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Mittwoch 15.04.

1998

Mephisto hat die Hand im Spiel


Es war einmal - nein!, nicht der Osterhase. Wer die Mr vom Meister
Lampe satt hatte und auch von Eiern nichts mehr hren wollte, der war
am Wochenende in der Saarbrcker Kneipe Perspektive 1 auf der
richtigen Fhrte. Bei Kerzenschein trug der Schauspieler Steffen Gresch
an drei Abenden schn-schaurige Mrchen aus aller Welt vor. Den
Anfang machten am Karfreitag drei Geschichten aus Ruland,
Rumnien und Siebenbrgen von Teufeln und vom Feuer. "Ich denke,
das ist ein gute Gegenbesetzung zum kirchlichen Fest," hatte sich
Gresch als Erklrung fr seine Themenwahl berlegt. Auerdem: Auch
Goethes Faust luft auf dem Osterspaziergang nicht etwa ein Hase,
sondern Mephisto in Pudelsgestalt ber den Weg. Im rumnischen
Mrchen von den sieben Brdern und ihrer Schwester bringt letztere just
an Karfreitag einen Ziegenbock zur Welt, der sprechen kann und Gold
und Silber frit. Klar, da hatte der Teufel seine Hand im Spiel. Von ihm
waren die armen Musikanten-Brder mit einem Schlo samt Schtzen
beschenkt worden, unter einer Auflage: Sie durften ihrer Schwester nicht
erlauben, sich zu verheiraten. Die aber hat nun mal ihren eigenen
Willen. Wie die Geschwister den Hllenherrn austricksen, ist nur die
erste Hlfte dieser eher amsanten als schrcklichen transsylvanischen
Story, deren zweite fast schon wieder eine neues Mrchen darstellt: Da
begibt sich die kleine Schwester des Ziegenbocks auf eine Reise durchs
Nebelland, dessen Knig wei, wie der Bruder zu erlsen ist. Unterwegs
begegnet sie einem lahmenden Fuchs, einem Raben mit Entenfu und
einem Herrn mit verhlltem linkem Bein. Warum hat Goethes Pudel
eigentlich nicht gehinkt?sbu