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12/05/2012

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Von Major a.D. Göran Holming

Bekanntlich gibt es überhaupt keinen Befehl und keine An-
weisung Hitlers oder Himmlers, Juden zu vernichten oder zu
vergasen. Dagegen will die alliierte Propaganda geltend ma-
chen, es existiere eine Order von Himmler, daß die Verga-
sungen aufhören sollen. Falls eine solche Order tatsächlich
existierte, hätte sie eine große Durchschlagskraft als Beweis,
daß Vergasungen wirklich stattgefunden haben.
Man stützt sich dabei auf eine Aussage von SS-Standarten-
führer Kurt Becher vor dem Nürnberger Militärtribunal:1

»Etwa zwischen Mitte September und Mitte Oktober 1944
erwirkte ich beim Reichsminister SS Himmler folgenden
Befehl, den ich in zwei Originalen, je eins für die SS-
Obergruppenführer Kaltenbrunner und Pohl und einer Co-
pie für mich erhielt: “Ich verbiete mit sofortiger Wirkung
jegliche Vernichtung von Juden und befehle im Gegenteil
die Pflege von schwachen und kranken Personen. Ich halte
Sie (damit waren Kaltenbrunner und Pohl gemeint) persön-
lich dafür verantwortlich, auch wenn dieser Befehl von un-

tergeordneten Dienststellen nicht strikt befolgt wird!” Ich
überbrachte Pohl das für ihn bestimmte Exemplar persön-
lich in Berlin in seiner Dienststelle und gab das Exemplar
für Kaltenbrunner in seinem Sekretariat in Berlin ab.«

Eine derartige Order wurde nie wiedergefunden, ebensowe-
nig konnte irgendwie nachgewiesen werden, daß eine solche
Order existiert hatte.
Dies veranlaßte Raul Hilberg zu schreiben:2

»Im November 1944 beschloß Himmler, daß alle prakti-
schen Probleme mit der jüdischen Frage gelöst waren. Am
25. dieses Monats befahl er den Abbruch aller Einrichtun-
gen zur Massentötung.«

In einer Fußnote gibt er als Quelle an:

»Zeugenaussage von Kurt Becher 8. März 1946, PS-3762.«

Diese Zeugenaussage sagt jedoch nichts Derartiges.
Andere Holocaust-Skribenten haben danach immer von Hil-
berg abgeschrieben und ihrerseits Hilberg als Quelle genannt.
Noch erheiternder sind Gutmann und Berenbaum.3

Dort kann

VffG · 1997 · 1. Jahrgang · Heft 4

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man wieder von Himmlers angeblicher Order vom 25. No-
vember lesen, die »Gaskammern und Krematorien in Au-
schwitz zu demolieren
«. Aber in der Anmerkung steht an-
schaulich beschrieben:

»Laut Zeugenaussage des Führers der ungarischen Zio-
nisten Reszo Kastner zeigte Himmler-Mitarbeiter Kurt Be-
cher ihm eine Kopie einer Order, die Gaskammern und
Krematorien zu zerstören. Diese Order war datiert vom 25.
November 1944.«

Dieses Datum findet man auch in den Aufzeichnungen eines
anonymen Verfassers, eines Gefangenen und Mitgliedes des
Sonderkommandos, der schrieb, daß der Abbruch des Krema-
torium II am 25. November begonnen hatte.
Für mich als Offizier macht es einen sehr bemerkenswerten
Eindruck, daß der gefürchtete SS-Oberst Kurt Becher herum-
geht und jüdischen Führern eine streng geheime Himmler-
Befehl zeigt. Die Order war so geheim, daß sie nur in drei
Exemplaren angefertigt und wegen ihrer Brisanz nirgendwo
buchgeführt oder registriert worden war – aber jüdische Ver-
trauensleute konnten sie lesen!
Schon 1972 lernte ich einen älteren deutschen ehemaligen
Kavallerieoffizier, verheiratet mit einer der bekanntesten
Dressurreiterinnen, kennen.
Im Laufe der Jahre habe ich diesen Herrn namens Kurt Be-
cher bei mehreren Gelegenheiten anläßlich von Reitsportver-
anstaltungen in Deutschland getroffen. Aber erst sehr spät,
vermutlich 1993, erkannte ich, daß es sich um den vom Krieg
bekannten SS-Obersten handelte.
Ich erbat daher eine Zusammenkunft mit ihm in Bremen am
26. Oktober 1994, wo er mich empfing und – sichtlich amü-
siert über mein Interesse – ausführlich über sich selbst als
Offizier in der Waffen-SS erzählte, im Krieg in der 8. beritte-
nen SS-Division Florian Greyer dienend.
Im Sommer/Herbst 1944 war Becher in Ungarn, u.a. um
Pferde für die eigene Division, aber auch für das Deutsche
Heer, einzukaufen. Dabei kam er mit führenden ungarischen
Juden in Verbindung, u.a. mit jenem Kastner. Becher gelang
es bei Himmler zu erreichen, daß etwa 1.000 der reichsten
Budapester Juden samt dem Rüstungsindustriemagnaten
Weiss, der später in New York lebte, im Herbst 1944 die
Möglichkeit erhielten, über Bergen-Belsen in Feindesland
auszureisen. Dabei erfolgten auch die berüchtigten Verhand-
lungen zwischen Kastner und Becher, im Austausch gegen
l0.000 US-Lastautos weitere l00.000 Budapester Juden nach
Palästina reisen zu lassen.
Während dieser Gespräche brachten die führenden Juden ihre
Sorge zum Ausdruck, was wohl mit ihren Glaubensbrüdern
geschehen würde, wenn die Front zu den deutschen KL von
Auschwitz im Osten, nach Natzweiler, Neuengamme usw. im
Westen käme. Die Wachmannschaft würde dann doch wohl
nicht beginnen, die Juden zu vernichten? Bemerkenswerter-
weise hegten sie also keine größere Unruhe darüber, was den
Juden in den Lagern geschehen konnte, bevor die Kriegs-
handlungen zu diesen Plätzen kamen.
Becher beruhigte die ungarischen Juden damit, daß er in
Kürze Himmler treffen würde und ihre Besorgnis vortragen
wolle. Becher traf Himmler um die Monatswende Septem-
ber/Oktober, vermutlich am 25. September, daher das wie-
derkehrende Datum des 25. Himmler schrieb umgehend eine
Order, daß

»beim Vorrücken der feindlichen Truppen zu den KL diese
ohne Kampf übergeben werden sollten. Erforderliche
Maßnahmen sollen getroffen werden, so daß dies in guter

Ordnung und ohne Verluste für die Gefangenen geschehen
konnte.«

Auf meine Frage an Kurt Becher, wie seine Aussage in
Nürnberg in ihr Gegenteil umgewandelt werden konnte, sagte
er nur vieldeutig, daß ich die damaligen Verhältnisse in
Nürnberg nicht kannte.4

Kurt Becher hat später ein großes
Vermögen mit Geschäften mit dem Staat Israel verdient.
Unsere Gespräche wurden leider durch seinen Tod im August
1995 abgebrochen, was verhinderte, daß ich noch einige
wünschenswerte Klarstellungen erhielt.
Wer Bechers herzliches Lachen auf meine Frage bezüglich
der Order vom 25. November 1944, die Gaskammern in
Auschwitz zu zerstören, gehört hätte, würde klar erkennen,
daß diese Aussage den gleichen Geschichtsverdrehern zuzu-
schreiben ist wie immer.
Jene Order, die Kurt Becher tatsächlich von Himmler erhielt,
wurde laut Becher in 3 Exemplaren ausgeschrieben: eine für
den Gestapo-Chef Kaltenbrunner, eine für den Chef des SS-
Wirtschaftsverwaltungshauptamtes SS-General Oswald Pohl;
das dritte Exemplar behielt Kurt Becher, wurde jedoch nie
vorgewiesen. Becher überbrachte persönlich die Order an die
beiden genannten.
Warum die Order nur in 3 Exemplaren ausgeschrieben und
derart geheimgehalten worden war, daß sie persönlich von
einem Obersten übergeben wurde, läßt sich leicht erklären:
Was Himmler hier gedruckt festhielt, war ein eindeutiges
Eingeständnis, daß der Krieg verloren war und daß der Feind
in das Innere Deutschlands vorrücken würden, also ein klar
defätistisches Schriftstück, für das der Verfasser mit der
Todesstrafe rechnen konnte, wenn es in falsche Hände geriet.
Daß ein derart qualifiziert geheimes Papier einer feindlich
gesinnten Person, wie Kastner, gezeigt worden sein sollte,
erscheint derart lächerlich, daß diese Annahme eher orientali-
scher als europäischer Denkungsart entspricht.
Da sich Kurt Becher über das Gespräch amüsiert zeigte und
einen derart aufrichtigen Eindruck machte, fragte ich ihn
schließlich:

»Was ist denn nun die Wahrheit über die Vergasung der
europäischen Juden und was wissen Sie darüber? Sie hiel-
ten sich ja während einer längeren Zeit bei den informier-
testen und führenden ungarischen Juden auf.«

Bechers Antwort war:

»Ich hörte von diesen Sachen erstmalig, als ich als Gefan-
gener nach Nürnberg gebracht wurde. Was wirklich wahr
ist, weiß ich nicht, auf jeden Fall sind alle Behauptungen
enorm übertrieben, wie wir ja alle wissen.«

Kurt Becher hat also um die Monatswende September/Okto-
ber 1944 eine Order erhalten, vom Feind bedrohte KL fried-
lich zu übergeben, um Menschenleben zu schonen.
Und daraus kochten die Nürnberger Geschichtsfälscher eine
Behauptung zusammen, daß Himmler am 25. November
1944 eine Order an Kurt Becher erlassen haben sollte, die
Vergasungen einzustellen und die Gaskammern in Auschwitz
zu zerstören.

Anmerkungen

1

IMT-Dokument PS-3762; IMT, Nürnberg 1948, Band XXXII, S. 68.

2

The destruction of the European Jews, Quadrangle Books, Chicago 1961,
S. 631.

3

Auschwitz: Anatomy of Massmurder, Indiana University Press, Bloom-
ington 1994, S. 174 und S. 181, Anm. 74.

4

Vgl. dazu M. Köhler, in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte,
Grabert, Tübingen 1994.

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