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Das Nonnenkirchle in Waiblingen

J.W. Richter

Waiblingen - Nonnenkirchle,
1496 von Hans Ulmer erbaut
Foto: Ecelan,
"GNU Free Documentation License".
Quelle:Waiblingen - Nonnenkirchle.jpg - Wikimedia Commons
Zusammenfassung
Das Nonnenkirchle in Waiblingen wurde zwischen 1426 und
1510 erbaut. . Der mit einem Netzgewölbe geschmückte Raum
im Obergeschoss gehört zu den schönsten Räumen in der Stadt.
Die mittelalterlichen Mauermeister haben die Schlußsteine mit
lebendigen Farben in Rot und Blau dekoriert.
Rot und Blau sind für Schlusssteine nicht ungewöhnlich. Auch
die niederländischen Servaaskirche1 ist mit ähnlichen
Schlusssteinen ausgestattet. In der Freimaurertradition 2 haben
diese Farben Rot, Weiß und Blau sowie Purpur eine besondere
Bedeutung, die man aus der Bibel (Exodus und Chroniken)
ableitet. Rot und Blau wurden als Symbole in den Schürzen,
Gewändern und Brustplatte3 des Hohenpriesters, in den
Dekorationen der Baldachinen und Schleiern, bzw. Tüchern des
salomonischen Tempels verwendet.
Ab 1900 wurden Rot und Blau ebenfalls mit männlicher und
weiblicher Symbolik assoziiert. Im Gegensatz zum Mittelalter
und zur biblischen Urzeiten waren jedoch im vergangenen
Jahrhundert Rosa weiblich, bzw. Hellblau männlich

1
Coloured Idols
2
Blue and Red Symbolism in Freemasonary
3
In Hebräisch: kho'shen, oder kho-shen mish-pow

2
Das Nonnenkirchle
Neben der Michaelskirche befindet sich das Nonnenkirchle,
eines der schönsten Bauwerke in Waiblingen. Es wurde
zwischen 1426 und 1510 erbaut.
Über die ursprüngliche Verwendung und die Gründungsursache
des Kirchleins ist man sich nicht einig. Im Untergeschoss
wurde die Grablege eines Mannes freigelegt, dessen
Zuordnung ebenfalls unklar ist. Er wurde wohl zwischen 1450
und 1490 bestattet. Heute wird das Nonnenkirchle für kleinere
gottesdienstliche Feiern und für den Kindergottesdienst
genutzt.
Der mit einem schönen Netzgewölbe geschmückte Raum im
Obergeschoss gehört zu den schönsten Räumen in Waiblingen.

1980 wurde das Netzgewölbe renoviert. Die Schlusssteine


bilden eine Standardreihe der 14 Nothelfer ( u.a. Erasmus 4,
Georg, Achatius, Sebastian, das Lamm Gottes, Christusantlitz,
Johannes, Christus, Sabinus).

4
ein heiliger Bisschof

3
Deckenbemalung des Nonnenkirchle in Waiblngen

Abb. 1: Nonnenkirchle in Waiblngen

Die Schlusssteine bilden eine Standardreihe der 14 Nothelfer


( u.a. Erasmus5, Georg, Achatius, Sebastian, das Lamm Gottes,
Christusantlitz, Johannes, Christus, Sabinus).

5
ein heiliger Bisschof

4
Die Nothelfer in den Ecksteinen

Abb. 2: Baujahr 1510

Das Baujahr 1510 wird oberhalb des Altars inmitten der roten
und blauen Feuerzungen dokumentiert.

5
Abb. 3: Nothelfer (Erasmus?)

Der gequälte Nothelfer (Erasmus?) ist ein Bisschof, der als


Eckstein in abwechslend roten und blauen Feuerstrahlen
abgebildet wird.

6
Baujahr 1510

Abb. 4: Baujahr 1510 (Detail)

Das Baujahr 1510 wird oberhalb des Altars inmitten der roten
und blauen Feuerzungen dokumentiert. Auch der erste der 14
Nothelfer (ein Maurermeister ?) wird in rot-blauem Gewand
abgebildet.

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Rote und Blaue Dekorationen in der Nonnenkirche

Abb. 5: Rote und Blaue Dekorationen in der Nonnenkirche

8
Die Servaaskirche Maastricht
Ecksteindekoration

Abb. 6: Die Servaaskirche Maastricht

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Ecksteindekoration Servaaskirche Maastricht

Abb. 7: Die Servaaskirche Maastricht

Abb. 8: Die Servaaskirche Maastricht

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Abb. 9: Die Servaaskirche Maastricht

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Abb. 10: Die Servaaskirche Maastricht

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Rot und Blau bei den Freimaurer
Für die Freimaurer und mittelalterlichen Maurer waren Rot,
Weiß, Blau und Purpur Symbolfarben, die sich aus den
archaischen Zeiten der Religion ableiten lassen6.

Abb. 11: Freimaurer-Schürze

Alte Freimaurerschürze aus dem Museum of the Grand Lodge of British


Columbia and Yukon. Man beachte die abwechselnd rote und blaue
Randdekoration, die ggf. mit der waiblinger Nonnenkirche
zusammenhängen...

6
Blue and Red Symbolism in Freemasonary

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So wurden zum Beispiel die Schürze und Brustplatte7 der
höchsten jüdischen Priestern8 in Blau, Purpur, Rot mit
Goldverzierung auf weißem Leinen, während die normale
Priester nur mit schlichten weißen Kleidern ausgestattet
wurden. Auch das Baldachin war in Blau, Purpur, Rot mit
Goldverzierung dekoriert.

Abb. 12: Freimaurer-Schürze (Royal Arch Apron)

Moderne Freimaurer-Schürze (Royal Arch Apron)


aus der Masonic Province of Yorkshire, West Riding
Man beachte die rot-blaue Randdekoration

7
In Hebräisch: kho'shen, oder kho-shen mish-pow
8
Signs and Symbols of Freemasonry, lecture x, page 196 - Doctor Oliver,
zitiert in Encyclopedia of Freemasonary and its kindred sciences by Albert
c. Mackey m. d.

14
Auch die Flaggen wurden Blau, Purpur, Weiß und Scharlachrot
ausgestattet., die den Stämmen Judah (weiß), Ephraim
(Scharlachrot), Ruben (Purpur) und Dan (Blau) zugeordnet
wurden9. Die Schleier im Allerheiligsten des Salomonischen
Tempels waren selbstverständlich auch in Rot, Weiß, Blau und
Purpur gefärbt10.
Zur Bedeutung der Farben ist in der Bibel nichts dokumentiert.
Die Farben hängen ggf. zusammen mit den männlichen und
weiblichen Symbolen, die bereits zu den Zeiten Abrahams im
Nahostbereich verehrt worden sind11.

9
Encyclopedia of Freemasonary by Albert c. Mackey m. d.
10
Encyclopedia of FreemasonaryAlbert c. Mackey m. d., → Temple of
Solomon
11
Blue and Red Symbolism in Freemasonary

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Postkarte mit Rot und Blau (um 1905)
Ab etwa 1900 wurden Rot und Blau ebenfalls mit männlicher
und weiblicher Symbolik assoziiert. Im Gegensatz zum
Mittelalter und zur biblischen Urzeiten waren jedoch im
vergangenen Jahrhundert Rosa weiblich, bzw. Hellblau
männlich, wie im ug. Postkarte12:

Abb. 13: Postkarte mit Rot


und Blau (um 1905)

Titel: „Gib zurück oder ich rufe Mutter“ - Er stiehlt ihre Milch...

12
Farblitho aus Deutschland um 1950, veröffentlicht in "Fantasy postcards"
- William Ouelette (1975)

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