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Lentralblatt fiir Okkultismus, Monatsschrift zur Erforschung der gesamten Geheimwissenschaften. Herausgeber und verantwortlicher Schriffleiter: Max Altmann, Leipzig. XXII. Jahrgang. | Oktober 1928 | 4, Heft Reitrage und Zuccltiften ir dai Zentralblatt fie Olkinltismus! sind au tiekten an dessen Herans- geber Max Altmann, Leipzig, Frommain- Sirasee 5, Allen Znsebritten und Autragen ist Antworiporto ‘heizutiigen, jassor hahen die in ihren Arbeiten niedor- gelegten Ansichten erlbat au yertrota Helbjatire- Yeruguirely M. 0.— nebet 50 Pfs. Posto, fura Ausland 60 Pfg. Porto, Profu oinee sinratnan Haftes usar Abonnoment Mk, 180 portofref Fells am Ends tines Jabrgangs nicht susiriiektich Abbestalung erfolgt, gut der Bezug als fur den lfehaten Jahegang verlingort Ansoigonpreine: 20 Pig. die sinepaltiga, 40 Pfg. Ate aweispaltige Millimeterzeile bzw. deren Ream Zoblungiort vad Gerichtsstand ist Leipzig, Alle Geldsendungen siud an die Verlagebueliiand- lang Max Altmann ja Letpaig zu sichton, Fottacheckoato Nz. 62798, Reichenbach und das siderische Pendel. Von Dr. Ferdinand Titze Dr. Karl Freiherr von Reichenbach hat mit Hilfe einzelner mit besonderen Fahigkeiten ausgestatteter Personen, die er als ,,Sen- sitive’ bezcichnet, zweierlei Beobachtungen gemacht. Erstens stellte er Leuchterscheinungen am menschlichen Kérper fest und zweitens nahm er die Wirkung einer Kraft wahr, ,,die von den Fingern und dem Leibe des Sensitiven aus propulsiver Natur“ Fernwirkungen hervorzubringen vermag. Beide, Erscheinungen hat Reichenbach als den Ausflu8 von Eigenschaften eines Etwas angesehen, das sich generisch von Elektrizitat, Magnetismus, Warme, Licht unter- scheidet”, und dieses Etwas nannte er Od, odische Lohe. Anfangs angezweifelt und bekampft, stieg die Lehre Reichenbachs im Kurse, als Ergebnisse exakt wissenschaftlicher Forschung, namentlich dic Entdeckung des Radiums, ihr recht zu geben schienen, und sie fiel wieder, als der Wiener Univ.-Prof. Dr. E. Haschek (Uber Leucht- erecheinungen des menschlichen Kérpers. Sitzungsbericht der kaiser]. Akademie der Wissenschaften zu Wien, Math. Nat. Kl. Bd. CXXHUT Abt. [a Miirz 1914) nachgewiesen hatte, da8 die Leuchterscheinun- geu am menschlichen Kérper auf einer Oxydation ausgeschiedener Fettstoffe etc. beruhen. Eine Besprechung der an sich gewif} cin- wandfreien Feststellung Prof. Hascheks als Wertmesser fiir die Richtigkeit der Reichenbach’schen Lehre (Hascheks Nachweis kann ebenso als Widerlegung wie als Best&tigung der Reichenbach- schen Lehre aufgefafit werden) wiirde zu weit fiihren, und sie ist umso entbehrlicher, als wir hier nur die Stellung betrachten wollen, Zentralblatt fite Okkeulkismus, XXIL. Tabrgeng 40 http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0149 © Universitatsbibliothek Freiburg efor ren le 146 die Reichenbach dem siderischen Pendel gegentiber einnahm. Diese unzweifelhaft klarzustellen ist von umso gréSerem Interesse, als die meisten Pendelforscher der neueren und neuesten Zeit auf die Lehre Reichenbachs zurtickgreifen, und das vielfach in einer Art, die leicht zu Mifiverstandnissen Anlaf bieten kann. Reichenbach, der das siderische Pendel durch Rutter in Brig- thon kennengelernt hatte, erblickte in dem Pendel von vorneherein nichts anderes als ein taugliches Instrument zum Nachweise der propulsiv wirkenden Kraft scines Ods, und deshalb gelangte er nicht nur zu anderen Ergebnissen als Rutter, sondern —- wie er selbst hervorhebt -- auch zu anderen als sein Zeitgenosse Drof. Bahr, der Vater der modernen Pendelforschung, Die von Reichen- bach verfolgte Absicht geht schon aus der Aufstellung seines Appa- rates deutlich hervor und sie ist aus der Darstellung seiner Ver- suche und der Kritik des Vorgehens Rutters klar zu ersehen. (Siehe »Die odische Lohe und einige Bewegungserscheinungen als neuent- deckte Formen des odischen Prinzips in der Natur“, Leipzig 1909, Verlag von Max Altmann. Seite 45.) Am bezeichnendsten und interessantesten zugleich sind die fol- genden Versuchsergebnisse, die Reichenbach bezw. seine Versuchs- person bei Verwendung eines Pendels von 1 Fufi Lange erzielte: Ein leeres Haar ohne Dendel . . . . . keine Bewegung Ein leerer Nahzwirn » 6 6 ee ee es Hin Bindfaden . . 2 2. eee Le ” Eine feine Flaumflocke an einem Haar. ,, * Ein kleines Knéuel Eiderdaunen . . . \ Ein Papierscheibchen 3 Linien Durchm. _,, a Ein erbsengrofes Wachskiigelchen . . 1 Linie Exkursion Ein Loth Bleikugel an einem Bindfaden 2 ,, K Nahfaden 3 ,, ” Frauenhaar 3 ,, » 2 Loth Bleikugel . 4 Loth Bleikugel . 6 Loth Bleikugel . 8 Loth Bleikugel . 10 Loth Bleikugel . 11 Loth Bleikugel . 12 Loth Bleikugel . 13 Loth Bleikugel 14 Loth Bleikugel 18 Loth Eisen 25 Loth Eisen ae Crue R SOM NAL etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0150 © Universitatsbibliothek Freiburg — 47 — 50 Loth Blei. 2. . . + 0 Linie Exkursion Besonders bemerkenswert ‘ist es, daf} diese Ergebnisse erst dann auftraten, als die Versuchsperson auf die Erzielung gerad- liniger, und zwar ,,senkrecht auf die Vorderseite des Sensitiven“ verlaufender Schwingungen des Pendels sozusagen dressiert war. Und hier sfehen wir nun vor der Frage, wie diese Ausschlige zu- standekommen konnfen. Es bestehen zwei Méglichkeiten. Entweder waren die Schwingungen das Ergebnis telekinetischer Versuche (vgl. die Untersuchungen des Prof. Ochorowicz in Warschau mit seinem Medium Stanislawa Tomozyk — starre Strahlen). Oder die Schwingungen wurden durch entsprechende Willenseinstellung der Versuchsperson hervorgerufen. Wir wissen ja, da die Schwingun- gen des siderischen Pendels durch Willenseinstellungen erzeug- bar und lenkbar sind. Die Art der Versuchsergebnisse spricht allerdings dafiir, daf} es sich tatsichlich um telekinetische Experi- mente gehandelt hat, Doch sei dem wie immer — jedenfalls wurden von Reichenbach keine Pendelversuche im eigentlichen Sinne vorgenommen, Sein Streben war nie auf die Erzielung deutungsfahiger Ausschlige ge- richtet, ihm war und blieb das Pendel lediglich ein Apparat zur Erforschung und zum Nachweise von Fernwirkungen, Und daran andette sich auch nichts, als Reichenbach sein Versuchsfeld ausge- dehnt und den oft zitierten und fast eben so oft miSverstandenen Satz aufgestellt hatte: ,,Die Kérper emanieren oder radiieren etwas aus, das ihr Gewicht nicht vermindert, durch Glas hindurchgeht und das auch auf Entfernung so machtige Wirkungen ausiibt, daf es motorische Tatsachen vollbringt, d. i, die Bewegungen des Pen- dels beherrscht." Gleichwohl sind die Forschungen Reichenbachs auch fiir die Pendelforschung von grifiter Bedeutung. Denn hier finden ja die beiden Theoriengruppen, die Strahlen- oder Emissions- theorien einerseits und die idiomotorischen oder psychomotorischen Theorien andererseits, ihren Anschluf: beide rechnen mit Emana- fionswirkungen. Wahrend aber die Strahlentheorien eine unmit- telbare Wirkung der Sendungen auf das Pendel annehmen, nehmen die idiomotorischen Theorien nur eine Einwirkung der Sendungen auf das pendelnde Subjekt an, das diese Einwirkung als Empfin- dungserreger auffangt und verarbeitet. Mag man als mittelbare oder unmittelbare, als alleinige oder mitwirkende Ursache der Pendelschwingungen das Od oder Radio- aktivitat annehmen, mag man mit Prof. Haschek an Unterschiede in der Spannung elektrischer Felder denken oder mit Alexander von Humboldt dem Satze folgen, daf jegliche Materie mit allen to* http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0151 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 148 — ihren Eigenschaften wirkt, die Bedeutung Reichenbachs und seiner Forschungen wird dadurch nicht beriibrt. Die Wunder des Willens. Von Dr. Osty. Wiedergegeben von Charles Quartier. Aus dem Franzisischen iibersetzt von E. Stéber. Die Pariser Zeitschrift ,.Les cahiers Contemporains* hat den franzisischen Psychologen 12 brennende Fragen zur Beantwortung gestellt. Unter anderen folgende: Kann der Wille als eine Kraft in sich selbst betrachtet werden? Handelt er ausschlicfilich, indem er den Menschen aufreizt? Kann er wirklich Wunder hervorbringen, d. h. Resultate erzielen, welche sich nach den Umstanden vorher nicht sehen liefen? Kann er das Schicksal des Menschen andern? In Nr. 5 (1927) sind viele interessante Antworten eingegangen. Charles Quartier gibt in der ,.Revue Métapsychique” (September- Oktober 1927) diejenige Dr. E. Ostys wieder: ,,Wenn man die sich fortentwickelnden Bewegungen, ebenso wie die hervorgebrachten Wunder ins Auge faft -- sagt Dr. O. — so ist man von dem herr lichen Fortschritt und den verwirklichten Wundern betroffen. Es ist nun ganz natiirlich, die wahre Quelle dieser Wunder der erzeu- genden Kraft unseres Willens beizumessen. Was ist aber der Wille? Die in das Innere blickende Psychologie stellt uns vier Momen- ten des Willens gegeniiber: 1. Ansammlung der Handlungsgriinde; 2, Uberlegung; 3. Be- schlu8; 4. Handlung. Dieser Prozessus ist von einem Gefihl der Anstrengung fiir die Entscheidung von Freihcit in Bezug auf dic Wahl der Beweg- griinde begleitet und von der Verantwertlichkeit fiir die vollen- dete Handlung. Die Psychologen sind infolge ihrer Untersuchungen soweit ge- kommen, daf} sie die willkiirliche Handlung als eine automatische Reflextatigkeit ansehen, die unendlich verwickelt ist und deren Verwickeltheit uns verhindert, das Aufomafische des Aktes zu feckennen. Die menschliche Tatigkeit ist eine Wechselwirkung des Orga- nismus gegen seine Umgebung, und den schwachen Teil seiner Tatig- keif, welcher iiber die Schwelle des Bewufitseins tritt, nennt man http: //dl.ub.uni-freiburg.de /diglit/zb_okkultismus1928/0152 eo © Universitatsbibliothek Freiburg - 149 willkurlich. Das hauptsachlichste Element dieser Tatigkeit hat Pro- fessor Richet psychologischen Reflex genannt: eigene Reaktion des Gehirns durch einen oder mchrere Sinne aufgenommen, Nach der Auffassung der psychologischen Schule ist der Mensch in seinen Handlungen einer unerbitflichen Bestimmung unterworfen. Die stete Tauschung cincs Willens, der planlos wirkt, wird uns durch die Mannigfaltigkeit der widerstreitenden Bilder hervor- gebracht. Der menschlichen Intelligenz, welche die Natur nur stiick- weise erkennen kann, ist die Illusion des freien Willens nahelic- gend, und sie wird unter anderem auch durch die Einleitung des Willens in 4 Momente darin bestarkt. Unser klares BewuBtsein, welches nur einen kleinen Teil der widersprechenden Bilder auf- nehmen kann — die andern gehen in der Menge der unbewuffen Bilder verloren — kommt so dazu, unter die Rubrik ,,Willen® zu seizen, was in Wirklichkeit das Resultat unwiderstehlicher und unbekannter Impulse ist. Unsere Vorsfellung des Willens wird durch unsere Unwissenheit verursacht. Wenn wir den Menschen vom Universum loslisen, und in seiner Tatigkeit ein Gebiet ausscheiden, welches man das Willensgebiet nennt, so ist dies eine vollkommen willkiirliche Handlung, denn in Wirklichkeit ist der Mensch nur ein Psychismus, der in bestandiger Wechselwirkung mit seiner Umsgebung, dem Universalleben, steht. Um die menschlichen Handlungen zu verstehen, muf} man sie also mit den Bewegungen des ganzen Weltalls zusammenfassen. Wenn diese Forderung auch nicht erfiillt werden kann, so kann man trotz- dem, sei es durch die Beobachtung oder durch Untersuchungen, ver- suchen, diese Zusammenfassung in einem gewissen Mafle zu ver- wirklichen. Hat unser Geist sich einmal frei gemacht von dem Vor- urteil, in dem, was wir von der menschlichen Persinlichkeit kennen, die Freiheit und den Willen zu suchen, und wenn man ohne Vor- eingenommenhzit die Abwickelung einer ganzen Existenz betrach- tet, so wird man ohne weiteres zu folgendem Gesetze gefiihrt: Jede geistige Vorstellung einer zu erfiillenden Handlung ist eine psychische Reaktion auf eine Forderung der Umsgebung. Die ausgeléste Tatigkeit und ihr Schicksal sind durch die Um- gebung bedingt. Die Umgebung, das ganze uns bekannte Weltall und das unendlich gréfere, das wir noch nicht kennen, bedingt voll und ganz die menschliche Tatigkeit, Von den vielen Tatigkeits- gedanken, welche in uns erwachen, scheiden wir von vornherein den gréfiten Teil derselben aus, weil wir fithlen, dai die Umgebung ihnen nicht giinstig ist. Der kleinere Teil, der die Probe der Ver- wirklichung besteht, hat ganz verschiedene Geschicke. Entweder htep://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0153 © Universitatsbibliothek Freiburg efor re cle 150 scheiterte er an Hindernissen, oder wenn er gelingt, so geschieht es infolge der Anpassung und Veranderung, so dafi er nicht mehr erkennbar ist. Wenn in seltenen Fallen unsere Tatigkeitsg¢edanken vollstindig erfiillt werden, so sagen wir: ,,Ich habe Gliick gchabt. Wenn die anfangliche Tatigkeit cinmal ausgefithtt ist, ent- schliipft ihr unendlicher Widerball unserem Verstandnis. Daher das Sprtichwort:,,Der Mensch denkt, Gott lenkt." Dieser Satz driickt sebr woh! die unbekannte Kraft, die uns leitet und die sich durch uns hindurch offenbart aus und fast stets gegen uns. Wenn einmal ausnahmsweise das Ergebnis uns zusagt, dann sagen wir stolz ,,Ich habe es so gewollt. Im entgegengesetzten Falle sprechen wir von Fatalitat. Der Mensch spielt die Rolle im Leben, zu der er be- stimmt ist, nicht die er sich wiinscht. Wille, Gliick, Ungliick, Ge- schick sind Bezeichnungen, welche wir den Einzelheiten unsrer Tatig- keiten in dem Mafie geben, als sie uns Gliick oder Schmerz brin- gen. Die Sprache des Menschen ist das Museum ihrer Ilusionen, Selbst die Erfahrung, die einzige augenblicklich anerkannte Autoritat, bestatigt die Tatsache, dafs jeder in seinem Leben eine streng vorgezeichnete und vorbestimmte Rolle spielt. Befragt man eine hellsehende Persdnlichkeit iiber sein Schick- sal, und es gelingt derselben wirklich, eine psychische Verbindung mit uns herzustellen, so kann sie den Verlauf unseres Daseins vorausschauen, Sie taucht sozusagen in den transzendentalen Plan des menschlichen Wesens, in den Plan, in dem man das Schicksal jedes Menschen erfassen kann. Es gibt viele Menschen, die nicht iber ihr Vorurteil hinauskommen kénnen und nicht glauben, daf jeder Mensch einen transzendentalen Plan besitzt, in welchem man den Verlauf seines Lebens vorausschauen kann. Aber vor der Praxis mufi sich die Theorie beugen. Gewifi, es ist der Wille, welcher alle die Wunder und die Fort- schritte des Menschen zustande bringt, aber wir miissen darauf verzichten, diesen Willen als einen besonderen, persénlichen Willen anzusehen, man muf sich dazu erheben, diesen Willen als einen kosmischen, als eine universelle Intelligenz, als Weltseele, anzu- sehen. Der Verlust des freien Willens ist gewifs viel weniger ver- hangnisvoll, als man es gewShnlich annimmt. Die Menschheit hat bis jetzt unter thren Irrttimern gelitfen, sie hat nichts von der Wahrheit zu befiirchten. Ist es nicht viel logischer zu denken, da in einem Welfall, in dem alles vorbedingt ist, auch unser Dasein vorbestimmt ist, als anzunehmen, da wir cine unbegreifliche Aus- nahme machen? http: //dl.ub.uni-freiburg.de /diglit/zb_okkultismmus1928/0154 eo © Universitatsbibliothek Freiburg bl - Der Verlust des Glaubens an cinen freien Willen wird reich- lich belohnt durch die Erkenntnis des Vorhandenseins eines trans- zendentalen Gedankenplanes, durch welchen wir alle verbunden sind zu einer grofsen geistigen Wirklichkeit. Dieser transzendentale Gedanke ist nicht erzeugt durch die Materie, da er alfer als die materiellen Dhanomene ist. Die Versuche werdenes ergeben undman kann schon vorhersehen, in welcher Orientierung sich die Schltisse befinden, wenn der franszendentale Plan des menschlichen Psy- chismus, der die Wirklichkeit ohne die Sinne und das Gehirn er- faBt, aufhrt zu existieren oder nach dem Tode des Gehirns wei- terleben wird. Vielleicht wird man dann die wirkliche Freiheit er- kennen, wenn man weif, was dieser psychische Plan ist, der trans- zendentale Eigenschaften besitzt. Einige behaupten, diese Gedanken seien weltumstiirzend. Wir sehen nicht ein, in welcher Weise, denn sobald eine Handlung aus- gefthrt werden mui und es gar nicht darauf ankommt, ob sie uns gefallt oder nicht. da wir doch nichts weiter sind als die Werk- zeuge einer uns beherrschenden Macht, so kinnen wir auch Werk- zeuge sein, welche sich gerne ihrem Schicksal unterwerfen. Die einzige Veranderung, die aus der Sache entsteht, wird eine gréfere Duldsamkeit und cin gréReres Verstiindnis sein. Die menschliche Gesellschaft wird nicht mehr so schwer bestrafen, sic wird sich vielmehr gegen diejenigen, welche die Gesetze iibertrefen, schiitzen, so wie man sich gegen Geisteskranke schiitzt. Die Erkenntnis der unumstéfilichen Bestimmung, welche die Welt wie auch die Menschen durch unerklariiche, selbst anschei- nend widersinnige Ercignisse fortreift, war wohl auch das Ge- heimnis der genialen Manner des Altertums, welche man Weise oder Eingeweihte nannte! Die antike Tragédie hat als Triebfeder dic Bestimmung, welche iiber den Menschen und den Gittern steht, die sich ihnen aufdriickt und die sie zwingt, nach ihrem Plan zu handeln trotz oder vielmehr durch die Mittel, welche sie anwen- det, um zu versuchen, ihr zu entschliipfen, und die sic unverséhn- lich zu dem im voraus bestimmten Ziele fiihrt. Was die Erkenntnis des Transzendenten iiber die Rolle, welche dex Mensch zu spielen hat, betrifft, so ist dies wohl das, was die For- derung,,Erkenne Dich selbst und Du wirst die Gétter erkennen”, die so reich in ihrem unendlichen Widerhall ist, ausdriickt. ,,Erkenne Dich selbst", d, h. erkenne Dich in dem, was Du im tiefsten Grunde wirklich bisf, und in dem, was in Dir den Beschrinkungen des Raumes und der Zeit nicht unterworfen ist. Und Du wirst die Gotter exrkennen, d. bh, Du wirst den géttlichen Plan, den Du ver- http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0155 © Universitatsbibliothek Freiburg efor re cle — 152 - wirklichen sollst, erkennen, und soweit Du ihn zu dem Deinigen machst oder vielmehr so weit Du Dich mit ihm verschmelzen wirst, wirst Du selbst Gott sein. Ist es in Wirklichkeit so betriibend aufzuhiren, ein seinen eigenen beschriinkten Hilfskraften iiberliefertes Atom zu sein, das als einzigen Fiihrer seiner Handlungen nichts als seine unvollkom- menen, SuBerst ltickenhaften Kenntnisse und seinen schwachen Willen hat, das als zufalligen Darsteller seine Rolle in einem bedeutungs- losen Drama zurechtstiickelt, um ein bewuBter Teil der Weltseele zu werden, der weifi, da seine Handlungen, selbst wenn sie ihm widersinnig zu sein scheinen, zu der Verwirklichuag eines unge- heuren und grofiartigen Zieles wie das Universum, beitragen sollen. So verschwindet die Angst des Lebens und die bittere Reue tiber die verfehIten Handlungen, und es entwickelt sich eine fast urbegrenzte Fahigkeit, sich den Wechselfallen des Lebens anzu- passen. Die Verfolgung des physischen Uratoms. Von C. W. Morlian, In dem Werke ,,Okkulte Chemie“ von A. Besant und C. W. Leadbeater werden 65 chemische Elemente oder chemische, Atom- verbindungen in Tabellen gebracht und zeichnerisch dargestelit, wie sie sich bei der hellseherischen Beobachtung ergeben haben. In dem zugehérigen Texte sind nahere Exlduterungen gemacht und es ist dabei der Wunsch ausgesprochen, die hellscherisch gefundenen Resultate michten von Anderen bekriftigt werden, damit sie von der AuSenwelt als bewiesen betrachtet werden kGnnen. Die Chemie ist gerade die Wissenschaft, die am ehesten in die Urgriinde der Materie dringen kann und damit dem Gebiete des Okkulten immer mehr naher kommt. Der Chemiker dirfte sich nur nicht stdren lassen von dem ,,Unbekannten" oder ,,Ewig-Uner- kennbaren“, und damit resignieren, sondern die ‘Anschauung auf- nehmen, dafi in der Materie, in dem Elemente, in dem Atom im Grunde alles verborgen ruht, was es iiberhaupt gibt. Die Materie muf ja von irgendwoher ihren Ausgang nchmen, sagen wir von der Urmaterie, und so wurde denn auch das ,,physische Uratom™ ge- funden. Es zeigte sich bei der hellseherischen Forschung, dafi die physische Materie sich eigentlich in sicben Zustande gliedert. AuSer der festen, fliissigen und gasfSrmigen Art sind noch 4 Unterzu- etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0156 © Universitatsbibliothek Freiburg —~ 153 stinde der Materie vorhanden, die der Verstandlichkeit halber mit Ather 4, 5, 2 und 1 bezeichnet werden. Auf der Stufe 1 liegt das physische Uratom, damit die Grenze der physischen Materie. Jen- seits dieser Grenze beginnt die astrale Materie, die dann schliefi- lich zum geistigen Dasein fihrt. Das physische Uratom ist einheitlich und bei allen Elementen dasselbe. Es kommt in zwei Typen vor, als positiv (mannlich) und als negativ (weiblich). Im Wasserstoff befinden sich 18 Uratome, in den anderen Elementen mehr. Demgemaf ergibt sich die Zu- sammensetzung und Wertigkeit der Materie. Das physische Urafom zeigt sich in der Form von gréberen und feineren Spiralen, Wirbeln, und wird gcbildet durch dic Flut der Lebenskraft. In den 3 gréberen Wirbeln flieSen Stréme von ver- schiedenen Elektrizitifen. Die Lebenskraft ist in den Strablen der Sonne verborgen, und alle Krafte des matericllen Dascins, Elektri- zitéten usw., sind Differenzierungen dieser Kraft. Die Sonne sen- det in bestimmter Weise Strahlenbiindel, Strahlengange zu den Planeten, damit Lebenskraff. Das Erscheinen dieser Kraft im Raume bedingt, daf} Atome gebildet werden oder in Erscheinung treten. Wenn die Kraft verebbt, verschwinden auch die Atome. Die 7 feineren Wirbel vibrieren infolge der atherischen Schwin- gungen, die durch die Lebenskraft bezw. durch die elektrischen Strémungen ausgeldst werden. Sie zeigen die 7 Farben des Spek- trums, die 7 Tine der natiirlichen Skala, sind leuchtend, pulsie~ rend, reagieren auf physische Vibration usw. und werden von den Dlaneten her, wohin ja die Stréme der Sonne gehen, eben- falls beeinfluBt. Die Differenzierung der Materie ist auf die be- wirkte Schwingung zuriickzufithren. Lést man das gasige chemische Atom auf, so erhalt man das weniger komplizierte Gebilde der Atherform 4. List man dieses auf, erhalt man Jas noch weniger komplizierte Gebilde der Ather- form 3, dann 2 und schlie@lich das Gebilde der Atherform 1, wo- mit man das Uratom erreicht hat. Hier ist, wie gesagt, die Grenze der physischen Materie und physischen Welt, denn die Auflésung auch des Uratoms setzt Teilchen von Astralmaterie frei, bedeutet damit den Ubergang zu anderem Dasein. Das sich in Spiralen und Wirbeln zeigende physische Uratom hat im Ganzen die Gestalt oder Form zwischen Ei und Herz. Von diesem ei-herzformigen Gebilde bestehen, wie erwahnt, zwei Typen, die sich aber in jeder Beziehung gleich sind, nur nicht in der Rich- tung ihrer Wirbel bezw. der Kraft, die sie durchstrémt. In dem einen Falle strémt die Kraft aus hdheren Welten durch eine Ver- http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0157 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 154 ticfung in dem physischen Uratom, weswegen von Herzform die- ses Gebildes gesprochen werden kann, in das Gebilde ein, durch- flie8t es an Hand der Wirbel und geht in die physische oder mate- rielle Welt tiber. Hier handelt es sich um das positive oder mann~- liche physische Uratom. In dem andern Falle kommt die Strémung aus der physischen Welt in das eiféirmige Gebilde, durchflieBt es an Hand der Wirbel und geht in die hdhere Welt iiber, Hier han- delt es sich um das negative oder weibliche physische Uratom. Die verdichtcten Atome haben iibrigens die gleiche Form usw. als das physische Uratom. Der eine Vorgang ist gleich einer Quelle, aus welcher das Wasser hervorstrémt (positiv); der andere Vorgang gleicht einem Loche, in welches das Wasser verschwindet (negativ). So deutet sich mannlich und weiblich an, und es kann nicht aus- bleiben zu bemerken, daf es sich um Schipfungsstellen und Schipf- ungskrafte handelt (mannlich), die kosmisch-irdisch wirken; an- dererseits um Empfangsstellen und Empfangswirkungen (weib- lich), die irdisch-kosmisch sind. Es geschieht also hier Schoépfung oder Begattung inbezug auf den physischen Plan, und je nachdem, wie fruchffragend gewirkt wird in der matericllen Welt, zeigt sich anderscits wiederum dic Riickwirkung inbezug auf den kosmischen Plan oder die héheven Reiche. Daf die miannlich-weibliche Verbindung auf Erden, der Vorgang der Zeugung, cin Gleichnis cines hohen und bedeutungs- vollen Geschehens ist, diirfte nicht unschwer cinzuschen sein. Die Materie entsteht durch Schwingungen. Diese Schwingun- gen beruhen zuntichst auf Energie. Energie ist es, durch welche die anorganische Materie bewirkt wird. Aber wir haben auf Erden auch die Phanomene des Lebens, der Empfindung, des Gedankens oder Geistes. Hier méchte ich nicht unterlassen, den nach Erkennt- nis strebenden Menschen auf das Buch ,,Gstliche und westliche Physik von Wilson hinzuweisen. Die fortschreitende, auf- und abwarts fihrende Entwicklung wird aus diesem Buche bestéafigt. Das physische Uratom ist nach der ,,Okkulten Chemie“ das kleinste Atom des physischen Planes, von der anderen Seite aus aber zugieich das Atom eines héheren Reiches, namlich des Astral- planes. Das astrale oder Seelen- oder psychische Reich lebt in Empfindungen. In den Empfindungen ist Leben. Das Leben ist eigentlich ein besonderer Zustand, und die Empfindungen bilden gleichfalls einen besonderen Zustand. Der Lebensmagnetismus hangt einerseits mit der physischen Welt, auderseits mit der psy- chischen, der Astralwelf, zusammen. In dem physischen Uratom muf gleichzeitig das Leben wirken, damit es durch die erwahnten etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0158 © Universitatsbibliothek Freiburg - 155 7 Zustande der Materie hindurch bis zum festen Element sich kund- geben kann. Und so ist es! Im Universum ist nicht nur Energie, sondern belebende oder Lebenskraft. Diese Lebenskraft ist in der anorganischen Materie angedeutet; in der organischen Materie, vom Pflanzenreich auf- wrts, wirkt sie durch das Wachstum usw. zusehends. Die Empfin- dungen aber, die der Psyche oder der Seele zukommen, wirken vom Tierreich aufwarts, und endlich der Gedanke oder der Geist kann erst im Selbstbewuftsein des Menschen regelrecht auffreten. Da aber jeder Kirper aus Afomen besteht, so miissen durch die Ux- atome, aus welchen die differenzierte Materie hervorgeht, sowohl Energie, Leben, Secle und Geist wirken. Fir diese Arten der ge- gebenen Daseinsnotwendigkeiten weist die ,,Ostliche und westliche Physik" auf entsprechende Reiche, Ebenen oder Daseinszustinde. Das physische Uratom verdichtet sich bis zum Atom des gasi- gen, fliissigen oder festen Elementes der Materie. Wenn in einem Atom die harmonische Vibration aus zwei Reichen, Ebenen oder Dascinszustinden stattfindet, so entstehen die Phanomene der Kraft oder Energie. (Es kann sich hier nur um das atherische und das sichtbare physische Reich handeln, wobei das atherische Reich, wic wir bei der Aufldsung bis zum physischen Uratom gesehen tiaben, eng mit der physischen Welt zusammenhingf). Wenn die entsprechend wirkende Vibration von drei Ebenen erfolgt, so entsteht Leben (und Empfindung sage ich, denn die Empfindung ist nicht an, die Energie, sondern an die Secle gebunden. Eine Energiewirleung kann wohl einen auferen physi- schen Reiz verursachen, aber cine Empfindung ist cin innerliches, und zwar seelisches Erlebnis, welches dem psychischen oder astra~ len Daseinszustande angehdrt). Erfolst die zielvolle, gleichklingende Vibration in einem Atom von vier Ebenen aus, dann entsteht der Gedanke (oder Geisf. Hiermit sind wir also iiber das Astralreich hinausgekommen und in ein weiteres Reich gelangt, das als geisti- ges Reich oder geistige Ebene bezeichnet werden kann). Wenn in der ,Okkulten Chemie” gesagt ist, das physische Ur- atom miinde in das Astralreich, so kann hier weiterverfolgend ge- sagt werden, das Asfrale fihrt schlicBlich zu cinem anderen Zu- stande, namlich dem geistigen Dasein. Vom geisfigen Reich aus wirkt die AusgieSung, die strimende Fiille, wie auch der geistige Maguetismus durch das astrale und atherische Reich zur Physis, und vom physischen Reich aus wirkt die Befruchtung und der Lebensmagnetismus wieder auf dem umgekehrten Wege in das geistige Reich hinaul, http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0159 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele 156 - Von diesen Wirkungsweisen ist erst cin geringer Teil durch die Physik in der Atomwirkung festgestellt. Daf8 bei der Atom- und Elektronenbeobachtung Abiinderungen durch die hincingesandten Lichtstrahlen erfolgen, ist wissenschaftlich festgestellt. Nun haben wit ja aber nicht nur Lichtstrahlenschwingungen, sondern neben den Gesichtsinnschwingungen auch Wellen oder Schwingungen, wo- durch unsere Gehdr-, Geschmack-, Geruch- und Tastwahrnehmun- gen erfolgen und bewufit werden. Hier wirken also weitere feinere Krafte. Uber deren praktische Ergebnisse, wie auch die Erwerbung der Hellsehfunktion und deren Einbezug in das praktische Leben wird vielleicht demniachst mehr Bedeutungsvolles berichtet werden konnen. Da wir vom physischen Uratom aus auf weitere feinere Krafte unc andere Daseinszustinde stofsen, kann nicht unterlassen werden, auch hier weiterhin auf das Buch ,,Die feineren Naturkrafte und die Wissenschaft des Atems“ von Rama Prasad, aus dem Sans- krit-Original iibersetzt, (Verlag M. Altmann, Leipzig) hinzuweisen. In diesem Buche sind die Schwingungen (Tattwas) naher begriin- det und es wird neben vielem anderen auch vom Bewuftsein, Tod, Wiederverkdrperung usw. gesprochen. Das physische Uratom besteht, wie oben bemerkt, aus Spiralen, Wirbeln, Drei grébere Wirbel leiten die Elektrizitat. Wir kénnen sie in néhere Bezichung zum Atherreich bringen. Sieben feinere Wirbel stehen mit den 7 Planeten in Verbindung. Sie kénnen naher auf das Astralreich 2uriickgefiihrt werden. Jeder dieser 7 feineren Wirbel hat seinerseits schlieBlich wiederum 7 noch feinere Spiralen (Spirillen) oder Wirbel, die mit weiteren feineren Zustinden in Verbindung stehen. Wir haben hier néhere Beziehung zum real be- stehenden geistigen Reich. Sonne, Mond und Planeten wirken ent- sprechend. Alle Welten hangen zusammen. Deshalb ist in einem Atom die ganze Welt. Aus ihm heraus kann sie entwickelt oder dargestelit werden. Das, was wir denken, empfinden und handeln, beruht auf geistigen, astralen oder physischen Afomen, hat ent- sprechende Schwingung und Atomwirkung. So leben wir unser Schicksal aus und biiden es weiterhin. Wie kommt das Bewufitsein zustande? Die Lebenskraft oder der Lebensstrom, welcher durch das positive und negative phy- sische Uratom wirkt, bedeutet zugleich den kosmisch-irdischen und irdisch-kosmischen Atem. Das Ein- und Ausatmen ist die univer- sak Bewegung, welche ftir alle Reiche, also auch fiir dasjenige des Geistes, gilt. Der physische Atem des Menschen ist ein Abbild des grofen kosmischen universalen Atems. Deshalb fithrt das etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0160 © Universitatsbibliothek Freiburg 157 — Atmen den Menschen, wenn er es in Bewufitheit gemaB dem gxro- fen Weltatmen vollbringt, zu héherem Bewufitsein und anderen Daseinszustinden. Schwingungen entstehen durch das Atmen. Von de hoheren zu den niederen Reichen werden diese Schwingungen differenziert, denn in dem Entwicklungsgang geht es ohne das Gesetz der Differenzierung oder Anderung nicht ab. Fir die 5 irdischen Sinnesorgane kommen je besondere Schwin- gungen in Frage, ebenso fiir seelische und geistige Zustande. Auf der héchsten Ebene (Geist) gibt es nur ein gemeinsames Erkennen, ein verbindendes Weltbewufitsein. Das Selbstbewuftsein ent- stehf erst bei der Differenzierung, von der zweiten Existenzebene ab, wenn ein Du und Er oder Es unterschieden wird, womit das Ichbewufitsein oder die selbstische Abtrennung méglich wird. Dieses Ichbewuftsein, mit dem der Egoismus verbunden isf, soll nun auf der Erde soweit entwickelt werden, da man von einem unter- bewufiten, traumenden oder schlafenden WeltbewuStsein zu einem vollbewuBten, vollwachenden Welfbewuftsein, in dem zugleich der Altruismus liegt, um mich so auszudriicken, kommt. Das Ichbe- wufitsein bleibt dabei selbstbewuSt auch auf den héheren Ebenen. Der Tod tritt ein, wenn die Hauptfarbe des Lebens fiir den betreffenden Organismus crlischt. Die Schwingungen fiir die 5 Sinnesorgane haben je besondere Farbung. Sie durchstrémen das geistige, astrale, das physische Uiratom und gehen in die Elemente cin. Die Sonne verursacht fiir jeden Menschen den positiven Le- bensstrom, der Mond wirkt negativ, und dazwischen beeinflussen in geringerem Grade die Planeten. Der Standpunkt von Sonne, Mond und Planeten zur Zeit der Geburt eines Menschen ist fiir dessen Lebensart und -Dauer bedeutungsvoll. Aber das Schicksal des Menschen beruht auf noch Weiterem. Er erhilt durch die Schwingungen Sinnes- und auch seelische und geistige Eindriicke. Wenn diese Schvingungen in ihrem regelrechten Verlauf gestért werden, was u. a. zum Beispiel durch iibermafigen SinnesgenuB geschieht, dann entsteht Krankheit. Die Handlungen des Menschen verursachen wiederum Schwingungen, die charakteristisch gefarbt sind. Die Hauptfarbe des Lebens ist durch den Charakter des Menschen bestimmt. Alle Farben wirken auf das eigentliche Lebensgebiet und héher hinauf. Mit der Verinderung der Gesticne nehmen sie an Intensitat ab, werden schwacher und verschwinden allmahlich. Werden einige Farbenschwingungen durch entsprechende Sinneseindriicke und an- derseifs durch seelische und geistige Binwirkung ibermichtig, so intensieren diese besonders den Menschen, wahrend andere Schwin- http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0161 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele 158 — gungen in Riickstand kommen. Wenn einige Schwingungen fiir be- stimmte Organe ganz zuriickireten, so verlieren diese Teile die ahigkeit sich zu betatigen. Als weitere Folge davon entsteht der Grtliche oder Teiltod, der sich durch Blindheit, Taubheit, Stumm- heit, in Lahmungserscheinungen der Glieder, in mangelhaften Ver- dauungskraften usw. kennzeichnen lassen kann. Der Pulsschlag hbéri hier allmahlich auf und zieht sich immer mehr gegen das Herz zuriick. Es wird schliefilich die Hauptfarbenschwingung ergriffen, diese zerrinnt, es setzt auch der Herzpulsschlag selbst aus, und der allgemeine Tod tritt ein. Der Tod bedeutet den Ubergang zu ande- rem Sein. Versteht man den Atem entsprechend zu beniitzen und die férdernden seelischen und geistigen Einwirkungen zu dirigie~ ren, so entsteht nicht Abwarts- sondern Aufwirtsrichtung, die sich in Wachstum, Beweglichkeit, Gewandtheit usw. kundgibt. Die Wiederverkirperung resultiert daraus, daB die gelegten Ursachen sich auswirken miissen. Die Farbe einer Schwingung zeigt deren Bedeutung an. Ihre Auswirkung findet dann statt, wenn die annahernde oder gleiche Gestirnstellung in der Weise, als sie zur Zeit der Ursache vorlag, wieder eintrift. Das kann kaum im gleichen Leben geschehen, weshalb eine wiederholte Erden- laufbahn, sofern noch irdische Bindungen vorliegen, nach ent- sprechender Zeit notwendig wird. Der Vorgang regelt sich dann durch die kosmische Einwirkung in dem Lebensstrom, welcher die entsprechenden Schwingungen im Gefolge hat. Vom Astralplan oder dem unteren geistigen Reich, wenn der Mensch infolge mangelhafter Erkenntnis zu Lebzeiten auf Erden nicht weiterge- kommen ist, erfolgt die Einwirkung durch das physische Uratom, mehr mannlich oder weiblich oder gemischt, je nach dem im Ich angehduften Schicksal, bis in das physische elementare Dasein hinein. Die elektro-magnetische Wirkung inbezug auf das materieclle Dasein ist in Tatigkeit. Die in diesem Aufsatz liegende physikalische oder materielle Betrachiung fihrt erst dann zu gréfteren Fortschritten, wenn man auch den seelischen und geistigen Einwirkungen nachspiirt, d. h, dic Triade oder die Dreieinigkeit erkennt und empfangt. Begreifen wir es? Von Ernst Schillemeit. Im Grunde genommen begreifen wir nichts, nicht einmal die Dinge, mit denen wir taglich und stiindlich zu tun haben, Die ent- http: //dl.ub-uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0162 eo © Universitatsbibliothek Freiburg — 159 — legensten Gesfirne liegen unserm Begreifen ebenso fern wie die niichternsten Vorginge, die sich in unmittelbarer Nahe vor unseren Augen abspielen. Zumeist ist es gerade das Gewohnte, Alltas- liche, was uns ein Begreifen vortauscht. Ein wenig Nachdenken lait uns jedoch erkennen, daf} wir auch hier mitten in den tiefsten Ge- heimnissen stecken. Der Prozef} des Erkennens 1a8t uns die Ursachenkette aufrol- len, welche sich dem weiferen Vordringen als eine Kette ohne Ende erweist. Wir meinen, einen Vorgang begriffen zu haben, wenn wir die zunichst liegenden Ursachen erkannt haben. Hier geht bei den meisten bereits der Verstand zur Ruhe, ohne sich um die weite- ren Glieder der Kausalkette zu kiimmern, Oft handelt es sich nur um die verbale Festlegung eines leeren Begriffes; denn, wie Goethe so schin sagf: ,,Wo die Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich cin.” Verfolgt man jedoch die Ursachen weiter, so gelangt man bald an eine fundamental letzte, die ein weiteres Aufrollen der Kette nicht mehr gestattet. Wir formulieren ein Na- turgesetz, schaffen so cinen festen Punkt im lecren Raum und lassen alle Dinge um diesen kreisen. Das Fallen des Steins ware uns in aller Ewigkeit unerklarlich, wenn wir das Gesetz der Schwer- kraft nicht als gegebene, primare Ursache zunachst formuliert hatten. Allein, was die Schwerkraft selbst ist, wird uns nie begrifflich faBbar sein, ebensowenig wie das Wesen der Elektrizitat, der wir trotzdem cinen grofsen Teil unseres Kulturfortschritts verdanken. Aber nicht nur die Erforschuag der Ursachen ist ein notwen- diger Bestandteil des Begreifens, zu ihm gehirt auch das Erfassen der ZweckmaBigkeit. Es ist dieses cine Forderung unserer Ver- nunft. Ich kann ein Ding oder einen Vorgang noch so sehr nach seinen Ursachen erforscht und das Unbekannte somit auf etwas Bekanntes, Legitimes zuriickgefithrt haben, es wird mir erst dann in seinem vollen Umfange faflich sein, wenn ich weif, warum es existiert, welcherm Zweck es seine Daseinsberechtigung verdankt. Sonderbarer Weise scheint die Natur sich hier der Struktur, dem Verlangen des menschlichen Hirns anzupassen und ihm Recht zu geben. Ein Beispiel soll uns das erhellen: Wenn wir unsern nackten Kérper lange Zeit den Sonnenstrahlen aussefzen, so bekommt un- sere Haut eine dunkle Farbe. Diese Braunung hat zugleich den Zweck, unsern Kérper vor dem Zuviel der Lichtenergie zu schiitzen. An und fiir sich handelt es sich bei der Entstehung der dunklen Farbe um einen rein mechanischen Vorgang, der sich unter Umstin- den auf der Pigmentschicht unserer Haut mikroskopisch genau ver- http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0163 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 160 — folgen licBe, Aber warum die Haut gerade in dieser Weise auf dic Sonnenstrahlen reagiert, wird uns ewig unbegreiflich sein. Hier entscheidet allein die Zweckmafigkeit. Unsere Haut wiirde sicher cbenso imstande sein, die Sonnenenergie nach dem Vorbilde der Pflanzen in ein sattes Griin umzuwandeln, wenn uns dies gesund- heitlich férderlicher ware. Hier ist der Punkt, wo der mechanische Ablauf eines kausalen Geschehens seine Direktive vom rein Geistigen erhalt und die Prio- ritat des Letzteren zur deutlichen Klarheit gelangt. Hier, bei der Umwandlung der Substanz in geistige Energie, wenn ich mich so, efwas gewagt, ausdriicken darf, liegt fiir unser Begreifen die un- iibersteigbare Barriere. Wir vermigen vielleicht den stofflichen Teil der Welt bis in seine letzten Atome zu erforschen, doch am wenigsten begreift der Geist sich selbst und muff sofort die Waffen strecken, sobald dic Materie im Begriffe ist, sich in vitale, geistige Kraft zu transformieren. Wie in dem mechanischen Ablauf des Geschehens die Natur- gesetze die letzten Glieder des kausalen Erfassens darstellen, so prasentiert sich in der Erkenntnis der Zweckmiafiigkeit das mensch- liche Bewufitsein selbst als uniiberwindliche Schranke. Die Linie, welche, aus der Unendlichkeit herkommend, in irgend einem Punkte unser Erkennen kreuzt, verlauft nach der andern Richtung ebenfalls ins Unendliche. Wenn man diese Linie mit dem Zeitbegriff in eine Parallele stellt, so wiirde der aus der Unendlichkeit auftauchende Teil die Vergangenheit, der Kreuzungspunkt die Gegenwart und der wieder ins Unendliche entgleitende Teil die Zukunft darstellen, Die Aufrollung der Kausalkette tastet nach riickwarts in die Ver- gangenheit, das Begreifen der Zweckmaftigkeit in die unerforsch- lichen Regionen der Zukunft. Ein cigentliches Begreifen ist aber in keinem Fall gegeben. Die Erkenntniskraft kame nicht eher zur Ruhe, als bis der unendliche Ring geschlossen wire. Die Schluft- glieder werden sich jedoch nie finden lassen, da es sich hierbei nicht um eine Kurve, sondern um eine gerade Linie handelt. Wie gesagt, liegt die Schwierigkeit des Begreifens in der Un- méglichkeit, den Ubergang eines stofflichen Prozesses in einen see- lischen Vorgang zu erfassen. Jedes aufiere Geschehen muf sich in ein psychisches umwandeln, um von meinem Bewufitsein registriert zu werden. Wie sich die physikalischen Vorgange der Aufienwelt in physiologische umsetzen, z. B. beim Aufnehmen eines Gesichts- bildes oder cines Gerausches, aft sich mit Hilfe der bekannten Naturgesetze und der Chemie mit einiger Wahrscheinlichkeit er- klaren. Die Méglichkeit hierzu ist gegeben, denn diese Vorginge etre ure co hetp://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0164 © Universitatsbibliothek Freiburg — 1 — vollziehen sich auf der stofflichen Ebene. Die Umwandlung des physiologischen Prozesses in das psychische Vorstellungsbild da- gegen entzicht sich vollkommen jedem menschlichen Begreifen. Hier klafft eine Liicke, die uniiberbriickbar ist; es handelt sich eben um zwei verschiedene Welten, die sich gegenseitig bedingen, aber dennoch in ihrem cigenen Kosmos krcisen. Man suchte diesen Schwierigkeiten zu begegnen, indem man den Dualismus einfach aus der Welt zu schaffen glaubte und dem physikalisch-physiologischen Prozef} alleinige Daseinsberechtigung zuerkannte. Die psychische Seite des Prozesses wurde als irra- tionaler Faktor aus der Rechnung herausgestrichen und hiermit der Endeffckt, das Schlufergebnis, zugunsten geistig erfaSbarer Elemente auf materieller Grundlage fallen gelassen. Diese materialistisch-mechanische Betrachtungsweise war nur imstande, die Misere des Erkennens zu vergréGern, da der wesent- lichste Kern des Problems im Dunkel gelassen wurde. Denn letzten Endes vollziehen sich auch die physikalischen und physiologischen Vorgange in der Bewuftseinssphire selbst, d. h. im Psychischen, Man kame vielleicht eher zum Ziele, bei einer Vermeidung des Dualismus vom rein Psychischen auszugehen und von ihm aus das Weltbild einigermafien begreifbar zu machen. Sehen wir, um uns dies deutlicher zu machen, einmal den Vor- gang in umgekehrter Richtung an: Ein psychischer Akt materiali- siert sich iiber die Umwege des Physiologischen in einen physika- Jischen. Ich habe die Absicht, aa meinen Freund einen Brief zu schreiben und lasse in diesem Augenblick meine Hand die Feder ergreifen. Bei Belassung des Dualismus geht die Veranlassung zu dieser einzelnen Handlung vom Geistigen aus. In meiner Seele habe ich den Impuls, dem Freunde meine Meinung iiber unsere kiirzlich stattgefundene Debatte schriftlich zu dufiern, Lange habe ich mit diesem Vorhaben gezaudert. Unterdessen beschaftigte ich mich intensiv mit dem Gegenstand unserer Meinungsverschieden- heift. Die Probleme rangen sich in mir zur Klarheit durch, und, nun, heute, jetzt, ist der Augenblick gekommen, in der ich meiner Hand dic Weisung gebe, die Feder zu ergreifen. Schon die eine Bewegung der Hand ist ein rein mechanischer Vorgang, zu dessen Zustandekommen ein unendlicher, komplizier- ter Weg vom physischen Impuls tiber die motorischen Nerven- bahnen zu den ausfithrenden Muskelorganen zuriickgelegt werden mufte, Dieser Weg bedeutet eine Linie voller Unterbrechungen, deren eines Ende aus dem Licht des Intellekts auftaucht, dann der Psyche entgleitet, den langsten Abschniff im Dunkel zuriicklest Gontrelblatt tr Okkultiomas. XXTT, Tabrgang. rm http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0165 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 162 — und am Ende wieder als mechanische Kraftiufferung sichtbar wird. Die entscheidenste Etappe des Weges, die die Umwandlung des Dsychischen in den physiologischen Akt darstellt, enfzieht sich voll- kommen dem menschlichen Begreifen und bleibt ihm ebenso ein Riatsel wie ein spiritistischer Apport. Nur die tagliche tausend- faltige Anwendung dieses Wunders tiuscht in ihrer sfeten Wieder- holungsmiglichkeit und Bereitschaft tber ihre Ratselhaftigkeit hinweg, Nach Fechner sind Seele und Leib dieselben Dinge, nur von zwei verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachtet. Wie, wenn dieser Dualismus einfach gar nicht vorhanden wire, wenn der Akt des Federergreifens eine einzige ununterbrochene Linie ware und der verhingnisvolle Knick nur daher rithrte, dafi man beim Ver- folgen pldtzlich ohne zwingenden Grund seinen Standpunkt, seine Betrachtungsweise wechselte und nun von einer ganz anderen, heterogenen Seite an das gleiche Problem herantrate? Man sieht Schwierigkeiten, die in Wirklichkeit gar nicht existieren, man macht sich das Leben unniitz sauer, wo es im Grunde so cinfach, so hand- Sreiflich vor Augen liegt? Das Wort des Aristoteles: der Mensch beginnt zu philosophieren, wo er das erste Mal erstaunt, ist leider auch wahr, wenn man es umkehrt: der Mensch beginnt zu sfaunen, wenn er zu philosophieren anfangt, ndmlich iiber sein Unvermdgen, die nafiirlichsten Dinge der Welt in ihrem Zusammenhange zu begreifen, Dem primitiven Denker wird es nie einfallen, in dem Akt des Federergreifens eine Fille komplizierter Vorgtinge zu erblidsen. Er sieht ihn als eine Einheit an und wird sich um die Sichtbarkeit eines Dualismus nicht im geringsten kiimmern. Keinesfalls wird er sich damit einverstanden erkléren, wenn die Wissenschaft ihm den Akt des Federergreifens als eine Frucht von in chemische Verande- rung versetzter Gehirnzellen und damit verbundener Reaktion aui motorischen Nerv und ein Heer von Muskeln hinzustellen versucht. Fiir ihn entscheidet das Wort: ich will! und hiermit gibt er seiner Meinung iiber die alleinige Herkunft von psychischen Faktoren ein- deutigen Ausdruck. Hand und Muskeln sind ihm nichts weiter als ausfiihrende Werkzeuge, die den seelischen Impuls in die Tat um- setzen. Und er hat Recht! Man kénnte noch weiter gehen und be- haupten, daf§ diesen Werkzeugen gar keine reale Unbedingtheit zuzusprechen ist und die ausgefiihrte Handlung mitsamt den Kraft- erzeugern nichts weiter ist als die materialisierte Idee des Willens oder der blofen Imagination. Die monistisch-materialistische Auffassung, welche den Bewe- etre ure co hetp://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0166 © Universitatsbibliothek Freiburg — 163 — gungsvorgang von der rein sfofflichen Seite 2u deuten sucht, schiittet das Kind mit dem Bade aus. Indem sie dem Sicht- und Greifbaren alleinigen realen Werf zuspricht und den ersten Antrieb aus dem Seelischen ins Physiologische legt, stempelt sie den ganzen Menschen zur toten Maschinerie, in der das wesentlichste Moment der Zweckmafigkeit keinen Raum hat. Sie gerif so mit ihren ge- kinstelten Deutungen auf cinen toten Punkt, der kein weiferes Ein- dringen in das Problem gestattef, und mu wohl oder iibel auf das Dsychische zuriickgreifen, indem sie den ganzen Mechanismus der Bewegung in cin Spiel der Krafte auflést. Hiermit ist aber dic Briicke geschlagen, die in das geflissentlich gemiedene Gebiet des Dsychischen zuriickfiihrt; denn ein Spiel der Krafte aus der Maferie heraus zu begreifen, ist eine Unmiglichkeit. Anders verhalt sich die Sache, wenn man dem gordischen Kno- ten des Dualismus mit Uberwindung der Materie aus dem Wege geht und dem Psychischen alleinige Bedingtheit zuerkennt. Erst von diesem Gesichfspunkte aus lafit sich die Fille der okkulten Probleme, denen die materialistisch eingestellte Wissenschaft mit begreiflicher Borniertheit und toter Skepsis gegentibersteht, in ein klares Weltbild einordnen. Man rede dem primitivem Briefschrei- ber ein, daB der Akt des Federergreifens, um bei diesem Beispiele zu bleiben, nichts als cine Folge von in Bewegung versetzter Ge- hirnzellen ist. Er wird unglaubig lacheln oder sich zu einer selbst- beobachtenden Kontrolle der einzelnen Handlungen veranlafit sehen. Er wird das Gefithl der Sicherheit verlieren und bei langerem Dreinreden nicht mehr imstande sein, die Feder seinem abgelenkten Willen dienstbar zu machen. Denke iiber jeden Schritt nach, den du auf dem Wege tust; dein Gang wird schwankend und du strauchelst iiber den nachsten Stein, der dir zu Fiifien liegt. Die Materie, der Fiibrung des Geistes durch Konzentration auf den stofflichen Me- chanismus beravbt, begibt sich der leitenden Kraft; die Zweck- mafigkeit wird zum Spielball des Zufalls, die Ventile des Geistes sind verstopft und dic Krafte irrlichterieren ins Dunkle, Es gibt immerhin zu denken, dafi der umgekehrte Weg, namlich eine Ablenkung von den stofflichen Ingredienzien der Bewegung, auch zu umgekehrten Resultaten fiihrt. Die Feder wird um so sicherer und fliefiender iiber das Papier eilen, je weniger sich der Schreiber der bedienten Werkzeuge bewufit ist. Der Kiinstler wird nur dann produktiv sein und das Gefithl des Gelingens haben, wenn er sich auf das rein Psychische einstellt und sich seiner Werkzeuge wie im Schlafe bedient. Von dem normalen Schreiben zum Tranceschreiben ist nur ein ue http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0167 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele 164 -- Schritt; die Richtung der Linie ist un keinen Punkt geiindert. Der Wille tritt seine Direktive an die Imagination ab und verlegt so die Impulse tiefer in die Bezirke des rein Dsychischen hinein. Das Gefiihl der Sicherheit wird in dem Mafie gesteigert, als die kontrol- lierende Tatigkeit des Oberbewufitseins ausgeschaltet wird. Die Hand gehorcht ohne Widerspruch, sie ist ganz zur materialisierten Idee geworden. Nur noch einen Schritt weiter, so entwickelt sich bei weiterer Abdunkelung der beobachtenden Gehirnkontrolle die direkfe Geisterschriff. Die Wiinschelrute des Geistes sprengt ver- riegelte Schlisser, die Magie tut ihre Zaubergemicher auf und l48t uns verstohlene Blicke in Regionen hinein tun, in denen die Materie sich restlos in geistige Wesenheit aufgelist hat. Die Dichterin Annette Droste schreitet tiber das Wasser, um sich den Weg abzu- kiirzen, trockenen FuSes hinweg und findet das ganz in der Ord- nung. Schon der geringste Zweifel wiirde den Naturgesetzen Ge- walt iiber die Materie gestatten und zur Katastrophe fihren. Das schlafende Medium emaniert aus sich Glieder und ganze Phantome, um auferhalb seines grobstofflichen Leibes physikalische Wirkun- gen zu erzeugen. Es macht seinen Kérper der Idee dienstbar, es lést sich 2ur Halfte auf, um wirkende Kraftzentren in den Raum zu stellen, ja es dematerialisiert sich vollig oder tiberwindet durch das Phanomen der Levitation seine eigene Schwerkraft. Allie diese Tatsachen sind nur dann in unser Weltbild ecinzu- ordnen, wenn man den Dualismus im Gegensatz zum monistisch- materialistischen Verfahren durch Entrealisierung des Stofflichen und unbedingter Gelfendmachung des Psychischen vom Throne hebt. Alles stoffliche Geschehen ist letzten Endes doch nichts wei- ter als ein Vorstellungsakt. Wir kénnen aus unserer Vorstellung nicht heraus, und die Materie ist nichts weiter als eine Deutung, ein Behelf, der nur geeignet ist, uns den Weg zum Erkennen des Tatstichlichen zu verbauen. Aus diesen Griinden geht hervor, daS man mit den alten Me- thoden der sich als exakt bfahenden Wissenschaft nicht an die tiefsten Lebensprobleme herankam. Auch die sich der Wissenschaft nahernde Parapsychologie, die den Problemen mit Messen, Wagen usw. auf den Leib riicken will, wird sie nur soweit erfassen, als es die Starrheit der Materie selber zulaé8¢. Auch durch gewissenhafte Fixieruns tausender Tatsachen wird man eine hartniickige Skepsis nicht zum Umfall bringen. Der tiefste Kern der Sache bleibt durch die Anwendung alter Methoden volistandig unberithrt. Die okkulten Phanomene entflichen dem nackten Zugriff der Hand mit derselben Geschwindigkeit, als man sich ihnen zu niihern trachtet, und sind etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0168 © Universitatsbibliothek Freiburg ~ 16 — bei weiterem Vordringen in das unbekannte Land vorziiglich ge- eignet, den Okkultismus iiberhaupt aus der Welt zu schaffen. Bei Entschleierung samtlicher Geheimnisse wiirde man vor cinem Fiasko stehen, das die unendliche Mithe mit Aufweisung cines turmhohen Triimmerhaufens vergilt. Die Wissenschaft wird ewig recht be~ halten, wenn sie die Uberwindung der Materie durch den Geist leugnet; denn die Anwendung ihrer Methoden ist das sicherste Mittel, die Wirksamkcit der psychischen Kraffe zu apostrophieren oder nicht zu umgehende okkulte Tatsachen in das Gebiet realer Wertlosigkeit zu weisen. Gibt es nun ein wirkliches Begreifen der okkulten Vorgange? Nach meinen Ausfiihrungen auch dann nicht, wenn man die Prob- leme von rein psychischer Seite aus zu erfassen trachtet. Freilich wird man bei letzterer Methode zu tieler schiirfenden Resultaten und Werturteilen gelangen. Die materialistische Einstellung wird kapitulieren miissen und einer ethisch ergiebigeren Lebensauffas- sung das Feld zu riumen. Der Schleier der Isis wird sich auch dann nicht liften. Was bliebe uns in der Welt auch noch 2u tun iibrig, wenn die letztent Bollwerke des Gottlichen in den Staub sinken? Sie wird niichtern und wesenlos; der Mensch wiirde mit allen Fasern der Materie, da sie noch alleinigen Wert besitzt, verfailen. Begreifen wir schon nicht die einfachsten Vorginge, die sich im alltaglichen Leben vor unsern Augen abspielen, so bleibt uns angesichts der okkulten Dhinomene nur iibrig, sie gewahren zu lassen und uns an sie zu ge~ wohnen, um thres realen Wertes und Nutzens gewifi zu sein. Ohne Zweifel liegt es in der Natur der okkulten Phanomene, uns mitten in die Kernprobleme des Dascins hineinzufiihren. Eine S6ttliche Weltordnung hat es weise eingerichtet, daf sie mit dem Auffreten derselben so sparsam ist und sie der Kontrolle des zer- setzenden Intelickts entzicht. Ein weniger geiziges Verfahren wiirde den Okkultismus zur Kiichenmagd des Lebens degradieren und ihm den Wert des Alltaglichen verleihen, was dem Untergang des Psychischen in der Materic gleichkommen wiirde. Letztern. Endes entscheidet aber weder der praktische Nutzen noch restloses Begreifen, sondern die Méglichkeit, an den Prob- lemen zu wachsen und seine psychischen Krafte nach den Grenzen ihrer gegebenen Bedingtheit zu steigern, Einzelnen Individuen wird dies mdglich sein; der Mehrzahl der Menschen wiirde mit der Wahrheit, selbst in konkretester Form, schwerlich gedient sein, htep://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0169 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 166 — - »Geistige Atome“ und ,,Erscheinungen im Geiste‘? Zam Artikel des Herrn C. W. Morlian in Nr. 1, Jhrg. 22 des Z. £. O. Von Fr. Kriiger, Um die Leser des Z. f. O. vor Irrfiimern zu bewahren, sei es mir gestatfet, auf einige Ausftihrungen des fraglichen Artikels naher einzugehen. Zu 2 teilt Herr M. mit, da er bei na’herem Zusehen in der Atmosphiére Formen und Figuren sieht und da®B ihm diese Gebilde allmahlich — wohl nach Jahren -~ nach seiner weiteren geistigen Vervollkommnung, intensiver, erweiterter und bedeutungsvoller geworden sind, i Ware Herr M. Bakteriologe oder wiirde er dfter mikroskopische Praparate von Krankheiserregern geschen haben, so ware ihm ohne weiteres die Ubereinstinmmung des in der Atmosphare Ge- schauten mit diesen Praparaten aufgefallen. Bei den Krankheits- erregern handelt es sich um Mikroorganismen, z. T. so klein, daf sie bisher nicht einmal mit dem Mikroskop wahrgenommen wer- den kénnen. Bei Infektionskrankheifen —- und das sind fast alle Krank- heifen — geraten die Bakterien, Bazillen usw. ins Blut, durch wel- ches sie fast alien Organen des Kirpers zugefiihrt werden. Auf Umwegen kommen so diese Gebilde auch in das Wasser der Augen- linse. Mit den Jahren und nach Uberstehen vielfacher Infektions- krankheiten (Katarrhe, Grippe, Masern, Scharlach, Pneumonie, Diphtherie usw.) vermehren sich die Ablagerungen in der Linse, wie in allen anderen Organen des Kérpers, und haben oft schén ausgepragte Formen. Es handelt sich bei den Schauungen des Herrn M. offenbar um Kokken (einzellige Wesen mit einem Kern, die unter dem Mikros- kop als Kreise mit einem Punkt in der Mitte erscheinen); Strepto- kokken (von Natur rund wie alle Zellen, die aber in Ketfenform, wie der Name ja sagt, angeordnet und durch Adhision an den Haftflachen abgeglattet sind, wodurch sie ungefahr quadratformig erscheinen mit ihrem Kern in der Mitte); Pilze, Stibchen usw., die off ineinander verflochten sind und dann wie Strohwische aus- sehen. Alle diese Gebilde befinden sich, dem Gesetze der Schwere folgend, auf dem Boden, d. h. dem unteren Rande der Linse. Gleichwie nun Sinkstoffe, die auf dem Boden eines mit Wasser gefiillten Glases ruhen, beim Bewegen des Glases sich, je nach ihrer Schwere, mehr oder weniger hoch im Wasser erheben und http: //dl.ub.uni-freiburg.de//diglit/zb_okkultismmus1928/0170 eo © Universitatsbibliothek Freiburg — 167 — dann -- beim Stillstehen des Glases — sich wieder senken, so werden durch Bewegung des Augapfels die im Linsenwasser be- findlichen Fremdkérper durcheinander und emporgewirbelf und senken sich dann beim Ruhighalten des Auges wieder auf den Boden der Linse. Wie die Glaslinse cines Mikroskopes, so vergréBert die Augen- linse die in ihrem Innern ~ im Linsenwasser — befindlichen Fremd- kérper, und zwar um so mehr, je naher diese Kirperchen sich an der vorderen Linsenwand befinden. Durch den bekannten optischen Vorgang werden ibre Bilder auf die Netzhaut geworfen und so wahrgenommen. Ein jeder kann dies bei sich selbst beobachten. Jiingere Individuen, die noch nicht so off krank waren, haben weniger, altere Leute dagegen meist sehr viel Ablagerungen im Linsenwasser. Off, z B. bei feuchtkaltem Wetter, machen sich diese so unangenehm bemerkbar, dafi man geradezu von Seh- stérungen durch sie reden kann. Altere Leute werden mir dies be- sttitigen k8nnen. Gegen diese Art SehstSrungen kann 4rzflicher- seits nichts getan werden. Sieht dagegen Jemand Stabchen, die sich allmahlich zu einem Gitterwerk heranbilden, so ist schleunigst arztliche Hilfe nétig. Es handelt sich dabei um eine allmahliche Ablésung der Netzhaut -- meist durch Tuberkulose ~- die in den meisten Fallen mit vélliger Blindheit endet. Nebenbei michte ich bemerken, daf$ gréfere Triibungen in der Linse in Frankreich mit dem bezeichnenden Ausdrucke ,,Mouche volante“ (,,fliegende Flie~ ge") benannt werden. Alle diese Gebilde werden nicht »in der Atmosphare“, sondern im eigenen Organismus wahrgenommen und sind nichts ,,Geistiges". Grade deshalb werden sie vielleicht einmal eine grofe Bedeu- tung bei der Krankenbehandlung haben. Sicht cin Kranker, der z B. an schwerem Rheumatismus leidet, daB sich sehr viele der punktierten Ketten- oder Bandgebilde in seinem Gesichtsfelde be- finden, so kann der Arzt auf cine Streytokokkeninfektion schlicSen unc das Bestreben dahin richten, die Tatigkeit dieser Schadlinge aufzuheben. In Zukunft wird dies woh] ausschlieBlich durch die Serumtherapie geschehen, durch welche ja heute Diphtherie, Pok- ken, Tuberkulose (diese in leichteren Fallen) usw. auch schon ge- heilf werden. Die Beobachtungen, welche der Patient in diesem Fall an sich selbst machen kann, erleichtern und unterstiitzen die richtige Diagnose des Arztes. Khnlich wie mit den verhaltnismaBig groben Sinkstoffen im Linsenwasser verhilt es sich mit den Leuchtpiinktchen, die sich oft wie ein Miickenschwarm bewegen, oft aber auch von einer Seite http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0171 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele —~ 168 — nach der andern oder von unten nach oben oder umgekehrt. Hier handelt es sich um wesentlich feinere Vorgiinge. Ich glaube, Rama Prasad spricht in seinem Buche ,,Die feineren Naturkrafte und die Wissenschaft des Atems‘ (Verlag Max Altmann, Leipzig) einmal von spezialisiertem Jiva, das als Prana sich tiberall im Organismus -- meist den Nerven entlang — bewegt. Reichenbach wiirde wohl von Odkonzentrationen (Odzentren) sprechen. Alle diese Dinge haben mit dem ,,Geistigen™ nichts zu tun und es kann sie jeder bei sich selbst leicht beobachten und bestatigen. Dazu lege, setze oder stelle man sich so, daf man durch das Fenster den hellen Himmel ansieht. Am besten macht man die Beobach- tungen aber im Freien, den Blick in die Atmosphare gerichtet. Nachdem man eine Weile starr auf eine Stelle geschaut, wird man unschwer die Lichtpiinktchen spielen sehen; cine ,geistige Schu- lung“ ist dazu nicht ndtig. Wendet man nun,ohne den Kopf dabei zu bewegen, die Augapfel nach unten, indem man den Nasenriicken anblickt, und hebt dann den Blick schnell nach oben, so wirbeln durch diese Bewegung dic Sedimente im Linsenwasser auf. Indem man nun die Augen fest auf einen Punkt gerichtet halt, den man sich ca. 10 cm vor den Augen in der Luft vorstellen kann, sieht man deutlich, wie die Fremdkirper sich bewegen und wieder in grader oder schrager Richfung heruntersinken. Als Beweis, daf} alles dies sich innerhalb des Auges abspielt, mag dienen: 1. Wendet man langsam den Blick (die Augipfel) seitwarts, so gehen die Erscheinungen mit (die Lichtpiinktchen verschwinden voritbergehend). 2, Man erblickt immer dic n&mlichen Gebilde, einmal mehr, das andere mal weniger deutlich, d. h. ein jeder sicht eben die grade bei ihm abgelagerten Mikroorganismen und deren Zerfall- produkte. Um ,,geisfige“ Wahrnehmungen handelt es sich also nicht. Diese kénnen wir mit unseren gewdhnlichen Sinnen nicht machen, weil dazu eine Bewufitseinsinderung ndtig ist, die von selbst den Gebrauch der korperlichen Sinne ausschlieBt. Traume, die manch- mal wirkliche Erlebnisse sind, und die Hypnose beweisen das, ob- wohl bei beiden meist Bilder aus der cigenen plastischen Phantasie geschaffen werden. Immerhin liegt eine Eigenschépfung vor, die verschiedene Ursachen haben kann, aber doch erst méglich ist, nachdem ,,alle sicben Tore" (alle Sinne) mehr oder weniger fest verschlossen sind. Aber sehr selten sind die ,,Meister der 7 Tore’, etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0172 © Universitatsbibliothek Freiburg 169 d. h, Menschen, die jede Sinnestatigkeit ausschalten kénnen und dennoch bei Bewufitsein bleiben. Naturgemafi aber Offnen sich einem jedem die geistigen Sinne nach dem leiblichen Tode. Durch diesen werden jedoch die irdischen Sinneswerkzeuge und damit der Modus des irdischen Wahrneh- mens fiir immer vernichtet. Nachwort. Vorstehendes bezieht sich auf den ersten Teil des Artikels des Herrn Morlian im Juliheff. Nachdem ich seine Fortsetzung im Augustheft gelesen, kann ich nur wiederholen, daB es sich bei den Gesichten des Herrn M. um rein entopische Erscheinungen handelt, d. h. solche, welche auf Wahrnehmung von Objekten beruhen, die im Auge selbst vorhanden sind. Zu diesen gehdren: GefaiBe der Netzhaut, Flocken des Glaskérpers, Triibungen der Linse, der vor- deren Kammer, der Hornhaut usw. Es sind keine ,,Himmelskrafte", die sich bewegen, vielmehr handelt es sich fast ausnahmslos um pathologische Gebilde (Ablagerungen, Abbauprodukte, krankhaft veranderte Teile des inneren Auges), die ein jeder bei sich selbst nach einiger Ubung beobachten kann. Auf rein mechanische Weise — durch kérperliche Anstrengung, auch tieferes Atmen — wird die Zirkulation im Kérper, auch im Auge, lebhafter angeregf, wodurch dic fraglichen Gebilde deutlicher wahrnchmbar werden. Auch Herr Laifile irrt sich in seinem Artikel ,,Sichtbare geistige Wesen", da seine ,,schwarzen Punkte“ usw. auch nichts anderes als entopische Erscheinungen sind. Bei den Ausfihrungen des Herrn L, kommt aber noch ein anderes dazu. Jeder Mensch besitzt ,,okkulte“ Krafte, zu denen auch das Ver- mégen gehdrt, seine plastische Phantasie sich sclbst wahrnchmbar zu formen, was freilich fast immer unbewufit geschieht. So mit den von Herrn L. gesehenen Augen. Der ,,Wille des Herrn L. kénnte aud, das Gesicht und den Kirper dazu schaffen, sofern Herr L. sich selbst nur in den dazu néfigen ,negativen” Zustand versetzen wiirde. Aber nicht nur ein starres Bild, sondern handelnde und redende Personen kann man so ,erschaffen“, ja sogar mit ihnen in Verkehr treten und recht Interessantes dabei erfahren. Ein Bei- spiel mag dies zeigen. In einer Novembernacht 1919 lag ich mit geschlossenen Augen wach im Bett, dachte an nichts, sondern beobachtete allerlei Figu- ren, die sich meinem inneren Gesicht zeigten. Darunter waren auch ein paar Augen mit den angrenzenden Gesichtsteilen, aber nicht das ganze Gesicht. Dieses erschien erst, als ich mehr und mehr in den http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0173 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 17 — negativen Zustand fiel (schlafriger wurde), und zuletzt sah ich deutlich das dunkelbraune Gesicht eines jungen Mannes mif ge- stutatem Schnurrbart und schwarzem, in der Mitte gescheiteltem Haar. Bei naherem Hinsehen fand ich ihn an einem runden Mar- mortischchen sitzend -- und ich selbst saf ihm gegeniiber. Wir be- fanden uns in einem eleganten Café und unterhielten uns. Was gesprochen wurde, wufte ich spater nicht mehr, aber plétzlich schlug ich mit der Faust auf das Tischchen und rief laut: ,,Im nach- ste. Jahre werden wir in Deutschland die Riterepublik haben! Dariiber kam ich wieder zum Wachbewuftsein. Tatsichlich hatten wir im naachsten Jahre — mutatis mutandis —- im Rheinlande eine Raterepublik mit roter Armee. Solche Eigenschépfungen benutzt zuweilen der ,,geistige’ Mensch dazu, um seinem ,,Bilde Mitteilungen zu machen (siehe Maiheft 1917, mein Bericht iiber die Stellung der feindlichen Heere nach Friedensschluf), n»Geistiges”, ich méchte dies nochmals wiederholen, kénnen wir mit unseren kérperlichen Sinnen nicht wahrnehmen, auch das plétz- liche Auftauchen schattenhafter oder farbiger Gestalten in Tier- und Menschenform hat mit ,,Geistigem” nichts zu tun, Es kann sich da -- in seltenen Fallen — um Wesen handeln, die uns fiir gewShn- lich zwar unsichtbar sind, aber doch unserer physischen Region (Ebene) angehéren, oder aber in den meisten Fallen —~ um pathologische Erscheinungen. Beschwérungsmagie. Von Ernst Hentges. (Fortsetzung.) , Zauberkreis. Der wichtigste Faktor bei den Beschwérungen war der Zauber- kreis. Der Zauberkreis sollte dem Magier als Schutawall und Feste vor dem Ansturm feindlicher Geistwesen dienen. Es heift daher, da’ der Magier wihrend der Beschwérung unter keinen Umstanden den Kreis verlassen durfte; sein Leben stand dabei auf dem Spiel. Im Altertum wurde der Zauberkreis unter gewissen Gesangen mit dem magischen Reis oder dem Zauberstab durch die Luft ge- zogen. Bei den mittelalterlichen Magisten wurde der Zauberkreis auf den Erdboden gezeichnet. Detrus von Abano, Arbatel, Johan- nes Trithemius, Agrippa u. a. geben diesbeziiglich ganz priazise Vorschriften, etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0174 © Universitatsbibliothek Freiburg — wm — Meistens bestand der Zauberkreis aus drei konzentrischen Kreisen, die mit geweihter Kohle oder Kreide auf den Boden ge- zeichnet wurden. In diesem Zusammenhang ist zu erwahnen, dai Papus der Holzkohle eine ganz besondere Schutzkraft gegen astrale Einfltisse zuschreibt. ,,Es gibt in der Nafur eine Substanz, welche die sonderbare Eigenschaft besitzt, matericlle Unreinigkeit zu absorbieren: das ist die Holzkohle. Bekannflich reinigt Holzkohle das Wasser, absorbiert schadliche Gase und findet daher in der Technik zu diesen Zwecken cine ausgedehnte Verwendung. Aber auch die psychischen Fluide werden von der Holzkohle absorbiert. Wenn eine Derson, die béswilligen Einwirkungen geistiger Natur ausgesetzt ist, sich mit Holzkohle umgibt, so werden diese Fluide von der Holzkohle aufgesaugt, statt in den Astralkérper einzu- dringen ... Das ist ein sehr einfaches Schutzmittel, das wir haufig mit gutem Erfolg angewandt haben. Auch der Kreide schrieb man eine besondere Schutzkraft zu. ,,Kreide schiitzt in Deutschland gegen Buses — schreibt Dr. S, Seligmann (,,Die magischen Heil- und Schutzmittel) — und kirchlich geweihte Kreide wird mit Vor- liebe zum Zeichnen von Kreuzen und anderen Schutzzeichen ver- wendet.* Daran anschliefSend erwahnt der Verfasser eine Anzahl interessanter Volksgebrauche. In den auferen Umkreis des magischen Zirkels wurden die Namen der angerufenen Geister und Genien des betr. Tages und der Stunde geschrieben. In den inneren Umkreis wurden an den vier Kardinalpunkten besondere:Symbole gezeichnet, und in das Innere des Kreises wurden kabbalistische Worte und die Gottes- namen geschrieben, die mit dem Zweck der beabsichtigten Opera- tion iibereinstimmten. Dieser dreifache Kreis war gew6hnlich in einem Viereck eingeschlossen, an dessen Ecken je eine Raucher- schale aufgestellt wurde. An Stelle des Kreises wurde manchmal auch cin Hexagramm oder Pentagramm aufgezeichnef. Nur durften diese Sternfiguren keine Unterbrechung aufweisen. Darauf spielt auch Mephistophe- les an, wenn er inbetreff des Pentagrammas zu Faust spricht: »Beschaut es recht: es ist nicht gut gezogen, Der eine Winkel, der nach auBen zu, ist, wie du siehst, ein wenig offen. Gemaf Eliphas Levi soll das Pentagramma je nach seiner Orientierung eine doppelte Wirkung haben. Ist eine Spitze nach dem Ort gekehrt, wo das Geistwesen erscheinen soll, so zieht es die guten Geister an; sind zwei Spitzen dorthin gekehrt, zieht es die bisen an. ,,Zeigt das Pentagramma mit zwei seiner Strahlen http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0175 © Universitatsbibliothek Freiburg efor re cle 172 nach oben — erklart Eliphas Levi so sfellf es Satan oder den Bock des Sabbat dar; ist nur einer seiner Strahlen nach oben ge- richtet, so bezeichnet es den Erliser.* »Das Zeichen des Pentagramms wird auch Zeichen des Mikro- kosmos genannt.“ Damit weist Eliphas Levi auf die urspriingliche Bedeutung des Zauberkreises als Darstellung des Horizontkreises oder des Zodiaks hin. Hierdurch glaubte der Magier sich unter den Einflu8 der Sternbilder zu stellen, anderscits diente der Zau- berkreis als Orientierungsmittel und wirkte als richtunggebend auf die magische Intention. Ahnlich sind auch die Handbewegungen, dic sogenannten ,,Striche, der Magnetiseure zu verstehen, die zur Uberleitung des Fluides auf den Kranken dienen, Oertlichkeit. Die Wahl der Grtlichkeit soll auch nicht ohne Einflu® auf die magische Operation sein, denn man glaubte, je nach der Umgebung wirke ein verschiedener genius loci. »Man soll einen cinsamen und verschricenen Ort wahlen -~ schreibt Eliphas Levi — wie einen Kirchhof, wo bése Geister um- gehen, oder eine von den Landbewohnern gefiirchtete SchloSruine, den Keller eines verlassenen Klosters, die Stelle, wo ein Mord be- gangen wurde, eine alte druidische Opferstatte oder einen alten heidnischen Tempel.“ Die Auswahl solcher Grtlichkeiten verfolgte offensichtlich den Zweck, Geist und Gemiit des Magiers stark zu beeindrucken. Es war aber auch tiblich, das der Magier ein besonderes Zim- mer als magisches Oratorium herrichtete, wo die Zauberzeremonie auf einem eigens dazu aufgestellten Altar vorgenommen wurde. Diese Praxis gehért jedoch schon mehr zu dem eigentlichen Sata- nismus, dessen Hauptzeremonie, die sogenannte ,,schwarze Messe, ein obszines und ekelhaftes Gegenstiick zum katholischen Mef- opfer, sein sollte, Raucherung. »Die Wohlgeriiche — sagt Asrippa von Nettesheim in seiner »Okkulten Philosophie“ —~ ziehen die Geister an, wie der Magnet das Eisen anzieht. Dies rechtfertigt deren Verwendung zu magi- schen Zwecken. Wir kénnen die Krafte der Himmelskdrper dadurch herabzichen, da®B wit alle Dinge sammeln, die unter den betreffen- den Stern gehéren. Und nicht nur die himmlischen Krifte ziehen wir dadurch herab, sondern, da die Himmelskérper selbst ihre Krafte von der Welt der Ideen empfangen, so kénnen wir durch sie auch die Intelligenzen und Damonen herabzichen, welche durch die etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0176 © Universitatsbibliothek Freiburg 173 Planefen wirken, Besonders wirksam ist dabei verschiedenes Rau- cherwerk, das unter bestimmte Planeten gehdrt, weil es die Luft mit solchen Diinsten erfiillt, die besonders leicht den himmlischen Einflu® annehmen. Zugleich wirken sie gewaltsam auf denmensch- lichen Geist ein und verleihen uns auf hdchst sonderbare Weise ahnliche Eigenschaften.“ Da die Wohlgeriiche eine besondere Anziehungskraft auf die reinen Geister ausiiben, benutzfe man analogieweise stinkende Rauchersubstanzen zur Beschwérung von Diimonen. Zu diesem Zweck empfiehlt Eliphas Levi insbesondere Schwefel, Alaun, Asa foetida (auch ,,Teufelsdreck“ genannt), Skammoniumharz u. 4. Je nach dem angestrebten Zweck wurden verschiedenartige Raucherungen benutzt, und die Zusammensetzung der passenden Rauchermittel bildet gewissermafen eine Kunst fiir sich. Die Rau- chersubstanzen wurden meistens in Ubereinstimmung mit den Pla- netenkraften ausgewihlt, derartige Vorschriften gibt es eine grofe Zahl. Kuriosititshalber wollen wir nachstehende zwei Rezepte wiedergeben. Der Venus entsprach heispielsweise ein Rauchermittel, das aus Sleichen Teilen aus Moschus, Ambra, Alocholz, roten Rosen und roten Korallen bestand. Diese Ingredienzien wurden mit Tauben- blut und Sperlingshirn gemischt, getrocknet und zu Pulver ver- rieben, Fir Merkur bereitete man ein Raucherpulver, das zu gleichen Teilen aus Mastix, Weihrauch, Gewiirznelken, Fiinffingerkraut und Achatpulver bestand. Als Bindemittel diente Fuchsblut und Elster- hirn, In allen Vorschriften zur Herstellung von Raucherungen diente stets Tierblut als Bindemittel. Das Tierblut hatte hierbei aber auch neck eine andere. wesentlichere Bedeutung. Seit Alters her kam dem Blute bei rituellen Opfern und magischen Zeremonien eine be- sondere Rolle zu. Das Blut galt als Trager der Lebenskraft. Unter besonderen Umstanden sollte es méglich sein, durch Verdampfung des Blutes die psychische Wesenheit des Opfertieres einzufangen unc zu bestimmten Zwecken dienstbar zu machen. Das ist auch die Esklarung, die Joseph Heibling in dem kuriosen Biichlein ,Le mystére antique est découvert von dem jiidischen Passahfest gibt. Die urspriingliche Bedeutung des Opfers und der Raucherung war eir Mittel, auf Gott beaw. die Geisterwelt magisch einzuwirken, Es war nicht so sehr ein Mittel, das Wohlgefallen geistiger Wesen- heiten zu gewinnen, sondern es war notwendig, um deren Macht erst zu schaffen bezw. zu erhdhen und bekraftigen. http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0177 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 74 — Beschworung. Der Hauptteil der magischen Zeremonie bildet die eigentliche Beschwérung. Die Kunst der Beschwérung besteht im korrekten Hersagen bestimmter Formeln als der AuSerung des magischen Willens. So verschieden im Einzelfall ihre metaphysische Deutung auch sein mag, so weisen die sakramentalen Formeln des katho- lischen Kultus mit den magischen Beschwirungsformeln unzweifel- hafi eine formale Verwandtschaft auf. Der katholische Priester muf sich bei den kultuellen Handlungen der lateinischen Sprache bedienen. Auch der Magier bedient sich zu seinen Beschwérungen einer besonderen Kunstsprache. Meistens sind diese Beschwé- rungsformeln ein schauerlich klingendes Kauderwelsch, das in keiner lebenden noch toten Sprache einen Sinn ergibt. Bereits Jamblichus (,,De Mysteriis’) bemerkte, da, ,,je unverstandlicher ein Name, desto verehrungswiirdiger er ist.“ Er gibt dafiir fol- gende Erklarung: ,,Du fragst, weshalb wir bei der Bezeichnung der Gottheiten die fremden Namen den unsrigen vorziehen? Dieser mystische Brauch hat folgenden Grund: Die Gétter haben die sa- krale Sprache einigen bevorzugten Nationen, wie den Agyptern und Chaldaern, geoffenbart. Daher glauben wir uns verpflichtet, zu den Gétfern in einer Sprache zu reden, die ihnen gelaufig ist. Auch Pico de la Mirandola hat den Satz aufgestellt, daf} ,,die un- verstindlichsten Worte, die scheinbar absurdesten Beschwérungs- formeln die grifite magische Wirksamkeit besitzen.“ Diese Tat- sache gab Stanislas de Guaita Anlaf zu der geistreichen Bemer- kung: ,,.Das Credo des Magiers ist identisch mit jenem Tertullians: Credo quia absurdum“. Fiir das mystische Kauderwelsch des Ma- Siers gibt es aber auch noch eine andere Erklarung. Man glaubte, durch blindlings zusammengestopfte Buchstabenrcihen den richti- gen Gétter- oder Geisternamen als Zufallstreffer zu finden, da die §elaufigen anerkannten Benennungen von Géttern und Geistern nicht das Wesen treffen, und nur wer den rechten Namen erhascht hat, damit auch das Geistwesen eingefangen hat und ihnen be- fehlen kann. Die gebrauchlichsten Beschworungsformeln sind in zahlreichen Zauberbiichern niedergelegt, wovon einige in besonders hohem Ansehen standen, wie z. B. das ,,Enchiridon“ des Papstes Leo IIL, wovon eine grofie Anzah! Ausgaben existiert, der ,,Schliissel Salo- monis", der urspriinglich in hebraischer Sprache geschrieben, doch auch in zahlreichen lateinischen, franzisischen und deutschen Uber- sefzungen verbreifet wurde; ebenso beriihmt war das dem Papst Honorius IIL zugeschriebene Zauberbuch. http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultisrmus1928/0178 eo © Universitatsbibliothek Freiburg mm LY) Die nachstchenden Beispicle mégen ungefahr cine Vorstellung vom Geist und der Art dieser Beschwérungsformeln geben: ,Conjuro ef confirmo super vos angelis fortes ef bonis in no- mine Adonay, Adonay, Adonay, Eie, Eie, Eie, Cados, Cados, Achim, Achim, Ja, Ja, fortis, Ja, qui apparent in monte Sinai cum glori; ficatione regis Adonay, Saday, Zebaoth, Amathay, Ja, Ja, Ja, Manirata, Abim, Je, Ja, qui creavit, etc. »Unus Deus Messias Soter Emanuel Sabaoth Adonay cofera- tion ysion son lon con son osiam salus, etc.” Die grofe Anrufung des Agrippa besfeht nur aus den Worten: »Dies mies Jeschel Boenedoesef Douvema Enithemaus.” ,,Wir bil- den uns nicht ein —- bemerkt Eliphas Levi sehr vorsichtig —- den Sinn dieser Worte zu verstchen, die vielleicht tberhaupt keinen haben oder zumindest keinen verniinftigen, da sie die Macht haben, den Teufel, die hichste Unvernunft, zu beschwéren.“ Die Formel ,,Asinus, Asinus, Asinus“ mit dem ndtigen Nach- druck hergesagf, wird wohl ebenso wirksam sein fiir jenen, der nicht wei®, da sie dem deutschen Esel gleichbedeutend ist. Es war auferdem noch iiblich, auerhalb des Zauberkreises das magische Siegel des angerufenen Geistes aufzuzeichnen. Dieses Siegel bestand meist aus hebraischen Buchsfaben oder sonst einem komplizierten Schnérkel, der jedoch genau nach Vorschrift nach- Sebildet werden mufte. Dieses Siegel galt gewissermafen als Kon- densator fiir die angerufene Kraft. ,,Jeder hebraische Buchstabe belehrt uns Papus in seiner ,.Kabbala” —- gilt als eine Macht, die mehr oder weniger eng mit den schdpferischen Kriften des Univer- sum verbunden ist. Indem er diese Kraft in drei Welten, der phy- sischen, asfralen und psychischen, auslésen kann, ist jeder Buch- stabe der Ausgangs- und Endpunkt einer Menge von Beziehungen. Hebraische Buchstaben kombinieren heifit infolgedessen auf das Universum selbst einwirken; deshalb finden wir die hebraischen Wérter in den magischen Formeln und Zeremonien.“ Die mysti- sche Kraft des hebraischen Alphabets riihrt gema der Erklarung der Kabbalisten daher, da die Formen der einzelnen Buchstaben astralen Ursprunges sein sollen, ,,Unter allen Schriftzeichen — be~ Jehrt uns Agrippa von Nettesheim — ist aber die Schrift der He- braer die heiligste, sowohl durch die Gestalt ihrer Buchstaben als durch die Punkte und die Akzente, so da8 sie gleichsam an Materic, Form und Geist besteht. Am Throne Goftes, weiches der Himmel ist, wurde diese Schrift nach der Stellung der Gestirne zuerst dar- gestellt, denn ihre Buchstaben sind, wie die hebraischen Rabbiner sagen, nach der Figur der Sterne gebildet und deshalb voll himm- http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0179 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele 176 lischer Geheimnisse, sowohl wegen ihrer Gestalt, Form und Bedeu- tung als wegen der in ihnen enthaltenen Zahlen und wegen ihrer harmonischen Verbindung. ... Ein so tiefer Sinn und ein solches Mysterium liegt in diesen Charaktern, ihrer Figur, Zahl, Stellung, Ordnung und Kombination, daf} Origenes der Ansicht ist, wenn man die daraus gebildeten Namen in eine andere Sprache iiber- setzt, so verlieren sie ihre eigentiimliche Kraft, weil sie thre natiir- liche Bezeichnung nicht mehr haben. Denn nur die urspriinglichen Namen, die richtig gegeben sind, haben, weil ihre Bezeichnung na- turgem4fi isf, auch eine natiirliche Wirkung. Dies erklart auch, wes- halb Psellus der Ansicht war, dafi die griechischen Namen keine magische Kraft besitzen. (Schluf folgt.) Harmonie, Schrift und Lebensdauer. Von P. Hermes. Der Berliner Versicherungs-Sachverstindige Bruno Kurth hat zu Versicherungszwecken untersucht, ob es méglich ist, aus der Handschrift eines Menschen auf dessen Lebensdauer zu schliefien. Durch Untersuchung einer gréferen Anzahl von Handschriften Ver- sicherter bezw. versichert Sewesener gelangte er zu der keineswegs iiberraschenden Feststellung, da Personen, deren Schrift drudk- stark ist und Regelmafsigkeit sowie geringe Langenunterschiedlich- keit aufweist, eine gréfere Lebensdauer haben als Menschen mit gegensatzlichen Schriftcigenschaften wie: Druckschwiche, grofie Un- regelmafigkeit, ebensolche Langenunterschiedlichkeit und Weite der Schriftzeichen. Diese Feststellung drangt 2wangslaufig den Schluf auf: je un- harmonischer ein Mensch ist, mit desto geringerer Lebensdauer hat er au rechnen. Wenn wir uns in der Welt der Dinge ein wenig umsehen, finden wir, vom Kleinsten angefangen bis zu den, empfangliche Naturen immer wieder in ehrfiirchtiges Staunen versetzenden Erscheinungen des Weltalls, dem Sternenhimmel, ein stetes Ausgleichbestreben, ein Streben nach einem harmonischen Zustand, der die Dauer alles Scins bestimmt. Alles, in dem kein Ausgleichsbestreben mehr wirkt, ist tot, und alles Unharmonische geht dem entgegen, ist verganglich. Wir haben dafiir nicht nur in den ausgestorbenen Riesentieren der Vorzeit, die auBerst unharmonisch, der Umwelt nicht angepaft, ge- baut waren, mit z. B. riesigem Kérper, kleinem Kopf und kaum nennenswerter Wehrhaftigkeit, und umgekehrt, ein eklatantes Bei- etre ure co hetp://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0180 © Universitatsbibliothek Freiburg sor AE a spiel, sondern kénnen es auch bei uns an den Alterserscheinungen taglich beobachten. Das Werdende, im Entstehen Begriffene, weist noch keine Har- monie auf, daher die grofien energetischen Umwandlungen, das oft- mals, namentlich im Naturgeschehen, von groflen Umwilzungen begleitete Ausgleichsstreben. Auch der noch ganzlich unharmonische Embryo hat ein gewaltiges Ausgleichsstreben; man kann anfangs den Fortschritt fast von Tag zu Tag beobachten. Spiter, je naher er dem ihm spezifisch méglichen harmonischen Verhaltnis kommt, wird das Streben immer schwicher, bis eine gewisse Harmonie er- reicht ist, die nun, je nach den energetischen Anforderungen, die das Leben an den Menschen stellt, eine gewisse Zeit konstant bleibt, um sodann wieder abzunehmen, bis sich unter sog. senilen Erschei- nungen und stetig zunehmender Disharmonie der Tod und mit ihm vollkommene Ruhe einstellt. Wo das Ausgleichsstreben gerinsfiigig, ist die Harmonie, wenn auch nicht theoretisch, so doch praktisch erreicht, wo es aufgehirt hat, Avflésung oder wie man sagt, Tod. Je langer sich ein in stefer energetischer Wechselbeziehung be- findliches Gebilde im Zustand der Harmonie hilt, desto linger ist seine Lebensdauer oder, da es ja kein organisches Wesen sein mufi, sind seine energetischen Umwandlungen. Auf den Menschen, der uns hier vornehmlich interessiert, abgegrenzt, kénnen wir sagen, ab- gesehen vom harmonischen Bau des Organismus, der vorausgesetzt wird, da es uns nicht miglich ist, disharmonische Kérperverhdltnisse aus der Schrift zu erschen: je reibungsloser sich die Bezichungen zur Umwelt gestalten, desto harmonischer kann der Mensch in see- lischer Beziehung sein, desto weniger heftig ist das Ausgleichs- streben und desto wabrscheinlicher cine groSe Lebensdauer. Daf dem so ist, beweisen uns unter anderem die statistischen Ergebnisse iiber die Lebensdauer der Frauen und Manner, wonach Frauen, die nicht in dem Mafie den erregenden, abnutzenden Um- welfseinfliissen ausgesetzt sind wie die Manner, viel langer leben. Weiter, da® die Verheirateten, die cin geregeltes harmopisches Eheleben fithren, gleichgiltig ob Frau oder Mann, ebenfalls im Ver- haltnis zu den Ledigen eine gréfere Lebensaussicht besitzen. Wenn also Menschen, deren Bezichungen zur Umwelt sich nicht harmonisch gestalten kénnen, teils infolge des Berufes, der ein auf- reibender sein kann, teils aus psychischer Artung (hohe innere Spannkraft und seelische Disharmonic) friiher sterben als Men- schen, deren Umweltsbeziehungen harmonisch sind und deren Innenleben ein gefestigtes ist, so liegt dies darin, daf eben die ‘doutralbiatt for Okkultismus, XX1L Jahrgang. http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0181 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 17% — ersteren ein stetes hohes Ausgleichsbestreben haben, eine dauernde mit grofien energetischen Umwandlungen verbundene Disharmonie. Die direkte Ursache ist folglich nicht die Disharmonie an sich, sondern eine der Disharmonie konform gehende, dauernd sgrofe energetische Umwandlung infolge der groSen und eventuell nach- haltigen (Choleriker) Reaktion auf Umweltsreize, die einen vor- zeitigen Verbrauch der spezifischen Lebenskraft bedingt. (Wobei keineswegs an eine vis vitalis za denken ist.) Je harmonischer ein Mensch ist bezw. lebt und in desto ruhigerer Weise sich die energe- fischen Umwandlungen vollziehen, desto langsamer wird die Le- benskraft verbraucht, womit natiirlics cine umso langere Lebens- dauer verbunden ist. Daf wir darauf keinen Einflu8 haben, nor- maler Weise wenigstens, ist auf die konstitutionelle Bedingtheit der seelischen Struktur, des anlagemiSigen Funktionierens des Gehirn-Driisenapparates, zuriickzufithren. In der Schrift vermégen wir nun sowohl die von vornherein, alsc anlagemafiig gegebene Disposition zu Disharmonie inten- sive ‘Ausglaichsstrebunden zu erkennen, als auch die hauptsach- lich durch Umweitseinfliisse herbeigefithrte. Beiden gemeinsam ist eiu intensives geistiges Leben, ein rascherer Verbrauch der spezi- fischen Lebenskraff, daher auch eine verhalfnismaBig geringere Le- bensdauer. Die Schrift solcher Menschen kann Merkmale aufweisen, wie wir sie schon eingangs erwahnten, aber aufierdem noch solche, welche auf ein der Umwelt zugekehrtes Seelenleben (Astrovertiert- heif) sowie auf rege geistige Tatigkeit schlieBen lessen. Meine Schrift, um nur ein Beispiel anzufiihren, weist viele Merkmale auf, die eine relativ kurze Lebensdauer bedingen sollen: grofe Un- regelmabigkeit, Langenunterschiedlichkeif, Weife der Schriftzei- chen, Eile, Rechtsvertrigtheit, vorwiegende Verbundenheit usw. Interessanterweise wurde mir vor Jahren, als ich spafhalber mit einigen Bekannten, gleichsam als Sachversténdiger in charaktero- logischen Fragen und Methoden, zu einem Chiromantisten ging, von diesem eine kurze Lebensdauer prophezeit. Die Méglichkeit, aus der Handschrift auf Lebensdauer bezw. Lebensaussicht zu schlieBen, scheint mir gegeben zu sein. Natiirlich wird man jeden cinzelnen Fall cingchend studieren und alle Um- stiinde in Betracht ziehen miissen. Jedenfalls aber werden sich die Versicherungsgesellschatten mit dem Problem noch befassen, da sie stark daran interessiert sein diirften. In Amerika z B. geben dic Versicherungsgesellschaften ihren Kunden sogar Gelegenheit, sich alljahrlich kostenlos auf ihren Gesundheitszustand untersuchen lJassen zu kénnen. Da wir dies nicht als einen Akt der Humanitat, etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/zb_okkultismnus1928/0182 © Universitatsbibliothek Freiburg — 79 — sondern als-einen wohltiberlegten Schlu® eines auf Vorteil bedachten Geschiftsgeistes betrachten miissen, bedarf wohl keiner Betonung. Ahnlich wird es auch mit der Handschriftuntersuchung sein. Der Disharmonische kann beraten werden, wodurch sicherlich in vielen len eine Besserung erzielt wird, auBerdem ist der Disharmo- nische, Fahrige, natiirlicherweise auch derjenige, der von Natur aus za Unfallen aller Art disponiert ist, wieder ein Gefahrenmoment mehr fiir den Versicherten und ein vermehrtes Risiko fiir die Ge- sellschaft, Die Frage Harmonie, Lebensdauer, Schrift ist jedenfalls eines noch eingehenderen Studiums wert. Mir kam es heute nur darauf an, hinzuweisen auf dic Tatsache, daf} der Disharmonische seine Lebenskraft rascher verbraucht als der Harmonische und da®B er deshalb eine relativ kiirzere Lebensdauer und geringere Lebens- aussicht hat, Aeskulap auf der Sternenbahn. Von Henry Busse. (Fortsetzung.) Den Sinn ,,chronische“ Krankheit mu man nicht in ,,unheil- bare“ umbiegen. So gut wie sfarke Arzneien (z. B. Sublimat) sich im Kérper hinlagern kénnen, gibt es auch Reservebehilter der Le- benskraft (z. B. die Milz) im Organismus, die eines Tages, wenn sie von einer sympathischen geistigen Potenz getroffen wird, wieder ausstrémt und durch akute Abwehr dic ,,chronische Krankheit heilf. Solche Reaktionen lésen zumeist Sonnenmittel, auch ir Ge- meinschaft mit °| Mifteln, aus. Jedenfalls sind spagyrische ¢ D Mittel ahnlich homéopathischen ©% Mitteln und kénnen sich z. B, bei Entziindungen ablésen. Wohl wird es manchmal sich empfehlen, bei ernsten turd h Schiiden langsam reihenmafig mit 32220 Mitteln tief vorzugchen, wenn man nicht vorzicht, mit 2 © hombo- pathisch den Anfang zu machen und sie dann immer tiefer gu geben. Jeder Kérper reagiert anders, der Arzt mufi dariiber den Auischlu8 suchen, Bei trockener Kérperbeschaffenhcit, also ft Leiden, ist meistens dex erste Weg ratsamer, bei ‘ Leiden der an- dere, und dann soll man auch nicht zu hoch potenzieren. Friiher fat man gelbe 2 mit roten o Arzneien zusammen als Mittel gegen Daxrmgicht, bei ,.entziindeter schwarzer Galle in dem Gedarm, welche ist durch die Milz aus den Arterien dorthin getrieben wor- den. Solche Mittel sollten dann ,schnell in die Darme treiben.“ Alsc sagt nach Dr, Schlegel der Apotheker Codria 1659, Doch as http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0183 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 180 — Achtung! ,,Es darf der Geruch nicht gut werden, sonst freibt das Mittel (weil dem Menschen nicht zuwider) aufwarts in dic Arterien.” Der Geruch darf also nicht homéopathisch aufgehoben werden, soda es sich mit unserer Auffassung von der Behandlung der feinen oder groben Wege wohl deckt. Wenn die Allopathic sich auch wieder den Pflanzenmitteln zuwenden sollte - die Auf- warmung des Aderlasses ist sicher nur ein Zwischenspiel — so ist mit der unterschiedlichen Behandlung der giftigen (@ 6 1.) Pflan- zen und der ungiftigen der Schliissel zur Verstandigung gegeben. Eir Heilgrundsatz, 400 y. Chr. yom Griechen Hippokrates aufge- stellt, vom anerkannt guten Heiler Paracelsus, der schon von Arse- nik-Krankheiten sprach, wiederum gelehrt und 1796 von Dr. Hahne- mann in ein nicht gegenbewiesenes System gebracht, harrt immer noch einer ,,Reichspriifgesellschaft." Die Arzte brauchen sich nicht daran zu stéren, dafi wir die Sterne heranziehen, sie symboli- sieren nur Krafte dic im ganzen Universum walten; auch nicht daran, daf man immer noch liest, die Pflanzen mi®Bten zu ihren Planetenstunden gesammelt werden. Wenn sie einmal sig- nirf sind, dann tragen sie diese Kraft minuflich in sich, und ihr Horoskop zu kennen, ist zu viel verlangt; einen Ausgleich bringt das Sammeln Vieler. Méglich, da Daracelsus, wie viele ,,Wissen- de", in seinen Schriften (nach Brock’s Untersuchungen) absichtlich Planeten und Zeichen verwechselt hat. Er verteilt: 8 © — Sulphur — das Feuer, die Kraft, i? == Sal = Asche, das Stoffliche, % 397) = Mercurius = Geist, Bewusstsein, Lebenshalt. Dehnt sich Sal aus, gibt es Bewuftlosigkeit, Verhértung, Faule; wenn Sulphur: entziindliche Fieber, Leidenschaften; wenn Mercur: Gehitn- und Nervenkrankheiten. Die polare Grenze, vom Mittler & gegeben, ist hier verwischt. Paracelsus sagte zwar: ,, Was Gelbsucht macht, heilt auch die Gelbsucht", doch spricht er nir- gends von den gegensitzlichen Wirkungen verschiedener Arznei- staérke, wie sie Prof. Schulz an der Hefe erlautert hat und wie sie jetzt die Kolloidchemie auch den Allopathen erklarlich macht. Ein 1 cm Wiirfel hat 6 qcm Oberfliche. SchlieSt die Kolloidchemie die Seitenlange 10 Milliarden mal auf, erhait man durch sie 6 qkm Oberflaichenwirkung! Erste Potenzen kénnen Hahnemann’s Prin- zip nicht offenbaren, denn nach Prof, Jaeger stellen sie cinen tofen Punkt dar, da der Polwechsel noch nicht vollzogen ist. Darin liegt auch die Gefahr, giftige und ungiftige Stoffe zu verbin- den, ein Teil unterliegt in solchen Komplexen, nur % Mittel glei- chen aus. Der Gott des Stoffwechsels § hat eigene Gesetze, er http: //dl.ub.uni-freiburg.de /diglit/zb_okkultismmus1928/0184 eo © Universitatsbibliothek Freiburg ~ 1 ~ entfernt sich nie weit von der Sonne, da er mit ihr zusammenr arbeiten muf} als Zuleiter zwischen Gehirn, Riickenmark und Herz. Dic Acceleratoren des Riickenmarks spornen das Herz an und die Vagusnerven hemmen es. Man gedenke auch der Nerven, welche die Gefaé®e erweitern oder verengern, soda auch % um 2 und % stets liebend bemiiht ist. Hierzu kommt noch die peristaltische Be- einflussung durch o' und das hdhere § Nervengebiet. Immer aber ist der Gegensatz von heif} und kalt zu beachten. Nach G. Hirth gibt es im Korper “Elektrolyten und Elektrizititshemmer, was auch noch einmal zu erdrtern sein wird. Die Tatsache, dafi Infek- tionen der Warmbliiter fiir die Kaltbliiter indifferent sind und vice versa nach C. Oppenheim, wird bei meinem Planetenschema klar, denn der Kaltepol + ist vertauscht mit dem Warmepol des Die Erkrankungshohe liegt fiir den Frosch, den Fisch bei dem Pla- neten Mars, der nicht ihr Element ist, wie wir nicht sténdig im nassen Element leben kénnen und die Sonne suchen. Hierzu ge- hért auch, daft Pflanzen der fliefSenden Gewdsser viel Kali brau- chen und deshalb in stehenden Gewassern zu Grunde gehen, Daher ist auch ein wesenflicher Unterschied der Pflanzensignatur bedingt durch den Standort im Trockenen oder Nassen, in heifem oder in kaltem Klima, und cine Anderung ihrer Krafte bei entgegen- gesetzter Kultivierung mbglich! Bei uns ist der Kreislauf der Jonen einer die Nahe des Aquators urspriinglich liebenden und als solche homéopathisch gepriiften Pflanze sicher cin langsamerer, wenn sic sich akklimatisiert, und vielleicht wird die friihere © Kraft hier zu einer & Kraft. Das darf auf keinen Fall aufler Acht gelassen werden. Hippokrates sagt: ,,Was Arznei nicht heilt, heilt Wasser, was Wasser nicht heilt, heilt Feuer, was aber auch Feuer nicht heilt, das heilt iiberhaupt nicht.“ Bemerkenswerter Weise hicran anschlic- fend gebraucht ietzt Prof. Bier, wenn die von ihm in echt homéo- pathischer Wirzigkeif angewendeten Sulphur und Terebenthina (Oleum) ihre Reaktionen cinsfellen (2), den Thermokauter, das moderne Glitheisen. Er éffnet eine Hautstelle, brennt innerlich (1 Bereich), klappt die Haut wieder dariiber, verbindet und hat geschen, da® ,ncue Fieber-Entziindung-Eiterung den Kérper zur Heilung umstimmen.” Bei sonst ziemlich aussichtslosen, tiefliegen- den oder unbekannten Infektionen schatzt er dieses Verfahren be- sonders. Ich méchte nichts als darauf aufmerksam machen, da auch der rein homédopathische Arzt, wenn er Sulphur, wie lange tiblich ist, als Wegbereiter benutzt, um das Symptomenbild zu klaren, doch von vornherein die Absicht hat, das dann mcist deutlicher gewordene Krankheitsbild mit einer diesem entsprechen- http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0185 © Universitatsbibliothek Freiburg efor ren le — 192 — den andern hombopathischen Arznei zu bekampfen. Wenn das »Feuer“ des Thermokauters 2. B. bei Endocarditis lenta = Herz- innenhautentziindung den Kérper umstimmt, so wiirde dies ver- mutlich auch mit einer o Mars-Arznei geschehen durch myogene Einwirkung auf die Driisen ( 2 Bereich), Terebenthina bewirkt fiefe Berauschung und Umnebelung, blutigen und eiweifhaltigen, auch schwarzen Urin, es wird bei nephritisch-typhdsen Fiebern, drohen- der Uramie, veralteten gichtisch-rheumatischen Leiden, Wasser- sucht angewandt. Wenn nun dieses Mittel geholfen hat, aber die Besserung stehen bleibt, so wechself man erst die Dotenz oder vergleicht die Sympfome, die durch T. verschwunden sind mit denen, die anhalten oder neu auftreten, um das erSanzende Mittel aufzufinden. ' wird aber auch hoch pofenziert keine sehr positive Wirkung entfalten, sondern ungefahr bei der ¢ Wirkung stehen bleiben. Bei h Mitteln wird man cher erwarten kinnen, dafi sie potenziert 2 Wirkung annehmen, da beide trockener Natur sind. Es muf} dahingestellt bleiben, ob % Pflanzen doch etwas fiir Feuchtigkeit sind, da der fette und gediingte Boden, den sie lieben, mehr Wasser halt. Wenn also bei den erwahnten Infektionen 4 nicht mehr an- schlagt, wahle man © 4. Potenz, $ oder o 6. Potenz. Aus Prof. Bier’s Erlauterungen geht deutlich hervor, daS das Wichtigste bei einer Heilung von schweren Krankheiten oft die ,Umstimmung”™ des ganzen Kérpers ist. Ich wollte deshalb nicht ungesagt lassen, daf} auch die tagliche Nahrung hierbei von Wichtigkeit ist. Wenn man auch eine alfgewohnte Kost und Lebensweise nicht ohne Ge- faht plétzlich umstiiczt, so kann die langsam vorgenommene Ange- wohnung eines fiir richtiger erkannten Neuen oft ungeahnten Vor- teil, ja die ,,Umstimmung des Kérpers“ bringen. Diese ist schlech- terdings unméglich bei cintiniger Kost, wie Margarine, Fleisch, Kartoffeln und ,,Kaffeemischung". Mégen die Hausfrauen mehr auf Abwechslung in der Kost halten, das Nachdenken lohnt durch angeregtere Lebenskraft bei allen Familienmitgliedern. Bei einseifiger Ernahrung sei der Hilfssalze, Erden und Vitamine von Hensel-Canstatt gedacht. Die neue Wiener Methode det Ernahrung durch die Haut bei Fiebernden, Magenbluten und Erbrechen, indem eine Stelle der Haut taglich 3 x 1/, Stunde mit '/, Pfund Ol eingerieben wird, das aus Fett, Kohlehydraten, etwas Eiweif} und Salzen besteht, scheint sich zu bewahren. Astrologisch ist das erklarlich, denn der Mond nimmt die Nahrung auch hier auf, weil er nicht nur Herrscher des Verdauungsschlauches ist, sondern des gesamten Flissigkeitssys- etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0186 © Universitatsbibliothek Freiburg — 13 — tems. Er bedarf hauptsachlich der posifiven Nahrung aus % und © Kérpern, hat aber auch die posifiven Organe mit elektrisch ne- gativen Stoffen zu versorgen, und wie wir bei den Schiissler-Mitteln besprachea, sind zum Kérperaufbau auch pos-neg, Kom- plexe dienlich, Die Aufnahmestelle der Haut soll die Aufnahme durch Gewéhnung immer besser bewirken, soda man einesteils die Wirkung der Goftlicb-Hautile (Heidelberg) erklarlicher findet, andererseits einer medikamentésen Behandlung innerer Organe eben durch die Haut an der. ihnen nachstgelegenen Stelle und des tibrigen Korpers, z.B.bei Rheuma, Lahmungen, nach den Schmerzpunkten niaherfreten sollte. Bringt doch Dr. Dobler’s Verjiingungsschnitt in die Leisten- gegend und Aufgu8 von 7% Phenol auf die Arterien ein schnelles Wachstum von Nageln und Haren allsogleich zustande. Freilich wird die einmalige Behandlung nicht lange vorhalten, solche Ver- jtingungen wahren nach neuen Feststellungen etwa 23-28 Tage, auch die mit Affendriisen. Das alles spricht fiir unblutige Behand- lung mit Arzneien, aber auch fiir therapeutische Ernahrung und Beeinflussung durch die Hauf. Besonders die Gottliebschen Ole sind altbewahrt bei vielen Krankheiten. Der Mensch mit wenigen Strahlungen vegetiert mehr, als da er Wesentliches erlebt. Das ist aber bei viel polarem Gegendruck der Fall: der Faule lernt arbeiten, der Hitzkopf lernt erkennen, dais die Kirche im Dorf bleiben mu, cin Hochmiitiger, daB die Baume nicht in den Himmel wachsen. Aber nur dem scharf Denkenden e schlieBen sich seelische Vervollkommnungen. Er erkennt die schi nen Gleichnisse der Bibel, zicht gcistige Nahrung aus den Schriit- stellern. Was besagt ihm die Empfangnis Maria? Daf man den Geschlechtsakt heilig halten soll. Der Wein und Brot aus Nichtig- keiten in Fiille spendende Christus Iehrt damit, dafi Geniigsamkcit reich macht. Was besagt thmf °c" im Horoskop? Daf} er bei Zei- ter feste Stellung zu den Lebensfragen nehmen und ein Ziel wahlen muff, bei dem weder 4, noch o ausschlagsebend sind, auferdem sollte er durch einen Talisman die ewig stérende Wirkung der bei- den entgegengesetzten Krafte in eine giinstige 2 verwandeln suchen. Dafi ubrigens die Theorie nicht als so sehr grau anzusprechen ist, vielmehr die geistige Idee sich immer wieder mit der Praxis verbinden muf, beweist uns Paracelsus. Er schreibt in der ,,Philo- sophia”: ,,So soll der Arzt den Menschen mit geistigem Blick durch- schauen kénnen, als ob er durchsichtig ware’, weist aber an anderer Stelle darauf hin, dafS es besser sei, einige Zeit mit der Diagnose guzuwarten, als wie die meisten seiner zeitgendssischen Kollegen htep://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0187 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 184 — sofort die Krankheit zu bezeichnen auf die Gefahr spateren Wider- spruchs. So sind die modernen Komplexe aus Erfahrung geschdpft, welche homiopathische Priifung und Praxis erbrachte, mit einem Quéantchen Theorie durchsetzt, um wiederum ihren vorwarts dran- genden Geist in der Praxis zu bewahren. Die Wissenschaft vereint harmonisch Theorie und Praxis zur Kette. Wiirde diese Kette un- terbrochen, so ware vielleicht der ,,Stein der Weisen“ gefunden; doch das wire ein Ungliick: Der Mensch wire ohne Aufgabe. Schon das Streben darnach macht ungliicklich, und Rademacher, der Bescheidene, bedauerte mit Recht den Jahzorn Paracelsus’, der diesen gegen die Kollegen beherrschte, denn R. dachte wohl, wic Goethe im Faust sagt: »Wer Gutes will, der sei erst gut, Wer Freude will, besanitige sein Blut. Welcher Allopath hatte wohl nicht den Wunsch, der Homéo- pathie Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, sie einmal nach ihrem heutigen Stand (1) vorurteilsfrei zu priifen, wenn er folgende zwei Geschebnisse durchdenkt: In Jager’s Monatsblatt, Stuttgart. Mai Juni 1916 schildert Pfar- rer Miiller, Reiden, Oberamt Hall, wie bei der Volkszahlung 1875 im ganzen Oberamt eine nicht geringe Personenabnahme erfolgte, wihrend an seinem Orte, wo nur er noch ~~ auch alie Kinderinfcktionen — homdopathisch behandelte, sich cin Plus von 100 Personen ergab. Sollte das iibrigens nicht ebenso die deutsche Regierung interessieren, wie die Tatsache, dafs die ameri- kanischen Versicherungsgesellschaften Leute, die sich hombopa~ thisch behandeln lassen, weit giinstiger stellen? In der Berliner Ilustrierten Zeitung schrieb kiirzlich D. Herbert Biehle: ,,Aus der Wirkung des Stauens auf die Schleimhaute ergibt sich die Méglichkeit der Katarrhbehandlung, die von umso grifte- rer Bedeutung ist, als es gegen die akuten Schleimhautiibel Schnupfen und Husten -- bisher iiberhaupt nichts gab.“ Sollten wirklich alle (!) in diesem Buche angegebenen Pflanzen hierbei versagen? Wenn aber nicht, warum wartet man die Ent- deckung des Stauverfahrens ab, das wieder die Gefahr der un- natirlichen Unterdriickung des Elektrolitkreislaufs in sich birgt? Man weifs doch nun, auf welche phanomenale Kreiszahl unserc Zellen eingestellt sind! Natiirlicher ware die ernste Erwagung, die Krafte der Pflanzen Allopathic und Homéopathic cin- trachtig vereint -- zu erleben und hier die Spreu vom Weizen zu sondern. Nachdem die Potenzen beschrankt, die Méglichkeit des Zusammenfassens in Komplexen zugestanden und etre ure co hetp://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0188 © Universitatsbibliothek Freiburg ~ 185 — schlieBlich sogar erléutert ist, daf durch Pofenzierung die Ande- rung der Polaritét der Arzncien erfolgt, also auch bei homéopa- thischer Behandlung im Grunde genommen etwas Kontrares heilt, wiifte ich nicht, was ferner einem Zusammenwirken enfgegen- stehen sollte. Dann, nur dann wiirde das Volk Vertrauen gewin- nen! Ein Reichsarzneibuch auch far die Homdopathie wiirde schlief- lick, der Uberwindung von Vorurteil und Gegensatz den amflichen Stempel aufdriicken. Noch einmal sei auf diemoderne Kolloidchemie zuriickgegriffen. Thr weiterer Vorzug ist die Vermeidung von atzenden Stoffen, dic zum Aufldsen von Metallen bei der alten Mcthode verwendet wurden, wodurch auch Eiweif-Koagulationen in Kauf genommen werden muften (Madaus-Jahrbuch 1928). Da die an der Spitze des positiven Pols stehenden Metalle der Alkalien cine kaustische und auflésende Wirkung haben, kann man dies mehr oder weniger von allen stark positiven Mitteln voraus- setzen. Mit den Sauren am negativen Poi ist es nicht anders. Auch die Pflanzen der Planeten of / h zeigen diese Giftwirkung. Das »Brennen“ ist bei alien vier, also nicht nur beim Mars zu suchen. Kali greift am meisten an. Nun ist das Merkwiirdige, da® Mittel beider Pole zusammengesetzt diese zersefzende, brennende Eigenschaft verlieren, freilich, wie ich annehme, in Minderung ihrer arzneilichen Wirkung in Krankheitsfallen. Dagegen beweist uns Schiifiler, daf sie zum Stoffersatz niitzlich sind. Okkultistische Reisebriefe IV. Der Tanz und die Magie. Von Sav Nemo. Jeder, der sich mit Experimentalmagic abgegcben hat, weit), wic eng die rhythmische Bewegung damit verkniipft ist, und es ist kein Zufall, da der Tanz immer wieder dazu benutzt wurde, ma- gische Krifte im Menschen auszuldsen. Ich will hier keine geschicht- liche Untersuchung anstellen iiber magische Tanze in alter und mo- derner Zeit, sondern lediglich iiber Tatsachen berichten, die ich bei meinen okkulten Studienreisen in siidlichen Landern selbst erlebt habe, und daran einige Betrachtungen kniipfen. Es war in Spanien, in einem kleinen Bergdorf, an einem Feier- tag. Tagsiiber hatte heiSe Sonne niedergebrannt und die winke- ligen Gassen waren menschenleer. Jetzt aber wehte ein leichter, erfrischender Wind und machfe die tiberheiSe Luft atemfahig und http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0189 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 186 — angenehm. Bald hatte sich die kleine Hazienda mit buntgekleide- ten Mannern nud Frauen gefiillt, und Guitarrenklange lockten zum Tanz. In die Akkorde der Instrumente mischten sich Koloraturen frohen Lachens und das Klingen der Glaser, gefiillt mit feurigem roten Wein, und auf dem ebenen Platz vor der kleinen Schenke wurde getanzt. [ch habe viele alte Tanze gesehen in Spanien, Tanze, bei denen jeder Pas, jede Wendung dem Auge erfreulich ist; Tanze, die sich hdchst angenehm von dem bei uns iiblichen mondanen Armgeschlenker und Beinverrenkungen unterscheiden; aber der damalige Abend hat mich besonders begeistert. Di8tzlich erschien auf dem Tanzplatz ein bildschénes Madchen von etwa 20 Jahren, und als sie einen alten Tanz zu tanzen begann, wichen alle aus und bildeten einen dichten Kreis um sie. Es war wie eine Faszination, die alle Umstehenden gebannt hatte. Hier fing einer an, zum Takt der Musik in die Hande zu klatschen, dort stampfte einer mit den Fii®en: selbst ich begann, wie unter einem Zwang, mich in den Hiiffen zu wiegen. Immer wirbelnder, immer wilder, immer ungehemmter tanzte das Weib, und immer feuriger wurde die Musik. Die kleinen, festen Briiste hiipften unter dem Mieder, die fliegenden Ricke enthiiliten wunderbare Beine, und dic Augen der Tanzerin bekamen einen seltsamen Glanz. Mit einmal begann sie, die Musik begleitend, zu singen. Mein Nachbar stieS mich an’ und sagte, da® sie nun prophe- tisch geworden sei und dafi die kleinen Strophen, die sie singe, Weissagungen seien, die sie zur Musik improvisiere. Deine Pferde sind gar wild, fasse sie gut an den Ziigeln. Sie werden Deinen kleinen Wagen zertriimmern und dich schleifen auf der weifien Strafte nach Sevilla. Und weiter tanzte sie zu einem Weib und sang: Dela Sohn, den du tim Schof triigst, wird schén werden und stark. Manchen Stier wird er tten, mutig kimpfend in der Arena. Dann hieit sie an vor einem alten Mann: Nicht lange mehr wirst du gehen am Sonntag zur Hasienda. Geh bin zur Kirche -- zum Priester, er gibt dir Speise des Himmels. Einem andern jungen Madchen sang sie: Not wird dir bringen die Liebe, wenn du hirst auf das cifrige Werben des Mannes, der dich besucht bat nichtlich in deiner Kammer. etre ure co hetp://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0190 D © Universitatsbibliothek Freiburg — 187 — Und bei mir sang sie: Du kommst aus fernem Lande, gelockt von Sonne und Meer. Aber was du suchst, Fremder, das frigst du schon lange bei dit. Dort und da blieb sie noch stehen und sang cinen Vierzeiler, aber ich habe nur davon herausgegriffen, was ich in der Folge kontrollieren konnte. Kaum eine Woche nach diesem Erlebnis gingen jenem jungen Bauernburschen auf der Landstrafe nach Sevilla die Pferde durch, und schwerverletzt schaffte man ihn ins Spital. Die Frau, der sie den Sohn verheifien hatte, gebar nach gerau- mer Zeit einen kraftigen Knaben; doch bleibt es abzuwarten, ob er einst ein erfolgreicher Torero werden wird. Was aber den alten José betraf, so hatte die weissagende Tanzerin wohl recht. Nach etwa 3 Wochen begleiteten wir den armen Leichenzug, der seine alten, miiden Knochen hinausbradite auf die Statte des Friedens, Ob das junge Madchen mit ihrer Liebe ungliicklich geworden isi, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht hat sie den Rat der Tanzerin befolgt, vielleicht aber auch leidet sie, ohne zu sprechen, denn die Spanicrinnen sind stolz und schweigsam, mii£t thr wissen. Was aber mich anbelangt, so mufi ich sagen, dafi die landliche Seherin mit ihrem vierzeiligen Vers gesagt hat, was von mir zu sagen war. . Sonne und Warme hat mich nach Siiden gelockt, und ein fiefer, Seheimnisvoller Reisetrieb [48t mich nicht zur Ruhe kommen. Ein um das andere Mal bin ich hinausgezogen in die Welt, um Erkennt- nis zu suchen und Frieden zu finden, und weifi es doch selber, daft diese Dinge im Herzen und in der Seele schlummern. Aber was ich noch vom magischen Tanz sagen michte, von der Méglichkeit, dai} durch ihn magische Fahigkeiten und Kriafte ge- lést werden. Magier werden heifit, sich einfiigen und einordnen in das kos- mische Raderwerk, Magie treiben das heift, sich so zu bereifen, dafi die ungeheuren magischen Krafte des Alls sich durch uns aus- wirken kénnen. Peryt Shou, der gro®e wesfliche Magier, hat uns in leichtfaBlicher Weise erstmals einen deutlichen Begriff von der Macht kosmischer Wellen gegeben und praktisth gelehrt, wie man sich durch Einstellung und Haltung diesen Kraffen erschliefien kann. Auch er hat aus der Quelle uralter tiberlieferung geschépft, denn die Wissenschaft von der sakralen-magischen Gesfe ist alt http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0191 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele — 188 — und ehrwiirdig wie die Magie. Wie die Krafte des Alls ihre Schwin- gungsebenen haben, auf denen sie sich auswirken, und wie diesc Sphiren zueinander in Beziehung treten, wie das Reich des Abso- luten mit dem Reich der Ideen, und das Reich der Ideen mit dem Reich des Materiellen korrespondiert, sowohl nach der Seite des Lichtes als auch nach der Scite des Schattens hin, das Ichrt uns dic Snigliche Wissenschaft, die Magie. Der Mensch ist ein Kosmos im kleinen. Deryt Shou wiederum hat popular und praktisch dariiber geschrieben, wie die Schwingungsebenen im Menschen ge- lagert sind und durch welche Gesten und Gebiarden es miglich ist, sie mit den grofen universalen Kraftfeldern in Verbindung zu bringen. Der Tanz nun, der aus einer Reihe aufeinanderfolgenden har- monischen Bewegungen besteht, die verschiedenartig die grofen natiirlichen und iibernatiirlichen Kraftfelder schneiden, lést dadurch unbekannte Krafte aus. Wenn man ein Bild aus der Dhysik ge- brauchen wiil, so kénnte man sagen: Wie der kleine Eisenstab, der sich in einer gréfleren drahtumwickelten Spule bewest, elektrische StromstéRe erzeugt, eine neue Kraft also, so fliefSt in den mensch- lichen K6rper unbekannte universale Kraft, wenn er auf eine ge- cignete Weise im grofen kosmischen Solmoid bewegt wird. Dazu kommt noch, da® eine starke kérperliche Anstrengung, sie ein wirbelnder Tanz ist, fast Senau so auf den Kérper wirkt wie das Gegenteil, ein somnambuler oder kataleptischer Zustand. Bei dem einen wie bei dem anderen Fall tritt eine gewisse Locke- rung von Seele und Kérper ein, und damit ist die Voraussetzung zu divinatorischen Experimenten gegeben. =| Okkultistische Umschau| Pola Negri iiber den Juwelenglauben. Wenn sonst Kiinstlerinnen und beson ders Filmstars in ihrem Juwelenschmuck nur ein Miftel sehen, den Reiz ihrer Er- schcinung zu heben, so steht Pola Negri in cinem besonderen innerlichen Verhiilt- nis zu ihren Kleinodien, die sie thr eigen nent. nich glaube in Wahrheit, daS den Edelsteinen mystische Eigenschaften inne- woknen", bekennt die Kinsflerin in einem Londoner Blatt. ,Jedec der vielen schénen Steing, die ich besitze, erweckt in mir eine besondere Stimmung. Ich schreibe diese einem tausendjihrigen My , der in dem Blut des mensch- lichen Geschlechtes fortlebt. In meinen hle ich meine Juwelen iminer so, daft sie mit der besonderen Stimmung meiner Rolle h: ein Dubli- kum iblf ihre besonderen Bigenschaffen heraus, dic des Menschengeschlecht immer in ihnen erkannt hat (Mittags-Blatt, Hamburg.) gu ‘ilmen w monieren, und m etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0192 D © Universitatsbibliothek Freiburg — 189 — Das Telegramm aus dem Jenseits. Der Frauenarzt Rodolphe Garick steht im Mittelpunkt eines sensafionellen Vorfalis, der die Londoner psychische Geselt- schaft in einer ihrer niichsten Sitzungen beschiiftigen diirfte. Dr. Garick, ein noch junger, jedoch angeschener Arzt, wohnt in Oxford. Seine Tern hatfen ein kleines Garfenhiuschen im Londoner Cottageviertel inne. Der Junge Arzt pflegte friiher jeden Monat seine Eltern, an denen er mit groBer Liebe hing, aufzusuchen. Infolge seiner Ueberbiirdung fand er jedoch hierzu seit mehre- ren Monaten keine Zeit mehr. Am 2. Mai echielé nun der Arzt eine Depesche, lic ihm die Mitteilung brachte, die Mutter sei schwer krank, er mége sich sofort nach London begeben. Als der Arzt eintraf, war die alte Frau bereifs tot. Sein Vater wuflfe ihm noch 2u berichfen, dafl es der geiffte Schmerz der Sterbenden war, ihren geliebfen Sohn nicht an ihrem Krankenlager 2u sehen. Einige Tage spiiter fuhr Dr. Garick nach Oxford zuriick. Der Vate~, cin riistiger alter Herr, war in London verblieben. Am 14. Mai erbielt nun der Arzt abermals eine Depesche mit folgendem Text: »Nater nachts gestorben. Komme sofort aum Begribnis.“ Tie! erschiittert von der traurigen und unerwarteten Botschaft begab sich Dr. Garick mit dem_niichsten Schnellzug nach London, Er kam in den Abendstunden an, Seine Uebecraschung war unbeschreiblich, als ihm die Tir niemand anderes als sein Vater éffnete. Um den alten Herrn nicht aufsuregen, machte der Sohn yon der Depesche keine I wihnung, obwohl er seiner Exregung Gber das mysferidse Telegramm, hinter dem er einen bisen Scherz vermutete, kaum Herr werden konnte, Um dem alten Heren seinen plétzlichen Besuch plausibel zu machen, schiitzte er einen KongreS vor, an dem er teilnehmen miisse. Insgeheim heschlot! er, am nichsfen Tag Nachforschun- gen zu pflegen, wer das Telegcamm aufgegeben hatte. Vater und Soha plauderten bis in die spiiten Nachtstunden hinein, dann begab man sich zur Ruhe. Als um 9 Uhr morgens der Sohn das Schlafzimmer des Vaters betrat, fand ex den alten Herm im Bett liegend leblos vor. Fin Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Am niichsten Tag gab es ein Begribnis, zu dem das mysterigse Telegramm den Arzt noch vor dem Tode des 30 pltelich Verstor- benen. dessen jihes Ende dcch kein Mensth vorausschen konnte, eingeladen hatte. Die geheimnisvolle Depesche liefh den Arzt freilich nicht in Ruhe. Er stelite fest, dail das Telegramm im 95, Postamt aufgegeben war, begab sich dorthin und erkundigte sich, wer das Telegramm aufgegeben hatfe. Hier konnte man ihm nur den Bescheid erteilen, daf die Depesche wie jede andere am 13. Mai in allen Formen zur Abgabe und zar Absendung gelangt war. An die Person des Absen- ders erinnerie man sich freilich nich€ mehr. Auf dem Pormular war ein unleset? liches Gekritzel als Unterschrift zu sehen. Der Vorfoll bleibt also nach wie vor in Dunkel gehiillt. ~ (Mittays-Blett, Hamburg.) Das Haus des Todes und der Gespenster. ,,Ein Haus, in dem der Tod stindig zu Gast ist’ so Sliisterfen sich schon vor Wochen die Frauen der Nachbarschaft 2u und hielfen dabei mit schewen Blicken Ausschau, ob sich nicht schon wieder der Priester mit den Sterbesakramenten und der Mefinerknabe mit Weihrauchfa® und Weihwasserbecken dem uralten Haus des Arbeiters Cieni in Florens niherten. So off in der letzten Zeit waren schmucklose Sarge aus der schmaten Tir dieses Hauses herausgetragen worden, dafi man gar nicht mehr wufite, wer iberhaupt noch yon der bisher so zahlreichen Familie lebte. Der Arbeiter Cioni bewohnte das alte Haus in det engen Gasse schon seit vielen Jahren, zusammen mit seinen Téchtern, seinem Bruder und dessen Frau und Kindern. Und wirklich schien in der letzten Zeit ein unheimlicher Fluch auf http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0193 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele DFG — 10 — seinen Bewohnern au lasten; denn in wenigen Wochen starben vier Familienange- hirige, erst der Bruder des Arbeiters Cioni, dann — im Abstand von nut ciaigen agen —— zwei Tochter seiner Schwiigerin; und zuletzt verlief eine seiner eigenen ‘YOchter fiir immer das schon stillgeworcene Haus, Die Nachbarn erinnerten sich aber noch bei dieser selfsamen Anhiiufung von Schicksalsschliig s noch seltsameren Falles: Vor kaum einem Jahr war in demselben Haus ein anderer Bruder des vom Ungliick heimgesuchten Arbeifers auf die unerklirlichste Weise verbrannt. Dies alles war schon Grund genug fiir die Einwohner von Florenz, das ,Todes: haus" in einen diisteren Bana zu tun. Dazu kamen bald noch weitere Umstinds, die dem Aberglauben der kleinen Birger und Handwerker reichlich Nahrung boten. Am hellen Mittag, wie auch aur mifterniichtlichen Stunde, prasselten Steine, von wnsichtbaren Hiinden geschleudert, auf das Strafenpflaster vor dem schma- len Haus. Und dieser unerklidiche Steinregen wiederholfe sich immer hiufiger, stets aber zur mitfiiglichen oder zur mifferniichtlichen Stunde, Bald wollten auch die Voriibergehenden Kettengerassel, langanhaltende Klagetine und tiefe Seuf- zee gehdrt haben, Dann wollfen andere wieder geschen haben, wie dunkle, wesen- lose Schatten an den Fenstern vorbeihuschfen, wie Mébelstticke sich von selbst bewegten und wie unrubige Lichter tiber das flache Dach des Ungliickshauses jagten. Jedenfalls wufite man dies alles nur vom Hérensagen; jedoch den nieder- prasselnden Steinschlag um Mittag und Mitternach¢ konnte jeder erleben, der sich slem verrufenen Hause zu nihern wagte. Denn verrufen war nun das Haus des Todes und der Gespenster in héchstem Mafie. Der wieder cinmal aufgeweckte Aberglauben des Mittelalters, der Hexen- und Pestzeit, umkreisfe es; immer neue Gertichte umschwirrfen es. Auch seine Be wohner standen unfer dem Banne der Angst und des Entsetzens. Sie waBten sich weder den geheimnisvollen Steinregen, noch die Veriinderungen in den Zimmern zu erkliren. Am Morgen fanden sie die Mébel verstellt, die Spiegel gegen die Winde gekehrt und alle Fensterléden gedffnet, die sie am Abend sorgfiiltig ge- schlossen hatfen. Das war schon Spuk, hillischer, feuflischer Spuk. Oder aber ein biibischer Unfug, den gewissenlose Menschen mit den vom Ungliick Verfolgten trieben, So glaubte wenigstens die Polizei, als dex Acbeiter Cioni endlich eine Anzeige erstattete. Von diesem Tage an schritten stefs einige Carabinieri vor dem Gespensterhause auf und ab. Doch damit hatte der Spuk noch nicht sein Ende gefunden. Der Steinregen setafe auch fernerhin genau in der Sekunde ein, als die zwalf Glockenschliige um Mittag oder Mitternacht verllungen waren. Die dann unfernommenen Darch- suchungen des ganzen Hauses lieflen jedoch seine Urheber nie finden. Und da ei von Florenz und wulite sich nicht mehr au helfen. staunte auch die Poli Die italienischen Zeitungen, die den seltsamen Vorgang meldeten, halten ihn selbstverstiindlich nur fiir ein spifzbiibisches Treiben, wilhrend sich die Einwohner von Florenz von Tag 2u ‘Tag mehr iiberzeugten, da es sich ebenso selbstverstiind- lich nur um Gespenster handeln kinne. So bekreuzigen sich heute die Frauen, wenn sie eilig und gedrickt an dem Geisterhaus vorbeihasten, die Kinder ver- sfummen jih in seiner Nihe und schauen mif enfsetzten Augen auf seine ge- schlossenen Fensterliden. Und seine Bewohner? Sie berciten sich in der gréften Eile vor, diese verrufene Stiitte des Teufels, der Geister und des Todes zu ver- lassen (Stuttg. Neues Tagblatt.) Die Erinnerungen einer Wiedergeborenen. Einc erstaunliche Geschichte von der siebenjihrigen Tochfer eines Brahminen, die sich deatlich an ihre Erlebnisse etre ure co heep://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0194 D © Universitatsbibliothek Freiburg — 1 — in einem fritheren Dasein erinnert, wird in indischen Blittern berichtet, Die Kunde von diesem Vorfall, der das grifite Aufsehen unter den Anhiingern der Seclen- wanderung erregt, kommt aus dem Dorf Schadinagar in dem Farulchabad-Gebiet Hier lebt ein Brahmine, Pandit Ganga Wischnu, der cin Téchterchen Ramkoli be- sitzt. Dieses Kind erzihlte schon mit drei Jahren ihren Eltern, da es zum zwe ten Mal auf der Erde lebe; es habe friher in einem Dorf namens Maglabad ge wohnt, sei verheiratet gewesen und habe drei Sébne, von denen der ilteste den Namen Sitaram fihre. Die Elfern kiimmerten sich am dieses merkwiirdige Ge- chwiitz des Kindes nicht, aber als die Kleine alter wurde, berichtete sie immer deutlicher von ihrem friiheren Leben und bat, man mige ihr gestatten, thre Séhne wiederzusehen. Schliefilich erkliirte das Midchen, wenn man ihren Wunsch nicht erfiille, dann wolle sie sterben und verweigerte drei Tage lang die Aufnahme von Speise und Trank. In seiner Verzweiflung entschlo® sich der Vater, dem Kinde seinen Willen zu tun, Ex miefefe einen Ochsenwagen, setzte das Midehen und ihre Mutter daraut und fuhr mit ihnen nach Maglabad. Dort ging das Kind sofort in ein Haus und schrift auf einen Mann zu, in dem sie einen ihrer Séhne wiedererkennen wellte. Sie behauptete auch, in zwei andern Miinnern ihre beiden andern Sdhne wieder- gefunden zu haben, und-nannfe ihre Franen beim Namen. Eine grofle Menschenmenge versammelte sich um die kleine Wiedergeborene, dic ibnen genaue Angaben iiber ihre friihere Existenz machte. So konnte sie Siellen an den Hausern ihrer Séhne zeigen, die wihrend ihres fridheren Daseius ausgebessert warden, umd wufite auch von den Schicksalen verschiedener, bereits versforbener Dortbewohner zu berichten. Die Leute aus dem Dorf fragten sie vieles tiber Vorginge, die sich hier friiher ereignet hatten, und sfets gab sie die richtige Antwort. (Mittags-Blatt, Hamburg.) oo Biichertisch. Die angegebenen Biicherpteise sind unverbindlich. Kosmologie. Yon Dr. J. L. Schmitt. 33 Seiten. Mk. 1.50. Dom-Verlag, M. Seitz & Co., Augsburg. Mit Kosmologie (Allkunde, Alleinheitslehre) sollte sich jedermann verfraut machen. Wo sie erlebf wird, da klirt sie die Individualitit ab, weifet den Blick und bringt Lebensfreiheit, Mi€ der VergedSerung des kosmischen Wissens erfahren wir eine Verticfung ucr Erlebnisse, cine Weitung des Erkennens und cine FE: héhung des Denkens. Trotz des etwas knappen Rahmens behandelt der Verfasser diesen Stoff in allgemeinverstiindlicher Weise ziemlich eingehend. Dire. Okkulte Philosophie. Von Dr. Josef Feldmann. 1927. 223 Seiten. Mk, 4—. Ferd. Schiningh, Paderborn. Das Buch behandelt in exakt wissenschaftlichem Rahmen, gestiitzt auf reiches und vielseitiges Belegmaterial, den Okkultismus, wobei die Speziatfiicher Spiri mus, Telepathie, Hellsehen, Spuk und Geistererscheinungen besondere Beriicksich- figung finden. An sich wire es wiinschenswert, wenn auch bei Laienforschern mehr sachliche, kritische Beobachtung einsetzen wiirde, aber der Hyperkeitizismus wird den Tatsachen okkulter Phiinomene nie ganz gerecht. Was die natiirliche Er- klixbarkeit dieser Vorginge betrifft, das lehrt die Esoferik schon lange. Im ge- samten Makro- und Mikrokosmos gibt es nichts Uebernatiirliches, sondern nut http: //dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1928/0195 © Universitatsbibliothek Freiburg efor rele DFG — 192 ~ Uebersinnliches, Transzendentales (iiber der Bewuiitseinsschwelle Befindliches). Auch dai das Unterbewufttsein als Mittler magischer KriifteduBerungen die Kar- dinalrolle spielt, ist nichts Neues. Der okk. Esoteriker geht nicht gern mit einer Wissenschaft, die alle 50-100 Jahre einmal efwas von dem anerkennt, was dic Esoterik schon lange Iehrte. Wenn es auch des Verfassers ernste Ansicht ist, dab sich die okkulten Exscheinungen ebenso wenig auf Kommando erzeugen lassen wie die echt religidsen, so kinte man ihm in Bezug auf die Entlarvungswut gewisser Kreise nur beipflichten. Darr: Abdias Trew, Grundri® der verbesserfen Astrologie. Hochdeutsche Bearbcitung von Studienrat Jos. Fuchs, Augsburg. — J, C. Hubers Verlag, Diessen 1927. — Broschiert 2.50 Mk. In dieser Schriff hat Mag. Abd. Trew (1597--1669), Proi. der Mathematik und Physik an der Universitit Altdor, in sehr selbstindiger Weise eine kritische Sichtung der astrologischen Theorie und Praxis vorgenommen und beachtenswerte Reformvorschliige gemacht. Wegen der rationellen Einsteliung des Veef. bildet die vorliegende deutsche Bearbeitung dieses Werkes eine wertyolle Bereich des neueren astrologischen Schrifttums, denn das — z. Zt. recht seltene ~ Original war in einem ungeniefibaren lateinisch-deutschen Kauderwelsch abgefafit. Die von Studienrat Fuchs besorgte Verdeutschung zeugt fiir philologische Gewissenhaftig- keif und gediegene Sachkenninis auf astrologischem Gebiet. Als Anhang ist eine Ucbersetzung nach dem latcin. Original des ,Astrologi schen Spiegels” von Mag. Eberh. Welper beigegeben, worin die Eigenschaften und Wirkungen der einzeinen Planetenaspekte tabellerisch zusammengestellt sind. E.Hentges Konzeniration und Meditation. Von Hermaun Rudolph. 32 S. Kart. 0.60 Mk ‘Theosophischer Kultur-Verlag, Leipzig. ung, Eine Sonderschriff auf dem Gebiete der Konzentration, denn die meisten sol- cher Schriften sind darauf berechnet, menschlich egoistischen Bestrebungen zu die- nen und die niederen Seelenkriifte zu schulen, um Macht und Einfln® iiber die Mitmeaschen au erlangen, Hier wird Konzentration und Meditation, welch beiden Worte urspriinglich dasselbe bedeuten, von hohem spirifuellem Standpunkte aus behandelt und eine Anleitung gegeben, wie man durch sie Ewigkeitswerte erringen kann. Die Schrift bespricht etwas knapp, aber doch verstindlich, die verschiedenen Abstufungen spiritueller Konzentration und dann —- vor allem die Hauptsache die au tiberwindenden seelisch-geistigen Hemmungen, welche den Weg zur Hoher- enfwicklung versperren. Jeder Freund ernster. posifiver, tatwilliger spiritueller Weltauschauung vermag aus den einzelnen Abhandlungen geofien Nutzen zu zichen. Diiry. Geheime Miichte, Lehrbuch der Suggestion und Hypnose. Von Wilh, Kania. 1927 23S, Mk. I. H. Menzlew, Darmstadt. Die Schrift behandelt faBlich und klar das Elementarwissen zum Erteilen hyp- nofischer Suggesti Leider besitzen wie fast viel zu viel ihnlicher kleiner Schriften. Dire Irma Naumann. Wie man Horoskope deuten lemt. Eine Einfahrung in die Horos- kopdeufung an 10 Beispielen. Regulus-Verlag, Gérlitz, 1.50 Mk. Der Titel kennzeichnet hinreichend Inhalt und Zweck dieses flott geschriebe nen Biichleins, das dem angehenden Astrologen besteas empfohlen werden kann, indem die Verfasserin an 10 Fallen aus ihrer Praxis die Technik der Horoskep- puslegung lebet E. Hentges etre ure co hetp://dl.ub.unt-freiburg.de/diglit/ zb_okkultismus1928/0196 D © Universitatsbibliothek Freiburg