Sie sind auf Seite 1von 6

DRUCKSACHE G-10/075

INFORMATIONS-VORLAGE

Dezernat/Amt: Verantwortlich: Tel.Nr.: Datum

III/Kulturamt Herr Könneke 2100 05.03.2010

Betreff:
Vorbereitung einer Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas
h i e r:
Interfraktioneller Antrag von SPD-Fraktion, Fraktionsgemeinschaft Unabhängige
Listen sowie Grüne Alternative Freiburg vom 23.02.2010

Beratungsfolge Sitzungstermin Öff. N.Ö. Empfehlung Beschluss

1. KA 11.03.2010 X

2. HA 15.03.2010 X

2. GR 23.03.2010 X

Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO): nein

Abstimmung mit städtischen Gesellschaften: nein

Ergebnis:

Der Gemeinderat nimmt gemäß Drucksache G-10/075 den Sachstand der bisheri-
gen Vorbereitung einer Bewerbung der Stadt Freiburg als Kulturhauptstadt Euro-
pas zur Kenntnis.
DRUCKSACHE G-10/075
-2-

Anlage:
Interfraktioneller Antrag von SPD-Fraktion, Fraktionsgemeinschaft Unabhängige Listen
sowie Grüne Alternative Freiburg vom 23.02.2010

1. Ausgangslage

Die SPD-Fraktion, die Fraktionsgemeinschaft Unabhängige Listen sowie die Grüne


Alternative Freiburg haben nach § 34 Abs. 1 Satz 4 GemO mit Schreiben vom
23.02.2010 beantragt, das Thema „Bewerbung der Stadt Freiburg als Kulturhaupt-
stadt Europas“ auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am 23.03.2010 zu
setzen und hierfür Fragestellungen aufzubereiten, die sich im Wesentlichen wie
folgt darstellen:

1. Stand der Vorbereitung unter besonderer Berücksichtigung der Sitzung der


Konzeptgruppe mit Mitgliedern des Kulturausschusses am 02.03.2010

2. Planung einer Öffentlichkeitskampagne

3. Finanzierungsmöglichkeiten einer Bewerbung

Im Hinblick auf den von den antragstellenden Fraktionen und der Gruppierung in
Abweichung von § 13 Abs. 1 der Geschäftsordnung auf der Grundlage der Fristen
der Gemeindeordnung gewünschten kurzen zeitlichen Vorlauf zwischen Antragstel-
lung und Vorberatung im Kulturausschuss am 11.03.2010 wird in der vorliegenden
Drucksache der allgemeine Sachstand der Vorbereitung einer Grundsatzentschei-
dung zur Bewerbung Freiburgs als Kulturhauptstadt Europas, die für das 2. Halbjahr
2010 vorgesehen ist, dargestellt.

Die Ermittlung des Mittelbedarfs einer möglichen Bewerbung sowie die diesbezüg-
lich angefragte Aufbereitung der Finanzierungsmöglichkeiten sind Bestandteil des
ursprünglichen Gemeinderatsauftrags und sollen bis zum Ende des Jahres 2010
vorgelegt werden (vgl. Drucksache G-08/187). Die Recherchen und Überlegungen
hierzu sind derzeit noch nicht abgeschlossen. Ein konkreter Vorschlag wird ent-
sprechend der Auftragslage im 2. Halbjahr 2010 zusammen mit der dann entwickel-
ten Leitidee in den Gemeinderat zur Grundsatzentscheidung eingebracht.

2. Sachstand der Vorbereitung einer Grundsatzentscheidung zur Bewerbung


Freiburgs als Kulturhauptstadt Europas

Zentrale Aufgaben

Im Rahmen der vom Gemeinderat beschlossenen Vorbereitung einer möglichen


Bewerbung Freiburgs als Kulturhauptstadt Europas (Drucksache G-08/187) ist die
zentrale Aufgabe der Verwaltung in den Jahren 2009/2010, eine inhaltliche Leitidee
bzw. Vision sowie diesbezügliche Kriterien und Leitfragen zu entwickeln, auf deren
DRUCKSACHE G-10/075
-3-

Basis eine grundsätzliche Entscheidung des Gemeinderates zu einer Bewerbung


Freiburgs als Kulturhauptstadt Europas im 2. Halbjahr 2010 herbeizuführen ist.

Weiterhin sollen die Bewerbungsidee sowie das geplante Vorgehen in die Stadt und
Region vermittelt werden. Für die folgende Bewerbungsphase ist eine Organisa-
tionsstruktur zu entwerfen sowie eine erste Kostenschätzung für die Bewerbungs-
phase zu ermitteln.

Information und Einbindung des Kulturausschusses

Der Kulturausschuss ist bereits mehrfach über den aktuellen Sachstand der Pro-
jektentwicklung informiert worden, zuletzt am 12.11.2009 mit einem ausführlichen
Sachstandsbericht in der Drucksache KA-09/010.

Informiert wurde über die grundsätzlichen Hintergründe, Ansprüche und Kriterien


des EU-Projekts Kulturhauptstadt, über grundsätzliche Prämissen einer Bewerbung
Freiburgs, über die grundsätzliche Struktur der Bewerbungs- bzw. Umsetzungspha-
sen, die Arbeitsstruktur mit ihren finanziellen und personellen Ressourcen sowie
über die Konstituierung und die Aufgaben der berufenen verwaltungsübergreifen-
den „Konzeptgruppe Kulturhauptstadt“.

Um eine frühzeitige Einbindung der Gemeinderäte in die konzeptionellen Überle-


gungen zu ermöglichen, wurden alle Mitglieder des Kulturausschusses sowie alle
interessierten Gemeinderäte am 02.03.2010 zu einer Sitzung der Konzeptgruppe
Kulturhauptstadt eingeladen, um auf der Basis eines ersten inhaltlichen Impulspa-
pieres insbesondere über die grundsätzliche Richtung und zentrale Prämissen einer
Freiburger Leitidee gemeinsam zu beraten.

Einbindung von Kunst- und Kultureinrichtungen, Verbänden und Institutionen

Bereits im Juli 2009, parallel zur Konstituierung der Konzeptgruppe, fand eine erste
Informationsveranstaltung für die Kunst- und Kultureinrichtungen im Neuen Rats-
saal statt.

Des Weiteren fanden zahlreiche Vorträge und Hintergrundgespräche mit einzelnen


Gruppen, Verbänden und Initiativen statt, unter anderem beim Deutschen Werk-
bund im Architekturforum und beim Kulturstammtisch der FDP. Weitere Gespräche
des Kulturamtes sind terminiert. Noch im März erfolgen weitere Beratungsgesprä-
che mit der Initiative „Kultur macht reich“ und dem „Freiburger Kulturrat“ sowie beim
„Forum Kulturhauptstadt“ der Kulturliste. Weitere Informations- und Diskussionsrun-
den sind in Planung und begleiten den gesamten Prozess. Für April ist wieder eine
Veranstaltung für alle Kultureinrichtungen und -initiativen geplant, in der auf Basis
der aktuellen Konzeptionsentwicklung Perspektiven der weiteren konzeptionellen
Ausgestaltung der umrissenen Leitidee für den Kulturbereich im engeren Sinne be-
raten werden.
DRUCKSACHE G-10/075
-4-

Einbindung der Region

Bereits mehrfach war das Projekt Kulturhauptstadt Thema bei Besprechungen mit
der Universitätsleitung, dem Regierungspräsidenten sowie potenziellen Partnerin-
nen und Partnern in der Region. Diese Gespräche werden fortgesetzt. Da bei einer
Bewerbung evtl. auch die (grenzüberschreitende) Region mit einbezogen werden
soll, wurden und werden auf verschiedenen Ebenen potenzielle regionale Partner
informiert: u. a. über das „Städtenetzwerk Trinationale Metropolregion“, trilaterale
Gespräche Freiburg-Basel-Mulhouse des Oberbürgermeisters, in der Arbeitsgrup-
pe des Eurodistrikts und demnächst im Ständigen Ausschuss der „Region Frei-
burg“. Die Einbringung in weitere Gremien wie „Region Freiburg“, „Kommission zur
kulturellen Zusammenarbeit der Städte Mulhouse und Freiburg“, gemeinsame Ge-
meinderatssitzung mit Mulhouse u. a. sind eingeplant. Die Städte wurden eingela-
den, nach der Entscheidung für eine Bewerbung Freiburgs eine gemeinsame Kon-
zeption zu entwickeln. Die Rückmeldungen waren bisher grundsätzlich positiv.

Öffentlichkeitsarbeit

Mit dem Presse- und Öffentlichkeitsreferat wird derzeit ein Konzept zur Öffentlich-
keitsarbeit entwickelt, die im April 2010 beginnen und den weiteren Prozess beglei-
ten soll.

Arbeit der Konzeptgruppe

Zur Erarbeitung einer Leitidee wurde eine verwaltungsübergreifende Konzeptgrup-


pe einberufen, der auch externe Fachleute der Universität, der Künste und der Bau-
kultur angehören. Die Konzeptgruppe hat ihre Arbeit im Juni 2009 aufgenommen
und bisher fünf Mal getagt. Im Zentrum der Arbeit stand zuerst eine Bestandsauf-
nahme der gegenwärtigen Stärken und Potentiale der Stadt Freiburg in allen zentra-
len kommunalen Handlungsfeldern. Aus einer ausführlichen Diskussion über das
derzeitige Profil der Stadt und einer Reflexion der Kriterien der EU für eine Kultur-
hauptstadtbewerbung wurde intensiv über eine für Freiburg authentische und zu-
kunftsfähige Entwicklungsperspektive beraten, die als Basis einer Leitidee für eine
Bewerbungskonzeption als Kulturhauptstadt Europas tragfähig und für die Gesamt-
entwicklung der Stadt insgesamt sinnvoll sein könnte. Ein erstes umfassendes und
verwaltungsintern abgestimmtes Diskussionspapier des Kulturamtes liegt als Impuls
für die weitere Diskussion vor.

Das Diskussionspapier wurde in der Sitzung der Konzeptgruppe am 02.03.2010 zu-


sammen mit Mitgliedern des Kulturausschuss sowie interessierten Gemeinderäten
diskutiert. Die Ergebnisse und Anregungen aus der Sitzung werden gegenwärtig
vom Kulturamt in das Diskussionspapier eingearbeitet.
DRUCKSACHE G-10/075
-5-

Prämissen einer Freiburger Leitidee

Die gegenwärtigen Überlegungen gehen davon aus, dass die Bewerbungskonzep-


tion Freiburgs als Kulturhauptstadt Europas einen umfassenden kulturellen Entwick-
lungsprozess beschreiben und beginnen soll, bei dem aus der spezifischen Per-
spektive Freiburgs und ggf. der Region auf zentrale Zukunftsfragen einer urbanen
Gesellschaft vorbildliche Antworten gesucht, gefunden und umgesetzt werden. In
diesem Prozess sollen insbesondere neue, transdisziplinäre Formen der Zusam-
menarbeit von Politik (und Verwaltung), Zivilgesellschaft und Wirtschaft, von Kultur,
Wissenschaft und Bildung erprobt werden.

Die Kultur im engeren Sinne, die Künste, das kulturelle Erbe und die Baukultur sol-
len bei einer Bewerbung als Kulturhauptstadt einen zentralen Raum einnehmen. Ein
spezifisch Freiburger Weg der kulturellen Stadtentwicklung sollte aber aufgrund des
besonderen Profils der Stadt entschieden und selbstbewusst darüber hinaus wei-
sen.

Die Freiburger Leitidee sollte den Anspruch einer kulturell motivierten und begrün-
deten ganzheitlich-nachhaltigen Entwicklung der Gesamtstadt erheben. Sie sollte
sich also sehr bewusst nicht auf eine Entwicklungsperspektive der „Stadt der Küns-
te“ bzw. der Kulturstadt im engeren Sinne beschränken. Grundanspruch wäre, dass
Freiburg als Kulturstadt nicht in einzelnen Feldern, sondern explizit als Gesamtstadt
unter den Prämissen der Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit so weiterentwickelt
werden soll, dass sie in Europa als zukunftsfähige Europäische Stadt Maßstäbe
setzen kann.

Dieser Entwicklungsprozess wird beschrieben als „Vision Freiburg 2025“. Zentraler


Anspruch ist es dabei, die „Kultur in der Stadt“ zu einem ganzheitlichen Verständnis
einer „Kultur der Stadt“ zu erweitern. „Kultur der Stadt“ bezeichnet ein neues, kon-
sequentes Verständnis einer ganzheitlichen und integrierten Entwicklung der Stadt.
Die „Kultur der Stadt“ zeichnet sich dabei vor allem aus durch einen verantwor-
tungsvollen, d. h. zukunftsfähigen Umgang mit den natürlichen und materiellen Le-
bensgrundlagen sowie der Bewahrung und Weiterentwicklung der geistig-kulturellen
Lebensgrundlagen und Bedürfnissen der Stadtgesellschaft.

Das Diskussionspapier des Kulturamts skizziert Ansprüche und Kriterien einer


„Vision Freiburg 2025“, die quasi als Korridor die konzeptionelle Richtung weist, in
der im weiteren Verlauf die Bewerbungskonzeption zur Europäischen Kulturhaupt-
stadt erarbeitet werden würde.
DRUCKSACHE G-10/075
-6-

3. Weiteres Vorgehen

Das Schritt für Schritt in Richtung einer ausformulierten Leitidee weiterzuentwi-


ckelnde Impulspapier soll noch im ersten Halbjahr 2010 einer Gruppe externer Ex-
pertinnen und Experten zur kritischen Stellungnahme vorgelegt und mit diesen evtl.
im Rahmen eines Hearings diskutiert werden. Anschließend soll der Leitidee-
Entwurf in verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen vorgestellt werden. Aus mög-
lichst vielen Bereichen der Stadtgesellschaft sollen Stellungnahmen und Anregun-
gen zur weiteren inhaltlichen Ausgestaltung eingeholt werden.

Auf dieser Grundlage und nach weiteren Überarbeitungen wird die Leitidee Ende
des Jahres zusammen mit einem Vorschlag über die Organisationsstruktur der Be-
werbungsphase sowie einer darauf bezogenen Kostenschätzung zur Entscheidung
über eine Bewerbung Freiburgs als Kulturhauptstadt Europas in den Gemeinderat
eingebracht.

Nach einem positiven Grundsatzbeschluss des Gemeinderats würde die Leitidee in


der dann folgenden etwa dreijährigen Bewerbungsphase zu einer differenziert aus-
gearbeiteten „Vision Freiburg 2025“ als Bewerbungskonzeption weiterentwickelt
werden, mit der Freiburg offiziell in das Wettbewerbsverfahren eintreten kann.

In dieser Phase sollten inhaltliche Schwerpunkte, strukturelle Maßnahmen und kon-


krete Projekte entwickelt werden.

Die EU-Kommission will noch in diesem Jahr einen Vorschlag für die Länderreihen-
folge nach 2019 vorlegen und eventuell auch das Bewerbungsverfahren und die
Kriterien überarbeiten. Erwartet werden auch eindeutigere Aussagen zur Bewer-
bung bzw. dem Einbezug von Regionen. Nach den gegenwärtig gültigen Rahmen-
bedingungen kann davon ausgegangen werden, dass eine Bewerbung für das Jahr
2020 bis Ende des Jahres 2013 erstellt und im Jahr 2014 zur ersten Jurierung ein-
gereicht werden muss.

- Bürgermeisteramt -