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Fest des Fastenbrechens

Der gesegnete Monat ist nun zu Ende, und natürlich stellen wir uns die
Frage: „Haben wir das geistige Ziel erreicht, das wir uns vorgenommen
hatten?“ Der Gesandte Allahs (s) hatte uns ja die frohe Botschaft
gegeben, dass der Beginn des Ramadan Barmherzigkeit, seine Mitte
Vergebung und sein Schluss die Befreiung aus dem Höllenfeuer ist (Ibn
Chuzaima, as-Sahih, Bd. 3, Nr. 191). Waren wir in der Lage, viel von der
Barmherzigkeit Allahs zu erhalten, haben wir genug um Vergebung
gebeten und haben wir in den letzten Tagen bei Allah Schutz vor dem
Feuer gesucht?

Viele von uns hatten sich vorgenommen, den vergangenen Ramadan auf
die beste Weise auszunutzen, die Zeit des Segens nicht zu verschwenden
und sie mit vermehrten Gottesdiensten auszufüllen. Dieses Versprechen,
das manche von uns sich selbst gegeben haben, war der Wunsch, unsere
Beziehung zu unserem Schöpfer zu verbessern und Ihm in diesen Tagen
näher zu kommen.

Vielleicht waren wir nicht in der Lage, so viel wie möglich vom besonderen
Segen in diesem besten aller Monate zu profitieren, aber jeder hat
dennoch mindestens mit dem „einfachen“ Fasten Belohnung erhalten, ist
durch die Tarawih-Gebete Allah näher gekommen oder hat durch das
Entrichten der Zakatu l-Fitr (festgesetzte Abgabe am Ende des
Fastenmonats) Läuterung erfahren.

Das Glück des Gläubigen

Das größte Glück auf der Welt ist es, Knecht Allahs sein zu dürfen, Ihm
dienen zu können. Diejenigen, die dieses Glück in den vergangenen Tagen
kosten konnten und sich in die Knechtschaft ihres Herren begaben,
werden die Freude an diesem Fest fühlen.

Noch in den letzten paar Tagen des Ramadan konnten wir dieses
Glücksgefühl durch das Befolgen der Vorschrift des Fastens empfinden.
Wie wundervoll und voller Sinn war der Gottesdienst, der sich durch die
Hingabe an den Einen Schöpfer ausdrückte. Genauso sinnvoll und
angenehm ist es nun, zum Festegebet zu erscheinen, um die
versprochene Ernte einzufahren.

Der Gläubige weiß, dass seine Errettung im Diesseits und Jenseits nur
durch die Knechtschaft gegenüber Allah möglich ist, und sucht sie deshalb
darin. So gereinigt und ohne den Schmutz der Sünde und Auflehnung
begeht er den Tag des Festes. An diesem Tage ist seine Seele so rein wie
das weiße Kleid der Pilger bei der Hadsch.

Die Gläubigen sind nun hier, um Allah ihre Anstrengungen, die sie
körperlich und geistig unternahmen, auf dem göttlichen „Markt“
darzubieten. Sie haben die große Hoffnung, dass der Barmherzige das
Angebotene annehmen wird.

Das Resultat vom Fasten ist Gottesfurcht und nun ist Id vom Ramadan,
das Fest und der freudige Feiertag für alle Muslime. Das ist zugleich ein
Tag des Sieges der Gläubigen über ihre Triebseele, über die Teufel.

Für manche war das Fasten nicht immer leicht durchzustehen. Aber die
jenigen, die es durchgehalten haben, wissen, dass sie bei ihrem Herrn auf
größere Belohnung hoffen dürfen für ihr Durchhaltevermögen. Und diese
werden die Freude an diesem Fest stärker erleben.

Der Tag des Festes wird somit ein Tag der Gastfreundschaft, ein freudiger
und glücklicher Tag, der von Allah für seine ergebenen Knechte
vorbereitet ist. Am Tag des Festes werden wir sagen: „Gestern war
Ramadan, heute ist Fest. Gestern noch war es Pflicht und mit Belohnung
versehen zu fasten, heute ist das Fasten verboten. Beides tun wir nur, um
die Zufriedenheit Allahs zu erhalten.“

Und der Festtag ist die Zeit, an dem die gekränkten Herzen wieder geheilt
und die gegenseitigen Fehler verziehen werden. Die Freude über diesen
Festtag ist so groß, dass aller Groll, Ärger und Verletzungen vergessen
und gegenseitig vergeben werden.

Das Fest der Brüderlichkeit

Das Fest ist aber nicht nur ein Anlass, sich selbst zu freuen, sondern
genauso eine Möglichkeit, andere zu erfreuen: die Bedürftigen, die in Not
geratenen und die Einsamen, Kranken und Schwachen.

Dieser Tag ist der Tag der Brüderlichkeit und Solidarität. Mit der Zakatu l-
Fitr wird dem Gläubigen ermöglicht, auch den Ärmsten der Armen an
diesem Tag ein wenig Freude und Glück zu schenken.

Das Ramadanfest begehen die Gläubigen, indem sie sich gegenseitig zum
Fest beglückwünschen und Bittgebete füreinander sprechen. An diesem
Fest sind wir die Gäste Allahs, Er bietet uns Seine Vergebung,
Barmherzigkeit und Seinen Frieden und Liebe an. Und wer wird an diesem
Tag Liebe verweigern, wenn er die Liebe Allahs dafür erhält? Wer Liebe
gibt, wird Liebe erhalten, wer vergibt, dem wird vergeben und wer
barmherzig ist, für den werden im Himmel die Tore der Barmherzigkeit
weit aufgerissen.

Dieser Tag ist ausschließlich für die fastenden Gläubigen vorbereitet.

An diesem Tag sollen die Lüge, die Verleumdung, das Misstrauen, die
Glaubensverweigerung, die Feindschaft weichen und an ihre Stelle die
guten Wesenzüge wie Wahrheit, Gerechtigkeit, Freundlichkeit, Vertrauen,
Glaubensüberzeugung, Liebe und Brüderlichkeit treten.

Für einen Monat waren die Schaitane angekettet. Und für diejenigen, die
ihren festen Willen zur Nähe Allahs über den Ramadan hinaus bewahren
werden, bleiben sie auch weiterhin fest angebunden.

Möge Allah, der Erhabene, an diesem Fest der Gottergebenen, an dem die
Gläubigen die Moscheen füllen und sie auf die große Belohnung hoffen,
unseren Iman stärken, uns unsere Gottesdienste weiter in Hingabe
vollbringen lassen und den Koran, zu dem wir in diesem Monat eine
stärkere Bindung aufgebaut haben, zu unserem ständigen Begleiter für die
uns noch verbleibende Zeit machen.

Möge Allah uns ein echtes Fest schenken, an dem unser Fasten
angenommen und unsere Gottesdienste belohnt werden. Möge der Tag,
an dem wir keine Sünden begehen, für uns der wirkliche Festtag sein.

Hinweise zum Fest

Zum Schluss noch einige Empfehlungen für den Tag des Ramadanfestes
(Idu l-Fitr / Ramazan Bayrami):

Früh morgens aufstehen

Die Zähne (mit dem Miswak) putzen

Ein Bad (Ghusl) nehmen

Die beste Kleidung anziehen und sich schön machen


Sich parfümieren (für Männer)

Die Zakatu l-Fitr muss vor dem Festgebet entrichtet werden

Eine Dattel (oder etwas Süßes) vor dem Festgebet essen

Den Platz des Festgebetes frühzeitig erreichen

Zum Festgebet hin und vom Festgebet zurück auf verschiedenen Wegen
gehen

Auf dem Weg zum Festgebet (mit gesenkter Stimme) Takbir („Allahu
akbar“) sprechen

Wir wünschen all unseren Geschwistern ein frohes Fest

Id mubarak und bayraminiz mübarek olsun!