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GOLDFISCH

RAGOUT
TEXTE AUS DEM EOBANUS-HESSUS-
SC H R E I BWET TB EWE R B 20 03−20 06

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Die Wettbewerb wird veranstaltet und finanziert durch:

Studentenzentrum Engelsburg

Stadt Erfurt

Thüringer Kultusministerium

Universitätsgesellschaft Erfurt

Universität Erfurt

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GOLDFISCHRAGOUT

Preistexte aus dem
Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb
2003−2006

Herausgegeben von der Stadt Erfurt
und dem Studentenzentrum Engelsburg Erfurt

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Erfurt 2007 Herausgeber: Stadt Erfurt und Studentenzentrum Engelsburg Auflage: 500 Stück Alle Rechte liegen bei den Autorinnen und Autoren Druck: Sächsisches Digitaldruck Zentrum Dresden Satz und Gestaltung: Thomas Putz Korrektur: Sven Kühnhold 4 . Die Druck der Anthologie wurde gefördert durch die Stadt Erfurt.

. . . . . . . . Seit Wochen regnet es . . . . . . 67 Schülerförderpreise 2003 KERSTIN HOLZHEU: Der letzte Akt . . . 50 Jurypreistexte 2006 LENA HAMMERSCHMIDT: Neuschnee . . . . . . . . 16 TOBIAS GRÜTERICH: Aphorismen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Jurypreise 2003 PAULINA SCHULZ: Keine Diskussion . . . . . Wo der Rasen grünt schlafmohnsee . . . . . . . . . Inhalt Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 FRANZISKA WILHELM: Herbenknief . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 FRANZISKA SCHRAMM: es sind immer die kleinen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Jurypreise 2005 FRANZISKA WILHELM: Der in der dunkelblauen Turnhose. . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Ungestalte. . . . . . . . . . Vanille. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 CHRISTOPH STEIER: Kunstraumverletzung . . . . . . . 18 FRANZISKA WILHELM: Ein und Aus . . . . . . . . . 20 Jurypreise 2004 INGA GRUNDKE: Goldfischragout . . Hände sind Häfen . . 33 DANIEL WINDHEUSER: Fliederfarben. . . . . . . . . . . . . . . . 79 Schülerförderpreise 2004 CLARA EHRENWERTH. . Prosa: Kreaktivierung . . . . . . . . . . . . . . . 80 KATJA GROHMANN. . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 KATRIN MERTEN: Nach dem Hunger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Prosa: Sternenvolk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 CHRISTIAN GUTSCHE: defaitarkasmus . 11 CHRISTOPH STEIER: Schonung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 LENA HAMMERSCHMIDT: Leckermäulchen. . . 23 STEFANIE BODEN: Knolpp und Knack . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85 5 . . . . . . . Glaube mir. . . . . . . . . . . . . . . . . 58 JOHANNES MILLAN: Spiegelsaal. . . . . 71 CLARA EHRENWERTH: Tell me why I don't like Schwimmbäder . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 ELISABETH LUTHER: Der Zeuge . . . . . . . . . . . . Traumwarte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .CHRISTOPH SCHUBERT & ANDRÉ KIRCHNER: Der Propellermann . . . . . . . . 108 Zu den Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . . 92 Schülerförderpreise 2005 MARCUS QUENT: Vergessen. . . . . . . . . 98 Schülerförderpreise 2006 ULRIKE RAUCHMAUL: Wirklichkeit. . . . . . . . Im Sand der Erinnerung. . . . . . 113 6 . . . . . . . 95 MAGDALENA KESSLER: Senf jagt Ketchup . . . . . . . . . . Danach. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 KATJA GROHMANN: Der Mann an der Kante . . . . . . . . . . . . . . . Morgen voller Spätsommer . . 93 MARTIN TANZ: Die Gesetzmäßigkeiten des freien Marktes . . . . . . . . . . . . .

Ellen Zschiesche. Fritz-Wilhelm Neumann. die immer wieder auf den vorderen Plätzen zu fin- den ist. Wir danken den Mitgliedern der Wettbewerbsjury. und 12. ausgeschrieben. Vorwort Vor knapp fünfhundert Jahren lud der junge „Poetenkönig“ Eobanus Hessus regelmäßig Freunde und Kollegen in die Erfurter Engelsburg. Stefan Schütz und Prof. Dr. In einer Zeit gewaltiger ge- sellschaftlicher Umbrüche war die Engelsburg ein Ort der Diskussion und des produktiven Austauschs. aber feine Spitze etabliert. den oder die Sieger/in zu finden. Enthalten sind alle Hessus-Preistexte der Jahre 2003 bis 2006. dass die Engelsburg im Volksmund bald nur noch „Poetenburg“ genannt wurde. In diesen Jahren hat sich in Thüringen eine kleine. Die Abende beim Professor für Sprache. Seitdem wird der Wettbewerb jährlich für Schreibende. Er soll den literarischen Nachwuchs in Erfurt und Thüringen fördern. Inzwischen hat er sich als zweiter gro- ßer Thüringer Schreibwettbewerb für junge Autorinnen und Autoren neben dem „Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen“ etabliert. In den bis zu zweihundert eingesandten. die sich jedes Jahr durch die dicken Einsendungsord- ner gekämpft haben: Ingrid Annel. anonymisierten Texten fiel es der Jury nicht immer leicht. An diese Tradition anschließend wurde im Jahr 2000 der Eobanus- Hessus-Schreibwettbewerb ins Leben gerufen. Der ersten Anthologie mit Wettbewerbsbeiträgen aus den ersten zwei Jahren folgt nun die zweite. 7 . Einige Autorinnen und Autoren tauchen daher mehrfach auf. unterteilt in Jury-Prei- se und Schülerförderpreise (für Teilnehmer/innen zwischen 9. Poesie und Rhetorik an der Erfur- ter Universität waren so legendär. um über Dichtkunst. zusammenbringen und Veröffentlichungsmöglichkeiten schaffen. Zeitgeschehen und Politik zu debattieren. Klassenstufe). hier vorliegende Auswahl. Litera- tur ist in höchstem Maße subjektiv. die zwischen 15 und 35 Jahren alt sind und in Thüringen leben. Marion Fritzsche.

Thomas Putz Stefan Schütz (Organisation) (Jury) 8 .Es gibt in Thüringen nur wenig Möglichkeiten für junge Schreiben- de. Christoph Werth vom Thüringer Kultusministerium. Gerlinde Tran- schel von der Universitätsgesellschaft Erfurt sowie beim Studentenzent- rum Engelsburg und der Universität Erfurt. die in den letzten Jahren den Wettbewerb ermöglicht haben – und hier besonders bei Ines Beese und Hans-Christian Piossek von der Kulturdirektion Erfurt. ihre Texte kritisch bewertet und veröffentlicht zu wissen. Dr. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen herzlich bedanken. Wir wünschen dem Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb. dass er auch in den nächsten Jahren junge Talente in dem schwierigen Prozess des Schreibens begleitet und fördert.

Jurypreise 2003–2006 9 .

sagt mein Bruder: „Ich glaube. von den Letzteren nur eine. wie wir es sind. wäre es so. Beste Kumpels. oder das vollkommene Fehlen davon. wenn sie wirklich wollen“. hätte sie längst schon auf das Eine oder An- dere reagiert. die ent- weder Liebe ist. besorgen einander die geilsten Platten. Anastacia hat 11 . Und die zweite ist so frisch. Von den Ersteren gab es ungefähr hundert. dass ich mich nicht auf den Begriff „große Liebe“ festlegen will. sage ich und mein Bruder nickt. sie strahlen eine Aggression aus. „Scheiß drauf!“ sagen wir gleichzeitig. die Innenwände sind mit Goldpapier ausgekleidet. Mein Bruder weiß alles über meine Liebschaften und große Lieben. An der Eingangstür kleben tapetenartig Aldi. saufen um die Wette und brauchen einander nicht viel zu erklären. als ob sie miteinander ringen würden. Paulina Schulz Keine Diskussion Mein Bruder und ich sitzen in einem russischen Club. „Frauen kommen schon von alleine. wenn ich mich so hart gebe. Die Musik wechselt gerade von Discopolka zu Anastacia. irgendwo in ei- nem dieser Hinterhöfe. Als ich mich umdrehe. Beinahe sieht es aus. die entweder jeder oder niemand kennt. sie wolle ihn einfach nicht verstehen. an den Wänden hängen verstaubte Plastikgewehre und Puppenköpfe mit ver- klebten Haaren.und Lidl- Tüten. ziehen über Frauen und unfähige DJs her. ich sei sein bester Kumpel. wenn sie Lie- beskummer haben. Mein Bruder mag es. er sagt.“ Ich drehe ihm mein Gesicht zu und antworte. aber ich glaube schon. heben unsere Wodkagläser und kippen sie auf ex. Als der Größe- re seinem Gefährten die Hand zwischen die Beine schiebt. Eigent- lich ist es ein Wellblechschuppen. kaum größer als das Zimmer mei- nes Bruders. sie versteht mich einfach nicht. in der Ecke zwischen Tür und Klo küssen sich zwei stämmige Typen mit gelbblond gefärbten Haaren. sind die blonden Typen verschwunden.

Das Auto dazu lehnt am Zaun. Im Hof vor dem Wellblechschuppen liegen verbeulte Fahrräder und verstaubte Autoreifen. Mein Bruder und ich kippen schnell noch einen Wodka und gehen. ich mache alle ihre schrägen Ideen mit. Das Licht ist gut. und 12 .zweifelsohne eine großartige Stimme. „Zero tolerance“. denke ich. schon immer gewesen. eine sehr eindrucksvolle Roma. Mein Bruder drückt das Objektiv an die Scheibe und stellt das Bild scharf. sagt er. Büsche bei- nahe. antworte ich und wir brüllen los. wir tauschen nie. sage ich laut und erkläre meinem Bruder. bloß hat sie in einem russischen Goldpapierclub nichts zu suchen. „Das ist es. Durch die Fenster wachsen Brennnesseln und Beifuß. was ich unter Respekt verstehe“. mit langen grauen Haaren und Augen wie zwei Kohlesplitter. es ist der running gag. würde es im Bruchteil einer Sekunde auseinander fallen. um alte Häuser und alte Frauen zu fotografieren. lehnte es nicht. um an der Tankstelle einen Kaffee zu trinken. Wir winken ihr zu. „Was essen?“ sage ich und zünde mir eine Zigarette an. anrufen. Das fällt in den Intimbereich. Mein Bruder holt seine aus der Innentasche seiner Jacke und sucht nach einem Feuerzeug. Wir schauen uns an. riesengroß. Zehn Minuten später sitzen wir in der Tram. als eine andere Marke zu nehmen. ach. wie es manchmal ist. „Keine Diskussion“. genauso wenig wie wir einander die Zahnbürsten leihen würden. lieber rauchen wir gar nicht. An der nächsten Haltestelle sitzt eine alte Frau. dass jeder seine Zigaretten raucht. Mein Bruder holt sei- ne alte Zenith-Kamera aus dem Rucksack. alleine bei dem Gedanken daran schwitze ich schon. bevor ein irre heißer Tag anbricht. mit ihr um die Häuser ziehen. sie ausführen. Das sagt viel über uns aus. als die Tram weiterfährt. kühl und sanft – ein Licht. „Ich mache doch alles. „Aber warum merkt sie es nicht?“ fragt mein Bruder. In dem Moment. wie ich es meine. wenn sie will. gehen wir mitten in der Nacht los und picknicken im Park. oder klingeln früh um vier Freunde raus. „Und was jetzt?“ fragt mein Bruder. Draußen ist es so sommerlich grau. bemerkt ihn die Frau und zeigt ihm den Mittelfinger. Ich gebe ihm Feuer und betrachte noch eine Weile die kleine Flamme. als er auslöst.

wir beschließen zurückzukehren. grüne und türkisfarbene Stein- chen. als alles. aufs Dach. und sie?“ „Nur sie nicht …“. dann mein Bruder. „Neulich waren wir im Icon und nach dem Konzert sagt sie. als hätte man ihn vor Ewigkeiten in Grie- chenland ausgegraben – winzige blaue. Irre. Er hört nicht wirklich hin. Stehen dann am Rand und schauen hinunter auf die Straße. die ganze Geschichte mit dieser Frau ist ein Film. Unter meiner Schuhsohle bleibt ein Kaugummi kleben. Und da nimmt sie meine Hand. antwortet er und schaut weg. Wir laufen mehrere hundert Meter. auf vorbeifahrende Autos. ganz hoch. schnappen uns die erste U-Bahn. wo man am Ende gar nichts mehr versteht. wie in einem Film. Was machen wir? Laufen los. damit er wieder runterkommt. Mein Bruder stellt zwei riesige Kaffeetassen auf den Tisch. Öl. Es ist eine irre Nacht. sage ich und scharre mit dem Fuß. ich sperre den Dachboden auf und wir klettern durch die Luke raus. Ich hätte Lust auf einen Kaffee. „Wollen wir die nächste raus?“ fragt mein Bruder. zu Fuß.überhaupt. irgendetwas wie die letz- ten David-Lynch-Filme. dass wir unweit seiner Wohnung sind. in die Schlucht. gehen ins Haus. in den Ritzen Dreck.und Weinreste. wenn jemand einen kochen kann. ich mache ihr Komplimente und schreibe ihr Briefe. dass sie noch nicht nach Hause will. Es ist wie im Rausch. der aussieht. grün-blau 13 . Wir sitzen bei ihm in der gelben Küche. Und da denke ich. und wir gehen los. es riecht nach Flieder und Abgasen. fahren zu mir. außerdem muss man den ganzen Schornsteinen ausweichen – egal. aber hier und da ist eine repara- turbedürftige Stelle oder irgendwelche Unebenheiten. zum Glück sind das auf der Strecke lauter Flachdächer. „Mhhm …“ An der Kreuzung stellen wir fest. sie sieht schöner aus. Und dann. was ich je gesehen habe. das Licht von den Straßen flirrt so komisch. dass sie jetzt am liebsten auf Dächer steigen würde. und ich weiß. sage ich. Die Sonne fällt auf ihre Haare. an dem komischen schiefen Mosaiktisch. Nachts über der Stadt wandeln. mit dieser Frau. zum Teil gesprungen. „Nein“. bis zur nächsten Kreuzung. Ich hätte sie so gerne fotografiert in diesem Moment …“ „Hast du aber nicht“. Langsam wird es hell. Mir ist nach Aussteigen und Weiterlaufen. jede an- dere wäre hingerissen.

gestreift. Mein Bruder geht auf und ab. weil es bald wirklich heiß wird. wie er seine Tapes oder mir die Haare schneidet. zum anderen. Nehme ihn am Arm 14 . Oben ist es schon total warm. sie geht nicht ran. damit du wieder runterkommst“. Im Aschenbecher verglimmt seine angerauchte Kippe. zum einen. Der Kaffee riecht nach irgendwelchen Gewürzen und hat eine leichte Schokoladennote – ich weiß nicht. „Lass uns hochgehen“. wie die Asche an dem Wort NIL halt macht. ich lehne mich an einen Schornstein und rauche. genauso präzise raucht er stets seine Zigaretten bis zum Schriftzug hinunter. mein Bruder. weil ich nicht gerade schwindelfrei bin. stellt er fest und stößt mit mir an. frage ich. komme auf ihn zu. Genauso exakt. sage ich unvermittelt. Er ist schon was Besonderes. aber bei meinem Bruder schmecken manche Sachen wie in einem dieser ägypti- schen Läden. Ich gehe dann in meine Wohnung und haue mich in die Kiste. Es ist wirk- lich beeindruckend. „Als wir dann wieder hier sind. „Wie: hoch?“ „Aufs Dach. wie er das macht. bei mir zu übernachten. „Verdammt guter Kaffee“. die Tasse zwischen beiden Händen einge- klemmt. Es ist schon nach sechs. genüsslich und präzise. dass er etwas zur Ruhe kommt. Er grinst halb und nimmt einen Schluck. Und was sagt sie? Sie sagt original: Ich muss nach Hause und lernen! Dann gibt sie mir einen Kuss auf die Wange und rennt die Treppe runter. „Verdammt guter Kaffee?“ frage ich. Seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen. sonst wird das alles nichts. ich bin schweinemüde und will nur noch ins Bett und den Arm um sie legen. man könnte es jedes Mal mit dem Lineal nachmes- sen. Am nächsten Tag rufe ich bei ihr an. Allzu lange möchte ich nicht hier bleiben. mit der Nase in ihren Haaren einschlafen. ob sie Lust hätte.“ Er dreht sich zu mir um. Mein Bruder schaut zu mir herüber. Dabei raucht er doch so gerne. Will abwarten. beantwortet keine E-Mails. an keines der Telefone. fummelt in der Jackentasche und holt seine Zigaretten raus. es ist echt zum Kotzen. trinkt nicht. Er starrt an die Wand. keine Chance. Ich stehe auf.

drehe ihn mit dem Gesicht zu mir und nehme ihm die Kippe aus dem Mund. 15 . Halte sie in der Hand. Zieht noch einmal daran. „Sie ist diese Zigarette. Dann nimmt er mir die Kippe aus der Hand. „Lass sie fallen. Lass sie einfach fallen. dass ich unruhig werde. direkt vor seine Nase. „Was willst du? Lass mich doch in Ruhe rauchen!“ Ich packe ihn.und schiebe ihn bis zum Dachrand. Keine Diskussion“. in die Straßenschlucht. so lange. Stell dir vor. lehnt sich vor und schnippt sie mit einer sanften Bewegung hinunter. dass sie diese Zigarette ist!“ „Und?“ fragt mein Bruder. zwischen Daumen und Zeigefinger. Er schaut mich lange an. Anfangs wehrt er sich.

Ich will es nicht sehen und werde am Eingang warten. Der Führer. Ich kenne niemanden. Ein Tagesausflug in die deut- sche Nacht. Hund auf den Fersen. Ich verlor zwei. All diese fremden Leute. Und doch ver- hungere ich. Menschen- zoo. wie immer. Ich bin kein Jude. Nur ich. Einige zittern. Buchen. still can‘t see how people can do this – to themselves … Wie konnte ich das nur sagen. unsere Engländer nicken. Ohne Kapo im Nacken. Was suchen wir? Ich werde auch verhungern. Deutschland spricht europäisch und unsere ausgetauschten Tommys bleiben nur acht Tage. Das ist nicht fair. Leise. Am vollen Tisch verhungern. verlöre ich ein weiteres Pfund. Ein paar Namen. Es soll Sonntagsausflüge gegeben haben. Gewehr im Rü- cken. Nach Auschwitz keine Poesie. 123 polnische Häftlinge erfrieren oder verhungern 1939 im Sta- cheldrahtverhau. nach der hundertsten Gruppe – still can’t see how people can do this to other people …. Eisig geht der Wind über die verkommenen Felder. nein. zu den Fleischerhaken. In der Ferne ein Anfang von Wald. die Bilder im Geschichtsbuch. wenn es so weiter geht. macht seine Sache gut. Wie meine Knochen nur wieder klappern. Rippen. kein Vergleich mit dem Unver- gleichlichen. Keine Schergen. Bedeutet er? Natürlich. nach Buchenwald eine Reise. Drei Monate. Allein. Wieder und wieder. hart und achtlos schlägt der Wind in die Hosen. Ich sitze auf einem Stein. Ich so weit gehe. Erinnere. wo für einen Kanten Brot gestorben wurde. Sie wollten mich nicht fahren lassen. Hier her. Sie haben es gesagt. ob eine dritte –? Sie alle sind erschüttert. Hinab in den Henkerskeller. sie ließen mich ziehen. wie kleine schwarze Kinderzähne ragen die Quader aus dem zertretenen Schnee von Buchenwald. so heißt es auch hier. noch immer betroffen. Sie hätten meinen haben können. kein verdächtiges Sub- 16 . Doch ich bin zu spät. Rosengar- ten. Noten – dies ist meine letzte Reise. Christoph Steier Schonung Arm steht die Wintersonne im schneegrauen Himmel. Äste.

nur Schamloses. Kapillarenverö- dung. Dies ist die Hölle. auch diese Frage werde ich hier zurücklassen. propper. Was soll man hier nur machen – Verhungern und Stopfen. Es ist gut. war meine Hand viel kälter als die men- schenwarme Platte. kein Verdächtiger. Es ist gut. sie wurden erniedrigt.jekt. ich bin ruhig. eine. hören sie plötzlich zu. Ein Hase schlägt sich in den rissigen Waldrand. Doch beides. Dieser Ort ist die Hölle. Ein Engländer. Wie geht Erinnerung? Oder meine Eltern. noch ein Weg zurück. Lampenschirme – kein Vergleich. ge- hetzt und gehenkt wie Vieh. Als wäre mein Bewacher von der SS… Und doch schneidet er mich ab. nur so schnell dunkel werden? Eine kleine Bruchstelle tut sich auf in meiner eisstarren Maske. als suche er nach all dem Ausgelöschten. Doch ich habe nichts zu sagen. Auch geht es schwer. sagt unser Gastschüler immer. seit sie meinen Tod wissen. Kein Jude. klein. oben- drein. Gleichgültig fährt der harte Wind durch meine verbrauchten Glieder. wie können kahle Äste. für immer. Was sollte ich noch fürchten? Der Wind von Buchenwald ist kalt und er streicht über das verkom- mene Land. tief ver- borgen. Stulle und Rauch. Verzweifeln und Hoffen. 17 . Schwindel beim Bücken. zu U-Boot-Wolle gemacht. meiner Lunge fehlt Wasser. Das verdiene ich nicht. Vielleicht für die Juden. rothaarig. eisig vernarbt auf der Wange die Bruchstelle. von allem. wenn doch. die anderen. Nein. Wie geht Erin- nerung? Wie lautet der Auftrag? Vorhin. verdurstet. als wäre. Schon ist sie im Taschentuch verschwunden. auch im Januar. kommt die maroden Treppen vom Henkerskeller herauf und packt seine Brote aus. verstümmelt. die paar Freunde. es ist längst Sommer in Deutschland. Ich bin ruhig. Wei- nen und Lachen. Still don’t know how. Ich würde gern rauchen. die Verdächtigen. ist hier wohl mächtig dane- ben. Essen? Luftbrücke? No way. Nicht für mich. Es ist eine Schande. Eine Träne. kein Vergleich. nackt. am Menschenstein. dürr. nichts passt. nein. No way. mich. verhungert. nur ein weiterer Fall von Anorexie? Ein Junge. die das nicht verdient haben.

wenn man trotzdem liest. weil du von mir positiv überrascht bist. Tobias Grüterich Aphorismen Die meisten Schriftsteller können erst nach dem Tod von der Literatur leben. Zwei Zyniker bemerken nie. zu dem man sich nicht zählen darf. Homer ist. dass sie Gleichgesinnte sind. Man muss ein Verwandlungskünstler sein. ist immer wie bereuen. Elite ist immer das. Dem Interessierten erscheint ein Geheimnis reizvoll. um bei jedem den gleichen Eindruck zu hinterlassen. Das Wort „Mensch“ ist eine inhumane Verallgemeinerung. 18 . deren gemeinsamer Nenner null ist. Die meisten sind in der Minderheit. Im Wald denselben Weg zurückgehen. wenn ihre Pseudonyme mehr Erfolg haben. Ich bin von dir enttäuscht. In aktuellen Fragen gilt Meinungslosigkeit als Profilierungssucht. dem Desinteressierten verlogen. Menschen. Autoren reagieren eifersüchtig. haben unendlich viele Gemeinsamkeiten.

19 .Die Wahrheit liegt in der Mitte – zweier Relativierungen.

aber auch irgendwie wirr. Natürlich nur minimal. ist es weiter von dir weg. ich nehme nachts lieber die Bahn. Die ziehen dich an sich ran mit ihrem Geatme. die winzigen Farbpunkte. Letztens habe ich etwas gefunden. Ist „Auf-die-Straßenbahn-warten“ eigentlich eine Beschäftigung? Mmh. echt. dass die Spots atmen. es bewegt 20 . wenn eine Beschäftigung auch dann eine Beschäftigung ist. dass das Atmen aus ei- nem aktiven und einem passiven Teil besteht. Nicht mal nackte Frauen. Das hat was. Waschmittelwerbung. der Bauch zieht sich wieder zusammen. EIN und AUS. EIN und AUS. wenn sie darin besteht. Mit jedem EIN ein bisschen näher. die ein Bild bauen. Du guckst und guckst und dann atmen sie. Die Spots. Seine Zunge hat über das Glas gestreichelt. so was kommt von den Spots. Ganz von allein. Ich habe mich ganz nah an das Glas des Wartehäuschens gestellt. Ich kann es nicht ab. wenn man ganz nah an der Scheibe steht. egal wie schnell ich tre- te. nachts. Ei- nen Penner oder so. Franziska Wilhelm EIN und AUS Ich fahre nachts nie Fahrrad. Leider kommt die ab elf Uhr nur noch halbstündlich. Ich glaube. Unter jeder Straßenlaterne. Das Ausatmen ist aktiv. das Zwerch- fell hebt und den Bauch wölbt. Einmal habe ich einen Mann gesehen. An der Haltestelle. weil du die Luft wieder aus deinem Körper hinauspressen musst. Nee. nachts. Der hat mit dem Mund an der Scheibe gehan- gen. Das Zwerchfell senkt sich. So was kann nur von den Spots kommen. weil die Luft einfach nur in deinen Körper hineinströmt. Das Muster ist ein bisschen wie ein Gewebe. Wenn sich etwas zusam- menzieht. Man sieht sie wirklich nur. Das Einatmen ist passiv. Dann habe ich sie gesehen. EIN und AUS. sich eine Beschäftigung zu suchen… Kompliziert. immer zieht dieses dunkle Mädchen am Boden an mir vorbei. Egal. an eine be- leuchtete Scheibe mit einem Werbeposter dahinter. Mir hat einmal jemand gesagt. Das Beste ist aber. Man muss nur lange genug draufschauen. Sie sind in einem bestimmten Muster gesetzt. wenn mein Schat- ten mich überholt. Kein Abend endet zur vollen halben Stunde. An der Haltestelle. geometrisch.

ob der zu Hause wirklich immer nur in seinem Bademantel rumrennt. Das Spot-Gewebe atmet: EIN. Ich brauche das nicht. Zieht dich an sich. Ich habe aufge- passt. Damit sie in ihrem kleinen. der denkt. Gunnar rückt näher. Wer nachts allein an der Haltestelle steht. bringt er mich immer zur Haltestelle. Er sagte. Ich habe mich gefragt. sagt er. Wir nennen unsere Beziehung eine „in- nige Freundschaft“. Dann wieder AUS. So was verbindet. Gut ja. Er wartet mit mir. ob ich das schon immer wollte und habe mitgemacht. Aktiv. Er ist ein guter Freund. Die weibliche Ant- wort auf den Wohlfühlbademanteltypen. Gunnar würde auch mehr wollen. Gunnar gibt Streicheleinheiten. nachts. konnte man hinten unter ihrem 21 . gelben Bikini-Höschen nicht friert. Nächtliche Haltestellen sind scheiß romantisch. nein. Ich habe versucht. Nur dieses kleine Stück. Er will mich vor solchen Perverslingen schützen. bis die Bahn kommt. Wie der Penner. In Gunnars dicken Wollpulli hätte ich Waschmittelmodel sein können. Irgendwann bist du an der Scheibe. Dann habe ich mir vorgestellt. Du folgst passiv. Gestern hast du Jamila mit zu Gunnar gebracht. Nachdem ich Gunnar das mit dem Penner erzählt habe. Die Augen habe ich dabei nicht geschlossen. Man muss es ja nicht gleich übertrei- ben. Nein. aus etwa zwei Meter Entfernung die Spots zu erkennen. Wir haben beide minus 0. Ich hatte ja auch Gunnars Brille auf.sich ja nicht wirklich von dir fort. Ging aber nicht. an der Haltestelle. Aber du hältst mir deinen Bademantel nicht entgegen. Immer wenn sie sich beim sitzen ein bisschen vorbeugte. Das Gewebe entfernt sich von dir. Aber stell dir jetzt mal vor. Parties bei sich zu Hause und mir ab und zu seine Brille. Vor zwei Ta- gen hat er mich geküsst. dass er mich nicht sieht. darf sie hineinschlüpfen.75 Dioptrien. Ich brauche keine Sehnsucht und keinen. Wenn ihr zusammen Baden geht und sie aus dem kalten Wald- seewasser kommt. dass du der Wohlfühlmanteltyp bist und du mir deinen kuscheligen weißen Bademantel entgegenhältst. Ich habe Gunnar. der nach dir duftet. ich habe welche. Sofort hätte ich mir Gunnars langweiligen Zopfmusterpulli vom Körper gerissen. Gunnar ist nicht mein Freund. kann nur Sehnsucht haben. das wollte er schon immer. Den kriegt nur Jamila. Du rückst nach. Dafür habe ich mein Spiegelbild in der Scheibe gesehen. Ich wusste nicht. du rückst nach.

Aber ich glaube. Ich habe mich dann noch mit dir unterhalten. Ich habe ihm gesagt. ob ich dir mal von ihnen erzählen soll. 22 . weil wir ja gute Kumpel sind und eine innige Freundschaft haben. hauptsächlich. Und er kann mir so was erzählen. die letzte Bahn zu verpassen. an der Haltestelle. Gunnar sag- te. als ich das Zopfmus- terding neben das Sofa geschmissen habe. als nötig gewesen wäre. Dein Atem auf meinem Arm. ich werde es nicht tun. Du hast viel erzählt an die- sem Abend. Ich habe dann allein dage- standen. Ich bin sehr rechtzeitig bei Gunnar zu Hause losgegangen. und habe mir die Spots angeschaut. Du würdest es nicht verstehen. Über Jamila. dass er mich heute nicht zur Haltestelle bringen braucht. „Ist der nicht von Gunnar?“ hast du gefragt.Hosenbund den weißen Spitzentanga hervorblitzen sehen. nachts. Irgendwann hat sie sich dann auch zu uns gesetzt. das sei erotisch. EIN und AUS haben sie geatmet und ich habe überlegt. Ich bin dabei ein bis- schen näher zu dir rangerückt. es ist ja auch zu dumm. habe ich gedacht und mir den dicken Wollpulli ausgezo- gen.

weil seine Flos- sen wie durchsichtige weiche wabernde Kissen das Wasser durchwisch- ten. die daraufhin schwankte. Das Goldfischglas stand vor dem Zimmerfenster mit den blauen Rahmen auf dem dunkelbraunen Holz- schränkchen. dass seine hellorangene Farbe ihn an seinen Lieblings- snack. wie er auch immer noch darauf bestand. Nur weil Cheeto so groß und elegant und schön war. genauso. Er hatte dem Fisch den Namen gege- ben.und Naturlieb- haber gewesen. den sie schon seit zwei Jahren besaß. Als würde er die Stein- chen bewachen. Seine linke Flosse berührte ganz leicht eine der Wasserpflan- zen. unbemerkt von den Erwachsenen. Ihr Lachen prallte gegen das Goldfischglas und fiel zu Boden. ‚Eine kotzen- de Wasserpflanze‘. wie ein glucksender orangener Millionär der grauen Murmeln. so dass das nackte Holz glanzlos und verschämt herausschaute. dessen Lackierung teilweise gesprungen war. erinnerte. Inga Grundke Goldfischragout Noch während sie darüber nachdachte. schwamm heute nicht wie sonst in einem stetigen Kreis in der exakten Mitte des Goldfischglases herum. fiel ihr auf. Cheeto schien sie gehört zu haben – Fische hören? – vielleicht nur die Schwingungen fühlen und trotzdem taub sein – und hörte mit seinem Steinestarren auf. schwamm zur Glasmitte und starrte stattdessen sie an. als wäre ihr übel geworden. Cheeto. und er bestand auch darauf. dass sogar Fische traurig sein können. Ihr japanischer Koi. mit seinen goldenen Fischaugen. Schon immer war er ein großer Tier. wo das Glas am dicksten ist. wo es für den Rest des Tages auch blei- ben würde. Stattdessen schien er unten auf dem mit rundgelutschten kleinen Kie- seln bedeckten Boden des Glases zu kauern. er den schimmerndsten Orangeton und eben diese Dunkelgold- 23 . dass die Wasserpflanzen in Cheetos Glas echte seien. dass ihr Weihnachtsbaum ein echter stacheliger harztrunkener Tannenbaum war. bis es am Abend ihre zweieinhalbjährige Schwester Emily finden und aufheben würde. dachte sie und lachte. weil er fand. Chee-To Chips. Ihr Vater hatte ihr Cheeto gekauft. dort. nicht aus Plastik.

und jetzt. von ihrer Familie irgendwo vergessen zu werden. der dämliche Kinderstarheld. in dem wunderschönen. Doch die fremde. den weniger glücklichen. Sie hatte davon geträumt. samtig-dichten braunen Locken. gut gepflegten Vorstadtgarten be- fand sich auch ein Goldfischteich mit Cheetos Verwandten. gezupfte Augenbrauen und einige Mengen Make-up 24 . Draußen. doch die letz- te aufwändige Europareise der ganzen Familie hatte ihnen die Münder gestopft. Brot. bis der europäische Großstadtgriff ihrer müde geworden war und sie in ein anderes neues weites Leben entlassen hätte. die langen. die einem mit ihrer matschigen Bitterkeit die Zunge wundrieben. Ihr Vater war schon zuvor geschäftlich in Eu- ropa gewesen und hatte ihnen erzählt. dass sie in ihrem Talent für Mathe offenbar nach ihm geriet. und Schokolade. Sie nahm die Brille ab und strich sich über die gerade glatte Stirn. Ihr Vater war immer stolz auf sie. wie erhaben und würdevoll die Kirchen dort waren und wie eng zusammen die Menschen lebten und wieviel gutes. dichtgedüngten Rasenflächen und einem heimlich gehor- teten Vorrat an stromverschlingenden Weihnachtsdekorationen benei- deten sie darum. Die Nachbarn in der umzäunten Vorstadtwelt aus wei- ßen Häusern. in die elektrisch flimmernden Betonarme einer der schillernden lebendigen alten Metropolen zu sinken und dort zu bleiben. für eine Weile. das nicht mit den nach- giebigen rindenlosen Weißbroten und den künstlich gefärbten Körner- broten hier zu vergleichen war. mit sechzehn. auch teilweise schon auf College-Niveau. Sie erinnerte sich jetzt nicht einmal an alle Namen der Länder. Je- der sagte. Ihr Vater war stolz darauf. Der Garten. hatte dann eher hohe Mathematikfächer be- legt. wie Ke- vin. die sich Meilen von den körnigen krümeligen Hershey’s-Tafeln. Sie war nie besonders herausragend im Fremdspra- chenunterricht gewesen. Und es war wunderschön gewesen. wie ähnlich sie einander sahen. könne ja nichts Gescheites im Beruf leisten. unterschied. sich gewünscht. wer soviel Zeit und Energie auf seinen Garten verschwende. bewahrten sie nur die etwas höheren Wangenknochen. zischende Sprache der Menschen schreckte sie ab. Sagten. ihr Zimmer mit ihr zu teilen. war er auserwählt worden. wirklich gutes Essen es gab.augen hatte. Die Ähnlichkeit war mit den Jahren immer stärker geworden. die sie gesehen hatten.

So ein Sommertag. so dass auch jeder andere in der Familie sich daran erinnerte. wie ihr Vater sie immer anlächelte. hatte er ihr einmal erklärt. und gleichzeitig die Bereitschaft.‘ Natürlich glaubte sie ihm und würde sich danach immer daran erinnern. jedes einzelne seiner Worte zu glauben. die in ihrer Klarheit wie glatte Steine auf den Grund des Be- wusstseins sanken. die sich auch in der Sonntags- schule der „First Methodist’s Church“ für Acht. und dann war da der Regenbogen. und dann wurde es weiter und größer. Wie lange schon? Die glühgoldenen Sonnenstrahlen krochen immer gieriger zwischen den Fensterscheiben und dem Goldfischglas umher und schlichen sich blind in die Falten ihres grün-weiß gestreiften Sommerkleides.davor. Sie war sechs Jahre alt gewesen und wollte für ihren Daddy die Blu- men im Garten gießen. ein orangenes Flimmern. Es fließt nur viel viel viel langsamer als jede andere Flüs- sigkeit. als würde er brennen in sei- nem Goldfischglas. dass sie ihm verge- ben werden würden. so auszusehen wie ein jüngere Version seiner selbst. der so alle ihre Farben trank und die Welt graugesaugt hatte – der durch die Sonnenspiegelung an der gewölbten Glaskugel entstand. als würde einem ein verrück- 25 . Und jetzt. ‚Wirklich. – der so funkelte. dann war es. deshalb können wir es nicht sehen. Er hielt es meistens für nötig. wo der Schweiß einem über- allhin fließt – er fühlt sich wie Finger an. Er hockte sich nieder und sah ihr eindringlich und ganz und gar belustigt in die Au- gen. die nur Väter von aufwachsenden Mädchen machen können und von denen er wusste. Er war klug und zeigte das auch gern. erinnerte sie sich.bis Zwölfjährige immer bei ihr breit machte (auch dort lernte man schon. ‚Glas ist eine Flüssigkeit. dass Alkohol die ewi- ge Verdammnis und Sex Gebärmutterkrebs bedeutete). wenn er wieder eine der kleinen Dummheiten gemacht hatte. Von ihrem Körper abgesehen. Ohne die Brille sah sie Cheeto in seinem Glas leicht verschwommen und sein Fischgesicht schmolz in das dicke Glas hinein und schien sie anzulächeln. wo sie blinzelnd das Sonnenspiel von Goldfischglas und Wasser vor ihren Augen auftauchen sah. schmutzige Finger – und die Hitze einem auf den Kopf schlägt. Wenn sie jetzt zu Cheeto herübersah. wenn er es für nötig hielt. Sie erinnerte sich an die Ungläubigkeit. Er fasste sein Wissen in Sätzen zusammen. mein Mädchen‘.

und. dann war es wichtig. das kannst du doch nicht machen!‘ Verschreckt. der sich sofort neben ihr hinkniete und sie tröstete. dass sie eine prachtsüchtige Prostituierte war sie die Schönheit schreiend dass man sich schämen musste ja sie schämte sich wirklich so wie die Finger der Schweiß die Finger der Schweiß an ihr herumkrochen sie kannte sie ja nicht – verwelken würde. als sie gerade die große duftende Orchidee wässerte und die Sonne den Wasserstrahl fing und zu Farben machte. ihre som- mersprossigen Schultern abtastete. war genauso blind wie die Sonnenstrahlen. dessen Mittelpunkt sie sein würde.‘ Und während er ihre runden Kinderwangen. schau mal. Sie dachte nach. es ihr deutlicher zu machen. ‚Es ist wie ein brennender Regenbogen. ertappt. um jeden Zweifel auszulöschen. immer auf seinen Vater zu 26 . Fensterscheiben. Es war eine metallene Gießkanne und das Wasser gab einen ganz ei- gentümlichen Klang. dass die prachtvolle Orchidee – sie wusste. Sie hatte bisher jedes Mal angefangen zu zittern bei dem Gedanken. Wenn man sich das so überlegte. ein gigantisches Brennglas. denn das Wasser wirke wie ein Brennglas in dieser Hitze. mes- sen wollte und sämtliche Kaffeekannen. so langsam zu sein und sich an der Geschwindigkeit. versuchte. Das war alles einfach. als er sah. wenn sie das noch einmal täte. mein Mädchen. wie zersprungene Kleinstadtkirchenglocken. die von einer anderen Flüssigkeit umgeben war. wenn es genug davon hätte. ihr liebevoller sanfter Daddy. Cheeto schwamm ja in einer Flüssigkeit. als sie die Kanne füllte. niemals in der Sonne gießen dürfe. und sofort schrie er sie an: ‚Mädchen. erklärte er weiter. moderne Hochhäuser und auch die Goldfischgläser auf einmal in einer Flutwelle von Zerbrechlichkeit auf sie niederstürzen würde – die Son- ne würde immer heißer und ja. dass man niemals. Er wusste ja gar nicht. was wäre. Daddy fand sie. wenn alles Glas auf der Welt auf einmal anfangen würde zu fließen. dass sie immer noch nicht verstand.ter himmlischer Schmied ein Hufeisen auf der Schädelplatte in Form schlagen. während er ihr im- mer wieder über das leinene Sommerkleid strich. stellte sie die Gießkanne ab und fing an zu weinen. in dem sie sich bündeln konnte – dann wäre da ein riesenhafter Regenbogen. wie unsicher das war. während er ihr erklärte. Cola-Gläser. es gäbe soviel flüssiges Glas. Und ihr Daddy. mit der die Eiskappen an den Polen schmolzen.

wenn manche Dinge. den Kieseln und den Pflanzen in den Teich. er sagte viele richtige und logische Dinge. die es sich zu mer- ken lohnte.‘ 27 . Sie nahm das Glas wieder mit herein und stellte es in den Geschirr- spüler. Nicht nur ihre Kosmetika. konnte man seine Goldaugen gar nicht sehen. Oder mit ihren Freundin- nen in den Country Club ging. sie sich zu merken. Oder ihren Spinning-Kurs besuch- te. denn er benutzte ihr Bad manchmal. Es bestand praktisch nur aus einer Wanne. Ja. Wenn ihre Mutter einkaufen war. dass das Weiße am unteren Stamm ganz abgesprungen und abgewetzt war. Dann klappte sie den Ba- dezimmerschrank auf. Sie gönnte es ihrer Mutter. Sie nahm die Rasierklingen. Zwischen den anderen nicht zu erkennen. aber sie war schon so alt. sondern auch einige persönliche Dinge von ihrem Vater. Die Bäume im Garten waren gewachsen.hören. Oder mit Emily andere Mütter besuchte. Sie ließ das warme Wasser ein. Sie stand auf und trug das Goldfischglas nach draußen. von denen darf niemand was wissen. Sie kniete neben dem Goldfischteich und schüttete Cheeto samt seinem Wasser. setzte sich in die halbvolle Wanne und schnitt sich die Pulsadern auf. nicht so lo- gisch waren – ‚es gibt Geheimnisse zwischen Vater und Tochter. das hatte sie sich gewünscht und bekommen. dachte sie noch. öffnete sie die Fenster. Es war praktisch. Bevor sie den Kopf an den Wannenrand lehnte und ihre blauen Augen die hereinfallende Sonne auffingen und sie noch lange leuchten und tanzen ließen. Direkt neben dem Goldfischteich stand eine dünne Birke. Töpfchen und Salben befanden sich dort. Sie stieg die Treppe hinauf und betrat ihr kleines Badezimmer. mein Mäd- chen mein Mädchen mein Mädchen mein Mädchen‘ – so war es den- noch immer wichtig. und selbst. die er sagte. Als der Wasserdampf die Scheiben beschlug. ‚Orange ist eigentlich eine Scheißfarbe. Wenn man so von oben in das Wasser schaute. zwi- schen Daddy und dir.

wer wollte da Details wahrnehmen? Als er dann zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. dunkel gekleideter Mann machte ein überrasch- tes Gesicht und eine einladende Geste und rief: „Ach. der Herr Roland. da öffnete sich eine der Türen mit einem plötzlichen Ruck weit vor ihm. dass sie nur wenige oder. Stefanie Boden Knolpp und Knack Nach beinahe zwei Jahren Arbeitslosigkeit hatte Roland endlich eine Stelle gefunden. zu der sich Roland durchfragte. ein Sandkorn in der Wüste.“ Seltsamerweise war Roland überhaupt nicht erstaunt. genau genommen. ohne die geringste Vorstellung von seinem möglichen Arbeitgeber zu haben. Am Ende reiste er nach Köln. Das Schild an dieser Tür war nun verdeckt und Roland konnte nicht erkennen. Es war wohl die hundertfünfzigste Bewerbung gewesen. Trotzdem wurde das Vorstellungsgespräch ein voller Erfolg. Ein sehr großer. dass der Fremde ihn sofort erkannt 28 . Endlich weckte der absonderliche Klang des Namens ‚Knolpp & Knack‘ eine Erinnerung und er durch- suchte seine Unterlagen. bis er die Anzeige wiedergefunden hatte. las die Schilder von Frauenärzten und Rechtsanwalts- kanzleien an den Türen. das Schild bloß übersehen zu haben. hätte er kaum sagen können. stieg die Treppen hinauf. was darauf stand. Schon die Stellenanzeige war recht vage gewesen: Renommier- tes Unternehmen in der Informationsbranche sucht Geisteswissenschaftler mit abgeschlossenem Studium zum nächstmöglichen Termin. Schon war er fast wieder ganz unten angelangt. Was das nun für eine Stelle war. konnte aber nirgends ein Schild mit der Auf- schrift ‚Knolpp & Knack‘ erblicken und stieg schließlich die Treppen wieder hinab. Er fand schließlich das richtige Haus. Treten Sie doch bitte ein. Wie sollte er sich auf das Gespräch vorbereiten? Roland war ratlos. konnte er sich kaum an die Anzeige oder an seine eigene Bewerbung darauf erinnern. Beinahe geis- tesabwesend hatte Roland auf die Anzeige geantwortet. Da erst fiel ihm auf. Die Bü- ros der Firma befanden sich in einer kleinen Seitenstraße. gar keine konkreten Informationen enthielt. in der Hoffnung. Er als Geisteswissenschaftler! Es kam einem kleinen Wunder gleich.

kurz überlegte. sondern mehr wie ein Geräusch.“ „Sehr erfreut“. einen Wasserkocher und einige Schächtelchen ausmachen konnte. während er sich gleichzeitig in dem auffällig kargen Raum umblickte. zu der Roland ihm vorausging. der an einem winzigen Tisch in der Ecke herumhantierte. Im ‚Besprechungszimmer‘ stand ein kleiner runder Tisch mit drei Stühlen darum. bitte“. ebenfalls groß. war die strahlende Antwort und Roland entspannte sich ein wenig. dass er lieber Tee gehabt hätte. in den Händen hielt er ein Tablett und darauf eine Kaffeekanne. trockene Hand und sagte. Die stellte er unter den leeren Garderobenständer neben der Tür. Dieser Mann. Roland hatte keinen Zweifel. bevor er be- griff. wobei ihm im selben Augenblick bewusst wurde. „Tee? Kaffee?“ fragte Knolpp. wie ein Startschuss.“ Roland begrüßte auch diesen Herrn. ob der Fremde wohl eher Knolpp oder Knack hieß. und sie setzten sich um den runden Tisch. denn kurz darauf drehte sich Knolpp zu ihm um. außerdem ein verschlossener Aktenschrank und ein Schreib- tisch. „Gehen wir am Besten ins Besprechungszimmer. der Herr Roland. Roland hatte eigentlich nichts bei sich. das er hätte ablegen kön- nen. Als hätte dieser seine Gedanken erraten. Zuckerdose und drei Tas- sen. dass er Knack hei- ßen müsse. „Legen Sie doch bitte ab“.“ Es klang eigentlich nicht wie ein Name. aber viel korpulenter als Knolpp. sagte Knolpp. blickte bei ihrem Eintreten auf und rief. Es ärgerte ihn vielmehr. hatte. dass der Andere sich ihm vorgestellt hatte. Der Kaffee schien bereits fertig gewesen zu sein. so dass Roland für den Bruchteil einer Sekunde erschrocken war. auf dem Roland eine Kaffeemaschine. Aber das war wohl unerheblich. kaum dass er eingetreten war.“ Er wies mit dem Tablett auf eine Tür. „Kaffee. der tatsächlich Knack war. Daraufhin schüttelte er die feste. wie ihm im sel- ben Moment bewusst wurde: „Roland. an dem ein Mann saß. dass er sich nicht revanchieren konnte und er überlegte. ob er anklopfen sollte. sagte er ohne nachzudenken. überflüssigerweise. es dann bleiben ließ und die Tür einfach öffnete. wie ein verspätetes Echo in exakt dem gleichen Tonfall wie vorhin Knolpp: „Ach. streckte er Roland zur Begrü- ßung die Hand hin und sagte: „Knolpp. bis auf eine kleine schwarze Tasche. 29 .

Wann können Sie denn anfangen?“ Ro- land war unfähig zu antworten. aber es musste wohl seine sein. sprach er. worin eigentlich seine Auf- gabe bestehen sollte. was für ein Unternehmen ‚Knolpp & Knack‘ war 30 . wie ihm geschah. nahm Knolpp eine korrekte. ärgerte sich dann aber. für unser Unternehmen tätig zu werden?“ Rolands Gedanken ras- ten eine Schnellstraße entlang – wo war ein Anhaltspunkt? Was würde glaubhaft klingen? ‚Unternehmen in der Informationsbranche‘ war der einzige Hinweis. dass er noch immer nicht wusste. und Knack echo- te sofort im gleichen Tonfall: „Oho!“ Einen kurzen Moment lang hatte Roland das Gefühl. Doch ehe er so recht die Merkwürdigkeit der Situation emp- finden konnte. „haben Sie Germanistik und Kunstgeschich- te studiert. Als er nicht sofort antwortete. Inwiefern fühlen Sie sich denn nach diesem Studium befä- higt. Dann sind wir uns also einig. während er nun doch leicht verwundert und beklommen zwischen diesen bei- den Gesichtern hin. „Da wollen wir uns doch gleich einmal Ihre Unterlagen ansehen“. nüchterne Haltung an. Da waren sie also. Knolpp und Knack jedoch lauschten gebannt. sagte Knolpp mit lauter. Knolpp schlug sie auf und Roland erkannte auch sein Gesicht auf dem Passbild nicht. Irgendwann. Überhaupt wurde ihm nun bewusst. Und nachdem er so geantwortet hatte. Schließlich stammelte er etwas von ‚viele Informationen zu verarbeiten gehabt‘ und von ‚interdisziplinärer Verknüpfung der Inhalte‘. im Zirkus zu sitzen und einer Clownsnummer zu- zusehen. Für ihn völlig unerklärlich. Roland erkannte sie nicht wieder.“ „Aber gern“. Sie fingen sofort an. konnte er doch wohl schlecht fragen. Es schien ihm vollkommen leeres Geschwätz zu sein. Herr Roland. wahrscheinlich weil er es ver- kehrt herum sah. lebhafter Stimme und hielt schon eine Bewer- bungsmappe in der Hand.und herblickte. „Wie ich sehe“. Er wusste gar nicht. stieß Roland hervor. dass er so übereifrig klang. was er da redete. Roland. der ihm einfiel. Knack hatte einen geradezu andächtigen Gesichtsausdruck. Knolpp nickte ihm ständig zu und strahlte vor Begeisterung. hörte sich selbst nicht zu und wuss- te eigentlich nicht. hörte er einfach auf. Knolpp nickte noch ein paar Mal begeis- tert in die Stille hinein und sprach dann: „Na wunderbar. vielleicht gar mitten im Satz. „Oho!“ rief Knolpp anerkennend oder überrascht. die Zauberworte. sagte Knack: „Uns wäre es natürlich am liebs- ten.

Als sie die Straße entlang liefen. Bald darauf saßen sie lachend. Roland war wohl selbst nicht mehr ganz klar im Kopf.“ „Richtig“. Zuschauer einer Zirkusnummer zu sein und er erwartete geradezu. denn Knack war aufgesprungen und rief: „Das sollten wir feiern. es war wohl schon spät am Abend. dass Knolpp und Knack ihn nun zu ‚seiner‘ Woh- nung führen würden. ganz merkwürdig be- drängten. Irgendwann. aber freundlichen Ton. was er ihnen erzählte. Er hatte auch keinerlei Gefühl dafür. Hin und wieder blickte Roland wie von außen auf die Runde und wunderte sich darüber. Herr Roland?“ Roland fand.und wofür er sich beworben hatte.“ Wie die nächsten Stunden verrannen. Knack war aufgestanden. was ihm schwer fiel.“ Stattdessen verfiel er wieder in einen sachlichen. mit wie viel Vertraulichkeit er bei diesen eigentlich wildfrem- den Menschen saß. dass er nicht wirklich eine Wahl habe und so sagte er schlicht: „Sehr gern. Wieder hatte Roland kurz das Gefühl. halb stützte er sich auf ihn. Aber er kam nicht weit in seinen Überlegungen. zog ihn halb fort. dass Knolpp in die Hände klatschen und rufen würde: „Oh ja. sondern weil ihn Knolpp und Knack.“ „Oh ja!“ rief auch Knolpp mit kindlicher Begeisterung. Es war mild. und wenn ja. hätte Roland später nicht zu sagen gewusst. nicht etwa weil er zu betrunken gewesen wäre. hatte den Aktenschrank auf- geschlossen und eine Flasche Wein herausgeholt – und diese war bei weitem nicht die einzige Flasche. die sich in dem Schrank befand. lasst uns feiern. Knack hingegen 31 . gerade und in einem gleichmäßigen Rhythmus zu gehen. Er fühlte sich eher wie der Zuschauer eines Films. Jedenfalls erschien es ihm nur natürlich. Das Licht der Straßenlaternen fiel durch das spätsommerliche Laub einzelner Linden. war Roland bemüht. ob er an ihrem Gespräch beteiligt war. trinkend und erzählend beieinander. sagte Knack und erhob sich ebenfalls schwerfällig. Knolpp hatte seinen rechten Arm um Rolands Schulter ge- legt. „Mögen Sie mit uns auf Ihren Eintritt in die Firma anstoßen. die ihn in ihre Mitte genommen hatten. stand Knolpp auf und sagte mit schwerer Zunge: „Nun müssen wir Herrn Roland aber auch seine neue Wohnung zeigen. Zu dritt stiegen sie die Treppenstufen hinab und standen auf der dunklen Straße.

Zeit ein großes Bett zu erkennen. Über ihm kreisten die großen Gesichter von Knolpp und Knack wie zwei Vollmonde. Alle drei stolperten sie durch eine offene Woh- nungstür. gebügelter Bettwäsche und Weichspülergeruch. Die Energie. sechs oder noch mehr Runden waren sie bereits die Wendeltreppe hinaufgestürmt und noch immer nahm der Lauf kein Ende. Kaum hatte Roland. fünf.“ Dann. seine Schritte bald dem einen. war für Roland unfassbar. Er schloss die Augen und spürte. So liefen sie zu dritt eng umschlungen durch die Stadt. Mit einem Mal bogen sie scharf links ab und rasten in unverminder- tem Tempo in einen Hauseingang. stand ihm in nichts nach. schon lande- te er mit weitem Schwung darauf und versank sofort in der weichen Matratze. wie ein nachträglicher Gedanke: „Aber er wird sich schnell bei uns einleben. Und Knack antwortete: „Es war ja auch ein anstrengender Tag für ihn. wobei Knolpp und Knack ihn hartnäckig weiter umfasst hielten. mit der Knolpp und Knack ihn mit sich fortrissen. obwohl er keuchte und schnaufte.“ 32 . Roland wechselte immer häufiger zwischen langen Sprüngen und kurzem Gehoppel. Da endlich hatte ihr Sprint ein jähes Ende. und schließlich rannten sie in einem irrwitzigen Tempo durch die nächtlichen leeren Straßen. mal rasch dahertrippelnd wie Knack lief. Knolpp und Knack breiteten ein schweres Federbett über ihm aus – ein Berg von bleiernen Daunen. so dass Roland fast die nötige Luft zum Atmen fehlte. wie sie ihm das Kissen zurechtrückten und begütigend seine Wange tätschel- ten. Knolpp hastete zu seiner Linken mit langen Sätzen die Treppe hinauf und Knack. ja ihn gar noch stärker zwischen sich zusammenpressten.hatte sich auf der anderen Seite bei ihm eingehakt. Roland wurde es schwindlig. er möchte jetzt schlafen“. Für Roland war es denkbar unbe- quem und er versuchte. Vier. „Ich glaube. Auch wurde ihre Gangart immer schneller. so dass er mal weit ausschreitend wie Knolpp. hörte er Knolpps Stimme sagen. Roland hatte einen Drehwurm und ihm schwirr- te der Kopf. Rolands Füße berührten kaum noch den Boden. bald dem an- deren anzupassen. dessen Tür offen stand. dann eine Wendeltreppe hinauf.

längst ruhten blütenweiß gestärkte Hemds- ärmel auf dem biergetränkten Tisch. Irr- sinn. Dass man aber diesen Bauern nicht einfach ungestraft auf eine Frau springen lassen dürfe und alles in letzter Instanz – Para- graphenmangel hin oder her – auf versuchte Vergewaltigung hinauslau- fe. polterte der alte Grau- berg dazwischen. Erzählen Sie mal. Die Fenster waren leicht beschlagen. Unbeachtet rückte der Zeiger ge- gen Mittemacht. Krause! Woraufhin dieser. der mit dem Aufbringen der Geschichte ein drohendes Gesprächsloch gestopft hatte. Versuchte Vergewaltigung. Die Luft im amtsgerichtlichen Member’s Club wurde schwer. überhaupt sei die ganze Geschichte ein einziger Irrsinn! Einige der jüngeren Anwälte zuckten. warf daraufhin der Trainee ein und winkte nach der Kellnerin. Christoph Steier Kunstraumverletzung Man könne doch aber kein Kunstwerk ficken. verschwommen spiegelten sich die erhitzten Gesichter der üblichen Mannschaft. Man war bei der vierten Runde. Nach eigenem Bekunden habe er in seiner Mittagspause. Im vergangenen Spätherbst sei der damals fünfzigjährige Michalski als Fahrer einer Seniorengruppe in Hamburg unterwegs gewesen. während er sich verschwitzt die Krawatte löste. sie waren weder das viele Bier noch die derbe Rede nach den langen Verhandlungstagen gewohnt. hatte mit spitzen Fingern einen Hocker herangezogen und blickte erwartungsfroh über die randlose Brille. allein und völlig ah- 33 . deshalb sei dieses ganze Verfahren gegen den Michalski ja auch eine Farce. rechtlich völliges Neuland! Überhaupt nur deshalb hielten sich doch die Medien so zurück. mutmaßte nun Schlaufenbach. freilich nicht ohne zunächst die absolute Exklusi- vität dieser nur off the records erhaltenen Details zu betonen. zur Erzäh- lung des ersten je verhandelten sexuellen Übergriffs auf ein Kunstwerk durch den Wattenhuder Busführer Werner Michalski im Hamburger Arthaus anhob. Ja eben. Kunstwerk ficken. Paragraphenman- gel? Klingt interessant! Unbemerkt war Staatsanwalt Krüger an den Tisch getreten.

Wie auch immer. ein umbrafarbener Automat 34 .nungslos. ausgerechnet jene entscheidenden acht Minuten. bedauerte Krause und griff nach seiner Zigarre. alle vier Glieder fast schmerzvoll von sich gestreckt. Auf dem Video nur als über der linken Brust grell zuckender Fleck zu erkennen. Leider sei mit dem Eintritt Michalskis die bis dahin lückenlose Aufzeichnung unter- brochen worden. an die vier Bettpfosten gefesselt gewesen und habe eine wal- lende Perücke. Das Videomaterial zeige eindeutig. Weder sei ihm die Funktion des Hauses noch der Umstand des dort gerade stattfindenden Performancefestivals bekannt gewesen. Diese sei. allerdings im toten Winkel. verbracht. Merkwürdigerweise habe Michalski nämlich ge- schlagene acht Minuten im toten Winkel der Raumkamera. müssten nun ohne Videomaterial rekonstruiert werden.16 Uhr offenkundig orientierungslos durch die Ausstellung gestreift sei. welches Minderjährigen den Zutritt versagte. als tanzten seine Worte auf den blauen Kringeln. und schließlich. während derer in dem Busfahrer der Entschluss zu seiner Tat – sofern man eben von einer Tat sprechen könne – herangereift sei. dass Michalski mehr als drei Minuten ein an der Tür angebrachtes Pla- kat studiert habe. die Auswertung der Überwachungskameras habe ergeben. was Krause beim Erzählen um die Pointe bereichern konnte.39 Uhr ein unverändertes Bild gezeigt – eben die Installation der umstrittenen Künstlerin. habe in der Realität ein rot blinkendes Herz gehangen. An der Stirnseite des Zimmers habe ein weißmetallenes.31 Uhr. um schließlich vor einer abseitigen Tür zu verharren. ein Nebenge- bäude des Arthauses betreten. dass Michalski nach seinem Eintritt ins Foyer um 13. Ferner habe. einen Knebel sowie eine Augenbinde getragen. um 13. Ja. den Raum betreten habe. bloß aus Schutz vor einem plötzlichen Regen. also direkt an die Tür gepresst. der Staatsanwalt habe Michalski in der ersten Anhörung über- haupt erst über den Begriff Performance aufklären müssen. dennoch hätten sich klar die unbekleideten Umrisse der Künst- lerin abgezeichnet.50 Meter Höhe installierten Kamera etwas getrübt.31 Uhr kurz im unteren Bildrand auftauchenden Türspitze habe die Kamera bis 13. Nach einem tiefen Zug fuhr er fort und fast schien es. Abgesehen von der bei Michalskis Ein- tritt um 13. quadrati- sches Himmelbett gestanden. Der aus weißem Tüll drapierte Himmel habe die Sicht der in etwa 4.

Diese habe daraufhin mehrfach den Alarmknopf gedrückt und Michalski durch laute Geräusche von seinem Vorhaben abzubringen versucht. woraufhin die seit der Schilderung der obszönen In- stallation in Bewegung geratene Zuhörerschaft räuspernd auf Fortfüh- rung drängte. so ein Depp. wie Michalski von zwei Wachleuten in den toten Winkel gezerrt werde. Präze- denzfälle. zuckte mit den Schultern und brachte umständlich seine Zigarre wieder zum Glü- hen. Sicher sei eben nur. das Unfassbare per Gesetz zu fassen. der auf Einwurf eines Euros ein rot blinkendes Kondom ausgespuckt und blechern next please getönt habe. Man lehnte sich entspannt zurück und sann mit verschränkten Armen auf passende Paragraphen. Sessel quietschten. er sei mal wieder im Puff gelandet! Nach etwa dreißigsekündigem Rin- gen zeige die Kamera. das 35 . auf den postfeministischen Hintergrund ihrer Instal- lation hinzuweisen. An dieser Stelle betonte Krause noch einmal das Unglück der Auf- zeichnungslücke. hastig nahm er die Erzählung wieder auf. Hatte Michalski wirk- lich alles für ein Bordell gehalten und war unschuldig? Welchen Sta- tus hatte die Künstlerin? Hatte sie Michalski provoziert? Wo ging der Raum der Kunst in den der Wirklichkeit über – und wer bewachte diese Pforte? Gerade versiegte das Gespräch. trank sein Glas in einem Zug leer. nach acht bewegungslosen Minuten. habe das durch den Knebel verzerrte Stöhnen als Ermu- tigung verstanden und munter weitergemacht. Angeblich entspreche dieser Vorfall haargenau dem von ihr kritisierten männlichen Verhalten – Verfügbarkeit. Aufgrund der bis zu den Knien herabgezogenen Hose habe er nur langsam gehen können. Der habe wohl gedacht. Ergeb- nislos schwirrten die Fragen durch den Raum. man beugte sich noch einmal vor. In Krauses Schläfen sammelte sich das Blut.im Zimmer gestanden. sei Michalski mit entblößtem Hin- tern ins Bild getreten. Nach Erreichen des Bettes habe er umständlich auf die Künstlerin zu steigen versucht. Gewalt. Die Künstlerin habe allerstrengste Strafverfolgung gefordert und sei nicht müde geworden. Möglichkeiten. Die Runde saß schweigend da. Der aber. was die Kamera aufgezeichnet habe. als Krause noch einmal tief inhalier- te und in seinen Dunst etwas von einem Interview mit der Künstlerin murmelte. Plötzlich. Hier brach Krause ab.

Die Scheiben waren nun völlig beschlagen. be- sann sich und spendierte eine Runde. 36 . Beim Toast kam endlich der lang ersehnte Vorschlag auf. den Abend doch im St. der die ganze Erzählung über hinter Krau- se gehockt hatte. Krüger. Unter allerlei Gelächter und Schulterklopfen brach man zur Gardero- be auf. schüttelte gedankenverloren den Kopf. nur das dumpfe Not- licht schimmerte grünlich zurück. Als Krause daraufhin heiser lachend fragte. während die Kollegen sich unter zustimmendem Nicken zurückfallen ließen und vereinzelt selber schuld murmelten. Tropez bei schwerem Wein und leichten Mädchen ausklingen zu lassen.übliche Gerede! Krause winkte müde ab. ob nicht vielleicht auch das Arthaus noch geöffnet sei – wie köstlich! – kochte die in Erwartung des Kommenden ohnehin schon euphorische Stimmung fast über. erhob sich.

Daniel Windheuser FLIEDERFARBEN hinter aschgrau ein Wort ein kleiner Blick und jeden Tag ein Gedicht in fallender Tendenz du webst das Frühstück ich fälle den Ton und sonntags fangen wir den Nachbarn mit Netzen aus Klatschmohn und wenn es dunkel wird bemale ich einzeln die Härchen deines Nackens goldfarben auf der Veranda bei morschem Holz und lila Duft während vom Dach die Ziegel fallen lautlos ins Gras 37 .

DAS UNGESTALTE das wartet vor dem Rahmen hinter Glas auf dich von dem man sagt es habe keine Worte nur Taten und Hände und Augen erwartungsvoll blickt es auf Holz fest umklammert berührt die Luft atmet und Innen hier in dir schnarrt etwas das du nicht bestellt hast schnarrt in fremden Zungen spricht unverstanden aber gehört wie Fingerspitzen die im Rhythmus der Muskeln vibrieren während draußen das Tageslicht abrutscht an den Farben der Welt 38 .

SEIT WOCHEN regnet es ein dicker Mann lacht und wenn man die Hand auf die Wiese legt verschwindet sie im braunen Wasser die Wände sind feucht es riecht nach dunklem Holz die Schlingpflanzen haben die Regenrinne erreicht und in meinem Waschbecken wohnt eine Kröte in deren schwarzen Augen sich die Nester in meinem Bart und die Löcher in der Decke spiegeln sie zählt die Schritte auf der Treppe mittels Kreide und einer Schiefertafel und wenn es an der Türe klopft singt sie die Marseillaise 39 .

freundliches Auslachen mit einem Rest Sonnenblumenkern am Zahn. verreiste sie. waren entlegene Kleinstädte oder die Randbe- zirke großer Metropolen. „Komm!“ sagte er in einer Sprache. Sie fühlte. die sie nicht sprach. ohne die Finger zu benutzen. Er schaute sie an. Er konnte sie öffnen und herunterschlucken. hatte sie sich immer zu hässlichen Dingen hin- gezogen gefühlt. wenn sie an den leuchtend rot ge- ziegelten Fachwerkhäusern ihrer Stadt entlang ging. wo die Unterkünfte billig waren und selten überfüllt. hat- te der Verkäufer gesagt. und stand auf. Die Schalen spuckte er in eine zweite Tas- se. So oft sie konnte. Seit einiger Zeit machte sie auch Fotos – von ihren Herbergen. In einer Herberge weit außerhalb der Stadt lernte sie auch ihn kennen. Franziska Wilhelm Der in der dunkelblauen Turnhose Seit sie denken konnte. wie ihre Wangen erröteten. Einmal fand sie eine. Die Orte. den bröckelnden Fassaden und den Wä- scheleinen vor den Fenstern. „Die macht wunderbare Naturaufnahmen“. aber es klappte nie. die sehnigen Unterarme und die staubgrauen Beine. die sie besuchte. Als er sich plötzlich zu ihr umdrehte. Hinter ihm stehend betrachtete sie sein dich- tes blondes Haar. Er schlüpfte in seine Turnschuhe und warf sich ein T-Shirt über die 40 . Es war ein offenes. der Kern fiel in die Tasse. Er lachte. ohne ein Wort zu sagen. dunkelblaue Turnhose getragen. den Wohnhäusern und Trockenplätzen. keiner hat- te sie kaufen wollen. zuckte sie leicht zusammen. Die Schale blieb in ihrem Mund. es ihm nachzumachen. Immer. dann hielt er ihr. mit einem grü- nen Streifen an der Seite. die über zwanzig Jahre alt war. schob sich einen der salzüber- zogenen Kerne zwischen die Zähne. verspürte sie eine seltsame Sehnsucht nach Beton. Sie mochte die tristen Wohngebiete am Stadtrand mit den grauen Hochhausblöcken. Sie versuchte. Tagsüber strich sie durch das Viertel auf der Suche nach Post- karten. Er hatte in einem braunen Sessel vor dem Fernseher gesessen und nichts weiter als eine kurze. Sie hatte sich eine neue Kamera gekauft. Sie versuchte es noch ein paar Mal. biss und spuckte. eine Tasse mit Sonnenblumenkernen hin.

Sie trank und behielt das Bier ein biss- chen im Mund. Die beiden Jungen lachten. Immer wieder drückte sie auf den Auslöser. gegen den er immer wieder leicht kickte und ihn dann mit der Ferse zurückholte. hustete und spuckte alles wieder aus. Auf der anderen Seite des Fußballfeldes warfen die Hochhäuser bereits Schatten. dann gingen sie zusammen die Straße hinunter. und reichte sie ihr. verschluckte sich. Sie schaute den beiden zu. Der Dunkelhaarige hatte Bier besorgt und reichte ihr eine Flasche. Als sie nach Hause gingen. Der Blonde kramte eine kleine Tüte voll Sonnenblumenkernen hervor. Der mit der grünen Turn- 41 . wie man die Schale knackte. wo die Stadt in einem sandigen Fußballplatz endete. ohne ein Wort zu sagen.Schulter. Sie lie- fen nebeneinander. zu- beißen und dann mit der Zunge die Hülse abtrennen und ausspucken. Vor seinen Füßen lag ein Fußball. Bei den beiden Jungen sah es unglaublich einfach aus. die andere blieb am Kern und ihrer Zunge kleben. jedes Mal wenn sie um den Ball rangen. Mit einem Augenzwin- kern bot er sie ihr an. dann ging er über den Platz zu dem anderen Jungen. waren sie ganz allein auf der Straße. schien sich von einer auf die andere Minute zu verändern. dann in ein brennendes Rot. Der Blonde schüttelte nur den Kopf. Er hatte langes braunes Haar und trug eine grüne Turn- hose. schluckte trotzdem. was sie fotografierte. mit seinen Händen ein paar Kerne aus der Schale zu pulen. Doch er ließ nicht locker. bevor sie es herunterschluckte. Dort wartete bereits ein anderer Junge auf sie. Sie probierte es noch ein paar Mal. Sie holte ihre Kamera aus der Tasche und begann zu fotografieren. Da entschied sie sich. Alles. Sie fühlte. Die Hälfte der Schale landete vor ihr auf dem Boden. bis er plötzlich dunkelblau war. Sie wollte sich keine Blöße geben. Man musste den Kern erst hochkant zwischen die Zähne schieben. Dann begann er. Der Blonde deutete auf eine große Betonröhre. wie der Staub aufwirbelte. wie die warme Abendsonne ihr über die Arme strich. aber es klappte nie. beobachtete. mit der Schale. Immer wieder machte er ihr vor. die Kerne einfach ganz herunter zu schlucken. Ihre Lip- pen fühlten sich trocken an. auf die sie sich setzen konnte. Irgendwann setzten sich die beiden zu ihr auf die Betonröhre. Der Platz tauchte in ein steinernes Orange. sie schüttelte nur den Kopf. wie die Turnhose des Blonden. Sie versuchte es.

Die Wirtin sagte etwas zu ihm und es klang nicht besonders freundlich. Unten an der Hauptstraße fuhr der letzte Bus vorbei. doch dann mussten sie erst die Eingangstür aufschließen. sie fischte sich eine Ecke heraus. Sie legte ihre Hände um seine. So wollte sie mit ihm nach oben gehen. dass es der letzte war. Er lachte sein Sonnenblumenkernlachen und nahm ihr Gesicht zwischen beide Hände. mit ihm zur Herberge zu- rück zu fahren. Sie nickte und er führte sie in eine kleine Küche. kam die Herbergsfrau zur Tür herein. er kickte ein kleines Steinchen vor sich her.hose hatte sich vor einer Kneipe von ihnen verabschiedet. Sie stellte sie in den Schrank zurück und verließ. ihm den Kiesel vor den Füßen wegzuschie- ßen. Sie hielt immer noch den Käse und als er ihre Hand fasste. wie er zu dieser Pension gehörte. Er hatte ja hier auf dem Sessel gesessen. um ihr unter dem Tisch hervor zu helfen. Als sie weg war. beugte er sich zu ihr herunter. Ob er hier arbeitete? Mit seinen Händen fragte er. die noch immer ihr Ge- sicht umfasst hielten. Dabei schlug ihr jedes Mal eine kleine Sandwelle vorn in die San- dale. Er suchte ein bisschen in den Schränken und fand Brot und eine Dose mit Schmelzkäse-Ecken in Silberfolie. Doch die Herbergsfrau nahm dem Blonden nur die Dose mit den Käse-Ecken ab. Kaum. so dass ihnen die weiche Masse zwischen die Finger glitt. den Raum. denn sie hatte vorgehabt. Sie begann. ob sie Hunger hatte. samtrote Nachtpuschen und einen Morgenmantel. sie lachte auch. Vor der Tür der Herberge zog sie ihn an sich ran und küsste ihn. aber er schnalzte nur mit der Zunge und hielt ihren 42 . Er betrachtete seine Schmelzkäsehand und lachte. wegen der Herbergsfrau. Sie griff nach einer Serviette zum Abwischen. Sie trug dre- ckige. Dann gin- gen die Nachtpuschen auf den Tisch zu. sie sprang unter den Kü- chentisch. Sie schluckte und hielt sich hinter seinen und den Stuhlbeinen die Hand vor den Mund. Er hielt ihr die Dose hin. eine Melodie zu summen. Sie wusste. Sie überlegte. schläfrig vor sich hin- murmelnd. Er fand sich im Haus auch ohne Licht zurecht. Plötzlich hörten sie ein Geräusch. Ein paar Mal schaffte sie es. Schnell schob er den Stuhl ein Stück beiseite. platzte das Silberpapier zwischen ihren Handflächen. Jemand kam die Treppe herunter. ein etwas vorsich- tigeres Lachen. dass er den Sitz wieder an seine Stelle und sich selbst davor gestellt hatte.

sie zu küssen. Verschlafen stellte sie sich unter die Dusche. auf ihr Kinn. Heute war ohne- hin ihr letzter Tag. küsste sie. Sein Haar war weich. gegen Abend würde sie schon zu Hause ein Bad neh- 43 . dann steckte sie es sich in den Mund. die noch im Raum war. Sie spürte. Einen Moment lang überlegte sie. überlegte sie.Arm fest. Im Dunkeln ließen sie sich auf das Bett fal- len. um Kühlung zu verschaffen. Sie fühlte die Nacht noch seltsam schwer an ihrem Körper hängen. doch dann erinnerte sie sich an die roten Samtpuschen und wie sie sich letzte Nacht vor ihr unter dem Küchentisch versteckt hatte und es war ihr peinlich. Als sie am Morgen aufwachte. grub sei- ne Arme unter ihren Rücken und legte seine eigene sandige. wie er es zuvor an der Haustür getan hatte. ging zum Fens- ter und öffnete es. legte sich wie eine filzige Decke über sie. Sie gab ihm ihren Zim- merschlüssel und er öffnete. doch da war er schon wieder. auf den Mund. Sie tastete neben sich und fand das Bett leer. und sie folgte ihm einfach durch den unbeleuchteten Flur. Er erhob sich. und verschmierte dabei ihre Wangen mit Schmelzkäse. Sie griff mit ihrer freien Hand nach einem Stückchen Brot und schob es an seinem Zeigefinger entlang nach oben. Während sie sich ihre sandigen Sandalen abstreifte und das T-Shirt auszog. in welchem Zimmer sie untergebracht war. um das Fenster zu öffnen. doch aus dem Dusch- kopf tröpfelte nur ein schwaches Rinnsal. Er nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände. ihren Handteller abzulecken. über die dunkle schwere Wärme des Zimmers. jetzt bei Tageslicht kam sie ihr unwirklich und fremd vor. Sie küsste ihn und wischte dabei mit dem Daumen kleine Schweißtröpfchen von sei- nen Schläfen. genau wie die Sonnenblumenkerne im Mund des Blonden oder das Knattern des Mopeds. Er wusste. ob sie die Herbergsfrau rufen sollte. das gerade unten auf der Stra- ße vorbei fuhr. wie sie immer weiter in die durchgelegene Matratze einsanken. aber die Nacht- luft war zu warm. Dann begann er. war es noch immer dunkel im Raum. doch da fing er schon an. Irgendwann würden sie darin verschwunden sein. Sie spürte seine Hand auf ihrem Schenkel und die Fe- dern der alten Matratze im Rücken. auf die Stirn. Mit Anstrengung richtete sie sich auf. Er musste die Vorhänge zugezogen haben. Die Tageswärme. ob sie nicht duschen sollte. Sie wollte sich die klebrige Masse abwischen.

Doch noch bevor sie etwas sagen konnte. dessen Wasserhahn funktionierte. Sie fühlte sich unwohl. Zwischen ihrer runden Stirn und den vollen Wangen entdeckte sie plötzlich seine Züge in ihrem Gesicht. 44 . hatte ihn die Herbergsfrau mit strengem Ton aus dem Speisesaal herausgeschickt. Sie lächelte die Wirtin vorsichtig an und begann. Plötz- lich sah sie ihn. Die Herbergsmutter ver- schwand im Hinterzimmer. Nur einen kleinen Blick hatte sie erhaschen können. Als sie sagte. Mit ein paar Worten. drückte auf den Auslöser. schrillte das Telefon. So gut es ging. die ihre Puschen gegen ein paar Sommerschuhe mit Holzsohle getauscht hatte.men können. sie würde sich einfach schnell davon machen und keiner würde sie sehen. Es gab Brötchen. dann kam er zu ihr. sagte sie. Kaum. er sah fürchterlich aus. doch bevor ihr die Wirtin das Rück- geld herausgeben konnte. von ihm fo- tografiert zu werden. Die Wirtin wünschte ihr ein lautes „Guten Morgen!“ Dann zeigte sie ihr den Frühstücksraum. erschien er in der Eingangshalle. wollte die Herbergsfrau da- von nichts wissen. erschien auch schon die Herbergsfrau. Er hob den Finger. Es schien. Sie hatte keine saubere Jeans mehr. „Frühstück inklusive“. stellte er sich neben sie und fotografierte sie beide mit ausgestrecktem Arm. aber es war egal. Marmelade und Schmelzkäse-Ecken. das Brötchen aufzuschneiden. dass sie nichts essen mochte. sich auf den Treppenabsatz neben das Tischchen mit dem fal- schen Blumengesteck zu stellen. als habe er sich für dieses Foto zurecht gemacht. um ihr das Rück- geld zu geben. Nach dem Frühstück zahlte sie. Sie fand. Kaum dass sie weg war. Er hielt einen kleinen Fotoapparat in der Hand und deu- tete ihr. Mit ihrem Rucksack auf dem Rücken schlich sie die Treppe hinunter. die sie nicht verstand. Er hielt einen Wischmob und einen Eimer in der Hand. Es war ihr vorher nicht aufgefallen. Mit gespielter Gleichgültigkeit schnallte sie sich ihren Rucksack auf und ging zur Tür. Unten stand die Herbergsmutter. sie war doch die Fotografin. dann packte sie ihre Sachen zusammen. fasste mit ihrer kräf- tigen Hand um ihren Arm und führte sie bestimmt zu einem der Tische. ohne sich noch einmal umzusehen. Er trug ein Hemd und hellblaue Jeans. dass er das zweite Bild geknipst hatte. Außerdem waren ihre Haare nicht gewaschen und ihre Jeans dreckig. auch er nicht. wusch sie sich am Waschbecken. dass sie sich ähnelten.

Aber sie konnte sich nicht auf ihr Buch konzentrieren. wo das warme Rot der Abendsonne bereits links und rechts an kleinen. aus dem Zugfenster heraus Fotos zu machen: Von Wiesen. Böschungen. nickte nur und schau- te aus dem Fenster. knipste sie weiter. sagte sie und steckte die Kamera in ihre Tasche. Sie antwortete nichts. dann holte sie jedoch ihre Kamera hervor. Immer wieder drückte sie auf den Auslöser. Bahnhöfen und Straßenzügen. „Es ist eine Hitze in diesen Tagen und dabei haben wir schon September“. sagte er. Eine Weile kramte sie in ihrer Tasche. Sie begann. um nach ih- rem alten Discman zu suchen. das Kli- cken der Kamera störe ihn beim Lesen. 45 . „Oh“. Er schaute sie freundlich an und wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn. selbst als der Film voll war. Irgendwann beugte sich ein alter Mann zu ihr und meinte.Später im Zug versuchte sie zu lesen. spitzen Vorstadtdächern herunterfloss.

geht es. Dirk stellt die Becher auf das Kassenband und kramt in den aus- gebeulten Taschen seiner Hose. Dirk hat- te diesen Tick schon immer. Er wirft die Becher zurück ins Regal und greift sich zwei andere. Jule holt ihre Geldbörse aus der Tasche. „Käsekuchengeschmack. Er kramt noch im- mer. Als Jule die Lücke zwischen den Vor- derzähnen sieht. Umar- mung. Er betrachtet sie kritisch und schüttelt abschätzig den Kopf. kannst du dir das vorstel- len? Wer zum Teufel will denn so ’nen Scheiß?“ Dirk liest mit großer Abscheu. Dirk und Holzer begrüßen sich. ohne sich anzustrengen. Jule. Er zelebriert die Auswahl jedes Mal und spricht so laut. Dieses Mal. Leise redet die Frau mit ihm und Jule fragt sich. Handschlag. Sie friert. die gerade Katzenfutter auf das Band stapelt. Dirk beugt sich zu ihr und küsst sie auf die Wange. zwischen den Milchprodukten auf der einen und dem eingeschweißten Fleisch auf der anderen Seite. Bezahlst du?“ Jule nickt. Himbeere. ob der Hund getröstet werden muss. muss sie lächeln. die er Jule vors Gesicht hält: „Vanille-Geschmack. Dirk drängelt sich unsanft an der Frau vorbei und der Hund wackelt in seinem Korb. als wären es die Namen ansteckender Krankheiten. Handschlag. Waldmeister. genau in der Mitte. Jule beobachtet die alte Frau vor sich. Ich geh schon ma’ raus. weil er bei diesem Einkauf kein Futter bekommen hat oder ob das Katzenfutter für ihn ist. zur Kasse zu kommen. Eine Münze fällt auf den Boden und rollt unter ein Regal. da ist Holzer. Dirk hat mehrere Quark- becher in der Hand. „Ey. das einzig wahre Leckermäulchen!“ Er nickt bedeutsam und Jule hat es ei- lig. Zwischen den Kühlregalen ist es angenehm. Dirk grinst. dass er zusammen zuckt. Vanilla auf Erdbeer. Aber genau in der Mitte. Dabei ist es doch nur Quark. In ihrem Einkaufskorb sitzt ein kleiner Hund mit ei- ner roten Schleife im Haar. dass fast alle Leute im Laden ihn hören können. Vanille. Ein Schritt zu weit nach links oder rechts und Jule kriegt Gänsehaut. Ein Pfiff erschreckt den Hund so sehr. Sie tut es 46 . Limone … ich glaub’s nicht. Der Schweiß auf Jules Stirn und am Rücken ist getrocknet. Lena Hammerschmidt Leckermäulchen.

Die Kinder quengeln und die Al- ten wischen sich die Stirn. doch ei- gentlich freut er sich über ihre Antwort. Es wäre leicht. oder? Im Wes- ten kennen die Vanille aber nur gelb. „Oh Jule Mann. Jule beobachtet die Menschen. der Hund würde sicher- lich nicht bellen. Schwarz. doch bevor sie ihre Gesichtszüge geändert hat. Und die Blüten sind gelb. dass sie sehr dumm guckt. Als Jule bezahlen muss. ein enttäuschtes Gesicht zu machen. „Keine Panik. Gelb. haste schon recht. „Jule. Dirk holt einen Löf- fel aus seiner Tasche. Als sie sitzen.“ Ihr ist der Appetit vergangen. sondern die der Frau vor ihr. los. fährt Dirk mit seiner Erklärung fort. Vanille hat gar keene Farbe. Handschlag und Holzer ist weg. reicht sie ihm seinen Quark.mit einer Vorsicht. ohne dass sie sich umdrehen muss. Jule sieht ihn mit großen Augen an. Die Rolltreppe fährt die beiden langsam in die Sommertemperaturen. Holzer runzelt die Stirn und tippt Nachrichten in sein Handy. dass Dirk ihr folgt. Dirk zieht vor- sichtig die silberne Folie ab. hör zu. dass Leckermäulchen im Westen überhaupt nicht erfolgreich war. was die Frage soll. Vor dem Bahnhof drückt die heiße. Ich hab ma’ gehört. weiß aber nicht. Jule steuert eine Bank an. Vanille. 47 . Er tritt ihr vorsichtig auf den Fuß. kannste dich noch erin- nern? Früher war Leckermäulchen doch so richtig weiß. „Na. die sind genauso bekloppt wie du.“ Jule versteht gar nichts mehr. als nähme sie nicht ihre eigene. Also haben sie’s nich’ gefressen. hat natürlich keene Farbe. leckt den Quark an der Innenseite des De- ckels ab und verrührt dann den Inhalt des Bechers zu einer cremigen Masse. Jule horcht auf und sieht ihn an. die aus dem Bahnhof kommen. legt sie schnell den 100-Euro-Schein auf das Band und lächelt entschuldigend. Also die Scho- ten. bist denn genauso doof wie die Westler. weil es zu weiß war. Aber die Westler. Jule. wat ’ne Farbe hat Vanille?“ Jule hört Dirk. in den Korb zu greifen. bevor Jule aus dem Supermarkt kommt. Mensch? Na. „Jule. „Also. denk ma’ nach …“ „Gelb?“ Dirk versucht. Eigentlich is’ es ja schwarz. also der Geschmack. schwere Luft. Die Hitze liegt schwer auf den Gesichtern. hab ich sauber gemacht.“ Jule wird klar. Dirk hat es nicht gesehen. Handschlag. Umarmung. Draußen gestikuliert Dirk wild und zündet sich eine Zigarette an. Aber an sich. Sie weiß.

Egal welchen Joghurt du dir da kaufst – wenn der Vanille ist, dann is’
der bei denen gelb. Weil die den extra so färben. So ’ne Idioten.“
Jule macht große Augen. Eine typische Dirk-Geschichte. „Also, wat
machen die von Leckermäulchen? Färben den Scheißquark gelb und
sieh an: Die Verkaufszahlen stimmen. Ich sag ja: Alle wollen immerzu
verarscht werden.“
Jule lächelt. Dirk hat ihr ein bisschen gefehlt. Sie wird nicht fragen,
woher er die Geschichte hat und ob es wirklich stimmt, was er sagt.
Man muss ihn nehmen, wie er ist. Vor allem, solange er gute Laune
hat.
„Ey Jule, guck mal da drüben, Thrombo-Tom.“ Auf der anderen Sei-
te der Straßenbahnschienen humpelt ein Junge von einem Wartenden
zum nächsten. Die Leute, die er anspricht, schütteln den Kopf und ver-
suchen krampfhaft, ihn nicht anzusehen. Er sieht noch kaputter aus, als
Jule ihn in Erinnerung hat. Er läuft gebückt, hält sich den Bauch und
ist dünner geworden. Jule läuft Schweiß zwischen den Brüsten entlang.
Tom trägt lange Hosen. Einmal hat Jule sein Bein gesehen.Zwei Mäd-
chen in bunten Kleidern weichen Tom aus und überqueren die Schie-
nen. Als die beiden an Dirk und Jule mit ihren Absatzschuhen vorbei-
klappern, weht ein schwacher Parfumduft mit.
Dirk lacht, als er den letzten Quark auskratzt. Die Bahn kommt. Dirk
wirft den leeren Becher weg und steckt den Löffel wieder ein. Jule setzt
sich ans Fenster. Der Sitz fühlt sich klebrig an. Sie kann sehen, wie Tom
sich suchend umblickt. Dann humpelt er Richtung Westeingang, wo
Holzer, an einen Fahrradständer gelehnt mit den Händen in den Ta-
schen auf ihn wartet.
In der Bahn schreit ein Baby. Es ist in einem Tuch vor den Bauch sei-
ner Mutter gewickelt. Die kleinen fleischigen Ärmchen und Beinchen
rotieren und sein Gesicht ist rot und verkrampft.
„Ist die neu?“ Dirk umklammert Jules Armgelenk und betrachtet ihre
Uhr.
„Ja“, antwortet Jule. „Von meiner Mutter.“
Es bleibt ihr noch eine halbe Stunde, bis sie im Schuhladen sein
muss.
„Sieht schick aus.“ Dirk lächelt. Jule lächelt zurück. „Schön, dass du
wieder da bist.“

48

Jule nickt. Ihre Gedanken sind bei ihrer Mutter und deren strengem
Gesicht mit den traurigen Augen. Sie muss pünktlich sein.
„Jule, ich will noch mal schnell ins Choppi, muss ein bisschen was
klären und ich will mich mal duschen. Scheißhitze. Willste mit? Ich
mein, vielleicht willste den ganzen Leuten mal Hallo sagen oder so. Die
finden bestimmt total super, dass du’s geschafft hast. Voll weg, Mann.“
Jule muss schlucken und an Hannes aus der Therapie denken. Fast
jedes Mal beim Morgengespräch hat er gesagt: Wenn ihr mich dann
wirklich braucht, werde ich nicht da sein. Jetzt weiß sie, was er meint.
„Nee. Lass mal. Ich glaub, das wird zu knapp. Ein anderes Mal.“
„Na, okay. Ich kann denen ja Grüße sagen.“
Jule hat Angst, dass der Quark in ihrer Tasche ausgelaufen sein könn-
te und schaut nach. Der Deckel ist noch unbeschädigt und Jule drückt
Dirk den Becher, der längst seine Kühltruhentemperatur verloren hat,
in die Hand. „Schenk ich dir. Ich mag es eigentlich gar nicht so.“
Die Bahn wird langsamer und Dirk schaut Jule von der Seite an. Die
Türen öffnen sich, er springt die drei Stufen hinunter. Draußen zündet
er sich eine Zigarette an und ruft dann zu Jule in die Bahn zurück: „Wir
sehen uns doch demnächst, oder?“ Jule nickt eifrig.
Als das Warnsignal der Türen ertönt, presst Jule ihre Tasche mit der
linken Hand fest vor ihren Bauch und krallt die rechte in den klebrigen
Sitz. Erst als die Bahn schleppend angefahren ist, lässt sie los.

49

Katrin Merten

Nach dem Hunger

Nach dem Hunger
Davon
Mit der Hälfte
Keinmeingeruch
In deiner Hand
Zeit
Zwischen Türen
ohne Worte
ohne Namen
Mut im Moment
Dann gehn
Beton unter Barfuß
Als Fremde
Unterwegs

Glaube mir

Ich hätte gern
Den Weg genommen
Von dem du sprachst
Hinter dem Pappelhain
Am Fluss entlang
Nach Norden

Unterwegs
Ein Berg am nächsten
Nichts glich
Dem Bild deiner Worte
In meinem Kopf

50

Hände sind Häfen Hände sind Häfen Bei einander anzulegen Meine Hände sind Der Anfang von mir Dahinter lebe ich Wenn es lichtarm ist der Tag nicht mehr Tag die Nacht noch nicht Nacht werde ich mich verkriechen in deinen Körperhöhlen Hauthüllen sind Grenzland Finger streunen im Sperrgebiet Wir sind einander Besuch Hände sind Häfen Bei einander anzulegen Wir werden suchen Dann streicheln Dann reiben immerzu 51 .Du hast für mich Die Laube hergerichtet Und stehst an der Hecke Die Hecke steht noch Ich stehe vor dir Und spreche fremd.

Mit Händen die wir später Umeinander gefaltet Mit uns herumtragen Die ungefragt an Armen stecken Und im selben Rhythmus pendeln Hände die Des Aufbruchs träge Lange kein Besuch mehr sind Hände ablegt im Umland Arme werden ihre Parallelität verlieren 52 .

Eine. Nun stehen diese armen Typen mit den Bratwurstbauchläden hier. dass sie jetzt in einer gigantischen Zuckerlandschaft seien und die Spitze des Zucker- berges finden müssten. Oder braun. sein Onkel hätte ein tolles Gerät erfunden: Eine Gasflasche auf dem Rücken. Seit Robert weg ist. Eine. die schnell auf den Boden schaut. Sie hat ihren Blick an die Schuhe geheftet. Er hat ihr das Prinzip erklärt und sie hat es eine ganz hervorragende Idee genannt. die nicht mehr ihre ist. die sie schon lange nicht gesehen hat. Sie hätte seinen Onkel einen per- versen Wichser nennen sollen. ein Dach über dem Kopf. doch sie wollte sich von dem Bratwurst- neffen abschleppen lassen. Sie liefen über die verwehten Hügel und sie hat Robert erklärt. Als sie mit Robert bei seiner Oma war. „Eine ganz hervorragende Idee“. Hier ist der Schnee gelb oder grau. als träfe sie eine Bekannte. endlich mit je- mandem schlafen und dann sagen. was ihr unangenehm ist. in einer Stadt. die zu Stra- ßen gehören. da hatte sie Ro- bert noch gar nicht gekannt. Ein Typ auf einer Party. Er hat gleich genickt. hat diese Stadt sich von ihr abgewandt. doch das kann man nur ahnen. wenn ein Hund da war. So ist diese Stadt zu ihr. in dem kleinen Dorf in der Hohen Tatra. bloß nicht in die Augen. Auch von außen ist sie hässlich geworden. denn was auf den Dä- chern und Bürgersteigen liegt. weil sie nicht an etwas erinnert werden möchte. Eine. dass man es sich hätte sparen kön- 53 . Heute. ein Grill vor dem Bauch. hatte sie gesagt. und braten und schwitzen dabei und sehen lächerlich aus. fühlt sich an. Sie besteht nur noch aus Gerüsten und Bratwürsten. Endlich eine flüchtige Affäre. die kleine Dreckschnee- haufen zertreten. alle paar Meter einer. hat sie das erste Mal richtig weißen Schnee gesehen. wenn sie nicht angesprochen wur- de. Lena Hammerschmidt Neuschnee Es hat geschneit. das hat mit Schnee nicht viel gemein- sam. jetzt durch die Straßen zu laufen. die hastig vorbeigeht und erleichtert ist. der hat ihr mal erzählt. Der Dreckschnee liegt auf Bürgersteigen. die nicht einmal mehr grüßen kann.

Sie muss sich konzentrieren. Und schon wieder schiebt sich sein Gesicht. in dem sie mit dem Hammer drauf hauen will. Sie will nicht an ihn denken. aber nicht jetzt. schon gar nicht sagen lässt und es fühlt sich gut an so böse zu sein. hilft gegen Schmerz. Dabei konnte sie Robert 54 . Sie hätte gerne geraucht. Der Wind hatte Robert in ihr Leben gebracht. Vorhin bei der Mutter gab es ihr Lieblingsessen. Als sie am großen Steintor vorbeikommt und ihr ein Schwarzer auf ei- ner Parkbank etwas zumurmelt. Mutter hat das alte Fotoalbum aus dem untersten Schubfach der Schrankwand geholt und wollte ihr das Bild von Klaus zeigen. als die Mutter fragte. das ein Kompliment sein kann. vor- her. so als wären sie verabredet gewe- sen. wehenden Haare im Blick. stundenlang. war ganz leise geworden und an ihrem Blick verstummt. dass sie ihn nicht kommen hörte und plötz- lich stand er vor ihr und sagte „Hallo“. mit dem sie doch damals immer so gespielt hatte. dass sich nicht denken. Sie saß an der Ostsee. Sie hat die Mutter nicht einmal angesehen. Als sie sich bückte. Es hätte sie gerührt. da sah sie so ungelenk aus. der flüchtige Hauch eines Gedan- kens. versenkt sich aber wieder ganz schnell in sein Loch. Alleine könne sie die doch nicht behalten. so richtig böse. doch bei Mutter wird nicht geraucht. An nichts denken. Dann waren da wieder die Rücksicht und das Mitleid in den Augen der Mutter. Der Wind schleicht um ihre Ohren und sie möchte ihm so gerne all das Robert hinterher schmeißen. und sie hat einfach gegessen. dann kann sie ihn nicht fassen. Grießbrei mit Zu- cker und Zimt. Wie die Figuren eines Spielauto- maten zeigt er sich kurz.nen und überhaupt all die unbedeutenden Geschichten leid sei. um Punkte zu machen. da hat sie nur einen bösen Blick für ihn übrig und denkt: ‚Halt die Klappe!‘. genau in dem Moment. dann klappt es. allein an einem kalten Strand auf ihrer Regenjacke. im Garten. oder?“ „Aber Anna …“. nur das Meer und die eigenen. Die Wellen waren so laut. Anderen weh zu tun. hat die Mutter gestöhnt. Sie sind dann ins Wohnzim- mer gegangen. Nichtsdenken ist anstren- gend. deshalb sagte sie nur: „Bist wieder dicker geworden. und das Wort dazu. und sie hat nicht geantwortet. Doch wenn da eine Ahnung ist. ohne etwas zu schmecken. drückt sich seine Stim- me in ihre Gedanken. was nun aus der Wohnung werden solle.

Da war es dann. struppige 55 . als hätte sie schon am Morgen. als wir zusammen gespielt haben. übermüdet und ohne zu erklären. Sie hatte nie einen Zweifel gehabt. dass es harmlos gewesen war. zog Mantel und Schuhe an und rannte die Treppen hinunter. Als sie die Brücke überquert hatte. setzte sie ein besorgtes Freundinnengesicht auf. die Worte entgegen. Fünfzehn Tage ist er jetzt weg. Sie fragte nicht. Flugzeugteile. Ohne ein weiteres Wort. Dann kam er wieder. In dem Mo- ment. sondern zog nur die Augenbrauen hoch. wo er gewesen war. wusste sie. ja Flugzeug- teile. Sie hätte alles gesagt. zog die Beine an und schlief. Anna. ihr zu erklären. das konnte Anna auch so in ihren Augen lesen. Er sei so still. er wäre jetzt in Belgien.“ „Und hat sie dir auch erzählt. der Klaus und sie im Garten. Das Leben geht weiter. Sie durchquert Matschschneeseen. um die Mutter zum Schwei- gen zu bringen. dass er mal an mir rumgefummelt hat. Manchmal blieb er drei. auf dem Weg zur Mut- ter. einmal eine ganze Woche. ohne irgendetwas ging sie in den Flur. als er sich neben sie ihn den Sand gesetzt hatte und einfach sitzen blieb. Der ockerfarbene Turm steht am Ende der Gasse. Mit dem stimmt was nicht. und sie war nicht erschrocken über den Gedanken. „Seine Mutter hat erzählt. eine Geste. solange er bei ihr war. es duftet wie bei Roberts Oma in der Hohen Tatra. Das Leben geht weiter. Sie sprach es nicht aus.nicht leiden. Anna schüttelte nur ruhig den Kopf und Mareike kam gar nicht dazu. dass sie ihm vertrauen konnte. Als Mareike davon hörte. Die Mutter saß dick und warm ne- ben ihr. Links und rechts ist niemand mehr. dass Robert eine Affäre haben müsse. er macht den Ein- kauf für eine ganz große Firma. dass sie nun genau dorthin. dass der Tag sie auf diesen Weg bringen würde. dort hoch musste. blätterte. Zahnlückezeigend. so abwesend. doch das „Aber …“. Er legt sich ins Bett. das hatte sie ja gleich gesagt. zu zweit auf der Schaukel. Sie zündete sich eine Zigarette an und lief einfach weiter. vier Tage lang weg. Sie sagte ihr nicht. konnte sie von weitem den Turm sehen. gewusst. dass auch sie an Klaus rumgefummelt hatte. der ungelenken. und es eine Mutprobe genannt hat?“ Sie schleuderte der Mutter. glaub’ ich. so anders. Flugzeugteile. Sie hat die Fußgängerzone hinter sich gelassen und geht durch den Hinterhof der Bäckerei.

es fühlt sich an. die ihr bis ans Knie reicht. Die Was- serflecken an der Decke begannen zu leben. in derselben Farbe wie der Dreckschnee. In ihrem Schoß flutet der warme Atem eine wohlige Höh- le. Autos schieben sich durch die Punkte. Ihr wird schlecht. Kippen liegen neben zer- tretenen Taschentüchern. lagen sie auch so beieinander und als sie gerade einen besonders schönen Fleck betrachte- ten. Ihre Füße verankern sich im Backstein und sie wiegt sich leicht vor und zurück. wenn sie jetzt. Fast ist sie ganz oben angekommen. wieder vor. Sie schaut auf ihre Schuhspitze und schiebt sie langsam ein paar Zentimeter über den Backsteinrand. hört ihren Herzschlag. ein alter Kaugummi klebt daneben. der Wind kriecht eisig ihre Waden hoch. Die Finger spürt sie kaum noch. wenn Robert so lange unterwegs gewesen war und dann schlief. die Barthaare. Dann machten sie Liebe. Vorsichtig steigt sie auf die Mauer. in genau dem Augenblick nicht das gleiche machen würden wie wir. Robert. Unten laufen kleine Punkte durch Dreckschnee. Dann schließt sie die Augen und legt ihren Kopf auf die Knie. Oft.Sträucher und verblasste Graffiti. geht sie zu der Mauer aus gelben Backsteinen. fragte sie Robert. die genau jetzt genau dasselbe machen würden wie sie beide. Danach lagen sie nebeneinan- der. ob er glaube. Sie steigt die Stein- stufen nach oben. Vor ihr steht der Himmel wie eine Wand. Robert liegt neben ihr in den Kissen und lacht. dann küsst er sie. dass es auf der Welt zwei Menschen gäbe. zieht die Schultern an. wieder zurück. ganz warm und langsam und still. Am Tag bevor er ging. „Leben heißt Kaufen“ hat jemand an die Steine ge- schmiert. Langsam. manchmal den ganzen Tag und spielten das Fleckenspiel. Vielleicht hätte sie sich von ihrer Mutter verabschieden sollen. mehr ist da nicht. Bratwurstklötze mittendrin. Sie legt die eisigen Hände an die 56 .“ Er lächelt. betrachtete sein Gesicht. bleibt in der Ho- cke. über Liebeskummer und Urlaube in der hinteren Ecke des Zimmers. die Wim- pern und streichelte seinen Arm. Durch den Türbogen sieht sie den Him- mel schon. Achtet auf ihren Atem. Robert gab ihnen Stimmen und ließ die Flecken miteinander reden. weil es anstrengt. legte sie sich zu ihm. als ob ihr jemand durch die offene Bauchdecke greift. sie sprachen über ihre Kinder und den alten runzligen Opafleck. Sein Gesicht ist zer- knautscht und er sagt: „Die Menschen wären ja dumm. bis er aufwachte.

Du hast meinen Geburtstag vergessen! Das Bett. Niemand hat Robert auffangen können. atmet sie aus und die Finger lassen ab und der Lärm der Stadt gräbt sich durch die Ohren. Zuckerberge. Beim Schlucken schmerzt ihr Hals. Robert. Das Meer. kommt ihr in den Sinn. Der Turm. dass der Himmel weißen feinen Schnee auf die Stadt schneien wird. Klaus. Die Beine fühlen sich zerbrechlich an. ein Feuer machend. Leben kann man nicht in einem Satz mit drei Wörtern erklären. um zu fragen. langsam. Eine Wei- le sitzt sie so. das immer jemand da sein würde. Robert. Noch nicht. Fleckenspie- le. Kurz bevor der Kopf zerspringen kann. der schneenass ist. Ein Grübchen. sie hat keine Kraft mehr. Die Mutter. Der Sand knirscht. Vielleicht mit ersten Weihnachtseinkäufen. Sie wird Roberts Dinge einpacken. Robert wird immer komischer. Robert ist immer noch da. sieht die Stufen. Es ist nicht gut. Robert mit Mütze und Schal. Robert. Ich will dir nicht wehtun. Der Turm. Sie wird nach Hause gehen. denn niemand wusste. sich wegzudrehen. ganz ruhig. ein erbärmliches Geräusch kommt von ihren Lippen. Belgi- en. Das Zimmer. 57 . Der Opafleck. Ein Rauschen. Sein Mund. Ostseewellen. „Leben heißt kaufen“. in Eile. Sie steigt von der Mau- er und setzt sich erschöpft auf den Boden. Robert. bis ihr ganz kalt wird und die Nässe durch den Stoff kriecht. arme Anna. so fest. Ihr Kopf knackt wie ein Stück Holz im Schraubstock. Das warme Gefühl. Robert fliegt. Robert. ein Sirren. hebt den Kopf nach oben und wünscht sich. Eine Welle. Heiraten? Seine Hand. die nach unten führen. es wird nicht mehr gut. dass er sprang. Sie sitzt. Der Turm. Ihre Augenlider zugepresst. wie die Menschen durch die Straßen laufen. Ein Kuss. Er wird da bleiben. und nimmt sich vor. Ro- bert fliegt. bis von der Stadt nur ein Rauschen geblieben ist. Haar. Sie hat kei- ne Antwort. Ein Quietschen. Du hast meinen Geburtstag verges- sen. Der Wind. Diesmal war der Gedanke langsamer als sie. Lass mich in Ruhe.Ohren und drückt so fest sie kann gegen ihren Kopf. Sie hört der Stadt zu und stellt sich vor. der Kiefer starr wie Beton. Auf einem Schlit- ten. doch sie steht aufrecht. Sie wird mit den Platten anfangen. egal wie sehr sie versuchen wird. heute. wenn sie fällt. Sie dreht sich um. Robert. Im Wald. die Stadt auf dem Rückweg zu grüßen. Ein leises Wimmern. Arme Anna. der sie auffängt.

Ich vermied es. Ich fragte die Stewar- dess des benachbarten Schalters. Ich wollte nicht wissen. Es war dieselbe S-Bahn. sagte ich zu mir selbst. Ich brauchte nicht lange auf den Bus zu warten. das Hemd wieder zurück zu stopfen. bemerkte ich Jost. auf die leere Anzeigetafel und wieder auf mein Ticket. Ich bog ein. Mit einem kurzen. hatte das Licht angeknipst und auf mein Ticket ge- schaut. Er lief dicht hinter mir. Irgendwo über mir war jetzt mein Flugzeug. lehnte meinen Kopf gegen das Fenster und schloss die Augen. nach links und rechts zu sehen. Als der Wagen anhielt. Als ich endlich in Te- gel ankam. Ich sah nach draußen. Dann kamen wir zu meinem Hauseingang. klappte den Koffer wieder zu und zog ihn nach draußen. Ich ging ein wenig schneller. Unschlüssig blieb ich stehen. in der Jost saß. setzte ich mich in eine der hinteren Reihen. tiefen Zug presste ich Luft in meinen Brust- korb. Has- tig suchte ich sie zwischen den aussteigenden Passagieren zusammen. Der Fahrer fuhr los und ich spürte das Vibrieren der Scheibe an meiner Wange. Als er kam. Ich schaute auf meinen Koffer. Dann schloss ich ihn doch auf. er folgte meinem Tem- po. zum richtigen Gate zu rennen. aber es ging nicht. Ein Stück T-Shirt hing wie eine weiße Zunge links unten aus seinem Maul. war der Check-in längst geschlossen. dann drehte ich mich um und ging nach draußen zur Haltestelle. er kam mir nach. fielen ein paar meiner Socken auf den Abteilboden. aber es hatte auch keinen Zweck mehr. hatte ich meinen Flug nach Lissabon verpasst. Die ganze Nacht hindurch war ich immer wie- der aufgewacht. Erst kurz bevor ich in meine Straße einbog. an dem ich Jost kennen lernte. Dann war ich zum falschen Flughafen gefahren. Eigentlich sollte ich doch gar nicht hier sein. dann fuhr ich mit einem Ruck herum: „Warum läufst du mir die 58 . Es macht keinen Sinn mehr. den Koffer jetzt noch zu öffnen. Schönefeld. Ein paar Mal versuchte ich. was um mich herum passierte. aber ich bemerkte ihn nicht. Franziska Wilhelm Herbenknief An dem Tag. schaute auf mein Ticket. um mich der genauen Abflugzeit zu vergewissern. Am Zoo stieg ich in die S-Bahn um. Beim nächsten Halt musste ich aussteigen.

hörte ich Jost in der Küche mit Töpfen und Pfannen hantieren. dann holte ich eine Flasche Portwein aus dem Regal. Nach dem Essen saßen wir im Wohnzimmer auf dem Sofa. Auf eine seltsame Weise rührte er mich. Jost lach- te mit. sagte ich. „Ich mach’ schon mal den Wein auf“. wie er Wasser aufsetzte und Zwiebeln für die Soße schnitt. wandte er ein. sich in meiner Küche zurecht- zufinden. meinte Jost. hörten Musik und unterhielten uns. aber alles war schon viel zu teuer. dann soll es nur herkommen“. 59 . sagte ich zu Jost. Jost sagte mir am Küchentisch. sagte ich und lachte über meinen eigenen bescheuerten Witz. Jost schien es keine Mühe zu machen. Der Stoff hatte sich in meinem Rollkoffer verklemmt. sagte er und sein Kopf wackelte dabei noch ein wenig stärker. Ich schien ihn er- schreckt zu haben. „Spaghetti“. Als ich den Hörer aufgelegt hatte. Ich hatte seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Wir suchten zusammen im Internet nach Angeboten für den nächsten Tag. antwortete Jost. „Eine Stadt sollte einfach nicht mehr als einen Flughafen haben“. Ich öffnete den Kofferver- schluss und lud ihn auf einen Kaffee zu mir in die Wohnung ein. dass er hier in der Stadt zu ein paar Vorstel- lungsgesprächen gehen wolle. „Wenn Portugal etwas dagegen hat. Es war gar kein schlechter Abend für einen Tag. hellblonden Haar wackelte leicht hin und her. „Gut“. ging ich zu ihm: „Was machst du da?“ fragte ich. Ich schaute mir Josts Gesicht von der Seite an. Es hatte etwas Weiches. Ich erzählte ihm von Lissabon und mei- nem verpassten Flug. Schließlich rief ich meine Freundin Elisa in Lissabon an und sagte ihr. Ich beobachtete ihn eine Weile. Elisa hatte sie mir zu Weihnachten geschickt. etwas Zartes. Während ich telefonierte. Jost zeigte vorsichtig auf den Saum seines hellgrauen Trenchcoats. Sein Kopf mit dem flau- migen. mehr noch. an dem man einen Flug nach Lissabon verpasst hatte. „Aber Portwein trinkt man doch gar nicht zum Essen“. „Das ist beim Aussteigen passiert“.ganze Zeit hinterher?“ Jost schaute nach unten. dass ich nicht mehr kommen würde.

Auch an diesem Abend kochte uns Jost etwas zu essen. Gut. die alle Herbenknief hießen. erklärte mir Jost. dass ich heute nicht wieder auf der Couch einschlafen konnte. zwei Nächte bei mir auf der Couch schlafen. Bei Melonen kannte ich mich aus. meinte er. Auch als ich in mein Zimmer ging. Er redete und redete. aus der er kam. Sein Kopf wackelte beim Sprechen hin und her. Ich hörte Jost zu. „wenn du Lust hast. Am Nachmittag klingelte Jost wieder an der Tür. angenehmen Lispeln. „Es riecht nach Melone“. Gegen halb zwölf ging ich ins Bad. „Dann ist alles bestens“. Irgendwann schlief ich auf dem Sofa ein und Jost legte sich in mein Bett. gab es jedes Mal Verwirrung auf dem Friedhof. 60 . Er schien ebenfalls Me- lonenkenner zu sein.“ Jost hatte Melone mitgebracht. bis du mit deinen Vorstellungsgesprächen durch bist. Wieder sa- ßen wir später im Wohnzimmer. Ich rieb und hielt meine Nase an den Stumpf. folgte er mir. Für meinen Trip nach Lissabon hatte ich ein paar Tage Ur- laub genommen und musste nicht zur Arbeit. „Aber morgen habe ich ja das nächste Gespräch. „Du musst oben am Strunk reiben und wenn es nach Gras riecht. Während ich mir mein Nachthemd anzog. Es klang hohl. und dass dort fast alle „Herbenknief“ mit Nachnamen hießen. „War’s gut?“ fragte ich ihn.“ Jost bedankte sich und seine Augen waren von seinem breiten Lächeln ganz zugekniffen. „Hör mal“. Am nächsten Morgen zog Jost seinen Trenchcoat an und verließ die Wohnung. Ich war müde und legte mich in mein Bett. Jost kam mit und redete weiter. sagte ich zu Jost. Später am Abend erzählte er mir von der Kleinstadt. Ich beschloss. Ich meine. tranken Wein und Jost erzählte von Leuten. Ich verbrachte den Tag vor dem Fernseher. Ich sah ihn durch den Spiegel hinter mir stehen. er übri- gens auch. kannst du ein. um mir die Zähne zu putzen. ohne ihn zu unterbrechen. Wenn jemand starb. weil die Zugereisten ihre Blumen an den falschen Gräbern ab- legten. drehte er sich um und erzählte mir – mit dem Rücken zugewandt – wie er bei seiner Tante aufgewachsen war. sagte ich zu Jost. Irgendwie war er doch seltsam. dann ist sie noch nicht reif“. Er sprach mit einem leichten. Ich machte den Klopftest. Er schüttelte den Kopf.

seinem einzigen Schulfreund Jens und der Nachbarin.“ An diesem Tag ging ich früher nach Hause. Jost redete noch eine Weile weiter. Da kannten wir uns beide aus. „Wie viele Vorstellungsgespräche hast du eigentlich noch?“ fragte ich ihn am nächsten Morgen und spürte meinen Puls durch mein Ohr pochen. aus meinem Zimmer zu verschwinden. sagte ich und drückte auf den Schal- ter. um ihr die gute Nachricht mitzuteilen. redeten wir meistens über Filme. noch einen und auch dann noch. „Ich mache jetzt das Licht aus“. „gleich heute habe ich so- gar zwei. „ich habe nie neue Nachrichten angezeigt gese- hen. aber er sagte. überlegte ich mir. Jost sah zu. Erst als ich ein leichtes Schnar- chen andeutete. Ich untersuchte mein Te- lefon. konnte aber nichts finden.“ Ich mochte französische Re- gisseure. „Na. „Von dir hört man ja gar nichts mehr in letzter Zeit“. Er schüttelte den Kopf. Eines Nachts entdeckte ich Jost. Nachdem er gemerkt hatte. Gleich heute Abend würde ich Elisa in Portugal anrufen. wie ich unter die Bettdecke kroch. verließ er endlich mein Zimmer. Auf dem Weg zur Ar- beit traf ich eine Freundin in der U-Bahn. Es war Jost.“ Am Nachmittag klingelte Jost wieder an der Tür. Am Morgen lagen zwei ausgedruckte Tickets nach Lissabon auf dem Tisch. erfolgreich?“ fragte ich. aber du rufst nie zurück. es sei eine Überraschung. sagte ich. „Nur noch ein paar“. 61 . So blieb Jost einen weiteren Tag. Plötzlich hörte ich einen Schlüssel im Schloss. die mor- gens so laut gurgelte. dass man sie durch die Wand hören konnte. dachte aber nicht daran.“ „Seltsam“. die könnten wir uns heut’ Abend anschauen. dass mich seine Herbenkniefer Geschichten nicht son- derlich interessierten. wie er vor meinem Computer saß. antwortete er schnell. „ich habe dir bestimmt dreimal auf den Anrufbeantworter gesprochen. was er da mache. Ich fragte ihn. sagte sie. Er erzählte von seinem Hund „Kiste“. als mein Urlaub zu Ende war und ich wieder arbeiten musste. „Aber ich habe in der Videothek zwei Truffaut-Filme gefunden.

Ich nahm ihn in die Hand und spürte. Ich fühlte. lief dann aber weiter. Ich setzte mich mit Jost ins Wohnzimmer und wir sahen uns einen Film an. Ohne ein Wort zu sprechen. das wäre prakti- scher“. „Schau mal. Ich schluckte meinen Kaugummi herunter. An diesem Abend fühlte ich mich frei. Ich entschuldigte mich und wollte ihr helfen. ich dachte. Jost stand am Schal- ter und wartete auf mich. In der Röhre zum Eingang des Fliegers bemerkte ich. Ich stand am offenen Schlaf- zimmerfenster. die rechts an mir vorbei laufen wollte. Lissabon ist groß. sagte er. „Ich hab ihn mir nachmachen lassen. Wir stellten uns in die Schlange. und kam ins Schwanken. um etwas zu sagen. ich hab uns Portwein mitgebracht. Als Einstimmung auf Lissabon. checkten wir ein und gingen zu unserem Gate. dann warf ich Jost hinaus. Ich blieb stehen. drehte mich um und rannte zurück in die Flughafenhalle. sagte er mit wackelndem Kopf. In der ersten Schublade lag mein Schlüs- sel. dachte ich und schob mir einen Kaugummistreifen in den Mund. „Seit wann hast du einen Schlüssel?“ fragte ich ihn. Er bot an. Ja. was ich befürchtet hatte. schaute auf den dunklen Hinterhof und atmete kühle Nachtluft. Ich ging durch den Flur und an der Nussbaum-Kommode vorbei. wie die Anspannung in mir stieg. Am Flughafen trat ein. Zwi- schendurch musste ich zur Toilette. Doch Jost kam mir zuvor. je näher wir dem Flugzeug kamen. Ich stieß gegen eine junge Frau. alles zusammen zu su- chen. dachte ich. man kann sich aus dem Weg gehen. und ob ich nach Lissabon fahren würde. die sie auf dem Arm getragen hatte. Es war 62 . Daneben lag der neue Schlüssel von Jost. Sie ließ ein paar Zeitungen fallen. öffnete den Klodeckel und ließ den Schlüssel in die Schüssel fallen.“ Ich war zu durcheinander. am gleichen Ort wie immer. wie etwas von innen gegen meine Haut zu schlagen begann. Fünfzig Minuten später stand ich wieder vor meinem Haus. Schließlich habe er gebucht. dass mich Jost von der Seite betrachtete. Jost schaute sich noch einmal kurz nach mir um. Langsam lief ich ins Bad. Dann zog er etwas aus einer Su- permarkt-Plastiktüte. ihr die Sachen zu ihrem Platz zu tragen und sie gingen gemeinsam weiter in Richtung Flugzeug. Es pochte immer lauter und kräftiger.

Neben unserem Eingang hatte jemand einen leeren Einkaufswagen abgestellt. Bevor ich die Tür aufschloss.seltsam still um mich herum. 63 . drehte ich mich noch einmal um. Langsam strich ich über das silberne Metall des Wagengitters. Ich hatte meinen Rollkoffer vergessen.

Johannes Millan Spiegelsaal Rosengitter tauben unser unversprochenes Antlitz Wie Morgensterne auf mattem Fensterglas In breit bestellter Wirklichkeit Tausendfach gebrochene Stimmen abendländischen Martyriums Bemalen Schicht um Schicht Angelittenes Sollen aus Realitäten Und Bücherzeilen kollektiver Wirklichkeit Mein Ich zerfließt in clownbeschminkten Bahnen In Lebenwollen und Grabenkrämpfe In selbst bestimmtes Chaos und Ordnung als Partisanenkampf Knüpfe fein bestickten Stoff Um unbestimmte Zentren eingebleichter Wirklichkeit Knoten um Knoten Faden für Faden Wo der Rasen grünt Begebt euch dorthin wo der Rasen grünt Denn da ist Leben eitler Schein und frei Samt schlauer Feen und Freilichtmalerei Seid ihr geboren wo der Frühling sühnt Von toten Bären Speichel speisen. roh Und geil mit großer Sehnsucht präsentiert 64 .

blattweiß schlafmohnsee träume in leeren flaschenhälsen entehrt in blumentoten nächten greifen meist still bewohnte sucht in mir heraus zungenlippen nadelstiche süße angst über hals und ohr und rücken über nacken und mund und lippen wie nypmphenflüstern und krallenspuren mein blut durchfließt sie pochend 65 . und weiß nichts mehr Wenn Säufer weinen ohne Gegenwehr Geschnürt und gut verstaut im Bauernkreis Dann träum’ ich mir Verlorenheit.Echt freie Vögel vögeln deplaziert Exklusiv für uns. ist tot. Jugend sein ist schwer Denn war er tot. leer doch lebensfroh Popstars mit armen Schweinen kauen Tropeneis Des Förderns wegen.

wie weingetränkte gedanken im morgenrot flüchtige blicke die an meinem wesen greisen das wunde stillen gärender süchte in unbefangenen schleierwäldern wo meere eisen – tauchgang 66 .

ihr kussmund macht mir angst. ich bin dagegen. sie ist neckisch nett. es sieht nett aus. we- nigstens etwas. es geht mir auf den geist und zwischen die beine. ihr lachen ist das einer gurrenden taube. ich weigere mich so zu sein. ich hab ne meinung. mit mir kann man reden. ohne ecken und kanten schmiegt sie sich. wie auch immer. sie ist in deinem arm. mit mir kann man re- den. ich will nicht nett sein. meinung hab ich im überschuss. so was albernes. leise reiße ich sie ab. gegen nazis und gegen atom. sie ist so perfekt. die niedlichen. so klein. da ge- hört sie nicht hin. sie heißen lisa-marie oder ma- rie-luise. sie ist so taubig und gurrend. es macht mir angst. sie ist wattig und weich. wir sind im wald. sie gaukelt um dich herum. sie sind niedlich. ich trage buttons an mei- ner jacke. war ein name nicht niedlich ge- nug? später dann hast du sie im arm. spricht. sie ist so lieblich und laubig. ich eifere suchend. unter der buche treffe ich deinen blick. sie ist nett. sie sind perfekt. da gehört sie nicht hin. lacht. so viel neckische nettigkeit macht komplett harmlos und adrett. ich bin manchmal dagegen. kleiner verlorener wolkentraum. und gegen nazis. an mir stößt du dich. ich lache zu laut und habe eine eigene meinung. ich eifere suchend. ich gehöre nicht dazu. mir wird schwindelig. wir reden. sie schnurrt und surrt um dich herum. lisa-marie oder marie-luise. und klein. du lächelst. sie ist in deinem arm. nicht zu ihr. ich trage buttons und bin gegen atom. reden sogar über atom. zu den kleinen und niedlichen. und gegen kleine niedliche mädchen mit doppelnamen und bindestrich. das schätzt du an mir. hauptsache ein bindestrich. wir sind gute freunde. du bist nett. wenn schon kein busen oder zuckerguss. weg hinab 67 . eigent- lich immer. sie ist so lieblich und laubig. lisa- marie oder marie-lusie. senke die augen vor deinem blick. warum ein bindestrich. das ja. sie passt so sehr in deinen zwischenraum. alle sind nett. süßer als zuckerguss und klein. Franziska Schramm es sind immer die kleinen es sind immer die kleinen.

68 . wir sind im wald und jetzt dreht auch sie sich um. mein fuß tut weh. vielleicht regen. mit nassem haar und zucker auf den schultern und einem bindestrich zwischen den beinen. lisa-marie oder marie- luise. düstere wolken. sie lächelt so nett. die niedlichen. komplett harmlos und adrett.in den müll. es sind immer die kleinen. du drehst dich um. ich wünsche mir regen. re- gen. ich bin immer dagegen. ich trete gegen den eimer. siehst mich an. da bist du still. aber wahrscheinlich wär sie dann immer noch niedlich. kräftig. fragen laufen staunend über den bildschirm deiner augen. was ich mir jetzt wünsche ist dünn dunkler himmel. es sind immer die anderen. der ihr den zuckerguss nimmt. schnell. hart.

Schülerförderpreise 2003–2006 69 .

vereinzelt finde ich ein bebrilltes. in die erste Kälte der Stadt zu fahren. oder auch zu spät. das mich grüßt. Das passiert mir oft. Frühling soll es sein. jede Ecke. Ich laufe durch die sonst vollen Verkaufsstraßen. Die kleinen Ca- fés sind leer. wen ich grüße. Langsam tropft die Zeit. Kerstin Holzheu Der letzte Akt Ich laufe durch die Straßen. der mich für seine Arbeit braucht. Lange tut sich nichts. müde hängt der Rauch einer Vergangenheit in den dürren Ästen der Bäume. ohne in der Früh zu wissen. es ist noch relativ früh und der Großteil der Stadtbürger hat gerade erst angefangen zu arbeiten. Ir- gendwann gehe ich zu seinem Haus zurück. dezent geschmückte Kaufhausfenster blicken mich an. doch noch im- mer zieht es mich nicht hinaus und nur Leon. Als ich oben ankomme. Der Tag ist wie eingeschlafen. was ich tun soll. die knarrende Tür zuzuziehen und in einem totenstil- 71 . kleine Welt. eine unruhige Nacht hielt mich wach und so laufe ich in einem eigenartigen. gedämpften Schleier durch die Straßen. Und eigenartig ist es. jeden Baum. Über seine. Ich gehe Brötchen kaufen. Im Sommer saßen wir oft hier. kann mich bewegen. der Ton hallt an den Häusern wieder und verebbt schließlich. Ich gehe die vielen. Vielleicht kennt er mich in Gips oder in Stein. und ich grüße zurück. Heute war nicht einmal der Wecker nötig. des besseren Lichtes we- gen. Meine Schuhe klappern auf dem Kopfsteinpflaster. Und auch die Sonne ist noch in Träumen. ob sie scheinen will. über Lein- wandqualitäten und Skizzenpapier. zeitungslesendes Gesicht. ich klingle bei ihm. steht die Tür offen. wie er immer sagt. Leon erwartet mich erst in einer halben Stunde. Leon mag warme Brötchen. Sein Zimmer ist im obersten Stockwerk. Der dicke Mann hinter der Kasse schaut mich erstaunt an. kalten Steintreppen hoch. kann sich nicht entscheiden. Ich bin zu früh dran. Es ist frisch. Über Pinsel und Acrylfarben. mein Mantel dünn und ich friere. Auch ich kann mich nicht entscheiden. Ich kenne hier schon jedes Haus. glaube ich. Leon und ich und haben über Gott und die Welt ge- redet. er kennt mich. wie ich so durch die Straßen schlendere. Dann öffnet er. zu früh dran sein.

zu den zwei mir unbekannten Bildern schaut. obwohl es ziemlich kalt in Leons Woh- nung ist. nicht einmal Butter für die Brötchen ist da. Arbeiten. auf dem er ab und zu schläft. bunt und wild durcheinander. Er scheint auf keine Antwort zu warten. Leon rutscht auf der Couch von links nach rechts. aber gut genug. Ich koche ihn und Leon macht die Musik an. und anstatt mir in die Augen zu sehen. er hat die Nacht nicht geschlafen. meine Büste. das Bein ange- winkelt und flach. zu den Staffeleien hin. Sehe mich liegend. alle zu bunt. Ein Stein. die hellen Augen. was mir so zu dir einfällt und so“. um seinem Geschmack zu entstam- men. Akte. Ich gehe in die provisori- sche Küche. gehe zum Bad. Leon ruft mir ein Hallo entgegen und schon sehe ich seine hellwache Gestalt. Das kla- re Gesicht. ich glaube. Ich bleibe stehen. Er sieht verändert aus. dass ich da bin. fliegt er hektisch durch den Raum. Ich stehe auf. während er in seinem Kaffee rührt. kein echter Kaffee. eine Ecke aus Waschbecken und Herd. „Brötchen!“ sage ich und gucke ihn an. zwei Bilder kenne ich nicht. viele viele Akte. „Setz dich doch“. ein kleiner Flur ist da. eher eine Arbeitsstelle mit einem Sofa. Wir setzen uns auf das Sofa und ich schaue auf seine Bilder. die markante Nase. das einzige Sofa ist mit einigen Tischtüchern über- sät. und ich sehe Bilder von mir hängen. „ Wie geht es dir?“ fragt Leon. fast ängstlich. mit gesenktem Kopf und ungewöhnlicher Geschäftigkeit. Bettlaken auch. ich glaube. dürrer. auf mich zu zu kommen. der energische Gang sind geblieben und dazu gekommen ist ein weicher Blick.len Nebelraum anzukommen. Mozart hilft uns. Ein Bild. Das „und so“ kam schnell. Impressionen. Es ist Mozart. manchmal ist noch ein Kühlschrank da. nein. Er macht immer Mozart an. sieht mich nicht an. „Was tust du grad so?“ presse ich über meine kaltgewordenen Lippen. Ich sehe ihn an. „Akte. von ihm zu den Bildern. den Boden sucht. Zum Glück steht eine Dose Kaffeepulver herum. Es ist ein dür- res Mädchen darauf. Alle noch in Arbeit. Leon dreht sich um. sitzend. eine Wendung seines Blondschopfes zum Fenster. Ich lege meinen Mantel ab. Dieser ist allerdings leer. Eigentlich ist es nicht seine Wohnung. er weiß gar nicht richtig. die ich als Skizze gewesen bin. sagt er. die Stim- 72 . wenn ich da bin. seine Stimme ist trocken. als ich es jemals war.

„Nein“. Es ist eine eigenartige Situation. Eine unnütze. Wenn wir zusam- men waren. Es war nie eine Frage der Verpflichtung gewesen zwischen uns. Lange steht er so. versuche seine Augen auf mich zu lenken. Ist woanders. begleitet jeden meiner Griffe. da man sie vergisst in anderer Gesellschaft. das Weglegen des Schals. wo er war. mein Gesicht und meinen Hals. „Leon“. mich hinzulegen. Als er fertig ist. die Augen schließen. ungebrauchte. „Das ist übrigens Therese“. doch er steht auf und blickt seine Skiz- ze an. entflohen von hier. Ich setze mich wieder zu ihm und seh ihn an. frage.“ Ich kenne keine Therese und selbst wenn ich sie gekannt hätte. das Herabstreifen des Pullovers. Eine Freiheit. mung ist müde oder auch verkrampft. hätte ich sie nicht vor Leon gekannt. er arbeitet. Oder ob er etwas von den Brötchen wolle. meinen Kopf. ich habe Hunger. sagt er und scheint 73 . blickt von mir auf seine Bilder. will ihn fassen. ich war unterwegs und er auch. ich frage ihn nicht. heißt mir. sie studiert mit dir. bis nur noch ein fahles. Ich ziehe mich an. Leon schaut mich an. und streicht mit sei- ner Hand über meinen Arm. Er hört mich wahrscheinlich gar nicht. ich blicke ihn an. greift zu einem Pinsel und schleicht von Fenster zu Fenster. flüstert er mir zu und schnell suche ich die Decke. sage ich und sehe die zwei unbekannten dürren Frauenbilder vor mir tanzen. das kann man so früh noch nicht unterscheiden. misst mich mit jedem Bleistiftmillimeter. Ich will sei- ne Hand greifen. sie seien noch warm. waren wir dennoch frei. setzt sich zu mir. „Ja. die nicht wehtut. lass uns aber erst arbeiten“. nach vorne beugen. den Ölradiator und meine Kleider zusammen. Er sitzt vor mir. Wehmütig blickt er. ob ich eine alte Skizze haben kann. Zwei Monate hatten wir uns nicht gesehen. „Du kennst sie. lässt mich den Kopf schräg halten. Wir hatten es geliebt. frage ich. ob wir anfangen wollen. lege mich hin und frage. zu lieben und dennoch zu hassen. lässt die Rollläden herunter. Ja. fast mitleidig. sagt er und zeigt auf die zwei neuen Bilder. dunkles Licht auf mir ruht. was ich tun soll. „Du hast zugenommen?“ fragt er gleichgültig. legt er den Block weg. Er schaut mich an. die wir behaupteten zu brauchen. kneift die Augen zusammen. Frage. Nicht erreichbar eben. Wir hatten uns betrogen und hatten uns gern gesehen in unserer Freiheit.

ob es wirklich zu spät ist. Ich sage. Er schaut mich an. Ich gehe aus der Woh- nung und als ich die Tür zuziehe. gibt mir sogar meinen Stundenlohn.froh. Ich gebe ihm einen Kuss auf die Wange. den ich seit zwei Jahren nicht mehr von ihm wollte. ich hätte noch eine Verabredung mit Armin. in seinen Abstellraum fliehen zu können. flüstert etwas von arbeiten und viel zu tun. ob er sich noch an Armin er- innern könne. die er nun wegwerfen wird. denke ich an die Brötchen. 74 . er umarmt mich und ich überlege kurz.

aber im Wasserbe- cken falle ich dem Dicken natürlich sofort auf den Kopf und der hinter mir landet auf meinem Rücken. Ist jetzt aber auch egal. ich bin inzwischen sechzehn und rutsche die ersten paar Meter nach Jahren. einen anderen erobern. 75 . – dicke Väter. Schmerzen müssen eben beim Schwimmen sein. Ir- gendwie schaffen wir es dann doch noch bis unten. ist ja auch nur Gefahrenstufe blau – nicht mal mehr Badeanzug in die Arschritze. Dummerweise ist unmittelbar hinter mir dieser schlak- sige. der mir sicherlich gleich mit voller Geschwindigkeit hinten reinrutschen wird. die alle ihre Freundinnen mitgebracht haben und nun konsequent versuchen. aber bleichen Beinen. Aber heute ist jetzt. – Cliquen. Hoffent- lich denkt sich das auch die Oma. Clara Ehrenwerth Tell me why I don‘t like Schwimmbäder Früher war die Rutsche eigentlich wirklich gut. der die Haare im Gegenteil zu dem Jungen schon seit langem auch auf der Brust trägt. der ich beim Tauchen aus Versehen mein Bein in den Bauch ramme. was ja immer als sicherer Tipp für besseres Rutschvermö- gen und -vergnügen galt. Alle hier verfolgen ein Ziel – Abnehmen. ihnen mit gekonnten Sprüngen oder schnellem Kraulen zu imponieren. die sich aus fiesen. pickligen und wasserstoffblondierten Jungs zusammensetzen. die sich noch nicht so ganz entscheiden können. Überhaupt sind hier nur: – Präpubertäre. und irgendwo zwi- schen gegenseitigem Bespritzen und Flirten ihre Wirklichkeit einpen- deln. Klar. weil das ja alles dazugehört. sich präsentieren oder die Langeweile vertreiben – und alle machen sich da- bei lächerlich. endgültig stecken bleibt. ob sie als Kinder oder Jugendliche hergekommen sind. am Ende aber doch wieder auf der Rutsche landen und sich ständig auf die Bäuche klopfen. die ihren mitgebrachten Kindern meist am Wochenen- de das Schwimmen beibringen wollen. hilft da noch: Ich würde eigentlich lieber wie- der umkehren. lustvolle Laute ausstoßende Junge meines Alters mit den dunkel und stark behaarten. wenn der bierbäuchi- ge Familienvater vor mir.

aber nur. wenn man etwas „voneinander wollte“. Erfrischen oder Spielen. Und seit die da sind. muss man sich ja mit dreizehn ir- gendwie andauernd befummeln. so hieß das ja damals. Zumindest sind wir hier eindeutig fehl am Platz und ich hoffe inständig. Wenn man keinen Freund hat. Ich finde mich schrecklich häss- lich und vor allem: fett in diesem neongestreiften Badeanzug. – Senioren. Und mittendrin waren: Wir. Ich füge mich der Mehrheit. die sie sich pausenlos zwischen die Beine schieben. muss man mit dem Objekt der Begierde unbedingt ins Schwimmbad gehen. wie man es mir seit frühester Kindheit vorgespielt hatte. Da- mals ist ungefähr zwei oder drei Jahre her und ich war im viel zu weit entfernten Berlin zur Geburtstags„party“ meiner besten weil einzigen Freundin Constanze. Ich war alleine.und abschwellenden Background-Klangteppich zusammenfließt. am besten in größeren Gruppen. Zwei Pärchen und ich. Besser gesagt: Sie waren und ich war. hieß Constantin. in den sie damals „verknallt“ war. dass mich hier keiner sieht. dass er aussehe wie eine Juniorausgabe von Paul McCartney. Aber was macht das jetzt schon noch: Hier gibt es schließlich nur hässliche Kör- per mit hässlichen Menschen dran. aber gerne einen haben würde. weil wir zwei ungarische Austauschschü- lerinnen beschäftigen müssen. wo das Gequieke der Kinder. Eine völlig neue Welt tat sich mir auf: Das Schwimmbad diente plötzlich nicht mehr dem Schwimmen. gehen wir ja sogar bowlen. weil man dann ganz unkonventionell Körperkontakt suchen und den anderen und besonders seinen „Body“ schon mal auschecken kann: Den anderen pausenlos untertauchen. Früher wollten eigentlich immer alle sofort schwimmen gehen. 76 . und sie redete mir ein. die mit 50-Gramm-Hanteln und elastischen Schläuchen. deren Zweck mir bis heute weitgehend unerschlossen geblie- ben ist. Der Typ. sondern einzig und allein dem Flirten. im Nichtschwim- merbecken von einem dynamischen Bademeister angeleitete Übungen machen. Wir sind eigentlich nur hier. Wir nannten das wohl „Zärtlichkeit“ oder „Liebe“. Wenn man einen Freund hat. das Gelächter der Jugend und das Gezeter der Alten zu einem dem Wellenbecken ähnlichen an. und dann aber auch bitte mit Zunge. Wir gingen Sams- tagnachmittag um drei in eins dieser unsäglichen Spaßbäder. traurig und unerfahren. also natürlich „der Consti“.

verursachen Fußpilz und alle sind nackig. Wahrscheinlich rutschen sie schon wieder. Damals ging es mir auch nicht besser als heute.beim Wellengang auf ihn umfallen und am besten gemeinsam rutschen. Schwimmbäder sind so groß. Ich bin alleine. Als ich nur von und in Träumen lebte und mir im Spiegel tief in die großen Augen blickte und in sie hineinfragte: . die Jungs zu schnell und die Senioren gar nicht. aber niemand ist sexy. Ich bin die einzige. Je- der zeigt. Die Kinder rutschen zu langsam. Ich schwimme zu langsam. Wer hier alleine ist. wird für immer ein bisschen alleine bleiben. als ich einsam war und Schwimmbäder als mein Kontakt zum Leben herhalten mussten. die hier unglücklich ist. All diese Dinge waren mir nun nicht möglich. aber alle finden sich gegenseitig unsympathisch. halbwegs gelassen erst mein Schließfach und an- schließend noch eine freie Umkleidekabine zu finden. Und ich bin alleine. Da reicht’s mir endgültig. Ich dusche in diesem Zwischenraum. die er meiner Meinung nach lieber mit mir hätte ausführen sollen. Die Komplexe und Selbstvor- würfe sind geblieben: Ich bin zu dick. denn ich hatte zwar ein Objekt der Begierde. In einer Zeit. Niemand kommt allein. Schwimmbäder sind eklig. Dann fliehe ich vor dem nächsten Senioren-Bewegungs-Kommando. was er hat.Warum liebt mich denn keiner?“ Schwimmbäder haben mich schon immer melancholisch. Nach der Bewäl- 77 .. aber das war leider der Consti. Die anderen habe ich verloren und die Suche schon lan- ge aufgegeben. der die ganze Zeit mit meiner Freundin Constanze all die Dinge auszuführen hatte. so anonym und trotzdem so offen. in der ich das sowieso immer war. aber nur dir wenigsten sind zufrieden. Dann liegt da dieser Typ in meinem Alter in dem knöcheltiefen Be- cken und lässt es seinem Schwanz und somit auch sich mittels der Fon- täne durch die Badehose deutlich erkennbar gut gehen. den Blick auf vierzehn durchschnittlich siebzig Jahre alte Körper freizuge- ben. um das Chlor-Ekel-Gefühl zu verlieren. son- dern auf die Seele auswirkt. Schwimmbäder erinnern mich an die Zeit. fiel mir das kaum auf. ziehe mich dann aus Gruppenzwang auch aus und kippe mir massenweise Shampoo über Haut und später Haa- re. sen- timental und müde werden lassen. die sich bei mir aber nicht auf die Haut. das bereits dabei ist. geschweige denn schön oder begehrens- wert. und versuche. Aber heute? Wahrscheinlich habe ich einfach eine Chlorallergie.

tigung meiner Aufgaben schließe ich ab. 78 . Ich blicke tief in meine vom Chlor geröte- ten Augen und frage sie. warum mich eigentlich keiner liebt. Dann ist da dieser Spiegel.

Christian Gutsche Defaitarkasmus (Nr. Hundertneunundzwanzigzweidrittel) zum elektrisch verzerrten Fagott vollzieht sich der Weltuntergang die Engelstrompeten sind uns ausgegangen das jüngste Gericht wurde vertagt da kann man sich nur eine gute Grillparty suchen und warten 79 .

ob sie wohl zusammen kommen? Und ist das erste Bedingung für das zweite? Der Winter war von Anfang an im Arsch. Raumfahrer und junge Französi- sche Revolutions-Witwen. stubenrein werden. Großstadt. („Im Arsch“ war auch so ein Sara-Ausdruck. fragte ich mich. um sich von der „breiten Masse“. wie immer übernatürlich ironisch – Mes- sies sind Menschen. warum auch nicht. Ich schlief manchmal gerne bei Sara.) Erst ging die Heizung kaputt. WG. erwiderte ich. dann die Kaf- feemaschine und schließlich schraubte jemand nachts Sattel und Räder 80 . bis er sich Zeige. So einfach. so ist das eben: Jung. bei denen Küchen- schaben zwischen und in thematisch sortierten Knabberzeugverpackun- gen aller Art herumwirbeln.“ Und: „Wohin denn sonst damit?“ „Messie!“ schimpfte Sara. Clara Ehrenwerth Kreaktivierung „Kann man das gut finden?“ fragte Sara rhetorisch und meinte zwei bun- te Buttons an meinem Kragen. Ob sie wohl zusammenkommen. sag- ten wir uns. Samuel rauchte gern Parfumtabak-Selbstgedrehte. Das wuss- te ich nicht. Samuel schlief manchmal gerne bei mir. Samuel hatte mir mal beigebracht. „aber wegschmeißen kann man den Blödsinn ja auch nicht. abzuheben. „Bernd das Brot und Nein zum Krieg am grau-intellektuellen Mantel?“ „Nein“. sich zivilisieren. dass Sara statt Arschloch oder Dumpfbacke immer öfter Messie benutze. hörte ich Kurzwelle und versuchte gequält. Wenn Sara in der Küche mit Samuel schlief. der sich über ihren zwanzigsten Geburtstag hinaus gerettet hatte und den sie sich trotz aller Selbstkontrolle noch nicht hat- te abgewöhnen können.und Mittelfinger verbrannte. die nichts wegwerfen können. die aus dem Nebenzimmer dringenden Geräusche in das Radiopro- gramm einzuordnen. Wir tranken manchmal zusammen Wodka. ihr Leben individueller zu gestalten. Ich hörte gern russische Kurzwel- lendialoge und dachte an Labyrinthe. Aber: Sara trank gern schwarzen Kaffee mit Unmengen von Zucker. Sara schlief manchmal gerne mit Sa- muel. wie sie es ausdrückte.

Mein rot-weiß geringelter Schal. „Nette Windhose!“ sagte Sara beim ersten Betrachten unterm Tan- nenbaum. wurde gerade noch zu Weihnachten fertig. Ego-Shooter zu spielen. aber nicht selbst- mitleidslos ins Hotel. aber nicht ohne Reststolz. der Samuel später durch den Winter begleitete. wenn er bei mir schlief. den Sara. herrjemine. „Sara meint. Saras arro- gante Ader für Umsichtigkeiten war wieder besonders stark durchblu- tet gewesen: Sie hatte gleich ein Dreibettappartment genommen. folgten wir ihr prompt. Später wurde Januar. in der Wohnung herrschten Minustem- peraturen. und zog kapitulierend. alles war wie immer. zwei 81 . Ich setzte nebenan Tee- wasser auf und rief „Pfefferminz – Schwarz – Roibusch?“ „Schwarz!“ brüllten Sara und Samuel synchron zurück. dass Jugendliche zu diesem Zweck so etwas täten – Zielgruppen- zugehörigkeitsgefühle keimten in ihm auf. auch das wunderte uns.“ „In Ordnung. in deren Körper sich ein grippales Mo- nopol herauskristallisiert hatte. wir gingen tanzen. „Und. ob er beginnen sollte. wir nennen mein Rad ab jetzt . auf der Leiter stehend.von Samuels altem Diamant-Rad ab. wir rieten ihm davon ab und hängten das tote Fahrradgestell im Flur als Kleiderständer auf. Samuel steckte seinen Kopf durch die Küchentür. außerdem war die Heizung noch immer ka- putt. Als Samuel wenige Stunden später auch anfing zu husten. stöhnte Sara. um seine Ag- gressionen loszuwerden – er hatte im Sonntags-Kostenlos-Anzeiger ge- lesen. Leiche. Sie findet das außergewöhnlich cliquentauglich. wir hatten Silvester ab- sichtlich verschlafen und waren Neujahr mit großem Ach je (Samuel und ich) und Uppsala (Sara) aufgestanden – endlich waren die Pläne unseres „Silvester spontan in Freiheit“-Geheimbundes aufgegangen und wir hatten Schuldgefühle. Er ärgerte sich und überlegte zwei Tage lang. Samuel hatte mir dank seines Waldorfschul-Abiturs einiges voraus und brachte mir nachts auf seinem Hochbett Stricken bei.die Leiche‘.“ Die Teebeutel klebten aneinander. in eine Schlin- ge gesteckt und die Schnur an einem zufällig anwesenden Vormieter- Deckenhaken umständlich festgeknotet hatte. wie ist es so als Krüppel am Galgen?“ Samuel stand in ehemali- ger Reifenhöhe und streichelte mit der Hand in ehemaliger Hitlergruß- höhe über den Lenker.

Nachdem ich die Tür zur nicht nur leerstehenden. In meinem Zimmer gab es nicht einmal Radio. den sie vor zwei Jahren in Berlin auf einem Festival für Nu Jazz in der modernen rumänischen Folklore kennen gelernt und seitdem nicht mehr gesehen. den Stift rechts zu halten und gleichzeitig links adä- quat zu rauchen. in der WG. hatten Probleme. Anfang März ungefähr. Dann. weil wir unsere Situation für die Ewigkeit aufbewahrungspflichtig hielten.“ Sara erbleichte.Zimmer. Bad. Ich beschloss. wenigstens die Kaffeemaschine zu kreaktivieren. ein einziges Mal kraft einer von ihr hätte kommen könnenden Bemerkung imponieren und sagte: „Den hat sicher nicht die Putze hier vergessen. Samuel hatte es zufällig aufgeschnappt und propagierte den Begriff bei Sara. wiederbeleben“ definierte. lag eines kargen Morgens der Schwan- gerschaftstest zurückhaltend. das Bett war sehr eng und quietschte bei jeder beiläufigen Bewegung. die ihn mit „einer Sache jugendlichen Schwung bzw. dann per Hotelte- lefon mit ihrem sardischen Freund Schluss. Küchenecke. Das Spiel zum Wort erfand Sara. was ich je erschaffen hatte – nachts. in ei- nem Park. warum wir vorübergehend ausgezogen waren (Wenn wir zu weit und zu lange weg waren. sondern auch ver- lassenen Wohnung aufgeschlossen hatte. Sara erklärte es zum Raucherraum und wir schrieben Postkarten an entfernte Freunde.“ Sa- muel kam nachts manchmal noch zum Stricken vorbei. höflich und positiv auf der Badezimmer- spiegelarmatur. vergaßen wir meistens sehr schnell): Die Heizung war kaputt und der Winter noch immer in widerlich greifbarer Nähe. aber oft genug betrogen hatte. Ich wollte Sara einmal. wir sind beide sehr krank – und morgen oder: demnächst sehen wir weiter. künstlerischen Pepp ver- leihen. fiel mir wieder ein. etw. wir beschäftigten uns WG-intern in 82 . „Wir können ja tauschen“. Sara machte erst auf dem Postweg. „heu- te schläft Samuel erst mal bei mir im Doppelbett – weißt du. sie war immer noch sehr verschnupft. „Kreaktivierung“ war das einzige brauchbare Wort. Zwei Zimmer hieß drei Betten hieß ein Doppelbett. Ich zeigte mich leichten Herzens einverstanden. ein Einzelbett. Samuel machte ihr einen Verlobungsantrag und ich ging Teewasser aufsetzen. unter schlechten Menschen und aus Versehen.

Sara hatte abgenommen oder abgetrieben – dass beides parallel hätte passieren können. weil ich alles. nach abgebrochenem Studium. montierte den Filtertütentrichter prophylaktisch zum Laufrad für eine even- tuelle Hamsteranschaffung um. bereit und überlegte. was ich finden konnte. eine Ausbildung zur Hebamme absolvierte. der die Knöpfe wieder hätte annähen können. auch die Schuhe. trug inzwischen den sel- ben Alufolienring am Zeigefinger wie Sara. du Pflaume!“ Nach dem ersten Kaffee mit Amaretto begann Samuel sich zu be- 83 . Saskia – Sasasabim“. ich hatte in einer Nacht zwei Knöpfe verloren. hatte vermutlich Sara mit Lip- penstift an eine Fensterscheibe geschrieben. Samuel. Sara war voller Eupho- rie für Wort und Spiel und sprach daher ständig von unseren Kreakti- vierungs-Erfolgen. ob ich einen Wellensittich in dem aus dem Restgehäuse ent- standenen Käfig halten sollte. eine komplette Bebe-Young-Care-Pflegeserie auf der Haut und einen „Für-Drinnen-Pulli“ um den bulimiekranken Leib. ihr Schriftzug betonierte ihre betonte Süffisance. weil ich Saskia Zigaretten angeboten hatte: „Ihr Vater ist vor drei Wo- chen an Lungenkrebs gestorben. Sara. so dass bald alle glauben mussten. schloss ich nach einigem Nachdenken aus. zum Schlafen anbehielt – nicht ein- mal eine Kreaktivierung hätte den Heizungsapparat wieder zum Wär- men gebracht. besuchte ich Sa- muel und Sara noch einmal im Hotel. Ich lud Samuel ins Café ein. dass der Begriff wohl von ihr stamme. nachdem mich Sara geohrfeigt hatte. Schwarz. Nun nutzte ich die Anstecker als Ersatzknöpfe. den sich Samuel schon so lange kaufen wollte. regelmäßigen Wettbewerben mit ihm: Kaputte Haushaltsgegenstände wurden zu dekorativen Elementen umgestaltet. Roi- busch – getrunken und jede Zukunft vergessen hatte. Mein Hotelbett hatte inzwi- schen eine ehemalige Kommilitonin von Sara bezogen. Ich machte mich an der Karreemaschine zu scharfen. Meine Mantelbuttons waren vom Kragen auf die Knopfleiste gewan- dert. Außerdem war sie Nichtraucherin. Sie hieß Saskia und sah in gewisser Weise auch so aus: Pferdeschwanz. die jetzt. stellte die Kanne als Aquarium für den Goldfisch. Erst als ich alle vorrätigen Teesorten – Pfefferminz. „Samuel.

schweren: „Saskia. bitte. dass …“ Nach dem dritten Kaffee mit Whisky erkundigte ich mich nach ei- nem Wiederannähungsversuch meiner Knöpfe seinerseits. später. heißt das noch lange nicht. in der WG. nur weil meine Initialen nicht deckungsgleich mit euren sind. Mitte Mai. sie …“ Nach dem zweiten Kaffee mit Baileys begann ich mich zu beschwe- ren: „Hör mal. weißt du – ich weiß nicht. versprach mich wie selbstverständlich und wurde aus Gewohnheit rot: Wieder- annäherungsversuch. 84 . Anschließend gingen wir Wasser für Zitronentee-Produktproben auf- setzen. dafür übernahm er die Rechnung in der Zoohandlung: Einen Goldfisch und einen Wellensittich. Nach dem vierten Kaffee mit Rum zahlte ich schwankend. und riefen den Klempner an.

Er würde alleine eine eigene Natur aufbauen. bevor sie ihn mit den Fingerspitzen behutsam auf- nahm und in die kleine Kuhle in der trockenen. Als sie ein Stück weit gelaufen war. Fast augenblicklich stürzte Fandango auf sie herab und kam nur wenige Meter vor ihr mit kraftvollen Flügelschlägen zum Landen. lass den Quatsch!“ rief sie lachend. wie geschmolzenes Metall. „Fandango. Innerhalb von Sekunden keimte der Samen und öffnete winzige grüne Blätter. sondern lächelte es an. Katja Grohmann Sternenvolk Serva betrachtete noch einen Moment lang den hellbraunen Samen auf ihrer Handfläche. die über den Himmel wanderten. als der Drache dro- hend den Schädel noch ein Stück tiefer senkte und den Rachen öffnete. wie der Spross innerhalb von weni- gen Augenblicken zu einem stattlichen jungen Baum heranwuchs. in der Lebewesen existieren konnten. dennoch war hinter ihr bereits eine grüne Linie frischer Vegetation entstanden. steinigen Erde legte. Unter ihren nackten Füßen knirschten die schwarzen Steine unan- genehm. Ihr Gewand schimmerte wie die unzähligen Sterne an dem wolkenlosen Nachthimmel über ihr. drehte sie sich ein letztes Mal um und blickte zurück zu ihrem Werk. so dass Serva das glühende Höllenfeuer in seinem Innersten leuchten 85 . Dieser Planet würde es schaffen. Das junge Mädchen zeigte je- doch keinerlei Angst vor dem vielfach gehörnten Ungeheuer. Serva lächelte still und sah zu. Der Drache faltete seine gewaltigen Schwingen knisternd zusammen und neigte den großen Kopf Serva zu. Das Sternenvolk durfte ein fremdes Land nur einmal berühren. Serva drehte sich wieder dem Horizont zu und stieß einen hohen träl- lernden Laut aus. Sein grüner Panzer funkelte im Licht der vier Monde. als sie sich umdrehte und auf den Horizont zu- lief. Serva hatte den Keim eben erst der Erde anvertraut. so hieß es in einem ungeschrie- benen Gesetz.

dass sie beobachtet wurden. um ihrer Fährte nachzu- fliegen. Hinter der Stadt begann das Meer. irgendwann würde es auf dieses natür- liche Hindernis stoßen. wendiges Raumschiff. einen Land- streifen. Dahinter war der eigentliche Ozean. rabenschwarzem Haar. die das kaiserliche Gelände von dem öf- 86 . Irgendwo weit draußen gab es der Legende nach den grünen Gürtel. An den hohen Säulen. auf den er noch Sekunden zuvor mit halsbrecherischer Geschwindigkeit zu- gerast war. je- doch ständig von üppig bewachsenen Inseln unterbrochen. in die Unendlichkeit des Universums. kam die Stufen vom Palast herunter auf sie zuge- laufen. Serva lachte immer wieder hell auf.sah. So bemerkten weder sie noch ihr übergroßes Reittier. Trotzdem hieß dieses Land der grüne Stern. Bald tauchte ein viel gigantischeres Objekt auf einem Planeten auf dem Bildschirm auf. Ein älterer Junge mit kurzem. Das Steuer des unscheinbaren Gleiters wurde herumgezogen und die Koordinaten der Siedlung zuverlässig gespeichert. Es war unvergleichlich groß. harter Augen verfolgte seit ihrem Aufbruch ihren Weg durch ein Sternenteleskop. dann aber streckte er ergeben eine sei- ner ledernen Schwingen aus. als es die Spur aufnahm und wie ein Schatten über das Meteoritenfeld hinwegschoss. Egal in welche Rich- tung ein Schiff losfahren würde. um einem Felsbrocken auszuweichen. Die beiden ungleichen Freunde flogen lange durch das Nichts. Der Planet strahlte ein wundersames grünes Licht aus. Fandango blickte sie aus seinen großen Bernsteinaugen noch einen Moment lang beinahe flehend an. Seine Motoren dröhnten. das die Pupillen in ihren Bann zog. Die harten Augen waren zufrie- den. wenn Fandango scharf die Richtung änderte. Ein Paar grauer. der den Planeten zur Gänze umschlang. Der Drache hatte Gefallen daran gefunden. startete ein kleines. Serva und Fandango landeten unbekümmert vor den Toren des Ster- nenpalastes. um sie aufsitzen zu lassen. wie Serva selbst es auch geerbt hatte. so dass auch die gewaltigen Gebäude in dieser Farbe erhellt wurden. Die größte Stadt mit dem Palast des Sternenvolkes. bis seine Gefährtin fast den Halt verlor. mit Serva durch Meteoritenfel- der und über verkrustete Planeten zu kurven. Ein Computer zeigte dem grauen Augenpaar immer wie- der die Position der Verfolgten. Als der Drache beinahe verschwunden war.

„Sven! Ich habe es geschafft!“ erklärte sie aufgeregt. „Papa!“ rief Serva erfreut. „Mein Geburtstagskind ist zurück. An ihrem Ende thronte ein riesiger Stoffvorhang. hat mein großes Kind seine Aufgabe erfüllt und das Leben ge- teilt?“ fragte der Vater neugierig. Als sie zusammen in dem gigantischen Gebäude verschwanden. das Wappen der Sternenkrieger und des Ster- nenvolkes. „Ah“. als der Mann mit dem kurzen Bart am Fuße der Stufen angekommen war. Die beiden Geschwister liefen nebeneinander durch die Eingangshal- le. stieg hinter ihnen Fandango wieder in die Luft. Nun begann Serva in die Stille hinein zu erzählen. Mit zehn Jahren durfte ein königliches Sternenkind das erste Mal einen Planeten verändern. dass es so schnell geht!“ Zusammen gingen sie in einen geräumigen Saal. „Ich habe einer kahlen Welt Leben geschenkt!“ Der Junge lächelte stolz. Aus dem dunkel- blauen Hintergrund stach der gelbe Stern mit dem roten Punkt in der Mitte regelrecht hervor. um sich zu seinen Artgenos- sen zu gesellen. ertönte eine tiefe Stimme und ließ Serva und Sven aufsehen. „Mit Zehn?!“ Sein Vater schaute ihn nur schmunzelnd an. um mit ihr den bedeutendsten Geburtstag zu feiern. in dem eine lan- ge. mit herrlichen Speisen und Getränken besetzte Tafel auf sie wartete. fentlichen Hof trennten. blieb er stehen. In den folgenden Jahren lernte Serva alles über die Fähigkeiten und Tra- ditionen ihres Volkes im Umgang mit der Natur. „Na. die in ein Gewand gekleidet war. „Und da war plötzlich ein ganzer Wald hinter mir!“ schwärmte sie. „Großes Kind?“ witzelte Sven. Serva ging mit ausgreifenden Schritten zu ihrem Bruder hinüber und umarmte ihn. 87 . wie die Sterne an einem wolkenlosen Nachthimmel. wie sie dem auserwählten Planeten die Chance der Natur gegeben hat- te. Viele von Servas Freunden aus der ganzen Stadt waren gekommen. welches auch an der Vorderseite des Palastes prangte. kräftige Gestalt er- schienen.“ Auf einer Seitentreppe war eine hochgewachsene. „Ich habe nicht gewusst. das hell schimmerte.

dass sie dieses Talent eines Tages gebrauchen könnte. um ihm zu gratulie- ren. Und sie ahnte. Und sie stellten sich immer wieder die- selben Fragen: „Wer waren die Angreifer und was wollten sie?“ Die Ant- wort darauf kam schneller. Sie beherrschte den Umgang mit dem Schwert bald besser als er und selbst listige Angriffe konnte sie mit dem Schild blitzschnell abwehren. einfacher oder besser lösen können. Der Himmel schien plötzlich taghell durch die unzähligen Scheinwerfer kleiner wendiger Raumschiffe. Sven und Serva hatten eine Barrikade vor der Tür aufgebaut. Viele hätte sie schneller. Die Familie erstarrte mitten in 88 . Es geschah am fünfzigsten Geburtstag ihres Vaters. unauffälliges Raumfahrzeug vor der Stadt. Die unbewaffneten Wachen schrieen gellend auf und stürzten in den Palast. Lange nachdem der letzte Gast wieder abgereist war. als ihnen lieb war. von denen sie stammten. beißender Rauch. Als Sven seine Prüfung für den Orden eines Sternenkriegers ablegte. So wurde Serva trotz aller Verbote in ihrem Innersten eine Sternen- kriegerin. verfolgte Serva verstohlen jede der Aufgaben. Ein Paar harter stahl- grauer Augen musterte das Wappen der Sternenkrieger geringschätzig. Unzählige Gäste waren mit Raumschiffen in den Palast gekommen. doch ihre Mutter hielt sie zurück. der nun zu Fuß zu ihnen durchdrin- gen wollte. Serva hatte ihnen folgen wollen. Knochige Finger huschten über das Armaturenbrett und ein Strahl glei- ßenden weißen Lichts schoss auf das Symbol zu und zertrümmerte das Wahrzeichen wie eine starke Faust eine Essigfliege. nahm sie heimlich bei ihrem Bruder Unterricht in der Waffenkunst. Die königliche Familie war in ihren Gemächern gefangen und schon hatten die Raumfähren eine Spur der Verwüstung hinter sich hergezogen. Sven und sein Vater warfen sich mit schier unglaublicher Zähheit dem unbekannten Feind entgegen. Die beiden Sternenkrieger tauchten bald wieder bei ihnen auf. doch der wahre Feind kam durch die Fenster: grüner. Ohne Vorwarnung griffen sie die Stadt an.Obwohl es ihr gesetzlich verboten war. landete ein klei- nes. Innerhalb weniger Minuten brach Chaos in den Stra- ßen aus. Die Übermacht war einfach zu groß. Die Geschenke waren so verschieden wie die Völker.

hinter der sie den Rest der Raumfähre vermu- tete. sprach eine verzerrte Stimme. Doch was den heimtückischen Mann noch mehr verblüffte. Die stahlgrauen Augen musterten den Kaiser verächtlich. sagte die kalte Stimme. Mitten in dem dichten Qualm. sagte sie fest. Dann ertönte eine rasselnde. „Ich werde dich zu einem wunderschö- nen Ort begleiten. Serva fand als erste ihre Sprache wieder. Der grüne Stern verschwand gerade aus ihrem Sichtwinkel. Und das Material. der bei den ungeschützten Sternen- menschen einen alarmierenden Hustenreiz verursachte. und ich werde euch davon erlösen. An Serva blieb er für einen Moment lang hängen. doch die Gestalt blieb immer noch ver- schwommen. wandte er sich an Serva. war die Entschlossenheit darin.“ Serva blinzelte in den Rauch. Sie schreckte hoch und blickte aus einem der quadratischen Fenster der Kabine nach draußen. „Ich bleibe hier“. lasst mich raus!“ rief Serva entsetzt und trommelte mit den Fäusten gegen die Wand. Sie schwebte direkt neben dem Fenster und war kaum zu erkennen. Doch ihr antwortete nur eine unerträgliche Stille. war. Dann wurde rauschend ein Lautsprecher angeschaltet: „Nur die Ruhe. was eure Tradition von euch verlangte. In den nächsten Minuten passierte zu viel. Das Raumschiff hatte inzwischen einen gewaltigen Satelliten erreicht.“ Sein eisiger Blick glitt über die aschfahlen Gesichter der Familie. unnatürliche Stimme: „Die Sternenkrieger haben lange genug die Vorherrschaft im grünen All besessen.der Bewegung. „Nein! Sie verbrennen die Stadt!“ Die Häuser waren aus dem gehärteten Holz eines anderen Planeten. 89 . tauchte eine rie- sige männliche Gestalt auf. um zu sterben“. hochgiftig. „Nein“. Serva erwachte aus ihrer Ohnmacht an Bord eines winzigen Raum- schiffes. „Nein. war es auch so hart wie Stein. du wirst ihn noch einmal zu sehen bekommen“. „Ihr seid alle alt genug. ächzte sie. Servas Puls raste. wenn es erhitzt wurde. Ihre dunkelblauen Au- gen faszinierten ihn. „Au- ßer dir“. Ihr habt getan. als dass die junge Sternen- kriegerin ihr Wort hätte halten können.

was geschehen war. dass sie das.der gut doppelt so groß war wie eine Enterprise. als er in dem giftigen Rauch der Sternenstadt erschienen war. Das kleine Raumschiff landete auf einer Tragfläche des riesigen Gefährtes und richtete sich nach seiner Spitze aus. Sie hatten ihn zerstört. Kaum hatte sie das Gefährt verlassen. Plötzlich schoss aus der Spitze des Raumfahrzeuges ein weißer. traurigen Lichtschimmer auf 90 . Dann übermannte sie Fassungslosigkeit. Sie hatte das ungute Gefühl. Serva sah ihm nach und versuchte vergeblich zu fassen. Servas Nervosität war kurz davor. dem Serva selbst vor sechs Jahren an ihrem zehnten Geburtstag das Leben geschenkt hatte. bevor es verschwand. Der Planet war einfach verschwunden. suchte Serva mindestens genauso verzweifelt wie erfolglos den leeren Raum vor ihren Augen ab. hob es dröhnend wieder ab. Erst als das Raumschiff auf der Erde aufsetzte und sich eine Tür zu ihrem Gefängnis öffnete. Dieser verschwand nur Augenblicke später in einer markerschütternden Explosion. Aber warum? Was hatte das friedliche Volk der Sternenkrieger ihm angetan? Der unheimliche Satellit wendete und glitt ein paar Minuten lang in die entgegengesetzte Richtung. stand sie mit roten Augen wieder auf. Als die Gaswolken verschwanden. Die Waffen wa- ren unverkennbar. die ge- nau auf den grünen Heimatplaneten der Sternenkrieger wies. glü- hend heller Strahl auf den Planeten vor ihnen zu. Der immense Rumpf des Satelliten unter ihr begann erst leicht. was sie jetzt beobachten würde. Das Raumfahrzeug über ihr ging in die Lichtgeschwindigkeit über und leuchtete als greller Blitz noch einmal auf. Die vier Monde sandten einen grauen. den sie alle nicht hatten erkennen können. nicht sehen wollte. Bäume blühten und Pflanzen wuchsen üppig aus dem grauen steinigen Boden. Er sah jedoch nicht ganz so ungefährlich aus wie ein gewöhnlicher Satellit. Serva hockte auf dem metallenen Bo- den und weinte hemmungslos. Die Raumfähre war auf einem herrlichen Planeten gelandet. Der Mann. Es war das Land. dann immer heftiger zu vibrieren. hatte ihre Heimat aus- gelöscht. in Panik umzuschlagen.

die Szene und beleuchteten Servas Gesicht unheimlich. 91 . Sie fühlte sich allein wie nie zuvor.

Er war auf der Bosto- ner Tea Party. sah Luther schreiben. Der Alte war froh und starb. Regen fiel. Trotzdem legte er sich unters Messer. der hatte an seiner Metallplatte am Kopf ei- nen Propeller befestigt. Er wurde normal und ins Altersheim abgeschoben. Sein Grab war kahl und leer. Hitler reden und Bush handeln. Christoph Schubert & André Kirchner Der Propellermann Es gab mal einen Mann. 92 . Er wandte sich an seine Krankenkas- se. So konnte er die Weltgeschichte erkunden. der durch seinen Herzschrittmacher betrieben wurde. Das Volk lachte über ihn. Doch sein Sommerhäuschen in der Toskana über- ließ er einem Immobilienhai. Die Falten und sein Propeller ließen ihn komisch wirken. die ihm verweigerte eine Operation zu bezahlen. Er wurde alt und müde. Täglich sah er durch sein verschmutztes Fenster. wie seine Welt ohne Propeller.

Marcus Quent Vergessen Es regnet Staub Die letzten Vögel bluten Der Mond segnet seine Kinder Vergreist schließlich im Sternenall Menschen beten zu stummen Göttern Häuser verfallen Der Wind schließt seine Hände Um die von Licht durchdrungenen Körper Durchflutet ihren knisternden Atem Träume fliegen Gleiten mit dem Wind davon Ertrinken im See der Sonne Verschüttet unter Tageslicht… Vergessen durchzieht die Zeit Es regnet Staub Im Sand der Erinnerung Tief unten Im Sand der Erinnerung Flüstert ein Schimmern durch Schattenfelder Ein Duft von Vergangenheit schleicht durch Gedankenräume Hoch oben In Wurzeln der Wirklichkeit Schläft ein leises Tränenmeer im Inneren Kein Sonnenhauch der Wasser zu stillen weiß 93 .

Mittendrin Ein getriebenes Herz Das versinkt Traumwarte Und so verwelkt mein Traumstaub Im grauen Wirklichkeitswind Ich warte regungslos auf die Zeit Die mich von all dem Leid befreit Ein Lichtfunken fällt ins Wolkengrab Stürzt aus dem hilflosen Himmel Schweift tief hinab in brach liegendes Nichts Und stirbt schließlich sich windend In einem namenlosen Niemandstraum Der im Anblick der aufgehenden Sonne zerbrach Und wir hoffen im Nichts zu finden Den Schlaf der uns das Leben stillt Hoffen auf einen Traum zu stoßen Der uns in süßwarmen Nebel hüllt Doch die Hoffnung bleibt verwehrt Verborgen bleibt unser Sinn Und wir warten weiter Warten weiter bis Ein neuer Tag beginnt 94 .

letzt- endlich hatte er sogar um sie gekämpft. Wie er mit tänzelndem Gang über die Beton- und Asphaltteppiche hinwegfegte. Wieder aus dem Geschäft raus. indem sie lustlos mit den Fußspitzen Furchen in den Kies gruben. Den für ihn viel zu großen Schulranzen mit sich herum tragend. Als er un- 95 . Aber Spieluhren verkauften sich seit Ende der Weltkriege immer schlechter und so ergab es sich eben. der mit einer Ausgabe des Handelsblattes unterm Arm und dank Tun- nelblick geradlinig-souverän durch die Innenstadt steuerte. Er hatte darauf bestanden. war er von Grund auf glücklich gewesen. hätte er auf- fallen müssen. wie zu einer wahrhaft unerhörten Melodie. Die Pfützen. Und er hätte dabei tat- sächlich nicht an Glaubwürdigkeit verloren. die der Regen hier letzte Nacht hinterlassen hatte. der der Grund für die Fröhlichkeit des Jungen war. um so die Zeit zu überbrücken. irgend- wie nicht so ganz ins Bild. schienen ge- radezu prädestiniert dafür zu sein. das an- fing zu blinken. der nicht älter als acht zu sein schien. Mitten in der morgendlichen Rushhour der Fußgänger- zone passte dieser Junge. Schon von weitem sah man ihm das an. den roten Lichtschein widerzuspie- geln. bog er um die letzte Häuserecke ein. gedrängelt. gequengelt – ja. Entgegen den Vorstellungen seiner Mutter. die das Geld in eine ganz andere Art von Schuhen investieren wollte. bevor sein Pausenhof und die dazu gehörige Schule zu sehen waren. Martin Tanz Die Gesetzmäßigkeiten des freien Marktes Selbst einem noch vom Schlaf benommenen Wirtschaftsmathematiker. dass eine etwas profanere Szenerie als Schauplatz für diese Ausgeburt an Heiterkeit herhalten musste. wenn man damit etwas heftiger als normalerweise auf- trat. hätte er eher in eine Spieluhr gepasst. Und sie bekommen. gab es für ihn nur noch die- se zwei. In einiger Entfernung standen bereits einige andere am Tor und war- teten auf den Unterrichtsbeginn. Im Gegensatz zum Wirt- schaftsmathematiker. Seine Mutter und er hatten am Tag zuvor neue Schuhe für ihn gekauft und ihm war beim Betreten des Ladens sofort ein Paar ins Auge gesprungen.

Und er begriff. drei endlose Minuten lang auf die Füße getreten. Na – neue Schuhe? Ach die … ja. Seit gestern. Er war zwar nicht unbedingt eindeutig. der da vielleicht vorher gewesen war. In der Schule fehlte er die nächsten zwei Tage. obligatorische Lächeln. So lange. Jeglicher Hauch von Illusion. Für ein oder zwei Sekunden stand der Junge so da. Also nahm er sich vor. Das Schlimmste war jedoch das anschließende Verleug- nen der Wut. Und dann – dann folgte ein verschworener Seitenblick. Natürlich konnte er seinen Freunden die neuen Schuhe nicht zeigen. Aber es war ohne- hin zu spät – das Blinken hatte ihn schon verraten. bis die Schuhe völlig verdreckt und zerschlissen waren. ihnen seine neusten Habseligkei- ten zu präsentieren. aber Fakt war – sie konnten es nicht. flankiert von ei- nem Grinsen. das Freude an der aufkommenden Aggression ausstrahl- te. Doch auf halber Strecke hielt er inne.ter ihnen eine Gruppe seiner Freunde ausmachte. denn es war nichtsdestotrotz seine Kultur. Aber bloß nicht von selbst da- mit anfangen. Er konnte es kaum erwarten. Der Ausdruck auf ihren Ge- sichtern brachte ihn aus dem Konzept. Während die- ses rituellen „Einweihens“ der neuen Schuhe wurde er von den anderen eingekreist und zwei. So verlangte es die Etikette und er hatte sich ihr unterzuordnen. 96 . was man zu dieser Uhrzeit zu sehen bekommen konnte und was als finaler Beweis dafür dienen sollte. Einer würde ihn auf die Schuhe ansprechen. dass Kinder eben doch einfach nur grausam sind. war nun aus seinem Gesicht verschwunden. die ihm das hier antat. als hätte sich das ganze vor mehreren Jah- ren abgespielt. aber offensichtlich nicht so. Er verstand zwar nicht. Das gequälte. warum sie sei- ne Freude an gewissen Dingen nie teilen konnten. Denn das war uncool. das er zur Versöh- nung aufsetzen musste. wie er ihn erwartet hätte. Beim Nachhausegehen dachte er noch gar nicht an die mögliche Strafe vonseiten seiner Eltern. Was dann kam. so viel war sicher. beschleunigte er seine Schritte. Nach der Prozedur sahen sie aus. war das Barbarischste. die restlichen Schritte bis hin zu ihnen in betont lässigem Schritttempo zu gehen.

Das gehörte schon immer zu den Gesetzen des Marktes. die sein Fehlen erklärte und – wieder einmal ein bisschen mehr von ihm sterben ließ. Bücher. hieße. Also einer von vielen. Und es würde bedeu- ten. war die Risse und Kratzer auf der Kunstlederoberfläche zu zählen. Sinkt die Nachfrage nach ihnen. Somit ge- hörte dann auch er endlich zum Heer derer. bei denen es keiner merken würde. sodass der ganze Tag davon durchwirkt ist. Etwas Schönes. Ihr Vertrieb lohnte sich kaum noch. das man hat. dass dieser Junge der Messias gewesen wäre – ich wäre ihm verdammt noch mal gefolgt. Das änderte aber nichts daran. um morgens nach dem Aufstehen daran zu den- ken. Ideen und Gedanken. es festzuhalten. folgen noch. Für seine Sache zu kämpfen. wenn man zu sehr mit ihnen auftritt. auch wenn schon längst modernere. 97 . dem Zeitgeist huldigendere Versionen davon erhältlich sind. Wirtschaftsma- thematiker hatten das bestätigt. Im Ernst – hätte irgendein Spinner behauptet. die anfangen zu blinken. Die Lampen funktionierten nur noch am linken der beiden Schuhe. dass auch er sich anpasste und mit einem gerade besonders gelassenen Gesichtsausdruck aus dem Re- pertoire von bereits Toten zurückkam und irgendeine Ausrede erfand. Die blinkenden Schuhe hat man inzwischen weitgehend aus dem Sor- timent genommen. wenn sie keine Pupillen hätten.Alles. Ein Märtyrer. noch etwas Schönes zu kennen. Dabei steckte er die Hände in die Hosentaschen. was er tat. wer- den Produkte aus dem Inventar gestrichen.

glaube ich. Meine Eltern waren so außerordentlich großzügig gewesen. So stand ich gut zwei Stunden später in dieser monströsen Halle und betrachtete staunend das rege Treiben. Ich komme aus einer Thüringer Kleinstadt und bin solch ein pulsierendes Leben daher nicht gewohnt. Mehr brauch’ ich. Als ich schließlich an der entsprechenden Haltestelle ausgestiegen war und nun gerade mein erstes Londoner-Bus-Ticket als Erinnerung in meinem Geldbeutel verstauen wollte. Der Dieb war ein atemberaubend schneller Skater. Zu meinem Glück kam nach einer Weile der Bus. der mich in Rich- tung City bringen sollte. sondern ein hochmoderner Linienbus. Meine Eltern hatten mich heute Morgen in ein Flugzeug gesetzt. Nach etlichem Suchen hatte ich ihn gefunden. 98 . mir drei- hundert Euro mitzugeben. Ich schaute mich um … und weg war mein Portemonnaie. Hier sollte nun irgendwo eine Bushaltestelle zu sehen sein … und da war sie auch schon! Erleichtert kramte ich in meinem Geldbeutel. sollte ich. den Weg zu ihrem Häuschen in der City selbst finden. ersparte mir wenigstens ein weiteres Pfund für die Metro. Es war leider kein Londoner Doppeldeckerbus. So machte ich mich frohen Mutes auf und fand mich schließlich in einer überfüllten Straße direkt vor der Flugha- fenhalle wieder. um mir ein Ticket zu kaufen. Da Onkel und Tante heute arbeiten mussten. diesem Schuft für seinen plötzlichen Reichtum alles Gute zu wünschen oder meinen Rucksack schnappen und hinterher. der mich nun an den Stadtrand fuhr. ich sollte für zwei Ferienwochen zu meinem Onkel und meiner Tante in diese englische Metropole. der nun in Rich- tung City sauste – mit meinen 300 Euro! Ich hatte jetzt die reizende Auswahl. Magdalena Keßler Senf jagt Ketchup London-Heathrow. Ich tat das letztere. mit Hilfe ei- ner durchtrainierten Wegbeschreibung. hörte ich etwas auf mich zurol- lern. nicht zu sagen.

… Stop! You silly …“ Tja. dass eine britische Tee-time-Omi den Regenmacher spielte. Doch ich lernte im Eng- lischuntericht nur solche Lebensweisheiten. sah ich. wie bei „Emil und die Detektive“. die Eis schleckend aus einem der Doppeldeckerbusse heraus guck- ten. an Covent Garden und einigen anderen Londoner Highlights vorbei. indem sie ihre Balkonpflanzen ersäufte. Nur. zweimal über ein Skateboard hopste. sonst kriegst du es mal mit Thüringer Senf zu tun!“ konnte ich natürlich nicht! So schmiss ich ihm noch ein paar deutsche Schimpfwörter an den Kopf. Klagte nicht jeder über das britische Wet- ter?! Allmählich kam ich mir vor. jetzt ist aber genug!“ rief ich. Erleichtert bremste ich und verschnaufte erst einmal kurz. Als ich meinen gesenkten. begann jedoch wieder. „Och nee. einen Kinderwagen streifte und mich mindestens viermal wunderte. dass der Kerl schon wieder losfuhr. she. in der ein ge- waltiger Verkehr herrschte. mich an seine Fersen zu heften. „Hey. so 99 . Die Sonne brannte heiß vom Himmel herunter. it – das s muss mit“ oder „I hate english food!“ Was ich diesem Rowdy jetzt aber sehr gerne zugebrüllt hätte: „Hey. Als ich jedoch besorgt nach oben blickte. Während ich stolpernd durch eine Straße nach der anderen hetzte. da hielt der Knabe plötzlich an! Er setzte sich auf eine Bank und be- trachtete verzückt den Inhalt seines Diebesguts. Ich wollte schon einen letzten Abschiedsgruß an meine Euros senden. da fehlten mir die Vokabeln. Schweiß überströmten Kopf wieder hob. dass Emil Hilfe von einheimischen Berlinern bekommen und bestimmt auch besseres Wetter hatte. Einer der Gründe für meinen England-Urlaub waren schließlich mei- ne mehr als mangelhaften Englischkenntnisse. du ekelhafter Ketchupfutzi! Gib mir sofort mein Geld wieder. Sehnsüchtig schaute ich ein paar Kindern nach. woher meine plötzliche Ausdauer kam. am Tower und der Towerbridge. Unterwegs kam ich am Picadilly. was mir hier in Eng- land etwas komisch vorkam. denn ich bekam zu meinem Entsetzen gera- de einen Tropfen ab. sah ich mit Entsetzen. rief ich dem Kerl ein paar Wortfetzen hinterher. wie „He. Inzwischen waren wir in der Innenstadt angekommen.

die nun aus lauter Trauer ihre armen Pflänzchen ertränkte … Ich wollte gerade den Laden betreten. Nun wusste ich sogar. seit der gestri- gen Teetimestunde nicht mehr zu Frauchen nach Hause gekommen war. Zu Hause würde ich einfach nur die 110 wählen. dass Waldi. da drückte er mir auf einmal eine Flasche Cola in die 100 . rollerte er gemächlich vor sich hin! Er bog in eine Seitenstraße ein und hielt vor einem Lebens- mittelladen. wie er mich wieder so komisch angrinste! Ich holte tief Luft. Nach nur ein paar Schritten teilte sich die Menge und wir kamen an einen weitläufigen Platz. um mir mein Leid der letzten Stunden von der Seele zu schreien. Wenn ich ihn denn nur endlich mal kriegen wür- de!!! Schließlich gelangten wir in eine Einkaufsmeile. Na prima! Jetzt langte es mir aber endgültig. musste ich feststellen. so dass ich wieder etwas schneller lief. da lief ich meinem Dieb direkt in die Arme und sah. Schnell versteckte ich mich hinter einer Plakatwand. Auch wenn ich von hunderten Menschen umge- ben war. dass dieses hundsgemeine Lächeln ge- zielt mir galt! Dieser einzige Blick gab mir noch ein letztes Mal Kraft. ob ich meinem Guide auf Skates nicht ein wenig Geld für diese Stadtführung geben sollte – auch wenn die historischen Kommentare fehlten. schaute er sich noch einmal um. Das war meine Chance. mein Geld auszugeben!? Dann bräuchte ich ihn näm- lich nur an der Kasse festzuhalten und dieser sportliche Alptraum hätte endlich ein Ende. Das war die Gelegenheit. Vielleicht handelte es sich ja hierbei um die Regenmacherin. wann dieser Dreckskerl anfangen würde. und da könnte ich ihn end- lich schnappen! Doch bevor er ihn betrat. Er grinste. Meine Kraft ließ von Schritt zu Schritt nach und ich fragte mich. den Laden zu betreten. doch hier besaß ich ja weder Telefon noch ausreichende Sprachkenntnisse.dass ich überlegte. an mein Geld zu kommen! Be- stimmt hatte er vor. denn nun musste der Kerl sein Tempo verlangsamen und ich konnte zwischendurch verschnaufen. aus die Maus! Doch was war das?! Statt nun wieder wie ein Irrer los zu rasen. Plötzlich und scheinbar zum ersten Mal seit dieser Verfolgung drehte er sich um. ein reinrassiger Yorkshireterrier.

gab mir meinen Geldbeutel samt Inhalt wieder und sagte iro- nisch. Sport tut Deutschland gut!“ Dann drehte er sich um und sauste davon.Hand. 101 . in gebrochenem Deutsch: „Hier.

kein Paradies und auch Kein Traum. 102 . Ulrike Rauchmaul Wirklichkeit Nachts Träume ich Wirres Zeug Ein Sprudel. ein Sog. Schreie. Angst Mittendrin Ich Wache auf In meinem Bett. in Schweiß gebadet Tränen – Meine Welt. zieht mich mit sich Eine andere Welt So ganz anders Kein Paradies Weiß – Schwarz Keine Farben – Gewalt.

Weil er perfekt war. Sie betrachtet die Decke. Überlegt. Glücklich. Schließt die Augen. Steht auf. Will er ihr sagen. Gähnt er. Geht nicht. Tanzt herum In seinem Zimmer. leg dich hin. Er neben ihr. Sieht ihn an.Danach Sie liegt da. Erschöpft. hör auf zu tanzen. ~~~~~~ Es ist spät. Immer noch nackt: I feel good. Mann. Nacht. Weil es perfekt war. Denkt sie. Schläfst du? Sie ist nicht müde. Sei leise. wie noch nie. küsst sie. Dreizehnkommafünf Minuten nach halb fünf. Doch still. bin ich müde. 103 . Nackt.

Morgen voller Spätsommer So gehe ich weiter über das Feld in dem jede Ähre dicht an dicht neben einer anderen steht sie wollen sich wärmen Der Wind weht schwach aber kalt so seltsam kalt an diesem Morgen Es ist ein Morgen voller Spätsommer Und ich laufe über eine Wiese begegne einem Mann er ist nicht groß. Ihren Körper. auch nicht klein aber sein Haar ist lang und müde schaut er mich an 104 . Sie zieht sich an.Er sieht sie an. Steht nicht auf Kuscheln danach. Ihre Energie reicht für den ganzen Tag. Sie geht? Lässt ihn allein? Er erinnert sich: Sie steht nicht auf Kuscheln danach. keine Modellmaße Aber trotzdem beautiful. Will gehen.

Ich zeige ihm ein Lächeln er schüttelt den Kopf und der Wind trägt ihn davon wie Blütenstaub Am Morgen voller Spätsommer So klappe ich das Buch zu über dem ich eingeschlafen bin in dem jede Seite dicht an dicht neben einer anderen steht sie wollen sich wärmen Der Wind weht schwach aber kalt so seltsam kalt an diesem Morgen Es ist ein Morgen voller Spätsommer 105 .

Elisabeth Luther

der zeuge

ich sitze. schon seit zwei wochen habe ich meinen platz an der u-bahn-
station nicht mehr verlassen. hunderte menschen gehen jeden tag an mir
vorbei. meistens starren sie stur geradeaus und hasten von einem platz
zum anderen, rasch wie der wind, der mir das haar zerzaust, wenn eine
u-bahn ankommt. viele nehmen mich gar nicht wahr, merken nicht,
wie ich sie beobachte. inzwischen kenne ich sie alle. wenn ich die augen
schließe, kann ich sie sogar riechen. die erfolgreichen geschäftsmänner
riechen nach geld, die tüchtigen sekretärinnen duften nach süßem par-
füm, die frisch verliebten pärchen nach zuckerwatte und vielleicht ein
bisschen nach schweiß. ein wenig nach alten weihnachtsplätzchen und
kräutertee riechen die gemütlichen rentner, die armen schlucker von der
straße dagegen nach alkohol und urin. am liebsten mag ich aber die
kinder, die mich mit ihren großen unschuldigen augen ansehen. sie sind
diejenigen, die mich wirklich so sehen, wie ich bin. manchmal setzen sie
sich neben mich, reden mit mir oder bringen mir sogar etwas zu essen
mit. ohne sie wäre ich wahrscheinlich schon vor hunger gestorben. man-
che haben auch angst vor mir und schmiegen sich eng an die schützende
hand der mutter. leider bekomme ich hier unten auch ganz andere sze-
nen zu sehen. vor ein paar tagen zum beispiel sah ich, wie ein paar kahl-
köpfige jugendliche einen älteren herrn mit dunkler hautfarbe zusam-
menschlugen. ich versuchte, sie daran zu hindern, doch ich konnte mich
nicht von der stelle rühren. der strick, mit dem ich seit einiger zeit an die
wartebank gefesselt bin, ließ es nicht zu. so musste ich mit ansehen, wie
die täter ihr opfer blutend am boden liegen ließen und lachend die trep-
pe hinauftorkelten. ich riss und zerrte an meinen fesseln und versuchte,
um hilfe zu rufen, doch niemand kam. ein anderes mal wurde einer al-
ten dame die handtasche gestohlen. vor meinen augen rannte der junge
mit der tasche davon. keiner kam der armen frau zur hilfe. die anderen
wartenden schauten nur betreten zur seite und sagten nichts. gestern erst
beobachtete ich, wie ein mann vor seinen eigenen kindern seiner frau ins
gesicht schlug. die anderen passanten taten, als hätten sie nichts gesehen.

106

wenn ich mir die menschen so ansehe, frage ich mich oft, warum sie
tun, was sie tun – sie verletzen sich gegenseitig mit taten und worten –
und alle sehen einfach darüber hinweg … ich frage mich, warum sie
sind, wie sie sind – rücksichtslos und kalt.
aber ich bin nur ein hund, der von seinem herrchen hier vergessen
wurde. ich kann den menschen nicht die augen füreinander öffnen.
vielleicht werden sie irgendwann einen weg finden, es selbst zu tun.

107

Katja Grohmann

Der Mann an der Kante

Es war heiß und drückend an diesem Tag, als ich durch die Straßen und
gemütlich an einem Stau vorbeischlenderte, in dem die Autos sich am
liebsten alle gleichzeitig an der Baustelle vorbeigedrängelt hätten.
Ein Verkehrspolizist versuchte, mit Winken und Rufen Ordnung in
dem heillosen Chaos zu schaffen, was ihm kläglich misslang.
Ich befand mich in einer dieser Hochhausschluchten und hielt kurz
inne, um die Sonnenstrahlen, die zwischen zwei Häusern hindurchlug-
ten, trotz der Hitze auf meinem Gesicht zu genießen. Ich hob den Kopf
und öffnete die Augen wieder.
Verwirrt blinzelte ich in das grelle Licht. Dort oben, auf dem Dach an
der äußersten Kante, da saß jemand! Dreißig Stockwerke über mir und
seine Beine baumelten in der Luft!
Ich hatte von solchen verrückten Geschichten gehört, wie Leute sich
von Hochhäusern stürzen, aber mit eigenen Augen zuzusehen, unvor-
stellbar!
Ich hastete zu dem Polizisten, während ich die schattenhafte Gestalt
nicht aus den Augen ließ. „Dort oben sitzt jemand auf dem Dach! Se-
hen Sie nur.“ Ich packte den Uniformierten am Ärmel und deutete hi-
nauf. Der Mann sah nicht einmal richtig hin, sondern schüttelte meine
Hand ab und warf mir einen Blick zu, als sei ich verrückt.
„Der sitzt dort oben schon seit Tagen, mach mal ruhig, Mädchen.
Wenn er sich aufrichtet und abschätzend hier runter starrt, dann kannst
du durch die ganze Stadt rennen und nach Hilfe schreien, klar?“
Für Momente fehlten mir die Worte.
„Seit Tagen?“ fragte ich. „Wieso hat niemand davon gehört?“
„Die Presse beschränkt sich darauf Kleingetier am Boden aufzuspie-
ßen, anstatt den Himmel zu beobachten.“
„Wieso holt ihn keiner runter?“
„Er hat versprochen, dass er nicht springt, ehe er stand.“ Der Polizist
zuckte mit den Schultern. „Also lassen wir ihn in Ruhe über Gott und
die Welt nachdenken.“

108

damit er meine Anwesenheit spürte und nutze die Gelegenheit ihn zu mustern. die er trug schienen bestenfalls aus ei- nem Müllcontainer zu stammen. auf der anderen Seite einen nachträg- lich eingebauten Fahrstuhl zu finden. Un- willkürlich fröstelte ich. ob ich nicht lieber umkehren sollte. Er hatte mich noch nicht bemerkt und ich hoffte. damit er mich aus dem Augenwinkel heraus bemerkte. man hätte die gesamte Stadt über- blicken können. Was sollte denn schon passieren. der sich gerade quer stellte. Einen Augenblick wartete ich. Vielleicht saß dort wirk- lich nur ein Verrückter. das ich von meinem Standpunkt aus nicht sehen konnte. ich wollte schließlich nur ein paar Worte mit dem Verrückten wech- seln. die zur Dachluke hinaufführte. Nach einigen unentschlossenen Minuten überquerte ich die Straße und ging zu einem der Wohnhauseingänge. Die Lumpen. Er hatte die Hände in den Schoß fal- len lassen und saß gebückt mit hängenden Schultern. Verwirrt über die seltsame Neuigkeit sah ich noch einmal zu dem Schatten hoch und wusste nicht. Steintreppen führten zur Linken nach oben und ich war ungemein erleichtert. „Was tun Sie hier?“ fragte ich. 109 . Am hinteren Ende gab es eine schmale Leiter. Dort saß er und schaute hinab auf das geschäftige Treiben. wenn ich ihn unvermittelt ansprach.Er wandte sich wieder dem Verkehrstreiben zu und brüllte etwas zu ei- nem roten Audi hinüber. als ich einen Schritt zur Seite gegangen war. was ich denken sollte. Von hinten sah er alt und mitgenommen aus. dass er nicht erschrecken würde. der mit dem Leben abgeschlossen hatte und nicht mehr weiterwusste. Die Aussicht war fantastisch. Die Tür war unverschlos- sen und so trat ich ein und fand mich in einem kalten Flur wieder. Auf dem Dach war es noch brütender als auf den Straßen. Wäre der Tower neben uns nicht gewesen. sein schwarzes Haar hing ihm in langen Strähnen bis auf die Schultern und sein Nacken und sein Rücken waren vom Son- nenbrand gerötet. doch ein Windhauch kühlte meine Wangen. Doch meine Neugier siegte. Die Fahrstuhltür öffnete sich und ich schaltete das Licht im Flur an. Ich fuhr hinauf bis in den letzten Stock und überlegte währenddessen mehrmals.

deswegen sagte ich unsicher: „Herausfinden. doch sein Gesicht war von Leid gezeichnet. doch als ich ihm einen Schluck aus meiner Wasserflasche anbot.“ Etwas erwachte in seinem Blick und er schien mich neu zu mustern. „Ich schaue euch zu. was du hier machst?“ Er rang sich ein gequältes Lächeln ab. die man liebt. „Hast du gar nichts. sagte er schließlich mit rauer Stimme. was dich hier hält?“ Einen Moment herrschte Schweigen und ich setzte mich mit unter- geschlagenen Beinen – und weit genug von der Kante entfernt – neben ihn. „Du weißt nicht. schnappte ich überrascht nach Luft. obwohl die Sonne uns im Nacken brannte. ihn eigenhändig hinabzustoßen. Seine Augen richteten sich auf mich und ein kalter Schauer durchführ mich.“ Der Junge dachte über meine Worte nach und das Schweigen dauerte 110 . Er schien nicht son- derlich angetan. „Und was machst du hier?“ Ich wusste nicht so recht was ich antworten sollte. dass er nicht mehr mich sah. „Weil ich nicht sicher bin. Du weißt nicht. Und ich werde sie nie vergessen. dass das Leben auch ohne sie weitergeht“. antwortete ich und wurde von meinen Erinnerungen schmerzhaft eingeholt. sagte er mit schlichter Sachlichkeit. wie es ist. sterben nicht. ob ich weiterleben will oder nicht“. begann er mit gesenkter Stimme. ehe man sie ver- gisst. wenn man schreit und weint und dazu noch ausgelacht wird. führ ich fort. „Menschen. dass du ein dummer Fehler warst?“ „Ich habe seit zwei Jahren keine Mutter mehr“. „Das tut mir leid. wie es ist. Sein Blick war so anklagend als hätte ich ihn mit der Androhung begrüßt. wie es ist“. „Aber ich habe erkannt. wie ihr in einer Welt voller Lügen zurecht- kommt“. dass deine eigene Mutter dich schlägt und dir jeden Tag aufs Neue sagt. Wieder lief mir ein Schauer über den Rü- cken. „Wieso bist du hier?“ fügte ich hinzu. Kannst du dir vor- stellen. der einem zuhört. schreckliche Dinge.Als er sich zu mir wandte. mich hier oben anzutreffen. „Du weißt nicht. Sein Blick wurde leer und ich wusste. wenn man nie- manden hat. Einen Blick nach unten wagte ich nicht. Der Kerl war höchstens ein paar Jahre älter als ich. sondern andere. nahm er zögernd an.

Als ich das Hochhaus wieder verlassen hatte und zu dem Schatten des jungen Mannes aufschaute. als wärst du nicht mehr wert als eine stinkende Ratte in der Kanalisation? Niemand interessiert sich für dich und dein Leben. ohne Vor- warnung. um ihn so verzweifeln zu las- sen. Deswegen war er hier. dass das. ausreichte. so verschwieg er es mir. spürte ich seinen Blick auf mir ruhen. versprach ich ihm. dass er mir noch nicht alles erzählt hat- te. „Erzähl mir von dir“. „Hast du dich je wie der letzte Dreck gefühlt. wenn er nichts dagegen hatte. dass er allein sein wollte. Sein Schmerz saß tiefer. „Ich weiß keinen anderen Ausweg mehr. morgen wiederzukommen. Deswegen bin ich hier. Doch sollte dort noch etwas anderes gewesen sein. dass meine Probleme plötzlich völlig unbedeutend wurden. bis du das Zeug atmest und fast erstickst? Hast du das je erlebt?“ Ich schüttelte mitfühlend den Kopf und vergaß den Kummer um meine Mutter. 111 . fällst mit dem Gesicht in den Schlamm und wirst noch hin- eingedrückt. Das Schweigen dauerte an und ich begriff. denn ich konnte mir nicht vorstellen. Diesem Jungen ging es soviel schlechter als mir. Du wirst von hinten getreten. was er erlebt hatte. bat ich.unangenehm lange an. Stattdessen musterte er mich ein weiteres Mal und in seinen Augen las ich Leere.“ „Was ist passiert?“ Ich wusste. Bevor ich ging. Er nickte müde.

Erfurt. Jahrgang 1985. Jahrgang 1976. Jahrgang 1978. Jahrgang 1989. seit 2006 Tätigkeit im St.a. Veröffentlichungen: „Ver- diente Ungerechtigkeiten. Zeichen & Wunder. derzeit Studium der Medizin CHRISTIAN GUTSCHE. seit Mai 2005 Verlagsvolontärin in Berlin. derzeit Studium der Poli- tik. diverse Veröffentlichungen im Eigenverlag LENA HAMMERSCHMIDT. Erfurt. Jahrgang 1985. derzeit Studium der Visuellen Kom- 113 . 101 Aphorismen“ (2005) sowie Veröffentli- chungen in Anthologien und Zeitschriften.und Kulturwissenschaften in Leipzig. eingeladen zum Treffen Junger Auto- ren 2004. Jahrgang 1987. Zu den Autorinnen und Autoren STEFANIE BODEN. Jahrgang 1985. L.aphorisma- nia.de INGA GRUNDKE. derzeit in Leipzig. derzeit Sportgymnasium Erfurt mit Leistungssport Eiskunstlauf. derzeit Gymnasiums in Erfurt ANDRÉ KIRCHNER. Promotion über Shakespeare. derzeit Studium der Physik in Bremen. Veröffentlichungen u. aufgewachsen in Ilmenau. in Nagelprobe. Webseite: www. Studium der Medien. Jahrgang 1990. Kleinrudestedt. Jahrgang 1982. hEFt. Jahrgang 1985. arbeitet derzeit im kaufmännischen Bereich. Diplom-Ingenieur für Geodäsie. Ben- no-Verlag Leipzig CLARA EHRENWERTH. seit 2006 Teilnahme an Poetry Slams. Sozialwissenschaften und Makroökonomie in Stuttgart und Bor- deaux MAGDALENA KESSLER. Fantasy-Roman „Xanadu“ in Arbeit TOBIAS GRÜTERICH. Der Literaturbote KERSTIN HOLZHEU. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften KATJA GROHMANN. Studium in Jena. ist dort gerade auf dem Weg von einem abgebrochenen Studium zu ei- nem hoffentlich erfolgreicheren.

Veröffentlichungen in deutschsprachi- gen und polnischen Literaturzeitschriften und Anthologien. Gründer und Chefredakteur der Schülerzeitung Kellerfenster. nach Studium der Literaturwis- senschaft in Erfurt und Dublin derzeit Promotion in Zürich. Konkursbuch Verlag). zwei Fotobände mit Thomas Karsten. seit Oktober 2005 Studium der Kommunikationswissenschaft und der Li- teraturwissenschaft in Erfurt CHRISTOPH SCHUBERT. Ort der Augen. derzeit Studium der So- zialpädagogik. Freitag. Jahrgang 1988. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien 114 . Marktredwitz (Bayern). Jahrgang 1990. arbeitet als Auto- rin. regelmäßige Teilnahme am Treffen Junger Autoren bei den Berli- ner Festspielen FRANZISKA SCHRAMM. Endrunde MDR-Preis. Jahrgang 1984. Veröffentlichungen u.a. zurzeit Abitur in Ruhla. PAULINA SCHULZ. Braunschweig. „auf dem pfade somnia“ (2007) ULRIKE RAUCHMAUL. Jahrgang 1985. Bad Berka.paulinaschulz. Mitglied in The- atergruppe Kreuz AS.de CHRISTOPH STEIER. diverse Auszeichnungen bei Literaturwettbewerben (u. Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 1973 in Polen geboren. Jahrgang 1988. Platz Regensburger Schriftstellergruppe International 2006 JOHANNES MILLAN.munikation in Offenbach ELISABETH LUTHER. lebt seit 1989 in Deutschland. Kurzpro- saband „Wasserwelt“ (2005. Jahrgang 1979. Jahrgang 1985. in junge Welt. derzeit Abitur in Jena KATRIN MERTEN. derzeit Studium der Soziologie und Geschichte in Erfurt MARCUS QUENT. Eigenveröffentlichungen: „2005 Jahre danach“ (2006). beim Würth-Preis. derzeit Gymnasium in Gebe- see. Übersetzerin und Dozentin. Entwür- fe.a. Jahrgang 1982. Junges Literaturforum). Federwelt. Website: www. derzeit Studium der Wirt- schaftsinformatik in Ilmenau. 2.

a. Der Literaturbote. lebt und arbeitet in Erfurt. hEFt). Die Niemandsrose. Ver- öffentlichungen u. Köln. Veröffent- lichungen in verschiedenen Anthologien und Literaturzeitschriften (L. Bangkok.und Medienwissenschaften in Leipzig.: Studium der Literaturwissenschaft. in Libri.MARTIN TANZ. Website: www. Der Literaturbote. derzeit Studium der Psycho- logie in Magdeburg. Erfurt. Nagelprobe 21 und L.a. Preise (Auswahl): 2.de DANIEL WINDHEUSER. franziska-wilhelm. Zeichen & Wunder. Stationen u. Jahrgang 1987. mehrmalige Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen/Thüringen. derzeit Studium der Kommunikations. 115 . Jahrgang 1978. Platz im Wettbewerb des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen (2004). Philosophie und Kunstgeschichte. Palmbaum. Jahrgang 1981. Weimar. Bamberg. Wiederholte Einladung zur Autorenwerkstatt in Bad Salzhausen. Redaktionsmitglied der Schülerzeitung Berg Beat und Mitarbeit bei der Theatergruppe am Marie-Curie-Gymnasium Bad Berka FRANZISKA WILHELM.

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