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Universität Athen

Fachbereich für deutsche Sprache und Literatur


Hauptseminar: Pragmatik
Seminarleiterin: Prof. Dr. F. Batsalia
WS 2009-2010

Der Sprechakt „Kritisieren“

Vorgelegt von:
Maria Manti
1565200600058
7. Semester
e-mail: manti.maria@gmail.com
Tel.: 6937-607780

1
INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung...........................................................................................................3

2. Das Sprechen als Handeln…………...................................................................4

3. Zweck und Voraussetzungen des Sprechaktes „Kritisieren“……………............6

4. Das Kritisieren bei der Prüfung B2. Beschreibung der entsprechenden Übung...8

5. Beispiele aus dem Lehrwerk „Projekt B2“…………………………….................9

6. Schlussfolgerungen.............................................................................................11

7. Bibliographie......................................................................................................12

2
1.EINLEITUNG

Diese Arbeit bezieht sich mit dem Sprechakt „Kritisieren“. Ziel dieser
Hausarbeit ist die Erläuterung des Sprechaktes „Kritisieren“ durch die
methodische Darstellung der wichtigsten Theorien und die Erläuterung der
verschiedenen Beispielen, die in Form von Übungen im Unterricht benutzt
werden.

Am Anfang wird Einiges zur Theorie des Sprechens als Handeln erwähnt.
Im Nachhinein wird der Zweck und die Voraussetzung des Sprechaktes
„Kritisieren“ dargestellt.

Danach wird der zu behandelnde Sprechakt anhand von Übungen aus der
Prüfung B2 beschrieben.

Es folgen dann Beispiele aus dem Lehrwerk von Christos Karabatos


„Projekt B2“, die beinhalten Kritisieren von Verhaltensweisen, Ansichten,
Eigenschaften und Gegebenheiten.

Zum Schluss werden die wichtigsten Schlussfolgerungen dieser


Hausarbeit extrahiert.

3
2.DAS SPRECHEN ALS HANDELN

Das „Kritisieren“ gehört zu der Kategorie der Sprechakte. J. L. Austin nach,


diene Sprache ausschließlich dazu, über die Welt zu reden. Austin
unterstützt, dass nicht alle Aussagen wahr oder falsch sind, d.h. neben
derartigen Äußerungen, die er „konstative“ Äußerungen nennt, gibt es
solche, die überhaupt nichts beschreiben, daher nicht wahr oder falsch
sein können, sondern entweder glücken oder missglücken. Diese
Äußerungen, die als Handlungsausdrücke wirken, nennt er „performative
Äußerungen“ oder „performative Sätze“.

Auf der Suche nach die Merkmalen der verschieden Äußerungen stellt
Austin fest, dass wenn jemand etwas mit einer Äußerung tut, drei Akte
vollzogen werden:
1. Der lokutionäre Akt, der mit die sprachliche Indikatoren zu tun hat.
2. Der illokutionäre Akt, indem der Sprecher eine bestimmte
kommunikative Funktion ausübt.
3. Der perlokutive Akt, der mit die gewisse Konsequenzen für den
weiteren Kommunikationsablauf der Ausführung des illokutionären
Aktes zu tun hat1.

Wie Maas in seinem Buch erwähnt:

Eine Tätigkeit, die über ihre eigenen Bedingungen verfügt, dadurch, daß sie
diese geschaffen hat, wollen wir Handeln nennen2.

1
Vgl Batsalia Friederike, Der semiotische Rhombus. Ein handlungstheoretisches Konzept zu einer
konfrontativen Pragmatik, Praxis Verlag, Athen, 1997, s. 17 – 19.
2
Maas Utz, Pragmatik und sprachliches Handeln. Mit einer Kritik am Funkkolleg “Sprache”, Athenäum
Verlag, Frankfurt / M., 1974, s. 6

4
Wie John Searle schon sagt, eine Sprache zu sprechen heißt Sprechakte zu
vollziehen, Sprechakte wie Aussagen treffen, Befehle erteilen, Fragen
stellen u.s.w3. Nehmen wir an, daß man eines Tages während des
Abendessens aufsteht, durch den Raum geht und sich ein Glass mit
Wasser füllt. Dann hat man eine Handlung vollzogen. Wenn man aber das
Abendessen einnimmt und jemandem Anderen um ein Glass Wasser
bittet, geht es auch um eine Handlung: Die Handlung eine Bitte zu
formulieren. Sprechen ist Nichts, was zufällig passiert. Sprechen bedeutet
vielmehr Handeln.

So über das Sprechen zu denken ist wichtig, weil es einem einen Einblick
in die Nützlichkeit menschlicher Kommunikation gibt – Menschen nützen
nämlich Kommunikation als Werkzeug, um ihre eigenen Ziele zu
verfolgen. Das gilt natürlich auch für den Sprechakt „Kritisieren“, den wir
im Nachhinein weitgehend überprüfen werden.

3
Searle John, Sprechakte, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1990, s.

5
3.ZWECK UND VORAUSSETZUNGEN DES
SPRECHAKTES „KRITISIEREN“

Kritik bezeichnet heute ganz allgemein eine prüfende Beurteilung nach


begründetem Maßstab, die mit der Abwägung von Wert und Unwert einer
Sache einhergeht. Unterschieden wird häufig nach der Art und Weise4:

Abolitionistische Kritik: eine Kritik, die eine Abschaffung oder ein


Abwenden von einem Gegenstand oder einer Praxis fordert.

Positive Kritik: eine lobende Kritik, eine Anerkennung

Negative Kritik: eine tadelnde Kritik

Konstruktive Kritik: eine Kritik, die auf Verbesserung des Gegenstandes


abzielt.

Destruktive Kritik: eine Kritik, die auf die Vernichtung des Gegenstandes
abziel

Selbstkritik: die differenzierte Überprüfung eigenen Verhaltens oder


eigener Anschauungen, in Hinsicht auf bestimmte Kriterien.

Enger gefasst dient Kritik der Bewertung eines Gegenstandes. Sie dient
noch dazu, die persönliche Meinung des Kritisierenden auszudrücken und
dadurch auch dem Kritisierten zu helfen. In diesem Fall ist Kritisieren nicht

4
Die Unterscheidung stammt aus der Wikipedia und ist unter dem folgenden Link zu finden:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik

6
unbedingt als negativer Begriff zu verstehen und stellt keineswegs das
Gegenteil von Anerkennung dar, sondern ergänzt sie. Kritik kann man auf
verschiedene Ebenen üben: Verhaltensweisen, Ansichten, Eigenschaften,
Gegebenheiten, Alles kann man unter kritisierendem Auge betrachten.

Wie Anerkennung, so setzt auch echte Kritik Überlegung voraus. Diese


Fähigkeit der Fremdsprachlernenden zur Überlegung und Kritisieren
versucht man auch bei der Prüfung des Sprachniveaus B2 zu entfalten. Im
folgenden Teil wird die genaue Typologie solcher Übungen beschrieben.

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4.DAS KRITISIEREN BEI DER PRÜFUNG B2.
BESCHREIBUNG DER ENTSPRECHENDEN
ÜBUNG

Bei der Prüfungen des Sprachniveaus B2 gibt es eine Übung im Bereich


des Leseverstehens, die so lautet: „Lesen Sie den Text. Stellen Sie fest,
wie der Autor des Textes folgende Fragen beurteilt: (a) positiv, (b) negativ
bzw. skeptisch“5.

Den Schülern wird eigentlich ein Artikel gegeben und sie müssen dann
vom Kontext oder von bestimmten Äußerungen des Schriftstellers
herausfinden, wie dieser einem Thema gegenüber steht.

In den jeweiligen Texten geht um die verschiedensten Themen, wie zum


Beispiel Haustiere, Handy, Vergreisung, Rauchverbot, Scheidungskinder,
Prüfungsangst, Einsamkeit, Bücher, Kindergeld u.s.w.

Normalerweise soll der Kandidat entweder Verhaltensweisen und


Ansichten oder Eigenschaften und Gegebenheiten beurteilen.

Im nächsten Kapitel betrachten wir genauer diese Übung, anhand von


Beispielen aus dem Lehrwerk.

5
Antoniadou Christina, Kaltsas Petra, Projekt B2. 15 Modelltests zur Vorbereitung auf das Goethe – Zertifikat
B2.Lehrerbuch, Chr. Karabatos Verlag, Athen, 2008, s. 29

8
5.BEISPIELE AUS DEM LEHRWERK „PROJEKT
B2“

Im Lehrwerk gibt es bestimmte Übungen die von den Schülern verlangen,


verschiedene Aspekte der menschlichen Rede zu kritisieren. Die Rede ist
hier von
a) Verhaltensweisen, b) Ansichten, c) Eigenschaften und d)
Gegebenheiten.
Im Folgenden wird jedes davon in Einzelheit betrachtet.

a) Kritisieren von Verhaltensweisen6


Die Frage an Fremdsprachlernenden heißt hier: „Wie beurteilt der Autor
das Engagement der Mütter für ihre Kinder nach der Scheidung?“. Im Text
steht:

Außerdem möchte ich an dieser Stelle auch die Mutter loben, die viel anfangen
und sich nach einer Trennung meist sehr um eine positive Beziehung bemühen
und ihre Kinder unterstützen.

Die richtige Antwort ist also hier „a“, d. h. „positiv“.

b) Kritisieren von Ansichten 7

6
Anhand vom Text “Weniger gefährdet als gedacht”, in Antoniadou Christina, Kaltsas Petra, Projekt B2. 15
Modelltests zur Vorbereitung auf das Goethe – Zertifikat B2.Lehrerbuch, Chr. Karabatos Verlag, Athen, 2008,
s. 76-77.
7
Anhand vom Text “Tiere unter dem Weihnachtsbaum”, in Antoniadou Christina, Kaltsas Petra, Projekt B2. 15
Modelltests zur Vorbereitung auf das Goethe – Zertifikat B2.Lehrerbuch, Chr. Karabatos Verlag, Athen, 2008,
s. 12-13.

9
Einem wird oft gefragt, die Haltung des Autors bestimmten Ansichten
gegenüber zu kritisieren. Auf Seite 12 des Lehrwerks steht zum Beispiel
die Frage: „Wie beurteilt die Autorin die Einstellung vieler Eltern, daß ihre
Kinder die Verantwortung für ein Haustier übernehmen sollen“. Und die
Antwort heißt:

Viele Eltern bedenken leider nicht, daß man die Verantwortung für ein Tier nicht
voll und ganz den Kindern überlassen kann. Ein Kind ist einfach nicht in der Lage,
sich vollständig um ein Tier zu kümmern und die Verantwortung allein zu tragen.
Die richtige Antwort ist hier also „b - negativ“.

c) Kritisieren von Eigenschaften8

Üblich ist auch das Kritisieren von Eigenschaften. Zum Beispiel steht auf
Seite 77 die Frage: „Wie beurteilt der Autor die Fähigkeit der Kinder, mit
einer neuen Lebenssituation fertig zu werden?“. Im Text steht übrigens:

Trotzdem können sich Kinder viel besser, als manche annehmen, auf
Belastungssituationen und neue Lebensverhältnisse einstellen. Sie besitzen
glücklicherweise eine hohe psychische Widerstandsfähigkeit.

Die richtige Antwort wäre also „a - positiv“.

d) Kritisieren von Gegebenheiten9

Was auch oft in der Prüfungvorkommt, ist, Gegebenheiten zu kritisieren.


Auf Seite 156 des Lehrbuchs steht die Frage: „Wie beurteilt der Autor die
Möglichkeit, sich im richtigen Moment für ein Kind zu entscheiden?“ Der
Autor schreibt ja:

8
Anhand vom Text “Weniger gefährdet als gedacht”, “Tiere unter dem Weihnachtsbaum”, in Antoniadou
Christina, Kaltsas Petra, Projekt B2. 15 Modelltests zur Vorbereitung auf das Goethe – Zertifikat
B2.Lehrerbuch, Chr. Karabatos Verlag, Athen, 2008, s. 76-77.
9
Anhand vom Text “Jetzt, spatter oder nie”, in Antoniadou Christina, Kaltsas Petra, Projekt B2. 15 Modelltests
zur Vorbereitung auf das Goethe – Zertifikat B2.Lehrerbuch, Chr. Karabatos Verlag, Athen, 2008, s. 156-157.

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Den „richtigen Zeitpunkt“ beispielsweise dürfte es kaum je geben und
Menschen, die ständig darüber diskutieren, wie und wann man ihn erkennt,
laufen Gefahr, ihn eben deshalb zu versäumen.

Die Losung ist also „b - negativ“.

6.SCHLUSSFOLGERUNGEN

Aus dem dargestellten Sachverhalt kann man zu der Schlußfolgerung


kommen, daß das Kritisieren sowohl zur Verbesserung der Personen, als
auch zur Entfaltung des kritischen Denkens benutzt wird. Wir leben
eigentlich in einer Informationsgesellschaft, oder eher in einer Meinungs-
Äußerungs-Gesellschaft. Das bedeutet, daß man heutzutage mehr als je
imstande sein sollte, richtig und objektiv zu kritisieren. Das wird übrigens
auch von den Schülern zumindest im Sprachunterricht erwartet, was
jedoch als komplementär zu den Kenntnissen der griechischen Schule zu
sehen ist.

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7.BIBLIOGRAPHIE

Antoniadou Christina, Kaltsas Petra, Projekt B2. 15 Modelltests zur


Vorbereitung auf das Goethe – Zertifikat B2.Lehrerbuch, Chr. Karabatos
Verlag, Athen, 2008

Batsalia Friederike, Der semiotische Rhombus. Ein


handlungstheoretisches Konzept zu einer konfrontativen Pragmatik, Praxis
Verlag, Athen, 1997,

Maas Utz, Pragmatik und sprachliches Handeln. Mit einer Kritik am


Funkkolleg “Sprache”, Athenäum Verlag, Frankfurt / M., 1974, s. 6

Searle John, Sprechakte, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1990, s.

INTERNET

http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik

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