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3.
Unterrichtseinheit:
Die Gemeinde
Vom Leerstand zum und ihre Bürger
Jugendzentrum

Dozent: Armin König

1 FHSV
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Hinführung

Kann man Jugendliche aktivieren?

Zu den unausrottbaren Vorurteilen der Politik und oft auch der


Verwaltung gehört die Annahme, Jugendliche seien kaum oder
überhaupt nicht für politische Fragen zu aktivieren.

Nach allen Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht


habe, halte ich dies für einen Trugschluss. Ob Jugendliche zu
motivieren und zu aktivieren sind, hängt entscheidend davon ob,
ob das Thema sie persönlich interessiert, wie sie angesprochen
werden und ob sie auf Augenhöhe mit Politik und Verwaltung
agieren können.

Dazu gehören Offenheit, Fairness und die Chance, dass junge


Menschen ihre Ideen nicht nur äußern, sondern auch umsetzen
können.

Traditionelle Instrumente und Muster der Politik sind nicht


unbedingt geeignet, Jugendliche zu aktivieren und zu
motivieren. Wissenschaftler, die sich auf Partizipation junger
Menschen spezialisiert haben, empfehlen den Einsatz neuer
Instrumente und neuer Medien.

In Illingen ist es gelungen, trotz massiver Hindernisse das


Interesse an einem neuen Jugendzentrum über mehr als ein
dutzend Jahre wach zu halten und schließlich zu einem Erfolg zu
gelangen.
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Jugend braucht Räume

Katrin Himmel hat in einer Studie Das ist ein Manko, das ernst genom-
zur „Verbesserung der Lebens- men werden muss. Junge Menschen
qualität Jugendlicher in ländlichen brauchen Erfahrungsräume, in de-
Regionen durch jugendfreundliche nen sie nicht von Erwachsenen
Dorfentwicklung“ (2007) festge- gegängelt werden. Deshalb spielt in
stellt, dass es in den Städten und Städten und Gemeinden auch im-
Gemeinden zahlreiche Defizite in mer wieder die Frage eine Rolle, ob
der Jugendpolitik gibt. und wo Jugendzentren in Selbstver-
waltung errichten werden (können).
Es fehlt an Freizeitmöglichkeiten
und Treffpunkten für junge Men- Katrin Himmel empfiehlt,
schen. Oft haben Jugendliche keine
Chance, Freizeitmöglichkeiten und
- die Beteiligungsmöglichkeiten von
Treffpunkte in anderen Orten zu Jugendlichen zu verbessern und
nutzen, weil es an Fahrgelegenhei-
ten mangelt. Die Mobilitätschancen
sind eingeschränkt. -  bei der räumlichen Planung
„Möglichkeiten der Kommunikation,
Selbstdarstellung, Bewegung und
Auffällig ist, dass vor allem spezielle
Interaktion mit anderen“ (2007: 48)
Angebote für Mädchen fehlen und vorzusehen.
dass dies als unbefriedigend
wahrgenommen wird. Schließlich
stellt Katrin Himmel fest, dass die Ähnlich argumentiert Andreas
Situation für die Jugendlichen alles Feldtkeller aus Tübingen. Sein Ideal
andere als paradiesisch ist. Beklagt ist die vitale Stadt. Für ihn ist dies
wird eine unzureichende Integration eine Stadt, die lebt, „in der nicht
der Jugendlichen in die Ruhe und unbegrenzte Mobilität“
Dorfgemeinschaft, unzureichende der Autofahrer entscheidend sind,
Beteiligungsmöglichkeiten an sondern Umtriebigkeit und die
Gemeinde-Entscheidungen und der Nutzung von Räumen. Dort dürfen
Trend, dass man den jungen Kinder und Jugendliche „ihren
Menschen keine Spiel- und eigenen Lärm machen“, auch wenn
Entfaltungsräume zugesteht. dies störend angesehen wird.
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Vom Rand in die Mitte gerückt, „Jugendliche interessieren sich


auch wenn‘s mal lauter wird nicht für Politik“

Autonome Räume spielen also eine Wolfgang Gaiser, Martina Gille und
wichtige Rolle in einer Stadt oder Johan de Rijke haben die
Gemeinde, die für Jugendliche in- Beteiligung von Jugendlichen und
teressant ist. jungen Erwachsenen in der Politik
untersucht. Auch sie kennen die
Das kann zu Konflikten führen, etwa Vorurteile, dass junge Menschen
in City- bzw. Kernbereichen. Eine null Bock auf Politik und
attraktive Gemeinde muss lebens- Mitgestaltung haben. Und so geht
frohe junge Menschen nicht nur ihre Eingangshypothese davon aus,
aushalten, sie muss ihnen Raum dass „Politik neben Kunst, Kultur
lassen und Räume geben. und Religion zu den weniger
bedeutsamen Lebensbereichen für
junge Menschen“ gehört. Das hat
Die Politik neigt dazu, Jugendlichen sich so aber nicht bestätigt. Trotz
Räume in Randbereichen zuzu- eines eher niedrigen Interesses
gestehen. Das ist die falsche Stra- junger Menschen an Politik kommen
tegie, sagt beispielsweise die sie zum Schluss, dass man insgesamt
rheinland-pfälzische Landesregie- „nicht von einem Verfall des
rung. Sie empfiehlt, Jugendlichen politischen Interesses oder des
auch Räume in zentraler Lage politischen Engagements bei
anzubieten – also mittendrin im Jugendlichen sprechen“ kann – und
dörflichen oder städtischen Leben. das gilt immerhin für die letzten 15
Jahre.
Es komme nicht auf die Wünsche
von Erwachsenen nach Ruhe und Die Lage ist also besser als die
Ungestörtheit an, wie Katrin Himmel gefühlte Stimmung.
sagt, sondern auf die Erlebnis,
Kommunikations- und Entwicklungs-
Für die Parteien ist das aber kein
möglichkeiten junger Menschen.
Trost. Denn an aktiver Parteiarbeit,
Mitarbeit in politischen Gremien
Konflikte sind dabei nicht oder gar der Übernahme von
auszuschließen, sagen die Experten, Ämtern haben nur jeweils 2 Prozent
aber solche Konflikte muss die der Jugendlichen Interesse. Was
Gesellschaft aushalten, wenn sie ihnen dagegen gefällt, sind
Zukunft haben will. spannende Projekte.

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Jugend braucht neue


Formen der
Kommunikation und der
Beteiligung

Die Partizipation von Jugendlichen bietet Chancen für aktive politische und
gesellschaftliche Beteiligung, wenn junge Menschen ihr Lebensumfeld selbst
gestalten können und wenn die lokale Gemeinschaft ihnen Freiräume ermöglicht.
Stärker als bisher soll neben reinen Jugendprojekten auch Generationen
übergreifende Partizipation forciert werden.

Vermittlungsprozesse müssen modernisiert werden. Das bedeutet, dass auch das


Social Web (Facebook, WKW, Twitter) einbezogen wird in die Kommunikation.

Bisher fehlt es Politik und Verwaltung vielfach an der Bereitschaft und an


Kompetenzen, solche neuen Formen der Partizipation und der Kommunikation
aktiv zu unterstützten. Dies wäre aber lohnenswert.

Die Ergebnisse der Jugendforschung belegen:

Partizipation junger Menschen ist nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch
möglich und offenkundig auch Erfolg versprechend.