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Gattungsbestimmung des Taugenichts

1. Die Novelle
◦ Begriff: it. novella = Neuigkeit
◦ seit der Renaissance als lit. Begriff; Anfänge bei Boccaccios Decamerone
◦ seit 1800 auch in Deutschland Beschäftigung mit der Novelle
◦ Definiton ist schwierig, da nicht alle Merkmale auf alle Novellen zutreffen
2. Versuch einer Gattungsbestimmung:
▪ Kurze (Vers- oder) Prosaerzählung
▪ Geschlossenheit der Komposition und Strenge der Form (straff erzählt, keine großen
Exkurse, Handlung führt meist geradlinig auf den Schluss hin)
=> Verwandschaft mit Drama
▪ Konzentration (beschränkte Handlung, die knapp und straff auf den Höhe- oder
Wendepunkt zuläuft)
▪ Darstellung eines Ergeignisses, das sich so ereignet haben könnte (real vorstellbar)
▪ oft Rahmenhandlung als Begründung der Binnenhandlung (z.B. Schimmelreiter)
typische Merkmale:
Heyse
Storm Vischer
Falkenmotiv: zentrales Leitmotiv, oft
Darstellung einer sich Wendepunkt; Einführung eines
dingsymbol, das alle Erzählzüge
ereigneten, unerhörten neuen, überraschenden
verbindet
Begebenheit Ereignisses
=> ein geschlossenes Ganzes entsteht

3. Nachweis der Novellenmerkmale im Taugenichts


◦ real vorstellbare Ereignisfolge um romantische Liebe
◦ Wendepunkt (entweder in Italien oder bei Auflösung)
◦ Leitmotiv (Geige, Wasser)
◦ Rahmen: Zuhause / Mühle, Ende/ Schloss als Zuhause
◦ Konzentration auf eine Hauptperson und eine Haupthandlung
◦ zeitlich gerafft
◦ Ausschnitt aus dem Leben der Hauptperson
◦ Innere Spannung aus Nähe und Ferne der Geliebten (Fern- und Heimweh)
4. Das Märchen
◦ Happy End
◦ Zahlensymbolik
◦ Held vs. Schurke / einfache Weltordnung: gut vs. böse
◦ Sprechende Tiere / Fabelwesen
◦ Gegenstände mit magischer Wirkung
◦ einfache Bauform
◦ formelhafte Elemente
◦ Held ist meist gewöhnlicher Mensch, häufig arm, der sich in der Bewältigung von
Schwierigkeiten und Prüfungen bewährt
◦ keine Orts- und Zeitangabe
◦ Individualisierung der Person fehlt → kein Name
◦ ursprünglich: mündlich überlieferte, volkstümliche Erzählung
◦ selbstverständliche Mischung von Magischem und Realem
◦ Wiederholungen und Steigerungen
→ für die Romantiker war das Märchen der Inbegriff der Poesie, da sie der Phantasie keine
Grenzen setzen, einen Idealzustand herstellen, Natur und Geisteswelt vermischen
=>Poetisierung der Welt
5. Der Roman
◦ Großform der Erzählkunst und Prosa
◦ umfangreich und vielschichtig
◦ vielfältiges Gestaltungsspektrum (Themen, Personal, behandelte Probleme, Zielsetzung,
Erzählverhalten...)
◦ alles möglich, nicht zu definieren
6. Romanhaftes im Taugenichts
◦ verwirrende Abenteuer in Italien
◦ parallellaufende Liebesgeschichte
◦ Vielzahl an Personen
◦ Taugenichts ist sog. Entwicklungsroman, weil im Mittelpunkt die geistige Entwicklung
steht
7. Taugenichts hat auch Merkmale der Situations- und Typenkomödie: Verwicklunge +
Verwechslungen, Verkleidungen, anonyme Personen)

Der Stil des Taugenichts


1. Prosa
• sehr bildhafte Sprache: ausschmückende, stimmungsbetonte Adjektive, Vergleiche,
Metaphern (dünner Kerl-Ladestock), immer wiederkehrende Symbole (Morgen,
Frühlingsanbruch)
• Eichendorff'sche Formeln: Lerchen, Nacht, Mondschein, wundersam, einsam, fröhlich
• Sprache wirkt schwebend, oft lyrisch, aber trotzdem noch schlicht und naiv
• immer wieder leise Ironie
• liebenswerter Humor, ab und zu skuril oder grotesk (Ausdruck dafür, dass die vom
Taugenichts erlebte Glückswelt nicht mit der durch die französische Revolution
veränderten Realität vereinbar ist
2. Lieder
• typisch Romantische Elemente
• keine Anhängsel, sondern Substanz und Seele der Erzählung
• wachsen wie von sich selbst aus der Situation heraus
• haben die Funktion von Leitmotiven
• schlagen bestimmte Hauptthemen an, verdichten und variieren sie
✗ Wanderschaft und Aufbruch in die Ferne – Wem Gott will rechte Gunst erweisen
✗ Bekenntnis der Liebe zur gnädigen Frau – Wohin ich geh' und schaue
✗ Ausdruck von Stimmungen – Wer in die Fremde will wandern
✗ Ausdruck der Verbundenheit mit der Natur – schweigt der Menschen laute Lust

Joseph Görres: Volkslied und Volkssage


in der Romantik:
✗ Besinnung auf die eigene, nationale Vergangenheit und Hinwendung zur sog. Volkspoesie
✗ Ausweitung des Literaturbegriffs
✗ Volkslieder und Volkssagen:
◦ Ausdruck der ursprünglichen, schöpferischen Genialität des Volkes
◦ ungekünstelte, naive Naturwerke
◦ über Generationen tradiert
✗ Lehre vom „Volksgeist“: Sprache und Kultur drücken Geist des jeweiligen Volkes aus
✗ Entdeckung der Sprach- und Kulturwissenschaften
→ Sammlung von Volksdichtung
▪ Liedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ von Clemens Brentano und Achim von
Arnim
▪ „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm
Sammlung deutscher Sagen
→ Erforschung der deutschen Sprache und Literatur
▪ Entstehung der Germanistik (Sprachwissenschaften)
▪ „Deutsches Wörterbuch“ der Brüder Grimm zur Dokumentation der
Sprachentwicklung / Sprachgeschichte

Poesie hat sich von selbst geäußert in


VOLKSLIED und VOLKSSAGE
• Naturweke (ungekünstelt, ohne Vorsatz, ohne • Ausdruck eines epischen Naturgeistes
Überlegung) (Ausdruck der Anschauung der Welt)
• Ausdruck der dem Volk innewohnenden • druch Tradition von Generstion zu Generation
Genialität weitergegeben
• charakterisiert durch Naivität und Unschuld • durch Gesangsform (Liedform) vor dem
• Ausdruch des im Volk verborgenen lyrischen Untergang bewahrt
Geistes • einer ursprünglichen Epoche des Volkes
• Offenbarung der inneren Begeisterung entsprungen (Nationenursprung)

Jakob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch (Vorrede)


• Sprache bewahren
• Bildung für alle
• Adressaten: Wissenschaftler und das einfache Volk → Verbindung aller gesellschaftlichen
Schichten
• Quelle des Austausches und Geprächs der Menschen über Sprache
• Sprache = Verbindendes Element für Menschen
• Sprache = Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart
=> allumfassend, Vorstellung von Universalpoesie
• Betonung der Ursprünglichkeit in der Poesie (Anknüpfen an das Wissen des einfachen
Menschen)
• Sprache / Interesse an Sprache als verbindendes Phänomen über gesellschaftliche Grenzen
hinweg
• Sprachinteresse = Interesse an Poesie
Bedeutungswandel des Wortes „Volk“
• zunächst für die Gesamtheit der Untertanen gebraucht
• für Volksstamm, Nation und soziale Unterschicht (Synonym für Pöbel)
• Aufwertung ab der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts; Grund: zeitgeschichtliche Einflüsse
(nationales Bewusstsein erwacht, Kampf gegen Napoleon, Einheitsbestrebungen)