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vps - umfrage

VPS-Umfrage bei Stiftungsräten nicht gross an, denkt oder hofft aber zu-
mindest, dass er doch irgendwie geschätzt
und anerkannt würde. Eine Visitenkarte mit

Auf der Suche nach


der Funktion gibt es auch nur gerade bei
7 Prozent der Befragten.
Wie beurteilen die Stiftungsräte unter
den gegebenen Umständen ihr Amt? Gut

einer Plattform
die Hälfte (53 Prozent) sprechen von einer
«interessanten Aufgabe», was viel und
nichts besagt. Als «grosse Belastung»
empfinden es wenige. Auch nur eine Min-
Der Stiftungsrat als oberstem paritätischem Organ der Vorsorgeeinrichtung derheit empfindet, dass ihre Aufgabe eine
«Ehre» darstellt. Mit anderen Worten, man
nimmt eine zentrale Stelle innerhalb der 2. Säule ein. Wie weit diese Stif-
gibt sich distanziert und hält das Engage-
tungsräte ihrer anspruchsvollen Aufgabe auch wirklich gewachsen sind, ist ment in Grenzen.

eine stets aufs Neue und mit unterschiedlichem Tenor diskutierte Frage. Nötiges Netzwerk
Findet die Diskussion demnach im en-
Die Umfrage des VPS regt dazu an, sich Stiftungsräte von Interesse, weil dieses gen Kreis der Pensionskasse selber oder
mit der Situation der Stiftungsräte aus nämlich die grundlegende Rechtfertigung bestenfalls der Unternehmung statt? Das
neuer Perspektive auseinanderzusetzen. für das Gremium bildet. Der Gesetzgeber scheint so nicht der Fall zu sein. Gut drei
Deutlich wird, dass ohne einen verbes- hat nicht zufällig die «Erst- und Weiterbil- Viertel der Befragten geben an, Stiftungs-
serten Auftritt in der Öffentlichkeit ihre dung» als Pflicht der Kassen für ihre Stif- räte anderer Vorsorgeeinrichtungen zu
Stimme auch nicht gehört werden kann. tungsräte in das BVG aufgenommen. kennen und von diesen pflegen eine deut-
Es ist erfahrungsgemäss ein schlechtes Die VPS-Umfrage hat erstmals die liche Mehrheit von über 80 Prozent zumin-
Zeichen, wenn Stiftungsräte (SR) in die ­Situation der Stiftungsräte detaillierter dest einen gelegentlichen Erfahrungsaus-
Schlagzeilen geraten. Die Erfahrung lehrt, ­unter die Lupe genommen und dabei tausch. Bemerkenswerterweise äussern
dass dann irgendetwas schief gelaufen ist. ­diesem Aspekt der Ausbildung sowie der auch zwei Drittel von jenen, die keine an-
«No news is good news» trifft hier unzwei- Selbsteinschätzung der SR breiteren Raum deren Stiftungsräte kennen, das Bedürfnis
felhaft zu. Der Stiftungsrat soll im Hinter- gegeben. Zur Sprache gekommen ist aber und das Interesse an einem Austausch.
grund still und unauffällig seine Funktion auch, ob allenfalls ein Bedürfnis nach wei- Vielleicht liegt an dieser Stelle der
erfüllen. Er ist nicht geschaffen für den ter gehender, sozusagen flankierender Schlüssel zu einer Aufwertung der Funk-
Auftritt im Rampenlicht. Doch selbst das Begleitung und Beratung erwünscht sei. tion als Stiftungsrat. Als einzelne Vertreter
kann unter Umständen nicht vor Beschimp- 82 Prozent lehnen ein solches Angebot einer Vorsorgeeinrichtung treten sie nicht
fungen schützen. Man erinnert sich an den dankend ab. Dass solche Ideen nicht un­ Erscheinung und sollten dies auch nicht.
selbstherrlichen Auftritt des Herrn Grete bedingt auf Begeisterung stossen, kann Fehlt aber eine verbindende Institution und
(früherer VR-Präsident des AHV-Ausgleichs- eigentlich nicht überraschen. Es stellt sich ein gemeinsamer Auftritt, werden sie in
fonds) vor den Medien, als diese dem aber die Frage, ob nicht andere Formen der Öffentlichkeit nur als wenig bekannte
Phantom-Skandal namens Swissfirst hin- der Zusammenarbeit und des Informa­ und anonyme Gesamtheit wahrgenom-
terher hechelten und für jeden markigen tionsaustauschs gesucht werden könnten, men, über die bei Gelegenheit beliebig
Wort dankbar die Frontseiten widmeten. die sowohl dem einzelnen Stiftungsrat be- abgeurteilt werden kann, wenn dies die
Grete gab damals auf die Frage, welche ziehungsweise der einzelnen -rätin und der Aktualität oder der politische Zweck ge-
Gremien denn versagt hätten, im «Blick» Institution generell zum Vorteil gereichen rade nahelegen.
zum Besten: «Das Problem liegt allein in könnten.
der mangelnden Führung der Pensionskas- So wurden die Stiftungs-
sen. Das Kernproblem sind die Stiftungs- räte auch gefragt, ob ihrer Autor
räte. Da sind Stümper am Werk, die von Meinung nach ihre Tätigkeit in
Peter Wirth
der Materie nichts verstehen.» der Öffentlichkeit gewürdigt Geschäftsführer
würde. Immerhin konnte eine Vorsorgeforum
Imageprobleme Mehrheit von 55 Prozent sich
Man täte den unqualifizierten Äusse- hier zu einem Ja durchringen.
rungen des Herrn Grete zuviel der Ehre an, Gleichzeitig sagten aber auch
wenn man nochmals detaillierter auf sie 62 Prozent, dass die Verwand-
eingehen würde. Sie sind einzig als Hin- ten und Bekannten von dieser
weis auf allfällige Imageprobleme und ins- Tätigkeit nichts wüssten. Man
besondere das Kompetenzerfordernis der gibt wohl mit diesem «Job»
A kzent

Ohne eine bessere Verankerung des Fehlende Lobby Eine solche, zeitgemässe Plattform
Stiftungsrats im Bewusstsein der Öffent- Das hat auch damit zu tun, dass die könnte auch geeignet sein, das offensicht-
lichkeit und insbesondere der Versicherten Interessen der Stiftungsräte von keiner lich nicht eben berauschende Image der
bleibt dessen zentrale Funktion auch poli- Stelle zentral vertreten würden. Wäre also Stiftungsräte aufzupolieren. Ein verbes-
tisch ohne Wirkung. Es ist ja nicht so, dass ein Verband der Stiftungsräte zweckmäs- sertes Image dürfte aber ausschlagge-
der Gesetzgeber mit Verweis auf die Kom- sig? «Verband» tönt schwerfällig. Zu fragen bend sein bei der Rekrutierung junger und
petenz der Stiftungsräte an irgendeiner wäre auch, wie Arbeitgeber- und Arbeitneh- engagierter Versicherter für diese Auf-
Stelle von einer detaillierten Regelung im merstiftungsräte gemeinsam organisiert gabe. Sie könnte auch dazu beitragen,
Bereich der beruflichen Vorsorge abgese- werden könnten. So geht unser Vorschlag bestehende Gräben zwischen den Sozial-
hen hätte. Er hat im Rahmen der BVG-Re- in eine andere, weniger politisch dominierte partnern wenn nicht ganz zuzuschütten,
vision lediglich dessen Verantwortlichkeit und eher funktionale Richtung. Zu denken so doch etwas zu verkleinern. Die beruf-
nochmals unterstrichen, ohne gleichzeitig wäre beispielsweise an eine Plattform, vor- liche Vorsorge ist nämlich der falsche Ort,
seine Kompetenzen auszubauen. So ist teilhafterweise im Internet, die nicht nur um sozialpolitische Richtungskämpfe aus-
der SR zwar verantwortlich für das finan- gegen aussen einen gemeinsamen Auftritt zutragen.
zielle Wohlergehen der Vorsorgeeinrich- der Stiftungsräte er­lauben würde, sondern Hat eine (möglichst neutrale) Stelle ein
tung, aber die massgeblichen Parameter gleichzeitig als zeitgemässes Instrument solches Projekt erst einmal auf die Schiene
wie Mindestzins und Umwandlungssatz des offenbar ­ erwünschten, aber gegen- gesetzt, eröffnen sich unmittelbar neue
werden obrigkeitlich festgelegt – natürlich wärtig nur sporadisch bestehenden Aus- Ideen und Möglichkeiten, die es in ihrer
ohne dass Bundesrat oder Parlament für tauschs unter­einander dienen könnte. Ein Tragweite dann noch abzuklopfen gilt. Mit
ihre Entscheide irgend eine konkrete Ver- «Facebook» sozusagen für die Pensions- der VPS-Umfrage wurde ein erster Schritt
antwortung dafür tragen müssten. Es ist kassen. In einer solchen Umgebung getan, das Thema «Stiftungsrat» im grös-
auch nicht bekannt, dass sich in Bern in könnten sich dann auch Meinungen formie- seren Zusammenhang öffentlich zur Dis-
dieser Frage schon irgendjemand für die ren, welche ohne zusätzliche Administra- kussion zu stellen. Weitere Schritte drän-
Meinung von Stiftungsräten interessiert tion in die Politik einfliessen könnten. gen sich auf.  n
hätte.