrt, zwei bis drei Jahre haltbar, so daß auch
Lösungen für seltenen Gebrauch vorgehalten werden können.

19.3 Fixiersalz
Fixiersalz wird in Kunststoffbeuteln geliefert. Es sollte zur
Lagerung in einen weiteren Beutel gepackt werden. Hierzu
eignen sich besonders die Tiefgefrierbeutel. Fixiersalz wird
auch als gelöstes Konzentrat geliefert. Soll es länger als ein
Jahr gelagert werden, so wird auch hier das Umfüllen auf
dunkelbraune Glasflaschen empfohlen.

19.4 Schwarzweiß-Fotopapier
Die folgenden Abschnitte betreffen die Auswahl und die
Lagerhaltung. Sie geben eine der vielen Möglichkeiten an und
sollen zeigen, wie sich ganz schnell eine Flut von
Vorratspackungen ansammeln kann, die durch systematische
Auswahl, die den Bedürfnissen des Fotografen entspricht,
sinnvoll eingeschränkt wird.

19.4.1 Barytpapier
Die Erfahrung lehrt, daß dieses Papier über viele Jahre
ohne Qualitätseinbußen aufbewahrt werden kann. Es wird
dabei jedoch alt und krumm und immer störrischer, wodurch
seine Planlage nur noch mit Gewalt zu erzwingen ist.

19.4.2 RC-Papier
Fast alle klassischen RC-Papiere (RC = Resin Coated)
enthalten in die Schicht eingearbeiteten Entwickler. Ihre
Lagerstabilität sollte daher nicht mutwillig auf die Probe gestellt
werden.

19.4.3 Gradationswandelpapier

Auch die meisten Gradationswandelpapiere enthalten in die


Schicht eingebaute Entwickler, so daß für sie Gleiches gilt wie
unter 19.4.2 gesagt. Tatsächlich sind herkömmliche
Gradationswandelpapiere auch RC-Papiere und können, falls
die Qualität stimmt, RC-Papiere mit Festgradation ablösen. Es
gibt auch Barytpapier als Gradationswandelpapier, zum
Beispiel Ilford Multigrad IV FB. Auch hierfür gilt, was unter
19.4.2 gesagt wurde.

139
19.4.4 Papierformat
Von Ausnahmefällen abgesehen, sind Kopien von
Schwarzweiß-Negativen unterhalb des Formats 13 x 18 nicht
der Mühe wert. Zur Überprüfung des Ergebnisses der
fotografischen Anstrengung wird eine Kopie des Formats
18 x 24 für Kleinbild-Negative und des Formats 24 x 30 für
Mittelformat-Negative empfohlen. Wird für besonders
gelungene Aufnahmen noch ein größeres Format vorgehalten,
zum Beispiel 30 x 40 für Kleinbild und 40 x 50 oder 50 x 60 für
das Mittelformat, so ist, von Sonderaufgaben abgesehen, das
Vorratslager für Fotopapier hinsichtlich der Formate bereits
vernünftig optimiert.

19.4.5 Gradation
Von den bevorzugt verarbeiteten Papiertypen mit
Festgradation wird, richtige Belichtung und Entwicklung des
Films vorausgesetzt, hauptsächlich die Gradation 2 benötigt,
wenn beim Vergrößern Kondensorlicht benutzt wird, und die
Gradation 3, wenn diffuses Licht benutzt wird. Es wird
empfohlen, hiervon preiswerte Großpackungen hinzulegen und
kleinere Mengen von den Gradationen 1 und 4. Für die seltener
benötigten Gradationen 0 und 5 wird am besten auf
Gradationswandelpapier ausgewichen.

19.4.6 Papieroberfläche
Um die Menge der zu bevorratenden Papierpackungen
nicht unnötig groß werden zu lassen, ist es zweckmäßig, sich
auf wenige Oberflächen zu beschränken und insbesondere für
ein Papierformat eines Papiertyps nur eine Oberfläche zu
lagern. Empfohlen wird die Oberfläche Glänzend bis
einschließlich 24 x 30 und darüber die Oberfläche Matt,
Halbmatt oder Satin. Letztere können mit Bleistiften der Härte
B6 oder B7 gut retuschiert werden, bei den kleineren Formaten
kann ein Fehler durch eine neue Kopie behoben oder mit
Retuschefarbe überdeckt werden.

19.4.7 Menge der Vorratspackungen


Wird so vorgegangen wie oben vorgeschlagen, so wird die
Oberfläche nicht als Faktor angesetzt. Damit verbleiben die
beiden Papiertypen RC-Papier und Baryt-Papier in jeweils zwei
Formaten mit je vier Gradationen, also 2 x 2 x 4 = 16
Vorratspackungen und dazu Gradationswandelpapier in zwei
Formaten, insgesamt also 18 Vorratspackungen. Spätestens
bei dieser Überlegung zeigt sich der logistische Vorteil der
Gradationswandelpapiere.

19.5 Probestreifen
Sind Großvergrößerungen geplant, so muß zum Beispiel ein
Blatt einer 10er-Packung 50 x 60 für Probestreifen geopfert
werden. Daher ist es günstig, gleichzeitig zwei oder mehr
Packungen mit derselben Emulsionsnummer zu kaufen, da

140
ein für Probestreifen geopfertes Blatt für mindestens drei
Packungen zu je zehn Blatt reicht.
Es ist auch empfehlenswert, das geopferte Blatt gleich von
vornherein vollständig in Probestreifen zu zerschneiden und
diese in einer gut beschrifteten, separaten Hülle, zum Beispiel
in einer leeren Packung deutlich kleineren Formats
aufzubewahren. Das erspart Zeit und Aufwand während der
Arbeit in der Dunkelkammer.

20 DIE DUNKELKAMMER IM HOTEL


Auf Ferien- und Urlaubsreisen oder Fotoexkursionen und
bei längerer Abwesenheit von der heimischen Dunkelkammer
kann es wünschenswert sein, die Ergebnisse der Aufnahmen
gleich vor Ort zu beurteilen. Dazu ist es notwendig, die
Schwarzweiß-Filme während der Reise zu entwickeln.
Praktisch alle Hotels bieten hierzu eine an das Hotelzimmer
angeschlossene Dunkelkammer an, nämlich den Bad/WC-
Bereich, der gewöhnlich kein Außenfenster besitzt und daher
für diese Zwecke geeignet ist. Siehe hierzu Kapitel 4.

141
ANHANG A
Änderung der Bildproportionen beim Entzerren

Unabhängig von der Art, in der die Entzerrung


vorgenommen wird, also zum Beispiel durch Neigen des
Kopfes des Vergrößerungsgerätes oder durch Neigen der
Papierauflage, verändern sich die Bildproportionen. Diese
Änderung tritt in der bildmäßigen Fotografie erst bei Neigungen
über 5° in erkennbarem Maße in Erscheinung. Das Bild nimmt
eine trapezförmige Gestalt an, die in Entzerrungsrichtung
laufenden Bildkanten sind nicht mehr parallel zueinander und
die parallelen Seiten sind ungleich lang. Dabei vergrößert sich
das Verhältnis der Bildhöhe zur mittleren Breite. In gewissen
Grenzen kann dieser Effekt auch dazu genutzt werden, um ein
schlankeres Bildformat zu erhalten, soweit die Proportionen des
Bildes nicht erkennbar ungünstig verändert werden.

A1 VERHÄLTNIS DER BILDHÖHE ZUR


KLEINEREN DER BEIDEN PARALLELEN
BILDSEITEN

Beim Entzerren wird das Verhältnis der Bildhöhe zu den


parallelen Seiten geändert, das Bild wird in Entzerrungsrichtung
gedehnt. Bild A1 bis A3 zeigen diese Änderung, die beim
Neigen des Kopfes des Vergrößerungsgerätes auftritt. Dabei
beschreibt Bild A1 die Grundeinstellung des
Vergrößerungsgerätes, wobei ß/2 der halbe Bildwinkel, g die
Bildweite und ho/2 die halbe Bildhöhe sind. Bild B2 zeigt die
Neigung des Kopfes um den Winkel γ bei gleicher Bildweite g.

Filmebene

Objektiv

ß/2 halber Bildwinkel

g Gegenstandsweite

ho/2 halbe Bildhöhe

Bild A1 – Grundeinstellung des


Vergrößerungsgerätes

Dabei wird die Länge des rechten Teils der Bildhöhe


r = gcosγ[tan(ß/2 + γ) - tanγ].
Nach Bild B3 wird der linke Teil der Bildhöhe für ß/2 > γ
l = gcosγ[tan(ß/2 - γ) + tanγ]
142
und für ß/2 < γ
also l = gcosγ[tanγ - tan(γ - ß/2)].
Für ß/2 > γ beträgt damit die gesamte Bildhöhe
h=r+l
= gcosγ[tan(ß/2 + γ) + tan(ß/2 - γ)]
und für ß/2 < γ gilt
h = gcosγ[tan(ß/2 + þ) - tan(γ - ß/2)]

Filmebene

Objektiv

g Gegenstands-
weite
γ ß/2
g’ = gcosγ

Bild A2 – Neigung um den Winkel γ und


rechter Teil r der Bildhöhe h

Filmebene

Objektiv

g Gegenstands-
weite
γ ß/2
g’

Bild A3 –Linker Teil l der Bildhöhe h

143
Bild A4 - Bildfläche vor und nach Entzerrung

Bild A4 zeigt das projizierte Bildformat unter dem


Vergrößerungsgerät in der Grundeinstellung und bei geneigtem
Kopf des Vergrößerungsgerätes. Bei der Entzerrung verkürzt
sich die linke Breite b des Bildes im gleichen Verhältnis wie die
linke Bildhöhe um den Faktor l/(ho/2).
Es gilt daher
b/bo = 2l/ho
Da jetzt das gesamte entzerrte Bild auf dem Papier nicht
breiter sein kann als die schmalste Breite b, folgt für ß/2 > γ für
das Seitenverhältnis
tan(ß/2 + γ) + tan(ß/2 - γ)
h/b = (ho/2bo)
tan(ß/2 - γ) + tanγ
und für ß/2 < γ
tan(ß/2 + γ) - tan(γ - ß/2)
h/b = (ho/2bo)
tanγ - tan(γ - ß/2)

Werden zum Beispiel Objektive mit f = 50 mm


beziehungsweise mit f = 80 mm Brennweite verwendet, die
jeweils um 10% ausgefahren sind, so gilt für das KB-Format
tan(ß/2) = 17,5/55 = 0,318 und für das Mittelformat
tan(ß/2) = 28/88 = 0,318, also gleiche Beträge für den halben
Bildwinkel in Richtung der vorzunehmenden Entzerrung,
nämlich ß/2 = 17,65°. Die mit diesem Winkel durchgeführte
Berechnung der Seitenverhältnisse h/b bei Entzerrung ist in
Tabelle A1 für verschiedene Neigungswinkel γ des
Vergrößerungskopfes eingetragen.
In der Praxis liegen die erforderlichen Neigungswinkel häufig im
Bereich von 15° bis 25°. Bei einer Neigung von 20° wird bereits
eine Verlängerung der gedehnten Seite von rund 13% erzielt.
Identische Ergebnisse ergeben sich, wenn statt des Kopfes des
Vergrößerungsgerätes die Papierauflage geneigt wird.

144
Tabelle A1 - Dehnung der Bildhöhe und Änderung des
Seitenverhältnisses nach Entzerrung

Neigungs- Dehnung Seitenverhältnis


winkel der Bildhöhe
Grad % KB 6x6

0 0 1,52 1,00
5 2,8 1,57 1,03
10 5,9 1,61 1,06
15 9,3 1,65 1,09
20 13,1 1.72 1,13
25 17,4 1,79 1,17
30 22,6 1,86 1,23

A2 KLEINBILD-FORMAT
Der Nennwert des Seitenverhältnisses von langer zu kurzer
Seite beträgt beim KB-Format seit Barnak etwa 3:2
beziehungsweise 1,5. Praktisch ergeben sich heute
35/23 = 1,52. Bei der Entzerrung eines hochkant
aufgenommenen Negativs wird die Höhe des Bildes gedehnt
und damit das Seitenverhältnis > 1,52.

Anmerkung A1 - Der auch heute noch gebräuchliche


Kinofilm mit 35 mm Filmbreite wurde bereits 1893 von
Th. A. Edison eingeführt einschließlich des Kinobildformats von
22 mm x 17 mm und der beidseitigen Perforation. 1901 meldete
Edison diesen Film zum Patent an. Edison war mehr zufällig zu
der Filmbreite von 35 mm gekommen und hat beim Bildformat
sicher nicht an 22 mm x 17 mm sondern eher an
1 inch x 3/4 inch gedacht, jeweils abzüglich der Toleranz für die
Maske.

Anmerkung A2 - Barnak wollte zur Ermittlung der


Empfindlichkeit des Kinofilms einen Belichtungsmesser bauen
und hat, entweder zu diesem Zweck oder später, als aus seinen
Bemühungen eine Kamera erwuchs, die Breite des
Kinobildformats zur Höhe und die doppelte Höhe des
Kinobildformats zur Breite seines Fotobildformats gemacht.
Barnak war bei seinen Versuchen an den vorgegebenen
Kinofilm gebunden. Es ist daher wahrscheinlicher, daß er seine
Entscheidung über das spätere Leicaformat, ausgehend von
den vorliegenden Gegebenheiten, aus pragmatischen Gründen
getroffen hat. Dieses Seitenverhältnis bleibt aber für ein Bild ein
Grenzfall der Proportionen und gehört in der Kinotechnik seit
Jahrzehnten in den Bereich der Breitwandformate, der alles
umfaßt, was das Seitenverhältnis 1,37 überschreitet.

145
A3 VERZERRUNG ODER ERWÜNSCHTE DEHNUNG
DER BILDHÖHE
Nicht unerwähnt bleiben soll die Möglichkeit, an einem Bild
auch dann eine Entzerrung vorzunehmen, wenn keine
stürzenden Linien vorhanden sind. Der Vorgang der Entzerrung
führt dann zu einer Verzerrung der Bildproportionen.
Diese absichtliche Verzerrung eines Bildes kann immer
dann mit Vorteil vorgenommen werden, wenn damit zum
Beispiel bei einer Landschaftsaufnahme ohne deutlich
senkrechte Linien eine Streckung des Bildes erreicht werden
soll. Beim Mittelformat 6x6 kann auf diese Weise ein
brauchbares Hochformat „gezaubert“ werden. Andererseits
kann die dabei auftretende trapezförmige Erweiterung der
Breite in Dehnungsrichtung zusätzlich helfen, am oberen
Bildrand störende Bildteile aus dem Bild verschwinden zu
lassen.

146
ANHANG B
Papierauflage als "Schiefe Ebene"

B1 VORRICHTUNG ZUR NEIGUNG DER


PAPIERAUFLAGE
Die „schiefe Ebene“ unter dem Vergrößerungsgerät wird
immer dann zum Entzerren benötigt, wenn sich der Kopf des
Vergrößerungsgerätes nicht neigen läßt, sondern starr mit der
Halterung an der Säule verbunden ist. Aber auch in den Fällen,
wo dies möglich ist, hat die „schiefe Ebene“ den großen Vorteil,
daß senkrecht unter das Vergrößerungsgerät projiziert wird.
Beim Neigen des Kopfes des Vergrößerungsgeräts verschiebt
sich das Bild je nach eingestelltem Vergrößerungsmaßstab und
Neigungswinkel mehr oder weniger stark zur Seite, was viel
Platz auf der Arbeitsplatte beanspruchen kann, der, wenn
vorhanden, gegebenenfalls erst „freigeschaufelt“ werden muß.
Der folgende Vorschlag für eine Vorrichtung zur Neigung der
Papierauflage (Grundbrett) ist eine von vielen denkbaren
Möglichkeiten, läßt sich jedoch einfach und preiswert
realisieren.

B2 ANFORDERUNGEN
Die Vorrichtung soll eine Papierauflage mit den Maßen
50,8 cm x 61,0 cm für Fotopapier des Formats 50 x 60
aufnehmen. Die erforderlichen Neigungswinkel liegen im
Bereich von 10° bis 30°. Für die Praxis genügt es, die Neigung
der Papierauflage in Stufen von fünf Winkelgraden
vorzunehmen. Die Vorrichtung soll es ermöglichen, fünf Stufen
mit Neigungen von 10°, 15°, 20°, 25° und 30° einzustellen. Sie
muß eine genügende Festigkeit aufweisen, um die
Papierauflage (das Grundbrett) aufzunehmen und um
reproduzierbare Ergebnisse zu gewährleisten.

B3 BEISPIEL FÜR EINE NEIGUNGSVORRICHTUNG


Bild B1 zeigt das Prinzip der Anordnung. Alle Teile sind aus
Tischlerplatte geschnitten, geschliffen, grundiert und lackiert.

Papierauflage

Stützbretter 3
Fach 2b
Fach 2a
Stoppleiste 4

Trägerbrett 1

Bild B1 - Beispiel für eine Neigungsvorrichtung,


„Schiefe Ebene“, Seitenansicht

147
Anmerkung B1 – Eine Tischlerplatte hat eine größere
Festigkeit als eine Spanplatte bei deutlich geringerem Gewicht.
Die erforderlichen Einzelteile, zum Beispiel mit einer Dicke von
19 mm, sind in jedem Baumarkt oder Heimwerkerbedarf
zugeschnitten erhältlich, so daß der Vorgang der Anfertigung
der Neigungsvorrichtung sehr einfach wird.

Die Vorrichtung besteht aus dem Trägerbrett 1, mit dem die


Teile 2a und 2b, die das Fach für das Stützbrett bilden,
verleimt und zusätzlich mit je fünf Spanplattenschrauben
(4 x 50) mm verschraubt sind. Der Abstand der Teile 2a und 2b
muß so gehalten sein, daß die Stützbretter 3a bis 3e stramm
dazwischen gesteckt werden können. Die Höhe dieser
auswechselbaren Einsätze 3a bis 3e ist so bemessen, daß bei
den angegebenen Auflagemaßen die gewünschten
Neigungswinkel erzielt werden. Die in Bild B2 angegebenen
Maße bestimmen den Neigungswinkel und müssen eingehalten
werden. Die Stoppleiste 4 ist mit dem Trägerbrett 1 verleimt
und verhindert ein Abrutschen der lose aufliegenden
Papierauflage.

40,0 cm

Bild B2 – Kritische Maße

Tabelle B1 enthält die Teileliste. Alle Maße sind so bemessen,


daß die Papierauflage (Grundbrett) hoch und quer lose auf die
Neigungsvorrichtung gelegt werden kann. Diese kann in
Laufrichtung des Films oder senkrecht dazu unter das
Vergrößerungsgerät gestellt werden. Ein Abrutschen des
Fotopapiers verhindert zum Beispiel ein etwa 3 cm breiter
Streifen aus mattschwarzer Pappe, der hochkant zwischen
Papierauflage und die Hartholzleiste 4 geklemmt wird. Die in
Tabelle B1 zu den Teilen 3 zuerst genannten Maße
entsprechen der Höhe h in Bild B2.

148
Tabelle B1- Teileliste

Teil Anzahl Bezeichnung Maße Erzielter


mm Neigungswinkel
in Grad

1 1 Trägerbrett 400x500
2 2 Fach 60x400

3a 1 Stützbrett 71x400 10
3b 1 Stützbrett 107x400 15
3c 1 Stützbrett 146x400 20
3d 1 Stützbrett 187x400 25
3e 1 Stützbrett 231x400 30

4 1 Stoppleiste *
5 10 Schrauben **

* Hartholzleiste 5x20x400
** Spanplattenschrauben 4x50

149
ANHANG C
Entzerren ohne Schärfedehnung nach Scheimpflug

C1 ANWENDUNG
Ist die Möglichkeit der Schärfedehnung nach Scheimpflug
am Vergrößerungsgerät nicht vorgesehen oder muß quer zur
Laufrichtung des Films entzerrt werden, so kann dies durch
Neigen des Grundbretts in der entsprechenden Richtung
geschehen. Da die Objektivstandarte unbeweglich ist, ergeben
sich Verhältnisse wie in Bild C1 gezeigt. Die untere und obere
Bildseite müssen dabei im Schärfentiefenbereich der Abbildung
durch das Vergrößerungsobjektiv liegen.

Film
Objektiv

ß/2 n g

w
G

F γ

Bild C1 - Entzerrung mit geneigtem Grundbrett

C2 BERECHNUNG DER EINSTELLGRENZEN

Wird auf die Mitte des um den Winkel γ geneigten


Grundbretts fokussiert, so müssen Abbildungsbedingungen
gewählt werden, bei denen die Punkte F und G noch im
Schärfentiefenbereich liegen. Es ergeben sich aus den
geometrischen Verhältnissen der Detailskizze nach Bild C2 für
die weite Einstellgrenze w die Gleichungen
c = (h + a) tanγ
h = g tanß/2
a = c tanß/2
Hieraus folgt durch Umformen
c = g [1 + 1/(K – 1)] mit K = 1/(tanγ tanß/2)
und für die weite Gegenstandsweite
gw = g + c
= g [(1 + 1/(K – 1)]

150
Eine entsprechende Rechnung für die nahe
Gegenstandsweite führt zu
gn = g [(1 – 1/(K + 1)].

ß/2

c
γ
a h

Bild C2 – Details zur Berechnung der weiten und


nahen Einstellweiten (g + c) und (g - d)

Das im Beispiel nach Abschnitt C4 benutzte


Rechenschema ermöglicht die Ermittlung der Bedingungen, die
für die Anwendung bestimmter Neigungswinkel des Grundbretts
erfüllt sein müssen, damit die obere und die untere Bildseite in
den Schärfentiefenbereich der Abbildung fallen. Dabei müssen
also die Einstellgrenzen w = (g + c) und n = (g - b) im
Schärfentiefenbereich, also zwischen den
Schärfentiefengrenzen w und n liegen.

C3 SCHÄRFENTIEFE BEI GENEIGTER


PAPIERAUFLAGE
C3.1 Berechnung
Das Prinzip des Rechengangs ist das Gleiche wie bei der
Aufnahme. Der Strahlengang durch das Vergrößerungsobjektiv
ist bei gleichbleibender Einstellung identisch für Aufnahme oder
Projektion. Es kann daher bei einer vorgegebenen
Vergrößerung V eine gewisse größte Unschärfe auf dem Bild
zugelassen werden, die wir zum Beispiel u nennen. Dann wird
dieser Unschärfe eine solche auf dem Negativ von 2r’ = u/V
entsprechen, wobei dann 2r’ der größte zugelassene
Durchmesser des Unschärfekreises auf dem Negativ ist. Bei
der fotografischen Aufnahme wird für diesen Unschärfekreis
beim Kleinbild ein Durchmesser von 24 µm bis 33 µm, beim
Mittelformat von 45 µm bis 60 µm zugelassen, je nachdem wie
wichtig dem Fotografen die letzte Schärfe ist. Setzen wir diese
Werte hier an, so wird zum Beispiel bei einer Vergrößerung mit
dem Faktor 8 beim Kleinbild an der Schärfentiefengrenze aus
einer scharFen dünnen Linie oder Kante ein etwa 0,25 mm
breiter Strich, beim Mittelformat ein 0,5 mm breiter Strich. Die

151
Vergrößerung führt jedoch beim Kleinbild bereits zu einem
Format von 18 x 24 und beim Mittelformat von 40 x 50. Werden
diese Bilder aus einem Abstand betrachtet, der mindestens der
Bilddiagonale entspricht, so fallen diese Unschärfen praktisch
nicht störend auf.
Wir können hier also so tun, als wenn wir eine
Aufnahmesituation vorliegen haben, um die Berechnung der
Schärfentiefengrenzen für die verschiedenen Neigungen und
unterschiedlichen Blendenzahlen vorzunehmen. Dabei können
bei der Vergrößerung die größten angenommenen
Unschärfekreise 2r’ in der Negativebene zu 50 µm für das
Kleinbild und 100 µm für das Mittelformat angenommen
werden, also etwa doppelt so groß wie bei einer Aufnahme. Für
die Berechnung der Schärfentiefengrenzen werden die
Gleichungen nach Kapitel 9 angewendet, siehe Abschnitt C4.

C3.2 Einschränkung
Das Rechenschema im Beispiel nach Abschnitt C4 gilt
streng nur für diejenigen Negativbereiche, für die nicht bereits
bei der Aufnahme Unschärfe innerhalb des
Schärfentiefenbereichs des Aufnahmeobjektivs in Anspruch
genommen wurde. In dem Fall addiert sich die Unschärfe der
Aufnahme zu derjenigen, die infolge der Neigung der
Papierauflage entsteht. Die bei der Aufnahme zugelassene
Unschärfe am Rand des Schärfentiefenbereichs wird mit dem
eingestellten Vergrößerungsfaktor auf u = 2r'V vergrößert, also
zum Beispiel bei 10facher Vergrößerung auf
0,024 x 10 = 0,24 mm vom Kleinbild-Negativ und auf
0,05 x 10 = 0,5 mm vom Mittelformat-Negativ. Diese vom
Negativ herrührende Unschärfe fällt beim Betrachten des Bildes
im Abstand der Bilddiagonalen praktisch nicht auf. Da sie sich
aber zu derjenigen Unschärfe addiert, die durch das Neigen der
Papierauflage erzeugt wird, muß im Einzelfall mit Probestreifen
geprüft werden, ob bildstörende Unschärfe entstanden ist.

C4 BERECHNUNG DER EINSTELL-UND DER


SCHÄRFENTIEFENGRENZEN BEI NEIGUNG
DER PAPIERAUFLAGE

Beispiel C1 - Mittelformat (Negativ 56 mm x 56 mm)

Vorgegebene Größe Größen- Einheit Eingabe Rechenvorschrift


zeichen
Brennweite f mm 80
Vergrößerungsfaktor V 5
Neigungswinkel γ Grad 10
Blendenzahl F 16
Durchmesser für den 2r’ µm 100
Unschärfekreis

152
Berechnete Größe Ergebnis

Gegenstandsweite g mm 400 (V+1)f


Bildweite b mm 96 (1/f – 1/g) = 1/b
halber Bildwinkel 6x6 ß/2 Grad 16,3 arctan[(56/2)/96]
weite Gegenstandsweite w mm 506 siehe Abschnitt C2
nahe Gegenstandsweite n mm 457 siehe Abschnitt C2
weite Schärfentiefengrenze gw mm 533siehe nächste
Zeile
g + g(g – f)r’/[(f²/2F) - (g – f)r’]
nahe Schärfentiefengrenze gn mm 436siehe nächste
Zeile
g – g(g – f)r’/[(f²/2F) + (g – f)r’]
In diesem Beispiel fallen die Einstellgrenzen deutlich in die
Grenzen für die angenommene Schärfentiefe.

Beispiel C2 - Kleinbildformat (Negativ 23 mm x 35 mm)

Vorgegebene Größe Größen- Einheit Eingabe Rechenvorschrift


Zeichen
Brennweite f mm 50
Vergrößerungsfaktor V 5
Neigungswinkel γ Grad 10
Blendenzahl F 16
Durchmesser für den 2r’ µm 50
Unschärfekreis

Berechnete Größe Ergebnis

Gegenstandsweite g mm 300 (V+1)f


Bildweite b mm 60 (1/f – 1/g) = 1/b
halber Bildwinkel 6x6 ß/2 Grad 25,0 arctan[(56/2)/96]
weite Gegenstandsweite w mm 327 siehe Abschnitt C2
nahe Gegenstandsweite n mm 277 siehe Abschnitt C2
weite Schärfentiefengrenze gw mm 326siehe nächste
Zeile
g + g(g – f)r’/[(f²/2F) - (g – f)r’]
nahe Schärfentiefengrenze gn mm 278siehe nächste
Zeile
g – g(g – f)r’/[(f²/2F) + (g – f)r’]

In
diesem Beispiel fallen die Einstellgrenzen praktisch mit den
Grenzen für die angenommene Schärfentiefe zusammen.. Mit
zunehmendem Vergrößerungsfaktor werden die Verhältnisse
deutlich günstiger, wie aus Tabelle C1 hervorgeht. Dies
entspricht der Erfahrung bei der fotografischen Aufnahme,. wo
mit zunehmendem Aufnahmeabstand der
Schärfentiefenbereich rasch wächst. Siehe hierzu Kapitel 9.

153
C5 ERLAUBTE KOMBINATIONEN
Die folgende Tabelle C1 ist mit Hilfe des in den Beispielen
nach Abschnitt C4 angewendeten Rechenschemas erstellt
worden. Sie gilt unabhängig von der jeweils benutzten
Brennweite des Vergrößerungsobjektivs, da die Schärfentiefe
nur von der Blendenzahl F, dem Durchmesser des größten
zugelassenen Unschärfekreises 2r’ und dem
Vergrößerungsfaktor V abhängt. Die Tabelle C1 stellt drei
verschiedene Beträge für 2r’ zur Auswahl. Blendenzahlen
kleiner als F = 11 werden nicht berücksichtigt.
Nach dieser Methode ist es jetzt auch möglich, eine
Entzerrung in beiden Bildrichtungen vorzunehmen, da die
Papierauflage oder „schiefe Ebene“ sowohl längs der
Filmrichtung als auch quer dazu unter das Vergrößerungsgerät
gestellt werden kann..

TABELLE C1 - Entzerrung ohne Schärfedehnung nach


Scheimpflug

Unschärfe- Vergrößerungs- Größter Neigungswinkel


Kreis 2r’ faktor V Grad *)

µm Blendenzahl F

11 16 22

2,5 - - -
5 - 5 5
25 7,5 - 5 5
10 5 5 10
12,5 5 10 15

2,5 - 5 5
5 5 10 10
50 7,5 5 10 15
10 10 15 20
12,5 15 20 25

2,5 5 10 15
5 10 15 25
100 7,5 15 25 >30
10 20 >30 >30
12,5 25 >30 >30

*) abgerundet auf ganze 5°.

154
ANHANG D
Tabellen und Informationen

Die folgenden Informationen und Tabellen können an die


eigene Arbeitsweise angepaßt, erweitert und ergänzt und zum
Beispiel leicht erreichbar in der Dunkelkammer plaziert werden.

D1 TABELLEN IM TEXT
Bereits im vorhergehenden Text gegebene Tabellen werden
hier nicht wiederholt. Dieses sind die Tabellen 1 bis 3 und
Tabellen A1 und C1.

D2 TABELLEN FÜR DIE FILMENTWICKLUNG


D2.1 Verdünnungen

Tabelle D1 – Verdünnungen
Mischung aus Entwickler + Wasser

Volumenteile MENGEN
ml

1+1 225 + 225


1+2 150 + 300
1+3 110 + 330
1+4 90 + 360
1+5 75 + 375

1+6 65 + 390
1+8 50 + 400
1 + 10 40 + 400
1 + 15 28 + 420
1 + 20 21 + 420

1 + 25 17 + 425
1 + 30 15 + 450
1 + 50 9 + 450
1 + 100 5 + 500

Die Verdünnungen nach Tabelle D1 ergeben mit 440 ml bis


500 ml die erforderliche Menge, um eine der üblichen
Entwicklerdosen zu füllen, die einen Rollfilm oder zwei KB-
Filme fassen. Bei Neofin wird der Inhalt eines Fläschchens mit
500 ml Wasser verdünnt.

D2.2 Stoppbad
Als Stoppbad werden 33 ml einer 60%igen Essigsäure, zum
Beispiel von TETENAL, auf 1 Liter Wasser gegeben.

D3 FILM-ENTWICKLER-KOMBINATIONEN
In Tabelle D2 sind Arbeitsdaten für Rollfilme 120
zusammengefaßt. Sie enthält die Daten für

155
Standardbedingungen für einen Belichtungsumfang bis etwa
9 Belichtungsstufen. Für die Entwicklung gilt der Agfa-
Kipprhythmus, bei dem die Dose während der ersten Minute
dauernd und danach alle 30 Sekunden einmal gekippt wird. Die
angegebenen Daten gelten für Entwicklung bei 20 °C.
Zugrunde liegt die Ausarbeitung nach Kapitel 5. Die Daten in
Tabelle D2 beziehen sich auf das Aufnahmeobjektiv
Planar 80 mm von Rollei Technic GmbH.

Tabelle D2 - Standard-Arbeitsdaten für B1,5 ≤ 9,4

Filmtyp Entwickler Entwick- Empfind-


lungszeit lichkeit
min °DIN

Agfa APX 100 Neofin blau 15,0 21


Ultrafin liq. 1+20 15,0 21
Rodinal 1+25 15,0 21

Agfa AP 400 Ultrafin liq. 1+10 15,0 25


Rodinal 1+25 10,0 24

Ilford Delta 100 Ultrafin liq. 1+20 12,0 21


Rodinal 1+25 12,0 20

Ilford Delta 400 Ultrafin liq. 1+10 15,0 25


Rodinal 1+25 15,0 24

Kodak Tmax 100 Neofin blau 12 21


Ultrafin liq. 1+20 10 21

Kodak PlusX Pan Ultrafin liq. 1+10 10 22

D4 ARBEITSPROTOKOLL BEIM VERGRÖSSERN

Tabelle D3 enthält alle wichtigen Informationen, die bei der


Anfertigung einer Vergrößerung protokolliert werden sollten. Es
wird empfohlen, solche oder ähnliche Protokollblätter in der
Dunkelkammer zu verwenden und die eingestellten oder
gewählten Parameter und das Ergebnis der Arbeit
festzuhalten.

156
Tabelle D3 – Vergrößerungsprotokoll

Bildinhalt
Datum Negativformat x
Film-Nummer Bild-Nummer

Papier
Format x Oberfläche
Grad Kontrastwandelpapier

Vergrößerungsgerät
Brennweite mm Kondensor
Einstellung KB /66 Diffusor
Höheneinstellung cm Papierauflage 25 cm
Entzerrung mit Scheimpflug Entzerrung mit Schiefer Ebene
Winkel-Grad Winkel-Grad

Belichtung
Durst-Filtereinstellung M/ Y
Ilford-Filter Nr. Agfa-Filter Nr.
Blendenzahl Belichtungszeit s

Bemerkungen

157
Bild D1 – Diese Fotografie zeigt einen Blick in das
Innere einer typisch eingerichteten Dunkelkammer
bei abgeschalteter Dunkelkammerbeleuchtung.
Hier dargestellt ist das Negativ der Aufnahme.

ACHTUNG Bleib
Dunkelraum draußen

Bitte
nicht eintreten

1900 2000

Bild D2- Die Dunkelkammertür

158
Freie Seite für persönliche Notizen

159
Freie Seite für persönliche Notizen

160
Kapitel 4

DIE DUNKELKAMMER IM HOTEL


Entwicklung von Schwarzweiß-Filmen
auf der Reise

161
EINLEITUNG
Für den Schwarzweiß-Fotografen kann es nicht nur sehr
nützlich, sondern auch sehr reizvoll sein, das Ergebnis seiner
fotografischen Bemühungen während einer Reise sofort zu
überprüfen. Hierzu kann ein kleines Set mit den notwendigen
Utensilien dienen, welches bei geschickter Wahl der
Komponenten das Gewicht der fotografischen Reiseausrüstung
nur unerheblich erhöht. Das hier vorgeschlagene Set läßt sich
leicht und kostengünstig zusammenstellen und kann im Koffer
neben dem Kulturbeutel für die Körperpflege untergebracht
werden. Ein solches Set für etwa zehn Filmentwicklungen wird
hier beschrieben.

UMFANG
Die zum Entwickeln der Filme erforderlichen Utensilien
finden in einem Behältnis von der Größe einer üblichen
Kulturtasche Platz. Die benötigten technischen Informationen
werden in einem Plastik-Schnellhefter im Format A4 abgelegt.
Das vollständige Set wiegt reisefertig etwa 1kg.

INHALT DER KULTURTASCHE


Die Kulturtasche enthält die nachfolgend aufgezählten
Komponenten. Eine Stoppuhr ist nicht erforderlich, da jede
Armbanduhr mit Sekundenzeiger für die Einhaltung der
erforderlichen Zeiten in den einzelnen Bädern ausreichend ist.
- Thermometer aus Glas oder Plastik mit Meßbereich von
etwa 0°C bis + 60 °C und mit Teilung in 1 °C, das gleichzeitig
als Rührstock verwendet wird.
- Plastik-Klarsichtmeßbecher mit Inhalt von 0,5 l und mit
Teilung in 50 ml.
- Kleiner Plastik-Trichter mit Durchmesser der
Eingießöffnung von etwa 75 mm.
- Kleine Bastelschere.
- Entwicklungsdose für Kleinbildfilm oder Rollfilm.
- Sechs Plastik-Wäscheklammern zum Befestigen und
Beschweren der nassen Filme während der Trocknungszeit.
- Plastik-Wäscheleine mit einer Länge von etwa 2 m.
- Flasche aus weißem Plastikwerkstoff mit Inhalt von
500 ml. In die Flasche sind 50 g Expreß-Fixiersalz eingewogen.
Sie wird am Reiseziel mit Leitungswasser aufgefüllt. Diese
Fixierbadlösung reicht sicher für zehn Filme.
- Fläschchen mit Inhalt von 25 ml (siehe unten), gefüllt mit
einer Lösung aus Mirasol 2000 antistatic von Tetenal und
Leitungswasser im Verhältnis 1+4.
- Pipette aus durchsichtigem Weichplastik-Werkstoff mit
Inhalt von 3 ml zur Entnahme von Mirasol-Lösung. Eine
entsprechende Pipette kann in jeder Apotheke erstanden
werden. Für einen Entwicklungsvorgang werden nach der
Wässerung für das einminütige Mirasol-Bad 2,5 ml benötigt.
- Kleine, braune Glasfläschchen mit Inhalt von etwa 25 ml
und in einer Anzahl, die der Zahl der mitgenommenen Filme
entspricht. Jedes Fläschchen ist gefüllt mit zum Beispiel 17 ml

162
Rodinal-Konzentrat, vor Ort zu verdünnen mit 425 ml
Leitungswasser für Entwicklung in Rodinal 1+25, oder mit 21 ml
Ultrafin-liquid-Konzentrat, zu verdünnen mit 420 ml
Leitungswasser für Entwicklung in Ultrafin liquid 1+20. Es wird
jeweils ein Fläschchen für einen Film benötigt und die
Entwicklerlösung anschließend verworfen. Auch diese
Glasfläschchen können für ein geringes Entgelt in jeder
Apotheke erstanden werden.

INHALT DES SCHNELLHEFTERS


Der Schnellhefter enthält folgende Unterlagen:
- Inhaltsverzeichnis der Kulturtasche.
- Daten der für die Reise vorgesehenen Film-Entwickler-
Kombinationen für Arbeitsempfindlichkeit und Entwicklungszeit.
Siehe hierzu Kapitel 5.
- Protokollblätter zum Notieren der vorgenommenen
Entwicklungen und für Bemerkungen zum Ergebnis.
- Filmtüten im Format A4 in einer Anzahl, die der Zahl der
mitgenommenen Filme entspricht.

163
Freie Seite für persönliche Notizen

164
Freie Seite für persönliche Notizen

165
Kapitel 5

ARBEITSEMPFINDLICHKEIT
VON SCHWARZWEISS-FILMEN

166
Abschnitt Inhalt Seite

Einleitung 169
1 Aufgabe 169
3 Begriffe 169
4 Prüfmethode 171
5 Anwendungsbereich 171
5.1 Film-Entwickler-Kombinationen 171
5.1.1 Filme 171
5.1.2 Einmal-Entwickler 172
5.2 Ökonomie 172
6 Durchführung 172
6.1 Belichtungsreihe mit Belichtung auf eine Graukarte 172
6.1.1 Anordnung 172
6.1.2 Lichtquelle 172
6.1.3 Korrektur 173
6.1.4 Aufnahme 173
6.2 Entwicklung 173
6.3 Ermittlung der relativen Dichte 174
7 Auswertung 175
7.1 Kurvenform der Dichtekurve 175
7.2 Entwicklungszeit 175
7.3 Arbeitsempfindlichkeit 176
7.4 Steilheit der Dichtekurve, ß-Wert 176
7.5 Dichte für Belichtungswert x = 4 177
7.6 Nutzbarer Belichtungsumfang 177
8 Anfertigung der Dichtekurve 178
8.1 Grafische Darstellung 178
8.2 Numerische Kurvenanpassung 178
8.3 Beispiel, Agfapan APX 100 mit Neofin blau 179
8.3.1 Grafische Interpolation 179
8.3.2 Numerische Interpolation 180
8.3.3 Vergleich 182
8.4 Ergebnisse 182
9 Meßabweichungen 182
9.1 Kamera 182
9.2 Filmemulsion 182
9.3 Entwickler 183
9.4 Entwicklungszeit 183
9.5 Entwicklertemperatur 183
9.6 Entwicklungsvorgang 183
9.7 Ermittlung der Dichtewerte 183
9.8 Berechnung 183
9.8.1 Empfindlichkeit 183
9.8.2 ß-Wert 184
9.8.3 Dichte für Belichtungswert x = 4 184
9.9 Zusammenfassung 184
10 Im Text verwendete Größenzeichen 184

Anhang A Bewertung und Darstellung der Ergebnisse 186


A1 Bewertungsgrundlage 186
A1.1 Ideale Dichtekurve 86

167
A1.2 Reale Dichtekurve 186
A1.3 Grenzwerte 186
A1.3.1 Obere Grenzwerte 186
A1.3.2 Untere Grenzwerte 187
A2 Kenngrößen 187
A3 Hinweise zur Auswertung 189
A3.1 Erklärung zum beurteilenden Text 189
A3.1.1 Dichtekurve 189
A3.1.2 Empfindlichkeitsausnutzung 190
A3.1.3 Entwicklungszeit 190
A3.1.4 Belichtungsumfang ^90
A4 Ergebnisse 190

Anhang B Kondensor- und Diffusorlicht 198

168
1 EINLEITUNG
Die Schwarzweiß-Chemie hat in letzter Zeit einen größeren
Entwicklungsschub erfahren. Filme mit Emulsionen in T-Kristall-
Technik und Gradationswandelpapiere haben zu einer
erheblichen Verbesserung der Qualität und der Verarbeitbarkeit
geführt. Dazu hat auch der Fortschritt bei der Entwicklung der
technischen Komponenten für die Dunkelkammer beigetragen.
Dennoch hat sich eine wesentliche Bedingung nicht geändert:
Wer als Amateur zu sehr guten technischen Schwarzweiß-
Ergebnissen kommen will, muß alles selber machen, und das
nicht nur wegen des Spaßes dabei. Ein besonders wichtiges
Glied in der Kette der Verarbeitungsvorgänge ist die richtige
Belichtung und Entwicklung des Schwarzweiß-Films. Diesem
Thema widmet sich dieses Kapitel.

2 AUFGABE
Die hier besprochene Methode dient der Ermittlung der
Arbeitsempfindlichkeit von Film-Entwickler-Kombinationen. Sie
hat sich dazu als erfolgreich und hinreichend einfach erwiesen
und liefert darüber hinaus noch weitere Kenngrößen zur
Beurteilung einer solchen Kombination. Hierzu werden
Meßreihen durchgeführt und mit Erläuterungen versehen, die
das Verständnis für das „Innenleben“ eines Schwarzweiß-Films
fördern. Dadurch soll es potentiellen Nachahmungstätern
erleichtert werden, ihre fotografische Ausrüstung auf eine
gewünschte Film-Entwickler-Kombination zu kalibrieren. Die
Durchführung der Prüfung, die Darstellung der Ergebnisse und
die daraus folgende Bewertung werden an einem Beispiel
vorgeführt und zeigen anschaulich die Vorgehensweise. Die
gesamten Ergebnisse werden in Anlage A dargestellt.
Abschnitt 9 enthält Abschätzungen zur Ermittlung der
Meßabweichungen und dient zur Absicherung der Aussagen
und ihrer Bewertung. Die dazu angenommenen
Meßabweichungen sind, wie in der Praxis der Meßte3chnik
häufig üblich, willkürlich geschätzt und können im Einzelfall von
den tatsächlichen Gegebenheiten abweichen. Die
Meßabweichungen beruhen auf den Toleranzen bei der
Herstellung der Komponenten der fotografischen
Verarbeitungskette wie Optik, Verschluß und Blende, Elektronik
zu deren Steuerung, Film, Fotopapier und deren Entwickler
sowie die Lagerungs- und Verarbeitungsbedingungen der
chemischen Komponenten. Diese Toleranzen sind bei
chemischen Produkten um Größenordnungen höher
anzusetzen, als wir es zum Beispiel auf dem Gebiet der
Mechanik gewohnt sind.

3 BEGRIFFE
Die folgenden wenigen Begriffe sind bereits in Kapitel 1 und
Kapitel 2 erklärt. Sie sind aber für das Verständnis des in
diesem Kapitel behandelten Sachverhalts besonders wichtig
und werden deshalb vorab nochmals erläutert.

169
Arbeitsempfindlichkeit
Die Arbeitsempfindlichkeit Ea einer Film-Entwickler-
Kombination ist die effektive Empfindlichkeit dieser
Kombination, die der Fotograf mit seiner Kamera unter
Berücksichtigung seiner Entwicklungsbedingungen im Hinblick
auf seine zu verwendende Beleuchtungseinrichtung beim
späteren Vergrößern selbst ermittelt.

Belichtungsreihe
Wird ein Objekt mehrmals und unmittelbar nacheinander bei
konstanter Beleuchtung so fotografiert, daß sich jede
Belichtung eines Negativs von derjenigen des vorhergehenden
um den gleichen Faktor vergrößert oder verringert, so ergibt
sich eine Belichtungsreihe. Geschieht dies mit dem Faktor 2, so
liegt der wichtige Sonderfall einer Belichtungsreihe in (ganzen)
Belichtungsstufen vor.

Belichtungsstufe
Eine Belichtungsstufe entspricht der Verdoppelung oder
Halbierung der Belichtung. Dies geschieht durch Halbieren
oder Verdoppeln der Belichtungszeit oder durch Öffnen oder
Schließen der Blende um eine Blendenzahl.

Belichtungsumfang
Der Belichtungsumfang einer Film-Entwickler-Kombination
wird ihrer Dichtekurve entnommen, welche die Dichte oder
Schwärzung des Films auf der y-Achse als Funktion der
Belichtung auf der x-Achse darstellt. Dabei entspricht der
nutzbare Belichtungsumfang dem Bereich auf der x-Achse, der
unter dem nutzbaren Dichteumfang der Kurve liegt.

ß-Wert
Siehe hierzu Steilheit.

Film-Entwickler-Kombination
Film-Entwickler-Kombination ist eine Kombination des zu
prüfenden Filmtyps mit dem angewendeten Entwickler und den
gewählten Entwicklungsparametern. Diese Parameter sind
Entwicklerkonzentration, Entwicklungszeit,
Entwicklertemperatur und zum Beispiel Kipprhythmus im Falle
von Dosenentwicklung. Jede Änderung eines dieser Parameter
stellt im Sinne dieser Definition eine neue Film-Entwickler-
Kombination dar.

Kipprhythmus
Unter Kipprhythmus wird die Folge der Intervalle
verstanden, nach denen bei Dosenentwicklung die
Entwicklungsdose gekippt wird, um die Entwicklerlösung zu
verteilen und durchzumischen, damit jeweils frische Lösung an
die zu entwickelnde Schicht gelangen kann. Traditionelle
Kipprhythmen sind der bereits in den 50er Jahren des letzten
Jahrhunderts von Agfa angegebene, nämlich in der ersten

170
Minute ständig kippen und danach alle 30 Sekunden einmal,
sowie der von Tetenal bevorzugte, nämlich alle drei Sekunden
kippen. Der Kipprhythmus beeinflußt deutlich das Ergebnis der
Entwicklung und ist daher Parameter einer Film-Entwickler-
Kombination.

Steilheit
Die Steilheit oder Gradation des Films ergibt sich aus dem
Anstieg der Dichtekurve und ist ein Maß für die Art der
Wiedergabe des Objektumfangs. Eine große Steilheit erzeugt
harte Negative, die eher für Schwarzweiß-Strichzeichnungen
geeignet sind. Eine geringe Steilheit erlaubt die abgestufte
Darstellung aller Grauwerte. Als Maß für die Steilheit dient der
ß-Wert. Er ist definiert als der Quotient aus dem Dichteumfang
für die ersten fünf Belichtungsstufen und dem zugehörigen
Belichtungsumfang,
ß = (D5 – D0)/5log2.

4 PRÜFMETHODE
Zur Beurteilung von Film-Entwickler-Kombinationen werden
Dichtekurven erstellt, aus denen die für diese Beurteilung
erforderlichen Kenngrößen entnommen werden. Zu diesen
Kenngrößen zählen neben dem typischen Verlauf der
Dichtekurve die Größen
- Arbeitsempfindlichkeit Ea,
- Steilheit ß der Dichtekurve,
- Dichte des Standardgrau abbildenden Negativs D4,
- nutzbarer Belichtungsumfang B1,5.
Diese Größen sowie die zu ihrer Erstellung gewählte
Entwicklungszeit kennzeichnen eine Film-Entwickler-
Kombination. Für die Untersuchungen werden Rollfilme mit
Aufnahmeformat 6 x 6 verwendet. Zur Erstellung der
Dichtekurven werden Belichtungsreihen mit jeweils
10 bis 12 Belichtungen angefertigt. Die hier gewonnenen Daten
können nur bedingt auf Kleinbildfilme gleichen Typs übertragen
werden, dienen dazu aber als Anhaltswerte.

5 ANWENDUNGSBEREICH
Die hier vorgelegten Ergebnisse gelten nur für die
eingesetzten technischen Einrichtungen wie zum Beispiel die
Kamera und das Aufnahmeobjektiv sowie das für die
Dichtebestimmung benutzte Vergrößerungsgerät mit seiner
typischen Beleuchtungseinrichtung und das dazu gewählte
Objektiv.

5.1 Film-Entwickler-Kombination
5.1.1 Filme
Es werden die gebräuchlichen und bekannten
Schwarzweiß-Filme von Agfa, Ilford und Kodak untersucht, die
in gewisser Weise Standards für die Filmtechnik setzten
weitgehend den Markt beherrschen.

171
5.1.2 Einmal-Entwickler
Es werden nur kommerziell erhältliche Entwickler benutzt.
Es werden Entwickler ausgewählt, die als Einmal-Entwickler
konzipiert sind oder die als solche verwendet werden können.
Auf die Möglichkeit, mit einem Ansatz mehr als einen Film zu
entwickeln, wird bei dieser Untersuchung zu Gunsten der
Reproduzierbarkeit verzichtet. Die angewendeten Entwickler
sind die traditionellen Produkte Neofin blau von Tetenal (jeweils
eine Ampulle auf 500 ml H20), Ultrafin liquid von Tetenal in den
Verdünnungen 1+10 (40 ml auf 400 ml H2O) und 1+20
(21 ml auf 420 ml H2O) sowie Rodinal von Agfa in der
Verdünnung 1+25 (17 ml auf 425 ml H2O). Es wird nur mit frisch
angesetzten, gebrauchsfertigen Entwicklerlösungen gearbeitet.
Diese Filmentwickler sind bewährte Produkte mit mittlerer
Empfindlichkeitsausnutzung und erzeugen gut auflösende
Negative. Dabei ist die Beurteilung von Schärfe und Körnigkeit
des Films nicht Gegenstand dieser Untersuchung.

5.2 Ökonomie
Bei Einmal-Entwicklerkonzentraten gibt es Unterschiede im
Preis. Zum Beispiel kostet 1 l Ultrafin liquid etwa 11 EUR. Bei
einer Verdünnung von 1+20 werden 21 ml auf 420 ml Wasser
gegeben. Nachgerechnet ergibt sich ein Preis für eine
Entwicklung von 23 Cent. Das Gleiche gilt etwa für Rodinal in
der Verdünnung von 1+25. Ein Fläschchen Neofin dagegen,
erhältlich im 5er-Pack, kostet rund 1 EUR. Das ergibt bei 50
Filmen im Jahr bereits 40 EUR Mehrkosten gegenüber den
vorgenannten Einmal-Entwicklern. Neofin-Entwickler hat jedoch
auf Reisen Vorteile, da er bereits in Einzelportionen abgepackt
ist. Siehe hierzu Kapitel 4. Andererseits sind Rodinal- und
Neofin-Entwickler mit sehr ähnlicher Wirkungsweise

6 DURCHFÜHRUNG
6.1 Belichtungsreihe mit Belichtung auf eine
Graukarte
6.1.1 Anordnung
Bei dieser Methode zur Ermittlung der
Arbeitsempfindlichkeit einer Film-Entwickler-Kombination ist der
Aufnahmegegenstand eine Graukarte von FOTOWAND im
Format A4, die quer und mittig auf einem großen, schwarzen
Karton von etwa 60 cm x 70 cm befestigt und senkrecht zur
optischen Achse des Kameraobjektivs angeordnet ist. Die
Kamera wird auf die Graukarte fokussiert. Die Aufnahmen
erfolgen mit Rolleiflex SL 66 SE mit Planar f = 80 mm bei einem
Aufnahmeabstand von etwa a = 0,75 m. Hierbei beträgt der
Abbildungsmaßstab etwa M = 1:7. Die Abbildung der Graukarte
auf dem Negativ ist etwa 40 mm breit

6.1.2 Lichtquelle
Als Beleuchtungsquelle dienen zwei Fotoleuchten mit je
einer Lampe vom Typ Osram Halogen Superphot mit 1 000 W
und einer Farbtemperatur von 3 200 K. Tageslicht mit einer

172
Farbtemperatur von 5 000 K bis 5 600 K ist für
densitometrische Messungen an Tageslicht-Schwarzweiß-
Filmen grundsätzlich besser geeignet. Wegen der erheblichen
Inkonstanz und begrenzten Verfügbarkeit von diffusem
Tageslicht, wie es hier erforderlich wäre, wird für diese
Messungen auf Kunstlicht ausgewichen. Die Abweichungen,
die dadurch bei der Ermittlung der Arbeitsempfindlichkeit
entstehen, ergeben einen marginalen Systemfehler, der für die
mit Kunstlicht eingehandelten praktischen Vorteile in Kauf
genommen wird. Auf die Verwendung von Blitzlicht wird wegen
der damit verbundenen aufwendigen Meßeinrichtungen von
vornherein verzichtet, denn es ist die Absicht, eine
Vorgehensweise zu wählen, die mit jeder vorhandenen
Amateurausstattung nachzuvollziehen ist.

6.1.3 Korrektur
Für diese Aufnahmebedingungen beträgt die
Blendenzahlkorrektur etwa ∆F = 0,4 entsprechend 1 DIN
gegenüber einer Fokussierung auf Unendlich. Dies wird
berücksichtigt, indem bei der Auswertung nach 7.3 zu der
ermittelten Empfindlichkeit Em der Betrag von 1 DIN addiert
wird. Damit beträgt die ermittelte Arbeitsempfindlichkeit
Ea = (Em + 1) DIN Gleichung 01
Nach ISO (International Organization for Standardization)
muß eine Empfindlichkeitsangabe korrekt so geschrieben
werden, wie im folgenden Beispiel gezeigt: ISO 100/21°. Das
Rechnen mit DIN-Graden ist in den meisten Fällen jedoch viel
einfacher als mit ASA-Werten, deren Anwendung häufig zu
einer unnötig komplizierten Darstellung von mathematischen
Gleichungen führt. Daher wird hier ausschließlich in DIN-
Graden gerechnet mit der vereinfachten Schreibweise von zum
Beispiel 21 DIN anstelle von 21° DIN.

6.1.4 Aufnahme
Von jeder Film-Entwickler-Kombination wird eine
Belichtungsreihe mit 10 bis 12 Aufnahmen angefertigt. Dazu
wird zunächst auf die Graukarte belichtet und das Ergebnis als
Belichtungswert x = 4 bezeichnet. Die hierzu am
Belichtungsmesser eingestellte Empfindlichkeit Eb ist die vom
Hersteller empfohlene Nennempfindlichkeit des Films. Jetzt
wird das erste Bild des Films um vier Belichtungsstufen
knapper belichtet, als auf die Graukarte gemessen. Diese
Belichtung wird als Belichtungswert x = 0 bezeichnet. Danach
wird jedes weitere Bild um jeweils eine Belichtungsstufe
reichlicher belichtet. Die Belichtungswerte für 12 belichtete
Negative des Rollfilms zählen also von x = 0 bis x = 11.

6.2 Entwicklung
Die Entwicklung erfolgt im Temperaturintervall von
19,5 °C bis 20,5 °C. Dies schließt die Badtemperaturen zu
Beginn und am Ende der Entwicklungszeit ein und bezieht sich
auf die Verwendung ein und desselben Thermometers. Die

173
Entwicklungszeit zählt nach Einfüllen der Entwicklerlösung in
die Entwicklungsdose und endet mit Beginn des
Ausgießvorgangs. Die Entwicklungsdose wird nach einem alten
Agfa-Vorschlag in der ersten Minute ständig, also etwa alle
drei Sekunden gekippt, danach alle 30 Sekunden einmal. Das
Stoppbad besteht aus 2%iger Essigsäure. Danach wird in
Expreßfixierbad fixiert, und zwar Standard-Filme 6 bis 8 min
und T-Kristall-Filme 9 bis 11 min. Anschließend wird
6 bis 8 Minuten gewässert, davon die letzte Minute in 0,5%iger
Lösung aus Mirasol 2000 Antistatic, einem Tetenal-Produkt, in
destilliertem Wasser. Wird mit 3-Sekunden-Kipprhythmus
geprüft, wie von Tetenal empfohlen, ergeben sich erheblich
kürzere Entwicklungszeiten, der Film wird gleichmäßiger und
feinkörniger entwickelt, die Gefahr der Schlierenbildung ist
praktisch ausgeschlossen, aber der Kanteneffekt (Eberhard-
Effekt) kann sich nicht ausbilden.
Die Entwicklungszeit, die zum Erreichen der gewünschten
Eigenschaften des Negativs erforderlich ist, hängt unter
anderem stark von der Art der Bewegung des Films in der
Entwicklerlösung, von der Konzentration des Entwicklers und
von der Art der Beleuchtungseinrichtung des später zu
verwendenden Vergrößerungsgerätes ab. Je kräftiger bewegt
wird, um so kürzer ist die Entwicklungszeit. Höhere
Entwicklerkonzentrationen verkürzen ebenfalls die
Entwicklungszeit. Kondensorgeräte erfordern eine deutlich
kürzere Entwicklungszeit als Geräte mit diffusem Licht. Daher
ist es gewöhnlich nicht möglich und auch unzweckmäßig,
eigene Ergebnisse der Arbeitsempfindlichkeit einer Film-
Entwickler-Kombination mit entsprechenden Angaben in
Fachzeitschriften und Datenblättern zu vergleichen.

6.3 Ermittlung der relativen Dichte


Um Dichtekurven zu erstellen, wird das Vergrößerungsgerät
Durst M 605 Color mit Farbmischkopf und diffuser
Beleuchtungseinrichtung verwendet. Zur Messung der
Belichtungszeiten dient der Laborbelichtungsmesser
Hauck Trialux. Das auf die Grundplatte projizierte Bild des
Negativs hat eine Breite von etwa 30 cm. Der entwickelte
Testfilm wird bei gleichbleibender Einstellung von Blende und
Vergrößerungsfaktor des Vergrößerungsgerätes Negativ für
Negativ durch die Filmbühne gezogen. Für den unbelichteten
Filmanfang, für jedes folgende Negativ sowie für jeden
unbelichteten Steg zwischen zwei Negativen wird der Reihe
nach die jeweilige Belichtungszeit bestimmt, abgelesen und in
das Meßprotokoll eingetragen. Für diesen Vorgang wird die
Empfindlichkeit des Laborbelichtungsmessers und/oder die
Blende des Objektivs so eingestellt, daß die Belichtung für das
erste Bild zwischen 4 und 10 Sekunden liegt. Für den
Meßvorgang wird die Meßzelle des Laborbelichtungsmessers in
die Mitte des auf das Grundbrett projizierten Bildes gelegt.
Diese Position und alle einmal gewählten sonstigen
Einstellungen werden für alle Meßwerte einer Meßreihe

174
beibehalten. Die Logarithmen der am Laborbelichtungsmesser
abgelesenen Belichtungszeiten t entsprechen den Dichten.
Genau ergibt sich für die relative Dichte D eines Negativs die
Differenz der Logarithmen von t (Negativ) und ts (Schleier),
D = (logt - logts) Gleichung 02
= log(t/ts)
Anhang A enthält die Ergebnisse mit der Bewertung der
geprüften Film-Entwickler-Kombinationen.
Die Dichte D ist, wie oben beschrieben, ein logarithmischer
Wert zur Basis 10 und wird immer gegen den Logarithmus der
Belichtung des Films aufgetragen. Dabei ist es besonders
vorteilhaft, für die Belichtung den Logarithmus zur Basis 2 zu
wählen. Ist nämlich n eine ganze Zahl und ist die Belichtung für
irgendeine beliebige Einstellung der Kamera gerade 2n, so gilt
für die doppelte Belichtung 2n+1 und für die halbe Belichtung 2n-
1
. Dabei sind n, n+1 und n-1 die Logarithmen zur Basis 2 dieser
Belichtungen. Jetzt können anstelle dieser Belichtungen ihre
Logarithmen ni an die x-Achse geschrieben werden. Auf diesem
Prinzip beruht auch die Wahl der sogenannten Lichtwerte
(englisch Exposure Value). Ohne Beschränkung der
Allgemeinheit werden darum hier die oben für die
Belichtungsreihe festgelegten Belichtungswerte x = 0 bis x = 11
als Koordinaten der x-Achse verwendet. Diese Darstellung hat
eine Reihe von Vorteilen, wie sich im Folgenden zeigen wird.

7 AUSWERTUNG
7.1 Kurvenform der Dichtekurve
Der Kurvenverlauf der Dichtekurve kann gerade oder S-
förmig geschwungen sein. Er kann auch einen starken
Durchhang in den Schatten besitzen (unterer Teil der
Dichtekurve), was zu einem Zulaufen der Schatten und damit
im Maße des Durchhangs zu einer schlechteren Differenzierung
der Schatten führt. Er kann ferner in den Lichtern abflachen,
was eher erwünscht ist, um ein sogenanntes Ausfransen der
Lichter zu vermeiden. Aus diesen Gründen ist es erforderlich,
den Kurvenverlauf in die Beurteilung einer Film-Entwickler-
Kombination mit einzubeziehen.

7.2 Entwicklungszeit
Im Amateurbereich wird überwiegend manuell und mit
Dosenentwicklung gearbeitet, wobei Entwicklungszeiten über
12 min bei gelegentlichem Mehranfall an Filmen sehr
frustrierend sind. Daher dient auch die Entwicklungszeit als
eines der Kriterien, die hier berücksichtigt werden. Lange
Entwicklungszeiten können jedoch bei bestimmten
Kombinationen nicht immer vermieden und sollen daher bei der
Auswertung nicht so streng beurteilt werden. Infolge der in
dieser Arbeit verwendeten Bedingungen wie Agfa-
Kipprhythmus und Vergrößerungsgerät mit diffuser Beleuchtung
ergeben sich eher mittlere bis lange Entwicklungszeiten.
Zufällige Abweichungen von der vorgegebenen Zeit wirken sich

175
umso weniger auf das Ergebnis der Entwicklung aus, je länger
die Entwicklungszeit ist.

7.3 Arbeitsempfindlichkeit
Der Schnittpunkt der ermittelten Dichtekurve mit der
Horizontalen für die Dichte y = 0,1 wird mit xm bezeichnet.
Jedem Schritt um den Betrag 1 auf der x-Achse entsprechen
3 DIN oder eine Belichtungsstufe. Damit ergibt sich die
ermittelte Filmempfindlichkeit Em in DIN zu
Em = Eb - 3xm , Gleichung 03
wenn Eb die für die Aufnahme der Belichtungsreihe am
Belichtungsmesser eingestellte Empfindlichkeit war. Zu Em darf
nach Gleichung 01 noch 1 DIN addiert werden. Damit folgt für
die gewünschte Arbeitsempfindlichkeit, immer in DIN
gemessen,
Ea = Em + 1 Gleichung 04
= Eb - 3xm + 1

7.4 Steilheit der Dichtekurve, ß-Wert


Die Steilheit oder der ß-Wert wird als das Verhältnis der
Differenz der Dichten D5 und D0 zur Differenz der
entsprechenden Belichtungswerte x = 5 und x = 0 angegeben.
Hierbei bedeutet wegen der logarithmischen Teilung der x--
Achse eine Belichtungsstufe nicht mehr einen Faktor 2,
sondern den Logarithmus von 2 mit log2 ≈ 0,3. Somit ergibt sich
für die ersten fünf Belichtungsstufen die Steilheit zu
ß = (D5 - D0)/5log2 Gleichung 05
≈ (D5 - D0)/1,5
Der ß-Wert gibt an, wie steil oder flach die Dichtekurve
verläuft oder, im üblichen Sprachgebrauch, wie hart oder weich
das entwickelte Negativ ist. Da für die Ermittlung von ß
vorwiegend der untere Teil der Dichtekurve bis x = 5
herangezogen wird, die den Schattenbereich des
Gegenstandes bis zu mittleren Dichten des Negativs
repräsentiert, kann ein niedriger ß-Wert sowohl auf einen
flachen Verlauf der Dichtekurve als auch auf einen starken
Durchhang der Kurve im Schattenbereich hindeuten. Für die
abschließende Beurteilung muß daher die Dichtekurve selber
betrachtet werden. Die erforderliche Größe von ß hängt vom
Objektumfang, vom Arbeitsziel und von der zu verwendenden
Beleuchtungseinheit des Vergrößerungsgerätes ab. Für
Landschaftsaufnahmen zum Beispiel wird eher ein geringerer
Wert bevorzugt, für Aufnahmen bei Dunst und Nebel eher ein
größerer. Ein Vergrößerungsgerät mit diffuser Beleuchtung
benötigt einen größeren Wert als ein solches mit
Kondensorlicht. In der bildhaften Fotografie soll ß im Bereich
von 0,45 bis 0,75 liegen. Negative mit kleinerem ß-Wert als
0,45 sind zu weich, solche mit größerem ß-Wert als 0,75 eher
für Strichzeichnungen geeignet. In Bild 1 ist eine typische
Dichtekurve dargestellt. Darin ist die Dichte über Schleier
gegen die relativen Belichtungswerte aufgetragen.

176
7.5 Dichte für Belichtungswert x = 4
Bei einem durchschnittlich zu erwartenden
Belichtungsumfang von etwa acht Belichtungsstufen liegt die
Dichte D4 für x = 4 gerade in der Mitte zwischen D0 und D8, was
die Absicht war. Ist die Arbeitsempfindlichkeit ermittelt und am
Belichtungsmesser eingestellt, so wird in der Folge derjenige
Objektbereich, auf den belichtet wurde, in Standardgrau
entsprechend D4 wiedergegeben. Wegen des Kopierumfangs
von Vergrößerungspapier von höchstens 1,5 (die
Normbezeichnung hierfür ist R 150) beträgt der nutzbare
Dichteumfang des Negativs ebenfalls nur 1,5 und liegt im
Bereich der relativen Dichte von 0,1 bis 1,6. Die Dichte D4 sollte
möglichst in der Mitte dieses Bereichs, also bei etwa 0,85
liegen, siehe hierzu wieder Bild 1. Sie wird an der Dichtekurve
abgelesen oder mittels Regressions-Polynom berechnet, siehe
hierzu Abschnitt 8.

Dichte über
Schleier

2,0

B1,5 = 8
1,6
1,5

D5 = 1,05
1,0
D4 = 0,85

ß = (1,05 - 0,1)/5log2

0,5

0,1
0
-1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Relativer Belichtungswert

Bild 1 – Beispiel für eine idealisierte Dichtekurve

7.6 Nutzbarer Belichtungsumfang


Der Belichtungsumfang, der zu dem Bereich der relativen
Dichte des Negativs von 0,1 bis 1,6 führt, wird als nutzbarer
Belichtungsumfang B1,5 bezeichnet und an der Dichtekurve
abgelesen. Der nutzbare Belichtungsumfang entspricht

177
demjenigen Anteil des Objektumfangs, der in dem
nachfolgenden Kopierprozeß von Schwarzweiß-Papier gerade
noch verarbeitet werden kann. Der nutzbare Belichtungsumfang
ist ein wichtiges Kriterium dafür, ob die betreffende Kombination
für den vorgesehenen Anwendungsfall geeignet ist. So umfaßt
zum Beispiel eine sonnige Landschaft mit tiefen Schatten und
hohem klaren Himmel mit Wolken bereits einen Objektumfang
von etwa 250:1, was acht Belichtungsstufen entspricht. Filter
vor dem Objektiv (zum Beispiel gelb, grün, orange, rot)
verstärken den Kontrast deutlich. Damit kann eine
Landschaftsaufnahme in der Filmebene einen Kontrast
entsprechend zehn Belichtungsstufen erzeugen, der jedoch
durch den so genannten Streulichtanteil des Objektivs
abgeschwächt wird. Siehe hierzu Kapitel 6.

8 ANFERTIGUNG DER DICHTEKURVEN


Zur Veranschaulichung des Schwärzungsverhaltens wird zu
jeder Meßreihe eine Dichtekurve erstellt. Dies geschieht durch
grafische Interpolation oder durch Darstellung der gemessenen
Wertepaare mittels einer Regressionskurve.

8.1 Grafische Darstellung


Hierzu werden die Dichtewerte (vierte Spalte in Tabelle 2
im folgenden Beispiel 1) gegen die zugehörigen
Belichtungswerte (erste Spalte in Tabelle 2) in das Diagramm
nach Bild 2 eingetragen. Durch diese Meßpunkte wird in
geeigneter Weise eine Kurve gezeichnet, so daß die
gewöhnlich leicht streuenden Meßpunkte möglichst
gleichmäßig rechts und links der Kurve verteilt sind.
Anschließend wird eine hierzu parallel laufende Kurve
eingetragen, die die Gerade y = 0,1 bei x = 0 schneidet. Aus
dieser Kurve werden die Kenndaten für die Film-Entwickler-
Kombination entnommen.

8.2 Numerische Kurvenanpassung


Die Wertepaare {x;y} (erste und vierte Spalte in Tabelle 2
im folgenden Beispiel 1) werden durch eine Regressionskurve
interpoliert. Es wird ein kubisches Polynom für die
Kurvenanpassung gewählt,
y = a + bx + cx2 + dx3 Gleichung 06
Für die Berechnung der Kurvenparameter a, b, c, und d ist
ein programmierbarer Taschenrechner oder besser ein
entsprechendes Programm auf dem PC erforderlich. Die
Regressionsrechnung liefert neben den erforderlichen Daten
gleichzeitig den sogenannten Korrelationskoeffizienten R2, der
eine Aussage darüber macht, wie gut sich die Meßwertepaare
an die gerechnete Kurve anpassen. Es wird der Schnittpunkt xm
der Kurve mit der Horizontalen y = 0,1 berechnet und die Kurve
um xm horizontal verschoben, und zwar für xm < 0 nach rechts
und für xm > 0 nach links, so daß sich
x' = x + xm Gleichung 07

178
ergibt. Für jeden Wert von x = 0 bis x = 11 werden zunächst
die x' nach Gleichung 07 und daraus die y' nach Gleichung 06
berechnet. Anschließend wird y' gegen x (nicht gegen x') in ein
Diagramm nach Bild 3 eingetragen. Die so erhaltenen
Meßpunkte werden in geeigneter Weise zur Dichtekurve
verbunden.

8.3 Beispiel 1, Agfapan APX 100 mit Neofin blau


Die Meßwerte sind in Tabelle 2 eingetragen. Für die
Belichtung auf die Graukarte wurde der Belichtungsmesser für
den Belichtungswert x = 4 auf 20 DIN eingestellt.

Tabelle 2 - APX 100/R 0921 - 14 min in Neofin blau

Belichtungs- Belichtung Belichtung Dichte über Schleier


wert auf Schleier auf Bild
X s s y y’

0 6,8 7,6 0,048 0,100


1 6,8 10,6 0,193 0,222
2 6,8 15,2 0,349 0,373
3 7,1 20,4 0,458 0,547
4 7,1 33,9 0,679 0,737
5 7,1 50,6 0,853 0,936
6 7,1 75,5 1,027 1,139
7 7,1 145,0 1,311 1,338
8 7,1 234,0 1,517 1,527
9 7,1 251,0 1,549 1,700
10 7,1 521,0 1,865 1,850
11 7,1 581,0 1,913 1,971

Die vierte Spalte ergibt sich aus der zweiten und dritten Spalte.
Für den Belichtungswert x = 1 zum Beispiel ergibt sich (log10,6
- log6,8) = 0,193 als Dichte über Schleier.

8.3.1 Grafische Interpolation


Die Wertepaare {x;y} werden direkt in das Diagramm nach
Bild 2 eingetragen und der Kurvenverlauf mit der
durchgezogenen Kurve angenähert. Sie schneidet die Gerade
y = 0,1 im Falle des angegebenen Beispiels bei xm = 0,35. Die
gestrichelt gezeichnete Kurve der Wertepaare {x;y'} ist
horizontal zur ersten verschoben und geht durch den Fußpunkt
A = {0;0,1}. An dieser Kurve werden die wichtigen Daten für die
Beschreibung der Film-Entwickler-Kombination abgelesen. Es
ergeben sich
- Arbeitsempfindlichkeit Ea = Eb - 3xm + 1
= 20 DIN;
- ß-Wert ß = (0,9 - 0,1)/5log2
= 0,53;
- Dichte für Belichtungswert x = 4 D4 = 0,71

179
- Nutzbaraer Belichtungsumfang B1,5 = 8,4

Dichte über
Schleier
2,0
Film R 0921

B1,5 = 8,4
1,6
1,5

1,0
D5 = 0,90

D4 = 0,71
ß = (0,9 - 0,1)/5log2
0,5
= 0,55

0,1
0
-1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Relativer Belichtungswert

Bild 2 – Beispiel APX 100 – Neofin blau


Entwicklungszeit 14 min- Grafische Auswertung

Anmerkung 1 – Die Dichtekurven in Bild 2 und Bild 3 sind


über „Linienzeichnen“ in Word 2000 erzeugt worden. Dabei gibt
es Probleme mit der „Feinabstimmung“, auch lassen sich die
Meßpunkte in Bild 2 nicht genügend präzise eintragen und sind
daher weggelassen worden. Entsprechend wurde die grafische
Auswertung auf Diagrammpapier durchgeführt und zur
Veranschaulichung auf den PC übertragen. Der Leser kann
sich jedoch die Diagramme in Übereinstimmung mit Tabelle 2
leicht selber anfertigen und den Vorgang nachvollziehen.
Hierzu ist ein flexibles Kurvenlineal nützlich.

8.3.2 Numerische Interpolation


Für die gleiche Meßreihe ergibt die Rechnung die
Parameter für das Polynom zu
a = 0,06582
b = 0,092768
c = 0,018911
d = - 0,001083
und R2 = 0,9952 für den Korrelationskoeffizienten. Er ist
nahe 1, woraus folgt, daß es sich in diesem Beispiel um eine
gute Annäherung der Kurve an die Meßwerte handelt. Der

180
gerechnete Schnittpunkt der Kurve mit der Horizontalen für
y = 0,1 liegt bei xm = 0,34, wie durch Einsetzen in das Polynom
ermittelt wird. Jetzt werden anstelle x die Werte von x' nach
Gleichung 07 in das Polynom nach Gleichung 06 eingesetzt
und ergeben die Beträge für die Dichte über Schleier nach
Spalte 5 in Tabelle 2. Für den Belichtungswert x = 1 gilt jetzt
zum Beispiel nach Gleichung 07
x' = x + xm
= 1 + 0,34
= 1,34.

Dichte über
Schleier

2,0

1,6
1,5

1,0

0,5

0,1
0

-1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Relativer Belichtungswert

Bild 3 – Beispiel APX 100 – Neofin blau


Entwicklungszeit 14 min – Numerische Auswertung

Eingesetzt in das Polynom nach Gleichung 06 folgt


y' = 0,222 und so weiter. Wird Spalte 5 gegen die x (nicht x') zur
Veranschaulichung als Kurve aufgetragen, so geht sie bei x = 0
durch y’ = 0,1, siehe hierzu Bild 3. Die gewünschten Daten
werden jetzt nicht mehr der Kurve entnommen, sondern
ergeben sich aus dem Rechengang.
- Arbeitsempfindlichkeit Ea = Eb - 3xm + 1
= 20 DIN
- ß-Wert ß = (0,936 - 0,1)/5log2
= 0,55
- Dichte für Belichtungswert x = 4 D4 = 0,74
- Nutzbarer Belichtungsumfang B1,5 = 8,4

181
8.3.3 Vergleich
Der Vergleich der beiden Auswertemethoden zeigt, daß die
grafische Interpolation bei sorgfältiger Durchführung zu
praktisch gleichen Ergebnissen führt wie die numerische, so
daß es für den Ungeübten nicht erforderlich ist, sich mit
ungewohnten Rechenmethoden auf Rechner oder PC zu
plagen.

8.4 Ergebnisse
Die Bewertung und Darstellung der Meßergebnisse erfolgen
in Anhang A. In Anhang B wird an einem Beispiel der Einfluß
der Beleuchtungseinrichtung des Vergrößerungsgerätes auf die
Steilheit der Dichtekurve gezeigt.

9 MESSABWEICHUNGEN
Die Aufnahme einer Dichtekurve ist ein sehr komplexer
Vorgang, in den eine ganze Reihe von Meßabweichungen
eingehen, deren wichtigste im folgenden behandelt werden.

Anmerkung 2 – Messungen sind grundsätzlich immer mit


Meßabweichungen behaftet. Daher ist es in der Meßtechnik ein
üblicher Vorgang, diese Abweichungen zu betrachten, um sich
damit eine Information über die Güte der Messung zu
verschaffen. Meßabweichungen können von zufälliger, also
statistischer und/oder von systematischer Art sein. Sie können
bekannt oder berechenbar sein, zum Beispiel aus
vorgegebenen Fertigungstoleranzen, oder sie sind unbekannt
und müssen abgeschätzt werden. Letzteres ist hier der Fall.
Eine solche Abschätzung ist ein üblicher Vorgang und geht von
den bekannten Meßparametern aus. Sie ist im übrigen
willkürlich und hier sicher für manchen Leser ungewohnt.

9.1 Kamera
Für die Kamera, die für die Aufnahme der Testfilme
verwendet wurde, werden jeweils ± 1,0 DIN als
Meßabweichung für Blendenzahl und Belichtungszeit
angenommen. Daraus ergibt sich für die Belichtung und somit
auch für die Empfindlichkeit eine Abweichung von
∆E1 = ± √(1,02 + 1,02) ≈ ± 1,4 DIN Gleichung 08

9.2 Filmemulsion
Für die Empfindlichkeit der Filmemulsion wird eine
Abweichung von ± 1 DIN angenommen, also gilt
∆E2 = ± 1,5 DIN Gleichung 09

Für die Steilheit der Dichtekurve wird ein Einfluß der


Emulsion auf die Meßabweichung von
∆ß1 = ± 0,05 Gleichung 10
angenommen.

182
9.3 Entwickler
Bei Verwendung frisch angesetzter Entwicklerlösung wird
die durch den Entwickler bedingte Abweichung der
Empfindlichkeit zu
∆E3 = ± 1 DIN Gleichung 11
angenommen.
Für die Meßabweichung der Steilheit wird ein Einfluß des
Entwicklers von
∆ß2 = ± 0,03 Gleichung 12
angenommen.

9.4 Entwicklungszeit
Die Entwicklungszeit, nämlich Beginn nach Beendigung des
Einfüllvorgangs und Ende bei Beginn des Ausgießvorgangs,
variiert höchstens um ± 3 s, was bei einer durchschnittlichen
Entwicklungszeit von 10 min zu einer Abweichung von ± 0,5%
führt und von vernachlässigbarem Einfluß bleibt.

9.5 Entwicklertemperatur
Für eine Abweichung der Entwicklertemperatur um 1 Grad
wird eine Abweichung der Steilheit der Dichtekurve von etwa
∆ß = ± 0,03 angenommen. Da die Temperatur auf ± 0,5 Grad
eingehalten wird, wirkt sich die Temperaturabweichung zu
∆ß3 = ± 0,02 Gleichung 13
aus. Der Einfluß auf die Empfindlichkeit ist
vernachlässigbar.

9.6 Entwicklungsvorgang
Die Art des Kippens sowie die durch die manuelle
Ausführung bedingte Ungleichmäßigkeit haben einen schwer
abzuschätzenden Einfluß vor allem auf die Steilheit der
Dichtekurve. Viele der bei sonst völlig gleichen Bedingungen
beobachteten Abweichungen sind im Entwicklungsvorgang
begründet. Es soll eine Meßabweichung von
∆ß4 = ± 0,03 Gleichung 14
als Einfluß des Entwicklungsvorganges angenommen
werden. Der Einfluß auf die Empfindlichkeit ist
vernachlässigbar.

9.7 Ermittlung der Dichtewerte


Die Ermittlung der Dichtewerte mittels
Laborbelichtungsmesser hat sich als sehr gleichmäßig und
besonders gut reproduzierbar erwiesen, so daß im Rahmen
dieser Betrachtung keine hierauf beruhenden Abweichungen
berücksichtigt werden sollen.

9.8 Berechnung
9.8.1 Empfindlichkeit

183
Aus Gleichungen 08, 09 und 11 ergibt sich durch
quadratische Addition die Meßabweichung für die
Empfindlichkeit zu
∆E = ± √(1,42 + 1,52 + 1,02) Gleichung 15
= ± 2,3 DIN
9.8.2 ß-Wert
Aus Gleichungen 10, 12, 13 und 14 ergibt sich durch
quadratische Addition die Meßabweichung für den ß-Wert zu

ß = ± √{0,052 + 0,032 + 0,02² + 0,03² Gleichung 16


= ± 0,07

9.8.3 Dichte für Belichtungswert x = 4


Die Dichte D4 und die zu erwartende Meßabweichung hängt
mit ß zusammen. Wie sich unschwer zeigen läßt, ergibt sich für
D4 eine Meßabweichung von etwa ± 0,08.

9.9 Zusammenfassung
Die abgeschätzten Meßabweichungen sind in Tabelle 3
dargestellt. Damit kann bei der hiermit vorgestellten
Arbeitsweise die Arbeitsempfindlichkeit auf ± 2,3 DIN oder etwa
2/3 Belichtungsstufe ermittelt werden. Dieser Wert ist
angesichts der vielen Einflüsse annehmbar. Die
Meßabweichung für den ß-Wert wurde zu ± 0,07 geschätzt und
daraus die Meßabweichung für die Dichte D4 zu ± 0,08 ermittelt.
Beide Werte sind so klein, daß sie in der Praxis keinen
nennenswerten Einfluß auf die Verarbeitbarkeit des Negativs
ausüben.

Tabelle 3 - Meßabweichungen

Meßgröße Meßabweichung
±

Arbeitsempfindlichkeit 2,3 DIN


ß-Wert 0,07
Dichte D4 0,08

10 IM TEXT VERWENDETE GRÖSSENZEICHEN


In diesem Beitrag und den nachfolgenden Anhängen
werden die folgenden Größenzeichen verwendet:
a Aufnahmeabstand (Abstand Objektebene von der
Filmebene)
B Belichtungsumfang
B1,5 Belichtungsumfang für Dichteumfang ∆D = 1,5
D Dichte des Negativs
Dx Dichte für Belichtungswert x
Ea Arbeitsempfindlichkeit
Eb Die am Belichtungsmesser für die Aufnahme der
Belichtungsreihe eingestellte Empfindlichkeit

184
Em Aus der Dichtekurve ermittelte Filmempfindlichkeit
F Blendenzahl
f Brennweite
H Belichtung
M Abbildungsmaßstab
ß Steilheit des Films (ß-Wert)
t Belichtungszeit
te Entwicklungszeit
xm Schnittpunkt der Dichtekurve mit der
Horizontalen für y = 0,1

185
ANHANG A
Bewertung und Darstellung der Ergebnisse

A1 BEWERTUNGSGRUNDLAGE
A1.1 Ideale Dichtekurve
In Bild A1 ist zur Veranschaulichung die Gerade AB als
idealisierte Dichtekurve eingetragen. Sie geht für den
Belichtungswert x = 0 durch den Fußpunkt A und für den
Belichtungswert x = 8 durch den Punkt B, der eine um
1,5 Dichteeinheiten höhere Dichte als der Fußpunkt A aufweist.
Für diese Gerade gilt
Steilheit ß = (1,03 - 0,1)/5log2 = 0,62
Dichte für Standardgrau D4 = 0,85
Nutzbarer Belichtungsumfang B1,5 = 8,0
in Belichtungsstufen

A1.2 Reale Dichtekurve


Sofern die Dichtekurve eine Gerade darstellt, hängen die
oben genannten drei Kennwerte voneinander ab und es würde
genügen, nur eine der drei Größen zu betrachten. Der Weg von
A nach B kann jedoch wie Kurve 1, wie Kurve 2 oder wie
Kurve 3 in Bild A2 oder noch anders verlaufen. Die Kenntnis
des Verlaufs der Dichtekurve ist damit zusätzlich zu den
typischen Kenndaten für die vollständige Beurteilung einer Film-
Entwickler-Kombination erforderlich.

A1.3 Grenzwerte
Da es keinen theoretisch begründeten linearen
Zusammenhang zwischen den oben betrachteten Größen gibt,
werden Grenzwerte für die Größen ß, D4 und B1,5 und
zusätzlich für Ea festgelegt, um zu einer einheitlichen und
vergleichbaren Bewertung der einzelnen Meßreihen zu
gelangen. Ferner gilt es zu berücksichtigen, daß nicht einzelne
Negative entwickelt werden, sondern daß jeweils ein ganzer
Film für eine einheitliche Entwicklung ansteht. Die Film-
Entwickler-Kombination muß immer nach der Aufnahme
ausgewählt werden, bei welcher der größte Belichtungsumfang
zu bewältigen ist. Dabei wird bei anderen Negativen des Films
zwangsläufig mehr oder weniger Belichtungsumfang und damit
auch Dichteumfang verschenkt.

A1.3.1 Obere Grenzwerte


Siehe hierzu Kurve AB’ in Bild A1. Aus praktischen
Gründen soll der Belichtungsumfang, ausgehend von x = 0,
sieben Belichtungsstufen bis X = 7 nicht unterschreiten. Das
entspricht einem Objektumfang von 27:1 = 128:1. Es gilt also
B1,5 ≥ 7. Aus der Geraden AB' in Bild A1 werden dazu die
oberen Grenzwerte
ß' = 0,71
D’4 = 0,96

186
entnommen. Diese Werte dürfen nur überschritten werden,
wenn ein außergewöhnlich kleiner Objektumfang zu bewältigen
ist.

Dichte über
Schleier
2,0

B’ B B’’
1,6
1,5

ß’ = 0,71
D’4 = 0,96 ß = 0,62
1,0
D4 = 0,85
D4’’= 0,64 ß’’ = 0,48

0,5

A
0,1
0
-1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Relativer Belichtungswert

Bild A1 – Idealisierte Dichtekurven zur Abgrenzung


des Anwendungsbereichs für bildhafte Fotografie

A1.3.2 Untere Grenzwerte


Von seltenen Ausnahmefällen abgesehen, wird der
Belichtungsumfang, wieder ausgehend von x = 0,
11 Belichtungsstufen bis x = 11 nicht überschreiten. Das
entspricht einem Objektumfang von 211:1 ≈ 2 000:1. Der
Geraden AB'' in Bild A1 werden dazu die unteren Grenzwerte
ß" = 0,48
D’’4 = 0,64
entnommen. Diese Werte sollen nur unterschritten werden,
wenn ein außergewöhnlich großer Objektumfang zu bewältigen
ist.

A2 KENNGRÖSSEN
Zusammenfassend werden für die Bewertung einer Film-
Entwickler-Kombination fünf Kriterien berücksichtigt und in
Tabelle A1 zusammengefaßt.

187
Dichte über
Schleier
2,0

1,6
1,5

1,0

0,5

0,1
0
-1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Relativer Belichtungswert

Bild A2 –Beispiele für unterschiedliche


Kurvenverläufe der Dichtekurven

Tabelle A1 - Kriterien für die Bewertung

Kenngröße Grenzwerte

Arbeitsempfindlichkeit Ea ≥ (Nennwert – 3)
Belichtungsumfang B1,5 ≥ 7
Steilheit 0,5 ≤ ß ≤ 0,7
Dichte für Standardgrau 0.65 ≤ D4 ≤ 0,95

Entwicklungszeit te ≤ 12 min
Siehe hierzu Erläuterungen im Text

Für jedes Kriterium, das erfüllt ist, wird in den unter


Abschnitt A4 angeführten Tabellen in der letzten Spalte ein
Sternchen vergeben. Die Bewertung erfolgt nach Tabelle A2.
Dabei steht das fünfte Sternchen für die Entwicklungszeit, so
daß vier Sternchen und fünf Sternchen ein technisch
gleichwertiges Negativ bedeuten. Das Sternchen für die
Entwicklungszeit wird nur dann vergeben, wenn diese
höchstens 12 min beträgt und alle anderen vier Sternchen
bereits erteilt sind.

188
Tabelle A2 - Bewertung einer
Film-Entwickler-Kombination

Symbol Die Kombination ist

* ungeeignet
** bedingt geeignet
*** hinreichend geeignet
**** gut geeignet

***** sehr gut geeignet

A3 HINWEISE ZUR BEWERTUNG


Die folgenden Tabellen enthalten Meßergebnisse und ihre
Bewertung. Bei der Betrachtung der einzelnen Werte müssen
immer die abgeschätzten Meßabweichungen nach Abschnitt 9
berücksichtigt werden. Um ein vollständiges Bild über eine
Film-Entwickler-Kombination zu erhalten, ist immer die
Berücksichtigung der zugehörigen Dichtekurve erforderlich.
Dabei wird nur der Bereich bis zu einer Dichte über Schleier
von 1,6 berücksichtigt.

A3.1 Erklärung zum beurteilenden Text


Der Text der zusammenfassenden Beurteilung jeder
Tabelle in Abschnitt A4 wird einheitlich abgefaßt.

A3.1.1 Dichtekurve
- Eine Dichtekurve wird als ideal bezeichnet, wenn sie vom
Fußpunkt x = 0 bis zu etwa drei Belichtungsstufen schwach
durchhängend gekrümmt und von da ab bis zur Dichte 1,6
nahezu gerade verläuft. Eine ideale Dichtekurve komprimiert
kaum merkbar die Schatten, differenziert aber alle weiteren
Graustufen gleichmäßig bis zur Grenze des
Belichtungsumfangs.
- Eine gerade Dichtekurve verläuft vom Fußpunkt bis zur
Dichte 1,6 praktisch gerade oder weicht nur sehr geringfügig
von einer Geraden ab. Eine gerade Dichtekurve differenziert
über den gesamten Belichtungsumfang alle Graustufen
gleichmäßig.
- Eine Dichtekurve wird als klassisch bezeichnet, wenn sie
vom Fußpunkt bis zu etwa drei Belichtungsstufen deutlich
durchhängend gekrümmt verläuft und über die letzten zwei bis
drei Belichtungsstufen bis zur Dichte 1,6 eine deutliche
Wölbung im Sinne einer Abflachung besitzt. Eine
klassische Dichtekurve hat damit die Form eines
langgestreckten, schrägliegenden "S". Sie komprimiert etwas
die Schatten und die Lichter.
- Eine Dichtekurve wird als aufsteilend bezeichnet, wenn sie
vom Fußpunkt bis zur Dichte 1,6 ständig steiler verläuft. Eine
aufsteilende Dichtekurve differenziert die Lichter stärker als die

189
Schatten und sollte daher mit großem Belichtungsumfang
kombiniert sein, um ein Ausfressen der Lichter zu vermeiden.
- Eine Dichtekurve wird als gewölbt bezeichnet, wenn sie
vom Fußpunkt bis zur Dichte 1,6 ständig flacher verläuft. Eine
gewölbte Dichtekurve differenziert die Lichter schwächer als die
Schatten und beugt daher einem Ausfressen starker Lichter
vor.
A3.1.2 Empfindlichkeitsausnutzung
Die Bewertung der Empfindlichkeitsausnutzung wird
entsprechend folgendem Diagramm beschrieben.

ungenügend
sehr knapp
knapp
mäßig
befriedigend
gut
sehr gut
hervorragend

-4 -3 -2 -1 +1 +2 +3 °DIN

Nennwert nach Angabe


des Herstellers

A3.1.3 Entwicklungszeit
Eine Entwicklungszeit bis 4 min wird als sehr kurz, über
4 min bis 8 min als kurz, über 8 min bis 12 min als mittel, über
12 min bis 18 min als lang und über 18 min als sehr lang
bezeichnet. Sehr kurze Entwicklungszeiten werden wegen der
größeren Fehlermöglichkeit bei der Entwicklungszeit
vermieden. Gegen lange und sehr lange Entwicklungszeiten
gibt es keinen technischen Einwand, außer daß sie unbequem
sind.

A3.1.4 Belichtungsumfang
Ein Belichtungsumfang von 7,0 bis 7,9 Belichtungs-stufen
wird als hinreichend, von 8,0 bis 8,9 Belichtungsstufen als
normal, von 9,0 bis 9,9 Belichtungsstufen als groß, von 10,0 bis
10,9 als sehr groß und darüber als überragend bezeichnet.

A4 ERGEBNISSE
Die folgenden Ergebnisse beruhen auf der Auswertung der
Meßreihen durch numerische Kurvenanpassung mittels
Regressionsrechnung mit kubischem Polynom. Die
Meßprotokolle sowie die dazugehörigen Dichtekurven sind aus
Platzgründen hier nicht abgedruckt. Auf die Beschreibung der
Ergebnisse mit dem Entwickler Neofin rot wurde ganz

190
verzichtet, nachdem sich Kombinationen mit AP 400 als
unbefriedigend erwiesen haben. Weiterhin kann auf die
Verwendung des Entwicklers Neofin blau weitgehend verzichtet
werden, da gleichwertige Ergebnisse mit Rodinal zu erzielen
sind. Neofin blau kann dagegen bei Reisen von Vorteil sein, da
es bereits portionsweise in kleinen Fläschchen abgefüllt ist.
Siehe hierzu Kapitel 4. Neben den dargestellten Ergebnissen
wurden nach dem beschriebenen Verfahren noch eine ganze
Reihe weiterer Kombinationen geprüft, die hier aus
Platzgründen nicht aufgenommen sind.
Da es zweckmäßig ist, daß der Fotograf sich auf einige
wenige Filmtypen und Entwickler beschränkt, kann auf Grund
der vorliegenden Ergebnisse zum Beispiel empfohlen werden,
als Standardfilm mittlerer Empfindlichkeit Agfa APX 100 oder
Ilford Delta 100 mit Entwickler Tetenal Ultrafin liquid 1+20 oder
Agfa Rodinal 1+25 zu wählen und als höher empfindlichen Film
Ilford Delta 400 mit Entwickler Tetenal Ultrafin liquid 1+10. Der
Agfa-Klassiker Agfapan APX 25 Professional ist seit Beginn des
Jahres 2002 nicht mehr am Markt [5;6].

191
AGFA APX 100
Neofin blau

Film Nr . te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

0921 14,0 20 0,56 0,74 8,4 ****


0855 20,0 21 0,69 0,82 7,6 ****

Mit Neofin blau ergeben sich lange bis sehr lange Entwicklungszeiten und
eine mäßige bis befriedigende Empfindlichkeitsausnutzung. Die
Dichtekurven verlaufen ideal. Der Belichtungsumfang ist hinreichend bis
normal. Kombinationen mit Neofin blau sind gut geeignet.

Ultrafin liquid 1+10

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

0923 8,0 21 0,55 0,74 8,6 *****


0937 10,0 21 0,58 0,76 7,7 *****
0943 12,0 22 0,63 0,82 7,4 *****

Mit Ultrafin liquid 1+10 ergeben sich kurze bis mittlere Entwicklungszeiten
und eine befriedigende bis gute Empfindlichkeitsausnutzung. Die
Dichtekurven verlaufen gerade bis klassisch. Der Belichtungsumfang ist
hinreichend bis normal. Kombinationen mit Ultrafin liquid 1+10 sind sehr
gut geeignet.

Ultrafin liquid 1+20

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


Min DIN

1012 10,0 20 0,63 0,73 9,6 *****


0996 12,0 20 0,56 0,74 8,5 *****
0993 15,0 22 0,63 0,81 7,4 ****

Mit Ultrafin liquid 1+20 ergeben sich mittlere bis lange Entwicklungszeiten
und eine mäßige bis gute Empfindlichkeitsausnutzung. Die Dichtekurven
verlaufen ideal. Der Belichtungsumfang ist hinreichend bis groß.
Kombinationen mit Ultrafin liquid 1+20 sind gut bis sehr gut geeignet.

192
Rodinal 1+25

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

1013 10,0 18 0,54 0,73 9,9 *****


0997 12,0 20 0,52 0,69 8,5 *****
0938 15,0 21 0,62 0,81 7,5 ****

Mit Rodinal 1+25 ergeben sich mittlere bis lange Entwicklungszeiten und
eine sehr knappe bis befriedigende Empfindlichkeitsausnutzung. Die
Dichtekurven verlaufen ideal bis klassisch. Der Belichtungsumfang ist
hinreichend bis sehr groß. Kombinationen mit Rodinal 1+25 sind gut bis
sehr gut geeignet.

AGFA APX 25
Neofin blau

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

0843 8,0 13 0,63 0,85 7,9 *****


0835 10,0 13 0,62 0,84 8,3 *****
0831 12,0 14 0,64 0,86 8,0 *****

Mit Neofin blau ergeben sich kurze bis mittlere Entwicklungszeiten und
eine knappe bis mäßige Empfindlichkeitsausnutzung. Die Dichtekurven
verlaufen gerade. Der Belichtungsumfang ist normal. Kombinationen mit
Neofin blau sind sehr gut geeignet.

Ultrafin liquid 1+20

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

0942 10,0 13 0,58 0,78 8,5 *****


0998 15,0 14 0,70 0,93 7,2 ****

Mit Ultrafin liquid 1+20 ergeben sich mittlere bis lange Entwicklungszeiten
und eine knappe bis mäßige Empfindlichkeitsausnutzung. Die
Dichtekurven verlaufen gerade. Der Belichtungsumfang ist hinreichend bis
normal. Kombinationen mit Ultrafin liquid 1+20 sind gut bis sehr gut
geeignet.

193
Rodinal 1+25

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

0881 8,0 11 0,60 0,78 7,9 ***


0952 10,0 12 0,61 0,82 7,9 *****
0941 12,0 13 0,65 0,86 7,4 *****

Mit Rodinal 1+25 ergeben sich kurze bis mittlere Entwicklungszeiten und
eine ungenügende bis knappe Empfindlichkeitsausnutzung. Die
Dichtekurven verlaufen gerade. Der Belichtungsumfang ist hinreichend.
Kombinationen mit Rodinal 1+25 sind hinreichend bis sehr gut geeignet.

AGFA AP 400
Ultrafin liquid 1+10

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

0944 12,0 25 0,49 0,69 10,7 *****


0903 15,0 25 0,64 0,84 7,7 ****

Mit Ultrafin liquid 1+10 ergeben sich mittlere bis lange Entwicklungszeiten
und eine knappe Empfindlichkeitsausnutzung. Die Dichtekurven verlaufen
ideal bis gerade. Der Belichtungsumfang ist hinreichend bis sehr groß.
Kombinationen mit Ultrafin liquid 1+10 sind gut bis sehr gut geeignet.

Rodinal 1+25

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

0953 8,0 23 0,61 0,81 8,1 ***


0900 10,0 24 0,64 0,89 7,9 *****
1015 12,0 25 0,67 0,89 7,7 *****

Mit Rodinal 1+25 ergeben sich kurze bis mittlere Entwicklungszeiten und
eine ungenügende bis knappe Empfindlichkeitsausnutzung. Die
Dichtekurven verlaufen gerade. Der Belichtungsumfang ist hinreichend bis
normal. Kombinationen mit Rodinal 1+25 sind hinreichend bis sehr gut
geeignet.

194
ILFORD Delta 100
Ultrafin liquid 1+20

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

1022 10,0 21 0,54 0,73 8,8 *****


1021 12,0 21 0,54 0,73 8,7 *****
1037 15,0 22 0,56 0,74 8,2 ****

Mit Ultrafin liquid 1+20 ergeben sich mittlere bis lange Entwicklungszeiten
und eine befriedigende bis gute Empfindlichkeitsausnutzung. Die
Dichtekurven verlaufen ideal. Der Belichtungsumfang ist normal.
Kombinationen mit Ultrafin liquid 1+20 sind gut bis sehr gut geeignet.

Rodinal 1+25

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


Min DIN

1041 8,0 19 0,57 0,73 7,7 *****


1042 10,0 20 0,65 0,82 7,0 *****
1040 12,0 20 0,62 0,78 7,2 *****

Mit Rodinal 1+25 ergeben sich kurze bis mittlere Entwicklungszeiten und
eine knappe bis mäßige Empfindlichkeitsausnutzung. Die Dichtekurven
verlaufen klassisch bis ideal. Der Belichtungsumfang ist hinreichend.
Kombinationen mit Rodinal 1+25 sind sehr gut geeignet.

ILFORD Delta 400


Ultrafin liquid 1+10

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

1017 15,0 25 0,54 0,71 8,1 ****


1010 18,0 25 0,53 0,84 7,7 ****

Mit Ultrafin liquid 1+10 ergeben sich lange bis sehr lange
Entwicklungszeiten und eine knappe Empfindlichkeitsausnutzung. Die
Dichtekurven verlaufen ideal bis gerade. Der Belichtungsumfang ist
hinreichend bis normal. Kombinationen mit Ultrafin liquid 1+10 sind gut
geeignet.

195
Ultrafin Plus 1+6

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


Min DIN

0995 12,0 26 0,52 0,73 9,0 *****


0999 15,0 27 0,58 0,78 8,5 ****

Mit Ultrafin Plus 1+6 ergeben sich mittlere bis lange Entwicklungszeiten
und eine mäßige bis befriedigende Empfindlichkeitsausnutzung. Die
Dichtekurven verlaufen gerade bis leicht aufsteilend. Der
Belichtungsumfang ist normal bis groß. Kombinationen mit Ultrafin Plus
1+6 sind gut bis sehr gut geeignet.

Rodinal 1+25

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

1018 15,0 24 0,62 0,78 8,1 ****

Mit Rodinal 1+25 ergeben sich lange bis sehr lange Entwicklungszeiten
und eine knappe bis sehr knappe Empfindlichkeitsausnutzung. Die
Dichtekurven verlaufen ideal. Der Belichtungsumfang ist hinreichend bis
normal. Kombinationen mit Rodinal 1+25 sind gut geeignet.

KODAK Tmax 100


Neofin blau

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

0834 12,0 21 0,60 0,83 9,3 *****


0839 15,0 22 0,64 0,83 7,4 ****

Mit Neofin blau ergeben sich mittlere bis lange Entwicklungszeiten und
eine befriedigende bis gute Empfindlichkeitsausnutzung. Die geglätteten
Dichtekurven verlaufen leicht gewölbt bis ideal. Der Belichtungsumfang ist
hinreichend bis groß. Kombinationen mit Neofin blau sind gut bis sehr gut
geeignet.

Ultrafin liquid 1+20

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

1039 10,0 21 0,56 0,79 9,8 *****

Mit Ultrafin liquid 1+20 ergibt sich eine mittlere Entwicklungszeit und eine
befriedigende Empfindlichkeitsausnutzung. Die geglättete Dichtekurve
verläuft leicht gewölbt. Der Belichtungsumfang ist groß. Die Kombination
mit Ultrafin liquid 1+20 ist sehr gut geeignet.

196
KODAK Plus X Pan
Ultrafin liquid 1+10

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

0946 10,0 22 0,60 0,78 7,8 *****

Mit Ultrafin liquid 1+10 ergibt sich eine mittlere Entwicklungszeit und eine
befriedigende Empfindlichkeitsausnutzung. Die Dichtekurve verläuft
gerade bis klassisch. Der Belichtungsumfang ist normal. Kombinationen
mit Ultrafin liquid 1+10 sind sehr gut geeignet.

Ultrafin liquid 1+20

Film Nr. te Ea ß D4 B1,5 Bewertung


min DIN

1000 15,0 22 0,51 0,69 8,9 ****

Mit Ultrafin liquid 1+20 ergibt sich eine lange Entwicklungszeit und eine
befriedigende Empfindlichkeitsausnutzung. Die Dichtekurve verläuft leicht
aufsteilend. Der Belichtungsumfang ist normal. Kombinationen mit
Ultrafin liquid 1+20 sind gut geeignet.

197
ANHANG B
Kondensor- und Diffusorlicht

Eine Meßreihe mit Agfapan APX 100, 20 min in Neofin blau


entwickelt, wurde sowohl mit Kondensorlicht als auch mit
Diffusorlicht ausgewertet. Die Steilheit der Dichtekurven
unterscheidet sich signifikant. Der Belichtungsumfang für
Kondensorlicht ist um etwa zwei Stufen geringer als für
Diffusorlicht. Negative für Vergrößerungen mit Diffusorlicht
müssen daher wesentlich „weicher“ entwickelt werden.

Dichte über
Schleier
2,0


1,6
1,5

Kondensor Diffusor
0855A 0855
1,0

0,5

Agfa APX 100 mit Neofin blau

0,1
0

-1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Relativer Belichtungswert

Bild B1 – Vergkeich der Dichtekurven der Film-Entwickler-


Kombination 0855, ausgewertet
mit Kondensor- und mit Diffusorlicht

198
Freier Raum für persönliche Notizen

199
Freier Raum für persönliche Notizen

200
Kapitel 6

EINFLUSS DES STREULICHTS


IN DER FOTOGRAFIE

201
Abschnitt Inhalt Seite

1 Einleitung 203
2 Aufgabe 203
3 Begriffe 203
4 Streulichtquellen 203
4.1 Aufnahmeobjektiv 203
4.2 Dunkelkammer 204
5 Wirkung des Streulichts 204
5.1 Aufnahmeobjektiv 204
5.2 Gegenlichtblende und Filter 206
5.3 Vergrößerungseinrichtung 206
5.3.1 Vergrößerungsobjektiv 206
5.3.2 Beleuchtungseinrichtung 206

Anhang A 209
Objektumfang verschiedener Motive

A1 Begriff 209
A2 Motive in der Praxis 2ß9

202
1 EINLEITUNG
In der populären Literatur zur Fotografie wird wenig über
Streulicht, seine Auswirkungen und seine Bedeutung berichtet.
Die Behandlung des Streulichtanteils von Aufnahmeobjektiven
ist eher eine interne Angelegenheit der
Entwicklungsabteilungen optischer Werke. Das jeweils
angewendete Meßverfahren zur Ermittlung des Streulichtanteils
wird gewöhnlich nicht publiziert und der Streulichtanteil eines
Objektivs nicht im Datenblatt angegeben.
Streulicht bewirkt eine Verflachung der Gradation, also eine
Abnahme des Bildkontrastes. Das gilt sowohl für das Negativ in
der Kamera als auch für das Papierbild unter dem
Vergrößerungsgerät. Übermäßiges Streulicht führt zu flauen
und damit unbrauchbaren Bildern. Streulicht hat aber auch, wie
später gezeigt wird, einen positiven Effekt. Denn selbst
moderne Hochleistungsobjektive müssen einen gewissen
Streulichtanteil aufweisen, um die Anwendbarkeit der als
Massenware am Markt angebotenen Filme bei mittleren und
hohen Motivkontrasten zu gewährleisten.

2 AUFGABE
Im Zusammenhang mit dem Konzept zur Ermittlung der
Arbeitsempfindlichkeit von Schwarzweiß-Filmen und der
Beurteilung der Ergebnisse in Kapitel 5 stellte sich die Frage
nach dem Einfluß des Streulichts auf den Belichtungsumfang.
Diese Frage soll hier beantwortet und gleichzeitig eine kleine
Einführung in die Bedeutung und Bewertung von Streulicht
gegeben werden. Dabei wird der Schwerpunkt der Betrachtung
auf das Streulicht im Aufnahmeobjektiv gelegt.

3 BEGRIFFE
Alle hier auftretenden Begriffe sind bereits in den
vorhergehenden Kapiteln erklärt worden, so daß hier auf
Kapitel 1 und die Abschnitte 3 von Kapitel 2 und 5 verwiesen
werden darf.

4 STREULICHTQUELLEN
4.1 Aufnahmeobjektiv
Wesentliche Quelle für Streulicht und seinen Einfluß auf die
Fotografie ist das Aufnahmeobjektiv. Hier entsteht Streulicht
durch Reflektionen des einfallenden Lichts an Glas-Luft-
Flächen. Das Licht wird hin und her reflektiert und das um so
mehr, je größer die Zahl dieser Flächen ist. Schließlich
überlagert eine Art Lichtschleier das auf dem Negativ erzeugte
Bild. Abhilfe schafft die so genannte Vergütung der betroffenen
Linsenoberflächen durch eine Beschichtung mit einem
Antireflexionsbelag. Die Reflexionen werden dabei nicht
vollständig behoben, aber doch sehr stark unterdrückt. Durch
eine entsprechende Vergütung wird nicht nur das Streulicht
sondern auch der Abfall der Lichtstärke beim Durchgang des
Lichts durch das Linsensystem reduziert. Moderne,
leistungsstarke Objektive mit großer Öffnung und vielen

203
Linsengruppen wären ohne die Technik der Vergütung
praktisch nicht möglich. Der Betrag des ermittelten
Streulichtanteils wird durch die angewendete Meßmethode
beeinflußt. Gute Objektive haben je nach Bauart einen
Streulichtanteil, der zwischen 0,5% und 2,5% liegen kann.
Marchesi stellt Werte von 1% bis 2% zur Diskussion [10].

Anmerkung 1 - Nach Auskunft von Leica AG beträgt der


verbleibende Streulichtanteil moderner Leica-Objektive 2% bis
höchstens 2,5% (Telefongespräch mit Herrn Kölsch am
23.08.1996). Rollei Fototechnic beansprucht Werte von 0,5%
bis höchstens 1,5% für die von Rollei in Lizenz gefertigten
Zeiss-Objektive für die Rollei-Mittelformat-Kameras
(Telefongespräch mit Herrn Dr. Mangelsdorf am 27.08.1996).

4.2 Dunkelkammer
Hier ist vor allem das aus seinen Ritzen austretende Licht
des Vergrößerungsgerätes Ursache für Streulicht, zumal, wenn
die Dunkelkammer, wie es im Amateurbereich häufig der Fall
ist, viele helle Wand- und Deckenflächen aufweist. Besonders
bei sehr großen Vergrößerungen, die lange Belichtungszeiten
erfordern, kann das Streulicht die Qualität der Kopie
beeinträchtigen. Siehe hierzu Kapitel 3.

5 WIRKUNG DES STREULICHTS


5.1 Aufnahmeobjektiv
Die Wirkung des Streulichts im Aufnahmeobjektiv wird
durch das folgende Beispiel veranschaulicht:

Beispiel 1 - Es seien ein Streulichtanteil des Objektivs von


1,5% und ein Objektumfang von 500:1 entsprechend etwa neun
Belichtungsstufen angenommen. Ohne Streulichtanteil
betragen also in diesem Fall die größte relative
Beleuchtungsstärke in der Filmebene Ermax = 500 und die
kleinste Ermin = 1. Entsprechend der Festlegung des Begriffs
des Streulichtanteils beträgt im hier angenommenen Fall der
relative Streulichtanteil 1,5% von 500, also Er = 7,5. Jeder
Bildpunkt ist mit diesem Streulichtanteil von 7,5 überlagert. Für
die größte und kleinste relative Beleuchtungsstärke ergibt sich
daraus einfach
Ermax = 500 + 7,5 = 507,5
Ermin = 1 + 7,5 = 8,5
Dies führt also in der Filmebene zu einem wirksamen
Belichtungsumfang von
Eeff = 507,5/8,5 ≈ 60
Entsprechend etwa sechs Belichtungsstufen.
Durch das Streulicht nimmt der Umfang der
Beleuchtungsstärke in der Negativebene ab. Da aber
Belichtung gleich Beleuchtungsstärke x Belichtungszeit ist und
da bei der Belichtung des Negativs alle Bildpunkte mit der
gleichen Belichtungszeit belichtet werden, nimmt auch der für

204
die Aufnahme erforderliche Belichtungsumfang im gleichen
Maße ab wie die Beleuchtungsstärke.
In Bild 1 ist der wirksame Belichtungsumfang gegen den
Objektumfang für 0% Streulichtanteil und für 1,5%
Streulichtanteil nach Beispiel 1 aufgetragen, genauer der
Logarithmus der beiden Größen zur Basis 2. Jedoch sind die
Beträge der beiden Größen an die Koordinaten geschrieben,
nicht ihre Logarithmen. Aus Bild 1 ergibt sich, daß der in der
Bildebene wirksame Belichtungsumfang immer kleiner ist als
der Objektumfang. Daher darf der Belichtungsumfang einer
Film-Entwickler-Kombination geringer sein, als es dem
gegebenen Objektumfang entspricht. Der Streulichtanteil
bewirkt also eine Komprimierung des in der Negativebene
wirksamen Belichtungsumfangs. Der Streulichtanteil hat einen
deutlichen Einfluß auf die Schatten und praktisch keinen Einfluß
auf die Lichter.

WIRKSAMER
BELICHTUNGS-
UMFANG
512

256

128

64

32

16

8 1,5%

2 0%

1
1 2 4 8 16 32 64 128 256
OBJEKTUMFANG

Bild 1 - Wirksamer Belichtungsumfang als


Funktion des Objektumfangs bei 0% und
bei 1,5% Streulichtanteil

Das Ausmaß des im Beispiel 1 gezeigten Effekts nimmt mit


zunehmendem Streulichtanteil und Objektumfang dramatisch
zu, wie die Werte in der folgenden Tabelle 1 zeigen, die analog
zu Beispiel 1 gerechnet sind. Die durch den Streulichtanteil

205
bedingte Komprimierung des wirksamen Belichtungsumfangs
ermöglicht die Bewältigung eines großen Objektumfangs.
Mittelempfindliche Schwarzweiß-Filme verarbeiten einen
wirksamen Belichtungsumfang von etwa 250:1 bis 500:1,
Farbumkehr-Filme 32:1 bis 64:1. Farbnegativ-Filme liegen
irgendwo dazwischen. So kann nach Tabelle 1 ein
Farbumkehr-Film bei einem Streulichtanteil von 0,5% gerade
einen Objektumfang von höchstens 50:1 verarbeiten, bei einem
Streulichtanteil von 1,5% bereits einen solchen von 1 000:1.
Tabelle 1 zeigt auch deutlich, daß bei einem Streulichtanteil
von 1,5% bis 2% jeder Objektumfang von den marktgängigen
Filmen verarbeitet werden kann. Umgekehrt wird gefolgert, daß
ein gewisser Streulichtanteil erforderlich ist, um die Bewältigung
großer Objektkontraste durch diese Filme zu ermöglichen.
Da dem Fotografen der Streulichtanteil seiner Objektive
gewöhnlich unbekannt ist, hat Tabelle 1 überwiegend nur
beispielhaften und theoretischen Wert. Zur Beurteilung des
Streulichteinflusses bei der eigenen Arbeit wird empfohlen,
einen Streulichtanteil von 1,5% als Richtwert anzusetzen. Zur
Information und zum Vergleich mit den Werten in Tabelle 1 ist
der Objektumfang typischer Aufnahmesituationen in Tabelle A1
in Anhang A wiedergegeben.

5.2 Gegenlichtblende und Filter


Jede zusätzliche Glas-Luft-Grenzfläche erhöht den
Streulichtanteil. Da alle modernen Objektive von Haus aus UV-
Licht absorbieren, muß gewöhnlich kein UV-Filter benutzt
werden. Wird jedoch dieses oder irgend ein anderes Filter vor
dem Objektiv benötigt, so muß es vergütete Glasflächen
besitzen, und vor dem Filter muß unbedingt eine
Sreulichtblende (Gegenlichtblende, „Sonnenblende“)
angebracht sein. Der Streulichtanteil darf nicht mutwillig erhöht
werden, indem zum Beispiel die Streulichtblende in der
Fototasche gelassen wird. Ohne sie gelangt auch solches
seitlich einfallende Licht ins Objektiv, das nicht zum Bildaufbau,
wohl aber zum vagabundierenden Licht und damit zum
Streulichtanteil nicht unerheblich beiträgt.

Anmerkung 2 – In den Anleitungen zu Leica-Kameras wird


ausdrücklich davon abgeraten, Filter vor das Objektiv zu
schrauben, die keine optische Funktion zu erfüllen haben.

5.3 Vergrößerungseinrichtung
5.3.1 Vergrößerungsobjektiv
Wird das Vergrößerungsobjektiv für die Ausmessung der
Dichte des Negativs verwendet, so ist sein Streulichteinfluß
automatisch berücksichtigt.

5.3.2 Beleuchtungseinrichtung
Besteht die Beleuchtungseinrichtung des
Vergrößerungsgeräts aus einem Kondensorsystem, so wird das
durch den Kondensor stark gerichtete Licht an den Partikeln der

206
Filmschicht, also den Silberkornzusammenballungen, aber
auch an Staubteilchen, Schrammen und sonstigen
Verunreinigungen gestreut und geht für die Abbildung verloren.
Dieser Callier-Effekt genannte Vorgang verstärkt sich mit
zunehmender Dichte des Negativs. Daher wird eine Stelle der
Kopie weniger geschwärzt, als es der Dichte der zugehörigen
Stelle des Negativs entspricht. Die Streuung des gerichteten
Lichts bewirkt also eine scheinbare Vergrößerung des
Dichteumfangs des Negativs. Der Callier-Effekt ist ein
Streulichteffekt, bei dem Licht durch Streuung bildunwirksam
gemacht wird. Er ist bei diffuser Beleuchtungseinrichtung
wirkungslos. Der Callier-Effekt wird durch Vergleich der beiden
Dichtekurven dargestellt, die mit gerichtetem Kondensorlicht
und mit Diffusorlicht in Kapitel 5, Anhang B, Bild B1
aufgenommen wurden. Die mit Kondensorlicht aufgenommene,
linke Kurve verläuft erheblich steiler als die rechte. Um die
relative Dichte von 1,6 zu erhalten, genügen im dargestellten
Fall bei Kondensorlicht bereits sechs Belichtungsstufen, bei
Diffusorlicht sind etwa acht erforderlich.

Tabelle 1 - Einfluß des Streulichts


auf den Belichtungsumfang

Objekt- Wirksamer Belichtungsumfang


umfang in der Negativebene

Streulichtanteil
%

0,5 1,0 1,5 2,0 2,5

2:1 : 2:1 2:1 2:1 2:1 2:1


4:1 4:1 4:1 4:1 4:1 4:1
8:1 8:1 7:1 7:1 7:1 7:1
16:1 15:1 14:1 13:1 12:1 12:1
32:1 28:1 24:1 22:1 20:1 18:1

64:1 49:1 39:1 33:1 29:1 25:1


128:1 78:1 57:1 44:1 37:1 31:1
256:1 13:1 73:1 54:1 43:1 35:1
500:1 44:1 84:1 60:1 46:1 38:1
1 000:1 168:1 92:1 63:1 49:1 39:1

2 000:1 3:1 96:1 65:1 50:1 40:1


4 000:1 91:1 99:1 67:1 50:1 41:1

Aber nicht nur die Kornzusammenballungen der


Negativschicht streuen das gerichtete Kondensorlicht.
Staubteilchen und kleinste Verunreinigungen des Negativs, wie
zum Beispiel Schrammen, verhalten sich entsprechend und

207
heben sich dadurch auf der Kopie klar und hell gegenüber ihrer
Umgebung ab, während Diffusorlicht diese „Störstellen“
weitgehend und „übersieht“. Erst bei sehr starken
Vergrößerungen, die über das 20fache hinausgehen, wird die
Diffusoreinrichtung nicht nur Staubteilchen übersehen, sondern
auch kleinste Details des negativen Bildes. Dann ist die
Anwendung einer Kondensoreinrichtung angesagt. Damit
schlägt die Stunde des Fotografen, sich im Kampf gegen den
Staub zu bewähren.

208
ANHANG A
Objektumfang verschiedener Motive

A1 BEGRIFF
Der Objektumfang ist das Verhältnis der Leuchtdichten der
hellsten und der dunkelsten Stelle des Motivs, die noch mit
erkennbarer Zeichnung abgebildet werden sollen. In der Praxis
entspricht der Objektumfang dem Verhältnis der für diese
beiden Stellen beim selben Blendenwert gemessenen
Belichtungszeiten.

Beispiel A1 – Die dunkelste Stelle eines Motivs wird mit


1/2 s Belichtungszeit angemessen, die hellste Stelle bei
gleicher Blendenzahl mit 1/250 s. Damit ergibt sich ein
Objektumfang von
(1/2) : (1/250) = 125 : 1.

A2 MOTIVE IN DER PRAXIS


Die in der folgenden Tabelle A1 zusammengestellten
Angaben dienen lediglich der Orientierung. Im Einzelfall muß
der Fotograf seinen Belichtungsmesser einsetzen und den
Objektumfang ausmessen. Dabei ist die Betriebsart
Spotmessung von großem Vorteil. In Tabelle A1 sind Angaben
aus einer Broschüre von Tetenal enthalten [11].

Tabelle A1 – Objektumfang verschiedener Motive

Motiv Objekt-
bei Tageslicht umfang

Nebel mit etwa 50 m Sichtweite 2:1


Dunst mit Hochnebel 5:1
Trübes Regenwetter 10 : 1
Studio 15 : 1

Fernsicht 20 : 1
helle Straßenszene ohne Sonne 20 : 1
Landschaft ohne Sonne 30 : 1
Landschaft mit Sonne 100 : 1

Sonnige Straßenszene 100 : 1


Landschaft mit Sonne und Vordergrund 100 : 1
Landschaft im Gegenlicht 250 : 1
Innen ohne Sonnenlichteinfall 500 : 1

Innen mit Sonnenlichteinfall 1 000 : 1


Gegenlicht bei tiefem Sonnenstand 2 000 : 1
Schnee mit Sonne und Vordergrund 5 000 : 1
Schnee mit Sonne im Gegenlicht 10 000 : 1

209
Freie Seite für persönliche Notizen

210
Kapitel 7

ÜBER DIE ANWENDUNG


VON NAHLINSEN

211
Abschnitt IInhalt Seite

Einleitung 213
1 Aufgabe 213
3 Begriffe 213
4 Fernobjektiv 217
5 Wirkungsweise der Nahlinse 218
6 Makroobjektiv 2220
7 Brennweite 221
8 Hinweise 222
9 Lupenobjektive für den 223
Nahbereich
10 Schärfentiefe 224
11 Zusammenfassung 224

212
1 EINLEITUNG
Nahlinsen und ihre Anwendung sind vielen Fotofreunden
weitgehend unbekannt. Sie werden häufig als unbedeutendes
Zubehör und der Vergangenheit zugehörig abgetan. Es hat
daher den Anschein, als ob die Nahlinse in der Fotografie ein
ähnlich verkanntes Dasein fristet wie die von vielen
Fotografierenden als überflüssig empfundene und nie benutzte
Gegenlichtblende. Nahlinsen sind aber viel besser als ihr Ruf
und gestern wie heute ein überaus nützliches und
leistungsfähiges Zubehör, das zum preiswerten Einstieg in die
Makrofotografie verhilft und das in bestimmten Fällen sogar zur
Steigerung der Abbildungsleistung beitragen kann [12]. Wer sie
regelmäßig benutzt, weiß Nahlinsen zu schätzen.
Die Nahlinse bietet große Anwendungsmöglichkeiten nicht
nur allgemein auf dem Gebiet der Makrofotografie, sondern vor
allem im Bereich der Naturfotografie, der Objektfotografie im
Studio und der Reproduktion. Ihr besonderer Charme liegt darin
begründet, daß sie die Abbildungsleistung eines
Standardobjektivs in diesem Anwendungsfall nicht
beeinträchtigt sondern eher verbessert und mindestens
unterstützt und daß sie die Lichtstärke des Aufnahmeobjektivs
praktisch nicht einschränkt. Vor der Eroberung des Marktes
durch die Spiegelreflexkamera gab es auch Sucherkameras mit
dazu passenden Nahlinsen, und es waren zusätzlich ein Stativ
und ein Zollstock oder entsprechende Hilfsmittel erforderlich,
um Aufnahmen mit einer Nahlinse zu machen. Heute sehen wir
die Anwendung einer Nahlinse nur im Zusammenhang mit einer
Spiegelreflexkamera.

2 AUFGABE
Die folgende kurze Einführung soll die Aufmerksamkeit auf
die Möglichkeiten lenken, die sich durch Nahlinsen eröffnen.
Ergänzend wird hierzu auch auf Kapitel 8 verwiesen. Für die
beste Nutzung von Nahlinsen werden einige wenige optische
Grundkenntnisse vorausgesetzt. Die hierzu nötigen Begriffe
und Regeln werden im Folgenden erläutert und, mit Beispielen
versehen, dargestellt.

3 BEGRIFFE
Die hier angegebenen Begriffe, die im weiteren Text
verwendet werden, sind alphabetisch geordnet. Begriffe, die
unter einem eigenen Stichwort behandelt werden, sind fett
gedruckt.

Abbildungsmaßstab, Abbildungsverhältnis
Hierunter wird das lineare Verhältnis der Größe des Bildes
auf dem Negativ zur Größe des Gegenstandes verstanden,
M = B/G.

Aufnahmeabstand
Aufnahmeabstand ist der Abstand vom Gegenstand bis zur
Filmebene. Für den Aufnahmeabstand gilt a ≈ g + b, wenn g

213
und b die Gegenstandsweite beziehungsweise die Bildweite
sind. Der Aufnahmeabstand muß mindestens so groß sein wie
die vierfache Brennweite des Objektivs oder des Systems
Objektiv plus Nahlinse, wenn eine reelle Abbildung in der
Filmebene erhalten werden soll. Es muß also gelten
a ≥ 4f.
Dieser Zusammenhang muß besonders bei Arbeiten mit
dem Balgeneinstellgerät und längeren Brennweiten beachtet
werden. Ist der Aufnahmeabstand kleiner als die vierfache
Brennweite, kommt kein reelles und scharfes Bild in der
Filmebene zustande.

Anmerkung 1 - Überraschenderweise wird nur wenig


Gebrauch von der Größe a gemacht, die bei der Nahfotografie
von überaus praktischer Bedeutung ist und sich mit einem
Maßstab eindeutig und einfach messen läßt.

Aufnahmebereich
Die Aufnahmeabstände können zum Beispiel in
Abhängigkeit vom Abbildungsmaßstab in drei Bereiche
eingeteilt werden, in den Fernbereich, den Nahbereich und den
Mikrobereich. Siehe hierzu Tabelle 1.

Tabelle 1 – Einteilung in
Aufnahmebereiche

Abbildungs- Aufnahme-
maßstab bereich

< 1:10 Fernbereich


1:10 bis 10:1 Nahbereich
> 10:1 Mikrobereich

Auszugsverlängerung
Auszugsverlängerung bedeutet die Vergrößerung des
Abstandes des Objektivs von der Filmebene, also eine
Verlängerung der Bildweite. Dadurch wird der
Abbildungsmaßstab größer. Die Auszugsverlängerung wird
durch Zwischenringe, Makroadapter und Balgengeräte
erreicht, bei Makroobjektiven durch eine ins Objektiv
eingebaute Auszugsmöglichkeit, die größer ist als bei normalen
Fernobjektiven.

Anmerkung 2 - Der Bergriff der Auszugsverlängerung ist


von den früheren Plattenkameras mit doppeltem Bodenauszug
übernommen, bei denen zur Fokussierung die
Objektivstandarte mitsamt dem Objektiv durch den
Bodenauszug bewegt wurde. Dabei bot es sich an, die
Auszugsverlängerung gleich so weit vorzusehen, daß auch
Aufnahmen im Nahbereich bis zu einem Abbildungsmaßstab
von etwa 1:1 möglich waren.

214
Balgeneinstellgerät
Das Balgeneinstellgerät besteht aus einem lichtdichten
Balgen, der auf Schienen geführt wird und an dessen
rückwärtigem Ende das Kameragehäuse angeschlossen ist.
Am vorderen Ende des Balgens nimmt die Objektivstandarte
das Objektiv auf. Das Balgengerät ist so konstruiert, das
einerseits die Objektivstandarte gegen das Kameragehäuse
verschoben werden kann, andererseits aber auch das ganze
System gegenüber dem aufzunehmenden Objekt. Dazu wird
das Balgeneinstellgerät und nicht die Kamera auf dem Stativ
befestigt. Die Verschiebung gegenüber dem Objekt dient der
Fokussierung, die Verschiebung zwischen Objektiv und
Kameragehäuse der Veränderung des Abbildungsmaßstabes.
Je nach verwendetem Objektiv wird das Balgeneinstellgerät für
Aufnahmen im Nah- und im Mikrobereich benutzt. Für
Letzteres dienen Lupenobjektive. Auch ein ganz
zusammengefalteter Balgen erzeugt immer noch einen
Mindestabstand zwischen Objektiv und Kameragehäuse, der je
nach Konstruktion zwischen 45 und 60 mm beträgt.
Anmerkung 3 – Das Balgeneinstellgerät R BR2 von Leica
besitzt in der Grundstellung eine kleinste Auszugsverlängerung
von 53 mm. Wird ein Lupenobjektiv von zum Beispiel 25 mm
Brennweite verwendet, so ergibt sich die kleinste Bildweite zu
b = (47 + 53 + 10) = 110mm, wobei 47 mm das Maß von
Bajonetauflage bis Filmebene, 53 mm das Maß des
zusammengefalteten Balgens und 10 mm das Maß der Dicke
des Objektivadapters sind. Daraus folgt mit Hilfe der Gleichung
1/g = 1/f – 1/b eine Gegenstandsweite von g = 32,35 mm. Der
kleinste Abbildungsmaßstab wird zu M = b/g = 3,4/1. Leica
gibt im Handbuch des Leica Systems ein Verhältnis von 3,5/1
an [13].
Bildkreis und Bildkreisdurchmesser
Die kreisrunde Fläche in der Filmebene, auf die das
Objektiv das Bild des Gegenstands mit der für das Objektiv
angegebenen Güte projiziert, wird Bildkreis des Objektivs
genannt. Der Bildkreisdurchmesser darf daher nicht kleiner sein
als die Diagonale des Bildformates, das voll in dem Bildkreis
liegt. Bei Fachkameras, die ein Verschwenken und ein
Verschieben des Objektivs senkrecht zur optischen Achse
erlauben, muß der Bildkreisdurchmesser des Objektivs
erheblich größer sein als die Diagonale des Bildformates, was
sich in dem Preis für ein solches Objektiv niederschlägt.

Brechkraft
Die Brechkraft D = 1/f ist der Kehrwert der Brennweite einer
Linse, eines Linsensystems oder eines Objektivs, wenn f in m
gemessen wird. Mit kleiner werdender Brennweite wächst die
Brechkraft. Das Maß für die Brechkraft ist damit 1/m und wird
mit Dioptrie bezeichnet. Eine Linse mit einer Brennweite von
zum Beispiel 0,25 m hat eine Brechkraft von
D = 1/0,25 = 4 Dioptrien.

215
Fernbereich
Aufnahmeabstände, die zu einem Abbildungsmaßstab von
< 1:10 führen, beschreiben den Fernbereich.

Fernobjektiv
Ein Objektiv, das weder mechanisch noch optisch für die
Verwendung im Nahbereich vorgesehen ist, wird als
Fernobjektiv bezeichnet.

Lupe
Die Lupe ist eine Konvexlinse oder ein konvexes
Linsensystem zur Erzeugung eines virtuellen, vergrößerten und
aufrechten Bildes von einem Objekt, das sich in einem Abstand
innerhalb der Brennweite dieses Linsensystems befindet.

Lupenobjektiv
Siehe hierzu Mikrobereich und Abschnitt 10.

Makroaufnahme
Siehe Hierzu Nahaufnahme.

Makroadapter
Der Makroadapter ist ein Nahgerät, das zur Erweiterung des
Abbildungsmaßstabes dient. Er wird wie die Zwischenringe
zwischen Objektiv und Kameragehäuse angebracht,
unterscheidet sich aber von jenen dadurch, daß er die
Belichtungsfunktionen von der Kamera auf das Objektiv
überträgt.

Anmerkung 4 – Leica bietet hierzu den Macro-Adapter-R


mit 30 mm Auszugsverlängerung sowie die zwei-
beziehungsweise dreiteilige Ringkombination mit maximal
50 mm Auszugsverlängerung zur Erweiterung des
Abbildungsmaßstabes an.

Makrobereich
Siehe hierzu Nahbereich.

Makroobjektiv
Ein Objektiv, das ohne weitere mechanische und/oder
optische Zusätze die Fokussierung mit einem
Abbildungsmaßstab von mindestens M = 1:2 zuläßt, wird als
Makroobjektiv bezeichnet. Der Vorsatz „Makro“ oder „Macro“
bedeutet groß oder lang und bezieht sich auf den mit diesem
Objektiv zu erzielenden großen Abbildungsmaßstab.
Makroobjektive gibt es im Brennweitenbereich von der
Normalbrennweite bis zu mittleren Telebrennweiten.

Anmerkung 5 - Besonders kühne Hersteller bieten sogar


„APO Macro ZoomoObjektive an, wie zum Beispiel das mit dem
Test-Prädikat „Sehr gut“ versehene Objektiv Sigma AF 70-300
mm, F4-5,6, APO Macro von 1995.

216
Mikrobereich
Aufnahmeabstände, die zu einem Abbildungsmaßstab von
> 10:1 führen, beschreiben den Mikrobereich. Für Aufnahmen
im Mikrobereich werden sogenannte Lupenobjektive oder
Mikroskope benutzt.

Nahaufnahme
Aufnahmen, die im Nahbereich stattfinden, werden als
Nah- oder Makroaufnahmen bezeichnet. Für Aufnahmen im
Nahbereich werden Nahlinsen, Einrichtungen zur
Auszugsverlängerung und Makroobjektive benutzt.

Nahbereich
Aufnahmeabstände, die zu einem Abbildungsmaßstab
von 1:10 bis 10:1 führen, beschreiben den Nahbereich.

Nahlinse
Eine Konvexlinse, die als Vorsatzteil vorne auf das Objektiv
geschraubt wird, so daß ein Objekt größer abgebildet werden
kann als mit dem Objektiv alleine, wird als Nahlinse bezeichnet.
Wegen der Art der Anbringung könnte die Nahlinse auch
Vorsatzlinse genannt werden, wegen der Art ihrer Wirkung
auch Vergrößerungslinse. Aber zum Fokussieren mit einer
vorgeschraubten Vergrößerungslinse kann und muß die
Kamera näher an das Objekt herangerückt werden. Dies hat
offensichtlich zum Begriff der Nahlinse geführt, im Englischen
close-up lens.

Nahvorsatz
Leica zum Beispiel verwendet den Begriff des Nahvorsatzes
und bezeichnet damit einen mehrlinsigen Achromaten, der wie
eine Nahlinse angewendet wird.

Vergrößerungslinse
Siehe Hierzu Nahlinse.

Vorsatzlinse
Siehe hierzu Nahlinse.

Zwischenring
Zwischenringe dienen der Auszugsverlängerung bei
Nahaufnahmen. Sie werden dazu zwischen Objektiv und
Kameragehäuse angebracht. Die Übertragung von
Steuerfunktionen vom Kameragehäuse auf das Objektiv erfolgt
hierbei nicht.

4 FERNOBJEKTIV
Wird der Zeigefinger langsam in Richtung der Stupsnase
eines Babys bewegt, kräht das Baby vor Vergnügen, wenn der
Finger endlich ankommt. Vorher aber hat es mit gespannter
Erwartung die sich nähernde Fingerspitze verfolgt und dazu

217
nach Kräften geschielt. Im Vergleich hierzu kann ein für den
Fernbereich gerechnetes Objektiv im Nahbereich bei weitem
nicht so gut schielen wie unser Baby, denn dafür ist es
konstruktiv nicht ausgelegt. Für seine Berechnung wird zum
Beispiel die vereinfachende Annahme gemacht, daß das
Objektiv zwei beliebige von einem Objektpunkt ausgehende
Strahlen so behandeln darf, als wenn diese parallel zueinander
auf die Frontlinse treffen. Das folgende Beispiel zeigt, daß dies
weitgehend gerechtfertigt ist.
Beispiel 1 - Für ein Objektiv mit 50 mm Brennweite sei der
kleinste einstellbare Aufnahmeabstand 0,5 m. Befindet sich ein
Objektpunkt in diesem Abstand auf der optischen Achse, so
werden zwei Strahlen betrachtet, die von diesem Objektpunkt
ausgehen und an zwei sich gegenüberliegenden Randpunkten
der Eintrittspupille des Objektivs auftreffen. Bei Einstellung der
Blendenzahl 2 beträgt der Durchmesser der Eintrittspupille
gerade 25 mm, so daß die beiden Strahlen, wie leicht
nachzurechnen, einen Winkel von 2,9 Grad bilden, sie laufen
also fast parallel. Bei Blende 16 beträgt der Winkel nur noch
0,36 Grad. Liegt der Objektpunkt bei gleichem Abstand
außerhalb der optischen Achse, so werden die genannten
Winkel zwischen den beiden Strahlen noch kleiner. Vergrößert
sich der Aufnahmeabstand, so verkleinert sich der Winkel
ebenfalls. Das Objektiv verhält sich daher an den Fernbereich
angepaßt, wenn es die bezeichneten beiden Strahlen wie
parallel laufend behandelt.
Wird eine Auszugsverlängerung verwendet, um den
Abbildungsmaßstab zu vergrößern, so muß die Kamera dichter
an das Objekt herangerückt werden. Zwei Strahlen, die von
einem Objektpunkt ausgehen und an gegenüberliegenden
Randpunkten der Eintrittspupille auftreffen, können jetzt nicht
mehr als parallel bezeichnet werden, und folglich muß das
Objektiv „schielen“. Dafür ist es jedoch nicht gerechnet, und so
läßt die Abbildungsleistung mit abnehmendem
Aufnahmeabstand deutlich nach. Ferner ist das Bild infolge der
damit verbundenen Auszugsverlängerung erkennbar „dunkler“
geworden, es muß also länger belichtet werden als ohne
Auszugsverlängerung.

5 WIRKUNGSWEISE DER NAHLINSE


Durch Verwenden einer Nahlinse anstelle der
Auszugsverlängerung kann hier Abhilfe geschaffen werden. Die
Nahlinse bewirkt ebenfalls eine Vergrößerung des
Abbildungsmaßstabes, aber das Bild wird dabei nicht „dunkler“,
weil die Lichtstärke des Objektivs erhalten bleibt. Die Nahlinse
bewirkt aber noch mehr, denn sie besorgt das „Schielen“ auf
ihrer Frontseite und gibt die Strahlen auf ihrer Rückseite
weitgehend parallel an das Objektiv weiter, das damit seine
ganzen Fähigkeiten wieder voll entfalten kann. Siehe hierzu
Bild 1. Im Nahbereich verbessert daher eine Nahlinse die
Abbildungsleistung eines Objektivs.

218
Objekt Nahlinse Objektiv Film

Bild 1 – Strahlengang durch das System


Objektiv mit Nahlinse

Bild 1 zeigt den Strahlengang durch das System aus


Nahlinse und Objektiv. Da die Strahlen, die von einem
Objektpunkt ausgehen, praktisch Parallel aus der Nahlinse
austreten und so auf die Frontlinse des Objektivs treffen, ist der
Abstand von der Nahlinse zur Frontlinse unkritisch. Das ist
auch der Grund dafür, daß theoretisch alle Nahlinsen für jedes
Objektiv verwendet werden können. In der Praxis bedarf es
dazu noch der passenden Durchmesser und Gewinde.

Beispiel 2 - Werden zwei optische Systeme, etwa zwei


Linsen oder eine Linse und ein Objektiv, hintereinander
geschaltet, so addieren sich ihre Brechkräfte. Wird also zum
Beispiel eine Nahlinse mit einer Brennweite f1 = 0,2 m vor ein
Objektiv mit einer Brennweite f2 = 0,05 m geschraubt, so ergibt
sich
D = D1 + D2
= 1/0,2 + 1/0,05
= 25/m
und die neue Brennweite des Systems als Kehrwert hiervon
zu
f = 1/D
= 0,04 m.
Wird in diesem Beispiel das Objektiv jetzt auf Unendlich
eingestellt, so beträgt die Gegenstandsweite gerade g = f1,
denn die von einem Punkt in dieser Entfernung ausgehenden
und auf die Nahlinse treffenden Strahlen verlassen diese in
Richtung Objektiv parallel und werden folglich vom Objektiv in
dessen Brennebene wieder zu einem Punkt vereinigt. Der
Abbildungsmaßstab beträgt bei dieser Einstellung daher
ersichtlich
M = f2:f1
= 50:200
= 1:4.
Aus dem Beispiel 2 ergibt sich somit die folgende wichtige
Regel, daß sich der Abbildungsmaßstab des Systems Objektiv
plus Nahlinse bei Einstellung des Objektivs auf Unendlich
gerade zu
M = f2:f1

219
ergibt. Das Beispiel 2 zeigt nebenbei auch, daß der
Aufnahmeabstand nicht größer als die Summe der Brennweiten
von Nahlinse und Objektiv und daß der Abstand des
Gegenstandes von der Nahlinse nicht größer als die
Brennweite der Nahlinse sein kann.
Anmerkung 6 - Diese Regel gilt nicht für Fachkameras mit
einer unabhängig von einem Kameragehäuse einstellbaren
Objektivstandarte.
Obwohl also bei Anwendung einer Nahlinse der
Gegenstand wie bei der Lupenanwendung immer innerhalb der
einfachen Brennweite der vorgesetzten Nahlinse liegen muß,
sollte die Nahlinse nicht als Lupe bezeichnet werden, da die
Lupenwirkung hierbei nicht gefragt ist. Für die Abbildung und
den Abbildungsmaßstab ist ausschließlich die Brennweite des
Systems, das aus Nahlinse und Objektiv besteht, maßgebend.
Ist für die Nahlinse nur die Dioptrienzahl D angegeben, so
errechnet sich die Brennweite f, gemessen in m, zu f = 1/D.

Anmerkung 7 - Es gibt Hinweise und Beispiele, die zeigen,


daß die Aufteilung der Brechkräfte auf zwei Komponenten zu
einer Verbesserung der Abbildungsleistung führen kann.
Danach ist ein Objektiv mit Nahlinse und geringer
Auszugsverlängerung günstiger als ohne Nahlinse mit
entsprechend größerer Auszugsverlängerung. Ebenso sind
danach auch zwei Nahlinsen mit jeweils der halben der
gewünschten Dioptrienzahl vor dem Objektiv günstiger als nur
eine mit der ganzen gewünschten Dioptrienzahl [11]. Haben die
beiden Nahlinsen unterschiedliche Brechkräfte, so muß die
Nahlinse mit der geringeren Dioptrienzahl zuerst auf das
Objektiv geschraubt werden.

6 MAKROOBJEKTIV
Makroobjektive haben gegenüber Fernobjektiven
gewöhnlich eine im Nahbereich verbesserte
Abbildungsleistung, sie können also etwas „schielen“. Dabei gilt
aber, daß alle Makroobjektive einschließlich derjenigen der
„Premiummarken“ Leica (Leitz) und Zeiss bei Einstellung auf
Unendlich immer noch eine meßbar bessere
Abbildungsleistung zeigen als im Nahbereich. Hiermit wird auch
die sich immer wieder stellende, quälende Frage beantwortet,
ob Makroobjektive für normale Fotos, sprich Fernaufnahmen
geeignet sind: Sie sind dafür besser geeignet als für
Nahaufnahmen.
Ein Nachteil ist die durch die Auszugsverlängerung bedingte
„Verdunklung“ des Bildes, die mehr Belichtungszeit oder Öffnen
der Blende verlangt. Nun kann aber, um keine Lichtstärke zu
verschenken, auch ein Makroobjektiv mit einer Nahlinse
kombiniert werden. Ist dies ein gut korrigierter mehrlinsiger
Achromat, so wird die Abbildungsleistung hierunter nicht leiden.
Freihandaufnahmen bei zufälliger Begegnung mit einem
nervösen Schmetterling sind mit vorgesetzter Nahlinse wegen

220
der größeren zur Verfügung stehenden Lichtstärke sicher
zuverlässiger zu bewältigen als mit Auszugsverlängerung.
Zusammenfassend kann daher festgehalten werden, daß
sich die Abbildungsleistung im Nahbereich allgemein etwa in
der Reihenfolge der folgenden Angaben steigert:
- Standardobjektiv mit Auszugsverlängerung;
- Standardobjektiv mit vorgesetzter Nahlinse
und mit Auszugsverlängerung;
- Standardobjektiv mit vorgesetzter Nahlinse
ohne Auszugsverlängerung;
- Makroobjektiv mit Auszugsverlängerung;
- Makroobjektiv mit vorgesetzter Nahlinse
und mit Auszugsverlängerung;
- Makroobjektiv mit vorgesetzter Nahlinse
ohne Auszugsverlängerung.

7 BRENNWEITE
Bei Nahaufnahmen ist die abgebildete Perspektive
weitgehend ohne Bedeutung, da sie wegen des geringen
Schärfentiefenbereichs praktisch nicht dargestellt wird. Daher
ist es bei Nahaufnahmen kaum möglich, zwischen zwei
Negativen zu unterscheiden, die dasselbe Objekt bei gleichem
Abbildungsmaßstab zeigen, aber einmal mit einer kurzen und
einmal mit einer langen Brennweite aufgenommen sind.
Mit zunehmender Brennweite vergrößert sich der
Aufnahmeabstand und damit auch der Abstand des Objekts
von der Frontlinse des Objektivs. Bei mehr Abstand gibt es eine
größere Chance, daß Aufnahmen von mißtrauischen Insekten
und anderen scheuen Tierchen gelingen. Je größer der
Abstand des Objektivs vom Gegenstand ist, desto weniger
muß, wie oben beschrieben, das Objektiv „schielen“. Für
mittlere Tele-Brennweiten werden daher gewöhnlich keine
Nahlinsen zur Verbesserung der Abbildungsleistung empfohlen
und angeboten. Andererseits sind Teleobjektive, wenn ihre
Bezeichnung nicht gerade mit „Macro-„ beginnt, mechanisch
nicht für große Auszugsverlängerung konstruiert, sondern
benötigen einen Zwischenring oder Makroadapter. Es wird
empfohlen, mit einem solchen System Abbildungsmaßstäbe
von M = 1:2 nicht zu überschreiten. Ein weiterer Nachteil von
Teleobjektiven bei Nahaufnahmen ist ihr Gewicht, das für
diesen besonderen Anwendungsfall gewöhnlich ein Stativ
erforderlich macht. Zur Veranschaulichung des beschriebenen
Zusammenhangs dient das folgende Beispiel:

Beispiel 3 - Für einen Abbildungsmaßstab von M = 1:3,9


sollen die Objektive Elmarit-R 1:4/100 mm und Summicron-R
1:2/50 mm, letzteres mit und ohne Nahvorsatz Elpro 2,
verglichen werden.
(1) Macro-Elmarit-R 1:4/100 mm.
Für die Brennweite von 100 mm ergibt sich ein theoretischer
Aufnahmeabstand a = f(1 + M)2/K = 616 mm Dabei beträgt der
Verlängerungsfaktor für die Belichtung

221
E = (1 + M)2
= 1,58
Entsprechend ergibt sich eine Blendenzahldifferenz von
∆F = (logE)/log2 = 0,66. Es muß also wegen der
Auszugsverlängerung etwa 1,6fach länger belichtet oder um 2/3
Blendenstufen aufgeblendet werden.
(2) Summicron-R 1:2/50 mm ohne Nahvorsatz.
Für die Brennweite von 50 mm ergibt sich entsprechend ein
theoretischer Aufnahmeabstand von 309 mm. Dabei beträgt der
Verlängerungsfaktor für die Belichtung
E = (1 + M)2 = 1,58
oder eine Blendenzahldifferenz von (logE)/log2 ≈ 2/3. Die
Auszugsverlängerung beträgt mit etwa 12 mm etwas mehr, als
am Objektiv vorgesehen ist. Hierzu bietet Leica die
Ringkombination für den Nahbereich an.
(3) Summicron-R 1:2/50 mm plus
Nahvorsatz ELPRO 2 mit etwa 200 mm Brennweite.
Nach Beispiel 2 wird die Gesamtbrennweite des Systems
[f1 + f2] gerade 40 mm, wenn f1 = 200 mm und f2 = 50 mm
betragen. Für (3) ergibt sich, bedingt durch die Bauart, ein
kleinster Aufnahmeabstand von etwa 240 mm. Ein
Zwischenring ist nicht erforderlich, ebenso wenig eine
Belichtungskorrektur.
Der Vergleich der drei beschriebenen Fälle zeigt sehr
anschaulich, daß die Aufnahme mit dem 50-mm-Objektiv plus
Nahvorsatz erheblich komfortabler und „lichtstärker“ zu machen
ist als in den Fällen (1) und (2). So kann im Fall (3) bei gleicher
Belichtungszeit um 2/3 Blendenstufen weiter abgeblendet
werden als in den Fällen (1) und (2). Gegenüber Fall (1) besteht
noch der Vorteil der um zwei Blendenstufen höheren
Lichtstärke, was für entsprechend kürzere Belichtungszeiten
genutzt werden kann. Es ist kein Zwischenring erforderlich, so
daß zusätzlich die Zeit des Umrüstens entfällt..
Weitwinkelobjektive sind für Nahaufnahmen nur bedingt
geeignet. Nahlinsen werden hierfür gewöhnlich nicht
angeboten.

Anmerkung 8 - Leica läßt für Teleobjektive in Kombination


mit dem Balgeneinstellgerät R BR2 Abbildungsmaßstäbe bis
M = 1:1 zu. Für das APO-MACRO-ELMARIT R 2,8/100 mm
wird von Leica der ELPRO-Nahvorsatz 1:2-1:3 empfohlen.

8 HINWEISE
Mit zunehmendem Abbildungsmaßstab wachsen auch die
Auswirkungen der Bewegungen des Gegenstandes oder der
Kamera auf das Negativbild. Bei der Anwendung von Nahlinsen
ist daher die Benutzung eines Stativs von Vorteil, bei großer
Auszugsverlängerung und bei langen Brennweiten ist ein Stativ
immer erforderlich.
Die Abbildungsleistung des Systems Nahlinse plus Objektiv
hängt naturgemäß von der optischen Qualität und den
Eigenschaften der beiden Komponenten ab. Wenn möglich,

222
sollten als Nahlinsen bevorzugt Achromate eingesetzt werden.
Wenn die Umstände es zulassen, sollte das Objektiv um
wenigsten eine Stufe abgeblendet werden.

Anmerkung 9 - Nahvorsätze, die aus mehrlinsigen


Achromaten bestehen, sind für praktisch alle gängigen
Gewindedurchmesser, gegebenenfalls mit Adapterring, im
Bereich von etwa 1 bis 5 Dioptrien entsprechend 1 000 mm bis
200 mm Brennweite erhältlich. Lieferanten sind unter anderem
Heliopan, Leica, Minolta, Nikon und Raynox.
Zusammenfassende Marktübersichten über
Makroaufnahmegeräte für Kleinbildkameras sind in
Foto & Labor und Color&Foto erschienen [14; 15; 16]. Die
Beiträge behandeln Nahlinsen, Zwischenringe, Balgen,
Makroschnecken, Makroobjektive und Umkehrringe und
enthalten Tabellen mit Angaben über Hersteller, technische
Daten und Preise. Eine allgemeine Einführung ist jeder der
genannten Produktgruppen vorangestellt.

Anmerkung 10 - Aus dem Handbuch des Leica Systems


werden hierzu die folgenden Möglichkeiten entnommen [13]:
(1) SUMMICRON-R 1:2, f = 50 mm;
(2) SUMMICRON-R 1:2, f = 50 mm mit
Nahvorsatz ELPRO 2;
(3) MACRO-ELMARIT-R 1:2,8, f = 60 mm;
(4) MACRO-ELMARIT-R 1:2,8, f = 60 mm mit
Nahvorsatz ELPRO 3;
(5) APO-MACRO-ELMARIT-R 1:2,8, f = 100 mm;
(6) APO-MACRO-ELMARIT-R 1:2,8, f = 100 mm
mit Nahvorsatz ELPRO 1:2-1:1.

Die Kombination (2) erreicht bei Stellung des Objektivs auf


Unendlich bereits einen Abbildungsmaßstab von etwa M = 1:5.
Das Makroobjektiv nach (3) verliert bei M = 1:5 wegen der
Auszugsverlängerung etwa 1/2 Blendenstufe und ist damit
wegen der um eine Blendenstufe geringeren Lichtstärke des
Objektivs insgesamt um 1,5 Blendenstufen im Nachteil
gegenüber der Kombination (2). Ferner ist das Standardobjektiv
nach (1) gewöhnlich vorhanden, und der Nahvorsatz ELPRO 2
kostet deutlich weniger als 1/10 des Betrages, der für das
Makroobjektiv nach (3) zu entrichten ist.

9 LUPENOBJEKTIVE FÜR DEN NAHBEREICH


Dieser Abschnitt ist zur Abgrenzung des
Anwendungsbereichs der Nahlinse hinzugefügt, denn
Lupenobjektive für den Mikrobereich werden ohne Nahlinse
benutzt [17]. Sie sind nur am Balgeneinstellgerät zu verwenden
und haben das international genormte Mikroskopgewinde
W 0,8“ x 1/36“. Sie können mit entsprechenden Adaptern an die
verschiedenen Kamera- beziehungsweise Balgenfassungen
angebracht werden und sind zum Beispiel von Leica als
Photare und von Zeiss als Luminare im Fachhandel erhältlich.

223
Anmerkung 11 - Photare gibt es als Photar 1 mit f = 12,5
mm, als Photar 2 mit f = 25 mm und als Photar 3 mit f = 50 mm.
Wegen der Mindestauszugslänge des Balgeneinstellgerätes,
zum Beispiel 54 mm bei Leica, ergeben sich hier kleinste
Abbildungsmaßstäbe von etwa M = 8,5:1 bis M = 1,4:1.

10 SCHÄRFENTIEFE
Die Schärfentiefe hängt nur vom Abbildungsmaßstab ab
und ist unabhängig von der verwendeten Brennweite. Das ist
auch der Grund für den oben erwähnten Effekt, daß sich die
Bilder von zwei Nahaufnahmen von demselben Objekt
praktisch nicht unterscheiden, die einmal mit kurzer und einmal
mit langer Brennweite, aber mit gleichem Abbildungsmaßstab
und gleicher Blendeneinstellung aufgenommen wurden. Für die
Aufnahmeplanung ist es günstig, daß bei Nahaufnahmen der
Schärfentiefenbereich etwa symmetrisch zur Objektebene liegt.
Kapitel 8 enthält umfangreiche Informationen und Tabellen, die
Aufschluß über die zu erzielende Schärfentiefe im Nahbereich
geben. Dies ist für die Planung einer Nahaufnahme von
besonderem Vorteil. Aus den angeführten Tabellen kann der
Abbildungsmaßstab für einen gegebenen Aufnahmeabstand
abgelesen werden. Sie geben dazu die Schärfentiefe für die
jeweils gewählten Blende an.

11 Zusammenfassung
Die Anwendung einer Nahlinse ist der preisweteste Einstieg
in die Makrofotografie. Durch eine gute Nahlinse, zum Beispiel
einen Achromaten, wird weder die Lichtstärke des Objektivs
noch seine Abbildungsleistung beeinträchtigt. Da das
Standardobjektiv von zum Beispiel 50 mm Brennweite für das
Kleinbildformat gewöhnlich vorhanden ist, genügt für diesen
Einstieg die Anschaffung einer solchen Linse zusammen mit
einer Gegenlichtblende, die sich in das vordere Gewinde der
Nahlinse schrauben läßt.

224
Freier Raum für persönliche Notizen

225
Kapitel 8

ZUR SCHÄRFENTIEFE
BEI FOTOGRAFISCHEN AUFNAHMEN

226
Abschnitt Inhalt Seite

1 Einleitung 228
2 Aufgabe 228
3 Begriffe 229
4 Zugelassener Durchmesser des 262
Unschärfekreis
4.1 Auflösungsvermögen des menschlichen 231
Auges
4.2 Betrachtungsabstand 232
4.3 Unschärfekreis 232
5 Anwendung auf verschiedene 233
Aufnahmeformate
5.1 Kleinbildformat 233
5.2 Mittelformat 233
5.3 Zusammenfassung 233
5.4 Folgerungen 233
6 Aufnahmeabstand und Abbildungsmaßstab 234
6.1 Aufnahmeabstand 234
6.2 Abbildungsmaßstab 235
7 Schärfentiefenbereich 235
7.1 Herleitung 235
7.2 Berechnung 236
7.3 Berechnung aus dem Abbildungsmaßstab 236
7.4 Anwendung 236
7.5 Grenzfälle 237
8 Verlängerungsfaktor und 238
Blendenzahl-Korrektur bei Nahaufnahmen
9 Im Text verwendete Größenzeichen 239

Anhang A Schärfentiefe als Funktion des Abbildungs- 240


Maßstabes
A1 Herleitung 240
A2 Tabelle A1 240
A3 Tabelle A2 241
A4 Entfernungseinstellung für Schnappschüsse 242

227
1 EINLEITUNG
In der bildhaften Fotografie gehört eine Gravur oder Skala
für die Schärfentiefe an dem Objektiv oder an einer geeigneten
Stelle des Kameragehäuses zur Standardausrüstung. An dieser
Skala wird für die gewählte Blendenzahl und
Entfernungseinstellung der zugehörige Schärfentiefenbereich
angezeigt. Diese Anzeige ist gewöhnlich wenig genau und kann
nur als Anhalt berücksichtigt werden. Meistens ist nicht
bekannt, auf welchen Annahmen diese Anzeige beruht. Sie
verliert ohnehin bei Nahaufnahmen mit Auszugsverlängerung
ihre Bedeutung.
Die Ursachen von mangelndem Schärfeeindruck einer
fotografischen Aufnahme sind vielfältig. Dies können zum
Beispiel ein ungeeignetes oder verschmutztes Objektiv,
unbrauchbares Filmmaterial, ein sich zu stark bewegendes
Objekt oder die ungenügende Planlage des Films in der
Kamera oder in der Filmbühne des Vergrößerungsgeräts sein.
Auch der Fotograf selber kann mitwirken, indem er die Kamera
schlicht verwackelt, verreißt oder so verkehrt einstellt, daß
bildwichtige Teile des abzubildenden Gegenstandes außerhalb
des Schärfentiefenbereichs liegen. Auch die Fehleinschätzung
der Anzeige an der Skala für die Schärfentiefen-Gravur kann zu
unbrauchbaren Aufnahmen führen.
Mit abnehmendem Aufnahmeabstand verringert sich auch
der Schärfentiefenbereich, während die Schwierigkeiten, richtig
zu fokussieren, zunehmen. Bei Nahaufnahmen kann der
Schärfentiefenbereich bis auf Bruchteile von Millimetern
schrumpfen. Weder starkes Abblenden noch die Hoffnung auf
großes Glück können in diesen Fällen genaues Einstellen auf
den gewünschten Objektbereich ersetzen. Die Kenntnis der zu
erwartenden Schärfentiefe ist daher besonders im Nahbereich
für die Planung einer Aufnahme erforderlich. Entsprechend soll
dieses Kapitel vorrangig Hilfestellung bei der Fotografie im
Nahbereich geben.

2 AUFGABE
Es werden die wenigen Grundlagen behandelt, die zum
Verständnis der Schärfentiefe und ihrer richtigen Einschätzung
bei der Planung einer Aufnahme erforderlich sind. Dazu werden
die hier benutzten Begriffe vorangestellt und erklärt. Aus
wenigen einfachen Annahmen wird die größte zugelassene
Unschärfe hergeleitet und daraus der zu einer beliebigen
Entfernungseinstellung gehörende Schärfentiefenbereich. Dem
Leser wird die Möglichkeit gegeben, im einzelnen Fall selber zu
entscheiden, welche Annahmen er für die größte zulässige
Unschärfe treffen möchte, um den sich daraus ergebenden
Schärfentiefenbereich und die entsprechende
Kameraeinstellung zu ermitteln. Insbesondere für Aufnahmen
im Nahbereich helfen hierbei umfangreiche Tabellen am Ende
dieses Kapitels.

228
3 BEGRIFFE

Abbild
Abbild oder Abbildung ist allgemein die mit einem gewissen
Abbildungsmaßstab erzeugte Darstellung eines
Gegenstandes, die alle Maße und Details proportional
wiedergibt.

Aufnahmeabstand
Der Aufnahmeabstand a ist die Entfernung des Bereichs
des Gegenstandes, auf den fokussiert wird, von der Filmebene
und kann, besonders bei Aufnahmen im Nahbereich, z.B.
mittels Zollstock gemessen werden.

Austrittspupille
Hiermit wird der Durchmesser Pa der sichtbaren
Blendenöffnung beim Blick auf die hintere Linse des Objektivs
bezeichnet.

Betrachtungsabstand
Dies ist die Entfernung s, mit der ein Bild betrachtet wird.
Der Betrachtungsabstand ist gewöhnlich nicht kleiner als die
Bilddiagonale.

Bild
In der Fotografie wird der vom Filmnegativ mittels
Vergrößerungsvorgang erzeugte Abzug auf Fotopapier als Bild
oder Kopie bezeichnet. Wegen der möglichen Manipulationen
beim Vergrößern ist eine solche Kopie kein Abbild.

Bildweite
Der Abstand der Filmebene von der bildseitigen
Hauptebene des Objektives wird als Bildweite b bezeichnet.

Blendenstufe
Der Übergang von einer Blendenzahl zur nächstgrößeren
oder nächstkleineren entspricht einer Blendenstufe.

Blendenzahlkorrektur
Dies ist die Zahl der Blendenstufen ∆F, um die die Blende
gegenüber der mit einem externen Belichtungsmesser
festgestellten Blendenzahl geöffnet werden muß, wenn
Aufnahmen mit Abbildungsmaßstäben erfolgen, die größer
sind als etwa M = 1:10.

Brennweite
Der Abstand der bildseitigen Hauptebene des Objektives
von der Filmebene bei Einstellung auf Unendlich wird als
Brennweite f bezeichnet. Hierbei wird ein unendlich ferner
Punkt in der Filmebene scharf abgebildet.

229
Eintrittspupille
Hiermit wird der Durchmesser Pe der sichtbaren
Blendenöffnung beim Blick auf die Frontlinse des Objektivs
bezeichnet.

Gegenstandsweite
Der Abstand des Gegenstandes von der dingseitigen
Hauptebene des Objektives wird als Gegenstandsweite g
bezeichnet.

Hyperfokale Distanz
Wird für eine Aufnahme so fokussiert, daß die weite Grenze
für den Schärfentiefenbereich gerade mit der Marke
Unendlich zusammenfällt, so heißt die eingestellte Entfernung
hyperfokale Distanz ah. In dem Fall entspricht die nahe Grenze
für den Schärfentiefenbereich gerade der halben hyperfokalen
Distanz. Diese Art der Fokussierung wird für kurze
Brennweiten bis etwa zur Normalbrennweite auch als
Schnappschußeinstellung bezeichnet.

Kopie
Siehe hierzu unter Bild.

Normalbrennweite
Entspricht die Brennweite eines Objektivs etwa der
Diagonalen des Negativs, so wird sie auch als
Normalbrennweite oder Standardbrennweite bezeichnet. Für
das 6x6-Mittelformat beträgt die Normalbrennweite etwa 80 mm
und für das Kleinbild-Format etwa 43 mm.

Anmerkung 1 – Unabhängig von der Wahl von Hoch- oder


Querformat liegt beim Kleinbild das Negativ immer im Bildkreis
von 43 mm Durchmesser.

Schärfe
Der Begriff der Schärfe ist nicht definiert und wird in
unterschiedlicher Bedeutung verwendet. Er wird auch im Sinne
von scharf einstellen oder richtig fokussieren benutzt und ist
damit ein Wortbestandteil des Begriffs der Schärfentiefe.
Andererseits muß eine Abbildung bei richtiger Fokussierung
nicht zwangsläufig „scharf“ sein, denn das hängt von vielen
zusätzlichen Faktoren ab. Siehe hierzu Kapitel 9.

Anmerkung 2 - Die Wortbestandteile „Schärfe“ oder


„scharf“ werden im Zusammenhang mit der Fotografie meistens
falsch eingesetzt. Das gilt auch für den „Schärfentiefenbereich“
(englisch zweckmäßiger: depth of field), der nichts anderes ist
als der Bereich des Aufnahmeabstandes, in dem eine vom
Fotografen festgelegte Unschärfe toleriert wird. Jede Optik
bildet nur in dem Abstand „scharf“ ab, auf den fokussiert wird.

230
Schärfentiefe, Schärfentiefenbereich
Dies ist der Bereich des Aufnahmeabstandes von einer
nahen bis zu einer weiten Grenze, zwischen denen sich der
Gegenstand bei der Aufnahme befinden muß, wenn die
geplante Vergrößerung von dem Negativ keine störenden
einstellbedingten Unschärfen zeigen soll.

Schnappschusseinstellung Siehe Hyperfokale Distanz.

Unschärfe
Entsprechend dem Begriff der Schärfe ist auch Unschärfe
nicht definiert. Sie entsteht zum Beispiel durch falsches
Fokussieren, durch Verwenden ungeeigneter optischer
Einrichtungen und Verwackeln.

Unschärfekreis
Ein Punkt des Gegenstandes, auf den nicht fokussiert
wurde, wird auf dem Film als rundes Scheibchen abgebildet.
Der Durchmesser 2r’ dieses Scheibchens wird als
Unschärfekreis bezeichnet. Er wird umso größer, je weiter der
abzubildende Punkt des Gegenstandes von der Einstellebene
entfernt ist.

Vergrößerungsfaktor
Der Vergrößerungsfaktor V ist das Verhältnis der Größe des
Bildes zu derjenigen der Negativvorlage.

Verlängerungsfaktor
Dies ist der Faktor E, mit dem die mit einem externen
Belichtungsmesser festgestellte Belichtungszeit verlängert
werden muß, wenn Aufnahmen mit Abbildungsmaßstäben
erfolgen, die größer sind als etwa M = 1:10.

4 ZUGELASSENER DURCHMESSER
DES UNSCHÄRFEKREISES
Der größte zugelassene Durchmesser des
Unschärfekreises kann aus zwei einfachen Annahmen
hergeleitet werden. Die erste Annahme betrifft das
Auflösungsvermögen des menschlichen Auges, die zweite den
Abstand, aus dem ein Bild betrachtet wird. Dabei kann eine
gewisse Unschärfe zugelassen werden, soweit dies bei der
Betrachtung des Bildes nicht erkennbar stört und der Eindruck
bildwichtiger Bereiche nicht beeinträchtigt wird. Die Aufgabe
besteht jetzt darin, den größten noch zulässigen Durchmesser
für den Unschärfekreis festzulegen und daraus den
Schärfentiefenbereich für einen beliebigen Aufnahmeabstand
zu ermitteln.

4.1 Auflösungsvermögen des menschlichen Auges


Nach Westphal [18] werden Winkel von einer Winkelminute
(1' = 1/60 Grad) vom menschlichen Auge gerade noch
aufgelöst, siehe hierzu auch Pohl [19] und Osterloh [20]. So

231
werden zwei gleichweit entfernte und etwa gleich große Punkte
noch als getrennte Punkte erkannt, falls der Abstand zwischen
ihnen zu einem Betrachtungswinkel ε führt, der mindestens
1' (Winkelminute) beträgt.

4.2 Betrachtungsabstand
Wird ein Bild mit einem Betrachtungsabstand s angeschaut
und werden dabei zwei Bildpunkte unter einem Winkel ε
gesehen, so ergibt sich der Abstand dieser beiden Bildpunkte
voneinander gerade zu
r = s tan ε Gleichung 01
Wird jetzt dem Vorschlag von Westphal gefolgt und für
ε = 1' eingesetzt, so ergibt sich für den kleinsten Abstand der
beiden Bildpunkte voneinander, der es gerade noch gestattet,
sie aus der Entfernung s als getrennte Punkte zu erkennen,
rmin = s tan1' Gleichung 02
= 0,000 291 s
Auf dem Film reduziert sich der Betrag von rmin um den
Vergrößerungsfaktor V der geplanten und später
anzuwendenden Vergrößerung bei der Anfertigung des Bildes
zu
r' = rmin/V
= s (tan 1’)/V Gleichung 03
= 0,000 291 s/V
Jetzt beweist die Praxis, daß auch für größere Formate von
etwa 24 cm x 30 cm und darüber vom Betrachter automatisch
Betrachtungsabstände gewählt werden, die mindestens der
Bilddiagonalen D entsprechen und die bei kleineren Formaten
ein Mehrfaches von D betragen können. Daher ist es
zweckmäßig, für die Ermittlung der Schärfentiefe einen
Betrachtungsabstand s = D anzusetzen. Für die Diagonale d
des Negativs gilt
d = D/V, Gleichung 04
wobei in unserem Fall also D = s der Betrachtungsabstand
ist.
4.3 Unschärfekreis
Jetzt genügt es bereits, auf dem Film 2r' als größten
zulässigen Durchmesser für den Unschärfekreis festzulegen,
damit die beiden Punkte, die auf dem Bild den Abstand rmin
haben, gerade noch als getrennte Punkte erkennbar sind, wenn
das Bild im Abstand s betrachtet wird. Aus den Gleichungen 03
und 04 folgt
2r' = 2 x 0,000 291 d Gleichung 05
= 0,000 582 d
= d/1 719
Die Annahme s = D hat also zur Folge, daß der größte
zulässige Durchmesser 2r' für den Unschärfekreis auf dem
Negativ nicht mehr vom geplanten Vergrößerungsmaßstab der
späteren Vergrößerung abhängt sondern nur noch vom
verwendeten Negativformat, ausgedrückt durch die effektive
Diagonale d des Negativs.

232
5 ANWENDUNG AUF VERSCHIEDENE
AUFNAHMEFORMATE
Jetzt können die größten zulässigen Durchmesser der
Unschärfekreise für verschiedene Aufnahmeformate berechnet
werden. Sehr gebräuchliche Filme sind der Kleinbildfilm und der
Rollfilm für das Mittelformat

5.1 Kleinbildformat
Die Diagonale für das effektive Aufnahmeformat 24 x 36
mm des Kleinbildfilms (Leica-Films) beträgt
dL = √(23,52 + 35,52) Gleichung 06
= 42 mm
Daraus ergibt sich für den größten zulässigen
Unschärfekreis
2r'L = 2 x 0,000 291 x 42 mm Gleichung 07
= 0,024 mm

5.2 Mittelformat
Die Diagonale des Negativs für das effektive 6x6-
Mittelformat 58 x 58 mm beträgt
dR = √(2 x 582) Gleichung 08
= 82 mm
Daraus ergibt sich für den größten zulässigen
Unschärfekreis
2r'R = 2 x 0,000 291 x 82 mm Gleichung 09
= 0,048 mm

5.3 Zusammenfassung
Der größte zulässige Durchmesser für den Unschärfekreis
des Kleinbild-Formats darf also nur etwa halb so groß gewählt
werden wie derjenige für das 6x6-Mittelformat. Der Vorteil der
Gleichungen 07 und 09 besteht darin, daß sie sich gut
begründen lassen und anschaulich nachvollziehbar sind, auch
wenn im Einzelfall von dem damit erzielten Ergebnis
abgewichen wird. Ersichtlich kann die Rechnung ohne
Schwierigkeiten auch auf andere Formate übertragen werden.

5.4 Folgerungen
Wird zum Beispiel eine Vergrößerung mit dem Faktor 10
angefertigt, so wird auch der größte zulässige Durchmesser
des festgelegten Unschärfekreises mit dem gleichen Faktor
vergrößert, also zum Beispiel beim Mittelformat auf 0,46 mm.
Die scharfe Kante eines Gegenstandes, der am Rande des
Schärfentiefenbereichs liegt, wird auf dem Bild folglich als
„Balken“ von rund 0,5 mm Breite dargestellt und erscheint erst
wieder beim Betrachten aus etwa 80 cm Abstand als scharf
abgebildete Kante. Ein feiner, dünner Zweig am Rande des
Schärfentiefenbereichs, der auf dem Bild eigentlich nur eine
Dicke von 0,5 mm haben sollte, würde sich bei dieser
Vergrößerung 1 mm „breit“ machen. Dies zeigt hinreichend,
daß als Voraussetzung für die hier angestellten Überlegungen
keinesfalls ein größerer Betrag für den Winkel ε angenommen

233
werden sollte als der von Westphal vorgeschlagene. Dies gilt
besonders dann, wenn später starke
Ausschnittsvergrößerungen von Details der Vorlage
vorgesehen sind.

6 AUFNAHMEABSTAND UND
ABBILDUNGSMASSSTAB
Diese beiden Größen werden im Folgenden vielfältig
benutzt. Sie werden mit Vorteil in die benötigten
Rechenvorschriften eingefügt und dienen zu deren einfacher
und praktischer Anwendung.

6.1 Aufnahmeabstand
Der Aufnahmeabstand a, der die Entfernung des Objekts
von der Filmebene darstellt, ist eine nützliche und
leistungsfähige Größe sowohl für die Erklärung der folgenden
Zusammenhänge als auch besonders in der Praxis des
Fotografierens im Nahbereich. Die Lage der Filmebene in der
Kamera ist gewöhnlich bekannt und häufig am Kameragehäuse
sichtbar eingraviert. Dies ermöglicht dem Fotografen, eine
bequeme und genaue Messung des Aufnahmeabstandes
vorzunehmen. Aus Aufnahmeabstand, Gegenstandsweite und
Bildweite kann jetzt eine für die Fotografie im Nahbereich
wichtige Beziehung hergeleitet werden. Unter der Annahme,
daß der Abstand der beiden Hauptebenen im Objektiv sehr viel
kleiner ist als der Aufnahmeabstand und deshalb vernachlässigt
werden kann, gilt für den Aufnahmeabstand
a≈g+b Gleichung 10
Um die Verhältnisse für kleine Aufnahmeabstände zu
übersehen, kann in der „Linsenformel“
1/f = 1/g + 1/b Gleichung 11
mit Hilfe von Gleichung 10 die Bildweite b ersetzt werden.
Daraus folgt
0 = g2 - ag + af Gleichung 12
oder
a2/4 - af = g2 - 2ag/2 + a2/4,
eine einfache quadratische Gleichung mit den Lösungen
g = a/2 ± √(a2/4 - af) Gleichung 13
Hiermit wird g aus a berechnet, wie es für die nachfolgende
Ermittlung des Schärfentiefenbereichs erforderlich ist. Das
positive Vorzeichen vor dem Wurzelausdruck gilt für g ≥ b und
das negative für g ≤ b. Die Gleichung 13 ist lösbar unter der
Bedingung, daß
a ≥ 4f Gleichung 14
Eine reelle Abbildung wird also nur erzeugt, wenn der
Aufnahmeabstand nach Gleichung 14 nicht kleiner ist als das
Vierfache der für die Abbildung verwendeten Brennweite.
Daß dieser Zusammenhang nicht trivial ist, merkt der
Fotograf sofort, wenn er zum erstenmal Kamera und Objektiv
an ein Balgengerät schraubt und versucht, auf der Mattscheibe
eine scharfe Abbildung zu erhalten. Hier hilft in jedem Fall der
„Zollstock“: Die vierfache Brennweite des Objektivs ist der

234
Mindestabstand vom aufzunehmenden Gegenstand bis zum
Film in der Kamera. Befindet sich der Gegenstand in einer
kürzeren Entfernung, so verhilft alles Drehen und Schrauben an
den Einstellrädern des Balgens nicht zu einem scharfen Bild.
Siehe hierzu Kapitel 7.

6.2 Abbildungsmaßstab
Für das weitere Vorgehen wird noch der
Abbildungsmaßstab M benötigt, für den die folgende Definition
gilt,
M = b/g Gleichung 15
oder, wenn G die Gegenstandsgröße und B die Bildgröße
sind,
M = B/G Gleichung 16
Mit der Vereinbarung für den Reziprokwert Y = g/b ergibt
sich die übliche Schreibweise für M zu
M = 1/Y Gleichung 17

7 SCHÄRFENTIEFENBEREICH
7.1 Herleitung
Es wird vereinbart, auch diejenigen Bereiche des
Aufnahmegegenstands als hinreichend „scharf“ abgebildet zu
bezeichnen, für die die Unschärfekreise auf dem Film den
jeweils festgelegten größten Durchmesser nicht überschreiten.
Der Bereich zwischen den beiden Gegenstandsebenen vor und
hinter dem eingestellten Aufnahmeabstand, für den dies zutrifft,
wird mit Schärfentiefe oder Schärfentiefenbereich S bezeichnet.
Ist der größte zulässige Durchmesser für den Unschärfekreis
festgelegt, so lassen sich bei gegebener Brennweite f für einen
beliebig gewünschten Aufnahmeabstand a und für die dazu
gewählte Blendenzahl F die Grenzen des
Schärfentiefenbereichs a1 (nahe Grenze) und a2 (weite Grenze)
ermitteln. Zu diesem Zweck werden zunächst die
Gegenstandsweiten g1 (nahe Grenze) und g2 (weite Grenze)
nach den folgenden Gleichungen berechnet, auf deren
Herleitung hier verzichtet werden soll [18].
g1 = g - [g(g - f) r']/[Rf + (g - f) r'] Gleichung 18
g2 = g + [g(g - f) r']/[Rf - (g - f) r'] Gleichung 19
Hierin ist R der Radius der Blendenöffnung mit R = f/2F und
g die an der Kamera vorgenommene Entfernungseinstellung
oder Gegenstandsweite. Aus g1 und g2 ergeben sich die
zugehörigen Aufnahmeabstände a1 für die nahe Grenze zu
a1 = a - (g - g1) Gleichung 20
und a2 für die weite Grenze zu
a2 = a + (g2 - g) . Gleichung 21
Der zwischen den beiden Grenzen g1 und g2
beziehungsweise a1 und a2 eingeschlossene Bereich bildet den
Schärfentiefenbereich S entsprechend
S = g2 - g1 Gleichung 22
= a2 - a1

235
7.2 Berechnung
Die Berechnung des Schärfentiefenbereichs erfolgt so, daß
zunächst g aus a nach Gleichung 13 berechnet und das
Ergebnis in die Gleichungen 18 und 19 eingesetzt wird. Dabei
kann im Falle a > 10f mit vernachlässigbarem Fehler g = a
geschrieben werden, so daß die Gleichung 13 nicht benötigt
wird. Das System der Gleichungen 18 und 19 gilt für alle
Aufnahmeabstände a. Sie sind jedoch praktisch nur mit Hilfe
eines wissenschaftlichen Taschenrechners oder eines PCs zu
bewältigen.

7.3 Berechnung aus dem Abbildungsmaßstab


Der Schärfentiefenbereich läßt sich aber auch, wie in
Anhang A gezeigt wird, als Funktion des
Abbildungsmaßstabes darstellen und hängt dann nicht mehr
von der Brennweite ab. In Anhang A wird diese Funktion aus
den Gleichungen 18 und 19 hergeleitet und ergibt die einfache
Beziehung
S = 4Fr'(1 + 1/M)/M Gleichung 23
= 4Fr'(1 + M)/M2
Gleichung 23 zeigt, daß der Schärfentiefenbereich vom
Abbildungsmaßstab, von der eingestellten Blendenzahl und von
dem vereinbarten Durchmesser des Unschärfekreises abhängt.
Dabei ist die Abhängigkeit von Blendenzahl und Durchmesser
des Unschärfekreises linear, was sich für die Praxis als
vorteilhaft erweist.

7.4 Anwendung
Grundsätzlich ist der Schärfentiefenbereich unsymmetrisch
um den eingestellten Aufnahmeabstand verteilt. Dies gilt um so
mehr, je größer der Aufnahmeabstand wird. Gleichung 23 zeigt
uns diese Verteilung nicht, obwohl sie ebenso für alle
Aufnahmeabstände gilt. Im Nahbereich ist jedoch der
Schärfentiefenbereich praktisch symmetrisch um den
eingestellten Aufnahmeabstand angeordnet. In Anhang A sind
die Schärfentiefenbereiche nach Gleichung 23 als Funktion des
Abbildungsmaßstabes für den Nahbereich tabelliert. In einer
weiteren Tabelle kann zu dem eingestellten Aufnahmeabstand
der Abbildungsmaßstab abgelesen werden.
Da S nach Gleichung 23 nicht nur vom Abbildungsmaßstab
abhängt, sondern auch ein linearer Zusammenhang zwischen S
und den frei zu wählenden Parametern 2r' und F besteht,
ergeben sich zwei einfache, aber für die Praxis wichtige
Regeln:
Der Schärfentiefenbereich wächst oder schrumpft in
demselben Maße wie der Durchmesser für den Unschärfekreis.
Der Schärfentiefenbereich wächst oder schrumpft um einen
Faktor √2, wenn die Blende um eine Blendenstufe
geschlossen beziehungsweise geöffnet wird.

236
7.5 Grenzfälle
Der Schärfentiefenbereich nimmt mit wachsendem
Aufnahmeabstand rasch zu. Das kann in bestimmten Fällen zu
falscher Einschätzung der Verhältnisse führen, wie das
folgende Beispiel zeigen soll.

Beispiel 1 - Mit dem 80-mm-Objektiv einer Rollfilmkamera


wird auf etwa a = 12 m Aufnahmeabstand fokussiert. Der
größte zugelassene Durchmesser für den Unschärfekreis wird
zu 2r' = 0,046 mm festgelegt. Bei Blende 11 zeigt in diesem Fall
die Einstellmarke gerade auf Unendlich als der weiten Grenze
für den Schärfentiefenbereich. Um aber sicher zu gehen, daß
unendlich ferne Gegenstände wirklich hinreichend scharf
abgebildet werden, wird das Objektiv auf F = 16 abgeblendet.
Unter anderem wird eine Hauswand abgebildet, die sich in
einem Abstand von etwa 100 m Entfernung befindet. Für diese
Hauswand beträgt der Abbildungsmaßstab M = 1:1 240, sie
liegt also für die Aufnahmeeinstellung praktisch im
Unendlichen. An der Hauswand hat ein Kaufmann Tafeln
aufgestellt, auf denen er seine Angebote preist. Er schreibt
kontrastreich und deutlich mit weißer Kreide auf schwarzem
Grund und mit einer Strichbreite von etwa 30 mm, kein Problem
für ein erstklassiges 80-mm-Objektiv bei dieser Entfernung.

Durch das zusätzliche Abblenden um einen Blendenwert


verringert sich der Durchmesser des Unschärfekreises um den
Faktor √2 = 1,4, also auf 0,046/1,4 = 0,033 mm. Auf dem Film
erscheint die Strichbreite um den Abbildungsmaßstab
verkleinert, nämlich zu 30/1 240 = 0,024 mm. Wegen des
verbleibenden Durchmessers des Unschärfekreises von
0,033 mm bei der gegebenen Objektiveinstellung verbreitert
sich die Strichbreite der Werbeschrift auf dem Film um mehr als
das Doppelte, nämlich von 0,024 mm auf 0,024 + 0,033 = 0,057
mm. Selbst das zusätzliche Abblenden auf Blende 16 hat nicht
verhindert, daß die Schrift sehr unscharf abgebildet wird und im
Falle einer Vergrößerung nur sehr undeutlich zu erkennen sein
würde. Auch weiteres Abblenden auf Blende 22 würde immer
noch zu einem Unschärfekreis von 0,024 mm und damit zu
einer abgebildeten Schriftbreite von 0,048 mm führen, doppelt
so breit wie bei Fokussierung auf die Schrift selbst.
Beispiel 1 zeigt, wie falsch die Annahme ist, für
Gegenstände, die praktisch im Unendlichen liegen, eine
hinreichend scharfe Abbildung zu erwarten, wenn die
Unendlich-Marke nur deutlich vom Schärfentiefenbereich
überdeckt wird. Auch für die Ferne gilt, daß genau fokussiert
werden muß, falls größte Einstellschärfe gewünscht wird. Mit
Beispiel 1 wird aber auch gezeigt, wie einfach es ist, mit einer
kleinen Rechnung nachzuprüfen, ob die gewählte Einstellung
den gewünschten Anforderungen genügt. Insbesondere bei
Landschaftsaufnahmen kann es, wie dieses Beispiel zeigt,
gegebenenfalls vorteilhaft sein, die Kamera auf Unendlich zu
fokussieren und eine entsprechende Unschärfe der

237
Gegenstände im Vordergrund in Kauf zu nehmen, die wegen
des erheblich größeren Abbildungsmaßstabs nicht so deutlich
in Erscheinung tritt wie diejenige von fernen Gegenständen.

8 VERLÄNGERUNGSFAKTOR UND BLENDEN-


ZAHLKORREKTUR BEI NAHAUFNAHMEN
Bei Nahaufnahmen mit Abbildungsmaßstäben von M ≥ 1:10
muß wegen der damit verbundenen Auszugsverlängerung die
Belichtungszeit gegenüber derjenigen für kleine
Abbildungsmaßstäbe verlängert werden. Dabei ergibt sich für
den Verlängerungsfaktor E = b2/f2. Wegen b/f = 1 + b/g = 1 + M
folgt die einfache Beziehung
E = (1 + M)2 Gleichung 24
Ist die Kamera mit TTL-Messung (TTL = Through The
Lense) der Belichtungszeit ausgerüstet, so wird der
entsprechende Verlängerungsfaktor automatisch berücksichtigt.
Anstelle der Verlängerung der Belichtungszeit kann aber auch
die Blende, im Falle von Blitzaufnahmen muß die Blende des
Objektivs gegenüber der am Blitzgerät abgelesenen
Blendenzahl weiter geöffnet werden. Um eine Verdoppelung
der Lichtmenge um einen Faktor 2 zu erhalten, muß um eine
Blendenstufe weiter geöffnet werden, für einen Faktor 4 um
zwei Blendenstufen, für einen Faktor 8 um drei Blendenstufen
und so weiter. Diese Änderung der Blendenzahl, die
Blendenzahlkorrektur ∆F, ist damit eine Funktion des
Logarithmus zur Basis 2 des Verlängerungsfaktors E,
∆F = (logE)/log2 Gleichung 25
Wird E aus Gleichung 24 eingesetzt, so folgt
∆F = [2log(1 + M)]/log2 Gleichung 26

Anmerkung 3 - Die Gleichungen 24 bis 26 gelten genau


nur für weitgehend symmetrisch gebaute Objektive mit
Eintrittspupille Pe ≈ Austrittspupille Pa. Ist dies nicht der Fall, so
muß E ersetzt werden durch
E' = (Pa/Pe + M)(Pe/Pa)2 Gleichung 27

Praktisch alle Objektive, die besonders für den Nahbereich


angeboten werden, sind vom Doppelanastigmaten hergeleitete
so genannte Gauss-Typen, die hinreichend symmetrisch
aufgebaut sind.

Ist die Kamera mit TTL-Steuerung des Blitzgerätes


ausgerüstet, so wird die vom Blitzgerät abgegebene
Lichtmenge automatisch gesteuert. Stehen keine TTL-
Belichtungsmessung oder TTL-Blitzsteuerung zur Verfügung,
so werden der Verlängerungsfaktor E oder die
Blendenzahlkorrektur ∆F in der Tabelle A1 in Anhang A
abgelesen. Siehe hierzu auch Kapitel 7.

238
9 IM TEXT VERWENDETE GRÖSSENZEICHEN
Die im Text verwendeten Größenzeichen und ihre
Bedeutung sind in Tabelle 1 zusammengestellt.

Tabelle 1 - Erklärung der Größenzeichen

Größe Bedeutung

ε Betrachtungswinkel, unter dem zwei Punkte


gesehen werden
a Aufnahmeabstand
ah Schnappschußeinstellung, hyperfocale Distanz
b Bildweite
B Bildgröße

d Diagonale des Negativs


D Diagonale des positiven Bildes
E Verlängerungsfaktor
E’ Verlängerungsfaktor für Pe ≠ Pa
f Brennweite des Objektivs

F Blendenzahl
∆F Blendenzahlkorrektur
g Gegenstandsweite
G Gegenstandsgröße
g1 Nahe Grenze des Schärfentiefenbereichs

g2 Weite Grenze des Schärfentiefenbereichs


M Abbildungsmaßstab
Pa Durchmesser der Austrittspupille
Pe Durchmesser der Eintrittspupille
R Radius der Blendenöffnung

S Schärfentiefenbereich, Schärfentiefe
V Vergrößerungsfaktor
Y Kehrwert von M

239
ANHANG A
Schärfentiefe als Funktion des Abbildungsmaßstabes

A1 HERLEITUNG
Die Gleichungen 18 und 19 in Abschnitt 7.1 enthalten das
Element
Z = g(g - f)r'/[Rf ± (g - f)r'] Gleichung A1
Durch Einsetzen von R = f/2F und Umformen folgt daraus
2Fr'g(g - f)/f2
Z= Gleichung A2
2
1 ± 2Fr'(g - f)/f
Aus der „Linsenformel“ kann (g - f)/f = g/b und
2
g(g - f)/f = g/b(1 + g/b) hergeleitet werden. Daraus und mit der
in Abschnitt 6.2 eingeführten Vereinfachung g/b = Y ergibt sich
das oben hingeschriebene Element Z zu
2Fr'(1 + Y)Y 2Fr'(1 + Y)Y
Z= =
1 ± 2 Fr'Y/f 1±µ
Gleichung A3
Hierin ist µ = 2Fr'Y/f im Nenner eine kleine Zahl, die selbst
im Falle sehr großer Abbildungsmaßstäbe von M = 6 bis M = 10
(Y = 0,167 bis 0,100) den Betrag von 0,3 kaum überschreitet.
Nun gilt allgemein
N = 1/(1 + µ) + 1/(1 - µ) Gleichung A6
= 2/(1 - µ2)
Für kleine Beträge von µ mit µ << 1 wird N ≈ 2. Durch
Einsetzen von Z in die Gleichungen 18 und 19 in Abschnitt 7.1
ergibt sich für den Schärfentiefenbereich
S = g2 - g1
= 2Fr'(Y + 1)Y/[1/(1 - µ) + 1/(1 + µ)]
Gleichung A7
Durch Vergleich mit Gleichung A5 wird dies schließlich zu
S ≈ 4 Fr'(1 + Y)Y Gleichung A8
≈ 4 Fr'(1 + 1/M)/M²
und ist identisch mit Gleichung 23 in Abschnitt 7.3, was zu
beweisen war. Gleichung A8 gilt immer, insbesondere auch
beim Verwenden von Vorsatzlinsen oder besonders
konstruierten Teleobjektiven, wo die Anwendung der
Gleichungen 18 und 19 gelegentlich versagt. Gleichung A8 ist
ferner in solchen Fällen von Vorteil, wo der Abbildungsmaßstab
bekannt ist oder bestimmt werden kann. Dazu eignet sich bei
Nahaufnahmen zum Beispiel die nachfolgend angeführte
Tabelle A2.

A2 TABELLE A1
Die folgende Tabelle A1 ist nach Gleichung A8 für den
Kleinbild-Film mit 2r' = 0,024 mm als größtem zulässigen
Durchmesser für den Unschärfekreis gerechnet. Da die Größen
S und r' nach Gleichung A8 linear miteinander verknüpft sind,
kann für andere Werte von 2r' der neue Betrag von S aus dem
abgelesenen einfach berechnet werden. Für das Mittelformat
zum Beispiel wird der in Tabelle A1 abgelesene Betrag S

240
einfach verdoppelt, wie aus Vergleich der Gleichungen 07 und
09 nach Abschnitt 5 hervorgeht. Die jeweils vorletzte und
letzte Spalte in Tabelle A1 enthalten zusätzlich den
Verlängerungsfaktor E für die Belichtungszeit beziehungsweise
die Blendenzahldifferenz ∆F, die insbesondere für
Blitzaufnahmen benötigt wird, siehe hierzu die Gleichungen 24
beziehungsweise 26 in Abschnitt 8.

Anmerkung A1 - Paysan zeigt eine entsprechende Tabelle


für das Kleinbildformat. Er hat mit 2r' = 0,030 mm gerechnet
und entsprechend größere Werte für den Schärfentiefenbereich
erhalten. Ferner enthält seine Rechnung gegenüber der hier
vorgelegten eine systematische Abweichung von etwa + 10%
[21]. Die Angaben von Leica in einer Tabelle zur Schärfentiefe
in der Bedienungsanleitung für das Balgeneinstellgerät R BR2
beruhen auf der Annahme 2r' = 0,033 mm. Die dabei zugrunde
gelegte Rechnung genügt genau der Gleichung A8.

A3 TABELLE A2
Tabelle A2 enthält die Aufnahmeabstände a für einige
ausgewählte Brennweiten f bei vorgegebenem
Abbildungsmaßstab M. Als Rechengrundlage für Tabelle A2
dienen die Gleichungen 10 und 11, aus denen mit M = b/g für
den Aufnahmeabstand a, gemessen in m, der Ausdruck
a = f(M + 1)2/(1 000 x M) Gleichung A9
folgt, wenn f in mm gemessen wird. Aus Tabelle A2 kann
für einen vorgegebenen Aufnahmeabstand und verschiedene
gebräuchliche Brennweiten der zugehörige Abbildungsmaßstab
abgelesen werden, zu welchem in Tabelle A1 die damit zu
erzielenden Schärfentiefenbereiche für die verschiedenen
Blendeneinstellungen angegeben sind. Damit sind diese
Tabellen besonders für die Fotografie im Nahbereich eine
nützliche Hilfe.
Beispiel A1 - Mit einem Objektiv von 50 mm Brennweite
und Verwendung eines Zwischenrings werde auf ein kleines
Objekt von 10 mm Tiefe fokussiert. Der mittlere
Aufnahmeabstand vom Objekt bis zur Filmebene werde mit
einem entsprechenden Meßzeug, zum Beispiel einem
„Zollstock“, zu a = 340 mm gemessen. Aus Tabelle A2 wird
hierzu ein Abbildungsmaßstab von M = 1:4,5 entnommen. Am
Objektiv wird zum Beispiel die Blendenzahl F = 11 eingestellt
und hierzu in Tabelle A1 abgelesen, daß der
Schärfentiefenbereich S = 13,1 mm beträgt. Wegen der
symmetrischen Lage des Schärfentiefenbereiches kann also
mit einer zufriedenstellenden Schärfe für alle Objektbereiche
gerechnet werden, die im Aufnahmeabstand von etwa 333,5
mm bis 346,6 mm liegen. Das betrachtete Objekt mit einer Tiefe
von 10 mm wird davon voll überdeckt.

241
A4 Entfernungseinstellung für
Schnappschüsse
Bei dieser Einstellung wird mit der Kamera auf denjenigen
Aufnahmeabstand fokussiert, bei dem die weite Grenze des
Schärfentiefenbereichs für die vorgewählte Blendenzahl gerade
bis Unendlich reicht. Dieser Aufnahmeabstand läßt sich, soweit
eine Schärfentiefengravur an Kamera oder Objektiv angebracht
ist, direkt ablesen. Er läßt sich aber auch einfach berechnen. In
Gleichung 19 geht die weite Grenze g2 gegen Unendlich, wenn
der Nenner im zweiten Glied der rechten Seite dieser Gleichung
gegen Null geht, wenn also Rf - (g - f)r' = 0 wird. Wegen
g >> 10 f darf g = a gesetzt werden. Somit folgt
Rf = (a - f)r' Gleichung A10
≈ a r'
Wird der aus der Bedingung der Gleichung A10 folgende
Aufnahmeabstand jetzt mit ah bezeichnet, so ergibt sich durch
Umrechnen ah = Rf/r' und daraus wegen R = f/2F die sehr
einfache Beziehung
ah = f2/2r'F Gleichung A11
Wird die Bedingung der Gleichung A10 auch auf
Gleichung 18 angewendet und dort ebenfalls g durch ah ersetzt,
so folgt für die nahe Grenze des Schärfentiefenbereichs
ah(ah - f)
g1 = ah Gleichung A12
ah + (ah - f)
= (ah - f)/(2 - f)
≈ ah/2
Wird also ein Objektiv auf die Entfernung ah fokussiert, so
reicht der Schärfentiefenbereich gerade von der Hälfte der
eingestellten Entfernung bis Unendlich. Für jede Kombination
von Brennweite, Blende und vorgegebenen größten
Durchmesser des Unschärfekreises gibt es somit den
zugehörigen Aufnahmeabstand ah, der die Entfernung
beschreibt, die mit Vorteil für Schnappschüsse eingestellt wird,
kurz die Schnappschußeinstellung. In der Praxis wird die
Schnappschußeinstellung einfach dadurch vorgenommen, daß
die Marke für Unendlich auf die Gravur für die weite Grenze des
Schärfentiefenbereichs gestellt wird, die der eingestellten
Blende entspricht. Die Entfernung ah wird auf „Fachchinesisch“
mit hyperfokaler Distanz bezeichnet, einem Begriff, dessen
Anschaulichkeit mit derjenigen des Logarithmus wetteifern
kann. Im übrigen ist wegen der Ausführungen in Abschnitt 7.5
diese Einstellung nicht für jeden Anwendungsfall geeignet.

242
Tabelle A1 – Schärfentiefenbereich
für 2r’ = 0,024 mm
(Kleinbildformat)

Abbil- Schärfentiefenbereich S Verlän- Blenden-


dungs- 1/M mm gerungs -zahlkor-
maßstab (Für das Mittelformat 6x6 gilt S x 2) faktor rektur

M Y Blendenzahl F E ∆F

1 1,4 2 2,8 4 5,6

1:12 12,0 7,5 10,5 15,0 21,0 30,0 41,9 1,2 0,2
1:11 11,0 6,3 8,9 12,7 17,7 25,3 35,5 1,2 0,3
1:10 10,0 5,3 7,4 10,6 14,8 21,1 29,6 1,2 0,3
1:9,5 9,5 4,8 6,7 9,6 13,4 19,2 26,8 1,2 0,3
1:9,0 9,0 4,3 6,0 8,6 12,1 17,3 24,2 1,2 0,3

1:8,5 8,5 3,9 5,4 7,8 10,9 15,5 21,7 1,2 0,3
1:8,0 8,0 3,5 4,8 6,9 9,7 13,8 19,4 1,3 0,3
1:7,5 7,5 3,1 4,3 6,1 8,6 12,2 17,1 1,3 0,4
1:7,0 7,0 2,7 3,8 5,4 7,5 10,8 15,1 1,3 0,4
1:6,5 6,5 2,3 3,3 4,7 6,6 9,4 13,1 1,3 0,4

1:6,0 6,0 2,0 2,8 4,0 5,6 8,1 11,3 1,4 0,4
1,5,5 5,5 1,7 2,4 3,4 4,8 6,9 9,6 1,4 0,5
1:5,0 5,0 1,4 2,0 2,9 4,0 5,8 8,1 1,4 0,5
1:4,5 4,5 1,2 1,7 2,4 3,3 4,8 6,7 1,5 0,6
1:4,0 4,0 1,0 1,3 1,9 2,7 3,8 5,4 1,6 0,6

1:3,5 3,5 0,8 1,1 1,5 2,1 3,0 4,2 1,7 0,7
1:3,0 3,0 0,6 0,8 1,2 1,6 2,3 3,2 1,8 0,8
1:2,5 2,5 0,4 0,6 0,8 1,2 1,7 2,4 2,0 1,0
1:2,0 2,0 0,3 0,4 0,6 0,8 1,2 1,6 2,3 1,2
1:1,5 1,5 0,2 0,3 0,4 0,5 0,7 1,0 2,8 1,5

1:1,0 1,0 0,1 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 4,0 2,0

1,5:1 0,667 0,1 0,1 0,1 0,1 0,2 0,3 6,3 2,6
2,0:1 0,500 0,0 0,1 0,1 0,1 0,1 0,2 9,0 3,2
2,5:1 0,400 0,0 0,0 0,1 0,1 0,1 0,2 12,3 3,6
3,0:1 0,333 0,0 0,0 0,0 0,1 0,1 0,1 16,0 4,0
3,5:1 0,286 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 0,1 20,3 4,3

4,0:1 0,250 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 0,1 25,0 4,6
4,5:1 0,222 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 0,1 30,3 4,9
5,0:1 0,200 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 36,0 5,2
5,5:1 0,182 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 42,3 5,4
6,0:1 0,167 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 49,0 5,6

6,5:1 0,154 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 56,3 5,8
7,0:1 0,143 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 64,0 6,0
7,5:1 0,133 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 72,3 6,2
8,0:1 0,125 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 81,0 6,3
8,5:1 0,118 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 90,3 6,5

9,0:1 0,111 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 100,0 6,6
9,5:1 0,105 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 110,3 6,8
10:1 0,100 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 121,0 6,9
11:1 0,091 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 144,0 7,2
12:1 0,083 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 169,0 7,4

243
Tabelle A1 – (Fortsetzung)

Abbil- Schärfentiefenbereich S Verlän- Blenden-


dungs- 1/M mm gerungs- zahlkor-
maßstab faktor rektur

M Y Blendenzahl F E ∆F

8 11 16 22 32 45

1:12 12,0 59,9 82,4 119,8 164,7 239,6 337,0 1,2 0,2
1:11 11,0 50,7 69,7 101,4 139,4 202,8 285,1 1,2 0,3
1:10 10,0 42,2 58,1 84,5 116,2 169,0 237,6 1,2 0,3
1:9,5 9,5 38,3 52,7 76,6 105,3 153,2 215,5 1,2 0,3
1:9.0 9,0 34,6 47,5 69,1 95,0 138,2 194,4 1,2 0,3

1:8,5 8,5 31,0 42,6 62,0 85,3 124,0 174,4 1,2 0,3
1:8,0 8,0 27,6 38,0 55,3 76,0 110,6 155,5 1,3 0,3
1:7,5 7,5 24,5 33,7 49,0 67,3 97,9 137,7 1,3 0,4
1:7,0 7,0 21,5 29,6 43,0 59,1 86,0 121,0 1,3 0,4
1:6,5 6,5 18,7 25,7 37,4 51,5 74,9 105,3 1,3 0,4

1:6,0 6,0 16,1 22,2 32,3 44,4 64,5 90,7 1,4 0,4
1:5,5 5,5 13,7 18,9 27,5 37,8 54,9 77,2 1,4 0,5
1:5,0 5,0 11,5 15,8 23,0 31,7 46,1 64,8 1,4 0,5
1:4,5 4,5 9,5 13,1 19,0 26,1 38,0 53,5 1,5 0,6
!:4,0 4,0 7,7 10,6 15,4 21,1 30,7 43,2 1,6 0,6

1:3,5 3,5 6,0 8,3 12,1 16,6 24,2 34,0 1,7 0,7
1:3,0 3,0 4,6 6,3 9,2 12,7 18,4 25,9 1,8 0,8
1:2,5 2,5 3,4 4,6 6,7 9,2 13,4 18,9 2,0 1,0
1:2,0 2,0 2,3 3,2 4,6 6,3 9,2 13,0 2,3 1,2
1:1,5 1,5 1,4 2,0 2,9 4,0 5,8 8,1 2,8 1,5

1:1,0 1,0 0,8 1,1 1,5 2,1 3,1 4,3 4,0 2,0

1,5:1 0667 0,4 0,6 0,9 1,2 1,7 2,4 6,3 2,6
2,0:1 0,500 0,3 0,4 0,6 0,8 1,2 1,6 9,0 3,2
2,5:1 0,400 0,2 0,3 0,4 0,6 0,9 1,2 12 3,6
3,0:1 0,333 0,2 0,2 0,3 0,5 0,7 1,0 16 4,0
3,5:1 0,286 0,1 0,2 0,3 0,4 0,6 0,8 20 4,3

4,0:1 0,250 0,1 0,2 0,2 0,3 0,5 0,7 25 4,6


4,5:1 0,222 0,1 0,1 0,2 0,3 0,4 0,6 30 4,9
5,0:1 0,200 0,1 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 36 5,2
5,5:1 0,182 0,1 0,1 0,2 0,2 0,3 0,5 42 5,4
6,0:1 0,167 0,1 0,1 0,1 0,2 0,3 0,4 49 5,6

6,5:1 0,154 0,1 0,1 0,1 0,2 0,3 0,4 56 5,8


7,0:1 0,143 0,1 0,1 0,1 0,2 0,3 0,4 64 6,0
7,5:1 0,133 0,1 0,1 0,1 0,2 0,2 0,3 72 6,2
8,0:1 0,125 0,1 0,1 0,1 0,1 0,2 0,3 81 6,3
8,5:1 0,118 0,1 0,1 0,1 0,1 0,2 0,3 90 6,5

9,0:1 0,111 0,0 0,1 0,1 0,1 0,2 0,3 100 6,6
9,5:1 0,105 0,0 0,1 0,1 0,1 0,2 0,3 110 6,8
10:1 0,100 0,0 0,1 0,1 0,1 0,2 0,2 121 6,9
11:1 0,091 0,0 0,1 0,1 0,1 0,2 0,2 144 7,2
12:1 0,083 0,0 0,0 0,1 0,1 0,1 0,2 169 7,4

244
Tabelle A2 – Aufnahmeabstand

Abbil- Aufnahmeabstand a
dungs- 1/M m
maßstab
Brennweite f
M Y mm

50 60 75 100 120 150 180 250

1:12 12,0 0,70 0,85 1,06 1,41 1,69 2,11 2,54 3,52
1:11 11,0 0,65 0,79 0,98 1,31 1,57 1,96 2,36 3,27
1:10 10,0 0,61 0,73 0,91 1,21 1,45 1,82 2,18 3,03
1:9,5 9,5 0,58 0,70 0,87 1,16 1,39 1,74 2,09 2,90
1:9,0 9,0 0,56 0,67 0,83 1,11 1,33 1,67 2,00 2,78

1:8,5 8,5 0,53 0,64 0,80 1,06 1,27 1,59 1,91 2,65
1:8,0 8,0 0,51 0,61 0,76 1,01 1,22 1,52 1,82 2,53
1:7,5 7,5 0,48 0,58 0,72 0,96 1,16 1,45 1,73 2,41
1:7,0 7,0 0,46 0,55 0,69 0,91 1,10 1,37 1,65 2,29
1:6,5 6,5 0,43 0,52 0,65 0,87 1,04 1,30 1,56 2,16

1:6,0 6,0 0,41 0,49 0,61 0,82 0,98 1,23 1,47 2,04
1:5,5 5,5 0,38 0,46 0,58 0,77 0,92 1,15 1,38 1,92
1:5,0 5,0 0,36 0,43 0,54 0,72 0,86 1,08 1,30 1,80
1:4,5 4,5 0,34 0,40 0,50 0,67 0,81 1,01 1,21 1,68
1:4,0 4,0 0,31 0,38 0,47 0,63 0,75 0,94 1,13 1,56

1:3,5 3,5 0,29 0,35 0,43 0,58 0,69 0,87 1,04 1,45
1:3,0 3,0 0,27 0,32 0,40 0,53 0,64 0,80 0,96 1,33
1:2,5 2,5 0,25 0,29 0,37 0,49 0,59 0,74 0,88 1,23
1:2,0 2,0 0,23 0,27 0,34 0,45 0,54 0,68 0,81 1,13
1:1,5 1,5 0,21 0,25 0,31 0,42 0,50 0,63 0,75 1,04

1:1,0 1,0 0,20 0,24 0,30 0,40 0,48 0,60 0,72 1,00

1,5:1 0,667 0,21 0,25 0,31 0,42 0,50 0,63 0,75 1,04
2,0:1 0,500 0,23 0,27 0,34 0,45 0,54 0,68 0,81 1,13
2,5:1 0,400 0,25 0,29 0,37 0,49 0,59 0,74 0,88 1,23
3,0:1 0,333 0,27 0,32 0,40 0,53 0,64 0,80 0,96 1,33
3,5:1 0,286 0,29 0,35 0,43 0,58 0,69 0,87 1,04 1,45

4,0:1 0,250 0,31 0,38 0,47 0,63 0,75 0,94 1,13 1,56
4,5:1 0,222 0,34 0,40 0,50 0,67 0,81 1,01 1,21 1,68
5,0:1 0,200 0,36 0,43 0,54 0,72 0,86 1,08 1,30 1,80
5,5:1 0,182 0,38 0,46 0,58 0,77 0,92 1,15 1,38 1,92
6,0:1 0,167 0,41 0,49 0,61 0,82 0,98 1,23 1,47 2,04

6,5:1 0,154 0,43 0,52 0,65 0,87 1,04 1,30 1,56 2,16
7,0:1 0,143 0,46 0,55 0,69 0,91 1,10 1,37 1,65 2,29
7,5:1 0,133 0,48 0,58 0,72 0,96 1,16 1,45 1,73 2,41
8,0:1 0,125 0,51 0,61 0,76 1,01 1,22 1,52 1,82 2,53
8,5:1 0,118 0,53 0,64 0,80 1,06 1,27 1,59 1,91 2,65

9,0:1 0,111 0,56 0,67 0,83 1,11 1,33 1,67 2,00 2,78
9,5:1 0,105 0,58 0,70 0,87 1,16 1,39 1,74 2,09 2,90
10:1 0,100 0,61 0,73 0,91 1,21 1,45 1,82 2,18 3,03
11:1 0,091 0,65 0,79 0,98 1,31 1,57 1,96 2,36 3,27
12:1 0,083 0,70 0,85 1,06 1,41 1,69 2,11 2,54 3,52

245
Kapitel 9

SCHÄRFE UND SCHÄRFEEINDRUCK


IN DER FOTOGRAFIE

246
Einleitung
Begriffe, die nicht definiert und erklärt sind, führen in
Diskussion und Analyse unweigerlich in die Irre und zu
verkehrten Schlußfolgerungen. In der Fotografie sind Schärfe
und scharf solche Begriffe. Sie werden auf das Objektiv, den
Film und sogar auf das abgebildete Mädchen angewendet. Für
das Folgende wird vorausgesetzt, daß bei der fotografischen
Aufnahme richtig fokussiert wird, daß die Regeln zur
Schärfentiefe bei der Entfernungseinstellung beachtet werden
und daß der Fotograf und das Objekt hinreichend still halten.
Einstell- und Bewegungsunschärfe werden also
ausgeschlossen.

BEGRIFFE
Schärfe
In der Fotografie wird der Begriff der Schärfe
ausgesprochen strapaziert. Ob es ein Objektiv ist, das „scharf“
oder „weniger scharf“ zeichnet, ein Filmtyp, der „scharfe“ oder
„weniger scharfe“ Vorlagen liefert, ein Entwickler, der
besonders scharf arbeitet, oder der Fotograf, der seine Kamera
„scharf“ stellt, immer hilft ersatzweise für das, was eigentlich
gesagt werden sollte, der Begriff der Schärfe und sein Adjektiv.
Denn in den genannten Fällen sollte es eigentlich heißen, daß
ein Objektiv gute oder weniger gute Abbildungseigenschaften
besitzt, daß ein Film hoch oder weniger hoch auflöst und daß
der Fotograf seine Kamera fokussiert. Tatsächlich ist der Begriff
der Schärfe gar nicht definiert, und folglich gibt es auch kein
Meßverfahren, mit dem sich Schärfe bestimmen läßt. Schärfe
kann nur mittelbar beschrieben werden, indem wir die einzelnen
Elemente betrachten, die den Schärfeeindruck fördern
beziehungsweise mindern. Schärfe ist auch Wortbestandteil
des Begriffs der Schärfentiefe, der damit zum Paradebeispiel
einer mißglückten Wortschöpfung wurde. Siehe hierzu
Kapitel 8.

Schärfeeindruck
Die Kopie einer fotografischen Aufnahme kann je nach
Abstand, aus dem wir sie betrachten, den Eindruck einer
„scharfen“ oder „weniger scharfen“ Abbildung vermitteln. Von
zwei sonst gleichen Abbildungen wird diejenige mit einer
hochglänzenden Oberfläche gewöhnlich als „schärfer“ beurteilt
als diejenige mit matter Oberfläche, obwohl sie von demselben
Negativ unter denselben Bedingungen angefertigt wurde. Hier
handelt es sich daher nicht um Schärfe sondern um den
Schärfeeindruck, der beim Betrachten des Produkts am Ende
der fotografischen Aufnahmekette entsteht, und dieser
Schärfeeindruck ist also rein subjektiv. Sind die einzelnen
Elemente bekannt, die zu einem bestimmten Schärfeeindruck
beitragen, so können sie immerhin als Erklärung dafür
herangezogen werden, warum eine Kopie „schärfer“ erscheint
und eine andere „weniger scharf“.

247
DEN SCHÄRFEEINDRUCK BEEINFLUSSENDE
ELEMENTE
Optisches System
Abbildungsfehler
Ein nachteiliger Einfluß von Abbildungsfehlern des
optischen Systems auf den Schärfeeindruck kann bei Einsatz
von guten Markenobjektiven weitgehend vernachlässigt
werden.

Auflösungsvermögen
Das Auflösungsvermögen eines Objektivs ist durch den
Winkel gekennzeichnet, unter dem es zwei Punkte gerade noch
als getrennte Punkte abbildet. Auch hier gilt, daß ein
nachteiliger Einfluß des Auflösungsvermögens auf den
Schärfeeindruck bei Einsatz guter Markenobjektive
vernachlässigt werden kann.

Kontrastwiedergabe und Streulicht


Streulicht mindert den Kontrast einer Kopie. Siehe hierzu
Kapitel 6. Ein geringerer Kontrast vermittelt einen geringeren
Schärfeeindruck. Streulicht tritt überall auf, und seine
Reduzierung in optischen Systemen hat wesentlichen Anteil an
deren Kosten. Streulicht in der Dunkelkammer macht sich
besonders bei langen Belichtungszeiten unter dem
Vergrößerungsgerät bemerkbar und führt zu einer
Herabsetzung des Kontrastes der Kopie. Siehe hierzu Kapitel 3.

Beugung
Weniger bedeutsam ist der Effekt der Lichtbeugung an einer
zu kleinen Blendenöffnung eines stark abgeblendeten
Objektivs. Durch die Beugung des Lichts wird ein
Beugungskreis erzeugt ähnlich dem Unschärfekreis im
Zusammenhang mit der Schärfentiefe. Während der
Unschärfekreis bis zum Rand des Schärfentiefenbereichs
gleichmäßig anwächst, ist der Beugungskreis, wenn er denn
auftritt, über die ganze Negativfläche gleich groß. Er wächst mit
abnehmendem Durchmesser der Blendenöffnung. Die
Blendenzahl, bei der der Durchmesser dieses Beugungskreises
etwa dem Durchmesser des größten zulässigen
Unschärfekreises entspricht, wird mit „förderlicher Blende“
bezeichnet. Bei zu starkem Abblenden wirkt also der
zunehmende Beugungskreis der Schärfentiefe entgegen.
Bei Objektiven für die gängigen Filmformate ist die
förderliche Blendenzahl bis zu Abbildungsmaßstäben von etwa
1:1 größer als der Einstellbereich am Objektiv für die größte
Blendenzahl. Im normalen „Alltagsbetrieb“ besteht also keine
Gefahr, in die Problematik dieses Effekts zu geraten [22].

Fotografische Schicht des Films


Körnigkeit
Die Angabe der Körnigkeit in technischen Datenblättern für
Filme bezieht sich auf die entwickelte Schicht. Beim Entwickeln

248
kann es bei bestimmten Entwicklern zu
Kornzusammenballungen kommen, andere belassen das Korn
in der gegebenen Größe, wieder andere machen aus dem
vorhandenen Korn feinere Körner. Die Körnigkeit hängt daher
auch von dem verwendeten Entwickler ab. Die gelegentlich
geäußerte Aussage, daß gröberes Korn schärfere Bilder macht,
beruht auf dem Schärfeeindruck und ist daher subjektiv. Sie
kann hier weder erklärt noch bestätigt werden.

Auflösungsvermögen
Das Auflösungsvermögen einer fotografischen Schicht wird
zum Beispiel durch die Anzahl der Linien/mm bestimmt, die,
von einer Strichvorlage abgelichtet, noch als getrennte Linien
erkennbar sind. Das Auflösungsvermögen wird durch die oben
angeführte Körnigkeit beeinflußt. Der Filmtyp Agfaortho 25
hatte zum Beispiel ein Auflösungsvermögen von über
300 Linien/mm und eine um einen Faktor 2,5 geringere
Körnigkeit als der Filmtyp Agfapan 400 mit einem
Auflösungsvermögen von etwa 100 Linien/mm. Der
Agfaortho 25 liefert damit fraglos wesentlich „schärfere“ Bilder
als ein Agfapan 400.

Konturenschärfe
Konturenschärfe beschreibt den durch Lichtstreuung
bedingten physikalischen Vorgang in der fotografischen
Schicht, auf die eine scharf abgegrenzte Hell-Dunkel-Kante
belichtet wird. Durch Beugung und Streuung des Lichts am
Korn und durch Reflexion innerhalb der Schicht tritt eine mehr
oder weniger starke Verbreiterung der abgebildeten Kante auf.
Ihre Breite ist ein Maß für die Abnahme der Konturenschärfe.
Immerhin handelt es sich hierbei um eine den
Schärfeindruck unmittelbar beeinflussende Komponente, die
sich densitometrisch ermitteln läßt. Ungenügende
Konturenschärfe verringert den Kontrast und hat damit, wie
oben beschrieben, eine Minderung des Schärfeeindrucks zur
Folge.

Kanteneffekt
Der Kanten- oder Eberhard-Effekt beschreibt den
chemischen Vorgang bei der Entwicklung einer fotografischen
Schicht, auf die eine scharf abgegrenzte Hell-Dunkel-Kante
belichtet wurde. Die dunkle Seite der Kante verbraucht sehr viel
Entwickler und holt sich dazu Nachschub auch von der hellen
Seite der Kante, die sehr wenig Entwickler benötigt. Bei
bestimmten Entwicklern und unter bestimmten
Entwicklungsbedingungen wird durch diesen Vorgang die
dunkle Seite der Kante schwärzer werden als der weiter von
der Kante entfernte übrige dunkle Bereich und umgekehrt die
helle Seite der Kante heller werden als der weiter von der Kante
entfernte übrige helle Bereich. Der Hell-Dunkel-Eindruck und
damit auch der Schärfeeindruck der Kante wird also durch
diesen Effekt verstärkt.

249
Fotopapier
Auch das verwendete Fotopapier hat einen gewissen
Einfluß auf den Schärfeeindruck. Papiere mit glänzender
Oberfläche haben gewöhnlich nicht nur einen geringfügig hören
Dichteumfang als Papiere mit halbmatter, seidenmatter oder
einfach matter Oberfläche, sondern sie vermitteln schon allein
durch die höhere Reflexion der Oberfläche den Eindruck
größerer Schärfe. Werden Fotopapiere hinter Glas präsentiert,
verwischen sich diese Unterschiede.
Einen geringfügigen Einfluß hat darüber hinaus auch die
Wahl der Papiergradation. Kopien von ein und demselben
Negativ erscheinen umso schärfer, je höher die Gradation
gewählt wird. Andererseits geht der Schärfeeindruck in dem
Maße zurück, wie die Kopie dunkler abgezogen wird. Es
besteht in geringem Umfang also die Möglichkeit, den
Schärfeeindruck durch Maßnahmen beim Vergrößern zu
beeinflussen.

Präsentation
Die Präsentation fotografischer Exponate muß sorgfältig
geplant werden. Bei schlechter Beleuchtung sind alle
Bemühungen des Fotografen vergebens gewesen. Reflexionen
an der Papieroberfläche oder der Verglasung beeinträchtigen
den Genuß des Betrachters. Reflexionsfreies Glas dagegen
reduziert den Kontrast und damit den Schärfeeindruck.
Neuerdings werden auch besondere Verglasungen angeboten,
die durch eine Vergütung der Oberfläche nicht mehr zu starken
Reflexionen des einfallenden Lichts zur Beleuchtung des Bildes
neigen und dennoch den Kontrast nicht mindern. Helles Licht
erhöht den Schärfeeindruck. Günstig sind Spotleuchten, die in
sehr spitzem Winkel von der Raumdecke aus das Bild
beleuchten. Durch den spitzen Winkel gelangen Reflexionen
auf den Fußboden und nicht ins Auge des Betrachters.

250
Kapitel 10

REINIGUNG VON GLASFLÄCHEN


IN OPTISCHEN SYSTEMEN

251
EINLEITUNG
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Glas und
besonders optisches Glas und allgemein solches, das in
optischen Strahlengängen verwendet wird, zu reinigen. Die
folgenden Hinweise sind Empfehlungen, für einen „klaren
Durchblick“. Über die legendere Queen Victoria wird die
amüsante und ihrer Zeit durchaus angemessene Geschichte
kolportiert, daß sie überaus reinlich war: „Sie nahm jeden
Monat ein Bad, ob es nötig war oder nicht. So reinlich war sie.“
Der Fotograf dagegen muß die Queen aus dem 19.
Jahrhundert noch weit übertreffen und die entsprechenden
Glasflächen nur berühren, wenn es wirklich nötig und nicht
mehr zu umgehen ist. Dies ist die wichtigste Regel, die allen
weiteren voranzustellen ist. Wenn dann aber eine Reinigung
endlich erforderlich wird, so können die hier vorgeschlagenen
Maßnahmen angewendet werden. Nicht alle Gläser haben eine
solch harte Oberfläche wie die Frontlinse von guten Mikroskop-
Objektiven oder Brillenglas. Daher muß bei einer Reinigung so
behutsam und schonend wie irgend möglich vorgegangen
werden.

EINTEILUNG
Glasbauteile im optischen Strahlengang
außer Objektiven und Filtern
Dieses sind zum Beispiel Mattscheiben, Diapositivgläser,
Lupengläser, Gläser in der Filmbühne von
Vergrößerungsgeräten, Streuscheiben, Linsen zur
Lichtbündelung im Schwarzweiß-Vergrößerungsgeräten und in
Projektoren.

Objektive und Filter


Hierzu gehören alle Arten von Objektiven, optischen Filtern
zur Verwendung an Objektiven sowie Brillengläsern.

REINIGEN VON GLASBAUTEILEN NACH 1.1


Geringe Verschmutzung
Es erfolgt eine Naßreinigung wie unter 2.2 beschrieben,
jedoch entfällt die Vorwäsche.

Starke Verschmutzung
Liegt eine starke Verschmutzung vor, zum Beispiel der
durch Bakterienbefall oder durch Ausdünsten des Films
entstandene Belag auf der Innenseite von Diapositivgläsern, so
wird zuerst in handwarmem Wasser mit Geschirrspülmittel
gewaschen (Vorwäsche), wobei die Glasflächen physikalisch
mit Bürste, Lappen, Schwamm oder zwischen Daumen und
Zeigefinger gereinigt werden. Anschließend wird mit klarem,
handwarmem Wasser nachgespült.
Das Glasbauteil wird danach in eine Lösung von zum
Beispiel 1 cm3 Mirasol 2000 antistatic von Tetenal in 1 Liter
destilliertem Wasser getaucht (Hauptwäsche). Die Temperatur
dieser Lösung sollte, um den nachfolgenden Trockenvorgang

252
zu beschleunigen, 35 bis 40 °C betragen, die Verweilzeit des
Glasbauteils in der Lösung etwa 3 Minuten.

Anmerkung – Mirasol 2000 antistatic ist ein Netzmittel von


Tetenal, das zusätzlich zu seiner benetzenden Wirkung eine
antistatische Ausrüstung besitzt, durch die eine
Staubanziehung der behandelten Gegenstände vermindert
wird.
Schließlich wird das Glasbauteil in vertikaler Lage
getrocknet. So werden zum Beispiel Diapositivgläser einfach in
eine Diaschiene gestellt. Das Glasbauteil wird dazu aus der
Mirasol-lösung entnommen und ohne Wischen und Berühren
der kritischen Flächen tropfnaß zum Trocknen aufgestellt und
der Trockenvorgang geduldig abgewartet.

REINIGEN VON GLASBAUTEILEN NACH 1.2


Einer berührungslosen Reinigung nach 3.1 ist immer der
Vorzug zu geben. Eine physikalische Reinigung nach 3.2 sollte
nur ganz behutsam und möglichst selten angewendet werden.

Leicht haftende Verschmutzung


Leicht haftende Verschmutzung besteht gewöhnlich aus
Staubpartikeln. Sie werden durch leichtes Pusten entfernt. Hilft
dies nicht, so kann ein Gummipneu benutzt werden. Empfohlen
wird in diesem Fall ein faustgroßer Pneu, der als Fotozubehör
an jeder gut sortierten "Zubehörwand" angeboten wird.
Abschließend wird die Linsenfläche angehaucht, was eine
eventuell vorhandene statische Aufladung und damit Anziehung
neuer Staubpartikel vermindert.
Leicht anhaftende Staub- oder Schmutzpartikel lassen sich,
wenn das Pusten nicht hilft, mit einem besonders weichen und
sauberen Pinsel entfernen. Hierfür eignet sich besonders gut
ein Make-up-Pinsel, der von Zeit zu Zeit nach 2.2 gereinigt wird.
Als weniger hilfreich haben sich die Bürsten erwiesen, die an
kleinen Gummipneus angebracht sind. Diese Bürsten erzeugen
Reibung und damit elektrostatische Aufladung. Irgendwann
entwickelt jede dieser Bürsten die Tendenz, die Glasoberfläche
eher zu verschmieren als zu reinigen. Diese Bürsten, mit oder
ohne Pneu, werden daher nicht empfohlen.

Fest haftende Verschmutzung


Bei fest haftender Verschmutzung wird zunächst immer mit
der Behandlung nach 3.1 begonnen, um lose haftende
Fremdpartikel, die bei der nachfolgenden Anwendung
gegebenenfalls zu Schleifspuren führen können, zu entfernen.
Danach wird ohne großen Druck mit einem Reinigungstuch
gesäubert. Ein solches Reinigungstuch wird zum Beispiel von
Hama, Artikel-Nr. 5913, angeboten und ist allen anderen
Textilien vorzuziehen. Ersatzweise kann ein sauberes
Taschentuch aus ungestärktem Leinen oder Ähnliches
verwendet werden. Nach dieser Reinigungsprozedur wird die
Linsenoberfläche angehaucht. Von der Benutzung aller

253
Reinigungspapiere für optisches Glas, wie sie der Handel
anbietet, wird abgeraten. Flüssige Reinigungsmittel sollten nur
im äußersten Fall und nur in sehr kleiner Menge angewendet
werden. Spiritus und Reinigungsbenzin werden unbedingt
ferngehalten.

254
Freie Seite für persönliche Notuzen

255
Kapitel 11

PHOTOGRAPHIK
Schwarzweiß ohne Kamera

256
EINLEITUNG
Zu der Zeit, als zum Beispiel Agfa und Kodak ihre 6x9
Rollfilm-Boxen auf den Markt brachten, gab es viele
Selbstverarbeiter, die von den entwickelten Negativen so
genannte Kontaktabzüge auf dafür geeignetes Chlorsilber-
Papier anfertigten. Das war entschieden billiger, als zum
Fotografen zu gehen, und hatte zusätzlich den besonderen
Reiz des eigenen Werks. Noch heute finden sich in so
manchen alten Fotoalben Abzüge dieser Art. Insbesondere in
den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war für die
junge Generation ein Vergrößerungsgerät unerschwinglich.
Daher haben viele Hobbyfotografen ihre ersten zaghaften
Schritte in die Schwarzweiß-Fotografie über den Kontaktabzug
versucht.
Neben der Kenntnis des Umgangs mit den weinigen
Fotochemikalien und Lösungen nebst den dazugehörigen
kleinen Gefäßen, die hierfür erforderlich waren, benötigte der
Fotograf eine Kassette für den Kontaktabzug. Dies war
gewöhnlich ein kräftiger und eher klobiger Holzrahmen, dessen
Frontseite aus einer Glasscheibe und dessen Rückseite aus
einer Klappe bestanden. Diese Klappe war auf ihrer Innenseite
mit einer Filzlage beschichtet, so daß die Klappe beim
Schließen das in die Kassette gelegte Negativ und Fotopapier
sanft aneinander drückte. Zum Belichten wurde die Kassette
einfach gegen eine Lampe gehalten.
Es war aber auch möglich, anstelle eines Negativs zum
Beispiel ein getrocknetes und glatt gepreßtes Blatt einer
Pflanze in die Kassette zu legen und davon ein Bild
herzustellen. Bei richtiger Belichtung waren die Strukturen des
Blattes zu erkennen, und das Ergebnis konnte zum Beispiel, mit
einem draufgeschriebenen Gruß versehen, ein Geschenk
dekorieren. Die Kassette konnte also dazu benutzt werden,
eine Fotografie ohne Kamera herzustellen. Das Ergebnis war
eine negative Abbildung des belichteten Gegenstandes. Ihr
besonderer Reiz bestand darin, daß sie, im Gegensatz zu den
Negativen aus der Box, eine scharfe Zeichnung aufwies.
Das Prinzip dieser Technik sollte nicht in Vergessenheit
geraten. Wird nämlich ein Vergrößerungsgerät als
Beleuchtungseinrichtung zum Belichten des Objektes
verwendet, so führt dies zu überzeugenden Ergebnissen in
jeder beliebigen Größe. Verschiedene Beispiele für solche
Photographik-Bilder wurden am 16. Oktober 2002 den
Hamburger Leica Freunden präsentiert.

BEGRIFF
Das fotografische Bild, das durch Schattenwurf des
abzubildenden Gegenstandes auf Fotopapier entsteht, wird als
Photographik bezeichnet. Photographik bedeutet also
fotografieren ohne Kamera. Dazu wird eine Bildvorlage, das
abzubildende Objekt, auf Fotopapier gelegt und mit einer
geeigneten Beleuchtungseinrichtung angestrahlt und belichtet.

257
Der Schattenwurf des Objekts erzeugt auf dem Fotopapier ein
negatives Bild der Vorlage etwa im Maßstab 1:1.

BELEUCHTEN UND BELICHTEN


Für eine gute Photographik sind eine einheitliche
Beleuchtungsstärke über das ganze Bild sowie eine definierte
Belichtung erforderlich. Diese Voraussetzungen erfüllt jedes
gute Vergrößerungsgerät, das mit einer Schaltuhr versehen
beziehungsweise gekoppelt ist. Dabei ist die Blendenöffnung
des Objektivs die für die Photographik erforderliche Lichtquelle,
die bei hinreichendem Abblenden, zum Beispiel auf
Blendenzahl 8, punktförmig ist. Eine solche Lichtquelle erzeugt
einen scharf umrissenen Schattenwurf des beleuchteten
Gegenstandes und somit in unserem Fall eine „gestochen“
scharfe Abbildung des Objektes auf dem Fotopapier. Dabei ist
es unerheblich, ob sich der Gegenstand platt auf dem
Fotopapier oder räumlich ausgedehnt darüber befindet. Daher
entfällt auch die Anwendung einer Kassette oder Glasscheibe
zum Andrücken. Alle erforderlichen fotochemischen Arbeiten
erfolgen in Anlehnung an Kapitel 3.
Auf der Photographik erscheinen dem Betrachter Bereiche
des Objektes, die weniger durchscheinend sind, im
Vordergrund, stärker durcheinende dagegen im Hintergrund.
Dadurch vermittelt das Bild der Photographik einen räumlichen
Eindruck. Unter dem Vergrößerungsgerät kann das
Papierformat in der Größe des Objekts gewählt werden. Es
können also mit Hilfe des Vergrößerungsgerätes
Photographiken in jeder beliebigen Größe und in
hervorragender Schärfe angefertigt werden. Bei ersten
Versuchen sollte der Kopierumfang des Fotopapiers normal bis
groß gewählt werden, also zum Beispiel Papier der
Gradation 2.

„HYBRIDTECHNIK“
Das Vergrößerungsgerät erlaubt ferner, dem Schattenwurf
des Objekts ein Bild zu überlagern. Dazu wird in gewohnter
Weise zum Beispiel ein hierfür geeignetes Negativ in die
Filmbühne gelegt und gleichzeitig mit dem Schattenwurf des
Objekts abgebildet. Anstelle des Negativs kann auch die
Struktur eines durchscheinenden Gewebes abgebildet werden,
indem zum Beispiel ein Abschnitt aus Tüllgewebe oder eines
Seidenstrumpfes in die Filmbühne gelegt wird. Eine weitere
Möglichkeit besteht darin, einen Text in angepaßter Größe auf
Klarsichtfolie zu kopieren und diese Folie unter das Objekt auf
das Fotopapier zu legen.

BEISPIELE
Die genannten Möglichkeiten und die folgenden
Bildbeispiele zeigen, daß es eine große Vielzahl von
Anwendungen und Kombinationen gibt, die das
„Schattenspiel Photographik“ zu einer reizvollen Variante der
Fotografie machen, bei der jedes Bild ein Unikat ist.

258
Bild 1
Gräser, wie sie an jedem Wegrand wachsen

259
Bild 2
„Lose-Blatt-Sammlung“

260
Bild 3
Schilf

261
Kapitel 12

BILDBETRACHTUNG
Kennzeichnung und Beurteilung
von fotografischen Bildern

262
EINLEITUNG
Im Zusammenhang mit einem Referat über Bildbetrachtung
vor den Hamburger Leica Freunden, das gemeinsam mit dem
Fotograf und Mitglied Helge Johannsen gehalten wurde, ist
dieser Beitrag entstanden, der gleichzeitig zu einem
Bewertungsschema für den jährlich abgehaltenen internen
Wettbewerb der Hamburger Leica Freunde führte. Dazu haben
wir versucht, eine gewisse Systematik in das gestellte Thema
zu bringen, und an Beispielen erläutert.

KENNZEICHNUNG
Eine fotografische Kopie, kurz ein Bild, kann
allgemein dadurch gekennzeichnet werden, daß
es einem bestimmten fotografischen Thema
zugeordnet wird, zum Beispiel
Landschaftsfotografie;
Architektur-Aufnahmen;
technische Dokumentation;
Tierfotografie;
Pflanzen-, Blumen-, Blüten-Fotos;
Sportfotografie;
Allgemeine Reportage;
Reisereportage;
Urlaubsfotos;
Schnappschuß;
Objektfotografie;
Werbefotografie;
Portraitaufnahmen;
Aktaufnahmen;
Reproduktion;
künstlerische Komposition.
eitere Themen oder Unterthemen sind denkbar. Auch kann
ein Bild mehreren Themen gleichzeitig zugeordnet werden. So
bleibt natürlich die Reproduktion einer Portraitaufnahme immer
auch eine Portraitaufnahme; und die Aufnahme des
mißlungenen Salto vom Fünf-Meter-Brett ist nicht nur
Sportfotografie sondern auch Schnappschuß.
Eine entsprechende Zuordnung ist für eine Beurteilung des
Bildes hilfreich, denn die Anwendbarkeit der nachfolgend
vorgeschlagenen Beurteilungsbereiche und -kriterien hängt
auch davon ab, welchem der oben genannten Themen ein Bild
zugeordnet wird. So ist zum Beispiel bei einer technischen
Dokumentation der Gesichtspunkt der Ästhetik von eher
untergeordneter Bedeutung. Andererseits gibt es Bilder, die
keinem dieser Themen zugeordnet werden können, die nur Bild
als Komposition aus Licht und Schatten, Schwarz und Weiß
oder Farbe sein sollen. Hierbei dient das fotografische Objekt
nur diesem Zweck, nicht seiner irgendwie gearteten
Darstellung. Für diesen Fall haben wir oben das Thema
künstlerische Komposition vorgeschlagen.

263
BEURTEILUNG
Sicher sind fototechnische Geräte und Filme etwas anderes
als die Bilder, die bei ihrer Anwendung entstehen. Dennoch
müssen auch bei der Beurteilung von Bildern ähnlich wie bei
der von technischem Gerät gewisse Kriterien zugrunde gelegt
werden, damit der Betrachter zu einer halbwegs objektiven
Aussage gelangt, über die er sich damit vor allem auch selbst
Rechenschaft ablegen kann. Naturgemäß hat das Element der
Vorliebe oder Abneigung bei Bildern ein wesentlich größeres
Gewicht als bei technischem Gerät, kann aber durch die
Anwendung von Beurteilungskriterien in Grenzen gehalten
werden. Für die Beurteilung eines Bildes können zum Beispiel
die folgenden fünf Bereiche herangezogen werden, wobei jeder
Bereich eine Reihe von Kriterien enthalten kann.

Aufmachung und Präsentation


Hiermit werden die äußeren Bedingungen beurteilt, die ein
Bild präsentabel machen, zum Beispiel
Bildgröße
Hoch- oder Querformat;
Art und Farbe des Passepartouts;
Art und Farbe des Rahmens;
Bildunterschrift und Bildtitel.

Technische Ausführung
Hiermit wird beurteilt, ob eine handwerklich saubere Arbeit
vorliegt, zum Beispiel
Zustand der Bildoberfläche;
Durchzeichnung der Lichter und
der Schatten;
Schärfeeindruck;
Grobe Bildfehler.

Wahl der Stilmittel


Die bei der Aufnahme angewendeten Stilmittel haben einen
erheblichen Einflüß auf das Ergebnis. Hiermit wird beurteilt, ob
solche Stilmittel erfolgreich angewendet wurden, wie zum
Beispiel
Schwarzweiß oder Farbe;
Hoch- oder Querformat;
Kontrastumfang;
Beleuchtung und Beleuchtungswinkel;
Gegenlicht;
Schärfe und Unschärfe (gemeint ist die
Einstellschärfe);
Filterwirkung;
Brennweite;
Blickwinkel (Aufnahmestandpunkt);
Perspektive (Aufnahmeabstand).

264
Auch die Wahl des Fotopapiers sowie die
Verarbeitungstechnik können das Ergebnis nachhaltig
beeinflussen, zum Beispiel
Bildoberfläche;
Tonung;
Verfremdung.
Schließlich soll die Möglichkeit der Nachbearbeitung auf
dem PC wird dazu gerechnet.

Komposition und Ästhetik


Oftmals ist den Architekten rechtzeitig vor der Anfertigung
eines Entwurfes das Gefühl für Ästhetik abhanden gekommen,
wie zum Beispiel jener Generation von Architekten, die unsere
Innenstädte in den späten 60ern mit den langweiligen und
unpassenden Fassaden der Gebäude für Banken und
Sparkassen so hübsch „verschmückt“ haben. Dennoch kann
ein späteres Bild von dem betreffenden Objekt doch durchaus
hohen ästhetischen Wert ausstrahlen, ähnlich wie manche
Bilder von Ruinen, Trümmern und dergleichen. Wir müssen
daher deutlich zwischen der Ästhetik des Objektes und der des
Bildes unterscheiden. Nur letzteres ist hier von Bedeutung.
Insbesondere solche Bilder, die nicht nur für kurze Zeit zum
Beispiel in einer Ausstellung exponiert werden, sondern die,
vielleicht auch an der eigenen Wand, für längere Zeit Gefallen
erregen sollen, müssen bestimmte Anforderungen an
Komposition und Bildaufbau erfüllen, zum Beispiel
Verteilung von Hell und Dunkel
und/oder von Schwarz- und Weiß;
Verteilung und Abstimmung der
Farben;
Bildaufbau, -einteilung und
-schwerpunkt;
Vordergrund;
Goldener Schnitt;
Horizont bei Landschaftsaufnahmen;
Perspektive und Fluchtpunkt.

BILDAUSSAGE
Bilder können so nichtsagendend sein, daß sie übersehen
werden, weil sie so unauffällig sind. Bilder können aber auch
förmlich ins Auge springen und dennoch einfach schlecht oder
geschmacklos sein. Sie können aber auch gut und trotzdem
auffallend sein. Irgendwo zwischen diesen Grenzen liegt die
Aussagekraft eines Bildes. Seine Beurteilung hängt aber
zusätzlich und deutlich vom subjektiven Empfinden des
Betrachters ab. Dabei sollte der gegebenenfalls vorhandene
persönliche Erinnerungswert nicht berücksichtigt werden.

BEWERTUNG
Jetzt kann versucht werden, den Inhalt dieser Betrachtung
für eine Bewertung auch bei einem Fotowettbewerb zu
verwenden und ihn zum Beispiel in Form eines

265
Bewertungsschemas nach Tabelle 1 einer „Jury“ als Rüstzeug
zu geben. Dabei seien zum Beispiel insgesamt höchstens
100 Punkte zu vergeben. Mit der unterschiedlichen Begrenzung
der höchsten zu vergebenden Punktzahlen für die einzelnen
Bereiche wird jedem Bereich eine bestimmte Gewichtung
beigemessen, zum Beispiel der Aufmachung des Bildes
höchstens 10 Punkte entsprechend 10% oder der Komposition
und Ästhetik höchstens 30 Punkte entspr3echend 30% von
insgesamt 100 zu vergebenden Punkten.

Tabelle 1 - Bildbewertung

Bereich Punkte
max

Aufmachung 10
Technische 20
Ausführung
Stilmittel 25
Komposition und
Ästhetik 30
Bildaussage 15

Summe maximal 100

ZUSAMMENFASSUNG
Es kann jetzt geschehen, daß der Betrachter eines Bildes,
der sich etwa an das hier vorgeschlagene Schema hält und
dabei zu einer sehr guten Beurteilung kommt beziehungsweise
kommen muß, dieses Bild womöglich im tiefen Grunde seines
Herzens überhaupt nicht leiden kann. Er würde sogar bei
Betrachtung des Bildes nach Ablauf einer gewissen Zeit und bei
gleichem Vorgehen wieder zu einem etwa gleichen Ergebnis
kommen, nämlich eine gute Beurteilung eines Bildes, an dem er
eher mäßigen Gefallen findet.
Die Beurteilung eines Bildes ohne Kenntnis und Anwendung
unseres oder eines ähnlich gestrickten Schemas wird
gelegentlich und etwas respektlos als eine Beurteilung aus dem
Bauch bezeichnet. Nun reagiert unser Bauch auf Schreck und
Angst, aber auch auf Lust und ähnliche Gefühle. Bei dem Bild
aber sind es mehr unsere Sinne, die visuellen zumal, sowie
Empfindungen und Erinnerungen, die das Bild in uns weckt.
Und die können gut oder übel sein oder auch gar nicht
stattfinden. Entsprechend wird unsere Beurteilung ausfallen.
Ziel des vorgeschlagenen Schemas ist es also, dem
Betrachter zu helfen, die große subjektive Komponente in
seiner Beurteilung eines Bildes zugunsten einer mehr
objektiven Beurteilung zurückzudrängen. Je mehr ihm das
gelingt, umso mehr wird gleichzeitig auch die
Reproduzierbarkeit seiner Aussage gestärkt.

266
Schließlich hat Helge Johannsen im Portfolio seiner
Fachliteratur einen Beitrag unbekannter Herkunft und von
unbekanntem Autor zu diesem Thema gefunden.

267
Freie Seite für persönliche Notizen

268
Freie Seite für persönliche Notizen

269
LITERATURHINWEISE

[1] Jost J. Marchesi, Handbuch der Fotografie,


Band 1,Seite 133,Verlag Photografie AG, Schaffhausen, 1993,ISBN 3-
7231-0024-4.
[2] Jürgen Richter, Meßmultis und Minimalisten,
35 Belichtungsmesser, Marktübersicht und Kaufberatung, Color Foto 4/99,
Seiten 36 bis 41.
[3] Henk Roelfsema, Das Zonensystem, Verlag Photographie AG,
Schaffhausen, 1990, ISBN 3-7231-0003-X.
[4] Jost J. Marchesi, Handbuch der Fotografie, Band 2, Seite 40,
Verlag Photographie AG, Schaffhausen, 1995, ISBN 3-7231-0025-2.
[5] Schwarzweiß-Filme im Überblick, COLOR FOTO 4/2002, Seite 56.
[6] Brenner Foto-Versand, Mooslohstraße 60, 92 673 Weiden,
Telefon 0961.6706050.
[7] Udo Raffay, Sammlung fotografischer Rezepte, 3. Auflage 1987,
Fototechnischer Beratungsdienst der CG-Chemie GmbH, Hamburg, ISBN
3-980107-0-8.
[8] Jost J. Marchesi, Handbuch der Fotografie, Band 2, Seite 122 ff,
Verlag Photographie AG, Schaffhausen, 1995, ISBN 3-7231-0025-2.
[9] Milha Podlogar, Belichtungsmesser und Kameras mit
eingebautem Belichtungsmesser (deutsch und englisch), Chronologie von
1818 bis 1970, Campe Verlag, 1996, ISBN 961-90338-0-9.
[10] Jost J. Marchesi, Handbuch der Fotografie, Band 2, Seite 40,
1995, Verlag Photographie AG, Schaffhausen, ISBN 3-7231-0025-2.
[11] Walter Buddelmann, Richtig entwickeln, Praxis der SW-
Verarbeitung, Dezember 1990, Tetenal Photowerk GmbH+Co,
Norderstedt.
[12] Andreas Beck, Vorsatzlinsen, Photographie 4/1995, Seite 45.
[13] Handbuch des Leica Systems, Leica Camera AG, Solms,
1999/2000.
[14] Thomas Forster, Alle Makroaufnahmegeräte für KB, Foto & Labor,
Nr. 5, 1995, Seite 36.
[15] Jürgen Richter, Nahaufnahmesysteme, Teil 1, Color Foto 5/99,
Seite 38.
[16] Jürgen Richter, Nahaufnahmesysteme, Teil 2, Color Foto 6/99,
Seite 50.
[17] Fritz Rauschenbach, Natur im Bild, Photographie 4/95, Seite 90.
[18] Wilhelm H. Westphal, Physik, Springer-Verlag, 1948.
[19] R.W. Pohl, Optik und Atomphysik, Springer-Verlag, 1958.
[20] Günter Osterloh, LEICA M, Hohe Schule der Fotografie, Umschau
Verlag, 1985, ISBN 3-524-68017-8.
[21] Klaus Paysan, Naturfotografie für jedermann, Franckh'sche
Verlagshandlung, 1966.
[22] Jost J. Marchesi, Handbuch der Fotografie, Band 1, Verlag
Fotografie, 1993, Seite 191, ISBN 3-7231.0024-4.
[23] Erwin Puts, Leica Lens Compendium, Hove Books limited, 2001,
Seite 14, ISBN 1-897802-17-x.

270
Nachtrag 1
Automatische Belichtungsmessung

Ergänzung zu Kapitel 3

Meßprinzip
Die Messung der Belichtungszeit mit einem
Laborbelichtungsmesser auf dem Grundbrett unter dem
Vergrößerungsgerät ist ein Vorgang ähnlich der Spot-Messung,
wie wir sie von der Belichtungsmessung bei der Aufnahme
kennen. Wird jetzt ein geeignetes Streufilter dicht unter dem
Objektiv in den Strahlengang zwischen Objektiv und Bild
geschwenkt, so ergibt sich eine Art mittenbetonte
Integralmessung, wenn das Auge des Belichtungsmessers
etwa in die Mitte des Bildes gelegt wird. Auf diesem Meßprinzip
beruht die automatische Belichtungsmessung bei
Vergrößerungsarbeiten in der Dunkelkammer.

Technische Voraussetzungen
Für Vergrößerungen bis zum Format 13 x 18 bietet sich die
so genannte automatische Belichtungsmessung an. Benötigt
wird dazu ein moderner Laborbelichtungsmesser, der eine
Kalibrierung auf die Empfindlichkeit des zu verwendenden
Papiers gestattet und der mit einem Schaltgerät gekoppelt ist,
so daß die gemessene Belichtungszeit gleich durch Knopfdruck
ausgelöst werden kann. Solch ein Belichtungsmesser gehört
ohnehin zur Standardausrüstung einer Dunkelkammer und isr
daher gewöhnlich vorhanden. Ferner ist eine Streuscheibe
erforderlich. Praktisch alle Vergrößerungsgeräte, auch die hoch
aufgerüsteten „High-end“-Einrichtungen, besitzen dafür eine
unter dem Objektiv angebrachte, einschwenkbare Blende, die
lieferseitig meistens mit einer Rotlichtfilterscheibe bestückt ist.
Dieses Rotfilter ist weitgehend überflüssig und wird für den hier
beschriebenen Vorgang durch eine transparente, nicht zu
dünne Plastikfolie ersetzt, die als Streuscheibe dient. Beim
Zeichenbedarf ist eine geeignete Folie dieser Art erhältlich, aus
der die Streuscheibe mittels einer Schere zu passender Form
ausgeschnitten werden kann.

Kalibrierung
Hierzu wird ein Negativ mit mittlerem Kontrast gewählt und
mit Hilfe von Probestreifen die richtige Belichtungszeit ermittelt.
Anschließend wird bei gleichbleibender Einstellung der Höhe
des Vergrößerungsgerätes und der Blende des Objektivs die
Streuscheibe eingeschwenkt und der Belichtungsmesser so
kalibriert, daß er die vorher ermittelte Belichtungszeit anzeigt.
Das Meßauge wird dabei etwa in die Mitte des Bildes gelegt.
Der Vorgang der Ermittlung der richtigen Belichtungszeit des
Testbildes sowie der Kalibrierung muß sehr sorgfältig
vorgenommen werden, da hiervon die erfolgreiche Anwendung
des Verfahrens abhängt. Die ermittelte
Empfindlichkeitseinstellung des Belichtungsmessers wird

271
zweckmäßig auf der Packung des Fotopapiers notiert und muß
dann bei späteren Arbeiten nicht nochmals ermittelt werden.

Anmerkung - Im Gegensatz zu der Wortwahl in einigen


Bedienungsanleitungen wird der Belichtungsmesser nach
obiger Methode nicht geeicht, sondern auf das zu
verwendende Papier kalibriert. Meßgeräte werden auch
werkseitig nicht geeicht, sondern im Rahmen der festgelegten
Fertigungstoleranzen justiert. Weil das auch häufig zum
Beispiel in Japan oder Taiwan geschieht, begegnen wir dem
Übersetzer mit der gebotenen Nachsicht.

Belichtung
Für die Belichtung eines Negativs wird die gewünschte
Blendenzahl eingestellt und zunächst die Streuscheibe
eingeschwenkt. Das Auge des Belichtungsmessers wird etwa in
die Mitte des Bildes gebracht. Der Abgleich des
Belichtungsmessers führt jetzt automatisch zu der richtigen
Belichtungszeit für das Bild, und die Streuscheibe wird
ausgeschwenkt. Der Vorgang der Formatausrichtung beim
jeweils nächsten Bild, des Abgleichs des Belichtungsmessers,
das einlegen des Papiers sowie seiner Belichtung nimmt kaum
mehr als 30 s in Anspruch. So können in etwa 20 Minuten die
36 Negative eines Kleinbildfilms zum Beispiel auf das
Postkartenformat 10 x 15 kopiert werden. Die Papiere können
anschließend gleichzeitig oder in Portionen in einer
entsprechend großen Entwicklerschale entwickelt werden.
Das Verfahren arbeitet bei Formaten bis 10 x 15 verblüffend
zuverlässig und liefert nahezu optimale Kopien. Dies gilt
weitgehend auch noch für das Format 13 x 18. Bei größeren
Formaten sollte, schon aus Kostengründen, der erhaltene
Meßwert zunächst mittels Probestreifen überprüft werden. Aber
selbst dann, wenn eine Korrektur erforderlich ist, wird die
„Probierzeit“ bei großen Formaten durch dieses Verfahren
erheblich abgekürzt.

Zusammenfassung
Wer mit einer Kleinbildkamera, die womöglich noch mit
einem Motorwinder ausgestattet ist, zum Beispiel auf Reisen
schwarzweiß fotografiert, hat schnell mehr Filme belichtet, als
ihm später in der Dunkelkammer zur weiteren Verarbeitung lieb
ist. Die automatische Belichtungsmessung mittels Streuscheibe
und kalibrierbarem Laborbelichtungsmesser reduziert die
erforderliche Arbeitszeit erheblich. Für Formate bis 10 x 15 ist
die automatische Belichtung mit Streuscheibe und
mittenbetonter Integralmessung einer Mehrpunktmessung ohne
Streuscheibe deutlich überlegen. Dies gilt insbesondere auch
für die Reproduzierbarkeit, da die subjektiv beeinflußte Auswahl
der Meßpunkte entfällt.

272
Nachtrag 2
Zum Unschärfekreis
Juni 2003

Ergänzung zu Kapitel 8

Herleitung
In Kapitel 8 wird gezeigt, daß sich der größte zugelassene
Durchmesser des Unschärfekreises auf dem Negativ aus zwei
einfachen Forderungen herleiten läßt, nämlich aus dem
Auflösungsvermögen des menschlichen Auges und einem
Mindestabstand bei der Betrachtung eines Bildes. Das
Auflösungsvermögen des Auges beträgt 1’ (eine Winkelminute),
und als Mindestabstand bei der Betrachtung eines Bildes wird
eine Entfernung in Größe der Bilddiagonale angenommen. Bei
der Bertachtung werden zwei Bildpunkte noch als getrennte
Punkte erkannt, wenn für ihren Abstand r von einender gerade
r/D = tan 1’
gilt. Hierin ist D die Bilddiagonale. Für das Negativ gelten
die gleichen Verhältnisse, so daß
r’/d = tan 1’,
wenn r’ der r entsprechende Abstand auf dem Negativ und
d die Diagonale des Negativs ist. Daraus ergibt sich
r = 0,000 291D
und
r’ = 0,000 291d

Durchmesser
Das folgende Bild 1 zeigt zwei Punkte, die diesen
Abstand r voneinander haben (a). Sie werden unter den oben
gegebenen Annahmen als getrennte Punkte wahrgenommen.
Im Falle einer unscharfen Abbildung erscheinen die Punkte auf
dem Bild als Unschärfekreise. Ist deren Durchmesser etwa 2r,
so können sie gerade noch als zwei getrennte Punkte erkannt
werden (b). Werden die Unschärfekreise noch größer, so
verlaufen sie ineinander, und das Auge erkennt nur noch einen
unscharf abgebildeten Punkt (c). Hiermit wird veranschaulicht,
warum 2r’ als größter zugelassener Durchmesser für den
Unschärfekreis auf dem Negativ angenommen wird.

Berechnung
Aus Abschnitt 1 ergibt sich damit für den größten
zugelassenen Durchmesser für den Unschärfekreis auf dem
Negativ
2r’ = 2(0,000 291d)
≈ d/1 700
Für das Kleinbildformat mit d = 42 mm ergibt sich
2r’ = 0,024 mm, für das 6x6-Format mit d = 82 mm
2r’ = 0,048 mm.

273
Sonderfälle
Der kleinste bequeme Betrachtungsabstand für ein
normalsichtiges, gesundes Auge beträgt etwa 250 mm, ist also
deutlich größer als die Diagonalen kleinerer Formate wie 6x9,
9x12, 10x15 oder 13x18. Hierfür wird vom Kleinbildnegativ ein
Vergrößerungsfaktor von 3 bis 5 benötigt. Für d können wir also
etwa 250/5 bis 250/3 setzen und erhalten für diese kleinen
Formate einen zulässigen Durchmesser für den Unschärfekreis
im Bereich von 0,03 bis 0,05 mm.

Bild 1 – Paare von Unschärfekreisen unterschiedlicher


Größe auf dem Bild

Umgekehrt verhält es sich, wenn Ausschnitte aus dem


Negativ auf große Formate vergrößert werden sollen. In diesen
Fällen muß für d die Diagonale des Ausschnittfeldes eingesetzt
werden. Der zulässige Durchmesser für den Unschärfekreis
wird also entsprechend kleiner, so daß erkennbare Unschärfe
dort auftritt, wo sie bei Vergrößerung vom vollen Negativformat
noch nicht aufgefallen war. Ist dieses Vorgehen von Anfang an
geplant, so muß bei der Aufnahme um eine oder zwei
Blendenstufen weiter abgeblendet werden, um den
Schärfentiefenbereich entsprechend zu vergrößern.

Beispiele für Herstellerangaben


Leitz
Bei Ernst Leitz beziehungsweise Leica Camera wird
spätestens seit 1930 mit der Einführung der auswechselbaren
Objektive auf der Objektivfassung eine Gravur der
Schärfentiefe angebracht. Bis auf den heutigen Tag beruhen
alle diese Gravuren und auch die von Leitz oder Leica
herausgegebenen Tabellen für die Schärfentiefe auf dem

274
Betrag 0,03 mm für den größten zulässigen Durchmesser für
den Unschärfekreis.
Als Barnack wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg seine
Leica-Prototypen konstruierte, die dann erst 1925 zur
Serienproduktion der Leica führten, war bereits der Rollfilm auf
dem Markt, der zurammen mit Billig-Boxen das Format 6x9
weltweit populär machte, die als eigentlicher Wettbewerb zur
Leica mit dem Kinofilm angesehen werden mußten. Sicher hat
das Seitenverhältnis 1:1,5 des Rollfilm-Formats 6x9 die Wahl
des Formats 24x36 beeinflußt. Um allerdings auf Bilder der
Größen 6x9 bis 13x18 zu gelangen, mußte mit
Vergrößerungsfaktoren von 3 bis 5 vergrößert werden. Bei
einem angenommenen optimalen Betrachtungsabstand von
250 mm und einem Vergrößerungsfaktor 5 ergibt sich analog zu
oben für den größten zulässigen Durchmesser für den
Unschärfekreis auf dem Film ein Betrag von
(250/5)/1700 = 0,029, gerundet 0,03 mm. So oder so ähnlich
werden die Überlegungen gewesen sein, die zur Entscheidung
für diesen Referenzwert bei Leitz führten [23].
Allerdings verwendet Leica Camera in der dem
Balgeneinstellgerät R BR2 beiliegenden Tabelle für den
Schärfentiefenbereich den „Zerstreuungskreis“
1/30 = 0,033 mm. Die Tabellenwerte sind in Übereinstimmung
mit Gleichung 23.

Rollei
Bei Rollei wird für die Rolleiflex SL 66 SE in der
Bedienungsanleitung für den Durchmesser des
Unschärfekreises, hier noch Zerstreuungskreis genannt, ein
Betrag von 0,056 mm als Grundlage der Gravuren angegeben.
Das entspricht einem Faktor 1 430 (= 80/0,056).
Für die Rolleiflex 2,8 F gibt Rollei in der
Bedienungsanleitung eine Tabelle für die „Tiefenschärfe“ mit
dem Hinweis: Zerstreuungskreis wahlweise f/1 700 oder
f/2 400. Das entspricht wegen f = 80 mm im ersten Fall
0,047 mm, im zweiten Fall der verschärften Bedingung
0,033 mm für den Durchmesser des Unschärfekreises. 1 700
und 2 400 unterscheiden sich um den Faktor √2, was genau
einer Blendenstufe entspricht. Rollei empfiehlt also im Falle der
Rolleiflex 2,8 F, für größere Schärfentiefe um eine Blendenstufe
weiter abzublenden, als auf der Gravur angegeben ist.

275
Nachtrag 3
Die „Regenrinne“, Entwicklungsgefäß
für sehr große Vergrößerungen

Ergänzung zu Kapitel 3

Begriff
Unter sehr großen Vergrößerungen verstehen wir Abzüge
vom Negativ im Format 40 x 50 und größer. Das größte im
Handel erhältliche fertig geschnittene Papier hat das Format
50 x 60. Falls größere Poster angefertigt werden sollen, kann
dafür fotografisches Papier als Rollenware unterschiedlicher
Breite ab 61 cm und gewöhnlich in Längen von 30 m über den
Fachhandel bezogen werden.

Aufgabe
Nun wird auch der ambitionierte Fotoamateur, also der
Fotograf, dessen Existenzgrundlage nicht die Fotografie ist, das
Format 50 x 60 kaum überschreiten. Tatsächlich werden
Formate von 40 x 50 und darüber eher selten und vor allem
nicht in größerer Menge anfallen. Im folgenden wird
vorgeschlagen, wie in diesen Fällen mit sehr wenig
Entwicklerlösung gleichermaßen ökonomisch und ökologisch
günstig vorgegangen werden kann.

Entwicklungsgefäße
Elektromechanische Maschine
Wir haben bereits in Kapitel 3 darauf hingewiesen, daß
elektromechanisch betriebene trommelähnliche Behälter für die
gelegentliche Benutzung durch den Amateur finanziell kaum
vertretbar sind, und wollen sie auch hier ausschließen.

Schwamm
Es hat sich ferner gezeigt, daß das Auftragen der
Entwicklerlösung und die Benetzung des Papiers mittels
Schwamm oder ähnlichem „Werkzeug“ in den nachfolgenden
Prozessen gewöhnlich zu einer üblen und wenig ökologischen
Panschrei führt.

Entwicklerschale
Eine Entwicklungsschale für das Format 50 x 60 muß
mindestens mit vier, besser mit fünf Litern Entwicklerlösung
befüllt werden, damit die Kopien hinreichend eingetaucht und
benetzt werden können. Aus den Verarbeitungshinweisen
lernen wir, daß die Ergiebigkeit von gebrauchsfähiger
Entwicklerlösung, zum Beispiel einer Lösung von
Eukobrom 1+9, etwa 2 m² je Liter beträgt. Das entspricht sechs
bis sieben Kopien des Formats 50 x 60. Diese Anzahl bedeutet
die intensive Arbeit eines langen Nachmittags. Besteht danach
kein weiterer Bedarf, so muß die Entwicklerlösung, mit der noch
etwa 25 weitere Großkopien angefertigt werden könnten,
wegen der begrenzten Haltbarkeit verworfen werden.

276
Regenrinne
Wird jetzt zur Aufnahme der Entwicklerlösung ein schmales
und genügend langes trogähnliches Gefäß verwendet, so kann
der mit Haushaltsgummihand-schuhen bewehrte Fotograf die
Kopie an beiden Schmalseiten greifen und senkrecht auf und
ab durch die Lösung ziehen. Als Trog bietet sich ein Abschnitt
einer Plastik-Regenrinne an.

Deckplatte, Spanplatte weiß,


verbindet zwei Träger

Holzleiste 5x25 mm Träger, 18 mm Sperrholz


Regenrinnen-Abschnitt Entwicklerschale 50x60 cm

Bild 1 – „Katamaran“, ein Beispiel


für eine mögliche Anordnung

Diese Regenrinnen sind in jedem Baumarkt zu beziehen.


Sie sind weitgehend beständig gegen Säuren und Laugen, und
die zugehörigen Endverschlußstücke dichten die Rinne mittels
eingelegter Silikonschnur vollständig ab. Regenrinnen gibt es in
verschiedenen Breiten und Längen. Für unsre Zwecke wird ein
Stück von 1 m Länge und 10 cm Breite mit zwei
Endverschlußstücken empfohlen. Die Rinne wird auf etwa
55 cm gekürzt und mit den Endverschlußstücken versehen. Sie
wird in eine Entwicklungsschale für das Format 50 x 60 an eine
Längsseite gestellt und in geeigneter Weise fixiert. Sie ist mit
etwa 1 Liter Entwicklerlösung ausreichend gefüllt, um den
Entwicklungsvorgang, wie oben angedeutet, zu ermöglichen.
Eine zweite, gleiche Rinne wird auf die gegenüberliegende
Seite in die Entwicklungsschale gestellt und mit Stoppbad-
Lösung befüllt. Siehe hierzu Bild 1.

Fixierbad
Da die gebrauchsfertige Fixierbadlösung über einen langen
Zeitraum haltbar bleibt, kann eine größere Menge vorgehalten
werden und die Fixage der Großkopien in gewohnter Weise in
einer Schale erfolgen.

277
Einfluß

Abfluß
Ausfluß
Überfluß

Ausschuß

Überschuß

Bild 2 – Fließdiagramm „Regenrinne“

278
NACHTRAG 4
Ergiebigkeit von Arbeitslösungen

Ergänzung zu Kapitel 3
Die Angaben auf den Gebinden für Fixierbad und
Entwicklerlösung überlassen dem Fotografen die Entscheidung über
die gewünschte oder notwendige Konzentration der Arbeitslösung,
von der die Ergiebigkeit abhängt. Die Angaben über die Ergiebigkeit
sind nicht in jedem Fall eindeutig, so zum Beispiel auch nicht für den
Papierentwickler Eukobrom von Tetenal. Die erforderliche
Konzentration von Einmal-Filmentwicklern wird eingehend in
Kapitel 5 beschrieben. Hier werden die Flüssigkonzentrate Fixierbad
Superfix Plus und der Papierentwickler Eukobrom von Tetenal
behandelt.

Fixierbad Superfix Plus von Tetenal


Die folgenden Angaben und Tabellen verschaffen eine schnelle
und einfache Übersicht für die Wahl des Mischungsverhältnisses und
die Kontrolle über die Ergiebigkeit der angesetzten Arbeitslösung.
Für Filme mit T-Kristall-Technologie wird eine Verdünnung von 1 + 6
empfohlen, für herkömmliche Filme eine Verdünnung von 1 + 9. Für
Papiere wird eine Verdünnung von 1 + 9 empfohlen. Sie entspricht
einer Ergiebigkeit von etwa 1,4 m²/l Arbeitslösung.
Die folgenden Tabellen dienen der Orientierung und
gegebenenfalls der Planung für die Menge des Ansatzes der
Arbeitslösung. Bei Fixierbadlösungen kann zusätzlich mittels
Fixierbadprüfer der Verbrauchszustand der Lösung kontrolliert
werden. Nahezu erschöpfte Fixierbadlösungen sollten nicht mehr für
längere Zeit aufbewahrt werden, da sie durch Ausfall von Silber
verderben können.

Tabelle 1 - Ergiebigkeit von 1 Liter Arbeitslösung


für KB-Filme und Rollfilme im Fixierbad

Verdünnung Zahl der Filme

1+3 18
1+6 12
1+9 6

143 ml Konzentrat mit Wasser aufgefüllt auf 1 l ergibt eine


Verdünnung von 1 + 6, und 100 ml Konzentrat mit Wasser aufgefüllt
auf 1 l ergibt eine Verdünnung von 1 + 9.

Papierentwickler Eukobrom von Tetenal


Auch bei Eukobrom kann durch Erhöhung der Konzentration,
zum Beispiel bei einer Verdünnung von 1 + 3, eine hohe Ergiebigkeit
der Arbeitslösung erzielt werden. Wegen der unvermeidbaren
„Abtropfverluste“, nämlich dem Untergang von Entwicklerlösung im
Stoppbad, wird empfohlen, die klassische Verdünnung von 1 + 9 zu
wählen.

279
Die Ergiebigkeit der Arbeitslösung beträgt etwa 2 m²/l. Die
Angabe auf dem Gebinde „...bis 5 m²/l“ ist verwirrend. Sie bezieht
sich auf eine Verdünnung von 1 + 3, was nicht dazugeschrieben wird
(Telefongespräch mit Herrn Buddelmann von Tetenal am 2.4.2004).

Tabelle 2 - Ergiebigkeit von 1 Liter Arbeitslösung


für Papiere im Fixierbad
Blattzahl
Papierformat
Verdünnung

1+6 1+9

10 x 15 130 90
13 x 18 85 60
18 x 24 45 30
24 x 30 28 20
30 x 40 17 12
40 x 50 10 7
50 x 60 7 5

Tabelle 3 - Ergiebigkeit von 1 Liter Arbeitslösung


für Papiere in Entwickler Eukobrom 1 + 9

Papierformat- Blattzahl

10 x 15 130
13 x 18 85
18 x 24 45
24 x 30 28
30 x 40 17
40 x 50 10
50 x 60 7

100 ml Konzentrat mit Wasser aufgefüllt auf 1 l ergibt eine


Verdünnung von 1 + 9.

280
ANLAGE

281
FOTOGRAFISCHE BEGRIFFE
PHOTOGAPHIC TERMS

Deutsch - Englisch

A
Abbildungsfehler aberration
Abbildungsleistung reproductive performance
Abbildungsmaßstab reproduction scale
abblenden to stop down
Abblendung lens stop
abschatten to shade off
Achromat achromat
achromatisch achromatic
Astigmatismus astigmatism
Auflösung resolution
Aufnahmeabstand focussing distance
Aufnahmeebene focus plane
Aufnahmewinkel shooting angle
Aufziehknopf winding knob
auslöschen (sich, 2 Strahlen) to cancle each other
Auslöseknopf release button, press button
Austrittspupille exit pupil
Auszug extension
Autofokus autofocus

B
Bajonett bayonet
Balgen bellow
Balgenauszug bellow extension
Balgeneinstellgerät focussing bellow
belichten to expose
Belichtung exposure
Belichtungsmesser exposure meter
Belichtungszeit exposure time, shutter speed
Beschichtung coating
Bild picture, image
Bildebene image plane
Bildfeld field of view
Bildformat print format
Bildgröße image size
Bildkreis angle of field
Bildschärfe sharpness of image
Bildton image tone
Bildwinkel angle of view, image angle
Bildzählwerk exposure counter
Blende diaphragm
Blendenöffnung aperture, aperture stop
Blendenvorwahl aperture pre-selection
Blendenzahl aperture setting
Blitz flash
Blitzbelichtungsmesser flashlight meter

282
Blitzlicht flashlight
Blitz-Synchronisation flash synchronization
brechen (Licht) to refract, to deflect, to bend
Brechungsindex index of refraction
Brennpunkt focus, focal point
Brennweite focus, focal length

C
chromatischer Fehler chromatic aberration,
chromatic error

D
Doppelbelichtung double exposure
Drahtauslöser cable release
Dreilinser triplet
Dunkelkammer dark room
Dunkelkammerfilter dark room filter, safelight filter
Dunkelkammerleuchte dark room lamp,
Dunst haze
Durchqueren der Linse (lLcht) to transverse the lens

E
Einfachbeschichtung single layer coating
Einfallswinkel angle of incidence
Einlinser singlet
Einstellbereich focussing range
Einstellebene focus plane
Einstellupe focussing magnifier
Einstellscheibe focussing screen
Eintrittspupille entry pupil
Einzelbild single frame
Einzelbildauslösung single frame release
elektrische Auslösung electric release
Entfernung einstellen to focus
Entfernungseinstellung (focussing) distance setting
Entfernungsmesser rangefinder
Entfernungsmessung distance measurement
Entwickeln to develop
Entwickler developer
Entwicklung development
extra hart extra hard

Farbe colour
Farbbild colour photograph, c. print
Farbdispersion colour dispersion
Farbfotografie colour photography
Farbpapier colour paper
Farbsättigung colour saturation
Farbspektrum spectrum of colours
Farbvergrößerungsgerät colour enlarger

283
Fernrohr telescope
Film film
Filmebene film plane, negative plane
Filmempfindlichkeit film speed, sensitivity
Filter filter
Filterfaktor filter factor
Filterwert filter value
fixieren to fix
Fixierer fixer
Fixierung fixation
fokussieren to focus
Format format
Fotograf photographer
Fotografie photograph, photography
fotografieren to take a picture,
to photograph
fotografischer Prozeß photographic process
Fotopapier photographic paper
Freihand-Arbeit hand-held operation

G
Gegenlicht backlighting
Gegenlichtblende lens hood, lens shade
Gegenstand, Objekt object
Gegenstandsgröße object size
gekittete Linsen cemented glass
Geöffnete, größte Blende full aperture
glänzend glossy
Gradation gradation, grade
Gradationswandelfilter variable contrast filter
Gradationswandelpapier variable contrast paper
Großformat large format

H
halbmatt semi-matt
hart hard
Hintergrund background
hochempfindlich high speed
Hochformat portrait format

I
Infrarot infrared
Irisblende irisdiaphragm

K
Kabelauslöser cable release
Kamera camera
Kameragehäuse camera body
Kinoformat cine-format
Kleinbild 35 mm format
Kleinbildkamera 35 mm camera
Koma (Asymmetriefehler) coma, asymmetry error

284
Kompendium compendium
Konkavkonvex-Lise meniscus lens
Kontaktabzug contact-print
Kontaktpapier contact paper
Kontrast contrast
Kontrastumfang contrast range
Kopie print, copy
Kopierumfang copy range
Körnigkeit granularity
Korrektionslinse correction lens
Kugelgelenkkopf ball and socket head

L
Lagerung storage
Landschaftsaufnahme landscape photograph
Langzeitbelichtung longtime exposure
Leuchtrahmen bright-line frame
Lichtbrechung refraction of light
Lichthof halo
lichtstarkes Objektiv high-speed lens,
wide aperture lens

M
Makrofotografie macro, close-up photography
matt matt
Mattscheibe matt, ground glass screen
Mehrfachbelichtung multiple exposure
Mehrfachbeschichtung multo-layer coaring
Meßsucher range finder
Meßsucherkamera range finder camera
Mikrofotografie micro photography
Monochromatischer Fehler monochromatic error

N
Nahaufnahme close-up photography
Nahbereich close-up range
Negativ negative
Negativebene film plane
Neutralschwarz neutral black
normal normal
Normalbrennweite standard focal length

O
Objekt, Gegenstand object
Objektfeld object field
Objektiv lens
Objektivanschluß lens attachment
Objektivdeckel lens cap
Objektivfassung lens mount
Objektivwechsel lens change
Okular eyepiece
Okularfassung eyepiece mount

285
Optische Achse optical axis

P
Parallaxe parallax
Polarisationsfilter polarizing filter

Q
Querformat landscape format

R
Randfehler field aberration
Restfehler residual error
Rollfilm rollfilm
Rückspulknopf rewind knob

S
Sammellinse focussing lens
Schale dish, tray
Schalenentwicklung dish processing
Scharf eingestellt in focus
Scharf einstellen to focus, to bring in focus
Schärfentiefe depth of field (DoF)
Schärfentiefenskala Depth scale
Schleierbildung veiling glare
Schnappschuß snapshot
Schwarzweiß black and white
Schwarzweiß-Papier black and white paper
Seitenlicht sidelighting
Selbstauslöser self-timer
Serienaufnahme series release
Solarisation solarisation
Sonnenblende (siehe Gegenlichtblende)
Spiegelsucher mirror finder
Spiegelvorauslösung mirror release
Springblende preset diaphragm
Stativ tripod
Stativgewinde tripod thread
Stoppbad stop bath
Strahl (Lichtstrahl) ray
Strahlenbündel bundle of rays
Streulicht stray light, flare
Streulicht im Objektiv lens flare
Streulichtanteil lens flare factor
Sucher viewfinder
Sucherbild viewfinder image
Systemkamera system camera

T
Teleobjektiv telephoto lens
Tischstativ table tripod
Tragriemen carrying strap
Transporthebel transport lever

286
Trocknung drying
Trommelentwicklung machine processing

U
Ultraviolett ultraviolet
undeutlich fuzzy
unscharf out of focus, defocussed
Unschärfe unsharpness, blur
Unschärfekreis circle of confusion
UV-Filter UV-filter
UV-Strahlung UV radiation

V
Vario-Objektiv vario lens
Verarbeiten to process
Verarbeitung processing
vergrößern to enlarge, to make prints
Vergrößerung enlargement
Vergrößerungsfaktor enlargement scale
Vergrößerungsgerät enlarger
Vergrößerungskopf enlarger head
Vergrßerungspapier enlarging paper
Verlängerungsfaktor extension factor
Verschluß shutter
Verschlußauslösung shutter release
Verschlußzeit shutter speed
verschwommen blurred, fuzzy
Verzeichnung distortion
Vordergrund foreground

W
Wässerung washing
Wechselobjektiv interchangeable lens
weich soft
Weichzeichner soft focus lens
Weißes Licht white light
Weitwinkelobjektiv wide-angle lens
Wellenlänge wavelength
Wiedergabeformat print format
Winkelsucher angular view-finder

Z
Zeitmesser timer
Zirkular-Polarisationsfilter circular polarization filter
Zoom-Objektiv zoom lens
Zweifachbelichtung double exposure
Zweilinser doublet
Zwischenring extension ring

287
English - German

35 mm camera Kleinbildkamera
35 mm format Kleinbild

A
aberration Abbildungsfehler
achromat Achromat
achromatic achromatisch
angle of field Bildkreis
angle of incidence Einfallswinkel
angle of view Bildwinkel
angular viewfinder Winkelsucher
aperture pre-selection Blendenvorwahl
aperture setting Blendenzahl
aperture, aperture stop Blendenöffnung
astigmatism Astigmatismus
autofocus Autofokus

B
background Hintergrund
backlighting Gegenlicht
ball and socket head Kugelgelenkkopf
bayonet Bajonett
bellow Balgen
bellow extension Balgenauszug
bend brechen (Licht)
black and white Schwarzweiß
black and white paper Schwarzweiß-Papier
blur Unschärfe
blurred verschwommen
bright-line frame Leuchtrahmen
bring into focus scharf einstellen
bundle of rays Strahlenbündel

C
cable release Kabelauslöser, Drahtauslöser
camera body Kameragehäuse
camera kamera
cancle each other sich auslöschen (2 Strahlen)
carrying strap Trageriemen
cemented glass gekittete Linsen
chromatic aberration, chromatischer Fehler
chromatic error
cine-format Kinofarmat
circle of confusion Unschärfekreis
circular polarization filter Zirkular-Polarisationsfilter
close-up photography Makrofotografie,
close-up range Nahbereich
coating Beschichtung
colour enlarger Farbvergrüßerungsgerät
colour paper Farbpapier

288
colour photgraph Farbbild
colour photography Farbfotografie
colour print Farbbild, Farbabzug
colour saturation Farbsättigung
coma (asymmetry error) Koma (Asymmetriefehler)
compendium Kompendium
contact paper Kontaktpapier
contact print Kontaktabzug
contrast Kontrast
contrast range Kontrastumfang
copy Kopie
copy range Kopierumfang
correction lens Korrekturlinse

D
dark room filter Dunkelkammerfilter
dark room lamp Dunkelkammerleuchte
dark room Dunkelkammer
defocussed unscharf
defract brechen (Licht)
depth of field (DOF) Schärfentiefe
develop entwickeln
developer Entwickler
development Entwicklung
diaphragm Blende
dish Schale
dish processing Schalenentwicklung
distance measurement Entfernungsmessung
distance setting Entfernungseinstelling
distortion Verzeichnung
double exposure Zweifachbelichtung
doublet Zweilinser
drying Trocknung

E
electric release ektrische Auslösung
enlarge vergrößern
enlargement Vergrößerung
enlargement scale Vergrößerungsfaktor
enlarger Vergrößerungsgerät
enlarger head Vergrößerungskopf
enlarging paper Vergrößerungspapier
entry pupil Eintrittspupillr
exit pupil Austrittspupille
expose belichten
exposure Belichtung
exposure counter Bildzählwerk
exposure meter Belichtungsmesse
exposure time, shutter speed Belichtungszeit
extension Auszug
extension factor Verlängerungfaktor
extension ring Zwischen ring

289
extra hard extra hart
eyepiece Okular
eyepiece mount Okularfassung

F
field aberration Randfehler
field of view Bildfeld
film Film
film plane Filmebene, Negativebene
film speed Filmempfindlichkeit
filter Filter
filter factor Filterfaktor
filter value Filterwert
fix fixieren
fixation Fixierung
flare Streulicht
flash Blitz
flash synchronization Blitz-Synchronisation
flashlight Blitzlicht
flashlight meter Blitzbelichtungsmesser
focal length Brennweite
focus entfernung einstellen
focus Brennweite, Brennpunkt
focus plane Aufnahmeebene
focussing bellow Balgeneinstellgerät
focussing distance Aufnahmeabstand
focussing lens Sammellinse
focussing magnifier Einstellupe
focussing range Einstellbereich
focussing screen Einstellscheibe, Mattscheibe
focussing setting Entfernungseinstellung
foreground Vordergrund
format Farmat
full aperture geöffnete, größte Blende
fuzzy undeutlich, verschwommen

G
glozzy glänzend
gradation Gradation
grade Gradation
granularity Körnigkeit
ground glass screen Mattscheibe

H
halo Lichthof
hard hart
haze Dunst
high speed hochempfindlich
high speed lens lichtstarkes Objektiv

I
image Bild

290
image angle Bildwinkel
image plane Bildebene
image size Bildgröße
image tone Bildton
in focus scharf eingestellt
index of refraction Brechungsindex
infrared infrarot
interchangeable lens Wechselobjektiv
iris diaphragm Irisblende
L
landscape format Querformat
landscape photograph Landschaftsaufnahme
large format Großformat
lens Objektiv
lens attachment Objektivanschluß
lens cap Objektivdeckel
lens change Objektivwechsel
lens flare Streulicht im Objektiv
lens flare factor Streulichtanteil
lens hood Gegenlichtblende
lens mount Objektivfassung
lens shade Gegenlichtblende
lens stop Abblendung
longtime exposure Langzeitbelichtung

M
machine processing Trommelentwicklung
macro photography Makrofotografie
make prints vergrößern
matt matt
matt screen Mattscheibe
meniscus lens Konkavkonvexlinse
micro photography Mikrofotografie
mirror finder Spiegelsucher
mirror release Spiegelvorauslösung
monochromatic error monochromatischer Fehler
multiple exposure Mehrfachbelichtung
Nahaufnahme

N
negative Negativ
negative plane Filmebene
neutral black Neutralschwarz
normal normal

O
object field Objektfeld
object size Gegenstandsgröße
object Gegenstand, Objekt
optical axis optische Achse
out of focus unscharf eingestellt

291
P
parallax Parallaxe
photograph Fotografie, Bild
photography Fotografie (als Tätigkeit)
phozographer Fotograf
picture Bild
polarizing filter Polarisationsfilter
portrait format Hochformat
preset diaphragm Springblende
print Kopie, Bild
print format Wiedergabeformat
process verarbeiten
processing Verarbeitung

R
range finder Meßsucher,
Entfernungsmesser
range finder camera Meßsucherkamera
ray Strahl (Lichtstrahl)
refract brechen (Licht)
refraction of light Lichtbrechung
reproduction scale Abbildungsmaßstab
reproductive performance Abbildungsleistung
residual error Restfehler
resolution Auflösung
rewind knob Rückspulknopf
roll film Rollfilm

S
savelight filter Dunkelkammerfilter
self-timer Selbstauslöser
semi-matt halbmatt
sensitivity Empfindlichkeit (Film, Papier)
series release Serienaufnahme
shade off abschatten
sharpness of image Bildschärfe
shooting angle Aufnahmewinkel
shutter Verschluß
shutter release Verschlußauslösung
shutter speed Verschlußzeit
sidelighting Seitenlicht
single frame release Einzelbildauslösung
single layer coating Einfachbeschichtung
singlet Einlinser
snapshot Schnappschuß
soft weich
soft focus lens Weichzeichner
solarisation Solarisation
spectrum of colours Farbspektrum
standard focal length Normalbrennweite
stop bath Stoppbad
stop down abblenden

292
storage Lagerung
stray light Streulicht
system camera Systemkamera

T
table tripod Tischstativ
telephoto lens Teleobjektiv
telescope Fernrohr
timer Zeitmesser
transport lever Transporthebel
trasverse the lens die Linse durchqueren (Licht)
tray Schale
triplet Dreilinser
tripod Stativ
tripod thread Stativgewinde

U
ultraviolet Ultraviolett
unsharp unscharf
unsharpness Unschärfe
UV radiation UV-Strahlung
UV-filter UV-Filter

V
variable contrast paper Gradationswandelpapier
vario lens Vario-Objektiv
veiling glare Schleierbildung
viewfinder Sucher
viewfinder image Sucherbild

W
washing Wässerung
wave length Wellenlänge
white light weißes Licht
wide aperture lens lichtstarkes Objektiv
wide-angle lens Weitwinkelobjektiv
winding knob Aufziehknopf

Z
zoom lens Zoom-Objektiv

293