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LEIBNIZ UNIVERSITÄT HANNOVER

WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT
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Institut für Öffentliche Finanzen  Königsworther Platz 1  30167 Hannover Institut für Öffentliche Finanzen
Prof. Dr. Stefan Homburg, StB
Conti-Campus, Gebäude I, Raum 253
Telefon: (+49) (511) 762-5633
Telefax: (+49) (511) 762-5656
www.fiwi.uni-hannover.de

Klausur VWL 4

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

ersten Stichproben zufolge ist die zweite Aufgabe des Klausurteils „Öffentliche Finanzen“
von Ihnen recht gut gelöst worden. Einige scheinen sich aber Sorgen zu machen, deshalb
hier eine kurze Erläuterung. Die Aufgabe lautete:
Das aktuelle „Sparpaket“ der Bundesregierung sieht zusätzliche Dividendenzahlungen der
Deutschen Bahn AG (Alleingesellschafterin: Bundesrepublik Deutschland) in Höhe von
500 Mio. Euro pro Jahr vor. Inwieweit trägt diese Maßnahme i) rechtlich und ii) wirt-
schaftlich zur Konsolidierung des Bundeshaushalts bei?
Lösungsskizze: Der Bundeshaushalt wird kameralistisch geführt. Unternehmen in Bun-
desbesitz gehören nicht zum Bund (Staat im engeren Sinn), sondern nur zum Staat im
weiteren Sinn. Daher wird die Dividende als Einnahme des Bundeshaushalts verbucht
und trägt i) rechtlich zu dessen Konsolidierung bei, d. h. vermindert die Nettoneuver-
schuldung. ii) Wirtschaftlich erbringt die Maßnahme keinen Konsolidierungsbeitrag, weil
der Anteilswert der Deutschen Bahn AG um die Dividendenzahlung sinkt.
Eine Lösung dieser Art, hübsch ausformuliert, ergab die volle Punktzahl. Gefragt war also
lediglich nach den Stichworten „Staatsdefinition“ und „Kameralistik“. Schwierige Fragen
wie die folgenden waren nicht Gegenstand der Klausur:
a) Würde die Dividendenzahlung bei Bilanzierung der Bahn als assoziiertes Unternehmen
„at equity“ einen Konsolidierungsbeitrag bringen (Antwort: nein)?
b) Hat die Bundesregierung eigentlich verstanden, daß hier nicht gespart, sondern nur
umgeschichtet wird (Antwort vermutlich: nein)?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne vorlesungsfreie Zeit,


Ihr Prof. Homburg