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LESEN UND UBEN Achim Seiffarth Z Z 8 9 3 ta Johann Wolfgang Goethe rN NS : we I AS cD AUDIO ay, CIDEB Achim Seiffarth Johann Wolfgang Goethe iert von Gianni De Conno Redaktion: Claudia Corrias Kainstlerische Leitung und Gestaltungskonzept: Nadia Maestri ‘Computerlayout: Carlo Cibrario-Sent, Simona Corniola Bildbeschaffung: Alice Graziotin ©2014 Cideb, Genua, London Erstausgabe: Januar 2014 Fotonachweis: Istockphoto; Dreams Time; Shutterstock Images; DeAgostini Picture Library: 4; © Monheim: Florian/Arcaid /Corbis 49; © Looklmages/Cuboimages: 500; Getty Images: 50u; DeAgostini Picture Library: 51; © Looklmages/Cuboimages: 520; IMAGNO/ Austrian Archives (AA)/Getty Images: 52u; 2000 Ulrich Baumgarten/ Getty Images: 53; DeAgostini Picture Library: 74; 2013 Culture Club/ Getty Images: 75; © Lebrecht Authors/Lebrecht Music & Arts/Corbis: 76; DeAgostini Picture Library: 89; 2013 Culture Club/Getty Images: 900; DeAgostini Picture Library: 90u, 91u; Time & Life Pictures/Getty Images: 92; DeAgostini Picture Library: 93; WebPhoto: 102, 103. ‘Trotz intensiver Bemithungen konnten nicht alle Inhaber von Text- und Bildrechten ausfindig gemacht werden. Fiir entsprechende Hinweise ist der Verlag dankbar. Alle Rechte vorbehalten. Die Verbreitung dieses Buches oder von Teilen daraus durch Film, Funk oder Fernsehen, der Nachdruck und die fotomechanische Wiedergabe sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Verlages gestattet. Wir wiirden uns freuen, von Ihnen zu erfahren, ob Ihnen dieses Buch gefallen hat. Wenn Sie uns Ihre Eindriicke mitteilen oder Verbesserungsvorschlige machen michten, oder wenn Sie Informationen tiber unsere Verlagsproduktion wiinschen, schreiben Sie bitte an: info@blackcat-cideb.com www:blackeat-cideb.com Member of C189 Federation RINA 150 9001:2008. Ceortfied Quast system ‘The design, reduction ‘tality Management system which ‘andndis0 900 in Cet No, 24254025 TONet og No 8009) ISBN 978-88-530-1431-3 Buch + CD Gedruckt in Genua, Italien, bei Litoprint KAPITEL 1 Frankfurt 9 KAPITEL 2 Leipzig 18 KAPITEL 3 StraBburg 28 KAPITEL 4 Frankfurt und Wetzlar 38 KAPITEL 5 Weimar 54 KAPITEL 6 Ita 65 KAPITEL 7 Wieder in Weimar 79 KAPITEL 8 Schiller 94 KAPITEL 9 Eckermann, letzte Liebe 104 DOSSIER Johann Wolfgang von Goethe: Ein Mann, viele Werke 4 Weimar 49 Faustisch streben 74 Die Literatur bliiht im achtzehnten Jahrhundert 87 ZUM KINO Goethe - Der Film 102 OBUNGEN 15, 25, 35, 46, 62, 72, 85, 99, 108 ABSCHLUSSTEST 110 (AB ie co entnalt den volistindigen Text Johann Wolfgang von Goethe: Ein Mann, viele Werke Johann Wolfgang Goethe ist am 28. August 1749 in Frankfurt geboren. Sein Vater ist Advokat, aber er arbeitet nur wenig. Er sammelt Kunst, er liest und schreibt, und er gibt seinen Kindern zu Hause Unterricht. Als junger Mann ist er in Italien gewesen und erzahlt immer von dieser Reise. Eine Fi milie mit Geld. Der Gro8vater ist ein wichtiger Mann in Frankfurt, einer freien Stadt, in der sich die Birger selbst regieren. Menschen aus aller Welt kommen her, und auch der deutsche Kaiser wird hier gekrént. Der kleine Goethe fiihlt sich im Zentrum der Welt. 1765 — 1768. Er studiert Jura, denn sein Vater méchte, dass er Karriere macht. Als Student in Leipzig muss er lernen, dass Frankfurt eine Provinzstadt ist. Goethe lernt sich elegant zu kleiden und hochdeutsch zu sprechen, Das Studium macht ihm keinen Spa8. Lieber als Advokat will er Dichter werden oder Maler. Er verliebt sich, aber die Geschichte geht nicht gut aus. Er wird krank und muss zuriick nach Frankfurt. Dort kommt er mit religiésen und mystischen Tendenzen in Kontakt. 1770 - 1771. Wieder gesund, studiert soethe in Stra8burg weiter. Das ist eine franzésische Stadt, aber es gibt eine deutsche Universitat dort. Das Miinster macht gro8en Eindruck auf ihn. Er lernt Johann Gottfried Herder kennen. Er verliebt sich in eine junge Frau vom Lande. Er beendet sein Studium und wird Doktor der Rechtswissenschaften. Dann geht er nach Frankfurt zuriick. Seine Liebe bleibt in Stra8burg. In Frankfurt arbeitet er in bisschen als Advokat. Aber er schreibt auch. Er verffentlicht ein historisches Drama, den Gétz von Berlichingen. Das ist das erste Theaterstiick einer neuen literarischen Bewegung: der Sturm und Drang. Doch Goethes Vater denkt an seine Karriere und schickt ihn 1772 ans Reichskammergericht nach Wetzlar, wo er als Praktikant arbeiten soll. Das ist sehr langweilig. Er verliebt sich, aber die junge Dame hat schon einen Verlobten. Goethe bleibt nicht lange in Wetzlar. Wieder in Frankfurt, hat er die Idee zum Werther. Grundlage sind seine eigenen Liebesgeschichten. Mit seinem Briefroman hat Goethe sehr groen Erfolg. Er verliebt sich, aber er kann die sehr reiche Bankierstochter nicht heiraten. Jetzt kommen oft Besucher. Einer dieser Besucher ist der junge Herzog Karl August von Weimar. Er bittet Goethe, ihn in Weimar zu besuchen. 1775 ~ 1787. Goethe hilft dem Herzog, Feste zu organisieren. Im nachsten Jahr beginnt er, bei der Regierung, mitzuarbeiten, vor allem die Finanzen zu konsolidieren. Er schreibt nicht viel in diesen Jahren, aber er macht Karriere. 1779 wird er Minister. 1782 wird er geadelt. Verliebt ist er auch, aber die Dame ist verheiratet. Am Ende wird ihm das alles zu viel und 1786 reist er ,bei Nacht und Nebel” nach Italien. Er bleibt zwei Jahre dort. Die meiste Zeit bleibt er in Rom. Dort befreundet er sich mit deutschen Kiinstlern und mit der Malerin Angelika Kaufmann. Er hat, scheint es, auch eine Liebesgeschichte dort. Christiane Vulpius 1788 wieder in Weimar, ist Goethe isoliert. Jetzt weif er endlich, dass er Dichter sein will, und arbeitet nicht mehr als Minister. Aber erst zusammen mit Schiller, den er 1794 wiedertrifft, kann er die Gedanken der Klassik ausarbeiten und bekannt machen. Er hat jetzt auch eine Geliebte, Christiane Vulpius, mit der er zusammenlebt und von der er einen Sohn hat. Er heiratet sie erst 1806. Schiller ist schon 1805 gestorben. Goethe schreibt, er bekommt viel Besuch. Doch seine alten Freunde sterben einer nach dem anderen. 1816 stirbt auch seine Frau. 1821 verliebt er sich noch einmal in eine junge Dame. Doch 1823 wird klar, dass sie ihn nicht zum Mann will. Im selben Jahr kommt ein junger Schriftsteller zu ihm und wird bis an sein Lebensende bei ihm bleiben: Johann Peter Eckermann wird jedes Gesprach mit Goethe aufschreiben. 1830 stirbt Goethes einziger Sohn in Rom. Am 22. Marz 1832 stirbt Goethe. Goethes Lieben 1766 — 1767 Leipzig: Kathchen Schénkopf. Er lernt sie in einem Gasthaus kennen und verliebt sich. Er schreibt wilde Gedichte fiir sie — sie liebt ihn auch, aber er ist zu eifersiichtig. Nach zwei Jahren will sie nicht mehr. 1770 — 1771 Stra&burg: Bei einem Ausflug aufs Land lernt Goethe Friederike Brion kennen. Fiir die Pfarrerstochter schreibt er sein Mailied und das Heiderdslein. Das naive Landmadchen hat viel gelesen, passt aber nicht in Goethes Freundeskreis in der Stadt. Nach einem Staatsexamen verlasst er Stra8burg und Friederike. Sie heiratet nie. 1773 Wetzlar: Charlotte Buff ist verlobt. Aber Goethe verliebt sich in sie. Es gibt eine Reihe von Szenen. Dann reist er tiber Nacht ab. 1773; Auf der Riickreise verliebt er sich in die Tochter von Sophie von La Roche. Da erklart man ihm aber bald, das er keine Chance hat. Zu arm. Ostern 1775 verlobt sich Goethe mit der Frankfurter Bankierstocher Lili Schénemann. Sie kommt aus einer sehr reichen Familie, er will Dichter werden. Das passt nicht zusammen. Sie lieben sich sehr, aber am Ende geht Goethe nach Weimar. 1778 ~ 1786 Weimar: Die wichtigste Frau in Goethes Leben ist die verheiratete Charlotte von Stein. Sie liebt ihren Mann nicht, hat aber drei Kinder von ihm. Sie hilft Goethe bei Hofe und im Leben, sie sehen sich fast taglich. Aber ein richtiges Liebespaar sind sie nicht — scheint es. 1786 reist Goethe tiber Nacht nach Italien. 1787 - 1788 Rom: Goethe hat hier eine sehr intensive Liebesgeschichte mit einer italienischen Witwe, scheint es. Genaues wissen wir nicht. Er nennt sie Faustina. 1789 Weimar: Eine junge hiibsche Frau kommt zu Goethe. Sie lieben sich. Sie wohnen zusammen. Offiziell sind sie kein Paar. Sie ist eine Frau aus einfacher Familie, er ist Minister. Sie bekommt Kinder von ihm, von denen aber nur eins am Leben bleibt. 1806 heiratet er sie endlich. Sie stirbt 1816. 1814 Frankfurt: Goethes Freund von Willemer hat eine nette Verlobte, Marianne. Goethe schriebt Gedichte fiir sie. 1823 Karlsbad: Goethe liebt sie schon linger. In diesem Jahr lisst er sie bitten, seine Frau zu werden. Die neunzehnjahrige Ulrike von Levetzow sagt nein. Die wichtigsten Werke — Gétz von Berlichingen mit der eisernen Hand 1773 ~ Die Leiden des jungen Werthers 1774 — Prometheus (Gedicht) 1774 — Der Erlkénig (Ballade) 1782 — Iphigenie auf Tauris 1787 — Rémische Elegien 1788-1790 — Wilhelm Meisters Lehrjahre 1795/96 — Xenien (Epigramme), mit Schiller 1796 — Faust. Eine Tragédie 1808 — Die Wahlverwandtschaften 1809 — Zur Farbenlehre 1810 — Dichtung und Wahrheit 1811-1833 — West-dstlicher Divan 1819/1827 — Italienische Reise 1816/17 — Wilhelm Meisters Wanderjahre 1821 — Faust. Der Tragédie zweiter Teil 1832 (posthum) @ Beantworte die Fragen. Welches seiner Werke schreibt er in Rom? Welches seiner Werke erscheint nach seinem Tod? Wie lange war Goethe in Italien? Rw NS Mit wem hat er die deutsche Klassik (den Neoklassizismus) begriindet? 5 Warum hat Goethe von 1776 bis 1786 nur wenig geschrieben? KAPITEL 1 Frankfurt lirr!“ Das Porzellan schlagt auf der StraRe auf und geht in Sticke. »Bravol, rufen die Leute da unten und klatschen. ” »Weiter so!“ Ich nehme die letzten zwei Tassen und gehe wieder ans Fenster. »Klirr!“ »Hurra!“ rufen die Leute. Aber jetzt habe ich nichts mehr. Ich laufe in die Kiiche und hole noch Teller und Tassen. Aber meine Mutter sieht mich. »Johann, was machst du da?“ uklirr! Das Porzellan macht klirr!“, erklare ich ihr und laufe wieder ans Fenster. »Wie bitte?“ Sie lauft mir nach. KAPITEL 1 Schon fliegt wieder ein Teller aus dem Fenster. »Klirr! Aber jetzt nimmt mich meine Mutter am Arm. Johann! Das darfst du nie wieder tun!“ Die Leute auf der StraRe sehen uns und gehen weg. Ich muss in mein Zimmer. Wie alt bin ich da? Vielleicht drei? Und warum wei88 ich das alles noch? Ich weif es gar nicht. Man hat es mir erzahlt. Und spater? Was wei ich selbst und was habe ich nur gehort? Ich sitze in meinem Zimmer Meine Schwester sitzt auch schon da. Wir warten auf meinen Vater. Das ist unsere Schule. Wir lernen zu Hause. Bei meinem Vater lernen wir lesen, schreiben und ich auch ein bisschen Latein. Die Stadtschule, das ist nichts fiir uns, sagt mein Vater. Meine Schwester lernt Italienisch. Da hére ich gerne zu. Mein Vater ist Advokat. Ich werde auch Advokat, das ist gar keine Frage. Aber mein Vater ist auch in Italien gewesen. Davon erzahlt er oft. Von den Menschen dort, aber vor allem von Bildern, Skultpturen und Gebauden’. Er schreibt ein Buch Uber seine Reise. Auf Italienisch. Jede Woche kommt ein Maestro und korrigiert alles. »Nach dem Studium fahrst du auch nach Italien. Das muss man gesehen haben!", sagt mein Vater immer wieder zu mir. 1. sGebaude(-): Haus, Kirche, Palast usw. 10 KAPITEL 1 »Und Cornelia?“ Ich will nicht ohne meine Schwester wegfahren. »Das ist doch nichts fiir Madchen!“ Das ist schade. Ich habe viel Spa& mit meiner Schwester. Unsere Gro&mutter hat uns ein Puppentheater geschenkt. Wir spielen jeden Tag, oft auch fiir die anderen Kinder. Erst spielen wir klassische Stiicke wie den Faust. Dann schreiben wir unsere Stiicke selbst. Am Ende lassen wir uns Kostitime machen und spielen selber. Da brauchen wir aber die anderen Kinder und es gibt oft Streit. Aber das Theater bleibt das, was uns am besten gefallt »Vater, ich werde kein Advokat! Ich werde Schauspieler!“ Mein Vater lacht nur. Meine Gro&mutter stirbt. Mein Vater will unser Haus umbauen. Ein groRes, modernes Haus soll es werden. Wir bleiben dort wohnen und sehen den Arbeitern zu. Ein Stockwerk nach dem anderen. Aber dann wird es doch zu kompliziert und wir muissen zu meiner Tante. Jetzt hat mein Vater keine Zeit mehr fiir uns und wir gehen in die Stadtschule. Die Kinder dort mégen uns nicht. Mein Grofvater ist Schulthei&? von Frankfurt. Unsere Familie hat Geld. Hier in der Stadtschule sind viele arm und schmutzig. Wir lernen auch nicht viel in diesen groBen Klassen. Aber ich laufe jetzt mit den anderen Jungen viel in der Stadt herum. 2, rSchultheif(e): kontrolliert die Verwaltung, Administration der Stadt. Frankfurt Es gibt viel zu sehen. Frankfurt ist eine alte Stadt. Manchmal darf ich auch in den Kaisersaal. Dort wird der deutsche Kaiser gekrént. Der spielt keine groBe politische Rolle mehr. Aber die Zeremonie sehen sich doch alle gern an. Einmal bin ich auch dabei. Joseph Il. Aber da bin ich schon sechzehn. Es gibt viele Fremde in Frankfurt: Italiener, Franzosen, Englander. Wir haben oft viel SpaB, aber dann gibt es wieder Streit und manchmal Schlage. Ich wei noch, einmal ... Wir laufen iiber die Briicke. Ich bin der schnellste. An einer Mauer bleibe ich stehen. Da kommen die anderen. ,,Erster!", rufe ich und lache. Die anderen lachen nicht. Jetzt stehen sie vor mir. »Du willst ja immer der erste sein!", sagt jetzt einer von ihnen. »Na klar“, ein zweiter. »Der halt sich fiir was besseres!“, sagt er zu den anderen. ,,Sein Grovater ist ja auch Schulthei&! — Wenn er nur dein GroBvater ist!" Jetzt lacht er bose. Ich verstehe ihn nicht. Was willst du damit sagen?“ »Nun‘, antwortet er, ,dein GroBvater war arm und deine Gro&mutter reich. Warum hat sie ihn zum Mann genommen, ha? Sie musste! Sie bekam ein Kind von einem Adligen’, das wei& doch jeder in der Stadt! Ein Bastard bist du, so wie deine Mutter!“ Jetzt rufen alle zuammen: ,,Bastard! Bastard!“ Es ist klar: Sie wollen sich mit mir schlagen. Fuinf gegen einen. 3, rAdelige(n): Aristokrat. 13 KAPITEL 1 Aber ich bleibe ruhig. Die anderen sind oft bése, das wei ich schon. Man muss Distanz halten, ruhig bleiben. Manchmal schlagen die anderen mich. Ich versuche nicht zu reagieren. Aber manchmal schlage ich dann doch zuriick. Das ist nicht sehr christlich und mein Vater sagt: ,So etwas tut man nicht“ Aber der braucht ja auch nicht in die Stadtschule zu gehen. Was die anderen sagen, das interessiert mich nicht. Mein Gro&vater, meine Tante die anderen Jungen auf der StraBe, mein Vater — ich bin ich. Und christlich will ich auch nicht sein. Oder doch? Ich wei nicht. Seit 1755 bin ich mir da nicht so sicher. Beim Erdbeben in Lissabon gab es mehr als 50 000 Tote. Hat Gott das gewollt? Und warum? Und wenn nicht? Dann gibt es keinen Gott? Da halte ich mich an meine Biicher. Mark Aurel lese ich gern. Und der erklart uns, wie wir leben sollen. Distanz halten, ruhig bleiben. Aber war mein wirklicher GroRvater also ein Adeliger? Ich sehe mir die Portraits von Adeligen der Zeit an und suche: Finde ich etwas von mir an ihm? Die Nase? Die Augen? Seltsames Spiel. Will ich nicht der sein, der ich bin? Franzésische Soldaten kommen in die Stadt. Ein Offizier wohnt bei uns. Ich lerne Franzésisch. Ich lese die Klassiker der franzésischen Literatur. Die Soldaten haben ein Theater. Jeden Abend bin ich da. ,,Hast du nichts Besseres zu tun?“ fragt mein Vater. Ich soll doch Advokat werden. Jetzt gibt es endlich auch deutsche Literatur: Klopstock. Meine Mutter, meine Schwester und ich lesen seine Oden immer wieder. Nur mein Vater mag ihn nicht. 14 Was steht im Text? Textverstandnis @ was ist richtig? 1 Goethes Vater war in a Spanien b Sibirien « Italien 2 Goethes Vater a ist Advokat und hat keine Zeit fiir seine Kinder. b ist Advokat, unterrichtet seine Kinder aber selbst. c ist Schriftsteller und schreibt auf Italienisch. 3 Goethes Familie a ist sehr reich und wohnt in einem neuen, modernen Haus. b ist reich und wohnt bei den Grofeltern. € ist reich und lasst das alte Haus umbauen. 4 Goethe geht a nur eine Zeit lang in die offentliche Schule. b [)] nieineine éffentliche Schule. c [_] wie alle anderen Kinder in die 6ffentliche Schule. 5 Als franzésische Soldaten die Stadt besetzen a protestiert der junge Goethe, denn Frankfurt soll deutsch bleiben. b [_] lernt der junge Goethe Franzésisch und geht ins franzésische Theater. c¢ []] will der junge Goethe Franzisisch lernen, schafft es aber nicht. 6 Goethe, seine Mutter und seine Schwester lieben a die Oden von Klopstock, aber dem Vater gefallen sie nicht. b [_] die Grillfeste, die sie im Sommer jeden Sonntag im Garten feiern. c [] die Oden von Klopstock, und sein Vater liebt sie auch. 15 © verbinde, was passt (vielleicht passt mehr als eine Verbindung). Johann soll eine alte und internationale Stadt. Johann hat Von seiner Gro&mutter Sein GroRvater Viele andere Kinder Frankfurt ist bekommen sie ein Puppentheater. mégen ihn nicht. spater auch nach Italien fahren. Advokat werden. ist ein wichtiger Mann in der Stadt. our wns mo mo aone eine Schwester, Cornelia. Oo Grammatik © Wie ist die Ordnung? Bilde korrekte Satze! Subjekt an den Anfang! sehen wir nicht gern dich. dir sie mit in Schule geht die. wir hier arbeiten sonntags . sonntags gern wir hier arbeiten. er im neue Sommer Leute kennen will lernen. sonntags Jurgen kein trinkt Bier. ihr Walzer tanzt mit durch er ganz Europa. aus von kommen der hintersten wir Provinz Westfalen. ©ONOKAWN sehe kluge den ich jungen Mann und das kleinen Madchen nicht. 10 ihrem Freund geht Abend immer gern mit sie aus Samstag © Welches Personalpronomen passt? 1 Ichspiele mit den Bichern. Mein Vater sieht .. Die sind nicht zum Spielent und sagt 2 Die Studenten aus Lateinamerika finden den Genitiv schwierig. Wir helfen ... 3 Davorne geht dieser hiibsche Junge! Wohin er nur geht? Ich folge .. gern. 4 Daseid ihr ja endlich! Wir haben mehr gesehen. p .. ja schon lange nicht 5 Entschuldigen Sie! Kennen wir .. nicht aus dem Deutschkurs? Oh Michaela! Ohne .. 7 Das war sehr nett, Frau Bocklemond! Ich danke ... a .. kann und will ich nicht leben. sehr! 16 Wortschatz © Wer nimmt was? Was passt wo? Auto — Elefanten — Fahre — Fahrrad — Flugzeug Kreuzschiff — Kutsche — Pferd — UFO — Zug 1 Hannibal kommt mit iiber die Alpen. 2 Wirnehmen das . von Diisseldorf nach Amerika. 3 Diesen Sommer fahren auf einem ... durchs Mittelmeer: Cannes, Genua, Palermo... 4 Es gibt keine Briicke hier. Die... bringt uns iiber den Fluss. 5 ImSommer fahren wir mit dem... indie Stadt. Mit dem Auto hast du nur Parkplatzprobleme. 6 Die beiden fuhren im Sommer 1772 mit der ... nach Wetzlar. Tm Das re 8 Am Himmel ist wieder ein .. . musst du noch in die Garage stellen. ... zu sehen. E.T. kommt zuriick. reitet er schnell aus der Stadt. . nach Biickeburg fahrt um 17.07 auf Gleis 7. 9 Auf seinem 10 Der © Was macht man womit? Verbinde! A fliegen B fahren _€ reiten 1 [@ schiff 5 [] Kamel 2 Pferd 6 [] Auto 3 (J Fahrrad 7 Moped. 4 Flugzeug 8 Rakete Schreib’s auf @ Deine Eltern wollen, dass du Rechtsanwalt/-anwiltin wirst. Dein Vater und deine Grofmutter sind auch Juristen. Da hast du eine sichere Arbeit, viel Prestige und kannst viel Geld verdienen. Du willst Rockgitarrist/-in oder Filmstar oder gar nichts werden und fahrst nicht nach Kéln, wo du Jura studieren solltest, sondern erstmal zum Gothic-Festival nach Leipzig und dann nach Hamburg ... Deinen Eltern lasst du einen Brief auf dem Wohnzimmertisch liegen. 17 KAPITEL 2 Leipzig ch soll auf die Universitat gehen. Ich will nach Géttingen. Mein Vater will nichts davon wissen. ,Du gehst nach Leipzig und studierst Jura." Er kennt dort einen Professor. Zu dem soll ich gehen. Leipzig? Da lebt Gellert, der Schriftsteller ... und er unterrichtet an der Universitat. Historiker gibt es dort auch. Also gut, Leipzig. In dieser Stadt fiihrt kein Gedanke zuriick in alte Zeiten. Straen und Hauser sind neu und praktisch. Was ich hier sehe, ist eine neue Epoche: Arbeit, Handel, Reichtum. Und wie elegant hier viele sind! Eine neue Welt! Ich finde schnell eine kleine Wohnung. 18 ae Leipsig Einen Brief meines Vaters in der Tasche, gehe ich als erstes zu Professor Béhme. Ein kleiner, dicker, freundlicher Mann. Wir setzen uns in den Salon. »Sie wollen also Jurist werden, junger Mann?“ »Ja, mein Vater will das, aber ich ...“ »Nun?“ »lIch interessiere mich fiir Geschichte und Literatur, wissen Sie? Und hier lebt auch Gellert. Der Professor ist aufgestanden. ,Was wollen Sie mit diesen Dingen anfangen? Geschichte und Literatur! Das ist doch nichts fdr einen jungen Mann. Das bringt Sie nur durcheinander! Das kommt nicht in Frage! Sie studieren Jura. Oder ich muss Ihrem Vater schreiben! Aber ...“ Jetzt wird er freundlicher ,Geschichte studieren Sie auch bei uns. Rémische Institutionen! Die klassischen Autoren! Die sch6ne Literatur von heute kénnen Sie spater immer noch lesen." Hat er da nicht Recht? Verwirrt gehe ich nach Hause. Ja, erst Jura, spater die anderen Dinge. Fir den Abend hat Professor B6hme mich eingeladen. ,,Es kommen einige Pers6nlichkeiten unserer Stadt“, hat er gesagt. Auch junge Damen!“ Ich ziehe mich elegant an. Zum Gliick hat mein Vater alles fiir mich machen lassen. Er kauft alle fiinf Jahre die besten Stoffe in KéIn und in Holland. Daraus lasst er dann im Haus Jacken, Mantel und Hemden machen. Pinktlich bin ich bei Professor B6hme. Man hért schon an der Haustiir die Leute sprechen und lachen. Kleine Gruppen stehen dort im Salon. Am Buffett spricht mich eine junge Dame an: ,,Ich habe Sie noch nie hier gesehen!“ 19 e 7 a i L KAPITEL 2 ,Ja, ich bin neu in Leipzig. Ich studiere hier Jura, wissen Sie?“ Sie lacht. »lst das so lustig?“ »Sie kommen aus Frankfurt!“ »Das wissen Sie?“ Sie lacht weiter: ,,Das kann man héren!“ Ja, ich verstehe. Meine Aussprache. Die Lehrer haben es mir oft gesagt: ,Dasist Frankfurterisch! Sprich Hochdeutsch!“ Aber mein Frankfurterisch ist so eine reiche Sprache und Hochdeutsch so kalt. Und jetzt die hier! Auf der StraBe sprechen die Leute Dialekt, aber hier im Salon? Feinstes Hochdeutsch! Ja, die lacht ja immer noch! Und da hinten die Gruppe am Fenster, warum sehen die mich an? Die lachen auch. Was ist an mir so komisch? Ich will nach Hause. Ich stelle mein Glas auf den Tisch und gehe zur Tiir. Da nimmt mich die Frau des Professors am Arm. ,,Nun seien Sie nicht so, das ist Leipzig. Die Residenzstadt Dresden ist nicht weit und wer hier studiert, kommt oft aus bestem Hause. Da brauchen Sie vielleicht ein bisschen Zeit... Sie kommen aus der Provinz! Kommen Sie, jetzt spielt Lousie Klavier." Ich will noch etwas sagen. Frankfurt ist keine Provinz! Frankfurt ist eine internationale Handelsstadt ... Aber da beginnt schon das Klavierspiel. Es ist sehr schon. Immer wieder sehe ich Gruppen von Leuten, die mich ansehen und lachen. Was haben sie nur? Dann spreche ich noch ein bisschen mit der Professorin Uber Musik und gehe nach Hause. »Morgen kommen Sie mit uns ins Theater“, sagt die Professorin noch. ,,Eine Komédie, zum Totlachet 20 KAPITEL 2 So ein groBes Theater haben wir in Frankfurt nicht! Wir sitzen im Dunkeln. Der Vorhang geht auf. Da steht ein Mann. Er sagt: ,Mein Name ist GriinsoR, Professor Griinso8.“ Alle beginnen zu lachen. Ich lache nicht. Was ist an dem so komisch? Mittelgro&, mager, normale Nase. Er tragt eine normale elegante Jacke, so wie ich auch. Ich sehe Frau Professor an. Sie erklart es mir: ,Sehen sie nicht diese Jacke? Diese Hose? Wie vor dreifig Jahren! Typisch Provinzler!“ Am nachsten Morgen gehe ich zum Schneider. Ich lasse zwei Jacken, einen Mantel, drei Hosen machen und kaufe dann noch Striimpfe und Schuhe. So werde ich ein eleganter Leipziger Student. »Nun, so geht es schon besser!", sagt Frau Professor, als ich am nachsten Tag zu ihr gehe. »Und jetzt noch die Manieren ... mein lieber junger Mann, ein bisschen Eleganz! Gehen Sie zuriick zur Tiir, ja, und jetzt kommen Sie zu mir, gerade halten! Und jetzt einen Diener '! Nehmen Sie meine Hand! Den Kuss nicht auf die Hand, Goethe! Sie bleiben tiber der Hand! So ist’s gut! Sehr schén!“ Dann lerne ich noch zwei komplizierte Kartenspiele. »Das miissen Sie kénnen!“ Aber sie kennt nicht nur Spiele. Sie hat auch viel gelesen. Und sie ist sehr kritisch. Am nachsten Nachmittag lese ich ihr Gedichte vor, die mir gut gefallen. Es sind auch zwei Gedichte von mir dabei. Das sage ich natiirlich nicht. 1, rDiener(-): hier: den Kopf nach unten, Verbeugung. Seipsig »Oh nein, Goethe, héren Sie auf! Diese Aonen und Paéanen und Thermopylen! Wer soll denn das lesen? Das ist ja schrecklich!“ Dann liest sie mir englische Gedichte vor. Hier kann ich etwas lernen. Ein Mann wird durch ein Wort der Frauen weit gefiihrt. Wenigstens lerne ich, was ein Mann von Welt kénnen muss. Was ich an der Universitat lerne ... lernen soll, ist todlangweilig. Dass Jura kein groer Spa ist, das war mir schon klar. Aber auch Logik und Philosophie sind so trocken! Professor Gellert spricht iiber Literatur. Der groRe Gellert! Er ist ein Pedarit. Und tiber Klopstock, Lessing, Wieland, iiber alle unsere neuen Schriftsteller spricht er nie. Ich denke, er versteht sie nicht. Meine schriftlichen Arbeiten gefallen ihm auch nicht. ,,Diese Unordnung, junger Mann. Zu viel Phantasie, zu viele Spriinge!“ Nach ein paar Monaten gehe ich nicht mehr zu den Kursen, oder ich schlafe dort. Lieber gehe ich mit meinem Freund Schlosser ins Gasthaus. Mit ihm spreche ich tiber die neue Literatur. Es gibt so viel Interessantes im Moment. Der alte Stil ist weg. Alle suchen jetzt Ktirze und Prazision: Lessing! Auch Wieland und Klopstock bessern sich und schreiben kiirzere Arbeiten. Auch in der Medizin und in der Philosophie, in der Geschichte und in der Jurisprudenz gibt es viele neue Arbeiten. Die Sprache wird elastischer und einfacher. In einem Gathaus verliebe ich mich auch. Katchen ist die Tochter eines Wirtes. Sie ist so klar und frisch. Ich méchte immer mit ihr zusammen sein. Aber das geht natiirlich nicht. Und dann werde ich eiferstichtig’. Und ich mache ihr Szenen. Immer wieder. 2. eifersiichtig: ich denke, mein Freund/ meine Freundin hat ein/n anderen. KAPITEL 2 Ich bin oft schlecht gelaunt. Meine Arbeiten gelingen nicht. Was ich schreibe, gefallt dem Professor nicht. Jura langweilt mich. Und Katchen? Eines Tages, ich bin wieder sehr bése: Sie hat einen anderen angelachelt ... da sagt sie leise zu mir: , Johann, lass mich doch in Ruhe, bitte!“ Ich versuche alles. Tagelang. Bin immer freundlich, bringe ihr Blumen, kleine Geschenke. Es ist zu spat. »Nein, Johann." Ich ... bleibe zu Hause und schreibe. Was soll ich sonst tun? Ein kleines Drama: Die Laune des Verliebten. Ich beginne wieder, mich fiir Kunst zu interessieren. Aus Frankreich kommen neue Dramen. Das Jurastudium? Ja, das ... Eines Nachts wache ich auf. Ein Schmerz! Ich huste ... was ist ich ... das ist Blut! Der Arzt kommt, er sieht mich an das mehr weif§ ich nicht mehr. Tage und Nachte liege ich zwischen Leben und Tod. Dann geht es langsam wieder besser. Aber ich muss noch im Bett bleiben. Viele Freunde kommen zu Besuch. wir sprechen uber Literatur, iiber Schénheit und iiber Gott. Im September 1768 fahre ich nach Frankfurt zurtick. Das ist kein gutes Gefiihl. Ich habe wenig und schlecht studiert. Literarisch habe ich nichts Gutes gearbeitet. Jetzt bin ich auch noch krank. Ich sehe nicht gut aus, glaube ich. »Du brauchst erst einmal Ruhe!“, sagt meine Mutter. Man sieht: Alle machen sich groRe Sorgen um mich. Monate spater bin ich wieder gesund. Mein Vater sagt, ich soll in StraRburg studieren. 24 Was steht im Text? Textverstandnis @ Was passt wo? Bohme — Gellert — Géttingen — Jura — Kultur — Leipzig Literatur — Vater — neu — provinziell — reich — schén studieren, aber er muss nach gehen, weil sein (3) . das will. In der Stadt viele Leute sind (5) ... -Johann Goethe will in (1) 2)... ist alles (4)... hat allerdings Probleme. Die Leute der guten Gesellschaft finden , sondern ihn (6) @) sagt ihm, fiir (10) geht auch zu (11) was der junge Mann schreibt. _ Und er will nicht (2) .. studieren. Aber der Juraprofessor (9) . hat er dann immer noch Zéit. Johann aber der findet nicht (12) © was ist richtig? Der junge Goethe 1 spricht von Hause aus reines Hochdeutsch. 2 {_] hat einen starken Frankfurter Akzent. 3 [_] trgt die Kleidung, die man im Haus der Eltern fiir ihn geschneidert hat. 4 [_] kommt modisch gekleidet in Leipzig an. 5 ist froh, bei Gellert studieren zu diirfen. 6 [_] hat Probleme mit Gellert. 7 [_] will keine Probleme mit dem Juraprofessor, denn der schreibt dann an seinen Vater. 8 sucht eine Freundin, findet aber keine. 9 hat Probleme mit seiner Freundin, denn er macht ihr immer Szenen, 10 lernt in Leipzig Karten spielen. 11 [[] geht in Leipzig ins Theater. 12 lernt bei Frau Professor Béhme richtig essen. 13 [_] wird sehr krank und riskiert das Leben. 14 [] reist von Leipzig ab und wei nicht wohin. 1 2) Frankfurt Die Hauser sind alt Leipzig | Ist international. Dort krént man den deutschen Kaiser. Eleganz ist dort wichtig. Goethes Familie ist dort wichtig. Ist eine Universitatsstadt. moaooe Grammatik f 2 3 4 5 a © Bilde den Imperativ. Herr Goethe! Bitte . jetzt an der Akte B67. (arbeiten) Jochen! doch bitte mal in die Kiiche. (kommen) Frau Inge, .. .. mir sofort das Brot. (bringen) Susi! .. nicht immer so viel! (essen) Harald! (haben) Liebe Kinder! Bitte liegen! (lassen) den Mut, auch einmal etwas zu sagen! . eure Hefte auf den Tischen .. mir jetzt mein Taschengeld, bitte. (geben) jetzt! (schlafen) Susi und Petra! . jetzt eure Tabletten! (nehmen) Das wichtigste, mein Sohn: .. keine Drogen! (nehmen) © was passt ? Miissen oder sollen ? Meine Mutter meint immer, wir .. mehr lernen. wir schwerer Tag. Ihr. Unser Lehrer sagt, wir ... k6nnen wir nicht mitfahren. Wir . noch etwas zu essen kaufen, heute Abend kommt Besuch. heute frith ins Bett gehen. Morgen wird ein .. nicht die anderen Kinder stéren. das Geld mitbringen, sonst du nicht bis zehn zu Hause sein ? Was hat dein vater gesagt ? Wortschatz © Wer macht was? ©ONVAHAWHN 10 cr 12 Arzt a [J Skulpturen Bildhauer b [_] hilftim Haus. Dichter ¢ unterrichtet Kinder. Diener d [[) baut Hauser. Lehrer e [_] léstjuristische Probleme. Maler f [[] schreibt meistens Gedichte. Maurer g |_| kontrolliert die Stadtverwaltung Rechtsanwalt h [] macht Kleider. Schriftsteller i [[) macht manchmal Leute gesund. Schneider j [1 macht Mébel. Schultheig, k [)] schreibt Bucher. Tischler 1 [J malt Bilder. Sprich dich aus @a Du besuchst eine Universitat, die dir nicht gefallt. Die Lehrer und Proferssoren sind langweilige Pedanten und kritisieren dich immer. Deine Kommilitonen sind langweilig. Beim Gedanken, das nun jahrelang zu machen, musst du weinen. Erklar das deinen Eltern. Oder: b Du lernst einen Beruf, der dir nicht gefallt. Die Chefin ist eine langweilige Pedantin und kritisiert dich immer. Deine Kollegen sind langweilig. Beim Gedanken, das nun vierzig Jahre lang zu machen, musst du weinen. Erklar das deinen Eltern. Schreib’s auf © Dein Freund/deine Freundin ist sehr eifersiichtig. Wenn er/sie dich mit einer/einem anderen sprechen sieht, macht er/sie dir eine Szene. Er/ Sie wird dabei richtig hysterisch. Das wird dir langsam zu viel. Schreibe ihm / ihr einen Brief und erklare ihm/ihr, dass er/sie sich bessern muss: Sonst verlasst du ihn/sie. 27 KAPITEL 3 Strakburg Als erstes gehe ich zum Miinster. ier soll ich also leben! So etwas habe ich noch nicht gesehen. Babylonisch! Das ist der héchste Turm der Welt! Die Fenster, die Tiiren, der Turm: Alles will hier nach oben, zu Gott, in den Himmel. Das ist die Gotik! Alle Welt spricht schlecht von der Gotik: ,,Die ist dunkel“, sagen sie, ,,die ist mittelalterlich“. Warum verstehen die Leute nicht? Die Gotik will mit aller Kraft! hinauf, immer weiter, immer hdher. Und so wie hier gibt es das nur bei uns im Norden. Ein Siidlander baut so etwas nicht. Der lebt auf der Erde, gliicklich und zufrieden. Die Gotik ist die Architektur des Nordens! Gotisch, das ist deutsch. Und Stra&burg? Das war einmal deutsch. Bin ich hier zu Hause? 1. eKraft("e): Energie. ae Strakburg Die meisten sprechen franzésisch. Das ist gut fiir mich, denn so lerne ich die Sprache besser. Auch das Jurastudium nach franzésischem Modell gefallt mir gut. Nicht so viel Theorie wie in Deutschland, mehr Praxis. Und die kenne ich schon von meinem Vater recht gut. Aber zu Hause fiihle ich mich nur bei den Freunden, und das sind alles Deutsche. Denn die Distanz zwischen Deutschen und Franzosen ist gro. Die Franzosen sagen, wir sind nicht elegant. Wir meinen, die Franzosen sind unnatiirlich. Auch ihre Literatur ist alt und ohne Leben. Am Ende noch Voltaire und diese Leute. Sie beginnen kritisch und am Ende sind sie dogmatisch. Es gibt keinen Gott, sagen sie, und die Natur ist fiir sie nur ein kalter Mechanismus. Die Natur, das ist das Leben, ist die Schénheit, die Liebe, das sind wir! Wir lesen Shakespeare. Friedrich, mein bester Freund, bringt mir einen Roman von Goldsmith. Die Geschichte einer Pfarrersfamilie. Den lesen wir zusammen. Das ist Natur, nicht Konvention wie bei den Franzosen. Johann", sagt Friedrich eines Abends zu mir. ,Diese Familie hier, die kenne ich! Die leben nicht weit von hier, im Elsass!“ Oft bin ich nachmittags aus der Stadt heraus spaziert und habe mich an der schénen Elsasser Natur gefreut. Immer wieder hat Friedrich gesagt: ,Wir miissen einen Ausflug machen. Das ganze Elsass ist wunderschén!" Jetzt ist der Moment gekommen. Diese Familie muss ich kennen lernen. Am nachsten Morgen lassen wir uns Pferde geben und reiten aus der Stadt. Griin fliegt das Land an uns vorbei. Es riecht nach Blumen, nach Erde. Nach ein paar Stunden kommen wir nach Sessenheim. Ein armes Dorf. Und alt ist das Haus des Pfarrers. KAPITEL 3 Ein Madchen kommt an die Tir. Schlank und leicht, mit langen blonden Zépfen, sieht sie uns mit blauen Augen an. »Guten Abend, kommen Sie herein! Das Abendbrot steht auf dem Tisch.“ In der Ktiche sitzen der Pfarrer und seine sieben Kinder. Er ist Witwer’, das wei ich schon. Die alteste macht alles im Haus. Sie hei&t Ottilie. Sie ist auch hibsch, aber sie lacht nicht viel. thre jiingere Schwester Friederike, die mit den Zopfen, gefallt mir sofort. Wir beiben iiber Nacht. Am nachsten Morgen gehen wir alle im Wald spazieren. Die anderen sind schon weiter. Ich stehe mit Friederike an einem See. ,,Das ist mein Lieblingsplatz“, sagt sie und sieht mich an. ,,Hier kann ich stundenlang sitzen und ...“ ,Lesen!", sage ich. ,Vielleicht Klopstock?" ,,Den Namen habe ich schon einmal gehért ...“ sagt sie leise. , Aber gelesen habe ich noch nichts von ihm. Wissen Sie, ich lese nicht so viel, nur manchmal Romane, die vorn Landleben erzahlen... Ich setze mich lieber hier in die freie Natur und fiihle dann ...“ »Gott?" Ja, er ist hier so nah." Wir gehen weiter. Ich nehme sie an der Hand. Die anderen sehen uns so, Hand in Hand, und sagen nichts. Wieder zu Hause in Stra&burg gehe ich zu meinen Freunden. »Was ist passiert, Goethe? Sie lacheln ja so gliicklich heute!“ Ja, ich ... ich ... habe mich verliebt!“ Ich soll ihnen alles erzahlen. »Spater!“, sage ich und laufe nach Hause. 2. rWitwer(-): ist ein Mann, dessen Frau tot ist. 30 KAPITEL 3 Ich schreibe ihr: ,,Liebe neue Freundin, so darf ich Sie doch nennen? Denn wenn ich nur ein klein wenig von Augen verstehe, so fand mein Auge die Hoffnung in Ihrem Auge. Mégen Sie mich nicht auch ein bisschen? Mich, der Sie so lieb hat?“ Ein paar Tage spater bin ich wieder bei ihr. Ich bleibe nicht so lange. Ich muss am nachsten Tag wieder Vorlesungen® besuchen. Wir gehen im Garten spazieren. Bei den Rosen bleiben wir stehen. Ich will eine fiir sie brechen. ,,Nein, Herr Goethe, tun Sie das nicht!“, sagt sie. Ihr Mund ist nah an meinem. »Du denkst an das Rosen-Leben, willst die Rosen leben sehen‘, sage ich und gebe ihr einen Kuss. Sie wird rot. Ich halte sie an der Hand und spreche weiter: ,Kannst noch einen Kuss mir geben, will nicht allein durch Leben gehen!“ »Herr Goethe! Sie sind ja ein ...“ , Dichter? Nein, Friederike, ich ich werde Advokat!“ habe es versucht, ich habe zu wenig Talent ... Werde ich das? »Aber Sie sind meine Muse! Die Liebe ...“ Ich spreche nicht weiter. Sie sieht mir in die Augen: ,,Ja, die Liebe ..." Wieder in StraRburg, treffe ich Friedrich. Ich muss es ihm sagen: Sie liebt mich! Ich wusste es ja, ich habe es in ihren Auge gelesen, aber heute ..., ach Friedrich, wie kann das Leben schén sein!“ Abends sitze ich jetzt immer in meinem Zimmer und schreibe an Friederike. Briefe. Und Gedichte. Wenn ich dann bei ihr bin, lese ich sie ihr vor. Am schénsten wird es im Fruhling. »Gute junge Fridhlingsgétter tanzen ...“ 3, eVorlesung(en): Kurs an der Universitit. 32 Strakburg Jeder Tag in diesem schénen Land ist himmlisch. Wir leben nur dem Augenblick‘. Dieser Himmel! Diese Erde! Die warmen Abende und Nachte mit der Geliebten. Und jeden Morgen leuchtet alles im Sonnenlicht! Ich schreibe mein Mailied: ,O Madchen, Madchen, Wie lieb’ ich dich! Wie blickt* dein Auge! Wie liebst du mich !“ Und doch, es gibt da Tage, da denke ich: ,,Das ist die Liebe! Ja, und jetzt? Die Traume deiner Kindheit? Ist es nicht das, von dem du getraumt hast? Und doch bin ich nicht gliicklicher als sonst.“ Aber das sind nur Momente. Ich muss auch an mein Studium denken. Ich denke, ich bin jetzt so weit. Friedrich sagt, ich soll einfach ein paar Thesen aufschreiben und die mit den Professoren diskutieren. ,Das machen hier alle so!“ Aber das kann ich nicht machen. ,,Eine richtige Doktorarbeit!“, will mein Vater. Ein richtiges Buch von seinem Sohn. Warum auch nicht? Ich habe viel gelernt. Ich setze mich an meinen Tisch und schreibe. Uber Religion und Staat. Das ist ein interessantes Thema. Nach Sessenheim komme ich in diesen Wochen nicht. Dann bin ich fertig. Aber mein Professor sagt mir: ,Diese Arbeit ist sehr gut, aber wir kénnen sie nicht annehmen. Sie schreiben da, der Staat soll die Kirche kontrollieren. Das gibt Arger. Lassen wir das mit der Doktorarbeit. a Diskutieren Sie einfach ein paar Thesen, Herr Goethe! Auch gut. Endlich ist alles zu Ende. Schnell aufs Pferd und hinaus zu Friederike, das ist mein erster Gedanke. 4. Augenblick(e): Moment. 5. blicken: sehen. 33 KAPITEL 3 Was steht im Text? Textverstandnis Auf dem Weg kommen mir dann aber auch andere Gedanken: @ was ist richtig? Ich muss zuriick nach Frankfurt, zu meiner Familie. Meine Zeit in Stra8burg ist zu Ende. 1 In Stra&burg Und Friederike? Soll ich sie heiraten? Ich bin doch noch viel zu a gibt es viele Franzosen, aber Goethe hat nur deutsche jung. Liebe ich sie noch? Ist es mit diesem Madchen vom Lande wis rund, ate et b [)] gibt es nur wenige Franzosen und Goethe hat nur deutsche nicht manchmal ein bisschen ... langweilig? Eaahely Aber ich denke nicht weiter nach. Heute ist ein Festtag. c [)] gibtes viele Deutsche, aber Goethe hat nur Franzosen als wich bin Doktor!" Freunde. Friederike umarmt mich. 2. Sechs Stunden von Stra&burg wohnt eine deutsche Familie und Ottilie, Friederikes groRe Schwester, halt mich am Arm. Johann Die arme Friederike. Sie denkt nicht daran, dass Sie bald weg 2 interessicrt sich far die Mutter: Til a , b interessiert sich fiir die alteste Tochter. sind ... und nie wiederkomment, sagt sie zu mir. ' aol c verliebt sich in die zweitiilteste Tochter. »Warum sagen Sie das?“ »Sie sind ein junger Mann, Sie haben Ihr Studium beendet. Sie $, Goethe nab Men inel tebe ees uct aeber 6 Sherri 7 i s6n iy a nach seiner Priifung reist er ab und es ist vorbei. gehen weiter und wir bleiben hier. So ist das, Herr Doktor. Seien Sie — : f i P \ ih b es ist nach ein paar Wochen wieder vorbei. nicht zu hart zu meiner kleinen Schwester! 4 S sie hat schon einen anderen und kann ihn nicht heiraten. Ich antworte nicht. Sie hat Recht, das wei& ich auch. Aber ich 4 Goethe schreibt in Stra&burg ; hia cay a nichts. So eine Jugendliebe ist wie eine Bombe in der Nacht. Sie fliegt > B will nicht daran denken. nur seine Doktorarbeit. hoch, explodiert und leuchtet wie die Sterne, aber dann fallt sie a Seine DO erete Been Geant: zurtick auf die Erde und wird zerstérerisch®. : iy 5 Sein Vater will, dass er Zwei Wochen spater reite ich noch einmal nach Sessenheim. a eine richtige Doktorarbeit schreibt. Sie weint. ,Wir sehen uns nie wieder, ich wei es!“ be) schnelltach Hacselcomme! »Doch, Friederike. Ich habe heute Nacht im Traum gesehen, wie c [Ml dieses straRburger Madchen heiratet. ich mit einer eleganten grauen Jacke auf dem We; Ihrem Haus 8 8 J Bet a 6 Goethes Professor sagt: bin ... ich komme wieder, da bin ich ganz sicher." a [_]_,,Die Doktorarbeit ist gut, aber ich kann sie nicht annehmen.“ Ich sitze schon auf meinem Pferd und gebe ihr noch einmal die Hand. b Te elas en et acer el ee hares ee ee Dann reite ich fort. Ich weine auch. annehmen.* c [| Ich méchte die Doktorarbeit gern annehmen, aber ich 6. zerstérerisch: destruktiv. verstehe sie nicht. 34 35 Wortschatz © Was passt wo? © was sagt Goethe? Das Stra&burger Miinster ist naturlich. Anzug — Bluse — Jacke — Hemd — Hose — Hut — Kleid Die Franzosen Miitze — Rock — Schiirze — Strumpfhose — Weste sind unnatiirlich. Die franzésische Literatur ist ohne Leben. ° Bae Rw Ns Die neuere englische Literatur d ist gotisch, also deutsch. 1 Inder Oper tragt mein Mann immer einen .. 2. im Winter trage ich eine dicke Woll... Da kriege ich 4 keine kalten Ohren. Grammatik S © welches verb passt wo? 3 Ich habe ein neues leichtes Sommer. fiir meine Tochter gekauft. diirfen — kénnen — lassen — miissen — sehen — sollen Diese braune .. passt nicht zu einem roten Hemd! 5 Ineinem kurzen . brauchst du nicht zur Beerdigung 1 Meine Mutter . mich nicht allein ausgehen. zu kommen. 2 Kannst du mir helfen? Ich .. das einfach nicht allein. 6 Unter dem Rock tragt sie eine weie ... 3 Wir. heute lernen. Morgen schreiben wir eine yore . i In seinem neuen Biiro soll er ein weifes ... ..und eine Klassenarbeit. Krawatte tragen. Ich .. meinen Nachbarn jeden Abend nach Hause kommen. 8 Zuihrem gelben Rock tragt sie eine braune ‘und 5 Wer sagt, du... meinen Pullover anziehen? eine griine Jacke! .. wir denn heute einmal bis 12 fernsehen? 9 Tragst du beim Kochen keine .. 10. Dieser karierte .. .. ist typisch deutsch. Hier habe ich © Zuoder nicht? cinen italienischen, der passt besser zu deinem Kopf! 11 Im Sommer trage ich gern kurze Fang jetzt nicht wieder an . . weinen! 12 Erist immer so elegant! Unter seiner Anzugjacke tragt er immer eine. Lass dich nicht immer so Siehst du ihn noch immer nicht .. Sprich dich aus @ ihr hattet eine sehr schéne Zeit zusammen in Spanien. Aber jetzt ist das Semester zu Ende und ihr fahrt wieder nach Haue, jeder in sein Land. Eine Liebe auf Distanz, das kann nicht gutgehen, denkst du. Es ist besser, wenn ihr euch sofort trennt. Erklar es ihm oder ihr. Jetzt hére ich auf . sprechen. sh 2 3 4 Studier lieber statt hier ... 5 6 Ohne dich noch einmal .. fahren. sehen kann ich nicht weg Al Ich habe euch .. sprechen héren. 8 Sie will mir nicht bei der Hausarbeit 9. ich traume davon, einmal nach Mexiko .. fliegen. 10 Ich habe keine Lust dich dann jeden Tag .. sehen. 36 37