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28. Ausgabe Mai 2016
28. Ausgabe
Mai 2016
2

Inhaltsverzeichnis

Editorial

4

Zeitreise in das Jahr 1897

5

Im Gespräch mit Frau Prof. Halin

12

RAUSCH – Die Kraft der Kräuter

18

Ein Nachmittag zwischen alten Tinkturen und Bären:

das Pharmazie-Historische Museum Basel

24

Seminarweek 2016 “For a Healthier Future” Interlaken

26

Rebus zur aktuellen Ausgabe

30

Erdbeerkonfi – das einfachste Rezept der Welt

33

Berühmte Apotheker

37

Perspektivenwechsel in der Pharmazie

42

Tonikum Wolfgang-Pauli-Strasse 15 HIL Postfach 135, 8093 Zürich tonikum@apv.ethz.ch www.apv.ethz.ch

Redaktionsteam

Viktoria Gastens

Chefredaktorin

Simone Berger

Vize-Chefredaktorin

Olivia Hagedorn

Reporterin

Camilla Massoudi

Reporterin

Matthias Pracht

Layouter

Impressum

Reporterin Matthias Pracht Layouter Impressum Selina Bieri Lektorin Geraldine Levy Lektorin

Selina Bieri

Lektorin

Geraldine Levy

Lektorin

Justine Räber

Lektorin

Editorial

Such‘ nicht immer, was dir fehle; Demut fülle deine Seele. Dank erfülle dein Gemüt. Alle Blumen, alle Blümchen und darunter selbst ein Rühmchen haben auch für dich geblüht. - Theodor Fontane

Wusstest du, dass diese Zeilen von einem Apotheker stammen? Simone hat in dieser Ausgabe Beispiele von berühmten Persönlichkeiten zusammengetragen, deren über- raschende Gemeinsamkeit das Pharmaziestudium ist. Würdest du es gerne Marty McFly gleich tun und eine Zeitreise wagen? Eine Bierzeitung aus dem APV-Archiv bietet Einblick in das Studentenleben zu der Zeit von Theodor Fontane. Für diejenigen, die nicht nur literarisch in die Vergangenheit eintauchen möchten, hat Camilla das Pharmazie- Historische Museum der Universität Basel unter die Lupe genommen. Neben einer Zeitreise in die Vergangenheit wagen wir in dieser Ausgabe auch einen Blick in die Zukunft: Die Studiendirektorin und Professorin für Pharmazeutische Immunologie, Frau Professor Halin, sprachmitunsüberihreForschungund die Zukunft des Pharmaziestudiums als Folge der Studiengangsrevision. Mit Professor Gerd Folkers stellen wir nicht nur einen aussergewöhnlichen Werdegang eines Pharmazeuten vor, sondern hatten die Möglichkeit Fragen an den Koordinator der Critical Thinking -Initiative und Präsidenten

des Schweizerischen Wissenschafts- und Innovationsrates zu stellen. Wie du sicher schon bemerkt hast, gehört eine Probe der Firma RAUSCH zum Umfang dieser Ausgabe. In unserer Firmenportrait-Reihe stellen wir dieses Mal das naturnahe Kreuzlinger Haarpflege-Unternehmen vor. Es steht nicht nur die Prüfungs- vorbereitungszeit vor der Tür, sondern auch die Hochsaison der Erdbeeren. Wer sich eine genussvolle Pause im Namen der Erdbeere gönnen möchte, findet im Artikel über Das einfachste Rezept der Welt Wissenswertes rund um Erdbeerkonfi. In ihrem letzten Artikel berichtet Olivia über die diesjährige Seminarwoche unter dem Motto „For a Healthier Future“. Olivias Artikel haben über viele Jahre das Tonikum bereichert – vielen Dank! Umso mehr freuen wir uns über Rückmeldungen und kreativen Zuwachs. Melde dich unter tonikum@apv.ethz.ch!

Ich

Zeitreisen!

wünsche

viel

Freude

beim

! Ich Zeitreisen! wünsche viel Freude beim Viktoria Gastens Chefredaktorin Tonikum Das gesamte

Viktoria Gastens Chefredaktorin Tonikum

Das gesamte Tonikum-Team wünscht dir starke Nerven und viel Erfolg in der Prüfungs(vorbereitungs)zeit!

APV-Archiv

Zeitreise in das Jahr 1897

Viktoria Gastens. Die älteste Zeitung aus dem APV-Archiv stammt aus dem Jahr 1897. Der Vorläufer des Tonikums gewährt Einblick in eine Botanik-Ex- kursion des vorletzten Jahrhunderts.

zur Ruhe, und nur das dumpf dahin- rollende Rasseln der Räder, und nur das hie und da ängstlich ertönende Schnarchen Einzelner, durchbrach die lautlose Stille der Nacht. […] Weitaus am meisten imponirte und entzückte Alle ein in roten Pantoffeln spazieren- der Herr, der jedenfalls schon viel ge- reist sein muss, was man auch seiner Reisemütze ansehen konnte. Aber noch viel praktischer schien uns ein Herr zu sein, der sich gegen eventuel- len Steinschlag gegen die Waden, da- durch zu schützen suchte, dass er ei- ner Mumie gleich seine Spatzenbeine mit Loden umkleidete. Forts. folgt

„Da an der eidg. polytechnischen Schule der Usus eingerissen ist, an Pfingsten, anstatt Familienbummel zu machen, die Schüler noch mehr der Obhut der Eltern zu entziehen, so wurde auch dieses Jahr wieder eine ganze Anzahl halb u. ganz mündiger Jünglinge in’s Wallis geschleppt, nach- dem sich allerdings die Eltern versich- tert hatten, dass dem Söhnlein unter der bewährten Leitung der Herren Professoren Schröter und Keller nebst Hilfspersonal nichts passieren wür- de. […] Leider führten sich gleich von Anfang an einige Theilnehmer sehr emanzipirt auf, indem sie anstatt zu schlafen sich dem unwürdigsten aller Spiele, dem Jass, hingaben und hie und da einem bessern Fläschlein den Hals brachen. Auch sie kamen endlich

[…] Anzeige u. Empfehlung. Ich zeige hiermit an, dass ich mich als Schnellphotograph in Sitten nieder- gelassen habe. Sollten sich geehrte Herrschaften bei mir sich photogra- phiren zu lassen die Absicht haben, werde ich gerne bereit sein, dieselben sehr nett abzucontrefeien. Allerdings müssten sich die Herren verpflichten den Kasten hie und da selbst zu tragen. Höfliger, Mädchen für Alles & Photo- graph Anzeige . Ich möchte natürlich nicht, dass man mich als Salongigerl ansieht, wenn ich in neuem Hemd besser aussehe als meine Fahrtsgenossen. Facultätsbenjamin.

Eine Bierzeitung ist es eine humo- ristische Studentenzeitung anläss- lich einer bestimmten Festivität. In diesem Fall ist der Anlass eine Bo- tanik-Exkursion von ETH-Studenten und Professoren verschiedener Fach- bereiche am Pfingstwochenende 1897. Aus Gründen der Lesbarkeit wurde die Bierzeitung abgetippt und gekürzt. Ursprünglich umfasst diese 22 Seiten. Die fettgedruckten Begrif- fe sind am Ende des Artikels erklärt.

Willkommen im Jahr 1897!

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Zu vermiethen. Da ich mehrere sehr grosse Botanisir- büchsen besitze, möchte ich Theilneh- mer an der Excursion ersuchen, die nur Büchsen ganz kleinen Formates besitzen, sich bei mir zu melden. Der Miethspreis ist so gering, dass jeder ge- gen Vorweisung seines guten Namens eine solche gratis bekommen kann. Prof. Schröter.

II. Tag. Meine Herren! Sie haben sich gründ- lich getäuscht, wenn sie glaubten, dass bei Regenwetter es unmöglich sei, eine Fortsetzung der Bierzeitung zu schreiben und wenn auch Kaltwas- serkuren der Gesundheit sehr zuträg- lich sein sollen, so verträgt sich dies absolut nicht mit den Principien der Gesellschaft zum fidelen Aesculap, sondern im Gegenteil! […] Der Aufstieg zu dem entzückend ge- legenen, den Dorfplatz und schönen schmuckenden, angenehm von rau- penzerfressenen Bäumen beschat- teten und durch herrlich gepflegte officinelle Pflanzen aufweisenden Gärten, begrenzte, liebliche Vex ge- lang ohne weitern Zwischenfall. […] Klapphornverse. Zwei Knaben zogen in’s Wallis Der andere davon Keller hiess, Der erste aber Schröter, Das war der Ober-Leiter! [ Telegramm. Wetterprogrognose von Sitten aus: Montag 7.VI.97 Wahrscheinlich Regen, wenn nicht, so habe ich mich getäuscht. Prof. Wolf.

]

Wetterprognose v. Zürich:

Niederschläge im Wallis grandios. Arme Polytechniker.

Billwiler [

]

3.ter Tag. Unsern Gruss Zuvor! Die Redaction ist leider heute nicht in der Lage eine Bierzeitung vom Stapel zu lassen, da sie heute bis jetzt zu we- nig mit dem l. [Anm. d. Red.: lieben] Alcohol Bekanntschaft gemacht hat. Sie hat daher einstimmig beschlos- sen, ein Käseblatt herauszugeben. […]

Publication. Die Sanitätscomission hat endlich ei- nen Kranken gefunden und wird den- selben recht liebevoll verpflegen. P.S. Für Krankenspesen haftet das Po- lytechnicum. [ ] Publication. Um nicht in die Bierzeitung zu kom- men habe ich mir recht Mühe gege- ben, mich möglichst artig aufzufüh- ren. Usteri aus Zürich Ode an Petrus. Petrus, unvergleichlich lieber, Hast gefreut uns einmal wieder, Denn Du hast es gleich gemorken, Dass Du’s nicht zu thun mit Schorken, Sondern mit den jungen Schühlern Der Botanik und den Wühlern, Der Gestein’skund‘, Zoologie, Lehre auch vom Rassenvieh. Darum sei, oh, Wetterkunstler, Nebelspalter, Wolkendünstler, Dir ein donnernd Hoch gebracht, Das hast Du mal recht gemacht!

Schwanengesang der verschiedenen Facultäten beim Passiren der lebens-

gefährlichsten

Evolena Sitten. Abstinenzler. Müssen wir sterben, oh gütiges Schicksal, so sei’s uns vergönt, Bitte in’s Wasser, s’ist s’einzig vernünft‘ge Element! Botaniker! Lasst uns Botaniker noch leben, Es muss doch schöne Blumen geben. Mineralogen. Am liebsten fielen wir auf Sand, Denn etwas hart wär‘ doch Diamant! Landwirte. Als echte gute Landwirt’jünger, Wol- len sterben wir nur auf Kunstdünger! Förster. Wär’s heute aus mit unserm Löck’chen, Wie schade um das grüne Röck’chen. Geologen. Verschon‘ uns liebe Geologen, Wer würde sonst für Gletscherbildung sor- gen? Chemiker. Was kann’s uns schaden, liebe Brü- der? Als Mercaptane finden wir uns wieder. Zoologen. Sollt’s jetzo mit uns happen, nur ganz ungeniert behend, Wir halten bom- benfest doch an der Descendenz! Pharmaceuten! Fällt unsere Gesellschaft ab, Dann geht’s feuchtfröhlich zu Aesculap!

Fahrt

Stelle

auf

der

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Telegramme. […] Öd ist das Laboratorium, Der Hörsaal ist ganz leer, Wär ich nicht um den Rigi rum, Käm ich zu Euch gern her. Prof. Hartwich.

[…] Es bleibt mir leider nur noch we- nig beizufügen und ich muss auch zum voraus gestehen, dass die Fe- dern unserer Kutschen meine Geis- testätigkeit derart derangirt haben, dass es mir fast unmöglich ist, einen unvernünftigen Gedanken zu fassen. Beim Aufstieg nach Tolla ist mir in erster Linie ein liebliches Idyll aufge- fallen, das mich sofort an die Worte unseres grossen Dichters erinnerte:

Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll, Herr Engler sitzt daran, Fischt nach dem Mantel mühevoll, Nass bis an’s Knie hinan! […]

4. Tag. […] Im Weitern können wir für fernere Excursion einem infolge seiner Corpu- lenz etwas ängstlichen Herrn Förster die beruhigende Versicherung geben, dass auch er sich bei etwas Hitze auf Gletscher wagen darf, ohne riskieren zu müssen, wegen Schwitzens ein- zusinken. Die liebensvolle Teilnahme des Herrn Staatsratspräsidenten von Wallis hat uns natürlich alle tief ge- rührt. Besonders hat uns gefreut, dass er sich als richtiger Sohn seines Landes erwiesen und die jedem Welschen ge-

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heiligte Sitte nicht ausser Acht gelas- sen hat, seine verehrten Tischnach- barn auf ihre Trinkbarkeit zu prüfen! Der Erfolg war allerdings nur ein teil- weiser! Mit dem schlechten Scherz des hochverehrten Herrn am spätem Abend waren wir allerdings nicht ganz einverstanden; denn mit blutendem Herzen und tränendem Auge mussten wir unsere verehrten Führer baar- häuptig und nur mit Pantoffeln beklei- det wehrlos den rohen Händen der Sittener Polizei ausliefern. Wohl wall- te in mancher Brust das Heldenblut unserer Väter wild auf, aber ohä! Aber in anderer Beziehung haben gerade diese abgefassten Herren der studie- renden Jugend wieder auf glänzende Weise gezeigt, wie man ungeschoren ohne Bezahlen sich den Häusern der heiligen Hermandad entwindet. Ob betreffende Herren jenen tätigen Hü- tern der öffentlichen Sicherheit wohl den bekannten Unterschied zwischen der Polizei und einer Klistirspritze er- zählt haben? Wir bitten um gefällige Mitteilung. Zum Schluss des heutigen Leitarticels bleibt der Redaction noch die angenehme Pflicht, allen denjeni- gen, welche auch noch ihr Schärflein zur Hebung der Fidelität beigetragen und somit die bescheidenen Bemü- hungen der Gesellschaft zum fidelen Aesculap in so eminenter Weise un- terstützt haben, aus unserm weiten Herzen unsern heissesten Dank abzu- statten! […] Bekanntmachung: Wir, Praesident des Staatsrates von Wallis, verfügen hiermit, dass unsere Berge nicht dazu

da sind, dass Geologen hierher kom- men und ganze Säcke voll Felsen nach Zürich schleppen. Wenn es Zürich an Beschotterungsmaterial für seine Strassen mangelt, stellen wir ihm mit Vergnügen unser Rhonebett zur Ver- fügung. – Des fernern beschliessen wir, dass unsere Polizei sich nicht an die Töne eines Chappalmarsches ge- wöhnen darf. Sollte je wieder eine Excursion in’s Wallis stattfinden von Zürich aus, so sind wir genötigt auf Kosten der Excursion Zürcherpolizis- ten kommen zu lassen. Sitten. Der Praesident des Staatsrates Ch. [ ] Bekanntmachung! In Zukunft müs- sen allzu grosse Gepäckstücke wie Botanisirbüchsen, Steinsäcke ectr. im Gepäckbureau zur Spedition aufge- geben werden. Ferner erlauben wir jedem Excursionsteilnehmer nur den von ihm bezahlten Platz einzuneh- men, allzu corpulente Herren bitten wir sich mit solchen von geringerer Gewichtigkeit in die Plätze zu teilen und eine Schwenningerkur zu begin- nen. Bern. Die Direction der S. C. B.

Einigen Herren möchten wir noch den klassisch gewordenen Ausspruch des Herrn Prof. Schröter zu Gemüte füh- ren: „Wer zu spät kommt, zahlt einen Franken in die Excursionscasse!“ […] Finis!“

Alt zu Neu - Begriffserklärungen:

Abcontrefeien: Auch abkonterfeien, umgangssprachlich für Abmalen oder Fotografieren. Botanisirbüchse/-trommel: Botani- sierbüchsen sind Blechdosen zum ge- schützten Transport von Pflanzen. Ein Deckel auf der Längsseite und ein Rie- men als Tragegurt über die Schulter sorgen für die nötige Praktikabilität. Chappal: Mit Chappal ist eine Pantof- fel gemeint. Beispielsweise sind Kol - hapuri chappals indische Pantoffeln aus Leder. Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll: So lautet die erste Zeile so- wohl der ersten als auch der letzten Strophe von Goethes Ballade „Der Fi- scher“. Heiliger Hermandad: Die Santa Her- mandad war ein Bündnis kastilischer und aragonesischer Städte (Spanien) gegen Übergriffe des Adels und zur Wahrung des Landfriedens im 15. Jh In diesem Zusammenhang ist es ein ironischer Begriff für die Polizei. Klapphornverse: Klapphornverse sind eine humoristische Gedichtsform mit vier Zeilen je Strophe. Der Anfang ist auf ein unfreiwillig komisches Gedicht eines Göttinger Notars von 1878 zu- rückzuführen: „Zwei Knaben gingen durch das Korn,\\ Der andere blies das Klappenhorn,\\ Er konnt‘ es zwar nicht ordentlich blasen,\\ Doch blies er’s wenigstens einigermassen.“ Die- ses wurde vielfach adaptiert. Klistirspritze: Mithilfe von Klistier- spritzen werden Flüssigkeiten in den Enddarm gebracht. Häufig sind es

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Glyzerin-Wasser-Mischungen zur Dar- mentleerung. Loden: Loden sind Stoffe aus grober, dicht gewalkter Wolle. Mercaptan: Der Name Mercaptan stammt von Mercurium captans („Quecksilber fangend“) und ist eine andere Bezeichnung für Thiole. Prof. Hartwich: Carl Hartwich war von 1892 bis 1917 Professor für Pharma- kognosie, Pharmazeutische Chemie und Toxikologie an der ETH. Prof. Schröter: Carl Schröter (1855 – 1939) wurde 1883 zum ordentli- chen Professor für spezielle Bota- nik ernannt. Er wurde in Esslingen (Deutschland) geboren. Nach Ab- schluss des kantonalen Gymnasiums 1874, begann er am Polytechnikum das Studium der Naturwissenschaf- ten. 1879 erhielt Schröter den Lehr- auftrag für spezielle Botanik und hielt bei Studenten sehr beliebte Vorträge und Exkursionen. In über 55 Jahren Forschungs- und Lehrtätigkeit hielt er unzählige Vorträge und veröffentlich- te über 200 Schriften.

Vorträge und veröffentlich - te über 200 Schriften. Porträt von Prof. Carl Schröter aus dem Bildarchiv

Porträt von Prof. Carl Schröter aus dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek.

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Salongigerl: Ein Gigerl ist ein eingebil- deter, auf sein Äusseres Wert legen- der Mann. S. C. B.: Schweizerische Centralbahn Schärflein: Ursprünglich war ein Scherf im 8./9. Jh. ein halber Pfennig. Wenn jemand sein Scherflein bei- trägt, leistet derjenige seinen Beitrag zu etwas. Schwanengesang: Als Schwanen- gesang bezeichnet man das letzte Werk eines Künstlers. Schwenningerkur: Prof. Dr. Oertel aus München veröffentlichte unter die- sem Namen 1886 ein Buch sowohl über das Wesen und Ursachen der Fettsucht als auch diätische Entfet- tungs-Kuren.

Staatsratspräsident von Wallis: Von 1897 bis 1898 hatte Jean-Marie de Chastonay dieses Amt inne. Daher auch die Abkürzung „Ch.“ unter der Bekanntmachung.

Tolla: Die Bella Tola ist ein Gipfel der Walliser Alpen und misst 3‘025 m ü.

M.

Sowohl das Original als auch die Ab- schrift sind in voller Länge als pdf-Do- kument erhältlich. Interessenten mel- den sich bitte bei tonikum@apv.ethz. ch.

mel - den sich bitte bei tonikum@apv.ethz. ch. Handschriftenmanuskript Carl Schröter, dargestellt ist

Handschriftenmanuskript Carl Schröter, dargestellt ist Umbilicus chrysanthus.

(ETH-Bibliothek, Hs 398:4) Quelle: ETH Bibliothek – Kurzportraits, www.library.ethz.ch/ Ressourcen/Digitale-Bibliothek/Kurzportraets/Carl-Schroeter-1855-bis-1939, 28.04.16

Interview

Im Gespräch mit Frau Prof. Halin

Simone Berger und Viktoria Gastens. Neben Fragen zu ihrem beruflichen Le- bensweg, ihrer Forschung und Frauen in der Wissenschaft, haben wir Frau Professor Halin aus aktuellem Anlass Fragen zur Studiengangsrevision ge- stellt.

Die Faszination an der Immunologie liegt für mich darin, dass es ein ext- rem komplexes System ist und es im Kontext vom ganzen Körper beachtet werden muss.

und es im Kontext vom ganzen Körper beachtet werden muss. Wie kamen Sie zum Gebiet der

Wie kamen Sie zum Gebiet der Im- munologie? Was fasziniert Sie daran? Ich habe Biochemie studiert und zu- erst eine stark chemisch-orientierte Richtung gewählt. Dann bin ich für ein Austauschsemester nach London an das Imperial College gegangen. Weil mir dort keine Kreditpunkte angerechnet worden sind, habe ich ganz andere Vorlesungen als an der ETH belegt: Physiologie, Neurobiolo- gie, Immunologie. Da mir vor allem die Immunologie so gefallen hat, habe ich nach meiner Rückkehr an die ETH meine Ausrichtung geändert. Das habe ich auch früher immer den Studenten als Mobilitätsbeauftragte gesagt - zum Trost, dass Kreditpunkte nicht angerechnet werden, aber sich dafür die Gelegenheit bietet über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Wie sehen Sie die Zukunft und Be- deutung Ihrer Forschung? Was erhof- fen Sie sich? Die Immunologie erfährt momentan einen gewaltigen Schub, vor allem we- gen Durchbrüchen in der Onkologie, welche im Gegensatz zur herkömm- lichen Chemotherapie das Immun- system aktivieren und Möglichkeiten zum Umgehen von Resistenzbildung bieten.

„Die Immunologie erfährt momentan einen gewaltigen Schub.“

In meiner Forschungsgruppe beschäf- tigen wir uns mit Folgendem: Wir un- tersuchen, wie Immunzellen durch Gefässe wandern, hauptsächlich durch Lymphgefässe. Das ist zum Bei- spiel für Impfungen, zum Verständnis von Immunantworten, Autoimmuni- täten und Entzündungen wichtig.

Was war Ihr bisher grösster Erfolg mit Ihrem Team? Wir machen Intravitalmikroskopie (IVM). Für ein komplexes Gebiet wie die Immunologie reichen Zellkulturen oder Gewebsschnitte – eindimensi- onale Systeme – nicht immer aus: In vivo veritas. Bei der Intravitalmikros- kopie schauen wir wie die Immunzel- len in der Haut der Mäuse wandern. Man meinte immer, dass Zellen, nachdem sie in die Lymphgefässe eingewandert sind, sofort durch den Lymphfluss davongespült werden. Wir haben herausgefunden, dass zu- mindest die initialen Lymphkapillaren keine „Wasserrutschen“ sind, sondern dass dort ein aktiver Migrationspro- zess stattfindet. An der Funktionswei- se und Bedeutung der Leukocyten- migration durch die Lymphgefässe forschen wir jetzt. Die Immunzellenwanderung und die daran beteiligten Moleküle sind eines unserer Forschungsschwer- punkte. Beispielsweise wäre es für Organtransplantationen interessant, Immunzellenwanderung zu hemmen.

interessant, Immunzellenwanderung zu hemmen. Nahaufnahme eines Mausohres. In Blau sichtbar ist ein

Nahaufnahme eines Mausohres. In Blau sichtbar ist ein injizierter Farbstoff, der von den Lymphgefässen aufgenommen und wegtransportiert wird. In Rot sichtbar sind Blutgefässe. (Bild: David Aebischer / ETH Zürich) [1]

Interview

Warum sollte man bei Ihnen die Masterarbeit bzw. Doktorarbeit schreiben? Was kann man bei Ihnen lernen? Neben der Immunologie lernt man viel über molekularbiologische und zellbiologische Techniken. Wichtig sind mir übergeordnete Kompeten- zen wie das Verfassen eines Berichts, Präsentieren, Feedback und gute Be- treuung.

„Für jeden ist es nützlich ein guter Troubleshooter zu sein.“

Viele von ihnen machen später etwas ganz anderes. Aber für jeden ist es nützlich ein guter Troubleshooter zu sein: wenn etwas nicht funktioniert, logisch denkend vorzugehen. Meine Masterarbeitsstudenten arbei- ten immer mit einem Doktoranden oder einem Post-Doc zusammen und beschäftigen sich mit einem Teilaspekt von dessen Thema. Wir achten darauf, dass verschiedene Techniken erlernt werden: Zellkulturen, Immunfluores- zenz, immunhistologische Methoden, Klonieren, Mikroskopie, Zeitraffer-Fil- me, RNA-Analyse, FACS-Analyse. Am Rande sind die Studenten auch in Tierversuche involviert, aber natür- lich nicht am lebenden Tier, da dafür eine spezielle Schulung notwendig ist. Wir entnehmen den Mäusen Organe, um beispielsweise aus dem Knochen- mark Vorläuferzellen aufzureinigen und Dendritische Zellen für in vitro Versuche zu generieren, oder wir ent- nehmen T-Zellen aus der Milz.

Interview

Interview Reichweite der Intravitalmikroskopie (oben) und migrierende dendritische Zel - len in einem Lymphgefäss
Interview Reichweite der Intravitalmikroskopie (oben) und migrierende dendritische Zel - len in einem Lymphgefäss

Reichweite der Intravitalmikroskopie (oben) und migrierende dendritische Zel - len in einem Lymphgefäss (unten). (Bild:

Maximilian Nitschké / ETH Zürich) [2]

Wie gestaltete sich ihr Weg von der Studentin der Biochemie hin zur Pro- fessorin an der ETH? Für mich war immer klar, dass ich eine Doktorarbeit machen werde. Pharma- zie war eigentlich nie auf meinem Ra- darschirm, und zwar weil in meinem damaligen Bild von der Pharmazie, es nicht das Studium war, das man wäh- len sollte, wenn man in die Forschung und Wissenschaft wollte. In der Zwi- schenzeit hat sich das Pharmaziestu- dium verändert und wenn ich jetzt beginnen würde zu studieren, hätte ich mir das sicher viel besser überlegt.

Ich habe eigentlich gedacht, dass ich eher in die Pharmaindustrie gehe. Als ich dann mit meinem Studium fertig und im Doktorat war, habe ich auch Erkundigungen in diese Richtungen gestartet und festgestellt, dass auch für die industrielle Forschung emp- fohlen wird, noch einen Post-Doc zu machen. Diese Chance habe ich ge- nutzt um für drei Jahre nach Boston an die Harvard Medical School zu ge- hen, das hat mir sehr gut gefallen. Mi- chael Detmar hat früher ebenfalls in Boston geforscht. Als ich hörte, dass er an die ETH wechselt, habe ich ihn gefragt, ob ich in Zürich in seiner For- schungsgruppe arbeiten könnte, und so bin ich wieder an die ETH gekom- men. Eine Assistenzprofessur wur- de ausgeschrieben, auf die ich mich dann beworben habe. Aber ich denke, dass man sowieso keine akademische Karriere planen kann. Man muss sich auch andere Dinge vorstellen können.

„Eine akademische Karriere kann man nicht planen.“

Meine Dissertation habe ich bei Da- rio Neri gemacht – vielleicht ist auch das schon Zufall. Ich hatte bei einem anderen Professor für Biochemie für die Masterarbeit zugesagt, hatte dort eine Projektarbeit gemacht und ge- merkt, dass ich dort nicht gut betreut worden war. Daraufhin habe ich bei Dario Neri, der frisch Assistenzprofes- sor war, angefragt und von ihm eine Zusage bekommen. Ich kam mir ganz schrecklich vor, dass ich dem anderen

Professor kurzfristig abgesagt habe, aber im Nachhinein weiss ich, dass es der richtige Entscheid war. Wenn man das Gefühl hat, dass es nicht passt, ist es gescheiter, das auch zu sagen und zu ändern. Es ist sehr wichtig, dass die Chemie stimmt und man in einer Umgebung ist, in der man viel lernen kann und sich wohlfühlt.

ist, in der man viel lernen kann und sich wohlfühlt. Blick in einen der beiden Laborräume

Blick in einen der beiden Laborräume der Forschungsgruppe, gelegen im G-Stock des HCI Gebäudes. (Bild: Viktoria Gastens)

90% der Full Professors an der ETH sind Männer [1]. Wieso ist das so? Welche äusseren Umstände und in- nere Einstellungen tragen dazu bei? Verspüren Sie Unterschiede im Um- gang mit Ihnen als forschende Person aufgrund Ihres Geschlechts? Ich habe nicht das Gefühl, dass ich an irgendeiner Stufe in meiner Karriere mal ein disadvantage gehabt hätte, weil ich eine Frau bin. Was man na- türlich nicht hören möchte, sind Kom- mentare wie „Sie hat die Stelle nur bekommen, weil sie eine Frau ist“. Die ETH hat ein Projekt, welches Fix the

Interview

Leaky Pipeline heisst: Auf dem Dok- torats-Level gibt es noch recht viele Frauen, aber je höher man kommt, desto geringer ist der Frauenanteil, weil viele Frauen von Beginn an mei- nen „das ist nichts für mich“, „das ist zu stressig“, „das kann ich nicht mit Familie vereinbaren“. An dem Image leidet dieser Beruf meiner Meinung nach zu Unrecht. An der ETH muss jeder Professor mit mindestens acht- zigprozentigem Pensum arbeiten und hat dann das Anrecht zu zwanzig Pro- zent etwas anderes zu machen. Vie- le machen etwas Consulting, haben noch einen anderen Lehrauftrag oder gründen eine Firma. Etwas, das der Beruf wirklich bietet, ist extrem viel Flexibilität. Ich bestimme, wann mei- ne Meetings sind und die Vorlesungs- stunden sind vergleichsweise wenig Stunden. Man muss sich nur die Frei- heit nehmen - das ist die Schwierig- keit. Aber wenn man den Anspruch hat etwas zu machen, was einen er- füllt und interessant ist, dann ist das kein nine to five job.

Was ist Ihr Ratschlag für Frauen in der Wissenschaft? Ich glaube, dass sich Frauen oft viel weniger zutrauen als Männer. Mei- ne Stelle wurde international ausge- schrieben und zu dem damaligen Zeit- punkt hätte ich mich nicht von mir aus beworben. Michael Detmar, bei dem ich gerade in der Forschungsgruppe arbeitete, hat mich dazu ermuntert, indem er meinte: „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass du eine

Interview

Absage bekommst.“ Man muss sich einfach mal trauen, wir sind sehr risi- koavers.

Welche Aufgaben umfassen Ihre Tä- tigkeit als Studiendirektorin? Im normalen Fall, wenn keine Studi- engangsrevision ansteht, ist man für die Lehre und die Anliegen sowohl von Studierenden als auch Dozie- renden zuständig. Grundsätzlich gilt es Vieles zu koordinieren, das Leiten der Notenkonferenz und Unterrichts- kommissionsitzungen. Eigentlich alle Traktanden der Lehre gehen über den Tisch der Studiendirektorin.

Was sind wichtige, spruchreife Ände- rungen im Zuge der aktuellen Studi- engangsrevision? Die Namensänderung der Masterstu- diengänge ist schon beschlossen. Der MSc Medicinal and Industrial Pharma- ceutical Sciences wird neu MSc Phar- mazeutische Wissenschaften, der alte MSc Pharmazeutische Wissenschaf- ten wird MSc Pharmazie heissen. Die Projektarbeit wird beim MSc Phar- mazie wegfallen, weil wir mehr Platz für klinische Themen, die nun mehr Gewichtung bekommen, brauchen. Inhalte des Assistenzjahres werden vorverschoben in das erste Masterse- mester. Die Masterarbeit bleibt natür- lich weiterhin bestehen. Aber auch während der Masterarbeit wird man sich regelmässig klinischen Themen beispielsweise in case stu - dies widmen, damit das angesam- melte Wissen unter anderem in Phar-

makologie wach bleibt. Dadurch ist kein Auslandsaufenthalt während der Masterarbeit im MSc Pharmazie mög- lich. Wo jedoch immer noch Raum im Pharmazie-Master besteht, um einen Auslandsaufenthalt zu machen oder eine freiwillige Projektarbeit zu schreiben, ist die Zeit zwischen Ba- chelor und Master, da ja viele Studie- rende sieben statt sechs Semester für den Bachelor benötigen.

„Der MSc Medicinal and Industrial Pharmaceutical Sciences wird neu MSc Pharmazeutische Wissenschaf- ten, der alte MSc Pharmazeutische Wissenschaften wird MSc Pharmazie heissen.“

Natürlich kann man auch mit dem MSc Pharmazie eine Doktorarbeit machen. Aber wir wollen, dass der neue MSc in Pharmazeutischen Wissenschaften noch besser auf eine Doktorarbeit vorbereitet, beispielsweise durch Kur- se in wissenschaftlichem Schreiben, Biostatistik und durch Anregungen zu kritischem Denken, welches in ei- nem Kurs, in dem wissenschaftliche Messmethoden und Modelle hinter- fragt werden, geschärft werden soll. Grundsätzlich wollen wir den Praxis- bezug auf allen Ebenen festigen. Der neue MSc in Pharmazeuti- schen Wissenschaften wird auch für Nicht-Pharmazeuten zugänglich sein, wobei der Name trotzdem verpflich- tet. Beispielsweise sollen Studierende mit einem BSc-Abschluss aus einer verwandten Disziplin unter Auflagen,

wie dem Besuch von Pharmakologie, Galenik und Immunologie dazustos- sen. In diesem Master gibt es zudem mehr Wahlmöglichkeiten und Prak- tika; wenn man möchte, kann man während einer zweiten Projektarbeit und angehängten Masterarbeit neun Monate am Stück an einem Thema arbeiten.

„Wir wollen den Praxisbezug auf allen Ebenen festigen.“

Wie sieht für Sie die Apotheke bzw. der Apotheker oder die Apothekerin der Zukunft aus? Die ApothekerInnen sollen in Zukunft noch mehr in die medizinische Grund- versorgung eingebunden werden, so will es der Bund. Insbesondere sollen sie als erste Anlaufstelle für Patienten verstärkt eine „Gatekeeper“-Funktion ausüben, und so mit den Medizinern zusammenarbeiten und diese in ge- wissen Fällen entlasten. In Zukunft wird es noch mehr Besprechungs- zimmer in den Apotheken geben, für Patientengespräche unter vier Augen oder für kleinere medizinische Eingrif- fe wie das Durchführen von Impfun- gen.

Vielen Dank!

Das Interview wurde am 04.04.16 ge- führt.

Interview

Frau Cornelia Halin (*1974) ist seit 2014 ausserordentliche Professorin für Pharmazeutische Immunologie am Institut für Pharmazeutische Wis- senschaften der ETH Zürich. Darüber hinaus ist sie Studiendirektorin und Mutter zweier Kinder. Nach ihrem Biochemie-Studium und Promotion an der ETH Zürich, absolvierte sie ei- nen PostDoc an der Harvard Medical School in Boston. Ihre Forschungsin- teressen umfassen die Leukocyten- migration, lymphatische Funktionen und Entzündungsreaktionen.

[1] Iolyeva M, Aebischer D et al.:

Interleukin-7 is produced by affe- rent lymphatic vessels and supports lymphatic drainage. Blood, 2013, doi:

10.1182/blood-2013-01-478073

[2] M Nitschké et al.: Differential requirement for ROCK in dendritic cell migration within lymphatic cap- illaries in steady-state and inflam- mation. Blood, 2012, doi: 10.1182/

blood-2012-03-417923

[3] Gender Monitoring 2014/15, Be- richt zur Situation der Gleichstellung von Frauen und Männern in Studium und Wissenschaft an der ETH Zürich, Prof. Schubert, H. Kaczykowski-Pater- mann.

Firmenportrait

RAUSCH – Die Kraft der Kräuter

Viktoria Gastens. Auf meiner Shampoo-Flasche von RAUSCH lese ich von Ex- trakten aus Kamillenblüten, Amaranth und Panamarinde. Woher stammen diese? Wie steht es mit der Nachhaltigkeit? Frau Dr. Heinrich, Leiterin von Forschung und Entwicklung bei RAUSCH, berichtet von der 125-jährigen Fir- mengeschichte des Kreuzlinger Unternehmens, zeigt mögliche Aufgabenfel- der von Pharmazeuten auf und erläutert die Besonderheiten des naturnahen Familienunternehmens.

Wo liegen die Wurzeln der Firma RAUSCH? Es war der Konstanzer Friseurmeister Josef Wilhelm Rausch, der 1890 die erste flüssige Kopfwaschseife auf den Markt brachte und damit die Adels- häuser belieferte, da das Produkt für seine Zeit eine grosse Innovation dar- stellte. Mit der Zeit ergänzte er das Produktportfolio um weitere Haar- pflege-Produkte wie Haarwasser und das erste antiseptisches Shampoo. Mit seiner Kräuter-Philosophie, die er aus den Klosterbüchern von Bene- diktiner Mönchen und deren Wissen über Heilkräuter übernahm, war er seiner Zeit weit voraus, wie wir heu- te wissen. Ein echter Visionär und Erfinder der ersten flüssigen Kopf- waschseife. 1949 ist das Unterneh- men RAUSCH dann an die Schweizer Familie Baumann gegangen, da die Nachfahren von Herrn Rausch alle dem Krieg zum Opfer gefallen waren. Die heutige Besitzerfamilie hält die Vision von Rausch in Ehren und führt seine Grundidee konsequent und mit viel Passion weiter.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal von RAUSCH? RAUSCH Produkte stehen für höchste Qualität und Wirksamkeit bei bester Verträglichkeit. Die Produkte wirken sofort und nachhaltig, aufgrund einer einzigartigen Kombination der jewei- ligen Pflanzenstoffen und Tinkturen. Diese, im eigenen Labor hergestellten Kräuter-Extrakte, sind das Geheimnis und das Alleinstellungsmerkmal von RAUSCH. Sie werden schonend und von Hand gewonnen, lagern bis hin zur Reife in Fässern wie guter Wein. Für die Produktion werden sie so eingesetzt und kombiniert, dass sich ihre Wirkung potenziert. Dafür ist die Auswahl der richtigen Kräuter, in der richtigen Kombination und Menge entscheidend.

Die Pharmazeutin Frau Dr. Heinrich ist Leiterin von F&E bei Rausch.

Frau Dr. Heinrich ist Leiterin von F&E bei Rausch. Wenn Sie die 125-jährige Firmenge- schichte Revue

Wenn Sie die 125-jährige Firmenge- schichte Revue passieren lassen, gibt

es einen roten Faden, der sich durch die ganze Firmengeschichte hindurch zieht? Es ist die Passion für die Natur, die seit 125 Jahren alle miteinander verbin- det, vom Gründervater bis zur heuti- gen Geschäftsleitung und dem Inha- ber Marco Baumann. Die Faszination, was ein Extrakt, schonend gewonnen aus einer Kamillenpflanze, in einem Körperpflege-Produkt bewirken kann, wie es Haut und Haar pflegt, beru- higt und gesund erhält. Die Emotion für die Natur, kombiniert mit wis- senschaftlichen Erkenntnissen, dafür steht RAUSCH von seinem ersten Tag an und bis heute. Das Unternehmen stand schon 1890 dem Berufsstand der Apotheker und Pharmazeuten sehr nahe. Das ist auch bis heute so geblieben.

Wie viele Mitarbeiter zählt RAUSCH? Am Standort Kreuzlingen beschäftigt RAUSCH ca. 100 Mitarbeiter, weltweit arbeiten für RAUSCH um die 170 Per- sonen. Pharmazeuten arbeiten bei RAUSCH vor allem in der Forschung & Entwicklung, sowie in der Quali- tätskontrolle und der Mikrobiologie. Insgesamt sind eine Vielzahl an Na- turwissenschaftlern, wie Biologen, Mikrobiologen, Pharma-Assistenten und Pharmazeuten bei RAUSCH tätig. Die Bedeutung dieses Bereiches wird weiter zunehmen, sodass zukünftig die Nachfrage nach Fachkräften hier sicher steigen wird.

Firmenportrait

Was sind mögliche Aufgabenfelder für Pharmazeuten in Ihrer Firma? Wie bereits genannt, ist die Forschung & Entwicklung neuer Wirkstoffe und neuer Produkte der Fokus für Phar- mazeuten bei RAUSCH. Hier benötigt es die Kenntnisse über Kräuter und deren Wirkung. In welchen Produkten können sie am sinnvollsten eingesetzt werden? Was braucht es zur optima- len Wirkung? Zusätzlich werden gale- nische Kenntnisse gefragt. Wie baut man sinnvoll eine Creme auf, was benötigt es alles in einem Shampoo? Hier gibt es viele Fragestellungen, die gezielt die Kenntnisse eines Pharma- zeuten ansprechen.

Die Firma RAUSCH ist ein Familien- unternehmen. Die dritte Generation steht mit Lucas Baumann (derzeit Leiter für Marketing und Kommuni- kation) bereit. Welche Besonderhei- ten entstehen im Vergleich zu ande- ren Firmen dadurch, dass es sich um einen Mehr-Generationen-Betrieb handelt? Der Philosophie und den Grundsät- zen treu zu bleiben und sich dennoch schnell und nachhaltig auf die neuen „mobilen“ Kunden einzustellen, vor dieser Herausforderung sehen sich alle Familienunternehmen mit einer längeren Firmengeschichte. Reine Handelsunternehmen setzen meist auf Trends und kurzlebige Produkte. RAUSCH hingegeben wird nachhal- tig und schweizerisch bleiben, die Zielgruppe zukünftig aber verjüngen und mehr Emotionen bei den Kunden

Firmenportrait

wecken. Die Marke RAUSCH wird der Tradition verbunden bleiben, aber moderner und innovativer werden. Der designierte CEO Lucas Baumann steht für eine Generation von digita- len Konsumenten. Der Ausbau eines Online-Shops ist ein gutes Beispiel für den Generationenwechsel. RAUSCH wird sich auf jüngere Kunden und ihre Bedürfnisse einstellen, ohne die bis- herigen Käufer zu verlieren. Mit Vater und Sohn in der Geschäftsleitung, ist man dafür optimal aufgestellt.

der Geschäftsleitung, ist man dafür optimal aufgestellt. Geschäftsführer Marco Baumann ge - meinsam mit seinem

Geschäftsführer Marco Baumann ge- meinsam mit seinem Sohn.

Die Produktionsstätte von RAUSCH ist in Kreuzlingen TG. Welche Vorteile bietet Ihnen dieser Standort im glo- balen Wettbewerb? Schweizer Produkte bedeuten höchs- te Qualität, Exklusivität und ech- ten Nutzen. Der globale Kunde von RAUSCH vertraut in die Produktqua- lität, Einzigartigkeit und Wirksamkeit der Produkte. Auch in Asien gelten die Shampoos auf Kräuterbasis als Premi- um-Haarpflege und stossen auf eine begeisterte Fangemeinde. In Europa, wo alles schneller, oberflächlicher und kurzweiliger wird, sind die Menschen

offen für nachhaltige und glaubwür- dige Produkte, in denen viel Handar- beit, Passion und das Beste der Natur steckt. Es gibt eine grosse Gegenbe- wegung zur „Geiz-ist-Geil“ Mentalität. Und das sind die Menschen, die wir mit RAUSCH ansprechen und dauer- haft für die Marke gewinnen. Die neu- esten Umsatzentwicklungen bestäti- gen diese Überzeugung.

Wo und unter welchen Qualitätsstan- dards werden die in Ihren Produkten enthaltenen Kräuter angebaut? Die von RAUSCH eingesetzten Pflan- zenextrakte stammen, soweit mög- lich, alle aus lokalem, schweizeri- schem Anbau. Wo möglich, setzt RAUSCH auf Bio-Kräuter und –Pflan- zen. Nur dort, wo man in der Schweiz den entsprechenden Rohstoff aus erklärlichen Gründen nicht beziehen kann (Beispiel Avocado-, Kokos-Öl, Babassu-Öl), wird auf ausländische Lieferanten zurückgegriffen. Die Qualität der Kräuter wird kon- tinuierlich bei Wareneingang über- prüft. RAUSCH arbeitet mit ana- lytischen High-Tech-Geräten, mit denen Fremd-Substanzen im Mik- rogrammbereich in den Kräutern identifiziert werden können. Nur so kann dauerhaft die hohe Qualität in der Supply Chain garantiert werden.

In den letzten Jahrzehnten ist das Bewusstsein für ökologische Fragen gewachsen. RAUSCH verwendet ei- nen hohen Anteil natürlicher Inhalts- stoffe. Was ist Ihr Ziel im Hinblick auf

die Inhaltsstoffe? Handelt es sich um zertifizierte Naturkosmetik? RAUSCH setzt auf den höchstmögli- chen Anteil natürlicher Inhaltsstoffe, bei bester Verträglichkeit und Wirk- samkeit. Da RAUSCH im Bereich der Wirksamkeit und Qualität der Pro- dukte keine Abstriche macht, ist die zertifizierte Naturkosmetik kein The- ma. Die Limitation auf Inhaltsstoffe, die für zertifizierte Naturkosmetik in Frage kommen, hätte zur Folge, dass die Produkte nicht mehr den Grad an Wirksamkeit und Verträglichkeit er- reichen, der den hohen RAUSCH An- sprüchen genügt. Einige Naturstoffe sind hochallergen. Auf diese verzich- tet RAUSCH bewusst und setzt statt- dessen gut verträgliche und hoch- wirksame synthetische Stoffe ein. Die Philosophie von RAUSCH hat zum Ziel, so viel Natur wie möglich einzusetzen, ohne Abstriche bei Wirksamkeit und Verträglichkeit zu machen. Das ist ein bewusster Unternehmensentscheid.

„Höchstmöglicher Anteil natürlicher Inhaltsstoffe, bei bester Verträglich- keit und Wirksamkeit“

Was ist der Beitrag von RAUSCH zum Thema Nachhaltigkeit? Für RAUSCH stehen Mensch und Ge- sundheit im Zentrum von allem. Eine nachhaltige Lösung für Bedürfnis- se und Probleme der Kunden sowie höchste Wirksamkeit der Produkte stehen an oberster Stelle der Unter- nehmensziele. Die gesamten Supply Chain Prozesse werden im Einklang

Firmenportrait

mit Mensch und Natur realisiert. Die Öko-Bilanz von Rausch ist gut. Nach- haltigkeit heisst für RAUSCH aber auch, jede Kundenanfrage ernst zu nehmen, jede Partnerschaft mit Han- dels- und Vertriebspartnern fair und langfristig zu gestalten, mit jedem Lieferanten und Dienstleister gut und professionell umzugehen. Natur nüt- zen heisst auch „Natur schützen“. Es ist für RAUSCH selbstverständlich, sich für den Schutz der Natur einzusetzen, zum Beispiel als Mitglied der RSPO «Round Table of Sustainable Palm Oil», bei dem sich RAUSCH einsetzt für nachhaltige Anbaumethoden zur Gewinnung von zertifiziertem Palm- kernöl, welches Grundlage vieler RAUSCH Produkte ist.

RAUSCH führt eine eigene For- schungs- und Entwicklungsabteilung. Was sind die Prozesse in der Produktentwicklung? In der Entwicklung durchläuft ein Produkt den ganzen Lebenszyklus bis hin zur Markteinführung. Von der Produktidee über die Auswahl der entsprechenden Kräuter, sowie Wirk- und Hilfsstoffen, mit Laboransätzen und den entsprechenden Produkt- tests, bis hin zur Beurteilung der Sta- bilitätstests, wird alles im Haus durch- geführt. In den jeweiligen Projekten arbeitet die Entwicklungsabteilung eng mit der obersten Führungsebene und dem Marketing von RAUSCH zu- sammen. Auch bestehende Produkte werden immer wieder überarbeitet, Rezepturen angepasst, um die Wir-

Firmenportrait

kungsweise optimal auf die Kunden- bedürfnisse auszurichten.

Wo sind die Absatzschwerpunkte von Rausch ausserhalb der Schweiz? RAUSCH vertreibt seine Produkte in insgesamt 27 Ländern. Den Vertriebs- schwerpunkt stellen die Kernmärk- te Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien dar. Hier setzt Rausch wie auch im Heimatmarkt Schweiz vor allem auf den beratungsintensiven Fachhandel in Form von Apotheken und Drogerien. Die Kooperationen mit den Vertriebspartnern wird sich in Zukunft weiter intensivieren und einige neue Kanäle erschlossen wer- den. Ebenso wird der Online-Han- del eine grössere Rolle spielen.

Dieser Ausgabe liegt eine Probe der Ginseng-Coffein-Linie bei. Worin liegt deren Wirkung und wie hoch ist deren Wirksamkeit? Die Rausch Ginseng COFFEIN-LINIE ist die jüngste Produkt-Innovation von RAUSCH. Die Ginseng-Wurzel, Guara-

na, Tigergras und Coffein beleben die Kopfhaut und regen die Haarwurzel an. In die Entwicklung dieser Wirk- stoff-Kombination wurde viel Zeit in- vestiert, mit einem überzeugenden Ergebnis. In einer Studie konnte die- ser Pflege-Linie in Kombination mit der Original HAARTINKTUR bis zu 28% mehr Haarwachstum nachgewiesen werden.

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zu 28% mehr Haarwachstum nachgewiesen werden. Vielen Dank! Pr oduktion des Shampoos „Schweizer Kräuter“. Historie

Produktion des Shampoos „Schweizer Kräuter“.

Vielen Dank! Pr oduktion des Shampoos „Schweizer Kräuter“. Historie des Kamillenshampoos von 1919 bis 2015. 22

Historie des Kamillenshampoos von 1919 bis 2015.

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Die Kraft der Kräuter
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Reportage

Ein Nachmittag zwischen alten Tinkturen und Bären: das Pharmazie-Historische Museum Basel

Camilla Massoudi. Im Pharmazie-Historischen Museum konnte ich einige Stunden in die Vergangenheit eintauchen und den Ursprung der Pharmazie näher kennenlernen. Mehrere Räume mit ausgestellten Fundstücken - wie beispielsweise alten Substanzen oder Werkzeugen, aber auch einem kleine- ren Apothekergarten - befinden sich in diesem Museum.

Eines Nachmittags beschloss ich ei- nen Ausflug nach Basel zu machen. Ich freute mich bereits diese schöne Stadt erkunden zu dürfen, da mir vie- le Freunde zuvor schon von ihr be- richtet hatten. Schnell erfuhr ich von den zahlreichen Museen und prompt stiess ich auf das Pharmazie-Histori- sche Museum der Uni Basel. Begeis- tert vom Angebot machte ich mich auch schon auf den Weg. Das Muse- um selbst liegt mitten in der Altstadt; genauer gesagt im Totengässlein 3 - etwas versteckt, aber dennoch schnell zu finden. Im Haus „Zum Vorderen Sessel“, das ab 1480 von Johannes Amerbach und später ab 1507 von Johannes Frobeni- us, beide Buchdrucker, bewohnt wur- de, findet sich seit 1924 das «Apothe- kenmuseum» der Universität Basel. In dem Museum befindet sich eines der weltweit grössten und bedeutends- ten Sammlungen Pharmazie-Histori- scher Gegenstände wie zum Beispiel die umfangreiche Sammlung von J.A. Häflinger. Im Museum selber befinden sich mehrere Räume mit ausgestellten Objekten aus der damaligen Zeit. Alte

Werkzeuge, Amulette, Talismane, Tinkturen und Medikamente schmü- cken die Säle. Tatsächlich finden sich darunter sogar tierische Produkte. So erstaunte es mich sehr, dass in der da- maligen Zeit der Eckzahn eines Grizz- libären als hilfreich galt. Pulverisierte Zähne wurden allgemein als Mittel gegen Zahnschmerzen eingesetzt. Persönlich haben mich die nachge- stellten Räume am meisten beein- druckt, die allesamt mit Utensilien – original aus der Zeit! - ausgestattet sind. So wurde beispielsweise das hochwertige Mobiliar der Innsbrucker Hofapotheke in einem speziellen Saal erhalten. Im zweiten Stock des Hauses befindet sich ein Labor, das mit alten Werkzeu- gen – beispielsweise einer Apparatur zum Destillieren - aus dem 16. und 17. Jahrhundert ausgestattet wurde. Sol- che Laboratorien fanden sich zumeist hinter dem Verkaufsraum einer Apo- theke. Neben der grossen Sammlung, die das Museum zu bieten hat, beher- bergt das Haus einen Apothekergar- ten. Pflanzen stellten nämlich bis ins 19. Jahrhundert die Grundlage für

viele Arzneimittel und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass viele Apo- theken einen solchen Garten beses- sen haben. Im Herbarium vom Museum finden sich zahlreiche, bekannte Arzneipflan- zen. Einige davon sind wirkungslos, andere jedoch hochgiftig.

Reportage

Alles in allem fand ich diesen klei- nen Ausflug in die Vergangenheit der Alchemie und Apotheken sehr spannend und würde jedem ans Herz legen, dieses Museum einmal zu be- suchen. Wer genauer wissen möchte, wie die Tätigkeiten eines Apothekers einmal ausgesehen haben, wird stau- nen!

- suchen. Wer genauer wissen möchte, wie die Tätigkeiten eines Apothekers einmal ausgesehen haben, wird stau
- suchen. Wer genauer wissen möchte, wie die Tätigkeiten eines Apothekers einmal ausgesehen haben, wird stau

Seminarwoche 2016

Seminarweek 2016 “For a Healthier Future” Interlaken

Olivia Hagedorn. Report from the seminar week 2016 of the first year of the master students of pharmaceutical sciences and MIPS. the booking of the hotel and the cor- respondence. The Event Team organi- zed the guest speaker, the traditional Fondue evening with Bayer and the Mottoparty “Circus” sponsored by Topwell. The booklet and Homepage

Team designed the seminar week In- formation Booklet and provided Mo- nica Langfritz-Gütermann from the IPW with information about the se- minar week for the homepage. The treasurer was responsible for the bil- ling and paying of the bills. The revi- sor controlled the bookkeeping of the treasurer. The Sunday was quiet. It was the day of arrival, moving into the rooms and enjoying the first presentation and meal sponsored by Galenicare. After the first night in Interlaken the stu- dent’s presentations started with the Zeilhofer group “Should “Natural” Cannabis be approved as a Pain Me- dication in Switzerland?” followed by the Neri group “DNA – Encoded Che- mical Libraries”, the Altmann group “The role of protein kinase fusions and mutations in anticancer drug dis- covery and therapy”, and the Schnei- der group “Bioinformatics for Perso- nalized Medicine”. In the evening, we enjoyed again a nice presentation and a meal, sponsored by Toppharm. On Tuesday, the Krämer group “Drug-in- duced Liver Injury (DILI)” started. As

It started in September with the distri- bution of all the students into groups of approximately six people and en- ded with the actual seminar week (03.04.-08.04.16). The main part of the seminar week was made by the one-hour presentations with additio- nal discussion of the student groups about a scientific topic supervised by one of the institute’s (IPW) professors. The week itself took place in the hotel Carlton-Europe in Interlaken BE with the theme “For a Healthier Future” covering the range of the individual presentation topics. During this time the scientific lead was in the hands of Professor Altmann. The organization of this event was delegated to an or- ganizing committee composed of 12 first-year master students. I was elec- ted president and had to compose the rest of the committee on my own behalf. The Sponsoring Team created the sponsoring documents including an information booklet and a letter as well as the final thanking letter, stood in correspondence with the sponsors and welcomed them in Interlaken. The Hotel Team was responsible for

letter, stood in correspondence with the sponsors and welcomed them in Interlaken. The Hotel Team was

a short interruption of the students’

presentation, we welcomed the guest speaker Michel Pieren PhD – Group Leader Drug Discovery at BioVer- sys (www.bioversys.com). He told us about BioVersys’ research and de- velopment of novel chemical entities to fight drug resistance for instance by restoring efficacy of approved an- tibiotics to resistant pathogens. In the afternoon, we heard about “Advan- ces in the development of Influenza vaccines” from the Halin group and

about “Clostridium difficile infections:

a rising concern in western civilizati-

on” from the Leroux group. Bayer was the evening sponsor and invited us to a restaurant serving Fondue and entertaining us with traditional Swiss music, dance and yodeling. The stu- dents and professors were even asked to take part in the show. Next to the show, Bayer also made a quiz about its company. Please find an example of the answers provided by one of our professors in the picture below. ;) The last day of students’ presenta- tions was Wednesday. Group Quitte- rer “Preimplantation Genetic Diagno- sis” commenced, followed by “The Cost of Living” presented by the Hall group and the Detmar/Otto group rounded up with “From mouse mo- dels to mouse avatars”. Bevor the first evening, free of ETH duties, started, Sigvaris, the sponsor bringing every student personal run- ning socks (based on measured ankle, calve and shoe size in advance), held an interesting presentation.

Seminarwoche 2016

The fourth dinner was sponsored by Topwell. Additionally, they held a pre- sentation and made the traditional Mottoparty with the theme “Circus” possible. In the club Balmer’s in Inter- laken, the students partied and cele- brated. The place was decorated with requisites from a children’s circus and all the students wore original dresses matching the theme. Thursday was packed with presenta- tions of other sponsors: Pharmafocus, ebi-vital, Biostrath, mepha, Streuli Pharma, Pharmasuisse and GSIA. In the lobby of the hotel, ebi-vital, Sig- ma-Aldrich, Biostrath and Synergene built up a booth with goodies and in- formation about their products and company. Pharmafocus sponsored a rich brunch during which the pre- sentation was hold. Biostrath was the sponsor of the standing lunch, what enabled the students to actively net- work with Biostrath and the sponsors standing at the booth. Another tradition of the seminar week was the apéro and gala dinner on Thursday evening sponsored by DR. DROPA BÄHLER AG. The hotel pre- pared a candle light dinner in a speci- al room and the students appeared in formal dresses. The atmosphere and ambience was like in a castle.

On Friday, the seminar week came to its end. But not before Axapharm sponsored us an even richer brunch including champagne and held a very lively and active presentation follo- wed by a reaction testing game.

Seminarwoche 2016

In conclusion, it was a successful, instructive, funny, nice, team constructing and culinary week. The feedback from the students, professors, sponsors, and the hotel was very positive.

I want to thank again all the people who helped me make this seminar week “For a Healthier Future” possible (in alphabetical order):

Carole Kümin, Clara Schölly, Cyrill Brunner, Danielle Lüthi, Dario Schriber, Jas- mine Frei, Karl-Heinz Altmann, Laura Merseburger, Matthias Pracht, Monica Langfritz-Gütermann, Olha Voznyuk, Philipp Hanke, Philipp von Euw, Sebastian Wahl, Shenna Cantos, Tina Deplazes and Vera Höhn

Olha Voznyuk, Philipp Hanke, Philipp von Euw, Sebastian Wahl, Shenna Cantos, Tina Deplazes and Vera Höhn

Seminarwoche 2016

Seminarwoche 2016 Dear fellow students This is my last text for the Tonikum. I hope you

Dear fellow students

This is my last text for the Tonikum. I hope you enjoyed reading my articles and I wish you a lot of fun with this edition and all the coming ones.

Best regards,

Olivia

Rätselecke

Rebus zur aktuellen Ausgabe

Viktoria Gastens. Aufgrund des Erfolges in der letzten Ausgabe, erwartet dich wieder ein Bilderrätsel. Dieses Mal stehen die Themen der aktuellen Ausga- be im Mittelpunkt.

Bei Einsendung des richtigen Lösungswortes bis zum 30. September 2016 an raetsel@student.ethz.ch und dem nötigen Losglück winken dir 50 CHF!

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Rezept

Erdbeerkonfi – das einfachste Rezept der Welt

Viktoria Gastens. Egal, ob als Brotaufstrich oder Joghurtzusatz - Erdbeerkon- fitüre bietet bei minimalem Aufwand maximalen Geschmack.

Nach einem Testbericht von Stiftung Warentest über 25 Erdbeerjoghurts enthält ein 150-Gramm-Becher im Durchschnitt eine Erdbeere. Im Fol- genden erfährst du, wie einfach es ist Erdbeerkonfitüre herzustellen. Damit kannst du beispielsweise Naturjo- ghurt mit einem beliebig hohen Erd- beergehalt verfeinern.

Konfitürenverordnung Die Eigenschaften einer Konfitüre be- ruhen auf rechtlichen Grundlagen. Die Europäische Gemeinschaft EG erlies 1979 die „Richtlinie zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitglied- staaten über Konfitüren, Gelees, Mar- meladen und Maronenkrem“. Diese wurde als „Konfitürenverordnung“ in deutsches Recht umgesetzt. Dem- nach ist eine Konfitüre „die streich- fähige Zubereitung aus Zuckerarten, Pülpe oder Fruchtmark einer oder mehrerer Fruchtarten und Wasser“. Grund dafür ist die Bitterorangen- marmelade der Briten, da diese das Wort marmelade ausschliesslich für Zitrusprodukte verwenden. Um Ver- wirrungen im Handelsraum zu „ver- hindern“, wurde beschlossen das Marmelade ausschliesslich für Auf- striche mit Pülpe, Fruchtmark, Saft, wässrigem Auszug und Schale von Zi- trusfrüchten verwendet wird. Um das

Gesetzeswirrwarr zu komplettieren gibt es seit 2001 eine EG-Richtlinie zur Unterscheidung von Konfitüren und Konfitüren extra. Der Unterschied besteht darin, dass Konfitüre extra nicht-konzentrierte Pülpe enthält.

Botanischer Hintergrund Die Gattung Fragaria gehört zu der Familie der Rosaceae. Es handelt sich bei der Erdbeere – entgegen ihres Na- mens - um eine Scheinfrucht. Viele Nussfrüchtchen sitzen auf dem roten, aufgewölbten Blütenboden.

Vorbereitung Die Einmachgläser samt Deckel 10 Mi- nuten lang in einem Topf Wasser mit einem Schuss Essig abkochen. Kurz vor dem Abfüllen aus dem heissen Wasser entnehmen und mit der Öff- nung nach unten auf ein Küchenhand- tuch stellen.

Öff - nung nach unten auf ein Küchenhand - tuch stellen. Zur längeren Haltbarkeit die Gläser

Zur längeren Haltbarkeit die Gläser abko - chen. (Bild: V. Gastens)

Rezept

Rezept Frisch abgekochte Einmachgläser. (Bild: V. Gastens) Grundrezept 1 kg Erdbeeren 500 g Gelierzucker 2:1 Saft

Frisch abgekochte Einmachgläser. (Bild: V. Gastens)

Grundrezept

1 kg Erdbeeren

500 g Gelierzucker 2:1

Saft einer ½ Zitrone

Die Erdbeeren waschen und schnei- den. Gemeinsam mit Gelierzucker und Zitronensaft bis zum Kochen er- hitzen. Während 3 Minuten unter ständigem Rühren köcheln lassen und mit dem Kochlöffel etwas Schaum entnehmen und auf eine klebrige, härtende Konsistenz hin testen. War diese „Tropfprobe“ erfolgreich, kann abgefüllt werden.

diese „Tropfprobe“ erfolgreich, kann abgefüllt werden. Benötigte Grundzutaten auf 1 kg Erdbee - ren. (Bild: V.

Benötigte Grundzutaten auf 1 kg Erdbee- ren. (Bild: V. Gastens)

Grundzutaten auf 1 kg Erdbee - ren. (Bild: V. Gastens) Von nun an etwa 3 Minuten

Von nun an etwa 3 Minuten köcheln las - sen und eine „Tropfprobe“ machen. (Bild:

V. Gastens)

Variationen Gelierzucker: Gelierzucker wird in verschiedenen Frucht zu Zucker Ver- hältnissen angeboten. Je höher der Fruchtanteil, desto weniger süss ist der Geschmack. Standardmässig wird häufig 1:1-Gelierzucker verwendet, welcher meiner Meinung nach zu süss ist und unnötig von der Frucht ablenkt. Der wichtigste Bestandteil des Ge- lierzuckers ist das Geliermittel Pektin. Dieses kann als Apfelpektin im Re- formhaus bezogen werden, wodurch man in der Lage ist, sein individuelles Frucht zu Zucker Verhältnis umzuset- zen. Als Säuerungs- und Konservie- rungsmittel wird Zitronensäure ver- wendet. Zutaten: Deine zweitliebste Sammel- frucht ist Rubus idaeus? Warum nicht eine handvoll Himbeeren zugeben? Beliebt für Fruchtmischungen sind ausserdem Rhabarber, Brombeeren oder Aprikosen. Auch Gewürze wie eine Vanilleschote oder ausgefallene Dinge wie Koriander können deiner selbstgemachten Konfi den letzten Schliff verleihen. Konsistenz: Neben dem Gelierzucker beeinflusst auch die Auswahl der Frucht die endgültige Konsistenz. Zu Beginn die Früchte kleiner oder grös- ser schneiden oder vor dem Abfüllen pürieren.

Rezept

Verschenken! Selbstgemachte Konfitüren sind ein tolles Mitbringsel. Neben einem in- tensiven Fruchterlebnis bieten sie ein multifunktionales Einmachglas zum Weiterverwenden.

sie ein multifunktionales Einmachglas zum Weiterverwenden. Erdbeerkonfitüre mit Quark auf warmen Butterzopf. (Bild: V.

Erdbeerkonfitüre mit Quark auf warmen Butterzopf. (Bild: V. Gastens)

Balkongarten Du möchtest Konfitüre aus eigenen Erdbeeren herstellen? Kein Problem! Generell ist beim Anbau von Erdbee- ren im Balkongarten darauf zu achten, dass diese ausreichend Sonnenlicht erhalten und keiner Staunässe aus- gesetzt sind. Es empfiehlt sich dafür, Löcher in den Boden des Hängetopfes zu bohren und Kies unter die Erde zu füllen. Die bekannteste Erdbeersorte Elsanta liefert hohe Erträge und grosse Früch- te. Ihr Nachteil ist, dass sie frostemp- findlich ist und in der kalten Jahres- zeit geschützt werden muss. Die Sorte Ostara hingegen bedarf keines Kälte- schutzes.

Rezept

Rezept Elsanta und Ostara in gemischten Hängetöpfen. (Bild: V. Gastens) Literaturhinweise: Stiftung Warentest, test ,

Elsanta und Ostara in gemischten Hängetöpfen. (Bild: V. Gastens)

Literaturhinweise:

Stiftung Warentest, test, 7 (2011) 22. Konfitürenverordnung – KonfV, 2008, BGBl. I S. 19911. Richtlinie 2001/113/EG.

Warentest, test , 7 (2011) 22. Konfitürenverordnung – KonfV, 2008, BGBl. I S. 19911. Richtlinie 2001/113/EG.

History

Berühmte Apotheker

Simone Berger. Felix Hoffmann ist uns allen ein Begriff, seine berühmte erst- malige Herstellung von Aspirin begegnet uns mindestens halbjährlich in ir- gendeiner Vorlesung. Aber was ist mit anderen bekannten Pharmazeuten? Auf der Suche nach leuchtenden Sternen am Apothekerhimmel habe ich das Internet durchforstet und euch hier die interessantesten Funde zusammen- gestellt. Fallen euch noch weitere Bekanntheiten ein? Die Redaktion freut sich über Leserbriefe!

Schweizer Heilpflanzenlexikon Der Zürcher Apotheker Hans Minner

verfasste im 15. Jahrhundert das erste Buch über Heilpflanzen in der Schweiz. Hans Minner wurde um 1415/20 in Zürich geboren. Wahrscheinlich besuchte er eine Lateinschule und trat dann 1440 in die Dienste Jakob Schwarzmurers, er wurde Verwalter von dessen Apotheke ,Zum Kiel‘. In dieser Zeit dürfte Minner mit dem Abfassen eines Kräuterbuchs begon- nen haben, das er schliesslich im Jahr

1479 abschloss. Sein Werk ist nur in

einer einzigen Handschrift überliefert. Nach Ursula Schmitz, der Herausge- berin der überarbeiteten Fassung des

Kräuterbuchs, handelt es sich bei die- ser Handschrift um eine Reinschrift, die Minner selbst angefertigt hatte. Dabei schrieb er sein Werk nicht in ei- nem Zuge, sondern ging etappenwei- se vor. Er liess dabei Raum für Nach- träge frei. Das Werk gehört, bezogen auf die Anzahl der Drogen, mit knapp

440 Drogenmonographien zu den

umfangreichsten Texten der Gattung.

Aus diesem Grund hat die Herausge- berin dem Werk den Titel „Thesaurus medicaminum“ (dt.: Schatz der Heil- mittel) gegeben [1].

medicaminum“ (dt.: Schatz der Heil - mittel) gegeben [1]. Arnica montana. Bild: pilot_micha/flickr Revolution der

Arnica montana. Bild: pilot_micha/flickr

Revolution der Schmerztherapie Im Jahre 1804 gelang es dem Sachsen Friedrich Wilhelm Sertürner (1783- 1841), Morphin aus der Droge Opium des Schlafmohns zu extrahieren. Zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht einmal ausgelernter Apotheker. Er nannte das von ihm gefundene Al- kaloid nach Morpheus, dem griechi- schen Gott des Traumes, da es Schlaf verursachte. Diese Entdeckung war für viele Wissenschaftler interessant,

History

da es sich um den ersten alkalischen pflanzlichen Wirkstoff handelte. Bis zu diesem Zeitpunkt war man davon ausgegangen, dass die Wirksamkeit von Pflanzen ausschliesslich auf sau- ren Inhaltsstoffen beruhte. Sertürner entwickelte auch eine The- orie zur Cholera. Diese fand aber wäh- rend seinen Lebzeiten keine Anerken- nung [2].

aber wäh- rend seinen Lebzeiten keine Anerken- nung [2]. Papaver somniferum. Bild: Manu/flickr Wissenschaft und Kunst

Papaver somniferum. Bild: Manu/flickr

Wissenschaft und Kunst Die Schriftsteller Ludwig Bechstein, Theodor Fontane und Georg Trackl wurden zwar wegen ihres Schreibta- lents berühmt, waren aber allesamt auch Apotheker.

Ludwig Bechstein (1801-1860) absol- vierte eine Apothekerlehre und arbei- tete zuerst in diesem Beruf. Als er ca. 30 Jahre alt war, erregten die von ihm verfassten Sonettenkränze die Auf- merksamkeit des Herzogs und er er- hielt ein Stipendium. Dies ermöglich- te es ihm Geschichte, Philosophie und

Literatur zu studieren. Der Schriftstel- ler verfasste im Laufe seines Lebens viele Märchen- und Sagensammlun- gen und seine Werke wurden schon zu seinen Lebzeiten viel gelesen. [3]

Werke wurden schon zu seinen Lebzeiten viel gelesen. [3] Ludwig Bechstein. Bild: Wolf G./flickr Theodor Fontane

Ludwig Bechstein. Bild: Wolf G./flickr

Theodor Fontane (1819-1898) wurde als Sohn eines Apothekers geboren. Effi Briest ist wahrscheinlich sein uns am besten bekanntes Werk. Theodor Fontane gilt als einer der bedeutends- ten Vertreter des deutschen Realis- mus. Fontane war politisch sehr aktiv, auch während seiner langjährigen Tätigkeit als Apotheker. Im Alter von 30 Jahren entschloss er sich dazu, nur noch als freier Schriftsteller zu arbei- ten und ab da verfasste er auch Ro- mane [4].

„Aber die Lebenskunst besteht darin, sein Pulver nicht unnütz und nicht in jedem Augenblick zu verschiessen.“ Theodor Fontane

Der österreichische Lyriker Georg Tra- kl (1887-1914) machte eine Ausbil- dung zum Apotheker. Dadurch hatte er relativ unbeschränkten Zugang zu verschiedensten Drogen, welche dann auch sein weiteres Leben dominier- ten. Dies spiegelte sich stark in sei- nen Werken wider, er verfasste reife, schwermütige Lyrik. Im ersten Welt- krieg wurde Trakl als Militärapotheker ins Heer einberufen. Er erlebte die Schlacht bei Gródek mit. Dabei hatte er fast einhundert Schwerverwundete unter schlechten Bedingungen allein und ohne zureichendes Material zu versorgen. Zwei Tage und zwei Nächte arbeitete er in dem Lazarett, das später in der Presse als eine der „Todesgruben von Galizien“ bezeichnet wurde. Trakl hatte keine Möglichkeit, den Sterben- den zur Hilfe zu kommen, was ihn in Verzweiflung stürzte. Trackl erlitt dar- aufhin einen Nervenzusammenbruch. Er starb 1914 wegen einer Überdosis Kokain an einem Herzstillstand, ob es sich dabei um einen Unfall oder Suizid gehandelt hat, ist unklar [5].

„Die Bläue meiner Augen ist erloschen in dieser Nacht, das rote Gold meines Herzens. O! Wie Stille brannte das Licht. Dein blauer Mantel umfing den Sinkenden; Dein roter Mund besiegelt des Freundes Umnachtung.“ Georg Trakl

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besiegelt des Freundes Umnachtung.“ Georg Trakl History Der Arme Poet (1839) von Carl Spitzweg. Bild: jean

Der Arme Poet (1839) von Carl Spitzweg. Bild: jean louis mazieres/flickr

Auch der Maler Carl Spitzweg (1808 – 1885) war ein Berufskollege. Seine Berufswahl wurde jedoch durch sei- nen Vater fremdbestimmt. Als Carl Spitzweg sowohl Mutter als auch Vater und den älteren Bruder in re- lativ jungen Jahren verlor, schloss er sein Pharmaziestudium zwar ab, ent- schied sich aber mit 24 Jahren dafür, sein Leben hauptberuflich der Male- rei zu widmen. Sein in dieser Zeit zu- gesprochenes Erbe erleichterte ihm den Einstieg. Er unternahm mehrere Reisen, brachte sich die Malerei aller- dings vollkommen autodidaktisch bei. Unter anderem verfasste er für die Fliegenden Blätter zahlreiche humo- ristische Zeichnungen [6].

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Namensgeber für Krankheiten Geboren als ältestes von drei Kindern des Apothekers und Chirurgen John Parkinson und dessen Ehefrau Mary studierte James Parkinson (1755- 1824) Medizin im London-Hospital. Bereits während des Studiums ar- beitete er in der Praxis des Vaters mit. Seine bekannteste medizinische Veröffentlichung ist die Arbeit An Essay on the Shaking Palsy (Eine Ab- handlung über die Schüttellähmung) von 1817, in der Parkinson erstmals die Symptome der später nach ihm benannten neurologischen Erkran- kung beschreibt. Parkinson selbst bezeichnete sie wegen des bei vielen Patienten auffälligen Ruhetremors als „Schüttellähmung“ (Paralysis agitans). Der Ausdruck „Parkinson-Krankheit“ wurde vermutlich zum ersten Mal im Jahr 1884 von dem französischen Psy- chiater Jean-Martin Charcot benutzt

[8].

Psy - chiater Jean-Martin Charcot benutzt [8]. Büste von John Langdon-Down. Bild: waldopepper/flickr Der

Büste von John Langdon-Down. Bild: waldopepper/flickr

Der Brite John Langdon-Down (1828- 1896) war Apotheker und Arzt. Wäh- rend seiner Ausbildung spezialisierte er sich auf dem Gebiet der Neurolo- gie. Er leitete 10 Jahre lang das Royal Earswood Hospital, welches speziell auf die Behandlungen von geistigen Krankheiten ausgerichtet war. Wäh- rend dieser Zeit fielen ihm die typi- schen Symptome der Trisomie 21 auf. Er verfasste eine Arbeit, in der diese Krankheit erstmals von anderen da- mals bekannten Behinderungsformen abgegrenzt wurde [9].

Coca-Cola- Erfinder Der US-Amerikaner John Pemberton (1831-1888) wuchs in Knoxville (Ge- orgia) auf und begann mit 17 Jahren seine Ausbildung zum Apotheker. Zwei Jahre später machte Pemberton seinen Abschluss und begann ein ein- jähriges Praktikum in Philadelphia als Pharmazie-Auszubildender. Im Alter von 24 Jahren begann Pemberton mit dem Mixen von sogenannten Mar- kenprodukten. Seine ersten Kreatio- nen waren Eureka Oil, Dr. Stanford‘s Great Invigorator und Southern Cor- dial. 1869 zog Pemberton von sei- nem Heimatort nach Atlanta. Ab etwa 1885 wurde John Pemberton morphi- umsüchtig und begann sich für die Cocapflanze und für eine Mixtur, die aus dieser Pflanze bestand, zu inter- essieren. Er war überzeugt, durch das Kokain bald vom Morphium abzulas- sen. Kokain galt damals nicht als ge- sundheitsgefährdende Droge. Bis ins

Jahr 1887 experimentierte Pember- ton an der Coca-Cola-Formel, bis sie schliesslich in seinen Augen einiger- massen perfekt war.

schliesslich in seinen Augen einiger - massen perfekt war. John Pemberton. Bild: Quinn Dombrowski/flickr Am 6.

John Pemberton. Bild: Quinn Dombrowski/flickr

Am 6. Juni 1887 liess er sich sein Ge- tränk patentrechtlich schützen, am 28. Juni wurde dieser Antrag offizi- ell bestätigt. Pemberton konnte sich aber nicht lange über sein Monopol freuen. Nur zwei Tage nach dem Pa- tentantrag verkaufte er zwei Drittel seiner Rechte an die Firma von Asa Griggs Candler, um so Geld für seine Sucht zu beschaffen. Er wusste wohl auch, dass er nicht mehr lange zu le- ben hatte. Im Wissen, dass sein Sohn Charley noch Geld für seine Zukunft brauchte, behielt er das letzte Drittel. John Pemberton starb am 16. August 1888 im Alter von 57 Jahren [7].

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Ihr merkt vielleicht: All diese Persön- lichkeiten sind schon länger verstor- ben. Sind die Apotheker von heute weniger erfinderisch? Oder gibt es nicht mehr viel Neues zu entdecken und es gestaltet sich immer schwieri- ger, bahnbrechende Entdeckungen zu machen? Lieber Leser, vielleicht steht ja dein Name in 50 Jahren im Tonikum, weil einer unserer Nachfolger über dein Lebenswerk berichtet. Also sei ein Querdenker und mach uns alle stolz, mit dir studiert zu haben!

Quellen

[1]

www.degruyter.com/dg/viewarticle.fullcon-

tentlink:pdfeventlink/$002fj$002fmial.2005.10.

issue-1$002fmial.2005.10.1.116$002fmi-

al.2005.10.1.116.pdf?format=INT&t:ac=j$002fmi-

al.2005.10.issue-1$002fmial.2005.10.1.116$002f-

mial.2005.10.1.116.xml

[2]de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Sert%C3%BCr-

ner

[3]

gutenberg.spiegel.de/autor/ludwig-bech-

stein-46

[4]

de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Fontane#T.

C3.A4tigkeit_als_Apotheker

[5] de.wikipedia.org/wiki/Georg_Trakl#Ausbildung_ zum_Apotheker_und_literarisches_ Schaffen [6] de.wikipedia.org/wiki/Carl_Spitzweg [7] de.wikipedia.org/wiki/John_Pemberton [8] de.wikipedia.org/wiki/James_Parkinson [9] de.wikipedia.org/wiki/John_Langdon-Down

Interview

Perspektivenwechsel in der Pharmazie

Viktoria Gastens. Das Berufsbild des Pharmazeuten ist im Wandel. Im Inter- view erläutert Gerd Folkers, ETH-Professor für Pharmazeutische Chemie und Koordinator der Critical Thinking-Inititiative, aktuelle Entwicklungen und He- rausforderungen in Apotheke und Forschung.

Die beiden Masterstudiengänge werden sich im Zuge der Studien- gangsrevision stärker voneinander unterscheiden. Wird der Masterstu- diengang mit dem Ziel des Eidgenös- sischen Diploms ihrer Meinung nach uninteressanter? Das finde ich nicht. Wenn ich so alt wäre wie sie, würde ich sofort eine Apotheke aufmachen, die das ent- sprechende Ambiente hat. Ich würde wieder Wert auf Eigenherstellung le- gen und somit exklusive Dinge anbie- ten, die der Kunde nur bei mir bekom- men kann. Der Masterstudiengang wird dadurch hochattraktiv.

Wie sieht für Sie der/die Pharmazeu- tIn der Zukunft aus? Meiner Meinung nach wird es sich aufspalten: Die klassische Apotheke wird verschwinden und durch eine vollautomatisierte Apotheke ersetzt werden, welche experimentell jetzt schon existiert. Die andere Seite sehen Sie in jedem Bereich, der mit unserem Leben im Moment zu tun hat – dass die Leute, die es sich leisten können und wollen, einen extremen Schritt hin zur Indi- vidualisierung machen. Diese Leute werden wieder in alte Apotheken ge- hen, aber man muss diesen das ent- sprechende Ambiente bieten.

In Ihrer Zeit am D-CHAB haben Sie eine tragende Position bei der dama- ligen Reformierung der Lehre einge- nommen. Was war Ihre Rolle? Man hat versucht einen Spagat zwi- schen praktischer Apotheke und wis- senschaftlichem Anspruch zu halten. Pharmazie ist eine Wissenschaft, die nicht identisch mit organischer Che- mie oder klinischer Medizin ist, son- dern etwas vollkommen Eigenstän- diges, weil sie zum Teil sogenannten mereologischen Charakter hat. Das ist ein philosophischer Begriff, der sagt, dass man aus einem Teil auf das Ganze schliesst. Ich konnte begreiflich

Das ist ein philosophischer Begriff, der sagt, dass man aus einem Teil auf das Ganze schliesst.

machen, dass ein Arzneibuch ein wis- senschaftliches Gesetzeswerk ist.

Wie erklären sie den teilweise me- reologischen Charakter der Pharma- zie? Zum Beispiel, dass eine Rezeptur eine Rezeptur ist, weil es aus molekularer Kenntnis heraus keine Fundamental- begründung gibt, wie sie die Dinge zusammensetzen müssen. Wenn sie keine fundamentale Kausalitätsbe- ziehung haben, dann müssen sie eine Vorgehensweise standardisieren – und das nennt man Rezept. Die Gegenstände, mit denen wir zu tun haben, haben eine so ausseror- dentliche Komplexität, dass wir Re- zepte brauchen. Das heisst, wir sind überhaupt keine deterministische Wissenschaft. Deswegen kann man in unwahrscheinlicher Tiefe darüber nachdenken, warum ein Arzneimittel überhaupt wirksam ist. Es erklären nicht die Wechselwirkungen eines Liganden mit einem Rezeptor, auch wenn es heute wahrscheinlich noch genauso erklärt wird. Das ist ein Teil der Geschichte, ein statistischer Ef- fekt. Mit monoklonalen Antikörpern kommen wir immer näher an die- ses designte Vorgehen heran. Daher müssen sie zusätzlich noch etwas von Menschen, Statistik und Kontextuali- sierung verstehen. Also ich denke, das ist anspruchsvoll genug und ich habe gemeint, dass wir ein Studium auf- bauen müssen, welches an der ETH jedem anderen ebenbürtig ist.

Interview

Bis Ende letzten Jahres leiteten Sie elf Jahre lang das Collegium Helveticum. Welche Zielsetzungen verfolgt diese Einrichtung? Der Untertitel lautet Laboratorium für Transdisziplinarität. Wenn sie inter- oder transdisziplinär arbeiten wollen, müssen sie in der Lage sein, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen. Das heisst, sie müssen ihren Stand- punkt verändern. Das Collegium Hel- veticum schafft einfach nur Zeit und Raum durch Stipendien oder Gelder, sodass sich Leute auf einen Perspek- tivenwechsel einlassen können. Das ist meine feste Überzeugung, dass sie Perspektivenwechsel brauchen, um komplexe Probleme anzugehen. Sie brauchen ihn nicht um komplizierte Probleme anzugehen. Komplizierte Probleme sind Dinge wie ein hoch- kompliziertes Uhrwerk. Aber komple- xe Probleme haben Externalitäten, Effekte, Selbstbezüglichkeiten und Rückkopplungseffekte, die sie völlig unerwartet reagieren lassen.

die sie völl ig unerwartet reagieren lassen. Collegium Helveticum von Schmelzbergs - tr./Sternwartstr.

Collegium Helveticum von Schmelzbergs - tr./Sternwartstr. aus. (Foto: V. Gastens)

Interview

Was ist ein solch komplexes Problem, das Sie diskutiert haben? Zum Beispiel das Problem der Repro- duzierbarkeit: Wenn sie Arzneimittel herstellen, bedeutet das Rezept und Qualitätssicherung. Wenn sie theo- retischer Physiker sind, können sie überlegen, dass man die Zeit nicht anhalten kann, also es per se nichts Reproduzierbares gibt. Oder es gibt das Gesetz, dass nicht zwei identische Objekte die gleiche Stelle im Raum einnehmen können. Also kann es kein identisches Objekt geben. Aber trotz- dem gibt es Reproduzierbarkeit, wir erleben es ja. Es gibt technische Repro- duzierbarkeit, die natürlich nicht per- fekt ist. Je genauer man nachschauen würde, umso weniger reproduzierbar ist es und umso weniger reproduziert ist es. Unsere Zufriedenheit mit dem Reproduzierten enthält ein gewisses Δx. Seit zehn Jahren gibt es eine gute technische Reproduzierbarkeit inner- halb der biologischen Reproduktion. Das heisst, wenn sie ein Kind krie- gen – wie ist es dann mit dem Δx? Ab wann sagen sie, dass es genau genug ist? Wer entscheidet das? Juristen? Philosophen? Mediziner? Die Eltern?

Die nächste Frage zielt auf ihre neue Aufgabe ab: Das Jahresprogramm der Critical Thinking-Initiative wurde an die Studierenden versandt. Darin steht, dass sie für die „Entwicklung der Initiative in der Lehre“ zuständig sind. Das ist schlecht formuliert. Es gibt kein neues Bologna-Programm mit

zusätzlichen Punkten, in welchem Studenten noch drei ETCS Punkte für Critical Thinking kriegen. Nein, bei Critical Thinking geht es um eine Hal- tungsänderung. Müssen wir so viel publizieren? Wenn ja, warum? Weil wir selber davon überzeugt sind oder weil uns die Um- stände dazu zwingen oder weil wir ei- nem Rating und Ranking unterliegen und permanent auf unseren Zitations- faktor schauen müssen, weil wir sonst kein Geld vom Nationalfonds bekom- men? Wonach richtet sich denn die Reputation? Machen wir nicht aus dem, was wir eigentlich Wissenschaft nennen und für was wir eigentlich angetreten sind, nur eine – und jetzt folgt ein Zitat von einem Buchtitel – Ökonomie der Aufmerksamkeit?

von einem Buchtitel – Ökonomie der Aufmerksamkeit ? Logo der Critical Thinking Initiative an der ETH

Logo der Critical Thinking Initiative an der ETH Zürich.

Was sind die Konsequenzen ei- ner solchen Ökonomie der Aufmerksamkeit? Das könnte zur Konsequenz haben, dass wir nicht wirklich schwierige Probleme bearbeiten, sondern dieje- nigen, die schnelle Ergebnisse liefern. Dann könnte es sein, dass wir uns da- nach richten, welche Ergebnisse man

am besten verkaufen kann. Die Ge- fahr des völligen Utilitarismus steigt. Ich denke, es muss beides geben: Wir brauchen utilitaristische Forschung, um Probleme wie die Post-Kohlen- stoff-Gesellschaft zu lösen. Aber es muss auch reine Wissenschaft in die- ser Form geben, weil wir sonst keine Durchbrüche mehr erzielen. Wir han- geln uns nur an den technologischen Machbarkeiten entlang. Aber Wissen- schaft zu betreiben bedeutet eigent- lich, über das völlig Unbekannte nach- zudenken: Sie stehen an einem Bruch und jenseits davon ist nichts. Da ist es im Zweifelsfall nicht einmal dunkel, da ist einfach nichts, weil sie darüber gar nichts aussagen können, was da ist. Sie haben nicht die Vokabeln dafür.

Ist das auch das Besondere an der universitären Forschung? Im Moment sind die Universitäten die Orte, an denen das gemacht wird, ja. Aber es gibt auch in der Industrie Spit- zenforschung. Der Grundsatz bleibt jedoch folgendermassen: Sie sind an der Hochschule zumindest konzeptu- ell freigestellt, das zu machen, wor- über sie nachdenken wollen. Das sind sie in der Industrie nicht. Dafür müssen die entscheidenden Rahmenbedingungen getroffen wer- den. Und ich habe im Sinne der Cri - tical Thinking-Initiative die Aufgabe, diese Rahmenbedingungen immer wieder in Frage zu stellen. Dazu gehö- ren Lehre, Forschung, aber auch Ver- waltung, Gesetzgebung und finanziel- le Rahmenbedingungen.

Interview

Wie sieht die Critical Thinking-Initia- tive konkret für Studierende aus? Ich komme gerade aus einer mehr- stündigen Sitzung über das Student Project House. Wir versuchen wieder- um einen Ort und Zeit für Studierende zu schaffen, damit sie dort intellektuell explodieren können. Das ist doch das Ziel von einer Hochschule - wir brin- gen sie in eine Startposition. Es gibt immer diesen schönen Satz, den alle dankbaren Leute sagen: „Wir standen auf den Schultern von Riesen.“ Und ein Kollege aus Kalifornien hat gesagt:

„Bei meiner Dissertation standen lau- ter Riesen auf meiner Schulter, des- wegen konnte ich nichts sehen.“ Das ist ein ziemlich guter Spruch, wenn sie sich von Paradigmen erdrückt fühlen. Deswegen Critical Thinking - da muss maximale Denkfreiheit ermöglicht werden.

- da muss maximale Denkfreiheit ermöglicht werden. So könnte das Student Project House als Teil des

So könnte das Student Project House als Teil des denkmalgeschützten Gebäu- dekomplexes Maschinenlaboratorium/ Fernheizkraftwerk aussehen. (Bild: Vi - sualisierung des SPH / Architekten Itten Brechbühl AG)

Interview

Muss man sich als Wissenschaftler über die möglichen Konsequenzen der eigenen Forschung und Handelns im Klaren sein? Hat man nicht – ge- rade auch in den Lebenswissenschaf- ten – eine gewisse Verantwortung zu tragen? Ja, man hat eine Verantwortung zu tragen. Wie weit der Einzelne die- se Verantwortung übernimmt, ernst nimmt und nicht verdrängt, das ist ein schwieriges Thema. Wenn man einen guten Job hat und gezwungen ist Kom- promisse zu machen, glaube ich, wür- de man Kompromisse machen. Ich bin gottseidank nie gezwungen worden, habe mich nie verbiegen müssen oder verbiegen lassen. Das ist immer eine Mischung von beidem. Ich halte es für sehr wertvoll, wenn sie nicht stur ihr Programm abarbeiten, sondern sie immer in der Lage sind, kritisch zu re- flektieren, was sie tun. Dann müssen sie nach dem kategorischen Imperativ oder was sie auch auswählen, versu- chen das Beste zu tun und sie müssen dies vor sich selbst rechtfertigen kön- nen. Sie werden bei Weitem nicht im- mer das Richtige tun.

Was wäre Ihr Ziel im Hinblick auf kri- tisches Denken? Mein Ziel wäre, dass man letztend- lich alle Ethikorganisationen abschaf- fen kann und es integraler Bestand- teil wissenschaftlichen Denkens ist, ethisch zu denken. Dann bräuchten sie keine Ethikkommission, die sie kontrolliert. Diese ist nur ein „Pflas- ter“, weil das andere offensichtlich

nicht funktioniert. Die Idealvorstel- lung wäre, wenn sie mit einem völlig anderen Kulturkreis zusammenarbei- ten, sie nicht die unterschiedlichen ethischen Einstellungen ausblenden und das Projekt nur im Sinne eines reinen Methodenaustauschs verfol- gen.

Was möchten Sie angehenden Phar- mazeuten mit auf den Weg geben? Sie können ihre Zukunft nicht vorher- sehen, sie können sie nur selbst ge- stalten.

Vielen Dank!

Das Interview wurde am 02.03.16 geführt.

Seit 1994 ist Gerd Folkers (*1953) ordentlicher Professor für Pharma- zeutische Chemie an der ETH Zürich. Er studierte Pharmazie an der Univer- sität Bonn, doktorierte dort und ha- bilitierte sich 1989 in Tübingen. Von 2004 bis Ende 2015 war er Leiter des Collegium Helveticums. Nun betreut er die Critical Thinking Initiative an der ETH und ist seit Anfang des Jahres Präsident des Schweizerischen Wis- senschafts- und Innovationsrates. [1,

2]

[1] Schweizerischer Wissenschafts- und Inno- vationsrat SWIR: www.swir.ch/de/der-swir/

organisation-de/der-rat/85-inhalt-cat/359-

prof-dr-gerd-folkers-de, letzter Zugriff:

21.04.2016

[2] Personensuche ETH Zürich: www.ethz.

ch/de/utils/search.html?persid=78461&pa-

getype=people&search=folkers&langua-

ge=de&lang_filter=false, letzter Zugriff:

21.04.2016

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