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Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung, 8.

Jahrgang, Heft 4, Dezember 2004


VffG Jahrgang 4, 2000 (1, 2: 120 S., 3&4: Doppelnummer, 232 S., €30,-) ISSN: 1370-7507
1: Prozeß David Irving gegen D.E. Lipstadt · »Schlüsseldokument« – alternative Interpretation · Vergasungslügen gegen Deutschland ·
Verfahrenstechniker zu Vergasungsbehauptungen · Treblinka-Archäologie · England – Aggressorstaat Nr. 1 · Churchill plante 3. Weltkrieg

Vierteljahreshefte
gegen Stalin · Englands Kriegsgründe für WKII · General Wlassow · Japan: Holocaust verschwindet · Einkreisung Deutschlands · Frei-
spruch für polnischen Historiker · Prozeß gegen Dr. Toben · Zwei Kronzeugen · u.a.m.; 2: Holo-Orthodoxie · Gedenken an Pfeifenberger
und Elstner · Deutschland – Sommer-Alptraum · Was geschah unregistrierten Juden? · “Schon 1942 wußte man…” · Leichenkeller von
Birkenau · Serienlügner Wiesel · Üben bis zur Vergasung! · Lügner Lanzmann · Gaskammer-Besichtigung · Juden unter NS-Herrschaft ·

für freie
Tod Himmlers · WK II: Wessen Krieg? · Wehrmacht zur Flüchtlingsrettung · Galileo Galilei · Neue Weltreligion · Nazifizierung der Deut-
schen · Unsere jüdischen Wurzeln? · u.a.m.; 3: Ganzjahres-Alptraum Deutschland · Ein „deutsches“ Jahrhundert? · Kongreß der Verfolg-
ten · Historische Vergangenheit, politische Gegenwart · Was widerfuhr ungarischen Juden? · Luftschutz in Birkenau: Neubewertung ·
Berichte zu Auschwitz · Amtlich sanktionierter Betrug in Dachau · Giftmordfall Marie Besnard · „Swing tanzen verboten“ · Das Ende von
U 85 · Armee von Nieten · Washington oder Wilson? · Entstehung des jüdischen Volkes · Wilhelm II. und T. Herzl · Sieg der verlorenen Revolution · u.a.m.

Geschichtsforschung
VffG, Jahrgang 5, 2001 (alle Ausgaben 120 Seiten)
1: Revisionismus und Zionismus · Großbritannien und Palästina · Englands Propagandanetz in den USA · US-Intrigen zur Ausweitung
des 2. Weltkriegs · Roosevelt und der Fall Kent · Pläne zur Ausrottung des deutschen Volkes · Grabschändung durch Behörde · Vergewal-
tigte E. Wiesel deutsche Mädels? · Der Holocaust begann 1648 · Die Shoah: bloßer Glaube? · Esquire über Revisionismus · Bedrohung
und Gewalt gegen Revisionisten · »Strafbarkeit des Auschwitz-Leugnens« · Fälschungen zum Holocaust · Legenden des Sklavenhandels,
u.a.m.; 2: Beirut: Die unmögliche revisionistische Konferenz · Führer islamischer Staaten sollten Schweigen zum „Holocaust“-Betrug
brechen · Auswirkung und Zukunft des Holocaust-Revisionismus · Zyklon B, Auschwitz und der Prozeß gegen Tesch · Neubewertung
Churchills – Teil 1 · J. Goebbels und die „Kristallnacht“ · Wiege der Zivilisation am falschen Ort? · Ein Volk gibt es unter uns… · Realität
und Wirklichkeit · Der Angler, der Karpfen und der Revisionist · u.a.m.: 3: Folgen des Großterrorismus · »den holocaust hat es nie gege-
ben« · Offener Brief an arabische Intellektuelle · N. Finkelstein über Juden, Antisemitismus, Israel · Revisionisten sind schwer zu wider- 8. Jahrgang • Heft 4 • Dezember 2004
legen · Schwimmbad in Auschwitz · Marschall Pétain · Finnischer Winterkrieg 1939 · Unternehmen Barbarossa und Europas Überleben ·
Ardennenschlacht · Neubewertung Churchills – Teil 2 · Britische Kriegsverbrechen · Weiße “Mumien” von Ürümchi · Kelten in Westchina · Pressefreiheit
abgeschafft · Der Fall Gamlich · Die Neuseeland-Saga · u.a.m.; 4: Schützt unsere Demokratie! · Der Verfassungsschutz zum Revisionismus · Politische Roman-
tik des Holocaust · J. Spanuth · Deportation ungarischer Juden 1944 · Mythos von Gebrauchsobjekten aus Menschenhaut · Revision zur Französischen Revo-
lution · Wendepunkt Erster Weltkrieg – Teil 1 · Unterdrückung Lettlands, 1918-1991 · OSI – US-Nazijäger · Stalins Säuberung der Roten Armee · Offene Fragen Befreiungsideologie Revisionismus:
zu den Terrorangriffen auf die USA · Amerika & England: Das Ende der Freiheit? · Gaskammern im Altreich? · Zeugen · u.a.m.
VffG, Jahrgang 6, Nr. 1, April 2002, 120 Seiten Der Weg zum Endsieg, S. 371
Politisch verfolgte Deutsche genießen Asyl … im Ausland · Fort Eben-Emael: Wendepunkt der Geschichte · Bombardierung von Bergen 1944/45 · Durchbrach
die Me 262 die Schallmauer? · Konzentrationslagergeld · Miklos Nyiszli · Israels Geburt durch Blut und Terror · Holocaust-Dynamik · Juden, Katholiken und Tollwut im Bundestag:
der Holocaust · Revisionismus und die Würde der Besiegten · Globale Probleme der Weltgeschichte · N.G. Finkelstein in Beirut: Gegenveranstaltung arabischer
Revisionisten · Jagd auf Germar Rudolf · Nachrufe · u.a.m. Eskalation der politischen Zensur, S. 377
VffG, Jahrgang 6, Nr. 2, Juni 2002, 120 Seiten
Naher Osten: Lunte am Pulverfaß · Geopolitik des Afghanistankrieges · 11. September 2001 · Helden von Bethlehem · V. Frankl über Auschwitz ½ Der Dolchstoß – keine Legende:
· „Entdeckung“ des „Bunkers 1“ von Birkenau · Kosten von Auschwitz · Rückblick auf GULag · Kinderlandverschickung im 2. Weltkrieg · 1. WK – im Felde unbesiegt, S. 380
Antigermanismus · Totalitarismus in der Springer-Presse · Gutachten im Asylverfahren von G. Rudolf · Geistesfreiheit in Deutschland · Japan
knackte US-Funkverkehr im Sommer 1941 · Hitler ohne Völkermordprogramm gegen Slawen · Ausgrabungen in Sobibor? · u.a.m.
VffG, Jahrgang 6, Nr. 3, September 2002, 128 Seiten Gefangener antideutschen Hasses:
IHR: Sinkt das Schiff? · Douglas: Revisionist oder Scharlatan? · »Keine Löcher, keine Gaskammer(n)« · V.E. Frankl in Auschwitz · Treblinka: Major Reder in Italien, S. 402
Vernichtungslager oder Durchgangslager? · C.A. Lindbergh: Prinzipien vor Privatleben · Trübe Machenschaften der Anti-Defamation League · Auch Kulturrevi-
sionismus ist dringend erforderlich · Ich, der Antisemit? · Stalins Vernichtungskrieg – amtlicher Verleumdungskrieg · Nachruf auf Thor Heyerdahl · Schwimmbad
im Ghetto Theresienstadt · Wie die USA den Vietnamkrieg vom Zaune brachen · Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses · u.v.a.m.
Deutsche und Juden:
VffG, Jahrgang 6, Nr. 4, December 2002, 120 Seiten Fortdauernder Psycho-Krieg, S. 411
Auschwitz-Opferzahl: Zahlen-Roulette dreht sich weiter · Russen recherchieren in “Sache Holocaust” · Sowjetischen Befragung der Topf-
Ingenieure · “Verbrennungsgruben” und Grundwasserstand in Birkenau · Die Stärkebücher von Auschwitz · Giftgas über alles, von Friedrich Leichenverbrennung im Freien:
Paul Berg · Vrba entlarvt Lanzmanns Film Shoah... und sich selbst · Mondlandung: Schwindel oder Wahrheit? · Männer beiderlei Geschlechts
und der kalte Verfassungsputsch · Von der Gefahr, Revisionist zu sein… · Hundert Jahre Leni Riefenstahl · Zensur im Internet, u.a.m. Viehsterben als Geschichtslehrer, S. 427
VffG, Jahrgang 7, Nr. 1, April 2003, 120 Seiten
E. Zündel: Kampf für Deutschland · Die 4-Mio. Zahl von Auschwitz: Entstehung, Revision, Konsequenz · Zigeuner-“Vergasung” in Auschwitz Rattenbekämpfung in Auschwitz:
· Lodz-Ghetto in der Holocaust-Propaganda · Neues Gesicht des “Holocaust” · Der General im Eis · Klimaforschung: Wissenschaft oder Ideologie? · Umer- Im Kampf gegen Pest und Cholera, S. 433
ziehung an deutschen Schulen · Hintergründe der 68er-Kulturrevolution · Entstehung des Dt. Reiches · Warum die USA den Internationalen Strafgerichtshof
ablehnen · Revisionismus in Estland · Dissidentenverfolgung: Rennicke, Amaudruz, Plantin · u.a.m.
VffG, Jahrgang 7, Nr. 2, Juli 2003, 120 Seiten Entschädigungsbetrug:
Am Rande des Dritten Weltkriegs · Die Opiumkriege · Sind alle Menschen gleich? · Wie die Psychologie Darwin verlor · Gruppendenken · Selbst Norwegen verrät Deutschland, S. 441
Dachau-Greuelmärchen bloßgelegt · Jüdische Mythen um die Berliner Olympiade (1936) · Walter A. Peltz als Holocaust-Falschzeuge · Schicksal
der jüdischen Familie Goldsteen aus Holland · KL Sachsenhausen · Verbrennungsexperimente mit Tierfleisch und -fett · Dissidentenverfolgung:
Kanada, Neuseeland, Deutschland · Die Versenkung des Schlachtschiffes Bismarck u.a.m Universitätslehrer wird Revisionist:
VffG, Jahrgang 7, Nr. 3&4, Dezember 2003 (Doppelnummer), 240 Seiten (als Einzelheft € 30,-) Kritik an Fritjof Meyer, S. 443
Bush gegen Revisionismus · Alternatives Szenario zum 11.9.2001 · Mobiltelefone in Linienflugzeugen · Die Untätigkeit der US-Luftwaffe ·
Krieg gegen Irak: In Israel konzipiert · Übersicht über Krieg gegen Terrorismus · USA: Weltherrscher oder Nichts · Die Leiden der Palästinenser · Israeli ermordet
US-Friedensaktivistin · Wiesenthals Kriegsjahre: Licht in düstere Vergangenheit · Die Leichenkeller der Krematorien von Birkenau in Dokumente n· Auschwitz:
Gasprüfer und Gasrestprobe · Flammen und Rauch aus Krematoriumskaminen · Humanes Töten · Revisionismus in Portugal · Der Holocaust-Revisionismus
in den Massenmedien · Pseudowissenschaft · Jean-Claude Pressac und der Revisionismus · Leni Riefenstahl – kein Abschied · Gerechtigkeit für Deutschland
– vielleicht nächstes Jahr · Die “Gaskammer” im KL Mauthausen – Der Fall Emil Lachout · Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Wahlplakat der Deutschnationalen Volkspartei
nach dem Ersten Weltkrieg
Castle Hill Publishers

Verfolgten · Erpreßte Geständnisse: Warum Unschuldige einen Mord gestehen · Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Teil 5 · u.a.m.
VffG, Jahrgang 8, Nr. 1, April 2004, 128 Seiten
Faurisson 75: Anfänge · Integrer Mann · Buddhistisch-christliches Gleichnis · Faurisson und Italien · Wissenschaftler gegen Wissenschaft ·
Revisionismus in Karikaturen · Faurissons Methode · Die Kula-Säule · Biographie R. Faurissons · Abgesang auf die “Offenkundigkeit” · Die
Kontroverse Piper-Meyer · Geheimnis um Wallenberg gelüftet · Neuseeland-Saga, Fortsetung · J. Hayward: vom Historiker zum Holocaust?
· Treblinka: außergewöhnlicher Zeuge · Dekonstruktivismus · Leros – letzter Sieg · Biologische Kriegführung im 2. Weltkrieg · u.a.m
VffG, Jahrgang 8, Nr. 2, Juli 2004, 120 Seiten
Gaskammer-Teufel im Detail · “Leugnung der Geschichte”? – Leugnung der Beweise!, Teil 1 · Berichte des polnischen Widerstands über
Gaskammern von Auschwitz · Das Lachout-Dokument · Der wahre Brand · Stalingrad an Wolga & Spree · Vertreibung der Deutschen aus Japan · 60 Jahre
20.7.1944 · Antisemitismus und Untermenschentum · Auschwitz unwiderlegbar bewiesen!? · Schönheit tat weh · Holocaust-Museum: Erziehung zum Haß ·
Totale Internetzensur in Deutschland · Juden im NKWD · Antike Mumien in Europa · Übertriebene Opferzahlen stacheln zum Haß auf · u.a.m..
VffG, Jahrgang 8, Nr. 3, November 2004, 120 Seiten
Revisionismus in Schwierigkeiten? · Sowjetische Raumfahrtschwindel · Folterungen als Methode der US-Streitkräfte · Die Geister-Löcher
des Todes · “Leugnung der Geschichte”?…, Teil 2 · Fall Lüftl: Sieg des Revisionismus · Warum wir belogen werden · Erinnerungen an R.
Granata · Englands Keele-Universität macht Holocaust-Propaganda · Lügen über Marzobotto · Die Mermelstein-Lüge · Aus den Akten des
Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Teil 8 · u.a.m. Castle Hill Publishers
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Jahrgänge 1999-2003: € 70,-; Preise zuzüglich 10% Porto & Verpackung in Europa (außerhalb GB), Übersee: 30% Seepost, 40% Luftpost
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Lektorat: Patricia Willms Rezensionen: Francis Dixon Normal-Abo: † € 55,00 † €150,00 † € 68,75 † €187,50 † € 77,00 † €210,00
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1: Zyklon B · Selbstassistierter Holocaust-Schwindel · Französischer Hersteller von Zyklon B? · Affäre Garaudy/ Abbé
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Zahlungsbedingungen: 60 Tage rein netto. Spenden oder durch aktive Mitarbeit. Vgl. www.vho.org/support Prozeß · Juden in Wehrmachtsuniform · Zur Wissenschaftsfreiheit in Deutschland · Bücherverbrennung in Deutschland
Zahlungsweise: für Informationen, wie Sie bei unserem Aufklärungsprojekt mit- heute · »Prawda«: Der Holocaust ist ein Mythos u.a.m; 2: Wannsee-Konferenz · Wieviele Juden überlebten Holocaust? ·
– Bar: vorzugsweise €, SF, £ oder US$. helfen können. Spenden fließen zu 100% in die Erforschung und Sonderbehandlung · Gespensterkrankheit · Loch in der Tür · Unbefohlener Völkermord · Völkermord durch Telepathie ·
– Bitte verwenden Sie keine €-Schecks, da unsere englische Veröffentlichung wichtiger geschichtlicher Fragen. KGB-Novellist G. Fleming · Revisionismus im Cyberspace · Rudolf Gutachten in der Kritik · Zur Lage des Holocaust-
Revisionismus · Völkermord nicht gleich Völkermord · Deutschland verletzt Meinungsfreiheit u.a.m.; 3: Holocaust:
Dieselmotorabgase töten langsam · Revisionisten haben Luftüberlegenheit · Auschwitz-Kronzeuge Dr. Münch im Gespräch
Voraussetzungen für den Abdruck von Artikeln in den Vierteljahresheften für freie Geschichtsforschung: · „Wissenschaftler“ am Werk · A. Bomba, der Friseur von Treblinka · Auschwitz: Die Paradoxie der Erlebnisse · Über die
Feigheit des Establishments · Über den Mut von Einzelgängern · Grundlagen zur Zeitgeschichte: Gutachterliche Stellungnahme u.a.m.; 4: Rudolf
Inhaltliche Voraussetzungen: Vorgehensweise: Mit Ausnahme anonym zugesandter Beiträge Gutachten: »gefährlich« · Technik deutscher Gasschutzbunker · Sauna ein »Verbrechen«? · Was geschah den aus Frankreich deportierten Juden?
Themengebiete: Geschichte, insbesondere Zeitgeschichte; werden Korrekturbögen nach Erfassung zugesandt, ein · Wieviel Gefangene wurden nach Auschwitz gebracht ? · Himmler-Befehl zum Vergasung-Stop · NS-Sprache gegenüber Juden · Ch. Browning:
daneben auch Meinungs- und Forschungsfreiheit. Nach Recht auf Abdruck entsteht dadurch nicht. Das eventuelle unwissender Experte · Deutscher Soldat in Auschwitz und Buchenwald · Menschenrechtsorganisationen und Revisionismus u.a.m.
Möglichkeit neuartige, bisher unveröffentlichte Berichte, Erscheinungsdatum behält sich die Redaktion vor. Ein VffG, Jahrgang 2, 1998 (alle Ausgaben 82 Seiten)
1: Grundwasser in Auschwitz-Birkenau · Die »Gasprüfer« von Auschwitz · Zweimal Dachau · Ein Australier in Auschwitz
Übersichtsartikel bzw. Forschungsergebnisse; Autorenhonorar wird nur gezahlt, falls der Autor unter · Die Affäre Papon-Jouffa-Faurisson · Milliarden Franc den Juden geraubt… oder von Marschall Pétain? · Büchervernichter
Stil: systematischer Aufbau; sachlich; Belegung von Tat- gesellschaftlicher und/oder staatlicher Verfolgung wegen und ihre Opfer · Vom Holocaust Museum ausgeladen: Schriftsteller spricht beim Nationalen Presseclub u.a.m.; 2: Kurzwellen-
sachenbehauptungen; merkliche Trennung von Meinung und seinen Meinungsäußerungen leidet. Es wird jeweils nur ein Entlausungsanlagen in Auschwitz · ›Gaskammern‹ von Majdanek · Auschwitz: Krema-Zerstörung als Propaganda-Bremse
Tatsachenbehauptungen. Belegexemplar versandt. Auf ausdrücklichen Wunsch können · »Gaskammer« von Auschwitz I · Wiedergutmachung: Korrektur eines Fehlurteils · Der Mythos von der Vernichtung
bis zu fünf Belegexemplare zugesandt werden. Homosexueller im Dritten Reich · Guido Knopp: Meister der Gehirnwäsche u.a.m.; 3: »Schlüsseldokument« ist Fälschung
Äußere Voraussetzungen: Aus naheliegenden Gründen drucken · Dokumentation eines Massenmordes · Verdrängte Schiffskatastrophen · Vatikan und »Holocaust«: »Komplizenschaft«
wir Beiträge gegebenfalls auch unter Pseudonymen ab, die Daten: Wir bevorzugen Datenübertragung per Email oder per zurückgewiesen · Lügen über Waffen-SS-Division · Auschwitz Sterbebücher · Auschwitz-Überleben · Falsche Erinnerungen
wir selbstverständlich streng vertraulich behandeln. Anonym Post auf Datenträgern (PC, 3,5”/1,44MB; ZIP (100/250 MB); überall – nur nicht in der Zeitgeschichte · J. W. Goethe knapp BRD-Zensur entgangen u.a.m.; 4: »Gasdichte« Türen in
Auschwitz · Kurzwellen-Entlausungsanlage, Teil 2 · Redefreiheit, dissidente Historiker und Revisionisten, Teil 1 · 1944: Schreckensjahr im
zugesandte Beiträge, die ebenfalls willkommen sind, können CD; DVD). Die Dateiformate der üblichen Textverarbeitungs- Kaukasus · Repression gegen Dissidenten in Schweiz · Zensur findet nicht statt, es sei denn... u.a.m.
nur veröffentlicht werden, wenn sie inhaltlich annähernd programme können in der Regel alle verarbeitet werden,
VffG, Jahrgang 3, 1999 (alle Ausgaben 120 Seiten)
druckreif sind. vorteilhaft sind jedoch aus Gründen der Portabilität Dateien 1: Deutschlands Historiker anno 1999 · Eine Fallstudie früher integrierter Kriegführung · Redefreiheit…, Teil 2 · Rückblick
Es besteht keine Umfangsbeschränkung für eingereichte der Formate *.doc (Word) und *.rtf (Rich Text Format). Wir auf den Revisionismus · Wie die Siegerpropaganda aus Bäckereien »Krematorien« schuf · »Zur Bestreitung des Holocaust
Beiträge. Beiträge, die merklich 10 Seiten in unserer Zeitschrift selbst verwenden bevorzugt MS Word (97/2000/XP) sowie – Fakten und Motive« · Geschichte und Pseudogeschichte · Die 1998’er Konferenz in Adelaide, Australien · Das Rudolf
Gutachten in der Kritik, Teil 2 · Pyrrhussieg in der Schweiz für die jüdische Gedankenpolizei · Die Wilkomirski-Pleite ·
überschreiten (etwa 50.000 Zeichen, bzw. 9.000 Wörter), PageMaker 6.5;7.x/InDesign (MS Publisher und Quark Express Fragen an die UNESCO zum Thema Auschwitz; 2: Kriegsgründe: Kosovo 1999 – Westpreußen 1939 · Partisanenkrieg und
müssen damit rechnen, in mehrere Teile zerlegt in aufein- können gelesen werden). Bitte senden Sie Ihre Manusripte nicht Repressaltötungen · Der 1. Holocaust 1914-1927 · Polnische Bevölkerungsverluste während des 2. Weltkrieges · Lebensweg
anderfolgenden Ausgaben publiziert zu werden. In solchen per Fax, da dies ein automatische Erfassung (OCR) erschwert. eines tschechischen »Partisanen« · Geschichte und Pseudogeschichte, Teil 2 · Versuche der Widerlegung revisionistischer
Fällen ist dafür zu sorgen, daß der Beitrag eine Gliederung Bilder können sowohl in allen gängigen Bildformaten per Email, Thesen · Woher stammt der David-Stern? · Gewißheit um Heisenberg · Irrtümer und Unsinn über Wagner · Der Abfall eines
jüdischen Revisionisten · Redefreiheit…, Teil 3 · Zensur und Willkür ohne Ende · Kristallnacht in Barcelona, u.v.a.m.; 3:
aufweist, die eine solche Teilung erlaubt. auf Diskette als auch im Original zugesandt werden. KL Stutthof · Der große Patentraub · Wlassow in neuem Licht · Wandlungen der Totenzahl von Auschwitz · Wieviele Tote
Beiträge von zwei Seiten Länge oder mehr sollten mit 3,5”-Disketten, CDs sowie unverlangte Manuskripte werden gab es in Auschwitz? · Das Schicksal der Juden Deutschlands 1939-45 · Unbekannter Hunger-Holocaust · Sowjetische Bildfälschungen · Bri-
Abbildungen versehen sein, um den Text aufzulockern nicht zurückgesandt, verlangte Original-Manuskripte und tische Propaganda 1939-45 · Aufstieg und Fall von Lindbergh · Die Beneš-Dekrete · Konrad Henlein und die sudetendeutsche Frage · Grenzen
der Naturwissenschaft · Wahnwelten · Redefreiheit…, Teil 4 · Jürgen Graf: Urteil von Appelationsgericht bestätigt, u.v.a.m.; 4: Fremdarbeiter
(Buchumschläge behandelter Werke, Dokumenten-Faksimiles, Abbildungen nur auf ausdrückliche Bitte. im Dritten Reich · Deutsche Zwangsarbeit und ihr Entschädigung · Ist Amerika seit 250.000 Jahren besiedelt? · Wer waren die Ureinwohner
Portraits behandelter Personen und evtl. der Beitragsautoren, Falls Sie mit diesen Bedingungen einverstanden sind, Amerikas? · Perspektive in „Holocaust“-Kontroverse · Holocaust-Religion · 100 Mio. Kommunismus-Opfer: Warum? · Kulmhof/Chelmno · Sinti
Autorvorstellungen, Bilder historischer Ereignisse etc.). erwarten wir gerne Ihre Arbeiten. und Roma · Peenemünde und Los Alamos · Entmachtung der deutschen Vertriebenen · „Deutsche Geschichtsschreibung“ · Bundesprüfstelle
verweigert Political Correctness · Holocaust im Internet · Wissenschaft oder Ideologie?
* zuzüglich 10% Porto & Verpackung in Europa (außerhalb GB), 30% für Seepost, 40% für Luftpost außerhalb Europas.
Inhalt

Übergabe................................................................................................................................................................................... 370
Von Germar Rudolf
Befreiungsideologie Revisionismus......................................................................................................................................... 371
Von Germar Rudolf
Tollwut im Bundestag.............................................................................................................................................................. 377
Von Germar Rudolf
Der Dolchstoß – keine Legende............................................................................................................................................... 380
Von Arne Grotefend
Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses .................................................................................................................. 402
Von Zoltán Bruckner
Deutsche und Juden ................................................................................................................................................................. 411
Von Georg Wiesholler
Der vorbildliche Holocaust...................................................................................................................................................... 425
Von Ernst Manon
Leichenverbrennungen im Freien .......................................................................................................................................... 427
Von Heinrich Köchel
Rattenbekämpfung im KL Auschwitz.................................................................................................................................... 433
Von Erik Kylling
So manipulieren sie täglich...................................................................................................................................................... 438
Von Walter Lüftl
Im Namen des Völkerrechts: Grenzvertrag mit Polen illegal.............................................................................................. 439
Von Karl H. Schwind
Der deutsch-norwegische Entschädigungsbetrug ................................................................................................................. 441
Von Patricia Willms
Kritik an Fritjof Meyer durch einen Universitätslehrer ...................................................................................................... 443
Von Dr. Gottfried Zarnow
Aufruf zum Aufstand............................................................................................................................................................... 445
Von Horst Mahler
Volksverhetzung?..................................................................................................................................................................... 450
Von Dr. Ursula Haverbeck
Die Verfolgung des Ingenieurs Fröhlich in Wien.................................................................................................................. 456
Von Robert Faurisson
Verurteilt .................................................................................................................................................................................. 457
Von Mag. Alfons Bauer
Wo die Freiheit fast grenzenlos ist .......................................................................................................................................... 458
Von Kim Rasmussen
Dank an die Verfasser.............................................................................................................................................................. 463
Von Robert Faurisson
Bücherschau ............................................................................................................................................................................. 468
Kriegsverbrechen, von Jeremias Goldzahn ..........................................................................................................468
Die Weltkriege, Signatur der Humanitas, von Rolf Wiesenberg...........................................................................472
Der Mann, der zu viel wußte, von Thomas Dunskus.............................................................................................476
Leserbriefe ................................................................................................................................................................................ 482
Gegendarstellung ..................................................................................................................................................................... 484
In Kürze .................................................................................................................................................................................... 488

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 369


Germar Rudolf, Übergabe, S. 370

Übergabe
Von Germar Rudolf

Die schlechte Nachricht vorweg Die gute Nachricht


Die Resonanz auf den im letzten Heft niedergelegten Gute Nachrichten sind rar. Eine davon ist, daß es die
Aufruf um Hilfe durch Mitarbeit oder finanzielle Unter- kleine Schar unserer Übersetzer und Korrekturleser
stützung war so dürftig – eine einzige Person meldete gibt, ohne deren ehrenamtliche Mitarbeit die Vierteljah-
sich, um für die Vierteljahreshefte für freie Geschichts- reshefte für freie Geschichtsforschung schon lange nicht
forschung Buchrezension zu verfassen –, daß man den mehr bestünden.
Eindruck gewinnen könnte, es interessiert niemanden, ob Die andere gute Nachricht ist, daß mir weder mein
VffG bestehen bleibt oder nicht. Inzwischen ist die Abon- Drucker noch mein Anwalt den Hahn zudrehen, obwohl
nentenzahl so weit abgesunken (unter 600), daß die Hefte mich beide in den Bankrott treiben könnten. Als Freun-
nicht mehr kostendeckend produziert werden können. de geben sie mir Kredit, solange der Schuldenberg nicht
Noch ein Jahr dieses Trends, und die VffG werden sich ins Uferlose wächst.
nicht weiter über Wasser halten können. Dann wird auch Steter Tropfen höhlt den Stein, und so spricht sich
noch die letzte freie deutschsprachige Stimme des Revi- denn langsam aber sicher die Kunde herum, daß wir in
sionismus verstummen. Derweil versuche ich freilich, ei- den letzten acht Jahren geschichtswissenschaftliche Er-
ne solche Entwicklung zu verhindern, aber mit etwa kenntnisse veröffentlicht haben, die das Geschichtsbild
€20.000 Schulden beim Drucker und – und damit zwangsläufig auch das
über $20.000 Schulden bei meinem politische Bild – früher oder später
US-Rechtsanwalt, der mich aus deut- revolutionieren werden. Wenn nicht
schen Gefängnissen herauszuhalten heute und morgen, dann doch für
versucht, sind meinen Bemühungen die Generation unserer Kinder und
enge Grenzen gesetzt. Kindeskinder. Wer Geduld und ge-
schichtlichen Weitblick hat, der
Doppelte Arbeit wird auch darin eine gute Nachricht
Das vor Ihnen liegende Heft entdecken können.
sollte eigentlich einen ganz anderen Und zu guter Letzt: Ich bin am
Inhalt haben. Geplant war, es zu ei- 25.2.2005 wieder einmal Vater ge-
ner Sonderausgabe zu machen, die worden. Wenn das kein Grund zum
fast ausschließlich den Arbeiten ei- Feiern ist… Allerdings hat dieses
nes bestimmten Kreises deutscher freudige Ereignis auch eine Kehr-
Ingenieure und Architekten gewidmet sein sollte. Das seite: Ich werde ab August als Hauptberuf Hausmann
Heft war weitgehend fertig gesetzt, der zentrale Artikel und Familienvater sein, da ich von meiner Frau nicht
enthielt aber nicht wie vereinbart die Auswertung von erwarten kann, daß sie ihre erfolgreiche Karriere ab-
Dokumenten zu dem speziellen Thema, das der Autor bricht, um mir mit unserer Tochter in meinem sinken-
versprochen hatte zu behandeln, sondern allgemeine den Schiff Gesellschaft zu leisten. Für mich persönlich
Ausführungen, wie sie den Lesern der VffG schon hin- ist dies gar kein schlechtes Los, sehr wohl aber für den
reichend bekannt sind. Dazu kam, daß der Verfasser Revisionismus. Es bedeutet nämlich, daß ich ab dann
nicht damit einverstanden war, daß sein Text sprachlich nur noch wenige Stunden täglich für mein Hobby, den
korrigiert und gestrafft würde. Revisionismus, aufbringen kann. Ich werde daher ver-
Vor die Wahl „Alles oder nichts“ gestellt, haben wir suchen, in naher Zukunft noch mehr der anfallenden
entschieden, daß der Verfasser seine Denkschrift in Ei- Arbeiten auf freiwillig Helfer zu verteilen. Wer mit an-
genregie veröffentlichen solle, wie er es ohnehin bereits packen will beim Lesen, Schreiben, Formatieren, Korri-
vorgeschlagen hatte. gieren und Setzen, bitte bei mir melden!
Die Konsequenz war, daß dieses Heft ganz von vorn P.S.: Aufgrund der angehäuften Schulden hatte mein
neu zusammengestellt werden mußte, was doppelte Ar- Drucker meine anstehenden Projekte – darunter diese
beit bedeutete. Zugleich mußte ich einen Teil der redak- Ausgabe – im Spätwinter vorerst auf die lange Bank ge-
tionellen und drucktechnischen Arbeiten an Mitarbeiter schoben. Erst kürzlich kamen wir zu einer Einigung,
delegieren, die erst eingelernt werden müssen, was Zeit wenigstens diese Ausgabe zu drucken. Der Druck aller
kostet und nicht ganz ohne Schlaglöcher abgehen wird. angekündigten Buchprojekte, die alle druckfertig sind,
Ich darf unsere Leser schon jetzt diesbezüglich um Ver- schreitet jedoch zunächst nur im Schneckentempo vor-
ständnis bitten. an. Ich bitte um Verständnis.

370 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Germar Rudolf, Befreiungsideologie Revisionismus, S. 371-376

Befreiungsideologie Revisionismus
Von Germar Rudolf

Die politisch-wirtschaftliche Lage Deutschlands sind also identisch mit der Umverteilung des Wohlstan-
Das deutsche Volk stirbt aus. Wenn der gegenwärti- des von der Mittelschicht an die Reichen.
ge demographische Trend bestehen bleibt, wird das Dieser Prozeß kann theoretisch so lange weiterge-
deutsche Volk in Deutschland in 50 Jahren in der Min- hen, bis alle Mitglieder der Mittelschicht so verarmt
derheit sein, und in weiteren 100 Jahren wird es prak- sind, daß sie keine Steuern mehr zahlen können. Wenn
tisch aufgehört haben, zu bestehen. Es wird im wesent- also die Reichen alles in diesem Land besitzen und die
lichen durch Türken ersetzt sein. Deutschland wird is- Armen gar nichts. Die damit einhergehenden sozialen
lamisch werden. Sieht man sich die selbstsichere Radi- Spannungen führen notwendigerweise zu Revolten und
kalität der Türken an, mit der sie die Eroberung Mitteleu- Revolutionen. Der Weg dahin ist begleitet von immer
ropas ins Visier nehmen, kann man sich denken, daß es drakonischer werdenden politischen Zwangsmaßnah-
ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts kein Vergnü- men, um radikale Reformen des Finanz- und Wirt-
gen sein wird, blonde Haare und blaue Augen zu haben. schaftssystems sowie eine gerechtere Verteilung des
Was den Türken mit ihren Schwertern 1683 vor Wien Wohlstandes zu verhindern. Eine Demokratie wandelt
mißlang, das gelingt ihnen heute mit ihren Scheiden. sich so langsam in eine totalitäre Diktatur um. Deutsch-
Von wenigen kurzen Unterbrechungen abgesehen ist land hat diesen Weg bereits teilweise zurückgelegt.
die Arbeitslosigkeit in Deutschland seit Mitte der Radikale Lösungen zur Umkehr der demographi-
1970er Jahre stetig angestiegen. Das gleiche gilt für die schen Katastrophe sowie zur Umkehr der Umverteilung
Zahl der Sozialhilfeempfänger. Parallel dazu steigt die des Wohlstandes in Deutschland bedürften einer politi-
Verschuldung der öffentlichen Haushalte und entspre- schen Programmatik, die vom herrschenden System als
chend die Steuerlast für die noch erwerbstätige Bevöl- extremistisch oder gar nazistisch angeprangert und
kerung. Die öffentliche Schuldenlast hat einen Punkt er- durch diktatorische Verfolgung verhindert werden (Par-
reicht, wo sie beständig schneller steigt als das Brutto- teiverbote, Strafverfahren, Berufsverbote). Eine friedli-
sozialprodukt. So besteht ein immer größerer Teil des che Lösung durch pluralistische Diskussion der Optio-
Bruttosozialprodukts nicht aus der Produktion von Gü- nen wird daher verhindert.
tern oder Dienstleistungen, sondern aus der Schulden-
wirtschaft. Die Wirtschaft wird erdrosselt. Es ist der Die politisch-wirtschaftliche Lage Europas
Punkt erreicht, von wo es kein Zurück mehr gibt. Ein Ein Blick über den deutschen Tellerrand zeigt, daß
Kollaps kann verzögert, aber nicht verhindert werden. die Lage auch in den anderen europäischen Ländern
Im gleichen Zeitraum ist der Außenhandelsüber- nicht anders ist. Italiens demographische Entwicklung
schuß der deutschen Wirtschaft stetig und in den letzten ist sogar noch schlimmer als die Deutschlands. Sogar in
Jahren sogar drastisch gestiegen. Deutschland verdient Polen geht die Bevölkerung drastisch zurück, und auch
mehr, als es ausgibt. Deutschland ist stinkreich. in Rußland kollabiert das Volk, hervorgerufen vor allem
Wie passen beide Bilder zusammen? Ganz einfach: durch eine katastrophale wirtschaftliche Lage. Irland
Der Reichtum in Deutschland wird mehr und mehr von scheint bisher das einzige Volk zu sein, daß sich noch
unten nach oben verlagert. Die Armen werden immer selbst erhält. Parallel zu diesem Schwund der einheimi-
ärmer, und die Reichen immer reicher. Es gibt immer schen Bevölkerung steigt die Zahl der Einwanderer von
weniger Menschen, die einen immer größeren Anteil anderen Kontinenten stetig an, wobei die Herkunftslän-
am deutschen Reichtum besitzen. der der Einwanderer zumeist durch die koloniale Ge-
Einer der Hauptmotoren für diese Umverteilung ist schichte der jeweiligen Länder bestimmt wird: In
die Verschuldung der öffentlichen Hand. Die öffentli- Frankreich aus den westlichen arabischen Staaten; in
che Hand leiht sich Geld von all jenen, die staatliche England aus Indien und verschiedenen schwarzafrikani-
Anleihen kaufen. Die Zinsen und Zinseszinsen für diese schen Ländern, usw.
Schulden werden dann vom Steuerzahler aufgebracht. Die wirtschaftliche Entwicklung aller europäischen
Wer aber bringt den Großteil der Steuern in Deutsch- Länder verläuft im wesentlichen parallel zu der
land auf? Arbeiter, Angestellte sowie der Mittelstand, Deutschlands. Ganz Europa erwirtschaftet riesige Au-
also der Durchschnittsbürger. Und wer hat das Geld, in ßenhandelsüberschüsse, bereichert sich also an den Gü-
erheblichem Umfang staatliche Anleihen zu kaufen, de- tern der Welt, aber die europäischen Völker werden
ren Renditen (mit Steuern bezahlt) er dann über Jahre immer ärmer. Ausnahmen davon sind die Länder der
und Jahrzehnte kassiert? Die obere Mittelschicht sowie “Reichen”, wie Luxemburg, Schweiz, Liechtenstein.
all jene, die im Geld schwimmen. Öffentliche Schulden Alle anderen sehen sich der gleichen Schuldenfalle ge-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 371


Germar Rudolf, Befreiungsideologie Revisionismus, S. 371-376

genüber, die auch dort über eine Umverteilung von un- den Europäern und Asiaten, hält die US-Wirtschaft
ten nach oben zur Erdrosselung der Wirtschaft und zu durch andauernde Anleihen im Gang, da man Vertrauen
zunehmenden sozialen Spannungen führt. in das Wachstum der US-Wirtschaft hat (oder man hat
Als Reaktion auf diese zunehmenden demogra- einfach keine andere Wahl). Dies ist auch der Grund,
phisch-ethnischen sowie wirtschaftlich-sozialen Span- warum niemand etwas in den USA gegen die “illegale”
nungen reagieren praktisch alle europäischen Machtha- Masseneinwanderung unternimmt, obwohl diese soziale
ber gleich: In Frankreich änderte man zuerst das Wahl- und rassische Konflikte verschärfen kann. Kommt diese
recht, um die rechte Front National aus den Parlamen- Einwanderung nämlich zum Stillstand, so verschwindet
ten zu halten. Als dies nicht mehr half, verfolgte man das reale Wirtschaftswachstum. Dies hätte den Vertrau-
den Vorsitzenden wegen seiner mißliebigen histori- ensverlust der ausländischen Gläubiger zur Folge, was
schen Ansichten. In England wurden jüngst die Vorsit- zum Kollaps des Dollars und damit zum Kollaps der
zenden der British National Party wegen angeblicher Weltwirtschaft führte.
Aufstachelung zum Haß gegen Einwanderer verhaftet. Fast alle Länder der Dritten Welt sind bei den west-
In Belgien verbot man Ende 2004 den Flamse Block, lichen Ländern dermaßen verschuldet, daß der
die stärkste Partei der Flamen, da sie radikale Konzepte Hauptwirtschaftzweck dieser Länder darin besteht, Zin-
gegen die demographische Katastrophe entwarf. Und in sen und Zinsenszinsen zu zahlen, um die Gläubiger bei
den Niederlanden werden rechte Oppositionsführer Laune zu halten. Mit anderen Worten: auch auf welt-
(Pim Fortuyn) und literarische Kritiker der multikrimi- weitem Niveau kommt es zu einer stetigen, unaufhalt-
nellen Gesellschaft (Theo van Gogh) einfach ermordet. samen Umverteilung des Wohlstandes von armen nach
Zensurgesetze gegen Dissidenten wurden in fast allen reichen Ländern, wiederum getrieben durch Zins und
europäischen Ländern Schritt für Schritt eingeführt. Sie Zinseszins. Die dadurch immer drückender werdende
richten sich alle gegen vermeintliche “rechte” Ansichten. Armut führt zu Migrationsströmen in die wohlhabende-
ren Ländern, was wiederum zu den beschriebenen Fol-
Die politisch-wirtschaftliche Lage in der Welt gen in den Aufnahmeländern führt.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die USA Ein genereller Schuldenerlaß für die Dritte Welt wä-
zu der dominanten Weltmacht schlechthin. Die öffentli- re nötig, jedoch hätte dies gigantische Umverteilungen
che Hand in den USA ist ähnlich verschuldet wie die in der Hochfinanz zur Folge, da viele Anleihen von US-
Staatshaushalte in Europa, jedoch wächst dort das Brut- Banken nicht abgesichert sind, wohingegen europäische
tosozialprodukt noch schneller als die öffentliche Ver- Banken einen höheren Deckungsgrad ihrer Anleihen
schuldung. Dieses Wachstum ist jedoch ein reines Bin- haben (oder anders ausgedrückt: sie “erlassen” Schul-
nenwachstum, ausschließlich hervorgerufen durch die den, indem sie Teile der Volkswirtschaft des Schuldner-
“illegale” Einwanderung von Millionen Armutsflücht- landes als Besitz übernehmen). Mit anderen Worten:
lingen aus Mittel- und Südamerika. Seit 1980 ist zudem Die Wall Street würde ihre Macht verlieren und in die
die Außenhandelsbilanz der USA negativ. Dieses Defi- Hände europäischer Bankiers übergehen, hauptsächlich
zit wächst seit Ende der 1990er Jahre so gigantisch – solchen mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Dies hätte
etwa 5% des jährlich erwirtschafteten Sozialprodukts bereits Anfang der 1980er Jahre beinahe zu einem Kol-
fließt ins Ausland ab –, daß von einem Ausverkauf laps der US-Banken geführt, dem die US-Regierung nur
Amerikas gesprochen werden muß. Finanziert wird dies durch massive Eingriffe in das Bankensystem Einhalt
durch öffentliche, aber auch durch private Schulden, die gebieten konnte.
beide einen Stand erreicht haben, wo eine Rückzahlung 1999 schlitterte Asien ganz knapp an einem wirt-
unmöglich ist, ohne eine gigantische Umverteilung von schaftlichen Kollaps vorbei. Seither hängen die Volks-
unten nach oben zu bewirken, die zu massiven sozialen wirtschaften der “Tiger” Asiens an einem Bindfaden.
Spannungen führen würde. Schon heute sind die USA Überkapazitäten haben im asiatischen Wirtschaftsraum
das Land mit dem krassesten Gegensatz zwischen arm zu stagnierenden Wirtschaften sowie negativen Inflati-
und reich. Es gibt kein Land, wo der Wohlstand so un- onsraten geführt (Deflation). Die öffentliche Verschul-
gleich verteilt ist wie in den USA. Und die private wir dung, bei der es keine negativen Zinsen gibt, hat da-
öffentliche Verschuldung verstärkt diesen Trend mit durch zum Beispiel in Japan einen Stand erreicht, der
exponentieller Dynamik. eine ernste Gefahr für das Wirtschaftswachstum dar-
Fügt man der Gleichung die Rassenunruhen in Los stellt. Solange die US-Wirtschaft wächst und daher die
Angeles (1992) und in Cincinnati (2001) hinzu, die asiatische Überproduktion wenigstens teilweise absor-
deutlich machen, daß die These vom “Melting Pot” bieren kann, geht alles weiter wie gehabt.
nicht stimmt, so kann man sich ausmalen, daß zusätz- Kommt die US-Wirtschaft ins Schleudern, könnte
lich zu wirtschaftlichen und sozialen Spannungen auch dies einen Dominostein-Effekt zur Folge haben, der die
noch rassisches Dynamit unter der Oberfläche des vor- Weltwirtschaft wie bereits 1928 in einen Abgrund zieht.
erst ruhenden US-Vulkans liegt. Totalitäre Regierungen und kriegerische Konflikte zur
Die Welt, und hier insbesondere die Reichen unter Ablenkung von inneren sozialen Spannungen und zur

372 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Germar Rudolf, Befreiungsideologie Revisionismus, S. 371-376

“Lösung” wirtschaftlicher Probleme werden denkbar. sprich Nationen auflösen – und Kulturen mischen –
Vom gleichen Blickwinkel aus betrachtet erkennt sprich vernichten – müsse.
man eine der Motivationen zum Krieg gegen den Irak,
der anno 2002 seinen gesamten Außenhandel auf den Die Lüge als Herrschaftsinstrument
Euro umstellte. Wären andere erdölexportierende Staa- Die Welt stand schon einmal an einem ähnlichen
ten dem Beispiel gefolgt, was von einigen dieser Länder Abgrund, dem wir uns heute wieder nähern. Das war
damals erwogen wurde, wäre der Dollar kollabiert. 1928. Damals stürzte die Welt, und jeder versuchte, auf
Kosten des Schwächeren zu retten, was zu retten ist.
Die Feinde der Menschheit Deutschland war damals das schwächste dieser Länder,
Es ist unvermeidbar, daß jemand für das Ausleihen denn es hatte einen Weltkrieg verloren und wurde von
von Werten oder Gütern eine entsprechende Entschädi- aller Welt erpreßt und ausgeplündert. Erst der Zweite
gung verlangt, also Zinsen. Ein entscheidender Faktor Weltkrieg führte den Rest der Welt aus dieser Wirt-
bei der Entstehung der oben beschriebenen Probleme ist schaftskatastrophe heraus – und Mitteleuropa in den
jedoch nicht der Zins, sondern der Zinseszins, also die Untergang. Erst 50 Millionen Tote brachten die Welt
exponentielle Explosion von Schulden. Es gibt keine zurück auf jene Gleise, wo die Feinde der Menschheit
mathematische Funktion, die schneller ansteigt, als die ihr Unwesen weiter treiben konnten und können.
Zinseszinsfunktion. Der Zinseszins muß daher als der Es gab jedoch schon vor dem Zweiten Weltkrieg ein
Hauptfeind der Menschheit angesehen werden. Die Land, das es schaffte, die Krise zu überwinden. Es war
Brechung der Zinseszins-Knechtschaft ist der einzige dies zugleich das unwahrscheinlichste Land, denn es
Weg, aus dem Teufelskreis von Verschuldung, Verar- war das schwächste und wehrloseste aller Länder. Die-
mung, Diktatur, Krieg und Revolution auszubrechen, ses Land schaffte es, allen Widrigkeiten zum Trotze wie
der die Geschichte mit einer Blutspur durchzieht, die Phönix aus der Asche zu steigen. Während die Welt
einen erschaudern läßt. weiter mit der Krise rang, stieg dieses Land von den
Dies auszusprechen, bedeutet, sich Feinde unter all tiefsten Tiefen einer wirtschaftlichen Katastrophe em-
denen zu machen, denen der Zinseszins als Grundlage por zu allgemeinem Wohlstand. In einer Welt von Ar-
ihres Wohlstandes und ihrer Macht dient. Dazu gehören mut und sozialen Spannungen schaffte es dieses eine
all jene, die nicht durch ehrliche Arbeit ihren Reichtum Land, Armut und soziale Spannungen hinter sich zu las-
und ihren Einfluß mehren, sondern durch die Schulden sen. Und dies, obwohl dieses Land wie kein anderes
anderer. von aller Welt boykottiert, ausgegrenzt, zum Aussätzi-
Die Namen sind einfach zu nennen: Die Internatio- gen erklärt worden war: Deutschland in den Jahren von
nale Hochfinanz bzw. der Großkapitalismus, die ganze 1933 bis 1939.
Volkswirtschaften zu Sklaven machen; die Gläubiger Deutschland hatte damals die Zinsknechtschaft ge-
der öffentlichen Hand sowie jene, die überhaupt erst öf- brochen. Es hatte die Herrschaft von Wall Street und
fentliche Schulden machen, ohne dafür je zur Verant- der Londoner City untergraben, indem es unter Umge-
wortung gezogen zu werden; und dann freilich all jene hung “harter Währungen” und der Internationalen
Büttel, die in den Medien und in der Politik dafür sor- Hochfinanz direkt mit anderen Ländern Handel trieb
gen, daß jeder, der sich gegen diese Feinde stellt, aus- (Barter-Handel, eine Art Tauschhandel). Es hatte zudem
gegrenzt oder sogar verfolgt wird. Kurz: fast alle Rei- die historischen Handschellen der “einzigartigen
chen, Mächtigen und Skrupellosen dieser Welt. Die Schuld” am Ausbruch des Ersten Weltkriegs wegge-
schlimmsten Feinde, die man haben kann. worfen und weigerte sich, den ehemaligen Siegern als
Es sind zu diesen Feinden zudem all jene Ideologen Sklave zu dienen.
zu rechnen, die das Werk des internationalen Großkapi- Dazu ein Experte, der es wissen muß: In einem
talismus bereiten, indem sie Beihilfe leisten bei der Rundbrief vom Juli 2003 berichtete der Präsident der
Auflösung der ethnischen und kulturellen Identitäten Glenview State Bank (Illinois, USA):
der Völker dieser Erde. Dadurch wird auf Dauer ein “Die große Wirtschaftskrise der 1930er sah fal-
identitätsloser Einheitskonsument geschaffen, dessen lende Preise, riesige Arbeitslosigkeit und erschütter-
massenmarkgerechte Bedürfnisse durch billige, te Aktienmärkte überall auf der Welt, und die füh-
welteinheitlich Massenproduktion profitreich zu stillen renden Staatsmänner der Welt schienen kein Ge-
sind. Es entsteht dadurch der einheitliche Massen- genmittel zu haben. Mit Ausnahme eines Mannes.
mensch, dessen politische und soziale Denkweise sich Sein Name war Adolf Hitler. Im Gegensatz zu
weltweit durch eine einheitliche Propaganda einfach ab- Frankreich und England, und anders als die Verei-
richten läßt. Dies ist das perfekte Vorspiel für die Welt- nigten Staaten, verbrachte Deutschland den Großteil
herrschaft der Superreichen. der 1930er mit einer wachsenden, nicht schrump-
Der Wegbereiter dieses Homo Anonymus ist ganz fenden Wirtschaft. Wenn es uns gelingt zu verstehen,
konkret jeder, der von der “Gleichheit” aller Menschen warum Deutschland zu Zeiten der Wirtschaftskrise
faselt und davon, daß man Grenzen überwinden – dieser Krankheit widerstehen konnte, dann würden

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 373


Germar Rudolf, Befreiungsideologie Revisionismus, S. 371-376

wir besser verstehen, wie beunruhigt wir heute im zen westlichen Welt gesellschaftlich verfolgt und in
21. Jahrhundert sein sollten.” (Chicago Sun-Times, vielen Ländern sogar in Gefängnisse gesperrt und ihre
30.7.2003) Schriften werden verbrannt. Sie schwingen die mäch-
Daß diese Anmerkungen den Zorn der Juden in den tigste aller Waffen – die Federn. Sie entlarven die Lü-
USA hervorrief und daher zur Vernichtung dieses gen der Mächtigen. Sie zerstören deren moralische
Rundbriefes führte, kann nicht überraschen. Dieses Machtgrundlage. Sie bereiten die kommende Revoluti-
Thema ist jedoch der Schlüssel zu unserem Problem. on vor:
Wenn es richtig ist, daß Hitler gigantischen Erfolg hat- ¾ die Befreiung der Dritten Welt von der Zinses-
te, als der Rest der Welt nur Mißerfolge zu verzeichnen zinsknechtschaft;
hatte, und wenn Hitler nur dadurch gestoppt werden ¾ die Verhinderung der demographischen Katastro-
konnte, daß man sein Land verwüstete und seine Ideen phe Europas;
mit Stumpf und Stil ausrottete, sollte uns das nicht tat- ¾ die Überwindung der Umverteilung des Wohlstan-
sächlich Anlaß geben, daß wir uns fragen, was wohl das des von unten nach oben;
Geheimnis von Hitlers Erfolg war? ¾ und nicht zuletzt das Ende der ethnischen, kultu-
Fast alle Kriege haben wirtschaftliche Ursachen. Es rellen, wirtschaftlichen und ökologischen Verwü-
sollte daher nicht überraschen, wenn dies auch auf den stung unserer Erde durch den Imperialismus des
Zweiten Weltkrieg zutrifft. Aber was genau ist es, das internationalen Großkapitals;
uns daran hindert, Hitlers wirtschaftliches Geheimnis all dies hängt davon ab, daß zuerst die moralische
sachlich zu erforschen und gegebenenfalls zu wiederho- Machtgrundlage der Mächtigen von heute untergraben
len? wird.
Die Antwort darauf ist einfach: Ohne die Holocaust-Ideologie verlieren die Mächti-
Der Holocaust gen nicht nur jede Rechtfertigung zur andauernden Be-
Wäre die Welt nicht davon überzeugt, daß Hitler die setzung und Ausbeutung deutschen wie auch arabischen
Juden vergast hat, so würden seine Taten wie die jedes Landes. Sie verlieren darüber hinaus die ideologische
anderen politischen Führers sachlich analysiert. Man Luftherrschaft in der Politik im allgemeinen. Internatio-
würde aus Hitlers Taten nicht nur abschreckende Leh- nalistische, multikulturelle Ideologien der Gleichmache-
ren ziehen, sondern auch nachahmenswerte. Der Holo- rei müssen sich dann mit der vollen Wucht der Identi-
caust-Mythos jedoch verhindert das, und zwar derart dra- tätsbewegungen aller Völker auseinandersetzen. Nicht
stisch, daß in Deutschland nun sogar ausdrücklich verbo- nur die Amazonas-Indianer wollen ihr Recht auf
ten werden soll, etwas Positives über Hitler bzw. das Selbstbestimmung durchsetzen, sondern ebenso die
Dritte Reich zu sagen. Deutschen, die Franzosen, Engländer, Schotten, Flamen
Die historische Lüge war schon immer eines der und Kurden, um nur wenige Beispiele zu nennen.
Hauptinstrumente der Machterhaltung. Die Fälschung Der Holocaust-Revisionismus ist die Befreiungsi-
der Konstantinischen Schenkung durch die katholische deologie für die Armen, Verfolgten und Ausgegrenzten
Kirche sicherte ihr ein Jahrtausend lang die totale und der Welt im allgemeinen und von ganz besonders be-
totalitäre Herrschaft in Europa. freiender Wirkung für alle Deutschen – mit Ausnahme
ihrer gegenwärtigen Führungsschicht – sowie für alle
Revisionismus – Hauptfeind der Lüge Araber, insbesondere in Palästina und im Irak, aber
Die Revision, also die Wiederbetrachtung und even- auch anderswo – wieder mit Ausnahme der mit den
tuelle Korrektur geschichtlicher Behauptungen ist aus Feinden kollaborierenden Führungsschicht (frei nach
genau diesem Grunde eine sehr wichtige Aktivität. Prof. Dr. Robert Faurisson).
Denn wenn die Herrschaft gegenwärtiger Regimen auf
Lügen gegründet ist, so ist es der historische Revisio- Der Weg und das Ziel
nismus, der diese Lügen aufdeckt. Er ist es, der den Die Strategie der herrschenden Führungsschicht zur
Herrschenden die moralische Rechtfertigung ihrer Herr- Bekämpfung des Revisionismus sowie aller politischen
schaft entzieht. Obwohl der Revisionismus rein wissen- Bewegungen, die ihnen gefährlich werden können, ist
schaftlich vorgeht, ist er dennoch – oder besser: gerade klar: Ausgrenzung durch Verteufelung, indem man die
deshalb – potentiell eine hochgradig revolutionäre Tä- Revisionisten und politischen Gegner mit “Nazis”
tigkeit. gleichsetzt, was in den Köpfen der meisten Menschen
identisch ist mit dem leibhaftigen Teufel. Genauso ging
Die Feder ist mächtiger als das Schwert! die Heilige Inquisition der katholischen Kirche im aus-
Die Entlarvung der Fälschung der Konstantinischen gehenden Mittelalter und zum Beginn der Neuzeit ge-
Schenkung motivierte Luther zu seiner Reformation, gen die “Ketzer” vor: Man beschuldigte sie, mit dem
die das Ende der Herrschaft der totalen katholischen Teufel im Bunde zu stehen, warf ihnen also Hexerei
Kirche einläutete. vor. Die Folgen sind bekannt.
Darum werden Holocaust-Revisionisten in der gan- Der Revisionismus jedoch ist das Mittel, welches

374 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Germar Rudolf, Befreiungsideologie Revisionismus, S. 371-376

das Totschlagargument “Nazi” stumpf werden läßt. Wo finanziert, da es mit Ausnahme weniger Erfolgsautoren
sich der Revisionismus durchsetzt, verlieren die Mäch- für Geschichte keinen Markt gibt. Mit anderen Worten:
tigen ihre demagogische Wunderwaffe. die Historiker hängen am Tropf ihrer jeweiligen Regie-
Sämtliche Massenmedien der Welt sind unter der rungen. Sie sind für Drohungen und Erpressung durch
Kontrolle des Großkapitals, also der Feinde der die Feinde der Menschheit am empfindlichsten.
Menschheit. Die Medien werden also ihre Greuelpropa- Der in diesem Heft abgedruckte Beitrag von Dr.
ganda (“Nazis!” “Holocaust!” “Niemals vergessen!”) Zarnow zeigt jedoch, daß es Historiker gibt, die sich
gegen oppositionelle Gruppen im allgemeinen wie ge- nicht gänzlich einschüchtern lassen. Dr. Zarnow ist in-
gen den Revisionismus im besonderen in dem Maße zwischen nicht mehr der einzige Fachmann, der bereit
steigern, wie die Herrschaft der Menschheitsfeinde ist, hinter den Kulissen an unserem geschichtlichen Re-
wackeliger wird. visionswerk mitzuarbeiten. Angst ist unser größter
Solange die wirtschaftliche Lage der überwiegenden Feind. Um die Angst zu mindern, bieten wir all jenen
Mehrheit nicht unerträglich ist, wird diese glauben, was Historikern, die Geschichte wieder so schreiben wollen,
ihnen die Massenmedien suggerieren. Gegen die Sug- wie sie wirklich war, die Möglichkeit, bei uns im Ge-
gestionskraft des mit Milliarden gefütterten Fernsehens heimen und unter Pseudonym mitarbeiten zu können.
steht den Revisionisten kein Medium zur Verfügung. Es Auf diese Weise steigt unsere Kompetenz, unsere Über-
ist daher illusorisch zu glauben, man könnte mit Flug- zeugungskraft und unsere Attraktivität für weitere Hi-
blattaktionen, Kettenbriefen, kostenlos verteilten Bro- storiker. Auch diesen Rückkopplungseffekt gilt es zu
schüren und CDs eine Wende herbeiführen. Diese Ak- nutzen.
tionen sind nicht mehr als Nadelstiche gegen das Sy- Die wahre Identität dieser Historiker wird nur mit
stem. Dessen drakonische Reaktionen auf solche Nadel- Zustimmung der beteiligten Fachleute und erst dann
stiche weisen aber daraufhin, daß man sich der Achil- veröffentlicht, wenn wir genügend Fachhistoriker auf
lesferse durchaus bewußt ist. Zunehmende Repressio- unserer Seite haben, so daß ein Schauprozeß gegen eine
nen sind die Folge, die Angst, Unmut und Unzufrieden- solche Menge an Experten unmöglich ist, ohne einen
heit in der Bevölkerung steigern und somit die Auf- Zusammenbruch des Rechtssystems in Deutschland und
nahmefähigkeit für revisionistische Ideen erhöhen. Die- Europa herbeizuführen.
sen Rückkopplungseffekt gilt es stetig zu nutzen. Zur Der Weg, der vor uns liegt, ist immer noch steil und
Eskalation dieser Wechselwirkung, also zur Resonanz- steinig. Um Widerstand so gering wie möglich zu hal-
katastrophe, bedarf es jedoch mehr als der mickrigen ten, müssen wir meiner Ansicht nach zwei Prinzipien
Breitenwirkung einiger weniger aktiver Revisionisten. strikt einhalten:
Im schlimmsten Fall wird erst der große Kladderadatsch 1. Divide et impera: Es gilt, sich so wenig Feinde
der Weltwirtschaft mit dem sich daran anschließenden wie möglich zu machen. Es nützt nur unseren Gegnern
Katzenjammer der Massen deren Ohren für alternative und Feinden, bestimmte Gruppen von vornherein von
Sichtweisen öffnen. einer Mitarbeit auszuschließen. Unter meinen Kunden
In der Zwischenzeit muß der Revisionismus die in- befinden sich Rechte und Linke, Deutsche und Türken,
tellektuelle Basis schaffen, von der aus die anstehende Atheisten und Juden. Es kommt nicht darauf an, wie
politische Revision in Deutschland, Europa und der jemand aussieht oder als was er wo geboren wurde,
Welt ausgehen kann. Das heißt ganz konkret: Die win- sondern ob er unsere Feinde auch als seine ansieht. Wie
zigen Ressourcen, die dem Revisionismus zur Verfü- oben dargestellt, ist der zu lösende Konflikt von welt-
gung stehen, müssen genutzt werden, um unsere histori- weiter Natur, und er ist auf keine ethnische oder religiö-
schen Thesen wasserdicht abzusichern. Letztlich müs- se Gruppe beschränkt. Auch die Mitglieder der Füh-
sen unsere Arbeiten so gut sein, daß etablierte Histori- rungsschicht müssen angesprochen werden, denn auch
ker nicht umhin können, sich entweder vor aller Welt ihnen kann nicht entgehen, daß die völlige Umvertei-
lächerlich zu machen oder aber die Seiten zu wechseln. lung aller irdischen Güter von unten nach ganz oben
Die moderne Gesellschaft ist eine arbeitsteilige. sowie die Auflösung ethnischer und kultureller Identitä-
Nicht jeder kann ein Fachmann in bestimmten ge- ten ein auf Dauer unhaltbarer Zustand ist. In ihrem ei-
schichtlichen Fragen sein. Juristen, Politiker und Jour- genen Interesse sollten sie liebgewordene, machtsi-
nalisten verlassen sich bei der Beurteilung historischer chernde Tabus überdenken und nach friedlichen, sozial
Fragen bzw. der Berichterstattung über geschichtliche und ethnisch gerechten Lösungsmöglichkeiten suchen.
Ereignisse auf die Urteile von Historikern. Solange die 2. Moralische Hegemonie: Mit zunehmenden Ein-
Historiker jedoch im Gleichschritt mit dem herrschen- schränkungen der Menschenrechte und eskalierenden
den Dogma marschieren, hat keine Führungspersön- sozialen und ethnischen Spannungen verliert die Füh-
lichkeit Erfolgsaussichten, sollte sie ihre Meinung zum rungsschicht ihre moralische Legitimation zur Herr-
Holocaust ändern. Sie braucht dazu die Rückendeckung schaft. Den Völkern dieser Welt muß sich eine mora-
von Fachleuten. lisch bessere Alternative anbieten. Das Recht auf indi-
Historiker werden in der Regel von Steuergeldern viduelle wie kollektive Selbstbestimmung, ausgedrückt

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 375


Germar Rudolf, Befreiungsideologie Revisionismus, S. 371-376

in den Menschen- und Völkerrechten, ist dabei Leitbild. und zwar auch für die Ansichten ihrer Gegner und
Es wäre in dieser Situation fatal, wenn wir einerseits die Feinde. Nur so sind wir attraktiv für unsere Mitmen-
Beschränkung unseres Rechtes auf Freiheit von Wis- schen. Nur so erlangen wir die moralische Hegemonie.
senschaft und Meinungsäußerung einfordern, anderer- Und nur so können wir Deutschland, Europa und die
seits aber androhen, das gleiche Recht unseren Gegnern Welt in diesem Glaubenskrieg befrieden.
zu verwehren, wenn sich das Blatt einmal wendet. Ich Lorenzo Valla, der die Konstantinische Schenkung
wende mich daher strikt gegen jeden Versuch, Men- als Fälschung entlarvte, erlebte das Ende des katholi-
schen belangen zu wollen, weil sie zum Holocaust an- schen Machtmißbrauchs nicht mehr. Die Zeit schreitet
dere Ansichten vertreten als ich. Was unterscheidet uns heutzutage schneller voran, so daß wir glücklicher sein
dann von den jetzigen Zensoren? können als Valla. Aber selbst, wenn wir den Fall der
Um auf Lorenzo Valla zurückzukommen, so hat die Holocaust-Lügen und damit den Sturz oder Wandel der
Geschichte gezeigt, daß bei einem Paradigmenwechsel heutigen Herrschenden nicht mehr erleben, so hat unser
nicht die schlichte Umkehrung eines Dogmas zur Be- Handeln dennoch einen tiefen, historischen Sinn, denn
friedung führt, sondern die Aufhebung aller rechtlich unsere Stunde wird kommen.
durchgesetzten Dogmen. Nicht erzungene Reformation “Handle so, daß die Maxime deines Willens je-
oder Gegenreformation hat im Deutschland des ersten derzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Ge-
Dreißigjährigen Krieges zum Frieden geführt, sondern setzgebung gelten könnte.”
religiöse Toleranz. Immanuel Kant
Erst, wenn es keine Rolle mehr spielt, welche Auf- “Hier stehe ich, ich kann nicht anders.”
fassung wir zum Holocaust haben, wird daher Friede in Martin Luther
unserem modernen Glaubenskampf einziehen. Die revi- “Ich hab’s gewagt”
sionistischen Reformatoren müssen Toleranz fordern, Ulrich von Hutten

376 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Germar Rudolf, Tollwut im Bundestag, S. 377-379

Tollwut im Bundestag
Von Germar Rudolf

Der 27. Januar hat sich mittlerweile zum internatio- von damals Befreier zu nennen. Der 27. Januar, einst als
nalen Gedenktag für den “Holocaust” entwickelt. Auf Kaisers Geburtstag gefeiert, ist nun der Feiertag der
der ganzen Welt gedenkt man der “Befreiung” des Lüge und Unterdrückung.
Konzentrationslagers Auschwitz, das in den Massen- Die einzige Ausnahme von dieser Würdelosigkeit
medien fälschlich und lügnerisch als “Vernichtungsla- und Verlogenheit deutscher Politiker war die Landtags-
ger” dargestellt wird. fraktion der NPD in Sachsen, die für den 21. Januar
Wie sehr sich die Auschwitz-Häftlinge Anfang 1945 2005 eine Aktuelle Stunde durchgesetzt hatte, bei der
auf die Befreiung durch die heranrückende Rote Armee das “Verhalten der Sächsischen Staatsregierung und des
freuten, hat kein geringerer als Elie Wiesel in seinem Landtags zu Erinnerungs- und Gedenkveranstaltungen
berühmten Buch Die Nacht zu begraben, Elischa darge- zum 60. Jahrestag der anglo-amerikanischen Terroran-
legt:1 griffe auf die sächsische Landeshauptstadt Dresden”
“Die Entscheidung lag in unserer Hand. Ein ein- diskutiert werden sollte. Als dann der Landtagspräsi-
ziges Mal konnten wir unser eigenes Schicksal ent- dent Erich Iltgen (CDU) die Parlamentsmitglieder im
scheiden. Wir könnten beide im Krankenhaus blei- Gegenzug zu Beginn der Sitzung aufforderte, der Opfer
ben, wo ich ihn [seinen Vater] dank des Arztes als des Holocaust und der Bombardierung Dresdens zu ge-
Patienten oder Krankenpfleger registrieren lassen denken, verließen die zwölf Abgeordneten der NPD den
könnte. Oder wir könnten den anderen folgen. ‘Nun, Saal.
was werden wir tun, Vater?’ Er blieb stumm. ‘Laß Holger Apfel, Vorsitzender der Dresdner NPD-
uns mit den anderen evakuiert werden’, sagte ich Fraktion, bezeichnete in seiner sich daran anschließen-
ihm.”
Diese Passage beweist klipp und klar, daß Wiesel
sich nicht vor den Deutschen, sondern vor den Russen
fürchtete. Sie beweist, daß Wiesel die Deutschen nicht
als lebensgefährliche Bedrohung empfand. Daß Wiesel
und sein Vater mit dieser Einsicht nicht falsch lagen,
bewiesen die dann eintretenden Ereignisse. Ich zitiere
aus der Chicago Tribune:2
“Obwohl die Sowjets als Befreier willkommen
waren [von wem?], dauerte es nur wenige Wochen,
bevor sie jene zu plündern und zu vergewaltigen be-
gannen, die sie befreit hatten. Frauen, die die Nazis
überlebt hatten, wurden von sowjetischen Soldaten
zu Tode vergewaltigt, so die entsprechenden Berich-
te Überlebender.
Zehntausende sowjetischer Kriegsgefangener
wurden 1941 nach Auschwitz gesandt, doch die
Überlebenden unter ihnen erwartete ein grimmiges
Schicksal. Stalin hatte bestimmt, daß es keine sowje-
tischen ‘Gefangenen’ gebe, sondern nur ‘Vater-
landsverräter’. Die dermaßen Eingestuften wurden
zusammengetrieben und verendeten in Sibirien.
Viele Osteuropäer sahen die Sowjets ‘nicht als
Befreier, sondern als Aggressoren an – es war eine
zweite Besetzung’, sagte Piotr Setkiewicz, Direktor
des Archives des Staatlichen Museums Auschwitz-
Birkenau.”
Die Feierlichkeiten um den 27. Januar sind daher
nichts anderes als Manifestierungen stalinistischen Ter-
rors. Wir alle werden gezwungen, uns vor der Lüge
Holger Apfel, Vorsitzender der NPD-Landtagsfraktion in
niederzuwerfen und unser Peiniger und Unterdrücker
Sachsen

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 377


Germar Rudolf, Tollwut im Bundestag, S. 377-379

den Rede die Bombardierung Dres- verharmlosende Äußerungen


dens als “industriellen Massen- über die Nazi-Herrschaft zu be-
mord” und “Bomben-Holocaust”, strafen.”
die Alliierten als Massenmörder. Nach einiger Rangelei in der
Während die Zahl der Opfer des Regierungskoalition sollte die ver-
Nationalsozialismus hochgerechnet einbarte Gesetzesänderung ungefähr
werde, würden die Dresdner Opfer- so aussahen:6
zahlen in propagandistischer Ab- “Rot-Grün hat sich darauf
sicht heruntergerechnet. verständigt, den Straftatbestand
Apfel forderte die Einführung der Volksverhetzung auszuwei-
eines offiziellen Gedenktages und Brigitte Zypries: Wolf im Schafspelz ten. Demnach soll künftig die
die Errichtung einer sächsischen Landesstiftung “Opfer Billigung oder Verherrlichung von Menschenrechts-
des Luftkrieges” nach dem Vorbild der Schoa-Stiftung. verletzungen unter den Nationalsozialisten strafbar
Auch kündigte er an, seine Partei werde nicht eher ru- sein, da sie die Menschenwürde der Opfer verletzt.
hen, “bis keine neuen Gedenkstätten zur Anklage gegen Höchststrafe: Drei Jahre Haft.”
das deutsche Volk mehr gebaut werden, sondern end- Das liest sich entweder wie eine Satire oder wie ein
lich Gedenkstätten für die in Dresden, Hamburg, Berlin Protokoll eines Tollhauses. Wie kann ein Parlament,
und anderswo ums Leben gekommenen Deutschen”.3 das selbst durch seine Gesetze die strafrechtliche Ver-
Was Apfel also forderte, war das gleichmäßige Ge- folgung und Inhaftierung politischer und historischer
denken aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Dissidenten sowie die Verbrennung abweichlerischer
Was er forderte, war das Ende des anti-deutschen Ras- Literatur beschließt und durchsetzt, jene bestrafen wol-
sismus, der zwischen guten, gedenkwürdigen Opfern – len, die Menschenrechtsverletzungen billigen oder ver-
den (oft erfundenen und übertriebenen) Opfern der herrlichen? Da darf man doch wohl fragen: Und wann
Deutschen – und bösen, zu vergessenden Opfern – den wird die Billigung, Forderung, Durchsetzung und Ver-
(oft untertriebenen) deutschen Opfern – unterscheidet. herrlichung von Menschenrechtsverletzungen in der
Was Apfel forderte, war die Normalität. BRD durch deutsche Politiker, Richter, Staatsanwälte,
Was darauf allerdings folgte, war die Tollwut deut- Verfassungsschützer, Kriminalbeamte und Journalisten
scher Politiker. mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft?
Der Ruf nach dem Staatsanwalt wurde noch im Par- Die würden ja gar nicht alle in die Gefängnisse pas-
lament laut, obwohl doch die parlamentarische Immuni- sen, also müßte man Lager errichten…
tät ein strafrechtliches Vorgehen gegen Apfel unmög- Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie
lich machte. Die CDU-Bundestagsfraktion schlug dar- tun!
aufhin vor, die Immunität von Abgeordneten bei Volks- Offenbar haben die Herren Juristen in den Vorstand-
verhetzung aufzuheben.4 Eine solche Gesetzesänderung setagen der Volksvernichtungsrepublik Deutschland
würde sich im momentanen politischen Klima aus- gemerkt, daß sie sich mit einem solchen Gesetzestext
schließlich gegen Redebeiträge wenden, die als rechts eine Schlinge um den eigenen Hals legen würden. Es
angesehen werden. kam daher anders. Der schließlich am 15.3.2005 vom
Um weiteren öffentlichen Auftritten rechter Politi- Bundestags beschlossene und am 18.3. vom Bundesrat
ker vorzubeugen, schlug dann am 11. Februar die Ju- abgenickte neue Gesetzestext von Absatz 4 des §130
stizministerin eine Gesetzesverschärfung des Straf- und StGB enthält den Begriff “Menschenrecht” nicht:
Versammlungsrechts vor:5 “Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit
“Mit einem verschärften Versammlungs- und Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer
Strafrecht will die Bundesregierung gegen Aufmär- Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die
sche von Rechtsextremisten vor- Würde der Opfer verletzenden
gehen. Innenminister Schily und Weise dadurch stört, dass er die
Justizministerin Zypries stellten nationalsozialistische Gewalt-
heute entsprechende Gesetzent- und Willkürherrschaft billigt,
würfe mit Blick auf die angekün- verherrlicht oder rechtfertigt.”
digte Demonstration der NPD Aber Vorsicht! Im Kleinge-
am 8. Mai in Berlin vor. Die In- druckten wird dann nachgebuttert.
itiative richtet sich gegen Ver- In den Erläuterungen der Bundesre-
sammlungen von Neonazis an gierung zu dem Gesetz heißt es:7
Gedenkstätten zur Erinnerung “Dabei kann die Tat auch
an NS-Gewaltverbrechen. Auch dadurch begangen werden, dass
soll der Tatbestand der Volks- Otto Schily: Vom Terroristenverteidiger
die Verantwortungsträger der
verhetzung erweitert werden, um zum Polit-Terroristen NS-Gewalt- und Willkürherr-

378 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Germar Rudolf, Tollwut im Bundestag, S. 377-379

schaft angepriesen oder in besonderer Weise her- sie dann wieder auf, die angebliche strafrechtliche Ver-
vorgehoben werden. […] Es genügt, wenn etwa die werflichkeit der “konkludenten” Billigung, Verherrli-
schwerwiegenden Verbrechen, die die NS-Gewalt- chung oder Rechtfertigung von – Menschenrechtsver-
und Willkürherrschaft charakterisieren, als zwar be- letzungen! Die Schlinge ist also gelegt. In ihr drohen all
dauerlich, aber unvermeidbar hingestellt werden. jene gefangen zu werden, die selbst tagein, tagaus Men-
Dabei muss sich der Täter nicht auf eine konkrete schenrechtsverletzungen im heutigen Deutschland be-
Tat beziehen. Es reicht aus, wenn er konkludent – gehen.
etwa durch Werturteile über die verantwortlichen Menschenrechtsverletzungen zum Schutz von Volk
Personen – eine positive Einschätzung der unter der und Reich sind ein Verbrechen, fürwahr, doch Men-
NS-Herrschaft begangenen Menschenrechtsverlet- schenrechtsverletzungen zum Schutz von Verfassung
zungen abgibt.” und freiheitlich-demokratischer Grundordnung, das ist
Mit anderen Worten: Selbst wenn man die Men- ja etwas anderes. Solche Menschenrechtsverletzungen
schenrechtsverletzungen des NS-Regimes nicht einmal muß man billigen, verherrlichen und rechtfertigen, zur
zum Thema hat, macht man sich womöglich strafbar, Not sogar unter Strafandrohung.
wenn man irgend etwas Positives oder Entlastendes Wenn Deutschlands Politiker auch sonst auf ganzer
über das Dritte Reich ausführt – und damit immer auch Linie total versagen, wenn es um ihren Eid geht, den
über deren Herrscher. Vor einer Strafverfolgung könnte Nutzen des deutschen Volkes zu mehren und Schaden
man sich in solchen Fällen wohl nur schützen, wenn von ihm abzuwenden, so sind sie zumindest im Verbie-
man zugleich ein pauschales moralisches Verdam- ten und Zwangsverordnen inzwischen wieder Weltklas-
mungsurteil gegen das Dritte Reich ausspricht, das der se! Wenigstens etwas!
Staatsanwaltschaft überzeugend erscheint. Personen, die Der Bundesvorsitzende der NPD Udo Voigt hatte
im Verdacht stehen, rechte Ansichten zu hegen, wird einen Tag nach Apfels Rede in Dresden dessen Äuße-
ein solches Verdammungsurteil freilich im Zweifelsfall rungen als “zutreffende Wortwahl” bezeichnet, was ihm
nicht helfen, denn “konkludent” heißt: postwendend Strafanzeigen wegen
sich aus den Begleitumständen (z.B. Volksverhetzung einbrachte. Als die
Verhaltensweise, Wortwahl, Gesin- Staatsanwaltschaft Hamburg am
nung) ergebend. Die Tat muß also gar 10.4.2005 entschied, gegen Voigt kein
nicht konkret begangen werden, son- Ermittlungsverfahren einzuleiten, gab
dern sie kann sich aus der Persönlich- sich Judenführer Paul Spiegel empört:
keit und dem Verhalten des Täters er- Moralisch habe er dafür kein Ver-
geben. Solch eine dehnbare Definition ständnis. Die Staatsanwälte öffneten
öffnet der Willkür Tür und Tor, denn Paul Spiegel: Es ist mir gleich, damit “Tür und Tor für ähnliche Äuße-
die Interpretation des Gerichts hängt wer unter mir Bundeskanzler ist! rungen.” Dabei könne man sie verbie-
damit letztlich davon ab, welche Ab- ten, “wenn man die Gesetze nur konse-
sichten, sprich: welche politischen Ansichten es dem quent anwendet”. Für ihn sei es “sehr fraglich, ob Äu-
Angeklagten unterstellt. ßerungen, die klar volksverhetzend sind, zur Meinungs-
Damit ist dieses Gesetz nicht nur ausschließlich ge- freiheit gehören”.8
gen ein bestimmtes politisches Regime der Geschichte Wenn man bedenkt, daß die Juden in der Bundesre-
gerichtet – was an sich schon verfassungswidrig ist –, publik Deutschland noch immer bekommen haben, was
sondern zugleich auch ausschließlich gegen eine be- sie wollten, dann darf man sich fragen, wie lange es
stimmte politisch definierte potentielle Tätergruppe. Es wohl dauert, bis es als Verbrechen eingestuft wird, die
handelt sich also deutlich um ein politisches Strafge- Verbrechen an Deutschen Verbrechen zu nennen.
setz, was sich ja auch aus der Geschichte dieser Geset-
zesänderung ergibt, die erfolgte, um öffentliche Äuße- Anmerkungen
rungen rechter Oppositionspolitiker zu historischen 1 In der englischen Ausgabe Night, Bantam Paperback-Ausgabe,
Fragen unterbinden zu können. 1960, S. 78.
Diese erneute Zensurverschärfung macht es jedem 2 Tom Hundley, “Struggle to mark horror of Auschwitz”, Chicago
zur Pflicht, diese tragische Periode deutscher Geschich- Tribune 27.1.2005
(www.chicagotribune.com/news/nationworld/chi-
te unabhängig von der wissenschaftlichen Beweislage
0501270319jan27,1,3035296.story)
vollständig zu dämonisieren. Über die aufrechterhaltene 3 Vgl. Tagespresse vom 22.1.2005.
Verknüpfung des Dritten Reiches mit dem deutschen 4 AFP, 27.1.2005
Volk mittels Kollektivscham und Kollektivverantwor- 5 ARD Tagesschau, 11.2.2005, 20:00 Uhr
6
tung wird damit auch das gesamte deutsche Volk dä- 7 Der Spiegel, 22.2.2005.
www.bmj.bund.de/enid/Presse/Pressemitteilungen_58.html.
monisiert. 8
Tagespresse, 10.4.2005.
Im Begleitkommentar der Bundesregierung taucht

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 379


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

Der Dolchstoß – keine Legende


Eine Rückkehr zur Geschichte
Von Arne Grotefend

Noch immer ist unser geschichtliches Bewußtsein von den Umwälzungen des Zweiten Weltkrieges er-
füllt. Kaum eine Erinnerung reicht hinter die Marksteine 1939 bzw. 1933 zurück.
Der Erste Weltkrieg, zu seiner Zeit erlebt als der Weltkrieg, spielt für uns Heutige höchstens noch die
Rolle einer Vorbereitung auf “unseren” Weltkrieg, den Zweiten.
Der Erste Weltkrieg fand seinen gewaltsamen Abschluß mit der deutschen Novemberrevolution von
1918, was von einem Großteil der damaligen Zeitgenossen als “Dolchstoß in den Rücken des kämpfenden
Heeres” empfunden wurde und eine tiefe Bitterkeit hinterließ.
Ebenso wie der Erste Weltkrieg ist der “Dolchstoß” vergessen. Wenn seiner noch gedacht wird, dann
nur als “Dolchstoßlegende”, als Lebenslüge der damaligen Generäle.
Das Ende des Ersten Weltkrieges legte aber die Grundlagen für den Ausbruch des Zweiten. Es ist Zeit,
den verschütteten Ereignissen von damals erneut nachzugehen.

Krieg Etappe sind die Garnisonen, Standorte des Ersatzes. Im


Reichsoberhaupt ist der Kaiser. Er ernennt die Re- Krieg wird der Belagerungszustand ausgerufen, d. h.,
gierung, d. h., den Reichskanzler und dessen Kabinett die stellvertretenden Generalkommandos der Etappe
der acht Staatssekretäre. Der Reichstag stimmt ab über sind den zivilen Behörden übergeordnet. Zivile Gerich-
Gesetze, im Kriegsfalle über die Gewährung von te sind den Kriegsgerichten unterstellt. Pressefreiheit
Kriegskrediten. Dominierende Parteien im Reichstag und Versammlungsfreiheit werden eingeschränkt.
sind die sog. Mehrheitsparteien SPD, das Zentrum und Das Deutsch Reich steht gegen eine erdrückende
die freisinnigen Liberalen. Übermacht, im Osten gegen das Zarenreich, im Westen
Der Kaiser ist oberster Kriegsherr. Er entscheidet gegen die Großmächte England und Frankreich. Die
über Krieg und Frieden und ernennt die Generäle der Verbündeten Deutschlands, Österreich-Ungarn und die
Obersten Heeresleitung (OHL). Die OHL organisiert Türkei, mit denen es den Block der Mittelmächte bildet,
das Heer und die Heimatfront, das ist die von stellver- sind kaum eine Hilfe.
tretenden Generalkommandos geführte Etappe, welche Gleich zu Beginn des Krieges hat England mit Un-
das kämpfende Heer mit Munition, Verpflegung, Nach- terstützung der neutralen USA eine Seeblockade gegen
schub mit Soldaten usw. versorgt. Stützpunkte der Deutschland verhängt und so das Reich von Rohstoff-
und Lebensmittellieferungen abgeschnitten. Der-
artige auch gegen die Zivilbevölkerung gerichte-
ten Maßnahmen verstoßen gegen das Völker-
recht.
England ist für den Krieg nur unzureichend
gerüstet. Seit Kriegsbeginn läßt es sich von den
USA auf Kredit mit Waffen versorgen, welche, in
Handels- und auch Passagierschiffen als Konter-
bande versteckt, täglich ostwärts über den Ozean
schiffen. Konterbande sind kriegswichtige Güter,
die von Schiffen neutraler Staaten, entgegen gel-
tendem Völkerrecht, für eine kriegführende Partei
transportiert werden.
Da die deutschen Proteste gegen Aushunge-
rung und illegale Waffenhilfe verhallen, versucht
das Reich mit seinen U-Booten um England eine
Gegenblockade zu legen. Zunächst wird der U-
Bootkrieg nach den Regeln des Kreuzerkrieges
Die Oberste Heeresleitung des Deutschen Reiches im Großen
Hauptquartier in Spaa, Belgien, v. l.: Generalfeldmarschall Paul v. geführt: Handels- und Passagierschiffe, die nach
Hindenburg, Kaiser Wilhelm II., Generalquartiermeister Erich Luden- geltendem Seerecht nicht bewaffnet sein dürfen,
dorff.

380 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

werden vom U-Boot angehalten und nach Wilson sich als Vermittler eines mögli-
Konterbande durchsucht. Wird solche ge- chen Friedens angeboten und ein “Vier-
funden, wird vor der Versenkung des zehn-Punkte-Programm” verkündet, das
Schiffes der Besatzung Gelegenheit gege- einer künftigen Weltordnung zugrunde ge-
ben, sich mit Rettungsbooten in Sicherheit legt werden solle. Kern dieser Vierzehn
zu bringen. Seerechtswidrig setzen die Punkte sind die “Freiheit der Meere” und
Engländer verdeckt bewaffnete Handels- das “Selbstbestimmungsrecht der Völker”.
schiffe als sog. “U-Boot-Fallen” ein. Nä- Zur Ergänzung fordert Wilson am 4. Juli
hert sich einem solchen Schiff ein U-Boot des Jahres in Mount Vernon:2
mit der Absicht, es zu durchsuchen, wird “Vernichtung jeder militärischen
das an der Oberfläche wehrlose U-Boot Macht, welche es in Händen hat, al-
unversehens mit Schnellfeuer angegriffen Paul v. Hindenburg lein, geheim und auf eigene Willensbe-
und meist zerstört. Die deutsche Antwort Zeichnung1847 – 1934
von Oskar Bruch 1915
stimmung den Weltfrieden zu stören,
auf die U-Boot-Fallen ist seit dem 1. Fe- oder, falls diese Macht gegenwärtig
bruar 1917 der “uneingeschränkte U-Boot- nicht vernichtet werden kann, wenig-
krieg”. In einem umgrenzten Gebiet wer- stens ihre Herabminderung bis zur tat-
den sämtliche Schiffe ohne Vorwarnung sächlichen Ohnmacht.”
durch Unterwassertorpedos versenkt. Eng- Überdies hat der Präsident wiederholt
land erleidet schwere Verluste, die erst verlauten lassen, daß er nur mit parlamen-
durch die Einführung bewaffneter Geleit- tarisch regierten Staaten Frieden zu
zügen für die Handelsschiffe zurückgehen. schließen bereit sei. Parlamentarische Re-
Nach der Oktoberrevolution von 1917 gierung bedeutet, daß das Parlament die
ist Rußland nicht mehr kampffähig und Regierung ernennt und daß diese dem Par-
scheidet aus dem Krieg aus. Das Deutsche lament verantwortlich ist.
Reich ist im Osten entlastet und hat be- General Ludendorff überredet den Kai-
gründete Hoffnung auf einen Sieg gegen ser, dem Reich eine parlamentarische Re-
die verbliebenen Feinde im Westen. gierungsform zu geben, um die Amerika-
Die USA haben bis 1917 bereits 35 Erich Ludendorff ner verhandlungsbereit zu stimmen.
Milliarden Dollar in die alliierte Rüstung Zeichnung1865 – 1937
von Oskar Bruch 1915
Ab dem 3. Oktober 1918 hat der
investiert, ihnen ist an einem Sieg der Mit- Reichstag bei der Ernennung des Reichs-
telmächte nicht gelegen1. Die Einbußen, kanzlers und der Staatssekretäre Mitspra-
die ihnen durch den uneingeschränkten U- cherecht. Die Regierung ist auf das Ver-
Bootkrieges entstehen, nehmen sie zum trauen des Reichstages angewiesen. Neuer
Anlaß, am 6. April 1917 dem Deutschen Kanzler ist der liberal eingestellte Prinz
Reich den Krieg zu erklären. Max von Baden, neue Staatssekretäre sind
Die derzeitige OHL, Generalfeldmar- Matthias Erzberger für das Zentrum und
schall Paul von Hindenburg und der Erste Philipp Scheidemann für die SPD.
Generalquartiermeister Erich Ludendorff, Der Kaiser braucht hinfort für die Ent-
will im Frühjahr des Jahres 1918 den sieg- scheidung über Krieg und Frieden und für
reichen Durchbruch an der Westfront die Ernennung und Entlassung der Offi-
durchsetzen, ehe die US-Armee endgültig ziere die Zustimmung des Reichstages
an der Atlantikküste angelandet ist. Der bzw. der Regierung.
Durchbruch mißlingt. Im Sommer er- Diese Verfassungsänderungen, vorge-
scheinen die ersten amerikanischen Trup- nommen, um von der Gegenseite einen
Admiral Reinhard Scheer
pen mit ihren Panzern, denen das deutsche möglichst schnellen und günstigen Waf-
Heer nichts entgegenzusetzen hat. Die deutschen An- fenstillstand zu erhandeln, bergen Gefahren: Der Kaiser
griffsschlachten werden zur Verteidigung. Unter ver- und die OHL können nicht mehr allein über Krieg und
lustreichen Kämpfen zieht sich die deutsche Front zu- Frieden, d. h., über die Gestaltung der Waffenstill-
rück. Die OHL sieht die Zeit gekommen, um Waffen- standsverhandlungen, bestimmen. Die OHL hat sich in
stillstandsverhandlungen nachzusuchen, Waffenruhe, ihren Entschlüssen der Regierung und dem Reichstag
solange das Heer für den Fall von unannehmbaren Be- unterworfen. Im Reichstag aber dominieren die Partei-
dingungen der Gegenseite noch in der Lage ist, den en, die schon dem Reichsgründer die meisten Schwie-
Kampf wieder aufzunehmen. rigkeiten bereitet haben, die SPD, das katholische Zen-
trum und die liberalen Freisinnigen.
Waffenstillstandsverhandlungen Im Zuge der Umgestaltung der Regierung wird
Schon im Januar des Jahres 1918 hat Präsident überdies eine Amnestie politischer Gefangener be-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 381


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

schlossen. jedoch schon für den Waffenstillstand Bedingungen, die


Ludendorff nimmt die Gefahren in Kauf. Er hofft, nach Kriegsrecht erst Gegenstand von Friedensverhand-
der Reichstag werde sich für den Fall unannehmbarer lungen wären.
Waffenstillstandsbedingungen jenseits allen Parteiha- Den Verantwortlichen des Reiches ist nun klar, daß
ders zum letzten Kampf um einen erträglichen Frieden die Gegenseite keinen Verhandlungsfrieden will, son-
zusammenfinden. dern Demütigung und womöglich die Vernichtung des
Am 2. Oktober stellt der Unterstaatssekretär Major Reiches. Die OHL will standhalten:
v. dem Busche vor den Parteiführern des Reichstages Es wird ein Kräftezuwachs für die wankende West-
fest:3 front beschlossen, Einziehung der Jahrgänge 1900.
“Gleichzeitig mit dem Friedensangebot muß eine Überdies fordert Ludendorff, das Volk über die Lage
geschlossene Front in der Heimat erstehen, die er- aufzuklären, um es auf den eventuellen Endkampf vor-
kennen läßt, daß der unbeugsame Wille besteht, den zubereiten. Von Hindenburg fordert in einem Tele-
Krieg fortzusetzen, wenn der Feind uns keinen Frie- gramm die Reichsregierung auf,6
den oder nur einen demütigenden Frieden geben “mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß eine ein-
will” heitliche vaterländische Stimmung in allen Stämmen
Von Hindenburg teilt der Regierung mit, daß für den und Schichten des deutschen Volkes lebendig wird
Fall demütigender Bedingungen die deutsche Front vor- und deutlich erkennbar in Erscheinung tritt. An dem
aussichtlich den Winter über zu halten sei. felsenfesten Willen des Volkes, gegen jede demüti-
Am 5. Oktober 1918 geht das Gesuch um Waffen- gende Bedingung sich bis aufs Äußerste zu wehren,
stillstandsverhandlungen an den amerikanischen Präsi- darf niemand zu zweifeln Veranlassung haben. Nur
denten ab. Grundlage der Verhandlungen sollen die dann findet das Heer die Kraft, der Übermacht zu
schon erwähnten Vierzehn Punkte sein. trotzen; nur dann finden unsere Unterhändler den
Am gleichen Tage spricht der Reichskanzler vor Rückhalt für ihre schweren Aufgaben am Verhand-
dem Reichstag über das mögliche Ergebnis der bevor- lungstisch.”
stehenden Verhandlungen:4 Die Reichsregierung, die nun über Krieg und Frie-
“Wie dieses Ergebnis auch ausfallen möge: ich den mitzuentscheiden hat und den Notenwechsel führt,
weiß, daß es Deutschland fest entschlossen und einig gibt sich zögerlich. In der Antwortnote an den Präsiden-
finden wird sowohl zu einem redlichen Frieden, […] ten wird die Räumung besetzter Gebiete zugesagt.
als auch zu dem Endkampf auf Leben und Tod, zu Die Antwort Wilsons kommt wenige Tage später. Es
dem unser Volk ohne eigenes Verschulden gezwun- gibt weitere Forderungen:
gen wäre, wenn die Antwort der mit uns im Kriege Einen Rückzug an der Westfront ohne Zerstörungen,
stehenden Mächte auf unser Angebot von dem Wil- Einstellung des uneingeschränkten U-Bootkrieges. Da-
len, uns zu vernichten, diktiert sein sollte.” zu:7
Am 8. Oktober kommt Wilsons Antwort. Der Präsi- “Sicherheiten und Bürgschaften für die Fortdau-
dent stellt die erste Bedingung zur Waffenruhe: Die er der gegenwärtigen militärischen Überlegenheit
Mittelmächte sollen “sofort die Truppen überall aus den der Armeen der Vereinigten Staaten und der Alliier-
besetzten Gebieten zurückziehen.”5 ten an der Front zu schaffen.”
Das Befürchtete ist eingetreten. Waffenstillstand hat- Dabei wird auf die Botschaft von Vernon hingewie-
te bisher lediglich bedeutet: Festschreibung des status sen.
quo. Wilson stellt im Vollgefühl seiner Überlegenheit Nun ist es heraus: Die gegnerischen Waffen werden

v.l.: Ein Soldat, Reservisten, und ein Hauptmann der Deutschen Armee im Ersten Weltkrieg

382 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

erst ruhen, wenn Deutschland sich seiner Waffen bege- Bootkrieges zugesagt.
ben hat. Schweren Herzens müssen sich die OHL und die
In Berlin finden sich am 17. Oktober Generalstab Seekriegsleitung fügen.
und Regierung zur Krisensitzung zusammen. Durch die Freistellung der U-Boote ist jedoch eine
Für die OHL gibt es nur einen Weg: Durchhalten. neue Situation eingetreten: Seit der Schlacht am Ska-
Die Lage an der Westfront habe sich verbessert, auch gerrak liegt die Hochseeflotte untätig in den Häfen, da
der Feind zeige Ermüdungserscheinungen, ein gegneri- sie ohne U-Boote nicht kampfbereit ist. Mit den freige-
scher Durchbruch sei nicht mehr zu befürchten. Auf stellten U-Booten ist die Hochseeflotte wieder einsetz-
keinen Fall solle der U-Boot-Krieg eingestellt werden, bar.
da es die einzige noch schlagkräftige Waffe des Reiches Admiral Reinhard Scheer, Chef der Seekriegslei-
sei. Überdies sei eine Steigerung der U-Bootproduktion tung, sieht noch eine Chance für das bedrängte Reich:
vorgesehen. Das Wichtigste sei, dem Volk die Lage klar Gemeinsam mit der U-Bootwaffe sei die Flotte stark
zu machen, um seine Zuversicht zu stärken. genug, England erneut zur Schlacht zu stellen. Überdies
Vizekanzler Friedrich von Payer stimmt zu:8 hätten Agenten die Nachricht gebracht, daß die Englän-
“[…Da ] wir als Nation, vor allem wirtschaftlich, der eine Landung in Holland planten, um dem rechten
zugrunde gerichtet werden sollten, überlegte sich je- deutschen Heeresflügel an der Westfront in den Rücken
der: Müssen wir das erdulden, oder gibt es noch ei- zu fallen. Wenn auch nicht mit einem Sieg gerechnet
ne Möglichkeit, das abzuwenden? Wenn wir den werden könne, so würden doch Kräfte der Engländer
Leuten sagen, es gibt noch eine Möglichkeit, das ab- gebunden und die Westfront entlastet. Mit etwas
zuwenden, wenn ihr nur durchhaltet. Wenn ihr aber Kriegsglück könne am Ende noch eine Wende herbei-
nicht noch ein paar Wochen halten könnt, dann geführt werden.
müßt ihr damit rechnen, daß Deutschland halb und Am 22. Oktober ergeht ein entsprechender Befehl
halb aus dem Kreise der Nationen ausgestrichen der Seekriegsleitung an die in Kiel und Wilhelmshaven
wird. Ihr müßt mit einer Belastung durch Entschädi- liegende Flotte. In der Mitteilung des Kommandos der
gungen rechnen, die uns erdrücken wird – dann Hochseestreitkräfte vom 24. Oktober heißt es:10
könnte man sie [die Deutschen] noch einmal hoch “Der Gegner soll unter für uns günstigen Bedin-
bekommen.” gungen zur Schlacht gestellt werden.
Von Hindenburg schickt ein zweites Telegramm an Hierzu Nachtvorstoß der gesamten Hochsee-
die Reichsregierung:9 streitkräfte in die Hoofden. Angriff gegen Streitkräf-
“Es ist die Frage zu stellen: Will das deutsche te und Verkehr an der flandrischen Küste und in der
Volk um seine Ehre nicht nur in Worten, sondern Themsemündung. Durch diesen Stoß soll der Gegner
tatsächlich bis zum letzten Mann kämpfen und sich veranlaßt werden, sofort Flottenteile in Richtung auf
damit die Möglichkeit des Wiedererstehens sichern die Verbindungslinie Hoofden – Deutsche Bucht
oder will es sich zur Kapitulation und damit zum vorzuschieben. Es ist beabsichtigt, diese Flottenteile
Untergang vor der äußersten Kraftanstrengung am Abend des II. Operationstages zur Schlacht zu
drängen lassen? stellen oder sie während ihres Anmarsches in der
Mit der durch das Zugeständnis der Note bewirk- Nacht vom 2. zum 3. Operationstage mit den Torpe-
ten Preisgabe des U-Bootkrieges ohne jede Gegen- dobooten anzugreifen. Zur Unterstützung der
leistung beschreiten wir den letzteren Weg. Hauptaufgabe werden die Anmarschwege des Geg-
Wir würden zudem auf die Stimmung der durch ners von den ostschottischen Häfen nach dem See-
die harten Kämpfe schwer geprüften Armee äußerst gebiet bei Terschelling mit Minen verseucht und
ungünstig einwirken. Ich kann daher der Note in durch U-Boote besetzt werden.”
diesem Punkte nicht zustimmen. Muß die Regierung, Am Folgetag kommt aus den Staaten die Antwort
falls sie sich dieser Ansicht anschließt, damit rech- auf die letzte deutsche Note:
nen, daß die Verhandlungen mit Wilson scheitern, so Die USA stellen fest, daß sie nicht mehr11
muß sie entschlossen sein, den Kampf bis zum letzten “[…] mit den militärischen Beherrschern und
Mann unserer Ehre halber auszukämpfen. monarchischen Autokraten Deutschlands [verhan-
Ich kann mir trotz der ungemein schweren Lage deln werden, sondern nur noch mit] Vertretern des
der Armee keinen anderen Weg denken und hoffe deutschen Volkes.”
fest, daß die Regierung für diesen schweren Ent- Das bedeutet, die Waffen werden erst ruhen, wenn
schluß das ganze Vaterland hinter sich haben wird.” der Kaiser abgesetzt ist und das Militär völlig entmach-
Doch die Regierung, bedrückt von der Verantwor- tet. Andernfalls werde bis zur bedingungslosen Unter-
tung, gedämpft von den neuen Staatssekretären Erzber- werfung weiter gekämpft werden.
ger und Scheidemann, will die geforderte Kraftanstren- Die Kluft zwischen Oberster Heeresleitung und Re-
gung nicht aufbringen. In der Antwortnote vom 20. Ok- gierung vertieft sich zum Bruch. Die OHL hält an ihrem
tober wird die Einstellung des uneingeschränkten U- Entschluß: “Weiterkämpfen, keine Kapitulation” unbe-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 383


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

eindruckt fest. Reichskanzler und Der Nachfolger Ludendorffs ist


Kabinett zeigen sich kriegsmüde. General Groener, ein Name, den
Die SPD fordert offen die Abdan- man nicht mehr kennt.
kung des Kaisers. Am 27. Oktober geht wieder ei-
“Es war klar, die Regierung ne Note der Reichsregierung an
wollte nicht mehr kämpfen”, Wilson ab:
schreibt Ludendorff in seinen Erin- Es wird bekräftigt, daß die Ver-
nerungen.12 handlungen von einer Volksregie-
Am 26. Oktober 1918 kommt es rung geführt werden, wie der Präsi-
zur Auseinandersetzung zwischen dent es verlange. Somit sieht “die
Ludendorff und der Reichsregie- deutsche Regierung […] nunmehr
rung in Gestalt von Vizekanzler von den Vorschlägen für einen Waffen-
Payer. Max von Baden hat sich we- stillstand entgegen, der einen Frie-
gen Migräne abgemeldet. den der Gerechtigkeit einleitet, wie
Wiederholt stellt Ludendorff ihn der Präsident in seinen Kundge-
dem Vizekanzler den Vernich- bungen gekennzeichnet hat.”15
Meuternde Matrosen in Kiel
tungswillen des Feindes vor Augen, “Würdeloser konnte nicht ge-
der durch Nachgiebigkeit eher gesteigert als gemildert sprochen werden”,16 kommentiert Ludendorff.
werde. Vergebens, von Payer hat vergessen, was er Abseits des Tauziehens um den Waffenstillstand
noch vor wenigen Tagen sagte. Als der General von wird an den Fronten mit unverminderter Härte weiter-
“Soldatenehre” spricht, empfindet der Vizekanzler es gekämpft. Die Seekriegsleitung bereitet das Auslaufen
als Reizwort.12 der Flotte in den Kanal vor. Alle verfügbaren Kräfte der
“Ich kenne keine Soldatenehre, ich bin einfacher Marine werden zusammengefaßt, die U-Boote sind vor-
schlichter Bürger und Zivilist. Ich sehe nur das hun- geschoben. Das Auslaufen der Flotte wird auf den 28.
gernde Volk”. Oktober festgesetzt.
Die Hoffnung Ludendorffs auf ein Zusammenstehen
aller Kräfte des Reiches in höchster Not hat getäuscht. Revolution
Für den Vizekanzler ist der Krieg zu Ende. Am 28. Oktober ist die deutsche Kriegsflotte auf der
Nach den Worten: “Dann, Eure Exzellenz, werfe ich Schilling-Reede vor Wilhelmshaven versammelt. Der
Ihnen und Ihren Kollegen die ganze Schmach des Va- Befehl zum Auslaufen wird gegeben. Auf der “Mark-
terlandes ins Gesicht”,13 reicht Ludendorff, der die graf” kommt es zu ersten Gehorsamsverweigerungen.
Kriegslast während der letzten zwei Jahre getragen hat, Diese breiten sich aus. Das Auslaufen wird auf den 30.
seinen Abschied ein. Oktober verschoben.
Ludendorff schreibt:14 Am 30. morgens verweigern die Mannschaften der
“Am Abend des 26.10. fuhr ich nach Spaa zu- Großkampfschiffe “Thüringen” und “Helgoland” das
rück, um meinen Herren, mit denen ich lange Jahre Ankerlichten und verschanzen sich in den Maschinen-
Freud und Leid geteilt hatte, Lebewohl zu sagen und räumen. Die Offiziere haben Hemmungen, die Meuterei
meine persönlichen Angelegenheiten zu ordnen. mit Gewalt zu ersticken, sie wollen nach vier Kriegsjah-
Am 27. mittags war ich im großen Hauptquartier, ren kein weiteres Blutvergießen, nur ca. 1000 der Auf-
nachmittags verabschiedete ich mich. Ich war be- ständischen werden festgenommen. Am 31. Oktober
wegt. Meine Herren und die Armee in diesem schwe- wird das Unternehmen als undurchführbar abgesagt.
ren Augenblicke zu verlassen, griff mich an. Bei Damit ist dem Reich seine letzte noch schlagkräftige
meiner Auffassung, die ich von meiner Stellung als Waffe aus der Hand genommen. Die mit äußerster
Offizier gegenüber meinem allerhöchsten Kriegsher- Kraftanstrengung und wahrem Heldenmut kämpfende
ren hatte, konnte ich nicht anders handeln, als ich es Front im Westen steht allein.
tat, so unendlich schwer es mir wurde.” Die Dinge nehmen nun ungehindert ihren weiteren

v.l.: Meuternde Matrosen in Kiel; Revolutionäre in Magdeburg; Revolutionäre in Berlin

384 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

unheilvollen Verlauf. daß über den Sinn dieser Bedingungen kein Zweifel
Ein Zeitgenosse schreibt:17 bestehen darf. Sie verstehen dadurch, daß Deutsch-
“Schwerlich hätten die Dinge den gleichen Ver- land für allen durch seine Angriffe zu Wasser und zu
lauf genommen, wenn an der ‘Thüringen’ und an der Lande und in der Luft der Zivilbevölkerung der Alli-
‘Helgoland’ ein furchtbares Exempel vollzogen ierten und ihrem Eigentum zugefügten Schaden Er-
worden wäre und wenn dadurch der rücksichtslose satz leisten soll.”
Wille, die Disziplin und Autorität um den äußersten Das bedeutet Reparationen in noch festzulegender
Preis aufrechtzuerhalten, zum Ausdruck gebracht Höhe aufgrund der deutschen Kriegsschuld. Anschlie-
wäre.” ßend wird mitgeteilt, daß der Kommandierende der alli-
Die Flotte wird wieder zerstreut, ein Teil fährt zu- ierten Truppe, Marschall Foch, “von der Regierung der
rück nach Kiel. Vereinigten Staaten und den alliierten Regierungen er-
mächtigt worden ist, gehörig beglaubigte Vertreter der
3. NOVEMBER deutschen Regierung zu empfangen und sie von den
”18
Die Matrosen in Kiel gehen an Land und verlangen Waffenstillstandsbedingungen in Kenntnis zu setzen.
die Freilassung der verhafteten Kameraden. Die Freilas- Durch die Revolution ist die Reichsregierung der
sung wird verweigert, die Matrosen versammeln sich Entscheidung: weiterkämpfen oder kapitulieren, entho-
auf einem Exerzierplatz. Tausende von Arbeitern stoßen ben. Die Forderung Wilsons nach Selbstentwaffnung
dazu sowie die Marinesoldaten aus den Garnisonen. der deutschen Streitkräfte ist bereits erfüllt, die bedin-
Reden werden gehalten, in denen sofortiger Frieden, die gungslose Kapitulation vollzogen.
Abdankung des Kaisers und die sozialistische Republik Eine Waffenstillstandsdelegation wird in Marsch ge-
gefordert werden. Es formiert sich ein Demonstrations- setzt, geführt von dem Staatssekretär des Zentrums,
zug. Wieder gibt es keinen entschlossenen Widerstand. Matthias Erzberger, Ziel ist ein Eisenbahnwaggon im
Nur eine Patrouille fordert: “Auseinandergehen!”. Als Wald von Compiègne.
dies nicht erfolgt, wird geschossen, neun Tote. Die De-
monstranten erschießen den Offizier. 7. NOVEMBER
Damit hat sich die Meuterei zum Aufstand erweitert. Am 7. November sind folgende Städte in der Hand
Die zur Niederwerfung der Revolution beauftragten der Aufständischen:
Truppen werden vom Kieler Stadtkommendanten am Kiel, Wilhelmshaven, Lübeck, Bremen, Hamburg,
Eingreifen gehindert. Die Soldaten schließen sich der Oldenburg, Cuxhaven, Wismar, Warnemünde, Schwe-
Revolution an. Auf den Schiffen und an Land werden rin, Braunschweig, Hannover, Magdeburg, Leipzig,
die Offiziere entwaffnet, die Marinestation, die Garni- Dresden, Weimar, Erfurt, Stuttgart, Köln, die meisten
sonen und die öffentlichen Gebäude der Stadt werden Städte des Ruhrgebietes.
besetzt, man bildet Arbeiter- und Soldatenräte, überall Vertreter der SPD überreichen dem Reichskanzler
wehen roten Fahnen. ein Ultimatum, unverzüglich, und zwar bis zum Mittag
SPD-Funktionäre erscheinen in Kiel nicht, um die des nächsten Tages für die Abdankung des Kaisers und
Revolution, sondern um “das Schlimmste” zu verhin- den Thronverzicht des Kronprinzen zu sorgen, andern-
dern. falls werde die Revolution womöglich die Hauptstadt
ergreifen.
4.-7. NOVEMBER Der Kaiser im Großen Hauptquartier in Spaa will
In den kommenden Tagen schwärmen die Matrosen nicht abdanken. Er überlegt, ob er mit Truppen nach
mit selbstgeschriebenen Urlaubsscheinen zu Tausenden Berlin marschieren und die Revolution niederschlagen
in die deutschen Städte aus. Als hätte man dort auf sie soll.
gewartet, schließen sich überall die Arbeiter und Garni- Die Fürsten werden allerorts zur Abdankung ge-
sonssoldaten den Ankömmlingen an, geführt von Vor- zwungen. Die öffentlichen Gebäude wie Rathäuser,
sitzenden der örtlichen USPD, das sind die Unabhängi- Bahnhöfe, Post werden besetzt. Arbeiter- und Soldaten-
gen Sozialdemokraten Deutschlands, die sich von der räte übernehmen die örtliche Regierungsgewalt. Gene-
SPD abgespalten haben. ralstreiks werden ausgerufen und die Gefängnisse ge-
Keiner der Etappenkommandeure wagt noch einen öffnet, nicht nur für politische Gefangene.
Widerstand. Die stellvertretenden Generalkommandanturen wer-
den aufgelöst, die Depots geplündert. Jegliche Versor-
6. NOVEMBER gung des noch kämpfenden Westheeres ist eingestellt,
Die letzte Antwortnote von Wilsons trifft ein: Eine Verpflegung, Munition und personeller Nachschub sind
weitere Forderung wird erhoben: Die besetzten Gebiete ab jetzt gestrichen. Selbst die Verwundeten und die Ge-
sollen nicht nur geräumt, sondern auch wiederherge- fallenen können nicht mehr in die Heimat abtranspor-
stellt werden. tiert werden. Der Zusammenbruch des vom Nachschub
“Die alliierten Regierungen sind der Ansicht, abgeschnittenen Heeres ist eine Frage von Tagen.

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 385


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

München ist für Matrosen zu weit. Der Vorsitzende Schaffung einer neutralen Zone von 30 bis 40 km
der dortigen USPD, Kurt Eisner, im Zuge der Amnestie Tiefe,
aus der Haft entlassen, organisiert am 7. November auf 6. Auslieferung von 5000 Lokomotiven und 150
eigene Faust den Umsturz: Mit seinen Anhängern zieht 000 Eisenbahnwagen,
er in die Kasernen und fordert die Soldaten zum Mitma- 7. Auslieferung aller Kriegsgefangenen ohne
chen auf. Die Soldaten machen mit und der Revolutio- Recht auf Gegenseitigkeit,
när kann von einem Lastwagen aus verkünden:19 11. Abrüstung aller deutschen Kriegsschiffe, 6
“Die bayerische Revolution hat gesiegt. Sie hat Schlachtkreuzer, 10 Geschwaderpanzerschiffe, 8
den Plunder der Wittelsbacher Könige hinwegge- leichte Kreuzer, 100 Unterseeboote, 50 Zerstörer
fegt.” […] sollen in den Häfen der Verbündeten interniert
Der letzte Wittelsbacher, der greise Ludwig III., ist werden,
bereits geflohen. 12. Die Blockade bleibt aufrechterhalten, deut-
Es werden Waffenläden geplündert, die öffentlichen sche Schiffe, die auf offener See gefaßt werden, blei-
Gebäude besetzt und im Landtagsgebäude Arbeiter-, ben der Beschlagnahme unterworfen.
Soldaten- und Bauernräte gewählt. Vorsitzender ist
Kurt Eisner. 9. NOVEMBER
Der Zeitzeuge kommentiert:20 Ein Jägerbataillon, das zum Schutz von Berlin her-
“Eine Handvoll mäßig bewaffneter Matrosen beigeholt wurde, ist nicht bereit, die alte Ordnung zu
hatte überall genügt, um die höchsten militärischen schützen. Die Revolution kommt in die Hauptstadt.
Dienststellen zu beseitigen und jeden Versuch eines
Widerstandes im Keime zu ersticken. Arbeiter- und 12 UHR MITTAGS
Soldatenräte übernahmen (in den verschiedenen Der Reichskanzler gibt, ohne dazu ermächtigt zu
Städten) die Regierung mit einer Leichtigkeit und sein, die Abdankung des Kaisers bekannt. Anschließend
Selbstverständlichkeit, als sei dies die natürlichste tritt er von seinem Amt zurück und bestimmt Friedrich
Sache der Welt und als sei es eine Kleinigkeit, die Ebert, den Vorstand der SPD-Fraktion, zu seinem
staatliche Ordnung im Lande Friedrichs des Großen Nachfolger.
und Bismarcks im Augenblick der schwersten äuße-
ren Krise, die Deutschland seit Jahrhunderten 14 UHR
durchmachte, aufzulösen.” SPD-Staatssekretär Philipp Scheidemann ruft vom
Es ist, als sei das Reich schon lange von innen her Balkon des Berliner Schlosses der unten versammelten
zerfressen gewesen, so daß es nur noch eines geringen Menge zu:21
Stoßes bedurfte, das Gebäude einstürzen zu lassen. “Das Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt. Das
Alte ist nicht mehr. Es lebe die Republik!”

8. NOVEMBER 10 UHR
Erzberger trifft mit seinem Ge-
folge in Compiègne ein. Er steht vor
Foch, um die Bedingungen für ei-
nen Waffenstillstand entgegenzu-
nehmen. Foch überreicht ein Ulti-
matum: Dieses enthält mit einer
Frist bis zum 11. 11. 12 Uhr die Be-
dingungen für eine Waffenruhe von
30 Tagen. Für den Fall der Nichtan-
nahme ist die Fortsetzung des
Kampfes vorgesehen.
Die Bedingungen sind u.a.:
“[…]
4. Auslieferung von 5000 Ka-
nonen 30000 Maschinengeweh-
ren, 3000 Minenwerfern usw.,
5. Räumung des linken Rhei-
nufers innerhalb von 25 Tagen.
[…] Besetzung der Brückenköpfe
von Mainz, Koblenz und Köln,
auf dem rechten Rheinufer Ausbreitung der Revolution am 9. November 1918

386 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

Das Volk, d. h., Arbeiter geschlossene, feste Front


und Etappensoldaten, hat ge- zu zeigen, um ihm erträgli-
gen die eigene militärische che Bedingungen abzurin-
Führung gesiegt, gegen seinen gen. In dieser Lage haben
Kaiser, nicht aber gegen den sie die weiße Fahne ge-
Feind. hißt.
Der Generalstreik wird Das ist eine Schuld, die
ausgerufen, aus den Kasernen nie vergeben werden kann
strömen die Soldaten, aus den und nie vergeben wird.
Fabriken die Arbeiter auf die Das ist ein Verrat, nicht
Straßen, die Stadt ist schwarz etwa nur an der Monar-
vor Menschen. Auf dem Ber- chie und am Heere, son-
liner Schloß weht die rote dern am deutschen Volk
Fahne. selber, das seine Folgen
durch Jahrhunderte des
16 UHR Niederganges und des
Karl Liebknecht, wie Kurt Elends zu tragen haben
Eisner im Zuge der Amnestie wird.”
aus dem Zuchthaus entlassen, Max von Baden ist von
ruft auch die Republik aus – Karl Liebknecht ruft in Berlin die sozialistische seiner Migräne wieder gene-
die sozialistische. Republik aus sen und schreibt seine Erinne-
In den Abendstunden wird eine provisorische Regie- rungen:24
rung gebildet, der “Rat der Volksbeauftragten” mit je “[…] wenn die Entscheidungsschlacht nun ein-
drei Mitgliedern aus SPD und USPD. Diese Vertreter mal beschlossenen Sache war [die geplante Schlacht
des revolutionären Volkes sind es nun, welche die deut- der Flotte], so war es Pflicht der Flottenleitung, sich
sche Waffenstillstandsdelegation in Compiègne legiti- zum sicheren Glauben an den Sieg hinaufzustimmen.
mieren. Auch die Forderung Wilsons nach Abschaffung Wenn ich nun auch dieser Hochstimmung gegenüber
der Monarchie ist durch die Revolution erfüllt. nüchtern geblieben wäre, so hätte ich doch dem
Grundgedanken des Marineunternehmens zuge-
11. NOVEMBER, 12 UHR stimmt, und zwar aus folgenden Erwägungen her-
Die Delegation in Compiègne unterschreibt die Waf- aus:
fenstillstandsbedingungen. Der Weg zum Diktat von Wenn der Sieg erfochten wurde – und das war
Versailles ist frei, das nun den weiteren Verlauf der Ge- nicht unmöglich bei unserer Führung […] – dann
schichte bestimmen wird. wäre dem bedrängten Heere und der mit täglich
steigender Ungeduld leidenden Heimat ein gewalti-
Reue ger Auftrieb zum Durchhalten gegeben. Nach einem
Die Sieger sind entzückt über ihren schnellen Sieg. deutschen Flottensiege wären Revolution und Kapi-
Der Begriff “Dolchstoß” stammt von dem englischen tulation am 9. und 11. November nahezu eine seeli-
General Maurice, über dessen Auslassungen die Neue sche Unmöglichkeit geworden; […] Wenn aber un-
Zürcher Zeitung berichtet.22 sere Flotte eine ruhmreiche Niederlage erleiden […]
Im Reich kommen die Verlautbarungen der Reue zu
spät.
Die Deutsche Tageszeitung schreibt am 10. Novem-
ber:23
“Worte reichen nicht aus, der Empörung und
dem Schmerze Ausdruck zu geben. […] Das Werk,
das unsere Väter mit ihrem kostbaren Blute erkämpft
– weggewischt durch Verrat aus den Reihen des ei-
genen Volkes! Deutschland, das noch gestern unbe-
siegt war, von Männern, die den deutschen Namen
tragen, seinen Feinden preisgegeben, durch Felonie
aus den eigenen Reihen niedergebrochen in Schuld
und Schande!
Die deutschen Sozialisten wußten, daß der Friede
ohnehin im Werden sei und daß es nur noch gelte,
Wochen, vielleicht nur Tage lang dem Feind eine

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 387


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

würde, so war dennoch die militärisch-politische geblutet und ihr Leben gelassen hatten. Die von den
Zweckmäßigkeit unbedingt zu bejahen. Von der Op- Deutschen vollzogene Zertrümmerung der deutschen
fertat würde eine beschämende Kraft ausgegangen Wehrmacht war ein Verbrechen und von einer Tra-
sein. Ohne Kiel keine Revolution, ohne Revolution gik, wie sie die Welt noch nie gesehen hatte. Eine
keine Kapitulation am 11. November […]. Dann ist Hochflut war über Deutschland hereingebrochen,
es meine Überzeugung, daß sich unser Wille zum aber nicht durch elementare Naturgewalt, sondern
Verzweiflungskampfe nur wenige Wochen hätte zu durch die Schwäche der vom Reichskanzler vertrete-
bewähren brauchen, um den Feinden das Ziel unse- nen Regierung und durch das Erlahmen des nicht
rer Vernichtung zu verleiden. Aus ihren Völkern wä- geführten Volkes […]. Die Welt stand dem allem
re ein übermächtiger Schrei aufgestiegen: staunend gegenüber; sie konnte das Ungeheuerli-
Wir müssen noch HHunderttausende opfern, nur che: diesen Zusammenbruch des stolzen und mäch-
um Fochs Waffenstillstandsbedingungen zu erzwin- tigen Deutschen Reiches, des Schreckens seiner
gen […]. Neue Verhandlungen wären dann wohl Feinde, nicht fassen. […]”
eingeleitet worden. Die Waffenstillstandsbedingun-
gen, die wir dann hätten annehmen müssen, wären Die Vorbereitung
sehr hart gewesen; aber sie hätten, das ist mein Was sind das für Kräfte, welche die Arbeiter- und
Glaube, Deutschland dem Versailler Diktat nicht Soldatenräte in langer unterirdischer Arbeit geschaffen
wehrlos ausgeliefert.” haben?
Ludendorff kann das Ende schwer verkraften. Er Als Wegbereiter der Revolution wird die USPD ge-
schreibt in seinen Kriegserinnerungen:25 nannt, die Unabhängigen Sozialdemokraten. Die USPD
“Am 9. November sank Deutschland bar jeder fe- ist eine Abspaltung der SPD. Beide Parteien fußen auf
sten Hand und bar jeden Willens, seiner Fürsten be- den Lehren des Marxismus und werden zur damaligen
raubt, wie ein Kartenhaus zusammen. Wofür wir ge- Zeit vom Judentum beherrscht.
lebt und jetzt wiederum vier schwere Jahre lang ge-
blutet hatten, verschwand. Wir hatten kein Vaterland Die Rolle des Judentums im deutschen Sozialismus
mehr, worauf wir stolz sein konnten. Die staatliche Der jüdische Anteil am Bolschewismus, der russi-
und gesellschaftliche Ordnung wurde vernichtet. Je- schen Ausprägung des Marxismus, ist 1934 festgestellt
de Autorität hörte auf. Chaos, Bolschewismus und von Hermann Fehst in Bolschewismus und Judentum,
Terror, undeutsch ihrem Wort und Wesen nach, hiel- neuerdings dokumentiert von der jüdischen Schriftstel-
ten ihren Einzug in das deutsche Vaterland. Arbei- lerin Sonja Margolina in Das Ende der Lügen und von
ter- und Soldatenräte waren in der Heimat in langer, Johannes Rogalla von Bieberstein in Jüdischer Bol-
planmäßiger unterirdischer Arbeit vorbereitet und schewismus.
geschaffen. […] Über den jüdischen Anteil an der deutschen Novem-
Die Mehrzahl der Etappentruppenteile, in denen berrevolution von 1918 gibt es bislang keine erschöp-
der Umsturzgedanke schon lange Boden gewonnen fende Darstellung. Von Bieberstein deutet das Thema
hatte, trat auf die Seite der Revolutionäre. […] An an. Eine kurze Einführung mit wichtigem Quellenmate-
der kämpfenden Westfront konnten Soldatenräte mit rial gibt Georg Franz-Willing in Ursprung der Hitler-
höherer Genehmigung nicht schnell geschaffen wer- bewegung.26
den. Die neuen Gewalthaber und ihre bürgerlichen Die folgende Abhandlung will das Thema in be-
Mitläufer verzichteten auf jeden Widerstand und un- scheidenem Rahmen vertiefen.
terschrieben ohne Rechtstitel unsere Kapitulation Seit der Französischen Revolution sind die Juden
auf Gnade und Ungnade einem unerbittlichen Feind. aus ihrer Abgeschlossenheit in den Ghettos befreit.
[…] Das stolze deutsche Heer, das vier Jahre dem Schritt für Schritt haben sie allerorts Gleichberechti-
überlegenen Feind siegreich widerstanden, in der gung bei ihren Gastvölkern erlangt, in Deutschland ab-
Geschichte noch nie Gesehenes vollbracht und die schließend mit dem Gesetz des Norddeutschen Bundes
Grenzen der Heimat geschützt hatte, verschwand. vom 21. Juli 1869, das den Juden alle Staatsämter öff-
Die siegreiche Flotte wurde dem Feind ausgeliefert. net. 1871 wird das Gesetz in die Reichsverfassung
Die heimischen Gewalten, deren Vertreter nie am übernommen.
Feind gekämpft hatten, konnten Deserteure und an- Viele Juden streben die Assimilierung an das Gast-
dere militärische Verbrecher und damit auch zum volk an und treten aus der jüdischen Religionsgemein-
Teil sich selbst und ihre nächsten Freunde nicht schaft aus. Damit haben sie ihr religiöses Fundament
schnell genug begnadigen. Sie und die Soldatenräte verloren, aber das Gefühl, Außenseiter zu sein, ist ge-
arbeiteten mit Eifer und mit entschlossener Absicht- blieben. Die emanzipierten Juden suchen nach einer
lichkeit an der Vernichtung allen militärischen Le- neuen Identität.
bens. Das war der Dank der neu geformten Heimat Seit der ca. 1830 beginnenden Industrialisierung Eu-
an die deutschen Soldaten, die für sie zu Millionen ropas gibt es einen neuen Stand, den Fabrikarbeiter. Die

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Arbeiter leben ohne Heimatgefühl in den wachsenden mit seinem Gott zu versöhnen.
Großstädten, meist unter den ärmlichsten Umständen. So spricht der Herr:28
Ihr einziger Besitz ist ihre Arbeitskraft. Die Staaten ha- “Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel
ben noch nicht vermocht, diesen neuen Stand zu seiner und eine neue Erde; man wird der früheren Dinge
Zufriedenheit in das Staatsgefüge einzugliedern, so nicht mehr gedenken und niemand wird sich ihrer
sammelt sich in den besitz- und heimatlosen “Proletari- mehr erinnern, sondern man wird frohlocken und
ern” mit der Zeit ein Sprengstoff, der die Staaten zum jubeln auf ewig über das, was ich schaffe. Denn sie-
Einsturz bringen könnte. Ein neuer Begriff taucht auf: he, ich wandle Jerusalem zu Jubel um und sein Volk
“Sozialismus”: Gleichheit aller Menschen durch Ab- zu Frohlocken […] und nicht soll man darin fürder
schaffung von arm und reich. hören den Laut des Weinens und den Laut der Klage
1837 veröffentlicht der Rabbinerenkel Moses Heß […] ehe sie [das Volk Israel] rufen, werde ich ant-
das erste sozialistische Buch in Deutschland, die Heili- worten; während sie noch reden, werde ich erhören.
ge Geschichte der Menschheit, in dem der Sozialismus Wolf und Lamm werden einträchtig weiden, und der
mit der alttestamentlichen Heilsgeschichte gleichgesetzt Löwe wird Stroh fressen wie das Rind; doch Staub
wird.27 ist das Brot der Schlange. Nichts Böses und nichts
Heß war auch Förderer eines anderen Rabbineren- Verderbliches wird man tun auf meinem ganzen hei-
kels: Karl Marx, der 1848 das Kommunistische Manifest ligen Berg,”
schreibt, das ursprünglich Kommunistisches Glaubens- Andere Völker werden dem Friedensreich untertan
bekenntnis heißen sollte. 1867 erscheint Das Kapital, sein. So spricht der Herr zu Israel:29
Kritik der politischen Ökonomie. Der Sozialismus wird “Ja, zu mir sammeln sich die Seefahrer, […] dei-
zur Lehre: ne Söhne aus der Ferne zu bringen; ihr Gold und
“Grundlage des menschlichen Seins ist die Mate- Silber führen sie mit für den Namen des Herrn, dei-
rie, sind die Produktionsverhältnisse. Die Produkti- nes Gottes, für den Heiligen Israels, weil er dich
onsverhältnisse bedingen die Entstehung von Klas- verherrlicht. Fremde werden deine Mauern bauen,
sen, die im steten Kampf miteinander begriffen sind. und ihre Könige werden dir dienen; denn in meinem
So ist Geschichte die Geschichte von Klassenkämp- Zorn habe ich dich geschlagen, doch in meiner Huld
fen. Nationen, Staaten Religionen und Weltanschau- mich deiner erbarmt. Deine Tore werden allezeit of-
ungen sind als Folge der Produktionsverhältnisse fenstehen, werden Tag und Nacht nicht geschlossen
sekundär. Derzeit sind die Arbeiter, ist das Proleta- werden, damit die Schätze der Völker zu dir einge-
riat der Welt im Begriff, die Herrschaft der bisher hen unter der Führung ihrer Könige.”
herrschenden Klassen, Adel und Bürgertum, abzu- Ja, zu Israels Beruhigung wird den Völkern, die Is-
schütteln. Dem Bürgertum wird die Bildung von Ar- rael in der Zerstreuung bedrückt haben, gar die Ver-
beitskapital als Ausbeutung des Arbeiters ausgelegt, nichtung angedroht:30
ohne zu berücksichtigen, daß Arbeitskapital für eine “Fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht
funktionierende Produktion notwendig ist und dem der Herr, denn ich bin mit dir. Ich will den Garaus
Arbeitnehmer wieder zufließt oder zumindest zuflie- machen allen Völkern, unter die ich dich verstoßen
ßen sollte. Leih- und Börsenkapital, die Ausbeu- habe; nur dir will ich nicht den Garaus machen.”
tungsmittel der Banken, die lediglich die Betreiber Wenn die Zeit da ist, wird Jahwe, der Gott der Ju-
bereichern, bleiben bei Marx unerwähnt. den, seinen Abgesandten, den Messias senden, um das
Das internationale Proletariat wird aufgefordert, Reich auszurufen:31
durch eine Weltrevolution zunächst die “Diktatur “Ein Reis wird hervorgehen aus dem Stumpf
des Proletariats”, anschließend die klassenlose Ge- Isais, und ein Schoß aus seinen Wurzeln Frucht tra-
sellschaft auszurufen. Die klassenlose Gesellschaft gen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herren.”
verwirklicht den Gedanken der Gleichheit aller Jahwe gebietet jedoch seinem Volk, nichts selber zu
Menschen, kennt keinerlei Abgrenzungen und Herr- ergreifen und geduldig auf den Abgesandten zu warten.
schaftsstrukturen mehr und garantiert als Ende der Karl Marx und seine Anhänger wollen die Erlösung
Geschichte das ewige Friedensreich auf Erden.” des Friedensreiches, aber sie wollen nicht warten. Sie
Die neue Lehre ist Heilslehre, ist jüdische Religion haben dem Gott ihrer Väter den Rücken gekehrt, um
in neuem Gewand: selbst Gott zu sein. Messias ist nicht der Abgesandte
Das religiöse Judentum ist auf ein Ziel ausgerichtet: des Herren, es ist das Proletariat der Welt, Ort des Frie-
das von den Propheten verheißene Friedensreich auf densreiches ist nicht Gottes heiliger Berg, sondern die
dem Zion, dem heiligen Berg des jüdischen Gottes. Das ganze Erde. Der Weg zum Heil ist die Weltrevolution,
Friedens- und Gottesreich wird am Ende der Zeiten in d. h., der Erlösung muß die Auflösung aller Dinge vor-
Erscheinung treten, um das stets von der Schuld des angehen.32 Die Weltrevolution wird nicht durch Gott ins
Ungehorsams gegen seinen Gott bedrückte jüdische Werk gesetzt, sondern durch menschliches Tun, durch
Volk von dieser Schuld zu erlösen, d. h., es endgültig die Zersetzung des Bestehenden, um aus den Einzeltei-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 389


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

len das Neue zu schaffen. der Marxismus.


Zersetzung heißt: einem 1878 wird das Sozialisten-
Ganzen das Gerüst nehmen. gesetz erlassen, die Partei ist
Die Menschen leben in Völ- aufgrund ihrer staatsfeindli-
kern, und ihr Gerüst ist das chen Lehren unter Ausnahme-
Gefühl der Zusammengehö- gesetz gestellt. Nur die Reichs-
rigkeit aufgrund der gleichen tagsfraktion besteht weiter.
Abstammung und eine auf Die Partei geht in den Unter-
Tradition beruhende Ordnung grund und gewinnt weiter neue
des Zusammenlebens. Das, so Mitglieder.
sagen die Zersetzer, müsse den Auf Betreiben Bismarcks
Menschen genommen werden, werden für die Arbeiter im
um sie, jeglichen Haltes be- Deutschen Reich soziale Ver-
raubt, zu dem Neuen wieder besserungen durchgesetzt, die
zusammenschweißen zu kön- Nahum Goldmann, geb. 1895 in Litauen, sie bei Unfall, Krankheit und
nen. gest. 1982 im Alter absichern: die gesetz-
Der Jude Nahum Gold- liche Unfall- Kranken- und
mann, obwohl kein Marxist, träumt im Jahre 1915 Rentenversicherung.
schon als Zwanzigjähriger den jüdischen Erlö- Seit 1882 wird den rechtlich und wirtschaftlich
sungstraum: schlecht gestellten Juden Rußlands die Auswanderung
“So besteht denn die erste Aufgabe unserer Zeit ermöglicht. In einem anwachsenden Strom wandern die
in der Zerstörung: alle sozialen Schichten und ge- sog. Ostjuden gen Westen, meist nach den USA. Eine
sellschaftlichen Formungen, die das alte System ge- Anzahl bleibt in Deutschland. Dort fühlen sie sich dop-
schaffen hat, müssen vernichtet, die einzelnen Men- pelt heimatlos und oft nur von den Erneuerungs- und
schen müssen aus ihren angestammten Milieus her- Umsturzideen der unterdrückten Partei verstanden.
ausgerissen werden; keine Tradition darf mehr als 1890 wird das Sozialistengesetz aufgehoben. Die
heilig gelten; das Alter gilt nur als Zeichen der Partei nennt sich fortan Sozialdemokratische Partei
Krankheit; die Parole heißt, was war, muß weg.” Deutschlands, SPD. Sie bekommt vor allem Zulauf von
Das Medium des Zerstörungswerkes ist für ihn nicht jüdischer Seite. Die jüdischen Mitglieder sind keine Ar-
die Weltrevolution, sondern:33 beiter, sondern der sog. Bourgeoisie zugehörende Intel-
“Die Kräfte, die diese negative Aufgabe unserer lektuelle, welche die geistige Führung der Partei über-
Zeit ausführen, sind: auf dem wirtschaftlich-sozialen nehmen. Parteivorsitzende sind August Bebel und der
Gebiet der Kapitalismus, auf Jude Paul Singer. Trotz der staatli-
dem politisch-geistigen die De- chen Fürsorge wendet der weiter
mokratie.” wachsende Arbeiterstand sich unter
Für viele Juden wird die marxi- der jüdischen Führung den marxi-
stische Heilslehre zur neuen Hei- stischen Lehren zu. Die SPD be-
mat. Mit Energie machen sie sich kommt auf Anhieb 19,7 % der
daran, den erwählten Messias, das Stimmen. Die Revolution jedoch
Proletariat, mit der ihm zugedachten bleibt aus.
Aufgabe bekannt zu machen. 1912 ist das Proletariat noch
Das Proletariat hat nichts zu ver- immer revolutionsresistent, doch die
lieren, es greift zu. Zentrum der Lehren greifen weiter. Die SPD ist
neuen Lehre ist Deutschland. die stärkste Partei im Reich. Sie be-
1863 gründet der jüdische Histo- kommt 34 % der Wählerstimmen.
riker und Philosoph Ferdinand Las- Von den 110 SPD-Reichstagsabge-
salle den “Allgemeinen Deutschen ordneten sind 14 jüdischer Her-
Arbeiterverein”. kunft. 11 von ihnen sind Akademi-
1869 gründen August Bebel und ker, meist Juristen. Von den nicht-
Wilhelm Liebknecht in Eisenach jüdischen SPD-Abgeordneten haben
auf der marxistischen Grundlage die nur noch acht akademische Bildung.
Sozialdemokratische Arbeiterpartei. August Winnig, ein zeitgenössi-
1875 werden beide Parteien in scher Gewerkschaftsführer, schreibt
Gotha zur Sozialistischen Arbeiter- 1925:34
partei Deutschlands vereinigt. “Es kommt nicht darauf an,
Grundlage der Partei ist weiterhin Paul Singer, 1844-1911 wie groß die Zahl der Juden in

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Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

Eduard Bernstein, 1850-1932 Oskar Cohn, 1869-1934 Ludwig Frank, 1874-1914 Georg Gradnauer, 1866-1946

Hugo Haase, 1863, Otto Landsberg, 1869-1957 Paul Levi, 1883-1930 Karl Liebknecht, Halbjude,
starb am 7. November 1919 Sohn von Wilhelm Liebknecht,
an den Folgen eines Attentats. geb. 1871, ermordet 1919
der sozialistischen Bewegung ist. Wichtiger als die- hann Plenger, Kurt Rosenfeld, Hugo Simon, Hugo
ser zahlenmäßige Anteil ist ihr Einfluß.” Sinzheimer, Arthur Stadthagen, Friedrich Stampfer,
Einige der jüdischen Abgeordneten der SPD im Franz Staudinger, Ewald Vogtherr, Karl Vorländer, Al-
Reichstag sind in der nachfolgenden Tabelle mit Por- fred Wolfenstein
trait wiedergegeben. Weitere jüdische SPD-Abgeordne- Die wichtigsten Parteiorgane waren:
te, hier ohne Portrait, waren: Max Cohen-Reuß; Georg Überregionale Presse: Vorwärts, Sozialistische Mo-
Davidssohn; Joseph Herzfeld; Gustav Hoch; Richard natshefte, Neue Zeit, Die Weltbühne, Lichtstrahlen, Die
Lipinski; Emanuel Wurm. Glocke.
Daneben arbeiten Juden als Parteifunktionäre in den Regionale Presse: Leipziger Volkszeitung, Münchner
Büros des Parteivorstandes, in der Parteischule, in den Post, Sächsische Arbeiterzeitung, Hessische Landes-
Schriftleitungen der Parteipresse und auf lokaler Ebene. post, Fränkische Tagespost.
Folgende Liste der für die Partei tätigen Juden erhebt In München, im Schwabinger Café Stefanie, vom
keinen Anspruch auf Vollständigkeit: Volksmund “Café Größenwahn” genannt, träumen jüdi-
Leo Arons, Siegfried Aufhäuser, Leo Baeck, Paul sche Poeten davon, die alte Welt in Trümmer zu legen:
Blumenthal, Otto Braun, Robert Breuer, Hermann Co- Erich Mühsam, Gustav Landauer, Ernst Toller, Kurt
hen, Hermann Duncker, Otto Flake, Adolf Gabor, Al- Eisner.
fons Goldschmidt, Hans Goslar, Hugo Heimann, Alex- Dazu kommen eine Reihe jüdischer Literaten mit so-
and Israel Helphand (Pseudonym: Parvus), Berthold zialistischer Ausrichtung: Franz Werfel, Arnold Zweig,
Heymann, Rudolf Hilferding, Paul Hirsch, Johann Ja- Carl Sternheim, Alfred Döblin.
coby, Leo Jogiches, Julian Kaliski, Simon Katzenstein, Die Gründe, warum sich jüdische Intellektuelle vom
Karl Kautsky, Max Kayser, Samuel Kokosky, Theodor Sozialismus angezogen fühlen, sieht der zeitgenössi-
Lessing, August Levin, Eugen Leviné, Gabriel Löwen- scher Gewerkschaftsführer August Winnig so:35
stein, Rosa Luxemburg, Julian Marchlewski, Ludwig
Marun, Franz Mehring, Ernst Meyer, Friedrich Muckle,
Paul Natorb, Pseudonym: Parvus, Johann Plenger, Jo-
Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 391
Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

Otto Braun, 1900-1974 Eugen Leviné, geb. in Peters- Leo Jogiches, geb. 1867 in August Thalheimer, 1884-
burg 1883, hingerichtet 1919 Wilna, gest. 1919 im Gefäng- 1941
nis

Franz Mehring, 1846 -1919 Karl Kautsky, geb. 1854 in Rosa Luxemburg, 1871 in Clara Zetkin, 1857-1933
Prag, gest. 1938 Zamosc, Polen, ermordet
1919
“Verhältnismäßig früh ist mir aufgefallen, daß lutionären Gesinnung so gut vertrage.
die in der sozialistischen Bewegung tätigen Juden, Im folgenden Jahr führten mich Tarifverhandlun-
die ja fast ausnahmslos Intellektuelle waren, von den gen im Reichstaggebäude zufällig mit Karl Lieb-
Arbeiterfragen im engeren Sinne nicht berührt wur- knecht zusammen. Es ergab sich, daß ich ihm er-
den und sich langweilten, wenn man sie mit ihnen zählte, wie wir bei den langwierigen Verhandlungen
besprach. Für die Hebung der wirtschaftlichen Lage gefahren seien […]. Nie kann ich vergessen, wie ge-
der Arbeiter hatten sie kein reizt mich dieser unglücklich
Interesse, und es war ihnen veranlagte Mann anfuhr:
geradezu unangenehm, daß Das sei das Linsengericht,
es dergleichen gab. Im Jahre wofür wir das Erstgeburts-
1912 unterhielt ich mich mit recht der proletarischen Re-
Frau Rosa Luxemburg über volution verkauften. Ich ließ
die Frage, ob die Arbeiter- ihn nicht aus den Fingern
bewegung zu einer Revoluti- und setzte ihm zu: er solle
on treiben oder ob sie sich einmal mit mir durch Thü-
durch den kulturellen und ringen oder Oberschlesien (
politischen Aufstieg der Ar- das waren die Länder der
beiter durchsetzen würde. niedrigsten Löhne) und Hol-
Zu meinem Erstaunen be- stein oder Nordhannover
stritt sie die Tatsache des (Gebiete mit hohen Löhnen)
Aufstiegs glattweg und war reisen und sich die Wohnun-
überzeugt, daß wir Gewerk- gen und Lebensweise der
schaftsführer einen Aufstieg Bauarbeiter ansehen und sie
nur darum behaupteten, weil miteinander vergleichen; er
er sich mit unserer antirevo- würde dann erkennen, daß

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Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

Erich Mühsam 1878-1934 Gustav Landauer, geb. 1870, Ernst Toller, geb. 1893 Sa- Kurt Eisner, geb. 1867, er-
1919 erschossen motschin/Posen, gest. 1939 mordet 1921

Franz Werfel, geb. 1890 in Arnold Zweig, 1887-1968 Carl Sternheim 1878-1942 Alfred Döblin, 1878-1957
Prag, gest. 1945

jenes Linsengericht einen Kulturfortschritt gebracht tionärer Spannung erhöhte.”


habe, der schon äußerlich festzustellen sei. Lieb-
knecht bestritt das und rief zuletzt, er pfeife auf den Zurück zu den Wurzeln: Die Unabhängigen
Kulturfortschritt. 1914 bricht der Krieg aus, der sich zum Weltkrieg
Immer wieder habe ich mich überzeugen müssen, weitet. Der Krieg ruht auf den Schultern des dank Eng-
daß diesen Menschen das wirkliche Leben der Ar- lands Blockade hungernden “Proletariats”, es ist für die
beiter gleichgültig war. Ich habe jetzt in dem Brief- Revolution empfänglicher geworden.
wechsel eines verstorbenen Freundes viele Briefe Zunächst schließt die SPD in der anfänglichen
dieser jüdischen Literaten durchgesehen, Briefe der Hochstimmung mit den alten Mächten den “Burgfrie-
Frau Luxemburg, Briefe von Trotzki, Radek, Karski, den” und stellt sich entgegen ihrer Grundsätze auf den
Marchlewski und anderen. Wenn in diesen Briefen, Boden der Vaterlandsverteidigung. Sie stimmt am 4.
die sich alle mit Angelegenheiten der sozialistischen August 1914 geschlossen den Kriegskrediten zu. Der
Bewegung beschäftigen, doch auch nur einmal vom Parteivorsitzende Hugo Haase ruft aus:
Arbeiter die Rede wäre! Nicht einmal das Wort “Wir lassen das Vaterland in der Stunde der Ge-
kommt in ihnen vor. Der Arbeiter ist ihnen im Inner- fahr nicht im Stich.”
sten gleichgültig – er ist ihnen nur Sockel, auf dem Der linke Parteiflügel aber will sich nicht verstellen,
sie stehen, er ist ihnen nur Mittel und niemals zu verführerisch lockt das Morgenrot der Revolution.
Zweck. Schon am nächsten Tag gründet Rosa Luxemburg mit
Was den jüdischen Intellektuellen von jeher an- ihren Gesinnungsgenossen die später als “Spartakus-
gezogen hat, sind, nach meiner Überzeugung, haupt- bund” bekannte “Gruppe Internationale”. Die Gruppe
sächlich die in der sozialistischen Bewegung liegen- wird von Juden dominiert.
den revolutionären Möglichkeiten. Allen jüdischen Am 2. Dezember 1914 stimmt Karl Liebknecht zu-
Sozialisten war ein Gefühl des Gegensatzes zur nächst als einziger Abgeordneter gegen weitere Kredite.
volkhaft-deutschen Lebensordnung eigen, alle lebten Die SPD gibt sich entsetzt, am 23. Februar des fol-
sie aus einer Grundstimmung des Gegensatzes, die genden Jahres aber läßt sie einen ihrer Abgeordneten im
sich in den leichter entzündlichen Köpfen zu revolu- “Vorwärts” schreiben:36

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Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

“Ich bekenne ganz offen, daß ein voller Sieg des Die neue Partei steht offen auf dem Boden der alten
Reiches den Interessen der Sozialdemokratie nicht marxistischen Ziele. Beendigung des Krieges ist Mittel,
entsprechen würde.” nicht Zweck.
Im Mai 1915 ist Italien gegen die Mittelmächte in Am 12. April wird ein Aufruf erlassen, der die neue
den Krieg eingetreten. Liebknecht reagiert mit seinem Richtung angibt und daher hier vollständig wiedergege-
Flugblatt: ben werden soll:38
“Der Hauptfeind steht im eigenen Land”. “Aufruf!
Darin heißt es:37 Die Opposition der Sozialdemokratischen Partei
“Italiens Eingreifen in den Krieg soll ihnen (den Deutschlands hat sich Ostern 1917 in Gotha zu ei-
deutschen und österreichischen Imperialisten) die ner einheitlichen Organisation zusammengeschlos-
willkommene Gelegenheit bieten, neuen Taumel des sen unter dem Namen:
Völkerhasses zu entfachen, den Friedenswillen zu Unabhängige Sozialdemokratische Partei
ersticken, die Spur ihrer eigenen Schuld zu verwi- Deutschlands.
schen. Unabhängig gegenüber der Regierungspolitik,
Würde der saubere Plan glücken, das Ergebnis unabhängig gegenüber der der bürgerlichen Partei-
zehnmonatiger blutiger Erfahrung wäre zu nichts, en, unabhängig gegenüber den Regierungssoziali-
das internationale Proletariat stände wiederum ent- sten, wird die neugeschlossene Organisation zielbe-
waffnet da, völlig ausgeschaltet als selbständiger wußt eine selbständige sozialdemokratische Politik
politischer Faktor.” treiben.
Die SPD geniert sich, hält sich aber bedeckt. In einer Zeit der tiefsten wirtschaftlichen, politi-
Im August des Jahres sind es schon 20 Abgeordnete, schen und gesellschaftlichen Umwälzungen wird sie
die gegen die Kriegskredite stimmen. die Massen des deutschen Proletariats sammeln im
Im März 1916 gründen die SPD-Reichstagsabgeord- Geiste der Internationale zur Beschleunigung des
neten, welche die Vaterlandsverteidigung nicht mehr Friedens.
mittragen wollen, die “Sozialdemokratische Arbeitsge- Es gilt die Volksmassen zurückzuführen auf den
meinschaft”. Es sind mehrheitlich Juden. Weg, den uns Marx, Engels und Lassalle gewiesen,
Am 1. Mai 1916 veranstaltet Karl Liebknecht auf auf dem uns August Bebel, Wilhelm Liebknecht und
dem Potsdamer Platz eine öffentliche Kundgebung, um Paul Singer jahrzehntelang ruhm- und siegreich ge-
zur Front abgestellte Soldaten zum Desertieren aufzuru- führt haben. Ihr Werk mit Hingebung und Tatkraft
fen. Das Maß ist voll. Karl Liebknecht verbringt den nicht nur fortzuführen, sondern auch fortzubilden
weiteren Verlauf des Krieges im Zuchthaus, von wo er zur Verwirklichung der Demokratie und des Sozia-
mit Hilfe seiner Genossen jedoch unerschrocken weiter lismus zur endgültigen Befreiung der Menschheit
zum Klassenkampf aufruft. Da sich Rosa Luxemburg von Kriegsschrecken und Kriegsgreueln – das ist
inzwischen ebenfalls in Haft befindet, übernimmt der unsere Aufgabe.
polnische Jude Leo Jogiches die Führung des Sparta- In dem erhebenden Bewußtsein, daß in Gotha die
kusbundes. alte Sozialdemokratie neu erstanden ist,werden
Im “Steckrübenwinter” 1916/17 verhungern eine Hunderttausende den neuen unabhängigen Organi-
dreiviertel Million Menschen. sationen zuströmen, die schon bestehen oder in allen
Im Februar wird erstmalig in Kreisen zur Bildung gelangen
Rußland revoltiert. Der Zar muß werden.
abdanken. Der Krieg gegen HEILIGE NACHT Alle, die den Glauben an
Deutschland geht weiter. Erich Mühsam die Sozialdemokratie verloren
Am 6. April erklären die USA Geboren ward zu Bethlehem haben, als sie voll Schmerz
den Mittelmächten den Krieg. Ein ein Kindlein aus dem Stamme Sem. sahen, wie die Partei die alten
deutscher Sieg ist in weite Ferne Und ist es auch schon lange her, Grundsätze preisgab und zu
gerückt. Am gleichen Tag grün- seit’s in der Krippe lag, einer nationalsozialen Regie-
den die Mitglieder der “Sozial- so freun sich doch die Menschen sehr rungspartei wurde, werden mit
demokratischen Arbeitsgemein- bis auf den heutigen Tag. Hoffnungsfreudigkeit und Zu-
schaft” in Gotha eine eigene Par- Minister und Agrarier, versicht Mitglieder der neuen
tei, die “Unabhängige Sozialde- Bourgeois und Proletarier Organisation werden, um den
mokratische Partei Deutsch- es feiert jeder Arier Kampf für das aufzunehmen
lands”, USPD. Vorsitzender ist zu gleicher Zeit und überall und weiter zu führen, wofür sie
Hugo Haase. Der “Spartakus- die Christgeburt im Rindviehstall. früher ihre besten Kräfte ein-
bund” tritt der neuen Partei bei. (Das Volk allein, dem es geschah, gesetzt, wofür sie gelebt haben
Die SPD-Mitglieder bleiben als das feiert lieber Chanukah.) – für die hohen Ideale des So-
“Mehrheitssozialisten” zurück. zialismus.

394 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

Willi Münzenberg, Alfred Hermann Fried, Karl Radek, geb. 1885 in Adolf Joffe, geb. 1883
1889- 1940 1887-1921 Lemberg, gest. 1939 im so- in Rußland, 1927
wjetischen Gefängnis Selbstmord, um der
Hinrichtung unter Stalin
zu entgehen.

Genossen und Genossinnen! Wir, die Unter- Genossen, Genossinnen! Das Eisen glüht!
zeichneten, sind von der Konferenz in Gotha mit der Frisch ans Werk, es zu schmieden!
Leitung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Berlin, den 12. April 1917
Partei betraut worden. In dieser schicksalsschweren Die Zentralleitung der Unabhängigen Sozialde-
Zeit, in der wir unser verantwortungsvolles Amt mokratischen Partei Deutschlands.”
übernehmen, können wir es nur dann mit Erfolg Der Aufruf ist Aufforderung zum Hochverrat. Er ist
ausüben, wenn wir der freudigen, entschlossenen, jedoch verfaßt in einer Sprache, die in Deutschland ver-
zähen Mitarbeit der Genossen und Genossinnen si- standen wird: “Verantwortung, Einsatz, Kampf für die
cher sind. gute Sache”, auch die Reichsführung spricht diese
Werdet Anhänger für unsere Sache. Sprache, die Menschen, auf denen die Last des Krieges
In unablässiger Arbeit. Gründet Organisationen ruht, verlieren die Orientierung.
für die Verbreitung und Durchführung unserer Unverständlich erscheint, daß das gegen eine Welt
Grundsätze in jedem Wahlkreise, in dem sie noch von Feinden ringende Reich nicht die Kraft aufbringt,
nicht bestehen, und baut die bestehenden mit Eifer dieser Front in den eigenen Reihen Einhalt zu gebieten.
aus. Schwierigkeiten, die sich hier und da Euch ent- Im Reichstag gibt die SPD den Ton an. Irrlichternd zwi-
gegenstellen, werdet Ihr unerschrocken überwinden! schen Reichstreue und verschämten Umsturzträumen
Wir sind überzeugt, Wir appellieren nicht vergeblich läßt sie die zu den alten Grundsätzen Zurückgekehrten
an den Mut und die Ausdauer der erprobten Kämp- erst mal machen. Nicht alle Juden sind zu den Unab-
fer für die Wiedergeburt der deutschen Sozialdemo- hängigen übergegangen, viele sind in der SPD geblie-
kratie. ben, z. B. Otto Braun, Otto Landsberg, Gustav Hoch.
Auf dem Frauentage, der in der Zeit vom 2. bis 5. Eduard Bernstein ist nach einem kurzen Zwischenauf-
Mai stattfindet, werden die Frauen ihre Forderun- tritt in der USPD wieder heimgekehrt.
gen erheben für ihre Gleichberechtigung, für ihren Die anderen Mehrheitsparteien, das Zentrum und die
und ihrer Kinder Schutz, für die Beendigung des ent- Freisinnigen, geben sich uninteressiert. Die Regierung
setzlichen Kriegsgemetzels! schlingert im Kielwasser des Reichstages kraftlos dahin.
Genossen! Genossinnen! Wir wissen es: wir ap- Es gibt keinen energischen Kriegskanzler wie in Eng-
pellieren auch nicht vergeblich an Eure altbewährte land und Frankreich, wo Lloyd George und Clemenceau
Opferwilligkeit. Trage jeder nach seiner Leistungs- jede Form von Verrat mit härtesten Strafen belegen –
fähigkeit dazu bei, daß wir nicht aus Mangel an Mit- und siegen!
teln einen Teil der gewaltigen Aufgaben, die uns ge- So nehmen die Dinge im Reich weiter ihren Lauf.
stellt sind, unerfüllt lassen müssen. Die regelmäßige Die Frauen fühlen sich von den Unabhängigen verstan-
Beitragsleistung genügt nicht. den. Die Arbeiter in den Fabriken ballen die Faust, die
Sorgt für die Aufbringung außerordentlicher Mit- Soldaten in den Garnisonen fühlen sich stark zum
tel durch Marken, Bons, Sammellisten! Kampf gegen die Vorgesetzten, die Kämpfer an der
Ihr wißt, daß die gesammelten Geld nicht, wie es Front horchen auf, falls ihnen im Kugelregen Zeit
in den letzten Jahren seitens der Regierungssoziali- bleibt.
sten geschah, dazu verwendet werden, um eine Euch Überall in den Regionen entstehen aktive Ortsgrup-
schädliche Politik zu treiben, sondern zur Förderung pen, die folgenreichste in München, geführt von dem
einer unabhängigen und selbständigen sozialisti- Schwabinger Poeten Kurt Eisner.
schen Politik. Die Partei ist unter dem Vorsitz von Hugo Haase im

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 395


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

Reichstag vertreten und eilt, ohne noch ernsthaft gehin- dem als jüdische Mitglieder Rudolf Goldscheidt, Her-
dert zu werden, auf den Flügeln von Hunger und mann Fried, Simon Bernfeld und die jüdischen Emi-
Schlachtentod dem Friedensreich entgegen. All die Agi- granten Richard Grelling und Hermann Fernau angehö-
tation der Unabhängigen im einzelnen zu beschreiben, ren.
würde Bände füllen.39 In diesem Rahmen kann nur ein Organ des bürgerlichen Pazifismus ist die kurz nach
kleiner Einblick in die Vorbereitungsarbeit der Novem- der USPD-Gründung am 14. April 1917 in Bern ge-
berrevolution gegeben werden. gründete Freie Zeitung. Unabhängiges Organ für De-
mokratische Politik.
Hilfen von draußen Das Blatt wird massenweise im Reich verteilt.
Die USPD steht nicht allein, von allen Seiten wird
ihr Hilfe zuteil.40 England
England, das Mutterland der Kriegspropaganda, hat
INTERNATIONALER SOZIALISMUS im Ersten Weltkrieg die Waffen der Verleumdung zur
Das Büro des Internationalen Sozialismus befindet Perfektion gesteigert.44 Lord Northcliffe, ab Beginn des
sich in Stockholm und wird dort von der aus der Ukrai- Jahres 1918 der führende Kopf im Propagandaministe-
ne stammenden Jüdin Angelika Balabanoff betreut, rium, bestimmt die Richtung: Das deutsche Volk, so
welche die Partei mit Nachrichten und Ratschlägen ver- sagt er, stehe auf Humanität. Es müsse ihm daher klar
sorgt. gemacht werden, daß der Krieg allein von der gewalttä-
tigen Rücksichtslosigkeit seiner herrschenden Klassen
INTERNATIONALES JUGENDSEKRETARIAT verschuldet sei und daß es Pflicht des Volkes sein müs-
Seit April 1915 gibt es in der Schweiz eine soziali- se, sich dieser Klassen zu entledigen. Dann aber sei ihm
stische internationale Jugendorganisation, geleitet von ein Frieden des Wohlstandes und des Wiederaufbaues
dem Juden Willi Münzenberg. Hier kümmert man sich sicher.
um den sozialistischen Nachwuchs aus Deutschland.41 Zwischen England und der USPD kommt es zu einer
gedeihlichen Zusammenarbeit. Dank Englands finan-
DESERTEURE zieller Unterstützung kann tonnenweise Propagandama-
In Holland wird eine Zentrale zur Unterstützung der terial im neutralen Ausland gedruckt werden, um im
deutschen Deserteure eingerichtet. Das Organ: Der Reich verteilt oder von englischen Flugzeugen über
Kampf. Revolutionär-Sozialistisches Wochenblatt, wird Front und Etappe millionenfach abgeworfen zu werden.
illegal im Reich verteilt. Tausende gehen der Front ver-
loren. Kontaktperson für die Kriegsscheuen ist der USA
USPD-Vorsitzende Hugo Haase.42 Präsident Wilson, von jüdischen Beratern gestützt,
Einer der zeitgenössischen Autoren gehörte selbst zu arbeitet im Sinne der Freimaurerei für die Errichtung
den Deserteuren. Er hatte eine Eingabe vorbereitet, um einer Weltrepublik. Der Krieg ist für ihn45
der Einberufung zum Heeresdienst nicht Folge leisten “ein Kreuzzug für eine Demokratie […], deren
zu müssen:43 Anwendung schließlich alle Tatsachen und Kräfte
“Auf Anraten des Reichstagsabgeordneten Haa- des Lebens umfassen wird – alle moralischen und
se, mit dem ich wiederholt gesprochen hatte, schick- sozialen und ökonomischen Beziehungen; eine De-
te ich die Eingabe nicht ab, weil er mir riet, mich mokratie, großartig, die eine Annäherung an die
zunächst ruhig einziehen zu lassen, um dann in der frühchristliche Idee des Himmelreichs auf Erden
Etappe, wo es am leichtesten wäre, zu verschwin- sein wird.”
den.” Aufgrund ähnlicher Ziele unterhält der Präsident
Und so geschah es. zum Sozialismus brüderliche Beziehungen. Reiche Mit-
tel fließen auf seine Veranlassung den Umstürzlern im
BÜRGERLICHER PAZIFISMUS Deutschen Reich zu.46
Der USPD brüderlich gesonnen ist der bürgerliche
Pazifismus, der verdeckt für den Sieg der Entente arbei- Rußland
tet. Seit Februar 1917 ist in Rußland die Macht zwi-
Auch hier ist das Judentum überproportional vertre- schen Volksvertretung und sozialistischen Räten geteilt.
ten. Die Regierung führt den Krieg weiter.
Mittelpunkt eines Berliner Kreises bürgerlicher Pazi- Am 9. April sind Lenin und sein Gefolge mit deut-
fisten ist der jüdische Präsident der Nationalbank, Ge- scher Hilfe aus der Schweiz über die russische Grenze
heimrat Richard Wittig. Aus dem Kreis fließen der gereist, um den totalen Umsturz zum Sozialismus und
USPD geistige Unterstützung und beträchtliche Sum- damit das Ausscheiden der Russen aus dem Krieg zu
men zu. Im gleichen Sinne arbeitet der im November erzwingen. Das Werk gelingt.
1914 in Berlin gegründete “Bund Neues Vaterland”, Zur Errichtung des Heilsreiches der Werktätigen

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Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

werden die russischen Oberschichten so gut wie ausge- die Tapferkeit am Bayernband,
löscht. Es sterben im Verlauf der kommunistischen mit Gott, mit Gott, mit Gott,
Machtkämpfe weit mehr Menschen als in den Weltkrie- mit Gott für König und Vaterland.
gen zusammen, im Ganzen ca. 80 – 100 Millionen.
Lenin ist Vierteljude, seine Mitstreiter sind Juden.47 Stillgestanden! Hoch die Beine!
Die Deutschen, Regierung und OHL, handelten aus Augen gradeaus, ihr Schweine!
Not, als sie Lenin und seinen Genossen die Reise nach Visitiert und schlecht befunden.
Rußland ermöglichten. Hätte man damals, 1917, das Keinen Urlaub. Angebunden.
Ausmaß des Mordens voraussehen können, das durch Strafdienst extra sieben Stunden.
Lenin entfesselt wurde? So lebt der edle Kriegerstand.
Der Fluch der Tat schlägt umgehend auf das Reich Jawohl, Herr Oberleutenant!
zurück. Das neu entstandene russische Arbeiter- und Und zu Befehl, Herr Leutenant!
Bauernparadies wird in Berlin durch den jüdischen Bot- Mit Gott, mit Gott, mit Gott,
schafter Adolf Joffe vertreten. mit Gott für König und Vaterland.....
Dieser sucht und findet Kontakt zur USPD, um sie
zentnerweise mit Propagandamaterial und mit Finanzen STREIK
zu versorgen. Mittelsmann ist der jüdische USPD- Schon Ende Juni 1916 war in Zentren der Rüstungs-
Abgeordnete Oskar Cohn. industrie Berlin, Stuttgart, Bremen und Braunschweig
Die russischen Juden Karl Radek und Pawel Axelrod zum ersten Mal gestreikt worden.
schließen sich der marxistischen Bewegung in Deutsch- In Gotha hat die USPD den Streik als Mittel zur
land an. Durchsetzung ihrer Ziele bezeichnet.
Das Reich hat sich der Ostfront entledigt. Die Front Am Gründungstag der Partei, am 6. April 1917, wird
im Inneren hat zugelegt. ein zweites Mal zum Streik aufgerufen, diesmal in der
Rüstungsindustrie von Berlin und Leipzig. In Leipzig
Das Werk wird ein Arbeiterrat gewählt. Die OHL wünscht harte
FLUGBLÄTTER Maßnahmen. Regierung und Reichstag halten sich be-
Eine Sturzflut von Flugblättern ergießt sich seit deckt. Die SPD zeigt sich verständnisvoll. Der jüdische
Sommer 1917 über das Reich, um den Hungernden und SPD-Abgeordnete Gustav Hoch sagt im Reichstag:48
Sterbenden zuzurufen: Nicht die Feinde Deutschlands “Für Befehle von einer militärischen Stelle ha-
sind schuld an eurem Elend, es sind der Kaiser, die Ge- ben die Arbeiter kein Verständnis, sie lachen über
neräle, die verdammten Großbürger und die eingebilde- eine solche Sprache. Damit könne man ihnen nicht
ten Offiziere. imponieren.”
Erich Mühsam, die nicht an der Front war, erstellt Dennoch können die militärischen Behörden den
weiter Poesie im Café Größenwahn: Streik unter Kontrolle bringen.
Im Januar 1918 plant die OHL die Frühjahrsoffensi-
Kriegslied ve, die letzte Chance für einen Sieg.
Von Erich Mühsam Am 27. Januar rufen führende Mitglieder der USPD,
darunter Hugo Haase, zum Generalstreik auf. Mitbetei-
Sengen, brennen, schießen, stechen, ligt sind die Münchner Unabhängigen Kurt Eisner und
Schädel spalten, Rippen brechen, Ernst Toller. Am nächsten Tag beginnt der großen Mu-
spionieren, requirieren, nitionsarbeiterstreik, in allen Teilen des Reiches legen
patrouillieren, exerzieren, Hunderttausende von Arbeitern die Arbeit nieder, in
fluchen, bluten, hungern, frieren ... Berlin, Hamburg München, Kiel, Bremen, Danzig,
So lebt der edle Kriegerstand, Breslau, Bielefeld, Halle, Jena, Kassel, Wilhelmshaven
die Flinte in der linken Hand, und im Ruhrgebiet. Während bei den vorangegangenen
das Messer in der rechten Hand Streiks wirtschaftliche Ziele noch im Vordergrund stan-
mit Gott, mit Gott, mit Gott, den, hat dieser Streik unverhüllt politische Ziele. Arbei-
mit Gott für König und Vaterland. terräte und ein Aktionskomitee werden gebildet, es
werden Forderungen gestellt. An die Proletarier aller
Aus dem Bett von Lehm und Jauche Länder wird ein Aufruf zum politischen Massenstreik
zur Attacke auf dem Bauche! gerichtet.
Trommelfeuer Handgranaten An eine sofortige Niederschlagung des Streiks ist
Wunden Leichen Heldentaten nicht zu denken. Abgeordnete von USPD und SPD tre-
bravo, tapfere Soldaten! ten in die Streikleitung ein, die SPD angeblich, um ih-
So lebt der edle Kriegerstand, ren Einfluß auf die Massen nicht zu verlieren.
das Eisenkreuz am Preußenband, Noch einmal kann der Zusammenbruch verhindert

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Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

werden. Regierung und die OHL sprechen am 31. Janu- Seit Reichpietschs Rückkehr aus Berlin steigert sich
ar den verschärften Belagerungszustand aus: verschie- die Zufuhr von Propagandamaterial an Bord, von der
dene Rüstungsbetriebe werden unter militärische Lei- Zentralleitung auf dem Schiff “Friedrich der Große”
tung gestellt, die Arbeiterräte und die Streikleitung wird Verbindung zu allen anderen Schiffen organisiert.
werden aufgelöst, die Anstifter verhaftet oder an die Die Listen der neuen USPD-Mitglieder füllen sich, An-
Front geschickt. Am 4. Februar ist der Streik erloschen. fang August sind es über 4000. Zu der Kieler Ortsgrup-
Völlig erloschen? pe der USPD bestehen enge Beziehungen. Man ist zum
Die Anstifter sehen es als eine Art Generalprobe Losschlagen bereit, wartet nur noch auf das Zeichen aus
zum großen Umsturz an. Auf Anhieb haben sie den Berlin. Das Zeichen kommt nicht. Am 1. August verlie-
Hoffnungsträger, das vielgeliebte Proletariat, als Ganzes ren einige der Friedensbringer die Geduld und rebellie-
für ihre Zwecke mobilisieren können. Man ist sich nun ren ohne Anweisung. Es kommt zu Festnahmen. Ein
sicher, daß das Experiment jederzeit wiederholbar sei. Flugblatt mit der Aufforderung, in die USPD einzutre-
Der kämpfende Frontsoldat kämpft weiter in dem ten, zwecks Erzwingung eines sofortigen Friedens, wird
bedrückenden Gefühl, daß die Daheimgebliebenen gefunden. Am 20. August wird Max Reichpietsch mit
feindlich gesonnen in seinem Rücken stehen. Die OHL einem Mitstreiter zum Tod verurteilt, andere zu langjäh-
muß befürchten, daß der Umsturzgedanke auf die Front rigen Zuchthausstrafen.
übergreift. Leitende Stellen in Regierung, Heer und Flotte wei-
Das feindliche Ausland hat die Streiks im Reich mit sen auf die Urheberschaft der beabsichtigten General-
Entzücken zur Kenntnis genommen und Siegesmut dar- meuterei hin und verlangen, daß man der landesverräte-
aus gesogen. rischen Vergiftung mit radikalen Mitteln entgegentrete
und die eigentlich führenden Köpfe voll zur Verantwor-
Meuterei tung ziehe. Gegen Haase und die drei anderen wird eine
Am 4. Juni 1917 kommt es in Wilhelmshaven auf Voruntersuchung eingeleitet. Ergebnis dieser Vorunter-
einigen Linienschiffen zu Gehorsamsverweigerungen. suchung ist, daß die vier USPD-Abgeordneten “zwar im
Der Meuterei wird nachgegangen und ein ganzes Ver- hohen Maße für die Vorgänge in der Marine verant-
schwörungswerk kommt an den Tag: wortlich seien, daß ihnen aber die Mittäterschaft an ei-
Seit der Seeschlacht am Skagerrak im Jahre 1916 ner landesverräterischen Handlung in gesetzlich strafba-
liegt die Hochseeflotte untätig in den Häfen. Die Matro- rem Sinne nicht nachzuweisen sei.”49 Die Einleitung ei-
sen sind von der Last des Krieges befreit, haben aber nes gerichtlichen Verfahrens gegen Hugo Haase und
bei schmaler Kost genügend Zeit, die Unerfreulichkeit Mitstreiter wird abgelehnt.
ihrer Lage zu bedenken. Trotz des Verbotes, an Bord Am 9. Oktober kommt die Meuterei im Reichstag
Parteipropaganda zu betreiben, werden sie von Mitglie- zur Sprache. Der Reichskanzler Michaelis wirft der
dern der USPD zum Zeitvertreib mit Lesestoff versorgt, USPD staatsgefährdende Ziele vor. Die übrigen Partei-
vor allem mit der “Leipziger Volkszeitung”. Ende Mai en, SPD, Zentrum, Freisinnige, fühlen sich mit beleidigt
1917 sieht die Führung Anlaß, auf das Verbot politi- und stellen sich auf die Seite der Angegriffenen.
scher Agitation an Bord hinzuweisen. Ein Sprecher der Ein Zeitgenosse schreibt:50
Unzufriedenen, der Matrose Max Reichpietsch vom Li- “[…] ein energisches, rücksichtsloses Zugreifen
nienschiff “Friedrich der Große” in Kiel macht Urlaub der Regierung [hätte] das deutsche Volk vor dem
in Berlin und sucht bei USPD-Abgeordneten Unterstüt- verhängnisvollen und erbärmlichen Zusammenbruch
zung. Der Vorsitzende Hugo Haase zeigt sich mit drei des 9. November […] retten können.”
anderen Abgeordneten zur Hilfe bereit. Über die Unter- Die Regierung aber greift nicht zu. Der greise
redung der Abgeordneten mit dem Matrosen liegt keine Reichskanzler Michaelis reicht bald darauf seinen Ab-
Quelle vor, Max Reichpietsch aber berichtet in der spä- schied ein. Die letzte Gelegenheit, die aufkeimende Re-
ter folgenden Gerichtsverhandlung, wie er die Unterre- volution mit gesetzlichen Mitteln zu ersticken, ist ver-
dung verstanden hat. Folgendes sei ihm gesagt worden: tan. Die Vorbereitungen des Umsturzes gehen weiter
In einer bevorstehenden internationalen Sozialisten- mit frischem Mut. Waffen werden besorgt, die Fäden
konferenz in Stockholm würden Beschlüsse für einen des Umsturzes in die Etappe hinein gesponnen. Es wird
baldigen Frieden gefaßt werden, die in den kriegführen- festgelegt, wer am Tage X was mit seiner Gefolgschaft
den Staaten notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden zu besetzen hat: Rathaus, Bahnhof, Post…
müßten. Die USPD betrachte sich als ein ausführendes Und so erlebt die damalige Welt am Ende das ge-
Organ dieser Beschlüsse und dränge darauf, daß in der spenstige Schauspiel, daß mitten im Endkampf eines
Flotte eine feste USPD-Organisation geschaffen werde, Weltkrieges Hunderttausende eines großen Volkes, an
die auf einen Wink aus Berlin zu handeln bereit sei. den Fäden von meist Landfremden gezogen, zu Lan-
Landesverrat liege nicht vor, da in allen kriegführenden desverrätern werden und den noch kämpfenden Volks-
Staaten am gleichen Tage der Militärstreik ausgerufen genossen an der Front wie ein mörderischer Dolch in
werde. den Rücken fallen.

398 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

Das Ende Epilog


Der Revolution folgt der Bürgerkrieg, Geschichte ist niemals monokausal,
es folgen die Demütigungen des Diktats d. h., Umwälzungen von diesem Ausmaß
von Versailles. Dem Werk der Zerset- haben nie nur eine Ursache. Wenn die
zung ist nichts mehr hinzuzufügen. Lu- treibenden Kräfte der deutschen Revolu-
dendorff schreibt in seinen Erinnerun- tion im November 1918 auch Juden wa-
51
gen: ren, so sind diese nicht die einzige Ursa-
“In Deutschland fließt Bruderblut. che.
Deutsches Gut wird zerstört. Staats- Wäre der Boden im damaligen
gelder werden verschleudert und zu Deutschland nicht für einen Zusammen-
eigennützigen Zwecken verwendet, bruch dieses Ausmaßes bereitet gewe-
die Finanzen des Reichs, der Einzel- sen, hätte das Werk der Zersetzung nicht
staaten und Gemeinden mit jedem gelingen können. Der Boden war berei-
Tage zerrütteter. Die gesunkene Mo- tet.
ral des Volkes treibt haltlos in der Wilhelm Dittmann, 1874-1954 Das Reich war noch jung, viele seiner
“Freiheit” der Revolution; die niedrigen Instinkte Glieder grollten dem Reichsgründer und empfanden
des Menschen suchen sich unbeschränkt und ohne sein Werk als eine Zwangsvereinigung, waren somit an
jede Rücksicht auszuleben. Überall herrschen Un- einer Mehrung des Reiches durch einen Sieg nicht in-
ordnung, Arbeitsscheu, Trug und Übervorteilung, teressiert. Der neue Stand der Arbeiter fühlte sich im
dabei an vielen Stellen der widerlichste Genußtau- Reich nicht zuhause.
mel – dicht neben den Gräbern der Millionen für ihr Nur eine starke, rücksichtslose Hand hätte die Wi-
Vaterland Gebliebenen und im Angesicht der vielen derstrebenden während des Krieges zum Wohl des
Verstümmelten, auf denen unser Auge ruht. Deutsch- Ganzen zusammenzwingen können. Ludendorff hatte
land bietet ein grauenvolles und würdeloses Schau- die Kraft, aber er war Militär, kein Politiker.
spiel, das unsagbare Trauer in jedem deutschfühlen- Der Erste Weltkrieg war die erste große Kraftprobe
den Herzen auslöst, beim Feinde und Neutralen aber für das neue Deutsche Reich. Das Reich hat die Kraft-
Verachtung erweckt.” probe nicht bestanden – wir Nachfahren tragen immer
Das Heil, das Friedensreich ist ausgeblieben, ausge- noch die Folgen.
blieben für die Juden, ausgeblieben für die, welche ih- Der jüdische Marxismus hat unter den nichtjüdi-
ren Versprechungen folgten. schen Reichsbürgern tatkräftige Mitstreiter gefunden,
Viele der jüdischen Kämpfer fanden ein gewaltsa- ohne deren Hilfe das Zerstörungswerk nicht in diesem
mes Ende. Hugo Haase, dessen Betätigungen sich wie Umfang gelungen wäre: Friedrich Engels, August Be-
ein unterirdisches Rinnsal durch all bel, Wilhelm Liebknecht, Wilhelm
die Kriegsjahre ziehen, wurde am 8. Dittmann, Emil Barth, Georg Lede-
Oktober 1919 von dem angeblich gei- bour, Richard Müller, Wilhelm Pieck.
stesgestörten Lederarbeiter Johann Und: Nicht alle Juden waren Mar-
Voß durch Schüsse schwer verletzt xisten. In allen Bereichen des dama-
und starb am 7. November, dem ligen Daseins haben sich Juden in der
zweiten Jahrestag der bolschewisti- verschiedensten Weise betätigt. Viele
schen Revolution. ungenannte Juden liebten ihr Gast-
Es liegt eine Tragik um das jüdi- land und waren bereit, es mit ihrem
sche Volk, das in seinem eigenmäch- Leben zu verteidigen. Mehrere tau-
tigen Ringen um seinen Frieden wohl send jüdische Soldaten sind gefallen,
den ersten Schritt, die Zerstörung, z. B. der erwähnte SPD- Reichstags-
bewerkstelligen kann. Aber der Frie- abgeordnete Ludwig Frank.
den, der für den Juden letztlich nur Die bitterste Anklage gegen den
der Frieden mit seinem Gott sein Dolchstoß stammt von dem zum Ka-
kann, bleibt immer in der Ferne. tholizismus übergetretenen Juden Ni-
Niemals erkämpfen Juden den Him- kolaus Coßmann, dem Herausgeber
mel, oft aber die Hölle auf Erden. Es der Süddeutschen Monatshefte. Mit
ist, als ließe der verlassene Gott der dem Heft: “Der Dolchstoß” zog er
Juden sein Volk jedesmal bitter bü- sich eine Anklage wegen Geschichts-
Süddeutsche Monatshefte, April
ßen, wenn es sich ungeduldig an- fälschung zu, die im Münchner
1924. Die Süddeutschen Mo-
schickt, die verheißene Erlösung oh- natshefte wurden herausgegeben Dolchstoß-Prozeß von 1925 verhan-
ne ihn ins Werk zu setzen. von dem Juden Nikolaus Coß- delt wurde.
mann, 1869-1942

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 399


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

Die Folge dorf 1971


Der Strom der Geschichte aber sucht sich meist das – Hermann v. Kuhl, Die Kriegslage 1918, 1922
breiteste Bett, um weiter zu fließen. – Erich Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen 1914-
Am 10. November 1918 erfährt ein augenverletzter 1918, Berlin 1919
junger Gefreiter im Lazarett von Pasewalk in Pommern – Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tä-
das Ergebnis der Revolution. Halbblind tastet er sich tigkeit 1916/18, hrg. von Erich Ludendorff, Berlin
zum Schlafsaal und wirft sich weinend auf sein Lager:52 1922, 3. Aufl.
“Es war alles umsonst gewesen. Umsonst all die – Sonja Margolina, Das Ende der Lügen, Berlin 1991
Opfer und Entbehrungen, umsonst der Hunger und – Juden im Wilhelminischen Deutschland 1890-1914,
Durst von manchmal endlosen Monaten, vergeblich hg. von Werner E. Mosse, Tübingen 1976
die Stunden, in denen wir, von Todesangst umkrallt, – Eugen Prager, Geschichte der USPD, Berlin, 1921
dennoch unsere Pflicht taten, und vergeblich der – Gerhard Schmolze, (Hg.), Revolution und Räterepu-
Tod von zwei Millionen, die dabei starben. Mußten blik in München 1918/19, Düsseldorf 1969
sich nicht die Gräber all der Hunderttausende öff- – Süddeutsche Monatshefte, Heft 7, Jahrgang 21: “Der
nen, die im Glauben an das Vaterland einst hinaus- Dolchstoß”, April 1924
gezogen waren, um niemals wiederzukehren? […] – Heft 8, Jahrgang 21, Die Auswirkung des Dolchsto-
Was folgte, waren entsetzliche Tage und noch böse- ßes, Mai 1924
re Nächte – ich wußte, daß alles verloren war. Auf – Erich Otto Volkmann, Der Marxismus und das deut-
die Gnade des Feindes zu hoffen, konnten höchstens sche Heer im Weltkriege, Berlin 1925
Narren fertig bringen oder – Lügner und Verbre- – Shulamit Volkov, Die Juden in Deutschland 1780-
cher. In diesen Nächten wuchs mir der Haß, der Haß 1918, München 1994
gegen die Urheber dieser Tat.” – Robert F. Wheeler, USPD und Internationale, Sozia-
Und er beschloß, “Politiker zu werden”, um seine listischer Internationalismus in der Zeit der Revolu-
Vorstellung vom Heil ins Werk zu setzen. tion, Frankfurt 1975
– August Winnig, Vom Proletariat zum Arbeitertum,
Literatur Hamburg 1930
– H. G. Adler, Die Juden in Deutschland, München – Gottfried Zarnow, Der 9. November 1918, Die Tra-
1960 gödie eines großen Volkes, Berlin 1933
– Johannes Rogalla von Bieberstein, “Jüdischer Bol- – v. Zwehl, Der Dolchstoß in den Rücken des siegrei-
schewismus”, Mythos und Wirklichkeit, Schnellroda, chen Heeres, 1921
2003
– Wolfgang Breithaupt, Volksvergiftung, Dokumente Anmerkungen
der Vorbereitung des 9. November 1918, Berlin, 1
Hier ist an die Balfour-Deklaration zu erinnern, die den Juden
1925 eine Heimstatt in Palästina versprach. Damit wurde das Interesse
– Konteradmiral a. D. Brüninghaus, Die politische Zer- des Judentums auf Seite der Alliierten in die Waagschale gelegt,
setzung und die Tragödie der deutschen Flotte, dar- während es zuvor zwei etwa gleichstarke Gruppen gab: eine pro-
deutsche Fraktion und eine proalliierte. (Anm. d. Red.)
gestellt unter Benutzung amtlichen Aktenmaterials, 2
Urkunden OHL, S. 553f.
Berlin, 1926 3
AaO., S. 538
4
– Hellmut Diwald, Die Erben Poseidons, Seemachtspo- AaO., S. 544
5
litik im 20. Jahrhundert, München 1984 AaO., S. 546
6
– Herman Fehst, Bolschewismus und Judentum, Berlin AaO., S. 552
7
AaO., S. 553
1934 8
AaO., S. 563f.
– Georg Franz-Willing, Die Finanzierung der Novem- 9
AaO., S. 573
10
berrevolution 1918, Rosenheim 1999 Zarnow, 9. November, S. 90.
11
– Georg Franz-Willing, Ursprung der Hitlerbewegung Urkunden OHL, S: 577.
12
1919-1922, Preußisch Oldendorf 1974 Ludendorff, Erinnerungen, S. 614.
13
AaO., S. 69.
– Nahum Goldmann, Der Geist des Militarismus, 14
Ludendorff, Erinnerungen, S. 617.
Stuttgart 1915 15
Urkunden OHL, S. 580.
16
– Sebastian Haffner, Die Deutsche Revolution 1918/19, AaO., S. 580.
17
Berlin 1979/2002 Volkmann, S. 217f.
18
– Hans Herzfeld, Die deutsche Sozialdemokratie und Urkunden OHL, S. 580f.
19
Schmolze, S. 99.
die Auflösung der nationalen Einheitsfront im Welt- 20
AaO., S. 227.
krieg, Leipzig, 1928 21
Zarnow, S. 112.
22
– Adolf Hitler, Mein Kampf, München 1934 Neue Zürcher Zeitung vom 17. 12. 1918.
23
– Hans-Helmuth Knütter, Die Juden und die Deutsche Haffner, S. 123.
24
AaO., S. 149.
Linke in der Weimarer Republik 1918-1933, Düssel-

400 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Arne Grotefend, Der Dolchstoß – keine Legende, S. 380-401

25
Ludendorff, Erinnerungen, S. 618-620. Untersuchung der Vorbereitung zur Novemberrevolution steht
26
Franz-Willing, Ursprung, S. 13-26. noch aus.
27 40
Bieberstein, S. 54f. Vgl. vor allem Georg Franz-Willing, Die Finanzierung der No-
28
Jesaja, 65, 17-25. vemberrevolution 1918
29 41
Jesaja 60, 9-11. Vgl. die detaillierten Schilderungen bei Wolfgang Breithaupt.
30 42
Jeremia 46, 28. AaO., S. 11; Volkmann, S. 213.
31 43
Jesaja, 11, 1f. Breithaupt, S. 62.
32 44
Vgl. Bieberstein, S. 47-91. Siehe Sir Campbell Stuart, Secrets of Crew House, London 1920.
33 45
Goldmann, S. 38. Franz-Willing, Novemberrevolution, S. 20.
34 46
Winnig, S. 183. AaO., S. 18f.
35 47
AaO., S. 187f. Siehe die detaillierte Darstellung von Sonja Margolina.
36 48
Zarnow, S. 78. Breithaupt, S. 88.
37 49
Breithaupt, S. 26. Volkmann S. 181f.
38 50
Breithaupt, S. 87. Breithaupt, S. 94.
39 51
Vgl. das angegebene Material. Die eingehendste Darstellung Ludendorff, Erinnerungen, S. 621.
52
bringt Wolfgang Breithaupt: Volksvergiftung. Eine umfassende Hitler, Mein Kampf, S. 223-225.

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 401


Zoltán Bruckner, Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses, S. 402-410

Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses


Von Zoltán Bruckner

Vor 20 Jahren, am 24. Januar 1985 wurde in Italien der letzte deutsche Kriegsgefangene des Zweiten
Weltkrieges entlassen. Er war seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, also fast 40 Jahre lang, in Gefan-
genschaft gehalten worden – verurteilt wegen eines Massakers, das nie stattgefunden hat. Hier sind die
wichtigsten Stationen seines Lebens, die zu seinem Schicksal wurden.

Walter Reder wurde am 4. Februar 1915 in Frei- Unterarm wurde amputiert, seine rechte Hand war radi-
waldau in Schlesien geboren das damals österreichisch al gelähmt. Er wurde bis zum Ende des Jahres im Kran-
war. Am Kriegsende, als dieser Teil Schlesiens dem kenhaus gepflegt. Mit seinen Verdiensten und Kriegs-
neugeschaffenen Vielvölkerstaat Tschechoslowakei zu- schäden hätte er leicht einen Dienst in einem Stab be-
geschlagen wurde, (der dann 70 Jahre später wieder von kommen, aber er meldete sich wieder zum Frontdienst
selbst zerfiel) übersiedelte die Familie nach Rest- zurück. Sein nächster Einsatz war als Kommandant der
Österreich. Walter Reder besuchte die Grundschule und 16. Panzer-Aufklärungsabteilung der 16. SS-Panzer-
das Realgymnasium in Wien und Steyr (Niederöster- Grenadier-Division in Jugoslawien. Am 1. Januar 1944
reich) und absolvierte danach die Handelshochschule in wurde er zum Sturmbannführer der Waffen-SS (Major)
Linz. In seiner Einstellung deut- befördert. Im März des gleichen
schnational, entschied er sich mit Jahres wurde die Einheit nach
19 Jahren zum Soldatenberuf. Wiener Neustadt verlegt, und am
1934 ließ er sich als Offiziersan- 19. März folgte der Einmarsch in
wärter beim Waffen-SS-Regi- Ungarn, der den Abfall dieses
ment “Deutschland” in München Landes, des letzten Verbündeten
anwerben. Er war Nationalsozia- Deutschlands im Schlußkampf
list und bekannte sich immer zu gegen die Sowjetunion, verhin-
dieser Ideologie. 1936 wurde er derte. (Als Kuriosum kann ge-
Untersturmführer (entsprechend nannt werden, daß die Okkupati-
dem Dienstgrad Leutnant) der on Ungarns – Dank des mutigen
Waffen-SS. und diplomatischen Auftritts von
Otto Skorzeny bei der Besetzung
Frontoffizier seit dem ersten des Regierungsviertels in Buda-
Tag des Krieges Walter Reder nach seiner Freilassung pest – nur ein einziges Men-
Am 1. September brach der schenleben kostete: ein hitzköp-
Krieg aus, der später zum Zweiten Weltkrieg wurde. figer Leutnant, der trotz ausdrücklichem Befehl des
Reder war vom ersten Tag als Frontoffizier dabei. Er Reichsverwesers Horthy Widerstand leistete, wurde von
kämpfte in Polen, in Frankreich und in Rußland, überall deutschen Soldaten erschossen.) In Mai, nach zwei oder
in der ersten Linie. Er zeichnete sich durch persönliche drei Wochen Ausbildungskurs kam Major Reder zu sei-
Tapferkeit und durch Führungseigenschaften aus, be- ner Einheit, der Pz.Aufkl.Abt. 16 zurück, die damals
kam immer höhere Aufgaben: Kompanie- und Batail- schon nach Italien verlegt war.
lonskommandant; wurde zum Obersturmführer und
dann Hauptsturmführer der Waffen-SS befördert (Ober- Die Rückkehr der Mafia
leutnant, bzw. Hauptmann), und mit dem EK II. und EK Die Alliierten landeten am 10. Juli 1943 auf Sizilien.
I. sowie dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Schon bei der aller ersten Landungswelle hatten sie ita-
Diese Orden bekam er nicht umsonst. Er wurde mehrere lienische Mafiabosse mit dabei, die in den dreißiger
Male verwundet: ein Gewehrschuß durchbohrte ihm Jahren, als Mussolini das Land vom organisierten Ver-
den Hals, sein Knie wurde beschädigt. Im Februar 1943 brechertum gesäubert hatte, aus Italien geflüchtet waren
nahm er als Kommandant eines Panzerbataillons in der und sich in den USA niederlassen hatten. Sie sollten
Schlacht um Charkow teil. Die Schlacht führte zur jetzt den Alliierten mit der Organisierung der Unterwelt
(zeitweiligen) Zurückeroberung von Charkow, viel- gegen die Faschisten und ihren deutschen Verbündeten
leicht der größte Sieg der sich zurückziehenden deut- helfen. (Wie gut sie sich organisieren konnten, das kön-
schen Armee in Rußland. Über diesen Sieg erfuhr er je- nen wir noch in unseren Tagen bezeugen.)
doch erst, als er im Lazarettbett erwachte. Sein linker

402 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Zoltán Bruckner, Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses, S. 402-410

Erbärmlicher König dreimotorigen Ju 52 herangeschleppt und in großer Ent-


Am 25. Juli tritt Mussolini nach einem Mißtrauens- fernung ausgeklinkt, um den Berg in lautlosem Gleit-
votum in der eigenen faschistischen Partei zurück. Er flug zu erreichen. Der Duce wurde mit Skorzeny zu-
bat König Victor Emanuel um eine Abschiedsaudienz. sammen vom Plateau vor dem Hotel aus mit einem Fie-
Der König empfing ihn, dankte ihm mit überschwängli- seler Storch 156 nach Rom geflogen, die Fallschirmsol-
cher Freundlichkeit, für seinen Einsatz, umarmte ihn daten verließen den Berg mit der Seilbahn. Mussolini
zum Abschied – und ließ ihn beim Verlassen des Audi- wurde dann im April 1945 bei Menaggio am Como-
enzsaales verhaften. See, nahe der schweizerischen Grenze, von kommuni-
stischen Partisanen unter Führung eines britischen Ma-
Verräter Badoglio jors ermordet. Seine Leiche wurde bei einer Tankstelle
Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Marschall an den Füßen aufgehängt, durch ein paar hundert MP-
Badoglio folgte ihm als Ministerpräsident. Badoglio Schüsse durchlöchert, und tagelang der allgemeinen Be-
versicherte dem Oberkommandierenden der deutschen trachtung überlassen.
Streitkräfte in Italien, daß sein Land seine Verpflich-
tungen gegenüber den Verbündeten einhalte. Das war Heimtücke
dessen Bedingung, um die Ernennung, die übrigens für Badoglios Mordaufrufe trugen Früchte. Während die
ihn “ganz überraschend” kam(!), zu akzeptieren! (Aber Alliierten unter vollständiger Luft- und Seeüberlegen-
der deutsche Abhördienst – Görings “Forschungsamt” – heit gegen harten deutschen Widerstand sich langsam
hat schon am 29 Juli ein Telefongespräch zwischen den italienischen “Stiefel” hinaufkämpften, formten
Churchill und Roosevelt abgehört, aus welchem offen- sich überall in den Bergen hinter den deutschen Linien
bar hervorging, daß Badoglio seit längerer Zeit mit dem anfangs kleine, später immer größere Partisanengrup-
alliierten Oberkommando in Kontakt war.) Die erste al- pen, die – von den Alliierten großzügig mit Waffen und
liierte Landung auf dem italienischen Festland erfolgte Kommunikationsmitteln versorgt – Brücken und Fahr-
am 3. September bei Reggio del Calabria. Die nächste zeuge sprengten (sie schonten nicht einmal Sanitäts-
folgte am 8. September im Golf von Santa Eufemia. Am fahrzeuge) und einsame oder in kleineren Gruppen pa-
9. September wurde die Kapitulation Italiens bekannt- trouillierende Soldaten aus dem Hinterhalt ermordeten,
gegeben. (In Wirklichkeit haben Badoglio und Eisen- über Polizeistationen herfielen usw. Nicht einmal vor
hower zwischen dem 31. August und dem 3. September ihren eigenen Landsleuten machten sie Halt. “Carabi-
in dessen Hauptquartier auf Sizilien verhandelt.) Am nieris” (italienische Polizisten) waren für sie genauso
gleichen Tag, dem 9. September geschah eine neue “legitime” Ziele, wie Zivilisten, die sich weigerten, mit
Landung bei Salerno, weit hinter dem Rücken der deut- ihnen zusammenzuarbeiten und sie mit Informationen
schen Streitkräfte. Es hat sich gezeigt, daß Badoglios und Lebensmitteln zu versorgen, oder die einfach zur
Stab bei den Verhandlungen auf Sizilien den Amerika- falschen Zeit am falschen Ort waren, so daß sie sich ge-
nern den Plan über die Minensperren und die minen- fährdet fühlten. Den offenen Kampf vermieden sie kon-
freien Seefahrtswege im Golf von Salerno überreicht sequent. Uniform trugen sie nicht – außer bei Gelegen-
hatte. (Man kann an Hitlers Worte denken: “Hast du die heit Uniformen der Deutschen Wehrmacht oder der fa-
Italiener als Verbündete, brauchst du keine anderen schistischen Miliz, die sie den ermordeten Opfern ab-
Feinde!”) Badoglios erste Handlung nach Bekanntgabe nahmen. Wurden sie von überlegenen Truppen be-
der Kapitulation war, daß er aus seiner sicheren Stel- drängt, versteckten sie ihre Waffen und verwandelten
lung im Schutz der Alliierten die Italiener durch Sen- sich in friedliche Schafhirten oder Dorfbewohner. Die
dungen im Radio Brindisi aufforderte, “alle Deutschen, Führungskader und ein Teil der Mannschaft waren
die sie erreichen können, wo und wann immer sich dazu Kommunisten, der Rest gewöhnlicher Abschaum und
Gelegenheit bietet, schonungslos zu ermorden!” Kriminelle.

Skorzenys Coup Die Frontlage


Mussolini wurde nach seiner Verhaftung “an unbe- So war die Lage, als Major Reder in Italien eintraf.
kanntem Ort” verwahrt, und die Verstecke wurden Dort hatten die Deutschen von Küste zu Küste eine
mehrmals gewechselt. Schließlich wurde er doch, be- stark befestigte Linie – die sogenannte Gotenlinie –
wacht von ungefähr 200 Carabinieris, in einem Bergho- ausgebaut. Es galt zu verhindern, daß die Alliierten die
tel in 2000 Meter Höhe unter dem 2914 Meter hohen Po-Ebene vor dem Winter 1944-45 erreichen könnten.
Gipfel des Gran Sasso (bei L´Aquila, etwa 100 Kilome- Major Reders Pz.A.A. 16 befand sich von September
ter nordöstlich von Rom) aufgespürt. Er wurde dann am bis Dezember im mittleren Sektor der Gotenlinie. Dort
12. September von dem schon erwähnten Otto Skorzeny verliefen zwei parallele Eisenbahnlinien sowie zwei
befreit, der dieses Husarenstück geplant und mit Hilfe kurvenreiche Bergstraßen von Bologna im Norden bis
seiner Fallschirmsoldaten auf 12 Lastenseglern der Pistoia bzw. Prato und weiter nach Florenz im Süden;
Typs DSF 230 durchgeführt – letztere wurden von die lebenswichtig für die Versorgung des ganzen mittle-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 403


Zoltán Bruckner, Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses, S. 402-410

ren Sektors waren. Die westliche Linie folgt dem Tal zuziehen, hätte eine unmittelbare Gefahr des Durch-
des Reno, die östliche dem Tal der Setta. Die beiden bruchs bedeutet. Aber mit einer so starken Partisanen-
Flüsse vereinigen sich etwa 20 Kilometer südlich von brigade im Rücken konnte eine erfolgreiche Abwehr
Bologna. der Angriffe auch nicht garantiert werden. Er beorderte
General Max Simon, mit seiner 16. SS-Pz.Gren.Div., zu
Die Partisanen und ihr selbsternannter Major der Major Reders Pz.A.A. 16 gehörte, die Brigade Stel-
Und genau an diesem Bergrücken operierte eine la rossa niederzukämpfen. Er bekam einige kleinere
kommunistische Guerillagruppe unter der Leitung eines Armee- und Fallschirmtruppeneinheiten zur Unterstüt-
ehemaligen Feldwebels der italienischen Armee: Mario zung. Major Reder arbeitete die Pläne aus.
Musolesi. Er beförderte sich selbst zum Major, nannte Die Lage wird auf Major Reders beiden Kartenskiz-
sich “Il lupo” – der Wolf. Unter diesem Namen “Major zen dargestellt. Die erste zeigt die Position des Feindes
Lupo” ist er auch berühmt und berüchtigt geworden. Bis (der Stella rossa Brigade), die zweite den Angriffsplan
September 1944 sammelte er etwa 2000 “Widerstands- selbst. Der Abstand der beiden Flüsse Reno (links und
kämpfer” um sich: Kommunisten, Brigantis, Ausgesto- oben) und Setta (rechts und unten) beträgt an dieser
ßene der Gesellschaft, und sonstigen Abschaum. Die Stelle etwa 8 Kilometer. Das Gebiet dazwischen ist wild
nahegelegene Großstadt Bologna war fruchtbarer Bo- zerklüftetes Bergsterrain, mit niederem Gebüsch be-
den für solche Elemente, außerdem – oder gerade dar- wachsen und fast unbewohnt. Nur zwei kleine Dörfer,
um – eine Hauptfeste des Kommunismus in Italien. – San Martino und Cadotto, liegen auf dem Bergrücken,
Um ehrlich zu sein, muß man sagen: Es gab auch ge- der 600-650 Meter hoch ist. Der höchste Punkt ist Mon-
wöhnliche arme Bauern unter Musolesis Partisanen, er te Sola in der Nähe von San Martino. Dort hatte Muso-
war nämlich nicht sehr wählerisch mit seinen Rekrutie- lesi sein Hauptquartier eingerichtet. Er war gut versorgt
rungsmethoden! Er zwang die Bauern zur Zusammen- mit allerlei Schnellfeuerwaffen, Granatwerfern und
arbeit, wenigstens zu Aufklärungs- und Versorgungs- Funkausrüstung. Die Flugaufklärung zeigte auch, daß er
diensten. Und wenn jemand diese Dienste verweigerte, eine regelrechte Festung mit Schützengraben und befe-
dann hatte der Betreffende gewöhnlich nicht sehr lange stigten Punkten ausbaute.
Zeit, um seine Weigerung zu bedauern. Aus dem selben
Grund ist auch die Zahl der Untergebenen von Major Der Kampf gegen die Partisanen
Lupos sehr unsicher. Die genannte Zahl 2000 bildet die Die Truppenzusammenziehung gegen seine Brigade
obere Grenze. Wie dem auch sei, Musolesis Brigade kam für ihn nicht überraschend. Der Priester in Marza-
“Stella rossa” [Roter Stern] war eine der größten Parti- botto war ein getreuer Seelsorger für seine Lämmer –
sanenbanden Italiens. und Wölfe. Er kam in die Dörfer und berichtete alles
Im September wuchsen die Aktivitäten der Terror- von Bedeutung. (Nach dem Kriege wurde er für die
brigade zu solchen Dimensionen an, daß sie eine ernste kommunistische Partei Parlamentsabgeordneter seiner
Gefährdung für die deutsche Kriegsanstrengungen und Heimatstadt.) Il Lupo hätte seiner früheren Taktik fol-
die Sicherheit der Truppen ausmachten. Generalfeld- gen und sich mit seinen Männern (und Frauen) als
marschall Keßelring, der deutsche Oberbefehlshaber in friedliche Zivilisten “verflüchtigen” können. Aber dann
Italien, stand vor einer schweren Entscheidung. Die wäre sein Hauptquartier mit allen angesammelten Waf-
amerikanische 5. Armee bedrängte hart die Gotenlinie fen verlorengegangen. Möglicherweise hat er auch da-
nur 20 Kilometer weiter südlich. Von dort Truppen ab- mit gerechnet, daß die Amerikaner die Gelegenheit zum

Lagepläne vor (links) und während der Operation (rechts).

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Zoltán Bruckner, Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses, S. 402-410

Durchstoß durch die Gotenlinie ausnützen und ihn da- er sich bei den Feinden eine günstige Ausgangslage
durch entlasten würden – gleichzeitig wäre ihm eine schaffen. Bekanntlich lieben die Feinde zwar jederzeit
große Ehre zuteil geworden! Wie auch immer, er blieb den Verrat, nicht aber den Verräter! Und Legolis Lage
und bereitete sich auf eine Verteidigung vor. Der kon- war heikel: Als Elsässer wurde er von den Alliierten als
zentrische Angriff der Deutschen startete im Morgen- doppelter Verräter betrachtet. Erstens, weil er – als
grauen des 29. September. Er wurde von General Max französischer Staatsbürger – sich freiwillig zur deut-
Simon geleitet. Major Reders Pz.A.A. 16 lag im Settatal schen Waffen-SS gemeldet hatte, und zweitens, weil er
(s. Skizze). Der Major selbst konnte seine Marschfor- von dort desertierte. Um sein Leben zu retten, brauchte
mation aufgrund eines Knieschadens nicht persönlich er gewichtige Gründe! Die Amerikaner waren nicht be-
führen, er folgte den Kämpfen mit dem Feldstecher von sonders imponiert von seiner Geschichte, doch war sie
der anderen Seite des Flusses aus, und gab seine In- interessant genug, um sie an ihre französischen Kolle-
struktionen per Funk. Die Truppen mußten sich ihren gen weiterzuleiten; und so wurde Legoli zum römischen
Weg den Berg hoch überall hart erkämpfen und wurden Büro des französischen Nachrichtendienstes Deuxiéme
mit mörderischem Feuer aus Schnellfeuerwaffen emp- Bureau überstellt. Das hat seine Aussichten verschlech-
fangen, am stärksten auf der Ostseite, wo Reders Ein- tert, darum spann er die Geschichte noch weiter. Der
heit war. Auf dem Bergrücken kämpften sie sich von Kern der Geschichte war, daß Reder in Marzabotto oh-
Befestigung zu Befestigung vor, die oft mit Flammen- ne jeden Grund die Erschießung von 1830 Zivilisten,
werfern niederkämpft werden mußten. Sie bekamen darunter 5 Priester und eine größere Anzahl Frauen und
Hilfe von dem Artillerie- und Flakregiment der Divisi- Kinder befohlen habe, und dann die ganze Stadt nieder-
on. Nach dem Fall des Hauptquartiers wurde der Kampf brennen ließ. Das Deuxiéme Bureau leitete diese Anga-
in den Dörfern fortgesetzt. Il Lupo hielt die Dorfbe- ben an die Badoglio-Regierung weiter. Die Kommuni-
wohner mit Gewalt fest, dadurch starben viele von ih- sten und der britische Militärsender in Bari verbreiteten
nen zusammen mit den Mitgliedern der Brigade. Am die Geschichte, und allmählich wurde sie ein “etablier-
Abend war alles vorbei. Schon am folgenden Tag wur- tes Faktum”, eine allgemein bekannte “historische Tat-
de die Division zur Front zurückverbracht, wo die Ame- sache” – und Reder wurde ein “Kriegsverbrecher”. Der
rikaner inzwischen einen tiefen Einbruch in die Goten- Marzabotto-Mythos war geboren.
linie gemacht hatten. Zurückgeblieben auf dem Berg
waren 270 tote Zivilisten – mit oder ohne Waffen. Mu- Hausarrest oder Angebot zur Flucht
solesi war unter den Toten. Sicherlich sind viele von Die Amerikaner setzten am 15. Mai den einarmigen,
seinen Banditen entwischt oder konnten sich in Grotten mehrfach kriegsversehrten und teilweise gelähmten Of-
und unübersichtlichen Schluchten verstecken, aber die fizier unter Hausarrest. Das bedeutete nur, daß er Salz-
Brigade Stella rossa war vernichtet. Reders eigene Ver- burg mit Umgebung nicht verlassen durfte. Aber als ita-
luste betrugen 24 Tote, 6 Vermißte und 40 Verwundete. lienische Behörden seine Auslieferung verlangten, ver-
Die Verluste der übrigen Truppen sind unbekannt. Der hafteten sie ihn erneut und sperrten ihn ins Lager Gla-
Einbruch in die Gotenlinie wurde zurückerobert, und senbach, nahe Salzburg ein. In zwei Jahren forschte
die Linie konnte bis zum Frühjahr 1945 gehalten wer- man in Reders militärischem Tun und Lassen, zweimal
den. In März wurde Reder zum Kommandanten des 26. verweigerte man das Begehren der Italiener – nichts hat
SS-Pz.Gren.Reg. ernannt (innerhalb der 16. SS- man in seiner Vergangenheit gefunden, was eine Aus-
Pz.Gren.Div.), die nach Ungarn verlegt wurde. Er wur- lieferung hätte rechtfertigen können. Während dieser
de jedoch mit Verletzungen an beiden Knien im Laza- Zeit (1947) wurde Generalfeldmarschall Keßelring, Re-
rett gepflegt und konnte erst am 4. Mai wieder an die ders höchster Chef in England vor Gericht gestellt, und
Front in Österreich reisen. Am 10. Mai wurde er in in einem zwei Jahre lang dauernden Prozeß zu Tode
Salzburg von den Amerikanern gefangen genommen. verurteilt. Danach folgte der Prozeß gegen General Max
Simon, Reders unmittelbaren Vorgesetzten. Auch dieser
Ein Überläufer Prozeß endete mit Todesurteil. In beiden Fällen spielte
Inzwischen ereignete sich etwas ohne sein Wissen, Julien Legolis schriftliche “Zeugenaussage” [s.g. affi-
was verhängnisvolle Folgen für sein Leben haben sollte. davit] eine Rolle, aber Legoli selbst erschien bei keinem
Einige Tage nach der Schlacht gegen die Brigade Stella der beiden Prozessen persönlich. (Dem britischen Histo-
rossa desertierte ein junger Soldat seiner Einheit, ein riker A.J.P. Veale zufolge war er zu diesem Zeitpunkt
Elsässer namens Julien Legoli. Er lief zu den Amerika- schon tot, beseitigt durch das Deuxiéme Bureau.) Die
nern über und erzählte eine vollkommen aus der Luft beiden Todesurteile gegen die beiden untadeligen Offi-
gegriffene Geschichte über ein Massaker in Marzabotto, ziere lösten doch bei britischen Militärs so starke Prote-
auf direkten Befehl und unter persönlicher Kontrolle ste aus, daß die Urteile zu lebenslänglicher Gefängnis-
von Major Reder. Was für Motive er dazu hatte, kann strafe umgewandelt und beide Gefangenen einige Jahre
man heute nur noch raten. Wahrscheinlich hatte er die später still und leise entlassen wurden. Italien änderte
Nase voll vom Krieg, und mit seiner Erzählung wollte dann seine Taktik und machte seine Forderungen Eng-

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Zoltán Bruckner, Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses, S. 402-410

land gegenüber geltend. So waren es jetzt die engli- sich nicht an die im Voraus einstudierten Aussagen
schen Militärbehörden, die Reders Auslieferung begehr- hielten, bekamen sie Prügel. Die Zeugen der Verteidi-
ten. Am 29. September 1947, auf den Tag 3 Jahre nach gung wurden bedroht und handgreiflich angegriffen,
der Schlacht gegen die Brigade Stella rossa, wurde Re- Richter eingeschüchtert. Der Anwalt der Verteidigung
der an die Briten ausgeliefert. Auch sie untersuchten, mußte um Polizeischutz ersuchen. Während des ganzen
was der Major getan hatte, aber auch sie fanden nichts Gerichtserfahrens tobte der Mob auf der Straße. Der
Belastendes. Im Gegenteil: Sie waren so von seiner Un- Abschaum der Gesellschaft, mit festen Tageslohnsätzen
schuld überzeugt, daß sie ihm eine Fluchtmöglichkeit von der KPI (Italiens kommunistische Partei) bezahlt,
boten: eine Woche “Urlaub” zu Weihnachten. Aber Re- demonstrierte vor dem Gerichtsgebäude und forderte
der kam zurück – er hatte ein reines Gewissen – und den Tod des deutschen Offiziers.
sträfliche Naivität. Aber die Briten stellten ihn weder Reders Anklage enthielt acht Punkte. Fünf davon
vor Gericht, noch entließen sie ihn. Sie lieferten ihn wurden während des Verfahrens hinzugefügt, zumeist
statt dessen am 13. Mai 1948 an Italien aus. als “Ballast” gedacht, um die Objektivität des Gerichtes
hervorzuheben – er wurde in diesen Punkten aufgrund
Schauprozeß mangelnder Beweise auch freigesprochen –, schuldig
Der Prozeß wurde in Bologna eröffnet, das nicht nur befunden wurde er in drei Anklagepunkten:
Hauptfeste der Kommunisten war, sondern auch Sitz 1. Die Hinrichtung von Geiseln bei Bardine. Diesbe-
der Partisanen. Die Kommunisten waren enttäuscht, daß züglich hat er sowohl seine eigene Anwesenheit wie
sie weder Keßelring noch Max Simon “bekamen” und auch die seiner Einheit verneinte, und die Anklage
setzten eine Medienkampagne in Gang. In dieser Atmo- konnte auch keine Beweise erbringen.
sphäre begann die Militär-Staatanwaltschaft mit der Zu- 2. Eine Strafaktion gegen eine andere Brigade nörd-
sammenstellung der Anklageschrift. Die Ankläger lich von Massa-Carrara im August 1944.
brauchten dafür drei Jahre. Ein General bei der Staats- 3. Die Aktion gegen die Brigade Stella Rossa. Das
anwaltschaft starb plötzlich. Sein Ersatzmann wurde ein Verbrechen, das man ihm vorwarf: er sei verantwortlich
gewisser Stellacci, ein 28-jähriger Dozent an der Uni- für den Tod italienischer Zivilisten (die Zahl 270 wurde
versität, der nicht einen einzigen Tag seines Lebens erwähnt).
Soldat gewesen war. Er wurde zum Leutnant ernannt, Marzabottos Niederbrennung und die Tötung der
beim Beginn des Prozesses zum Hauptmann befördert. Einwohner war im Urteil nicht genannt. Das Urteil lau-
Aber das reichte nicht aus! Laut allgemein anerkannten tete auf lebenslange Gefängnisstrafe und Degradierung.
Regeln des militärischen Rechtswesens soll ein Anklä- Letzteres war reiner Unsinn, denn kein Gericht hatte das
ger mindestens den gleichen Rang haben wie der Ange- Recht, Reder den Majorsrang abzuerkennen (außer viel-
klagte. Als die Verteidigung auf diese Tatsache hin- leicht ein deutsches Militärgericht – aber ein deutsches
wies, wurde besagter Leutnant zum Major ernannt. Er Militär gab es damals gar nicht mehr.)
konnte jedoch keine haltbaren Tatsachen gegen Major Das Urteil mag dem Richter einigen Mut abverlangt
Reder vorbringen, und nahm dafür zu einer Sprache Zu- haben, denn die italienische “Öffentlichkeit” forderte,
flucht, die eher in eine Kneipe als in einen Gerichtssaal aufgeputscht durch die Massenmedien, ein Todesurteil.
gepaßt hätte und beschimpfte Walter Reder als Mörder, Reders Leben war zwar gerettet, und das Urteil zeigte
Untier, Hyäne, Räuber und Landesverräter. (Das letzt- auch, daß die Richter Reder für unschuldig hielten –
genannte, weil Reder 1934 Österreich verlassen hatte aber kein Gericht konnte das offen sagen. Das hätte
und sich in Deutschland zum Dienst gemeldet hatte.) Er nicht nur unmittelbare Lebensgefahr für die Richter,
verstieg sich sogar zu der Behauptung, daß Reder sein sondern auch den Sturz der Regierung bedeutet. Das poli-
Ritterkreuz für die Ermordung kleiner Kinder in Ruß- tische Gleichgewicht war nicht belastbar. Die Macht der
land erhalten habe.” In den haßerfüllten Ergüssen des Kommunisten war groß, und man wollte nicht ihre voll-
Anklägers spukte auch Legolis “Zeugenaussage“ her- ständige Machtübernahme heraufbeschwören, denn sie
um, aber – wie gesagt – Legoli war für ein Kreuzverhör konnten jederzeit den Pöbel auf den Straßen mobilisieren.
nicht erreichbar.
Die Revision
Typischer Kriegsverbrecher-Prozeß Reder meldete sofort “Rekurs” an, das heißt: er be-
Im übrigen lief der Prozeß nach dem Schema der üb- gehrte Revision. Das Oberste Militärgericht in Rom
rigen Kriegsverbrecherprozesse: Die Ankläger hatten prüfte den Richterspruch von Bologna und machte eini-
dreieinhalb Jahre zur Vorbereitung des Prozesses, die ge Korrekturen: in den fünf Anklagepunkten, wo Reder
Verteidigung bekam dafür zwei Monate. Reder konnte aufgrund mangelnder Beweise freigesprochen worden
aufgrund seiner mäßigen Kenntnisse des Italienischen war, wurde die Begründung jetzt auf erwiesene Un-
dem Gerichtsverfahren nur in groben Zügen folgen. Ei- schuld geändert, “weil er die Tat[en] nicht begangen
ne Übersetzung der Anklageschrift hat Reder nie be- hat”. (Das galt für die Tötung von 560+70+200 Perso-
kommen. “Präparierte” Zeugen traten auf, und wenn sie nen auf verschiedenen Schauplätzen.) Aus den übrigen

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Zoltán Bruckner, Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses, S. 402-410

Anklagepunkten wurde der erschwerende Umstand der Er starb drei Wochen nach seiner Heimkunft in Lüne-
vorsätzlichen Tötung gestrichen, und die Degradierung burg, noch während die Abgeordneten im Bonner Par-
aufgehoben. Reder sollte als bestrafter Kriegsgefange- lament eifrig debattierten, ob sie Kappler wieder an den
ner gelten. Mehr konnten auch die Richter des Obersten NATO-Partner Italien ausliefern sollten. Reder ist ein-
Militärgerichts nicht machen: auch sie standen unter po- sam auf “seiner Burg” geblieben.
litischem Druck. Der neue Richterspruch wurde am 16.
März 1954 verkündet. Reder mußte seine lebenslange Ringen der Anwälte
Gefängnisstrafe antreten. Unterdessen waren doch die Juristen, die sich um
Reders Freiheit bemühten, nicht untätig geblieben. 1980
31 Jahre Festungshaft drückten sie eine Wiederaufnahme des Falles durch.
Gaeta ist eine schöne, obwohl etwas verfallene Diesmal gingen sie sehr durchdacht vor. Als erste Maß-
Stadt, ungefähr auf halben Weg zwischen Rom und nahme ließen sie die Zuständigkeit für den Fall von Bo-
Neapel, auf einem sonnenüberfluteten Südhang am logna nach Bari überleiten. Der formelle Grund war,
nördlichen Ende des Golfs von Gaeta gelegen. Die daß Gaeta zu Bari gehörte.
Stadt wird von einer massiven Landzunge mit senkrech- Durch diesen Schritt entzogen sie den Gefangenen
ten Felsenwänden dominiert, die eben den nördlichen vom direkten Einfluß des haßerfüllten Pöbels, dessen
Abschluß der Bucht bildet. Am hohen Plateau der Klip- Haß jedesmal erneut aufgepeitscht wurde, wenn Reders
pe stehen zwei starke Festungen: das Castello Aragone- Fall im Parlament oder im Justizministerium verhandelt
se und das Castello Angioino. Das Letztere wird für die wurde, wodurch es jedesmal gelang, eine Milderung
nächsten 31 Jahre Major Reders Domizil. Das Schloß oder Aufhebung des Urteils zu verhindern. Die neue Stra-
war lange Militärgefängnis der italienischen Armee, tegie war erfolgreich: Reders Status als Kriegsgefangener
aber am Kriegsende wurde es seiner Insassen entleert, wurde bekräftigt, und seine Freilassung – zwischen null
um für verurteilten Soldaten des besiegten Deutschland und fünf Jahren nach dem Beschluß – beschlossen.
Platz zu machen. [Ist Deutschland von Italien besiegt
worden??] Bei Reders Ankunft hatte die Burg einen Erster Kontakt
einzigen Gefangenen: Herbert Kappler, Roms Polizei- Ich habe 1980 von Major Reders Schicksal gelesen
chef während der deutschen Besatzung. Jeder Gefange- und schrieb ihm einen Brief. Er antwortete sehr freund-
ne hatte sein Zimmer im höchsten Stockwerk der Fe- lich, und eine herzliche Kameradschaft entwickelte
stung. Es gab einen gemeinsamen Leseraum mit Biblio- sich. Im September 1981 besuchte ich ihn das erste Mal
thek und eine etwa 10 x 30 Meter große Dachterrasse, in Gaeta. Früher im gleichen Jahr machte ich eine Reise
umzäunt von Stacheldraht. Die Bewachung war rigoros, nach Mexiko, und ich beschrieb ihm die unvergeßlichen
die Behandlung über die Jahre wechselnd. Jahrzehnte Eindrücke dieser Reise: den majestätischen Anblick des
nach dem Ende des Krieges saßen zwei ehemalige Sol- schneebedeckten Vulkankegels des Popocatepetl, die
daten in einem fremden Land (drei andere waren in bewundernswerten Ruinenstädte der Azteken und Ma-
Breda in Holland im Gefängnis eingesperrt). Alle Gna- yas usw. (Er liebte Reisebeschreibungen, sie waren für
denappelle wurden abgewiesen. Drei Päpste (Pius XII., ihn die einzige Art, etwas von der großen Welt zu er-
Johannes XXIII. und Paul VI.), zahlreiche Kardinäle, fahren, von der er 31 Jahre lang nur die Berge um Gaeta
Prälaten, Bischöfe, Staatspräsidenten und Regierungs- und den ungebrochenen Horizont des Meeres sehen
chefs aber auch militärische Kameradschaftsvereine konnte.) Vor meinem Besuch habe ich ihn brieflich ge-
(sowohl aus Österreich, wie auch auf Seiten der Alliier- fragt, ob ich ihm einen Wunsch erfüllen könnte. “Ein
ten), Juristen und – natürlich – Angehörige baten um Tequila” (mexikanischer Agave-Branntwein) – war sei-
Gnade für diese beiden Deutschen. Die Antwort war je- ne Antwort. So landete meine Flasche Tequila, die ich
desmal Nein! Briefe durften sie, wenigstens in den spä- aus Mexiko mitgebracht habe, in einem italienischen
teren Jahren, unbegrenzt schreiben und empfangen. Militärgefängnis.
Auch Pakete waren, sorgfältig kontrolliert, zugelassen.
Besuche durften sie auch empfangen. Kappler hat sogar Besuchserlaubnis
in der Gefangenschaft geheiratet, eine Homöopathin aus Einen Besuch in Gaeta zu machen, war kein einfa-
Lüneburg. Aber er war schon unheilbar an Magen- und ches Unternehmen. Mindestens 3-4 Monate vorher
Darmkrebs erkrankt. Im Sommer 1977 wurde er in ein mußte man sich entschließen. Zuerst mußte man mit
Militärlazarett verlegt. Seine Frau besuchte ihn dort – dem Major brieflich das Datum des Besuchstages ver-
und befreite ihn. Sie, eine passionierte Bergsteigerin, einbaren. Besuch von höchstens zwei Personen war im
seilte ihren zum Skelett abgemagerten, nur 40 Kilo- Prinzip an jedem Werktag erlaubt, samstags und sonn-
gramm schweren, vom Tode gezeichneten Mann aus ei- tags nur mit Einschränkungen. Danach mußte man ein
nem Fenster ab und entführte ihn im Kofferraum ihres Gesuch bei der österreichischen Botschaft in Rom ein-
Autos. An der Tür seines Krankenzimmers war ein reichen, die dasselbe nach sorgfältiger Prüfung der Per-
Schild zurückgeblieben: “BITTE NICHT STÖREN!” son(en) mit einer Empfehlung an das italienische

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Zoltán Bruckner, Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses, S. 402-410

Kriegsministerium weiterleitete, das dann nach noch- Ein Zimmer im städtischen Krankenhaus war für ihn re-
maliger gründlicher Prüfung die Besuchserlaubnis er- serviert, und ein Rettungswagen mit Fahrer stand bereit.
teilte – oder auch verweigerte. Der Beschluß wurde Der “Burgherr” – wie er sich mit einer Portion Galgen-
beiden Parteien (dem Major und dem Besucher) mitge- humor selbst nannte – hatte viel zu berichten, die zwei
teilt. Hotelzimmer für seine Besucher bestellte der Ma- Stunden Besuchszeit vergingen schnell.
jor selbst. In seinem letzten Brief vor dem geplanten
Besuch schrieb er mir auf meine Frage, wie ich zum Befreiung abgelehnt
Schloß kommen kann: “Sagen Sie dem Taxifahrer nur: Im nächsten Jahr fuhr ich noch einmal nach Gaeta.
‘Maggiore Reder’ – ich bin in der Stadt bekannt wie ein Auf meinem Weg nach Süden machte ich auch einen
bunter Hund!” Besuch in Kufstein bei Oberst Rudel, den ich lange
Bei unserer Ankunft auf der Burg wurden meine Be- kannte. Als er mein nächstes Reiseziel erfuhr, sagte er
gleiterin und ich einer Leibesvisitation und einer Unter- zu mir:
suchung mit Metalldetektor unterzogen. Einige Sachen “Falls Sie Gelegenheit haben, mit dem Major
mußten wir beim Eingang zurücklassen, diese bekamen ohne Zeugen zu sprechen, sagen Sie ihm: wenn er
wir beim Verlassen der Burg wieder zurück. Ich hatte will, haue ich ihn raus.”
ein Buch über Major Reder von Robert H. Drechsler, Ich hatte Gelegenheit, und übermittelte ihm Rudels
einem ehemaligen Kameraden von Reder, dabei, das ich Worte. Reder antwortete jedoch:
mir vom Major signieren lassen wollte. Der dienstha- “Richten Sie dem Obersten meinen Dank aus! Ich
bende Wachoffizier blätterte in dem Buch und sagte: glaube auch, daß er das fertigbringen könnte. Aber ich
“Ich kenne es, ein sehr gutes Buch” – und gab es mir verlasse diesen Platz entweder erhobenen Hauptes,
zurück. Ich hatte auch eine Kamera dabei um ein ge- oder man trägt mich mit den Füßen voraus hinaus.”
meinsames Bild vom Major und mir zu machen.
Das war eigentlich nicht erlaubt, nur der Wa-
choffizier durfte (mit “gefängniseigener” Kame-
ra) fotografieren, und den exponierten Film an
den Besucher aushändigen. Aber er sagte, daß er
vom Fotografieren nicht viel verstünde und ließ
mich meine eigene Kamera mitnehmen.

Geachteter Offizier
Als wir ins Besuchszimmer geleitet wurden,
und der Major, begleitet von zwei Soldaten,
ebenfalls das Zimmer betrat, war mein erster
Eindruck: mit welchem Respekt ihn alle behan-
deln. Fast als wäre er ihr Vorgesetzter. Ein Un-
teroffizier überwachte die Begegnung – diskret
und nicht sehr gewissenhaft – und ein junger
Wehrpflichtiger stand dem Major für persönli-
chen Dienst zu Verfügung. Wir wurden mit be-
legten Brötchen und Wein bewirtet, und konnten
uns unbeschwert unterhalten. Der junge Soldat
sah den Major mit unverhüllter Bewunderung an,
es reichte ein Blick oder ein Wink mit dem Fin-
ger, und der Soldat sprang und brachte neue
Brötchen oder schenkte mehr Wein ein. Reder
berichtete uns – nicht ohne Ironie – was für ein
wertvoller Gefangener er war: als er der Gefäng-
nisleitung andeutete, daß er auf der Dachterrasse
von einem Scharfschützen von der gegenüberlie-
genden Bergseite aus getötet werden könnte,
wurde die Terrasse in ihrer ganzen Länge (30
Meter!) durch kugelsicheres Panzerglas abge-
schirmt. Ein Stab von 14 Mann, einschließlich
einem Sanitäter, bewachte ihn pausenlos (zu-
sammen mit Ablösungen, Verwaltungs- und Un-
terhaltspersonal der Burg waren es 70 Leute). Walter Reders Abschiedsworte vom 25.2.1986

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Zoltán Bruckner, Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses, S. 402-410

(Die gleiche Antwort hatte auch der legendäre Otto stisch-italienischen Medien zurückstehen. Trotz den seit
Skorzeny schon 1954 erhalten.) Jahrzehnten bekannten Tatsachen wurde Reder weiter-
hin Kriegsverbrecher, Massenmörder und “Schlächter
Unwissenheit des Volkes von Marzabotto” genannt. Die Hetzkampagne umfaßte
Reders Kriegsgefangenen-Status hat mir ein bemer- auch den Verteidigungsminister. Nach einigen Wochen
kenswertes Erlebnis beschert. Als Kriegsgefangener vermochte er nicht länger dem Druck standzuhalten und
war er berechtigt, kostenlos Post zu schicken und zu reichte sein Abschiedsgesuch ein.
empfangen. Der Tequila aus Mexiko hat ihm anschei-
nend wohl geschmeckt, denn als ich ihn vor dem näch- Erpressung
stem Weihnachtsfest fragte, was ich ihm schicken könn- Im Kielwasser der Pressekampagne erfuhr ich über
te, um ihm eine Freude zu bereiten, antwortete er wie- noch einen Schurkenstreich der Kommunisten in Itali-
der: “einen Tequila”. Er schickte mir gleich ein vorge- en. Eine Zeit nach Reders Entlassung erhielt ich von ei-
drucktes Formular für die Post. Also kaufte ich eine ner Verwandten einen Zeitungsausschnitt aus einer
Flasche Tequila, packte sie sorgfältig ein, und ging da- österreichischen Zeitung, mit einer angeblichen Äuße-
mit auf das nahegelegene kleine Postamt. Die Beamtin rung des Majors, gefolgt von einem empörten Kom-
dort wollte mir nicht glauben, als ich ihr den Aufkleber mentar und einer Distanzierung seitens seiner ehemali-
“Kriegsgefangenenpost – gebührenfrei” zeigte. gen Kameraden. Den Text will ich hier nicht wiederge-
“Das gibt es nicht! Kriegsgefangene 36 Jahre ben, aber er war so kriecherisch und ekelerregend, daß
nach Kriegsende?!” ich sofort wußte: der kann nicht von Major Reder
Vergeblich versuchte ich sie zu überzeugen, sie sag- stammen! Die Verwandte, die wußte, daß ich mit dem
te: Damit solle ich an das Hauptpostamt gehen! Gesagt, Major in Verbindung stehe, bat mich um einen Kom-
getan. Dort traf ich auf die gleiche Reaktion, aber auf mentar. Ich schrieb ihr, daß der Text entweder gefälscht
meine Beteuerung hin rief man den Bürochef, der es oder von Reder erpreßt wurde, aber ich wollte der Sa-
zwar auch nicht glauben wollte, aber schließlich brachte che nachgehen! Meinem nächsten Brief an Reder legte
er ein großes, dickes Buch (irgendeine Dienstanwei- ich eine Kopie des Artikels bei, und bat ihn um Stel-
sung) hervor, und fand darin meinen Aufkleber als gül- lungsnahme. Seine Antwort, in der Nachschrift seines
tig. (Der Tequila reiste kostenlos!) Inzwischen versam- Weihnachtsbriefes 1988 ist es wert, hier wörtlich wie-
melte sich ein kleiner Kreis von Postbeamte um den dergegeben zu werden:
Schalter herum – die alle, mitten in der Mittagszeit mit “Zu dem beigelegten Zeitungsausschnitt: Mein
vielen Kunden, ihre Schalter schlossen – und ich konnte ital. Anwalt und andere damals anwesende Persön-
ihnen einen kleinen Vortrag über die Realitäten der lichkeiten [– welche Persönlichkeiten? Etwa der
Nachkriegszeit halten. Manche gingen schweigend und Bürgermeister von Marzabotto? –] beknieten mich
betroffen an ihre Plätze zurück. s.Zt. stundenlang, diesen vorgeschriebenen Text zu
unterschreiben, meine Freilassung würde dann so-
Freilassung und Medienbeschimpfung fort erfolgen. Es kostete mich [sic!] grosse Über-
Reder mußte nicht “mit den Füßen voraus” hinaus- windung, meinen Namen unter diesen Wisch zu set-
getragen werden. Der Entlassungsbeschluß von 1980 zen, ich wollte aber nach diesen vielen Jahren end-
wurde am 24. Januar 1985 in Kraft gesetzt, ein halbes lich heim. Wer mich kennt, wie z.B. Sie, der weiss,
Jahr vor Ablauf der Fünfjahresfrist. Allerdings kam Re- dass dieser Text nicht von mir stammen kann, ich
der auch nicht “erhobenen Hauptes” aus seiner Burg ändere meine Haltung niemals. Nochmals alles Gu-
heraus. Aber das lag an den Umständen: sobald die te und herzlichste Grüsse, d. O.”
Kommunisten von den Plänen seiner bevorstehenden
Entlassung erfuhren, blockierten sie den Zufahrtsweg Sanatorium und Krankenhaus
zur Festung. Sie wurden jedoch überrumpelt. Aber nicht Reder war frei, aber seine Gesundheit war angegrif-
nur sie! Die Entlassung kam auch für Major Reder un- fen. 70 Jahre alt, einarmig, die verbliebene Hand radial
erwartet, so daß er ungefähr 500 unbeantwortete Briefe gelähmt, zwei Drittel des Magens und auch die Galle
– Weihnachtsgrüße des Vorjahres – zurücklassen muß- entfernt, war er ein körperlich – aber nicht in der Seele
te. Er wurde mit einem italienischen Militärflugzeug – angeschlagener Mann. Er genoß das freie Leben so-
nach Graz geflogen, wo ihn, den alten Kämpfer, der weit er konnte, während er immer wieder in Kranken-
österreichische Verteidigungsminister Frischenschläger häuser und Sanatorien mußte. Schon ein Jahr nach sei-
mit Handschlag und Umarmung begrüßte und in einem ner Freilassung schrieb er einen Abschiedsbrief, der
Hubschrauber ins Militärkrankenhaus nach Baden bei nach seinem Tod an alle verschickt werden sollte, die
Wien folgte. Das kostete ihn dann seinen Ministerpo- sich während seiner Gefangenschaft um ihn gekümmert
sten. Die österreichische und bundesdeutsche Presse hatten. Ein erschütterndes Dokument dessen, welch
wollte (mit wenigen ehrenswerten Ausnahmen) in Ge- menschliche Gesinnung der als “Schlächter von Marza-
meinheit und Niedertracht nicht hinter den kommuni- botto” verunglimpfte Offizier besaß. Die Kopie des

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Zoltán Bruckner, Major Reder, Gefangener antideutschen Hasses, S. 402-410

Briefes füge ich bei. sah jedoch viele unbeschädigte Häuser, die älter als 30
Ich traf ihn, als freien Mann, noch einmal in Wien. Jahre und somit vor dem Krieg gebaut worden waren.
Er lud uns zum Mittagessen in den Donauturm ein, ein 1961 schrieb ein italienischer Journalist von der Wo-
Aussichtsturm auf dem Messegelände mit Drehrestau- chenzeitung Gente über Marzabotto als einer “kolossa-
rant und herrlicher Aussicht über die ganze Stadt. Aus len Mystifikation”, und verglich die kirchlichen Matri-
seiner respektvollen Behandlung durch das Personal keln mit den in Stein gehauenen Namen. Er fand her-
war er hier als hochgeschätzter Stammgast zu erkennen. aus, daß die 1830 Namen nicht nur sämtliche Tote der
Reder berichtete uns eine rührende Geschichte: Einige Kriegsjahre in Marzabotto und Umgebung beinhalten
Wochen nach seiner Freilassung tauchte der junge ita- (einschließlich der Opfer des Partisanankrieges und der
lienische Soldat (der ihn schon in Gaeta so offen be- amerikanischen Luftangriffen), er fand darunter auch
wunderte) bei ihm in dem Kärntner Sanatorium auf, in zahlreiche Personen, die noch – 1961 – am Leben wa-
das er zur Rekonvaleszenz eingewiesen worden war. Er ren! Und hinter der Glasscheibe gab es nicht die Über-
quittierte seinen Dienst in der Armee, weil er nur dem reste von 1830, sondern nur 808 Personen, darunter 195
Major dienen wollte! Nach dem Mittagessen fuhren wir österreichische Kriegsgefangenen aus dem Ersten Welt-
auf den Kahlenberg, ein beliebter Ausflugplatz der krieg, die bei der Minenräumung für ihre Gewahr-
Wiener, wo wir einen Spaziergang machten, und samsmacht starben.
schlossen unsere Begegnung mit einem Seidel Bier im
Restaurant am Kahlenberg ab. Der Abschied danach Die Pflege der Lüge
war für immer. Am 26. April 1991 wurde Major Walter Ich schrieb als Titel für diese Abhandlung: “Major
Reder zur Großen Armee seiner im Kriege gefallenen Reder, Gefangener antideutschen Hasses”. Ich hätte ge-
Kameraden einberufen. nauso gut schreiben können: Gefangener eines Mythos.
Hatte das vergangene 20. Jahrhundert, ein (angeblich)
Der Marzabotto-Mythos erleuchtetes und rational denkendes Jahrhundert, so
Reder war nun tot, aber der Marzabotto-Mythos lebt großen Bedarf an Mythen? Und wie steht es mit unse-
noch. Er lebt nicht nur, er ist auch verewigt in Stein. rem gegenwärtigen, 21. Jahrhundert? Wie viele Mythen
Schon kurz nach Kriegsende entdeckte der Bürgermei- haben noch immer überlebt, trotz besserem Wissen?!
ster von Marzabotto, welch ungeahnten Möglichkeiten Rotterdam, Lidice, Oradour, Babi-Yar, Auschwitz,
die Vernichtung der Brigade Stella rossa seiner Stadt “Holocaust”? Solange aber diese Mythen leben, fordern
bot. In der unterirdischen Galerie der Kirche wurden sie auch Opfer! Vielleicht nicht direkte Todesopfer
auf großen Steintafeln 1830 Namen eingemeißelt. Hin- (obwohl manche in den Selbstmord getrieben wurden),
ter einer dicken Glasscheibe liegen Skeletteile der “Op- jedoch verzweifelte Menschen, zerstörte Ehen, zerrisse-
fer des Massakers”. Eine große, gewinnbringende Tou- ne Familien, entzweite Nationen. Die Tatsachen sind in
ristenindustrie wurde aufgebaut, Postkarten und Touri- den meisten Fällen längst bekannt, dokumentiert – und
stenbroschüren verkünden jedem Besucher das bestiali- unterdrückt! Forscher und Historiker trauen sich nicht
sche Vorgehen der Deutschen. Marzabotto ist eine Art an diese gefährliche Themen heran, und diejenigen die
Wallfahrtsort geworden. 1957 unternahm ein österrei- es trotzdem tun, werden schonungslos verfolgt. Ge-
chischer Journalist von Echo der Heimat eine Untersu- fängnis, Landesverweis, Entlassung aus dem Dienst,
chung: befragte Einwohner der Stadt, auch Priester und Aberkennung des Doktortitels, Totschweigen, Zerstö-
Lehrer. Er fand nicht eine einzige Person, die das an- rung der Existenz, aber auch Brandstiftung, Prügel und
gebliche, von Major Reder befohlene und geleitete Mordanschlag sind die Mittel, mit denen die Wahrheit
Massaker, oder Major Reder selbst gesehen hätte. Er unterdrückt wird. Und in der Zwischenzeit baut man
Hunderte von “Gedenkstätten” – wie in Marzabotto –
für “Opfer”, die nie existierten, während andere Ge-
denkstätten, (meist für deutsche Soldaten und Kriegsge-
fangenen, aber auch für Dichter und Künstler) geschän-
det, zerstört und eingeebnet werden. Wie lange noch? –
Es hängt von uns ab!

Quellenverzeichnis
– Robert H. Drechsler, Walter Reder, der Gefangene
von Gaeta, Verlag Die Leuchtkugel, Robert H.
Drechsler, Wien 1977.
– Lothar Greil, Faustpfand Walter Reder, Herausgeber
Franz Strasser, Perg/OÖ, 1977.
– F.J.P. Veale, Crimes Discreatly Veiled, Institute for
Festung Angioino in Gaeta, Reders Gefängnis für 31 Jahre. Historical Review, Newport Beach

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Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

Deutsche und Juden


Eine notwendige Bestandsaufnahme
Von Georg Wiesholler

Das Deutschland Archiv – Zeitschrift für das vereinigte Deutschland, herausgegeben von der Bundes-
zentrale für politische Bildung in Bonn, veröffentlichte in den Nr. 2 und 3/2004 eine Debatte zwischen
Professor Konrad Löw und Professor Wolfgang Benz. Dazu schrieb der Verfasser einen Leserbrief, der –
natürlich – nicht veröffentlicht wurde. Daraufhin hat der Verfasser seinen Artikel zu der nachfolgenden
Denkschrift erweitert.

Bundeszentrale für politische Bildung übt Zensur empfehlung erfahren und hat dann vom Auswärtigen
Nachdem ich den Artikel “Deutsche Identität” von Amt ein Veröffentlichungsverbot gefordert und durch-
Professor Konrad Löw gelesen hatte, war es mir unver- gesetzt. Der liberale (?) Außenminister Genscher fügte
ständlich, warum die “Bundeszentrale für politische sich dieser grundrechtswidrigen Forderung. Dies heißt
Bildung” und der Bertelsmann Verlag sich “aufs auf deutsch: Die Wahrheit ist kriminell, ist nazistisch.
Schärfste davon distanzierten” und die Restauflage In der BRD darf der Wissenschaftler keine Thesen hin-
dann makulierten. terfragen und keine Hypothesen aufstellen, wenn es um
Übrigens: Bei dem Wort “makulieren” fiel mir un- tabubelegte Themen geht. Und dies, in der freiesten Re-
willkürlich das Schlagwort von 1933 ein: “Wer Bücher publik der deutschen Geschichte.
verbrennt (makulieren ist eine euphemistische Um- Der schwedische Kirchenhistoriker Prof. S. Görans-
schreibung für verbrennen), verbrennt Menschen.” Ich son schrieb:
sage immer, wer geistig einem nicht gewachsen ist, der “Die Geschichtsforschung und der Geschichtsun-
greift zu Verboten, zur Zensur. Wenn ich ehrlich bin, terricht beeinflussen die Geschichtsbetrachtung.
muß ich sagen: Ich wüßte nicht, was an diesem Artikel Diese wiederum beeinflußt die politische Hand-
von Professor Löw antisemitisch ist. lung.”
Aber solches Makulieren ist ja nichts Einmaliges in Daß es zur richtigen Geschichtsbetrachtung kommt,
der BRD und auch nicht einmalig für die “Bundeszen- dafür sorgt die “Bundeszentrale für politische Bildung”
trale für politische Bildung”. Da haben vor Jahren drei durch Makulieren “sachlicher Schriften”. Somit möchte
deutsche Professoren eine alternative Schulbuchemp- ich behaupten, beruht unsere Politik gegenüber Juden
fehlung zu der offiziellen geschrieben (laut Urteil des und Polen auf falschen Prämissen, wie wir in bezug auf
polnischen Professors Mladislaw Markiewicz handelte die Juden gleich sehen werden.
es sich bei diesen deutschen Wissenschaftlern um Der Chefkommentator des Jewish Chronicle, Chaim
zweitrangige Historiker). Die “Bundeszentrale für poli- Bermant, nennt eine solche Maßnahme einen “Affront
tische Bildung” erklärte sich bereit, diese in der Beilage gegen die Freiheit”:2
zum “Parlament” “Aus Politik und Zeitgeschichte” zu “Keine Gefahr, die entstanden ist oder die durch
veröffentlichen und zur Diskussion zu stellen. Die drei Verbreitung revisionistischer Literatur entstehen
Verfasser haben bereits die Korrektur gelesen und an könnte, ist auch nur annähernd so schlimm wie der
den Verlag zurückgeschickt. Kurz darauf erhielten sie entstehende Verdacht, daß es etwas zu verheimli-
von der “Bundeszentrale für politische Bildung” einen chen gibt.”
Brief, in dem das Direktoriumsmitglied Rommerskir- Professor Dr. Wolfgang Benz, Leiter des Antisemi-
chen schrieb:1 tismus-Instituts in Berlin, schreibt nun in seiner Ant-
“Aus allgemein politischen Gründen wolle man wort auf Professor Löws Artikel:
nunmehr, in Erachtung der unausbleiblichen innen- “Antisemitismus ist kein von Juden verursachtes
und außenpolitischen Konsequenzen die Alternati- Phänomen, ist auch nicht Reflex auf jüdische Eigen-
vempfehlung nicht publizieren. Sachlich habe man schaften oder Handlungen. Antisemitismus ist viel-
gegen die Wissenschaftler nichts einzuwenden, es mehr ein Symptom für Defekte in der Mehrheitsge-
gehe lediglich, um die zu erwartende politische sellschaft, ausgelöst durch Frustrationen und Äng-
Auswirkung.” ste, stimuliert durch Propaganda und Suggestion,
Hier hat sich die Bundeszentrale zur Hure der Politik genährt durch Tradition und Verabredung.”
gemacht! Unser großer deutscher Philosoph der Aufklärung,
Wie kam es dazu? Der polnische Botschafter hat von Immanuel Kant, leidet sicherlich auch an solchen gei-
der zu erwartenden Veröffentlichung der Alternativ- stigen Defekten; denn er schrieb:3

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 411


Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

“Das Verhängnis der Juden ist ihre Wahnvorstel- nicht zum Nachteil der Juden sein müsse. Er regt an,
lung, das auserwählte Volk Jahwes, eines Völker- den Charakter der Juden zu formen. Er härtet die Juden.
mörders, zu sein, welches alle anderen Völker an- Er dient nach Darwin der Auswahl.9 So dachte auch der
feindet, und dafür von jedem angefeindet wird.” Sozialdarwinist Adolf Hitler!
Der jüdische Historiker Arthur Herzberg stimmte In Deutschland war der Antisemitismus am Ausster-
ihm zu:4 ben. Es ist falsch, schrieb der jüdische Kolumnist
“Judenhaß [ist] kein irrationales Vorurteil, wel- Jacques Schuster,10
ches die nichtjüdische Welt befallen hat, sondern ei- “in Deutschland von einer Symbiose zwischen
ne wütende und gleichwohl nachvollziehbare Reak- Deutschen und Juden zu sprechen, denn die Juden
tion.” waren Teil der deutschen Kultur und Gesellschaft.
Auch der so angesehene jüdische Philosoph Schalom Eine Tatsache, die jeder belegen kann, der auf jüdi-
Ben-Chorin teilte diese Meinung:5 sche Stimmen der Vergangenheit hört, und er zitiert
“Es ist nun die Kontinuität jener Ideologie der als Beispiel Rathenau: ‘Ich habe und kenne kein an-
Thora, der Propheten, ‘der Schriften’, über deres Blut als deutsches, keinen anderen Stamm,
Mischna, Talmud und Schulchan-Aruch, die das Ju- kein anderes Volk. […] Vertreibt man mich von mei-
dentum der Diaspora stets in zwangsläufigen Kon- nem deutschen Boden, so bleibe ich deutsch und es
flikt mit seinen Wirtsvölkern brachte, daß alle anti- ändert sich nichts.’”
jüdischen Reaktionen der Wirtsvölker, geistiger, kul- Ich könnte als Beispiel auch Dr. Hans Joachim
turpolitischer Art, stets ihre Ursachen haben in jener Schoeps hinzufügen.
Überheblichkeit der jüdischen Ideologie, ein von Aber Juden behaupten heute, weil es opportun ist, so
Gott angeblich auserwähltes Volk zu sein, ein Volk, auch Professor Julius Schoeps, der Sohn des eben zitier-
das sich streng gegen die Gojim, die nichtjüdischen ten Hans Joachim, auf einer Tagung der Katholischen
Wirtsvölker absonderte und abschloß und ihnen ge- Akademie in München im Kardinal-Wendel-Haus: Die
genüber jene talmudisch-kasuistische Doppelmoral Judenfeindschaft der Deutschen habe ihre Wurzeln in
bestätigte, die von jeher Entrüstung und Abwehr der christlich-jüdischen Differenz, in der Ablehnung
dieser Wirtsvölker hervorrief.“ des Judentums durch das Christentum; die Deutschen
Auch der renommierte jüdische Historiker und Pu- hätten den Antisemitismus schon in den Genen, denn
blizist Arthur Koestler meinte, daß die jüdische Religi- “heute [wird] nicht mehr bestritten, daß die Entstehung
on keine Religion wie andere sei. Dies zu behaupten,6 des modernen Antisemitismus mit dem dramatischen
“ist entweder Heuchelei oder Widerspruch in Wandel zusammenfällt, dem die deutsche Gesellschaft
sich selbst. Der jüdische Glaube zwingt dazu, sich nach 1870 ausgesetzt war.”11
selbst in nationaler und rassistischer Hinsicht abzu- Ist es denn Herrn Professor Schoeps entgangen, daß
sondern. Er schafft seine eigenen kulturellen und Juden es waren, die zuerst Christen verfolgt und ermor-
ethnischen Gettos. […] Aber ich möchte unterstrei- det haben, so den Hl. Stephan? (Siehe dazu Pauli “Er-
chen, daß wir vor einem circulus vitiosus stehen: ster Brief an die Thessalonicher”, 1, 14 – 16) Der Chri-
daß eine Religion mit dem säkularen Anspruch ras- stenhaß der Juden war der Vater des Judenhasses der
sischer Exklusivität zwangsläufig säkulare Rückwir- Christen:12
kungen auslösen muß. Der jüdische Glaube zwingt “Die Juden haben in der Tat, wo sie es konnten,
dazu, sich selbst in rassischer und nationaler Hin- Christen verfolgt, schon im antiken Palästina, so-
sicht abzusondern. Er schafft seine eigenen kulturel- lange ihre nationalen und religiösen Autoritäten ne-
len und ethnischen Ghettos.” (Hervorh. d.V.) ben den römischen Behörden einigen Einfluß erhiel-
Professor Dr. Hans Joachim Schoeps wußte seiner- ten, und besonders in Zeiten des Konflikts mit Rom,
zeit schon, was der jüdische Soziologe, Professor Dr. als sie Herren im Lande waren.”
Alphons Silbermann, später zugegeben hat:7 Laut Apostelgeschichte (2,46) gab es ursprünglich
“Überhaupt sollte nie übersehen werden, daß die keine Feindschaft zwischen Christen und Juden. Diese
von den Juden erfahrenen Leiden, ob physischer, verharrten nach der Kreuzigung Christi noch Tag für
existentieller oder geistiger Art, oft einem Eigenver- Tag einmütig im Tempel. Später wurden die Christen in
schulden entsprangen.” Palästina von den Juden verfolgt und nicht von den
Der geistige Vater des Zionismus, Theodor Herzl, Römern. Wer sich seinerzeit zu Christus bekannte, wur-
fand den Antisemitismus sogar sehr nützlich:8 de von diesen jüdischen Manichäern “aus der Synagoge
“Der Antisemitismus, der in der großen Menge ausgestoßen.” (Joh. 8,22)
etwas Starkes und Unbewußtes ist, wird aber den Der Religionshistoriker Olof Blaschke behauptete
Juden nicht schaden. Ich halte ihn für eine dem Ju- auch in seinen Schriften, “der Antisemitismus sei nicht
dencharakter nützliche Bewegung.” nur konstitutiv für bestimmte katholische Gemeinschaf-
So dachte auch der jüdische Schriftsteller Israel ten, sondern bereits die katholische Lehre selbst ist anti-
Zangwill. Er fand schon 1888, daß der Antisemitismus semitisch, da zentraler Bestandteil der heiligen Schrif-

412 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

ten.” Führer, beschuldigte sogar die kaiserliche Regierung,


Hier verwechselt Olof Blaschke bewußt Antijudais- den Krieg gewollt zu haben. Er schrieb in der jüdischen
mus mit Antisemitismus. Antisemitismus ist ein poli- Vossischen Zeitung, dies war nicht nur eine Zeitung mit
tisch-rassistischer Begriff und findet seine Anwendung “unterhaltsamen Blättern” (Benz), der Zeitung des Ver-
nach meinen Kenntnissen erst im 19. Jahrhundert. Beim legers Georg Bernhard, am 1.11.1914:
Urchristentum spielte der Rassismus überhaupt keine “Der Ausbruch des Krieges war für Frankreich
Rolle. Jesus bekämpfte nicht die Juden als Volk, die er- eine furchtbare Überraschung, für die Regierung
sten Christen waren Juden, sondern die Pharisäer und nicht minder wie für das Volk; dieses hat ihn ebenso
Schriftgelehrten. wenig gewollt, wie jene; das muß vor den Deutschen
Ist es denn Herrn Professor Schoeps auch entgangen, veröffentlicht und vor der Geschichte feierlich be-
daß dem vom Kaiser geadelten Eduard von Simson so- zeugt werden.”
gar die Ehre zuteil wurde, 1871 zum ersten Reichstags- Der deutsch-jüdische Philosoph Hermann Cohen, ein
präsidenten des Zweiten Reiches gewählt zu werden? Er Neu-Kantianer, rief bei Kriegsbeginn die Juden der
repräsentierte sozusagen das deutsche Volk. Der geadel- ganzen Welt auf, für Deutschland zu streiten. Denn
te Jude Heinrich von Friedberg, langjähriger preußi- wenn es einen Antisemitismus gab, dann gab es diesen
scher Justizminister, gehörte zu den leitenden Verfas- in Rußland. Dies bestätigte sogar W. Churchill. Er stell-
sern des einheitlichen Strafgesetzbuches für das Deut- te damals fest, was ihn aber nicht hinderte, sich mit den
sche Reich. Juden waren also nicht nur vom Gesetz her Russen zu verbünden:13
allen deutschen Bürgern gleichgestellt, sondern auch “In keinem Land in der Welt wurden die Juden so
angesehen. Die jiddische Literatur erlebte zu jener Zeit grausam behandelt, wie im miserablen russischen
ihre größte Blüte. Staat.”
Dies bestätigte auch die jüdische Philosophin Han- Und mit diesem Land verbündeten sich nun die Zio-
nah Arendt in ihrem Buch Elemente und Ursprünge to- nisten:14
talitärer Herrschaft: “Der Geist des deutschen Nationalismus ist der
“Eine eigentliche antisemitische Bewegung hat ‘Geist des klassischen Humanismus und des wahren
der liberale und radikale Antisemitismus in Preußen, Universalismus’, in dem sich für Juden gut leben
im Unterschied in dem von Frankreich und Öster- ließ. […] In seinen patriotischen Artikeln ‘Deutsch-
reich, so wenig entfesselt wie der der Aristokraten. tum und Judentum’ verteidigte Cohen während des
[…] Die Judenfrage verlor überhaupt in den Jahr- Ersten Weltkrieges Deutschland als den wahren
zehnten, die der Revolution von 1848 vorangingen, Vorboten der zu erwartenden messianischen Ord-
an Bedeutung; in den vierziger Jahren verlangten nung. Seit der Gründung Deutschlands (II. Reich)
die deutschen Landtage überall die jüdische Eman- repräsentierte es den jüdischen Geist, und Juden auf
zipation, und von antijüdischer Agitation war kaum der ganzen Welt stehen ‘Deutschland gegenüber zum
die Rede. […] In der Vorkriegszeit versickerte die Dank verpflichtet, wie Kinder ihren Eltern gegen-
Agitation der Antisemiten, und die Mitgliederzahl über, und sie sollen für den gerechten Krieg kämp-
ihrer Parteien nahm so rapide ab, daß alle Welt fen, der ihnen den ewigen Frieden bringt.’”
meinte, es habe sich hier nur noch um ein letztes In Berlin lebte zu jener Zeit die größte Ansammlung
Aufflackern des alten Judenhasses gehandelt.” (S. von Juden. Hier mag es angebracht sein, Benjamin H.
75, 88) Freedman zu zitieren. Freedman war keine unbedeuten-
Dann kam der Erste Weltkrieg – und hier schieden de Persönlichkeit. Er war ein wohlhabender, jüdischer
sich die Geister. Nicht alle deutschen Juden sind bereit New Yorker Großkaufmann und mit Bernard Baruch,
gewesen, ihre Kräfte dem Vaterland zu widmen. Den Samuel Untermeyer und Woodrow Wilson befreundet.
ersten Schritt zur Trennung von Deutschland unternahm In einer Rede im Jahre 1961 im Willard Hotel in Wa-
die zionistische Führung. Er bestand darin, ihr Haupt- shington zu Ehren des Zeitungsherausgebers Conde
quartier in Deutschland aufzulösen. Sie setzten also McGinley sagte er:15
schon auf die Niederlage Deutschlands. Das Zentralbü- “Den Juden auf der Welt ist es nirgends besser
ro wurde nun von Berlin nach Kopenhagen, ins neutrale gegangen als in Deutschland. Da war Herr Rathe-
Ausland verlegt. Nahum Sokolow persönlich, seit dem nau, der war in bezug auf Finanzen und Industrie
Tode Herzls Generalsekretär der Zionistischen Organi- möglicherweise für Deutschland hundertmal wichti-
sation, hielt nun nichts mehr vom Kaiser, der früher ger als Baruch für Amerika; da war Herr Balin, der
Herzl nach Jerusalem mitgenommen hatte. Er, der B’nai besaß die zwei größten Reedereien Deutschlands,
B’rith Bruder, der “Insider”, der Herausgeber der zioni- den Norddeutschen Lloyd und die Hamburg-Ame-
stischen Zeitschrift “Die Welt”, löste seinen Kölner rika-Linie; da war Herr Bleichroeder [vom Kaiser
Haushalt auf und zog gleich nach London, ins Feindes- 1872 geadelt], er war der Bankier der Hohenzol-
land. lerndynastie; da war Herr Warburg in Hamburg, er
Max Nordau, Herzls Nachfolger als zionistischer war der größte Bankier der Welt. Den Juden ging es

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 413


Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

sehr gut in Deutschland. Daran gibt es nichts zu und schurkenhafteste Hetzpropaganda, die je ein
deuteln. […] Lump gegen Deutschland betrieben hat. Er ließ Fil-
Als die Briten große Schwierigkeiten hatten und me herstellen, mit deren Hilfe der Name und die Eh-
dazu neigten, auf die deutschen Friedensangebote re der deutschen Nation in unflätigster Weise in den
einzugehen, wandten sich die Zionisten an das briti- Schmutz gezogen und in denen wir Deutsche das
sche Kabinett und sagten: ‘Schaut mal, ihr könnt hassenswerteste und verrufenste Volk des Erdballs
den Krieg gewinnen. Ihr müßt nicht kapitulieren. Ihr dargestellt wurde. Er hat dazu beigetragen, daß
müßt das Friedensangebot der Deutschen nicht an- Amerika Deutschland den Krieg erklärt hat.”
nehmen. Ihr könnt den Krieg gewinnen, wenn es Die Zionisten haben Deutschland und die deutschge-
euch glückt, Amerika mit hineinzuziehen. […] Den sinnten Juden verraten. Einige ihrer Führer, die in
Preis, den ihr bezahlen müßt, ist, daß ihr uns Palä- Deutschland während des Krieges lebten, wie Nahum
stina versprecht, nachdem Deutschland, Österreich- Goldmann und der Salonbolschewist Harden, haben
Ungarn und die Türkei besiegt sind.’ Die Briten ver- schon 1916, also während der Krieg heftig brannte und
sprachen dies im Oktober 1916, und mit einem Deutschland sich in größter Not befand, das Deutsche
Schlag änderte sich die Stimmung in den Vereinigten Reich öffentlich bekämpft und verleumdet. Diese und
Staaten: Die Deutschen waren Verbrecher; sie wa- ihre kommunistischen Rasse-Genossen arbeiteten auf
ren die Hunnen; sie ermordeten Rot-Kreuz-Schwe- den Sturz des Kaisers, auf die Vernichtung des Reiches
stern; sie hackten Kindern die Hände ab; kurz ge- hin und versetzten den deutsch gesinnten Juden in eine
sagt: sie waren der Abschaum der Menschheit. […] mißliche Lage. Im “Deutschen Revolutionsalmanach
Ich war befreundet mit Rollo Wells; er war Fi- 1917” wetteiferten vor allem Juden (Hebräer, wie Hitler
nanzminister. Ich saß mit Präsident Wilson und den sie in “Mein Kampf” nannte), wie Philipp Scheide-
anderen zusammen an einem Tisch. Ich hörte, wie mann, Otto Landsberg, Karl Kautsky, Erich Mühsam,
sie Wilson […] mit dem Zionismus indoktrinierten. Friedrich Adler u.v.a. gegen den Kaiser und höhere Of-
Der höchste Richter der Vereinigten Staaten, der fiziere und unterließen nichts, um den Kaiser zu stür-
Zionist Justice Brandeis, war Wilson so nahe wie zen. Friedrich Adler ermordete sogar den österreichi-
diese zwei Finger an meiner Hand. Diese bestimm- schen Ministerpräsidenten Graf Stürghk. In seiner Ta-
ten, daß wir in den Krieg ziehen sollten. Diese sand- gebucheintragung vom 22.10.1916 schrieb Erich Müh-
ten unsere Jungs nach Europa, damit sie geschlach- sam. “Mit größter Freude und Genugtuung” empfing
tet werden. Und wozu? Damit die Juden in Palästina ich die Nachricht über die Ermordung des Grafen
ihre Heimstätte erhalten.” (Hervorh. d.V.) Stürghk durch Adler.18
Zum Antisemitismus beigetragen haben auch Sie erzwangen den Rücktritt des Generals von Lu-
deutsch-gebürtige Juden in den USA, was nach dem dendorff, einer der fähigsten Generale. Sie prahlten
Kriege, als es bekannt wurde, als besonders verwerflich nach dem Kriege:
angesehen wurde. So verfilmte Carl Laemmle, ein ge- “Der Dolchstoß von hinten war der glücklichste
bürtiger Schwabe aus Laupheim, der Besitzer des Fil- Dolchstoß des revolutionären Proletariats.”
mimperiums “Universal Pictures” einen Hetzfilm gegen Daß dieser Begriff von Juden kam, belegte der kai-
das deutsche Kaiserreich. Ein deutscher Offizier, Erich sertreue Jude Nikolaus Paul Cossmann in den Süddeut-
von Eberhard, gespielt von dem jüdischen Hochstapler schen Monatsheften.19
Erich Stroheim (Hochstapler, weil er sich das Adelsprä- Über Cossmann schrieb Hellmuth Auerbach in Hit-
dikat “von” zulegte), riß einer Frau das Kind aus den lers politische Lehrjahre:
Armen und warf es auf den Boden, der Frau riß er die “Paul Nikolaus Cossmann hat die von ihm her-
Kleider vom Leib, warf sie auf ein Bett, und versuchte, ausgegebenen angesehenen und einflußreichen
sie zu vergewaltigen. Da er durch den Schrei des Kin- ‘Süddeutschen Monatshefte’ ganz in den Dienst der
des gestört wurde, stieg er von der Frau herunter, warf ‘nationalen Sache’ gestellt. […] Trotz der jüdischen
das Kind zum Fenster hinaus und setzte dann seine Abkunft ihres Herausgebers war die Zeitschrift auch
Vergewaltigung fort.”16 von einem latenten Antisemitismus durchzogen.”20
Dieser Film wurde während des Zweiten Weltkrie- Der Jude Cossmann war kein Antisemit. Er be-
ges in Soldatenheimen in Norwegen vorgeführt und kämpfte in Deutschland nur diese vaterlandslosen
darauf hingewiesen, daß die Herren Laemmle und Stro- Juden wie übrigens auch Ludwig Thoma im Miesba-
heim Juden waren und dies zum Krieg der USA mit cher Anzeiger.”
Deutschland geführt hat. Ich sah ihn im Soldatenheim Der Jude Kurt Eisner, Chef der bayerischen Rätere-
in Narvik. gierung, interessierte sich nicht nur für Bayern (Benz).
Carl Laemmle wurde Ehrenbürger der Stadt Laup- Er war auch der Meinung, daß ein “mea culpa” (meine
heim. Dagegen wetterte “Der Stürmer” auf das heftig- Schuld, noch besser: eine mea maxima culpa) die Alli-
ste:17 ierten in Versailles veranlassen würde, der revolutionä-
“Carl Lämmle betrieb die niedrigste, verlogenste ren Regierung zu helfen. Daher veröffentlichte er “Do-

414 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

kumente”, welche die deutsche Kriegsschuld eindeutig Rainer Zitelmann.22


beweisen sollten. Diese Sammlung von Dokumenten Der Historiker Heinrich Winkler schloß sich Zitel-
war mit vielen Fehlern belastet. Dann wurde sie noch mann an:23
mit Eisners Kommentaren ergänzt, in denen er Deutsch- “Die überzeugten Antisemiten hatte Hitler, als er
land die alleinige Kriegsschuld aufbürdete. Diese Ver- den Durchbruch bei den Reichstagswahlen 1930
fälschungen Eisners dienten dann dem französischen schaffte, weitestgehend hinter sich. Um über die Mit-
Präsidenten Poincaré in seiner Einführungsrede in Ver- telschicht hinaus Arbeiter zu gewinnen, bedurfte es
sailles als Argument, um Deutschland alleine für den anderer Parolen. Denn in der Arbeiterschaft war der
Kriegsausbruch verantwortlich zu machen. Antisemitismus weniger ausgeprägt. Da waren die
Nun zur Weimarer Republik: Der schon zitierte Jude Anti-Reparations-, Anti-Versailles- und Anti-
Nahum Goldmann schrieb:21 Weimar-Parolen erfolgversprechender.”
“Der Höhepunkt jüdischen Einflusses wurde in Auch der Zeithistoriker Golo Mann, der alles andere
der Weimarer Republik erreicht – wohl eine der als hitlerfreundlich war und Hitler nie beim Namen
größten Kulturepochen der deutschen Geschichte nennen wollte, schloß sich den oben zitierten Histori-
[da kannte dieser Ostjude die deutsche Kulturge- kern an:24
schichte nicht]. Die drei bedeutendsten deutschen “In den drei Jahren vor Hitlers Machtergreifung
Banken [die alle pleite gemacht haben] – Deutsche frönte die Nazi-Propaganda nur in geringem Maß
Bank, Disconto-Gesellschaft und Dresdner Bank – dem Judenhaß. Zeitweise – wie etwa vor Hitlers ent-
hatten jüdische Direktoren; die drei größten Tages- scheidendem Wahlsieg im September 1930 – ist die
zeitungen – Berliner Tageblatt, Vossische Zeitung jüdische Frage so gut wie ausgeklammert.”
und Frankfurter Zeitung – gehörten Juden und wur- Abschließend möchte ich noch ein aufschlußreiches
den meist von Juden redigiert; die zwei einflußreich- Urteil des jüdischen Professors Dr. Dr. h.c. E. K. Fran-
sten deutschsprachigen Zeitschriften – Die Fackel cis über die Weimarer Republik zitieren:25
und Die Weltbühne – wurden von Juden geleitet; der “Wer die politischen Ereignisse der zwanziger
wichtigste Theaterdirektor – Max Reinhardt – war Jahre aus eigener Nähe miterlebt hat, erinnert sich,
Jude.” daß eine freilich selten erwähnte Mitschuld an dem
Im Nachlaß meines oben zitierten Freundes Dr. Anschwellen faschistischer Bewegungen jene tragen,
Friedlaender in “arbetarrörelsens arkiv” in Stockholm deren parlamentarische Tricks, aufwendige Propa-
fand ich folgenden Text: gandamethoden, leere Reden zum Fenster hinaus,
“Mein Deutschland – In diesem Deutschland war Unredlichkeit und Selbstbereicherung (die freilich
ich Bürger und wollte es sein. Daß ich Jude bin, gab nie das heutige Ausmaß erreichen konnte) so absto-
hier und da Anlaß zu fühlen, wie dieser und jener ßend auf viele wirkten, daß sie bereit waren, Hitler
sich distanzierte, nahm mir aber nie das Gefühl der ‘eine Chance’ zu geben (wie man damals sagte),
Zugehörigkeit zu einem Volke, in dem die Vorfahren auch wenn sie selbst ganz und gar nicht für die Ju-
[sein Vater war kaiserlicher Sanitätsoffizier in Pots- denverfolgung, Bücherverbrennung oder Aufrüstung
dam] seit Jahrhunderten als Kaufleute, Ärzte, und waren.” (Hervorh. d.V.)
Beamte ehrlich gearbeitet hatten. […] Es gab keine Nun wunderte sich Prof. Benz, daß nach der Macht-
andere Geborgenheit. Hier gehörst Du hin, hier übernahme “nicht einmal mehr das Minimum an Solida-
wächst Du wie der Baum auf dem Felde.” rität, Rechtsbewußtsein und Anstand, das im sozialen
Dr. Friedlaender wurde in den zwanziger Jahren zum Leben einer so kultivierten Nation wie der Deutschen
Vorsitzenden des deutschen Studentenbundes gewählt; und angesichts des hohen Assimilationsgrades der deut-
dazu gehörten auch die österreichischen Studenten. Es schen Juden selbstverständlich hätte sein müssen, vor-
gab wohl unter Studenten Animositäten gegen Juden, handen war.”
aber keine Diskriminierung, wie Dr. Friedlaender mir Ist es denn Prof. Benz nicht bekannt, daß Juden in
sagte. England und in den USA das “Rechtsbewußtsein und
Es gab also, dies darf man behaupten, in der Weima- der Anstand” fehlte, denn sofort nach der Machtüber-
rer Republik keinen bedeutenden Antisemitismus. Die nahme Hitlers setzten diese eine ungeheure Greuelhetze
NSDAP brachte trotz ihres antisemitischen Programms in Gang und riefen zum Boykott deutscher Waren auf?
keine Hörer in die Versammlungssäle. Erst durch die Einer der Führer des “American Jewish Congress”, Jo-
Wirtschaftskrise bekam sie Zulauf, woraus man ersieht, seph Tenenbaum, rief gleich nach der Machtübernahme
daß der Antisemitismus der NSDAP nicht der Anlaß zu zum Boykott deutscher Waren auf und am 13.3.1933
Hitlers Erfolg war, obwohl Juden der Zugang zu den drohte er Deutschland sogar mit einem bellum judaicum
NSDAP-Versammlungen immer noch untersagt war. In (jüdischen Krieg).26
den letzten Jahren der Weimarer Republik erwähnte In britischen Zeitungen konnte man lesen, was heu-
Hitler in seinen Reden die Juden gar nicht mehr, son- tige Historiker den Deutschen unterstellen:
dern nur das soziale Elend; das “trieb ihn um”, meinte “No German goods sold here.” (Hier werden keine

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 415


Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

deutschen Waren verkauft); oder “No German travellers “Die Greuelpropaganda im Ausland macht uns
should call here.” (Deutsche Touristen sind nicht er- viel zu schaffen. Die vielen aus Deutschland emi-
wünscht)27 grierten Juden verhetzen das ganze Ausland gegen
Der Behauptung von Professor Wolfgang Benz, uns.”
“zum Alltag in Deutschland gehörten die Schilder an Zwei Tage später, am 26.3.1933, schrieb er:31
Ortseingängen und prominenten Plätzen, die höhnisch “Wir werden gegen die Auslandhetze nur an-
und drohend antijüdische Botschaften verkündeten”, kommen, wenn wir ihre Urheber oder doch wenig-
möchte ich widersprechen. In den Pfingstferien 1939 stens Nutznießer, nämlich die in Deutschland leben-
machte ich eine Rundwanderung um Schleswig- den Juden, die bisher unbehelligt blieben, zu packen
Holstein. Da habe ich keinen einzigen Hinweis vor ei- bekommen. Wir müssen also zu einem großangeleg-
nem Dorf gesehen, daß Juden nicht erwünscht seien. ten Boykott aller jüdischen Geschäfte in Deutsch-
Auch nicht in meiner oberbayrischen Heimatgemeinde land schreiten. Vielleicht werden sich dann die aus-
und in meinem Heimatbezirk gab es derartige Hinweise. ländischen Juden eines besseren besinnen, wenn es
Dies sage ich “auf Ehr’ und Seligkeit”. ihren Rassegenossen in Deutschland an den Kragen
So wunderte sich auch George Clare im Sommer geht.”
1938, daß Juden in Berlin Autofahren und in Cafés sit- So kam es am 1.4.1933 zu einem einmaligen Boy-
zen durften, was laut der Hetze in den USA und in Eng- kott jüdischer Geschäfte.
land Juden angeblich nicht gestattet war. “Auf dem ge- Diesen Boykott rechtfertigte sogar der evangelische
samten Kurfürstendamm sah er nur ein einziges antijü- Generalsuperintendant Otto Dibelius, der spätere Bi-
disches Schild.”28 schof von Berlin-Brandenburg. Die Maßnahmen der
Im Daily Express (Herausgeber Ralph David Blu- Reichsregierung seien eine legitime Antwort auf die
menfeld) stand am 24. März 1933 in ganz großer Auf- Hetze ausländischer Juden. Er sagte, der Boykott sei in
machung: absoluter Ruhe und Ordnung verlaufen. Im Deutschen
“Juden der ganzen Welt einig – Boykott deut- Rundfunk am 6.4.1933 richtete er einen Appell an
scher Waren – Massendemonstrationen.” Amerika:
Unterhalb dieser Schlagzeile befand sich eine Pho- “An den Schauernachrichten über grausame und
tomontage, die Hitler als Angeklagten vor einem jüdi- blutige Behandlung der Kommunisten und Juden ist
schen Gericht, dem Sanhedrin, stehend zeigte. kein wahres Wort. Auf Grund dieser falschen Nach-
Dieser Boykott war so effektiv, sagte der oben schon richten hat nun das Judentum in mehreren Ländern
zitierte Benjamin H. Freedman,29 eine Agitation gegen Deutschland begonnen. Um
“daß man in keinem Kaufhaus in New York Wa- diesen Boykott zu brechen, haben die deutschen Na-
ren mit der Aufschrift ‘Made in Germany’ angetrof- tionalsozialisten nun ihrerseits eine Boykottbewe-
fen hat. In einem Kaufhaus, das zur R.H. Macy-Kette gung gegen das Judentum in Deutschland eingelei-
gehörte, deren Besitzer die Familie Strauß war, die, tet.”
wie bekannt, Juden sind, fand eine Frau Strümpfe, Den Schongauer Nachrichten vom 1.4.33 entnehme
die aus Chemnitz kamen und mit ‘Made in Germany’ ich:
markiert waren. Ich sah, wie Hunderte von Men- “Der Jude hat es gewagt, dem deutschen Volke
schen dieses Kaufhaus boykottierten. Sie gingen um- den Krieg zu erklären. Er betreibt in der ganzen
her und trugen Schilder mit der Aufschrift ‘Mörder, Welt mit Hilfe der in seinen Händen befindlichen
Nazis’. Aber zu jener Zeit wurde den Juden kein Presse einen großangelegten Lügenfeldzug gegen
Haar gekrümmt. Sie mußten nicht leiden; sie mußten das wieder national gewordene Deutschland. Er be-
nicht hungern; sie wurden nicht ermordet; es ge- zichtigt die Deutschen der unerhörtesten und
schah ihnen nichts.” schändlichsten Greueltaten, der erbärmlichsten
Der jüdisch-polnische Staatsbürger und Mitglied der Verbrechen. Er fordert auf zum Boykott deutscher
Comedian Harmonist, Roman Cykowski, sagte im Erzeugnisse! Wir fordern die deutsche Bevölkerung
Fernsehen in einem Gespräch mit Vilsmayer:30 auf: Kauft nicht in jüdischen Geschäften!”
“‘Ich will ehrlich sein, ich wurde in Deutschland In der Ostfriesen-Zeitung konnte man lesen:32
nicht verfolgt, mir ist es immer gut gegangen. Ich “Zur Abwehr der Greuelhetze gegen Deutschland
durfte ins Ausland reisen und wieder zurückkommen. im Ausland wurden am 29. März in den meisten Or-
In Polen wurde ich verfolgt,’ fügte er hinzu. ‘Des- ten Ostfrieslands die jüdischen Geschäfte für einen
wegen bin ich nach Deutschland ausgewandert.’ Er Tag geschlossen. Wenn sich auch in der Stadt Leer
mußte nicht flüchten, noch 1941 konnte er legal in eine merkbare Erregung zeigte, so ist es doch zu
die USA ausreisen. In Los Angeles erhielt er eine keinen Zwischenfällen bei der Aktion gekommen.”
Kantorstelle.” Am 5.8.1933 belegte Rabbiner Wise Hitler sogar mit
Am 24.3.1933 vertraute der Propagandaminister Jo- einem Bann, dem sogenannten “Cherem”. Kein Jude
seph Goebbels seinem Tagebuch an: durfte, wo immer auch auf der Welt, sich mit deutschen

416 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

Waren befassen.33 Wise wußte doch, daß in Deutsch- Schon vor der Machtübernahme schrieb Bernat Lacache
land ein Boykott gegen jüdische Geschäfte nicht mehr (Präsident der LICA (World Jewish League against An-
stattfand. Aber er hetzte trotzdem eifrig weiter – zum tisemitism)):36
Nachteil und zum Leidwesen der in Deutschland noch “Deutschland [ist] unser Feind Nr. 1. Es ist unse-
lebenden Juden. re Absicht, diesem Land ohne Gnade den Krieg zu
In einem Gespräch mit dem südafrikanischen Ver- erklären.”
teidigungs- und Wirtschaftsminister Pierow sagte Hit- Und gleich nach der Machtübernahme Hitlers ver-
ler:34 kündete der spätere jüdische Finanzminister Henry
“Er habe einen solchen Ekel vor der Hetze und Morgenthau jun. der Welt:37
den Judendebatten in England. Neun Zehntel der in “Die USA sind in den Abschnitt des Zweiten
Deutschland lebenden Juden seien in den letzten Weltkrieges eingetreten.”
Jahrzehnten aus dem Osten eingewandert. Was sie Im Daily Express konnte man am 24. März 1933 le-
uns antun, tut uns die gesamte jüdische Gemein- sen:
schaft an. Obwohl die Briten den Kaiser für den “Das Judentum erklärt Deutschland den Krieg.
Krieg verantwortlich machten, mußte das ganze Der jüdische Handelsfürst verläßt sein Geschäfts-
deutsche Volk dafür leiden.” haus, der Bankier seine Bank, der Händler seinen
In unseren jetzigen Schulbüchern und in Filmen se- Laden und der Hausierer seinen bescheidenen Tra-
hen wir immer wieder, so auch wieder im Münchner gekasten. […] Vierzehn Millionen Juden stehen wie
Merkur am 10.10.1998 (eigentlich immer das gleiche ein Mann zusammen, um Deutschland den Krieg zu
Bild), wie zwei SA-Männer am 1. April 1933 vor jüdi- erklären.”
schen Geschäften stehen und Plakate mit der Aufschrift Der Präsident der “Internationalen Boykottkonfe-
tragen: “Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden!” renz”, Samuel Untermeyer, rief im August 1933 im
Von der oben erwähnten vorausgegangenen Boy- Sender WABC zum “heiligen Krieg” gegen Deutsch-
kott- und Kriegserklärung der zionistischen Führung- land auf:38
scliquen in den USA und in England ist in den Schul- “Meine Freunde, ich freue mich, wieder hier zu
büchern und in den historischen Arbeiten – abgesehen sein und über die Erleichterung und über das Gefühl
von den revisionistischen – schon gar nichts zu lesen der Sicherheit, die mir der amerikanische Boden bie-
und in den Filmen nichts zu sehen. tet. Nach den herzzerbrechenden Erzählungen der
In “Revisionismus”, ein Pamphlet, herausgegeben Flüchtlingsopfer, die jeglicher Beschreibung spot-
vom bayrischen Innenministerium auf Kosten der Steu- ten, bekam ich in den zwei Wochen [er nahm an der
erzahler, das an allen Schulen verteilt wurde, heißt es Internationalen jüdischen Boykott-Konferenz in Den
auf Seite 6: Haag teil], die ich in Europa verbrachte, Alpträume
“Die nationalsozialistische Judenverfolgung be- und Ängste. Ihre begeisterte Begrüßung dient nicht
gann 1933 bereits kurz nach der ‘Machtübernahme’ mir, […] sie dient dem heiligen Krieg für die
mit dem Boykott und der Plünderung jüdischer Ge- Menschheit, auf den wir uns eingelassen haben. […]
schäfte.” Es ist ein Krieg, der unermüdlich geführt werden
Der Hitler Biograph Joachim C. Fest verschwieg in muß. […] Als unser Schiff heute an der Bucht her-
seinem Buch von 1190 Seiten den Lesern, daß dem auffuhr, an unserer stolzen Freiheitsstatue vorbei,
Boykott gegen jüdische Geschäfte ein Boykott gegen verrichtete ich ein Gebet der Dankbarkeit und
deutsche Waren in England und in den USA vorausge- Danksagung, daß dieses schöne Land der Freiheit
gangen ist:35 dem Fluch entkam, der sich auf das ritterliche
“Schon im März war es zu ersten antisemitischen Deutschland legte, das dadurch von einer Kulturna-
Ausschreitungen durch kommandierte SA-Einheiten tion in eine wahrhaftige Hölle von grausamen und
gekommen. Sie hatten jedoch im Ausland so heftige wilden Bestien verwandelt wurde. …
Angriffe hervorgerufen, daß Goebbels und Julius Ich habe viele dieser mit Schrecken erfüllten
Streicher Hitler bedrängten, durch offen verstärkten Flüchtlinge getroffen […] und ich möchte Ihnen sa-
Druck die Kritik zum Schweigen zu bringen. […] gen, daß, was zu ihnen durch die starre Zensur und
immerhin ließ er sich aber zu einem eintägigen Boy- Lügenpropaganda durchgedrungen ist, … nur einen
kott überreden. Am Sonnabend, dem 1. April, stan- Bruchteil der schrecklichen Geschichte von teufli-
den vor den Türen jüdischer Geschäfte und Büros scher Folter, Grausamkeit und Verfolgung oder den
bewaffnete SA-Trupps und forderten die Besucher Schrecken erzählt, in denen sie leben, die Tag für
oder Kunden auf, die Räume nicht zu betreten. An Tag diesen Männern, Frauen und Kindern zugefügt
den Schaufenstern klebten Plakate mit Boykottauf- werden und schlimmer als der Tod sind. …
forderungen oder Beschimpfungen: ‘Deutsche kauft Sie haben die Weltmeinung mißachtet und behar-
nicht beim Juden!’ oder ‘Juden raus!’.” ren dabei, sie zu mißachten und herauszufordern.
Dazu kamen noch die jüdischen Kriegserklärungen. Wir Juden sind die Aristokraten der Welt. […] Wir

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Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

schlagen vor und organisieren die Weltmeinung, schlechtert, die Zahl der Arbeitslosen beträgt heute
sich in der einzigen Weise zu äußern, die Deutsch- schon 12 Millionen. […]
land versteht. Hitler und sein Pöbelhaufen werden Zum zweiten Punkt kann ich nur sagen, daß Prä-
ihr Volk nicht wissen lassen, wie es von der Außen- sident Roosevelt als geschickter politischer Spieler
welt angesehen wird. Wir werden sie auf die einzige und als Kenner der amerikanischen Psychologie die
Weise, die uns zur Verfügung steht, zwingen, dies zu Aufmerksamkeit des amerikanischen Publikums bald
lernen. […] von der innenpolitischen Lage abgelenkt hat, um es
Zusammen mit den Christen werden wir den letz- für die Außenpolitik zu interessieren. […]
ten Nagel in den Sarg von Bigotterie und Fanatis- Ferner ist das brutale Vorgehen gegen die Juden
mus treiben. Präsident Roosevelt, dessen weise in Deutschland [warum sind sie aus Polen ins Nazi-
Staatskunst und Vision das Wunder der zivilisierten Deutschland geflohen?] und das Emigrantenpro-
Welt ist, beschwört ihn herauf [den Krieg wahr- blem, die den herrschenden Haß immer neu schüren
scheinlich], um seine edle Vorstellung von der Neu- gegen alles, was irgendwie mit dem deutschen Na-
ordnung zwischen Kapital und Arbeit […] zu för- tionalsozialismus zusammenhängt. An dieser Aktion
dern. […] Können sich unsere furchtsamen Freunde haben die einzelnen jüdischen Intellektuellen teilge-
einen noch erhabenen Präsidenten wünschen? Jeder nommen, z.B. Bernard Baruch; der Gouverneur des
von ihnen, Jude oder Nichtjude gleichermaßen, der Staates New York, Lehmann; der neuernannte Rich-
nicht bereits an diesem heiligen Krieg teilnimmt und ter des Obersten Gerichts, Felix Frankfurter; der
sich noch nicht freiwillig gemeldet hat, sollte es jetzt Schatzsekretär Morgenthau und andere, die mit dem
und hier tun.” (Hervorh. d.V.) Präsidenten Roosevelt persönlich befreundet sind.
Diese Kriegshetze dieser amerikanischen Juden be- Sie wollen, daß der Präsident zum Vorkämpfer der
stätigte auch Graf Jerzy Potocki, der polnische Bot- Menschenrechte wird, der Religions- und Wortfrei-
schafter in Washington. Er berichtete am 12. Januar heit, und er soll in Zukunft die Unruhestifter bestra-
1939 an sein Ministerium:39 fen. Diese Gruppe von Leuten, die die höchsten Stel-
“Die Stimmung, die augenblicklich in den Verei- lungen in der amerikanischen Regierung einnehmen
nigten Staaten herrscht, zeichnet sich durch einen und die sich zu den Vertretern des ‘wahren Ameri-
immer zunehmenden Haß gegen den Faschismus kanismus’ und als ‘Verteidiger der Demokratie’ hin-
aus, besonders gegen die Person des Kanzlers Hit- stellen möchten, sind im Grunde doch durch unzer-
ler. […] Die Propaganda ist vor allem in jüdischen reißbare Bande mit dem internationalen Judentum
Händen, ihnen gehört fast zu 100% das Radio, der verbunden. Für diese jüdische Internationale, die
Film, die Presse und die Zeitschriften. Obgleich die- vor allem die Interessen ihrer Rasse im Auge hat,
se Propaganda sehr grob gehandhabt wird und war das Herausstellen des Präsidenten der Vereinig-
Deutschland so schlecht wie möglich hinstellt, […] ten Staaten auf diesen ‘idealsten’ Posten eines Ver-
wirkt sie doch so gründlich, da das hiesige Publikum teidigers der Menschenrechte ein genialer Schach-
vollständig unwissend ist und keine Ahnung hat von zug. Sie haben auf diese Weise einen sehr gefährli-
der Lage in Europa. […] chen Herd für Haß und Feindseligkeit auf dieser
Die Lage hierzulande bildet ein ausgezeichnetes Halbkugel geschaffen und haben die Welt in zwei
Forum für alle Art Redner und für die Emigranten feindliche Lager geteilt. Das ganze Problem wird
aus Deutschland und der Tschechoslowakei, die an auf mysteriöse Art bearbeitet: Roosevelt sind die
Worten nicht sparen, um durch die verschiedensten Grundlagen in die Hand gegeben worden, um die
Verleumdungen das hiesige Publikum aufzuhetzen. Außenpolitik Amerikas zu beleben und auf diesem
[…] Es ist sehr interessant, daß in dieser sehr gut Weg zugleich die kolossalen militärischen Vorräte
durchdachten Kampagne, die hauptsächlich gegen zu schaffen für den künftigen Krieg, dem die Juden
den Nationalsozialismus geführt wird, Sowjetruß- mit vollem Bewußtsein zustreben […]” (Hervorh.
land fast ganz ausgeschaltet ist. Wenn es überhaupt d.V.).”
erwähnt wird, so tut man es in freundlicher Weise Wer denkt dabei jetzt nicht an die Kriege gegen
und stellt die Dinge so dar, als ob Sowjetrußland mit Irak!
dem Block der demokratischen Staaten zusammen- Carl Jakob Burckhardt, der Ex-Völkerbunds-Kom-
hinge. […] missar für Danzig, glaubte sicherlich dem Grafen Po-
Außer dieser Propaganda wird auch noch künst- tocki, sonst hätte er diesen Text nicht in sein Buch ein-
lich eine Kriegspsychose geschaffen: Es wird dem fließen lassen.
amerikanischen Volk eingeredet, daß der Frieden in Mit den Nürnberger Gesetzen, meinte Professor
Europa nur noch an einem Faden hängt, ein Krieg Benz, wurde der Rassenantisemitismus in rohester Form
sei unvermeidlich. […] durchgesetzt. Theodor Heuss plädierte schon 1932 in
Zu dem ersten Punkt muß man sagen, daß die in- seiner Schrift Hitlers Weg für eine notwendige Aus-
nere Lage auf dem Arbeitsmarkt sich dauernd ver- schließung der Juden von den staatsbürgerlichen Rech-

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ten, denn diese schlage kann nur von dem Juden Achtung und Respekt ha-
“mengenmäßig nicht all zu sehr zu Buche. Sie ben, der sich zur eigenen Art bekennt. Nirgendwo
trifft kaum ein Hundertstel der Deutschland bewoh- kann er in diesem Bekenntnis mangelnde Loyalität
nenden Bevölkerung.” dem Staate gegenüber erblicken. Er kann keine an-
Es ist doch eine Tatsache, daß es auch viele Aus- deren Juden wollen, als die Juden des klaren Be-
nahmen von diesen Gesetzen gab. So waren die Welt- kenntnisses zum eigenen Volk. Er kann keine liebe-
kriegsteilnehmer mit Auszeichnung nicht betroffen und dienerischen, kriecherischen Juden wollen. Er muß
Kinder von Juden, die im Kriege gefallen sind, auch von uns das Bekenntnis zur eigenen Art fordern.
nicht. Von den 4558 Rechtsanwälten konnten 3167 ihre Denn nur jemand, der eigene Art und eigenes Blut
Arbeit weitermachen. Von den 717 Juden im “Öffentli- achtet, wird den Respekt vor dem nationalen Wollen
chen Dienst” 336 auf ihren Posten bleiben. Gegenüber anderer Nationen haben können.”
den Ärzten war Hitler noch bedächtiger.40 In diesen Zeilen des Rabbiners liegt doch reines, na-
Diese “Nürnberger Ehegesetze” wurden von vielen tionalsozialistisches Gedankengut, und dieses Gedan-
Rabbinern und Juden begrüßt. Dies kann also nicht der kengut feiert doch in Israel Urständ. Es dürfte doch be-
Grund sein, warum Juden in England und in den USA kannt sein, daß Israel der Tochter des ehemaligen BRD-
die Nationalsozialisten so fanatisch bekämpften. Außenministers Kinkel, die mit einem Israeli verheiratet
So befürwortete der Berliner Bankier Georg Kareski ist und mit ihm zwei Kinder hat, die Einbürgerung aus
(ein aktiver Zionist) die Nürnberger Gesetze. Er hatte rassistischen Gründen verweigerte.
sein Büro in der ehemaligen Residenz Friedrich Eberts. Die jüdische Professorin Dr. Hannah Arendt, meinte
Er hatte auch keine Bedenken in der Goebbelschen Zei- hierzu:
tung “Der Angriff” zu schreiben. Kurz vor der Reichs- “Die Unbekümmertheit, mit der der Ankläger im
kristallnacht wanderte Kareski nach Palästina aus:41 Eichmannprozeß die Nürnberger Gesetze anpran-
“Seit vielen Jahren schon halte ich eine klare gerte, verschlug einem einigermaßen den Atem, da
Trennung des kulturellen Lebens zweier Völker, die in Israel, wo der Personalstatus jüdischer Bürger
in einer Gesellschaft leben, für ein friedliches Ne- durch rabbinisches Gesetz bestimmt wird, kein Jude
beneinander für unabdingbar. Ich habe eine solche einen Nichtjuden heiraten darf.”
Trennung, die auf der Grundlage der Achtung der Der deutsche Diplomat Jörg von Uthmann, persönli-
fremden Kultur beruht, lange unterstützt. Die Nürn- cher Referent des deutschen Botschafters Pauls in Isra-
berger Gesetze vom 15. September 1935 scheinen el, behauptet in seinem Buch “Doppelgänger, du blei-
mir, unabhängig von ihren Verfassungsbestimmun- cher Geselle”:44
gen, ganz und gar auf dem Weg zu einer gegenseiti- “Der Zionismus und der Nationalsozialismus
gen Achtung der Selbständigkeit und Getrenntheit hätten einen gemeinsamen Denkansatz. Gegen Ende
jedes Volkes zu liegen. Die Unterbindung des Vor- seines Buches entdeckt Uthmann nicht mehr und
gangs der Auflösung von vielen jüdischen Gemein- nicht weniger, als daß die klassenlose Gesellschaft
schaften, welche durch Mischehen gefördert worden der Kommunisten, der heutige Staat Israel und Hit-
war, ist von jüdischem Standpunkt aus durchaus lers Großdeutsches Reich auf eine Stufe zu stellen
willkommen. Für die Errichtung einer jüdischen seien – eine Bemerkung, die er im letzten Kapitel
Heimstatt in Palästina haben die Faktoren Religion seines Buches noch verschärfte.”
und Familie eine entscheidende Bedeutung.” Prof. Hans Joachim Schoeps schloß sich der These
Der Zionistenführer Wladimir Jabotinski, den Dr. an, daß entseelten Juden zum Antisemitismus der Na-
Otto Friedlaender auf einer Versammlung in Prag, wie tionalsozialisten beigetragen haben:
er mir erzählte, kennenlernte und wörtlich einen jüdi- “Man darf jüdischerseits aber Hitler und seine
schen Nazi nannte, weil seine Anhänger auch braune Bewegung nicht ressentimental, sondern muß sie po-
Uniformen trugen, und er Hitler sogar in seiner Pose litisch sehen und einsehen, daß es für die Proletarier
nachahmte, fand es in seiner Schrift “Rasse” von 1913 nicht gleichgültig ist, ob sie die Internationale oder
unmöglich, daß ein Mensch einer Rasse sich mit einer ‘Deutschland über alles’ singen. Damit soll nichts
anderen vermischt.42 gegen die Abwehr antisemitischer Übergriffe gesagt
Dr. Joachim Prinz, ein zionistischer Rabbiner, der werden, doch sollte man bei der Abwehrarbeit ein-
später in die USA emigrierte, wo er zum Vizepräsiden- mal lernen, die antisemitischen Motive und Impulse
ten des Jüdischen Weltkongresses aufstieg, sah in den der nationalsozialistischen Bewegung richtig zu se-
Nürnberger Gesetzen “die Erfüllung jüdischer Wün- hen und zu verstehen. Der Judenhaß der Nationalso-
sche”:43 zialisten ist nämlich letztlich weder soziologisch
“Wir wünschen an die Stelle der Assimilation das noch metaphysisch noch religiös bestimmt, sondern
Neue zu setzen: das Bekenntnis zur jüdischen Nation der ‘Jude’, freilich in dämonisch verzerrter Gestalt,
und zur jüdischen Rasse. Ein Staat, der aufgebaut ist ist für die Nationalsozialisten ein heuristisches Prin-
auf dem Prinzip der Reinheit der Nation und Rasse, zip. Alle die Eigenschaften, die ihnen ablehnens- und

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Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

hassenswert erscheinen, werden für sie im Typus des Kroate, wurde zwar in der Presse ausgeschlachtet,
Juden manifest. Worum und wodurch ist dies aber aber in Hitlers Gedenkrede wurde jeder Ausfall ge-
möglich geworden? Stellt man einmal so die Frage, gen ‘das internationale Judentum’ vermieden.”
dann wird aus dem Unrecht des Antisemitismus ein Der Nationalsozialismus sei fern davon, wie man es
Verschulden der Juden. Denn nur deshalb richtet ihm unterstellen wolle, “die Juden bis aufs Blut zu quä-
sich der Haß so gegen die Juden, weil das deutsche len”, meinte Innenminister Frick schon kurz nach der
Judentum sich in so exponierter Weise mit den lin- Machtübernahme, “es solle auf legalem Wege eine kla-
ken Geistesmächten, die heute in der Krisis stehen re Scheidung eintreten.”48
und in ihrer bisherigen Gestalt untergehen werden, Dies bestätigte auch der israelische Minister Ben
verbunden hat, daß die Juden quasi symbolische Re- Elissár. Hitler wollte nicht die Ausrottung der deutschen
präsentanten für jene entseelende, auflösende und Juden. Der Chef des 3. Reiches war kein besessener Fa-
abstrakte ‘Vernunft’ wurden, die nicht genug gefüllt natiker mit der fixen Idee, hebräisches Blut zu vergie-
war, um geschichtlich zu sein, d.h. ‘Geist’ zu sein. ßen. Es wäre möglich gewesen, mit ihm zu einer gütli-
[…] chen Einigung zu gelangen, besonders, wenn man ihn
Als dann in den ersten Wochen der Nichtarierge- überzeugt hätte, daß es besser für Deutschland wäre,
setzgebung der Völkische Beobachter die Regie- wenn eine unblutige Lösung angestrebt würde. Ben
rungsmaßnahmen mit tägliche Zitaten aus Werken Elissár hat vergessen, daß es Juden in England und in
von Eisner, Toller, Tucholsky, Gumbel, usw. zu den USA waren, welche dies nicht wollten und Hitler
kommentieren unternahm, um den zersetzenden jüdi- schon 1933 den Krieg erklärten!
schen Einfluß – freilich in grotesker Übertreibung Erst durch die Ermordung des Botschaftssekretärs
unseres Schuldenanteils – unter Beweis zu stellen, vom Rath am 7.11.1938 durch Herschel Grynszpan kam
konnten alle deutsch-gesinnten Juden nichts anderes es wieder zu Ausschreitungen gegen Juden. Hinter die-
tun als erröten, abseits gehen und schweigen.”45 sem Mord vermutete die deut. Reichsregierung die Tä-
Weiter schrieb Professor Dr. Wolfgang Benz: tigkeit des “internationalen Judentums” (was nicht aus-
“Man muß die Jahre 1933 bis 1941 als Latenz- zuschließen ist!). So schrieb Goebbels im Völkischen
phase definieren, die der physischen Vernichtung, Beobachter:49
dem Holocaust, voranging. Charakterisiert ist dieser “Er habe nur Rache nehmen wollen für seine jü-
Zeitraum erstens durch die massive antisemitische dischen Brüder in Deutschland. Die Nachforschun-
Propaganda der NSDAP [die ihre Ursache in der gen in Paris ergeben, daß Grünspan vor drei Wo-
massiven jüdischen antideutschen Propaganda aus chen aus Frankreich ausgewiesen worden war. Über
England und USA hatte], zweitens durch Gewalt, seinen Aufenthalt bis zum Tage der Mordtat hüllt er
zuerst gegen einzelne Juden, verübt durch einzelne sich bis zum heutigen Tage in Schweigen. Er war im
Täter, dann durch den verordneten Pogrom im No- Besitz eines gefälschten Passes.
vember 1938. Es ergibt sich hier die Frage: Wo war Grünspan
Nach Einführung der Nürnberger Gesetze (1935):46 in den letzten drei Monaten? Wer hat für seinen Un-
“hatten die deutschen Juden ja einige relativ ru- terhalt gesorgt? Wer hat ihn im Pistolenschießen un-
hige Jahre gehabt, in denen ihre Auswanderung ge- terrichtet? Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
fördert wurde und in denen die große Anzahl der er von einer jüdischen Organisation verhetzt und
Zurückbleibenden ein Gemeindeleben von erstaunli- auf diese zynische Mordtat systematisch vorbereitet
cher Mannigfaltigkeit und Vitalität zu entfalten ver- worden ist. Die Parallele zum Fall Gustloff liegt auf
mochten. In der Wirtschaft schienen die jüdischen der Hand. Wie damals wurde von den jüdischen
Positionen kaum angetastet zu sein, und wer darauf Hintermännern ein Jugendlicher als Attentäter ein-
achtete, daß unter wirtschaftspolitischen Gesetzen geführt, um die Verantwortlichkeit zu verschleiern.
nicht selten neben der Unterschrift Adolf Hitlers Die Vernehmung der beiden Judenjungen zeigt eine
mehrere Unterschriften jüdischer Bankiers standen, genaue Übereinstimmung der Verteidigungsgründe
der brauchte nicht einmal ein Ökonomist zu sein, um und der Taktik der Attentäter. Auch aus dem Pro-
zu glauben, daß die realen Wirtschaftsmächte sich zeßverlauf gegen Frankfurter ging hervor, daß man
gegen die bloße Ideologie der Partei leicht behaup- nicht den einzelnen Mann, sondern das nationalso-
ten würden.” zialistische Deutschland treffen wollte. Das zeigt
Im Jahre 1936 ebbte die erste große Verfolgungs- auch in beiden Fällen der wohl vorbereitete Entla-
welle ab:47 stungseinsatz der gesamten jüdischen Weltpresse.
“Für die deutschen Juden kam eine Phase äuße- […]
rer Ruhe und sogar eine gewisse Rechtssicherheit. Seit Wochen wird in den großen jüdischen Welt-
[…] Selbst die Ermordung von Wilhelm Gustloff, des blättern gegen Deutschland als Nation zum Kriege
Landesgruppenleiter der NSDAP in der Schweiz, und gegen einzelne prominente Vertreter des natio-
durch den Juden David Frankfurter, ein gebürtiger nalsozialistischen Deutschlands zum Morde gehetzt.

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Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

Besonders hervorgetan haben sich dabei die Juden Stunden nach dem Londoner Attentat. Erst warfen
Georg Bernhard und Emil Ludwig Cohn. In diesen die Bomber nahe Beirut ihre todbringende Last ab,
Kreisen sind deshalb auch zweifellos die geistigen auf Stellungen palästinensischer Guerillas wie auf
Inspirationen des Attentats [Schreibtischtäter] zu su- Zivilisten. Auf den ersten Luftangriff über hundert
chen.” tote Araber, darunter Frauen und Kinder. Und der
Nach dem Mordanschlag auf vom Rath schrieb der Kreislauf der Gewalt fordert noch mehr Opfer, wei-
Völkische Beobachter (8.11.1938): tere israelische Bombenangriffe, dann palästinensi-
“Es ist klar, daß das deutsche Volk aus dieser sche Vergeltungsschläge mit Raketen und Granaten
neuen Tat [Terror?] seine Folgen ziehen wird. Es ist auf israelische Dörfer, daraufhin israelische Gegen-
ein unmöglicher Zustand, daß in unseren Grenzen schläge auf libanesische Städte und Siedlungen mit
Hunderttausende von Juden noch ganze Ladenstra- Flugzeugen und Geschützen, bis schließlich die is-
ßen beherrschen, Vergnügungsstätten bevölkern und raelische Armee einrückte. Der Krieg ist da. Der
als ausländische Hausbesitzer das Geld deutscher Waffenstillstand, der nicht einmal ein Jahr hielt,
Mieter einstecken, während ihre Rassegenossen zerbrochen. Es sieht alles, wie nach einem sorgfältig
draußen zum Krieg gegen Deutschland auffordern vorbereiteten, kühl kalkulierten Plan aus.”
und deutsche Beamte niederschießen. Die Linie von Es war ein “kühl kalkulierter Plan” des israelischen
David Frankfurter zu Herschel Grünspan ist klar Geheimdienstes Mossad. Rund tausend Menschen wur-
gezeichnet. Wir können heute schon in der Weltpres- den ermordet. Darunter Hunderte von Frauen und Kin-
se erleben, daß man sich auch diesmal bemüht, den dern. Über diese Toten werden in Israel keine jährlichen
Täter reinzuwaschen und zu verherrlichen und den Buß- und Erinnerungsfeiern abgehalten, wie dies in
Erschossenen zu verdächtigen [homosexueller zu Deutschland Gepflogenheit ist. Es sind ja nur Palästi-
sein].” nenser. Redakteur Ulfkotte bestätigte, daß den folgen-
Jan von Flocken schrieb in Focus:50 den israelischen Vergeltungsschlägen Tausende von li-
“zwischen Täter und Opfer bestanden homosexu- banesischen Zivilisten zum Opfer fielen.53
elle Beziehungen, weshalb der geplante Schaupro- Die Juden sollten aber nicht vernichtet werden, denn
zeß unterblieb.” noch nach der “Reichskristallnacht” reiste Dr. Schacht
Dies ist doch auch so eine “Rekonstruktion”. Wir mit Genehmigung Hitlers im Dezember 1938 nach Eng-
wissen doch aus dem Prozeß, daß Grynszpan glaubte, land, um mit Montagu Norman, dem Gouverneur der
den Botschafter vor sich zu haben. Bank von England, und dem Vertreter des “Evian-
Der Hofhistoriker Helmut M. Müller schrieb in be- Komitees”, George Rublee, zu verhandeln. 150.000 Ju-
zug auf den 9. November 1938 in Schlaglichter der den wollte Hitler auswandern lassen, wenn Deutschland
deutschen Geschichte, herausgegeben von der Bundes- bei der Bank von England eine Anleihe von einer hal-
zentrale für politische Bildung, auf Kosten der deut- ben Milliarde aufnehmen könne. Die anfallenden Zin-
schen Steuerzahler und kostenlos an Lehrer verteilt:51 sen würde Deutschland mit Warenlieferungen bezahlen.
“Nachdem schon im April 1933 ein Boykott jüdi- Dies lehnten aber die Zionisten ab, vor allem Chaim
scher Geschäfte veranstaltet worden war, wurden Weizmann, weil dieser nur Auswanderungen nach Palä-
die deutschen Juden mit den Nürnberger Gesetzen stina wünschte, was damals die Briten nicht zuließen.54
von 1935 aus dem deutschen Staatsvolk ausgesto- Die schon zitierte Philosophin Hannah Arendt
ßen. Am 9. November 1938 fand das nationalsoziali- schrieb:55
stische Vorgehen gegen die Juden mit den Morden, “Die Rolle der jüdischen Führer bei der Zerstö-
Brandstiftungen und Zerstörungen der ‘Reichskri- rung des eigenen Volkes ist für Juden zweifellos das
stallnacht’ einen vorläufigen Höhepunkt.” dunkelste Kapitel in der ganzen dunklen Geschich-
In diesem Buch wird der dem 1. April vorausgehen- te.”
de Handelsboykott und die Kriegserklärung der Juden Davon wollen Juden heute nichts wissen.
an Deutschland mit keinem Wort erwähnt. Auch nicht Der niederländische Historiker Karl van Tienen
die Attentate der Juden Frankfurter und Grynszpan. schrieb:56
Letzterer löste doch die “Kristallnacht” aus. “daß die nationalsozialistische Rassenlehre als
Hier bietet sich ein Vergleich an, wenn es erlaubt ist, politisches Programm niemals auf Rassenvernich-
wie Israelis in ähnlicher Situation verfahren sind. Im tung, sondern auf Rassentrennung gerichtet war,
Juni 1982 wurde der israelische Botschafter in London, und nicht strenger oder gewalttätiger gewesen sei
Shlomo Argov, angeschossen. Wohlgemerkt: ange- als die heute in Israel gültigen Gesetze.”
schossen. Ohne zu wissen, wer das Attentat ausgeführt Siehe dazu auch die Rede Hitlers vor dem deutschen
hat, gab Begin den Befehl, den Libanon anzugreifen. Reichstag am 17.5.1934!
Darüber berichtete Dieter Strothmann:52 Bei einer Besprechung in Auschwitz mit dem Amts-
“Blinde Rache – Der Sturm kam prompt, ausge- gruppenchef C, SS-Brigadeführer und Generalmajor der
führt mit brutaler Schonungslosigkeit und schon drei Waffen-SS Dr. Ing. Kammler, beklagte sich Lager-

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Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

kommandant Rudolf Höß über die schlechte Versor- le sich um eine innere Angelegenheit.”59
gung mit Unterkünften, Wasser und Strom. Vor allem Bei der Vorstellung seines Buches “Der Krieg als
machte ihm die Entwässerung große Sorge – aus hygie- Kreuzzug” sagte der jüdische Historiker Arno Mayer:60
nischen Gründen. Er vermerkte:57 “Hätten die Deutschen den Krieg gewonnen, die
“Dazu kam in letzter Zeit die Lösung der Juden- Juden wären nicht umgebracht worden, sondern
frage, wofür die Voraussetzung für die Unterbrin- ‘nur’ deportiert – hinter den Ural.”
gung von zuerst 60 000 Häftlingen, die innerhalb Wollte Hitler die Juden wirklich vernichten, dann
kurzer Zeit auf 100 000 anwuchs, geschafft werden hätte er wohl kaum (bis zum Stichtag der letzten Zäh-
mußte. [… Weist dies auf eine Endlösung, auf eine lung am 31.10.1941) 537.000 Juden aus dem Großdeut-
Vernichtung der Juden hin?] Die täglichen Geburten schen Reich legal entkommen lassen. So konnten aus
gegen 50 Kindern im Zigeunerlager, die Krankenbe- dem Altreich, Österreich, Böhmen und Mähren bis zum
handlungen von 10 000 von Häftlingen ohne die hy- 31.12.1942 noch 557.357 Juden auswandern.61
gienischen Einrichtungen, vor allem von Wasser, er- Die Deportation begann nach der Wannseekonferenz
lauben keine Ausweichmöglichkeiten.” (Hervorh. im Januar 1942. Anfang 1943 stellte die Reichsregie-
d.V.) rung den neutralen Staaten das Ultimatum, ihre Juden
Kein Geringerer als Chaim Weizmann, der Präsident heimzuschaffen oder der Deportation zu überlassen. Ist
der Jewish Agency, heizte durch seine Rede in New es nicht merkwürdig, daß diese Juden, trotz der Diskri-
York die Verfolgung der Juden in Deutschland noch minierung in Deutschland geblieben sind? So weigerte
mehr an. Somit wurden jetzt alle Juden als fünfte Ko- sich Spanien, seine Juden aufzunehmen:62
lonne angesehen, als trojanisches Pferd. Weizmann be- “Daher wurden im August 1943 367 spanische
kannte sich am 9.5.1942 vor der Extraordinary Zionist Juden aus dem nordgriechischen Saloniki verhaftet
Conference im Biltmore Hotel in New York City offen und in das ‘Aufenthaltslager’ Bergen-Belsen ge-
zur Kriegsteilnahme der Juden gegen Deutschland:58 bracht. Von dort konnten sie im Frühjahr 1944 nach
“Wir leugnen es nicht und haben keine Furcht, Spanien ausreisen.”
die Wahrheit zu bekennen, daß dieser Krieg unser Daß gewisse Juden die größte Schuld an ihrem
Krieg ist und zur Befreiung des Judentums geführt Schicksal haben, darf man wohl anhand meiner Darstel-
wird. […] Stärker als alle Fronten zusammen ist un- lung behaupten. Sogar der ehemalige Reichskanzler
sere Front, die Front des Judentums. Wir geben die- Heinrich Brüning warnte Jakob Landau vom internatio-
sem Krieg nicht nur unsere ganze finanzielle Unter- nalen jüdischen Zeitungsdienst, solche Greuelpropa-
stützung, auf der die gesamte Kriegsproduktion ba- ganda zu verbreiten, um eine jüdische Katastrophe zu
siert, wir stellen diesem Krieg nicht nur unsere pro- verhindern:63
pagandistische Macht zur Verfügung, die die mora- “Im Frühjahr 1933 habe man gesehen, wie Hitler
lische Triebkraft zur Aufrechterhaltung dieses Krie- unmittelbar reagierte, als der Berliner Korrespon-
ges ist. Die Sicherung des Sieges baut sich haupt- dent eines New Yorker Blattes an einem außerge-
sächlich auf der Schwächung der gegnerischen wöhnlichen ruhigen Abend gekabelt hatte, daß die
Kräfte, auf die Zerschlagung in ihrem eigenen Land Spree angefüllt sei mit treibenden Leichen von durch
im Inneren ihrer Festung des Widerstandes auf. die Nazis ermordeten Juden. Sofort hat Goebbels
Tausende in Europa lebende Juden sind der ‘spontane Ausschreitungen’ der SA gegen jüdische
Hauptfaktor bei der Vernichtung unseres Feindes. Geschäfte entwickeln lassen; er drohte damals mit
Dort ist unsere Front eine Tatsache und die wert- schärferen Maßnahmen, falls sich solche Propa-
vollste Hilfe für den Sieg.” (Hervorh. d.V.) gandaberichte wiederholten. […]
Daher sah sich die Reichsregierung genötigt, die Ich sagte Rabbi Baeck damals, wenn es den deut-
Kriegshandlungen gegen das jüdische Volk zu erwidern schen Juden nicht gelänge, ihre Glaubensgenossen
und Schutzmaßnahmen gegen die Bedrohung durch Ju- im Ausland im Zaume zu halten, so würden sie bes-
den im Inneren des Landes zu ergreifen. Dazu gehörten ser daran tun, schon gleich zunächst die Kinder her-
die Deportationen von Juden in die Lager nach Osten. auszubringen, dann ihre Kapitalien, wozu sie unter
In Friedenszeiten wären diese unmenschlich gewesen, den damaligen Bedingungen Erlaubnis erhalten
aber als Kriegsmaßnahmen waren sie völkerrechtlich würden. […]
zulässig. Siehe dazu die Deportationen von Deutschen Rabbi Baeck, den ich immer besonders verehrt
aus dem Wolgagebiet nach Kasachstan, die Deportatio- hatte, war sehr traurig. Als ich meine Bewunderung
nen von Armeniern ins Innere der Türkei und auch die für Rabbi Baeck aussprach, wiederholte ich Herrn
Deportationen von Palästinensern in den Libanon. Isra- Landau, was ich schon einmal in London gesagt hat-
els Oberster Gerichtshof hat sogar die Rechtsmäßigkeit te: Rabbi Baeck sei der einzige ‘Christ’ im Sinne der
der Deportationen bestätigt. Ministerpräsident Shamir Bergpredigt, dem ich je begegnet sei. […] Landau
sagte in einem Gespräch mit dem US-Botschafter Pik- erklärte, Rabbi Baeck sei schwach und habe keinen
kering in Jerusalem, der dagegen protestierte, “es hand- jüdischen Kampfeswillen. Ich warnte sehr vor die-

422 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

sem Kampfeswillen; er würde zu entsetzlichen Mis- Zum Verfasser: geb. am 13.7.1919 als Sohn der Bauerseheleute
setaten gegen die Juden seitens Hitler führen, der Georg und Maria Wiesholler aus Chieming am Chiemsee (Hausna-
me “Denglhamer”), nach dem Volksschulbesuch Arbeit auf dem el-
sich in einen Drohungsrausch hineinreden könne. terlichen Hof, dann freiwillig zum Arbeitsdienst und zur Kriegsma-
[…] rine. Bald in Opposition zum Nationalsozialismus, Flucht nach
Herr Landau sagte, der Kampf der Juden müsse Schweden, Arbeit bei einem Bauern in Hagbyhamn (Harald Anders-
mit allen Mitteln gegen die Nazis auf der ganzen son) und Besuch der Landwirtschaftsschule in Hammenhög (Scho-
Welt fortgesetzt werden. Ich erwiderte ihm, daß ich nen). Anschließend Gymnasium und nach dem Examen zum Abitur
Versuch zur Rückkehr nach Deutschland. Nach Nichtanerkennung
in diesem Falle das größte Unglück für das Juden- des schwedischen Abiturs (Maunz) Studium in Schweden und
tum in der ganzen Welt voraussehe.” (Hervorh. Staatsexamen für das “Höhere Lehramt” in Deutsch, Geschichte und
d.V.) Politische Wissenschaft. Anstellung als Lehrer im Landschulheim
Jakob Landau, 1892 in Wien geboren, gehörte als Ising, Entlassung nach 3 Jahren, erneute Emigration mit Frau und 6
Kindern. Später Anstellung als Lehrer in Leer (Ostfriesland) bis
Gründer und Chef der weltweit meinungsbildenden
zum Ruhestand.
Nachrichtenagentur Jewish Telegraphic Agency zu den
haßerfülltesten Deutschenhetzern und somit zum To- Dieser Artikel kann als Broschüre beim Verfasser
tengräber Tausender von Juden. bestellt werden: Bezugspreis 4 €; Verlagsrecht bei Ge-
Diese verbrecherische Politik der Zionisten bestätig- org Wiesholler, Goethest. 27, D-85521 Ottobrunn
ten später auch toratreue Juden in den Vereinigten Staa-
ten:64 Weitere Schriften des Verfassers:
“Woher nahmen die zionistischen Führer und der – Die verfälschte Demokratie, 94 Seiten, 6 €
World Jewish Congress das Recht, für sich Vorteile – Der Revisionismus, 41 Seiten, 4 €
zu fordern? Die weltweite Handelsblockade gegen – Die Missionare, 32 Seiten, 3 €
Deutschland im Jahre 1933 und alle späteren – Die Augenzeugen, 62 Seiten, 5 €
Kriegserklärungen an Deutschland, veranlaßt von – Jetzt sind wir alle Amerikaner, weil…, 31 S., 3 €
den zionistischen Führern und dem World Jewish – Israel. Eine historisch-kritische Betrachtung, 120 Sei-
Congress, erzürnte Hitler derartig, so daß er drohte, ten, 7 €
die Juden zu vernichten. Auf der Konferenz in – Die Wahrheit wird euch frei machen. Zeitgemäße Be-
Wannsee im Januar 1942 wurde das Schicksal der trachtung eines Unzeitgemäßen, 535 S. 15 €
Juden beschlossen und ihr Leiden begann. Die Zio-
nisten weigerten sich auch, den Juden mit Lebens- Vorkasse auf Konto 2803909 bei
mitteln zu helfen und blockierten alle Anstrengungen Sparda Bank, München (BLZ 700 905 00)
in dieser Hinsicht. Ihr Motto war: ‘Rak B’Dam’ (nur oder in Scheinen und Briefmarken
durch Blut werden wir das Land erhalten).”
Theodor Fontane, der alles andere als ein Antisemit Anmerkungen
war, der bei der Kreuzzeitung begann und bei der (jüdi- 1
Material zur deutsch-polnischen Schulbuchempfehlung, Bonn
schen) Vossischen Zeitung endete, schrieb u. a. auch 1980.
ironische Verse auf die aus dem Osten stammenden und 2
Australian Jewish News, 28.2.1997.
3
reich gewordenen Berliner Neubürger. Er war ein guter E. Kant, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Ver-
Kenner des damaligen Pressewesens. Er stellte zu seiner nunft, Werke, Bd. 8, S. 791.
4
Zeit schon eine Presseverschwörung der Juden fest und Gershom Schocken, Bilanz des Zionismus, Trans Atlantik, S. 86.
5
Ben Chorin, “Das ewige Gesetz”, Jüdische Wochenschau, Bue-
warnte sie: nos Aires, XVIII (1509), 1957, S. 3.
“Wenn die Juden sich nicht ändern, würde in 6
Arthur Koestler, Juda am Scheideweg, Scherz 1965.
7
Zeiten, die wir freilich nicht mehr erleben werden, Was ist jüdischer Geist?, Interfrom, Zürich 1984, S. 11f.
8
eine schwere Heimsuchung über sie kommen.” Herzl, Tagbücher, Berlin 1922.
9
Die Judenfrage als Frage der Rassenschädlichkeit für Existenz,
Hat Theodor Fontane schon die Verfolgung der Ju-
Sitten und Kultur der Völker, Karlsruhe 1888.
den durch die Nationalsozialisten vorausgeahnt? Ich 10
Frankfurter Allgemeine, 16.4.1997.
möchte kein Prophet sein, aber diese Heimsuchung wird 11
“Werner Jochmanns Studien zur Judenfeindschaft”, Frankfurter
wieder über Juden kommen, wenn sie mit ihrem Über- Allgemeine, 4.10.1989.
12
mut und ihrer Arroganz fortfahren und die Deutschen Marcel Simon, Versus Israel. Étude sur les relations entre Chrè-
tien et juifs dans l’empire romain, S. 148.
weiter demütigen, verleumden und ausbeuten. Der Krug 13
W. Churchill, Illustrated Sunday Herald, 8.2.1920.
geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Die heutigen 14
David Biale, Gershom Scholem. Kabbalah and Counter-History,
führenden Juden, die von einer unglaublichen Hybris S. 152, Messianism.
15
befallen sind, tragen eine große Verantwortung, vor al- Benjamin H.Freedman, “Warning to America”, Rede im Willard
lem für die Zukunft der jungen Juden in der BRD. Da- Hotel Washington 1961, zit. n. The Barnes Review, 7-8/1999.
16
“Der Deutsche als Hunne – Hollywoods Feindbild im Ersten
her diese Schrift – es muß ihnen gesagt werden! Weltkrieg”, gezeigt im Bayr. Fernsehen am 21.10.1995.
© Georg Wiesholler, Juli 2004 17
Der Stürmer, Nr. 15/1930.
18
Erich Mühsam, Tagebücher 1910 – 1924, Hrsg. Christian Hirte,

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 423


Georg Wiesholler, Deutsche und Juden, S. 411-424

München 1994, S. 181. 1995.


19 43
In Süddeutsche Monatshefte, Nr.21/1924. Dr. J. Prinz, Wir Juden, Berlin 1934, S. 154.
20 44
Hellmuth Auerbach, Vierteljahrsheft für Zeitgeschichte, 25. Jg., Der Spiegel, Nr.30/1976
45
1977, Heft 1. Hans Joachim Schoeps, Bereit für Deutschland, S. 196, 201ff.
21 46
Nahum Goldmann aus Die Zeit, 26.1. / 2.2.1979. E. Nolte, aaO, S. 294.
22 47
Rainer Zitelmann, Hitler – Selbstverständnis eines Revolutio- Die Welt, 5.9.1977.
48
närs, München 1998, u. Die Zeit, Nr. 41/1989. “Vor Jahr und Tag”, Münchner Merkur, 2.11.1985.
23 49
In einem Gespräch mit Der Spiegel, Nr. 13/2003. Zit. n. Münchner Neueste Nachrichten, 12.11.1938.
24 50
Deutsche jüdische Soldaten 1914 -1945, Militärgeschichtliches Jan von Flocken, “Grynszpans Geheimnis”, Focus, 44/2001.
51
Forschungsamt, ISBN 3 8132 0174 0, S. 60/67. Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte,
25
In einem Leserbrief in der Süddeutschen Zeitung vom 27.9.1998. Mannheim 1986, S. 180.
26 52
Sharon Gerwitz, “The Anti-Nazi Boycott and the Board of Depu- Die Zeit, Nr. 24/1982
53
ties of British Jews”, Journal of Contemporary History, Ulfkotte, Frankfurter Allgemeine, 25.5.2000.
54
Nr.4/1991. Akt. z .A. Politik, D-4, Nr.280, 16.12.1938.
27 55
Le Pacte Germano-Sioniste, S. 17. Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft,
28
Christine Brink, “Die Täuschung des Zugehörigkeitsgefühls”, München 1958, Frankfurt 1962, S. 125.
56
Süddeutsche Zeitung, 9.6.1987. Das Los der Juden, Wahn und Wirklichkeit, 3. Kapitel: “Der
29
In seiner Rede 1961 im Willard Hotel in Washington, The Bar- Standpunkt des III. Reiches gegenüber den Juden”, S. 21ff.
57
nes Review, Nr. 7-8/1999 Auschwitz, 22. Mai 1943, Aktenvermerk, Staatsarchiv der Russi-
30
NDR 19.4.2004, “Die Comedian Harmonists”, Dokumentarfilm. schen Föderation, 502-1-26, S. 85.
31 58
Die Tagebücher von Joseph Goebbels, München 1993, S. 397. New York Times vom 10. 11. u. 12. 5. 1942; sieh auch J.G. Burg,
32
Ostfriesen Zeitung, 30.3.1933 Sündenböcke, Dritte Auflage 1980, S. 243.
33 59
Orthodox Rabbis Vote Boycott, New York Times, 7.9.1933. Deportationen sind innere Angelegenheit Israels, Frankfurter
34
Akten z. dt. Auswärtigen Politik, Nr. 271, D-4, 24.11.1938. Allgemeine, 25.8.1988.
35 60
Joachim Fest, Hitler, S. 576f. Peter Köpf, “Deutsches Wüten nur ein Kreuzzug?”, Abendzei-
36
Le droit de vivre, Paris, 9.11.1932. tung, München, 19.10.1989 .
37 61
Portland Journal, 12.2.1933 . Die Juden Poliakoff und Wulf, Das III. Reich und die Juden
38 62
New York Times, 7.8.1933. Dr. Bernd Rother, “Franco und griechische Juden”, Frankfurter
39
Zit. n. C.J. Burckhardt, Meine Danziger Mission, S. 253. Allgemeine, 2.9.1996.
40 63
Saul Friedländer, L’Allemagne Nazi et les Juifs, Bd.1, Seuil, Heinrich Brüning, Briefe und Gespräche 1934 – 1945, Stuttgart
1979. 1974, S. 162.
41 64
G. Kareski, “Approves of Ghetto Laws – Interview in Dr. Goeb- American Neturei Karta, Rabbi Schwartz, New York Times,
bels ‘Angriff’”, Jewish Chronicle, London, 3.1.1936, S. 16. 30.9.1997.
42
Zit. n. Les Guerriers d’Israel, Édition Emmanuel Ratier, Facta

424 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Ernst Manon, Der vorbildliche Holocaust, S. 425f.

Der vorbildliche Holocaust


Von Ernst Manon

Wir haben das Buch Der Erste Holocaust von Don Mahnung gegen dieses größte aller Verbrechen, das,
Heddesheimer erhalten.1 Es behandelt sachlich und oh- nach b. Arach 15 b und j. Pea 15 d, die drei Tod-
ne Polemik die jüdischen Spendenkampagnen mit Ho- sünden übertrifft, durch den Talmud. […] Sie über-
locaust-Behauptungen im Ersten Weltkrieg und danach. trifft alle andern Waffenarten, die nur in der Nähe
Im Anhang sind ausgewählte Buch- und Zeitungsaus- töten, und gleicht dem Pfeile, der auch in die Ferne
züge von 1900 bis 1991 beigefügt. Im Vorwort lädt der trifft. So auch der Verleumder: er spricht in Rom
Herausgeber und Verleger Germar Rudolf den Leser und tötet in Syrien. […] Tod und Leben sind in der
ein, nach der Lektüre all dieser Lügenkampagnen, die Gewalt der Zunge (Spr. 18, 21), d.h. wie die Hand
sogar bis zum letzten Irak-Krieg reichen, die Behaup- tötet, so kann auch die Zunge töten.”
tungen bezüglich der Ereignisse zwischen 1941 und Aber vermutlich gilt dies auch nur innerhalb des Ju-
1945 kritisch zu überdenken und sich hierzu zu infor- dentums. Schließlich spricht Lummert auch nicht als
mieren. Deutscher, sondern von “wir in
Der Berliner Jude Horst Lum- Deutschland” und er meint:
mert, der sich auch Avram Kokha- “Der für seine hun- “Solche Grundsätze und Re-
viv nennt, sieht das alles ganz an-
2
gernden und frieren- geln [wie die der Juden] wären
ders : den Deutschen in Not zu wün-
“Es ist den jüdischen Institu-
den Kinder sorgende schen, die von ihren ‘Besserver-
tionen schwerlich vorzuwerfen, Familienvater hat dienenden’ – den Regierenden,
daß sie, um ihren verarmten und immer recht.” Politikern, Unterhaltungsclowns
bedrohten Leuten in Europa zu und Schreiberlingen – öffentlich
helfen, alle Mittel einsetzten, die So rechtfertigt der Berliner ausgelacht und – nach Arier-Art
zu Gebote standen, und daß sie Jude Horst Lummert jüdische [schon wieder eine Verleum-
auch mit psychologischem Nach- Lügenkampagnen während dung!] – wie der letzte Dreck
druck arbeiteten, als die Hilfsbe- des Ersten Weltkriegs und behandelt werden.”
reitschaft nachließ, ausgerech- danach zur Finanzierung jüdi- Nun braucht man allerdings kein
net zu einer Zeit, da die Not sich scher Gemeinden und zur Un- Verschwörungstheoretiker zu sein,
täglich verschlimmerte. Der für terstützung der bolschewisti- um zu erkennen, daß die Regieren-
seine hungernden und frierenden schen Revolution in Rußland. den und auch die Unterhaltung-
Kinder sorgende Familienvater Lügen, Betrügen, Morden, sclowns in Deutschland absolut
hat immer recht.” Plündern, Vergewaltigen. Der nichts unternehmen können, was
Es folgen einige mit bibliogra- sorgende Familienvater hat nicht die Zustimmung des “Zentral-
phischen Angaben untermauerte immer recht, insbesondere rats der Juden in Deutschland” fän-
Belehrungen über jüdische Armen- wenn er jüdisch ist? de. Ja, wo kämen wir denn hin,
fürsorge und Philanthropie einschließlich der Acht Stu- wenn wir z. B. weltweit eine Kampagne zur Unterstüt-
fen der Armenfürsorge von Maimonides aus dem zwölf- zung des Deutschtums starteten mit der Behauptung,
ten Jahrhundert. Tausende von Juden ermordete Deutsche trieben in der
Was Lummert nicht behandelt, ist die damit verbun- Spree, im Rhein und in der Donau?! Diese Art von Ver-
dene Lüge, in seiner Diktion der “psychologische leumdung liegt eben dem Arier nicht; lieber läßt er sich
Nachdruck”. Aber wir wissen ja, daß das Gebot “Du wie den letzten Dreck behandeln.
sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Näch- Arier bzw. Nichtjuden haben es aber auch gar nicht
3
sten” , unter Christen auch von den Zehn Geboten her nötig, zu Lüge und Verleumdung Zuflucht zu nehmen.
bekannt, bei Juden nur für ihresgleichen gilt, für den Jahrzehnte der revisionistischen Forschung haben der
“Genossen deines Blutes, deiner Rasse”, also soviel gegen Deutschland gerichteten Lügenflut längst den
wie “Volksgenossen”.4 Grund entzogen und das System gezwungen, zu immer
Mit dieser Lüge vom ersten Holocaust aber ist eine absurderen Maßnahmen Zuflucht zu nehmen. Wie weit
Verleumdung bisher nicht gekannten Ausmaßes ver- dies sogar in der politischen Mitte geht, zeigt der Fall
bunden. Jakob Pinchas Kohn, Dr. phil. und Rabbiner Martin Hohmann & Reinhard Günzel. Der CDU-
aus Leipzig, schrieb im Jüdischen Lexikon (1927):5 Ratsherr Hans Knoblauch aus Recklinghausen hatte auf
“Verleumdung ist in der Bibel (Lev. 9, 16) streng einen Artikel über Hohmann, der im dortigen Parteibüro
verboten. […] Wie ein roter Faden zieht sich die aushing, geschrieben: “Man darf in Deutschland nicht

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 425


Ernst Manon, Der vorbildliche Holocaust, S. 425f.

mehr die Wahrheit sagen.” Die CDU wollte ihn sofort “Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und
rauswerfen. “Diese Haltung ist mit den Grundsätzen der des HERRN [JHWHs] Wort von Jerusalem.”
CDU nicht vereinbar.” Knoblauch entging dem Aus- Ist es nicht höchst kurios, wenn Lummert, der vor
schluß aus allen seinen Ämtern nur dadurch, daß er zu einigen Jahren die Behauptung eines (Zweiten) Holo-
Kreuze kroch und Abbitte leistete.6 causts als Verleumdung des jüdischen Volkes bezeich-
Auch unser Horst Lummert mußte schon früher die net hat, nun den behaupteten “ersten” Holocaust als
Erfahrung machen, daß dies nicht der freie Staat ist, in vorbildliche Maßnahme jüdischer Armenfürsorge be-
dem es “jedem erlaubt ist, zu denken, was er will, und zeichnet? Aber wie sagte doch Elie Wiesel: “Bei uns
zu sagen, was er denkt”, wie es schon Spinoza gefordert [Juden] ist alles anders.” – Besonders mit der Logik!
hatte. 1997 hatte er in einem Fax an DIE WELT, “Herrn © 9. November 2004
Uwe Bahnsen persönlich”, geschrieben:7
“Das Insistieren auf dem ‘Holocaust’ ist ja in Anmerkungen
Wahrheit eine Beleidigung des jüdischen Volkes. 1
Castle Hill Publishers, Hastings 2004 (www.vho.org/D/deh).
2
Wer einen Mord, einen Völkermord, an den Juden “Vorbildlich – Ich sehe das ganz anders” in: kokhaviv publicati-
geplant, inszeniert, durchgeführt oder auch nur als ons – NewCatch – online exclusive 2004-10-05 (Internet:
www.kokhavivpublications.com/2004/newcatch/avram_kokhavi
geplant, inszeniert, durchgeführt behauptet hat und
v/20041005_224.html).
weiterhin behauptet, macht sich der ‘Volksverhet- 3
Exodus 20,16; Deuteronomium 5,20.
zung’, der Verleumdung des jüdischen Volkes, der 4
Dietrich Bronder, Bevor Hitler kam, 2. Aufl., Marva, Genf 1975,
Verunglimpfung des Andenkens seiner Verstorbenen S. 443, Anm. 184.
5
schuldig.” “Verleumdung” in: Jüdisches Lexikon – Ein enzyklopädisches
Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden; Jüdischer Ver-
Von der Verleumdung des deutschen Volkes war na- lag, Berlin 1927; unveränderter Nachdruck: Jüdischer Verlag bei
türlich wieder keine Rede. Lummert wurde zu einer re- Athenäum, Königstein 1982/87, Bd. IV, Sp. 1192/1193.
lativ geringen Geldstrafe verurteilt – relativ zu Strafen, 6
Nach PHI/Aufklärungsarbeit (Internet).
7
die Deutsche und andere Nichtjuden in der ganzen Welt Abgedruckt in seiner Zeitschrift kuckuck, feder 13, II. Quartal
zu gewärtigen hätten. Neuerdings maßt sich sogar Israel 1997.
8
“Globale Ahndung” in: FAZ vom 24. Juli 2004, S. 34.
an, sog. Holocaust-Leugner weltweit anzuklagen und 9
Jesaja 2,3.
ihre Auslieferung nach Israel zu fordern.8 Aber schließ-
lich heißt es ja schon beim Propheten Jesaja:9

426 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Heinrich Köchel, Leichenverbrennungen im Freien, S. 427-432

Leichenverbrennungen im Freien
Von Heinrich Köchel

Im Zusammenhang mit einer Beurteilung der Zahl der Leichen, die in den verschiedenen von deut-
schen Behörden während des 2. Weltkriegs eingerichteten Konzentrationslagern beseitigt wurden, ist die
Kapazität der entsprechenden Einrichtungen – Krematorien, offene Feuer, Massengräber – ein wesentli-
ches Element. Die Literatur hinsichtlich der Krematorien ist ziemlich reichhaltig und technisch gut do-
kumentiert, besonders durch die Arbeiten von Jean-Claude Pressac zu diesem Thema. Speziell das Lager
Auschwitz war mit Krematorien gut ausgestattet. Die anderen in Ostpolen eingerichteten Lager (Treblin-
ka, Sobibór und Belzec) besaßen solche technisch ausgefeilten Einrichtungen nicht, hier mußten die Lei-
chen im Freien verbrannt werden. Diesen Lagern werden traditionell zwei Millionen Opfer zugeschrie-
ben. Der Verfasser untersucht, inwiefern die Beseitigung so vieler Leichen nach unseren heutigen Kennt-
nissen über die Verbrennung von Tierkadaver machbar war.

1. Berichte über Leichenverbrennungen in häuften sie schichtweise auf den Rost bis zu einer
deutschen Lagern im 2. Weltkrieg Höhe von 2 Metern. Etwa 2000 bis 2500 Leichen –
In dem Standardwerk von Yitzak Arad, Belzec, So- manchmal sogar 3000 – wurden auf den Rost ge-
bibor, Treblinka, wird erklärt, daß diese Opfer haupt- packt. Wenn alles fertig war, wurden das trockene
sächlich in der Zeit von Herbst 1942 bis Anfang 1943 Holz und die Zweige, die unter dem Rost lagen, an-
in Gaskammern mittels Kohlenmonoxidgas (aus einem gezündet. Der ganze Bau, mit den Leichen, wurde
Dieselmotor) getötet und zunächst im Lager vergraben schnell vom Feuer erfasst. Die Schienen glühten und
wurden. Wegen der Gefahr einer Verseuchung des die Flammen schossen 10 m hoch.
Grundwassers durch die große Zahl solcher Leichen Anfangs wurden die Leichen mit einer brennba-
wurden diese dann im ersten Halbjahr 1943 wieder aus- ren Flüssigkeit übergossen, um das Feuer zu be-
gegraben und im Verlaufe von mehreren Monaten ver- schleunigen, dies wurde jedoch später nicht mehr
brannt. für nötig gehalten. […] Yechiel Reichman, ein Mit-
Abgesehen davon, daß solche Verbrennungen wegen glied der ‘Brenngruppe’ schreibt dazu:
der lodernden Flammen, der starken Hitze, des beißen- Der SS-’Fachmann’ für Leichenverbrennung be-
den Rauches und des unerträglichen Gestanks als sehr fahl uns, Frauen – insbesondere dicke Frauen –
eindrucksvoll beschrieben werden, gibt es hierzu nur bäuchlings als erste Schicht auszulegen, danach
wenige präzise Angaben. Manche Zeugen geben an, konnte dann beliebig vorgegangen werden, je nach-
daß Menschen auch bei lebendigem Leibe in den dem, was anfiel. […] Der ‘Fachmann’ befahl uns,
Flammen umkamen, entweder, weil sie gezwungen trockene Zweige unter den Rost zu legen und sie an-
wurden, sich ins Feuer hineinzustürzen, oder weil man zuzünden. Das Feuer fasste dann innerhalb weniger
sie in Gruppen von einem LKW mit Kippeinrichtung Minuten und es war schwierig, näher als 50 m an
hineinfallen ließ. Dies ist jedoch nicht recht glaubhaft, den Herd heranzugehen. […]
da solche starken Feuer auch für die Henkersknechte (In Treblinka) liefen die Verbrennungen Tag und
und für die Fahrzeuge eine große Gefahr darstellten. Nacht. Tagsüber wurden die Leichen herangeschafft
Yitzak Arad gibt in seinem Buch folgende Schilde- und auf die Roste gelegt, abends wurde gezündet
rung solcher Verbrennungen im Freien (S. 174f): und es brannte die ganze Nacht. Wenn das Feuer er-
“[In Treblinka] bestand die Verbrennungsein- loschen war, lagen nur noch einzelne Knochen auf
richtung aus einem Rost in Form von 5 oder 6 Ei- dem Rost und Aschehaufen darunter. […] In Belzec
senbahnschienen, die auf drei Reihen etwa 70 cm waren alle 600 000 Opfer schon begraben, als die
hoher Betonblöcke ruhten. Die
Einrichtung war etwa 30 m
breit […]. Die Leichen wurden
auf diese Schienen gehäuft.
Unter die Schienen legte man
Reisig. Das Holz wurde mit
Benzin übergossen.
[…Sie] nahmen die Leichen
von den Bahren herunter und
Rauch und Qualm so weit das Auge reicht: typisch für niedrige Brenntemperaturen.1

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 427


Heinrich Köchel, Leichenverbrennungen im Freien, S. 427-432

Verbrennungen begannen. nungen zeigen bestenfalls, wie


Sie mussten innerhalb von unsicher die Beweislage bis
vier oder fünf Monaten heute ist. Tregenzas Übernah-
ausgegraben und verbrannt me der Herdgröße ist jedoch
werden. […] In Belzec und auch insofern interessant, als
Treblinka […] musste ein sie zeigt, wie wenig der Autor
System erarbeitet werden, über die Probleme der Lei-
mit dem 5000 bis 7000 chenverbrennung weiß.
[Leichen] pro Tag ver-
brannt werden konnten. 2. Verbrennung von
Durch die Verwendung […] Tierkadavern während der
von einfachen, riesigen Maul-und-Klauenseuche
Freiluftherden […] gelang (MKS)
es der Mannschaft von Verkohlung, nicht Verbrennung. Im Jahr 2001 suchte diese
Operation Reinhard diese Seuche Europa und speziell
Aufgabe durchzuführen.” Großbritannien heim. Dies er-
Arads Buch enthält gewisse laubt uns, das Problem der
Angaben über Größe und Aus- Verbrennungen im Freien ge-
legung dieser Lager, und ob- nauer zu untersuchen, da die
wohl diese Angaben nicht ge- Medien diesen Ereignissen
nau mit anderen Quellen über- breiten Raum geschenkt haben.
einstimmen, kann man sich ei- Die verschiedenen Beispiele
nen Überblick über die Flä- einer Verbrennung von Kada-
chen verschaffen, die dort als “Todeszone” für Vernich- vern durch die Behörden geben uns detaillierte Hinwei-
tung, Massengräber und Verbrennung zur Verfügung se in Bezug auf die Vorgehensweise, speziell hinsicht-
standen: lich der benötigten Menge an Brennstoff, der Größe der
– Belzec: 250 mal 75 Meter, d.h. ca. 18.750 m² (etwa Herde, der Dauer der Verbrennung, aber auch hinsicht-
2 Hektar) lich der Arbeitskräfte oder der für den Aufbau usw. be-
– Treblinka: 250 mal 200 Meter, d.h. ca. 50.000 m² nötigten Zeit.
(etwa 5 Hektar) Die Tabelle am Ende stellt die Informationen zu-
– Sobibór: 90 mal 120 Meter, d.h. ca. 10.800 m² (etwa sammen, die sich aus Zeitungsartikeln oder anderen
1,1 Hektar) Anweisungen ergeben. Die Quellen betreffen zwar
Trotz der unwahrscheinlich klingenden Behauptun- sämtlich die Verbrennung von Tieren – Rinder,
gen, daß es möglich gewesen sei, Tausende von z.T. ge- Schweine, Schafe – lassen sich jedoch auf menschliche
frorenen Leichen in weniger als einem Tag mit minima- Leichen ausweiten, da die Zusammensetzung der Kada-
lem Brennstoffaufwand auf Herden zu verbrennen, die ver bezüglich Fett- oder Wassergehalt usw. recht ähn-
laut Arad eine Fläche von 1000 m² (Treblinka) bis 1500 lich ist; außerdem lassen einige dieser Anweisungen
m² (Belzec und Sobibór) aufwiesen, wobei am Ende nur Ausweitungen auf andere Tierarten ausdrücklich zu.
Asche und kleine Knochen übrig blieben, die leicht mit Die Quellen betreffen einerseits tatsächliche Feuer,
Hämmern zu Staub zerschlagen werden konnten, haben andererseits Anweisungen, die zum Bau und Betrieb
solche Angaben seit einem halben Jahrhundert als wahr solcher Feuer gegeben worden sind. Für die vorliegende
gegolten und als Beweise in verschiedenen Strafprozes- Arbeit sind acht tatsächliche Feuer berücksichtigt wor-
sen gedient. den (die manchmal von mehreren Quellen erwähnt wer-
den) sowie zwei typische Anweisungen. Entsprechende
Eine neuere Analyse der Verbrennungsherde, von Daten enthält die Tabelle. Die Ergebnisse stellen sich
M. Tregenza,2 geht noch einen Schritt weiter. In einem wie folgt dar:
deutschen Strafprozeß gegen SS-Wachmannschaften im
Jahre 1964 sagten Zeugen aus, daß die in Belzec ver- 2.1. ART UND MENGE DER BRENNSTOFFE
wendeten Herde etwa 5 mal 5 Meter groß waren und Die Scheiterhaufen sind grundsätzlich ähnlich hin-
daß es vier solcher Herde gab, von denen jedoch nur sichtlich der verwendeten Brennstoffe. Hauptbrennstoff
zwei verwendet wurden. Der Autor extrapoliert nun die ist Kohle, da jedoch Eisenbahnschwellen ein wesentli-
Angaben über die diesem Lager bislang zugeschriebe- ches Element beim Aufbau des Brennhaufens sind, tra-
nen Opferzahlen und sagt “wenn mehr als nur 2 Herde, gen auch sie einen erheblichen Anteil an Energie bei.
also 3 bis 4 während der Ausgrabungs- und Verbren- Daneben werden als Energieträger weitere Brennstoffe
nungszeit in Betrieb waren, könnten auch doppelt so erwähnt, z.B. hölzerne Paletten, mit Öl getränkte Stroh-
viele Leichen verbrannt worden sein”. Solche Berech- ballen, schließlich auch hier und da Thermit als Zünd-

428 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Heinrich Köchel, Leichenverbrennungen im Freien, S. 427-432

material. von 3 bis 4 m³ pro laufenden Meter Herdlänge.


Die tierärztlichen Anweisungen besagen, daß zum Wenn die geographische Lage es nicht erlaubt, eine
Zweck der Anlage eines Brennhaufens die Tierarten in- unbegrenzte Länge auszulegen, ist es natürlich möglich,
einander umgerechnet werden können, und zwar derart, mehrere Herde nebeneinander zu bauen. In einem sol-
daß ein Rind vier Schweinen oder vier geschorenen chen Fall sind Sicherheitsabstände zwischen den Her-
Schafen, oder drei ungeschorenen Schafen entspricht. den einzuhalten, besonders dann, wenn nicht alle Herde
Wenn man den Heizwert der verschiedenen Brennstoffe gleichzeitig gezündet werden, so daß sie sich in unter-
zugrundelegt und die Summe dann als äquivalente schiedlichen Phasen befinden. Für MKS-Herde wird
Menge Holz ausdrückt, ergeben sich Werte zwischen angegeben, daß man einen Mindestabstand von 250
125 und 875 kg Holz pro Schweinäquivalent bei etwa Metern beachten solle, die Zeugen für die polnischen
325 als Mittelwert. Angesichts dieser relativ großen Lager sprechen von einem Bereich von 50 Metern zu
Schwankungsbreite erscheint es angezeigt, die beiden einem brennenden Herd, der nicht betretbar war. Ent-
extremen Werte zu verwerfen, der so korrigierte Mit- sprechendes gilt verständlicherweise auch für künstli-
telwert liegt dann bei etwa 280 kg Holz pro Schwe- che oder natürliche brennbare Objekte, also etwa Häu-
inäquivalent. ser oder Wälder.
Betrachtet man menschliche Körper in dieser Weise, Unter Zugrundelegung der MKS-Daten kann man
so kann man die vorsichtige Annahme machen, daß also berechnen, daß für den Fall einer Gesamtlänge von
zwei menschliche Leichen einem Schweinekadaver ent- 1000 Metern, ausgelegt in einer einzigen Linie eine Ge-
sprechen, bzw. acht menschliche Leichen einem Rin- samtfläche von 500 mal 1000 m², zuzüglich der Sicher-
derkadaver. Man erhält so eine Menge von etwa 140 kg heitszonen an jedem Ende (2 Halbkreise von je 250 m
Holz, die für die Verbrennung einer Leiche eingesetzt Radius), also etwas mehr als 50 Hektar benötigt würde,
werden müßte. Je nach Holzart entspricht dieses Ge- bei einer Aufteilung auf vier Längen von je 250 m wä-
wicht etwa 0,2 bis 0,3 Festmetern trok- ren sogar fast 100 Hektar (ca. 1 km²)
kenen (!) Holzes. nötig.

2.2. AUSLEGUNG DER BRENNSTELLEN 2.3 DAUER DER VERBRENNUNG


Die Quellen sind sich darin einig, Die Quellen machen unterschiedli-
daß – bei gegebener Beladung – ein che Angaben über die Zeit, die für eine
schmaler und langer Brennhaufen einer vollständige Verbrennung nötig ist,
mehr quadratischen Form vorzuziehen von “mindestens 24 Stunden” bis “1
ist. Das leuchtet ein, denn eine gute bis 2 Wochen”. Vermutlich beziehen
Luftzufuhr ist ganz wesentlich für eine sich die kurzen Zeiten auf tatsächliche,
gute, d.h. heiße und rasche Verbren- Feuerfeste Anzüge mit Flammen brennende Feuer, die
nung. Je weiter der Weg vom Rande längeren auf den Zeitraum, über den
des Haufens bis in die Mitte ist, desto größer ist die Ge- der Herd noch warm ist.
fahr, daß die Brennmasse dort nicht ausreichend bren-
nen kann, in sich zusammenfällt und schließlich bei 2.4 ARBEITSAUFWAND UND ANDERE ÜBERLEGUNGEN
eher niedriger Temperatur nur noch schmort. Der Bericht über die Verbrennung von 800 Schafen
Allgemein geben die Quellen an, daß die Breite ei- in Frankreich spricht von 100 Soldaten, die hier einge-
nes Brennhaufens etwa 2,5 Meter betragen sollte, da setzt wurden, erwähnt aber auch eine Flotte von Last-
dies der Länge einer Eisenbahnschwelle entspricht. Die- kraftwagen (und vermutlich auch andere Hilfsmittel),
se Dimension ist auch günstig in Bezug auf den Aufbau die Verwendung fanden.
bzw. die Beladung solcher Haufen von der Längsseite
aus, da die Helfer von beiden Seiten einander zuarbei- 3. Die Verbrennung von Leichen im Freien in den
ten können. Fotografien und Schemazeichnungen zei- Konzentrationslagern im Lichte der MKS-Daten
gen, daß Rinder generell in einer Schicht auf die unten Die Beseitigung von Leichen in Konzentrationsla-
liegenden Brennstoffe plaziert werden, während man gern unterscheidet sich von der Verbrennung von Tier-
Schafe und Schweine auch mehrschichtig laden kann, kadavern in einer Reihe von Gesichtspunkten:
wobei die Höhe insgesamt 1,8 bis 2 Meter nicht über- – Die Leichen mußten so weit zu Asche verbrannt
schreitet. Manuell kann man ohnehin kaum höher arbei- werden, daß keine identifizierbaren Reste mehr
ten, und es bestünde außerdem die Gefahr, daß der Hau- übrig blieben. Die Literatur sagt aus, daß hierfür
fen nach der Seite abkippt, etwa wegen ungleichmäßi- die eventuell noch verbleibenden Knochenreste
ger Verbrennung oder auch wegen einem möglichen manuell zu Pulver zermahlen wurden. Dies ist erst
Auftauen gefrorenen Bodens. Es ergibt sich so, senk- möglich, wenn die Herde entsprechend abgekühlt
recht zur Längsrichtung, ein grob trapezförmiger Quer- sind.
schnitt von ca. 3 bis 4 m² Fläche, bzw. einem Volumen – Für die Verbrennungen wurde vermutlich haupt-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 429


Heinrich Köchel, Leichenverbrennungen im Freien, S. 427-432

sächlich Holz und nicht Kohle eingesetzt, da Holz 10 Herde gleichzeitig – in verschiedenen Stadien des
in Form von mehr oder weniger großen Stücken Prozesses – vorhanden sein. Wenn man auch nur einen
auch von Hand transportiert werden kann, wäh- Abstand von 100 m zwischen zwei Herden und um die
rend für Kohle ein Minimum an mechanischen Peripherie aller Herde ansetzt, so ergibt sich eine Ge-
Mitteln (Schaufeln, Schubkarren usw.) vorhanden samtfläche von etwa 1000 mal 1000 m, die für solche
sein müssen. Aktionen vorhanden gewesen sein müßte. Eine solche
– Da Holz pro Gewichtseinheit einen niedrigeren Fläche übersteigt bei weitem die Dimensionen, die in
Brennwert als Kohle hat und außerdem eine gerin- der Literatur diesen Lagern insgesamt zugeschrieben
gere Dichte aufweist, sind solche holzbefeuerten werden.
Herde zwangsläufig voluminöser als dies für Koh- Absolut notwendig ist natürlich die Verfügbarkeit
le der Fall wäre; d.h. die Belegung mit Leichen pro von Brennstoffen. Dieses Problem wird von der tradi-
Grundfläche ist geringer. tionellen Literatur überhaupt nicht behandelt, da dort
– Holzfeuer brennen im allgemeinen mit einer nied- die Verbrennungen keinen Brennstoff benötigen. Unter
rigeren Temperatur als Kohlefeuer, so daß es der Annahme, daß trocknes Holz der Hauptbrennstoff
schwieriger ist, Leichen auf diese Weise zu ver- war, kommt man auf eine Menge von 1000 bis 1500
brennen. Festmetern Holz (trocken und gesägt) das täglich in die
Aufgrund der obigen Ausführungen kann man sa- Lager gebracht werden mußte. Das entspricht 100 oder
gen, daß für die Verbrennung einer menschlichen Lei- 150 LKW-Ladungen, bzw. 50 bis 75 mittleren Güter-
che im Freien jeweils mindestens 0,2 bis 0,3 Festmeter wagen bei Eisenbahntransport, und dies täglich über
trockenes Holz benötigt wird. Zusammen mit der Lei- mehrere Monate. Angesichts der unsicheren Transport-
che selbst und den für eine gute Verbrennung nötigen situation in der Kriegszeit wäre es angezeigt gewesen,
Zwischenräumen konnte ein typisches Feuer vielleicht eine Mindestreserve von 2 oder 3 Tagesleistungen an-
zwei Leichen pro Kubikmeter aufnehmen. Die optimale zulegen, also 3000 bis 5000 Festmeter Holz einzula-
Auslegung der Brennhaufen, wie sie weiter oben für gern. Bei einer Stapelhöhe von 2 m ist hierfür eine La-
kleinere Tierkadaver diskutiert wurde, könnte somit ei- gerfläche von 1500 oder 2500 m² erforderlich, sowie
ne Beladung mit etwa 8 – 10 Leichen pro laufenden ein zusätzlicher Raum für Zu- und Abfahrtswege; die
Meter erlauben. Im praktischen Betrieb waren die Ver- Gesamtfläche hierfür läge also ohne weiteres bei 100
hältnisse sicherlich nicht ideal, so daß die Herde weni- mal 100 m, also einem Hektar. Diese Fläche stellt schon
ger als die erwähnte Zahl von Leichen aufnahmen. einen erheblichen Teil derjenigen Fläche dar, die bei
Daher waren für die Tagesleistungen von 5000 bis Arad für die “Todeszonen” (s.o.) dieser Lager erwähnt
7000 Leichen, die in den Lagern verbrannt werden wird.
mußten, ohne Zweifel Herde nötig, die bei einer Breite Bezüglich des Aufwands an Arbeitskräften für die
von 2,5 m eine Länge von 500 bis 700 m oder mehr Verbrennungen kann man aufgrund der Kriegslage an-
aufwiesen. nehmen, daß hier in der Hauptsache auf Zwangsarbeiter
Nach dem Aufbau wurden die Haufen gezündet und zurückgegriffen wurde und mechanische Hilfsmittel
brannten dann ein bis zwei Tage, wie für die MKS- kaum zur Verfügung standen. Der bei Arad abgebildete
Verbrennungen berichtet wird. Aus Erfahrung mit grö- Bagger, der auch nicht immer funktioniert haben soll,
ßeren Haufen heißer Asche weiß
man, daß solche Haufen durchaus
noch mehrere Tage heiß bleiben,
möglicherweise eine Woche nach
Zündung. Danach mußten die
Haufen nach Knochenresten
durchkämmt und diese zermahlen
werden, wofür vermutlich auch
mehr als ein Tag benötigt wurde.
Es ist daher realistisch anzuneh-
men, daß der Platz für einen be-
stimmten Herd auf etwa 10 Tage
insgesamt belegt war, bevor dort
ein neuer Herd aufgebaut werden
konnte.
Für die in der Literatur er-
wähnte Verbrennungsleistung von
Viehkadaververbrennung aus der Luftperspektive. Die angeblich wesentlich größeren
täglich bis zu 7000 Leichen muß- Verbrennungsstellen in Auschwitz hätten die ganze Umgebung unter Rauch gesetzt.
ten also jederzeit insgesamt etwa Davon ist freilich auf den alliierten Luftaufnahmen nichts zu sehen.

430 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Heinrich Köchel, Leichenverbrennungen im Freien, S. 427-432

konnte keinesfalls mehr tun, als Leichen aus den Mas- rechnung ergibt, daß sich auf den Flächen, die in der Li-
sengräbern heben und den Hilfskräften zu Füßen legen. teratur als “Roste” ausgewiesen werden (1000 bis 1500
Es ist nicht möglich, hier eine eingehende Schilde- m² für jedes Lager) von der Größe und der Dauer her
rung des Arbeitsablaufs zu geben, doch sollte man sich vielleicht 1500 Leichen pro Woche verbrennen ließen,
vor Augen halten, daß die große Fläche, die für die nicht jedoch mehrere zehntausend, wie immer behauptet
Verbrennungen gebraucht wurde (wenn sie überhaupt worden ist.
zur Verfügung stand) es nötig machte, daß die Hilfs- Wenn man den Angaben von M. Tregenza für echte
kräfte weite Wege zurückzulegen hatten, um Brennstof- Brennstellen folgt (4 mögliche “Roste”, je 5 mal 5 Me-
fe und Leichen zu den Brennstellen zu schaffen – Ent- ter, also insgesamt 100m²) sinken solche Schätzungen
fernungen von mehr als einem Kilometer in jeder Rich- nochmals um fast eine Größenordnung auf einige hun-
tung sind durchaus als realistisch anzusehen. dert Leichen, die wöchentlich so hätten beseitigt werden
Die Literatur erwähnt beiläufig, daß manchmal eine können. In jedem Fall liegt die Behauptung, für die
Feldbahn angelegt wurde. Aufgrund der geschilderten Verbrennungen hätte man außer Anmachholz keine
optimalen Auslegung der Brennstellen ist dies jedoch Brennstoffe gebraucht, außerhalb jeder Erfahrung und
keineswegs eine praktikable Lösung, denn die Gleise ist daher zu verwerfen. Alle Berichte über tatsächliche
hätten ja an den Herden entlang geführt und jedesmal MKS-Feuer wie auch die Anweisungen zum Bau sol-
wieder in eine neue Herdreihe verlegt werden müssen, cher Scheiterhaufen betonen den erheblichen Bedarf an
noch dazu am besten zweispurig. Es wäre unmöglich Brennstoffen.
gewesen, die Gleise in der Nähe eines brennenden Da bekanntlich Verbrechen gegen die Menschlich-
Scheiterhaufens zu belassen, weil die starke Hitze den keit unabhängig von der Anzahl der Opfer sind, sollten
Stahl beeinträchtigt hätte. Man muß auch berücksichti- diese Überlegungen nicht so interpretiert werden, sol-
gen, daß für den Transport von 7000 Leichen pro Tag che Verbrennungen hätten in diesen oder anderen La-
und 1000 oder 1500 Tonnen Brennmaterial der Bedarf gern nie stattgefunden – juristische und moralische Fra-
an rollendem Material nicht unerheblich gewesen wäre. gen werden nach ganz anderen Gesichtspunkten ent-
schieden als technische Dinge. Wir müssen uns jedoch
4. Schlußfolgerungen mit dem Gedanken vertraut machen, daß die zwei Mil-
Die in der Literatur zu den Vernichtungslagern ge- lionen Opfer, die diesen Vernichtungslagern zuge-
machten Angaben einerseits und die Erkenntnisse aus schrieben werden, eine Übertreibung darstellen, und
den Verbrennungen im Zusammenhang mit MKS ande- daß aufgrund der vorhandenen Erkenntnisse über die
rerseits widersprechen sich dermaßen, daß es unmöglich Lager selbst und über die MKS-Verbrennungen in die-
ist, die Schilderungen zu akzeptieren, wonach innerhalb sen Lagern insgesamt nur 3000 bis 5000 Leichen pro
der Lagergrenzen von Treblinka, Sobibór und Belzec Woche beseitigt werden konnten. Bezogen auf die ge-
monatelang täglich Tausende von Leichen verbrannt samte Dauer der Verbrennungen im Rahmen der “Akti-
worden seien. In diesen Lagern gab es vermutlich on Reinhard”, also vier bis sechs Monate, sind maximal
durchaus Einrichtungen, die eine Verbrennung von Lei- 80.000 bis 125.000 Leichen denkbar, die auf diese Wei-
chen gestatteten, jedoch in einem Umfang, der erheblich se beseitigt worden sein können.
kleiner war, als behauptet wird. Eine großzügige Be-
Literatur
– Jean-Claude Pressac, Die Krematorien von Au-
schwitz, Piper, München 1994
– Jean-Claude Pressac, Technique and Operation of
the Gas Chambers, Beate Kalrsfeld Foundation,
New York, 1989
– Yitzak Arad, Belzec, Sobibor, Treblinka, Indiana
University Press, Bloomington/Indianapolis, 1999

Anmerkung
1
Alle Fotos von www.whale.to/m/fmd70.html.
2
Report on the Archeological Investigations at the Site of the
Former NAZI Extermination Camp in Belzec, Poland, 1997-98,
S. 29f. Vgl. C. Mattogno, Belzec, Castle Hill Publishers, Hast-
ings 2004 (www.vho.org/D/b).
Viehkadaververbrennungsgrube aus der Vogelperspektive.
Grube, ausgehobene Erde, massive Zerstörung von Vegeta-
tion und Aufwühlung des Erdreiches um die Grube herum –
all das kann man auf den Luftaufnahmen von Auschwitz
nicht sehen!

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 431


Heinrich Köchel, Leichenverbrennungen im Freien, S. 427-432

Tabelle über benötigte Brennstoffmengen


Beschreibung tatsächlicher MKS-Verbrennungen und Anweisungen für den Bau entsprechender Herde
Nr. Ort bzw. Rinder Schweine Schafe Schweine- Eisenbahn- Kohle Holz Heizöl Stroh Länge Holz- Holz/
Quelle äquivalent schwellen [t] [l] (Meter) äqui- Schwei
valent [t] n [kg]
1 Heddon-on- 75 850 1150 250 75 2 LKW- 150 185 160 kg
the-Wall Ladungen
2 Caldbeck 500 2000 3800 700 900 Paletten 7600 60 t 1750 875 kg
3 Shadwick 401 1604 700 200 450 280 kg
4 Burdon 200 730 1770 800 290 29 t 3000 20 t 250?350? 700 370 kg
5 Epynt 300 1200 380 175 250 Paletten 2800 4t 250?500? 400 330 kg
6 Oswestry 68 450 115 860 200 30 4 LKW-Ladungen, 150 350 Ballen 60 110 130 kg
200 Reifen
7 Oswestry 45 Kühe, 90 320 150 25 2 LKW-Ladungen, 150 250 Ballen 45 75 235 kg
10 Kälber 100 Reifen
8 FAO 1 oder 4 oder 4 geschorene 4 1 0,2 35 kg 5 1 Ballen 0.5 125 kg
oder 3 ungesch.
9 DOH 1 (4) 3 1 40 kg 1 Ballen 2.3 575 kg
10 Bondues, 818 1100 350 60 56 m³ (60 t?) 10 t 100 190 170 kg
Frankreich
Mittelwert: 325 kg
Korr. Mittelwert: 280 kg
Zum Zweck der Darstellung wurden die Brennwerte der einzelnen Brennstoffe als entsprechende Äquivalente für Holz ausgedrückt. Angesichts gewisser Unsicher-
heiten in den Angaben (Strohballen, LKW-Ladungen usw.) mußten manche Berechnungen geschätzt werden. Der Beitrag der Kohle und des Holzes war jedoch in al-
len Fällen der wesentliche Wert. Eine Eisenbahnschwelle wurde mit 2,5 mal 0,3 mal 0,2 m und einer Dichte von etwa 0,5 eingesetzt.

Quellen für die jeweilige Nummer


1) The Guardian, 26. Februar 2001; The Times, 26. Februar 2001; Der Spiegel, SPIEGEL ONLINE – 26. Februar 2001,
06:53; www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,119729,00.html
2) The Guardian, 28. April 2001
3) The Independent, 19. März 2001
4) Financial Times, 5. März 2001, The Times, 2. März 2001
5) Current Concerns, P.O. Box 927, CH-8044 Zürich, Archiv, 2. Januar 2002
6) Village Tidings, ISSN 1353 2243, c/o Ferryhouse, Bolton Abbey, nr. Skipton, N Yorks BD23 6HB; e-mail: vtontheweb@planetall.com,
Bd. 39, Sommer 2001 (Dieser Herd, wie auch Herd Nr. 7, wurde während der MKS-Epidemie des Jahres 1968 betrieben)
7) ditto
8) www.fao.org/livestock/agah/empres/gemp/resources/prnt-stamping-out.html
9) www.doh.gov.uk/fmdguidance/disposalriskassessmentannexes.pdf
10) La Voix du Nord, 6. März 2001, “Un bûcher de 100 m de long pour 600 moutons”

432 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Erik Kylling, Rattenbekämpfung in Auschwitz, S. 433-437

Rattenbekämpfung im KL Auschwitz
Von Erik Kylling

Von deutscher Seite, insbesondere durch die SS, wurden große Anstrengungen unternommen, um die
Ausbreitung von Ratten im KL Auschwitz zu verhindern. Wie die hier vom Verfasser präsentierten Do-
kumente zeigen, wurde der Rattenbekämpfung ein hoher Stellenwert eingeräumt, nicht nur, weil diese
Nagetiere knappe Nahrungsmittel vernichten und durch Benagen Schäden anrichten, sondern auch, weil
sie Überträger gefährlicher Krankheiten sind.
Wir möchten das Augenmerk des Lesers auch darauf richten, daß die hier abgelichteten Briefe erstaun-
liche Einblicke geben, die vollkommen im Widerspruch stehen zu dem offiziellen Bild der “Knochen-
mühlen zur Beseitigung ermordeter Häftlinge” – das KL Auschwitz hatte Mangel an frischen Markkno-
chen, die der offiziellen Version zufolge doch im Überfluß hätten existieren müssen. Statt Rattenfütterung
mit Menschenknochen wurde in Auschwitz Rattenbekämpfung zugunsten aller dort lebenden Menschen
durchgeführt. (Die Redaktion)

Schädling Ratte Gattung Leptospira), Tularämie (Anthropozoonose


Bei der Ratte handelt es sich um ein weltweit ver- durch Francisella (= Pasteurella) tularensis), Trichino-
breitetes Nagetier, das sehr häufig als Vorrats- Material- se (Larven von Trichinella spiralis), Ruhr (Entamoeba
und Gesundheitsschädling auftritt. Die Ratte ist dem histolytica), Cholera (Vibrio cholerae / Vibrio el Tor)
Menschen in alle Klimazonen gefolgt, lebt in seinen und Pest (Yersinia pestis) hervorzuheben.
Gebäuden und Behausungen und ernährt sich von sei- Daher sind Ratten vor allem in Wohnstätten und Un-
nen Vorräten und Abfällen. terkünften von besonderer Gefahr, in denen Menschen
In allen größeren Ansiedlungen des Menschen ist die in großer Dichte und Fluktuation unter mangelhaften
Ratte, in Mitteleuropa als Haus- und vor allem als hygienischen Umständen leben. Unter diesen Umstän-
Wanderratte (Rattus rattus, Rattus norvegicus) ein ste- den, die sich in Kriegszeiten in zerstörten Städten,
tiger und ungeliebter Mitbewohner. In ganz Deutsch- Kriegsgefangenen-, Flüchtlings- und Internierungsla-
land nahm die Rattenplage während des Zweiten Welt- gern schnell bildeten, war eine Ansteckungsgefahr au-
krieges stark zu, besonders in den zerbombten Städten ßergewöhnlich hoch. So auch im Konzentrationslager
(siehe z.B.: Schreiben des Reichsministers des Innern Auschwitz.
an das Reichssicherheitshauptamt vom 19. Februar In einem Schreiben des “Reichsführer-SS Persönli-
1944 über den “Erlaß einer Reichspolizeiverordnung cher Stab” an den “Reichsgeschäftsführer Das Ahne-
zur Rattenbekämpfung”; A g 7070/43-5202, Bundesar- nerbe” SS-Standartenführer Sievers vom 20. August
chiv: NS 21-799-30). In diesem Schreiben wird die Be- 1943 (Akt. Z.: G/R/10; Bundesarchiv: NS 21-799-30)
kämpfung der Rattenplage sogar als kriegswichtig be- heißt es:
zeichnet. “Die Rattenplage im Konzentrationslager Au-
Ratten besitzen eine hohe Vermehrungsrate und ein schwitz soll so groß sein, daß der SS-Standortarzt,
großes gesundheitsgefährdendes Potential für den Men- SS-Hauptsturmführer Dr. Wirth, die Befürchtung
schen. Sie dienen einerseits dem stabilen Erhalt eines hat, die Rattenpest könnte ausbrechen. Auch der
Erregers als Reservoir, sind andererseits aber, in Ab- Verwaltungsführer, SS-Obersturmbannführer Moek-
hängigkeit vom Erreger und dessen geographischer kel, befürchtet den Ausbruch von Seuchen, wenn
Verbreitung, gleichzeitig Erregerverschlepper oder - nicht umfassende Bekämpfungsmaßnamen sofort ge-
überträger. Laut Niedersächsischem Landesamt für troffen werden.
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Wenn auch SS-Standartenführer Dr. Mrugowski,
(www.laves.niedersachsen.de/master/C2998646_N2530 der vor etwa 14 Tagen in Auschwitz war, nicht diese
258_L20_D0_1826.html) können Ratten etwa 120 In- Befürchtung teilt, da keine Pestträger vorhanden
fektionskrankheiten übertragen. Insgesamt sind danach sein sollen, bitte ich doch gemäß dem damaligen
weltweit ohne die vielfältigen Hantavirusspezies, 42 Auftrage des Reichsführer-SS an das Ahnenerbe, die
wichtige, mit Nagetieren assoziierte humanpathogene Rattenbekämpfung verantwortlich zu übernehmen,
Erreger oder Erregersubtypen bekannt. Besonders ist möglichst schnell hier durchzugreifen. Ich bin der
die große Bedeutung der Schadnager als Reservoir für Ansicht, daß auch die augenblicklichen Umzugs-
Salmonellen und als Überträger von z.B. Typhus (Sal- schwierigkeiten kein Hindernis sein sollen für die
monella typhi), Paratyphus, Leptospirose (Bakterien der sofortige Inangriffnahme der Rattenbekämpfung in

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 433


Erik Kylling, Rattenbekämpfung in Auschwitz, S. 433-437

Auschwitz.” lingsbekämpfung ruht auf den Schultern von Herrn


Nach einem Besuch im K.L. Auschwitz am Dr. Wirts, der bei aller Tatkraft und bei bestem Wil-
13.09.1943 schreibt der Dozent Dr. habil. Eduard Mey len nicht durchkommt.”
am 15.09.1943 an den “Reichsführer-SS Persönlicher SS-Hauptsturmführer Professor Dr. Tratz wird in ei-
Stab Amt Ahnenerbe” unter dem Betreff “Rattenbe- nem Schreiben von SS-Sturmbannführer Sievers, “Das
kämpfung im K.-L. Auschwitz” (Akt. Z.: G/R/10, Bun- Ahnenerbe Reichsgeschäftsführer” an den “Reichsfüh-
desarchiv: NS 21-799-30): rer-SS Persönlicher Stab” vom 20. Februar 1940 mit
“Das K.-L. Auschwitz umfasst ein Gelände von dem Betreff “Rattenbekämpfung” (A/1/101 S/Wo;
30000 Morgen; die einzelnen Lager beherbergen Bundesarchiv: NS 21-799-30) aus seinem Brief vom 15.
insgesamt 80000 Häftlinge. Da dieses Riesenlager Juni 1939 betreffend “Rattenbekämpfung” an den
außerordentlich schnell gewachsen ist und bei der “Reichsgeschäftsführer Das Ahnenerbe” SS-Sturm-
Schnelligkeit dieses Wachstums den notwendigen bannführer Sievers (Akt. Z.: A/1/101; Bundesarchiv:
hygienischen Maßnahmen naturgemäß vielfach nur NS 21-799-30) folgend zitiert:
in vorläufiger Weise Rechnung getragen werden “Die Ratten haben nun die Eigenschaft, dass sie
konnte, so erklärt sich das Überhandnehmen der einheitlich in Anwendung gebrachtes Gift, wenn es
Ratten, sowie des Ungeziefers, von selbst. Es kommt auch noch so gut getarnt ist, bald nicht mehr an-
noch hinzu, dass in einzelnen Lagern des Auschwit- nehmen. Danach erscheint es unbedingt notwendig,
zer Komplexes ein geradezu unvorstellbarer Ab- die Bekämpfung durch verschiedene Mittel, und
schaum verwahrloster Polen, Juden, Zigeuner usw. zwar andauernd durchzuführen.”
– teilweise ganze Familien – auf die primitivste Wei- In einem “Vorschlag zur reichseinheitlichen Be-
se untergebracht sind, wodurch eine ständige Ge- kämpfung der Ratten” (Bundesarchiv: NS 21-799-30)
fahrenquelle gegeben ist. Schließlich ist noch zu be- des durch eine Entscheidung des Reichsführer-SS vom
rücksichtigen, dass in Anbetracht der Riesenzahl der 22.02.1940 zur Rattenbekämpfung von der Wehrmacht
Häftlinge, die, ich wiederhole es, zum Teil aus gänz- angeforderten Stabsveterinärs Dr. R. Koller (siehe
lich verwahrlosten Halbmenschen bestehen, die Zahl Schreiben des SS-Obersturmbannführers Prof. Dr. Tratz
der zur Betreuung unbedingt notwendigen Ärzte, an den Chef der Ordnungspolizei Berlin vom
Hygieniker usw. samt Hilfspersonal m.E. viel zu ge- 05.03.1941, Betr.: “Rattenbekämpfung”; Bundesarchiv:
ring ist. Die ganze Last der Seuchen- und Schäd- NS 21-799-30) schreibt dieser:

Die Pest in Auschwitz? Damals eine realistische Möglichkeit,


zumal damals im Lager ja bereits das Fleckfieber grassierte.
Schreiben des “Reichsführer-SS Persönlicher Stab” an den
“Reichsgeschäftsführer Das Ahnenerbe” SS-Standartenführer
Sievers vom 20. August 1943 (Akt. Z.: G/R/10; Bundesarchiv:
NS 21-799-30)

434 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Erik Kylling, Rattenbekämpfung in Auschwitz, S. 433-437

“Mit der bisherigen Art, die Ratten nur durch Ratten rhodanwasserstoffentwickelnde Verbindungen”
wiederholtes plötzliches Auslegen massenhafter und die Untersuchung der “Ködererwirkung der Ratten-
Giftköder zu bekämpfen, ist das Problem der Rat- vertilgungsmittel”. Weiter wird durch Lengerken und
tenplage nie und nimmer zu lösen.” Seitz erwähnt, daß das schließlich seitens der SS ge-
Mit Hilfe bzw. im Auftrage der “Forschungs- und bräuchliche Mittel der Rattenbekämpfung, ein Produkt
Lehrgemeinschaft Ahnenerbe” wurde nun allgemein an aus der Meerzwiebel, kriegsbedingt in Deutschland
verschiedenen alternativen Möglichkeiten der Ratten- nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stünde.
bekämpfung geforscht. Dazu gehörten das Erwägen ei- Weiter wird im selben Schreiben ebenfalls auf die
ner Synthese des entsprechenden Wirkstoffes aus der Kriegswichtigkeit der Rattenbekämpfung aufmerksam
Meerzwiebel (Urginea maritima oder Scilla maritima), gemacht.
des sogenannten Scillins, tierexperimentelle Studien zur Speziell bezüglich Auschwitz gibt ein Schreiben von
Frage der medikamentösen Sterilisierung (durch Cala- SS-Sturmbannführer Guntram Pflaum (“Sonderbeauf-
dium seguinum / Dieffenbachia seguina) (siehe Schrei- tragter des RF-SS für Schädlingsbekämpfung”) an den
ben des “Reichsgeschäftsführer Das Ahnenerbe” an SS- “Amtschef i. Pers. Stab RF-SS”, SS-Oberführer Dr.
Obersturmbannführer Dr. R. Brandt “Persönlicher Stab Wüst vom 09. September 1943 über den geplanten Ein-
RF-SS”, Betr.: “Rattenbekämpfung” vom 04. Juli 1942, satz des thalliumbasierten Rattengiftes “Zelio-Paste”
A/1/101; Bundesarchiv: NS 21-799-30), oder die Ent- von Bayer I.G. Farben Auskunft (Abschrift; Akt. Z.:
wicklung von Giften auf Basis des Xantons oder der G/R/10; Bundesarchiv: NS 21-799-30). SS-Stand-
Arsenite (Brief von Dozent Dr. habil. Eduard Mey an artenführer Sievers wird darin aus einem Fernschreiben
SS-Standartenführer Wolfram Sievers vom 26.02.1945, folgend zitiert:
Akt. Z.: G/R/10; Bundesarchiv: NS 21-799-30). “Von RF-SS mit Rattenbekämpfung verantwort-
Professor Dr. M. von Lengerken und Dr. Werner lich beauftragt. Sind Sofortmassnahmen wegen Seu-
Seitz, vom Institut für Landwirtschaftliche Zoologie der chengefahr in Auschwitz einzuleiten. Beauftrage Sie
Universität Berlin stellen einen Antrag (Abschrift ohne mit Beschaffung 50 kg Zelio-Paste von Bayer I. G.
Datum und Adressat; Bundesarchiv: NS 21-799-30) Farben. Sie selbst müssen mit mindestens 25 kg,
“auf Erteilung eines Forschungsauftrages und Einrei- Montag 13.9. früh in Auschwitz eintreffen. Gleich-
hung in die Dringlichkeitsstufe” für die Erforschung zeitig dort eintrifft Dr. May um Bekämpfungsmass-
neuer Rattentoxine, genauer “[…] im Darmkanal der nahmen durchzuführen. Erbitte Bestätigung durch
RF-SS, Pers. Stab, Amt Ahnenerbe, Berlin.”
Weiter wurde durch das Amt Ahnenerbe der Einsatz
des Kampfstoffes Lost zur Rattenbekämpfung in
Deutschland in Erwägung gezogen.
In dem Brief des “Reichsgeschäftsführer Das Ahne-
nerbe” an SS-Obersturmbannführer Dr. R. Brandt “Per-
sönlicher Stab RF-SS”, Betr.: “Rattenbekämpfung” vom
04. Juli 1942 (A/1/101; Bundesarchiv: NS 21-799-30)
schreibt Sievers, nachdem er die Methode der Gift-
Sterilisierung von Ratten verwirft, über die Überzeu-
gung Hirts (SS-Hauptsturmführer Professor Dr. Hirt
von der Universität Straßburg),
“[…] dass es hingegen möglich sein müsste, in
rattenverseuchten Gegenden eine Bekämpfung der
Ratten mit Lost durchzuführen.”,
da Ratten “außerordentlich lostempfindlich” seien.
Weiter heißt es darin:
“Bisher hat Hirt Lösungen 1:100 angewandt. Es
wäre zu erforschen, welche dünnsten Lösungen noch
wirksam sind. Natürlich müsste bei Anwendung die-
ses Verfahrens grösste Vorsicht beachtet werden und
es könnten nur damit vertraute Personen beauftragt
werden. Das geschieht aber schon bei anderen Be-
Schreiben des “Reichsführer-SS Persönlicher Stab” an SS- kämpfungsverfahren (Blausäure).”
Sturmbannführer Sievers (Akt. Z.: A/1/101; Bundesarchiv: Anschließend schlägt Sievers in diesem Schreiben
NS 21-799-30) vom 13. Juli 1942: vor, einen Versuch mit Lost in rattenverseuchten Gebie-
“Der Reichsführer-SS möchte gerne eine Mitteilung darüber
haben, wie die Menschen auf die Lösung des Lost-Präparats
ten durchzuführen.
von 1:100 reagieren.“ SS-Obersturmbannführer Dr. R. Brandt antwortet in

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 435


Erik Kylling, Rattenbekämpfung in Auschwitz, S. 433-437

einem Schreiben des “Reichsführer-SS Persönlicher Bewohnern geräumt werden kann. Ganz ausge-
Stab” an SS-Sturmbannführer Sievers (Akt. Z.: schlossen ist natürlich die Anwendung von Lost in
A/1/101; Bundesarchiv: NS 21-799-30) vom 13. Juli der Nähe von Lebensmittellagern, vor allem Getrei-
1942: delagern, da man ja nicht weiß, inwieweit die Ratten
“Der Reichsführer-SS möchte gerne eine Mittei- noch Lost dahinschleppen. Es käme also lediglich
lung darüber haben, wie die Menschen auf die Lö- eine Verlostung von Schlupfwinkeln unter Anwen-
sung des Lost-Präparats von 1:100 reagieren. Mit dung der diesbezüglichen Vorsichtsmaßregeln in
dem Versuch ist er selbstverständlich einverstanden. Frage. Wie sich das technisch durchführen läßt,
Sie hatten dem Reichsführer-SS, wenn ich mich kann ich natürlich nicht entscheiden, das müßten
recht entsinne, mitgeteilt, dass Professor Koller oder entsprechende Fachleute beurteilen. Es ist aber
ein anderer für die Bekämpfung von Ratten die Ver- wahrscheinlich ebenso wie mit allen anderen Giften,
wendung von Meerzwiebeln vorschlägt. Er bittet die bei der Rattenvertilgung angewandt werden
auch hier Versuche zu machen bzw. weiterzufüh- (Phosphorarsenik, Strychnin usw.), daß jede Giftbe-
ren.” kämpfung ihre 2 Seiten hat. Trotzdem erscheint mir
In einem Antwortschreiben vom 27.08.1942 von Ihr Gedanke, an die Ausrottung des Ungeziefers mit
Sievers an Dr. Brandt (Schreiben an SS-Obersturm- einem Kampfstoff heranzugehen, durchaus nicht
bannführer Dr. R. Brandt “Persönlicher Stab RFSS”, abwegig, es müßte nur von einem Kampfstoffexper-
G/H/6, G/Sch/4, G/R/10; Bundesarchiv: NS 21-799-30) ten festgestellt werden, ob es nicht noch für den
zitiert Sievers eine Stellungnahme Professor Hirts be- Menschen harmlosere Mittel gibt, die die Ratten um-
züglich der Anwendbarkeit von Lost zur Rattenbekämp- legen.’”
fung hinsichtlich der Verträglichkeit für den Menschen: Vermutlich entschied sich die SS bei der Rattenbe-
“SS-Hauptsturmführer Professor Dr. Hirt, kämpfung in Auschwitz zumindest auch für die Meer-
Straßburg, teilt mir auf Anfrage mit: ‘Lost in Ver- zwiebel-Methode, bzw. für das von Bayer I.G. Farben
dünnung 1:100 ist auch für den Menschen schädlich, vertriebene Rattengift “Zelio-Paste” (siehe oben:
wenn es in entsprechenden Mengen an den Körper Schreiben von SS-Sturmbannführer Guntram Pflaum,
herankommt. Vor allen Dingen wirkt ja Lost be- “Sonderbeauftragter des RF-SS für Schädlingsbekämp-
kanntlich noch in sehr großer Verdünnung vom fung” an den “Amtschef i. Pers. Stab RF-SS”, SS-
Kleiderstoff aus stark schädigend, besonders in Ver- Oberführer Dr. Wüst vom 09. September 1943, Ab-
bindung mit Feuchtigkeit. An und für sich macht schrift; Akt. Z.: G/R/10; Bundesarchiv: NS 21-799-30).
Lost in der Verdünnung 1:100, auf die Haut aufge- Ein Begleitschreiben zu einer Rechnung der Gebr.
bracht, noch eine Rötung, evtl. ruft es kleine Bläs- Borchers A.-G. “An den Herrn Reichsführer SS Persön-
chen hervor, ohne, daß es zur Nekrose kommt. licher Stab Amt “A”“ vom 04. Oktober 1944, G/R/10,
Die Wirkung ist also viel schwächer als bei rei- Bundesarchiv: NS 21-799-30) belegt die Lieferung des
nem Lost. Trotzdem kann es in entsprechenden Men- Meerzwiebelproduktes nach Auschwitz:
gen an die Kleidung gebracht, besonders an den “Wir übersenden Ihnen in der Anlage unsere
Schweißstellen, wie Achselhöhle, Leistenbeuge, ge- Rechnung Nr. 3799 in dreifacher Ausfertigung über
nau so wirken wie konzentriertes Lost, dazu genügt die Umarbeitung von Meerzwiebeln. […] Wir haben
häufig eine Spur. Das habe ich bei einem Laborato- im Waggon Hannover 19865 am 16.9. 250 Flaschen
riumsunfall an einem Laboranten erlebt, der ein Ka- und durch Stückgut am 16.9. 100 Korbflaschen nach
ninchen nur eine Sekunde an seine Achselhöhle Auschwitz zum Versand gebracht. […] Zwei Korb-
brachte und am nächsten Tag von dort aus eine Rö- flaschen mit je 11 kg haben wir entsprechend Ihrem
tung bekam, die über den ganzen Körper wegzog, Auftrag nach Dachau zum Versand gebracht.”
ohne allerdings weitere Folgen nach sich zu ziehen.
Zur Verlostung kommt meiner Ansicht nach nur ein
Gebiet in Frage, das zeitweise von menschlichen

436 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Erik Kylling, Rattenbekämpfung in Auschwitz, S. 433-437

Schreiben von Dr. habil. Eduard May an den Reichsführer SS,


Persönlicher Stab, Amt Ahnenerbe, vom 15.9.1943 (Bundes-
archiv)

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 437


Walter Lüftl, So manipulieren sie täglich, S. 438

So manipulieren sie täglich


Von Walter Lüftl

Am 27.11.1993 berichtete die Frankfurter Allgemeine unter dem Titel “London wußte 1942 von den
KZ-Morden” über deutsche Untaten im Zweiten Weltkrieg. Die Meldung bezog sich auf einen Bericht
des britischen Geheimdienstes, der am 26.11.1993 über Associated Press verbreitet worden war.

Nicht Morde, sondern Todesfälle Das Dokument ist “Most secret” und läßt erkennen,
Der zeitgeschichtlich Interessierte las daraufhin be- daß der britische Geheimdienst den Funkverkehr der
sonders aufmerksam die darunter stehende Meldung, “German police” problemlos abhören konnte. Darunter
doch im Text war nicht von Morden, sondern nur von sind Mitteilungen zu lesen wie: “die norwegische Poli-
Todesfällen die Rede. zei ist angewiesen worden, daß Treffen zwischen Nor-
Demnach sei der damalige britische Premierminister wegern und Schweden an der Grenze absolut verboten
Churchill spätestens 1942 über massenhafte Todesfälle sind und zu verhindern seien”, “die norwegische Polizei
in deutschen Konzentrationslagern informiert worden. muß täglich einen Funkbericht über die Widerstands-
Das gehe aus bisher geheimen Dokumenten hervor, die bewegung, Sabotage etc. senden”, “im Lager Mosjöen
die Regierung in London jetzt freigegeben habe. Weiter in Nordnorwegen ist Fleckfieber ausgebrochen und ein
heißt es darin, obwohl in Auschwitz offenbar Typhus SS-Oberscharführer ist der Krankheit am 15.9.1942 er-
(richtig: Fleckfieber! Die Übersetzer taten sich offenbar legen”, usw.
damit schwer, daß “typhus” nicht Typhus, sondern Genauere Informationen über die Vorkommnisse im
Fleckfieber ist!) herrsche, kämen weiterhin Transporte deutschen Einflußbereich konnte man augenscheinlich
in dieses Lager. in Großbritannien nicht erlangen, wie man daraus er-
Wie unmenschlich! sieht, daß auch der an Fleckfieber verstorbene SS-
Daraufhin ging der Leser, ein radikaler (von radix = Oberscharführer von Mosjöen Eingang in den “Most
die Wurzel) Wahrheitssuchender, an die Wurzel. Ein secret-Bericht” vom 26.9.1942 gefunden hatte.
gemeinsamer Bekannter machte es möglich, Kontakt Für den unbefangenen Leser bleibt aber die Frage,
mit der Redaktion der britischen Zeitung “Sun” aufzu- was einen deutschen Redakteur einer angesehene deut-
nehmen. Die um “Recherche an der Wurzel” gebetenen schen Tageszeitung dazu bewegen konnte, wahrheits-
Reporter von “Sun” konnten dem Leser binnen Tagen widrig einen Titel “KZ-Morde” zu erfinden, noch dazu,
eine Kopie des britischen Geheimdienstberichtes vom wenn die zitierte AP-Meldung vom 26.11.1942 dafür
26.9 1942 beschaffen. wirklich gar nichts hergab.
In der Tat ist darin nicht von Morden, sondern von Bericht aus erster Hand? Nein! Oder doch? Ja! Aus
8354 Todesfällen im August 1942 im Lager Auschwitz den Fingern gesogen!
die Rede, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wird, Wie tief muß man als Journalist moralisch sinken
daß wegen der ausgebrochenen Seuche eine “Lager- um solche, dem eigene Volk schadende Desinformation
sperre” bestehe. zu verbreiten?

438 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Karl H. Schwind, Im Namen des Völkerrechts: Grenzvertrag mit Polen illegal, S. 439f.

Im Namen des Völkerrechts: Grenzvertrag mit Polen illegal


Von Karl H. Schwind

Der niederländische Völkerrechtler Dr. Frans du Buy betrachtet die Bundesrepublik Deutschland
grundsätzlich als illegalen Staat, weil sie auf eine Beschlußfassung westlicher Weltkriegsalliierter ohne
Einbeziehung des deutschen Staatsvolkes zurückgeht. Aufgrund dieser Tatsache scheut der historisch ge-
bildete Jurist mit ausgeprägtem Sinn für Recht und Gerechtigkeit auch nicht davor zurück, mit der deut-
schen Nachkriegspolitik hart ins Gericht zu gehen. Der langjährige Dozent für Jurisprudenz an der Reich-
suniversität Utrecht fürchtet, daß die regierungsamtlichen Fehlleistungen in der Rechtsanwendung erst
überwunden sein werden, wenn auch die Zeit der fremden Einflußnahme auf die europäische Politik vor-
über ist.

Dominante Globalpolitik liefern, daß dem Völkerrecht ein absoluter Vorrang ge-
Die sudetendeutsche “Arbeitsgemeinschaft Hocht- genüber nationalem oder europäischem Recht zu-
aunus” hatte den renommierten Rechtswissenschaftler kommt.
zu einem Vortrag nach Oberursel eingeladen. In der ge- Inwieweit im übrigen auch der EU-Kommission bei
diegenen Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Ortes, Entscheidungen Fessel-Vereinbarungen im Wege ste-
der am Fuße des alten Limes und des Römerkastells hen, wie sie die Regierung Helmut Kohl unter Geheim-
“Saalburg” liegt, unterbreitete Dr. Frans du Buy eine haltung vor der Öffentlichkeit eingegangen ist, wird am
fundierte Betrachtung der europäischen Entwicklung Ausgang dieses Falles erkennbar werden. Der verdeckte
bis zur heutigen politischen Lage. Dabei gab der Eingriff in die Rechtsstaatlichkeit könnte auch der
profunde Kenner der Materie auch einen Einblick in das Grund dafür sein, weshalb selbst das Bundesverfas-
gegenwärtige Dilemma des Völkerrechts, das den sungsgericht berechtigte Klagen oft nicht annimmt oder
Zwängen von außereuropäischen Hegemonialinteressen mit lapidarer Begründung abschmettert.
unterworfen ist.
Dr. Frans du Buy sieht in der wechselvollen europäi- Triumph der Gerechtigkeit
schen Geschichte durch das Auftauchen einer überseei- Dem langjährigen “Bimbes-Kanzler” der deutschen
schen Militärmacht auf dem Kontinent die Ursache für Politik, Dr. Helmut Kohl, der sein moralisches Water-
den umsichgreifenden Nihilismus in der Politik. Zu- loo bereits hinter sich hat, wird von dem niederländi-
gleich fürchtet er, daß ein Ende dieses Zustandes und schen Rechtsgelehrten jetzt auch noch ein politisches
eine Rückbesinnung auf die traditionellen Werte nicht Stalingrad bereitet, indem er gnadenlos aufdeckt: Der
ohne eine Überwindung des status quo möglich wird. bundesdeutsch-polnische Grenzvertrag vom 14. No-
Solange dieses Ideal auf sich warten läßt, legt der be- vember 1990 ist völkerrechtswidrig: Das Deutsche
kennende Europäer die Hände nicht in den Schoß, son- Reich, das aufgrund anerkannter Normen des Völker-
dern unterhält mit Briefen und Eingaben ein nervendes rechts bis zum heutigen Tage fortbesteht, wird von die-
Bombardement der Verantwortlichen in der Politik, um sem Vertrag nicht berührt. Die Westgrenze Polens ent-
diese für die Normen des Völkerrechts zu sensibilisie- behrt nach wie vor einer völkerrechtlichen Grundlage,
ren. weil die Regierung Kohl nicht legitimiert war, über ost-
deutsche Gebiete zu verfügen. Ohne Gängelung der Ge-
Beschränkte Rechtsstaatlichkeit richtsbarkeit müßte dieses erlösende Ergebnis auch
So hat er erst kürzlich wieder den deutschen EU- schwarz auf weiß einklagbar sein.
Kommissar Günter Verheugen schriftlich daran erin- Wie bei der Aufgabe der harten DM-Währung, dem
nert, daß die Aufnahme Polens und Tschechiens in die Verfolgungsverzicht von Tätern des Vertreibungsholo-
Europäische Gemeinschaft den Normen des Völker- caust (siehe auch Rolf-Josef Eibicht/Anne Hipp, Der
rechts zuwiderläuft, solange deren Regierungen ihre Vertreibungsholocaust. Politik zur Wiedergutmachung
Beschlagnahme- und Enteignungsdekrete nicht aufge- eines Jahrtausendverbrechens, Riesa, Mai 2000), dem
hoben und die geschädigten Menschen nicht angemes- Verscherbeln unserer Muttersprache an überseeische
sen entschädigt haben. Von den 2,5 Millionen Toten Unterhaltungsgladiatoren und Fernseh-Werber sowie
des Vertreibungsholocaust erst gar nicht zu sprechen, vielem anderen mehr, hat das System Kohl auch den
die es in diesem Gebiet gab. Um bei dem Nicht-Juristen Versuch unternommen, die historischen Heimatgebiete
Verheugen Irritationen zu vermeiden, täte der Rechts- von 17 Millionen Ostdeutschen zu verramschen.
wissenschaftler gut daran, diesem den Hinweis nachzu- Wenn sich sein Nachfolger im Amt des Bundeskanz-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 439


Karl H. Schwind, Im Namen des Völkerrechts: Grenzvertrag mit Polen illegal, S. 439f.

lers bis heute auch verpflichtet fühlt, die Kontinuität Rechtsbrecher auf Dauer entrinnen können. Der nieder-
dieser unaufrichtigen Politik des einseitigen Verzichts ländische Völkerrechtler Dr. Frans du Buy hat mit sei-
zu wahren, so ist die Zeit absehbar, da sich der studierte nen Ausführungen einen fundierten Einblick in die poli-
Jurist die Fesseln abstreifen und auf die Seite des inter- tische Kulisse der “Deutschen Frage” gegeben, die er
nationalen Rechts der Völker dieser Erde schlagen wird. betont als “Europäische Problematik” verstanden wis-
sen will. Zugleich hat er damit ein Beispiel kontinenta-
Ausblick ler Solidarität geliefert, das ihm nicht hoch genug ange-
Das Völkerrecht ist eine unbestechliche Institution rechnet werden kann.
mit langem Atem, der weder Rechtsbrüche noch

440 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Patricia Willms, Der deutsch-norwegische Entschädigungsbetrug, S. 441f.

Der deutsch-norwegische Entschädigungsbetrug


Von Patricia Willms

Bei der Diskussion über die Entschädigung von Zwangsarbeitern war aus den Medien kaum in Erfah-
rung zu bringen, welche Gruppe(n) zu den Begünstigten gehören sollen: Kriegsgefangene, die zu Arbei-
ten herangezogen wurden? Nichtgefangene arbeitslose Zivilisten aus besetzten Ländern, die zur Arbeit
verpflichtet wurden, weil ihnen sonst der Verlust ihrer Unterstützung drohte (analog zum heutigen Hartz
IV)? Die freiwilligen Arbeiter, die für guten Lohn nach Deutschland kamen,? Oder geht es um KZ-
Insassen? Was, wenn jemand mehreren Kategorien angehörte? Daß die Juden dabei wieder eine herausra-
gende Rolle spielen müssen, ergibt sich schon daraus, daß der (einer der?) Verhandlungspartner beim Je-
wish Claims Committee residiert.

Neue Runde anderen sollte mit diesen Beteuerungen nur die deut-
Die jetzige “NS-Zwangsarbeiter-Entschädigung” ist sche Öffentlichkeit ruhig gehalten werden.
bekanntlich nicht die erste Entschädigungszahlung der In einem Forschungsbericht des Norwegischen For-
BRD. Es ist daher lehrreich, was kürzlich von offizieller schungsrats heißt es hierzu:1
norwegischer Seite diesbezüglich publiziert wurde. “Den deutschen Intentionen zufolge sollten inhaf-
Am 7. August 1959 wurde zwischen der BRD und tierte Widerstandsleute […] nicht zu den Begünsti-
Norwegen ein Abkommen unterzeichnet, demzufolge gen gehören. Deutschland hatte gemäß dem Völker-
die BRD 60 Millionen DM an Norwegen zahlte, und recht das Recht, gegen solche Personen vorzugehen.
zwar als Entschädigung für norwegische Gefangene Aber unter der Hand hatten die deutschen Verhand-
während der deutschen Besetzung Norwegens. Offiziell lungsführer durchblicken lassen, daß keine Einwen-
war diese Entschädigung nur für Personen, die aufgrund dungen gemacht würden, wenn Personen aus dem
“ihres Glaubens, ihrer Rasse oder ihrer Weltanschau- Widerstand Entschädigungen empfingen. Aus Rück-
ung” während der deutschen Besetzung inhaftiert wa- sicht auf die Verhältnisse in Westdeutschland konnte
ren. Die 60 Millionen sollten einer Entschädigung von man nicht eingestehen, daß die Formulierung eine
DM 150 pro Gefangenenmonat entsprechen, wobei eine Täuschung war, um die deutsche Öffentlichkeit irre-
durchschnittliche Haftdauer von 285 Tagen zur Grund- zuführen, so daß die Wirklichkeit des Vertrags die
lage genommen wurde, plus einer summarischen Zulage Beschränkungen aufhob, die ausdrücklich im Text
für Personen, die während der Haft gestorben sind oder des Abkommens standen.”
Invaliden wurden. Die damalige Sorge, daß die BRD-Regierung durch
Von norwegischer Seite wurden 868 Personen als eine von Norwegen nach Deutschland überschwappen-
“aufgrund ihrer Rasse” verfolgt angegeben. Die BRD de Mediendiskussion über die Einbeziehung der Wider-
erkannte davon sofort etwa 800 an (= alle die Juden, die ständler in Verlegenheit gebracht werden könnte, er-
die norwegische Staatsbürgerschaft hatten). Außerdem wies sich als völlig unbegründet.
gab Norwegen 44.000 aufgrund ihres Glaubens oder ih- Damit den Verantwortlichen in der BRD der Betrug
rer Weltanschauung Verfolgte an. Seitens der BRD nicht direkt nachweisbar war, nahm die BRD keine Ent-
wollte man nur eine etwa halb so große Zahl anerken- schädigung von Einzelpersonen vor, sondern zahlte die
nen (der damalige Finanzminister der BRD war selbst 60 Millionen an den norwegischen Staat. Zugleich er-
als Soldat in Norwegen gewesen und hatte gegenüber klärte die BRD ausdrücklich, sich in die Verteilung
der BRD-Delegation erklärt, daß es in Norwegen keine durch den norwegischen Staat nicht einmischen zu wol-
sonderliche NS-Verfolgung gab). Offiziell wollte die len und sie nicht kontrollieren zu können. Eine direktere
BRD nicht für Kriegsgefangene, Saboteure oder Ange- Aufforderung, den selbst geäußerten Intentionen zuwi-
hörige der Untergrundsbewegung zahlen. derzuhandeln, kann man sich kaum denken. Damit
stand es der norwegischen Regierung frei, wie sie über
Volksbetrug das Geld verfügte. Zwar wurde die Verteilung des Gel-
Dies waren aber nur Spiegelfechtereien, denn zum des durch ein norwegisches Gesetz geregelt,2 dessen
einen belief sich die von der BRD gezahlte Entschädi- Handhabung oblag aber einem eigens gebildeten Rat für
gung schließlich doch auf die anfangs genannten 60 Entschädigungen (Erstattningsrådet). Das (sozialdemo-
Millionen DM, was zeigt (60.000.000÷1.425=42.105), kratisch orientierte) Arbeiderbladet in Oslo äußerte den
daß letztendlich doch die von Norwegen angegebene Verdacht, daß dieser eine Art Deckorganisation für
Zahl um die 40.000 zugrunde gelegt worden war. Zum Kommunisten sei. (Den Kern der Widerstandsbewe-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 441


Patricia Willms, Der deutsch-norwegische Entschädigungsbetrug, S. 441f.

gung sowohl in Norwegen wie auch in Dänemark bilde- machungen getroffen.


ten z.T. in Moskau geschulte Kommunisten, und ein
Gutteil der als “Stikkerlikvidationer” bekannten Morde Anmerkungen
könnte in Wirklichkeit die Beseitigung nationaler Wi- 1
Baard Borge, Lars Borgersrud, Fiendens barn – Kunnskapsstatus
derständler im Auftrag Moskaus sein). – Kunnskapsbehov, 2. Aufl., Oslo 2000, S. 34.
2
Auch mit den sieben anderen Ländern (darunter Gesetz vom 25.3.1960 über die Verteilung der Entschädigung,
Frankreich, Dänemark und Holland), die schon im Juni die gemäß der Abmachung vom 7. August 1959 zwischen Nor-
wegen und der BRD getroffen worden ist.
1956 in gemeinsamen Noten eine Entschädigung gefor-
dert hatten, wurden auf bilateraler Basis ähnliche Ab-

442 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Gottfried Zarnow, Kritik an Fritjof Meyer durch einen Universitätslehrer, S. 443f.

Kritik an Fritjof Meyer durch einen Universitätslehrer


Von Dr. Gottfried Zarnow

Die Artikel von Fritjof Meyer “Die Zahl der Opfer führt wurden, stehen grundsätzlich im Verdacht der all-
von Auschwitz” aus Osteuropa 5/2002 und “Replik auf gemeinen Unzuverlässigkeit.
Piper” aus IDGR habe ich mit großem Interesse gelesen. Den Staatsdokumenten und den Augenzeugenberich-
Allerdings hinterließ die Lektüre bei mir einen eher un- ten nochmals nachgeordnet ist die Sekundärliteratur, die
befriedigenden Eindruck, was nicht nur an der man- immer nur eine Auswahl an dem historischen Material
gelnden Gliederung liegt. Das Problem liegt tiefer und und die subjektive Meinung eines Autors bieten kann.
hängt u.a. damit zusammen, daß Meyer kein gelernter Mit größter Vorsicht zu behandeln ist Sekundärlite-
Historiker ist. ratur, die aus dem Herrschaftsbereich totalitärer Regime
Geschichtsschreibung lebt von Quellen, und die Ge- stammt. Die Zuverlässigkeit dieser Art von Literatur ist
schichtswissenschaft versucht jedem Studienanfänger in vielen Fällen, vor allem dann, wenn es um heikle po-
beizubringen, daß nicht alle Quellen gleichwertig sind, litische Themen geht, als gering anzusehen.
sondern daß in Bezug auf ihren Aussagewert eine klare Zu den Vorgängen im KL Auschwitz-Birkenau gab
Hierarchie existiert. es bis 1990 nur sehr wenige Dokumente erster Katego-
Als Quellen erster Kategorie gelten allgemein die rie. Das Wissen über die dortigen Vorgänge beruhte bis
authentischen, zeitgenössischen Staatsdokumente für dahin fast ausschließlich – wie 1965 das Frankfurter
den internen Gebrauch der höheren Verwaltung oder Gericht in seinem Urteil zugeben mußte – auf den Aus-
der politischen Führung. Diese Dokumente enthalten in sagen von Augenzeugen.
der Regel nur ein geringes Maß an propagandistischen Nach der Auflösung des Warschauer Paktes wurden
Verzerrungen und zeichnen ein mehr oder weniger zu- erstmals größere Bestände von authentischen Dokumen-
verlässiges Bild der Lagebeurteilung und Ziele der poli- ten der Lagerverwaltung von Auschwitz zugänglich –
tischen Führung. zunächst die Sterbebücher des Standesamtes Auschwitz,
Diesen Quellen mindestens gleichwertig sind natur- dann die Akten der Zentralen Bauleitung, und schließ-
wissenschaftliche Befunde wie z.B. archäologische lich die Standort- und Kommandanturbefehle (letztere
Ausgrabungen, zeitgenössische Luftaufnahmen oder wurden sogar vom IfZ in Buchform publiziert).
kriminaltechnische Gutachten wie z.B. DNS-Analysen. In diesen Dokumenten finden sich nun keinerlei
Dieser ersten Kategorie von Quellen deutlich nach- Hinweise auf eine planmäßige Massenvernichtung von
geordnet sind Regierungserklärungen, Reden von hohen Häftlingen. Im Gegenteil, die SS legte Wert darauf, die
Politikern, Pressekommuniqués, Leitartikel in regie- Arbeitskraft der Häftlinge für ihre diversen Rüstungs-
rungsnahen Zeitungen usw., also alles Material, das der vorhaben zu erhalten, und sie unternahm erhebliche An-
Selbstdarstellung eines Staates und seiner Führung strengungen, um die periodisch auftretenden Fleckfie-
dient. berepidemien zu bekämpfen. Geradezu kurios mutet es
Weit hinter diesen beiden Arten von Quellen rangie- an, wenn der Lagerkommandant die SS-Leute regelmä-
ren die Memoirenliteratur und Berichte von Zeitzeugen ßig ermahnt, keinen vertraulichen Umgang mit den
aller Art. Diese geringere Bewertung hängt mit der Häftlingen zu pflegen, sondern diese ebenso streng wie
menschlichen Neigung zu Schönfärberei und Selbst- korrekt zu behandeln.
rechtfertigung sowie der notorischen Unzuverlässigkeit Für nüchterne und unvoreingenommene Betrachter
des menschlichen Gedächtnisses zusammen. Es ist auch ist der Gegensatz zwischen dem Inhalt der Dokumente
bekannt, daß verschiedene Zeitzeugen aus den unter- und den Aussagen wichtiger Zeitzeugen, zwischen
schiedlichsten Motiven heraus bewußt die Unwahrheit Quellen der ersten und Quellen der dritten Kategorie,
sagen. geradezu grotesk.
Die Geschichtswissenschaft sieht die Aussagen von Das IfZ hat zu diesem Sachverhalt nur die Vermu-
Zeitzeugen in der Regel nur dann als zuverlässig an, tung beisteuern können, daß die SS in ihren internen
wenn deren Richtigkeit durch Dokumente erster Kate- Dokumenten eine “Tarnsprache” verwendet hätte; auf
gorie überprüft werden kann. Wenn kein anderes Be- irgendwelche Belege für diese These wartet man bisher
weismaterial vorhanden ist, gilt die Übereinstimmung vergebens.
mehrerer Zeugenaussagen. Allerdings müssen diese Was die Sache noch schwieriger macht, ist die Tat-
Zeugenaussagen glaubhaft und widerspruchsfrei sein. sache, daß die Berichte der Zeitzeugen (dazu zählen
Alles andere unterliegt immer dem Vorbehalt, daß es auch die Geständnisse von Höß u.a. SS-Leuten) viel-
stimmen kann, aber nicht muß. Die Berichte von Zeit- fach widersprüchlich, ungenau und in etlichen Punkten
zeugen, die in einzelnen Punkten der Unwahrheit über- unglaubhaft sind, was nicht dazu beiträgt, ihre Glaub-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 443


Gottfried Zarnow, Kritik an Fritjof Meyer durch einen Universitätslehrer, S. 443f.

würdigkeit zu erhöhen. tuition. Das heißt, die Entscheidung, was wahr und was
Das methodisch korrekte Verfahren zur Auflösung falsch ist, trifft Meyer willkürlich aufgrund seiner sub-
dieser Widersprüche wäre, nach weiteren Dokumenten- jektiven Meinung. Meyer sucht sich aus den Aussagen
beständen zu forschen und diese zu erschließen. Dabei und den Dokumenten immer nur das heraus, was seine
stellt sich zunächst die Frage, ob solche Bestände über- Auffassung zu bestätigen scheint, anderes läßt er unbe-
haupt existieren. Fritjof Meyer schreibt, daß mögli- rücksichtigt. Diese Methode wird zwar von vielen Hi-
cherweise noch das ganze Lagerarchiv mit 127.000 Ak- storikern angewandt, sie ist aber trotzdem schlecht.
ten in Rußland existiere und dem Vernehmen nach an Eine große Rolle spielen bei Meyer die Zahlen der
Polen zurückgegeben werden solle. Sollte dies zutref- nach Auschwitz Deportierten, und zwar sowohl der re-
fen, dann wäre es in höchstem Grade wünschenswert, gistrierten wie der nicht registrierten Häftlinge. Auf-
wenn diese Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich grund dieser Zahlen glaubt Meyer errechnen zu können,
gemacht würden. wie viele Menschen in Auschwitz insgesamt umge-
Bis es soweit ist, besteht eine andere Möglichkeit kommen sind. Dieser Ansatz ist durchaus sinnvoll, aber
darin, den Dokumenten erster Kategorie gleichwertiges mangels anderen Zahlenmaterials verläßt sich Meyer
Material zu sichten, so z.B. die vorhandenen Luftauf- auf Sekundärliteratur aus dem kommunistischen Polen,
nahmen auszuwerten oder die Kapazität der Krematori- wie z.B. das Kalendarium von Danuta Czech.3 Diese
en von Auschwitz von Grund auf durchzurechnen. Literatur ist nicht viel besser als der Untersuchungsbe-
Die Kapazität der Krematorien spielt bei Meyer eine richt der sowjetischen “Außerordentlichen Staatlichen
große Rolle. Es ist allerdings methodisch falsch, die Kommission” zu Auschwitz (Nürnberger Dokument
Kapazität aufgrund widersprüchlicher und ungenauer USSR-008) und mit größter Vorsicht zu genießen.
Zeugenaussagen oder mit Hilfe von Dokumenten zwei- Eine Berechnung der Zahl der Deportierten auf
felhafter Herkunft bestimmen zu wollen. Der richtige Grundlage des Kalendariums und ähnlicher Bücher
Ansatz wäre der, die Verbrennungskapazität auf Grund- kann allenfalls hypothetischen Charakter haben. So ge-
lage der vorhandenen Fachliteratur über den Bau von wonnene Zahlen können nur überzeugen, wenn sie dem
Krematorien und der einschlägigen physikalischen Ge- Vergleich mit anderem statistischen Material standhal-
setze zu errechnen. ten. Meyer vergleicht die Zahlen aus dem Kalendarium
Carlo Mattogno hat dies bereits vor Jahren getan,1 mit der von ihm bestimmten Kapazität der Krematorien
und wenn Meyer mit den Ergebnissen nicht einverstan- und übersieht, daß er auch hier auf sehr unsicheren
den ist, dann steht es ihm völlig frei, diese Berechnun- Grundlagen aufbaut.
gen selbst vorzunehmen oder einen Fachmann damit zu Die unbefriedigende Methodik Meyers führt
beauftragen und zu ermitteln, ob Mattogno sich geirrt, zwangsläufig zu einem unbefriedigenden Ergebnis. Sei-
ob er vorsätzlich gefälscht oder ob er recht hat. ne Beweisführung ist nicht schlüssig, sondern beruht
Fritjof Meyer wählt jedoch einen anderen Weg. Er auf Glauben und Vermutungen. Mit Belesenheit und
ist der Überzeugung, daß die Augenzeugenberichte trotz gutem Willen allein ist dem Problem Auschwitz nicht
Widersprüchen und Ungenauigkeiten die Wahrheit ent- beizukommen.
halten und versucht, diese herauszuarbeiten. Dabei geht
er jedoch nicht den Weg, die Zeugenaussagen an den Anmerkungen
einwandfrei echten Dokumenten der Lagerverwaltung Dr. Gottfried Zarnow ist das Pseudonym eines Historikers, der an
oder an naturwissenschaftlichen Befunden zu messen. einer deutschen Universität moderne Geschichte lehrt. Aufgrund der
Ein Beispiel: Meyer vertritt die These, die Massentö- Verfolgung von Geschichtsdissidenten in Deutschland können und
tungen mittels Gas hätten in der Hauptsache nicht – wie werden wir seinen Namen nicht preisgeben. Historiker, die dem
Beispiel von Dr. Zarnow folgen wollen, sind herzlich eingeladen,
bisher allgemein angenommen – in den Leichenkellern
ihre Beiträge – auch anonym – unter Angabe des gewünschten
der Krematorien, sondern in zwei umgebauten Bauern- Pseudonyms an die Redaktion der Vierteljahreshefte für freie Ge-
häusern außerhalb des eigentlichen Lagerbereichs, be- schichtsforschung zu senden. Wir werden Ihre Identität nicht preis-
kannt als “Bunker 1” und “Bunker 2”, stattgefunden. geben und auch dafür sorgen, daß sämtliche Beweise für Ihre Identi-
Hätte Meyer sich einmal die zahlreichen Luftaufnah- tät umgehend vernichtet werden!
1
Carlo Mattogno, Franco Deana, “Die Krematoriumsöfen von Au-
men von Auschwitz-Birkenau aus dem Jahr 1944 ange- schwitz-Birkenau”, in: Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeit-
sehen, so hätte er festgestellt, daß diese Gebäude dort geschichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 281-320. Aktualisiert in
nicht mehr aufzufinden sind. Sie haben zu diesem Zeit- Engl.: C. Mattogno, “The Crematoria Ovens of Auschwitz and
punkt – 1944 – also nicht mehr existiert, und alle Zeu- Birkenau”, in : Germar Rudolf (Hg.), Dissecting the Holocaust, 2.
genaussagen, die etwas anderes behaupten, sind – zu- Aufl., Theses & Dissertations Press, Chicago 2003, S. 373-412.
2
Anm. des Herausgebers: Diese Aussage ist nicht ganz korrekt,
mindest in diesem Punkt – objektiv unwahr.2 vgl. C. Mattogno, The Bunkers of Auschwitz, Theses & Disserta-
Statt dessen wählt Meyer das Verfahren, die ver- tions Press, Chicago 2004 (www.vho.org/GB/Books/tboa)
3
schiedenen Zeugenaussagen miteinander zu vergleichen Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse des Konzentrations-
und dabei Wahres von Falschem zu trennen. Richtlinien lagers Auschwitz-Birkenau 1939 – 1945, Rowohlt, Reinbek
sind dabei seine vorab formulierte These und seine In- 1989.

444 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Horst Mahler, Aufruf zum Aufstand, S. 445-449

Aufruf zum Aufstand


Von Horst Mahler

Liebe Freunde, Neue Erkenntnisse durch neue Archivfunde” von Fritjof


Meyer, gedeckt von Rita Süßmuth, in der Zeitschrift
das Folgende sage ich außerhalb der Verantwortung Osteuropa (Heft 5/2002),2 aus der gesellschaftlichen
des Vorstandes, nur als Person, als einfaches Mitglied, Mitte (wie man das so schön nennt), also nicht vom
als Horst Mahler. rechten Rand her, die Offenkundigkeit dessen, was uns
Es war von Anfang an klar, daß diese Initiative, vor- als sogenannter Holocaust gelehrt wird, in sich zusam-
geschlagen von [Paul] Latussek und von Ursula Haver- mengebrochen ist, einfach dadurch, daß jetzt diverse
beck, weiterentwickelt bei mir in Kleinmachnow, eine Staatsanwaltschaften verschiedener Bundesländer, also
grundsätzliche Bedeutung hat, weil die Zeit gekommen allgemein, die Auffassung vertreten, das, was Fritjof
ist, daß wir an dieser Stelle durchbrechen werden. Meyer gesagt und veröffentlicht hat, verstoße nicht ge-
Gestern hatte ich die Gelegenheit, hier über die Lüge gen das Leugnungs- oder Bagatellisierungsverbot!
einen Vortrag zu halten. Er gipfelte in der Feststellung, Das bringt wohl zum Ausdruck, daß Fritjof Meyer
daß wir im Zeitalter der Herrschaft der Lüge leben, etwas gesagt hat, von dem man überzeugt sein kann,
daß diese Lüge tagtäglich bizarrere Formen annimmt, daß es die Wahrheit ist. Das ist ja genau der Kern der
was schon ihr Ende signalisiert, und daß wir in diesen sog. Offenkundigkeitsthese, daß die Richter (und sie
Endzustand mit unserer Existenz, politisch als Subjekt, sind in dieser Funktion keine Richter, darauf komme
jetzt eingetreten sind. ich gleich) immer gesagt haben:
Alles was sich jetzt abspielt, ob das nun in Israel- “Nein, heute kann kein vernünftiger Mensch
Palästina ist, oder ob das der Krieg gegen den Terroris- mehr der Überzeugung sein, daß der Holocaust
mus ist oder die Ereignisse in Rest-Jugoslawien – alles, nicht, oder nicht in diesem Umfang, und nicht in die-
was an Ungeheuerlichkeiten vor unseren Augen im ser Art und Weise stattgefunden habe, das ist so si-
Fernsehen abläuft, wird immer gerechtfertigt als not- chere Tatsachenkenntnis, daß jeder, der sich dage-
wendig – wie Joschka Fischer es gesagt hat – um ein gen stellt, dies aus böser Absicht tut, die dann nicht
zweites Auschwitz zu verhindern! schützenwert ist und daher auch eine Verurteilung
Genau an dieser strategischen Stelle setzen wir an rechtfertigt.”
mit unserem “Verein zur Rehabilitierung der wegen Be- Wenn jetzt in der gesellschaftlichen Mitte dieser
streitens des Holocausts Verfolgten”,1 und die Bereit- zentrale Baustein dieser Lügenordnung herausgeschla-
schaft, sich daran zu beteiligen, übertrifft meine Erwar- gen ist, weil die Staatsanwaltschaft gesagt hat: “Ja, das
tungen um ein Vielfaches. Das zeigt auch schon, daß kann man doch wohl sagen, das ist nicht wider besseres
sich in diesem Lande irgend etwas bewußtseinsmäßig Wissen gesagt, nicht geleugnet”, dann ist das der
verändert. Durchbruchspunkt!
Dieser Verein ist, nach meinem Verständnis, Teil Natürlich ist sich Meyer dieser Sache auch bewußt
des allgemeinen Volksaufstandes der Deutschen zur gewesen. Meyer ist nicht irgendwer, er ist leitender Re-
Wiedererlangung der Handlungsfähigkeit des Deut- dakteur des Spiegel, mit all seinen Titeln und Ehrenzei-
schen Reiches. Dieser Aufstand hat begonnen. Es ist ein chen im Vorspann seines Aufsatzes genannt. Als leiten-
dynamischer Prozeß, der erst sehr klein anfängt, aber der Redakteur des Spiegel – Augstein lebte da noch! –
schon mit seinem ersten öffentlichen Schritt hin zur Or- hat Meyer das nicht ohne Absprache mit Augstein ge-
ganisierung dieses politischen Widerstandes, mit der macht. Und er hat dieses Organ, das von Rita Süßmuth
Wartburg-Aktion, die ursprünglich in Auschwitz statt- als Präsidentin der Herausgebergesellschaft verantwor-
finden sollte, sich den richtigen Arbeitstitel gewählt hat, tet wird, nicht gewählt, ohne dies mit Rita Süßmut ab-
nämlich: “Aufstand für die Wahrheit”. Die Wahrheit ist gesprochen zu haben. Die sind nicht so blauäugig. Sie
unsere Waffe! kennen das Geschäft. Gerade die Spiegel-Leute wissen,
[Ursula Haverbeck entrollt das Spruchband der was läuft. Und die haben sich natürlich darauf einge-
Wartburgaktion mit dem Text:] stellt, daß so was passieren könnte wie mit [Martin]
Hohmann, oder jetzt mit General [Reinhard] Günzel.3
Den Holocaust gab es nicht ! Für diesen Fall, ich bin absolut sicher, hat Fritjof
Und das heute ist die konkrete Fortführung dieser Meyer das Spiegelarchiv ausgewertet und sich die Mu-
Wartburg-Aktion. Das Besondere gegenüber allen bis- nition schon bereit gelegt für den Prozeß, falls es gegen
herigen Initiativen in dieser Richtung besteht darin, daß ihn zu einem Prozeß kommt.
mit dem Aufsatz “Die Zahl der Opfer von Auschwitz – Gerade da weicht der Feind zurück, weil er weiß,

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 445


Horst Mahler, Aufruf zum Aufstand, S. 445-449

daß er lügt. Und der Feind weiß, daß in den Archiven Vernichtung des Deutschen Reiches für immer, die
bestimmte Dokumente vorhanden sind, die dann im Fal- Durchmischung des deutschen Volkes, so daß dieses
le eines Prozesses in aller Öffentlichkeit die Lüge in Deutsche Volk von da her nicht mehr existiert. Das hat
den Raum stellen würden, so daß keiner mehr daran F.D. Roosevelt, das hat Stalin klar ausgesprochen, das
vorbei käme. ist dokumentiert.
Das ist die Situation, und das ist das, wo wir jetzt Jetzt ist durch das Buch von Martin Allen über die
sagen: – Wir greifen diesen Ball auf! Hess-Mission7 ein Dokument bekannt geworden, wo
Ich bin sicher, daß Fritjof Meyer darauf wartet, daß der Drahtzieher der britischen Außenpolitik in den ent-
irgendwer dieses Ding aus der Schweigespirale heraus- scheidenden Monaten vor dem Ausbruch des Zweiten
reißt. Man hat darüber geschwiegen. Osteuropa – wer Weltkriegs sich geäußert hat: Es ist nicht das Ziel, eine
liest das schon? Das ist eine kleine Gemeinde, das ist Diktatur zu bekämpfen, nicht das Ziel, Hitler zu be-
unschädlich. Im Tagesspiegel (TAZ)4 gab es eine kurze kämpfen, das Ziel ist, das Deutsche Reich zu vernichten
Rezension; abwertend natürlich. Aber damit war wieder und zwar so, daß es nie wieder eine Rolle spielen kann,
Ruhe. nie wieder als Deutsches Reich in Erscheinung treten
Und jetzt kommt diese Initiative, und das Besondere kann! Sie haben alle Friedensinitiativen der deutschen
dieser Initiative ist: Es kann nicht mehr übergangen Reichsregierung (bis jetzt zählt man 52) abgewiesen
werden, wenn wir einen geeigneten Fall aufgreifen; und und alles getan, die Initiative von Hess ins Leere laufen
ich würde vorschlagen, daß dies der Fall von Germar zu lassen. Das ist das Geheimnis der Hess-Initiative.
Rudolf ist und von Hans Dietrich Sander, da die beiden Der deutsche Widerstand hat sich ja auch mit Frie-
zusammengehören. Hans-Dietrich Sander ist als Her- densverhandlungen und Friedensfühlern angebiedert.
ausgeber der Staatsbriefe dafür verurteilt worden, daß Aber bloß das nicht! Es geht das wohlbegründete Ge-
er eine Zusammenfassung des Rudolf-Gutachtens5 in rücht um, daß Churchill einen Wutanfall erlitten hat, als
der Zeitschrift Staatsbriefe er vom 20. Juli erfuhr.
veröffentlicht hat.6 Das ge- Ganz egal, welche Kraft
hört innerlich zusammen. mit welchem Inhalt einen
Sander hat besondere vernünftigen Vorschlag
Bedeutung. Wir bringen gemacht hätte, er wäre ab-
das Rudolf-Gutachten wie- gelehnt worden, weil das
der in die Diskussion. Die Ziel war und ist, das Deut-
Leute werden das dann le- sche Reich für immer zu
sen, und sie werden stau- vernichten. Und das geht
nen, was sie da lesen. nur, wenn das deutsche
Wenn wir einen Wie- Staatsvolk als solches auf-
deraufnahmeantrag stellen, gelöst wird.
dann ist das ein Ereignis. Dann muß kraft Gesetzes die
mit diesem Antrag angesprochene Instanz – ein Gericht Wir müssen umdenken!
– sich äußern: entweder zustimmend, dann wird das Mit welcher inneren Einstellung gehen wir an diese
Wiederaufnahmeverfahren zugelassen und findet als Auseinandersetzung? Ich beobachte es immer wieder,
Hauptverhandlung in aller Öffentlichkeit statt, oder ab- daß auch in den nationalbewußten Kreisen eine Haltung
lehnend, und dann müssen sie trotz diesen Argumenten, eingenommen wird, daß man sich als der Gute darstellt
die wir jetzt haben, erklären: vor unseren Feinden. Da wird immer gesagt: Wir sind
“Nein, es hat sich nichts geändert, nach wie vor doch gar nicht so; wir sind keine Nazis! Natürlich sind
gilt das Prinzip der Offenkundigkeit.” wir das! Allerdings in der Weise, wie wir das verstehen,
Dann haben wir was. Und dann ist das der Trittstein, nicht wie der Feind uns definiert!
auf den wir uns dann stellen, um weiterzugehen. Die Dieses Verhalten, dieses Heraufschauen zum Feind
Frage ist: Mit welcher inneren Einstellung tun wir das? (beobachten Sie das einmal, auch in der Gestik!) bedeu-
Das Besondere dieses Unrechtsregimes, das eine to- tet, daß wir uns auf die Ebene begeben wollen, die der
talitäre Willkürherrschaft, eine totalitäre Gewaltherr- Feind beherrscht, wo er die Begriffe setzt, wo er defi-
schaft ist, aber als solche nicht genannt und als solche niert, was Wahrheit und was Unwahrheit ist. Insbeson-
bisher nicht erkannt ist, das Besondere also besteht – dere dann, wenn wir den Feinden vorhalten, daß sie die
und das ist echt talmudisch – in der Heuchelei. Menschenrechte verletzen, daß sie sich undemokratisch
verhalten. Darin steckt die Anerkennung der Menschen-
Die Ziele der Alliierten im 2. Weltkrieg rechtsideologie. Und das ist eine feindliche, eine impe-
Die Sieger haben nie darauf verzichtet, ihre Ziele in rialistische Ideologie. Darin steckt immer auch die An-
Deutschland, gegen Deutschland zu verfolgen. Sie ha- erkennung des demokratischen Prinzips! Das ist das
ben inoffiziell durchaus gesagt, was das Ziel ist: Die Übel! Es muß Klarheit bestehen, was die Demokratie

446 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Horst Mahler, Aufruf zum Aufstand, S. 445-449

ist. Wir haben heute durchaus die Wahrheit der Demo- man in einer Rechtsgemeinschaft hat, aber eben nur in
kratie und nicht etwa ihre Verbiegung, nicht ihren Miß- einer Rechtsgemeinschaft, die im Volk lebendig ist; ob
brauch! Das, was wir heute erleben, ist der klare, we- man also das, was im Volk als Recht gilt, verletzt hat
sentliche Ausdruck der Demokratie. Was Besseres und man damit eben Sanktionen auslöst.
kommt nicht. In der Geschichte sind wir vor die Aufgabe ge-
Wir dürfen uns dem Feind nicht in der Weise nä- stellt, uns zu behaupten, nach unserer Art, gegen das
hern, daß wir uns ihm so darstellen: Bemühen des Feindes, uns zu vernichten. Mit diesem
Wir sind die Guten, du bist der Böse! Sondern wir Selbstbewußtsein, daß uns niemand zu richten hat,
müssen ihm sagen: Hebe Dich hinweg, Satan! daß es keine Kollektivschuld gibt, daß die Geschich-
Wir müssen wissen, das Deutsche Reich ist zweimal te nicht nach moralischen Maßstäben abgeht. Das ist
eingekreist worden, in zwei Kriegen militärisch besiegt es, was wir als Selbstbewußtsein meditativ, täglich,
worden, um es für alle Zeiten zu vernichten. Es ist egal, frühmorgens vielleicht, wenn wir aufstehen, uns
wann wo wer den ersten Schuß getan hat. Im Völker- nochmals zu vergegenwärtigen haben, damit wir nie
recht gilt der als Angreifer, der einen Feind in eine so wieder nach oben schielen, wenn wir mit unseren
verzweifelte Lage bringt, daß ihm nichts anderes übrig Feinden reden, sie niemals als Teilhaber einer mora-
bleibt, als zur Selbstverteidigung den ersten Schuß ab- lischen Position anerkennen.
zugeben. Genau das ist geschehen in beiden Weltkrie- Gerade der Feind, der Judaismus, hat kein morali-
gen! sches Verhältnis zu den Völkern, die nicht jüdisch sind.
Wenn jemand das Recht auf Schadenersatz, auf Ge- Da gibt es keine Moral, alles ist nur Heuchelei. Das
nugtuung geltend machen kann, dann ist es das Deut- müssen wir endlich sehen.
sche Reich. Da sind das Programm der Alldeutschen Und dann ist die Frage: Was ist hier in diesem Lande
oder irgendwelche imperialistischen Äußerungen völlig geschehen? Man hat uns dieses Bewußtsein: “da ist der
uninteressant. Denn es war ein Kampf auf Leben und Feind – und da sind wir” genommen durch die Umer-
Tod um die Erhaltung des Reiches. Scheinbar hat es ziehung! Die Umerziehung ist die systematische Erzeu-
diesen Kampf verloren, aber wirklich nur scheinbar! gung einer Geisteskrankheit. Wir sind in diesem Sinne
Wir müssen uns als diejenigen begreifen, die von An- geisteskrank, und wir müssen uns heilen. Das geht nur
fang an das Ziel der Feinde des Reiches waren und daß durch die Tat. Die erste Tat ist, daß wir einen klaren
wir immer das Recht auf unserer Seite haben. Trennungsstrich ziehen zwischen uns und dem Feind.
Der Krieg ist immer ein grausames Geschehen. Da Der Feind hat genau gewußt, er kann uns nur bezwin-
wird immer auch grausam gehandelt. gen, indem er unsere Kultur, unser Identitätsbewußtsein
Und wenn man das beckmesserisch mit irgendwel- zerstört. Der Feind – und das ist in Dokumenten nieder-
chen Rechtsmaßstäben mißt, wird man immer auf jeder gelegt – weiß, daß er das nur erreicht, wenn er nicht
Seite genügend Beanstandungen finden, um Material zu selbst in der Uniform des Siegers das Werk der Zerstö-
haben, jemanden ins Unrecht zu setzten. rung verrichtet, sondern daß er Deutsche nehmen muß,
Das ist nicht das, was in der Geschichte vor sich die nicht als Feinde erkannt werden.
geht. Das ist die große Geschichte, Weltgeschichte, und Denken Sie an das Märchen von dem Wolf und den
das ist der Gang Gottes durch die Welt zu sich selbst! sieben Geißlein: Es muß jemand sein, der seine Stimme
Das Geschehen der Geschichte mit allen Grausam- verstellt, der diese weiße Pfote hat, der also fälschlich
keiten ist der göttliche Prozeß der Selbstfindung. Bern- als Volksgenosse gesehen wird. Da sind wir wie ge-
hard Schaub hat es heute noch einmal klar gemacht: das lähmt, und es kommt das Schuldgefühl. Das sind die
ist urgermanisch! Nietzsche hat völlig zu Recht gesagt: verlängerten Organe der Siegerwillkür. Die Gerichte,
“Die Deutschen sind Hegelianer, auch wenn es Hegel wenn sie uns als Deutsche verfolgen mit § 130 StGB,
nie gegeben hätte” – weil das in der deutschen Mytho- sind keine Gerichte, sie haben keine Ehre, sondern das
logie relativ klar schon vorhanden ist. Und wer wollte ist der Feind, der gegen die Grundsätze der Kriegsfüh-
denn über Gott richten? Kann man einem Stammtisch rung sich nicht in Uniform zeigt, sondern in der Ver-
zugestehen, klüger zu sein und gerechter zu sein als kleidung als deutscher Richter. Er ist der Feind! Das,
Gott in der Qual, zu sich selbst zu kommen? Der Gott was er anwendet, ist kein Recht!
ist eben nicht der Vollkommene. Erst durch den Gang
durch die Welt, als Geschichte, erfährt er, wer er ist. Was ist denn Recht?
“Recht ist der vernünftige Wille, der als Gemeinwe-
Unser moralischer Hemmschuh sen eine absolute Macht ist und der privaten Willkür
Also, es ist falsch, moralisch zu argumentieren. Es Grenzen setzt.”
ist falsch, den Versuch zu machen, den Gegner in die Auch der Dieb will, daß das Eigentum geschützt ist,
moralische Ecke zu stellen und zu sagen: Du bist der garantiert ist, daß die Person anerkannt ist; nur meint er,
Schuldige! In der Geschichte geht es nicht um Schuld er könne sich leisten, sich als Einzelner dagegen zu stel-
oder Unschuld. Das ist eine persönliche Beziehung, die len, weil es ihm bequemer erscheint. Aber im Gefäng-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 447


Horst Mahler, Aufruf zum Aufstand, S. 445-449

nis, wenn er bestohlen wird, wenn man ihm den Tabak digen können, oder das deutsche Volk, oder einzelne
wegnimmt, wird er sofort nach der Todesstrafe rufen. Volksgenossen? Die hatten bis jetzt keine Möglichkeit
Das ist ja ein Verbrechen, mir mein Eigentum zu neh- sich zu verteidigen. Die heute noch aufstehen als Ein-
men! Das heißt, das ist der vernünftige Wille auch des zelne und das bestreiten, die haben auch jetzt keine
Rechtsbrechers. Möglichkeit, sich zu verteidigen. Und wenn sie oder ih-
Was ist vernünftig, als Wille eines lebendigen Orga- re Verteidiger, Beweisanträge dieser Art stellen, dann
nismus? Ein Volk ist etwas Lebendiges. Vernünftig ist ist es eine neue strafbare Handlung. Es sind Verteidiger
die Selbsterhaltung und die Entfaltung des Selbst, ohne hierzulande deswegen auch bestraft worden: RA Rieger
daran gehindert zu werden, ohne von innen oder außen zum Beispiel.
in der Selbstentfaltung als Volk gefährdet, bedroht und
vernichtet zu werden. Die Unmoral der Gutmenschen
Und was sind diese Bestimmungen, die uns zwin- Wir müssen dieses grundsätzliche Freund-
gen, die Sage von dem Völkermord, die Lüge von Au- Feindverhältnis diesen Leuten vor Augen führen, indem
schwitz zu akzeptieren, und sei es nur äußerlich, indem wir sagen: Mach dich vom Acker! Du bist ein Täter, du
wir dagegen nicht aufstehen? versäumst das, was dem Menschen gegeben ist, nämlich
Das bedeutet, daß da ein Wille ist, uns zu zerstören, die Suche nach der Wahrheit! (Das macht uns als Men-
die Seele des Deutschen Volkes zu morden, und das schen ja aus. Das ist das, was uns von den Affen unter-
kann nicht der vernünftige Wille des Deutschen Volkes scheidet!) Du willst daran glauben, weil du Angst hast
sein! Also kann es auch nicht ein Gesetz im Sinne von vor den Konsequenzen, weil du eingestehen müßtest,
Recht, von gesetztem Recht, sein. Sondern es ist im wie sehr wir belogen und betrogen sind, was an Lüge
Gewande des Rechts, im Gewande des Gesetzes die möglich ist.
Siegerwillkür, die hier durch Angehörige unseres Vol- Aber jetzt kommt uns der 11. September zu Hilfe!
kes, in der Verkleidung als Richter unseres Volkes, die- Das ist auch eine der großen Lügen. Aber die ist so fa-
se Siegerwillkür an uns vollstreckt. denscheinig, jetzt schon, daß den Leuten vielleicht deut-
Und so müssen wir auch auftreten. Wenn wir vor lich wird, was man mit der Lüge erreichen kann, weil
Gericht stehen, dann wollen wir nicht den Richter da- sie wissen:
von überzeugen, sondern ihm sagen, was er ist: Kein Es ist möglich, fast alle Menschen dazu zu bringen,
Richter und nicht Organ des deutschen Volkswillens, fast alles zu glauben – unter einer Bedingung: Wenn es
sondern Organ der Siegerwillkür. Und daß wir seine gelingt, ihnen zu suggerieren, daß fast alle anderen es
Stiefel unter der Robe sehen, daß wir ihn durchschauen. glauben.
Und ihm sagen, daß er sich an einem Verbrechen des Darauf ist die ganze Lügenpropaganda aufgebaut.
Völkermordes, einer Form des Seelenmordes beteiligt. Das müssen wir durchstoßen! Und so haben wir jetzt al-
Es ist nach der UNO-Definition Völkermord! so die verschiedenen Marschsäulen:
Wir sollten auch nicht von ihm sagen: Er glaubt halt Es ist der 11. September! Es ist Pearl Harbor! Und
daran! Wer heute noch behauptet (achten Sie auf meine es ist die Auschwitzlüge!
Vita!), wer heute noch glaubt, daß 6 Millionen Juden Wenn wir uns auf diese drei Marschsäulen, auf die-
vom Deutschen Reich systematisch ermordet worden sen Punkt konzentrieren, glaube ich, dann werden wir
sind, der kann das nur glauben nach dem Grundsatz der durchbrechen, weil die ganze Welt darauf wartet, daß
actio libera in causa. Das ist ein juristischer Begriff: dieses Lügensystem zusammenbricht, nicht nur die Pa-
Man kann sich gutgläubig halten, obwohl man ganz gut lästinenser. Lesen Sie die Reden von Mahathir [malay-
weiß: Ich müßte den Tatsachen auf den Grund gehen, sischer Ministerpräsident], der als erster Staatschef seit
und dann wüßte ich, daß alles falsch ist. Aber, es ist für Hitler ausgesprochen hat, daß die Juden aufgrund ihrer
mich zu gefährlich, deswegen blocke ich ab und tue so, religiösen Prägung die Weltherrschaft erlangt haben,
als ob ich innerlich fest davon überzeug wäre, daß es so und daß sie es sind, welche die Völker Stellvertreter-
ist. kriege führen lassen und für die tödliche Gefahr ver-
Auch die sogenannten Gutmenschen müssen wir antwortlich sind, in der wir stehen.
darauf ansprechen und sagen: Du bist Täter eines Völ-
kermordes! Wenn du sagst, du bist voll überzeugt, dann Unser Selbstbewußtsein
mußt du Rechenschaft ablegen, warum du noch über- Mit dieser Einstellung, daß wir das Recht verteidi-
zeugt bist! Hast du Germar Rudolf gelesen? Hast du das gen, daß wir uns nicht zu rechtfertigen haben, nicht
Leuchter-Gutachten gelesen? Hast du die Schriften von einmal rechtfertigen dürfen, sollten wir an die Arbeit
Udo Walendy gelesen? Hast du dich überhaupt ge- gehen. Man darf sich vor Satan nicht rechtfertigen! Und
kümmert, auf welcher juristischen Basis behauptet wird, Jahwe ist Satan, so steht es in der Bibel.
daß wir die Täter des größten, einmaligsten Verbre- Wir müssen so auftreten wie Siegfried, wie der ger-
chens der Weltgeschichte sind? Wo hat je ein Prozeß manische Krieger, der sagt: Ergib dich der Wahrheit,
stattgefunden, wo das Deutsche Reich sich hätte vertei- oder ich vernichte dich!

448 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Horst Mahler, Aufruf zum Aufstand, S. 445-449

Ich rechtfertige mich nicht bei meinem Gegner, der Ich habe das Gefühl: den Deutschen reicht es
sich der Lüge verschrieben hat, sondern ich sage: Hebe jetzt!
dich hinweg Satan! Du bist der Feind in der Uniform Irgendwie drängt das jetzt an die Oberfläche, und es
eines Richters. Aber du bist kein Richter! muß jemand sein, der ruft.
Wenn wir die Kampagne so führen, so sind wir nicht Und dann geht’s los!
ein Hilfsverein für die Betroffenen. Es gibt zu viele Be- Vlotho, 09.11.2003
troffene. Wir müssen strategisch-politisch vorgehen.
Wir müssen den eindrucksvollsten Fall nehmen, und Anmerkungen
dann schaffen wir auch Luft für die andern Einzelfälle. 1
Vgl. VffG 7(3&4) (2003), S. 448.
Wenn es dann Urteile gibt, die die Wiederaufnahme zu- 2
Osteuropa. Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens, Nr. 5,
lassen – möglich ist es, wenn auch nicht sehr wahr- Mai 2002, S. 631-641. Der Artikel ist online erhältlich unter
scheinlich – dann können die andern sich auch berufen www.vho.org/D/Beitraege/FritjofMeyerOsteuropa.html.
3
Vgl. “Gerechtigkeit für Deutschland – vielleicht nächstes Jahr”,
und in ihrem konkreten Fall auch Gerechtigkeit erlan-
VffG 7(3&4) (2003), S. 417-421.
gen. 4
Richtig: Sven Felix Kellerhoff, Die Welt, 28.8.2002: vgl. Jochen
Die Zeit geht weiter. Hohmann war eine Taube, die Arp, Das Ostpreußenblatt, 27.7.2002, S. 20.
5
sich da erhob, Günzel die zweite. Das ist die alte Ge- G. Rudolf, Das Rudolf Gutachten, 2. Aufl., Castle Hill Publish-
schichte: Wenn ein Vogelschwarm sich niedergelassen ers, Hastings 2001 (www.vho.org/D/rga2)
6
Richtig: Sander druckte einen Beitrag Rudolfs ab, in dem die
hat, so steigen erst nur einzelne auf, der Rest bleibt sit- Holocaust-Propaganda gekoppelt mit der Unterdrückung des Re-
zen. Aber dann steigen mehr auf, und irgendwann geht visionismus als Völkermord am deutschen Volk eingestuft wur-
plötzlich der ganze Schwarm los. Und das ist dann der de: Germar Rudolf, “Naht ein deutsche Bürgerkrieg?”, Staats-
allgemeine Volksaufstand der Deutschen als aktuelles briefe 6(6) (1995), S. 6-8
Ereignis, und wir sind jetzt nicht mehr alleine, nicht (www.vho.org/D/Staatsbriefe/Rudolf6_6.html).
7
Churchills Friedensfalle, Druffel Verlag, Berg 2004.
mehr nur Einzelne: Ich bin sicher, wir werden schnell
sehr viel mehr sein.

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 449


Ursula Haverbeck, Volksverhetzung?, S. 450-455

Volksverhetzung?
Verhetztes Volk – verhetzte Richter
Von Dr. Ursula Haverbeck

Wie wir berichteten, wurde am 9.11.2003 in Vlotho der “Verein zur Rehabilitierung der wegen Be-
streitens des Holocausts Verfolgten” gegründet. Kurz danach wurden die Büroräume des Vereins durch
die Polizei durchsucht und gegen die führenden Mitglieder des Vereins (Horst Mahler, Otto Chors, Ursu-
la Haverbeck-Wetzel) ein Strafverfahren wegen “Leugnung des Holocaust” eingeleitet. (vgl. VffG
3&4/2003, S. 448 und VffG 1/2004, S. 125). Am 18. Juni 2004 fand vor dem Amtsgericht Bad Oeynhau-
sen die Hauptverhandlung im Verfahren 5 Ds 46 Js 485/03-256/04 statt. Wir bringen hier die Stellung-
nahme von Ursula Haverbeck zur Anklage wegen Volksverhetzung (Leugnung des Holocaust) sowie ihr
Schlußwort.

Zunächst eine Vorbemerkung. Ich stehe hier zwar Punkt verknoten, während ein vierter weiterhin neben-
als Angeklagte, aber in Wahrheit geht es nicht um mich. herläuft und schließlich die anderen überlagert.
Ich habe nur die Funktion einer Art Türöffner. In die-
sem Prozeß geht es um das Recht und, mehr noch, um Die erste Tatsache: Die Holocaust-Bestreiter
die Wahrheit für Deutschland. Alle vor dem Nürnberger Militärtribunal stehenden
Ich werde das begründen, wobei ich mich nicht bei deutschen Führungspersönlichkeiten, seien sie nun Poli-
strittigen Einzelheiten aufzuhalten gedenke. Dies auch tiker oder Militärs, haben bis zu ihrer Hinrichtung, und
deshalb nicht, weil ich weder als Betroffene in dem KL wie Speer, auch noch nach 20-jähriger Haft, überein-
Auschwitz – und darum geht es hier – noch in irgendei- stimmend ausgesagt, daß ihnen nichts von einem durch
ner Funktion dort tätig war; und ich nehme an, dies gilt Vergasung und auf Befehl ausgeführten Massenmord an
für alle Anwesenden ebenso. den Juden bekannt gewesen sei. Joachim Fest hat dies
Ich bin auch kein selbständig forschender Ge- noch einmal in seinem 2001 erschienenen Buch über
schichtswissenschaftler, kein Experte für Vergasungs- Albert Speer festgehalten. Er zitiert Hermann Göring:
einrichtungen noch ein Chemiker, der kompetent über “Die Gaskammern sind Propagandaschwindel! Hitler
die Reaktionen des Zyklon B Aussagen machen könnte, hätte niemals zu dem Gasmord an den Juden seine Zu-
und wieder gehe ich davon aus, daß dies wohl auch für stimmung gegeben!” (Joachim Fest, “Albert Speer”, S.
die Anwesenden zutrifft. 521)
Wir sind also allesamt angewie- Daß dieses so von allen Beteilig-
sen auf die Medien, auf Bücher, auf ten behauptet wurde, ist eine Tatsa-
Zeugenaussagen und Gerichtspro- che. Das heißt aber nicht, daß es
tokolle, und diese sind so umfang- stimmen muß. Bitte beachten Sie
reich wie unterschiedlich, daß ich diesen Unterschied.
sie außer acht lassen will, damit wir In dem mehr als neunhundert
uns nicht in von uns nicht zu bewei- Schreibmaschinenseiten umfassen-
senden Nebensächlichkeiten verlie- den Urteil des Frankfurter Au-
ren. schwitz-Prozesses 1963 – 1965 sa-
Statt dessen werde ich von eini- gen all diejenigen, die in irgendei-
gen wenigen, uns allen geläufigen ner Funktion etwas mit Auschwitz
und auch völlig unbestrittenen Tat- als Konzentrationslager zu tun hat-
sachen ausgehen, die mich zu mei- ten, daß sie von Gaskammern zur
ner Ansicht über Auschwitz veran- Ermordung der Juden nichts gewußt
laßt haben, die nicht mit der öffent- hätten, sondern es sich vielmehr um
lich sanktionierten übereinstimmt ein vorbildlich geführtes Lager ge-
und derentwegen ich vor Gericht handelt habe. Und wieder, daß dies
stehe. Es handelt sich insbesondere NS-Funktionäre so sagten, ist eine
zunächst um vier Tatsachenstränge, Tatsache. Ob es stimmt, ist eine an-
die nebeneinander herlaufen, deren dere Frage.
drei sich an einem entscheidenden [Anmerkung der Redaktion: dies
Ursula Haverbeck

450 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Ursula Haverbeck, Volksverhetzung?, S. 450-455

stimmt nicht, Pery S. Broad und Hans Stark „bezeug- tere Beispiele überflüssig. Der Holocaust ist das offen-
ten“ die Gaskammern, wenn auch nachweislich mit fal- kundige, singuläre deutsche Verbrechen. Alle diese
schen Angaben.1] Darstellungen sind eine Tatsache. Aber auch hier gilt:
Dann traten Historiker auf, zunächst Prof. Paul Ras- das heißt noch nicht, daß die Aussagen stimmen. Gera-
sinier, der als französischer Widerstandskämpfer im KL de der als erstes aufgezeigte Tatsachenstrang macht
Buchenwald inhaftiert war. Der Richter Dr. Wilhelm deutlich, daß sie zumindest umstritten sind.
Stäglich schrieb sein Buch “Der Auschwitz-Mythos”, Allerdings muß es den Bürger einer pluralistischen
da er selber während des Krieges eine Flakeinheit in Gesellschaft irritieren, für die doch Toleranz und das
unmittelbarer Nähe von Auschwitz kommandierte und Geltenlassen anderer – auch abwegiger – Meinungen
mehrere Male selber im Lager war. oberstes Gebot ist, daß hier mit zweierlei Maß gemes-
Ein weiterer Franzose, Prof. Dr. Robert Faurisson, sen wird, wenn auf der einen Seite die Darstellungen
der Amerikaner Prof. Arthur Butz, der Engländer David gefördert und überall verbreitet, auf der anderen Seite
Irving und viele, viele andere Deutsche hatten eigene sie totgeschwiegen, ja sogar indiziert und verboten wer-
Forschungen, Dokumentenstudium, Zeugenbefragung, den.
Besichtigung von Auschwitz usw. aufzuweisen. Ihre
Ergebnisse veröffentlichten sie in vorliegenden Bü- Dritte, entscheidende Tatsache
chern. Das Ergebnis ist übereinstimmend: Es gab keine Bei Gericht gehört es zum täglichen Brot, bei der
Vergasungen in Auschwitz. Darstellung völlig entgegengesetzter Beurteilungen ein
Es begann der sog. Revisionismus, und der Mas- und derselben Sache zu der Erkenntnis und einem Urteil
senmord an den Juden wurde längst der Holocaust ge- zu gelangen, wer von den beiden Parteien recht hat.
nannt. Es folgte die Untersuchung in Auschwitz durch Handelt es sich um sehr komplizierte Vorgänge, die
einen amerikanischen Gaskammerexperten, Fred großes Fachwissen und Sachkompetenz notwendig ma-
Leuchter, und durch einen deutschen Chemiker im Hin- chen, dann werden Gutachter eingesetzt. Auch dies ist
blick auf die Reaktion des Zyklon B. Auch sie kamen eine übliche Praxis.
zu dem Ergebnis, daß in den gezeigten Gaskammern in Nichts anderes hätte auch in diesem Fall erwartet
Auschwitz keinerlei Vergasungen stattgefunden haben werden müssen, weil gerade hier ein ganz besonders
können. Diese Bücher und Gutachten liegen vor. Sie schwerwiegendes und folgenreiches Problem vorlag.
sind eine Tatsache. Das heißt nicht, daß der Inhalt des- Hatte doch Nahum Goldmann seinerzeit von Konrad
sen, was da vorgetragen wird, stimmen muß. Adenauer eine finanzielle Wiedergutmachung an Israel
Und obgleich bereits mehr als ein halbes Jahrhundert für 6 Millionen ermordeter Juden ausgehandelt (s. Na-
vergangen ist seit dem Kriegsende und der Befreiung hum Goldmann, “Das jüdische Paradox”, S. 166ff,
von Auschwitz durch die Russen, und mindestens ein- 1978, Europäische Verlagsanstalt). Gutachter, renom-
mal wöchentlich im Fernsehen dieser schrecklichen mierte Wissenschaftler von solchen Nationen, die nicht
Verbrechen gedacht wird, so gibt es immer noch sehr am Weltkrieg beteiligt waren, wie z.B. die Schweiz und
viele “Ungläubige”, wie jetzt aus einer Umfrage der ita- Schweden, hätten hier berufen werden müssen, um die
lienischen Zeitung Correre della Sera hervorgeht, eu- Wahrheit zu ermitteln.
ropaweit 7,5%. Die Tatsache aber ist, daß am 18. September 1979
der Bundesgerichtshof entschied, daß das Leugnen des
Die zweite Tatsache: Zeugnisse der Opfer Massenmordes an den Juden strafbar sei. So steht es in
Der zweite Tatsachenstrang befaßt sich mit den Op- der Anklageschrift gegen mich.
fern. Seit Kriegsende erscheinen Veröffentlichungen Nun ist das Leugnen von Auschwitz und einer gro-
über die Leiden der Juden in den KL und natürlich ins- ßen Anzahl umgekommener Juden dort natürlich Un-
besondere Auschwitz als dem Ort der Judenvernichtung sinn. Kein ernstzunehmender Mensch wird das tun. Mit
durch Vergasung mit der Chemikalie Zyklon B, er- dem “Leugnen des Massenmordes an den Juden” ist et-
schütternd die zahllosen Zeugenaussagen in den Au- was ganz anderes gemeint. Dies Urteil verbietet – ob-
schwitz-Prozessen. gleich das Wort nicht genannt wird – ein historisch um-
Auschwitz wurde zu dem Ort des Holocaust, und der strittenes Phänomen zu bestreiten: den Holocaust.
Holocaust war Auschwitz. Vielleicht sagt nun der eine oder andere: Das kann
Ich verweise nur auf ein Buch “Auschwitz – Zeug- doch gar nicht sein. In einem demokratisch verfaßten
nisse und Berichte”, bereits 1962 von der deutschen Staat, der auf dem Grundgesetz mit den vorgeschalteten
Verlagsanstalt herausgegeben als Taschenbuch. Die Grundrechten basiert, kann es ein solches Urteil nicht
Vielzahl der Zeugnisse, Berichte, Fernsehreihen wie die geben. Wir haben eine garantierte Meinungs-, Rede-,
Holocaust-Reihe 1979, der Film Schindlers Liste usw., Presse- und Forschungsfreiheit. Damit ist ein solches
die alle die furchtbaren Leiden der Juden in Auschwitz Verbot nicht vereinbar, erst recht nicht angesichts der
zeigen, und in allen Medien besprochen werden, aber strittigen Lage. Doch der Bundestag verabschiedete ein
auch in den Schulbüchern zu finden sind, machen wei- Gesetz, heute meist zitiert unter dem Namen Volksver-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 451


Ursula Haverbeck, Volksverhetzung?, S. 450-455

hetzung § 130 StGB, das genau in dieser Weise ausge- wendung von der Geschichte und zur Politikverdros-
legt und angewendet wird. Die Offenkundigkeit und senheit führen.
Singularität des Holocaust darf nicht bezweifelt werden. Dieser dritte Tatsachenstrang schlingt sich wie ein
So wird das Gesetz interpretiert, im Gesetzestext selber Knoten um den ersten, das sind die sog. Revisionisten.
kommt das Wort Holocaust nicht vor. Sie sollen mundtot gemacht werden, doch das ist bis
Jemand, der wie ich sich mindestens 25 Jahre lang in heute nicht gelungen. Ein wirklicher Wissenschaftler
der politischen Erwachsenenbildung betätigt hat, hat fühlt sich der Wahrheit und ihrer Verkündigung ver-
selbstverständlich auch immer wieder das Grundgesetz, pflichtet. Strafen vermögen da nicht abzuschrecken.
die Grundlage dieser Demokratie, herangezogen. Be- Das hat erst vor wenigen Jahren ein mutiger Bürger des
reits in der Goldmann-Ausgabe von 1967 weist Theo- Kreises Herford bewiesen, der Politologe Udo Walen-
dor Heuß zum einen darauf hin, daß das Deutsche Reich dy, der 26 Monate im Gefängnis verbrachte für die von
nicht untergegangen ist mit der Kapitulation der Wehr- ihm erkannte Wahrheit.
macht, sondern fortbesteht, und zum anderen, daß die Und wieder wird der Laie stutzig: Wieso ein Verbot
Grundrechte mit dem Anspruch der Rechtsverbindlich- statt einer sachlichen Richtigstellung? Das kann doch
keit ausgestattet wurden, d.h. “sie besitzen nicht den nur heißen, daß diese gefürchtet wird. Sollten die Op-
deklamatorischen Charakter des Bekenntnisses, sondern fervertreter ein schlechtes Gewissen haben?
sind deklaratorischer Natur.” Das Gesetz ist eine Tatsache. Auf Grund dieser Tat-
Dieser Gedanke wird dann von Prof. Dr. Günter Dü- sache bin ich angeklagt. Ob dieses Gesetz in Überein-
ring in der Beck’schen Taschenbuchausgabe von 1976, stimmung zu bringen ist mit den Freiheitsrechten, das
aber auch noch 1986, noch einmal verstärkt: ist eine offene Frage.
“Die Grundrechte sind unmittelbar geltendes
Recht, also nicht lediglich, wie vielfach noch in der Vierte Tatsache: die Opferzahlen
Weimarer Verfassung, bloße Deklamationen oder Immer wieder haben sich Historiker und kritisch
Programmsätze. Und ferner wird der Staat in allen denkende Bürger gefragt: Wie kommt die Zahl 6 Mil-
seinen Erscheinungsformen (Gesetzgebung, vollzie- lionen zustande? In dem Urteil des Internationalen Mili-
hende Gewalt, Rechtsprechung) an die Grundrechte tärtribunals (IMT), das am 30. September und 1. Okto-
gebunden. Zu betonen ist die Bindung auch der Ge- ber 1946 verkündet wurde, findet sich folgender Ab-
setzgebung. Früher (noch während Weimar) galten satz:
die Grundrechte nur nach Maßgabe der Gesetze. “Adolf Eichmann, der von Hitler mit der Durch-
Heute gelten die Gesetze nur nach Maßgabe der führung dieses Programms beauftragt worden war,
Grundrechte.” hat geschätzt, daß in Verfolgung dieser Politik 6
Die Bundeszentrale für politische Bildung sagt 1995 Millionen Juden getötet wurden, von denen 4 Mil-
zu der Sonderbriefmarke “Freiheit der Meinungsäuße- lionen in Vernichtungslagern ums Leben gekommen
rung”: sind.”
“Von Demokratie kann nur dort und dann die Es handelt sich also um eine Schätzung, die angeb-
Rede sein, wenn Meinungs-, wenn Kommunikations- lich von Eichmann vorgenommen worden sein soll.
freiheit herrscht. Das Ausmaß dieser Freiheit zeigt Diese Zahl wird heute allgemein zugrundegelegt. Auch
an, welchen Entwicklungsstand eine demokratische am Tag der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar
Gesellschaft erreicht hat.” wird dieser 6 Millionen Ermordeter gedacht.
Auch mit den Bestimmungen zum Schutze der Ju- In Auschwitz selber gab es jahrzehntelang eine Tafel
gend und zur Wahrung der persön-
lichen Ehre wäre die Erforschung
historischer Ereignisse nicht nur
vereinbar, sondern notwendig. Die
Jugend muß an dem Ringen um die
Wahrheitsfindung beteiligt werden,
wenn Historiker und Politiker für
sie Glaubwürdigkeit haben sollen.
Und die persönliche Ehre der El-
tern- und Großelterngeneration ver-
langt zwingend eine objektive,
wahrheitsgemäße Aufklärung dieser
Frage. Den einen Tatsachenstrang
zum Glaubensinhalt zu machen,
während der andere verboten wird,
kann nur zu einer allgemeinen Ab- Die drei Gedankenverbecher: Horst Mahler, Ursula Haverbeck, Ernst-Otto Cohrs

452 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Ursula Haverbeck, Volksverhetzung?, S. 450-455

mit der Aufschrift von 4 Millionen ermordeter Juden. verknüpft und verbunden, dann ergibt sich eine deutli-
Diese Tafel wurde Anfang der neunziger Jahre ersetzt che Verschiebung zugunsten der Aussagen der Bestrei-
durch eine andere mit 1,5 Millionen. Es wurde dann so- ter im ersten Tatsachenstrang. Fritjof Meyer sagt vor-
gar in den Fernsehnachrichten gezeigt, ich habe es sel- sichtig immer noch “wahrscheinlich 356.000”, die auch
ber gesehen. Anschließend gab es ein Streitgespräch nicht in den bisher und bis heute in Auschwitz vorge-
zwischen Polen, Juden und Zigeunern, wer von ihnen zeigten sog. Gaskammern liquidiert worden seien, son-
den größeren Anteil unter diesen Opfern habe – zwecks dern außerhalb des Lagers Birkenau in zwei nicht vor-
Entschädigung. handenen Bauernhäusern, von derem einen man jetzt
Doch es blieb auch nicht bei dieser Zahl. Nachdem das Fundament entdeckt hat.
Leuchter und Rudolf ihre Gutachten vorgelegt hatten, Damit wird die Größenordnung der zu beklagenden
daß in den gezeigten Gaskammern unmöglich mit Zy- Toten entsprechend der Opfer zahl von Hiroshima oder
klon B Millionen von Juden vergast worden sein kön- von Dresden und wesentlich kleiner als die Opfer der
nen, erschien eine Gegendarstellung bzw. ein Gegen- deutschen Kriegsgefangenen nach dem Kriege auf den
gutachten von dem Apotheker Jean-Claude Pressac. In Rheinwiesen, oder der nach Rußland verschleppten Zi-
diesem heißt es, daß in Auschwitz etwa 700.000 – vilisten und Kriegsgefangenen, von denen Millionen
800.000 Juden ums Leben gekommen seien. Inzwischen nicht zurückkehrten, und auch in keiner Weise ver-
ist das Gutachten von Pressac auch als Fischer- gleichbar mit den Vertreibungsopfern in Höhe von etwa
Taschenbuch erschienen, in dem die Zahl noch weiter 2,5 Millionen, die unter furchtbaren Umständen ums
gesenkt worden ist auf etwa 500.000. Aber auch dabei Leben kamen. Natürlich sind auch 356.000 Opfer von
blieb es nicht. Im Jahre 2002 wurde von einer wissen- Auschwitz wie die von Hiroshima und Dresden uner-
schaftlichen Gesellschaft, deren Vorsitzende die ehema- träglich und das Bild des Menschen beleidigend, aber
lige Bundestagspräsidentin Frau Prof. Dr. Rita Süßmuth eben nicht Singular.
ist, ein Artikel herausgebracht von dem Spiegel- Einmalige, ungeheure Tatsache ist dagegen, daß die-
Redakteur Fritjof Meyer mit dem Titel “Die Zahlen der ses Geschehen von Auschwitz zu dem Holocaust, zum
Opfer von Auschwitz – Neue Erkenntnisse durch neue unsühnbaren Verbrechen eines ganzen Volkes festge-
Archivfunde”. In dieser Schrift wird von “wahrschein- schrieben wurde.
lich 356.000 vergaster Juden” gesprochen. Abschließend möchte ich noch eine fünfte Tatsache
Diese Veröffentlichung ist in keiner Weise diskrimi- ansprechen. Diese fünfte Tatsache besteht darin, daß die
niert oder gar strafrechtlich verfolgt worden, obgleich Juristen nicht längst in großer Zahl empört aufgestan-
eine Anzeige wegen Verharmlosung des Holocaust so- den sind, um zu sagen: Das machen wir nicht mit. Wir
wohl gegen Meyer als auch gegen Rita Süßmuth erstat- verurteilen unsere Kollegen in der DDR, daß sie politi-
tet wurde. Im Gegenteil, die Gerichte bestätigten, daß sche Justiz verüben. Dieses hier ist auch politische Ju-
dieser Artikel keinen strafbaren Inhalt habe und daher stiz. Ein solches Gesetz ist unvereinbar mit dem Recht
verbreitet werden dürfe. auf freie Meinung und freie Forschung. Wir verlangen,
Vor 60 Jahren hat sich nach Ansicht der Zeugen und daß es überprüft und abgesetzt werde, so wie seinerzeit
Opfer das unvergleichliche und singuläre Verbrechen der Bundesjustizminister Gustav Heinemann das Maul-
der Menschheit in Auschwitz abgespielt, indem dort korbgesetz, Staatsgefährdung, gegen links zu Fall
Millionen Juden vergast worden seien. Je größer der brachte. Einzelne Juristen, sogar ein Kammerge-
Abstand zu diesem Ereignis, desto geringer wurde die richtspräsident, geben hinter vorgehaltener Hand zu,
Zahl der Opfer. Ja man könnte sagen, sie nähert sich daß dieses Gesetz nicht mit dem Grundrechten zu ver-
dem an, was die Revisionisten seit langem behauptet einbaren sei. Aber getan haben sie alle nichts.
hatten. Sie können den Artikel von Fritjof Meyer nach- Der Jurist Stefan Huster hat in der Neuen Juristi-
lesen. Sie haben wahrscheinlich genau wie ich im Fern- schen Wochenschrift, Heft 8/1996, S. 487 ff., überzeu-
sehen die Reduzierung von 4 auf 1,5 Millionen miter- gend dargelegt, daß § 130 Abs. 3 StGB mit Artikel 5
lebt, und wir alle müssen uns nun fragen: Wer hat war- Abs. l S. 1 GG unvereinbar ist.
um diese sechs Millionen festgeschrieben? Nicht zuletzt Bis heute werden Menschen nach diesem Gesetz §
deshalb meine Eingangsfeststellung, es ginge nicht um 130 Volksverhetzung verurteilt. Im Jahre 2002 z.B.
mich, sondern um das Recht und die Wahrheit für 9.807 Strafverfolgte laut Bundesverfassungsschutzbe-
Deutschland. In diesem Fall stimmt die Tatsache des richt.
Gesagt-worden-seins mit dem Gesagten als Tatsache Ich frage mich, wie die Wahrheitsfindung volksver-
überein. Die Zahl wurde innerhalb von zwölf Jahren auf hetzend sein kann.
weniger als ein Zehntel reduziert, von vier Millionen
auf 356.000. “Mut zur Wahrheit” (Helmut Diwald)
Spätestens nach dem Artikel von Fritjof Meyer hätte
Neue Erkenntnisse – Neue Gesetze dieses Gesetz gekippt werden müssen. Offenkundig ist
Werden alle diese vier Tatsachenstränge miteinander nun nur, daß nichts im Zusammenhang mit dem Holo-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 453


Ursula Haverbeck, Volksverhetzung?, S. 450-455

caust offenkundig ist: Nicht das Zyklon B als Mordmit- 1,5 Millionen Juden wurden in Auschwitz, in dem Ort
tel für Millionen, nicht die gezeigten Gaskammern, des Holocaust, vergast, sondern “wahrscheinlich”
nicht die Millionenzahl der Opfer selber. Alles ist heute 356.000.
in Frage gestellt, nicht nur weil man es nicht glauben Dies ist und bleibt ein “Menetekel für die Nachgebo-
und sich reinwaschen will, sondern erwiesenermaßen renen”, wie es in dem Vorspann von Meyer heißt. Und
aus sachlichen und naturwissenschaftlichen Gründen. er hat auch recht, Tausende von Menschen in ein Kon-
Die vier von mir aufgezeigten unbestrittenen Tatsa- zentrationslager zu sperren, ist ein Zivilisationsbruch.
chenstränge sind in ihrer Verknüpfung den Juristen er- Ein solcher Zivilisationsbruch ist die gesamte Endphase
neut zur Prüfung vorgelegt. Das Schicksal bietet ihnen des Weltkrieges von 1942 bis 1945.
die Möglichkeit, von der Lüge zur Wahrheit vorzusto- Nur ist dies weder eine deutsche Erfindung noch ei-
ßen, sogar in gewisser Weise ohne das Gesicht zu ver- ne deutsche Alleinschuld, es gilt dies genauso für die
lieren, denn, wie gesagt, in den Gesetzen kommt das Gefangenenlager der Russen in Sibirien, wie für die
Wort “Holocaust” nicht vor. Rheinwiesenhölle der Amerikaner, es gilt für Dresden
Ergreifen sie nun aus Rücksichtnahme und Angst und Hiroshima, und es galt auch schon für die Sklaven-
vor den Juden diese Möglichkeit nicht, dann machen sie transporte nach Amerika, den Indianer- oder Kulaken-
sich schuldig vor ihrem Gewissen, vor ihrem Berufs- mord und die englischen Konzentrationslager für die
stand und vor Deutschland. Buren, und erst recht für die 16 Millionen Heimatver-
Vollends unglaubwürdig würden sich Juristen ma- triebenen, wobei 2,5 Millionen umkamen.
chen, wenn sie nun auf andere, bis her nicht oder nur Eine solche Relativierung muß nicht von Meyer
am Rande genannte Orte verweisen wollten, an denen ausgesprochen werden, sie ist das eindeutige Ergebnis
die Millionen vergast worden wären, und wenn nicht seiner Verifizierung.
mit Zyklon B, dann eben durch ein anderes Giftgas. Ich nehme für mich in Anspruch, ja ich fühle mich
Das geht nicht mehr nach fünfzigjähriger Darstel- dem verpflichtet, was mir als Handreichung von Regie-
lung der Vergasungen mit gerade diesem Giftgas in Au- rungsseite für die politische Erwachsenenbildung zur
schwitz. Verfügung gestellt wurde, nämlich als guter Bürger –
Ich meine, die Tatsachen sprechen für sich. Sie sind insbesondere in einem sich Demokratie nennenden
so einfach, daß jeder Bürger sie ohne große Vorkennt- Land – Mut und Eigensinn zu bewahren, ein guter Bür-
nisse beurteilen kann. ger, der, wie Immanuel Kant fordert, sich seines Ver-
Der Holocaust, so wie er uns jahrzehntelang einge- standes ohne Anleitung eines anderen bedient. Dies ha-
hämmert wurde, mit seinen Millionenvergasungen in be ich getan. (InfoDienst 1/2003 des Landesinstituts für
Auschwitz, ist nicht mehr aufrecht zu halten. Nicht die Qualifizierung von NRW, O. Negt,: Der gute Bürger ist
Wahrheitsfindung zu verbieten, sondern zu fördern wä- derjenige, der Mut und Eigensinn bewahrt, S. 18)
re Aufgabe der Gerichte. Und für einen deutschen Rich-
ter oder Staatsanwalt dürfte es kein größeres Herzens- Charakterprobe für Richter
bedürfnis geben, als der Wahrheitsfindung für Deutsch- Jetzt liegt die Entscheidung bei Ihnen. Es ist keine
land, und darüber hinaus der Wahrheit schlechthin zu leichte Entscheidung, dessen bin ich mir bewußt. Doch
dienen. sie ist nicht schwieriger als meine Entscheidung es war:
Ich danke, daß Sie mir die Möglichkeit gegeben ha- die Entscheidung zwischen einem vorläufig noch gesi-
ben, dieses darzulegen. Nicht ich bin angeklagt, sondern cherten bürgerlich-vergnüglichen Leben und dem Ein-
bei genauerer Betrachtung steht die Justiz in Deutsch- satz für Recht und Wahrheit für Deutschland, wohl wis-
land vor Gericht. send, daß das heute mit Gefängnis bestraft werden
kann. In Ihrem Fall wäre es wohl nur eine Schädigung
Ein vorbildliches Schlußwort von Ruf und Karriere. Doch man kann von niemandem
In der Anklage gegen mich wird gesagt, daß ich Frit- Mut verlangen, das kann man nur sich selbst abfordern,
jof Meyer nicht als Beweis für meine Behauptung an- und ich habe mich entschieden.
führen könne, daß es den Holocaust so wie uns bisher Eines ist überdeutlich: Wenn weiterhin Menschen
dargestellt nicht gegeben habe. Denn Fritjof Meyer hät- aus Angst vor den Juden, wie es bei Petrus im Evange-
te nicht relativiert – also in Beziehung zu anderem ge- lium heißt, als er seinen Herrn verriet, nach § 130
setzt und daher in der Gewichtigkeit gemindert -, son- Volksverhetzung verurteilt werden, dann sind damit die
dern er habe verifiziert, das heißt bewahrheitet, von ve- Grundrechte, auf denen jedes Gesetz, jede politische
ritas = Wahrheit, man könnte auch sagen, wahrheitsge- Bildungsarbeit und alle Politik in diesem Land beruhen
mäß begründet. soll, nach Art. 1 Abs. 3 GG außer Kraft gesetzt.
Meyer hat verifiziert, und sein eindeutiges Ergebnis Und gelten die Grundrechte nicht mehr, dann leben
ist, daß alles ganz anders war, als bisher dargestellt. wir in einer Diktatur, weil ich gelernt und jahrzehnte-
Nicht 6, nicht 8 – wie der Bürgermeister von Klein- lang vertreten habe, daß diese Grundrechte das Wesen
machnow noch 2003 schreibt – , auch nicht 4 und nicht eines demokratisch verfaßten Staates ausmachen im

454 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Ursula Haverbeck, Volksverhetzung?, S. 450-455

Gegensatz zu einer Diktatur. Sie dürfen nach Art. 19 urteile, Meinungen, Glauben und auch gegen Maul-
Abs. 2 GG auch nicht durch ein Gesetz in ihrem We- korbgesetze, denn wie es im Johannesevangelium heißt:
sensgehalt angetastet werden. “Die Wahrheit wird euch frei machen”. (Joh. 8, 32)
Nun haben wir aber eine unerhört große Zahl von
Verurteilungen nach diesem Paragraphen, in acht Jahren Ursula Haverbeck-Wetzel
nicht weniger als 86.000 nach offiziellen Angaben. Da-
durch ist bei genauerer Betrachtung die gesamte politi- Die Richterin zeigte sich unbeeindruckt und ent-
sche Bildungsarbeit der vergangenen 50 Jahre unglaub- schied sich für das “vorläufig noch gesicherte bürger-
haft gemacht und Lügen gestraft worden. Ein bestür- lich-vergnügliche Leben”, indem sie Frau Dr. Haver-
zendes Fazit meiner Tätigkeit. beck zu einer Geldstrafe von 4.500 € und Ernst Otto
Frau Vorsitzende, Herr Staatsanwalt, es ist dies nur Cohrs zu einer von 3.600 € verurteilte.
ein kleines Amtsgericht in Bad Oeynhausen, und wir,
Richterin und Angeklagte, sind zwei unbedeutende Anmerkung
Frauen, eine junge und eine alte, aber niemand weiß, ob 1
Vgl. wg. H. Stark: G. Rudolf, „Aus den Akten des Frankfurter
nicht gerade von hier aus eine bedeutsame Wende ein- Auschwitz-Prozesses, Teil 7“, VffG, 8(2) (2004), S. 238-242; wg.
geleitet wird, wenn wir uns nur der Wahrheitsfindung P.S. Broad: ebenda, Teil 8, VffG 8(3) (2004), S. 334-342.
verpflichtet fühlen, einer Wahrheitsfindung gegen Vor-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 455


Robert Faurisson, Die Verfolgung des Ingenieurs Fröhlich in Wien, S. 456

Die Verfolgung des Ingenieurs Fröhlich in Wien


Von Robert Faurisson

Sieben Jahre lang hat Wolfgang Fröhlich Juristen, Parlamentsabgeordneten, Politikern und Journali-
sten Tausende von Kopien seiner Schriften zugestellt, in denen er festhält, daß die angeblichen Nazi-
Menschentötungsgaskammern, wie er sich ausdrückt, eine Lüge sind. Bemerkenswerterweise ist er dafür
nicht gerichtlich belangt worden. Dann, nach der Veröffentlichung seines 368 Seiten starken Dossiers Die
Gaskammer Lüge im Jahre 2001, beschlossen die Behörden, ihn zu verhaften. Doch verbarg er sich, und
die Polizei unternahm allem Anschein nach keinen ernsthaften Versuch, ihn aufzustöbern.

Wer bestimmt in Wien? mitee für Kriegsflüchtlinge”), der seinen infamen Be-
Fröhlichs Festnahme am 21. Juni 2003 mag viel- richt über die “deutschen Vernichtungslager Auschwitz
leicht mit einer zwei Tage zuvor in Wien von Rudolph und Birkenau” fabrizierte. Im September 2001 schuf
Giuliani abgegebenen Erklärung zusammenhängen. Am Präsident George W. Bush, manipuliert von seinem
19. Juni hatte der ehemalige New Yorker Bürgermeister stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfo-
als Vertreter der US-Regierung vor Teilnehmern einer witz, das Office of Special Plans (OSP, Büro für Son-
zweitägigen Konferenz über den Antisemitismus ge- derpläne), welches lügenhafte Berichte über irakische
sprochen, die von der Organisation für Sicherheit und Massenvernichtungswaffen fabrizierte. Vorsitzender
Zusammenarbeit in Europa (OSCE) durchgeführt wor- des OSP ist Abram Shulsky. Innerhalb des OSP werden
den war. Giuliani sagte, dem Revisionismus müsse Ein- die vier spezifisch für das Dossier “Massenvernich-
halt geboten werden. In einem am Tag zuvor in der New tungswaffen” zuständigen Personen “The Cabal” (abge-
York Times veröffentlichten Artikel mit dem Titel “How leitet von “Kabbala”) genannt; sogar Le Monde hat auf
Europe Can Stop the Hate” (“Wie Europa den Haß diesen Sachverhalt hingewiesen (Jacques Isnard, Le
stoppen kann”) hatte er geschrieben: “Es ist von ent- Monde, 7. Juni 2003, S. 7).
scheidender Bedeutung sicherzustellen, daß [die Bürger Ähnliche Lügen. Ähnliche Lügner. Ähnliche Nutz-
der europäischen Staaten] ein ehrliches Verständnis nießer. Ähnliche Opfer.
vom Holocaust haben, da revisionistische Standpunkte Allem Anschein nach braucht es auch einen ähnli-
das Risiko einer Wiederholung rassischen Völkermor- chen Revisionismus.
des heraufbeschwören.” Am 16. Juni hatte Präsident
George W. Bush zweimal Kritik an “revisionistischen NB: Am 17. Juni 2003 veröffentlichte die französi-
Historikern” geübt, die Zweifel an der offiziellen Versi- sche Tageszeitung Le Monde auf der ersten Seite einen
on des US-Krieges gegen den Irak geäußert hatten. ironischen Artikel mit dem Titel: “Saddam war böse,
In gewissem Sinne mögen Ernst Zündel und Wolf- deshalb hatte er verbotene Waffen.” Ich schickte Le
gang Fröhlich die ersten revisionistischen Opfer von Monde daraufhin einen Leserbrief, der aus einem einzi-
Bush und Giuliani sein. gen Satz bestand:
Im Januar 1944 schuf Präsident Franklin D. Roose- “Hitler war böse, deshalb hatte er Gaskammern
velt, von seinem Finanzminister Henry Morgenthau ju- und Gaswagen.”
nior manipuliert, den War Refugee Board (WRB, “Ko- Der kurze Brief wurde nicht abgedruckt.

456 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Alfons Bauer, Verurteilt, S. 457

Verurteilt
Von Mag. Alfons Bauer

Am 3.9.2003 wurde im Wiener Landesgericht für Strafsachen der 52-jährige Diplomingenieur Wolf-
gang Fröhlich zu drei Jahren Freiheitsstrafe, davon ein Jahr unbedingt nach dem §3h des österreichischen
Verbotsgesetzes verurteilt. Nach diesem §3h können unbescholtene Staatsbürger unter einer Strafandro-
hung von bis zu 10 Jahren (unter bestimmten Voraussetzungen sogar bis zu 20 – in Worten: zwanzig! –
Jahren) Freiheitsstrafe verurteilt werden.

Schlimmstes Verbrechen: Meinungsdelikte abgelehnt, es ist ja alles “notorisch und offenkundig”


Hatte Fröhlich Sprengstoffanschläge auf das Wiener und es besteht ein “Beweisthemenverbot” vom Ober-
Parlament geplant? Die Ermordung der gesamten Bun- sten Gerichtshof (gesetzwidrig! Da gibt es ja noch den §
desregierung? Die Entführung des Präsidentenpaares? 3 der Strafprozeßordnung, wonach das Gericht die zur
Sonst irgend einen politisch motivierten Massenmord Belastung und die zur Verteidigung des Beschuldigten
vorbereitet? War er Gefolgsmann Osama bin Ladens, dienenden Umstände mit der gleichen Sorgfalt zu be-
der Terroristen für den Kampf im Irak schulte? rücksichtigen hat, ja sogar verpflichtet ist, den Beschul-
Nein! Er hatte bloß Briefe an diverse (neudeutsch) digten, auch wo es nicht ausdrücklich vorgeschrieben
“Opinion-Leader” versandt, in denen er bezweifelt hat- ist, über seine Rechte zu belehren!)
te, daß gewisse Details der überlieferten “Zeitgeschich- Die offensichtlich fehlbelehrten oder eingeschüch-
te” wirklich “notorisch und offenkundig” waren und terten Geschworenen waren offenbar nicht in der Lage,
dies auch auf Grund seiner Sachkunde – er ist Verfah- den bei Anwendung des gesunden Menschenverstandes
renstechniker von Beruf – fachlich einwandfrei begrün- einzig möglichen “Wahrspruch” zu fällen: FREI-
det. SPRUCH!
Er legt u.a. dar, daß aus Krematoriumsschornsteinen Ist ja ganz logisch und ohne weiteres einleuchtend:
keine Flammen schlagen, daß Zyklon B höchst unge- Wenn das Gericht infolge eines angeblichen (gesetzli-
eignet für industrielle Massentötungen ist, daß Diesel- chen, in Wahrheit aus Feigheit kreierten!) “Beweisthe-
auspuffgase eher ein Mittel zur Beatmung als zur ra- menverbotes” die Aufnahme der entlastenden Beweise
schen Tötung sind, daß bei den Zahlen etwas grob nicht versagt (entgegen dem §3 der StPO), dann können die
stimmen konnte, kurz, er versuchte, das “herrschende Geschworenen verständlicherweise nicht das, was für
Geschichtsbild” auf friedliche Weise zu revidieren um den Angeklagten vorgebracht wird, mit der gebühren-
zur Wahrheit vorzustoßen, die jeder Interessierte nach den Aufmerksamkeit prüfen und auch nicht das erwä-
technischer Erläuterung und Anwendung des gesunden gen, was zum Vorteil des Angeklagten gereichen kann.
Menschenverstandes auch rasch begreifen konnte. Sie haben aber mangels Kenntnis der angebotenen
Aber das war “sozialethisch verwirrend” und “volks- Entlastungsbeweise keine Basis für einen Schuldspruch
pädagogisch unerwünscht”. Daher schlug das “Imperi- und müssen daher den Angeklagten freisprechen. So
um” brutal zu. einfach wäre das in einem demokratischen Rechtsstaat
Zwar leisten die Geschworenen einen Eid, (§ 305 mit reifen und nicht eingeschüchterten oder uninfor-
Strafprozeßordnung) wonach sie “die Beweise, die ge- mierten Staatsbürgern als Geschworene. So aber spra-
gen und FÜR den Angeklagten vorgebracht werden, mit chen sie einen offenkundig Unschuldigen mit 8:0
der gewissenhaftesten Aufmerksamkeit prüfen, nichts schuldig, und dies in 18 Punkten nach einer erschrek-
unerwogen lassen, was zum VORTEIL oder zum Nach- kend kurzen Beratung von weniger als zwei Stunden
teil des Angeklagten gereichen kann […]”, aber die (d.h. Beratung von etwa 5-6 Minuten z.B. zur Frage, ob
österreichische Straf(polit)justiz stiftete sie an, meinei- Dieselauspuffgase rasch auf die überlieferte Weise töten
dig zu werden. können!)
Sämtliche Beweisanträge des Verteidigers wurden

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 457


Kim Rasmussen, Wo die Freiheit fast grenzenlos ist, S. 458-462

Wo die Freiheit fast grenzenlos ist


Eine Woche Leserbriefe aus einer ganz normalen dänischen Zeitung
Von Kim Rasmussen

In Dänemark gehen die Uhren etwas anders als in Deutschland. Der Meinungsfreiheit wird traditionell
ein höherer Stellenwert gegeben als in der BRD, wo die hehre Demokratie jedes Opfer und jede Ein-
schränkung rechtfertigt. Zwar findet sich auch in Dänemark kein Massenmedium, das politisch unkorrek-
ten Ansichten zu Masseneinwanderung, Minderheiten (den “neuen Dänen”) und religiöser Intoleranz
breiten Raum widmen würde, aber immerhin sehen sich die großen Tageszeitungen genötigt, der Stimme
des Volkes mit den Leserbriefspalten ein Ventil für den Unmut gegenüber den Herrschenden zu geben.
Als Beispiel seien hier einige Leserbriefe aus der dänischen Tageszeitung Jydske Vestkysten wiedergege-
ben. Bei deren Lektüre kann der deutsche Leser nur neidisch auf seine nördlichen Nachbarn werden.

Verärgerung über die Juden Das alte Testament ist von Juden für Juden ge-
Unter dieser Überschrift berichtet Valborg Sörensen schrieben. In den Büchern Moses wird Mal für Mal
in einem Leserbrief an Jydske Vestkysten am 9.7.01 verdeutlicht, daß Gott nur einzig und allein der Gott
über eine Reise von Bischof N.H. Arendt im Februar der Juden ist. Alle Übungen zielen darauf ab, mit
2001 nach Israel. Nachdem er das israelische Vorgehen Gesetz und Ordnung den Zusammenhalt und das
gegenüber christlichen Palästinensern erlebt hatte, Wachstum der jüdischen Stämme zu fördern. Wäh-
schlußfolgerte er, man dürfe nicht zu unmäßiger Gewalt rend der Wanderung der Juden in das verheißene
schweigen, indem man akzeptiert, daß die einstmals Land hatten sie den Segen des Herrn, die Völker zu
Unterdrückten sich jetzt selbst zu Unterdrückern ma- vernichten, die ihnen im Weg standen. Z.B. 4. Moses
chen. 31-7: ‘Sie zogen aus in den Kampf gegen die Midja-
“Aus dem Beschluß der Vereinten Nationen, dem niten, wie der Herr Moses befohlen hatte, und töte-
jüdischen Volk eine Freistatt und eine Heimat zu ge- ten alle Männer.’ Daher ist es reiner Unsinn, wenn
ben, wurde eine der größten internationalen Tragö- Kai Høst die 10 Gebote als Argument gegen eine ak-
dien unserer Zeit: daß dieses Land in diesen Mona- tive Sterbehilfe anführt.”
ten zum Gefängnis für ein anderes Volk wurde. […]
Ganz friedlich sind die Juden nicht zu diesem Am 13.7.01 schreibt Stig Boye Petersen unter ande-
Land gekommen, das räumt Rabbi Shlomo Aviner rem:
ein, das Oberhaupt einer der einflußreichsten Tal-
mud-Schulen in der Siedlungsbewegung, als er in “STOPPT ISRAEL
einem Artikel in der Siedler-Zeitschrift ‘Artzi’ (Nr. 2 Stoppt Israel, bevor es einen neuen Weltkrieg an-
1982) sagt: fängt. Sharon, Peres – und jetzt der neue Botschafter
‘Aus der Perspektive einer allgemein-menschli- in Dänemark – haben eine dunkle Vergangenheit.
chen Moral war es auch falsch von uns, das Land Die Palästinenser genauso. Aber Israel macht weiter
von den Kanaanitern zu nehmen. Es gibt nur einen mit Folterungen, Erschießungen von Zivilisten und
Haken bei dieser Sichtweise. Es ist nämlich Gott, der der Polizei, die eigentlich die Hizbolla und andere
uns auferlegt hat, das Volk des Landes Israel zu im Zaum halten sollte, dem Niederbrennen von Häu-
werden.’“ sern, Polizeistationen und Flüchtlingslagern. Neue
Siedlungen schießen wie Pilze aus dem Boden, und
Am 12.7.01 schreibt Bent Olsen: es ist nicht verwunderlich, daß palästinensische Ter-
roristen – oder mit anderen Worten: Freiheitskämp-
“EINFÄLTIGE BIBEL-AUSLEGUNG fer – diese in ihrer Verzweiflung angreifen.
Kai Høst legt den Text der Bibel wie ein einfälti- Die USA verhalten sich passiv, gelähmt von einer
ger Engel aus. ‘Du darfst nicht töten’, steht im 2. pro-israelischen Mehrheit im Kongreß, aber doch in
Buch Moses, und weiter, auf der nächsten Seite, daß Kriegsbereitschaft versetzt, weil die arabischen
ein Jude nur bestraft wird, wenn er seinen Knecht Länder gegebenenfalls die Palästinenser unterstüt-
mit einem Stock auf der Stelle totschlägt, aber nicht, zen werden. Rußland und Indien warten nur darauf,
wenn dieser erst am nächsten Tag aufgrund der und China ist bereit, Provinzen zurückzuerobern.
Mißhandlung stirbt. Es geht ja um das eigene Geld Um des Friedens Willen: Da Israel offenbar der
des Juden, wie dort geschrieben steht. Vernunft kein Gehör schenken will, sollten in den

458 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Kim Rasmussen, Wo die Freiheit fast grenzenlos ist, S. 458-462

Krisengebieten trotz israelischer Proteste UN, EU giment von Nyrup [N. Rasmussen, damaliger Mini-
und NATO stationiert werden – bevor die Welt in die sterpräsident, A.d.Ü.] wobei De Radikale den Takt-
Luft gesprengt wird.” stock schwangen, ist die Lage in dem Grad eskaliert,
daß ich als Anhänger von Ehrlichkeit in Bezug auf
Zum Thema israelische Folter schreibt Carl Erik Tatsachen nicht die Angaben glauben kann, die man
Rasmussen: uns vorhält.
Auf die Ausländerbehörde und die Dänische
“POLITISCHER WENDEHALS Flüchtlingshilfe kann man keinen Pfifferling geben.
Mit seinen Äußerungen über die mögliche An- Alle Zahlen von dieser Seite müssen mit dem aller-
wendung von ‘hartem physischen Druck’ – was wir größten Vorbehalt genommen werden. Ich habe ge-
anderen als Folter bezeichnen – als letzten Ausweg sehen, daß Beträge in der Größenordnung von 16-
gegenüber gefangengenommenen Extremisten in 17 Milliarden Kronen jährlich für Flüchtlinge und
dem äußerst unglückseligen kriegsartigen Streit im Einwanderer verwendet werden, und gegenüber ei-
Nahen Osten bekräftigt Arne Melchior noch einmal ner Zahl von 80 -100 Milliarden Kronen kann man
seine souveräne Stellung als Wendehals Nr. 1 des schwer Stellung nehmen. Der wirkliche Betrag liegt
Folketings [dänisches Parlament, Anm. d. Überset- ohne Zweifel nahe bei der letztgenannten Zahl.
zers]. Durch die Einführung des unglückseligen Schen-
Man muß sich wundern, daß die wenigen CD- gen-Abkommen ist es heute ganz unmöglich, auch
Wähler nicht schon längst diese selbstbeweihräu- nur einen ungefähren Überblick über die tatsächli-
chernde und selbstzentrierte Person durchschaut che Anzahl der Fremden zu bekommen.
haben, und für die vielen Gegner, die Melchior hat, Bei jedem Fall, wo man in diesen Tagen über
kann es nur eine vielsprechende Hoffnung sein, daß grobe Kriminalität hört, sind Osteuropäer verwik-
seine Tage auf Christiansborg [dem Gebäude des kelt, Menschen, die illegal ins Land gekommen sind
Parlaments und der Regierung] gezählt sind. und jetzt die allergrößten Probleme für die Polizei
Melchior selbst kann offenbar nicht einsehen, schaffen. Zugleich hören und lesen wir von einer
daß er sich im Alter von 76 Jahren längst aus der ständig wachsenden Anzahl sogenannter Flüchtlin-
Politik hätte zurückziehen sollen – wer redet übri- ge, die frisch und fröhlich in den Ländern Ferien
gens in diesem Zusammenhang von einem Bonzen? machen (bezahlt vom dänischen Staat), aus denen
Jetzt müssen die Wähler die Entscheidung treffen, sie angeblich vor ein paar Jahren geflohen sind.
wenn Melchior selbst dazu nicht in der Lage ist. Mein Gott – wie lassen wir uns doch an der Nase
Es ist natürlich, daß Melchior als Jude mit der herumführen!”
unglückseligen und offenbar unlösbaren kriegsarti-
gen Lage im Nahen Osten schlecht zurechtkommt, zu Am gleichen Tag schrieb die Folgetingskandidatin
der ich hier nicht Stellung nehmen will. Jytte Lauridsen (Dansk Folkeparti) “unter anderem”
Was ich Melchior ankreide, ist seine höchst son- (also gekürzt):
derbare Haltung zur Anwendung der Folter gegen
Israels Feinde, auch wenn diese bestimmt nicht in “DÄNEMARK WIRD UMGEWANDELT
Schutz genommen werden sollen wegen ihrer grau- Jydske Vestkysten schreibt am 28. Juni, daß
sigen Terrorakte gegen Melchiors Landsleute.” Einwanderer in großer Zahl das Wahlrecht bekom-
men, und daß in nur 20 Jahren die Flüchtlin-
Überfremdung ge/Einwanderer als Wählergruppe markant ange-
Zum Thema Fremde schreibt Carl Erik Rasmussen wachsen sind, was also bedeutet, daß die Gruppe
am 12.7.01 “unter anderem” (dieser Leserbrief wurde bereits so groß ist, daß sie über die Vergabe von 4
also von der Redaktion von Jydske Vestkysten “ge- Sitzen im Folketing entscheidet.
kürzt”): Die Einwanderer-Organisation Indsam in Däne-
“Wir lassen uns an der Nase herumführen mark will aus dem gleichen Grund eine Kampagne
Wir sind immer noch recht viele Dänen, die ihr in Gang setzen, um möglichst viele Flüchtlin-
leider so verrufenes Vaterland lieben, ein Land, das ge/Einwanderer zu mobilisieren, damit sie am Wahl-
leider Tag für Tag mehr ethnisch [‘durchrasst’] wird, tag wählen gehen – natürlich nicht einen dänischen
während wir machtlos zusehen müssen. Kandidaten, sondern einen der 13 Kandidaten aus
Es gehört zur täglichen Kost, über den ständig der Einwanderergruppe.
zunehmenden Strom Fremder hören und lesen zu Die derzeitige Einwanderung ist dabei, Däne-
müssen, die Dänemark aufsuchen, um dort ein bes- mark für immer umzuwandeln, was sehr besorgnis-
seres Leben zu führen, was man zwar gut verstehen, erregend ist, da die Bevölkerungszusammensetzung
aber absolut nicht akzeptieren kann. in Dänemark dabei ist, einen historischen und
Während der vergangenen 8 Jahre und dem Re- grundlegenden Wandel durchzumachen, und zwar

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 459


Kim Rasmussen, Wo die Freiheit fast grenzenlos ist, S. 458-462

ohne daß die Politiker in Christiansborg tatsächlich anderem” am 13.7.01:


die Bevölkerung über diese Entwicklung informiert “In Artikel 29 der Welterklärung über die Men-
haben.” schenrechte steht, daß alle gegenüber der Gemein-
schaft Pflichten haben und die Gesetze einhalten
Am 1.7.01 schreibt Mads Schmidt Eriksen zum müssen, die es in einer demokratischen Gesellschaft
Thema Einwanderer: gibt. Das gilt also auch für die Fremden, die nach
Dänemark kommen.
“SCHRAUBE OHNE ENDE Dänische Asyl-Zentren sind überfüllt, vor allem
Es ist an der Zeit, den Preis zu diskutieren, was weil eine größere Zahl Asyl-Antragsteller, die abge-
es Dänemark kostet, so viele Fremde zu empfangen. wiesen wurden, sich weigert, das Land zu verlassen.
Haben wir genug Geld für unsere Krankenhäuser, Die Zahlen der Reichspolizei zeigen, daß die Anzahl
das Schulwesen und die alten Menschen? abgewiesener Ausländer, die auf Abschiebung war-
Wie naiv muß man wohl sein, wenn man glaubt, ten, von Februar bis Mai dieses Jahres von 1109 auf
daß wir gleichzeitig blasen und Mehl im Mund ha- 1378 Personen stieg.
ben können? Gerade jetzt will der Innenminister Die fehlende Initiative der Regierung, abgewie-
weitere 260 Millionen Kronen extra bewilligt haben, sene Asyl-Antragsteller aus dem Land zu schaffen,
weil mehr kommen, als man gerechnet hatte, und untergräbt den Bedarf des Innenministeriums, die
darüber hinaus sollen 39 neue Sachbearbeiter ange- Lokalplanungen der Gemeinden aufzuheben. Wenn
stellt werden. Eine Schraube ohne Ende. das Innenministerium selbst seine Verpflichtungen
So kann es bis ins Unendliche weitergehen – da einhalten könnte, nämlich die unerwünschten Perso-
kann ich gut verstehen, daß für uns Dänen kein Geld nen außer Landes zu schaffen, wäre es ganz einfach
übrig ist. nicht notwendig, der Bevölkerung der einzelnen Orte
Man hört oft in Bezug auf die Wirtschaft von der mehr Asyl-Zentren aufzuzwingen.”
“Last der Älteren” reden – die so reden, sollten sich
schämen. Versucht doch nur einmal, Euch mit der Lars Rydhard, Folketingskandidat der Dänischen
Flüchtlings-Last zu beschäftigen, – aber bekommt ja Volkspartei, schreibt am 13.7.01:
keinen Schock!”
“FLÜCHTLINGSFERIEN
Am 13.7.01 erwidert Bent Gabbanelli Knudsen auf Die Untersuchung des Rockwool-Fonds, die ge-
einen Leserbrief: zeigt hat, daß 41% der Flüchtlinge, die Asyl bekom-
“Ein Jammer – E.L. hatte am 30.6. wieder einen men haben, innerhalb der letzten 5 Jahre in dem
ihrer einseitigen Beiträge bezüglich Dansk Folke- Land, aus dem sie geflüchtet sind, ihre Ferien ver-
parti und deren Vorsitzende Pia Kjærsgaard [die bringen, hat bei vielen die Verärgerung richtig her-
von den Etablierten als rechtsextrem verschrieen auskommen lassen. Jyllands-Posten und Jydske
werden, Anm. d. Ü.]. Entweder bist Du blind oder Vestkysten versuchen, sich gegenseitig an verärger-
Du hast Scheuklappen. Pia wurde wie alle anderen ten Formulierungen zu übertreffen. So schreibt z.B.
Politiker gewählt, und das nennst Du besorgniserre- Jyllands-Posten: “Daß so ein Verkehr überhaupt
gend. stattfinden kann, ohne daß dies zu sofortiger und
Wie steht es denn mit Deinen Favoriten im hohen bedingungsloser Widerrufung der Aufenthaltsge-
Thing? Ist es nicht ein Jammer, daß es dort so viel nehmigung des Betreffenden geführt hat, ist Aus-
Unglaubwürdigkeit gibt, ist es nicht ein Jammer, druck für eine unerträgliche politische Laschheit.”
daß diese Regierung nach und nach das Ganze für Die Dänische Volkspartei hat unzählige Male
unsere eigenen Leute zugrunde richtet, weil man 40 darauf aufmerksam gemacht, wie unbillig es ist, daß
bis 50 Milliarden Kronen für Leute verbraucht, die Flüchtlinge in großem Umfang auf Urlaub in das
überhaupt keine Flüchtlinge sind. Ist es nicht ein Land reisen konnten, aus dem sie geflüchtet sind.
Jammer, daß man sich als Flüchtling bezeichnen Daß sie sich nicht mehr verfolgt fühlten, als daß sie
kann, und dann eine Ferienreise in das Land ma- zurückreisen und dort Ferien machen konnten, müß-
chen kann, von dem man geflüchtet ist? Es gibt also te doch der beste Beweis dafür sein, daß es um
viel Erbärmliches, E.L! Schwindel-Flüchtlinge geht, und dann soll ihnen na-
Dir geht es offenbar am besten, wenn Du die Dä- türlich keine Aufenthaltsgenehmigung in Dänemark
nische Volkspartei und Pia Kjærsgaard besudelst, mehr gewährt werden.
aber ich kann Dich trösten, wir sind weiterhin ein Die Dänische Volkspartei konnte nicht dokumen-
paar Leute, die das, was dänisch ist, beschützen.” tieren, wie viele in dem Land, aus dem sie geflüchtet
sind, Ferien gemacht haben, aber jetzt informiert al-
Zum Thema Asyl-Zentren schreibt Jytte Lauridsen, so der Rockwool-Fonds, daß es 41% sind. Das gibt
Folketings-Kandidat der Dänischen Volkspartei, “unter große Überschriften in den Zeitungen. Das finde ich

460 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Kim Rasmussen, Wo die Freiheit fast grenzenlos ist, S. 458-462

prima, und dann konnte es sich die Presse ja sparen, heutigen Dänemark. Natürlich sollen wir Menschen
etwas Positives über die Dänische Volkspartei und in Not helfen, aber wir brauchen uns ganz gewiß
unsere Politik zu schreiben. Das wollen die ja nicht nicht ausnutzen zu lassen.”
gern riskieren. Die bürgerlichen Parteien, mit der
an der Front kämpfenden Birthe Rønn Hornbeck an Zum Thema Flüchtlinge schreibt Thorsten Westphal
der Spitze, war auch in erbosten Wendungen über am 15.7.01:
die Ferienreisen der Flüchtlinge schockiert. Darf ich
gleich daran erinnern, daß es 1990 der damalige Ju- “EIN GROSSES LAGER
stizminister Hans Engell in einer Regierung von Staat, Kreis, Gemeinde = Inkompetenz
Venstre und Konservative war, der den Flüchtlingen Es ist zum Lachen und zum Heulen. Das Einwan-
erlaubte, Ferien in ihrem Heimatland zu verbringen derer-Problem ist größer geworden.
– mit bezahlten Fahrkarten, damit sie, wie es hieß, Bis August ist es so weit. Die ersten Fremden
“untersuchen könnten, ob sich die Verhältnisse ge- werden bei Dänen einquartiert, die freiwillig als er-
ändert hätten.” ste die Inkompetenz der Regierung bezeugen. Es ist
Aber wenn es bei der nächsten Folketings-Wahl ein schlimmes Vorzeichen für die Zukunft. Ein
eine Mehrheit mit Venstre und den Konservativen Flüchtling kommt selten allein.
gibt, dann bekommen Venstre und die konservative Da wir aber nun mal trotz allem über die Steuer
Folkeparti die Chance zu zeigen, ob hinter ihrer für die Flüchtlinge bezahlen, will ich auch gerne
Flüchtlingspolitik auch ein Wille und Realität steht. darüber mitbestimmen, wofür das Geld verwendet
Dann gibt es eine Möglichkeit, die Ferienreisen der wird. Es sollte ein Mega-Flüchtlingslager an einem
Flüchtlinge in das Land, in dem sie verfolgt wurden geeigneten Ort in Dänemark errichtet werden, wo
und aus dem sie flüchteten, zu stoppen. An Unter- für bis zu 100.000 auf der Flucht befindliche Men-
stützung durch die Dänische Volkspartei dafür wird schen Platz ist. Dort sollen Moscheen, Basare und
es nicht mangeln.” anderes Gutes der fremden Kulturen sein (sie sollen
sich zu Hause fühlen). Wenn das Lager voll ist, dann
Am 13.7.01 schreibt Jørn Larsen, Folketingskandi- können wir ganz einfach nicht mehr aufnehmen, und
dat der Dänischen Volkspartei, als Antwort auf einen sind gezwungen, die Flüchtlinge, die danach kom-
Leserbrief vom 5.7. über das Endziel der Muslime: men, zurückzusenden.”

“AUSNUTZEN Zum Thema Kriegsverbrecher schreibt Leif Hartman


[…] Wenn Du aus der Bibel zitierst “Wenn ein am 15.7.01:
Fremder als Gast in eurem Land wohnt, dürft ihr ihn
nicht ausnützen”, dann hast Du offenbar nicht be- “JYDSKE VESTKYSTEN REDET MIT GESPALTENER
griffen, daß es die Dänen sind, und nicht die Frem- ZUNGE
den, die ausgenutzt werden. Mein Leserbrief ist von In einem Leitartikel schreibt Jydske Vestkysten,
Jydske Vestkysten gekürzt worden, aber in meinem daß es gut sei, daß Milosevic jetzt wegen seiner Un-
Manuskript schrieb ich u.a., daß viele Muslime vor- taten vor Gericht steht. In einem anderen Leitartikel
aussagen, daß ihr Endziel, ein islamisches Däne- schreibt Jydske Vestkysten, daß es gar nicht so gut
mark, in Erfüllung gehen wird – allein aufgrund ih- sei, daß der künftige israelische Botschafter in Dä-
res Geburtenüberschusses und der ungebremsten nemark wegen seiner Untaten vor Gericht gestellt
Einwanderung. werden soll.
Jedes Jahr kommen Zehntausende Angehörige Der Leitartikelschreiber von Jydske Vestkysten
der am stärksten expandierenden Religion der Welt hat offenbar mindestens zwei Maßstäbe dafür, was
nach Dänemark – als Flüchtlinge, die sich auf Asyl Untaten sind. Das gehört sich nicht für eine Chefre-
berufen, über Familienzusammenführungen, oder sie daktion. Es ist richtig, daß Milosevitc wegen der von
werden hier von Eltern geboren, die beide Muslime ihm zu verantwortenden Verletzungen der Men-
sind. Sie nehmen das Land ein, als ob es ihr eigenes schenrechte in den verschiedenen Kriegen während
wäre, und beanspruchen Sonderregelungen. Nein, dieser 10 Jahre zur Verantwortung gezogen wird.
wir nutzen die Fremden bestimmt nicht aus, sondern Ich pflichte bei, daß er diese Kriege nicht allein ge-
im Gegenteil, wir erfüllen aufgrund der törichten führt hat, und daß noch einige andere Verbrecher –
Flüchtlingspolitik der Regierung alle Forderungen z.B. aus Kroatien und Bosnien – mit auf der Ankla-
der Muslime. gebank sitzen sollten.
Wenn Du bei Deiner politischen Betätigung Bi- Ich persönlich hätte es auch gerne gesehen, wenn
belzitate verwenden willst, mußt Du also noch ein- die verborgenen angreifenden Parteien in und um
mal in der Bibel blättern, denn das Zitat, das Du ge- die EU und NATO (vor allem Deutschland und die
funden hast, paßt überhaupt nicht auf die Lage im USA) angeklagt worden wären. Es ist richtig, daß

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 461


Kim Rasmussen, Wo die Freiheit fast grenzenlos ist, S. 458-462

Gillon zur Verantwortung gezogen wird wegen sei- einen Wahlkampf geprägt war, sondern den alltäglichen
ner Verantwortung für die Verletzung von Men- Meinungsaustausch in der dänischen Öffentlichkeit
schenrechten im Nahen Osten. wiedergibt.
Und es gibt mehrere, die mit dabei sein sollten – Auch ist die Zeitung, die diese Leserbriefe veröffent-
z.B. Israels Führer Sharon. Man könnte auch Arafat lichte, in keiner Weise verdächtig, Sympathien für die
anklagen – als diejenige Partei, die unfeine Metho- Dänische Volkspartei zu haben – gleichartige Leserbrie-
den bei ihrer Verteidigung anwendet. fe sind in den meisten anderen dänischen Zeitungen zu
Jydske Vestkysten verurteilt Milosevic, hält aber finden. Es ist eben eine dänische Tradition, daß man
die Hand über Gillon. Ist das die Außenpolitik von trotz aller “politischen Korrektheit” auch Andersden-
Venstre, der Konservativen und der Dänischen kende und “Abweichler” zu Wort kommen läßt, jeden-
Volkspartei? Gibt es ein Recht für die Freunde, – falls in einem gewissen Rahmen, der bestimmt wesent-
und ein anderes Recht für die Feinde?” lich weiter ist als im “freiheitlichsten Staat der deut-
schen Geschichte”.
Anmerkung Aber selbst hier gibt es selbstverständlich Kürzun-
Obwohl hier eine Reihe Leserbriefe von Kandidaten gen, und es gibt auch in Dänemark Personen, die so
der Dänischen Volkspartei veröffentlicht sind, muß sehr persona non grata sind, daß ihre Leserbriefe wie
hierzu bemerkt werden, daß diese Debatte nicht durch auf Absprache nirgends und nie veröffentlicht werden.

462 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Robert Faurisson, Dank an die Verfasser, S. 463-467

Dank an die Verfasser


der Broschüre Exactitude. Festschrift for Robert Faurisson
Von Robert Faurisson

Anläßlich meines 75. Geburtstags hat jeder von Euch einen Beitrag zu diesem Werk geleistet, für das
ich Euch gar nicht genug danken kann. Meine Dankbarkeit gilt zunächst den beiden skandinavischen Au-
toren, von denen, wie man mir mitgeteilt hat, der Anstoß zu dieser Festschrift ausgegangen ist. Ferner gilt
sie Germar Rudolf und Robert H. Countess, welche es auf sich genommen haben, diese Texte zu sam-
meln und zu publizieren, wobei sie auch Fotos veröffentlichten, von denen mir manche unbekannt waren.
Ich hoffe, die anderen Verfasser werden es mir nicht übelnehmen, wenn ich darauf hinweise, daß der
Artikel von Arthur Robert Butz meine ganz besondere Aufmerksamkeit erweckt hat. Ich schätze seinen
Durchblick, die Richtigkeit seiner Auffassungen sowie sein ausgewogenes Urteil. Mag meinen Bemü-
hungen nun Erfolg beschieden gewesen sein oder nicht – mir scheint, diese Studie erleichtert dem Leser
das Verständnis für das intellektuelle Abenteuer, auf das ich mich seit den sechziger Jahren, insbesondere
jedoch ab 1974 eingelassen habe.

Düstere Bilanz für den historischen Revisionismus Mann, von Beruf Richter, wollte in dieser Frage nie-
In diesem späten Lebensabschnitt scheint mir der manden irreführen, am allerwenigsten seine engsten
Augenblick gekommen, eine ungeschönte Bilanz des Freunde. Es gilt zu bemerken, daß er als Deutscher dazu
Revisionismus zu ziehen. Ich werde hier also meine berufen war, das ganze Ausmaß der Niederlage seines
Auffassungen zu dem darlegen, was ich noch vor nicht Landes sowie den Würgegriff, in dem der Sieger dieses
allzu langer Zeit als “das große intellektuelle Abenteuer hielt, realistisch einzuschätzen. Er meinte, der gnaden-
am Ende des 20. Jahrhunderts und am Anfang des 21. lose Sieger habe nicht nur ein – wie alle Regime ver-
Jahrhunderts” bezeichnet habe – ein Abenteuer, das mir gängliches – politisches Regime vernichtet, sondern die
heute so vorkommt, als ob es zumindest vorläufig ge- Seele und das Wesen des großen deutschen Volkes
scheitert sei. selbst. Heute macht es ganz den Anschein, als finde das
Schon in der Vergangenheit habe ich nie Illusionen gedemütigte und verunglimpfte Deutschland, mit dem
über die Chancen des Revisionismus gehegt. Keinen immer noch kein Friedensvertrag unterzeichnet worden
Moment lang habe ich an seinen unmittelbar bevorste- ist, immer stärkere Wollust daran, seiner angeblichen
henden Sieg geglaubt, erst recht nicht im Jahre 1996, Verbrechen zu gedenken. Gewiss, das Volk mag dar-
als auf dem Höhepunkt der Posse um Abbé Pierre und über nicht erbaut sein, doch es wird von niemandem
Roger Garaudy eine – uns Revisionisten gegenüber üb- nach seiner Meinung gefragt. In Deutschland und Öster-
rigens sehr feindselig eingestellte – Zeitschrift auf ih- reich ist die von den Juden verlangte Repression so hart
rem Titelblatt vom “Sieg der Revisionisten” sprach. Be- und so gründlich, daß ich mir nicht vorstellen kann, wie
reits 1993 hatte Serge Thion ein Buch mit dem unmiß- der Revisionismus im engeren Sinn in jenen unglückli-
verständlichen Titel Une Allumette sur la banquise (Ein chen Ländern, die der jüdischen Gedankenpolizei noch
Streichholz auf dem Packeis) veröffentlicht. Das Pack- stärker unterworfen sind als der Staat Israel selbst,
eis war hier der finstere, riesige und kalte Block der Chancen auf einen Durchbruch haben könnte. Von die-
überkommenen Ideen; das Streichholz war sein eigenes sem Standpunkt aus ist ein Intellektueller oder Histori-
revisionistisches Werk. S. Thion war damals der Mei- ker in Tel-Aviv oder Jerusalem bedeutend freier als ei-
nung, weder das Licht noch die Wärme seines Streich- ner in Berlin, München oder Wien.
holzes wären dazu in der Lage, dieses Packeis zu erhel- Ich begnüge mich damit, die Lage des Revisionis-
len oder zum Schmelzen zu bringen. Für mich galt die mus in der restlichen Welt in großen Zügen darzustel-
Einschätzung S. Thions auch für alle anderen revisioni- len. In keinem einzigen der vom kommunistischen Joch
stischen Schriften. Doch trotz all meiner Skepsis konnte befreiten Länder gibt es einen aktiven revisionistischen
ich mir den erbarmenswürdigen Zustand nicht ausma- Autor. In Rußland ist man oft antijüdisch eingestellt,
len, in den der “Holocaust”-Revisionismus in den letz- doch der Revisionismus löst bei niemandem das Bestre-
ten Jahren vor allem in Europa abgesunken ist. Schon ben aus, den größten Mythos unserer Zeit, den vom an-
Anfang der achtziger Jahre hatte mir Wilhelm Stäglich geblichen “Holocaust” an den europäischen Juden, in
anvertraut, daß er die Zukunft unseres gemeinsamen Frage zu stellen; J. Graf, der in Moskau lebt, kann das
Unterfangens pessimistisch einschätzte. Dieser ehrliche gut beurteilen. Spanien besitzt keine Revisionisten

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 463


Robert Faurisson, Dank an die Verfasser, S. 463-467

mehr, seitdem der brillanteste davon, Enrique Aynat, sche Persönlichkeit mehr, die das schändliche antirevi-
seine Aktivitäten eingestellt hat. In Griechenland gibt es sionistische Gesetz anprangert, das als “Fabius-
ebenfalls keine mehr. Italien hat nur einen einzigen re- Gayssot-Gesetz” bekannt ist: Bruno Mégret hat zu er-
visionistischen Forscher, der diesen Namen verdient: kennen gegeben, daß er an die “Gaskammern” glaubt,
Carlo Mattogno. In Belgien gibt es kaum mehr welche, und Jean-Marie Le Pen fordert nicht länger die Ab-
seitdem Siegfried Verbeke den Kampf aufgegeben hat schaffung eines Gesetzes, das er einst als “freiheits-
und andere Revisionisten aus Altersgründen oder wegen feindlich” einstufte. Neusten Meldungen zufolge soll
Krankheit ausgeschieden sind. Die Schweiz, wo der dieses Gesetz verschärft werden, und J.-M. Le Pen wagt
Revisionismus in den neunziger Jahren nach dem Rück- es nicht, diesen unverschämten Anschlag auf die Mei-
zug Mariette Paschouds doch einen Aufschwung ge- nungs- und Forschungsfreiheit an den Pranger zu stel-
nommen hatte, hat mit den radikalsten Mitteln dagegen len.
durchgegriffen. In Holland hat es niemals wirkliche Re- In der arabisch-muselmanischen Welt findet der Re-
visionisten gegeben. In den skandinavischen Ländern visionismus ungeachtet dessen, was die Juden uns er-
findet man nur eine Handvoll, und in Schweden steht zählen, kein dauerhaftes Echo, und ich warte immer
der heroische Ahmed Rami den Kräften der Repression noch darauf, daß ein einziger palästinensischer Demon-
immer isolierter gegenüber; auf strant die Erlaubnis erhält, statt
Anzeige und Intervention der eines einfältigen Transparents
Juden hin werden seine Internet- mit der Losung “Sharon = Hit-
Seiten eine nach der anderen ge- ler” ein Spruchband zu entrollen,
schlossen. In Großbritannien ist auf dem es heißt : “Der ‘Holo-
kein Revisionist mehr aktiv, am caust’ an den Juden ist ein Be-
wenigsten David Irving, der sich trug!” oder “Gaskammern =
in letzter Zeit mehr oder weniger Schwindel!” In Australien ist der
der These Daniel Jonah Goldha- einzige wirkliche Revisionist
gens angeschlossen hat, wonach Fredrick Töben. Neuseeland ver-
die Deutschen einen natürlichen folgt hartnäckig einen halbjüdi-
Hang zum Bösen aufweisen, was schen Halbrevisionisten, der
ihre Verantwortung für die “Hit- schon längst seine Reue bekun-
lerverbrechen” erklären soll. Bei det hat, als sei er immer noch ak-
seinem Prozeß gegen Deborah tiv. Südamerika besitzt so gut
Lipstadt wollte er keine revisio- wie keinen aktiven Revisionisten
nistschen Forscher als Gutachter mehr. Zentralamerika hat nie
hinzuziehen, was ihn teuer zu welche besessen. Die USA blei-
stehen kam; da er mit dem The- ben das einzige Land, wo der
ma nur ungenügend vertraut ist, Revisionismus noch einige Er-
geriet er in die Defensive; er folge zu verzeichnen hat, doch
machte eine Konzession nach auch dort gibt es viele bittere
der anderen; um dem Gegner Rückschläge. In Kanada befindet
noch einen Trumpf mehr zu Der Inhalt dieser Festschrift wurde in den Vier- sich der führende Bannerträger
überlassen, beschwor er, wie er teljahresheften für freie Geschichtsforschung des Revisionismus, mein lieber
es oft zu tun pflegt, das “Bruns- 1/2004 abgedruckt. Freund Ernst Zündel, in einem
Dokument”1, dem jegliche Beweiskraft abgeht; trotz Hochsicherheitsgefängnis, wo er unter Bedingungen
seiner körperlichen Robustheit hat er den Eindruck ei- einsitzt, die denen in Guantanamo Bay nur wenig nach-
nes zerbrechlichen Menschen hinterlassen. stehen. In Japan haben scharfe jüdisch-amerikanische
Und in Frankreich? wird man da fragen. Die Ant- Reaktionen die ersten revisionistischen Ansätze im
wort lautet, daß wir im Land Paul Rassiniers nur noch Keim erstickt. Das kommunistische China kann den
drei oder vier aktive Revisionisten sind, die forschen Revisionismus nicht dulden: Es kultiviert den Opfermy-
oder bereits gewonnene Erkenntnisse verbreiten. Kehrte thos vom Chinesen, der eine Art “Jude Japans” gewe-
der Vater des französischen Revisionismus auf die Erde sen, d.h. von den damals mit Deutschland verbündeten
zurück, so wäre er bestürzt darüber, daß er zwar Be- Japanern so behandelt worden sein soll, wie die Deut-
wunderer hat, jedoch kaum noch eine Handvoll Jünger, schen angeblich die Juden behandelt haben. Es hofft,
die wie er dazu bereit sind, klar und ohne die geringste von Japan Entschädigungen zu erhalten, wie sie
Zweideutigkeit zu sagen, daß die NS-Gaskammern und Deutschland den Juden zahlt, also Tausende von Milli-
der Völkermord an den Juden einen und denselben hi- arden, und zwar bis zum Ende der Zeiten. Doch damit
storischen Betrug darstellen. Ferner gibt es in Frank- täuscht sich China gründlich, denn für die internationale
reich – von Bruno Gollnisch abgesehen – keine politi- Gemeinschaft haben nur die Juden wirklich gelitten und

464 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Robert Faurisson, Dank an die Verfasser, S. 463-467

besitzen darum das Recht, den Besiegten bis zur Er- len, der für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue
schöpfung bluten zu lassen. Oder wie sie es in Palästina nachwachsen. Wie es ihrer Gewohnheit entspricht, lü-
getan haben, das Eigentum und das Land anderer zu gen sie über die Zahl, die finanziellen Mittel und die
stehlen. Macht jener, die sie hassen und am liebsten tot oder
Man wird mir vielleicht Defätismus vorwerfen. Man hinter Gittern sähen. Für sie sind die Revisionisten “das
wird mich auf die Präsenz des Revisionismus im Inter- größte Lumpengesindel”2, und deshalb behaupten die
net hinweisen und das Argument ins Feld führen, unse- Juden mehr oder weniger guten Glaubens, hinter der ge-
re erbittertsten Gegner seien alarmiert über die Fort- ringsten unorthodoxen Formulierung, hinter dem ge-
schritte des Revisionismus, was mich doch mit Genug- ringsten Muckser, hinter dem geringsten Widerspruch
tuung erfüllen müsse. bei einer Debatte über den “Holocaust” verberge sich
Zum Thema Internet antworte ich, daß die Vorzüge das Gespenst des Revisionismus. Im Dezember 2003
dieses Kommunikationsmittels unbestreitbar sind, und haben die Juden Alex Grobman und Rafael Medoff das
daß die von überall vertriebenen Revisionisten in der Ergebnis ihrer Untersuchung zu dem veröffentlicht, was
Zukunft hier ihren letzten Zufluchtsort finden werden, sie “Holocaust-Leugnung in aller Welt” nennen;
obgleich auch dieser Freiraum unter dem Druck der jü- scheinbar haben sie eine reiche Ernte eingefahren, doch
dischen Zensur immer mehr schrumpfen könnte. Doch merkt ein aufmerksamer Leser, daß die beiden Verfas-
muß man auch zugeben, daß das Internet, genau wie die ser das leiseste Indiz, das kargste Quentchen Informati-
Konsumgesellschaft, viel mit einem Dummenfang ge- on zu diesem Thema gesammelt und diese spärliche
meinsam hat. Es erzeugt bei den Leitern der Websites Ausbeute dazu verwende haben, ein Bild von der welt-
ebenso wie bei deren Besuchern oft die Illusion der Ak- weiten Aktivität der Revisionisten zu zeichnen, dem
tivität. Es überflutet mit Informationen. Es wirkt ein- weitgehend Substanz und Realität abgehen (“Holocaust
schläfernd, erdrückend, lähmend. Oder es verleitet zur Denial : A Global Survey 2003”, www.Wymaninstitute.org).
Geschwätzigkeit. Man wiegt sich vor dem Aquarium Sehr aufschlußreich ist das Beispiel Lyon. Neben
der elektronischen Wellen nur zu leicht in Träumen. Paris ist Lyon die einzige Stadt in Frankreich, wo der
Man gibt sich der Illusion hin, viel für die gute Sache Revisionismus früher einige spektakuläre Erfolge erzielt
zu tun, doch genießt man vor allem die Wärme seines hat (Nantes hat nur im Zusammenhang mit der Affäre
gemütlichen Kämmerleins. Man flüchtet sich hinter sei- Roques im Jahre 1986 von sich reden gemacht). Wer
nen Bildschirm oder ertrinkt darin. Man geht das Risiko Anfang 2004 die Lyoner Presse las, konnte glauben, in
nicht mehr ein, ein Gefängnis oder einen Gerichtssaal der zweitgrößten Stadt Frankreichs erlebe der Revisio-
aufzusuchen, um einem bedrängten Revisionisten zur nismus gegenwärtig einen stürmischen Aufschwung.
Seite zu stehen. Man verteilt keine Flugblätter und klebt Die Lokalmedien werden nicht müde, die angebliche
keine Plakate mehr. Man geht nicht mehr zu jenen Ver- Nachsicht der Universitäten Lyon-II und vor allem
anstaltungen, wo man – zugegebenermaßen nicht ohne Lyon-III gegenüber ihren “negationistischen” Professo-
Risiken für seine körperliche Unversehrtheit – mehr ren zu attackieren. Sieht man freilich genauer hin, so
über den Gegner als Menschen von Fleisch und Blut er- entdeckt man, daß die Zahl dieser Professoren exakt bei
fahren könnte, d.h. zu Kongressen, Kolloquien, Kund- Null liegt. In Wirklichkeit verhält es sich so, daß die
gebungen, die er gegen den “Negationismus ” organi- Antinegationisten, die schon seit langem keine Treib-
siert. Man öffnet seine Geldbörse um so weniger für die jagden auf “Negationisten” mehr veranstalten können,
in materielle Not geratenen Revisionisten, je mehr man weil es letztere nicht mehr gibt, sich in ihrer Vernich-
im Internet andere dazu auffordert, den ihren zu öffnen. tungswut gegenseitig als “Negationisten” beschimpfen
Tausende von elektronischen Botschaften rufen zur Ge- und übereinander herfallen. Dieses Schauspiel ist im
neralmobilmachung vor einem Gefängnis auf, wo ein Grunde äußerst lehrreich: Es beweist, in welchem Aus-
Revisionist einsitzt, doch die Gesamtzahl der Demon- maß man mit Hilfe der Medien Monströsitäten frei er-
stranten einschließlich der Organisatoren beträgt dann, finden kann, die nicht einmal ansatzweise existieren.
wie im Falle E. Zündels in Toronto, in einem ersten Fall Man beobachte, wie man sich heute in Lyon revisio-
ein rundes Dutzend und in einem zweiten Fall vielleicht nistische Schreckgespenster aus den Fingern saugt, und
fünfzehn. man wird begreifen, wie man den Mythos von den ma-
Was die Hirngespinste unserer Gegner über die revi- gischen Nazigaskammern geschaffen hat, die in der
sionistische “Bestie” betrifft, die angeblich immer un- Vorstellung der Massen allgegenwärtig, in der Realität
verhüllter ihr Unwesen treibt und ihre Fangarme bis hin jedoch schlicht und einfach nicht existent sind.
in die Schulen und insbesondere unter der jungen Gene- In Lyon fürchten sich Professoren, Journalisten, Po-
ration moslemischer Herkunft ausbreitet, so lautet mei- litiker vor den regelmäßigen Zornesausbrüchen des un-
ne Antwort, daß man sich dadurch nicht täuschen lassen ermüdlichen Alain Jakubowicz, der als Fürsprecher sei-
darf. Die Juden haben es stets verstanden, “der Wolf ner ethnisch-religiösen Gemeinschaft waltet, und zittern
kommt, der Wolf kommt” zu schreien und selbst den allein schon bei der Vorstellung, bei gewissen – jüdi-
schwächsten Gegner als fürchterliche Hydra darzustel- schen und anderen – Vereinigungen in Verdacht zu ge-

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 465


Robert Faurisson, Dank an die Verfasser, S. 463-467

raten. Jakubowicz, der stets auf der Jagd nach Abweich- dest teilweise zu verblassen. Einige Monate darauf trat
lern ist und sich permanent im Trancezustand befindet, das IHR in die Endphase einer Krise ein, an der es, wie
jammert unablässig über den Skandal des “Negationis- man ehrlich einräumen muß, schon seit langem laboriert
mus” und schildert die Lage so, als sei Lyon, die ehe- hatte.
malige “Hauptstadt der Résistance” (was sie nie wirk-
lich war) nun plötzlich zur “Hauptstadt des Revisionis- Neue Perspektive.
mus” geworden (was sie wirklich nicht ist). Eine große Andere Revisionisten haben die fallengelassene
Schar von Gefolgsleuten reiht sich da in den Chor der Fackel aufgehoben. Ich wünsche ihnen allen ohne Un-
Hexenjäger ein. In diesem Chor stechen ein oder zwei terschied Erfolg. Sie können meiner Unterstützung si-
Professoren von der extremen Rechten hervor, die, als cher sein. Ob sie nun Germar Rudolf, Walter Mueller,
man sie einst als “Revisionisten” bezeichnete, heftig Horst Mahler oder Heinz Koppe heißen, sie werden
dagegen protestierten, Prozesse anstrengten und gewan- mich an ihrer Seite finden. Doch unter der Bedingung,
nen, sich im Glanz ihres Ruhms sonnten und heute am daß sie sich für einen Revisionismus à la Paul Rassinier
liebsten behaupten würden, sie seien alte Widerstands- einsetzen, d.h. für einen freimütigen und unverfälschten
kämpfer im Kampf gegen den Revisionismus. In der Revisionismus.
ganzen Gegend um Lyon findet man nur einen einzigen Die diversen Spielarten eines verwässerten oder
Revisionisten, Jean Plantin. Er unterrichtet keineswegs kompromißbereiten Revisionismus interessieren mich
an der Universität und lebt ausgesprochen zurückgezo- nicht. Ich bin mir bewußt, daß manche unter uns einen
gen. Sein Hauptverbrechen besteht darin, zu Beginn der Revisionismus praktizieren, der von Vorsicht, Taktik,
neunziger Jahre mit Arbeiten zu strittigen Themen aka- Strategie oder dem geprägt ist, was sie den Sinn für
demische Grade in Zeitgeschichte erworben zu haben3, Verantwortung nennen, doch für mich handelt es sich
die man ihm als Folge einer Pressekampagne zehn Jahre da um eine Art Salonrevisionismus oder Revisionismus-
später aberkannte, jedoch nach einer juristischen Surrogat, dessen Grundlage die Furcht ist. Gewisse an-
Schlacht, die er im Januar 2004 schließlich gewann, dere Revisionisten kümmern sich allzu sehr darum, was
wieder zuerkennen mußte. J. Plantin ist übrigens wegen die Juden von ihnen denken; wenn sie einmal auf einen
der Veröffentlichung revisionistischer Schriften (eines Juden stoßen, der erklärt, er stehe dem Revisionismus
Verstoßes gegen das Presserecht!) zu sechs Monaten nahe, und ihnen sogar seine Dienste anbietet, so erstar-
Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden, die er ren sie vor Bewunderung: “ Ei, was für ein wunderbarer
wird absitzen müssen, wenn das Appellationsgericht in Jude! Welch herrliche Intelligenz! Welch tollkühner
Paris seine letzte Berufung demnächst verwirft. Als er Mut! Hüten wir uns davor, dieses seltene Exemplar von
bei seinem letzten Prozeß vor Gericht erscheinen muß- einem Juden vor den Kopf zu stoßen, und widerspre-
te, haben wir junge Menschen aus Lyon gesucht, die ihn chen wir ihm vor allem nicht, wenn er uns sagt, er finde
begleiten sollten. In einer Stadt von 1,2 Millionen Ein- es müßig, sich den Kopf über die Existenz oder Nichte-
wohnern haben wir nur einen einzigen Freiwilligen ge- xistenz der Gaskammern oder die Realität des Völker-
funden, der sich dann, ohne uns zu benachrichtigen, im mordes zu zerbrechen, sondern nehmen wir uns seine
letzten Augenblick, am Tage des Prozesses, gedrückt Zurückhaltung zum Vorbild!” Wiederum andere Revi-
hat, so daß ein Sechzigjähriger an seine Stelle rücken sionisten (?) wenden sich verhältnismäßig ungefährli-
mußte. Muß man darin nicht zwangsläufig einen zusätz- chen Aspekten der Geschichte des Zweiten Weltkriegs
lichen, konkreten und eindeutigen Beweis dafür sehen, und seiner Folgen zu und überlegen sich, was man über
daß der Revisionismus aufs schwerste angeschlagen ist? bekannte Persönlichkeiten (Churchill, Pétain, Pius XII.
Ich schenke es mir, noch weitere, nicht minder depri- …) oder über gewisse Ereignisse (den Terrorismus, den
mierende Beispiele anzuführen. Krieg gegen die Zivilbevölkerung, die Deportation un-
Ich behaupte nicht, der “Holocaust”-Revisionismus terschiedlicher Volksgruppen, die von den Siegern ver-
sei tot; er wird niemals sterben. Doch sein gegenwärti- anstalteten Prozesse) schreiben kann, ohne die funda-
ger Zustand bietet allen Grund zu tiefer Besorgnis. Die mentale Frage anzuschneiden, ob der “Holocaust” eine
ganze Tragweite des Desasters wurde mir im Juni 2002 Realität war oder nicht. Diesen Halbrevisionisten werde
beim letzten Kongreß des Institute for Historial Review ich keine Unterstützung mehr gewähren. Schließlich
(IHR) in Los Angeles bewußt. Neun Monate zuvor hat- gibt es noch eine letzte Kagegorie von Revisionisten:
ten die Amerikaner das traumatische Erlebnis des 11. Jene, die sich damit trösten, daß früher vernachlässigte
September 2001 hinnehmen müssen. Auf einen Schlag Themen heute den Anstoß zu erfolgreichen Büchern
machte es den Anschein, die ganze Welt sei zugleich geben: Dies gilt zum Beispiel für die wirklich grauen-
ins dritte Jahrtausend und in den dritten Weltkrieg ein- hafte Geschichte der anglo-amerikanischen Bombardie-
getreten. Gleichzeitig schien der Zweite Weltkrieg jäh rungen in Europa und Japan, ferner für die von den Al-
vom Horizont verschwunden zu sein. Der historische liierten im Zug der sogenannten “Befreiung der Völker”
Revisionismus, dessen Hauptthema die Auseinanderset- begangenen Untaten – einer “Befreiung”, die nichts
zung mit eben jenem Krieg ist, schien ebenfalls zumin- weiter als brutale Okkupation, gigantische Plünderun-

466 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Robert Faurisson, Dank an die Verfasser, S. 463-467

gen, ungeheuerliche Vertreibungen, eine endlose Reihe wollte. Persönlich schere ich mich keinen Deut darum,
von Massakern sowie eine Säuberung bedeutete, welche ob das, was ich schreibe, meine Leser ermutigt oder
noch heute, sechzig Jahre nach dem Krieg, andauert. entmutigt. Ich lege lediglich Wert darauf, so exakt wie
Doch diese Art von Literatur, so interessant sie auch ist, möglich zu sein und zu bleiben.
rührt nicht an das Große Tabu des “Holocaust”. Ganz Das Gefallen an der historischen Exaktheit, oder der
im Gegenteil, bis heute dient sie gewissermaßen als Er- Wunsch danach, ist eben so: Sie bleiben noch in den
satzrevisionismus, und außerdem riskieren ihre Verfas- letzten Stunden des Lebens bestehen, selbst wenn man
ser nicht, in den Hochsicherheitstrakt eines Gefängnis- sich nach einer Ruhe sehnt, die man nie gekannt hat,
ses zu wandern. Auch in diesem Punkt sollten wir uns und selbst wenn alles dafür zu sprechen scheint, daß es
nichts vormachen, uns nicht hinters Licht führen lassen vernünftiger wäre, einen ungleichen Kampf aufzuge-
und uns vor Alibis hüten. ben.
Die Massenvernichtungswaffen Adolf Hitlers (die
angeblichen Hinrichtungsgaskammern und angeblichen Anmerkungen zu einigen Details in der Fest-
Hinrichtungsgaswagen) haben ebenso wenig existiert schrift: 1) A. R. Butz möchte ich in Erinnerung rufen,
wie die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins, daß ich 1980 ein Buch mit dem Titel Mémoire en défen-
denn die einen wie die anderen sind ein und dieselbe se contre ceux qui m’accusent de falsifier l’histoire
Erfindung, die 1944 von einer jüdischen Institution [Verteidigungsschrift gegen jene, die mich der Ge-
(dem War Refugee Board) in die Welt gesetzt bzw. 2002 schichtsfälschung bezichtigen] veröffentlicht habe, das
von einer anderen jüdischen Institution (dem Office of mit einem Vorwort von Noam Chomsky erschien; 2) F.
Special Plans) rezykliert worden sind: Dieselbe Lüge, Töben weise ich darauf hin, daß seine Anekdote mit
dieselben Lügner. dem Restaurant (S. 106) eher das Talent des Roman-
Dies ist die aktualisierte, feste und entschlossene Po- ciers als die Umsicht des Historikers verrät; 3) R. H.
sition, die, wie ich glaube, ein Paul Rassinier heute ein- Countess erinnere ich daran, daß ich nicht gesagt habe
nähme. Solange Germar Rudolf, Walter Mueller, Horst “No holes? No gas chambers!” (S. 128), sondern “No
Mahler, Heinz Koppe und andere Revisionisten diesen holes, no ‘Holocaust’”, denn wenn es die angeblichen
Grundsatz klar befolgen und auf dieser Grundlage ar- Nazigaskammern, die den Grundpfeiler des ganzen Lü-
beiten, werde ich an ihrer Seite stehen. Daß man heute gengebäudes bilden, nicht gab, folgt daraus, daß es auch
die angeblichen Massenvernichtungswaffen Saddam den angeblichen “Holocaust” nicht gegeben haben
Husseins überall in Frage stellt, eröffnet ihnen die un- kann.
verhoffte Gelegenheit, die Lüge von der angeblichen
Vernichtung der europäischen Juden anzuprangern (so Anmerkungen
lautet der Titel von Raul Hilbergs dreibändigem “ Stan- Aus dem Französischen übersetzt von Jürgen Graf.
dardwerk ” über den “Holocaust”). Diese wahren Revi- 1
Es handelt sich hierbei um ein “Gespräch” des in britische
sionisten haben das Recht auf ihre eigenen politischen Kriegsgefangenschaft geratenen Generalmajors Walther Bruns
und religiösen Überzeugungen, so wie ich das Recht auf mit deutschen Mithäftlingen über die angeblich im Dezember
1941 in der Gegend von Riga verübten deutschen “Greuel”.
meine unpolitische Haltung und meinen Atheismus ha-
Bruns’ Kerkermeister behaupteten, die Aussagen des Generals
be. Es steht ihnen frei, die Mittel ihres Kampfes zu mit Hilfe im Dickicht versteckter Mikrophone aufgenommen zu
wählen, so wie ich die meinen gewählt habe. Ich ver- haben, doch in Wirklichkeit handelt es sich bei diesem “Ge-
lange von niemandem, meinem Beispiel zu folgen. Ich spräch” um das ohne Unterbrechungen abgegebene Geständnis
predige keine Doktrin und betrachte mich nicht als eines Offiziers, der von den Briten als “Antinazi und zur Koope-
ration mit den Alliierten bereit” beschrieben wurde. Der Text
Gralshüter irgendeiner Orthodoxie. Doch erwarte ich wimmelt von Absurditäten. David Irving weiß, daß Bruns später
von ihnen, der Sache des historischen Revisionismus bestritten hat, diese Aussagen gemacht zu haben, doch derselbe
kompromißlos und ohne Ausflüchte mit derselben David Irving verrät dies seinem Publikum bei Vorträgen nie.
Klarheit und demselben Mut wie Paul Rassinier zu die- Siehe Public Record Office, London, file WO. 208/4169.
2
nen. Unter dieser Bedingung werde ich mit ihnen den Faurisson verwendet den Ausdruck ”la pire engeance”, was man
mit “die schlimmste Brut” widergeben könnte. Die von uns ge-
Kampf weiterführen, dem ich wenigstens dreißig Jahre wählte Übersetzung stützt sich auf einen Ausspruch Herrn Sigi
meiner Existenz gewidmet habe. Ich bin kein Defätist, Feigels, des Präsidenten der Israelischen Kultusgemeinde der
sondern befürworte ganz im Gegenteil einen Kampf mit Schweiz, der die Gegner des “Antirassismusgesetzes” 1994 als
klarer Stoßrichtung: Gegen die Mutter aller Lügen un- das “größte Lumpengesindel” betitelt hat. – Der Übersetzer.
3
serer Zeit, den Betrug vom “Holocaust” oder der 1990 erwarb J. Plantin den Magistergrad mit einer Arbeit über
Paul Rassinier, 1991 ein “Diplom für fortgeschrittene Studien”
“Shoa”. Jean-Paul Sartre hat sich seiner Ehre beraubt, mit einer Arbeit über die Flecktyphusepidemien in den deutschen
indem er über den Kommunismus log, weil er, wie er Konzentrationslagern; keine der beiden Arbeiten enthielt revisio-
sich ausdrückte, “Billancourt”, d.h. das französische nistische Behauptungen.
Proletariat, nicht “der Verzweiflung überantworten”

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Jeremias Goldzahn, Kriegsverbrechen, S. 468-471

Bücherschau
Kriegsverbrechen
Von Jeremias Goldzahn

Franz W. Seidler/Alfred de Zayas (Hg.), zudem noch getarnt mit dem Mäntelchen der Gerech-
Kriegsverbrechen in Europa und im Nahen Osten im tigkeit, hätte selbst als Kriegsverbrechens aufgeführt
20. Jahrhundert, Mittler & Sohn, Hamburg 2002, werden müssen – wie das im Falle der “NKWD-
380 S., €19,90. Verfahren gegen Wehrwolf-Verdächtige” in der östli-
chen Besatzungszone gemacht wird.
Kriegsverbrechen als Einschlaflektüre – oder: Wie Um die Stoffmenge zu bewältigen, werden in einem
kann man die Brutalitäten eines ganzen Jahrhunderts allgemeinen Teil die für Kriegsverbrechen relevanten
behandeln, ohne Emotionen aufkommen zu lassen? Kriegsstrategien behandelt (beim Ersten Weltkrieg z.B.
Trotz großer Sachkunde und vieler guter Ansätze muß die Blockadepolitik und der Gaskrieg, beim Zweiten
dem Werk auch dieses zweifelhafte Verdienst zuge- Weltkrieg die amerikanische, britische und deutsche
sprochen werde. Luftkriegsdoktrin u.a.), wie auch häufig vorkommende
Um das ganze Jahrhundert zu umfassen, sind die Verbrechen (Erschießung von Kriegsgefangenen, An-
Beiträge oftmals zu allgemein und pauschal, und es griffe auf Lazarettschiffe usw.). Dem folgt jeweils eine
bleibt zu wenig Raum für die konkrete Abhandlung von Rubrik “Einzelfälle”, (beim Zweiten Weltkrieg 60 Bei-
Streitfragen, vor allem in Bezug auf den 2. Weltkrieg, träge). Der Teil “Nachkriegsverbrechen durch Besat-
wo auch notwendige Wertungen und Schlußfolgerun- zungsstreitkräfte” enthält leider nur ganz komprimierte
gen fehlen. Zusammenfassungen. Daher sucht man vergeblich eine
50 Experten behandeln das Thema Kriegsverbrechen Überschrift “Rheinwiesen” oder “Sinzig”, nur das Orts-
in 140 chronologisch geordneten Beiträgen. Beginnend register gibt diese Stichworte an und verweist auf Seiten
bei den Burenkriegen und dem 1. Weltkrieg (50 Seiten) unter der schlichten Überschrift “Internierungslager in
bilden Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg den Hauptteil der amerikanischen Besatzungszone”.
des Werkes (185 S.). Weitere 40 Seiten sind den Ver- Man vermißt eine Auflistung der Städte, die durch
brechen der Besatzungsmächte nach 1945 und jeweils Terrorbombardement in Schutt und Asche gelegt wur-
10 Seiten dem israelisch-arabischen Konflikt, dem Irak- den und kann nur schlußfolgern: hier geschahen Ver-
krieg 1990/91 und den Balkankriegen nach 1990 ge- brechen derartig “en gros”, daß sie einzeln gar nicht
widmet. mehr aufgeführt werden können. Ein Stichwort “Plün-
Mit solcherart trockenen Daten sind auch viele Bei- derungen” im Sachregister gibt ein paar Verweise, aber
träge gefüllt, so erfährt man, daß im 1. Weltkrieg in der Diebstahl von Armbanduhren, Füllfederhaltern
Frankreich 18 Firmen Chlor und Phosgen produzierten, usw., der bei der Gefangennahme durch Amerikaner
und die deutsche Gesamtproduktion 18.000 Tonnen wie Sowjets die Regel war, bleibt ebenso unerwähnt,
Phosgen und 11.600 Tonnen Bi-Phosgen betrug, daß 45 wie das mutwillige Zerstören von Porzellan bei NS-
verschiedene Stoffe zum Einsatz kamen, von denen 18 Frauenschaftsleiterinnen. Allerdings versinkt derlei in
mehr tödlich, 27 mehr reizend waren. Diese Angaben Bedeutungslosigkeit, wenn in einzelnen Städten nach
mögen die sachlich-nüchterne, ja geradezu ent-emotio- Massen-Vergewaltigungen durch die Rote Armee 2000
nalisierte Behandlung des Themas veranschaulichen, Selbstmorde zu beklagen sind – (bei nur 18.000 bis
wobei die Einsicht durchaus nicht proportional mit der 20.000 Einwohnern – z.B. Neubrandenburg und Dem-
Menge der Einzeldaten wächst. min – S. 253).
Die Definition der Kriegsverbrechen erfolgt gemäß Dies führt vor Augen, welche Brisanz das Thema
der zum Zeitpunkt des Geschehens geltenden Konven- Kriegsverbrechen hat, sobald es sachlich und ohne Pro-
tionen – mit einer gewichtigen Ausnahme: auch das pagandaklischees in seiner ganzen Bandbreite abgehan-
“Londoner Abkommen über die Verfolgung und Bestra- delt würde. Es ist klar, daß ein solcher Versuch heutzu-
fung der Hauptkriegsverbrecher der europäischen Ach- tage angesichts des Druckes auf politische Korrektheit
se” vom 8.8.45 mit dem Nürnberger Statut für den IMT in der BRD gar nicht gelingen kann. Dieses Buch ver-
wird hierzu gerechnet, obwohl eine Vereinbarungen der anschaulicht die ganze Zwangslage der heutigen Ge-
Sieger zwecks Verurteilung der unterlegenen Kriegspar- schichtsforschung: Wollte man schonungslos alle gegen
tei, noch dazu rückwirkend, alles andere als völker- Deutschland gerichteten Propagandalügen aufdecken,
rechtlich annehmbar ist. Eine solche Vorgehensweise, dann würde man keinen Verleger finden und wäre auf

468 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Jeremias Goldzahn, Kriegsverbrechen, S. 468-471

“Samisdat” (sprich Bedeutungslosigkeit) angewiesen. mit “Demokratie” zu beglücken hat weitere massive
Also bleibt nur, dem Thema so viel wie möglich an Bri- Völkerrechtsverstöße zur Folge, wie sie sich heute vor
sanz zu nehmen oder gar durch unsachliche, aber poli- unseren Augen im Irak wiederholen: Verhaftung der
tisch korrekte Autoren “auszugleichen”. Bezeichnen- Regierung, womit den Kriegsgefangenen wie auch den
derweise finden sich deren Anschuldigungen – nur ge- Zivilisten ihre Schutzmacht genommen wird. Trotz der
gen Deutsche – vor allem in den allgemeinen Kapiteln, 50 Seiten Anhang “Kommentar zum Kriegsvölkerrecht”
wo Behauptungen nicht durch konkrete Angaben un- wird weder Art. 20 der Haager Landkriegsordnung er-
termauert werden – oder die angegebenen Tatsachen wähnt – “Nach dem Friedensschlusse sollen die Kriegs-
sind nicht geeignet, das Behauptete zu untermauern gefangenen binnen kürzester Frist in ihre Heimat entlas-
(s.u.). sen werden” – noch die Genfer Konvention, die ver-
Im Vorwort wird darauf hingewiesen, daß die ein- langt, daß nach Beendigung der Kampfhandlungen alle
zelnen Fälle “weder qualitativ noch quantitativ gewich- Kriegsgefangenen unverzüglich freizulassen sind. Statt
tet” werden. “Größere und kleinere Verstöße gegen das bei der Entwicklung des Kriegsvölkerrechts ins Alter-
Kriegsvölkerrecht, Massenhinrichtungen und Einzel- tum und Mittelalter auszuweichen, hätten besser bran-
verbrechen, wirkliche und vorgebliche Verbrechen ste- daktuellen Themen erörtert werden sollen, wie eben die
hen nebeneinander”, (allerdings ohne die gröbsten Problematik, Kriegsgefangene lange nach Kriegsende
Kriegslügen, wie z.B. die abgehackten Kinderhände in inhaftiert zu halten oder die Willkür, sie als Strafgefan-
Belgien). Doch wozu soll man sich mit Kriegsverbre- gene zu behandeln (um so politische Gegner auszu-
chen befassen, wenn man daraus keine Bewertung und schalten) wie es uns in Afghanistan und im Irak vorge-
Schlußfolgerung ziehen will? Hier befinden wir uns führt wird.
wieder mitten im zeitgeschichtlichen Di- Ferner hätte auch die widerrechtliche
lemma der politischen Korrektheit, das Usurpation der Staatsgewalt durch die
bei diesem Buch überall zutage tritt. Alliierten nach dem 2. Weltkrieg als
Es drängt sich leider der Eindruck Kriegsverbrechen bezeichnet und aufge-
auf, daß auch dem Leser eine abschlie- führt werden müssen. Wenn die Sieger
ßende Bewertung unmöglich gemacht das besiegte Land seiner legalen
werden soll – außer dem gerade noch er- Machtstruktur berauben, um ihm eine
laubten Allgemeinplatz, daß Kriegsver- ihnen genehme Regierung oder gar Re-
brechen eben von allen Seiten und zu al- gierungsform aufzuzwingen, so verstößt
len Zeiten verübt werden. Daher werden dies gegen die Haager Landkriegsord-
wohl auch die Kriege nach dem 2. Welt- nung. Eine so erzwungene Staatsform
krieg einbezogen. Das bewahrt den Band kann niemals “Demokratie” im Sinne ei-
zudem davor, mit den Kriegsverbrechen ner Volksherrschaft sein, weil ja das ge-
der Besatzungsmächte zu enden – dem samte besiegte Volk nichts zu sagen hat.
vielleicht interessantesten Kapitel des Dieser Sachverhalt wird auch nicht
Buches, auch wenn die Greuel und Ver- durch “Wahlen” geändert, wenn die Sie-
brechen nur summarisch behandelt werden (Nur in ei- ger schon über die Rahmenbedingungen (1945: “auto-
nem einzigen Fall – nämlich den NKWD-Speziallagern matic arrest” usw.) das neue Machtgefüge steuern. Lei-
– erfolgt das mit einer Liste, die Übersicht über 8 Lager der kommt diese Problematik nicht einmal im Abriß
mit “Durchgängen” und Zahl der Todesopfer gibt). Man über das “Kriegsvölkerrecht” zur Sprache, obwohl sie ja
sucht vergeblich die Millionenzahl, die James Bacque von entscheidender Bedeutung für die Beurteilung heu-
als Todesopfer der völkerrechtswidrigen Maßnahme Ei- tiger wie damaliger Vorgänge ist und die Legitimität
senhowers angibt, der deutsche Kriegsgefangene als der BRD umfaßt.
Disarmed Enemy Forces “ohne Rücksicht auf das Die fehlende Wertung ist zweifellos eine durchge-
Kriegsvölkerrecht als eine entwaffnete Masse bar aller hende Schwäche des Buches. Obwohl es vom Ansatz
völkerrechtlich garantierten Rechte” behandeln ließ. Ir- her richtig ist, die Vorgeschichte eines Ereignisses mit
ritierend ist der diesbezüglich oftmals apologetische einzubeziehen und dem Leser mit möglichst vielen De-
Ton, etwa: “Bis Juli 1945 wurden 2.000.000 Menschen tails eine fundierte eigene Beurteilung zu erlauben, hät-
Opfer von Maßnahmen, die sicherstellen sollen, daß die te vieles knapper formuliert werden können, wenn die
Besiegten zu keinem Risiko für die Sieger werden konn- Autoren klarer Stellung bezogen hätten. So hält sich der
ten.” Bei völkerrechtskonformen Vorgehen hätte sich Verfasser z.B. beim Fall Marzabotto bedeckt, weil ita-
dieses Problem gar nicht gestellt: hätten die Sieger mit lienische Militärgerichte die beiden Deutschen Reder
der Regierung des besiegten Landes einen Friedensver- und Kappler zu lebenslänglicher Haft verurteilten und
trag geschlossen, hätte diese für die Sicherheit der alli- rund 40 Jahre inhaftiert hielten (mit Status als Kriegsge-
ierten Truppen bis zu deren (alsbaldigem) Abzug gehaf- fangene). Zwar werden im Fall Reder ausführlich die
tet. Erst die völkerrechtswidrige Zielsetzung, das Land Gesichtspunkte genannt, die gegen einen fairen Prozeß

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 469


Jeremias Goldzahn, Kriegsverbrechen, S. 468-471

sprechen, aber der Leser muß selbst die Schlußfolge- auf ihre Offensivstärke eine Evakuierung nicht für
rung treffen, daß das Urteil Unrecht war (wie auch 1996 erforderlich gehalten hatten.”
bei der Verurteilung von Hauptsturmführer Priebke zu Da fragt man sich doch, worin nun eigentlich die
lebenslänglicher Haft). Andererseits fühlt man sich ver- Kriegsverbrechen der Deutschen bestanden – etwa dar-
kohlt, wenn bei der völkerrechtswidrigen jahrelangen in, daß die Polen ihre eigenen Leute nicht rechtzeitig
Zwangsarbeit deutscher Kriegsgefangenen in der evakuierten? Aber es kommt noch schlimmer. Während
UdSSR irgendein Beschluß eines sowjetischen Gremi- Heinz Magenheimer in Nr. 54: “Morde an Volksdeut-
ums als “rechtliche Grundlage” angeführt wird. schen in Polen 1939” darauf hinweist, daß polnische
Trotz der Bemühungen, keine Emotionen aufkom- Behörden bereits vor Kriegsausbruch Listen über
men zu lassen, hat allein schon die Unterscheidung zwi- 10.000 bis 15.000 zu verhaftende Deutsche angelegt
schen wirklichen und vorgeblichen Kriegsverbrechen hatten, bemüht Horst Rohde “deutsche Agenten und
zu Rezensionen mit Schlagworten wie “rechtslastig” Sonderkommandos”; diese seien
oder “Aufrechnungsmentalität” geführt. Sogar seitens “bereits vor Beginn des Angriffs nach Polen ein-
des Verlags fühlt man sich bemüßigt zu beteuern, daß geschleust worden und lieferten den Anlaß, die vor-
das Buch “nicht neonazistisch” sei! So ergeht es heutzu- handenen polnischen Pläne für Repressionen gegen
tage Geschichtsforschern, wenn sie auch Kriegsgreuel Volksdeutsche zu aktivieren, wie sie sich im ‚Brom-
nennen, die an Deutschen verübt wurden oder – ,noch berger Blutsonntag’ zeigten.”
schlimmer’ – einen Teil der Deutschland zur Last ge- Also: wenn man nur eifrig genug sucht, (er)findet
legten Verbrechen (etwa die Bombardierung von War- man auch für brutalste Mißhandlungen und Ermordun-
schau, Rotterdam, und Coventry) als mit dem Völker- gen an Deutschen noch einen Vorwand, um letztlich
recht in Einklang nachweisen. Es werden aber durchaus wieder den Deutschen selbst die Schuld zuweisen zu
nicht alle Propagandalügen über deutsche Kriegsver- können.
brechen als solche erkannt und widerlegt. Wichtige For- Aber eigentlich sollte in dem Beitrag doch etwas
schungsarbeiten (Walendy, Taege) bleiben ungenannt. über deutsche Kriegsverbrechen stehen. Da wird dann
Der Großteil der Beiträge zeichnet sich durch Sach- auf Wehrmachtsproteste gegen “Massenerschießungen”
kunde und Sachlichkeit aus. Daneben gibt es aber auch des SS-Oberführers Moyrsch verwiesen, auf einen Be-
einzelne Artikel, die schon vom eifrigen Gebrauch von richt des Nuntius, es würden
Propaganda-Floskeln und der emotionalen Diktion her “Frauen, Kinder und alte Leute nachts aus den
auffallen – und allesamt antideutsche Greuelpropaganda Betten gerissen, ohne dass [sic] ihnen eine neue
betreiben. Dies betrifft meist die allgemeinen Übersich- Wohnung zugewiesen würde, vertrieben[…]”.
ten (Einsatzgruppen usw.). Also – wenn der Nuntius sonst nichts zu beklagen
So heißt es etwa unter der Überschrift “deutsche hatte! Dann wird auf den Brief einer Parteigenossin be-
Kriegsverbrechen in Polen 1939” (Horst Rohde) zug genommen, die von systematischer Ausrottung
“Als Hitler erkennen mußte, dass die von ihm spricht,
praktizierte Friedensdiplomatie gegen Polen nicht “In Bromberg sind Tausende und Abertausende
zum Erfolg führen würde, machte er das Auswärtige unschuldige Menschen […] erschossen worden;
Amt und die SS zu Gesellen seines Vernichtungswil- sämtliche Lehrer und Lehrerinnen, Ärzte und Ärz-
lens.” tinnen, Rechtsanwälte [offenbar nicht die Rechtsan-
Was sagt dieser Satz eigentlich aus? Da wird Bezug wältinnen???…] soweit sie noch lebten [!] sind zu
genommen auf die – allen Historikern bekannte – Frie- Tausenden aus den Schulen vor den Augen der Kin-
densdiplomatie Hitlers, und im nächsten Atemzug wird der […] von der Gestapo verhaftet und in Zuchthäu-
– natürlich ohne Dokumentation – (die sich ja in der ser und Gefängnisse gesperrt (worden)[…]”
BRD wegen Offenkundigkeit erübrigt) ein Vernich- Bei diesem Zitat macht nicht nur die neue Recht-
tungswille postuliert. Zwar wird zugegeben, daß sich schreibung stutzig. Angesichts der Nennung der weibli-
die Wehrmacht weitgehend korrekt benahm, chen Berufszusätze, die damals ja nicht üblich waren,
“allerdings war es […] versäumt worden, die wirkt das Zitat weder authentisch noch glaubwürdig.
Soldaten mit den Besonderheiten des auf sie zukom- Nachdem man auf blutrünstige Greuel eingestimmt
menden Krieges vertraut zu machen. Das betraf ins- wurde, (“vor den Augen der Kinder”) platzt der drama-
besondere die Wirkung der verbundenen Waffen und tisch-propagandistische Luftballon: er geht nicht etwa
die Einbeziehung der Zivilbevölkerung in Kriegs- um Erschießungen, sondern um Verhaftungen. Daß man
handlungen. Wo sich die Bevölkerung nicht rechtzei- Lehrer, wenn man sie als Gruppe verhaftet will, von der
tig in Sicherheit bringen konnte, wurde sie häufig Schule wegholt, ist wohl schwerlich ein Zeichen von
von den Kampfhandlungen betroffen und erlitt Bosheit, sondern von Zielgerichtetheit. Wer solch wirre
enorme Verluste[…] Große Opfer kostete die polni- Äußerungen als Beweis für Verbrechen anführt, muß
sche Bevölkerung auch die grenznahe Verteidigung sich fragen lassen, ob er nichts Stichhaltigeres anführen
ihres Landes durch die Streitkräfte, die im Vertrauen kann.

470 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Jeremias Goldzahn, Kriegsverbrechen, S. 468-471

Ähnlich verhält es sich mit einem Beitrag über die von Vasallenregierungen in Ost und West), die im Buch
SS-Einsatzgruppen in der UdSSR von Jörg Friedrich. aber gar nicht genannt werden.
Interessant ist seine Bewertung, Himmlers Polizeiorga- Eine weitere Endbewertung fehlt: den Deutschen
ne seien Irreguläre gewesen, weil ihnen “das Kombat- liegen Greuelexzesse nicht. Wenn als Beleg für deut-
tantenmerkmal der Anerkennung der Kriegsrechtsre- sche Greuel angeführt wird, daß die Deutschen deswe-
geln” gefehlt habe. Nach diesem Maßstab sind auch die gen Fronttruppen auswechseln mußten, so beweist das
Amerikaner im Irak Irreguläre. Und weiter: nach der genau das Gegenteil: die (über-?)hohe Moral und Sen-
Logik können Sie, wenn Sie im Verkehr die Höchstge- sibilität der Deutschen – wie schon Joachim Fernau
schwindigkeit überschreiten, gegenüber der Polizei ei- feststellte, darf der deutsche Siegfried keinen Fleck auf
nen Status als Kriegsgefangener geltend machen, und der Weste haben. Dagegen hat man nie gehört, daß die
bei einem Bankraub brauchen Sie sich auch nicht von Sowjets die vergewaltigenden und mordenden Soldaten
Polizisten der BRD verhaften lassen. Oder hat die eine der Roten Armee auswechseln mußten, weil sie an Ge-
Besatzungsmacht mehr Rechte als die andere? wissensbissen litten – egal wie tief sie im Blut wateten.
Diese wenigen, aber um so dümmlicheren Artikel Die Frage, wer zur Erreichung welcher Kriegsziele
scheinen dem Band beigefügt worden zu sein, weil zu wie verwerflichen Mittel gegriffen hat; und welche
sonst offenbar würde: den Deutschen wurden landläufig Bestialitäten für die hehre Demokratisierung in Kauf
viel mehr Verbrechen angelastet, als sie tatsächlich ver- genommen wurden, bleibt somit auch 60 Jahre nach
übt haben, und andererseits haben die Alliierten an den Kriegsende unbeantwortet, weil tabuisiert. Ebenso war-
Deutschen solch umfangreiche Verbrechen begangen, tet die ursprüngliche Konzeption eines “Lexikon
daß diese im einzelnen kaum mehr aufgeführt werden Kriegsverbrechen” weiterhin auf einen Verleger. Selbst
können. mit einer Themenbeschränkung auf das Jahrzehnt von
Zu der großen Zahl alliierter Greuel durch einzelne 1939-1949 würde es kaum an Stoff für ein 2-bändiges
Soldaten kommt der tiefgreifende Umfang an Völker- Werk fehlen (z.B. Bd. 1 Kriegsverbrechen, Bd. 2:
rechtsverletzung auf Regierungsebene, deren Auswir- Nachkriegsverbrechen, einschließlich einer völkerrecht-
kungen bis in die Gegenwart reichen (u.a. Einsetzung lichen Bewertung der BRD).

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 471


Rolf Wiesenberg, Die Weltkriege, Signatur der Humanitas, S. 472-475

Die Weltkriege, Signatur der Humanitas


Von Rolf Wiesenberg

Gerd Schultze-Rhonhof, 1939 — Der Krieg, der viele nung bald zusammenbricht und innerhalb von nur
Väter hatte. Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg, zwei Jahrzehnten zu einem neuen Weltkrieg führt.”
Olzog, München 2003, 565 S., 34 € Die dann folgenden Kapitel sind überschrieben: “Die
Jahre der Anschlüsse”, “Die Wiederaufrüstung zwi-
Gerd Schultze-Rhonhof, pensionierter Generalmajor schen 1918 und 1939”, “Hitlers Kriegsankündigungen
der Bundeswehr, hat ein Buch über die Entstehung des bis 1939”, “Der Weg in den deutsch-polnisch-sowje-
Zweiten Weltkrieges geschrieben, das ausführlich auf tischen Krieg”, “Schlußbetrachtung” und “Bilanz”.
die internationalen Strömungen der damaligen Zeit ein- Die Bedeutung des Vertrages von Versailles, der
geht und damit die “Tunnelperspektive” vermeidet, die Deutschland knebelte und als Unrecht empfunden wur-
sich einstellt, wo Autoren sich allzusehr auf die Rolle de, wird darin ausführlich gewürdigt. Die unterschiedli-
der deutschen Politiker konzentrieren. Er gibt dem Ge- chen Interessen der beteiligten Nationen, ihre innenpoli-
schehen im Vorfeld des Kriegsausbruchs in den politi- tischen Probleme und die Bedeutung des Allzu-
schen Lagern der dann kriegführenden Nationen breiten menschlichen bei den Äußerungen und Taten der betei-
Raum. ligten Politiker finden ihren Ausdruck.
Zu Beginn schildert der Verfasser die britisch- Schlußbetrachtung und Bilanz haben es dann in sich.
deutsche Rivalität und die wirtschaftlichen Beweggrün- Schultze-Rhonhof zieht aus den gründlichen Recher-
de der Deutschfeindlichkeit der Engländer. Sie liegen in chen der vorangegangenen Kapitel ein detailliertes
Deutschlands Wirtschaftsaufstieg ab 1871. Insoweit Resumé. Der Beitrag der politischen Klasse Englands,
gibt es Kriegsursachen, die für beide Weltkriege ge- Deutschlands, Frankreichs, Polens, der Sowjetunion,
meinsam gelten. So heißt es über die Kriegsschuld am und der USA zum Kriegsausbruch wird dargelegt.
Ersten Weltkrieg, daß Deutschland damals zwei ver-
hängnisvolle Fehler, machte: Zum englischen Beitrag
“Sie [die Deutschen] unterlassen es, den “Englands Anspruch, das Selbstbestimmungs-
Deutsch-Russischen Rückversicherungsvertrag zu recht der Völker zu vertreten. findet in Irland, Kenia,
verlängern” Ägypten, Indien, Burma und andernorts auf dieser
und sie versehen “den eigenen Aufschwung mit ei- Erde seine offenbare Widerlegung. Und Englands
ner maritimen Komponente”, indem sie die Deutsche Erklärung, für die Demokratie zu kämpfen und seine
Flotte verstärken. Weiterhin zitiert der Autor den engli- Forderung, den deutschen Kaiser und die Fürsten
schen Ministerpräsidenten Lloyd George zu den Ereig- abzusetzen, wirkt für ein Land, das das ‘gleiche’
nissen vom Juli 1914 mit den Worten: Wahlrecht knapp 50 Jahre nach dem Deutschen
“Die Völker sind in den Siedekessel des Krieges Reich einführt und das sich selbst von Fürsten, Her-
hineingerutscht.” zögen und Königen regieren läßt, absurd. So werden
Zur Bewertung des Ersten Weltkrieges in der deut- ‘die Engländer’ nach dem Ersten Weltkrieg in
schen Öffentlichkeit während der Zwischenkriegszeit Deutschland nicht als fair, gerecht und friedenslie-
schreibt er: bend angesehen, so wie sie selber gern gesehen
“Die Gemengelage von Motiven, Fehlhandlun- werden möchten.
gen und Schuld, die zum Ausbruch des Ersten Welt- Gleich mit dem ‘Friedensschluß’ von 1919 leistet
kriegs führt, wird im Nachkriegsdeutschland in den England seinen ersten verhängnisvollen Beitrag da-
20er und 30er Jahren durchaus durchschaut. So ist zu, daß dem Frieden bald der nächste Krieg folgt.
es unausweichlich, daß im Reichstag 1920 keine der Die britische Regierung im Verein mit den anderen
Parteien von links bis rechts das Diktum der ‘Allein- alliierten Siegermächten konstruiert eine neue Vari-
schuld’ akzeptiert, das die Sieger dem deutschen ante ihrer balance of power für Europa, die auf ei-
Volke auferlegen. Zudem greift die Last der Repara- nem auf Dauer angelegten Konflikt zwischen
tionen, die die Siegerstaaten ab 1919 mit dieser ‘Al- Deutschland, der Tschechoslowakei und Polen auf-
leinschuld’ begründen, so tief in das Leben und den baut. Die in Versailles vorgenommene Eingliede-
Alltag aller Deutschen ein, daß die Revision von ‘Al- rung des Siedlungsraumes von fast fünf Millionen
leinschuld’ und Versailler Vertrag zum erklärten Deutschen in die neu geschaffenen Staaten der Po-
Ziel und zum Konsens aller politischen Gruppierun- len und der Tschechen und Slowaken und die Dan-
gen im Nachkriegsdeutschland werden. So ergibt zig-Pomerellen-Konstruktion sind dazu angelegt, die
sich aus der Unhaltbarkeit der Alleinschuldthese, Deutschen, die Tschechen und die Polen ‘miteinan-
daß die auf ihr gebaute europäische Nachkriegsord- der zu beschäftigen’ und sie im Streit zu halten. Be-

472 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Rolf Wiesenberg, Die Weltkriege, Signatur der Humanitas, S. 472-475

sonders Danzig als Kind von drei geschiedenen El- Zum deutschen Beitrag
ternteilen, Deutschland, Polen und dem Völkerbund “Ohne Vorgeschichte hätten England und Frank-
mußte irgendwann zu Konflikten und Veränderungen reich sich alleine wegen der Danzig- und Transitwe-
führen. Neue Kriege sind damit seit Versailles abzu- ge-Frage kaum zugunsten Polens in einen neuen
sehen. Man hat das in England auch erkannt. Die Krieg verwickeln lassen. Der eigentliche deutsche
britischen Regierungen seit 1920 haben diese Beitrag liegt in zwei früheren Ereignissen. Es sind
Kriegsgefahr als Begleiterscheinung ihrer balance dies die Angliederung der Sudetenlande an das
of power billigend in Kauf genommen, wenn nicht Reich im Oktober 1938 und die Besetzung der
sogar bewußt erhalten.“ Tschechei als Rest der im März 1939 zerfallenen
und weiter: Tschechoslowakei. Beide Vorgänge bringen das
“In der Sudetenkrise bemüht sich England erst- Ausland in unterschiedlicher Heftigkeit und Schärfe
mals ernsthaft, ein Stück von den Versailler Schäden gegen Deutschland auf. Der Anschluß der Sudeten-
selber abzutragen. Hitler, der offensichtlich mehr lande, so sehr er auch in Deutschland als legitim be-
will, als nur die Sudetendeutschen heimzuholen, trachtet wird, kommt letztlich nur zustande, weil Hit-
dankt England diese Hilfe auf der Konferenz von ler den Anschluß mit der Drohung durchsetzt, ande-
München nicht. Der Diktator hegt, wie sich später renfalls Krieg gegen die Tschechoslowakei zu füh-
zeigt, die Absicht, die ganze Tschechei dem Deut- ren. Der Anschluß erfolgt zwar der Form nach im
schen Reiche anzugliedern. Doch schon ehe Hitler Münchener Abkommen mit der Billigung der Eng-
1939 sein Verbrechen an der Rest-Tschechei begeht, länder, Italiener und Franzosen, doch das nur, weil
beginnt England, sich mit voller Kraft auf einen sich weder die Tschechen noch die genannten Mäch-
Krieg mit Deutschland einzustellen. te zu der Zeit in der Lage fühlen, eine
Es verdoppelt seinen Wehretat für Eroberung der Sudetenlande militä-
Rüstung, führt die ‘Sofortreserve’ für risch zu verhindern.“
die Flotte und einen ‘Freiwilligen und weiter:
Nationalen Dienst für die Verteidi- “Der Anschluß der Sudetengebiete
gung Englands’ ein und drängt der löst in England und Frankreich eine
Sowjetunion Kredite für deren Waf- Welle der Kriegsvorbereitungen und
fenkäufe auf.“ der anti-deutschen Stimmung aus.
und: Seit der Angliederung – und das ist
“Die Briten wissen, daß Hitler Monate bevor Hitler die Rest-
1939 vor der Wahl zwischen Verzicht, Tschechei bedroht, und ehe er damit
Verhandlungslösung oder Krieg beginnt, die Polen wegen Danzig zu
steht. Sie wissen auch, daß er ange- bedrängen – beginnen in London und
sichts seiner Verantwortung für die Paris die Parlamente und die Presse,
‘abgetrennten’ Deutschen, angesichts von Kriegsgefahr in Europa zu reden
der immer prekärer werdenden Lage und zu schreiben. Hitler vermag es
der deutschen Minderheit in Polen und in Anbe- nicht, die ehemaligen Siegermächte auf diplomati-
tracht der drängenden Forderung der Danziger schem Wege und ohne solche ‘Erpressungen’ dazu
nach Anschluß an ihr Heimatland so gut wie nicht zu bewegen, die letzten Hypotheken von Versailles
verzichten kann. Das Deutsche Reich steht in dieser selbst zu löschen. Statt dessen entfacht er mit der
Hinsicht unter dem gleichen moralischen Druck wie Angliederung der Sudeten eine allgemeine Kriegsbe-
die Nato-Staaten 1999 angesichts der Lage der be- reitschaft gegen Deutschland.
drängten Kosovaren in Jugoslawien. Die Briten Den zweiten und durchschlagenden Anlaß für
können sicher sein, daß Hitler unter diesen Verhält- den Kriegsausbruch liefert Hitler mit der Besetzung
nissen nicht zum Rückzug bläst, und daß er nicht der Tschechei. Er verletzt damit Völkerrecht. Er
verzichten wird. So verstellen sie den Verhand- bricht das gegebene Wort und er verläßt die bislang
lungsweg, den sie noch bei den Polen hätten öffnen legitime Linie seiner Außenpolitik, nur deutsche
können. Dabei spielen sie um fünf vor zwölf so lang Menschen ‘heim ins Deutsche Reich’ zu holen. Mit
auf Zeit, bis Hitler handelt und den Krieg eröffnet. diesen drei Rechts-, Wort- und Politikbrüchen über-
England hat – zusammen mit Frankreich – das schreitet Hitler die Grenze dessen, was die Versail-
deutsch-polnische Problem geschaffen und 1939 ler Mächte bereit sind hinzunehmen. Doch in Lon-
verhindert, daß es ohne Krieg bereinigt wird. Die don und Paris fühlt man sich auch diesmal außer-
britische Regierung hat es dabei mit Geschick ver- stande, militärisch gegen Deutschland vorzugehen.
standen, die Rolle des Vermittlers vorzutäuschen Aber mit der Besetzung Prags reift bei Briten und
und allseits Frieden anzumahnen.” Franzosen der Entschluß, Hitler und dem Deutschen
Reich so schnell wie möglich die Rechnung für die

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 473


Rolf Wiesenberg, Die Weltkriege, Signatur der Humanitas, S. 472-475

Missetat an der Tschechei zu präsentieren. Die offe- Zum Beitrag der USA
nen Posten auf der Rechnung heißen: “Roosevelts Haßgefühle gegenüber Hitler haben
– Strafe für die Besetzung der Tschechei, Wieder- auch gewiß nicht dadurch abgenommen, daß der
herstellung der Machtverhältnisse von Versailles, deutsche Diktator auf einem Feld der Politik Erfolg
– Kündigung des Britisch-Deutschen Flottenab- verbucht, wo er ihn selber gerne hätte. Deutschlands
kommens 6,3 Millionen Arbeitslose sind 1936 zum größten
– britische ‘balance of power’ und Teil zurück in Lohn und Brot, und Roosevelt mit 12,8
– französische Vorherrschaft auf dem Kontinent. Millionen Menschen ohne Job im Jahre 1933 sitzt
Auch wenn sich die letzten beiden Posten gegen- trotz seines New-Deal-Programms 1938 immer noch
seitig ausschließen, so schreibt eben England den auf 10,4 Millionen Arbeitslosen. So wird Hitlers
einen und Frankreich den anderen auf die Rech- deutscher Weg mit seinem ‘Wirtschaftswunder’ auch
nung. zu einem Popularitätsproblem für Roosevelt im ei-
Ohne die Tschechei-Besetzung hätten die Regie- genen Land.“
rungen in Paris und London den Bürgern Frank- Es folgt eine Bewertung aus amerikanischer Sicht:
reichs und Englands kaum erklären können, warum “Sein [des amerikanischen Präsidenten] Bot-
sie der deutschen Stadt Danzig wegen für Polen in schafter in England Josef Kennedy hat im Dezember
den Krieg ziehen sollen.” 1945 rückblickend auf seine Zeit in London gesagt:
‘Weder die Franzosen noch die Briten hätten aus
Zum Beitrag Polens der deutsch-polnischen Frage einen Kriegsgrund
“Die alte Hansestadt [Danzig] mit 97 % deut- gemacht, wenn nicht Washington dauernd gebohrt
scher Bevölkerung ist für die Polen mit eigenen hätte.’”
Wünschen und historischen Erinnerungen befrach- Die Bilanz faßt dann die Botschaft des Buches
tet. Marschall Rydz-Smigly bringt das am 20. Juli knapp zusammen, wo der Verfasser schreibt:
1939 in einem offiziellen Kommuniqué so auf den “Roosevelt verspricht Chamberlain und Daladier
Punkt: Hilfe gegen Deutschland und bestärkt sie, nicht vor
‘Eine Besetzung Danzigs durch Deutschland einem weiteren Krieg zu scheuen. Chamberlain
würde ein Akt sein, der uns an die Teilung Polens nimmt den Polen mit seinem Beistandsangebot den
erinnert.’ letzten Anreiz, auf die deutschen Wünsche einzuge-
So kommt es dann an jenem 26. März 1939, als hen. Zum Schluß verspielt er mit seiner vorgetäusch-
Botschafter Lipski die Ablehnung der deutschen ten Vermittlungstätigkeit die letzten Zeitreserven
Vorschläge und Wünsche aus Warschau überbringt, Hitlers. Daladier und Gamelin locken die Polen mit
zu der für Polen so verhängnisvollen Erklärung, bei dem Versprechen eines französischen Großangriffs
der Lipski droht: ‘Ich habe die unangenehme gegen Deutschlands Westfront auf einen ‘Sie-
Pflicht, darauf hinzuweisen, daß jegliche weitere gespfad’, der im Desaster für die Polen endet. Stalin
Verfolgung dieser deutschen Pläne, insbesondere in- schürt die Kriegsbereitschaft aller Seiten. Und Roo-
soweit sie die Rückkehr Danzigs zum Reich beträfen, sevelt, als er von den sowjetischen ‘Interessen’ an
den Krieg mit Polen bedeutet.’ Ostpolen hört, läßt die Polen ungewarnt, damit sie
Die polnische Regierung erklärt hier und mehr- nicht am Ende doch noch Danzig opfern und da-
mals später, daß Polen bei einem Anschluß Danzigs durch einen Krieg verhindern. Polen ist für alle
Krieg mit Deutschland führen werde. Sie schafft den nicht ein Schützling, sondern nur das Mittel, das mit
Anlaß für den Krieg, indem sie ein lokales, nicht Sicherheit den nächsten Krieg ermöglicht. Aber Po-
kriegswürdiges Problem, bei dem nicht einmal pol- len ist dabei nicht nur das Opfer. Die Qualen, die
nisches Territorium betroffen ist, zum Kriegsanlaß die Polen ‘ihren’ Deutschen, Weißrussen und
erklärt. Ohne diese vorgezogene Kriegserklärung Ukrainern antun, wiegen im Sommer 1939 schwerer
hätte die Danzig-Frage zu weit geringeren Kosten als das Danzig-Korridor-Problem. Resümierend
geregelt werden können.” kann man sagen, daß die hier genannten Akteure –
jeder auf seine ganz eigene Weise – den Zweiten
Zum Beitrag der Sowjetunion Weltkrieg mit angezettelt haben. Mitschuldig an die-
“Die sowjetische Führung versucht kein einziges sem neuen Krieg sind die Regierungen und Staaten,
Mal, bei den Differenzen zwischen den Deutschen die in Versailles und Saint-Germain die Gründe für
und den Polen zu vermitteln und damit dem Frieden den nächsten Krieg geschaffen und später bei Ge-
eine Chance zu geben. Stalin setzt von Anfang an auf fahr bewußt verhindert haben, daß die Gründe be-
einen Krieg, von dem er annimmt, daß er die territo- seitigt werden konnten.
riale Ordnung Osteuropas zum Vorteil der Sowjet- Soweit zu dem, was Asher ben Nathan gemeint
union verändert.“ hat, als er sagte: ‘Entscheidend ist, was den ersten
Schüssen vorausgegangen ist.’

474 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Rolf Wiesenberg, Die Weltkriege, Signatur der Humanitas, S. 472-475

Hitler löst am frühen Morgen des 1. Septembers Schultze-Rhonhofs Buch ist im Einklang mit den Aus-
1939 die Schüsse der deutschen Wehrmacht gegen sagen der Dokumente und mit den Fakten, die in den
die polnische Armee aus und reißt die Welt damit in Archiven über das damalige Geschehen nachzulesen
einen Strudel, der bis heute nachwirkt.“ sind.
So zeigt sich: es war nicht Hitler allein. Es gibt keine einfache Erklärung für den Kriegsaus-
Gerd Schultze-Rhonhof hat damit ein Buch geliefert, bruch. Die Aufgabe des Politischen ist für den Men-
das wegführt von der dogmatisierten Geschichtsschrei- schen zu schwer. Sein Versagen vor der Aufgabe, Frie-
bung der Siegermächte und hin zu einer sachlichen und den zu halten, gehört zur ‘Signatur der Humanitas’ (Pe-
– soweit es das überhaupt geben kann – objektiven und ter Sloterdijk). Die Politiker des 20. Jahrhunderts ma-
unvoreingenommenen Sicht der Dinge. Er hat die Vor- chen da keine Ausnahme.
geschichte des Zweiten Weltkrieges in ihrer Vielfalt po- Daß die Weltkriege besonders viel Elend mit sich
litischer und menschlicher Verstrickungen geschildert. gebracht haben, liegt sicher auch an der technisch so
Das Buch steht im Gegensatz zur veröffentlichten viel “effektiveren” Bewaffnung. Es waren Physiker und
Meinung und zur Dogmenlage der Gegenwart. Noch Techniker die dieses Instrumentarium ermöglichten.
gilt in der Öffentlichkeit die Alleinschuld der Deut- Die Politiker haben es nur eingesetzt.
schen als erwiesen. Sie wurde sogar in der Rechtspre- Wir leben gefährlich, die Gefahr geht vom Men-
chung mit dem § 130 StGB festgeschrieben. Aber schen aus.

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 475


Thomas Dunskus, Der Mann, der zuviel wußte, S. 476-481

Der Mann, der zu viel wußte


Von Thomas Dunskus

In jüngster Zeit befassen sich immer wieder Bücher mit Rudolf Heß, mit seinem Flug, mit seiner Mis-
sion und mit seinem Ende. Die meisten Autoren sind Engländer – Peter Padfield, Hugh Thomas, Peter Al-
len, Lynn Picknett et al. oder Martin Allen – gleichsam, als ob sein Geist seinen ehemaligen Gegnern kei-
ne Ruhe ließe – ganz so wie der Geist des gemordeten Banquo den schottischen König Macbeth heim-
suchte.

Der einsame Flieger sperren mußte, während andere Personen aus Hitlers
Vor mehr als einem halben Jahrhundert, im Mai näherer Umgebung, die in den späteren Kriegsjahren
1941, als die meisten heute Lebenden noch gar nicht eine weitaus aktivere Rolle gespielt hatten, nach einer
geboren waren, flog in einem Krieg, der sich bald dar- Reihe von Jahren aus der Haft entlassen wurden. In den
auf zum Zweiten Weltkrieg ausweitete, ein einzelner letzten fünfundzwanzig Jahren seines Lebens war Heß
Mann ohne Eskorte von Augsburg ins schottischen der einzige Häftling im Spandauer Gefängnis; er wurde
Hochland. Er steuerte selbst seine unbewaffnete zwei- von einem monatlich wechselnden Wachkommando
motorige Messerschmitt 110. Das Flugzeug war eigens von jeweils einer der vier alliierten Mächte bewacht.
für diese Mission umgerüstet worden, u.a. indem unter Seine Familie hatte Erlaubnis, ihn einmal im Monat zu
den Flügeln zwei abwerfbare Zusatztanks angebracht besuchen, jedoch wurden die Gespräche streng über-
waren. Der Mann glaubte, an seinem Zielort von einer wacht und waren strikt auf persönliche Angelegenheiten
Anzahl hochrangiger britischer Politiker empfangen zu beschränkt. Des öfteren gab es Eingaben mit dem Ziel
werden, die mit ihm Gespräche über eine Beendigung einer Haftentlassung, die aber kein Gehör fanden. Sein
der Feindseligkeiten zwischen dem Deutschen Reich Tod ist nicht völlig geklärt. Die offizielle Version be-
und Großbritannien führen würden. Als er feststellen sagt, daß er sich mit einem Elektrokabel erhängte, je-
mußte, daß keine Vorkehrungen für seine Landung ge- doch sprechen die Umstände dagegen und die Befunde
troffen worden waren, beschloß er, mit dem Fallschirm einer Obduktion lassen auch die Möglichkeit einer
abzuspringen, obwohl er vermutlich noch über genug Strangulation zu. Es bestand zu jenem Zeitpunkt zu-
Treibstoff verfügte, um wieder deutsches Gebiet zu er- mindest die Möglichkeit, daß die Sowjetunion Heß aus
reichen, etwa im besetzten Norwegen. Er verletzte sich eigenem Entschluß freilassen könnte – dazu war sie,
beim Absprung geringfügig und wurde am Boden ge- wie auch die anderen ehemaligen Bundesgenossen, je-
fangen genommen. weils dann berechtigt und in der Lage, wenn sie den
Der Mann hieß Rudolf Heß, er war in der NSDAP Wachdienst stellte und sie hätte damit gewisse politi-
Stellvertreter des Parteiführers Adolf Hitler, und auf sche Resultate erzielen können.
Regierungsebene, nach Göring, designierter Nachfolger In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurden gele-
des Reichskanzlers. Vom Zeitpunkt seiner Gefangen- gentlich Bücher über Heß geschrieben; die Literatur
nahme auf schottischem Boden im Mai 1941 bis zu sei- wuchs nach seinem Tode erheblich an, und man befaßte
nem Tode durch Erhängen oder Strangulierung im sich immer intensiver mit dem Menschen Heß, mit sei-
Spandauer Gefängnis 46 Jahre später sollte er nie wie- nem Flug, mit seiner Mission und mit seinem Tod. Von
der ein freier Mann sein. einigen allzu weit hergeholten Theorien einmal abgese-
Als seine Mission fehlschlug, erklärte man ihn von hen, scheinen sich die jüngsten Werke in einer Reihe
deutscher Seite aus für wahnsinnig, während sich die von Punkten ziemlich einig zu sein:
Regierung in London nie darüber klar werden konnte, – Heß war einer der vernünftigsten, international er-
ob er ein einfacher Kriegsgefangener war oder ein gei- fahrensten, bestinformierten und am wenigsten
stig verwirrter Mensch, den man entsprechend der Gen- dogmatischen Vertreter des Dritten Reiches
fer Konvention hätte nach Hause schicken müssen. – Sein Einfluß auf die Parteipolitik war mäßigend und
Vor seinem wagemutigen Flug hatte die NS- von hohen moralischen Prinzipien geleitet
Regierung eine Reihe von antijüdischen Gesetzen erlas- – Trotz offizieller Dementis unternahm er den Flug
sen, sie hatte ein Pogrom inszeniert oder jedenfalls tole- mit Hitlers Wissen und dessen voller Unterstützung
riert und sie verfolgte eine expansionistische und ag- – Es gab im Jahre 1941 eine starke britische Friedens-
gressive Politik in Mitteleuropa, jedoch fragt sich der fraktion, vor allem in der Aristokratie, bis hinauf in
heutige Betrachter, warum das alliierte Militär-Tribunal die königliche Familie
in Nürnberg diesen Mann für den Rest seines Lebens – Sein Schicksal war eng mit dem des Herzogs von
praktisch ohne Kontakt zur Außenwelt hinter Gitter Kent verknüpft, dem jüngsten Bruder des englischen

476 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Thomas Dunskus, Der Mann, der zuviel wußte, S. 476-481

Königs Georg VI. bis dahin in Madrid tätige britische Botschafter wurde
– Winston Churchill war schlau genug, Heß und die gleichzeitig Hals über Kopf abberufen.
britische Friedenspartei auszunutzen und so Hitler zu
bewegen, die Sowjetunion anzugreifen. Gute Kontaktmöglichkeiten
Natürlich konzentrieren sich die verschiedenen Au- Hoare schreibt in seinen Memoiren (“Ambassador
toren auf unterschiedliche Aspekte dieses Themas und on Special Mission”, Collins 1946, antiquarisch erhält-
haben unterschiedliche Ansichten in Bezug auf die di- lich, 1949 auch ins Deutsche übersetzt), die Wohnungs-
versen Fragen, die zur Debatte stehen. Martin Allens situation in Madrid in jenem Jahr nach Beendigung des
jüngstes Buch “The Hitler-Heß Deception”, erhellt vor Bürgerkriegs sei so angespannt gewesen, daß er große
allem die Ereignisse, die dem Flug vorausgingen; es ist Schwierigkeiten gehabt habe, eine angemessene Resi-
gewissermaßen eine Fortsetzung zu seinem Buch “Hid- denz zu finden und schließlich in den sauren Apfel bei-
den Agenda”, das die deutschen Bemühungen um den ßen mußte, Nachbar des deutschen Botschafters, Baron
abgedankten englischen König Eduard VIII., den späte- von Stohrer zu werden – “nur eine Mauer trennte unsere
ren Herzog von Windsor, beleuchtet, sowie das Über- beiden Häuser” – denn ein Aufenthalt im Ritz wurde
einkommen, das der Herzog und Hitler 1940 mögli- ihm durch die Anwesenheit von Scharen deutscher
cherweise trafen. Spione unerträglich.
Martin Allens Bücher sind in Großbritannien bei be- Diese Wohnungswahl hat mehr als einen ungewöhn-
rühmten Verlagen erschienen, so bei Macmillan und lichen Aspekt. Erstens wäre es im Prinzip für Hoare
Harper-Collins. in Deutschland hatten sie es schwerer: möglich gewesen, wenigstens für den Anfang die Resi-
“Hidden Agenda” sollte Ende 2001 unter dem Titel denz seines Vorgängers zu übernehmen. Zweitens wur-
“Geheime Dienste” als 320-seitiges Buch beim Diana- de das erwähnte Gebäude schon innerhalb der ersten
Verlag in München herauskommen, wurde möglicher- Tage nach Hoares Ankunft ausgewählt, ohne daß eine
weise auch gedruckt, hatte sogar schon einen ISBN- größere Suche stattgefunden hätte, wie aus den Daten in
Eintrag und steht immer noch bei Amazon.de im Inter- den Hoare-Memoiren klar hervorgeht. Drittens lag Hoa-
net, es ist dann jedoch nie auf den Markt gekommen. res zukünftige Residenz nicht nur neben Stohrers Haus,
Schließlich erschien es unter dem leider etwas reißeri- sondern – an einem Hang – etwa sechs Meter unterhalb
schen Titel “Lieber Herr Hitler” im Druffel-Verlag, of- von diesem, so daß sich für die deutsche Seite exzellen-
fenbar in einer neuen Übersetzung. Auch “The Hitler- te Beobachtungsmöglichkeiten ergaben. Viertens ver-
Hess Deception” ist mittlerweile auf deutsch erhältlich, starb der für die Wohnungssuche verantwortliche Mit-
als “Churchills Friedensfalle”, ebenfalls bei Druffel. arbeiter der britischen Botschaft, Brigadier Torr, ein
Für Martin Allen, aber auch für andere Autoren, ist Jahr später bei einem Flugzeugunfall in Spanien.
der Flug nach Schottland in keiner Weise die von heute Schließlich ist es merkwürdig, daß die Stohrersche Re-
auf morgen durchgeführte Tat eines Irrsinnigen, son- sidenz nach dem Kriege durch das Foreign Office er-
dern vielmehr der Höhepunkt einer ganzen Reihe von worben wurde; sie wurde seitdem wieder verkauft, ist
Kontakten zwischen Heß und britischen Partnern, bei aber als Gebäude immer noch erhalten, während Hoares
denen der britische Sonderbotschafter und Bevollmäch- Wohnhaus einem Wolkenkratzer weichen mußte.
tigte mit Sonderauftrag in Spanien, Sir Samuel Hoare Man kann aus diesen Umständen nur schließen, daß
(der spätere Lord Templewood), eine Hauptrolle spielte. die örtlichen Gegebenheiten für diskrete Gespräche
Es ist wichtig, sich in zwischen Deutschen
diesem Zusammen- und Briten von Londo-
hang vor Augen zu ner Seite aus sehr gün-
halten, daß Hoare, der stig gestaltet wurden.
schon 1918 in Moskau Des weiteren ist inter-
Erfahrungen in ge- essant, daß Stohrer in
heimdienstlichen An- früherer Zeit lange in
gelegenheiten sam- Ägypten tätig war, wo
meln konnte, von er Umgang mit der in
Churchill sofort nach Alexandria ansässigen
dessen Amtsantritt im Familie Heß pflegte
Mai 1940 nach Madrid und auch Rudolf Heß
delegiert wurde. Seine gut kannte.
offizielle Aufgabe war, All diese Aspekte
Spanien mit allen Mit- fügen sich in das Puz-
teln von einem Krieg- zle von Flügen, die
seintritt an der Seite Heß in den zwölf Mo-
Hitlers abzuhalten. Der naten nach Mai 1940

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 477


Thomas Dunskus, Der Mann, der zuviel wußte, S. 476-481

unternahm, ganz glatt ein; Einzelheiten dazu sind in besondere Kim Philby, ein Mitglied des von Moskau
Martin Allens Buch zu finden, aber auch in den Erinne- rekrutierten und in London aktiven “Cambridge Five”
rungen des Messerschmitt-Einfliegers Kaden bei dieser Aktion an entscheidender Stelle tätig war. Als
(www.meinungsfreiheit.de), der dort genaue Angaben sowjetische Spione hatten Philby und sein Kreis schon
zum Flieger Heß und seinen Übungsflügen gemacht hat. während des Krieges Kenntnis von den deutsch-
Ein Buch von Nesbit und Van Acker (“The Flight of britischen Gesprächen, so daß Moskau frühzeitig über
Rudolf Hess”, Sutton 1999), das sich speziell mit tech- alle Entwicklungen Bescheid wissen konnte. Nach sei-
nischen Fragen des Fluges befaßt, ist in seiner Darstel- ner Enttarnung um 1960 floh Philby in die Sowjetunion.
lung nicht sehr überzeugend und enthält diverse techni- Ein weiteres Ereignis, das man auf den ersten Blick
sche Ungereimtheiten. nicht mit der nachträglichen Beseitigung von Spuren in
Es ist in hohem Maße wahrscheinlich, daß sowohl in Verbindung bringt, das jedoch schon früh eine Rolle
Madrid als auch in der Schweiz deutsch-britische Ge- gespielt haben mag, ist die Ermordung Heydrichs in
spräche stattgefunden haben, bei denen Heß eine Prag im Mai 1942. Sie wurde zwar von tschechischen
Schlüsselrolle zukam. Schon im ersten Kriegsjahr, Widerstandskämpfern ausgeführt – Heydrich war ja
1939/40 hatte es, folgt man den Ausführungen Martin Statthalter des Deutschen Reiches in der Prager Burg –
Allens in “Hidden Agenda”, deutsche Kontakte mit dem die Täter kamen jedoch aus England. Eine Beseitigung
Herzog von Windsor in Spanien und Portugal gegeben, Heydrichs wäre wegen seiner Kenntnisse über die
an denen sogar Heydrich beteiligt war. Einen weiteren deutsch-britischen Gespräche nützlich gewesen, er kam
und äußerst wichtigen Part spielte in diesem Zusam- auch als zukünftiger Gesprächspartner nicht in Frage,
menhang die Familie Haushofer, und zwar sowohl der im Gegensatz vielleicht zu den Haushofers.
junge Albrecht Haushofer, der Ende April 1945 in Ber- Das Buch “Double Standards” von Lynn Picknett et
lin ermordet wurde, vermutlich von der Gestapo, als al. (Little, Brown and Co. 2001) gibt uns eine detaillier-
auch sein Vater, Professor Karl Haushofer, über den er- tere Analyse der politischen Situation in Großbritannien
ste Fäden zwischen Großbritannien und dem Deutschen während der ersten Kriegsjahre. Die Autoren bejahen
Reich gesponnen wurden. Als Professor für Geopolitik entschieden die Frage nach der Existenz einer Frieden-
in München war er Anfang der zwanziger Jahre der spartei; die Gruppe stand für sie unter der Führung des
Lehrer von Rudolf Heß gewesen, dem dieser auch in Herzogs von Hamilton, der, wie ja auch Heß, ein erfah-
der Folgezeit sehr verbunden blieb. rener Flieger war. Die Frage bleibt hier offen, ob diese
Für Martin Allen handelte es sich bei den Gesprä- Fraktion bewußt Churchill in die Hände spielte, ob sie
chen in den Jahren 1940/41 – ob sie nun von deutscher zu einer Zusammenarbeit mit Churchills Kriegskabinett
Seite oder, wahrscheinlicher, von London aus eingefä- gezwungen wurde – politische Gegner der Regierung
delt wurden – um eine Falle, die Churchills Strategic waren bereits interniert worden – oder ob der Premier-
Operations Excutive, SOE, den Deutschen stellte, um minister ihre Bemühungen um einen Frieden lediglich
sie in einen Krieg mit der Sowjetunion zu treiben und als Köder für Hitler einsetzte. Demgegenüber wird in
auf diese Weise den deutschen Druck auf Großbritanni- diesem Buch die pro-deutsche Haltung des britischen
en zu vermindern. Allen befaßt sich weniger mit der Adels, bis hinauf zur Königsfamilie entschieden her-
Frage, ob es wirklich eine Friedenspartei auf britischer vorgehoben, wie auch die Bemühungen dieser Kreise,
Seite gab, möglicherweise unter der Führung des Her- den Krieg mit Deutschland zu beenden.
zogs von Hamilton, dem Ersten Schottischen Peer; für “Double Standards” behandelt in großer Ausführ-
ihn ist am wichtigsten, daß die Deutschen dazu gebracht lichkeit die verschiedenen Orte, an denen Heß gefangen
wurden, daran zu glauben und so einen Krieg gegen die gehalten wurde, die Einzelheiten seiner Verlegungen
Sowjetunion zu wagen. und die Bedingungen seiner Haft.

Der mysteriöse Tod von Albrecht Haushofer Ungeklärter Flugzeugabsturz


In dem Moment, als Hitler losmarschierte, wurde In der zweiten Hälfte des Werkes werden Bemühun-
Heß überflüssig, er konnte jedoch nicht freigelassen gen seitens des Herzogs von Kent, des jüngsten Bruders
werden, weil er ja über die Vorgeschichte Bescheid des britischen Königs, beschrieben, Rudolf Heß außer
wußte und es mußten auch alle entsprechenden Spuren Landes zu bringen, möglicherweise nach Schweden.
beseitigt werden. Diese Vertuschungsaktion fand sofort Der Tod des Herzogs von Kent beim Absturz seines
nach Kriegsende statt; alle in Deutschland greifbaren Sunderland-Flugbootes 1942 in Schottland ist eine Tat-
Papiere wurden beschlagnahmt. Im Frühjahr 1946 be- sache, und die Autoren führen eine Reihe von Indizien
gegneten sich Professor Haushofer und Heß ein letztes an, die belegen könnten, daß Heß an Bord war und so-
Mal in Nürnberg; wenige Tage später starben Hausho- mit ebenfalls im schottischen Hochland seinen Tod
fer und seine (halbjüdische) Frau unter mysteriösen fand. Wie bereits erwähnt, ist eine solche Theorie je-
Umständen. Ihr Tod wurde als Selbstmord angesehen. doch nicht völlig überzeugend, wenn auch die Umstän-
Martin Allen berichtet jedoch in seinem Buch, daß ins- de des Absturzes der Sunderland nie vollständig geklärt

478 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Thomas Dunskus, Der Mann, der zuviel wußte, S. 476-481

worden sind. die sich abzeichnende Entwicklung guthieß. “Double


Es wäre in einem solchen Fall auch nötig gewesen, Standards” spekuliert, daß Heß London gegenüber
einen “Doppelgänger” für Heß in Szene zu setzen, ein eventuell so weit gegangen sei, eine Veränderung an
Unterfangen, das zwar nicht unmöglich, aber ohne der Spitze des Deutschen Reiches vorzuschlagen – mit
Zweifel recht schwierig gewesen wäre. Heß’ Verhalten Hitler auf den mehr zeremoniellen (und vakanten) Po-
im Nürnberger Prozeß, bei dem er täglich mit engen sten eines Reichspräsidenten und Heß mit dem Posten
Bekannten aus dem Dritten Reich zusammentraf, ist des Reichskanzlers. Eine solche deutsche Konzessions-
zwar als ungewöhnlich und sprunghaft beschrieben bereitschaft, verglichen mit der früheren starren Hal-
worden, doch kann man sich nur schwer vorstellen, daß tung, etwa in München, könnte einleuchten, denn die
Leuten wie Göring ein Doppelgänger nicht aufgefallen britische Haltung hatte sich seither ja durch den Kriege-
wäre. intritt Londons und durch die massive britische Aufrü-
stung erheblich verändert.
Die Doppelgänger-Theorie Was an der britischen Geheimaktion – wenn sie
In einem Buch über Heß (“The Murder of Rudolf denn in der beschriebenen Weise erfolgt ist – er-
Hess”, Hodder and Stoughton 1979) unterstützt Hugh schreckt, ist die Skrupellosigkeit, mit der die Regierung
Thomas, seinerzeit Arzt im Spandauer Gefängnis, die Churchills daranging, zwei Diktaturen gegen einander
Doppelgänger-These unter Hinweis auf fehlende Nar- auszuspielen. Der Ausgang eines solchen Duells war
ben einer Verwundung von Heß im 1. Weltkrieg. Seine durchaus unklar; sicher war lediglich, daß die Freiheit
Untersuchungen waren jedoch recht oberflächlich; au- und Unabhängigkeit ganz Osteuropas preisgegeben
ßerdem berichtet ein aus Nordafrika stammender späte- wurde, egal wie der Krieg im Osten ausging. Diese Tat-
rer Krankenpfleger, der Heß in dessen letzten Jahren im sache entwertet den möglichen Einwurf, daß London
Spandauer Gefängnis versorgte, dieser habe sich mit keinesfalls einen Frieden mit dem Reich hätte abschlie-
ihm in arabischer Sprache mit ägyptischem Akzent un- ßen können, weil Großbritannien ja gerade in den Krieg
terhalten – für den echten Heß durchaus plausibel, er eingetreten war, um die Integrität Polens zu garantieren.
war ja in Ägypten aufgewachsen, für einen Doppelgän- Es sind vielleicht diese Überlegungen moralischer Na-
ger äußerst unwahrscheinlich. Man weiß natürlich nicht tur, in denen sich das Unbehagen britischer Autoren
genau, ob der Krankenpfleger die Wahrheit gesagt hat. widerspiegelt in Bezug auf Entscheidungen, die damals
Die meisten heutigen britischen Autoren sind sich von einer Handvoll Leuten in Whitehall in ihrem Na-
darüber einig, daß Churchill in dieser oder jener Weise men und über ihre Köpfe hinweg getroffen wurden.
die Deutschen in einen Krieg gegen die Sowjetunion
lotste, dann die Entwicklung abwartete und schließlich Antideutsche Verbohrtheit
an die Seite Stalins trat, als es der Wehrmacht nicht ge- Ein Hinweis auf die Motive Churchills findet sich
lungen war, den Feind in einem ersten Ansturm zu ver- vielleicht in den Dokumenten, die in der deutschen
nichten. Ausgabe von Martin Allens Buch “Churchills Friedens-
Die sowjetischen Vorbereitungen für einen Krieg falle” abgebildet sind; im englischen Original werden
gegen Deutschland (und vielleicht auch gegen den Rest sie nur im Text zitiert. So schreibt etwa Robert Vansit-
Europas) sind in letzter Zeit in einer Reihe von Veröf- tart, Ständiger Berater des Foreign Office, im Septem-
fentlichungen diskutiert worden, die sich darin einig ber 1940 seinem Außenminister Halifax eine Notiz, in
sind, daß der Aufmarsch der Roten Armee im Westen der er sich zu einem Friedensfühler äußert, der von
des Landes eine Offensive im Sommer oder Herbst deutscher Seite via Stockholm ausgestreckt wurde; Hit-
1941 zugelassen hätte, der die Deutschen nur zuvorge- lers persönlicher Rechtsanwalt, Dr. Weißauer, hatte den
kommen sind. Stalin hatte, wie mehrere Autoren nach- britischen Botschafter, Mr. Mallet, angesprochen:
weisen, im Westen eine Streitmacht zusammengezogen, “Ich hoffe, Sie werden Mr. Mallet anweisen, un-
die auf einen Angriff aus zwei nach Westen hineinra- ter keinen Umständen Dr. Weißauer zu treffen. Die
genden Gebieten ausgerichtet war, jedoch aus verständ- Zukunft der Zivilisation steht auf dem Spiel. Es heißt
lichen Gründen hinter sich keine Verteidigungslinien jetzt du oder ich, und entweder muß das Deutsche
aufgebaut hatte und somit durch den deutschen Angriff Reich untergehen oder unser Land, und nicht nur
schnell und völlig zerrüttet wurde. untergehen, sondern wirklich untergehen. Ich glau-
be, es wird das Deutsche Reich sein. Das ist durch-
Churchills Rolle aus nicht dasselbe, als wenn man sagen würde,
Im Hintergrund der zahlreichen Bücher, die der bri- Deutschland muß untergehen, aber das Deutsche
tischen Politik in den ersten Jahren des 2. Weltkriegs Reich und die Reichsidee sind seit 75 Jahren der
gewidmet sind, steht die Frage nach den Gründen für Fluch der Welt, und wenn wir es diesmal nicht an-
Churchills antideutsche Haltung, die Frage, ob er sich halten, schaffen wir es nie, und sie werden uns an-
über die möglicherweise entsetzlichen Konsequenzen halten. Der Feind ist das Deutsche Reich und nicht
seiner Politik im Klaren war und die Frage, inwieweit er bloß der Nazismus, und wer das noch nicht begriffen

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 479


Thomas Dunskus, Der Mann, der zuviel wußte, S. 476-481

hat, hat überhaupt nichts begriffen und würde uns in schen Autor stammt. Richard Lamb hat in zwei Büchern
einen sechsten Krieg führen, selbst wenn wir den “The Ghosts of Peace “ (urspr. Titel “Whitehall Mad-
fünften überstehen würden. Jedwede Möglichkeit für ness”, Michael Russell 1987) und “The Drift to War”,
einen Kompromiß ist jetzt entfallen, und es muß ein (W.H. Allen & Co. 1989) die Zeit zwischen dem Ende
Kampf bis zum Ende sein, und zwar bis zu einem des 1. und des 2. Weltkriegs beleuchtet; in dem erster-
wirklichen Ende.” (Unterstreichungen im Original) wähnten Buch (in Deutschland unter dem Titel “Der
Dieser Brief zeichnet ein sehr lehrreiches Bild in verfehlte Frieden” erschienen) befaßt er sich in der
Bezug auf die geistige Haltung der kleinen Gruppe von Hauptsache mit den von britischer Seite unausgenutzten
Männern, die 1940 in London an der Regierung waren. Möglichkeiten, den 2. Weltkrieg frühzeitig zu beenden,
Der Kampf gegen Hitler war sekundär, es ging nur dar- mit unsinnigen alliierten Projekten zur Entmannung
um, im Rahmen eines größeren Kampfes Deutschland Deutschlands, wie etwa dem Morgenthau-Plan, die den
als politische Kraft zu eliminieren, um das Empire zu Krieg um ein Jahr verlängerten und katastrophale Kon-
erhalten. Wenn Vansittart von einem “fünften Krieg” sequenzen hatten, vor allem aber auch mit der unver-
spricht und Halifax ihn offensichtlich versteht, fragt nünftigen Haltung Londons gegenüber dem deutschen
man sich automatisch nach den vier anderen. Der konservativen Widerstand. In den Tagen nach dem 20.
1.Weltkrieg war natürlich die Nummer vier, aber die Juli 1944 überschritt die britische Politik durch BBC-
restlichen drei Kriege, in denen England nach 1860 ge- Sendungen die Grenze zum Verrat an Männern wie
gen das Reich stand, sind etwas geheimnisvoll, denn es Adam von Trott und vielleicht sogar auch an Albrecht
hatte ja keine offenen Feindseligkeiten zwischen den Haushofer, die unter Übernahme extremer persönlicher
beiden Ländern gegeben. Man kann nur vermuten, daß Risiken eine Verbindung zu London aufgebaut und auf-
die Kriege, die Preußen 1864, 1866 und 1870/71 gegen rechterhalten hatten, um das Schlachten der europäi-
dritte Länder geführt hatte, für Vansittart echte britische schen Völker untereinander zu verhindern oder wenig-
Kriege gegen ein sich bildendes Deutsches Reich wa- stens zu verkürzen. Lambs Analyse läuft in die gleiche
ren. Solche Überlegungen führen zu interessanten Richtung wie die von Martin Allen: es ging nicht um
Schlußfolgerungen hinsichtlich geheimer britischer Ak- die Niederwerfung Hitlers, Ziel war die Zerstörung
tivitäten hinter den Szenen der europäischen Politik im Deutschlands als Macht im Zentrum Europas.
19. Jahrhundert.
Der Hass Vansittarts auf das Deutsche Reich war Churchills Fiasko
zweifellos krankhaft; dies kommt in einem Pamphlet In ihrem Bemühen das Empire zu retten brachten es
(“Black Record, Germans Past and Present”, Hamish Churchill und seine Männern nicht nur fertig, am Ende
Hamilton 1941) zum Ausdruck, das er Dorothy Thomp- alles zu verlieren, was sie zu erhalten versucht hatten;
son widmete und das auf einen raschen Kriegseintritt es erreichten gleichzeitig, halb Europa in den Ruin zu
der USA abzielte. Er sieht keinerlei Unterschied zwi- treiben und den Rest, einschließlich ihres eigenen Lan-
schen dem Kaiserreich und Hitlers Politik und fordert des, extrem zu schwächen. Die Autoren von “Double
die Welt auf, das Deutsche Reich, in welcher Form es Standards” diskutieren des längeren, welche Tragödien
auch immer auftritt, zu Boden zu schlagen. Er schildert allen Beteiligten erspart geblieben wären, wenn Heß’
ein Erlebnis auf einem deutschen Segelschiff, auf dem Mission zu einem Erfolg geführt hätte. In einer fast
er als junger Mann gereist war: ein Neuntöter, den er schon hämisch zu nennenden Analyse betrachten sie die
mit dem Deutschen Reich gleichsetzt, spießte seine Art Europa, die sich aus einem halbwegs vernünftigen
Beute an irgendwelchen Dornen auf, Vansittart war da- Frieden mit Deutschland hätte ergeben können und ver-
von so erbost, daß er eine Pistole zog und den Vogel gleichen sie mit der jetzigen Situation Europas – die
vom Deck aus mit Schüssen zu erledigen suchte. Ob so Unterschiede sind für sie minimal, von der Verschie-
etwas sich wirklich zugetragen hat oder nur der Phanta- bung der deutsch-polnischen Grenze einmal abgesehen.
sie entsprang – der Schluß drängt sich auf, daß es sich Martin Allen stellt uns Heß als sympathischen, mu-
um einen kranken Geist handelte, der vielleicht auf die- tigen und ehrenwerten Menschen vor, die vier Autoren
se Weise seine deutsche Abstammung vergessen ma- von “Double Standards” gehen jedoch einen großen
chen wollte. Schritt weiter. Vier Hauptleuten gleich, tragen sie Ru-
dolf Heß wie den toten Hamlet auf die Bühne und rufen
Der naive Widerstand ihm nach “er hätte, wär’ er hinaufgelangt, unfehlbar
Im Zusammenhang mit dem 60. Jahrestag des Atten- sich höchst königlich bewährt”. Insofern ist es unwich-
tats auf Hitler am 20. Juli 1944 ist auch die Frage wie- tig, ob er seine letzte Ruhestätte in Wunsiedel neben
der diskutiert worden, welche Haltung die westlichen seinen Eltern gefunden hat oder aber irgendwo in
Alliierten, und hier vor allem London, in Bezug auf den Schottland, neben den armen Kerls, die auf Eagles Rock
deutschen Widerstand hatten. Auch hier ist es interes- mit dem Herzog von Kent ihr Leben verloren haben.
sant und lehrreich, daß eine sehr kritische Einschätzung
der britischen Politik in dieser Sache von einem engli-

480 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Thomas Dunskus, Der Mann, der zuviel wußte, S. 476-481

Weiterhin Geheimhaltung könnte sie diese Akten nicht beanspruchen. Jedoch ent-
Das letzte Buch zu diesem Thema kann noch nicht hält auch die heutige Literatur schon so viele Hinweise,
geschrieben werden, weil gewisse und möglicherweise die darauf warten, untersucht zu werden, und wir kön-
entscheidende Dokumente noch bis 2017 einer Sperr- nen hoffen, daß bald noch mehr Licht auf jene Ereignis-
frist unterliegen und andere Akten aus den offiziellen se fallen wird, die unsere heutige Welt in so starkem
Archiven in die Archive der britischen Krone verlagert Maße geformt haben – und auch weiterhin gestalten.
und dadurch normalen Offenlegungspraktiken entzogen
worden sind. Allein dieser Umstand zeigt, daß die Kö- Zuerst veröffentlich in The Revisionist 2(1) (2004), S. 105-107 mit
nigsfamilie mit dem Fall Heß etwas zu tun hatte – sonst Überarbeitungen durch den Verfasser.

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 481


Leserbriefe, S. 482-484

Leserbriefe
Zu: I. Shamir, “Über Antisemitismus und gesamten Welt als Heilsrezept […]”
Untermenschentum”, VffG, 8(2) (2004), S. 206-211 Und nicht zuletzt: Der Jude Baruch Lévy weiht ihn
Shamir nennt es einen rassistisch-jüdischen Stand- in das Geheimnis des Bolschewismus ein: Das jüdische
punkt, Karl Marx dem Judentum zuzurechnen, obwohl Volk würde insgesamt sein eigener Messias sein; seine
er getauft war, sich selbst nicht als Jude verstand und Weltherrschaft werde durch die Vereinigung der ande-
extrem judenfeindliche Texte verfaßte. Da lachen aber ren Menschenrassen und die Abschaffung von Grenzen
die Hühner in Tel Aviv und Jaffa. Der jüdische Autor und Monarchien, dem Bollwerk des Partikularismus, er-
William S. Schlamm bestätigte zwar einerseits:1 reicht werden. Es werde eine Weltrepublik errichtet
“Es gibt wohl kaum eine bestialischere Art, von den werden, die den Juden alle Bürgerrechte einräumen
Juden und dem Jüdischen zu reden, als die Eloquenz wird. Das Privateigentum werde aufgehoben sein, und
des getauften Juden Karl Marx.” die Verheißung des Talmud, daß die Juden die Güter al-
Aber sein Freund und Mitstreiter Friedrich Engels ler Völker der Welt verwahren werden, werde verwirk-
meinte, Marx sei “von stockjüdischem Blut”.2 licht.7
In seinem Buch Der Jude und sein Judentum be- Zahlreiche jüdische Autoren rechnen Marx, ohne
hauptete Martin Buber:3 sich wie Frau Landmann von ihm zu distanzieren, zu
“Auch der rheinische Judenstämmling Karl Marx den bedeutendsten Juden der letzten 200 Jahre, wenn
ist nur ein Übersetzer des jüdischen Zukunftsglau- nicht aller Zeiten. Es ist “der Typus des religionslosen
bens und Zukunftswillens gewesen.” Juden”, wie ihn Rudolf Bienenfeld 1937 beschrieben
Nach Sergej Bulgakow4 hat.8
“stellt der moderne Sozialismus eine Renaissance Für den ebenfalls von Shamir genannten Heinrich
der altjudäischen messianischen Lehren dar; K. Heine war die Taufe bekanntlich das “billet d’entrée” in
Marx und Lassalle sind Apokalyptiker neuen Zu- die Gesellschaft:9
schnitts, die das messianische Reich prophezeien. “Ich mache kein Geheimnis aus meinem Juden-
[…] Der Sozialismus ist eine auf dem Atheismus be- tum, zu dem ich nicht zurückgekehrt bin, sondern
ruhende Religion.” das ich nie verlassen habe.”
Diese Sicht zur Zeit der “Oktoberrevolution” bestä- “Ja, ich bin zurückgekehrt zu Gott, wie der ver-
tigte später Arnold Toynbee:5 lorene Sohn, nachdem ich lange Zeit bei den Hege-
“Das traurige Schauspiel der Leiden der Indu- lianern die Schweine gehütet.”10
striearbeiter und die Duldung dieser sozialen Unge- Nahum Goldmann zitierte11
rechtigkeit durch die Mittelklasse erregte die Empö- “oft die geniale Formulierung Heinrich Heines,
rung von Karl Marx (1818-1883) und bewegte ihn der am Ende seines Lebens ein sehr guter Jude war
zur Schaffung einer vierten judäischen Religion.” und dessen Übertritt zum Christentum nur eine reine
Auch Frau Salcia Landmann war der Ansicht:6 Formalität, seine ‘Eintrittskarte’ in die westliche
“Jedenfalls läßt sich nicht bestreiten, daß es ur- Gesellschaft, gewesen ist. Heine fragte: ‘Wie kann
sprünglich die Juden waren, die solche Konzepte in man das Mysterium des Überlebens der Juden, ohne
das abendländische Denken einbrachten. Man neh- Heimat, ohne Staat, ohne irgend etwas, erklären?’
me nur einmal Karl Marx, den deutschen Juden und Und er antwortete: ‘Weil sie im Schulchan Aruch
christlich getauften Enkel eines ostgalizischen Rab- (Sammelwerk der jüdischen Gesetze und Vorschrif-
biners: Er wächst in Trier ohne eine Ahnung von al- ten) eine regelrechte tragbare Heimat besitzen.’”
tem jüdischem Schrifttum auf, manifestiert den bei Shamir gibt einige Beispiele dafür, wie der angeblich
bedrängten Minderheiten – und also nicht nur bei “normale Prozeß jüdischer Assimilation” hintertrieben
Juden – häufigen rabiaten Selbsthaß […] bekennt wird. Das ist ja doch das eigentliche Problem! Das darf es
sich selber zum beduinischen Nomadenkommunis- eben nicht geben – aus der Sicht des Judentums:
mus der Urhebräer, ohne ihn zu kennen und als sol- “Fehlen […] Spannungen und nimmt angesichts
chen zu erkennen, legt auf dieser Basis in dicken, des problemlosen Umweltverhältnisses die Assimila-
unlesbaren Büchern das dümmste ökonomische tion überhand, treten im Judentum selbst Gegen-
Konzept der Welt fest, das den natürlichen Egoismus strömungen auf, die eine Profilierung in ethnischer
des Menschen mißachtet und folglich a priori schei- oder religiöser Hinsicht mit dem Ziel der Selbstbe-
tern und nichts als Elend und Terror gebären muß – hauptung zum Ziel haben.”
und ‘verkauft’ dieses auf den ersten Blick als kata- So lautet das Motto der Reihe Judentum und Umwelt
strophal erkennbare Programm einem Gutteil der des Verlages Peter Lang, Frankfurt am Main/Bern, her-

482 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Leserbriefe, S. 482-484

ausgegeben von Johann Maier. Dieses Auftreten von Dabei ging es um die Bewegung des falschen Messi-
Gegenströmungen wird dann den anderen, dem Gast- as Sabbatei Zwi im 17. Jahrhundert. Daniel Bell hat in
land, zur Last gelegt. Martin Hauser notierte 1929 in einem linken Blatt nachgewiesen, wie dieses Denken
seinem Tagebuch:12 als dialektische Theorie des Bösen, die nie veröffent-
“Antisemitismus, Not und Elend sind scheinbar licht wurde, zur kommunistischen Geheimlehre wurde,
unumgänglich. Gäbe es z.B. keinen Antisemitismus, bis man darin schließlich den eigentlichen Maßstab für
würden wir Juden uns schon längst aufgelöst haben einen “wahren Kommunisten” erblickte.19
unter den Völkern. So ist der Antisemitismus gleich- Neben dem jüdischen Auserwähltheitswahn, den
sam Wächter für uns.” schon Spinoza kritisierte, ist es die fortbestehende An-
“Antisemitismus als Motor Israels” nannte Helmut maßung eines Rechts auf schwarze Schafe, auf eine
Gordon treffend seine Betrachtungen zu Lenni Brenners Dialektik des Bösen zum angeblichen Wohl der
Zionism in the Age of the Dictators.13 Menschheit, die immer wieder zu Katastrophen im Zu-
Überwältigt von den unmoralischen religiösen Ge- sammenleben von Juden und Nichtjuden führen muß.
setzen und Handlungen seiner jüdischen Mitbürger sei Schon der Prophet Jeremia klagte:20
Shamir zum christlichen Glauben übergetreten und lebt “Aber mein Volk ist toll, und sie glauben mir
in Jaffa. Wie das? Zu Karl Marx schreibt er, gemäß zio- nicht; töricht sind sie und achten’s nicht. Weise sind
nistischem Recht wäre es ihm nicht erlaubt, sich in Isra- sie genug, Übles zu tun; aber wohltun wollen sie
el niederzulassen. Angeblich wird von jüdischen In- nicht lernen.”
stanzen ein Austritt aus dem Judentum auch gar nicht Es gibt noch viel aufzuarbeiten, Herr Shamir! Aber
akzeptiert. Ignatz Bubis jedenfalls war der Überzeu- schon Heine wußte:21
gung:14 “Die Welt ist ein großer Viehstall, der nicht so
“Aus dem Judentum kann man nicht entkommen leicht gereinigt werden kann, weil während gefegt
und dem Judentum kann man nicht entrinnen.” wird, die Ochsen drin bleiben und immer neuen Mist
Abba Eban, der ehemalige israelische Außenmini- anhäufen.”
ster, bestätigte trefflich den Zusammenhang der jensei- Ernst Manon
tigen und der diesseitigen Heilslehre:15
“Die größte Leistung des Judentums, seine welt- ANMERKUNGEN
1
historische Leistung, ist das Christentum, das in jü- Wer ist Jude?, Seewald, Stuttgart-Degerloch 1964, S. 33.
2
MEGA, Bd. 22, S. 50.
discher Sicht nichts anderes ist als ein Medium zur 3
Joseph Melzer, Köln 1963, S. 547f.
Aufrichtung der jüdisch-kommunistischen Welt- 4
Christianstwo i sozialism – Christentum und Sozialismus, Moskau 1917.
5
macht.” Menschheit und Mutter Erde, Düsseldorf 1979, S. 485.
6
in: Staatsbriefe 3/1990, S. 33.
Zum Schluß zitiert Shamir einen jüdisch-amerika- 7
Salluste: Les origines secrètes du bolchevisme – Henri Heine et Karl
nischen Journalisten, der es nicht schätzt, wenn man gu- Marx, Jules Tallandier, Paris 1930, S. 33f.; ebenfalls in: La Revue de Pa-
ris vom 1. Juni 1928, S. 574.
te und schlechte Juden unterscheidet. Beim Fall des 8
Die Religion der religionslosen Juden, 2. Aufl., Wilhelm Frick-Verlag,
Lüstlings Michel Friedman beteuerte Sonja Margolina Wien 1955.
9
das Recht des Judentums, schwarze Schafe haben zu 10
nach Mensch und Maß, Folge 22 vom 23. November 198, S. 1021.
Hugo Bieber; Mary S. Rosenberg (Hg.), Jüdisches Manifest, New York
dürfen:16 1946, S. 250.
“Dieses Recht hat Friedman in die Tat umge- 11
Das jüdische Paradox: Zionismus und Judentum nach Hitler, Europäi-
setzt.” 12
sche Verlagsanstalt, Köln 1978, S. 96.
Auf dem Heimweg – Aus den Tagebüchern eines deutschen Juden 1929-
So einfach ist das! Ein Deutscher wäre in der Ver- 1945, Bonn 1975, S. 8.
senkung verschwunden; Friedman ist wieder obenauf. 13
in: Deutsche Monatshefte 4/1984.
14
Eine theologische Rechtfertigung findet sich bei den in: Die Woche vom 8. Mai 1998.
15
Quelle derzeit nicht auffindbar.
“häretischen Kabbalisten der sabbatianischen Bewe- 16
“Verurteilung statt Diskussion” in: Junge Freiheit, 7. 11.2003, S. 3.
gung”; diese 18 17
oder Tikkun, d.i. Erlösung, Weltverbesserung.
18
“leiteten nämlich […] die Theorie ab, daß zur Siegmund Hurwitz, Psyche und Erlösung, 1. Aufl., Daimon, Zürich 1983,
S. 82f.
Gewinnung des Tiqun[17] auch die Sünde mit einbe- 19
“Durch die Sünde zur Erlösung” in: Die Zeit Nr. 39 , 18.9.1992, S. 77-79
zogen werden müsse. Sie knüpften bei ihren Überle- 20
21
Kap. 4, 22.
“Kampf der Philosophen gegen die Religion” in: ders.: Zur Geschichte
gungen an das bekannte Bibelwort an: ‘Du sollst der Religion und Philosophie in Deutschland, Hoffmann und Campe,
den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, Hamburg 1979, S. 451.
mit ganzer Seele und mit deiner ganzen Kraft.’
(Deuteronomium 6, 5). Bereits ein alter Bibelkom- Zu G. Rudolf, “Mobiltelefon-Experimente in
mentar (Sifrê z.St.) sowie der Talmud (Babyloni- Linienflugzeugen”, VffG 7(3&4) (2003), S. 275-277.
scher Talmud, Traktat Berakot 9,5) hatten das Wort
‘ganz’ in dem Sinne interpretiert, daß man Gott Sehr geehrter Herr Rudolf!
nicht nur mit dem guten, sondern auch mit dem bö- Mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen und ihn
sen Triebe dienen könne.” sogleich Bekannten und Freunden zum Lesen gegeben.
Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 483
Leserbriefe, S. 482-484, Gegendarstellung, S. 484-487

Allerdings erntete ich bezüglich Ihrer These, Mobil- gleichgesetzt, ist aber etwas Grundverschiedenes.
funkgespräche aus Linienflugzeugen seien aus techni- Aus diesen Gründen kann ich solche Behauptungen
schen Gründen unmöglich, nicht nur Skepsis, sondern nicht ernst nehmen. Nicht ohne Grund habe ich in mei-
in einem Fall sogar Gelächter, denn einer dieser Be- nem Artikel die Leser aufgefordert, bei gelegentlichen
kannten meinte, er selbst habe schon von einem Linien- Flügen selbst solche Versuche zu machen und die ent-
flugzeug aus ein Mobilfunkgespräch geführt, was be- sprechenden Randbedingungen zu notieren, damit unse-
weise, daß Ihr ganzer Artikel wertlos sei. re Datenbasis breiter wird. Bisher hat sich niemand bei
Auch habe ich gelesen, daß einige Fluggesellschaf- mir gemeldet, der solche Versuche unternahm.
ten planen, ihren Fluggästen die Benutzung ihrer Han- Tatsache ist, daß ich noch nie jemanden gesehen ha-
dys nun doch zu erlauben. Das setzt ja wohl voraus, daß be, der während eines Fluges versuchte, sein Handy zu
solche Gespräche technisch möglich sind. benutzen. Der Grund ist einfach: Die Stewardeß würde
Was ist also hier die Wahrheit? fuchsteufelswild werden, denn das ist verboten! Ma-
W.S., Deutschland chen Sie also ihre Versuche im Geheimen, indem sie Ihr
Handy vor den Blicken der Flugzeugbesatzung und an-
ANMERKUNG DES AUTORS G. RUDOLF derer Passagiere verbergen! Und Vorsicht: die meisten
Ich erhielt im vergangenen Jahr mehrere Einwände Handys fangen wie wild an zu piepsen, wenn es ihnen
dieser Art. In keinem Fall war es mir möglich, von den trotz ausreichendem Signal (bei geringen Flughöhen bei
jeweiligen Personen zu erfahren, an welchem Tag in Start und Landeanflug) wegen der zu hohen Geschwin-
welchem Flugzeug sie mit welchem Telefon unter Nut- digkeit nicht gelingt, eine stabile Verbindung aufzubau-
zung welchen Netzwerkes von welchem ungefähren Ort en. Haben Sie also eine Kissen parat, um diesen Krach
aus bei welcher Flughöhe und Reisegeschwindigkeit ein zu dämpfen!
Gespräch geführt haben. Solche Angaben konnte oder Daß Fluglinien planen, Handys in Zukunft in Flug-
wollte niemand machen. Bei näherem Nachfragen zeugen zuzulassen, beweist nicht, daß es im Jahr 2001
konnten die Personen, wenn überhaupt, dann nur ange- möglich war, Handy-Gespräche zu führen. Um Handys
ben, sie könnten sich nicht erinnern, ob sie das Ge- benutzen zu können, muß eine Handy-Empfangs- und
spräch während des Fluges führten oder während das Sendeantenne im Flugzeug eingebaut werden, die dann
Flugzeug noch am Boden war. Und wenn es sich dann eine Verbindung zum Mobiltelefon-Netzwerk am Bo-
doch um einen Anruf während des Fluges handelte, den via Satellit herstellt. Eine Direktverbindung zum
konnten sie sich nicht erinnern, ob sie das Sitztelefon Bodennetzwerk ist auch heute technisch unmöglich.
im Flugzeug benutzten oder ihr Handy. Das Sitztelefon
funktioniert aber im Gegensatz zu Handys über eine Sa-
tellitenverbindung. Das Sitztelefon wird oft mit Handys

schloß man sich, den unangenehmen Wahrheitssucher


Gegendarstellung widerrechtlich für verrückt zu erklären. Lachout gilt
seither wie andere Unbeugsame vor ihm (ich erinnere
Zu K. Schwensen, “Zur Echtheit des Lachout- etwa an Ezra Pound und Francis Parker Jockey) als
Dokuments”, VffG 8(2) (2004), S. 166-178. nicht “verhandlungsfähig”. Warum die österreichische
Justiz, die laufend und kaltblütig Revisionisten dafür,
daß diese die Wahrheit sagten, anklagt, sich nun mittels
In der Nummer 2 der Vierteljahreshefte von 2004 er-
gezinktem, psychiatrischen Gutachten ausgerechnet des
schien im Sommer dieses Jahres ein Artikel, gezeichnet
Emil Lachout auf so tollpatschige Weise entledigen hät-
von einem gewissen “Klaus Schwensen”, in welchem
te sollen, bleibt rätselhaft, wenn dieser – folgt man
der Zeitzeuge und Revisionist Ing. Emil Lachout wieder
Schwensens Fälschungsvorwurf – doch als wohl erster
einmal als Scharlatan dargestellt wird. Das von ihm im
und einziger Fälscher unter den Revisionisten zu über-
Jahre 1948 unterfertigte Schriftstück, von mir im Jahre
führen gewesen wäre?
1987 in Halt erstmals veröffentlicht, soll nun doch eine
Warum hat sich die Justiz, die bisher noch kein ein-
Fälschung sein.
ziges revisionistisches Argument hat widerlegen kön-
Der Fälschungsvorwurf an sich wäre nicht neu: Seit
nen, diese Chance entgehen lassen? Der Autor “Klaus
Jahren wird dieser Vorwurf von dem staatlich gesäugten
Schwensen” stellt diese Frage nicht, und das trifft sich
“Dokumentationsarchiv des Österreichischen Wider-
gut: so braucht er sie auch nicht zu beantworten.
standes” (DÖW) und der gesamten staatlichen Ge-
Neu an dem jüngsten Angriff gegen Lachout ist, daß
schichtsschreibung gegen Lachout vorgetragen. Die
er in einer revisionistischen Zeitschrift geführt wird und
österreichische Staatsanwaltschaft wagte jedoch nicht,
daß gleichzeitig zwei weitere verfolgte Revisionisten in
Lachout wegen Fälschung vor Gericht zu stellen: nach
den Fälschungsvorwurf einbezogen werden. Zuerst der
jahrzehntelanger gerichtlicher Voruntersuchung ent-
untadelige und unvergeßliche Ing. Friedl Rainer, Sohn

484 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Gegendarstellung, S. 484-487

des angesehenen, 1945 von den Alliierten gefolterten 3. Ein Dokument zu fälschen und dafür einen “Mili-
und später ermordeten Kärntner Gauleiters Rainer. Die- tärpolizeilichen Dienst” zu erfinden, wenn derselbe gar
ser ist schon vor vielen Jahren verstorben. Es geht also nicht existiert hätte, um dieses Dokument dann in einem
auch um das Andenken eines Toten. Schließlich werde Verfahren zu verwenden, das es noch gar nicht gab und
auch ich selbst mit dem Fälschungsvorwurf bedacht, dessen Einleitung nach der damaligen Gesetzeslage
wobei der Eindruck erweckt wird, Lachout, Rainer und noch gar nicht absehbar war, das hält wohl nur Mister
ich hätten uns aus nachvollziehbaren Motiven zum “Schwensen” für ein “reales Fälschungsmotiv”. Ich
Zwecke der Dokumentenfälschung verabredet. nicht. Hanebüchen auch die folgende These:
Denn der wissenschaftlich erscheinen wollende Auf- “Für die revisionistische Zeitgeschichtsforschung
satz gipfelt in folgender abenteuerlicher Spekulation: stellt das Dokument heute eine Belastung dar, denn
“Der Zweck oder die Tendenz eines Dokuments Gegner wie das DOW werden weiterhin mit Wonne
lassen daher Rückschlüsse über die Motive des Er- diese Fälschung dem gesamten Revisionismus anla-
stellers und die Entstehungsgeschichte zu. […] Ein sten.” (S. 177)
durchaus reales Motiv aber hatten die drei Männer, Ein einfältigerer Satz ist kaum denkbar. Man beden-
die am Wiederauftauchen des Dokuments beteiligt ke: Die Revisionisten wurden bisher allesamt, ungeach-
waren, nämlich Gerd Honsik, Emil Lachout und tet ihrer Rasse, Herkunft, politischen Gesinnung, ein-
Friedrich Rainer. Damals (1987) sahen sowohl Rai- schließlich ihrer studierten Historiker und Chemiker als
ner als auch Honsik einem Verfahren wegen ‘natio- Lügner, Betrüger, Nazi, Antisemiten, Fälscher, Irre oder
nalsozialistischer Wiederbetätigung’ entgegen. Volksverhetzer gejagt, ihre besten Exponenten mit ein-
Lachout folgte bald darauf. geschlossen. Wie könnte denn da ausgerechnet der Fäl-
In den bevorstehenden Prozessen gegen Rainer schungsvorwurf gegen das “Lachout-Dokument”, das ja
und Honsik ging es unter anderem um die Frage, ob nur eine Mauthausen-Wirklichkeit bestätigt, wie sie von
es in dem ehemaligen KL Mauthausen eine Gas- Prof. Yehuda Bauer längst beschrieben worden war, die
kammer gegeben habe oder nicht [S. 170…] Das “Belastung des gesamten Revisionismus” noch stei-
Motiv für die Fälschung waren vermutlich prozeß- gern?
taktische Gründe, nämlich um in den Strafverfahren Selbst wenn das “Lachout-Dokument” eine Erfin-
gegen Rainer und Honsik eine Diskussion der Gas- dung des Ing. Lachout und dieser eine Art Hauptmann
kammernfrage im Zusammenhang mit Mauthausen von Köpenick wäre, so würde er neben seinen Verfol-
zu erzwingen.” gern vom “DÖW”, die selbst den Morgenthau-Plan gut-
Diese “Schlußfolgerung” ist eine Schande für die hießen, noch wie ein netter Robin Hood wirken.
Revision: Nicht der Fälschungsvorwurf gegen das “Lachout-
1. Weder gegen mich noch gegen Rainer oder Dokument”, sondern die spekulative Einbeziehung von
Lachout war zum damaligen Zeitpunkt ein Verbotsge- Friedl Rainer und Gerd Honsik in den Fälschungsvor-
setzprozeß angesetzt, ja es lief nicht einmal eine Vorun- wurf durch “Schwensen” ist dazu angetan, den Revisio-
tersuchung, die das KL Mauthausen zum Gegenstand nismus zu verunglimpfen. Könnte dies Absicht sein?
gehabt hätte. Die Mauthausenverfahren gegen Lachout Das schlimmste Verbrechen des Historikers ist die Lü-
und mich wurden überhaupt erst durch die Veröffentli- ge, die schlimmste aller Lügen aber ist das falsche
chung des Lachout-Dokumentes vom Zaune gebrochen. Zeugnis!
Es konnte also eine Fälschung des “Lachout-Doku- Woher die staatliche Zeitgeschichte am Vorabend
mentes” nicht einem Mauthausenverfahren nützen, das ihres Unterganges noch die magischen Kräfte herneh-
erst durch die Veröffentlichung desselben angestrengt men sollte, für ihre Zweifel am “Lachout-Dokument”
worden ist. die Revision insgesamt zu belasten, nachdem ihre Ver-
2. Ich kannte Ing. Friedrich Rainer damals noch gar dammung und Verleumdung derselben bisher ohnehin
nicht persönlich und wurde diesem erst erheblich später schon umfassend war, bleibt “Schwensens” Geheimnis.
von dessen Schwester, Frau Erika Hannesschläger, vor- Unwissenschaftlich, polemisch und hämisch ist über
gestellt. Bei dieser (einzigen) Begegnung ging es nicht weite Strecken auch die Tonart des Aufsatzes. Da heißt
um das Lachout-Dokument, sondern um die Prozeßak- es:
ten im Rainer/Wiesenthal-Verfahren. Auch wüßte ich “Es erübrigt sich, zu sagen, daß man ansonsten
nicht, was Rainer mit dem Auftauchen des “Lachout- von diesem “polizeilichen Hilfsdienst” genau so we-
Dokumentes” zu tun gehabt haben soll. Auch Herrn Ing. nig etwas gehört hat wie vom MPD.”
Lachout lernte ich erst im Zusammenhang mit der Ver- Dieses Detail freilich ist auch falsch. Kein heute
öffentlichung des Dokumentes kennen. Ob unmittelbar noch lebender ehemaliger Nationalsozialist in Öster-
davor oder danach, muß dahingestellt bleiben. Eine reich hat diese “Hilfspolizei” vergessen, die mit Arm-
Verabredung zum Zwecke einer Fälschung mit mir per- binden gekennzeichnet die Wohnungen von “Belaste-
sönlich damals fremden Personen – das also ist ten” plünderte und Nationalsozialisten an die Rote Ar-
Schwensens neue “Erkenntnis”. mee denunzierte.

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 485


Gegendarstellung, S. 484-487

Prominente Österreicher, darunter auch ein Bundes- gen die Echtheit des Dokumentes immer wieder daran
kanzler, rühmten sich öffentlich der Mitgliedschaft. festmacht, daß es ihm nicht möglich sei, den Weg zu
Die Unwissenheit unseres Verfolgers scheint gren- ergründen, den das Schriftstück seinerzeit in meine
zenlos. Daß er gar nicht bemüht war, die Wahrheit zu Hände genommen hatte. Dabei mutet es zynisch an, daß
ergründen, bewies er dadurch, mich selbst niemals zum er immer wieder von “Schutzbehauptungen” Lachouts
Fälschungsvorwurf befragt zu haben, obwohl ihm mei- spricht. Die Neugierde des Herrn “Schwensen”, nicht
ne Postanschrift zugänglich war. das Dokument selbst, sondern dessen Weg heraus aus
Ich selbst habe übrigens nie behauptet, das Lachout- den gesperrten Archiven ergründen zu wollen, scheint
Dokument “auf seine Echtheit” geprüft zu haben. Dazu geradezu unersättlich, und sie steht im Widerspruch zu
war ich und bin ich nicht in der Lage. Ich habe es nur den geäußerten Zweifeln an der Echtheit des Schrift-
pflichtgemäß ohne zu säumen veröffentlicht, als es in stückes. Denn den Weg desselben aus dem Aktentresor
meinen Besitz gelangte. Und ich legte es damit Freund in meine Hände zu verschleiern, kann doch nur dann im
und Feind zur Begutachtung vor. Und ich stelle ver- Interesse des Überbringers liegen, wenn dieser durch
wundert fest, daß bisher niemand imstande war, es als seine Ausfolgung an mich den Tatbestand des Amts-
Fälschung zu entlarven. Schon gar nicht der hier unter- mißbrauches begangen hätte. Wenn der Betreffende al-
suchte Aufsatz mit seinen Irrungen, Spekulationen, ja so etwa fürchten mußte, seiner Beamtenpension verlu-
Verleumdungen. Besonders scheinheilig übrigens die stig zu werden! Denn nur dann ergäbe der Vorwurf ge-
gespielte Verwunderung dieses Verfolgers über die Un- gen Lachout Sinn, sich einer “Schutzbehauptung” zu
auffindbarkeit der MPD-Akten. Weiß er denn nicht, daß bedienen. Eine solche “Schutzbehauptung” (Lachouts)
alle wichtigen Akten auf Jahrzehnte gesperrt wurden? wiederum ergibt ihrerseits in diesem Fall aber nur Sinn,
Daß die Jagd nach Tonnen von gesperrten Akten das wenn das Schriftstück selbst echt ist. Nach Herrn
Ziel aller Revision ist? “Schwensens” Meinung hätte Lachout dieses sein
Auch die Psychiatrierung Lachouts und die Aus- Schutzbedürfnis jedoch fallenlassen sollen, bloß um die
klammerung des Mauthausenverfahrens bei meinem Neugierde seines Verfolgers zu stillen. Diese Neugierde
Auschwitz-Prozeß 1992 war nicht angetan, meinen des Herrn “Schwensen” freilich wird auch von mir nicht
Glauben in das Dokument zu erschüttern. gestillt werden. Denn diese seine Neugierde ist offen-
sichtlich nicht die des Historikers, sondern die des Ver-
LACHOUTS VERDIENSTE ALS REVISIONIST folgers. Weiß denn besagter Schwensen nicht, daß es
Lachouts originelle Form, seine Erkenntnisse als journalistische Gepflogenheit ist, die Überbringer von
Gutachten darzustellen, wird von Schwensen ebenfalls Nachrichten nicht zu verraten und nicht auszuliefern?
aufs Korn genommen. In diesem Zusammenhang ist nicht so sehr das
Ich selbst habe einige dieser “Gutachten” von einem Schutzbedürfnis des verfolgten Ing. Lachout auffällig,
befreundeten und gerichtlich beeideten Sachverständi- sondern vielmehr das des Revisionistenjägers “Schwen-
gen überprüfen lassen. Schließlich revidierte dieser sei- sen” selbst. Denn es ist offensichtlich, daß dieser unter
ne negative Meinung über Lachout. Die Mehrzahl der falschem Namen schreibt, sich also eines Pseudonyms
Arbeiten hatten sich als schlüssig erwiesen. Allein für die Abfassung seiner offenbar haltlosen Angriffe
durch zwei dieser Gutachten hat sich Lachout als der gegen verfolgte Revisionisten bedient.
wohl bedeutendste Revisionist Österreichs bestätigt. Dabei hätte “Schwensen” von Seiten der Justiz keine
Durch Vergleiche der vorhandenen “Quellen” stellte er Verfolgung zu fürchten. Auch psychiatriert wird er
fest, daß die Gaskammer von Mauthausen in der Litera- wohl nicht werden. Denn an ihm dürfte die staatlich
tur elfmal die Position und zehnmal die Innenansicht verordnete Zeitgeschichte ihr Wohlgefallen haben.
änderte, ohne daß Historiker oder Zeitzeugen diesbe- Gerd Honsik, Spanien
züglich einander je widersprochen hätten.
Im zweiten Zivilprozeß des Ing. Friedl Rainer gegen Erwiderung von Klaus Schwensen
Wiesenthal trat Ing. Lachout vor Gericht als sachver- Zu meinem o.g. Artikel “Zur Echtheit des Lachout-
ständiger Zeuge auf und bot ein “Gutachten” an, wel- Dokuments” hat Gerd Honsik eine ausführliche Gegen-
ches einen von Wiesenthal vorgelegten Brief als Fäl- darstellung gegeben. Hierzu erwidere ich folgendes:
schung entlarvt. Das Gericht nahm Lachouts Darlegung
ernst und übergab den Fall zur Begutachtung an die 1. ZUR VORGESCHICHTE
österreichische Kriminalpolizei. Diese bestätigte Wer sich mit der Frage “Gaskammern im Altreich?”
Lachouts Erkenntnisse. Der von Wiesenthal vorgelegte befaßt, stößt früher oder später auf das Lachout-
Brief war, wie Lachout erkannt hatte, in der Nach- Dokument, das hierzu eine wichtige Aussage macht.
kriegszeit fabriziert worden. Damit hat sich Lachout als Daß es vom linkslastigen DÖW als Fälschung bezeich-
ein Meister sachlicher, wissenschaftlicher Arbeit erwie- net wurde, war mir bekannt. Mir fiel auf, daß es von re-
sen. visionistischer Seite seltsam still um dieses Dokument
Es fällt auf, daß “Schwensen” seinen Verdacht ge- war. Es war also nicht die “Neugierde der Verfolger”,

486 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4


Gegendarstellung, S. 484-487

wie Herr Honsik befürchtet, sondern die “Neugierde des WANN IST EIN DOKUMENT GEFÄLSCHT?
Historikers”, die mich seinerzeit veranlaßte, mich direkt Herr Honsik sagt, er habe “übrigens nie behauptet,
an Herrn Lachout zu wenden, der mir darauf eine Fülle das Lachout-Dokument ‘auf seine Echtheit’ geprüft zu
von Unterlagen zusandte. Es hat mich einige Arbeitszeit haben. Dazu war und bin ich nicht in der Lage. Ich habe
gekostet, zu dem Ergebnis zu gelangen, das in dem o.g. es nur […] veröffentlicht […] und legte es damit Freund
Artikel dargestellt ist. Ich ließ den Artikel zunächst in und Feind zur Begutachtung vor.” Warum regt er sich
der Schublade. Anlaß, ihn wieder hervorzuholen, war also auf, wenn jemand hergeht und “begutachtet”? Ob
ein Artikel “Die ‘Gaskammer’ im KL Mauthausen. Der die Argumente, die ich gegen die Echtheit vorgebracht
Fall Emil Lachout” (Johannes Heyne, VffG 3&4/2003, habe (formale Aspekte, Inhalt, Herkunft des Doku-
S. 422-435). Zu Mauthausen konnte ich nichts sagen, ments) stichhaltig sind, das entscheidet übrigens nicht
wohl aber zum Lachout-Dokument. Schon um andere Herr Honsik – da muß sich jeder Leser schon selbst ein
zu warnen, noch mehr Arbeit an das Dokument zu ver- Urteil bilden. Was Honsiks Kritik angeht, so zielt sie
schwenden, wollte ich meine Ergebnisse nicht länger durchwegs auf relativ nebensächliche Aussagen in mei-
zurückhalten. nem Artikel, die zudem als Vermutung ausgewiesen
sind.
2. ZU DEN ARGUMENTEN HONSIKS
Daß Herr Honsik heftig gegen den Artikel und sei- ZUR HERKUNFT DES DOKUMENTS
nen Verfasser polemisiert – damit muß ich leben. Eine Es kostete seinerzeit einige Mühe, um festzustellen,
große Rolle spielen wieder Vorgänge und Prozesse der daß es über die Herkunft des Lachout-Dokuments nicht
österreichischen Justiz, deren Einzelheiten man als Au- weniger als 5 Versionen gibt. Herrn Honsik gefällt die-
ßenstehender nicht kennen kann, es sei denn, man wid- se “Neugierde” anscheinend gar nicht; er äußert sich zu
met sein weiteres Leben dem Aktenstudium beim Be- diesem Thema aber sehr verschwommen. Wenn ich sei-
zirksgericht für Strafsachen in Wien (falls Aktenein- ne Andeutungen recht verstehe, hat er also das Doku-
blick gestattet ist). Man ist aber darauf gar nicht ange- ment aus einem österreichischen Archiv bekommen
wiesen, um zu dem Schluß zu kommen, daß mit dem (Version 1), von einem großen Unbekannten, der nun
Dokument etwas nicht stimmt. um seine Pension zittern muß. Da traut man sich natür-
lich nicht weiter zu fragen. Ist ihm eigentlich klar, daß
MOTIVE DER FÄLSCHUNG er damit die 4 Versionen Lachouts indirekt für falsch
Aus welchen Motiven wer wann die Fälschung fa- erklärt?
briziert hat, darüber kann man nur Vermutungen anstel- Ganz egal, von wem das “Dokument” nun stammt –
len. Zum Motiv hatte ich die Vermutung geäußert (aber man hat damit dem Revisionismus einen Bärendienst
nicht behauptet!), daß es aus prozeßtaktischen Gründen erwiesen.
erfolgt sein könnte, um eine Diskussion des Mauthau-
sen-Themas vor Gericht zu erzwingen. Herr Honsik be- Anmerkung der Redaktion
streitet das heftig, und ich akzeptiere das – immerhin Argumente können nur durch überzeugende Beweise
eine neue Erkenntnis in seiner Polemik. bewiesen bzw. widerlegt werden. Flotte Worte und
kecke Behauptungen helfen da nichts. Das gilt für beide
“POLIZEILICHER HILFSDIENST” ODER “HILFSPOLIZEI”? Seiten.
Etwas voreilig war vielleicht meine Feststellung, daß Wer hat Erlebnisse mit dem kurz nach Kriegsende in
man von dem sog. “polizeilichen Hilfsdienst” der ersten Wien (angeblich) tätigen polizeilichen Hilfsdienst, die-
Nachkriegszeit, der in einem obskuren Dokument er- ser Hilfspolizei oder dem Militärpolizeilichen Dienst
wähnt wird, “genauso wenig etwas gehört hat wie vom oder kann sonstige Angaben hierzu machen? War dies
MPD.” Laut Honsik hat es also eine “Hilfspolizei” ge- eine Organisation? Bestanden diese Bezeichnungen ne-
geben – mag sein. Ob das Dokument des “polizeilichen beneinander oder nacheinander? Wer Einzelheiten dazu
Hilfsdienstes” von dieser “Hilfspolizei” stammt, ist un- beitragen kann, möge sich bei der Redaktion melden.
klar. Zur Existenz des späteren “Militärpolizeilichen Im nächsten Heft lassen wir Emil Lachout ausführ-
Dienstes” (MPD) kann auch Honsik nichts beitragen – lich zu Wort kommen, in der Hoffnung, daß es ihm ge-
und damit steht und fällt nun mal das Lachout- lingt, Schwensens Argumente mit überprüfbaren Be-
Dokument. weisen zu widerlegen.

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4 487


In Kürze, S. 488

In Kürze
Erpreßte Aussagen seiner Verfahrens wegen “Volksverhetzung”. Wer ihm
Ladislav Niznansky, 87, soll im 2. Weltkrieg 164 schreiben möchte: E. Zündel, JVA Mannheim, Herzo-
Menschen in der Slowakei ermordet haben, weshalb er genriedstr. 111, D-68169 Mannheim (Vorsicht, Zenur!)
Anfang 2004 verhaftet wurde. Dokumente beweisen je-
doch, daß die gegen ihn vorliegenden Beweise von ei- Judenwitze verboten
nem tschechischen Schauprozeß stammen, das Weil ein Amateur-Darsteller bei einer Live-Über-
Niznansky 1962 in Abwesenheit zum Tode verurteilte: tagung im Fernsehen Judenwitze erzählte, wurden die
“So sagte ein Beteiligter des damaligen Verfah- verantwortlichen Redakteure entlassen und ein Verfah-
rens aus, ein Ermittler habe ihn ‘mit einer Pistole ren gegen den Sender Premiere bei der Landesmedien-
bedroht’. Ein zweiter Zeuge gab zu Protokoll, er ha- anstalt in München eröffnet. (Köln. Rundschau,
be Niznansky ‘unter psychischem und physischem 14.10.04) Ostfriesenwitze sind noch unverfänglich.
Druck’ belastet. Jan Holbus, ein weiterer Bela-
stungszeuge von einst, erklärte bei einer Verneh- Quod licet Jovi, non licet bovi
mung im Jahr 2001, man habe ihm damals gedroht, Wegen der massenhaften Verteilung der Denkschrift
er werde ‘den Raum mit den Füßen zuerst verlas- Die neue Sicht von Auschwitz, in der die Ansichten des
sen’, sollte er nicht aussagen, wie die Anklage dies Spiegel-Redakteurs Fritjof Meyer über Auschwitz er-
wünscht.” (Focus, 9.2.2004) läutert und diskutiert werden, wurde gegen den Bremer
Zur gleichen Zeit wurden damals in Polen die Zeu- Verleger Wieland Körner ein Strafverfahren wegen
genaussagen für den in Vorbereitung befindlichen Au- Volksverhetzung eröffnet. (Weser Kurier, 8.7.04)
schwitz-Prozeß mit ähnlichen Methoden präpariert.
Latussek wegen Auschwitzzahlen verurteilt
Auschwitz-Erinnerung führt zu Dusch- Während eines Rechenschaftsberichts hatte der Vi-
Verweigerung zevorsitzenden des Bundes der Vertriebenen Paul La-
Altenheime in Chicago organisieren ihre Bewohner tussek darauf hingewiesen, daß es in Auschwitz nicht 6
nach ethnischer Zugehörigkeit. Bei den Juden wird dar- Mio., sondern “nur” etwa 930.000 Opfer gegeben habe.
auf geachtet, daß ältere Bewohner nicht durch eine Du- Dafür wurde er angeklagt, jedoch freigesprochen. Der
sche an den Holocaust erinnert werden können. (Yahoo Bundesgerichtshof hob den Freispruch auf und verlang-
News, 12.10.2004) Diese Juden müssen in Auschwitz te, daß Latussek verurteilt wird. Mit der Herabsetzung
richtige Wasserduschen erlebt haben, denn sonst wür- der Auschwitz-Opferzahl habe er das Volk verhetzt
den sie nicht ihre alten Tage in Chicago verbringen. (NJW 10/2005, S. 689-692). Daß Latussek mit seiner
Opferzahl nahe der offiziell anerkannten liegt und weit
Verlag kündigt Hochhuth-Memoiren über dem, was J.-C. Pressac und Fritjof Meyer verkün-
Die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) in München deten, die dafür nicht verfolgt wurden, wußte oder in-
hat den Vertrag mit Rolf Hochhuth zur Veröffentli- teressierte das Gericht nicht. Wir werden berichten.
chung von dessen Memoiren zurückgezogen. Stand: 14.4.2005
Grund ist die Äußerung Hochhuts, es sei “idiotisch, Anzeige
David Irving als Holocaust-Leugner zu bezeichnen,”
u.a. weil Irving eine jüdische Mutter habe (Junge Frei- Sie interessieren sich für Ge-
heit, 18.2.05; Tagesspiegel, 19.2.05; Berliner Morgen-
post, 22.2.05), was Irving allerdings bestreitet. Der 74- schichte und schreiben gerne?
jährige Dramatiker hat sich inzwischen für seine Ver-
teidigung Irvings entschuldigt. (dpa-FT 24.3.05). Wir veröffentlichen Ihr Buch!
Ernst Zündel in deutschem Verließ Senden Sie Ihr Manuskript an:
Nach über zwei Jahren Isolationshaft schob Kanada
den deutschen Geschichtsdissidenten Ernst Zündel am
1.3.2005 nach Deutschland ab, weil seine Ansichten PC-Verlag,
das Regime in Deutschland destabilisieren und er in z.Hd. Herrn Patric Cremer,
Kanada in Kontakt zu Personen und Organisationen
stand, die als potentiell gewalttätig gelten. Zündel sitzt
Zum Giebel 2,
nun in Mannheim in Untersuchungshaft in Erwartung D-59846 Sundern
488 Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung · 2004 · 8. Jahrgang · Heft 4