Zehn Tage im Zeichen der selbstorganisierten Abwehr politischer Verfolgung (Aufruf

)
Von Freitag, 15. April, bis Sonntag, 24. April 2016, im Autonomen Zentrum Toulouse
Seit fast fünf Jahren besetzen wir, die Mitglieder der CREA (Campagne de Réquisition, d‛Entraide,
et d‛Autogestion = Besetzungs-, Unterstützungs-, Selbstverwaltungs-Bewegung) leerstehende
Gebäude in öffentlichem wie privaten Eigentum, um dort zu wohnen, um uns zu organisieren, um
nach unseren eigenen Bedürfnissen und mit unseren eigenen Mitteln zu leben. Wir weigern uns,
dabei zuzuschauen, wie eine Stadt sich nach den Bedürfnissen der Reichen verwandelt und wie
Finanzinteressen auf Kosten ökonomisch Benachteiligter durchgesetzt werden. Seit dem Beginn
unserer Aktionen widersetzen wir uns den herrschenden kapitalistischen Logiken der
Elendsverwaltung und der Finanzspekulation. Denn wir wollen in Würde leben! Es verwundert
nicht, dass wir uns einer von Jahr zu Jahr zunehmenden Repression ausgesetzt sehen. Genauso wie
ihr, sind auch wir uns darüber im Klaren, dass das nicht aufhören wird, da unsere Kämpfe ihren
Interessen und ihren Privilegien entgegenstehen. Auf unsere Forderungen nach sozialer
Gerechtigkeit und Würde reagieren sie mit repressiver Gewalt, die sie mit großem Aufwand im
politischen Diskurs und in der bürgerlichen Rechtsprechung rechtfertigen. Während dieser fünf
Jahre wurden auch wir nicht von Repressionen verschont: mehr als 80 Räumungen, Dutzende
Strafverfahren, repressive Gegenschläge jeder Art, Schläge ganz im Wortsinn, Erniedrigungen...
Allein daraus ergibt sich, dass wir uns anderen Fällen von Repression solidarisch verbunden
fühlen...
Vom Freispruch für Damien Saboudjan, dem Polizeibeamten der Amine Bentounsi ermordete, bis
zu den ehemaligen Goodyear-Arbeiter*innen, die zu Gefängnisstrafen ohne Bewährung verurteilt
wurden, weil sie ihre Arbeitsplätze verteidigten; von der gewollten Verwaltung und
Aufrechterhaltung der unmenschlichen Lebensbedingungen der Geflüchteten in Calais bis zum
enthemmten Rassismus gegen die Bewohner*innen so genannter strukturschwacher Stadtviertel;
von behördlichen Kontroll- und Zwangsmaßnahmen jeder Art über Gefängnisstrafen bis hin zur
Politik des Ausnahmezustandes... Repression stagniert nicht und baut ihr Repertoire langfristig aus.
Aus diesen Gründen rufen wir dazu auf, nach Toulouse zu kommen, um miteinander und für
unsere gemeinsamen Interessen ein Netzwerk zur Verteidigung gegen Repression und zur Abwehr
politischer Verfolgung aufzubauen. Wir stellen zu diesem Zweck im April die Struktur für ein
zehntägiges Treffen bereit: um uns gemeinsam mit den Formen der Repression

auseinanderzusetzen, denen wir uns auf lokaler, aber auch auf nationaler sowie internationaler
Ebene ausgesetzt sehen. Zehn Tage, um sich kennenzulernen, sich zu treffen, sich gemeinsam zu
organisieren, sich über Analysen und Strategien auszutauschen, Mittel und Wege zu finden,
Netzwerke aufzubauen, um Input für unsere Kämpfe, hier und jetzt und überall, zu bekommen und
diese zu intensivieren – um angesichts der weiter zunehmenden Repression stärker zu sein. Es geht
darum, ein Bündnis, das getragen wird von Akteur*innen aus der Praxis, die sich täglich mit
repressiven Maßnahmen konfrontiert sehen, zu schaffen, um so die am besten geeigneten Mittel
und Instrumente zu entwickeln. Wir sehen unsere Initiative in der Tradition der vorhergegangenen
Treffen, zu denen von verschiedenen Gruppen aufgerufen wurde und an denen wir teilgenommen
haben (wie der Tag der Solidarität mit den Angeklagten von Villers-le-Bel im letzten Sommer...). In
diesem Sinne wollen wir nun versuchen, eine gemeinsame Antwort auf der Höhe des Problems zu
finden.
Wir haben angedacht, jeden dieser zehn Tage um einen konkreten Kampf und/oder eine konkrete
Form der Repression herum zu organisieren. Und an Themen, denen wir uns rund um die
verschiedenen Formen von Repression widmen können, fehlt es uns wirklich nicht:
Ausweispapiere, Grenzen, Polizeigewalt, Mieten, Besetzungen, Verwaltungsschikanen,
Stadtteilbefriedung und -aufwertung, Gewalt im Lohnarbeitskontext, Entlassungspläne, Rassismus,
Islamophobie, Romafeindlicher Rassismus, Inhaftierungen und andere Gefangennahmen, Kämpfe
gegen das Patriarchat, gegen Sexismus, Homophobie, Transphobie, Faschismus... Es wird
außerdem die Gelegenheit sein, um die lokalen Kämpfe mit der Solidarität für die anti-kolonialen
und anti-imperialistischen Kämpfe zu verknüpfen.
Während der zehn Tage wird es selbstverständlich auch Gelegenheit geben, zu feiern. Wir planen
Konzerte für die Wochenenden und auch an den Wochentagen wird es neben den inhaltlichen
auch andere Programmpunkte geben: SoKüs, Workshops für Kinder, Skill-Sharing-Workshops, Open
Stages... Ein Teil der Erlöse soll in die Anti-Repressions-Kasse der CREA (die dazu dient, alle aus
unserer Bewegung entstehenden Repressionskosten zu decken: Geldstrafen, Anwält*innenkosten,
Verwaltungskosten...) fließen und der Rest, je nach Bedarf, zwischen allen anwesenden Gruppen
aufgeteilt werden.
Das Programm der zehn Tage ist noch nicht festgelegt. Das bedeutet, dass sich jede Gruppe
konkret in die Planung der Themen einbringen und Aktivitäten initiieren kann: Diskussionen,

Workshops, Aktionen, Filmvorführungen... Sobald eure Rückmeldungen eingegangen sind, werden
wir eine genauere Programmplanung vornehmen und sie euch nach und nach zugänglich machen.
Das fertige Programm soll Ende Februar stehen. Wir bitten euch daher, uns so schnell wie möglich
eure Verfügbarkeiten für den Zeitraum vom 15. bis zum 24. April mitzuteilen. Wenn ihr selbst
einen Programmpunkt anbieten wollt, teilt uns bitte per Mail euer Thema und eure Wünsche für
Uhrzeit, Dauer und Datum mit.
Schlafplätze werden wir für euch finden, allerdings sind unsere Kapazitäten begrenzt. Versucht,
falls möglich, bitte zunächst, eure Kontakte in Toulouse anzufragen. Diejenigen, die keine andere
Schlafmöglichkeit haben, schicken uns bitte per Mail die Daten ihrer geplanten Übernachtungen
und die Anzahl der benötigten Schlafplätze.
Leider haben wir keine Mittel, um die Reisekosten von allen zu übernehmen. Versucht bitte, eure
Anreise in Gruppen zu organisieren, um die Reisekosten zu reduzieren. Wir können auch eine
gemeinsame Kasse einrichten, die solidarisch von den Teilnehmer*innen gefüllt wird, um daraus
Reisekostenunterstützung leisten zu können, insbesondere für diejenigen, die von außerhalb
Frankreichs anreisen.
Wir werden bald einen öffentlichen Text schreiben. Fühlt euch bis dahin frei, diesen Aufruf an
Organisationen, Vereine und Gruppen, die an einer Teilnahme interessiert sein könnten, zu
verbreiten.
Wir hoffen, dass wir einen Teil unserer Motivation rüberbringen konnten!
Alles für alle!
Alle Macht für alle!
Orgamail für die 10 Tage: antirepcrea2016@riseup.net
Mail der CREA: creatoulouse@squat.net
https://creatoulouse.sqat.net/
Facebook: Centresocialautogéré-Crea

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