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Die Abhandlung der Einheit

(Auszug)
Ibn Al Arabî
(1203)

Im Name'Allah, der Gnädiger, Der Barmherziger.


Wir rufen nach Seinem Heil.
Alle Herrlichkeit an Allah, vor der Einheit dessen es keinen Vorheriges gibt, wenn es nicht Er der
dieser Erster ist ; nach der Eigenheit dessen, es keinen Danach gibt, wenn es nicht Er, der dieser
Nächster ist. Ihm anlässlich, gibt es keinen Vorher, keinen Danach, kein Oben, kein Unten, keinen
Nah, keinen Fern, kein Wie, kein Was, kein Wo, keinen Stand, keine Folge von Augenblicken,
weder Zeit, noch Raum, noch Sein : "Er ist wie Er war". — "Er ist der Einziger, der Bändiger" ohne
die üblichen Bedingungen der Einheit. Er ist der Eigentümlicher ohne Eigentümlichkeit. Er besteht
nicht aus Namen und Genannten, weil der Name ist Ihm und der Genannter ist nochmal Ihm. Es
gibt keinen Name außer Ihm. Es gibt keinen Genannter außer Ihm. Deswegen ist es gesagt dass Er
der Name und der Genannter ist. Er ist der Erster ohne Vorherigkeit. Er ist der Letzter ohne die
üblichen Bedingungen der Endlichkeit, d.h. ohne absolute Endlichkeit. Er ist der Offensichtlicher
ohne Äußerlichkeit. Er ist der Verborgener ohne Innerlichkeit. Ich will hier sagen dass Er das
Dasein der Schlitzen des Äußeren ist, sowie das Dasein des Inneren. Es gibt weder Äußeren noch
Inneren außer Ihm , und dies ohne dass diese Schlitzen sich umwandeln um Ihn zu werden, oder
dass Er sich umwandelt um diesen Schlitzen zu werden. Vor Angst in die Irre von denen die in die
Inkarnation der Gottheit glauben, nicht zu verfallen, ist es wichtig dieses Geheimnis richtig zu
verstehen. Er befindet sich nicht in irgendwelches Ding und kein Ding befindet sich in Ihm bei
irgendwelcher Eingang oder Ausgang. Mann muss Ihm auf diese Weise kennen, nicht durch die
Wissenschaft, die Intelligenz, die Einbildungskraft, den Scharfsinn, die Sinnen, die äußerliche Sicht,
die innerliche Sicht, die Fassungskraft oder den Vernunftschluss. Niemand kann Ihn sehen, außer
Ihm selbst. Niemand fasst Ihn, außer Ihm selbst. Niemand kennt Ihm, außer Ihm selbst. Er sieht
Sich durch Ihm selbst. Er kennt sich durch Ihm selbst. Keiner außer Ihm, kann Ihm sehen. Keiner
außer Ihm kann Ihm begreifen. Seine undurchdringliche Hülle ist Seine eigene Einheit. Kein
anderer als Ihm verhehlt Ihm nicht. Seine Hülle ist Seinen Dasein selbst. Er ist in eine unerklärbare
Weise bei Seine Einheit verhüllt. Anders als Ihm kann Ihm nicht sehen : kein gesandter Prophet,
kein vollkommener Heiliger oder angenäherten Engel. Sein Prophet ist Ihm selbst. Sein Apostel ist
Ihm selbst. Seine Apostelamt ist Ihm. Sein Wort ist Ihm. Er sandte Seinen Sich selbstbewussten
denklichen Dasein (Ipséitas) bei Ihm selbst und zu Ihm selbst, ohne jeglichen Vermittler oder
äußere Kausale Beziehung als Ihm selbst. Es gibt keine Ungleichheit von Zeiten, Raum oder Natur
zwischen Derjenige der sendet, zwischen die Botschaft, und der Empfänger dieses Sendeschreiben.
Seine Existenz ist die der Buchstaben Seine Prophezeiung, und keine andere. Anders als Ihm hat
keine Existenz und keine Namentlichkeit, und kann sich dann nicht vernichten weil er nie existiert
hat. Aus diesem Grund hat der Prophet gesagt : "Derjenige der seine Seele kennt, d.h. sich selbst,
kennt seinen Herr." Er sagt noch dazu: "Durch meinen Herr, habe ich meinen Herr gekannt". Der
Prophet von Allah wollte uns durch diesen Worten, zum Verstehen bringen dass du nicht dich bist,
aber Ihm ; Ihm und nicht du ; dass Er nicht aus dir herauskommt und du nicht aus ihm
herauskommst. Ich will hier nicht sagen dass du bist oder dass du diese oder jene Eigenschaft
besitzest. Ich will hier sagen dass du überhaupt nicht existierst, und dass du nie existieren wirst,
weder bei dich selbst noch bei Ihm, in Ihm oder mit Ihm. Du kannst nicht aufhören zu sein weil du
nicht bist. Du bist Ihm und Er ist dich, ohne jegliche Abhängigkeit oder kausale Beziehung. Wenn
du an deine Existenz diese Eigenschaft bekennst, nämlich die Nichtigkeit, dann kennst du Allah,
sonst nicht.

Die meisten der Eingeweihten sagen dass die Gnose, oder die Kenntnis Allahs, kommt folglich der
Fanâ el-wujûdi und der Fanâ el-janâ'i, d.h. bei der Wirkung der Tilgung der Existenz und die
Tilgung diese Tilgung. Doch diese Meinung ist total falsch, da gibt es eine eindeutige Irre. Die
Gnose verlangt nicht die Tilgung der Existenz des Ichs oder die Tilgung diese Tilgung ; weil die
Dingen überhaupt keine Existenz haben, und was nicht existiert, kann nicht aufhören zu existieren.
Behaupten dass einen Ding zu existieren aufgehört hat, das es nicht mehr existiert, gleicht zu
bejahen dass es existiert hat, dass es die Existenz genießt. Deswegen, wenn du deine Seele kennst,
d.h. dich selbst, wenn du einsehen kannst dass du nicht existierst und, von da an, dass du dich nicht
tilgest, dann kennst du Allah, sonst nicht. Die Gnose an den Fanâ und den Fanâ el-janâ'i zu
zuschreiben, ist einen Götzendienst Glaubensbekenntnis. Denn, wenn du die Gnose an den Fanâ
und den Fanâ el-janâ'i zuschreibst, behauptest du dass ein anderer als Allah die Existenz genießen
kann. Das ist IHN verneinen, und du bist förmlich des Götzendienst schuldig. Der Prophet hat
gesagt : "Derjenige der seine Seele kennt, d.h. ihm selbst, kennt seinen Herr". Er hat nicht gesagt :
"Derjenige der seine Seele auslöscht kennt seinen Herr". Wenn wir die Existenz einen anderer
bejahen, kann von ihre Tilgung nicht mehr die Rede sein, denn Mann darf von keine Tilgung
sprechen, von was wir nicht bejahen sollen. Deine Existenz ist Nichts, und Nichts kann sich an
keinen Ding addieren, ob zeitlich oder nicht. Der Prophet hat gesagt : "Du existierst jetzt nicht,
sowie du, vor der Schöpfung der Welt, nicht existiertest". Das Wort "jetzt" ist hier im Sinn seinen
absoluten Gegenwart begriffen, es heißt sowohl die Ewigkeit ohne Anfang, als auch die Ewigkeit
ohne Ende. Doch, Allah ist die Existenz der Ewigkeit ohne Anfang, und der Ewigkeit ohne Ende,
sowie der Vorexistenz. Diese drei Aspekten der Ewigkeit sind Ihm. Allah ist die Existenz diese drei
Aspekten der Ewigkeit, ohne dass ER aufhört das Absolute zu Sein. Wenn es nicht so wäre, wurde
Seine Einsamkeit nicht Sein; ER wurde nicht ohne Partner Sein. Doch, es ist von rationalen,
dogmatischen und theologische Verpflichtung, dass ER allein und ohne jeglichen Partner ist. Seinen
Partner wäre derjenige der bei sich selbst, existieren könnte, nicht bei der Existenz Allah. Dieser
wurde Allah nicht benötigen, und wäre, folglich, ein zweiter Herr Gott, was unmöglich ist. Allah hat
keinen Partner, keinen Ähnlichen oder Gleichwertigen. Derjenige, der etwas mit Allah sieht, von
Allah oder in Allah, selbst wenn es durch die Herrschaft Allah erhöht wird, macht aus diesem
Etwas einen Partner Allah, das durch die Herrschaft von Ihm abhängt. Wer immer behauptet dass
eine Sache mit Allah existieren kann, egal ob diese Sache bei sich selbst existiert oder bei IHM, ob
sie sich seine Existenz auslöscht oder das Auslöschen seine Existenz, dieser Mensch, sage ich, ist
von der Geringste Fassung eine Kenntnis von seine Seele und seiner Selbst, sehr entfernt. Denn,
wer behauptet dass ein anderer als Ihm existieren kann, egal ob es bei ihm selbst ist oder durch Ihm
oder in Ihm, und dann verschwindet oder sich auslöscht, und dann sich auslöscht in seinem
Auslöschen, usw., solch einen Mensch dreht sich im Teufelskreis, unendlich vom Auslöschen zum
Auslöschen. All das ist Götzendienst auf Götzendienst und hat nichts mit der Gnose zu tun. Ein
solcher Mensch ist abgöttisch, und er kennt nichts, weder von Allah, noch von seiner Selbst oder
seine Seele.
Wenn Man fragt durch welchen Mitteln Man gelangt seine « Seele » zu kennen, das heißt den
"proprium', sich selbst, und Allah zu kennen, die Antwort ist : Der Weg zu diesen zwei Kenntnissen
ist durch diesen Wörter gezeigt : "Allah war und das Nichts mit Ihm. ER ist jetzt so wie Er war".