You are on page 1of 3

Beamtendeutsch

Aus Stupidedia, der Enzyklopädie ohne Sinn!

Beamtendeutsch ist die Sprache der Beamten. Diese wird immer benutzt, um normalsterblichen Bürgern
die Beurteilung der Rechtmäßigkeit von Behördenentscheidungen zu verunmöglichen und ihnen so das
Leben schwer zu machen. Durchaus üblich ist ebenfalls, die Benennung der vorbezeichneten
Sondersprache als Amtsdeutsch.
Meist unter massivem Einsatz von Xenologismen wird jeder Satz im Beamtendeutsch so verfasst, dass
möglichst jeder, einschließlich des Sprechers, am Ende des Satzes nicht mehr weiß worum es eigentlich
geht. Vorzugsweise werden in der Sprache des Beamten Gesetzestexte mit eingebracht, um zu zeigen wer
hier das Sagen hat. Besonders geübte Beamte schaffen es, in einem Satz eine komplette Anleitung zur
Errichtung eines Atomreaktors zu beschreiben und jeden möglichen Fehler durch Erklärungen im Vorfeld zu
unterbinden.

Ausbildung
In der Ausbildung eines Beamten gibt es einen Sprachkurs Beamtendeutsch, der mehrere Wochen umfasst.
Die Länge des Kurses ist dadurch bedingt, dass sich Beamten bekanntlich nur langsam bewegen. Jeder
Unterrichtsteil umfasst eine Woche.
Inhalt des Lehrplanes mittlerer Dienst:
1. Stifte I: Nicht nur zum Zerkauen
2. Stifte II: Richtige Handhabung für Links- und Rechtshänder
3. Stifte III: Schreibversuche
4. Stifte IV: Laufbahnprüfung Stifte
1. Papier I: Warum Zellulose nicht nur zum Fliegerbasteln ist
2. Papier II: Vorsicht, Papier schneidet
3. Papier III: Richtiges Tackern, Lochen und Abheften ohne Dienstunfall
4. Papier IV: Briefumschläge mit Papier richtig Füllen
5. Papier V: Stapelversuche Papier
6. Papier VI: Laufbahnprüfung Papier
1. Ordner I: Staubfänger
2. Ordner II: Sortieren der Ordner der Schwere nach
3. Ordner III: Den richtigen Ordner finden
4. Ordner IV: Laufbahnprüfung Ordner
1. Sprache I: Beamtendeutsch
2. Sprache II: Lange Sätze bilden
3. Sprache III: Noch längere Sätze bilden
4. Sprache IV: Paragraphen mit einbringen
5. Sprache V: Querverweise
6. Sprache VI: Verbindung von Paragraphen und Querverweisen
7. Sprache VII: Ben. v. Abk.
8. Sprache VIII: Laufbahnprüfung Sprache
Für die gehobene und höhere Laufbahn:
1. Kaffeeflecken I: Warum passiert das
2. Kaffeeflecken II: Vermeiden von Kaffeeflecken
3. Kaffeeflecken III: Laufbahnprüfung Kaffeeflecken

Beispiele
Zudem werden im Beamtendeutsch umständlicherweise möglichst genaue Bezeichnungen für alltägliche
Dinge benutzt.
1. Kaffee = koffeinhaltiges Bohnenheißgetränk
2. Cola = koffeinhaltiges Kaltgetränk
3. Cocktails = alkoholhaltige oder alkoholfreie Kalt- und/oder Warmgetränke
4. Kohlebriketts = in Form gepresste Kohlenstoffverbindungen
5. Jäger = im Forstwesen zuständiger Waldbeamter mit Schussberechtigung
6. Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute = Wenn die Beteiligten nicht durch
Hinscheiden abgegangen und in Fortfall gekommen sind, sind dieselben zum derzeitigen Zeitpunkt
noch lebhaft.
7. Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln = Das maximale Volumen subterrarer
Agrarproduktivität steht im reziproken Verhältnis zur intellektuellen Kapazität ihrer Produzenten.
(Alternativ auch: Die voluminöse Expansion der subterraren Agrarprodukte steht in reziproker
Relation zu der intellektuellen Kapazität ihrer Produzenten.)
8. Bleistift = Schwermetall-Auszubildender
9. Klopapier = dünne Holzprodukte zur rektalen Reinigung nach Defäkation (Stuhlgang)
10.Diebstahl = unrechtmäßige Besitzumstrukturierung
11.Handynummer = Mobilfunkendgeräterufsignalisierungskennziffernfolge
12.Treppe = Stufenanlage
13.Drehkreuz = mittels einer Drehtechnik arbeitende Personenvereinzelungsanlage
14.Baum = raumübergreifendes Großgrün
15.Weiß = gleichhelles Unbunt
16.Ampel = bedarfsgesteuerte Fußgängerfurt
17.Tanken = Betriebsmittelaufnahme
18.Querstreifen auf der Autobahn = Abstandseinhaltungserfassungsvorrichtung
19.Unkraut = Spontanvegetation
20.Kuh = raufutterverzehrende Großvieheinheit
21.Diensthund = Biosensor
22.Diskothek = Lautraum
23.Handschellen = Schließzange
24.Blinker = Fahrtrichtungsanzeiger
25.weniger Müll = Restmüllbehältervolumenminderung
26.Regen = Oberflächenwasser
27.Zaun = nicht lebende Einfriedung
28.Schubkarre = einachsiger Dreiseitenkipper
29.Briefmarke = Wertzeichen
30.begrünter Mittelstreifen = Straßenbegleitgrün
31.Wald mit Tieren = forstwirtschaftliche Nutzfläche mit Wildtierbestand
32.Transport per Hubschrauber = Luftverlastung
33.Ablehnung = Versagung
34.Bonbon = konsumgeeignetes Hartkaramell
35.Negerkuss = maximalpigmentiertes Schaumtörtchen (Alternativ auch: Angedeutete freundschaftliche
Berühung mit dem Mund durch eine Person mit relativ hohem Absorbtionsvermögen des Lichtes.)

Das Märchen von Rotkäppchen (auf Beamtendeutsch)


Im Kinderanfall unserer Stadtgemeinde ist eine hierorts wohnhafte, noch unbeschulte Minderjährige
aktenkundig, welche durch ihre unübliche Kopfbedeckung gewohnheitsrechtlich "Rotkäppchen" genannt zu
werden pflegt.

Der Mutter besagter R wurde seitens deren Mutter ein Schreiben zugestellt, in welchem dieselbe Mitteilung
ihrer Krankheit und Pflegebedürftigkeit machte und selbiger R die Auflage machte, der G eine Sendung von
Nahrungs- und Genußmitteln zu Genesungszwecken zuzustellen.

Vor ihrer Inmarschsetzung wurde die R seitens ihrer Mutter schulisch auf das Verbot betreffs Verlassen der
Waldwege auf Kreisebene belehrt. Dieselbe machte sich durch Nichtbeachtung dieser Vorschrift straffällig
und begegnete beim Übertreten des diesbezüglichen Blumenpflückverbots dem polizeilich nicht gemeldeten
Wolf W. Dieser verlangte in unberechtigter Amtsanmassung Einsichtnahme in das zu Transportzwecken von
Konsumgütern dienende Korbbehältnis und traf in Tötungsabsicht die Feststellung, daß die R zu ihrer
verwandten und verschwägerten, im Baumbestand 37b angemieteten Großmutter G eilends war.

Da wolfseits Verknappung auf dem Ernährungssektor vorherrschend war, faßte er den Entschluß, bei G
unter Vorlage falscher Papiere vorsprachig zu werden. Weil dieselbe wegen eines Augenleidens
arbeitsunfähig geschrieben war, gelang dem in Freßvorbereitung befindlichen Wildtier die diesfallsige
Tötungsabsicht, worauf er unter Verschlingung der Bettlägerigen eine nach §292 StGB strafbare Wildjägerei
ausführte. Ferner täuschte er bei der später eintreffenden R seine Identität mit der G vor, stellte derselben
nach und seinen Tötungsvorsatz erneut unter Beweis.

Der sich auf dem Dienstgang befindliche Waldbeamte B vernahm verdächtige Schnarchgeräusche und
stellte deren Urheberschaft seitens des Tiermaules fest. Er reichte bei seiner vorgesetzten Dienststelle ein
diesfallsiges Tötungsgesuch ein, welches dortseits zuschlägig beschieden und bezuschußt wurde. Nach
Beschaffung einer zu Jagdzwecken zugelassenen Pulverschießvorrichtung gab er in wahrgenommener
Einflußnahme auf das Raubwesen einen Schuß ab. Dieses wurde nach Empfangnahme des bleihaltigen
Geschoßes ablebig.

Die Inaugenscheinnahme des Getöteten weckte in dem Schußgeber die Vermutung, wonach der Leichnam
Personen beinhalte. Zwecks diesbezüglicher Feststellung öffnete er unter Zuhilfenahme eines
Schneidgerätes den Kadaver und stieß hierbei auf die noch am Leben seiende R nebst G. Durch die
unverhoffte Wiederbelebung bemächtigte sich beider Personen ein gesteigertes, amtlich nicht zugelassenes
Lebensgefühl, dem sie durch groben Unfug, öffentliches Ärgernis erregenden Lärm sowie Nichtbeachtung
anderer Polizeiverordnungen Ausdruck verliehen, was ihre Inhaftierung zur Folge hatte.

Dieser Vorfall wurde von den kulturbeschaffenen Brüdern Grimm zu Protokoll genommen und, da binnen 14
Tagen dagegen weder schriftlich noch per Niederschrift Widerspruch eingelegt wurde, bekinderten Familien
in Märchenform zustellig gemacht.

Wenn die obigen Beteiligten nicht durch Hinschied abgegangen und in Fortfall gekommen sind, sind sie
derzeit noch lebhaft.