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V.M. Lysjanski · W.D. Popow F.A. Redko · W.N. Stabnikow

Verfahrenstechnische Grundlagen der Lebensmitteltechnik

Prozesse und Apparate in der Lebensmittel-produktion

Verfahrenstechnische Grundla.gen der Lebensmitteltechnik

Verfahrenstechnische Grundlagen der Lebensmitteltechnik

V. M. Lysjanski W.D. Popow F.A.Redko W. N. Stabnikow

~ ~ SpringerVerlag

BerUn Heidelberg GmbH 1983

Pro:Ifesse und

Apparate

in der Lebensmittel-

produktion

Mit 334 Bildern und 14 Tabellen

CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek

Verfahrenstechnische Grundlagen der Lebensmitteltechnik:

Proze sse u. Apparate in d. Lebensmittelproduktion f V. M. Wiss . Red. : Horst- Dieter Tscheuschner

[Ubers.: Horst-Dieter

]. - 1. Auf!.

Einheitssa.cht.: Processy i apparaty piscevych proizvodst' (ut.) ISBN 978-3-642-88609-6 ISBN 978-3-642-88608-9 (eBook) DOI 10.1007/978-3-642-88608-9 NE~ Lysjanski, Viktor M. [Mitverf.]; EST

© Springc:r-Vc:rlag Bulin Il oidclberg 1983

Ursprünglich er8Chienen bei Dr. Dietrich Sto ink opffVor lag Darffilltadt 1983

1. Auflage

Gesamtherstellung: IV/10/5 Druckhaus Freiheit Halle

Vorwort zur deutschsprachigen Ausgabe

Die Analyse von Prozessen der Lebensmittelproduktion hat in den letzten 30 Jahren entscheidend zur wissenschaftlichen Fundierung und Optimierung ihrer technolo- gischen Grundprozesse und Produktionsverfahren beigetragen. Im gleichen Maße hat sich die Lebensmitteltechnik als technologische Disziplin entwickelt, die auf der Grundlage verfahrenstechnischer und verarbeitungstechnischer Prinzipien die Gestaltung der technologischen Prozesse der Lebensmittelproduktion in Einheit mit der maschinen- und apparatetechnischen Auslegung der Produktionsmittel zum Inhalt hat. Eine geschlossene Darstellung der wichtigsten verfahrenstechnischen Grundlagen lebensmitteltechnischer Prozesse war in deutscher Sprache bisher in dieser Form nicht verfügbar, was besonders bei der Ausbildung von Ingenieuren für die Lebensmittelproduktion an den Hoch- und Fachschulen als spürbarer Mangel empfunden wurde. Die Autoren haben bei der Erarbeitung dieses Lehrbuches die Erfahrungen der chemischen Verfahrenstechnik genutzt, um darauf aufbauend die verfahrenstech- nischen Grundlagen der Lebensmitteltechnik unter Berücksichtigung der Spezifik der Lebensmittel darzustellen. Die Fülle des zu behandelnden Stoffes im Rahmen eines Lehrbuches machte dennoch klare Beschränkungen erforderlich. Darüber hinaus fanden sehr stoffspezifische Gebiete, wie Reaktionstechnische Pro- zesse, Mikrobiologische Prozesse, Sterilisationsprozesse, Garprozesse, Strukturbil- dungs- und Modifizierungsprozesse keine Aufnahme in diesem Lehrbuch. In der vorliegenden Form wendet sich dieses Lehrbuch besonders an Studenten der Lebensmitteltechnik und Lebensmitteltechnologie der Hoch- und Fachschulen. Es wird darüber hinaus ein nützlicher Ratgeber für den in der Lebensmittelindustrie, im Lebensmittelanlagenbau und in der Projektierung tätigen Ingenieur sein. Für die kritischen Hinweise zur deutschsprachigen Ausgabe sei auch an dieser Stelle den Herren Professoren Dr.-Ing. habil. M. Schubert, Dresden, und Dr. sc. techn. E. Manzke, Berlin, sehr herzlich gedankt. Besonderer Dank gebührt Prof. Dr. techn. nauk. W. N. Stabnikow und Prof. W. N. Lysjanski für die konkreten Hinweise zur Überarbeitung sowie für die Autorisierung der Übersetzung.

Prof. Dr.-Ing. habil. Horst-Dieter Tscheuschner

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

1.1.

Stellung des Lehrgebietes in der Ausbildung

 

13

1.20

Inhaltsschwerpunkte

d es

Buches

0

0

0

0

0

13

1.30

Grundlegende

Gesetze und Prinzipien der

Verfahrenstechnik

o

15

1.301.

Gesetze von

der Erhaltung d er Masse

und d er

Energie

 

16

1.3o2o

Gesetze vom Gleichgewicht der Systeme

 

0

0

0

0

0

0

17

1.3030

Gesetze der Übertragung und das Prinzip

der Triebkraft

 

18

1.3 04 0

Prinzip der Optimierung des

Prozeßverlaufs

0

19

1.3.401.

Kontinuität des Prozesses

0

0

0

o

o

0

0

0 .0

 

20

1.3.4020

Richtungsbezug sich

austauschender Ströme

0

20

1.3.4 o3o

Erneuerung der

Phasenkontaktflächen

 

21

1.304.40

Stufenweise Nutzung von Wärmeträgern

 

21

1.3o5o

Gesetze der Maßstabsübertragung

und Modeliierung

o

21

Zu empfehlende Litemtur

 

20

Allgemeiner

Teil

 

:Uo

GruiH.llegendc physikalische Eigenschaften

 

22

:!oLl.

Allgemeine Einführung

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

22

:!ol.:lo

Besonderheiten

einiger physikalischer Eigenschaften d er

Lebensmittelstoffe

24

:!o l.:l.lo

Dichte

0

0

0

24

2o1.2o:!o

Viskosität

0

0

0

.

0

0

0

0

0

26

2ol.2o3o

\Viirmeleitung

0

.

0

0

0

0

0

28

201.2.4 0

Spezifische Wärmekapazität

28

2ol.2o 5o

Temperaturleitfähigkeit

0

30

2o1.2o6o

Oberflächenspannung

0

0

31

Zu empfehlende L itcmtur

 

2o:!o

Modcllierungsmothodo

zur

U nterstwhung

und

Berechnung

von

Prozessen

 

und Apparaten der Lebensmittelproduktion

 

32

2020

10

Vorbemerkungen

 

0

0

0

0

32

2.2. :?.

Met hoden

der Modeliierung

0

0

32

202030

Grundtheoreme der Ähnlichkeit

 

36

2020301.

Erstes Ähnlichkeitstheorem

0

37

202

03 02 0

Zweites Ähnlichkeitstheorem

 

40

2o2o3o3o

Drittes Ähnlichkeitstheorem

0

42

20203.40

Grundregeln

der Modeliierung

 

43

2020

30 50

Einige wichtige Ähnlichkeitskriterien

 

45

2 o2 o3o6o

Itcgcln

(ler Anwendung v orallgernoinortor

Gleichungen

 

47

Zu empfehlende L i teratur

 

2030

Grundlagen des rationellen

Apparatebaus

 

49

2.3.1.

Forderungen an die Apparate

49

2.3.1.1. Technologische Forderungen 49 2.3.1.1.1. Funktionsbezogenheit des Apparates 49 2.3.1.1.2. Hohe
2.3.1.1.
Technologische Forderungen
49
2.3.1.1.1.
Funktionsbezogenheit des Apparates
49
2.3.1.1.2.
Hohe Arbeitsintensität des Apparates .
50
2.3.1.1.3.
Beständigkeit des Apparatewerkstoffes gegen Korrosion .
50
2.3.1.1.4.
Geringer Energieverbrauch
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
50
2.3.1.1.5.
Zugänglichkeit für Besichtigung, Reinigung und Reparatur
50
2.3.1.2.
Forderungen der Sicherheitstechnik, Ergonomie
.
.
.
.
.
50
2.3.1.3.
Konstruktive und ästhetische Forderungen
.
.
.
.
.
.
.
51
2.3.1.4.
Ökonomische Forderungen, Hinweise zur Optimierung bei der Projektierung
52
2.3.2.
Werkstoffe zur Herstellung von Apparaten und ihre Auswahl
.
.
.
.
.
.
.
52
2.3.2.1.
Chemische Beständigkeit der Werkstoffe.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
53
2.3.2.2.
Schutz
von
Metallen
gegen
Korrosion
durch
Schutzschichten,
Imprägnie·
rung
54
2.3.2.3.
Elektrochemischer Schutz der Metalle
55
Zu empfehlende Literatur
3.
Mechanische und hydraulische Prozesse
3.1.
Zerkleinerung
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
57
3.1.1.
Klassifizierung der Zerkleinerungsverfahren
57
3.1.2.
Zerkleinerungstheorie .
.
.
.
.
.
.
.
.
.
58
3.1.3.
Allgemeine Anforderungen an die Zerkleinerung
60
3.1.4.
Aufbau und Arbeitsweise der Haupttypen von Zerkleinerungsmaschinen
60
3.1.4.1.
Backenbrecher
.
.
.
.
.
.
.
62
3.1.4.2.
Walzenzerkleinerungsmaschinen
64
3.1.4.3.
Hammermühlen
66
3.1.4.4.
Scheibenmühlen
67
3.1.4.5.
Kugelmühlen
68
3.1.4.6.
Strahlmühlen
69
3.1.4.7.
Kolloidmühlen
70
3.1.5.
Schneiden
71
Zu empfehlende Literatur
3.2.
Sortierung (Klassifizierung)
74
3.2.1.
Trennung der Teilchen nach Größe und Form (Sieben)
74
3.2.1.1.
Siebe
74
3.2.1.2.
Siebanalyse
.
.
.
.
76
3.2.1.3.
Wirkungsgrad eines Siebes
77
3.2.1.4.
Klassifizierung der Siebmaschinen
77
3.2.1.5.
Trieure
78
3.2.2.
Trennung nach der Sinkgeschwindigkeit der Teilchen
79
3.2.3.
Magnetseparatoren
79
3.2.3.1.
Separatoren mit Permanentmagneten .
80
so
3.2.3.2.
Separatoren mit Elektromagneten
3.2.4.
Sonstige Trennmethoden
81
Zu empfehlende Literatur
3.3.
Druckbehandlung von Materialien der Lebensmittelproduktion (Pressen) .
82
3.3.1.
Theoretische Ansätze der Druckbehandlung
83
3.3.1.1.
Abpressen von Flüssigkeiten
83
3.3.1.2.
Formen plastischer Materialien
85
3.3.1.3.
Pressen (Brikettieren)
86
3.3.2.
Maschinen für Druckbehandlung
88
3.3.2.1.
Pressen zum Abtrennen von Flüssigkeiten und hydraulische Pressen
89
3.3.2.2.
Pressen znm Formen plastischer Massen
91
3.3.2.3.
Pressende (brikettierende) Maschinen .
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
94

Zu empfehlende Literatur

3.4.

Mischen

95

3.4.1.

Mischen im

flüssigen Medium

 

95

3.4.1.1.

Mechanisches Mischen.

 

95

3.4.1.2.

Strömungsmischen

.

.

.

.

.

103

3.4.1.3.

Pneumatisches Mischen

.

.

.

104

3.4.1.4.

Bewertung der Effektivität des

 

Mischans

 

105

3.4.2.

Mischen von

Schüttgütern

 

106

3.4.3.

Mischen von plastischen Massen

 

108

Zu empfehlende Literatur

 

3.5.

Trennen inhomogener Systeme

 

.

.

.

.

.

.

.

109

3.5.1.

Prozesse,

bei denen

sich disperse

Systeme bilden

 

109

3.5.1.1.

Mechanische Prozesse

 

109

3.5.1.2.

Wärmeprozesse

 

109

3.5.1.3.

Chemische Prozesse

 

109

3.5.1.4.

Diffusionsprozesse

 

.

110

3.5.1.5.

Biologische Prozesse

 

110

3.5.2.

Klassifizierung

der dispersen Systeme

 

.

110

3.5.3.

Methoden zur Trennung disperser Systeme

 

111

3.5.4.

Abscheidegrad

 

.

.

.

.

.

.

.

.

113

Zu empfehlende Literatur

 

3.6.

Absetzen

(unter dem Einfluß von Kraftfeldern)

 

114

3.6.1.

Absetzen im Gravitationsfeld

(Sedimentieren)

.

114

3.6.1.1.

Ableitung der Grundgleichungen

 

.

.

.

.

.

.

.

114

3.6.1.2.

Der Einfluß

der Teilchenform und der Konzentration der Suspension

118

3.6.1.3.

Periodisch arbeitende Absetzer

 

119

3.6.1.4.

Halbkontinuierlich arbeitende Absetzer

 

120

3.6.1.5.

Kontinuierlich arbeitende Absetzer

.

.

122

3.6.2.

Absetzen im Zentrifugalfeld

 

.

.

.

.

.

126

3.6.2.1.

Grundlegende Gesetzmäßigkeiten des Absetzans im Zentrifugalfeld

126

3.6.2.2.

Absetzzentrifugen

 

131

3.6.2.3.

Tellerseparatoren

 

132

3.6.3.

Zyklone

 

135

3.6.3.1.

Wirkungsweise

 

135

3.6.3.2.

Aerozyklone

.

.

136

3.6.3.3.

Hydrozyklone

.

139

3.6.4.

Elektrosedimentation

.

142

3.6.4.1.

Allgemeine Voraussetzungen

 

142

3.6.4.2.

Physikalische Grundlagen der Elektrosedimentation

 

144

3.6.4.3.

Arbeitsweise eines Elektrofilters

 

145

3.6.4.4.

Berechnung von Elektrofiltern

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

147

Zu empfehlende Literatur

 

3.7.

Filtration

.

.

.

.

.

.

.

148

3.7.1.

Einteilung der Filtrationsprozesse

 

.

.

.

.

.

.

148

3.7.2.

Theorie der Filtration mit Filterkuchenbildung

 

149

3.7.3.

Filtrationsregime

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

153

3.7.3.1.

Filtration bei konstantem Druck

 

.

.

.

.

.

.

.

153

3.7.3.2.

Filtration mit konstanter Filtrationsgeschwindigkeit

 

155

3.7.4.

Grundlagen

der

Filtration

 

ohne

 

Filterkuchenbildung

(Verstopfungsfiltra·

tion)

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

157

3.7.5.

Filterapparate

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

159

3.7.5.1.

Filterapparate mit diskontinuierlicher Betriebsweise

 

159

3.7.5.2.

Kontinuierlich arbeitende Filterapparate

 

164

3.7.6.

Berechnung von Filtern

 

.

.

.

.

.

.

168

3.7.7.

Zentrifugalfiltration.

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

168

3.7.7.1.

Mechanismus der Zentrifugalfiltration

 

168

3.7.7.2.

Filterzentrifugen mit periodischer und kontinuierlicher Betriebsweise

170

3.7.7.3.

Bestimmung der Antriebsleistung von Filter~entrifugen .

.

.

.

.

.

.

.

.

.

171

Zu e'mpfehlende Literatur

 

3.8.

Fragen der angewandten Strömungst.echnik

 

176

3.8.1.

Strömungsstruktur in kontinuierlichen Apparaten

 

176

3.8.2.

Hydrodynamik der Wechselwirkungen zwischen Gas (Dampf) und Flüs· sigkeit

 

177

3.8.2.1.

Fließen von Flüssigkeitsfilmen (Prozeßmechanismus) .

 

178

3.8.2.2.

Fließen von Flüssigkeit und Gas durch Füllkörperschütt-ungen

 

179

3.8.2.3.

Hydraulischer Widerstand von Füllkörperschichten

 

183

3.8.2.4.

Versprühen von Flüssigkeiten

 

184

3.8.2.5.

Pneumatisches Rühren

 

186

3.8.2.6.

Fließen zweiphasiger Systeme in Kanälen

 

189

3.8.3.

Wirbelschicht

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

190

Zu empfehlende Literatur

 

4.

Wärmeübertragungsprozesse

 

4.1.

Grundlagen der Wärmeübertragung in Lebensmittelapparaten

 

192

4.1.1.

Allgemeines

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

192

4.1.2.

Grundlegende Gleichungen für die Wärmeübertragung

194

4.1.3.

Verteilung des gesamten thermischen Widerstandes

198

4.1.4.

Berechnung

der

Wärmeträgertemperaturen

und

der

mittleren

treibenden

Temperaturdifferenz

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

200

4.1.5.

Bestimmung von Wärmeübergangskoeffizienten

 

202

4.1.6.

Berechnung von Wärmedurchgangskoeffizienten

208

Zu empfehlende Literatur

 

4.2.

Vorwärmer und Kühler in der Lehensmittelindustrie

 

212

4.2.1.

Beschreibung und Einsatz der Apparate

 

212

4.2.2.

Auswahl der Ausführungsform von Wärmeübertragern

 

218

4.2.3.

Grundlagen für die Berechnung von Oberfliichcn·Wiirmcübcrtragern

 

220

Zu empfehlende Literatur

 

4.3.

Eindampfen

231

4.3.1.

Eindampfprozeß

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

231

4.3.2.

Grundlagen der Prozeßtheorie von Verdampferanlagen

239

4.3.3.

Wärmetechnische Berechnung

 

254

4.3.4.

Apparatetypen und Auswahl von Verdampferanlagen

 

260

Zu empfehlende Literatur

 

4.4.

Kondensation

.

.

.

.

.

266

4.4.1.

Allgemeines

.

.

.

.

.

.

266

4.4.2.

Oberflächenkondensatorm1

 

266

4.4.3.

Mischkondensatoren

 

271

Zu empfehlende Literatur

 

5.

Stoffübergangsprozesse

 

5.1.

Grundlagen der Stoffübertragung

 

279

5.1.1.

Einteilung der Stoffübergangsprozesso

.

.

.

.

.

.

.

.

.

279

5.1.2.

Möglichkeiten für die Angabe der Phasenzusammensetzung

285

5.1.3.

Phasengleichgewicht

 

286

5.1.4.

Stoffbilanz für den Stoffübergangsprozcß

 

288

5.1.5.

Der Mechanismus der Stoffübertragung

290

5.1.6.

Molekulare Diffusion

 

291

5. 1.7.

Stoffübergang

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

293

5.1.8.

Stoffübertragung in einem System ohne Feststoff .

 

294

5.1.9.

Stoffübertragung in Systemen mit einer festen Phase

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

300

Zu empfehlende Literatur

 

5.2.

Trocknung und Befeuchtung von

Gasen

.

.

.

.

.

.

304

5.2.1.

Zustandsgrößen feuchter Luft

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

304

5.2.2.

Zustandsdiagramm für feuchte

Luft nach

L.

K . Ramzin

 

308

5.2.3.

Darstellung einfacher Zustandsänderungen feuchter Luft

311

5.2.4.

Wä.rmeübergang

zwischen Wasser und feuchter Luft

 

313

5.2.5.

Wärme-

und

Stoffübergang

in

Wärmeübertragern

mit

direktem

Kontakt

zwischen Luft und Wasser

 

.

316

Zu empfehlende Literatur

 

5.3.

Trocknung fester Stoffe

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

320

5.3.1.

Entfeuchtungsmethoden.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

320

5.3.2.

Allgemeine Merkmale des Trocknungsprozesses

320

5.3.3.

Bedeutung des Trocknungsprozesses für die Lebensmittelindustr;e

 

321

5.3.4.

Feuchte Stoffe

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

321

5.3.5.

Kinetik der Trocknung

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

324

5.3.6.

Grundlagen für die Berechnung von Trocknern

330

5.3.7.

Varianten des Trocknungsprozesses

 

335

5.3.8.

Ausführung von Trocknern

 

338

5.3.9.

Spezielle Trocknungsarten

345

Zu empfehlende Literatur

 

5.4.

Sorptionsprozeß

.

349

5.4.1.

Grundlagen

.

.

.

349

5.4.2.

Absorptionsprozeß

 

350

5.4.3.

Absorber

356

5.4.4.

Adsorptionsprozeß

 

361

5.4.5.

Adsorber

365

5.4.6.

Regeneration des

Adsorptionsmittels

 

367

Zu empfehlende Literatur

 

5.5.

Destillation

.

.

.

.

.

.

367

5.5.1.

Grundlagen der Destillationstheorie

 

368

5.5.2.

Einfache offene Destillation

 

373

5.5.3.

Gleichgewichtsdestillation

.

.

.

.

.

378

5.5.4.

Mehrfache Destillation

 

.

.

.

.

.

.

380

5.5.5.

Analyse der Arbeit von Rektifikationsanlagen

 

390

5.5.6.

Stoff-

und Wärmebilanzen der Rektifikationsanlagen

 

393

5.4.7.

Konstruktionen von Rektifikationsanlagen .

.

.

.

.

395

5.5.8.

Prinzipschemata der Rektifikation von Mehrstoffgemischen

 

402

5.5.9.

Rektifikationsanlagen mit mehrfacher Ausnutzung

der \Värme des

Sekundär-

dampfes

.

.

.

.

.

.

.

404

5.5.10.

Molekulardestillation

.

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406

Zu empfehlende Litera.tur

 

5.6.

Kristallisation und Lösen

 

408

5.6.1.

Einführung

.

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408

5.6.2.

Theoretische Grundlagen der Lösungskristallisation

410

5.6.3.

Technische Anlagen

zur Kristallisation aus Lösungen

 

422

5.6.4.

Berechnungsgrundlagen für Kristallisationsanlagen

 

427

5.6.5.

Theoretische Grundlagen des Lösens

.

.

.

.

.

.

432

Zu empfehlende Literatur

 

5.7.

Extraktion

437

5.7.1.

Fest-Flüssig-Extraktion

 

.

.

.

.

.

437

5.7.1.1.

Physikalisches Wesen des Prozesses

 

437

5.7.1.2.

Faktoren,

die

den

Diffusionswiderstand

beim

 

St.offtransport

innerhalb

der

Feststoffteilchen bestimmen

.

.

.

.

.

.

438

5.7.1.3.

Faktoren, die den äußeren Diffusionswiderstand bestimmen

.

.

.

.

.

.

.

.

440

5.7.1.4.

Einfluß der Relativbewegung der Phasen und des Massenstromverhältnisses

auf den Prozeß

.

.

.

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.

441

5.7.1.5.

Prozeßberechnung

.

.

.

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.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

443

5.7.1.6.

Möglichkeiten zur Intensivierung des Extraktionsprozesses.

 

447

5.7.1.7.

Maschinen und Apparate für die Feststoffextraktion

 

448

5.7.2.

Flüssig.Flüssig.Extraktion

 

455

5.7.2.1.

Wesen des Prozesses

 

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

455

5.7.2.2.

Besonderheiten der Dreiecksdiagramme .

.

.

.

.

456

5.7.2.3.

Phasengleichgewichtskurve im Dreiecksdiagramm

457

5.7.2.4.

Extraktionsmethoden

 

.

.

.

.

.

.

.

459

5.7.2.5.

Anlagen für die Flüssigkeitsextraktion

 

463

Zu empfehlende Literatur

 

Sachwortverzeichnis

 

466

1.

Einführung

In einer Zeit., da die Wissenschaft als unmittelbare Produktivkraft immer mehr her- vortritt, sind nicht mehr Einzelerkenntnisse, so glanzvoll sie auch sein mögen, sondern ein hohes wissenschaftlich-technisches Niveau der gesamten Produktion das wich- tigste. Die wissenschaftlich-technische Revolution bewirkte eine grundlegende Um- gestaltung der technischen Basis der Produktion. Vor den Werktätigen aller Zweige, darunter auch denen der Lebensmittelproduktion, steht eine Aufgabe von historischer Bedeutung, die Errungenschaften der wissenschaftlich-technischen Revolution mit den Vorzügen des Sozialismus organisch zu verbinden. Zur Lösung dieser Aufgabe ist die Intensivierung der technologischen Prozesse, die Schaffung vollkommenerer Konstruktionen, die volle Mechanisierung und Automati- sierung der Produktionsprozesse unerläßlich. Diesem Anliegen ist das vorliegende Werk gewidmet.

1.1. Stellung des Lehrgebietes in der Ausbildung

Das Studium des Lehrgebietes setzt Grundkenntnisse auf dem Gebiet der theore- tischen und der augewandten Mechanik, der Strömungsmechanik, der Thermodyna- mik und der physikochemischen Grundlagen voraus. Das Lehrgebiet ist eine we- sentliche Basis zum Studium der speziellen Verfahren und Ausrüstungen der Le- bensmittelproduktion. Es enthält die theoretischen Grundlagen der Prozesse sowie die grundlegenden Be- rechnungsmethoden von Ausrüstungen. Auf diese Weise vertieft das Buch die ver- fahrenstechnische Bildung von Ingenieuren der Lebensmitteltechnik.

1.2. Inhaltsschwerpunkte des Buches

Die Gesamtheit in Wechselwirkung stehender Dinge wird System genannt. Die Ver- änderung des Zustandes eines beliebigen Systems, seine unaufhörliche Bewegung und Entwicklung, die in der Natur, im Laboratorium und in der Gesellschaft vor sich gehen, nennt man Prozeß.l Unter Technologie versteht man die Wissenschaft von den naturwissenschaftlich- technischen Gesetzmäßigkeiten der materiell-technischen Seite des Produktions- prozesses und ihrer bewußten Anwendung durch die Menschen. Ihr Gegenstand sind die industriellen Verfahren zur Herstellung materieller Produkte mit bestimmten

1 Siehe F. Engels, Anti.Dühring

Eigenschaften aus vorhandenen Ausgangsstoffen unter ökonomisch günstigen Be- dingungen sowie die dazu benötigten Methoden zur Kennzeichnung der Stoffe. Zur Stoffwirtschaft zählen im wesentlichen die Chemische Industrie, die Baumaterialien-, Brennstoff-, die Leicht- und die Lebensmittelindustrie. Dabei sind die Prozesse der Stoffwandlung der Verfahrenstechnik zugeordnet, die daher die Analyse, Synthese und industrielle Realisierung aller Prozesse der che- mischen und biologischen Stoffumwandlung und der physikalischen Stoffänderungen umfaßt, bei denen makrogeometrische Formen keine primäre Bedeutung haben. Einer der ältesten Zweige der Technologie der Stoffwirtschaft ist die Herstellung von Lebensmitteln. Die Besonderheit der Lebensmitteltechnologie besteht darin, daß in den Lebensmittelbetrieben Rohstoffe pflanzlicher und tierischer Herkunft verarbeitet werden. Deshalb spielen biochemische Prozesse in allen Zweigen der Lebensmittel- industrie eine bedeutende Rolle. Bei aller Verschiedenartigkeit der technologischen Prozesse kommen viele von ihnen in den einzelnen Zweigen der Lebensmittelindustrie vor. In einem beliebigen Zweig findet man z. B. Mischprozesse, die zur Gewährleistung eines engen Kontaktes zwi- Rchen reagierenden Stoffen notwendig sind. In der Zucker-, Spirituosen-, Süßwaren- industrie und in vielen anderen Zweigen wendet man zur Erhöhung deR Trocken- substanzanteils im Gut das Eindampfen an. Andererseits gibt es Prozesse, die für jeweils bestimmte Zweige spezifisch sind. So können die Proze>:se der Lebensmittelproduktion in Grundprozesse und Spezial- prozesse unterteilt werden. Das Buch verfolgt das Ziel, die Prozes>:e unabhängig von dem Zweig, in dem sie angewendet werden, zu betrachten. So wird das Mischen beispielsweise vom allgemeinen Standpunkt dargelegt, aber nicht aus der Sicht seiner konkreten Anwendung in der Zucker- oder Brennereiindustrie. Der Vorteil eines solchen Herangehens an die Untersuchung der Prozesse ist der, daß der Lernende Kenntnisse erhält von den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten des Prozeßablaufs, die sich auf die Gesetze der Mechanik, der Hydrodynamik, der Thermodynamik und anderer Grundlagendisziplinen stützen. Die Verfahrenstechnik entstand am Ende des vorigen Jahrhunderts fast gleichzeitig in einer Reihe von Ländern. Im Jahre 1893 sprach der Züricher Professor G. Lunge die Erkenntnis aus, daß man Herstellungsverfahren der Gebrauchsgüterindustrie, so verschieden die Einsatz- materialien auch sind, auf gemeinsame Grundlagen zurückführen kann. Eine andere Quelle schreibt diese Erkenntnis den Forschern Davis und Armstrang zu. In Rußland legte D. I. Mendelejew in seinem 1897 erschienenen Buch "Grundlagen des Fabrikwesens" die Prinzipien einer Ausbildung in der Verfahrenstechnik dar und gab eine Klassifizierung der Prozesse der chemischen Technologie an. Diese Ideen wurden von A. K. Krupski, I. A. Tistschenko und einer Reihe anderer Wissen- schaftler weiterentwickelt. Die Notwendigkeit der Untersuchung allgemeiner Gesetzmäßigkeiten der einzelnen technologischen Prozesse unterstrich schon 1909 einer der Begründer der Verfahrens- technik, der Professor an der Petersburger Hochschule, A. K . Krupski, in seinem Buch "Anfangsgründe der Lehre vom Projektieren der chemischen Technologie", indem er schrieb: "In dem weiten Feld der Lehre von der chemischen Technologie ist der Weg der Verallgemeinerung der erfolgreichste und fruchtbarste, sowohl was das System der Darstellung betrifft, als auch sein Ziel, dem technischen Verständnis eine Richtung zu geben, die die Herausbildung eines bewußten Gestaltens gewähr- leistet''. 1909 formulierte A. K. Krupski in der schon erwähnten Arbeit die grundsätzlichen Ideen der Verfahrenstechnik. Das erste Lehrbuch in Rußland war "Grundprozesse und Apparate der chemischen Technologie" von I. A. Tistschenko und f'rschit>n t 913. Er schrieb darin: "Der Aus-

gangspunkt der heutigen Situation der augewandten Chemie an den Technischen Hochschulen ist die Spczialisiemng der Lernenden auf einzelne, enge Gebiete der

Die Aufmerksamkeit der Studenten wird mehr und

mehr von den allgemeinen Grundlagen abgelenkt, auf denen die hauptsächlichen bzw. technologischen Operationen beruhen." Das Konzept der "unit operat.ions" wurde von dem amerikanischen Wissenschaft- ler A . D. Little 1915 umfassend und konkret ausgearbeitet. Einen beachtlichen Beitrag leisteten in der Vergangenheit auch folgende amerika- nische, englische, polnische, tschechoslowakische, bulgarische, ungarische und deut- sche Wissenschaftler: Louis, Walker, Butcher, Sherwood, Gilliland, Richardson, Coulson, Zibarowski, Swentoslawski, Ziulkowski, Schteidl, Ilijew, Benedeck, Laszl6, Kirschbaum, Erdmenger und K iesskalt. In der Entstehungszeit der Grundkonzeption dieses Buches wurde sein Inhalt in vier grundlegende Gruppen von Prozessen aufgeteilt und diese untersucht: mechanische, hydrodynamische, thermische und Stoffaustauschprozesse. Zu den mechanischen gehören die Prozesse, deren Grundlage die mechanische Ein-

wirkung auf die Stoffe ist (Zerkleinern, Sortieren, Pressen

Prozesse sind der mechanische Druck, die Zentrifugalkraft usw. Zu den hydrodynamischen Prozessen gehören diejenigen, deren Grundlage die Be- wegung in flüssigen und gasförmigen Systemen .ist (Mischen, Filtern, Absetzen Triebkräfte sind der hydrostatische und der hydrodynamische Druck. Zu den thermischen ProzeRsen gehören die, deren Grundlage Veränderungen des Wärmezustandes der Medien sind, die am Prozeß teilnehmen (Erhitzen, Abkühlen, Eindampfen, Kondensieren, Kälte erzeugen). Triebkraft ist der Temperatumnter- schied zweier Medien. Zu den StaUaustauschprozessen gehören die, deren Grundlage der Stoffaustausch zwi- schen den Phasen ist (Adsorbieren und Absorbieren, Extrahieren, Trocknen, Kristal- lisieren, Destillieren). Triebkraft. ist der Konzentrationsunterschied in verschiedenen Phasen. In diesem Buch werden nicht nur Prozesse, sondern auch die Ausrüstungen betrach- tet, in denen ein technologischer Prozeß vor sich geht. Meist sind die Ausrüstungen Gefäße, die teilweise mit verschiedenen mechanischen Einrichtungen versehen sind. Man nennt sie Apparate. Einige der betrachteten Am;rüstungen Rind jedoch typü;che Arbeitsmaschinen, z. B. Mühlen.

). Triebkraft dieser

chemischen Technologie

).

1.3. Grundlegende Gesetze und Prinzipien der Verfahrenstechnik

Die technologischen Prozesse der Lebensmittelproduktion verlaufen in Überein- st-immung mit den allgemeinen Gesetzen der Chemie, Physik und Physikochemie. Die Anwendung dieser Gesetze gestattet. es, eine Theorie des Prozesses zu begründen. Bei der Betrachtung von Prozessen der chemischen Technologie unterscheidet man grundlegende Verallgemeinerungen, Gesetze und Prinzipien, die in den folgenden Darlegungen auf konkrete Prozesse angewendet werden:

• Gesetze von der Erhaltung der Masse und der Energie,

• Gesetz vom Gleichgewicht der Systeme,

• Gesetz der Übertragung und Prinzip der Triebkraft,

• Prinzip der Optimierung des Prozeßverlaufs,

• Prinzip der Maßstabsübertragung unrl der Modellierung.

1.3.1.

Gesetze von der Erhaltung der Masse und der Energie

Die von Lomonossow, Lavoisier, Mayer und Joule aufgestellten Gesetze von der Erhaltung der Masse und der Energie spielen in der Verfahrenstechnik eine grund- legende Rolle . Sie legen fest, daß in der Natur und in der Technik nur solche Um- wandlungen vor sich gehen, bei denen Masse und Energie innerhalb eines Systems unveränderlich bleiben. In der Verfahrenstechnik drücken sich diese Gesetze in Form von Stoff- und Energiebilanzen am;.

A

8

c

D

Bild (1./l). Schema einer Stoffbilanz

Es wird angenommen, daß in einem Apparat (Bild 1./1) ein beliebiger Prozeß abläuft. In diesen Apparat gelangen die am Prozeß teilnehmenden Komponenten A, Bund C, das können Gase, Dämpfe, Flüssigkeiten oder Feststoffe sein. Nach Ablauf des Prozesses im Apparat erhält man die Stoffe D und E. Die Gesamtmasse der eintre- tenden Stoffe kann weder größer noch kleiner sein als die der austretenden. Das geht aus dem Satz von der Erhaltung der Masse hervor. Aus dem Dargelegten folgt die Gleichung

(1./1)

wobei mA , mB, mc, mD und mE die Massen der Komponenten A, B, C, D und E darstellen. Die Gleichung trägt die Bezeichnung Stoffbilanz.

Kontinuität

des

Stromes

fließender

Für Systeme, die sich in Bewegung befinden (fließende Systeme), wird das Gesetz von der Erhaltung der Masse durch die Kontinuitätsgleich'llng dargestellt. Für zwei Querschnitte A 1 und A 2 eines Apparates (Bild 1./2), in denen die Fließgeschwindig- keiten W1 und W2 betragen, gilt die Kontinuitätsgleichung (bei konstanter Dichte).

(1./2)

Jeder Stoff, der in den Apparat eintritt, ist Träger eines bestimmten Energiebetra- ges. Es wird angenommen, daß sich diese Energie in thermischen Einheiten ausdrückt. Außerdem soll dem Apparat von außen die Energie Qn, z. B. in Form elektrischer Beheizung, zugeführt werden. Im Ergebnis des Prozesses, der in dem Apparat.abläuft, soll außerdem eine bestimmte Wärmemenge Q 1 entstehen. Bei der Durchführung des Prozesses wird der Teil Qv als Verlustwärme an die Um- gebung abgegeben (Bild 1./3). Auf der Grundlage des Gesetzes von der Erhaltung der Energie kann man schreiben :

(1./3)

Bild

(1./3).

QA,

Qs

und

Schema einer Energiebilanz

Qc

durch die Komponenten A, Bund C ein-

gebrachte Wärmemengen

Qo

und

QE

mit den Komponenten D

und E

abgeführte

Wärmemengen

 

Qv

an die Umgebung abgegebene Verlustwärme

Qn

von außen zugeführte Wärmemenge

 

Qi

im Prozeß entstehende Wärmemenge

9n

 

ist

eine

Energiebilanzgleichung.

Meist

stellt

sie

eine

Wärmebilanz-

Gleichung ( l. /3) gleichung dar,

die man gut graphisch darstellen kann.

In Bild

(1./4)

ist der Wärme-

inhalt

aller

Komponenten

Stroms

von A,

B,

durch

C,

den

Wärmestrom

dargestellt.

Dabei

die

die Größe des

Bild

Breite

stellt

(1./4)

Breite deR

D,

E

dar.

und n

Die

E:-;

ist

im bestimmten Maßstab

graphische Darstellung

offensichtlich,

daß

die

in

Wärmeinhalts

auf den

Fall

der Komponenten

bezogen,

daß

Q;

=

0.

ist

summierte

der Ströme

von A,

Bund

C

der von

1>,

E

und n

gleich ist.

Die Stoff-

und Energie-

bilanzgleichungen sind Grundlage der Untersuchung jedes beliebigen technologischen

l")rozt·:--;~t·s.

A

8

c

E

n Bild (1./4).

Graphische

Darstellung einer Wärmebilanz

1.3.2.

Gesetze

vom

Gleichgewicht der Systeme

Der Zustand

eines

Systems

wird wesentlich

wichtszustand bestimmt.

durch

Reine

Entfernung

vom

Gleichge-

Systeme, die sich im Gleichgewicht befinden,

von

bei denen Druck und Temperatur in allen Volumenteilen gleich sind.

ändern

z.

B.

ihren Zustand in Abhängigkeit

Systeme

(Gas,

Flüssigkeit),

der Zeit nicht.

Solche Systeme

sind

iRotrope

Um

ein

solches

System

aus

dem

Gleichgewichtszustand herauszuführen,

ist

ein

Einfluß vonaußen notwendig, z.

Bei ingenieurtechnischen

B. durch mechanische

ist

eine

der

oder thermische Einwirkung.

Fragen

die,

in

welche

Aufgaben

wichtigsten

Richtung

das Gleichgewicht dem

äußeren Einfluß ausweicht. Untersuchungen dieser

Art

bedienen sich

der

zwei

Hauptsätze

der

Thermodynamik

-

dem

Prinzip

von

Le Chaielier

und der

Gibbsschen

PhasenregeL

Entsprechend dem Prinzip

von

LeChatelier

gehen in dem aus dem Gleichgewichts-

zustand

herausgeführten

System Veränderungen

vor sich,

deren

Wirkung

der

das

Gleichgewicht

verschiebenden

Kraft

entgegengesetzt wird.

Wendet

man

das

Le

ChatelierROhf:'

Prinzip auf konkrete

ProzeRse

an,

kann man

feststellen, welche

Para-

Yerfahrenslcchn.

Grundlagen

17

meter zu

verändern

sind,

um die

für einen Herstellungsprozeß

notwendigen

Verän-

derungen im Systemzustand hervorzurufen.

Die

Gibbssche

Phasenregel

drückt den Zusammenhang

zwischen

der Zahl

der Kom-

ponenten Keines SystemR,

der Zahl der Phai'\en

f und der Zahl der FreiheitRgrade

S

des

SystemR aus.

S=K-/+2

(1./4)

Die

Phasenregel

gestattet

eR,

die

Zahl

der

Veränderlichen

festzustellen,

die

das

Gleichgewicht deR SyRtems beRtimmen,

d.

h.

die frei

gewählt werden können.

Solche

Veränderliche

können Druck, Temperatur und Konzentration

d1~r

Komponenten

deR

Sy.;;temR Rein.

 

1.3.3. Gesetze der Übertragung und das Prinzip der Triebkraft

Zur

Intelli:ÜVierung

der

Produktion

ist

es

notwendig,

die technologiRchen

Prozesse

mit

möglichRt

großer

Geschwindigkeit

ablaufen

zu

laRsen.

Die

Kinetik

vieler

Pro-

jedoch

heute mit ausreichender Genauigkeit bestimmen. Bei der Betrachtung verRchiedener

oder

ze,;se

ist

ungenügend

daß

unterf>ucht,

ihre

Ablaufgef>chwindigkeit

Wärme-

und

kann

man

Prozesse (hydrodynamische

festgestellt werden,

Prozesse

StoffauRtausch)

konnte

ihre kinetischen Gleichungen analog sind.

Für thermische Prozesse hat die kinetische Gleichung, wie Rie au,; der Thermokinetik

bekannt ist,

folgende~

dQ

Adt

=

K

LI

AusRehen:

T

= ~

R

LI

T

'

(l./5)

Q

Wärmemenge in kJ

A

Wärmeaustauschfläche in m2

t

Zeitins

LIT

Triebkraft des WärmeübergangRprozeRf\eR,

Temperaturdifferenz in K

K

Koeffizient deR Wärmedurchgang,; in W

m-2

K-1

R

=

1/K Wärmeübergangswiderstand,

Kehrwert von

K

Für Stoffaustam;chprozesse hat die kinetiRche Gleichung daR analoge AuRRehen:

(1./6)

dm die MasRe des in der Zeiteinheit dt übertragenen StoffeR in kg

A

die

StoffauRtauRchftäche in m2 ,

t

Zeitins

LI

C

Triebkraft des Stoffübert.ragungRprozeRReR ,

 

Konzentrationsdifferenz in kgfm3

K'

Koeffizient. der Stoffübertragungsintensität in -

 

m

R'=1/K'

StoffübertragungswiderRtand,

Kehrwert von

K'

2

kkg

-

·R·

1

-

-

gm

3

;

Für hydrodynamische

Prozesse, z.

B.

die

Filtration, kann

in folgender Form geschrieben werden:

V Filtratvolumen in m3

A Filteroberfläche in m2

Llp

Triebkraft des Prozesses, Druckdifferenz in Pa

die kinetische Gleichung

(1./7)

Rh

hydraulischer Filterwiderstand in Pa· m2 · sjm3

 

kh

Übergangskoeffizient des Filtermittels,

zu

K

bzw.

K'

analoge

Größe

Es können also alle betrachteten kinetischen Gleichungen auf die einheitliche Form

I

=

l· X

zurückgeführt werden.

I Ablaufgeschwindigkeit des Prozesses

X

Triebkraft

des Prozesses,

immer

durch

Temperatur, Konzentration)

dargestellt

Übergangskoeffizient,

skalare

Größe, die

die Differenz von

Größen (Druck,

für

den

betrachteten

Prozeß cha-

rakteristisch ist und den Kehrwert des Übergangswiderstandes darstellt

Auf die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, die die Einheit der materiellen Welt wider-

spiegeln, verwies

lichen

Klassen von Erscheinungen gehören".

Diese

,offensicht-

verschiedenen

illustriert überzeugend

W.

I.

der

Lenin:

"Die

Einheit der Natur läßt

beobachten,

sich

die

in

zu

der

Analogie'

Differentialgleichungen

AussageLenins

die Gesetze der Kinetik technologischer Prozesse.

Die Analyse

der kinetischen Gleichungen zeigt auf das allgemeine

Prinzip der Pro-

zeßintensivierung;

um die Prozeßgeschwindigkeit zu erhöhen,

muß

die

Triebkraft

verstärkt und der Widerstand verkleinert werden.

Die

Triebkraft ist bei der Betrachtung jedes beliebigen Prozesses entscheidend.

Sie

stellt einen Potentialunterschied dar,

der für jeden Prozeß

charakteristisch ist.

Die

Triebkraft

eines Prozesses

kann

aus

zwei

Größen bestehen,

wenn

sich

der

Prozeß

unter

dem

Einfluß

von

zwei

Faktoren,

z. B.

Diffusion

und

Wärmeübergang,

ent-

wickelt.

In

diesem

Fall

steht

der

Prozeß

unter

dem

Einfluß

der

zahlenmäßigen

Größe

sowohl von

L1

C als

auch

von

L1

t. Ein

solcher Fall

wird

unter

Abschn.

5.3.

betrachtet.

Die

Stoff- und Wärmeaustauschs bezeichnet man als

Einheit der kinetischen

Gleichungen hydromechanischer Prozesse

Dreifachanalogie.

und

der

des

1.3.4.

Prinzip der Optimierung des Prozeßverlaufs

 

Im Buch

"Materialien und Prozesse der chemischen Technologie"

schrieb Akademie-

mitglied

D.

P.

Konowolow:

"Eine

der

Hauptaufgaben

der

chemischen Technologie,

die sie

Verlaufs

von der

einer

(reinen) Chemie

unterscheidet,

ist die

Bestimmung des

günstigsten

Operation

und

ihrer

Projektierung

entsprechend

den

industriellen

Apparaten und mechanischen Ausrüstungen".

Bei

der

Gestaltung

eines beliebigen Prozesses bestehen

immer

mehrere Lösungs-

varianten.

Eine

davon

ist die zweckmäßigste.

Die Auswahl

dieser zweckmäßigsten

Variante des Prozcßablaufs bezeichnet man als

Optimierung.

Als Kriterium der Optimienmg wird häufig das Minimum an Zeit und Aufwendungen für die Herstellung des Produkts gewählt. Dieses Kriterium ist aber auch verbunden mit den Kosten für Energie, Arbeitskraft und Material, wodurch es eine gewisse Unbeständigkeit erhält. Optimierung führt zur Auftindung des günstigsten Kompro- misses zwischen den Werten der Parameter, die den Prozeß gegenläufig beeinflus- sen. Ein Minimum an Kosten wird durch die Auswahl eines zweckmäßigen Prozeß- verlaufs und einer ebensolchen apparatetechnischen Durchführung erreicht. Jeder Prozeß fordert individuelles Herangehen, jedoch gibt es einige allgemeine, univer- selle Lösungen, die im folgenden Text dargestellt werden .

1.3.4.1. Kontinuität des Prozesses

Die Prozesse werden unterteilt in kontinuierliche und periodische. Historisch gesehen, kommen die periodischen vor den kontinuierlichen. Das wird meistens mit dem kleineren Umfang der früheren Produktion erklärt, denn beim Übergang zur Groß- produktion beobachtet man eine starke Tendenz zu kontinuierlichen Prozessen. Schon D. I. Mendelejew verwies auf diesen Umstand und erwähnte folgende Vorteile einer kontinuierlichen Produktion:

Verringerung des Aufwands an menschlicher Arbeit, verbesserte Material- und Energieökonomie. Man kann heute hinzufügen:

Verringerte Abmessungen der Ausrüstungen bei gleicher Produktivität, Erleichterung von Kontrolle und Automatisierung, Verbesserung des Arbeitsschutzes, Stabilität des technologischen Ablaufs und der Qualität des erzeugten Produktes.

1.3.4.2. Richtungsbezug sich austauschender Ströme

Bei der Realisierung von Austauschprozessen im kontinuierlichen Strom Rind ver- schiedene Richtungen der in Wechselwirkung tretenden Ströme möglich:

Parallelstrom, Gegenstrom und Kreuzstrom (Bild 1./5).

a

+

Bild (l./5). Stromrichtungen (a) Gegenstrom (b) Parallelstrom (c) Kreuzstrom

Eine Analyse des Wärme- und Stoffaustauschs im kontinuierlichen Strom zeigt, daß in der Regel der Gegenstrom den günstigsten Prozeß erlaubt. Deshalb ist bei Aus- tauschprozessen im kontinuierlichen Strom der im Gegenstromprinzip realülierte optimal.

1.3.4.3.

Erneuerung der Phasenkontaktflächen

Bei Austauschprozessen verläuft der Austausch um so intensiver, je enger der Kon-

ge-

wesene Elemente des Mediums aufeinandertreffen. Deshalb ist bei der Konstruktion

optimal,

takt der

sich

austauschenden Medien

für

den Stoff-

ist und je

öfter

"\?"orher nicht

in Kontakt

von Ausrüstungen

und Wärmeaustausch diejenige Variante

die eine turbulente Arbeitsweise vorsieht und eine maximale Durchdringung der sich

berührenden

Medien

bei kontinuierlicher

Erneuerung

der

Kontaktflächen

gewähr-

leistet.

1.3.4.4.

Stufenweise Nutzung von Wärmeträgern

 

Bei einem bedeutenden

meenergie

Teil der Prozesse in der Lebensmittelproduktion muß

herangeführt werden.

Der

Wär-

an