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NR. 6

5. J A H R GANG

BERLIN,

IM JUNI 1935

ZEITSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE GEBIET DES GAS- UND LUFTSCHUTZES DER ZIVILBEVÖLKERUNG

MITTEILUNGSBLATT AMTLICHER

."

NACHRICHTEN

Uber den Luftschutz der Museen und Geschichtsdenkmäler

Prof. Dr. K ü m m e I, Generaldirektor der Staatlichen Museen, Berlin

Durch die Zeitungen ging kürzlich dic ach , richt, daß die amerikanischen Staaten eine Ver' einbarung über den Schutz der Museen und der historischen Baudenkmäler abgeschlossen hätten. Damit ist eine sehr \\'iehtigc Frage zum ersten ;\iale behandelt worden, die für Europa ein sehr viel crnsteres Problem darstellt als für Amerika. Die Ncue Welt ist an geschichtlichen Denkmälern nicht gerade reich, und nur die Vcrcinigten Staa, tcn besitzen Muscen \"on mehr als lokaler Be, deutung. Diese aber liegen geographisch so gün'

Der

Pergamon.ltar

in

Berlin ,

eines

der

stig. daß sie unter den heutigen Verhältnissen selbst dann nichts zu befürcht.en hätten, wenn die Luftstrcitkräfte der Vereinigten Staaten denen anderer M.ächte weniger überlegen wären, als sie es tatsächlich sind. Praktisch sind daher weder Museen noch historische Baudenkmäler Amerikas ernstlich bed roht. Für Europa liegen die Dinge völlig anders. Die europäischen Länder besitzen Baudenkmäler und .\\u seen \'on einer Zahl und Bedeutunl:!. daß Ame, rika daneben überhaupt nicht genal1nt werden

wertvollsten

Kulturdenkmäler der Welt.

phot.

Treue

kann ' ). Und alle diese Baudenkmäler und ~tuseen liegen bei den vergleichsweise geringen Entfer- nungen im bequemen Bereiche feindlicher Luft- angriffe. Trotzdem ist meines Wissens noch nie. mals versucht worden, sich über diese Gefah. ren klar zu werden, geschweige denn, M.ittel zu finden, wie sie abgewehrt werden könnten. Dabei liegt hier der seltene Fall vor, daß eigent- liche Interessengegensätze nh'gends bestehen. Die Zerstörung von industriellen Anlagen all er Art, mögen sie noch so wenig kriegeruschen Charakter tragen, sowie Angriiffe auf ,die Zivilbevölkerung, auch die harmloseste, könnten schließl~ch mit Zweckmäßigkeitsgriinden verteidigt werden, denn jede Industrie, jeder Angehörige eines Staates ist ein T eil seiner Kampfkraft. Demgegenüber wird selbst im erbittertsten Völkerringen keinem Menschen ·daran liegen, einen historischen Bau oder ein Museum zu vernichten. Sie bedeuten für die Kampfkraft nichts, wenn sie nicht zu kriege. rischen Zwecken ITllißbraucht werden, und wer sie schädigt, schädigt sich selbst. Not re Dame und der Louvre in Paris, Westminster Abtei und Bri. tish Museum in London, St. Marcus in Venedig und die Brera in Mailand, ,das Freiburger Münster und die Droodener Gemäldegalerie sind dem deut. schen, englischen, französischen und italienischen Flieger gleich ehrwür.dig und unantastbar. Kein englischer Flieger wird daran denken, den Per,ga- monaltar in Berlin, kein deutscher, die Elgin Marbles ,in London anzugr·eifen oder gar gegen das eilgene Fleisch zu wüten, indem er die Schöp- fungen seiner eig·enen Kultur in fremdem Besitz mit Bomben belegt. Ein Italiener z. B. wür·de im

Kaiser-Friedrich~Museum oder in der Dresdener

Galerie die edelsten Leistungen seines eigenen Volkes vernichten, ohne zum Siege seines Volkes das geringste beizutragen. Trotzdem sind im heutigen Kriege vor allem die großen Museen auf das schwerste gefährdet. Sie liegen sämtlich im Herzen der Hauptstädte, nahe ,den staatlichen Nervenzentren, gegen die sich Angriffe in erster Linie richten weJ.'\den, oft in der Nähe wichtiger strategischer Punkte. Trotz aller Vervollkommnung ·der Zielvorrichtungen wird die Entwicklung der Abwehrmittel die An. greifer zur ~nhaltung einer Höhe zwingen, die nur ein sehr rohes Zielen gestattet. Nehmen wir an, daß alle Punkte in 2 km Entfernung vom Zielpunkte gefährdet sind, so liegen sämtliche großen Museen der Welt in der Gefahrzone. Da. bei ist ihr Inhalt mit wenigen Ausnahmen gegen Spreng., Gas- und Brandwirkung im höchsten Maße empfindlich. Und ,die Museumsgebäude ·ge. ben bisher ihrem Inhalte nicht den geringsten Schutz. Gerade die wertvollsten Kunstwer·ke hän. gen und stehen überall in Oberlichtsälen, deren Glasdecke auch von der leichtesten Bombe glatt durchschlagen wird. Es gehört keine besondere

Phantasie dazu, sich auszumalen, welche Verhee- rungen unter wertvollstem Kulturgute ,der ganzen Menschheit eine Bombe von ein paar Kilo in der Grande Galerie des Louvre anrichten könnte! Denn Vernichtung von Kunstwerken ist end. gültige Vernichtung. Goldvorräte sind nicht zer· störbar und lassen sich leicht schützen. W ert- papiere nchmen so geringen Raum ein, daß ihre Sicherung keine besondere Schwierigkeit macht, und ihre Vernichtung bedeutet nur die Vernich.

tung von Besitztiteln , nicht ·des Besitzes selbst. Zerstörung der anderen wirtschaftlichen Werte

- von Häusern, Fabriken, Bergwerken, Verkehrs'

mitteln - bedeutet schwere, im Kriege vielleicht entscheidende Schä.digung. Aber Häuser, Fabri· ken, Bergwerke, Verkehrsmittel lassen sich wie. der herstellen. Der Ver I u s t von Ku n s t - werken dagegen ist unwiederbring - li c h. Übrigens wÜl'de schon die Teilzerstörung eines unserer großen Museen ebenso große ma- terielle Werte vernichten wie die - praktisch kaum zu erreichende - Radikalzerstörung einer Fabrik allergrößten Ausmaßes. Wie sich die einzelnen Museen gegen dies·e Ge· fahren schützen wollen, werden sie selbst ent, scheiden müssen. Daneben aber wäre hier, wie auf keinem anderen Gebiete, die Möglichkeit internationaler Abmachungen zum Schutze der Museen gegeben 2 ). Sie sind gefährdet, und niemand will sie gefährden. Es sollte also nicht schwierig sein sich über Schutzmaßnahmen zu einigen. Daß' diese Maßnahmen bei Lage der Museen in den Zentren der kriegführenden Mächte vermut- lich nicht sehr wirksam wären, ist richtig, aber belanglos. Auch ,der kleinste Schritt .~u besse~er Sicherung der Museen wäre zu be·grußen. W~e. weit historische Gebäude, Bibliotheken und W1S· senschaftliehe Anstalten mit einzubeziehen wären, müßten ·die Verhandlungen ergeben. Die G~ ­ bäude, die oft praktischen Zwecken ·dienen, dle Bibliotheken und wissenschaftlichen Anstalten könnten unter Umständen als irudirekte Mittel der Krie.gführung betrachtet werden. In jede~ Falle ist die Gefahr hier nicht so groß wie bel den Museen. Die historischen Gebäude lassen sich wohl beschädigen, aber nicht leicht zerstören, und der Inhalt der Bibliotheken ist weniger emp· f,indlich a,ls der der Museen , und er ist not'falls auch zum gu ten Tei le zu er setzen.

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Im übr;g en dürH e d e r ir. d er Denkschrift enthaltene

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1934

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I

Den

diesem

Helle

beiliegenden

Prospekt befr.

I

/rühereJahrgänge von ·" GasschuiJ und Lu/lschuiJH

empfehlen wir unserem Leserkreise zur besonderen Beachfung.

Ver l ag GasscbufJ una Lu/is cbufJ G. m. b. H .

142

Das Räumungsproblem im zivilen Luftschutz

1 Das Räumuni!sproblem in der Kriei!si!eschichte

Polizeioberst a. D. Nagel, München

Das Rä umun gs p robl e m im We ltkr ieg 1914 1918. Im Weltkriege wiederholten sich alle bisher zur Spracho gebrachten Räumungsprobleme. Er be ~ gann auf allen Fronten in den Formen des Bewe>

gungskricges;

keinem Kriegsschauplatze Vorbereitungen für eine planmäßige Räumung getroffen, die über rein militärische M,aßnahmen hinausgingen. Selbst in 0 s tp re u ß c n 8 ), wo mit der Notwendigkeit, einen T,eil des Landes zeitweise aufzugeben, ge> rechnet werden mußte, war von Räumungsvor> bereitungen im Frieden abgesehen worden. Gründe der Politik, Schwierigkeiten in der Zusammen~ arbeit ,der beteiligten höheren Reichsbehör·den, die Furcht, derartige Maßnahmen nicht geheim> halt,en zu können und damit die Bevölkerung zu beunruhigen und den Kriegsplan zu verraten, stan> den den wirtschaftlichen Kriegsvorbereitungen hindernd im Wege. Sie beschränkten sich auf:

Sicherung ·des für Heeresergänzung nötigen Materials und Personals aus den Grenzbezirken, Verlegung der Ersatztruppenteile vom flachen Lande in die Festungen, Vorbereitung des Ab. schubes der Bevölkerung aus den Festungen für den Fall einer Belagerung, Zurückschaffen der Re. montedepots und Gestüte in ,das Innere des Rei. ohes; ,die Regierung, die Posb, Eisenbahn. und Zollverwaltung sollten, dem ctwaigen Vordringen des Feindes cntspr,echend, zurückgezogen, die staatlichen Kassen und Akten geborgen werden. Dagegen sollten die Landräte und Ortsvorsteher auf ihren Posten ausharren und darauf hinwirken, daß den Einwohnern die Kriegslasten erleichtert würden . Ende Juli 1914 wUDde ein Aufruf zur Ab > stoßung wertvoller Pferde> und Viehbestände, insbesondere von Zuchttieren, ins Reichsinnere erlassen; aber eJ.\<it am 15. August war es möglich, einzelne Eisenbahnzüge hierfür freizumachen.

Schon durch das erste uftrden russischer Truppen wurde die Bevölkerung in Schrecken ge > setzt; friedliche Bürger wurden verhaftet, miß> handelt, erschossen, Landräte und Ortsvorsteher als Geiseln fortgeschleppt, nwesen nieder. gebrannt. In den ersten Augusttagen begann da ~ her die Flucht von Einwohnern, besonders aus den ostwärtigen, später ,auch aus den südlichen Grenz. bezirken, und nahm bald immer größeren Umfang an. Die Flüchtlinge blieben in der Erwartung des Sieges zunäohst hinter dem kämpfenden Heere stehen; als dieses jedoch nach der Schlacht von Gumbinnen am 20. August den .A!bmarsch antrat, setzten auch sie sich in westlicher Richtung in Bewegung, die nun auf Anordnung der Truppc in Fluß gehalten werden mußte, um die Straße für die Operationen freizubekommen. Der Strom der Flüchtlinge wälzte sich vOr und zw1ischen den Marschkolonnen der Truppen weiter, riß die Ein. wohner der Orte, die er berührte, mit sich und überschwemmte bald. lawinenartig anwachsend. den südlichen Teil des Regierungsbezirks Königs> berg. Die P.anikstimmung wurde durch den Befehl des AOK., die Nogat.Niederung zu überschwem- men und Vieh wie Erntevorräte aus ganz Ostpreu.

es waren auf keiner Seite und

auf

(Schluß)

ßcn hinter die Weichsel in Sicherheit zu bringen, gesteigert. Die Abbeförderung des Viehs mußte auf dem Landwege vor sich gehen, da sie auf dem Wasserwege nicht vorbereitet war und nicht rasch genug in die Wege geleit,et werden konnte. Das Vieh (etwa 300 000 Rinder) wuDde an Sammel. Dunkte bestellt und dann auf das westliche Weich. Selufer geschafft. Durch diese die Bevölkerung überraschenden Befehle wuchs die Fluchtbewe< gung ins ungemessene. Nur wenige konnten die für Truppenbedürfnisse voll in Anspruch genom. mene Eisenbahn benutzen, die Masse, vornehm; lieh die Landbevölkerung, war auf die Straßen an. g·ewiesen. Nur ein Geringes an Gütern und Le> bensmitteln konnte mitgenommen werden; Haus und Hof wurden im Stich gelassen, die ganze Ein. riohtung, die Ernte, eine Menge Vi~h blieben un> beauf ichtigt zurück. Auf allen Straßen zogen unabsehbare Züge von Wagen, Tieren und Men. sehen, meist älteren Männern, Frauen und Kin. dem, der Weichsel zu und la,g.erten nachts in schon verlassenen Häusern oder auf freiem Felde. Die Behörden bemühten sich um Ordnung und Unterbringung der Flüchtlingszüge, ,die meist ge.

meindeweise

marschie~ten; auch Landräte begleiteten sie und sorgten für Verpflegung und Unterkunft auf dem Marsch. Gegenseitige Hilfsbereitschaft war über> an vorhanden. Trotzdem war,cn Mühsdigkeiten und Entbehrungen, Not und Elend groß. Etwa

400000 Personen fanden in den westlich benach.

barten Provinzen gastliche Unterkunft; etwa die< selbe Zahl von Flüchtlingen blicb noch innerhalb der Grenzen Ostpreußens.

Dio Flucht von fast einem Drittel der Bevölke> rung der Provinz verursachte auch bei den mili. tärischcn Operationen verschiedene Reibungen und [-:Tindernisse. Die BahntDansporte (I. AK.) aus der Insterburger Gegend zur Tannenberger Schlacht wUl'dcn verzögert, da die Bahnlinie durch Flüchtlings> und Räumungsbewegungen verstopft war. die Märsche der Truppen trotz einsichtsvol.

len Vcrhaltens der Flüchtlinge aufgehalten.

neben der Straße mar>

schieren, um vorwärts zu kommen. Die 1. Kaval > Icrie>Division war trotz dringender Lage gezwun.

gen, einen weitcn Umweg zu machen, weil durch die Flüchtlingsmassen in Allenstein ein Durch. kommen unmöglioh war. Der Abmarsch des

unter

Führung

ihrer

Ortsvorstände

Nicht

seltcn mußte die Truppc

der in den Tagen vor dem

26. August die nach Westen strebenden Flücht> lingskolonnen in südlicher Richtung kreuzte. erlitt empf.indliche Störungen und Verzögerungen.

Nach den Siegen von Tannenberg und an den Masurischen Seen konnte ein Teil der Flüchtlinge in die Heimat zurückkehren; ·der Rest ·durfte erst folgen, als im Herbst 1915 die militärische Lage größere Sicherheit bot. 465000 Pferde, 1 150000

Rinder wur·den gerettet, doch gingen 135000 Pferde,

250000 Rinder und 200000 Schweine verloren. Von

der Zivilbevölkerung wurden durch die Russen

XVII. AK. und I. RK

8) Rei c h.archiv.

Der

W.ltkri e~ 1914/18 .

Bd.

H .

S . 21911.

143

10

000 Per sonen nrschleppt, 1620 ge t öte t , 433 ver~

öffcntliche Gebäude wurden in weites tem Um~

wundet; ganze Städte und viele Einzelhöfe waren durch sie niedergebrannt, 34000 Gebäude (c in ~ schließ li ch der durch die Kämpfe zers t ör t en) ver~ nich tet. ,\\ ehr als 100000 Fam ili en hatten ihre ~anzo I Tabe verloren.

Das unnötig große Ausmaß Jer Flucht, die Ver~ wirrung und Panik, die dabei ent tanden, der große Verlust an Menschen, Ticren und Gü tern zeige n die großen achteile, ,die eine nicht oder nur ungenügend vorbereitete Räumllll c1 mit sich bringt. Bei planmäßigen , im F ri eden ge tr offenen Vo rb er~i tun gen wäre ein geregelter Abt r ansport wesentlicher Werte, namentlich a n V ieh b estän ~ den und Erntevorräten, mit Bahn und Schiff und auf der Straße möglich g wesen. Ein rechtzeitiger Abschub Jer im wehrpflichtigen Alter stehenden

nünn li che n Bevölkerung hätte sich a uch ohn e grö~

ßcre

müs<

sen, die Flucht der ortsansässigen Einwohn er

I11cht b eab sichti gt war, h ä tte man versuch en

in e l ä n ger dauernde A uf ga b e des Ge bi etes

lassen.

Frie,densvorbereitungen

e

durchführen

~a

mög~

Iichst einzuschränken. Mit ihrem Abzuge wurde a ll es Zurückgelassene h e rr e nlo ses G ut. Di e Auf <

ga b e, die Fli.ichtlinge zu verteilen, unt e rzubr :n gen

und z u verp fl egen, h a t die Verwaltung vö lli c1 über <

rascht. ' Die Flucht wäre wohl kaum zu ;olcher

G röße angewachsen, wenn die Ver orgung schon

de

r e rs ten Flüchtlinge o rga ni sie rt gewesen wäre .

zu de r Fluchtbewegung in Ost<

Das Gegen tück

preußen bildet die Massenflucht in Bel g i e n im

Sommer

[IUS Belgien Abwandernden noch in die Hunderte ging, wurden sie von den Ho lI ä n ,d er n ohne

~n t~.e lt aufgen.ommen und in de r Provinz Limburg

und Herbst 1914 9 ). Solange die Zahl der

111

E tn be lqu a rh eren unt e rgebra cht.

B ei dem Vor~

I.uarsch c;ler D eutschen gegen Antwerpen wuchs Jedoch dIese Zahl bald in die Tausende. Es muß< ten di e b enachbarten Provinzen Brab ant und Z ee<

land zur Unterbringung herangezogen werden.

Öffentliche Gebäude wurden für '\ asse nqu a rti e re

zur Verfügung ges tellt.

missionen, die sich zur Unterstützung der Flüchb

lin ge gebilde t hatt en, wurden ein e r Z e ntral s t ell e (~ommission Centmle de I'Etat) unterstellt, die BIldung von Spezial< und Lokal<Kommission en

Die zahlreichen Hilfskom<

wurd e

angeregt und b eg ünsti gt , kur z, d e r hollän <

disehe

Staat stellte schon früh zeiti g sein e Kr äft e

zur V erfü gun g, um die Abwanderung aus Bcl12i en

aufzufan gen.

• Is aber der Fa ll der Festung Antwerpen, in der

.

eine große Zahl von Belgiern Zuflucht gesucht hatte, in naher Aussicht stand, setzte eine kopf< lose Flucht der Zivilb evö lkerun g e in ; s i e ve r~ mehrte ich noch, als der König mit der R egierun g

aus der Festung über 0 t e nd e nach Le Havr e fl oh

und ,die

in der gleichen Richtung abzog. Zu Hunderttaw senden suchten nun die Fliehenden holländische,s Ge bi e t zu e rreich en , die meist en zu Fuß mit 12erin~ ge rn Gepäck, mit Handkarr en und Wa ge n; eini ge wenige Sonderzüge, von denen je,de r 1500 Per~

bc1 gisch e und englische Festungsbesatzung

sone n b efö rd e rn konnt e, wurden noch wbg efe rti g t. spielten aber bei der großen Menge der Reisend en kaum ei n e Roll e.

E in em solc h en Andrang waren natur ge mäß die

holländischen Grenzprovinzen nicht gewachsen. Eine große Zahl von belgischen Flüchtlingen mußte daher trotz aller Anstrengungen der hol< ländischen Regierung die ersten Tage und 1 äch te 1m Freien zubringen . Mit Hilfe der Etappen< o rganis a tion e n b e mühte sic h die R eg ierung, L e< bensmittel, Decken und Z elte herbeizuschaffen.

144

fange für die Unterbringung freigegeben. Lager wurden in Berg<op~Zoom sowie in d'Hontenisse

er ri chtet und ihr e Einrich tun gen

bessert. Die Flüchtlinge wurden auf das ganze

Land ver teilt,

zügiger 'Weise erleichtert; viele mach ten hiervon Gebrauch, doch blieben immer noch etwa 270000 Personen zurück. Für diese mußten die vorläu< figen Maßnahmen in dauernde umgewa ndelt wer< den. Di e öffent li chen Gebä u de, der Ü bun gsp la t z Oldenbroek ' O ) konnten auf die Dauer ihren eigent<

lichen Zwecken ni c ht entzogen werden. Tn den

engbelegten Quartieren drohte die . usbroitung ansteckender Krankheiten. Unter den Flüc'htlingen befand sich eine Menge G esinde l, da in An twep pen und l erxplas \'on den Belgiern die Gefäng~

nisse geöffne t und

worden

und Gesindel wurden in den Staatswerkstätten von Veenhuizen verwahrt, wo einige Gebäude für

diesen Zweck ei n ge richt e t worden waren. Pep

sonen,

asoziale Gesinnung bewiosen , mußten in Zucht und Ordnun g gehalten werden. Di es all es zwang zur Gründung von eigenen Flüchtlingsdörfern ; ein Regierun g kommissar mit Stab hielt in ihnen die Ordnung aufrec ht , wobei sov i e l Fre ih eit wie m ög ~

li eh ge la sse n wurde. So wurde b ei unsp eet e in Stück Heideland abgegrenzt, Holzbaracken wur<

den für 13 000 Flüchtlinge aufgeste llt. die Siedlung wurde mit Kirche, Schule, Post und Gaststätten

- eb e nf a ll s a us Holz -

te r e so lch e r

den in kur ze r Z eit. Außer di ese n elrei großen Döp fern wurde durch Privatp e r sone n mit R og ie run gs ~ unterstützung ein Zufluchtsor t errichte t, der

hauptsächlich aus Gewächshäusern und ähnlichen Unterschlupfen b es t and und 2000 P e r so n en faßt e.

J ede r d er l~ lü chtiinge e rhi e lt e in e t ä!:!

w eisun g, a ußerd e m wurde für Ernährung und Kl eid ung So rge getragen; U nterri cht für Kind er, Fachschulen für E rwach se n e wurden ein ge richte t, durch den R ookefell er<Fond Schneider< und Strick< schul en ins Leben ge rufen , die Kl eide r und Wä sch e verfertigten. D as katholische Komitee in Utrecht br acht e viele b elgiseh e Kind e r in ni ed e rländisch en Familien unter. Tro tz der großen Mittel. ,die dem nied e rl ändischen Hilfs komit ee zur V e rfü gung standen und durch Geschenke aus Amerika, der Schweiz und D än emark e rh öht wurden, waren di e K.os ten der. Flüchtlingsversorgung für di e hollän~ dlsche RegIerung se hr g roß . Tm Juli 1915 waren noch 18000 Flüchtlinge in den Lagern, außerdem noch 74800 im Lande verteilt.

Mindesten den gleich en, wenn ni cht ein en noch

naoh

Fra n kr e i chan. Zahlreiche Einwohner folgten namentlich von den Dörfern zwischen Sambre

und \aas nach der Sohlacht von Charleroi dem französischen und englischen Rückzu g. Durch d en deutschen Vormarsch im Oktob er 1914 s tand der Abwanderun!:! aus Flandern nur noch die Straße über Fournes nach Dünkirchen zur Verfügung.

r S traße dr ä n g t e n s ich U n zäh li c1 e zu Fuß,

mit Hand < und Schubkarren und verme~c1ten sich

mit dem Troß des aus Antwerpen abziehenden

belgischen Heeres. Tausende, die an die Küste der

gef lo h e n war e n , j\ \ asse n von E inwohn e rn

a llm ä hli ch

ver~

ihre Rückkehr nach Belgien in groß<

e1ie

Gefangenen

fr eige la ssen

waren.

die

sich

Wieder aufgegriffene Verbrecher

schamlos

aufführten

oder

eine

verse h e n .

och zwei

w

ei~

Lager für j e 10 000 P erso n en entstan~

lich e Ge l dzu<

größ e r en Umfang nahm dieF lu chtvonBe lgie rn

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Gu c rrc.

1924 .

Soldalen unlerzU'

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B r üssel

B.

20 000 bel~ische, 2000

d e m

Fall

vo n

Anl,,"crpen

h o ll ä n dis c h e s

G e bi e

dort

cntwaff n<::l

w orden

w a ren .

aus Fland ern. di e die let ztcn Trams, \ Vagen de r elcktrischen Ostendebahn, sowie überfüllte Eisen. bahnzüge nach Fournes brachten, vermehrten den

Strom de r Flüchtlinge, die s-ich auf den du rch den

Regen aufgeweichten Straßen mühsam mit ihrem Gepäck fortbewegten. Dünkirehen war rasch übep belegt, Ca lai s, Bo ul ogne und andere Kü ste n orte

fran zös isc hen F lü chtlin gen be.

se t z t. Man br acht e daher die Belaier in entfernter ge lege ne Stä dt e der Nor mand ie, 'Br,etag ne und du l\ \idi und ve rt ei lt e s ie schli eß lich a uf das ganze

unb ese t z te frankreich. Di e l\ l ä nner wurden in Munitionsfabriken und ande ren Kriegsbetrieben ode r a ls Landhelfer \" e f\ve nd e t. E in e b esondere Schwie ri gk eit veru rsa cht e d ie Versorgung der Kin . der: Ein Teil wurde in die Schweiz geschi ckt; etwa 10 000 Kinder vo n 3 bi s 16 J a hr en wurden in Krank enhäu se rn vo n Paris und in der o rm andi e, in den Hotels an der l(ü ste ode r 111 leeren Schlössern ge mein sam unt e rgeb racht. Tm ga nzen so ll e n nahezu eine Million B el gier

waren bereits \'on

ihr

Land

verlass-en

und

Zuflucht

in

Holland

und

Frankreich,

zum

Teil

auch

in

England

ges ucht hab en. Die Behörd en lind die

Pr,esse

in Belgien trafe n k ein e rl ei Maßnahmen , diese unsinni ge und zum größ t en Teile unn ö ti ge Flucht zu verhindern, zu ve rringe rn oder wenigstens

in geo r,dnete Bahn e n zu

Creue!.

mil .

dem. Belgien hatte das Glück, daß sich di e ach~ barvölk er, in sh esond e re das neutral c Holland, in großzügi ge r W eises-e incr Flüchtlinge annahm e n und dabei finan ziell ,durch fast die ga n ze Welt unters tützt wurden. Trotz,dcm hab en auch hier

Presse

Frieden

war nicht das ge rin gs te vorbereitet

wor,den. Di c

märch en Furcht und Pa nik

le nk e n .

Lügen

auf,

statt

Tm

und

sie

peitschte

durch

ihre

zu

Panik und man gelnde Organisation

lieh e Leiden für die BevöIke run g gebr acht.

außerordent,

Der

deutsche

Vormarsch

in

No r d fra n k ,

re ich fand dic meisten Schlösser und Häuser der wohlhabend en Kreise, aber auch viele Wohnungen von Arbeitern us w. gc räumt; die B es itz e r waren dem Rückzug ihres H eeres vorausgeeilt ode r ge'

folgt. Als di e Deuts ch en s ich Paris näh e rt e n , m ehr. ten sich di e Flüchtlingc. di e in dies-er Stadt sich einfanden; die französisch e Regierun g floh am

2. September nach Bordeaux ; di e e twa s voreilige

V erl eg un g d er R eg ierung hatt e Nachteile zur Folge, auf di e hier nicht näh er eingega ngen wer' den kann.

D e r Fes tun g s kr i e g s pi e lt e im Weltkri eg nicht ,dieselbe Rolle wie in früh eren Zeiten. Di e meisten Fes tun ge n in Belgien, Frankreich und Rußland sind, soweit sie angeg riffen wurd en,

durch kurz·dauernd e gewa ltsam e Angriffe

oder Be'

schießungen genommen worden; andere

bild eten

Teile der allg.cmeinen befes ti gt en Front und unt er' la ge n den se lb en Verhältnissen wie dies,e . Es so ll daher hier nur die Verteidigung ,der Festung Pr z e m ys I erwähnt werden.

Tm Gegensatz zu Antwerpen hatte d e r öster ' reichische Fes tungskommandant K u s man e c vo r der ersten und zweiten Belage rung die Zivilbe,

vö lk e run g wi ed e rholt a u fge ford e rt, abzu reise n ").

des Roten

Kreuzes sowie Geschäftsleute mit offenen Läden und Gast, und Kaffee hau sb esi ze r so llten bl eib en.

W enn auch nicht alle Einwohner di esen Aufforde.

rungen nachkam en , so wurd e di e Zahl der N icht, kämpfer durch freiwilli ge Abwanderung doch stark herabgesetzt ; Perso nen, die sich nicht auf drei ,\\ onatc \" c rprovi a nti e r e n k o nnt e n , wurden

behördlich ahilesehohcn.

Flüchtlinge aus der wei ,

Tur

die

Angehörigen

des

H eeres und

",eiterge,

leitet, ohne län geren Aufenthalt nehm en zu dür'

te

ren

Llmgebung

der

Festung

wurden

fen.

Die

festung

hat

sich

lange

gehalten

und

wurde

erst

nach

der

zweiten

Belagerung

durch

Hu nger und .\\uniti onsmangel zur Übergabe ge, zwungen. Ganz neue Verhältnisse für das Räumungspro' blem brachte der S tell u n g s k r i e g mit sich. Als die Fronten erstarrten, waren zunächst nur die Zivilpersonen aus der vordersten Kampflinie

zu entfernen, soweit sie sich noch nicht selbs t ge' rettet hatten. Bald stellte sich jedoch heraus, daß auch die Orte hinter der vorderen Linie mehr und mehr durch die feindlichen Maschinengewehre, durch A rtillerie und Flieger, spä ter auch durch Gasangriffe gefährdet waren. Auch benötigte die Truppe die wenigen unversehrt geb li ehenen Häu. ser zur Unterb rin gung \"on Mannsch aften und Pferden. Dio Bewohner ,der in Frage kommenden

O rte'") wurden elaher in weiter rückwärts gelegene

oder in das Etappengebiet abgeschoben. Beweg,

li eh e Gü t er konnten natürlich nur 111 beschränk ,

tem Umfange mitgenommen wer.den. Kriegsver. wendungsfähige Männer, die vor der feindlichen

Besetzung eies Landes nicht in Sicherheit gebracht worden waren, führte der Feind als Kriegsgefan,

ge n e ", eg . Kri egsw ichti ges Material, wie Messing,

Kupfer, Schrott u. a., sam m elte man und schaffte es ebenso wie Kohlen der in Betrieb erhaltenen Zechen, Maschinen und WeDkzeuge in .das Heimat, gebi e t zurü ck. Lebens mitt el und Futter wurden

Etappe

von

aufgesp eichert. Soweit sich die Möglichkeit dazu bot, wurden - wenigstens von den (lcutseh en Truppen - auch Kuns tw erk e geborgen und der Obhut einh eimi scher Behö rd en des Hinterlandes i.ibe rge b en.

der d e u t sch e n Front ord,

n e t o da s b e tr eff end e

K . an; sie e rf olgt en in

der 'Weise, daß elen Einwohn ern die Zeit des Ab, transpo rtes bekanntgegeben wu rd e; diese r er,

folgte meist ab end s geschlossen zu Fuß oder auf Wagen, ,die vo n der Truppe b e r ei t geste llt wur, den. Die Verteilung der Flüchtlinge regelte die

E tappenve rwaltun g; für ihre Un terbrin gun g und

Verpflegung sorgten die Ortsko mm a nda ntur en im Verein mit d en Orts behörd e n. D en Fra n z 0 sen

s tand zur U nt e rbrin gun g der Bevö lk e run g, die aus dem nicht vom Feinde b esetzten Gebiete

freiwilli g a bwandert e oder ~a n l!swe ise abge' schob en wur,d e, das gesamte Hinterland zur Ver'

der

Truppe

verwendet

oder

in

der

Di.e R äumungen an

A. O.

fluß ; U nt e rbrin gunl! und Verpflegung fie len des. halb nicht schwe r , nur die lan ge Dau e r der R äu ' mung brachte Mißstände und MißheIHgkeiten.

Die dichte Belegung von Orten hinter der deut, sehen Kampflinie durch die Flüchtlinge erschwerte die U nterbringung von durchmarschierenden Truppen ode r b ei Truppenanhäufungcn hint er

Br e nnpunkt en der

.Jede Verlegung der

I"ront ode r VOn Frontteilcn n ach rückwärts ver, ursachte eine Vermehrung der unterzubrin g.cnden

Flüchtlinge. Wo das Zurückgehen planmäßig er.

folgt e, konnt e a

.lahr e

g r öße r

ord nun gsmäßig durchgeführt

je d oc h di·ese Schritte na ch rü ckwärt s im

'1918 wurden und je rascher s ie ei nand er folgten, um so weniger kriegswichtiges Material konnte ge. borg en w e rden. Auch üb e r di e an säss ig e Bevölk e,

'gung;

Leb e n s

mitt e l hatt e das Land im O b e r.

Front.

uch - elie Räumun g im

werden.

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rund

650 km

lang . n

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im

W e st e n

hand e lt e es

sich,

we nn die Räumun~stide bei

Fr e und

se hnittl ie h

20

km

l!e r ä umt

w e rd e lI

a nge nomm e n

muB' e.

w ir d .

und

um

Feind

c t wa

z u.&amme n

13 000

km 2

mit

durch~

Land.

da.

145

rung schritt der Rückzug vielfach hinweg. Zum großen Teile hatte man jedoch bei dem schritt~ weisen Zurückgehen die Bevöl'kerung aus dem Kamp~bereiche immer wieder zurückgeschafft. Da man Bedacht darauf nahm, daß sie innerhalb der Grenzen ihres Landes blieb, tauten sich in den Grenzbeziflken die abgeschobenen Einwohner der~ art an, daß viele Grenzorte für die Unterkunft von Truppen nicht mehr herangezogen wer,den konnten. Es kam daher nicht selten vor, ·daß diese neben den überfüllten Ortschaften biwakieren mußten. Auch die Ernährung ··der Flüchtlinge war bei der deutschen Verpflegungslage schwierig:

durch das internationale Hilfskomitee wurden aber bald die französischen und belgisehen Be ~ wohner des besetzten Gebietes so reichlich mit Lebensmitteln versOflgt, daß sie besser verpflegt waren als das deutsche Heer. Eino eigenartige Räumung zeitigten die Verhälb nisse an der maz e don i s ch ·e n Front. Die Ein~ wohner der in der Kampffront gelegenen Ort; schaften hielten sich tagsüber in nahe gelegenen Wäl,dern und Schluchten auf. Sobald es dunkel wurde, kehrten sie jedoch in ihre Häuser zurück, versorgten das Vieh, kochten, aßen, schliefen in ihren Wohnungen, halfen auch den Deutschen beim Löschen von Brandstätten, um am frühen Morgen wieder ihre Schlupfwinkel aufzusuchen. Eintretende Verluste wurden mit stoischer Ruhe hingenommen. Wenn es bei den d e u t s ehe n R ü c k zug s ; k ä m p fe n im Spätsommer und Herbst 1918 auch nicht möglich war, eine vollkommene Räumung der aufgegebenen Landstriche durchzuführen, so gelang es doch, durch den Abtransport und die Zerstörung von Hilfsmitteln, die dem Feinde dienen konnten, das Nachfolgen ,des Gegners be~ deutend zu erschweren und zu verzögern. Im Ver~ ein mit den Hindernissen und Zerstörungen, die durch die vorausgegangenen Kämpfe bereits vor< handen waren und während des Rüokzugs noch ausgeführt wUl'lden, bewirkte die Räumung, daß die Verfolgung durch den Feind &pätestens an der

Antwerpen~Maas~Stellung zu einem vorläu figen

Süllstand gekommen wäre. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß das deutsche Heer sich dort noch lange hätte halten und wiederherstellen können, wenn die innerpolitischen Verhältnisse nicht den Kriegsschluß erzwungen hätten. Während die Deutschen bei ihflen Räumungs- maßnahmen stets bestrebt waren, Härten gegen die Einwohner zu vermeiden, verwüsteten die

Ru s sen bei ihrem Rüokzug aus Polen im Som- mer 1915 das Land mit großer Rücksichtslosigkeit, trotzdem es sich um eigenes Gebiet und russische Staatsbürger handelte. Einzelhöfe, Dörfer, ja ganze Städte wurden niedergebrannt, Fabriken ge~ sprengt; was an Vorräten nicht mitgeschleppt werden konnte, wurde vernichtet. Zur planmäßi- gen Ausführung des Zerstörungswerkes t3 ) waren Spreng- und Brandkommandos gebildet. Sie er. schi,enen mit Brandstreifen, Petroleum~ oder Ben~ zinspritzen und dgl. in den Dörfern und zwangen die Bewohner, die Häuser innerhalb weniger Stun~ den zu verlassen. Dann wur ,de geplündert und an~ gezündet. Eine Unmenge von Rindern und ande-

Getreide auf dem

Halm niedergewalzt. Die Einwohner konnten nur wenig von ihrer Habe retten; sie wurden gezwun~ gen, der Truppe zu folg,en und, als sie ihr unbe-

ihre leeren, aus -

gebrannten Wohnsitze zurückgejagt. Eine Unzahl von Frauen, Kindern und alten Männern k,am auf

ren Haustieren wurde getötet,

quem wurden, z. T. wieder in

146

der Flucht um. Nach Erzählung von Augenzeugen fanden die nachrückenden Deutschen Tausende von Zivilpersonen oberflächlich in Massengräbern beerdigt, weitere Tausende lagen tot, verhungert, erfroren neben ,den Straßen, in den Wäldern und Sümpfen. Die deutschen Truppen mußten die zurückgeschickten Flüchtlinge verpflegen und unterbringen und hatten selbst unter dem Mangel an Verpflegung und Unterkunft zu lei,den. Der Befehl zur planmäßigen Räumung war zwar von den Russen nur gruppen- oder strichweise vol1- zogen worden U ). Wo die Deutschen aber in sol- chen verwüsteten Strichen vorgehen mußten, machten sich die Wirkungen der Räumung äußerst unangenehm fühlbar. Durch den Mangel an Kraft- futter wurde die Leistungsfähigkeit der Pferde herabgesetzt; infolgedessen versagte der Nach- schub für Truppenbedürfnisse auf den zerstörten und versumpften Straßen. Tichts konnte dem Land selbst entnommen werden. Durch das Fehlen jeglicher Unterkunft war die Truppe, besonders während des regnerischen Herbstwetters, großen trapazen ausgesetzt, war die· Versorgung Er< krankter und Verwundeter in Frage gestellt. Viel- fach waren ganze Divisionen am Ende ihrer Kraft angelangt. Daß trotzdem die Verfolgung auf so weite Strecken und mit solcher Tatkraft durch- geführt wurde, bildet ein Ruhme blatt in der Ge- schichte der deutschen Truppe.

.Der Einfluß der Luftwaffe. Die Luftwaffe hat sich erst in ,den letzten Jahren zu einer selb tändigen Waffe entwickelt, Kriegs- erfahrungen über den Luftkrieg liegen daher, streng genommen, nicht vor. Im Weltkriege und in den Kolonialkriegen der letzten Jahre be. schränkte sich der Einfluß <ler jungen Luftwaffe, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf die primi- tivste Form der Räumung: ,die Flucht vor der un- mittelbaren Gefahr. Sie führte nicht selten zur Panik. In London entstanden durch die kopflose Flucht der Bevölkerung in die Untergrundbahn in East End mehr Verluste als durch die Bomben des feindlichen Fliegerangriffes. In den volk'reichen chinesischen Städten Soochow und Kunschan. die am 6. 3. 1932 abends von japanischen Flieger- geschwadern mit Bomben beworfen wurden, er. litten die aus Kinos und Theatern flüchtenden Menschenmassen große Verluste; Schreckens. szenen spielten sich ab; weder Polizei noch Feuer< wehr waren in der Lage, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. In K 0 Ion i alk r i e gen gelang es den Eingeborenen häufig, der Luftgcfahr durch recht. zeitiges Räumen ihrer Wohnstätten zu entfliehen. So verließen Angehörige des Bahauri-Stammes in Indien, als im August 1933 die englischen Flieger herannahten, ihre Dörfer und fanden in Höhlen Schutz. Auch in anderen Kolonien, wie im Irak und in Marokko, konnten die Bewohner von Ein. zelsiedlungen und Dörfern sich nicht selten für ihre Person durch die Flucht vor den Bomben der feindlichen Geschwader retten. Im W el t k r i e g e hatten die vermehrten deut. sehen Fliegerangriffe auf P.a r i s im Frühjahr 1918 neben der Beschießung durch großkalibrige Ge< schütze die Abwanderung von angeblich Hundert. tausenden von Menschei ' zurFolge; doch wurde die Regierung diesmal nichtverlegt, weil die verwickelte Maschinerie <les Krieges bei der herrschenden Krise einen solchen Umzug nicht vertra'gen hätte. Auch in London wurde trotz der großen Verluste

13 1 Ru.sioehe. Zerstörungswerk in Polen.

14 1 Rdc hsarchiv.

Dor W e\tkri.~ 1914/18,

Stilke, Berlin

Bd,

VIII,

1916 .

durch deutsche Flieger in den j,ahrel1 1917 /18 von einer Räumung großen Stiles abgesehen, einmal wegen des moralischen Eindruoks. den sie auf die Gesamtheit der Bevölkerung ausgeübt hätte, dann aber auch, weil London als wichtiger Eisenbahn~ und Straßenknotenpunkt. als Industriezentrum größter Leistun gs fähigkeit und Nahrungsmittel~ verteil un gss tello ersten Range.s von den nöti gen Arbei tskräften nicht entblößt werden ,durfte'"). Durch die Bombenflugzeuge wurde die Tiefe der Kampfzone vergrößert; es mußten daher manch e Unterkünfte zeitwe ise oder ganz ge räumt werd en, die bis dahin außerhalb des Bereiches des feind~

lichen Feue rs

ge legen waren . Jedoch ist nur die

planmäßige Räumung einer g rößeren Stadt be~ kannt, die aus Luftsehutzgrül1den im Hinterlande der Front vorgenommen wunde. D ü n kir ehe n wurde im Jahre 191 8 we ge n der häufig en deutsch en Fliegerangriffe von der Zivilbevö lk erung in g ro ~ ßcm Umfange geräumt, der größte Teil der Werb stätten und Kaufläden wurde geschlossen, die Nachtarbeit in den Docks eingestellt. der Hafen in gut en Flu gnächt en von Schiffen freigemacht. das zent rale Flugdepot außer Tätigke it gosetzt'O) .

Hat

die

Luftwaffe

im

Weltkrie ge

auch

noch

keine

neuen

Gesichtspunkte

für die Räumungs~

fra ge geb racht. so ist bei dem ungeh euren Auf~ schwung, den diese 'vVaffe seitdem genommen hat.

und bei der sich hi e rau s

bevölk e rung in dichten Siedlungen. besond ers in Großstädte~l, ga nz a uß erordent li ch gewachsen. Die Luftwaffe ist bereits heut e nicht nur im s t a nd e,

neuen Auffassung vom Luftkrie g, die entwic k elt e, die Gefahr für die Zivil~

wesentlich größere Z erstörungen als im Weltkrieg auszuführen, sonde rn sie hat auch das Kriegs- gebiet auf Orte weit hinter der Front erweHert; in Länd e rn mit g roßer Luftg erfä hrdun g, wie Deutschland , gi bt es kein e Stadt mehr, die durch feindliche Luftangriffe nicht erreicht werden könnte. Damit hat auch das RäumungsprobJem an Bedeutung gewonnen und darf von keiner größe- ren Stadt übersehen werden. Die E rfahrun gen über d as Räumun gs probl em in der Kri egsgeschichte la ssen sich ,dahin zu sam men - fassen, daß Flucht und Abwanderung aus der Ge- fahrenzone immer wieder stattfinden und daß auch eine zwangsweise Räumung sich häufig als Kri egs maßnahme notwendig erweist. Andererseits darf eine Räumung nur dann und in einem Um. fan ge erfol gen, daß damit die Interessen der Kriegführun g gewahrt bleiben. Haupterfordernis bei jeder Art von Räumung ist die Aufrechterhai. tung vo n Ruh e und Ordnun g, die Verhinderung jeg licher Panik. Di e Räumung hängt von der ver- fÜ f.!bar e n Zeit ab und ist in erster Linie ein Ver. kehrsproblem, danach ein solches der Unterbrin. gung und Verpfle gun g. Daran sc hließ e n sneh Maß - nahmen des Sanitäts. und Sieherhe,itsdienstes und eine Reihe anderer Probleme an, wie die Ver. so rgung und der Unterricht der Kind e r, AusbiI. dung . Beschäftigung der Flüchtlin ge und wirt- sehaftliohe Fragen. Mangelnde Vorbereitung und ungenügende Organisation vermehren in hohem Maße die Schwierigkeiten und auch die Härten gegenüber de r Bevölke run g und könn en zu se h wer s ten Sch~iden fü r sie füh ren .

Die "Fachtrupps (Kanalisation)" zivilen Luftschutz l

)

1m "

Dipl.-Ing. Wen t e n, Magistratsbaurat, Stadtentwässerung Berlin.

A ll f.!eme in gü lti ge Richtlinien , welche Arten von Fachtrupps von e in em Kanali sa ti onswerk auf~ gestellt werden müssen, und welche Aufgaben diese vor, zu Beginn oder während des Luftangrif. fes im einzeln en zu erledigen hab en , lassen sich mit Rücksicht auf die Verschiedenartigkeit der örtlichen Verhältnisse und der im Zusammen. hange hiermit von den einzelnen Gemeinden ge. troffenen t echnisch en Einrichtungen nicht geben. Es so ll daher erörtert werden, we lche Fach. trupps im all ge m einen von ei n e m Kanalisations . werk einer Gemeinde aufgestellt werden müs;

sen, die an

Näh e eines solch en liegt und nach dem Misch~ oder Trennsystem oder nach beiden Systemen kanalisiert i s t. Di e M i sch. oder Brauchwässer s ol ~ len Pumpwerken und von diesen vermittels Druckrohren außerhalb der Gemeinde gelcgenen Rieselfeldern oder Kläranlagen zugeführt werden. Bei dieser Sachlage können Beschädigungen von öffen tlich en gen, die in den Straßen untergebracht sind und der Entwässerung der Straßen und Grundstücke dienen, und Beschädigungen von D ru c k roh ~ ren erhebliche Gefahren im Gefolge haben, weil das ein e Mal infol ge b eh ind erter oder ,gä nzli oh ge~ stör ter "Vasserabführung und das ande r e Mal we ~

ein em kl ein e ren Flusse oder in der

En twä ssserungsan l a ~

Ir, ) Journal

'R)

R i t

01

t er,

th e

R oya l

United

Ser v ice

D e r Luftkri e~ , S , 1 5 1.

In s tituti o n ,

Au ~ust 1927,

gen

YOn Straßen und Grundstücken und hierdurch Personen. und Sachschäden hervorgerufen wer,den

können. Zur Behebung dieser Gefahren mü sen daher Maßnahmen so f 0 r t, d. h. noch während des Luftangriffes, durchgeführt werden. Dies ist

FKD. und FKS. " ( Fach-

trupp Kanalisation Druckrohr " und

Kanalisation Straßenleitungsnetz"). Wesen tlich anders li egen in dieser Beziehung di e Verhältnisse hinsichtlich der Ries e lfel- der und der in ihnen untergebrachten Anlagen (Absitzbecken, 0 ruekrohrverteilungsleitungen, Drainageleitungen u . a. m.) sowie hinsichtlich der K I ära n I a ,g e n. Beschädigungen dieser in freiem Ge länd e gelegenen An lagen können im allgemeinen nicht solche Gefahren im Gefolge haben, daß ein augenblickliches Eingreifen, also noch wäh rend des Lu ftangri ffcs, erforde rli ch wird.

Außer diesen Fachtrupps (FKD. und FKS.) muß

. ufgabc der Fachtrupps

Austritts von Wasser Überschwemmun gen

Fa chtrupp

zur

Durchführung bestimmter

Aufgaben

anderer

Art

auf

Pumpwerk.

und

Klärwerkgrundstücken,

Grundstücken für Zwecke des Betriebes des Straßenleitungsnetzes u. a. m. noch eine ganze Anzahl von Hilfstrupp , wie Feuerwehr., Polizei.,

 

'l

\lgl.

di e

Ar b ei t en

., Fa c htrupps

(Gas) "

in

"G ass c hutz

und

LuH-

sc

hut z"

1934 ,

S.

317,

"Fac htrupps

(Wasser )"

in

"Ga

c hut z und

LuH-

sc

hu tz" ,

Mär z heft

1~ 'j5, S.

60,

und

. ,Fachtrupps

(El

e ktri zi t ä t)"'

in

"Gosscl , ut z

und

Luft sc hutz" ,

Maihelt

t935 ,

S,

1 21. D, Sc hriftll ~,

147

Sanitäts., Entgiftungs., Aufräumungstrupps usf., auf,gestellt werden. Auf die Tätigkeit dieser Trupps soll in diesem Zusammenhange jedoch nicht eingegangen werden. Die Z a h I der aufzustellenden Fachtrupps wird einmal ,davon llJbhängen, ob es sich bei den zu b~ treuenden Gebieten um solche mit offener und niedriger Bebauung handelt (Landhausbebauung) oder um Gebiete mit geschlossener, vielgesehossi. ger Bebauung. Im letzteren Falle sind wiederum Gebiete mit Wohnhausbauten weniger gefährdet als Gebiete mit Industriebauten oder anderen wichtigen Bauten. Eine beachtliche Rolle spielen bezüglich der Zahl der aufzustellenden Fach. trupps des weiteren noch Abmessungen und Was. serführung der zu betreuenden Entwässerungs. anlagen und vor allem auch Sonderbauwerke (Zu. sammenführungen großer Sammelkanäle, Düker. bauwerke und dgl.).

dürfen,

Die einzelnen

Fa c h t r u p p g e bi e t e

zum mindesten in Gebieten der geschlossenen Bauweise mit Sondercharakter (Industriebauten, andere wichtige Bauten usw.) und in Gebieten mit öffentlichen Entwässerungsleitungen von großen Abmessungen und großer Wasserführung, nicht zu groß bemessen werden, da sonst die Schlag< kraft der Fachtrupps Schaden erleiden muß. Es ist jedenfalls besser, einen Fachtrupp mehr auf< zustellen als einen zu wenig.

Auch die S t ä r k e der Fachtrupps richtet sich nach den jeweiligen örtlichen Verhältnissen. Im allgemeinen wird mit einem Führer und 3 Hilfs< leuten auszukommen sein. Der Führer muß we< gen der VOn ihm selbständig und verantwortlich zu lösenden Au fgaben über weitgehende Sach< kenntnis verfügen und muß daher dem Stamm. personal des Kanalisationswerkes entnommen werden. Die 3 Hilfsleute eines jeden Fachtrupps müssen, da das Stammpersonal für die Gestellung de gesamten Fachtrupp.Personals nur selten aus< reichen wir·d, von anderen Einrichtungen, z. B. "

angelernt

werden.

Las t .

kr a f t w a gen von etwa 2 t Tragkraft mit be.

sonderem Kraftfahrer zugeteilt

kraftwagen ist zur Beförderung des Fachtrupp<

der T.

zur Verfügung

muß

jedem

gestellt und

.

Fachtrupp

ein

Weiter

werden . Der Last<

Personals und der von diesem benötigten Gerät.

sehaften, Baumater~a1ien u.

a.

m.

erforderlich.

An Sc hut z aus r ü s tun g erhalten die Fach. trupps Gasmasken mit Kampfstoffilter. Ferner ist ein Mann jedes Fachtrupps mit Gasanzu.g auszu. statten; für die übrigen Mannschaften sind Gummischaftstiefel und Gummihandschuhe auf dem Lastkraftwagen mitzuführen. Des weiteren sind auf diesem Wagen Filter für Kampfstoffe und Kohlenoxyd (bei Leuehtgasgefahr) bereit zu halten. Bevor in die nähere Erörterung der Aufgaben der Fachtrupps (FKD. und FKS.) eingetreten wird, ist in diesem Zusammenhange noch folgendes zu erwähnen: Jedes bebaute Grundstück, das in nach dem Misch. oder Trennsystem kanalisierter

Ortslage liegt, entwässert im allgemeinen mittels zweier Ansehlußleitungen in die ö f f e n t I ich 0 n E n t w ä s se run g san lag e n. \Venn nun durch ~ombenwurf öffentliche Entwässerungsleitungen so stark beschädigt werden, daß ,die Wasserfüh< rung sehr stark oder ,gänzlich unterbunden wil"d,

des Wassers in dem oberhalb der

Bruchstelle gelegenen Entwässerungsnetz u. U. bis

tritt Ans tau

zur GeländeoberfIäche ein. Anstau des vVassers

148

bis zur Geländeoberfläche kann sehr schnell auch dann erfolgen, wenn außer ,der stark beschädigten Entwässerungsleitung gleichzeitig noch ein Rein< oder Schmutzwasserdruckrohr zu Bruch gegangen ist und das hierbei ausströmende Wasser durch Einsteigesehächte und Straßenabläufe in das Ent. wässerungsnetz oberhalb der beschädigten Ent< wässerungsleitung eindringt. Es ist selbstvep sbindlich, daß bei Anstau im öffenmehen Ent. wässerungsnetz auch die durch die Anschlußlei. tungen mit dem öffentlichen Entwässerungsnetz verbundenen Grundstücksen twässerungsanlagen unter Stau kommen. Die Erfahrung zeigt nun, daß sich die In n e n<

o n t w ä s s er u n g sa

häufig in nicht ordnungsmiißigem Zustande be. finden. Vielfach steht die hinter der Bauflucht in die Anschlußleitungen eingebaute Reinigungs. öffnung (Hauskasten) offen - der Deckel ist cnt< fernt -, oder aber die Gummidichtung des Deckels fehlt oder ist scha·dhaft, so daß ein dich< tel' Verschluß nicht mehr vorhanden ist. Auch von 1fand zu bedienende Rückstauverschlüsse für tiefer als Gel~indeoberf1äche gelegene Entwässe< l'ungsobjekte sind vielfach nicht geschlossen. V/ei:

tel' sind zwecks leichterer Behebung von Ver< stopfungell di e Entwässerungsgrundleitungen der Grundstücke häufig angeschlagen und dann über< haupt nicht oder nur durch Umwicklung mit Blech und Draht wieder geschlossen worden.

Kommen Innenentw~isserungsanlagen, die sich in

n l ag e n der Grund tücke

einem derartigen Zustande befinden, unter Stau. so sind Grundstücksübersohwemmungen \'on u. U. unübersehbarem Ausmaße unvermeidbar. Da nun, wenigstens in Gebieten der gesehlos< senen und hoehgeschossigen Bauweise, fast in jedem Hause für die Bewohner eh u tz r ä um e im Kf'llergesehoß vorhanden sein werden, können bei Vorhandensein beschädigter oder nicht ord< nungsmäßig bedienter Entwässerungsanlagen und Eintritt von Anstau im öffentlichen Entwässe< rungsnetz die in den Schutzräumen versammelten Personen in ernsteste Gefahr geraten. Aus die< sem Grunde und um den Fachtrupps, die bei Vor< nahmc provisorischer Instandsetzungen von be< schädigten öffentlichen Entwässerungsleitungen da \\lasser oberhalb ,der Schadenstellen meist anstauen müssen, die Durchführung ihrer Auf< gruben zu erleichtern, muß beizeiten den Grund< stücksei,gentümern die Instandsetzung und ord< nungsmäßigo Bedienung der Grundstücksinnen. entwässerungsanlagen zur Pflicht gemacht werden. Die unter den gemachten Voraussetzungen vor oder während eines Luftangriffes seitens eines Kanalisationswerkes durchzuführenden Maßnah< men sind im einzelnen etwa folgende:

Besteht für Pumpwerke die Möglichkeit, durch entsprechende Ver bin dun gen von 0 r u c k< roh r lei tun gen untereinander Abwässer je nach Erfo\'1dernis dem einen oder anderen RieseI< feld oder Klärwerk zuzuleiten, so muß dieser Zustand nach Aufruf des Luftschutzes sofort ge< ändert werden. Jedes Pumpwerk darf von diesem Zeitpunkt an Tag für Tag nur noch ,in ein be. stimmtes Druokrohr fördern, alle Verbindungs. leitungen zwischen Druckrohren sind zu schlie< ßen. Dies ist erforderlich, damit bei Stillegung von ,d~Jreh Bombeneinschlag beschädigten Druck. rohrleitungen durch Fehldispositionen nicht noch auf anderem Wege \\Tasser in diese hinein< gedrückt werden kann. Sobald Vorwarnung ergangen ist, sind die Pumpwerke, die einen Not aus laß nach einem

Gewässer haben, stillzulegen, die Feuer unter den

K esseln sind

unterzufahren. Weiter sind durch die Fachtrupps (FKD.) -die in unmittelbarer Nähe der stillgeleg-

ten Pumpwerke liegenden Schieber der Druck- rohre zu schließen. Soweit Pumpwerke keinen otauslaß haben. bleiben sie im Betrieb. Es ist jedoch anzustreben, für jedes Pumpwerk recht. zeitig üine Notauslaßmöglichkeit zu schaffen.

löschen und der Dampf ist her -

zu

. Da

Rieselfelder

oder

Kläranlagen

meist höher

hegen

als

die

Stad t geb iete,

deren

Abwässer

sie

aufnehmen, besteh t trotz Stillegung von Pump- werken immer die Gefahr, daß b ei Beschädigung

der noch mit Wasser gefüllten und wegen des Un- terschiedes der Geländehöhen auch noch unter gewissem Druck stehenden Druckrohrleitungen \Vasserin mehr oder weniger großem Umfange austritt und hierdurch Überschwemmungen von Straßen und Grundstücken hervorgerufen werden. Hierdurch können auch die in Schutzräu men be- findlichen Personen in Gefahr gebracht werden. Zur Verhütung solcher Vorkommnisse sind in die Druckrohrleitungen ungefähr in der Ge-gend , wo s ie das Stadtgebiet verlassen, und wenn d - lieh, darüber hinau s auch noch an anderen Stelle"n Sc h i -e be r einzubauen. Schieber solcher Druck-

nicht

rohre,

mehr gefördert wird, sind durch die Fachtrupps zweckmäßig sogleich zu schließen, die übrigen Schieber von Fall zu Fall sofort, nachdem eine Beschädigung der Rohre bekanntgeworden ist. In di ese m Zusammenhange muß noch darauf hingewiesen werden, daß gelegentlich auch inner- halb des zu entwäss ernden Stadtgebietes Druck <

rohrleitungen in Straßen mit starkem Gefälle

li egen. Sofern es sich hierbei nur um kurz e Druck < rohrstrecken handelt, lohnt sich der Einbau be-

sonderer Schieber nicht . Es

meinen, daß am Anfang der Steigung ,des Druch

in die nach

Vorwarnung

überhaupt

gen ü g t hi e r im allge

e n eingebaut wer-

den, die sich selbsttätig schließen, wenn in das Rohr kein Wasser gedrückt wird. Hierdurch wird erreicht, daß bei Beschädigung eines solchen Druckrohres auf der unterhalb der Rückstau< klappe gelegenen Strecke W asse r vo n der in der Steigung gelegenen Streeko des Druckrohres nicht ausströmen kann.

rohres R ü c k s tau k I a pp

- während ,des Luftangriffs beschränkt sich also auf die .Bedienung von Schiebern. Da jedoch damit gerechnet werden muß daß die Schieber nicht immer zugänglioh, sondern in folge Beschädigun g

vo n Straßendecken, Häu se rn u. a. m. verschüttet sein werden, hat je-der Fachtrupp außer Schieber< schlüsseln und 2 Sicherheitslampen (System Davy) mindestens 2 Kreuzhacken, 2 Schaufeln. 2 Spaten,

1 Brechstang e, 1 Vorschlaghammer, 2 H ämmer

Die Tätigkeit

der

Fa c h t r u p p s

-

F K D.

und 2 Meißel mit sich zu führen. A ußerdem muß j~dcr Fachtrupp über einen Plan verfügen, der die ge n a uen Lagen aller Schi eber in seinem Ge < biet aufweist.

- durch Bombenwurf zerstörten öffentlichen Ent< wässerungsleitungen noch während des Luft< an griffe s provisorisch instandse tz en , weil es ge < raum e Zeit dauert, bis -das zu Beginn des Luftangriffes im Entwässerungsnetz b efindlich e

Wasser

rechnet werden muß, daß Abwässer sogar wäh< rend des Luftangriffes und bestimmt nach Be- endigung desselben dem Entwässerungsnetz zu < ge führt w e rd en . Bei all en diesen A rb eiten der FKS . is t grundsützlieh zu beacht en. daß s ich in

Di e

F ach t ru

pp s

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K S.

-

müss en

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abgelaufen ist, und w eil w eit e r damit ge -

den großen Hohlräumen eines jeden Entwässe< rungsnetzes schädliche Gase (Leuchtgas, Kampf< stoffe usw.) sammeln können, deren Entfernung, unter Umständen durch besondere Entlüftungs< geräte, erfolgen müßte.

hat der FKS. durch Orts<

besichtigung zunächst festzustellen, OIb irgend< welche Ex p los iv gas e vorhanden sind (als- dann Vorsich tsmaßnahm en, wie Verme idung von Funkenschla g, Entfernung aller laufenden Mo < toren). Bei Wahrnehmung von Leuchtgas ist s o< for t ,der Luftschutzabschnitt zu benachrichtigen. desgleichen sind Filter für Kampfstoff und Kohlenoxyd zu benutzen.

An der Schadens teIl e

Hängen Teile der Straßenabdeckung infolge

U n t e rh ö h I u n g über oder drohen Teile der

Straßendecke in den Trichter abzurutschen, so ist für eine Beseitigung der hieraus drohenden

Gefahren sofort zu sorgen .

Sind außer öffentlichen Entwässerungsleitun< gen noch a n ,d e r e L ei tun ,g e n, ,im beson< dcrcn Gas<, Wasser-, Elektrizitäts- oder Kanalisa< tionsdruckrohrleitungen, ze rstört, so müssen vor provisorischer Ausbesserung der Entw ässerun gs< leitungen zunächst die Fachtrupps der anderen Werke b eim Luftschutzabschnitt angefol'1dert wer< den. Erst wenn von d iesen die Schäden an den anderen Leitungen behelfsmäßig so weit beseitigt sind, daß dem FKS. b ei seinen Al'\bei te n Ge< fa hr en nicht mehr drohen, ist mit ,der Arbeit zu beginnen.

\ V ass e r f ü h <

run g in den zerstörten Entwässerungsleitungen nur behindert oder gänzlich unterbunden ist. In allen Fällen ist sogleich Umleitung des W assers durch entsprechende Ab s t ö P se I u n g zu ver- suchen.

Ist der Abfluß des Wassers überhaupt nicht oder nicht wesentlich ' behinde'rt, so ist der Sprengtrichter daraufhin zu untersuchen, ob

K a 111 p f s t 0 f f e oder sonstige gesun dh eits<

schädliche Gase im Sprengtrichter vorhanden

sind . Hie rzu begibt sich dcr mit Gasanzug aus< gestattete, sie her angeseilte Mann mit an gc<

Sodann

ist

zu

prüfen , ob

die

zü ndete r Davysoher Sicherheitslampe in den

Sprengtrichter. Das Seil ist von einem außerhalb ·des Trichters stehenden Mann fest zu halten und zu führen. Sollte die Sicherheitslampe unsicher brennen oder gar verlöschen, so ist der Trichter sofort zu verlassen. Jeder Versuch ein er etwaigen Wiederanzündung der Sicherheitslampe im Trich- ter hat zu unterbleiben; dies darf nur in genügen< der Entfernung von ihm erfolgen. Um schneller besse re Luftverhältnisse im Sprengtrichter zu sch affen , empfiehlt sich Schwenk en von Tüch ern und dergleichen.

Ist

Ge l bk r e u z festgestellt worden. so muß

Spreng<

trichte r

Nach Abstöpselung ·der be-schädigten Entwässe<

rungsl eitung

se tzun g zu schr eiten . wobei die einsteigenden

Leute angeseilt und mit angezündet er Sicherheits<

la mp e ve rseh en den Sprengtl'ich ter zu b et ret en

haben. Zeigen sich auf der Sohle des Trichters Was s e r ans a m m I u n gen , so ist durch Ab, tasten mit einer Stange festzustellen. ob Sohle Trichter tiefer als Sohle Entwässerungsleitung liegt. Wenn ja, -ist so viel Erdboden einzubringen . daß Sohl e Tricht e r und Sohle En tw ässeru n gs< leitun g in e twa gleich e r Höh e li egen . Hi erbei ist darauf zu achten, daß der im Sp r en gtricht er m eist

149

Chlorkalk

in

ausreichender

Menge

im

ausgestreut wer-den.

ist

zur

behelfsm äßi gen

Ins tand ,

im natürlichen Böschungswinkel stehende Bodcn durch Entnahme von Boden nicht ins Rutschen gebracht wird. Gcröll im Trichter ist beiseite~ zusetzen zwecks späterer Verwendung bei der provisorischcn Instandsetzung der Enh\'ässerungs~ leitung.

Die ober ~ und unt erha lb der Schadenste Il e ge ~ legenen Teile ,der Entwässerungslcitung sind von hineingelangten Steinen, Betonbrocken u. dgl. zu reinigen. I-Iierauf ist die zerstörte Entwässerungs~ leitung durch eine oben offene K ast e n r i n n e zu ersetzen. Zu diesem Zweck werden aus Schal~ brettern zwei senkrechte Seitenwände hergerieh~ tet, die sich oberha lb und unterhalb der Sehaden~ s telle an die unbeschädigten Teile der Entwässe~ rungsleitung anlegen. Bei ungünstigcm Bruch sind die Rohrenden zu bchauen. Verzimmerung der

Sohle findet

ie,der Seitenwand ist etwa 5 om

des Trichters einzulassen, das nächste Brett stumpf daraufzustellen usw. Den Seitenwänden wird da,durch noch weiterer Halt gegeben, daß innen Pfähle senkrecht vorgeschlagen und außen Steine, Betonbrocken u. dgl. gehörig dagegen ge ~ packt wcr,den. Noch besser als Pfähle sind Rund~ eisen von 10 mm Durchmesser, die an einem Endc eine Spitze und am anderen einen I-laken (halb~ kreisförmige Umbiegung von 10 cm Durchmc s ser) haben, der über die Seitenwand greift. Dic Sohle zwischen den Sei tenwänden wi rd mit Steinen, Betonbrocken u. a. befestigt. Auch die Zwickel zwischen Seitenwänden und der E ntw ässer un gs~ leitung unterhalb der SchadensteIle sind durch Stein~ oder Betonbrocken ·gu t zu s ichern, um Un ~ ter~ und Hinterspülungen zu verhindern.

Hiernach ist die Zusetzung (Abs töp se lun g) der

nicht

statt. Das

unterste

Sch~;lbrett

tief in die Sohle

Entwässerungsleitung

halb

Ist Zusetzung der beschädigten Entwässerungs~ le,itung nicht möglich, so kann bei Entwässerungs~ leitungen mit kreisförmi ge m Querschnitt zur vor~ läufigen Erreichung einer geordneten Wasserab~

füh rung

von Sand zunächst ein Was s e r s a c keingebaut werden. In ,dessen Schutze wird dann die Kasten~ rinne hergestellt und hiernach der Wassersack

sowie ZlUr Verhinderung des Einspülens

im

Einsteigeschacht

ober~

der SchadensteIle zu be se i ti ge n .

ausgeba ut. Dieser Wassersack wand gefertigt und an heiden

einem Ende des Sackes ist ein durch einen Du rch ;

Enden offf. :l. An

ist aus Zeltleine~

der Ursache der Ab flußbehind erung eier Spreng. trichter stark oder gänzlich mit Wasser gefüllt ist bz\\'. das Leitungsnetz unter Stau liegt, ist wie folgt yorzug·ehen: Ein mit Gasanzug ausgerüste. ter. sicher angeseilter und sicher gch altener Mann muß ve rs uchen, das zugesetzte Profil mit Hilfe yon Stangen und dergleichen freizustoßen. Liegt dio Ursache der Abfluf)behinelerung oberhalb der Sehaelcnstelle, so ist, bevor Beseitigung ·der Ab. flußbehinderung versucht wird, zu prüfen, ob das Profil des untcrhalb eier SchadensteIle gclegenen Teiles der Entwässerungsleitung frei ist oder aber, welche 1\1aßnahmen inclieser Bcziehung vorher durchgeführt werden müssen. Bei Freil.egung des Profils ist im übrigen mit großer Vorsicht vop zugehen, weil das Stauwasser unter Umständcn überraschend und unter erheb li ch em Druck in den Sprcngtrich ter e in s trömt. CE rtrinken!)

Um das A u s s t r ö m c n zu großer 'vVasser· mengen auf einma l z.u yerhind crn, ist ein Teil des Profils der Entwässerungsleitung duroh vop zulagernde, mit Gcröll beschwertc Sandsäeko zu ~ zusctzen. Nach Wiedereintritt normaler Abfluß. verhältnisse ist dicse Abdämmung sofort zu be ~ seitigen. Gelingt Beseitigung eier Abflußbehinele~ rung a uf diese \ Veise nicht, so ist cinc Hand~ pumpe und, wenn diese nicht ausreicht, eine J\lotorpumpe anzusetzen. Das abgepumpte \Vas~ ser ist einem unterhalb dcr Schadenstelle ge ~ leg e nen Straßenablauf oeler Einsteil1eschach t zu · zuführen. Nach Bcseitigung des angcsammeltcn Wassers vollzieht sich dic behelfsmäßige Wicdep hcrstcllung der beschädigten Entwässerungs~ leitun g wie früher, 'd. h. , cs ist festzustcllen, ob Gelbkrcuz verwendet wordcn ist usw. 'vVenn auch in den vors tehcndcn Ausführungen einD große Anzahl wahrseheinlicher Fälle Be.

na tuP

rücksiehtigung

gemäß unmöglich, im Rahmen diese r Betrachtun~ gcn alle mögliehcn Fälle zu crfassen. Es kann sich also hier nur um Hinweise handcln, wie bei Vor· li egen bestimmter Regelfälle im großc n und gan~ zen vorzugehen ist. Di e E n t s eh c i dun g , wie im cinzelnen vorzugehen ist ,

gefunden

hat,

so

ist

es

kann

nur

von

Fal l zu

Fa ll nach

Maß .

ga be

der jeweils

vorliegen ,den

Ver .

h

ä I t n iss e g e t r 0 f fe n w c r den. Auszurüsten ist jeder FKS. zweckmäßig mit

2

Spaten, 4 Schaufeln, 2 Kreuzhacken, 1 Brech.

zug ge haltener Bü gel aus Flacheisen angeordnet.

stange, 1 Axt, 1 Vorschlaghammer, 2 Hämmern,

Dieser Bügel besteht aus zwei in eincm Scharnier

2

Zangen, 1 Fäustel, 2 Meißcln, 1 Stemmeisen,

beweglichen Teilen und kann vermittels ,eies be ~

1

Fuchsschwanz, 1 Bügelsäge, 2 Brunnenhaken,

kannten Bi c rfla sc henv e rschlus ses gesch lossen oder

1

Gitterrost, 2 Eimern, 2 Sicherheitslampen,

geöffnet werden. Der Sack wird mit dem bügel~

3

Sicherheitsgurten mit 5 Sicherheitsleinen, je

losen Ende stromabwärts in die zerstörte Stra~

15

m lang, 2 Eimertauen, je 10 m lang, 30 le e ren

ßenleitung eingeführt und stromaufwärts an der Entwässerungsleit'ung befesti,gt. Es wird das mit

Sandsäcken, I Eimcr Ton, 8 Steifbohlen, jc 2 m lang, 4 Brusthölzern, 3 Dachlatten, jc 2 m lang,

dem Eisenbügcl ausgestattete Ende des Sackes

24

qm Schalbrettern, 4 Schmubenspreizen, 1 Rolle

um die Leitung herumgel eg t und vermittels des

Dachpappe, 1 k g Weißstriek, 1 Pack 4" Nägel.

Bierflaschenversch lu sses fest an diesc heran~

1

Strickleitcr, 5 m lang, 1 Diaphragmapumpe

gepreßt.

Das Wasser fli eß t je tzt durch den Sack

(Saug. und Druckpumpe) mit je 10 m Sauge. und

ab. Um ein Durchhängen des Sackes und Aus~

Druckschlauch, 2 'vVassersäekcn, 1 Satz Stöpsel,

gleiten aus der s tromabwärts licgenden Entwässe~

1

Gerätekasten. Die Geräte w e r·elen

vortei lh aft in

rungsleitung zu vermei,den, ist in seiner Soh le noch

ei

ner Gerätekiste untergebracht.

eine durch cinen Durchzug gehaltcne Holzl eis te angebracht, die auf der Sohle der stromabwärts gelegcnen Entwässerungsleitung aufliegt. Damit der Sack für Leitungen von verschieden großem krcisförmigem Querschnitt ohne Auswechslung des Bügels verwendet werden kann , ist der Bügel durch eine starke Spiralfeder unt e rbroch

gestört

oder gä nzlich unteT'bunelcn , so daß je nach Lage

150

Ist

der

Was s e r a b f I u ß

e rh eblich

'vVeiter muß je,der Fachtruppführer im Besitze ein cs Ü b e r s ich t s p I a n es sein, aus dcm für das betreffen de GClbict für die cinzelnen Straßen elie Lage der Entwässerungsleitungen, ihre Ab· messungen und die Fließrich tung des Wassers (Pfeile an den .Leitungen) ersichtlich sind. Schwierige Stellen im Entwässerungsnetz und Sonderbauwerke sind durch Einkreisung kenntlich zu machen.

Ober allgemeines Verhalten beim Ausrücken aus dem Schutzraum und \Vicdereinrücken in diesen sowie über behelfsmäßige Behebung von Schäden an Kanalisationslcitun ge n (Regelfälle) sind besondere, den örtlichen Verhältnissen cnb sprechende Me r k bl ä t t er aufzustellen. Darüber hinaus ist es iiußcrst wichtig, rechb zeitig mit der Sc h u lu n g des Fachtrupp~rer~ sonals zu beginnen. Diese muß theoretischer und praktischer Art sein (Organisation des Luft~ schutzes, Gefahren bei Luftangriffen, Kampf~ l11ittel und ihre \Virkungcn, Gasschutzgeräte,

Fachtrupps,

helfsmäßige Instandsetzung von Ent\\"~isserungs~

Hilfstrupps u. dgl., praktische be ~

Normung und Feuerschutz.

Von

Baurat

Dipl.-Ing.

W.

Ge m k 0

w

t.

Im Einvernehmen mit der "fe ucrwehrtechnischen o rmenstelIe" bringen wir als Abdruck aus den 01 - Mitteilungen des Dcutschen ormenaus - schusses", Band 17, Heft 19/ 20 vom Oktober 1934, cinen AuFsatz des soeben verstorbenen Baurats Dipl.-Ing . Wa lter Ge m k 0 w, bis zu seinem Ab- leben GeschäftsFührer der Feuerwehrtechnischen Normenstelle. Wir schließen dieser Arbeit ein Verzeichnis dcr ormen Für das Feuerwehrwe en (Stand vom März 1935) an. D. Schriftltg.

Die in der Zeit vom 17. bis 23. eptember 1934 im ganzen Deutschen Reich veranstaltete Fe u e r s c hut z- wo c he hat die AuFmerksamkeit aller Bevölkerungs- kreisc mit tieFer I::.indringlichkcit auF die uncrläßliche Notwendigkeit eines gut organisierten Feuerschutze ge lenkt. In diesem Zusammenhange ist in den Veröffent - lichungen auch darauf hingewiesen worden, daß zur wirksamen BrandbekämpFung nich t allein eine gut diszi- plinierte und geschulte Truppe von durchaus gesunden und kräftigen vVehrmännern genügt. Vielmehr muß dieser Truppe, wenn ihr Einsatz zum Erfolg Führen soll, das der technischen Entwicklung angepaßte Gerät an die Hand gegeben werden. Darüber hinaus muß aber die forderung erhoben werden. daß die Geräte der einzelnen Feuerwehren untereinander einheitlich sind. Das gilt ganz besonders für diejenigen Geräte. die der Löschwasser ersorgung dienen. Bei dieser Frage der Einheitlichkeit handelt es sich nicht

so sehr um

in der Herstellung und Lagerhaltung als vielmehr um eine zwingende otwendigkeit, die sich aus dem Ge- brauch und der Anwendung der Geräte auF der Brand- steIle ergibt . Bei großen Bränden reichen häufig die örtlichen Löschkräfte nicht zur wirksamen BrandbekämpFung aus. und daher müssen die Feuerwehren benachbarter Ort- schaften und in SonderFällen gelegentlich auch Feuer - wehrkräFte entfernt gelegener Großstädte zur Unter- s tützung herangezogen werden . Wie kann in diesen Fällen eine wirkungsvolle Hilfe durch ortsFremde feuer- wehren erwartet werden. wenn nicht die Ausrüstung der einzelnen Feuerwehren mit ein h ei tl ich e n Ge- räten ein gedeihliches Zusammenarbeiten ermöglicht. Ja. wenn nicht einmal in der Grundlage einer jeden erFolgreichen BrandbekämpFung, nämlich der Sicher- stellung der Löschwasserversorgung. die notwendigen Voraussetzungen durch Ausrüstung der einzelnen Feuer- wehren mit einheitlichen Geräten und Armaturen für die LösehwasserzuFührung gegeben sind. Diese Schwierigkeiten haben im deutschen Feuer- wehrwesen jahrzehntelang bestanden. Die Gründe hier-

Belange der VereinFachung und Verbilligung

in vorbereitete, 4 bis 5 m tiefe eingebaut si nd und ausreichende

Wasserführung haben). Die praktischen 0 b u n ~ ge n sind mit aufgesetzten '\asken durehzu~ führen, weil ,die Verrichtung dieser Arbeiten unter der Maske erheblich schwerer ist und das Personal rechtzeitig an diese Erschwernisse ge~ wöhnt werden muß. Es ist zu beachten , daß das sich meist in vorgeschrittenem Alter befindende Personal ,der Fachtrupps allmählich an das Tragen von Gasmasken überhaupt und an die Ausfüh~ rung von Bewegungen und Verrichtung von Ap beiten unter der Maske im besonderen gewöhnt werden muß , sonst könnte es im Ernstfalle zu un ~ liebsamen Ausfällen an Personal kommen.

leitun ge n. die Sprengtrichter

für s ind manni g falti g. Di e Hauptur sa l:he ist aber zweifellos darin zu suchen. daß die Organisation der feuerwehren, obwohl die Einrichtung und Bildung de feuerschutzes durch Gesetz geregelt ist. rein örtlichen Charakter trägt. Ausrüstungen und Anschaffungen für die Feuerwehren unterlagen somit bi sher nur der Ent- scheidung der örtlichen Verwaltungsstellen bzw. der- jenigen Stellen , die die Mittel Für die Anschaffungen zur Verfügung stellten. Hinzu kam, daß auch von seiten der feuerwehrgeräteindu trie keine Vereinheitlichung der Geräte durchgeführt wurde. so daß gleichartige Erzeugnisse in den verschiedensten Abmessungen neben - einander auf den Markt gebracht wurden. MehrFach wurden Ansätze unternommen. diesen ins- besondere bei der Zusammenarbeit mehrerer feuer- wehren auf großen BrandsteIlen fühlbaren Mangel zu beseitigen. Bereits im Jahre 1909 wurd e z ur Sicherstellung der Liischwassef\'ersorgu ng beim gemei nsamen Arbeiten \'on Feuerwehren, di e mit Schläuchen verschiedener \Veite bzw. verschiedener Kupplungssystemc ausgerüstet waren. eine Zwischenlösung durch einen Erlaß de Preußischen Ministers des Innern herb eigeführt. In den anderen Ländern wurden ähnliche Regelungen ge- troffen. Auf Grund dieses Erlasses mußte jede feuer-

No r mal k u p p eIs t ü c k e n h. mit bergangsstücken. di e

die Verbindung zwischen dem bei der betrefFenden Feuerwehr verwendeten Schlauchkupplungssystem und einer . torzkupplung Für einen Schlauch von 52 lichter "Veite gestatteten. Erla~se einzclner Länderregierun gcn mit dem Ziel e der Vereinheitlichung der I'eue rlösc hge räte und die dem gleichen Zwecke dienenden Bedingungen einiger Feuer- \'ersi.:hcrungsanstalten bei der Zuwendung \'on Mitteln für dic Beschaffung von Feuerlöschge räten konnten zu keinem endgültigen Erfolge führen , da sich diese Maß- nahmen mehr oder weniger nur auF ö rtlich begrenzte (;ebicte er~trecken konnten.

mm

wehr mit sogenannten ausgerüstet werden. d.

Der erste Vorstoß zu einer endgültigen Vereinheit-

lichung der Feuerlöschgeräte wurde

setzung der Feuerwehrtechnischen

beitsausschuß des Reichsvereins Deutscher Feuerwehr- ingenieure unter Anschluß an den Deut chen Normen-

ausschuß unternommen . Ab 1932 wurde die

steIle von der Arbeits- und InteressengemeinschaFt

Deutscher Feuerwehrorgane betreut.

Obwohl die rbeiten der Feuerwehrtechnisehen )\' or- menstelle zeitweise unter dem Mangel an Geldmitteln

erheblich zu leiden

er ten Jahren 10 ormblätter herausgegeben werden. Es handelte sich bei diesen Blättern im wesentlichen um die Normung der Geräte Für die Lösehwasserver- sorgung: Schläuche (DIN FE 106. 1106. 107). Kupp - lungen (DlN FEN 108 bis 117) und Spritzen (011'\ FEN

1922 durch die Ein- NormensteIle als Ar-

Normen-

hatten , konnten doch schon in d en

151

Vor-

hergesagten am dringlichsten war. Einen sehr bedeutenden Antrieb erhielten die Ar- beiten der Feuerwehrtechnischen Normenstelle durch die Weckung und Förderung des Luftschutzgedankens. Da bei Luftangriffen auf bewohnte Plätze in hohem Maße mit der Anwendung brandstiftender Mittel und demzufolge mit zahlreichen Entstehungsbränden ge- rechnet werden muß, fällt hier den Feuerwehren die äußerst wichtige Aufgabe zu, Brandkatastrophen zu

verhüten. Voraussetzung zur Erfüllung dieser lebens- wichtigen Aufgabe kann aber nicht nur sein. die Orga- nisation des Feuerschutzes für den Fall einer Luftgefahr auf eine breitere Grundlage, ausgehend vom Selbst- schutzgedanken, zu stellen, sondern es muß gleichzeitig die Vereinheitlichung der Feuerlöschgeräte zur Durch- führung gelangen. Und zwar in einem viel höheren

100,

102,

1100,

1101),

deren

Festlegung

nach

dem

Maße, als es bisher vom Gesichtspunkt der

friedens -

mäßigen nachba rlichen Löschhilfe notwendig

erschien.

Muß doch zur Vermeidung von Brandkatastrophen in ungeahnten Ausmaßen, wie sie in der Folge von Luft- angriffen zu befürchten sind, jederzeit die Möglichkeit gegeben sein, Löschkräfte aus solchen Gebieten. die vom Luftangriff verschont blieben, an den gefährdeten Ste ll en zusamme nzuziehen und mit den örtlichen Kräf-

ten gemeinsam einzusetzen. Ferner müssen ausfallende Feuerwehrkräfte und Geräte ohne Verzug vollwertig ersetzt werden können, wobei die Ersatzkräfte unter Umständen an fremden Orten und unter fremder Füh- rung zum Einsatz kommen. Hierdurch ist nicht allein die Einheitlichkeit der Geräte, sondern auch eine mög- lichst weitgehende Einheitlichkeit in der Ausbildung der Feuerlöschkräfte an den Geräten bedingt. Zweifellos hat die Frage der Normung der Feuerwehr- geräte durch ihre enge Verquickung mit dem Problem des Luftschutzes erheblich an Bedeutung gewonnen. und es ist daher verständlich, daß das Reichsluftfahrt- ministerium die Arbeiten in jeder Weise fördert. Zur Zeit liegen 68 Normblattentwürfe vor. 23 von ihnen sind inzwischen fertiggestellt und werden in Kürze in der endgültigen Fassung herausgegeben werden. Naturgemäß wird die Normung der Feuerwehrgeräte ebenso wie die auf anderen Gebieten sich durch Ver- einfachung und Verbilligung in der HersteJlung und Lagerhaltung bezahlt machen. Es darf aber nicht ver- gessen werden, daß der eigentliche Wert der Normung der Feuerwehrgeräte auf einem anderen Gebiete li egt. nämlich in der Erhöhung der Wirksamkeit der Brand-

bekämpfung

und

damit

in

der

Erhaltung

von

V olks-

\-e rmögen.

Verzeichnis

der

Normen

für

das

Feuerlöschwesen. (Stand März 1935.)

I.

zu

Pump-

werk. FEN 1100 Handdruckspritzen, Pump- werk, Bedingungen für die Her- stellung.

FEN

Endg ülti ge

beliehen

Normblätter,

G.

m.

b.

H

be im Be uth -Verlng

Berlin SW 19 . Dresdener Str. 97.

100

Handdru cksp ritzen.

FEN 104 Drehleitern für Hand- und

Pferdezug,

zulässige

Belastung.

FEN 105 Drehleitern, Kraftwagen,

zulässige

Belastung.

FEN

FEN 1106 Druckschläuche, Bedingun-

106

Druckschläuche.

gen

für

die

Herstellung.

FE 1106 (Beiblatt) Druckschläuche,

Behandlungsvorschriften.

FE

n. End g ü I t i geN 0 r m b I ä t t er,

und zu r

Zeit beim Deutschen Normenaussch uß E. V., 8etlin NW 7. Doroth ee nstr . 40 . liegen und dem- nächst auch beim Beuth-Verlag erhältlich sind. Bis dahin können diese Blätter von der Gc- schä ltsst elle. Berlin-Spandau. TrJltstraß e 8/9. in der Fassung der letzten Entwü rf e bezo ge n werden.

FE 103 Feuerlöschkreiselpumpen. Benennungen. FEN ]40 Fangleinen, Bedingungen für Herstellung. Abnahme und Be- handlung. FEN 160 Saugkorb. FE 170 Vierteilige Steckleiter. FEN ]80 Dreiteilige Schiebeleiter. FEN 200 Wasserlieferungen aus trahlrohrmundstücken.

FEN 210 Feuerlöschteich (800 m 3 und

die iedoch noc h nicht ausgedruckt sind

]75 Klappleiter.

1800

m 3 ) .

FEN 211 Feuerlöschteich mit befestig-

ter Böschung, vereinfachte Aus- führung.

FEN

212

Großer

Schlammfang

für

Feuerlöschteiche.

-

FEN

213

Kleiner

Schlammfang

und

Fettabscheider

für

Feuerlösch-

FEN 303 B-Druckkupplung für 75-mm-Durchmesser-Schlauch. FEN 340 Kupplungsschlüssel. FEN 360 Verteiler. FEN 460 Feuerwehraxt.

FEN 500 Kraftfahrspritze

FE 308 B-Festkupplung. FEN 309 A-Festkupplung. FEN 311 C-Blindkupplul'g. FEN 312 B-B1indkupplung. FEN 313 A-Blindkupplung.

AlB,

1500

Il min, FEN 315 Umsatzstiicke

B/C,

Vorschrift en

für

Herstellung

und

C /D, NKS.

Abnahme.

FEN 350 Fahrbare Schlauchhaspel.

FEN 510 Kraftfahrspritze 1500 Il min, FE

351

Tragbare

Schlauchhaspel.

Richtlinien für

den Aufbau.

FEN 525 überdruckmesser und

FEN 361 Sammelstück. FEN 371 Einfachkrümmer für

Unterdruck-Oberdruckmesser für Standrohr.

Kraftspritzen. FEN 526 ü berdruckmesser

und

Unterdruck-überdruckmesser

Kraftspritzen, Zifferblätter.

FEN 527 Oberdruckmesser

und

Unterdruck-Oberdruckmesser

Kraftspritzen,

Technische

vorschriften. FEN 550 Kraftfahrdrehleiter von

Leiterlänge , Vorschriften

und

26

1Ir.

m

Herstellun g

N

Abnahme.

0

r m b I a t t e n t \v ü r t e .

FEN 372 Doppelkrümmer Standrohr.

FEN 400 Kasten ,

die Herstellung. FEN 401 Kasten für Handwerkszeug

FEN 402 Kasten werkzeug.

FEN 403 Kasten für Fackeln.

FEN 404 Kasten

für

für

Vorschriften

für

für

für

für

Liefer-

Starkstrom-

Verbandzeug.

für FEN 450 Einreißhaken.

FEN

45]

Aufsteckkupplung und Stiel

für

Einreißhaken, Sägen. Bergungs-

haken .

zu beziehe n bei der Gesch ält ss tell e der Feuer-

wehrtechnisch en Normenst elle. ßcrlin- Spand au . FEN 520

FEN 470 Feuerwehrbeil.

Kraftfahrspritze

2500 1/min,

Triltstraße 8/9.

Vorschriften

für Herstellun~ und

FEN 20 Sprungtuch.

Abnahme.

FEN 30 Kübelspritze für Wasser- FEN 560 Tragbare KraFtspritze

und Schauumlieferung. Bedin gu ngen

für

die

Herstellung.

800 Ilmin , Vorschriften für Herstel-

lung

und

Abnahme.

FEN 40 C-Strahlrohr. Vorschriften FEN 561 Tragbare Kraftspritze

für die Herstellung.

 

800 Ilmin,

Umgrenzung

des lichten

FE

50 B-Strahlrohr.

Vorschriften

Raumes.

für die Herstellung. FEN 107 Saugschläuche. FEN 1107 Saugschläuche,

Bedingun-

gen für' Herstellung und Abnahme

FEN 570 Einachs-Löschfabrzeug,

Vorschriften

für

die Herstellung.

FEN 580 Einachs-Löschfahrzeug. Baumaße.

FEN 1107 (Beiblatt) Saugschläuche, FEN 610 Signalhorn. Behandlungsvorschriften.

FEN 130 Hakenleiter,

Haken.

IV.

No r m b I a t te n t w ü r fe .

FEN

131

Hakenleiter

, Leiter.

FEN

132

Hakenleiter .

Bedingungen

zu b e zi e hen durch :

NW 7.

Dl N -Mitt eilun ~e n ··. ßerlin

Dorothe enstr.40, DlN-Heft Ok~~b.r 193 4.

für Herstellung und Abnahme.

 

DIN 322.~ Unterflurhydrant fur

fur

FEN 150 Hakengurt einschI.

Vor-

Feuerloschzwecke.

schriften

für

Herstellung

und

Be-

DIN 3222 überflurhydranten

handlung. 220 Feuerlöschrohrbrunnen ,

FE

Feuerlöschzwecke. FEN 370 Standrohr fur Unterflur-

teiche.

(Flachspiegelbrunnen).

Bedingun-

FEN 224 Mönch ,

zugleich

Saug-

gen

für

die

Herstellung.

schacht für

Feuerlöschteiche.

FE

230 Brunnentasse.

 

FEN 301 D-Druckkupplung

FEN 240 Brunnenstandrohr.

für 25-mm-Durchmesser-Schlauch.

FEN 305 A-Saugkupplung.

FEN 302 C-Druckkupph:ng

FEN

306

D-Festkupplung .

für

52-mm-Durchmesser-Schlauch.

FEN

307

C-Festkupplung .

hydrant.

V.

No r m b la t t e n t w u r f ,

Fachnormenausschuß

zu beziehen

durch:

für

i'Jichteisenm etal !c ,

Berlin

N\V

7 ,

Hermann"

Göring-Straße 27. DlN 1713 Aluminium-Legierungen, Einteilung.

152

Der deutsche Blasangriff gegen russische Stellungen bei Baranowitschi in der Nacht vom 24. zum 25. September 1916

,

A. A. Nos k 0 f f, im W eltkriege Generalleutnant der russischen Armee (Schluß)

Gegen Mittern:.lcht. etwa .'5 .\\imlten nach Er; scheinen der Gaswolke beim Regimentsstabe, ist es dennoch gelungen, einige Worte mit dem Stabe des 1. Bataillons zu wechseln. Hier war die Lage viel günstiger als in der Mitte des Abschnitts. Die Gaswolke streifte die linke Kompanie nur leicht. Die beiden rechtsstehenden Kompanien und die der Bataillonsreserve waren zunächst von den Gasen nicht betroffen worden. Der Bataillonskom~ mandeur teilte mir ferner mit, daß man im Lichte der Signal raketen deutlich das Heranrücken der deutschen Infanterie, die der Gaswolke folgte, gegcn die Mitte des Abschnitts beobachten konnte. Fast zur gleichen Zeit vernahm man Bruchstücke des telephonischen Berichtes vom Kommandeur des 3. Bataillons. Auch aus ihnen konnte man entnehmen, daß ein deutscher Jn ~ fantedeangriff der Gaswolke fo lgte und daß der Bataillonskommandeur keine Möglichkeit sah, ihn mit eigenen Kräften abzuschlagen. Hustend wie~ derholte er mehrere Male: "Reserven! Rasch die Reserven' " Ich begab mich nach draußen, um festzustellen, ob es zweckmäßig wiire, ihm die gewünschte Ver' stärkung zu schicken. als ich plötzlich heftig an,

gestoßen und zur Erde niedergeworfen wurde. Tn ~ folge der Dunkelheit und des Getöses der Explo, sionen konnte ich die Ursache hierfür zunächst nicht f.eststellen. Später erfuhr ich, daß ich dies einer 40 Mann starken Arbeiterabteilung zu ver~ ·danken hatte, die in der Nähe des Gefechtsstan~ des des Regiments arbeitete. Die Gaswolke hatte sie bei ,der Arbeit überrascht. Anstatt nun die Masken aufzusetzen und sich im übri.gen, wie vorgeschrieben, ruhig zu verhalten, suchten sie in panikartiger Flucht Rettung in den Unterständen. Mit wenigen Ausnahmen fanden alle den Tod. Draußen konnte ich nur feststellen, daß rings~ herum alles von der dichten Gaswolke eingehüllt war, was bei jedem Aufleuchten des Raketen~ lichtes deutlich erkennbar wurde. Es war mir klar, daß ein Einsatz der Reserven sohon aus diesem Grunde keinen Zweck hatte. Ich eilte also in den Gefechtsstand zurüok. Drei Mann der Arbeiter~ abteilung drangen mir nach. Ihr Zustand war schrecklich. Sie husteten ununterbrochen, Schaum quoll ihnen aus dem Munde. Schrej,end und stöh~ nend wälzten sie sich auf dem Boelen. Den Falten

Gas, daß eier

Adjutant seine schon ab!lelegtc :\1aske sofort wieder aufsetzte. Angesichts des chaotisohen Zustandes, der während der ersten Viertelstunde in dem ver~ gas ten Abschnitt herrschte, bedeutete das Ein~ greifen unsere r eigenen Artillerie eine erfreu~

liehe Ablenkung. Wie erwartet, hatte die telepho~ nische Verbindung meines Gefechtsstandes mit

Be,

yersagt.

ihrer Mäntel ents t römte so viel

dem Ar t ill eries t abe gleich zu Beginn der

schießung

des

Gutes

Odachowszczyzna

So konnte ioh der Artillerie, als mich die ersten Meldungen über ein Vorgehen der deutschen In. fanterie erreichten, keinen Befehl erteilen, Sperr. feuer gegen sie zu richten. Überdies waren die Meldungen von der Front ziemlich unklar gehal. ten. Jede der drei vordersten Kompanien des an~ gegriffe nen 3. Bataillons meldete ein Herannahen

der Deutschen bis zum

das 1. (rechtsstehende) Bataillon um Einsatz der Reserven. Da jedooh nur Bruchstücke solcher Mel. dungen an mich gelangten und aus ·der Art ihrer übermittlung die außerordentliche Nervosität aller klar zu erkennen war, fiel mir in diesem Augenblick eine Entscheidung, wohin ich das Sperrfeuer der Artillerie richten lassen sollte, sehr schwer. Es erschien mir jedenfalls zunächst am gegebensten, daß die Artillerie vorläufig das Dorf Odaohowszczyzna und ,das Gelände rechts und links davon mit Sperrfeuer belegte. Mit Ungeduld wartete ich auf die Ausführung des mit der Ar. tillerie verabredeten Planes. Die Minuten gingen dahin. Die Artillerie schwieg noch immer. Wie mir der Artillerieführer späterhin mitteilte, hatte er Bedenken gehabt und wollte vor allem ein nutz, loses Vergeuden der Munition vermeiden. Ich sah keinen Grund, ihm diese Verspätung übel. zunehmen. Denn, als er endlich nach wiederholten Versuch en, mit mir Verbindung aufzunehmen, das verabredete Sperrfeuer befahl, kam seine Hilfe zur passendsten Zeit. Die Gaswolke hatte bereits den vordersten Graben gänzlich passiert, so daß die in sehr geringer Zahl unversehrt gebliebenen Vertei, diger der Stellung deutlich die Gruppen der Deut, sehen, ·die links und rechts des Dorfes Odachow. szczyzna über die Wiese heranrückten. erkennen konnten. Einer unserer Posten behauptete später sogar, einige Deutsche schon im Drahtverhau he, merkt zu haben, doch hätte er nicht schießen

Drahtverhau . So bat auch

Elo'>au eines r ussischen Blas. nl/rißs .

Aus Fischmann

Gasowaya Woin.",

153

könn cn, da scin

Gases sta rk ve rr os t et w ar und \" crsag t c. Ta t säch .

Iich

n euc r P ion ierhelm e im Dra ht ve rh au gefu ndcn.

In fo lgc de r gesch ild c rtcn Vc rspä tun g k am da s

ga n z

Gewchr durch die

Wirkung de

wur de

a m n äch s t e n Tage ein Dut ze n d

Sp e rrf e u c r ge ra d c in ein e m A uge

d ie Deutschen an chcin end scho n ni ch t meh r er.

wartcten. A uf diese sehr intcnsive Beschießung

fo

vo rgcseh ob encn P io ni e ren, d ie scho n einen Te il

d es Dr a ht ve rh a ues d ur chschn it ten h a tte n , ge la n g

die

Bele uchtun g für den R est der Nac ht ei n geste ll t hatten. Unse re eigene Beleuch tun g versag te auch, da die Signa lr a k cten teil s versc hossen, t ei ls im Wi rrwa rr des Gasa ng ri ffs ver lo ren gega n gen w ar e n.

An e in er Ste ll e j edoc h , u nd zwa r ge rade do r t,

war

es den D eutsch en gelungen , in den vo rd e rsten

s ic h n ie

erste V crwirrun g bereits etw as geleg t h a tte un d

n b li c k , in

de m es

lg t e k e in In fa nt e ri ea n g ri Ff dcr D c ut sc h e n . Den

es

zurückzugehen,

nachdem

die

Deutschen

wo

wir

cs

a m

we nigs ten

ve rmut et

ha tt en,

G r ab en e inzudrin ge n . Gege n 0, 10 U hr , a ls

Ve rbin d ung

fce htss tan d des R eg im ents ko mm ande urs a nb e tr af,

Ge.

des

\ Vald bata ill o ns

m it

de m

d

ur

chaus

ni ch t

der

Fa ll.

A us

diesem

G ru nde

k

on n te

m ir

de r

K om m a n de

u r

des

li nken

Bat aillons

auch üb e r

eine

Beob achtun gen

und Ein~

d r üc k e de r E r e ig ni sse,

A b schnitt s a bs pi elt en, ke in e rl e i

die s ich

in

des

n ga b cn m achen.

des

de r

ein

f\1i t t e

Te il

Inte ressant is t

die

Ta tsac h e, ,daß

Gases e twa gege n 0,30 Uhr doch in das W äldchen

eingedru ngen wa r. Auch k onnte b eobachtet

ba ld

do rt a nsamm elte n un d so den Eindru ck e rw eck·

te n, als ob da uernd weite rhin Cas \"on dcn D eut.

sehen abge bl asen w urde. A ll e m An c h ein nach

ergab

beweg ungen, die info lge de r be ide rsei ti gen Ap

t

ve rursachten immer neue A larme

un d h a tten ein e erh ebli ch e teige run g de r Zahl de r ve rgifte ten Le ute zur Folge, da die Masken

n ach A bzu g d e r er s t en Gas wo lk e vo n a ll en ab .

d e n ,

we r.

daß

sic h

d ie

dieses

Gase

zei t wei li g ba ld

aus

da,

den

sich

P hänomen

Luft.

ill e ri ob eschi eß un ge n e nts t a nd en . D e ra rti ge Gas.

ansammlungen

di

derhcrgestellt waren , wurd e ich vo m Ko mm an.

T e lepho nvc rbindun gc n zu m g rö ßt e n Te il e w ie.

c

gese t zt word en

wa ren . Di e im Gasschut z un ge. w a ren fr oh , so b a ld wi e m ög li ch

de

ur d es

1.

B a

t a ill o n s

a n ge

ruf e n . E r

m e ld e t c

übt en wi e d e r

So l,da t e n fr ei a tm e n

und seh en zu

k ö nn en ,

gend cs:

"Die D eutschcn sind

oeben in den vo rde rsten

G

rab cn ein ge drun ge n.

Info lge dc r Dunk clh ei t wa r

es

ni ch t

m ög li ch , d

ie

St ä rk e dcs

Fe in dcs

fes t zu.

s te ll en . I ch cil e m it de r R ese r ve k o mp a nie zur LTn.

d ie

Mas k en a b gese t z t. D as Gas is t vo rüb er!"

E in e h alb e S tund e s pä te r b e ri cht e te e r , d aß d ie

eingedrun genen ge men ge mit

k en Komp ani e unte r D eckun g d e r Dunk elh eit zu .

Dr ahtve rh a u e in s ch werve rl e t z t e r Pi o ni e r ge fun .

de n "Und in de n G rab cn gebr acht. Ä rztli ch e Hilfe wa r überflüssig - in weni gen M inuten wa r er tot. E r h a tt e ein e sehr s chw e re Ba j o n e tt w und e.

ok ge,gangen waren . E tw as spä te r wurd e in d em

te rs tüt zun g

d e r

link e n

K o mp a ni e.

n ach

Ha b e n

Deutschen

kurz·em

H a nd.

lin .

d e r h e rb eigee ilten

R ese rv e d e r

D er A rzt behauptete, sie

also nicht ausge.

schlossen, daß er von seinen K ameraden in der

russischen Baj on ett her. Es ist

Dunk elh eit für ein en Ru ssen ge h alten wo r.

stamm e nicht von einem

d

en

war.

D

e r

Gefa ll e n e

ge h ö rt e

d e mse lb e n

Pi o ni e r .

b

ataillon

an , ,des

gefund en e n

en

L eut e

di e

in

de m

ve rhau

H clm e

tru ge n.

So

Draht. mit

w ar

s

ch e inb a

r

a u c h

gege n

d as

1.

B a t a ill o n

e in

Tn fa

t

e ri ea ng riff

se iten s

,d e r

D eutsch en

gc pl a nt

n . w o r.

ge.

lun ge n, hi e r de n Dr aht ve rh au zu dur ch schn eiden

und 1n den G raben einzudrin ge n.

des

li n k e n (2. ) B a t a ill o n s , d as d e n R a nd d es W ä ld c h e n s

Od achowszezy zna besetzt hielt, wäh.

rend die Reserven im Innern des Wald es unterge. bracht waren . D er Beginn des G asa ngriffs blieb

d

en . Di ese r

m

Pi o ni e r abt eilun g is t

e rwi es

es

de mn a ch

di e

Lage

vo rteilh aftesten

sich

südos twärt

Gas w olk e

fecht ss t a n d. A ls U r sach e

hi erfür wa ren d ie Obs tbüum e un d Str äucher so.

wi

zuse h en . Ve rs uch e, d iese Gas r c t e d ur ch A n zün .

d

ges tellt we rde n, da mal das Feue r de r

le nkt e. De r U ms t a nd, d aß ein e große Anzahl

e tzt e r und Schw e rv e rg ift e t e r in d en

K e ll e rr ä um e n ,d es eh e m a li ge n Sch losses d es Gut s .

b es itz e rs unt e rgebracht war , li e ß eine ,d e rarti ge

Beschi eßun g besond e rs gefährlich e rschein en, um

Schw e rve rl

A

m

ha rtn äc ki gs t e n

hi elt

un d

d ie

s ich

,d ie

rin g um m e in e n Ge

e

en

das

h oh e

G ras

vie le n

G rä b en

an .

de r R eisighauf en zu

ze rs treuen , mußt en ein.

ein e so lche Bet ä ti gun g jedes< deutsch en A rtill erie auf sich

so

mehr,

als

auch d ie

Decken

der Räume nicht

üb

e rm äßi g s ta rk wa ren. And e re rse its konnt en

diese V erwund eten

und V e rgifteten nicht weiter

n

a ch

hint en

ge br a cht

werd

e n,

da

hi e

rfür

di e

n

ö ti ge n

Tran s p o rtmitt el

zun

äc h s t fe hlt en. D e r

Divisio nss tab h a tt e di e E ntse ndun g vo n Last. un d

Laza rettwa ge n e rs t für den Tages anbruch zu. gesag t.

Die nwesenh eit des Gases war teilweise bis

zum

Mitt ag

cl es

näch s t e n

T ages

zu

ver s

pür e n .

ein e

Wirkun g

war übera ll d e utli ch e rk e nnb a r.

A ll es,

s p ä te r Blüte w a r,

a uch kl ein e Vöge l so wi e a nd e res

Gc t ic r fielen ih m zum

Gege n 1 U hr n ac ht s tr a t üb e r a ll in un se re r

A r.

da s Fe ue r vo ll s t ündi g

Di e d e ut s ch e n Gesc hüt ze d agege n b c.

schossen wäh rend der ganzen acht in bes timm .

ten Z eitab schnitten di e vo rcl e rs ten Gr äb en des

ein ges t e llt.

till e ri e h a tt e

Stellung

Fe ldm ä use und

in

w as

\" o r

d e m

Gasa n g riff n oc h g rün

un d

sa h jet z t ge lb und ve rw e lkt a us.

Op fe r .

Beruhi gun g

ein.

nse re

sichtli che

zu

di ese r Z e it

a

uch

hi e r

unb eme rkt.

Da

ab e r

di e

Hauptm en ge

R

eg im ent s.

J e doch

war

di es e Bes chießun g sehr

d

er G aswolke dicht am W aldrand e 0

twä rts zog,

schw ach und ve rursa cht e w e it e r k ein e V e rlu s t e,

wurde das Bataillon von ihr kaum

dem

auch

d et, was auch hi er

d eutsch e Artill e ri e

Unsere Leute hatten

die

d a

b erührt. N ach

auf.gesetzt ;

G

as alarm

wurd en

di e

Ma k en

di e Scheite rhaufen

ch eit·erh aufe n

an gezün.

zu h efti ge r Beschießun g durch

wurd en

sofort

und Maschin en ge wehre führte.

hier ebenfalls große

wieder

zu

löschen.

Mühe,

Da

T ele phonkab el, d a s zur V e rbindun g mit d e m

da di e Gr ana ten fas t au s nahmlos vo r un se ren

bli eb e ll eicht

un s

wurd e es üb e rh a upt nur unte rn o mm e n , um ein.

Le ut e, di e mö glich e rwe ise noch zwis ch en

Stellungen lage n, zu er. e r e r RÜ Cl kk e hr z u v e r an . bis zum heutigen Ta,ge un.

zeIn e

den b eid en feindlichen muti ge n und z u r as ch lassen. Dagege n is t mir

G

räb en ,eins chlu gen . Di eses

üb e rhaupt

zi e mli ch

Artill e ri ef eue r

r ä t selhaft.

Vi

3.

(mittl e ren)

Bat aillon

di e nt e,

in

ein e m

ti

e fen

verständlich g bli eb en, wa rum di e d eutsch e Ar<

mit

dem am schwersten b etroffenen N achJba rbataillon

Grab en lag. funktioniert e di e V e rständi gun g

till e ri e sich in chweigen hüllte, al s b ei Ta ges < anbruch mehrere große Lastwagen bis dich t an

fast ununt erbroch en gut. L eid e r w a r di es, w as di e

den

G efechtss ta ncl

des

Regiments

h e ranfuhren,

154

um dic Sch\\'erycr\\'undcten und \'er giftetcn zu übernehmen, Abgesehen davon. daß sie großen Lärm verursachten, führten s ie auch kein e Sani, tätsabzeichen, Sic hätteu unbedingt von den deutschen Beobachtungsposten geschen werden mü sen. Dieses Schweigen der deutschen • r, tillerie gab uns die Möglichkeit, über 300 .\lann , die sich alle bei dem Gefechtsstand angesammelt hatten, nach hinten zu bcför,dern:·).

Anltißlich e·iner näheren Besichtigung des Drah tverhaues bei Tageslieh t wu rden dic Leichen von drei ~cfallenen deutschen Pionieren aufgefun , den. Außerdem wurden an einigen Stellen haufen, weise deutsche Handgranaten entdeckt. Somit ist anzu nehmen, daß ,dieses Heranrücken der deut' sehen Infanterie hinter ,der Gas\\'olke kein Phan' tasiegebildc der in den Gräben liegenden Konv panien, sondern Tatsache gewesen ist. Auch läßt die Beschießun g des Gefechtsstandes ,des .Nb, schnittskommandeurs sowie aller drei Brücken über die zczara durch die deutsche Artillerie fast unmittelbar nach Abblasen der Gase auf ,die Absieh t des Gegners schließen. sich wenigstens

des mittler e n. vorg,esehobenen Teil unseres Re ' gimen tsabsehnittes zu bemäeh tigen . I--Jierzu muß gesagt werden, daß dies auch ziemlich leicht zu erreichen gewesen wäre, denn im \\Tirrwarr der ersten Periode des Gasangriffs war dieser mitt- lere Teil des Regimentsabschnitts fast gänzlich wehrlos. Nie h t wen i ger a l s d re i Vi e r tel

dos Be s ta n des

gof ä h r 500 Man n) war eng a s ver g i f

tet, 0 daß auf .der ganzen etwa 1 km langen Grabenlinie insgesamt nicht mohr als 100 bis 150 Verteidiger ver' b I i 0 ben. Augenscheinlich haben sich cüe Deut~ schen durch das Gewehr~ und hauptsächlich durch das MG.~Feuer, das kurz nach der ersten Überraschung von uns eröffnet wurde, hinsicht, lieh der Wirkung ihres Gasangriffs irreführen la en. Auch das perrfeuer unserer Artillerie im Dorfe Odachowszezyzna und zu dessen beiden Seiten mag bei den Deutschen den Eindruck er~ weckt haben. daß ihr Gasangriff doch nicht die erwarteten Folgen gezeitigt hatte.

Tatsächlich war jedoch seine \\7 ir~ ku n gau f die Ru s sen ver h e e ren d. Die Gaswolke hatte nicht nur in der Stellung selbst sehr viele Opfer g,efordert, sondern ist auch hin~ ter ihr von außerordentlicher Wirkung gewesen. Dio Leute der nächstliegenden Reser.ve des Ab~ schnitts (zwei Bataillone der 2. Grenadierdivi~ sion), die 7 km von der vordersten Graben, linie entfernt indem Dorfe Podlisiejki (vgl. Karte im Maiheft .129) untergebracht waren, sahen sich ebenfalls gezwungen, ihre Ma ken aufzusetzen und konnten demgemäß nur sehr langsam vorrücken. Sogar auf der Eisenbahnstation Pohoreley, die 11 km h inter unserer Front lag, gab es ehwer, vergiftete. Beim Lichte des anbrechenden Tages bot mir die Gegend um meinen Gefechtsstand herum ein trauriges Bild ,dar. Bis zu 300 Schwerverwundete und Gasvergiftete lagen oder saßen umher, auf Hilfe wartend. Einige Leute waren schon tot, an' dere machten den Eindruck, als ob auch ihre letzte Stunde bereits gekommen sei. Zum Glück konnten viele \'on ihnen später wic-derhergesteBt wel'den. Der :'I\ angel an auerstoff\'orräten machte

des

3.

Bat a i II 0 n s

(u n '

,

6)

Hi e r

is t wohl

mit zlcm li c her

Sich e rheit

anzunehmen,

daß

di e

.s a

11 i t ä r e Aufgab e di eser Lastkraltw .,gen auf d e utsch er Seite er kannt wurcie und die Artillerie aus di esem Grunde schwieg. D . S chriltit g .

sich zunächst recht fühlbar. Es standen nur \'ier

Sauerstoffkissen zur

vcrbraueht

kraftwagen. die einen größeren Vorrat an Sauer,

stoff mit sich führten, konnte wirksame Hilfe ge' leistet werden. \Vie gesagt, widmete die deutsche Artillerie dem Lärm, den die Lastkraftwa,ge n vcp

der großen Bewegung, die bei

ursaeht,en, sow ie

sehr schnell

Verfügun~, die

Erst

nach

waren.

Ankunft

der

Last~

Tagesanbruch in der Umgebung des Re~imcnts~ [.!cfcehtsstandes herrschte, keinerlei Aufmcrksam~

keit. Die schwere Arbeit des Abtransports der

Opfer konnte daher in gu ter

Ordnun~ durch ,

geführt und vollendet

getarnt,

werden . Art i 11 er i e,

Die

russische

die,

g ut

tcils auf der Höhe bei Zalubiezc, teils in dcm Walde 1 km nord""estlieh davon lag, hatte fast keine Gasverluste erlitten. In erster Linie lag dies an dem Umstande, daß hier den Leuten mehr

Zeit zur Verfügung stand, ihre Gasmasken aufzu' setzen. Eine entscheidende Rolle ,spielte wohl auch die Tatsachc, daß der AusbHdungsstand von Mannschaft und Offizieren bei der Artillerie ein weit besserer als bei der Infanterie war, und daß ihr ferner gut ausgebaute Unterstände zur Ver~ fügun~ standen. Aus Feststellungen und Beobachtungen der meteorologischen Stationen sowie aus der Wir~ kung der Gase auf Menschen und Tiere ging her~ vor, daß der Wind aus SW, etwa in der Richtung Odaehowszczyzna- Zalubie:be-Podlisiejki, wehte. Ostwärts von Pohorelcy, also über 12 km von der Abblasefront entfernt, verdünnte sich die Gas~ wolke derartig, daß die Gefahr einer Vergiftung dort nicht mehr zu erwarten stand; es wurden auch keine Opfer aus ,dieser Gegend g,emeldet. Zu erwähnen ist noch, daß ein Teil der Gaswolke auch in das Dorf Jatwiez, 4% km südlic'h von Pohorelcy, eingedrungen war. Hier erlitten aber nur ein Dutzend Pferde, die am westlichen Ausgang des Dorfe untergebracht waren, Iciehte Vergif, tungen. Die Pferde husteten die ganze N acht hin~ durch ziemlich stark. Erst im Laufe des nächsten Tages schien sich ganz allmählich ihr normaler Zustand wieder einzustellen.

der

Schließlich befand

sich

unter

den

Opfern

Vergiftung

auch

eine

Bauernfamilie,

die

südlich

von Zaluhieze ganz allein wohnte.

 

IV .

E rfahrungen

und

Auswertu ngen

d es

de ut::-

sehen Blasangriffs auf russischer Seite.

Die sehr ungenügende Schulung ·der Mann~ schaften und der jüngeren Offiziere, die nach den Verlusten der Sommerschlachten in ziemlich ~ro~ ßer Zahl als Ersatz in die Regimenter des Grena~ clierkorps eingegliedert wurden, war neben den im vorhergehenden Abschnitt geschilderten ungün~ stigen Umständen eine der wesentlichen Ursachen der verhältnismäßig hohen Verluste des Regi~ ments. Vielfach wurden diese Leute durch die un~ gewöhnliche Erscheinung einer Gaswolke see~ lisch so tief erschüttert, daß sie gänzlich den Kopf verloren. Sie vergaßen aBe Vor ehriften , ja sogar die Tatsache, daß sie im Besitze einer Gas~ maske waren, bedeckten ihr Gesicht mit den Händen und warfen sich auf die Erde nieder, wo- sie naturgemäß nooh mehr Gas als aufrecht~ stehend einatmeten. Andere wieder umwickelten ihren Kopf mit Mänteln. Vi·ele suchten auch in panischer Angst ihr Heil in der Flucht, um der Gaswolke zu entkommen. Bei der Reservelkom~ panie erei~neten sich mehrere Fälle. in denen Sol

daten, die ihre ,\l askcn nicht finden konnten , Ret~ tung au f den Bäumen suchten und dabei tödlich

vergiftet wurden.

artigen

worden waren, verfielen sie trotzd em solc h en un~ sinnigen Handlungen.

Somit erscheint es auch durchaus nicht allzu verwund erlich, daß viele Soldaten den Kork~ stopfen im Einsatz ihrer Gasmaske zu öffnen ver~ gaßen. Merkwürdigerweise konnten es einige von diesen Leuten immerhin fast eine ganze Stunde lang unter diesem verschlossenen Einsatz aushal~ ten, obwohl s ie während dieser Zeit sich erlich recht wenig Luft, dafür aber eine erhebliche ,vlcnge Kohlenstaub eingeatmet haben werden. Jedenfall s zeig ten sie knallrote Gesichter und ge~ schwollene Adern. Wie sich aus vielen einzelnen Meldungen fest.

s t ellen

in dem die Wirkung der Gase am stärksten war,

etwa 2,5 km Breite und 6 bis 8 km Ti efe. Man darf somit folgern, daß sich ,die deutsche Abblasefront

sücilich Odachowszczyzna auf etwa 3 km Länge e rstreckt hat. Der südliche T eil der Wolke wurde durch das im Süden m eines Abschnitts li ege nd e

W ä ldch en (s. Karte im .\'\. ai h ef t S. 129) a bgelenkt. üdlich des Wäldchens wie auch nördlich

Odachowszczy zna wurde in den russischen Stel~ lungen kein Gas verspürt.

oder

mehrere Male hintereinander, also wellenförmig, abgeblasen worden ist, konnte nicht mit Sichep heit festges tellt werden. Es erscheint wenig glaub~ haft, daß die Deutschen das Gas in mehreren Wellen abgeblasen haben, denn ein solches Ver~ fahren hätte ihren eigenen Truppen gefährlich werden könn en, da infolge ,des beider.seitig en Ar ~ tilleriefeuer ungünstige Luftströmungen ent~ stehen konnt en. Auch war eine derartige An~ nahme in keiner Hinsicht mit der offenbaren Ab ~ sicht der Deutschen in Einklang zu bringen, hinter der sich fortbewegenden Gaswolke einen Infan~ terieangriff auf die rus s ischen teilung e n an~

z usetzen. Dennoch behaupt e ten fast alle noch un~ versehrt gebliebenen V.er teidiger des vorderen

Obwohl

die Leute

Male

vor

dep

Kopflosigkeiten

unzählige

gewarnt

li e ß , b e trug di e Ausdehnung des Gebi etes ,

Ob

das

Gas

in

einer

ein zigen

Wolke

Grab ens,

daß

die

Gaswolken

wellenförmig

einander

gefolgt

seien.

Höchstwahrscheinlich

wurde

Leute und durch mehr oder weniger zufällige Ver~

schiebungen

Die Art des abgeblasenen Gases ließ sich nicht einwandfrei feststell en. Infolge des ents tandenen Wirrwarrs hatte man die vorgeschriebene Auf~

ga

di esen Zweck aufgestellten einfachen Flaschen,

die nicht einmal evalkuiert waren, gänzlich ver~

~esse n. Auf besonderen Hinw e is des R eg iments ~

s tabes wurden ,diese Gasentnahm eflaschen schließ~

lieh

an

Di ese

seh en

en

sichere Feststellung des chemischen Inhalts un~

möglich

Ansicht, daß es sich um PhosgenS) handele. Auf mich selbst hat dieser deutsche Gasangriff einen außerordentlich tiefen Eindruck gemacht. Ich erkannte, in welch großer Gefahr sich fast das ganze Regiment (mit Ausnahme des linken [2.1 Bataillons) in dieser Nacht befunden hatte. Ein Infanterieangriff der Deutschen in unmittelbarem

156

so

drei

Abtei lun g d es Korpsstabes übergeben . Si e

diese

Einbildung

der

durch

Nervosität

bewirkt.

Gases in

die

der

Gasschwaden

b o einer Prob eentnahme des

für

verkorkt.

solcher

überhaupt

Flaschen

waren

der

im

ganzen

nur

Front

vorhanden.

drei wurden nach ·d e m Angriff ,der ch emi ~

jedoch

Die

nur

wenig

Gas,

daß

Untersuchenden

waren

ei ne

der

thi elt en

war.

Anschluß an das Gasabb lascn h ii ttc unter hohen Verlusten meines Regiment zu einem sicheren Zurückwerfen hinter die Szczara geführt. D e r Einsatz größerer Kräfte konnte

auch eine n völligen Durchbruch der Doutschcn, der für uns noch ern~

s t e r e F 0 I gen geh abt h ä t t e, z c i t i gen. Im übrigen war der unmittelbare Anschluß eines Infanterieangriffs an die sich fortbewegende Gas~

wolke gar nicht

gesanbruch war n~imlich mein Regiment durchaus noch nicht in der Lage, einen mehr oder weniger ernsthaften Infanteriean griff abzuschlagen; dazu waren die eigenen Kräfte viel zu schwach, und auch die nächstliegenden Reserven (2 Bataillone) hätten dafür nicht genügt.

,asangriff in die em

einmal notwendig . Sogar bei Ta~

Jedenfalls erwies sich der

Fa ll e a ls ein auße rord en tli ch wirksames ,\'\.ittel

zur Durchbrechung unserer befestigten Linien. Dieses für uns neue Kampfmittel erschien mir taktisch wie a u ch strategisch r ec ht vie lvc rspre~ chend, namentlich, wenn der Angreifer beim Vors toß hinter der Gaswolke selbst ge nü ge nd geschützt gegen die Wirkun g seines Gases war. Ei ne weitere Schlußfol ge run g, die ich a us der Erfa hrun g dieser Nacht zieh en k onn t e, war die, ciaß ei n e e rfol g r eich e Abwehr gegen diese neu~

a rti ge Waffe e rst dann zu erwa rt en stand, wenn

breite j\'l assen der Bevölkerung mit ihrer B ekämp~ fUllg vertraut gemacht oder wenn \.\'enigstens die

E rsatz leu t e in ihr en D epo ts gründlich im Gas~

~chutz ausgebildet wurden. Wie die bittere Er~ fahrun g mir gezeigt hatt e, ge nügt e eine chulung an der Front j ede nfall s in keiner ·Wcis c.

Es war durchaus keine leichte Aufgabe, den höheren KommandosteIlen meine Gedankengänge über ,die Möglichkeiten einer Kampfgasverwen> dung für größere taktische und strategische Auf~ gaben näherzubringen. Man vertrat dort vorwie~ gend die Ansicht, daß Kampfgase nur als passives Kampfmittel zu b etrachten seien, da sie zuviel fahr en für die eigenen Truppen in sich trü gen und ,deshalb nur hemm end auf di ese wirken müßten. Mein Vorschlag, die wissenschaftliche Forschungs~ arbeit auf Erfindung von Neutralisationsmitteln des Gases im Gelände zu lenken, fand ke ine Zu~

G~

s timmung ; er wurde als Utopie angeseh en.

Die achprüfung des V erlaufs des deutschen Blasan griffes in meinem R egime nts abschnitt er~ folgte durch einen General des Grenadierkorps, der sich in seinem Bericht lediglich auf die Wieder< gabe von Tatsachen b eschränkt e.

gen hatto der Betre ffende nicht

Tatsache befriedigte mich in k einer W eise. Es

gezogen. Diese

gelang mir, zum unmittelbaren Vortrag beim Chef

Schlußfolgerun~

x e ~

des Generalstabes des Zar en, Gen eral Ale

j

Jedoch ha tte

je w ernste Bedenken, ob wir b ei unserer schwachen chemischen Indu strie überhaupt im< stando se in würden, die notwendigen Mittel zu einer chemischen Kriegführung aufzubringen.

Kurz nach meinem Vortrage erkrankte General

General Ale xe<

e w , befohl en

zu

werden. Und hier fand ich bes~

se res Verständnis.

Ale x e j e w schwer und verließ seinen Posten zunächst auf ei nige Monate. Durch die im März

1917 ausbrechend e R evolution und die darauffol<

genden Ereignisse wurde auch di e Frage einer eigenen Gaskriegführung endgültig zurückgestellt.

6)

Wa hr scheinlich

k a m

eine

Ein sa tz. 0 Schriltlt~.

Misch un g vo n

Chlor

und

Phos~ en zu m

Die GasentJ!iftunJ!sanlaJ!e in Hameln

Direktor Dr. Ger des, Hameln

Die Frage der Leu eh t gas e n t g i f tun g ist in den letzten Monaten in der deutschen und aus. ländischen Tagespresse mehrfach behandelt wor. den. Die Giftigkeit des Leucht. und Kochgases beruht auf seinem Gehalt an K 0 h I e n 0 x y d , der sich im Durchschnitt je nach Herkunft und Erzeugungsweise des Gases zwischen 7 und 20 % bewegt. Entgiftung des Gases bedeutet daher nichts anderes als Entfernung des Kohlenoxyds. Da das Giftgas KohJ.enoxyd auch in der Frage des zivilen Luftschutzes eine Rolle spielt, dürfte eine kurze Abhandlung über das Wesen des Ver. fahrens der Kohlenoxydbeseitigung aus dem Leuchtgas für die Leser dieser Zeitschrift von Tnteresse sein. Hat doch auch die "sekundäre Gasgefahr" im Weltkriege Opfer gefordert, so z. B. in Karlsruhe, wo durch Einschlag einer Brisanzbombe, die die Gasuhr weg riß, neun Men. sehen im Keller infolge Kohlenoxyd aus Leucht. gas ums Leben kamen l ).

des

Kohlenoxyds

mit vVasserdampf

bei

hohen

Temperaturen. Nach der Formel

C O + H 20

=

C02 + H 2+ 10 400 ca !.

erfolgt die Umsetzung des Kohlenoxyds in Koh- I-ensäure, und es entsteht ein gleiches Volumen Wasserstoff. Schon seit langem dient diese Wassergasreaktion der chemischen Großindustrie zur Wasserstofferzeugung; für den Gaswerks- betrieb war es jedoch aus wärmewirtschaftlichen Gründen notwendig, einen Katalysator ru finden, der schon bei verhältnismäßig niedrigen Tem- peraturen die Umsetzung so stark beschleunigt, daß vernünftige Raumgeschwindigkeiten des Gases und -dadurch eine wirtschaftlich erträgliche Größe des erforderlichen Kontaktraumes erzielt werden.

Das Verfahren verläuft im wesentlichen, wie es Bild 1 zeigt, folgendermaßen:

Das in üblicher Weise vorbereitete Werks,gas wird durch Berieselung mit heißem Wasser in einem Sättiger mit Was.

sel'dampf

angereichert,

.--""1 -_- - 'T " lt t/~ , 11 + 11 1 1 lliütl. ,
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Bild 1. Schema der Gasent~iltung.anI8ge.

_ a•••wl,J/I über einen Wärmeaustau- scher auf eine Tempera- tur von etwa 400 Grad er- wärmt und bei dieser

Temperatur mit dem Ka- talYlSator in Berührung gebracht. I-lier setzt sich

dem

Wasserdampf bis zu jenen

Koh-

und Wasserstoff

das

Kohlenoxyd

mit

in

J

::onzentrationen

lensäure

die

das

GalS

ungiftig

machen. Das Gas wandert

um,

aus

dem

Kontaktofen

durch

den

Wärmeaustau-

scher

zurück

in

einen

Bekanntlich ist Kohlenoxyd ein Gas, das durch die gebräuchlichen Atemeinsätze der Gasmasken nicht zurückgehalten wird, sondern besondere Atemeinsätze verlangt, in ,denen ,das Kohlenoxyd katalytisch zu Kohlensäure verbrann t wird. Diese Atemeinsätze sind joooch teuer und kommen auch als Spezialeinsätze für -die Allgemeinversor. gung der Bevölkerung nicht in Betracht. Kohlen. oxy,dfilter werden im allgemeinen nur auf Zechen, Kokereien und Gaswerken v-erwendet. Somit ist es wohl auch vom Standpunkt des

Lu f t s eh u tz es in hohem Maße zu

begrüßen, daß man sich gaswcrksseitig mit der Entfernung dieses giftigen Bestandteiles des Stadtgases beschäftigt. Die Beseitigung des Kohlenoxyds aus Brauch. gasen ist auf verschiedene Art zu verwirklichen . Man unterscheidet im wesentlichen physikalische, bakteriologische und chemische Verfahren. Von den chemischen Verfahren, die nach meiner An. sicht zur Zeit allein in Frage kommen, haben die katalytischen Kohlenoxydumsetzungen, auf deren Gebiet in den letzten Jahrzehnten große Fort. schritte zu verzeichnen sind, besondere Bedeu. tung. Das in Hameln zur Gasentgiftung angewendete Verfahren beruht auf der katalytischen Umsetzung

z i v i I e n

1)

V

~

1.

"G

c hut z

und

Luftschut z "

1933,

S.

306.

Kühler, wo es auf normale Temperatur heruntergekühlt wird und wo zugleich auch das für den Sättiger notwendige heiße Wasser gewonnen wird. Zur Beseitigung des bei der Katalyse u. a. ,en tstandenen Schwefelwasser. stoffs muß das Gas nach der Entgiftung noch einen Schwefelreinilger passieren. Bei der Temperatur von etwa 400 Grrud und einer angewandten WalSserdampfmenge, die -dem sechsfachen Gewicht .des im Gas vorhandenen Kohlenoxyds entspricht, wird das Reaktions- gleichgewicht mit einem Kohlenoxy.dgehaH von 0,4 bis 1% im Endgas erreicht. Die entstehende Kohlensäure, dievolumenmäßig dem verschwun- denen Kohlenoxydgehalt entspricht, wird im Gas belassen, um dem entgifteten Gase die Brenn- eigenschaften des früher giftigen Gases zu erhal- ten, damit die Geräte de-r Abnehmer nicht um- geändert zu wer,den brauchen. Gerade dieses letz- t~re ist eine Hauptfol'derung für die Wirtschaft- lichkeit der Gasentgiftung; sie setzt voraus, daß der Heizwert, ,das spezifische Gewicht und die Zündgeschwindi,gkeit des entgifteten Gases gegen- über -dem giftigen Gas nicht geändert werden. Die Durchführung ,der Gasentgiftung in Hameln hat die technische und wirtschaftliche Brauchbar- keit des angewendeten Verfahrens bewiesen. Trotzdem werden sowohl aus Gasfachkreisen - vereinzelt - als auch aus Laienkreisen Bedenken gegen die Einführung des Verfahrens geltend gel

157

\Vir

haben

also

"icr

Kohknoxydd-:'onzentra'

tionszonen bezüglich ,h rer \VirkU11,gsmöglichkei ,

ten zu

() - 0,04 Vol., Prozent CO in sauerstoffhaitiger

unterscheiden:

Atemluft:

globin;

bis

zu

33 %

Kohlenoxvd,Hämo ' "

0.04 - 0,084 Vol.,Prozent CO in sa uerstoffhaitiger

Atemlu.ft: 33-50 % KohlenoxycH-Iämoglobin ; 0,084 bis unter 0,4 Vol.,Prozent CO in sauerstoff, haitiger Atomluft: 50 - 80 % Kohlcnox yd,

Hämoglobin;

über 0.4 Vol.,Prozent in sauerstoffh:1 lti ger Atem '

luft:

über 80 % Kohl enoxyd , Hämo globin.

Über die prozentuale Sättigung des Blutes mit Kohlenoxyd und ihre physiologische 'Wirkung auf den 0lenschen goben I-I end crs 0 n , I-I a g gar d~) fo lgende Tabelle an:

Konl cnoxvd-

 

Hämoglobin %

J()

kein e

wahrnehmbare

\ Virkung

außer

 

Kurzatmigkeit

bei

stärkerer

Anstrel1'

gung;

 

20

ebenso. Kurzatmigkeit schon bei leich, ter Anstrengung. jedoch manchmal leichter Kopfschmerz;

30

ausgesprochener Kopfschmerz, Reiz , barkeit. leichte Ermüdbarkeit, Urteils, kraft getrübt;

40-50

Kopfschmerz, Verwi rrun g; bei Anstren '

 

gung Kollaps

und

Ohnmacht;

 

60-70

Bewußtlosigkeit. bei langer Ei nwirkun l1

Bild 2. Kontaktölen