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Protokoll zu Versuch 3

Vergärung
OBS Gruppe 7

Martin Hanöffner

Grundlagen der Biogasentstehung und die Vorteile der Vergärung gegenüber


einer Kompostierung

Der Prozess:

Unter anoxischen Bedingungen, also unter weitgehendem Sauerstoffabschluss, kommt es zur


Vergärung von Biomasse zu Methan und Kohlendioxyd, also Biogas. Mehrere Gruppen von
Bakterien bauen die Biomasse, welche aus Wasser, Eiweise, Fette, Kohlehydraten und
Mineralstoffen besteht zu Biogas und Reststoffen um. In der ersten Stufe werden die
hochmolekularen organischen Substanzen von aeroben Bakterien in niedermolekulare umgebaut.
Dieser Prozess wird als Hydrolyse bezeichnet. Das Begriff Hydrolyse, ist aus dem altgriechischem
und bedeutet übersetzt sinngemäß "Auflösung durch Wasser".
Säurebildene Bakterien, welche fakultativ anaerob sind, nehmen den weiteren Abbau vor. Unter
einem pH- Wert von 6- 7,5 wird z.B. Carbonsäure erzeugt. Der pH-Wert sinkt, diese Phase nennt
man deshalb Versäuerung oder Acidogenese. Dabei wird auch der Rest an Sauerstoff verbraucht
und somit das richtige Mileau für die Methanbildenden Bakterien geschaffen.
Die dritte Phase in der Vergärung von Biomasse zu Biogas und Restmasse bildet die
Acetogenese , dabei produzieren Essigsäurebakterien aus den organischen Säuren die für die
Methanbildung notwendigen Ausgangsprodukte: CO2, Essigsäure und Wasserstoff.
Die Methanogenese bildet den Abschluss des vierstufigen Prozesses zur Erzeugung von Biogas.
In dieser Phase wandeln spezielle methanogene Bakterien die aus der Acetogenese
hervorgegangene Essigsäure sowie die Nebenprodukte Wasserstoff und Kohlendioxid in Methan
um. Außerdem entstehen dabei Wasser, und ein Rest an Kohlendioxid. Der pH-Wert liegt dabei
im alkalischem Bereich, pH-Wert 7- 8. Nach der Methanbildung bleibt als Restsubstrat ein
wässriges Gemisch übrig. Dieses besteht größtenteils aus anorganischen Substanzen wie Steinen,
Sand und Mineralien sowie aus Resten organischer Substanzen, die nicht vollständig abgebaut
werden konnten. Dies sind z.B. Lignin und Cellulose. Das Restsubstrat wird als Gärrest bezeichnet.

Der Verlauf des pH- Wertes und die Gasbildung:

Hydrolysierende- und säurebildende Bakterien haben ihr Optimum bei pH 4,5- 6,3, der pH- Wert
wird also zu Prozessanfang sinken. Essigsäure und Methanbildner haben ihr Optimum bei einem
pH- Wert von 6,8 bis 8, der pH- Wert steigt also wieder an, der Fermenter wird schwach alkalisch.
Der richtige pH- Wert ist entscheidend für einen optimalen Prozessverlauf, also für eine maximale
und kontinuierliche Bildung von Biogas. Einfluss auf den pH kann über Menge und Art der
zugeführten Substrate genommen werden, eine Überfütterung führt zu Versäuerung und somit zur
Hemmung der Biogasbildung. Die Art der Substrate beeinflusst auch die Pufferkapazität im
Prozess, also die Fähigkeit des Substrates H+- Ionen Abzufangen. Erst wenn die Pufferkapazität
erschöpft ist wird der pH- Wert fallen oder steigen. Obwohl das System einer Versauerung einer
gewissen Zeit entgegen wirken kann, und anfangs keine Änderung der H+- Ionenkonzentration
gemessen werden kann, kommt es von Anfang an zu einer Prozesshemmung. Der pH- Wert hinkt
also dem Geschehen und der Gasbildung hinterher. So kann z.B. eine Überfütterung nicht sofort am
pH- Wert erkannt werden.

Vorteile der Vergärung im Vergleich zur Kompostierung:

Die Vergärung hat den Vorteil, dass eine Kostenaufwendige Abluftreinigung nicht notwendig ist.
Die entstehende „Abluft“ ist das Biogas, welches energetisch genutzt wird. Es wird also zusätzlich
aus dem Abfall Energie gewonnen. Außerdem entsteht bei der Vergärung weniger Gärrest als bei
der Kompostierung Kompost, welcher gegenwärtig noch bestenfalls Kostenneutral an veräußert
werden muss.
Aufgabenstellung:

Die einstufige mesophile Abfallvergärung soll simuliert werden. Um ideale Abbaubedingungen zu


erreichen, wird das Substrat mechanisch aufbereitet, also zerkleinert. Um den Abbauprozess zu
initiieren werden Bakterienkulturen mittels Impfschlamm zugegeben. Jeder Liter Impfschlamm hat
eine Eigengasproduktion von zwei Litern, diese Menge ist der Gesamtgasmenge abzuziehen.

Versuch A: Die Nassvergärung von Silagemais in quasikontinuierlicher Kultur

Fermenter in Biogasanlagen werden Auf ein Maximum an Abbauleistung hin ausgelegt, der
wirtschaftliche Aufwand muss dabei aber in einem vertretbarem Rahmen bleiben. Dabei gilt es die
optimale Menge des täglich zuzuführenden Gärsubstrates pro Volumeneinheit zu ermitteln.
Richtungsweisend dabei ist der sog. HRT- Wert,dieser gibt an, wie lange sich Substrat im
Reaktionssystem befindet. Das sind z.B. bei Gülle ca. 25 und bei Maissilage ca. 150 Tage.

HRT = mittlere Verweilzeit (in Tagen) = Fermentervolumen/ Volumendurchsatz, oder


HRT = oTs Gehalt pro m³ Frischmasse / Raumbelastung
Raumbelastung = zugeführte Substratmenge * oTs- Gehalt des Substrates/ Fermentervolumen
daraus folgt:

HRT = (oTs-Gehalt pro m³ Frischmasse * Fermentervolumen) /


(zugeführte Substratmenge * oTs- Gehalt pro Killogramm Substrat)

Um das Substrat möglichst vollständig vergären zu können, sollte die mittlere Verweilzeit HRT
möglichst hoch gehalten werden, was aber ein großes Fermentervolumen bzw. einen geringen
Volumendurchsatz zur Folge hätte. Um eine Anlage wirtschaftlich betreiben zu können ist man aber
bemüht das Fermentervolumen in Grenzen zu halten und eine möglichst grosse Substratmasse in
den Prozess einzubringen. Wie oben bereits erläutert würde aber eine Übefütterung zu einer
Übersäuerung und somit gestörten Gasbildung führen. Aus diesen Überlegungen heraus kam man
auf die optimalen, praxisüblichen mittleren Verweilzeiten von 25 Tage für Gülle und 125 Tage für
Maissilage.

Der Versuch:

Vorgaben: 5l Impfmasse, Raumbelastung für die Fermentation von Silagemais= 1,5g oTs/l*d
Mais: kgTs / kg Substanz = 0,347 und kgOts/kgTs = 0,954

Daraus errechnet sich die täglich zu fütternde Menge für eine sieben Tage Woche folgendermaßen:

m = (5l*1,5g) / ( 0,347 *0,954) = 22,65 g /d

Da in der Labor- Praxis aber nur an fünf Tagen pro Woche gefüttert werden kann, ist auf die Menge
pro Werktag folgendermaßen umzurechnen:

m = 22,65*7 / 5 = 31,7g / Werktag

Der Versuch wurde am 14.04, also am Vortag, von RET Gruppe 35 begonnen, und soll eine Woche
laufen. Zu Versuchsbeginn wurden zwei Wochentagsrationen gefüttert, wir haben am 15.04. noch
drei Wochentagesrationen zugefüttert, also 3*31,7g =95,1g.
Gasmenge (ml i.N.)
60000
Gasmenge mit BW (ml i.N.)

50000

40000

30000

20000

10000

0
14.04.10 15.04.10 19.04.10 20.04.10 21.04.10
Tag

Tag Gasmenge Gasmenge Luftdruck


Mililiter i.N. Mililiter Hpa
14.04.10 0 0 -
15.04.10 10243,39 12229,1 1018
19.04.10 43797,05 52396,6 1016
20.04.10 49849 59699,3 1015
21.04.10 53808,16 64440,8 1015

Ergebnis:

Es haben sich innerhalb einer Woche 53,8 Liter Biogas aus 5l Ansatz entwickelt, davon werden
5*2= 10 Liter Für die Eigengasproduktion des Impfschlammes abgezogen, bleiben also 43,8 Liter.
Bezogen auf die Einwaage von 158,6g Silomais ergibt das eine Biogasmenge von ca. 276,25 Liter
pro Kilogramm Maissilage.

Versuch B: Bioabfall in Batchkultur


Batchkultur bezeichnet ein Verfahren, bei dem Substrat in das Kulturmedium, in unserem Falle
Impfmasse z.B. aus einer Biogasanlage, eimalig eingebracht wird. Nach dieser Impfung erfolgt
keine Änderung des Substrates mehr, der Fermenter wird also nicht mehr gefüttert.

Der Versuch:

Vorgaben: Prozessvolumen 500 ml, mittlere hydraulische Verweilzeit 20 Tage, Bioabfall mit
40% TS (auf 10% TS zu verdünnen), gefüttert werden sieben Tagesrationen anstelle
der optimalen 5 Tagesrationen, es erfolgt also eine Überfütterung.
35°C Prozesstemperatur

Referenzbioabfall: ½ Pausenbrot, ca. 150g Gemüse, ein hart gekochtes Ei, ein
Apfel, eine gekochte Kartoffel, 20g Pasta, Kaffeefilter,
Olivenöl

Die Menge des einzuwiegenden Bioabfalles errechnet sich folgendermaßen:

m= 500ml*7 Tage/ 20 Tage= 175ml

Es werden also 175ml angemaischter Biomüll mit 10% TS benötigt, dazu werden 175g/4 = 43,75g
Referenzbioabfall auf 175ml angemaischt. Dazu kommen 300ml Impfschlamm, das Ganze wird
mit recycliertem Prozesswasser auf 500 ml aufgefüllt. Der pH- Wert dieses Ansatzes wurde mit 6,3
gemessen liegt also leicht im saurem Bereich, was die initiierende Hydrloyse erleichtert. Der Ansatz
wurde mit einem Milligascounter versehen und wird nun 14 Tage bei 35°C inkubiert.
Soweit möglich, wird nun täglich die entstandene Gasmenge, der Luftdruck und der pH- Wert
gemessen und notiert

pH- Verlauf
9

0
15.04.10 16.04.10 19.04.10 20.04.10 21.04.10 22.04.10 23.04.10 26.04.10 27.04.10 28.04.10 29.04.10
Tag
Gasmenge (ml i.N.)
6000
Gasmenge mit BW (ml i.N.)

5000

4000

3000

2000

1000

0
15.0 16.0 19.0 20.0 21.0 22.0 23.0 26.0 27.0 28.0 29.0
4.10 4.10 4.10 4.10 4.10 4.10 4.10 4.10 4.10 4.10 4.10
Tag

Tag Gasmenge Gasmenge Gasmenge Luftdruck PH


ml i.N. mit Fehler Ohne Fehler Hpa
15.04.10 0 0 0 1018 7,9
16.04.10 878,05 0 1043 1018 6,71
19.04.10 1342,48 0 1598 1016 6,62
20.04.10 1589,51 0 1896 1014 6,74
21.04.10 1691,88 168 2016 1015 6,85
22.04.10 1911,34 422,4 2270,4 1018 6,93
23.04.10 2188,64 754,5 2602,5 1017 7
26.04.10 3601,63 2408,1 4256,1 1023 7,49
27.04.10 4178,38 3069,3 4917,3 1027 7,61
28.04.10 4668,62 3651,9 5499,9 1026 7,76
29.04.10 5052,47 4172,4 6020,4 1015 7,77
Das Ergebnis:
Nach dem Wochenende War die Bildung einer Schwimmschicht zu erkennen, durch leichtes
Schwenken wurde der Ansatz täglich homogenisiert.
Aus den 43,75g Biomüll haben sich innerhalb von 14 Tagen ca. 5,05 Liter Biogas gebildet. Davon
werden noch 2*0,5 Liter für die Eigenproduktion des Impfschlammes abgezogen, bleiben also noch
ca. 4,05 Liter übrig. Dies entspricht ca. 94,1 Liter Pro Kilogramm Biomüll, also deutlich weniger als
aus einem Kilogramm Maissilage entstanden ist.
Weiterhin kann man erkennen, das sich für die Methanbildung optimale pH- Wert von 7-8 erst in
der zweiten Woche eingestellt hat, was eine Folge der leichten Überfütterung (7 anstelle von 5
Tagesrationen) sein könnte.

Versuch C:Vergärung der repräsentativen Stoffen Casein und Cellulose in Batchkultur

Casein (Eiweis) und Cellulose (Kohlenhydrat) sollen jeweils in 500ml Impfschlamm 14 Tage bei
35°C vergärt werden. Um die Einwage zu bestimmen zu könne ist zuerst die Menge an organischer
Trockensubstanz im Impfschlamm zu berechnen. Danach soll die Menge Methan pro Gramm
Einwage ermittelt und verglichen werden. Es müssen wiederum pro Liter Impfschlamm 2 Liter Gas
abgezogen werden.

Vorgaben:

500g Impfschlamm, 0,044 Kg OTS/ Kg original, 0,7KgoTS/KgTs


Beladungsraten: Cellulose 0,5g/g
Casein 0,25g/g

Die Masse an vorhandener organischer Trockensubstanz berechnet sich folgendermaßen:

m= 500g*0,044 *0,7= 15,4g oTS

Daraus folgt für: Cellulose eine Einwage von 15,4g*0,5= 7,7g


Casein eine Einwage von 15,4g*0,25= 3,85g

Die beiden Einwagen werden jeweils mit 500ml Impfschlamm in Flaschen verfüllt. Der pH- Wert
der Ansätze wurde mit 8,2 (Cellulose) und 8,01 (Casein) gemessen. Die beiden Flaschen wurden
mit einem Milligascounter versehen und werden nun 14 Tage bei 35°C inkubiert.
Soweit möglich, wird nun täglich die entstandene Gasmenge und der Luftdruck gemessen und
notiert.
Gasmenge (ml i.N.)
6000
Gasmenge mit BW

5000

4000

3000 Casein
Cellulose
2000

1000

0
Zeil 15. 16. 19. 20. 21. 22. 23. 26. 27. 28. 29.
e 6 04. 04. 04. 04. 04. 04. 04. 04. 04. 04. 04.
10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10
Tag

Gasmenge Gasmenge i.N. Gasmenge i.N. / d Luftdruck


in.hPa
Tag Casein Cellulose Casein Cellulose Casein Cellulose
Milliliter i.N. Milliliter i.N. Milliliter Milliliter Mililiter Milliliter
15.04.10 0 0 0 0 0 0 1018
16.04.10 221,48 227,81 262,3 269,8 221,48 227,81 1021
19.04.10 919,45 1133,9 1094,6 1349,9 ca. 233 ca. 302 1016
20.04.10 1166,03 1759,54 1389,6 2096,9 246,58 625,64 1015
21.04.10 1502,27 2362,78 1790,3 2815,8 336,23 603,24 1015
22.04.10 1814,37 2802,07 2155,5 3328,9 312,1 439,29 1018
23.04.10 2046,83 3215,13 2434,2 3823,6 232,46 413,06 1017
26.04.10 2393,83 4321,36 2829,2 5107,3 ca. 116 ca. 370 1023
27.04.10 2523,1 4626,4 2969,7 5445,3 129,27 305,04 1027
28.04.10 2561,92 4873,04 3018,5 5741,5 38,82 246,63 1026
29.04.10 2588,5 4998,94 3084,8 5957,4 26,58 125,9 1015
Das Ergebnis:

Auffällig ist, das die Gasentwicklung beider Substrate in den ersten Zeit des Versuches „auf einer
Linie“ verläuft. Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass in diesem Zeitraum lediglich der
Impfschlamm Biogas produziert. Diese Erkenntnis ist auch auf die anderen beiden Versuche zu
übertragen. Die erste Gasentwicklung, welche vom eingebrachten Substrat ausgeht setzt erst nach
wenigen Tagen ein. Was ja auch plausibel ist, wenn man sich die vier einzelnen mikrobiellen
Phasen der Gasbildung vor Augen führt. Zieht man von den beiden Ansätzen jeweils 2* 0,5 Liter
Eigengasproduktion der Impfmasse ab, so haben sich ca. 1,6 Liter Biogas aus 3,85g Casein und ca.
4 Liter Biogas aus 7,7g Cellulose entwickelt. Dies entspricht ca. 410 l/kg bei Casein und 519 l/kg
bei der Cellulose.
Interessant in diesem Zusammenhang ist noch die Menge an Methan welche sich aus den jeweiligen
Substraten entwickelt hat interessant, da ja nur Methan zum Heizwert beiträgt. Der zu erwartende
Methangehalt bei Eiweiß (Casein) liegt bei ca. 75% bei den Kohlenhydrate (Cellulose) nur ca. 50%.
Daraus ergibt sich ein Methanvolumen von ca. 308 Liter pro kg Casein und lediglich ca. 259,5 Liter
pro kg Zellulose.