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Ich wei es

"Du weit ja nicht, wie das ist!" Ach, so ist das, ich wei nicht wie
das ist. Wenn das so ist...
Ich drehe mich um und laufe ber die Schneebedeckte Strae,
fallende Schneeflocken glitzern im Licht der Straenlaternen. Ich
versuche meine Trnen zurck zu halten. Warum eigentlich? Es ist
zu dieser Zeit eh keiner auf der Strae.
Ich wei es nicht, ich wusste es nie. Woher sollte ich es auch
wissen?
Ich lasse meinen Trnen freien lauf, renne durch die Gassen. Ich
wei nicht wohin ich laufe, das ist mir auch im Moment vllig egal.
Vor einer Wand komme ich zum stehen, das Ziehen in meinem
Bauch wird immer strker. Schwer atmend drehe ich mich um und
laufe wieder los. Laufen ist gut, laufen ist immer gut.
Ich komme wieder zum Stehen, sehe in den Bach vor mir. Das
Wasser ist klar, man kann die verschwommene Spiegelung des
Nachthimmels darin erkennen. Ich beuge mich weiter vor, bis ich
einen schwachen Umriss meiner selbst in dem Bach erblicke. Ich
wei es nicht, ich will es nicht wissen. Wut flammt in mir auf, ich
schlage in meine Spiegelung und laufe wieder los.
Pltzlich hre ich Schritte hinter mir, bist du das? Ich will dich
nicht sehen.
Meine Beine tragen mich noch schneller durch die dunkle Stadt. Es
wird noch ein paar Stunden dauern, bis die Sonne aufgeht und die
Leute aus ihren Husern kommen um zur Arbeit zu gehen, bis
dahin bin ich alleine. Ich geniee diese Vorstellung und das ziehen
in meinem Bauch beginnt zu verschwinden.
Ich brauche niemanden, keiner soll mich stren!

Ich entdecke ein hell erleuchtetes Fenster. Eine alte Frau steht
darin und schaut mich mitleidig an. Ich brauch sie nicht, ich laufe
einfach weiter und verschwinde hinter der nchsten Hausecke.
Wieder hre ich dich, du rufst nach mir, sagst es wrde dir leid
tun, du httest es nicht so gemeint. Es ist mir egal wie du es
gemeint hast, du hast es so gesagt, du hast mir weh getan.
Wtend will ich noch schneller laufen, doch pltzlich renne ich
gegen etwas weiches.
Du nimmst mich in die Arme, sagst mir es tte dir leid, behauptest
du wrdest mich lieben und ich glaube dir jedes einzelne Wort.
Warme Trnen rollen ber deine Wangen und landen schlielich
auf meinem T-Shirt. Du bemerkst mein Zittern, noch bevor ich es
berhaupt registriere, und reichst mir deine Jacke. Leise flstere
ich: "Ich wei
wie es ist Angst zu haben..." Und du nimmst mich einfach fest in
die Arme.
Warum bin ich nur vor dir weggerannt?