Vorschlag eines handlungs- und produktionsorientierten ( etwas anderen) Umgangs mit Bernard Friots Erzählung „Correspondance“ (B1) (Nouvelle Bibliothèque

Junior, Cornelsen 2008)
Vor nunmehr gut einem Jahr brachte der Cornelsen Verlag eine völlig neue Lektürereihe für die Sekundarstufe I (Nouvelle Bibliothèque Junior) heraus, die „aktuelle Texte französischer Jugendbuchautoren, teilweise exklusiv für das deutsche Schülerpublikum geschrieben, präsentiert“ ( Cornelsen-Katalog Fremdsprachen, Allgemeinbildende Schulen, 2009, S. 54; s. a. Wagner, Jürgen: LPM-Newsletter Moderne Fremdsprachen, 15. Ausgabe, Dez. 2007, Französisch, 2. Eintrag: Jugendliteratur aus Frankreich). Herausgegeben von Thilo Karger (Gießen) und Klaus Mengler (Buseck) will die Reihe „Leseerlebnisse abseits der klassischen Schullektüre vermitteln“ (Cornelsen-Katalog, S.54). Den Anfang macht der mittlerweile weithin bekannte Jugendbuchautor Bernard Friot mit drei sehr originellen Erzählungen aus dem Schulbereich, nämlich „Marque“ (A2), „Foulard“ (A2+) und „Correspondance“ (B1) (vgl. Références, Cornelsen, No28, automne/hiver 2007, S.12-13: Deloffre, Jacqueline: Entretien avec Bernard Friot), gefolgt von Cathy Ytak, der aktuellen Gewinnerin des „Prix des lycéens allemands“ mit der Erzählung „Détournement“ (A2+), in der von einer spektakulären Busentführung durch einen Schüler die Rede ist. Weitere, meist junge Autorinnen und Autoren, in Frankreich aber schon größtenteils durchaus etabliert, schließen sich an. Zu allen Erzählungen wird es Handreichungen für den Unterricht geben (ab 2009), die den großen Vorteil haben, dass sie durchweg auf der Erprobung der „nouvelles“ im Unterricht beruhen. Dies ist auch bei dem folgenden Vorschlag eines etwas anderen Umgangs mit Bernard Friots Erzählung „Correspondance“ der Fall, zu der es aber auch noch verlagseigene Handreichungen geben wird. Das Besondere des Vorgehens liegt darin, dass der Autor nicht wie im Allgemeinen üblich mit dem Anfang beginnt, sondern mitten in die Geschichte hineingeht und das (unten stehende) Gedicht zum Ausgangspunkt nimmt. Bernard Friot, dem der Autor den Unterrichtsvorschlag zugesandt hatte, äußerte sich dazu in einer Mail vom 13. Oktober dieses Jahres: „J’ai lu avec attention tes propositions de lecture de „Correspondance“. C’est une formidable idée de commencer par le poème! C’est le noeud effectivement, le moyen de communiquer qu’a imaginé Lise”. Ein Anreiz mehr, “Correspondance” einmal auf die vorgeschlagene Weise zu erproben, was zudem den Vorzug hat, dies in bedeutend kürzerer Zeit tun zu können, nämlich in nicht mehr als acht Unterrichtsstunden !

1. Einstieg mit dem Gedicht auf S. 35, das den SchülerInnen als Kopie mit den folgenden Aufgaben ausgehändigt wird.

trois pommes sur mon oreiller un baiser j’ai vu la cicatrice sur ton bras et tes doigts ont caressé les miens ouvre la nuit emporte-moi

je suis ton rêve tu es demain et je connais tous les chemins
1. Lisez le texte silencieusement; prenez votre temps, relisez, laissez venir les images, écoutez les mots résonner en vous. 2. Qu’est-ce que le texte évoque en vous? Parlez de ce que vous sentez. 3. Selon vous, qui a pu écrire ce texte? 4. Qui est le “je” qui parle? Est-ce un „je“ féminin ou masculin? Est-ce un “je” jeune ou âgé? Et le “tu”? Justifiez votre opinion par le texte. 5. Pour vous, ce texte est-il un poème? Donnez vos raisons. 2. Nach Diskussion dieser Fragen (die ganz bewusst im Wesentlichen denen entsprechen, die der Lehrer in der Erzählung an seine Klasse richtet (vgl. S. 38ff.)) folgt mit der nächsten, die eine heiße Debatte verspricht, des Rätsels Lösung : Comment auriez-vous réagi à la place de François Bonlieu, professeur de français (célibataire) de Lise Mauron, élève de troisième (15 ans) qui avait mis le texte directement dans sa boîte aux lettres sans adresse ni timbre? Mais il sait de qui est le texte. 3. Danach liest die/der Unterrichtende Brief 21 (S. 37-42) vor (der Wert des ausdrucksvollen Vorlesens durch die Lehrkraft kann nicht hoch genug veranschlagt werden, kann davon doch eine ungeheure suggestive Wirkung ausgehen, die das Verstehen wirkungsvoll unterstützt) und sichert das Verständnis. Daran schließt sich die Diskussion folgender oder ähnlicher Fragen an: 1. Comment jugez-vous le comportement du professeur? À votre avis, se comporte-t-il correctement avec Lise? Est-il assez sensible ou manque-t-il de sensibilité? 2. Qu’est-ce que vous pensez de sa manière d’enseigner? Pour vous, est-ce un bon professeur? Pourquoi? 4. Nun sind mehrere Vorgehensweisen möglich: a) Die/Der Unterrichtende liest die vorangehenden Seiten 5-34 ganz oder in Auswahl der Lerngruppe vor und sichert das Globalverständnis. b) Sie/Er gibt eine Zusammenfassung des Textes. c) Sie/Er teilt den Text auf mehrere Gruppen auf, die sich untereinander über den Inhalt informieren oder ihn plenar (Power Point oder Folien) vortragen. d) Die Lerngruppe liest zu Hause oder im Unterricht individuell oder im Tandem den Text. Die/Der Unterrichtende überprüft das Verständnis. 5. Es schließt sich ein gemeinsames Lesen (oder Vorlesen) der Seiten 43-44, 2. Zeile an, dann lässt die/der Unterrichtende die SchülerInnen in Partner- oder Gruppenarbeit über ein mögliches Ende der Erzählung spekulieren. Nach Vortrag der Ergebnisse liest die/der Unterrichtende die Seiten 46-50 vor, die in Vergleich zu den Schülerarbeiten diskutiert werden. 6. Als Hausaufgabe oder Partnerarbeit oder für eine plenare Sammelphase kann die folgende Frage bearbeitet werden.

Mais l’histoire n’est pas encore finie, il manque encore une page. Qu’est-ce qui se passe six ans plus tard, à votre avis? 7. Es folgt die gemeinsame Lektüre des Schlusses (pp.51-52). 8. Als Klassenarbeit bieten sich folgende Möglichkeiten (je nach Lernstand auch kombiniert) an: a) Imaginez la lettre que Lise a écrite à M. Bonlieu. b) Rédigez une critique de la nouvelle. Dites ce qui vous a plu et/ou déplu et pourquoi. c) Écrivez une lettre à Bernard Friot, dans laquelle vous lui exposez votre point de vue sur la nouvelle. Vous pouvez aussi lui poser des questions sur ce qui vous paraît bizarre, inconcevable, pas bien réussi. Statt einer Klassenarbeit bietet es sich auch an, die SchülerInnen im Anschluss an die Lektüre Lesebilder erstellen zu lassen, die die Grundlage der Abschlussdiskussion über „Correspondance“ bilden (vgl. Mengler, Klaus (1997): „‚Lecture individuelle’ und die Rolle von ‚Lesebildern’“. In: Der fremdsprachliche Unterricht Französisch 28, 32-35). Klaus Mengler im Oktober 2008 Klaus Mengler Riegelweg 25 35418 Buseck Klaus.Mengler@t-online.de PS: LeserInnenzuschriften sind durchaus erwünscht. Viel Erfolg bei der Erprobung!

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