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2010

Jörg Becker
Standortindikatoren I.

Wenn das Standort-Radar zielgenau auf


sonders interessierende Einzelaspekte
zoomt“ werden soll, muss dabei immer der
systematische Gesamtzusammenhang
wahrt werden.

Dipl.Kfm. Jörg Becker


Informationsdienste
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Germany
Standortindikatoren I.
Performance-Pegelstände vor Ort
Sensoren am Standortpuls
von
Jörg Becker
www.beckinfo.de

BoD Verlag
ISBN 978 3 8391 1823 8

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Das Zahlenkleid eines Standortes muss vielen Anforderungen und
Wünschen gerecht werden. Als da wären:

- Es soll ein möglichst zeit- und wirklichkeitsnahes Abbild zu


vielfältigen und komplexen Sachverhalten abgeben
- Es soll möglichst transparent und nachvollziehbar sein, um
als breite Kommunikations- und Diskussionsplattform die
Vorbereitung von oft kontroversen Standortentscheidungen
unterstützen zu können
- Es die Basis für Vergleiche mit anderen Standorten bereit-
stellen
- Es soll Entscheidungs- und Informationshilfe für Ansied-
lungsinteressierte gleichzeitig sein
- Es soll potentielle Investoren aufmerksam machen und für
den Standort einnehmen

Die Liste ließe sich durchaus verlängern. Mit einem Wort: es geht
für den Standort um die richtige Justierung seines Navigationssys-
tems. D.h. um Arbeitsinstrumente, ohne die ein Standort auf Dauer

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nicht steuerungs- und wettbewerbsfähig sowie letztlich wohl auch
nicht überlebensfähig wäre.

In diesem Buch werden hierfür als erste Ausgangsbasis Vorarbeiten


dargestellt. Dabei geht es nicht um direkt verwendbares oder gar
aktuelles Datenmaterial oder um konkrete Standorte, sondern ledig-
lich um eine Sammlung und Vorauswahl von Indikatoren, die im
individuellen Anwendungsfall noch zu vervollständigen und entspre-
chend aufzubereiten wären. Es sind somit lediglich Demo-Beispiele
mit der Aufgabe Hinweise zu geben, warum und wie Standortindika-
toren gegebenenfalls in eine umfassende, in sich immer abstimmfä-
hig bleibende Systematik eingebettet werden könnten.

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Als Ausgangspunkt muss Klarheit darüber bestehen, an welchen
Stellen eines Standortes man überhaupt Sensoren anlegen will. Erst
wenn heraus gearbeitet wurde, was man überhaupt an Messungen
benötigt, kann das Augenmerk auf das „Wie“ gerichtet werden. Im
Vordergrund stehen dabei folgenden Aspekte:

- Grundsätzliche Verfügbarkeit von Indikatoren


- Wie aktuelle und zeitnah sind die jeweils verfügbaren Indi-
katoren
- Lassen sich die verfügbaren Indikatoren lückenlos zu Zeit-
reihen verknüpfen, um gegebenenfalls Entwicklungen able-
sen zu können
- In welchen Form können Einzelfaktoren zu besser verar-
beitbaren Übersichts- und Gesamtindikatoren gebündelt
werden
- In welcher Form sind für den Standort Deutschland verfüg-
bare Indikatoren auf die Ebene von Bundesländern, Regio-
nen, Kreisen, Großstädte, Kommunen, Stadtteile oder ein-
zelne Wirtschaftszweige übertragbar
- An welchen Stellen sollte auf einer niedrigeren Stufe der
Aggregation Sondererhebungen durchgeführt werden
- Gibt es für Indikatoren Normierungsverfahren, um eine
Vergleichbarkeit von Standorten zu gewährleisten
- Wie wird eine Gewichtung von Faktoren sichergestellt
- Welche Verfahren zur Berücksichtigung von individuellen
Gewichtungsanforderungen sollten angewendet werden
- Mit welchem System können Indikatoren in ihrer Relation
zueinander einheitlich gehandhabt werden.

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Verantwortliche für Standorte wie Standortanalysten in Unterneh-
men wären gut beraten, eine eigene Indikatorkompetenz mit einem
zeitnah aktualisierten Daten- und Informationspool einzurichten.

- Grundsätzliche Handhabung von Indikatoren


- Eine Standortbilanz als Maß aller Dinge
- Orientierung mit Profilen und Ampeln
- Indikatorsammlung als Grundlage
- Künftige Bevölkerungsdynamik
- Natürlicher Saldo
- Migrationshintergrund
- Bevölkerungspotential
- Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner
- Erwerbsquote
- Haushaltseinkommen
- Konjunkturerwartungen Industriezweige
- Investitionen in der Industrie
- Förderquote
- Infrastrukturförderung

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- Bevölkerung nach Bildungsabschlüssen
- Verbrechen und Vergehen nach Deliktgruppen
- Straftaten und Aufklärungsquote
- Kriminalitätssorgen und –furcht
- Zufriedenheit mit lokaler Polizeiarbeit
- Arztdichte
- Krankenhausbetten
- Pflegeheime
- IHK-Familien- und Demographieatlas
- Teilzeit-, Frauenbeschäftigtenquote
- Kita-Plätze
- Versorgungsquote für unter 3-Jährige
- Bevölkerungswachstum Gemeinden
- Jugend- und Altersanteil
- Wanderungssaldo Familien und Senioren
- Verschuldung pro Kopf
- Jugendarbeitslosenquote
- Kommunale Sachinvestitionsquote
- Kommunale Schuldenquote
- Hessen im Fernverkehrsnetz
- Hessen im Bundesautobahnnetz
- Verkehrsflughäfen
- Schienennah-, Omnibuslinienverkehr
- Güterverkehr
- Luftverkehr
- Messeplatz
- Handwerksbetriebe
- Ausländische Direktinvestitionen
- Patentanmeldungen
- Arbeitslosenquote
- Langzeitarbeitslosigkeit
- Jugendarbeitslosigkeit
- Krankenhäuser Hessen
- Vorsorge- u. Rehabilitationseinrichtungen
- Unternehmensinsolvenzverfahren

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- Gewerbeanzeigen
- Bevölkerung nach Lebensformenkonzept
- Steuereinnahmen Hessen
- Schuldenstand Hessen
- Lohn- und Einkommensteuerpflichtige
- Finanzen der Gemeinden
- Kommunale Steuerkraft
- Bildungsmonitor-Länderindex
- Bildungsindikatoren-Liste
- Rangliste Bildungssysteme
- Bildungscheck Bundesländer
- Berufliche Bildung, Arbeitsmarktorientierung
- MINT-Förderung
- Schulqualität
- Schulabgänger mit Hochschulreife
- Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss
- Ausbildungsplätze
- Bautätigkeit Wohnungen
- Bautätigkeit Ein- u. Zweifamilienhäuser
- Fremdenverkehr
- Gewerbesteuer
- Gründungsaktivität
- Indikator-Themenbereich Bevölkerung
- Wanderungssaldo
- Bevölkerungsveränderung
- Indikator-Themenbereich Erwerbstätigkeit
- Arbeitsplatzdichte
- Erwerbstätige Dienstleistungsbereich
- Beschäftigtenquote
- Indikator-Themenbereich Industrie
- Investitionen
- Bruttoentgelte
- Indikator-Themenbereich Tourismus
- Durchschnittliche Aufenthaltsdauer
- Übernachtungen je Einwohner

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- Indikator-Themenbereich Verkehr
- PKW-Dichte
- Indikator-Themenbereich Innovation und Forschung
- Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner
- De-Domains je 1.000 Einwohner
- Gerüst des Standortgeschehens
- Vergleichsmethodik mit Gewichten
- Wirkungsmethodik nach Stärke und Dauer
- Potentialmethodik mit Handlungsempfehlungen

Trotz noch so umfassender und detailreicher Standortanalysen wird


es auch Planungs- und Entscheidungsprobleme geben, für die der
Detailgrad der zur Verfügung stehenden Indikatoren nicht ausrei-
chend wäre und deshalb ausgewählte Einzelfaktoren zum Gegen-
stand umfangreicher Sonderanalysen gemacht werden müssen. Wenn
aber der Standort-Bildschirm zielgenau auf bestimmte Einzelaspekte
ausgerichtet und „gezoomt“ werden soll, muss dabei trotzdem zu
jeder Zeit der systematische Gesamtzusammenhang gewahrt bleiben.
D.h. nach wie vor sollten alle Standortfaktoren durchgängig in ihren
Bewertungen, Messungen, Wirkungsbeziehungen und Auswertungen
abstimmfähig gehalten werden.

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Die rechnerische Auswertung von zahlreichen Einzelindikatoren
wird erst dann fruchtbringend, wenn sie zu Kennzahlenbündeln
führt, die standortrelevante Informationen sinnvoll ordnen. Indika-
torbündel haben die Aufgabe, die Spitzenkennzahlen des Systems
analytisch bezüglich der sie dimensionierenden Einflussgrößen zu
erklären. Indikatorsysteme sind somit vor allem Mittel-Zweck-
Beziehungen, die aus dem Planungssystem des Standortes abzuleiten
sind. Das wichtigste Element des Indikators aber bleibt sein Informa-
tionscharakter, um auch komplizierte Tatbestände in konzentrierter
Form quantifizieren und in Relation zu dynamischen Vernetzungen
setzen zu können.

Haben sich die Akteure erst einmal zu einer abgestimmten Strategie


für die Entwicklung ihres Standortes durchgerungen, stehen sie vor
der komplexen Aufgabe, dass zwar trotz formulierter Zielvorstellung
dazu noch keine entsprechende Zielevaluation vorhanden ist. In
diesem Fall würde der Standort ohne Kompass oder geeignete Feed-
back-Instrumente losziehen und daher auch nicht wissen, wie viel
des Weges bereits zurückgelegt wurde und wo genau man nun ei-
gentlich steht.

Die Einflussfaktoren werden deshalb mit Indikatoren belegt. D.h. die


Einflussfaktoren werden mit unabhängigen Zahlen/Fakten beschrie-
ben, um ihre Aussagekraft noch zu erhöhen. Anhand der Indikatoren
können auch Externe nachvollziehen, nach welchen Kriterien die
einzelnen Kapitalarten des Standortes bewertet wurden. Mit Hilfe
der Indikatoren bleibt die Bewertungsgrundlage über Jahre hinweg
transparent und kann jederzeit mit aktuellen Auswertungen vergli-
chen werden.

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