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Schnellinterpretation einer Blut-Gas-Analyse Seite 1 von 32

Experten Meinung

"In der Pflege kritisch Kranker liegt das Hauptaugenmerk auf der Aufrechterhaltung
einer adäquaten Sauerstoffversorgung der Vitalorgane.

Die Überwachung des vollständigen Profils der Oxymetrie-Parameter und des


Lactats ist für eine korrekte Beurteilung der Sauerstoffversorgung von
entscheidender Bedeutung."

Dr. med. Torsten Faber


Herlev Krankenhaus
Kopenhagen
Dänemark

Blutgasanalyse aus der Praxis:

[Einheit] [Parameter]

pH 7.400 gemessen
pCO2 32.8 mmHg gemessen
pO2 78 mmHg gemessen
BE -4 mmol / Liter berechnet
HCO3 20.3 mmol / Liter berechnet
sO2 96 % berechnet
-----------------------------------------------------

Na+ 138 mmol / Liter gemessen


K+ 4.7 mmol / Liter gemessen
Hct 26 %PCV gemessen
Hb* 8.8 g / dL berechnet
* via Hct

Temp. 37.0 °C

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


Erstellt: 27.05.10
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1.1 Arterieller Blut-pH

1.1.1 Definition
Der pH zeigt die Azidität oder Alkalinität der Probe an. Abhängig von der Probe kann
das systematische Symbol pH(a) für arterielles Blut oder pH für gemischt-venöses
Blut sein. Das Analysatorsymbol kann auch pH sein. pH ist der negative Logarithmus
der Wasserstoffionen-Aktivität, pH = - log(aH+).

1.1.2 Erklärung
Der pH ist das Maß des Gesamt-Säure-Basen-Status des Blutes. Die meisten
metabolischen Prozesse sind abhängig davon, dass sich der pH-Wert innerhalb
eines relativ engen Bereiches bewegt. Normalerweise wird der Blut-pH-Wert durch
eine Pufferung über das Bicarbonat-Puffersystem innerhalb eines engen Bereiches
gehalten. Im Blut wird das physikalisch gelöste CO2 teilweise hydriert und bildet
Kohlensäure.

1.1.3 Referenzbereiche
Erwachsene: 7,35 - 7,45

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


Erstellt: 27.05.10
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1.1.4 Interpretation

Der pH kann betrachtet werden als Zusammensetzung aus einer „respiratorischen“


Komponente (d. h. bestimmt durch den pCO2, „respiratorische Säure“)
und einer „metabolischen“ Komponente (d. h. bestimmt durch die Bicarbonat-
Konzentration).

Beachten Sie, dass die aktuelle Bicarbonat-Konzentration sowohl von der


physiologischen Regulierung der renalen Säure oder der Basenausscheidung, d. h.
als H+ bzw. , als auch durch die Titration von durch den Metabolismus erzeugten
überschüssigen Protonen („metabolische Säure“) bestimmt wird.

1.1.4.1 Akute respiratorische Azidose

wird durch einen niedrigen pH-Wert, einen hohen pCO2-Wert und einen normalen
Standard-Basenüberschuss charakterisiert. Wenn der Zustand anhält, verringert sich
die Bicarbonat-Ausscheidung in den Nieren und die Azidose wird durch Erhöhung
der Bicarbonat-Konzentration im Blut teilweise oder vollständig kompensiert. Eine
kompensierte respiratorische Azidose ist gekennzeichnet durch einen nur geringfügig
niedrigen (möglicherweise normalen) pH, einen hohen pCO2 und eine hohe
Bicarbonat-Konzentration.

1.1.4.2 Akute metabolische Azidose

wird durch einen niedrigen pH, eine niedrige Bicarbonat-Konzentration und einen
normalen pCO2 charakterisiert. Abhängig von der Atmungsfähigkeit des Patienten,
wird dieser Zustand teilweise durch Hyperventilation, die zu einem niedrigen pCO2
führt, kompensiert.

1.1.4.3 Akute respiratorische Alkalose

ist durch einen hohen pH und einen niedrigen pCO2 gekennzeichnet. Wenn der
Zustand anhält (z. B. bei Aufenthalt in großen Höhen), erfolgt die Kompensation über
eine erhöhte renale Ausscheidung des Bicarbonats, die zu einer geringen
Konzentration des Bicarbonats führt.

1.1.4.4 Akute metabolische Alkalose

wird durch einen hohen pH und eine hohe Bicarbonat-Konzentration charakterisiert.


Spontan atmende Patienten können ihre alveoläre Ventilation verringern, um die
Alkalose mit einem erhöhten pCO2 zu kompensieren.

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


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1.1.5 Ursachen für einen niedrigen pH (Azidose)

A. Respiratorische Azidose: [Kompensation: verstärkte renale HCO3-


Rückresorption und Säuresekretion H+ ]

• Alveoläre Hypoventilation
 obstruktive Lungenerkrankung (Asthma bronchiale, Bronchitis, Emphysem)
 respiratorische Insuffizienz / Atelektase / ausgedehnte Pneumonie
 Erkrankungen der Thoraxwand (Herzinfarkt, Pneumonie, Hämatothorax,
Pneumothorax)
 Schädigungen des Atemzentrums / Sedativa
 Falsch eingestellte Beatmung

B. Metabolische Azidose: [Kompensation: Stimulation der Atmung =>


Hyperventilation]
• Kreislaufstörung
• schweres Leberversagen
• Nierenversagen, Nierneninsuffizienz, isolierte Tubulusschädigung
• diabetische Ketoazidose
• gastrointestinaler Bicarbonatverlust (Diarrhoe), Pankreas- oder Gallenfistel
• Gewebenekrose
• Hyperkaliämie
• Hyperglykämie (Diabetiker)
• Angeborene Fett- und Eiweißstoffwechselstörung

Typische Folgeerscheinungen einer Übersäuerung sind:

 Stressanfälligkeit
 Nervosität
 Leistungsabfall
 Müdigkeit
 Konzentrationsschwäche.
Man fühlt sich schlapp und ausgelaugt, es fehlt an Motivation.

Typische Beschwerden, die mit einer chronischen Übersäuerung des Körpers in


Zusammenhang gebracht werden können, sind:

• undefiniertes Unwohlsein
• depressive Stimmungen und Reizbarkeit
• Neigung zu Kopfschmerzen und Migräne
• Neigung zu Muskelverspannungen
• Neigung zu Allergien
• Osteoporose und Rheuma
• Diabetes

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


Erstellt: 27.05.10
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1.1.6 Ursachen für einen hohen pH (Alkalose)

A. Respiratorische Alkalose: [Kompensation: verstärkte renale HCO3-


Ausscheidung]
• Alveoläre Hyperventilation
 Reaktion auf Hypoxämie (kompensatorische Hyperventilation)
 Fehleinstellung des Beatmungsgerätes
 Hyperventilation:
 Stress (z.B. Schmerz, Aufregung, Angst)
 Erkrankungen / Läsionen des ZNS (Enzephalitis, Trauma)
 psychische Ursachen
 Pulmonalembolie / Lungenerkrankungen (z.B. Lungenfibrose)
 Leberzirrhose
 Schwere Anämie
 Schwangerschaft
 Sepsis

B. Metabolische Alkalose: [Kompensation: Dämpfung der Atmung]

• Diuretika
• gastrointestinaler Säureverlust (dauerndes Erbrechen)
• Hypokaliämie
• Leberinsuffizienz
• Störungen des Hormonhaushalts
• Hormontherapie

Folgen einer Untersäuerung sind:

• Herzrhythmusstörungen
• Blutdruckabfall
• Schwindel
• Konzentrationsschwäche
• Sehstörungen
• Unruhe und Stress

TIPP:
Für die Beurteilung des Säure-Basen-Gleichgewichts muss der pCO2 zusammen mit
dem BE bewertet werden.

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


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Exkurs:

Lebensmittel mit basischer (+) und saurer (-) Wirkung :

Brote Obst/Früchte
Knäckebrot -3,5 Ananas + 4,5
Weißbrot / Brötchen -10 Äpfel (reif) +4,0
Schwarzbrot -17 Apfelsinen + 9,0
Vollkornbrot – 6 Aprikosen +6,5
Bananen +10,0
Getreide (-Produkte)
Birne +3,5
Cornflakes - 4
Brombeeren +7,0
Buchweizengrütze - 3,5
Datteln +4,5
Buchweizen, geschält -7
Erdbeeren +2,0
Gerste, geschält -10
Feigen +27,0
Gerstenmehl -20
Hagebutten +15,7
Haferflocken -10
Heidelbeeren +5,5
Hirse -1,6
Himbeeren +5,0
Mais -5,0
Johannisbeere (rot) +2,5
Nudeln (weiß) -6,0
Johannisbeere (schwarz) +6,0
Roggen, geschält -11
Kirschen (süß) +4,5
Roggenmehl -16,5
Kirschen (sauer) +2,0
Weizen, geschält -8
Mandarinen +11,5
Weizenmehl -2,5
Melone +7,5
Weizengrieß -10
Mirabellen +4,0
Getreide ungeschält -1 bis -8 (je nach
Orangen +7,0
Getreideart / Vollkorn, biolog. Anbau)
Pfirsiche +5
Zwieback -2,0
Pflaumen +5,5
Eiweißträger Rosinen +15,0
Austern +10,0 Trauben (reif) +7,5
Eier -22 Zitrone +9,5
Seefisch - 20 Zwetschgen (getrocknet) +20,0
Süßwasserfisch -11,5
Hühnerfleisch - 18 Gemüse
Käse -19 Artischocke - 4,5
Kaviar -11 Blumenkohl +3
H-Milch -1,0 weiße Bohnen +12
Vollmilch (unbehandelt) + 4,5 Brechbohnen +11,5
Pfifferlinge +4,5 Erbsen - 3,5
Putenfleisch -10,5 Grünkohl + 4
Quark - 17,5 Kohlrabi +5,0
Rindfleisch - 37 Kürbis +2,5
Sahne +3,0 Lauch +9,0
Schweinefleisch - 38,0 Linsen -18
Soja-Granulat +25 Mangold, roh +7,5
Soja-Lecitin +38,0 Mais -5
Speck, geräuchert - 8,5 Möhren + 9,5
Steinpilze + 4,5 Rosenkohl -10

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


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Kräuter/Salate Rotkohl + 6,5


Brunnenkresse +5,0 Sauerkraut + 7
Dill +18,0 Schnittbohnen +10
Endivien +14,5 Schwarzwurzeln +1,5
Feldsalat + 5 Sellerie +13,5
grüner Salat + 14 Spargel +1,0
Gurke + 31,5 Spinat + 13
Löwenzahn +22,5 Steckrüben +10
Paprika, grün +2,0 Weißkohl + 8
Radieschen +7,0 Wirsing -0,5
Rettich (schwarz) +39,5 Zwiebeln + 3
Rettich (weiß) +4,0
Schnittlauch +8,0 Fette
Tomate + 14 Butter - 4
Margarine -7,5
Nüsse Palmin -11
Bucheckern -60 Olivenöl -11
Erdnüsse - 12,5 Oliven (roh) +34,0
Haselnüsse - 0,5 Sahne -2,5
Kokusnüsse +3
Mandeln -2,0 Sonstige:
Paranüsse -8,5 Gewürze bis zu +30,0
Wallnüsse -8,0 Kaffee -48
Kartoffeln +7
Limonaden -30
Nudeln -5
Reis -5,5
Schokolade -14,0
Tee (grün) -5 bis -11
Tee (schwarz) -11 bis -28
Zucker -30

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


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1.2 Arterieller Kohlendioxid-Partialdruck (pCO2)

1.2.1 Definition

pCO2 wird definiert als der Kohlendioxid-Partialdruck im Blut. Hohe und niedrige
pCO2-Werte des arteriellen Blutes weisen auf eine Hyperkapnie bzw. Hypokapnie
hin. Abhängig von der Probe kann das systematische Symbol wie folgt aussehen:
pCO2(a) für arterielles Blut und pCO2() für gemischt-venöses Blut. Das
Analysatorsymbol kann auch pCO2 sein.

1.2.2 Erklärung

Kohlendioxid diffundiert leicht durch Zellmembranen und der Partialdruck von pCO2
in normaler eingeatmeter Luft ist vernachlässigbar. pCO2 spiegelt daher direkt eine
ausreichende alveoläre Ventilation in bezug auf die metabolische Kohlendioxid-
Produktion wider (metabolische Rate).

1.2.3 Referenzbereiche

Männlich: 35-48 mmHg (4.67-6.40 kPa)


Weiblich: 32-45 mmHg (4.27-6.00 kPa)

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


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1.2.4 Interpretation

A. Niedriger pCO2, alveoläre Hyperventilation (Hypokapnie):

Ursachen für alveoläre Hyperventilation:

Primär:
• Zu hohe künstliche Beatmung
• Psychogene Hyperventilation
Sekundär:
• Kompensation einer metabolischen Azidose
• Sekundär bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems
• Sekundär bei Hypoxie

B. Hoher pCO2, alveoläre Hypoventilation (Hyperkapnie):

Ursachen für alveoläre Hypoventilation:

• Akute oder chronische Lungenerkrankung


• Obstruktion der oberen Atemwege (z. B. Schlafapnoe-Syndrom)
• Verringerter Atemantrieb auf Grund einer Depression des zentralen
Nervensystems – entweder primär oder sekundär auf Grund von Sedation
oder Analgetika – oder Kompensation einer metabolischen Alkalose
• Unzureichende oder absichtlich verringerte (“permissive Hyperkapnie”)
künstliche Beatmung

Hinweise

Der pCO2 gibt Aufschluss darüber, ob die pulmonale Ventilation ausreichend ist. Mit
dem Parameter ist es möglich, zu unterscheiden, ob ein Problem respiratorische Art,
das primär auf die Beatmung zurückzuführen ist, vorliegt, oder ob ein Problem seine
Ursache in der Oxygenierung hat.
Der Schweregrad eines ventilatorischen Misserfolges, aber auch ein eventuell
bestehender chronischer Zustand, kann auf Grund begleitender Veränderungen im
Säure-Basen-Status beurteilt werden.

Häufig ist es ein Teil der therapeutischen Strategie, Werte zu akzeptieren oder
anzustreben, die höher oder niedriger als die des Referenzbereichs sind. In
derartigen Situationen ist es wichtig, sich der Auswirkungen von pCO2(a)-
Veränderungen bewusst zu sein.
Hyperkapnie oder Hypokapnie haben ihre wesentlichen Ursachen in Änderungen des
arteriellen Sauerstoffgehaltes.

Eine Verringerung des pCO2(a)

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


Erstellt: 27.05.10
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verursacht eine pulmonale Gefäßerweiterung und Gefäßverengungen in mehreren


Bereichen der systemischen Zirkulation, einschließlich des zerebralen
Gefäßsystems. Der niedrige alveoläre pCO2 erhöht den alveolären pO2 und die
Alkalose verursacht eine Links-Verschiebung der ODC. Beide Effekte erleichtern die
Sauerstoffaufnahme in den Lungen.

Jedoch können die systemischen, zirkulatorischen Regulationen, aber auch die


durch die Linksverschiebung der ODC verursachte Beeinträchtigung der
Sauerstoffabgabe an das Gewebe, diesen Effekten entgegenwirken. Das
Gesamtresultat der pCO2-Verringerung kann daher eine Beeinträchtigung der
Sauerstoffversorgung des Gewebes sein. Obwohl die systemische Gefäßverengung
innerhalb von Minuten oder Stunden kompensiert wird, kann sie eine Organ-
Hypoperfusion verursachen und zu einer Ischämie, besonders im zentralen
Nervensystem (ZNS), führen.

Eine pCO2(a)-Erhöhung
verursacht eine Hypoxämie infolge des Absinkens des alveolären
Sauerstoffpartialdrucks.

Andererseits kann eine pCO2-Erhöhung zu einem erhöhten Herzminutenvolumen


führen und die Sauerstoffabgabe an das Gewebe erleichtern.

Zusammenfassend sind die Auswirkungen der Veränderungen des arteriellen pCO2


sehr komplex und bis heute noch nicht vollständig verstanden worden. Der arterielle
pCO2 muss daher immer im klinischen Kontext beurteilt werden. Seien Sie sich des
Risikos präanalytischer Fehler (Lagerung) bei pCO2-Werten bewusst.

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1.3 Sauerstoff – Partialdruck (pO2)

1.3.1 Definition

pO2 ist der Sauerstoff-Partialdruck in einer Gasphase im Gleichgewicht mit Blut.


Hohe und niedrige pO2-Werte des arteriellen Blutes indizieren Hyperoxie bzw.
Hypoxie. Das Analysatorsymbol kann auch pO2 sein. Das systematische Symbol für
den arteriellen Sauerstoff-Partialdruck ist pO2(a), wenn gemischt-venöses Blut
gemessen wird, ist das entsprechende systematische Symbol pO2().

1.3.2 Erklärung

Der arterielle Sauerstoffpartialdruck pO2(a) ist ein Indikator für die


Sauerstoffaufnahme des venösen Blutes in den Lungen.

1.3.3 Referenzbereiche

pO2(a) Referenzbereich ( Erwachsene): 83-108 mmHg (11,1-14,4 kPa); der


Referenzbereich für Erwachsene nimmt jedoch mit dem Alter ab.

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1.3.4 Interpretation

1.3.4.1 Normaler pO2:

Ein normaler pO2 weist, bei Einatmung von Raumluft, auf eine angemessene
Sauerstoffaufnahme hin.

1.3.4.2 Hoher pO2 (Hyperoxämie):

Ein hoher pO2 führt zu einer zellulären Hyperoxie und kann, wenn er längere Zeit
anhält, toxisch wirken. Wenn hohe Werte nicht im speziellen Fall erwünscht sind,
sollte die inspiratorische Sauerstoff-Fraktion reduziert werden, um den pO2 zu
normalisieren.

1.3.4.3 Niedriger pO2 (Hypoxie):

Ist der pO2 zu niedrig, kann dies darauf hinweisen, dass die Sauerstoffaufnahme in
der Lunge unzureichend ist. Pulmonaler und ventilatorischer Status (d. h.
Röntgenaufnahme des Thorax, FShunt, pCO2, Lungenfunktionstest) sollten überprüft
werden. Eine Erhöhung des FO2(I) und/oder die Optimierung der
Beatmungseinstellungen könnten, wenn möglich, zusammen mit einer spezifischen
Behandlung pulmonaler oder kardialer Veränderungen, die die Hypoxie verursachen,
angezeigt sein.

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


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1.4 BE – aktueller Basenüberschuss

1.4.1 Definition

Der aktuelle Basenüberschuss ist die Konzentration von titrierbarer Base, wenn das
Blut mit einer starken Base oder Säure auf einem Plasma-pH-Wert von 7,40 bei
einem pCO2 von 40 mmHg (5,3 kPa) und 37 °C bei aktueller Saue rstoffsättigung
titriert ist. Der aktuelle Basenüberschuss wird häufig mit BE (Base Excess) abgekürzt
und symbolisiert.

1.4.2 Erklärung

Der “Basenüberschuss” ist die absolute Abweichung (in mmol/L) der Menge an
Pufferbasen, von dem normalen Level im Blut. Der “Basenüberschuss” stellt die
Gesamt-Pufferkapazität des Blutes dar, die Bicarbonat, Hämoglobin, Plasmaprotein
und Phosphate umfasst.

1.4.3 Referenzbereiche

Männlich: -2,7 – (+2,5) mmol/L


Weiblich: -3,4 – (+1,4) mmol/L

1.4.4 Interpretation

Ein geringer (negativer) BE weist auf eine metabolische Azidose hin, und ein hoher
BE weist auf eine metabolische Alkalose hin.
Die wichtigste Bedeutung von BE ist, dass er einen Teil der Analyse des Säure-
Basen-Status im Blut darstellt, d. h. im Zusammenhang mit pCO2 und pH gesehen
wird.

Ursachen für eine Basenabweichung:

• Metabolisch => Stoffwechselstörung (z.B. Diabetes mellitus)


• Renal => Nierenfunktionsstörung (z.B. Anurie)
• Intestinal => Verlust von Magensaft (H+) oder Duodenalsaft (HCO3-)
• Hepatisch => eingeschränkte Leberfunktion

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1.5 HCO3 – aktuelles Bikarbonat

1.5.1 Definition

Das aktuelle Bicarbonat cHCO3- ist die Wasserstoffkarbonat-Konzentration im


Plasma der Blutprobe. Sie wird berechnet unter Verwendung der gemessenen pH
und pCO2-Werte.

1.5.2 Erklärung

Das aktuelle Bicarbonat wird mit den gemessenen Werte für pH und pCO2 in der
Henderson-Hasselbalch-Gleichung berechnet. Der Grund für einen erhöhten Level
von cHCO3- kann in einer primären metabolischen Alkalose oder einer
kompensatorischen Reaktion auf eine primäre respiratorische Azidose liegen.
Niedrige cHCO3--Werte treten bei metabolischer Azidose und als
Kompensationsmechanismus bei primären respiratorischen Alkalosen auf.

1.5.3 Referenzbereiche

Männlich: 24-31 mmol/L


Weiblich: 22-31 mmol/L

1.5.4 Interpretation

Das Niveau des Plasma-Bicarbonats ist abhängig sowohl vom „Verbrauch“ durch
Titration von Säuren, die nicht in Beziehung zu Kohlensäure / pCO2 stehen (die
aktuelle Titration produziert Wasser und Kohlendioxid, wobei letzteres durch die
Atmung ausgeschieden wird) als auch von der aktiven Regulierung der
Ausscheidung von Bicarbonat über die Nieren als auch von der aktuellen
Kohlensäure-Konzentration (d. h. pCO2 gemäß Henderson-Hasselbalch-Gleichung).

1.5.4.1 HCO3 hoch:

Eine hohe Konzentration von Bicarbonat kann daher entweder begründet sein in
einem echten relativen Defizit nicht-CO2-bezogener Säuren (z. B. bei fortdauernder
gastrischer Aspiration) oder in einem kompensatorischen Anstieg renaler Proton-
Ausscheidung (was zu einer Zurückhaltung von Bicarbonat führt).
In beiden Fällen stellt dies ein Element einer „metabolischen Alkalose“ dar – oder in
einem hohen pCO2-Level.

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1.5.4.2 HCO3 niedrig:

Umgekehrt wird eine niedrige Konzentration an Bicarbonat verursacht entweder


durch Titration überschüssiger nicht-CO2-bezogener Säuren (z. B. bei
Hyperlactatämie), durch eine kompensatorische Reduzierung der renalen Protonen-
Ausscheidung oder durch einen niedrigen pCO2.

1.5.4.3 Fazit:

Die Beurteilung der Bicarbonat-Wertes muss daher immer in Zusammenhang mit der
Beurteilung des pCO2 und des pH erfolgen.

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1.5.5 Exkurs: Puffersystem Kohlensäure / Bikarbonat

CO2 + H2O  H2CO3  H+ + HCO3 –

Lunge Nieren

Respiratorische Einflüsse  pCO2 ⇓ bzw. ⇑

Metabolische Einflüsse  HCO3- ⇓ bzw. ⇑

Eliminationsorgane:

Lunge: 10 mmol CO2 / Minute


Leber: 40 mmol H+ / Stunde
Nieren: 40 – 80 mmol H+ / 24 Stunden

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1.6 sO2 – arterielle Sauerstoffsättigung

1.6.1 Definition

sO2 wird als Sauerstoffsättigung bezeichnet und ist definiert als das Verhältnis
zwischen den Konzentrationen von O2Hb und HHb + O2Hb:

1.6.2 Erklärung

sO2 ist der Prozentsatz des oxygenierten Hämoglobins in Relation zu der Menge an
Hämoglobin, die Sauerstoff transportieren kann. sO2 ermöglicht die Bewertung der
Oxygenierung und der Dissoziation von Oxyhämoglobin, wie sie durch die ODC
ausgedrückt wird.

1.6.3 Referenzbereiche

Erwachsene: 95-99 % (0,95-0,99)

1.6.4 Interpretation

1.6.4.1 sO2 normal - hoch:

Ausreichende Nutzung der aktuellen Sauerstoff-Transportkapazität.


Potentielles Risiko einer Hyperoxie.

1.6.4.2 Niedrige sO2:

Übliche Ursachen einer niedrigen sO2:

• Beeinträchtige Sauerstoffaufnahme
• Rechtsverschiebung der ODC

Beachten Sie das Risiko präanalytischer Fehler (Luftblasen, Lagerung) bei sO2-
Werten.

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1.7 Na+ - Natrium Konzentration

1.7.1 Definition

CNa+(P) ist die Konzentration von Natrium (Na+) in Plasma. Das systematische
Symbol für arterielles Blut ist cNa+(aP).
Das Analysatorsymbol kann auch Na+ oder cNa+ sein.

1.7.2 Erklärung

Der Körper verfügt über ein Gesamt-Natrium-Level von etwa 60 mmol/kg, wovon der
größte Teil aufgeteilt ist auf die Knochen und die extrazelluläre Flüssigkeit. Der
Plasma-Level von etwa 140 mmol/L wird reguliert vom Plasma-Gehalt an Natrium,
Wasser und intrazellulärem Kalium.
Daher kann der Grund für ein hohes Plasma-Natrium an einem niedrigen
Wassergehalt im Körper liegen – oder umgekehrt.
Das Natrium repräsentiert etwa 90 % der anorganischen Kationen im Plasma und ist
somit verantwortlich für fast die Hälfte der Osmolalität des Plasmas.

1.7.3 Referenzbereich

Erwachsene: 136-146 mmol/L

1.7.4 Interpretation

A. Niedrige Na+-Werte können verursacht werden durch:

• Exzessive Wasseraufnahme
• Nierenversagen
• Herzversagen
• Leberversagen
• Erhöhte ADH-Sekretion
• Diuretika
• Nephrotisches Syndrom

B. Hohe Na+-Werte können verursacht werden durch:

• Erhöhte Na-Belastung
• Steroide
• Erbrechen
• Diarrhoe
• Übermäßige Schweißabsonderung

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1.8 K+ - Kalium Konzentration

1.8.1 Definition

CK+(P) ist die Konzentration von Kalium (K+) in Plasma. Das systematische Symbol
für arterielles Blut ist cK+(aP). Das Analysatorsymbol kann auch K+ oder cK+ sein.

1.8.2 Erklärung

Der Körper hat einen Gesamt-Kalium-Level von 3.000 – 4.000 mmol, wovon der
größte Teil intrazellulär ist. Das Plasma (und die extrazelluläre Flüssigkeit) enthält
nur etwa 4 mmol/L, was sich auf eine Gesamtmenge von 50 mmol beläuft (die
extrazelluläre Flüssigkeit macht etwa 12 L aus).
Obwohl extrazelluläres Kalium nur 1-2 % des Gesamt-Kaliums ausmacht, ist es von
großer Bedeutung, da eine seiner Hauptfunktionen die Herbeiführung der
Regulierung des gesamten Kalium-Haushaltes des Organismus ist. Ein normaler
Kalium-Level ist entscheidend für die Regulierung der Herzfunktion. Werte außerhalb
des Bereiches 2,5-7,0 mmol/L sind tödlich.

1.8.3 Referenzbereich

Erwachsene: 3,4-4,5 mmol/L

1.8.4 Interpretation

A. Niedrige K+-Werte können verursacht werden durch:

• Erzwungene Diurese (z. B. Behandlung mit Diuretika, Hypercalcämie,


Diabetes mellitus)
• Diarrhoe
• Erbrechen oder gastrische Aspiration
• Respiratorische oder metabolische Alkalose
• Primärer oder sekundärer (d. h. bei Hypovolämie oder Herzversagen)
Hyperaldosteronismus
• Magnesiumschwund

B. Hohe K+-Werte können verursacht werden durch:

• Nierenversagen
• Endogene (d. h. Lactat, Ketone, bei Sepsis) metabolische Azidose
• Toxische metabolische Azidose (Salicylate, Methanol, etc.)

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Hinweise
Hohe cK+-Werte können durch Hämolyse der Erythrozyten in einer Blutprobe
verursacht werden. Typischerweise ist dieses nach zu kräftiger Aspiration und bei
Kapillarproben (schlechte Probenentnahme-Technik) zu beobachten.

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1.9 Hb - Gesamthämoglobin Konzentration

1.9.1 Definition

ctHb ist die Gesamthämoglobin-Konzentration im Blut. Gesamthämoglobin umfasst


im Prinzip alle Hämoglobinarten, d. h. Desoxy-, Oxy-, Carboxy-, Met- und
Sulfhämoglobin. Das sehr seltene und nicht Sauerstoff transportierende
Sulfhämoglobin ist im hier definierten ctHb nicht enthalten.
ctHb = cO2Hb + cHHb + cCOHb + cMetHb

Das systematische Symbol für arterielles Blut ist ctHb(a). Das Analysatorsymbol
kann auch tHb oder ctHb sein.

1.9.2 Erklärung

ctHb ist ein Maß für die mögliche Sauerstoff-Transportkapazität des Blutes,
abgesehen vom physikalisch gelösten O2, üblicherweise 1-2 % des ctO2. Die
tatsächliche Sauerstoff-Transportkapazität wird jedoch durch die effektive
Hämoglobin-Konzentration (d. h. ctHb minus der Dyshämoglobin-Konzentration)
definiert. Die Sauerstoff-Transporteigenschaften des arteriellen Blutes werden im
Gegensatz dazu der Reihe nach durch die Hämoglobinmenge (ctHb), die Fraktion
des oxygenierten Hämoglobins (FO2Hb) und den Sauerstoffpartialdruck (pO2)
bestimmt.

1.9.3 Referenzbereich

Männlich: 8,4-10,9 mmol/L (13,5-17,5 g/dL)


Weiblich: 7,4-9,9 mmol/L (12,0-16,0 g/dL)

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1.9.4 Interpretation

1.6.4.3 Hb erhöht:

Hohe ctHb-Werte korrelieren üblicherweise mit einer hohen Blutviskosität, die auf
Grund einer erhöhten links-ventrikulären Nachbelastung einem Herzversagen
vorhergehen kann. Zudem steigt das Risiko einer Thrombose auf Grund erhöhter
mikrozirkulärer Blut-Sludge-Bildung.

1.6.4.2.1 Übliche Ursachen erhöhter Hb-Werte (Polyzythämie):

Primär:
• Polycythämia rubra vera

Sekundär:
• Dehydration
• Chronische Lungenerkrankung
• Chronische Herzerkrankung
• Leben in großer Höhe trainierte
• Athleten

1.5.4.4 Hb erniedrigt:

Niedrige Konzentrationen des Gesamthämoglobins oder des effektiven Hämoglobins


beinhalten infolge des erniedrigten arteriellen Sauerstoffgehalts (ctO2) das Risiko
einer Gewebehypoxie.
Physiologische Kompensationsmechanismen für eine niedrige Gesamthämoglobin-
Konzentration sind die Erhöhung des Herzminutenvolumens und eine verstärkte
Erythrozyten-Produktion. Eine Erhöhung des Herzminutenvolumens kann im Falle
einer ischämischen Herzerkrankung ungeeignet oder im Falle einer beeintächtigten
myokardialen Kontraktionskraft oder eines Gefäßverschlusses unmöglich sein.

1.6.4.2.1 Übliche Ursachen erniedrigter tHb-Werte (Anämie):

Primär:

• Verminderte Erythrozyten-Produktion

Sekundär:

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• Hämolyse
• Blutungen
• Blutverdünnung (Überhydratation)
• Mehrfache Blutentnahmen (besonders bei Neonaten)

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O2 – Dissoziationskurve / Sauerstoffbindungskurve

Rechtsverschiebung der Sauerstoffbindungskurve:

 pCO2 ⇑
 pH < 7,4
 erleichterte Abgabe von O2 an das Gewebe

Linksverschiebung der Sauerstoffbindungskurve:

 pCO2 ⇓
 pH > 7,4
 verminderte Abgabe von O2 an das Gewebe

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Ursachen für eine Lageveränderung der O2 – Bindungskurve

Linksverschiebung Rechtsverschiebung

Alkalose (pH ⇑) Azidose (pH ⇓)


Hypokapnie Hyperkapnie
Temperatur ⇓ Temperatur ⇑
Phosphat i. Blut ⇓ Phosphat i. Blut ⇑
2,3-DPG1 ⇓ 2,3 – DPG ⇑

Sepsis
Schwangerschaft

1
Anaerobe Glykolyse der Erythrozyten

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2. Therapieansätze bei den jeweiligen Störungen

2.1 Respiratorische Azidose

Pathophysiologie:

• Anfallendes CO2 wird vom kardiopulmonalen System nicht zeitgerecht eliminiert


• PCO2 ⇑ => Gefäßdilatation
• Zerebrale Durchblutung steigt => ICP steigt
• Apnoe => pCO2 steigt um 3 – 5 mmHg/Min.

Symptome:
 Atemnot, Zyanose
 Schwäche
 Kopfschmerzen
 Unruhe
 Koma bei pCO2 > 90 mmHg
 pH unter 7.0 > Verwirrtheit und Muskelschwäche bis hin zum Koma
 Kalter Schweiß
 Tachycardien (pCO2 > 60 mmHg), die nach Absinken des pH unter 7.10 in
Bradycardien wechseln (Indiz für gestörte Katecholaminwirkung)
 Arrhythmie
 Blutdruck ⇑⇓
 Hyperkaliämie
 Hypochlorämie (Blähungen, Durchfall, Austrocknung > Durst, Benommenheit;
Ödeme, Muskelschwäche, -krämpfe, Natriummangel)

Therapie:

 Korrektur der Beatmungsparameter


 Anfeuchtung und Erwärmung der Inspirationsluft
 Sekretolyse und Broncholyse
 Vibration / Perkussion
 Expektoration fördern, ggf. Sekret absaugen
 Physiotherapie
 Lagerungsdrainagen

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2.2 Respiratorische Alkalose

Pathophysiologie:

• H+ - und HCO3- - Verlust durch Hyperventilation


• pCO2 ⇓ => zerebrale Vasokonstriktion
• bei plötzlicher Erschöpfung der Hyperventilation:
 kompensatorisch sinkt das HCO3-
 metabolische Azidose
 Sauerstoffmangel im Gewebe mit Laktaterhöhung
 Ausbildung einer sekundären metabolischen Azidose
Symptome:
 Vertiefte, rasche Atmung
 Angst
 Schwindel
 Parästhesien
 Karpopedalspasmen (tonische Krämpfe Hände und Füße)
 Hyperchlorämie (Hypertonie bzw. Verstärkung einer bestehenden Hypertonie)

Therapie:
 Korrektur der Beatmungsparameter
 Sedativa
 Hyperventilationstetanie (Angst, Unruhe) lassen sich häufig durch
Rückatmung (z.B. Hyperventilationsmaske) von CO2 therapieren

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2.3 Metabolische Azidose

Pathophysiologie:

• H+ - Ausgleich zwischen EZR2 und IZR3


 K+ - wandert ab in den EZR => K+ im Plasma ⇑

• Peripherer Gefäßwiderstand ⇓
• Sauerstoffabgabe im Gewebe ⇑
• Glykolyse4 ⇓
• Glukoneogenese5 ⇑
Symptome:
 Desorientierung
 Schwäche
 Stupor
 Atemtiefe ⇑
 Atemfrequenz ⇑
 Herzrhythmusstörungen
 Tachycardie
 Vasodilatation
 Hypotonie
 Katecholaminwirkung ⇓
 Kontraktilität des Herzens

Therapie:
 Bei Ketoazidose => Gabe von Insulin (bewirkt Zufuhr von Glucose in die Zelle)
 K+ beobachten
 Gefahr der Hyperkaliämie (Einstrom von H+-Ionen in die Zelle > Ausstrom von
Kalium mit der Gefahr der Hyperkaliämie (Herz-Kreislaufstörungen)
 Veno-venöse Hämofiltration (CVVH)
 Natriumbicarbonat (NaHCO3)
 Bicarbonatbedarf (mmol) = negativer BE x 0,3 x kg Körpergewicht
 Tris Puffer
 Bedarf (ml) 0,3 Tris-Lösung = negativer BE x kg Körpergewicht

2
EZR = Extrazellularraum
3
IZR = Intrazellularraum
4
Glykolyse: bezeichnet den schrittweisen Abbau der Glucose bis hin zur Brenztraubensäure.
5
Glukoneogenese = Stoffwechselweg zur Neusynthese von Glukose. Sie findet vorwiegend in der Leber und in
den Nieren statt.

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2.4 Metabolische Alkalose

Pathophysiologie:

• Renale K+ - Elimination ⇑
• H+ - Ausgleich zwischen EZR und IZR
 K+ - wandert ab in den IZR => K+ im Plasma ⇓
• Peripherer Gefäßwiderstand ⇑
• Sauerstoffabgabe im Gewebe ⇓
• Glykolyse ⇑
• Laktatbildung ⇑
• Glukoneogenese ⇑

Symptome:
 Apathie
 Schwäche
 Neuromuskuläre Erregbarkeit ⇑ ( Ca++ ⇓)
 Atemtiefe ⇓
 Atemfrequenz ⇓
 Herzrhythmusstörungen (pH > 7,55 durch K+ ⇓ )
 Hypovolämie
 Meteorismus (K+ ⇓)

Therapie:
 Acetazolamid (z.B. Diamox)
 Salzsäure (0,1 – 0,2 molar) (z.B. Salzsäure 7,25% )
 Argininhydrochlorid und Lysinhydrochlorid
 Säurebedarf (mmol/L) = positiver BE x 0,3 x kg Körpergewicht

Peter Mariotti, Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivpflege


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Literaturhinweise:

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Erstellt: 27.05.10