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Karl Heim

Die Sünde wider den Heiligen Geist*

Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung wider
den Heiligen Geist wird den Menschen nicht vergeben.
Und wer etwas redet wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet wider den
Heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.
Setzt entweder einen guten Baum, so wird die Frucht gut; oder setzt einen faulen Baum, so wird die Frucht
faul. Denn an der Frucht erkennt man den Baum.
Ihr Otterngezüchte, wie könnt ihr Gutes reden, dieweil ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der
Mund über.
Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem guten Schatz des Herzens; und ein böser Mensch bringt
Böses hervor aus seinem bösen Schatz.
Ich sage euch aber, daß die Menschen müssen Rechenschaft geben am Jüngsten Gericht von einem
jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben.
Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.

Mt 12, 31-37

Als ich vor Jahren in einer größeren deutschen Stadt über das Rätsel des Todes einen Vortrag zu
halten hatte, legte mir eine Mutter eine schwarzumränderte Todesanzeige aufs Pult, in der der Tod ihres
Sohnes mitgeteilt war. Auf diese hatte sie mit Bleistift und mit zitternder Hand diese Worte geschrieben:
"Mein Sohn ist gestorben, ohne Christus gefunden zu haben. Gibt es für ihn noch eine Rettung?" Damit ist
eine Frage aufgeworfen, die heute Tausende bewegt. Denn wir leben in einer Zeit, in der oft täglich tausend
und abertausend Menschen durch Erdbeben, Bombenangriffe und andere Katastrophen plötzlich und
unvorbereitet aus diesem Leben abgerufen werden, darunter viele junge Menschen, die noch mitten im
weltanschaulichen Ringen stehen. Wenn nicht, wie ja viele annehmen, mit dem Tode alles aus ist, wenn es
vielmehr ein Fortleben gibt, so können wir dabei der Frage nicht aus dem Wege gehen: Ist das Erbarmen
Gottes über uns Menschen tatsächlich grenzenlos? Stehen die Tore des Vaterhauses für alle Menschen
und für alle Zeiten immer offen? Oder gibt es eine Grenze für die Vergebung Gottes? Gibt es für uns
Menschen einen Punkt, von dem an es keine Rettung mehr für uns gibt? Es hat keinen Wert, wenn wir auf
diese schwerwiegende Frage durch eigenes Nachdenken eine Antwort suchen. Denn da ist der Wunsch der
Vater des Gedankens. Die Entscheidung über unser ewiges Schicksal richtet sich ja nicht nach unseren
Wünschen, sie liegt nicht in unserer Hand. Wir können nicht darüber verfügen. Wir können uns darum mit
dieser schweren Frage nur an die Stelle wenden, an der die Entscheidung über unser aller ewige Zukunft
fällt, an den, vor dessen Richterthron wir alle einmal erscheinen müssen. Christus gibt uns in unserem
Evangelium eine Antwort auf diese Frage. Er gibt sie in zwei gewaltigen Sätzen, die jedenfalls auf den
ersten Blick in einem unvereinbaren Gegensatz zueinander zu stehen scheinen, die wir aber beide in ihrer
ganzen Wucht auf uns wirken lassen müssen. Der erste Satz heißt: "Ich sage euch: Alle Sünde und
Lästerung wird dem Menschen vergeben." Der zweite Satz heißt: "Aber die Lästerung wider den Geist
Gottes kann nicht vergeben werden, weder in dieser noch in der anderen Welt."

1.

"Alle Sünde und Lästerung wird dem Menschen vergeben." Bei diesem ersten Satz ist es uns, als
würden wir in einen großen, weiten Dom eintreten, von dessen Türmen alle Glocken läuten, um die
Menschen einzuladen, und zu dessen Toren von allen Seiten her die Menschen hereinströmen, alte und
junge, gesunde und kranke, tugendhafte und schuldbeladene. Gottes Barmherzigkeit über alle Menschen
hat keine Grenzen. "Alle Sünden" können vergeben werden. Gottes Bereitschaft zu vergeben, ist also weder
begrenzt durch die Zahl noch durch die Schwere unserer Sünden. Bei uns Menschen sind ja, wie wir alle
wissen, der Kraft, einander zu verzeihen, enge Schranken gezogen. In leichten Fällen, wenn es zum
Beispiel einmal einen Streit im Hause gab und uns jemand ein Schimpfwort an den Kopf geworfen hat, für
das er aber gleich nachher um Verzeihung bittet, da können wir ihm die Hand hinstrecken und sagen, es soll
alles zwischen uns wieder gut sein. Aber sobald uns ein Mensch eine schwere Wunde geschlagen hat,
merken wir sofort die Grenze unserer Vergebungskraft. Da war zum Beispiel eine Krankenschwester, die ein
krankes Kind zu pflegen hatte. Sie hatte etwas Morphium in die Kindermilch hineingebracht und das Kind
starb. Die Schwester wurde schwer dafür bestraft. Sie tat auch Buße wegen dieses verhängnisvollen
Versehens und schrieb der Mutter des Kindes einen langen Brief, in dem sie innig um Vergebung bat. Diese
schrieb aber kurz und kalt zurück: "Der Mörderin meines Kindes kann ich niemals verzeihen." Das ist
menschlich begreiflich. Auch wenn wir uns in einem solchen Fall alle Mühe geben, zu vergeben und zu
vergessen, immer brennt die Wunde. Die Erinnerung an das Furchtbare, das der andere uns angetan hat,
steigt immer wieder herauf. Gott sei Dank, es gibt einen, der nicht an diese menschliche Schranke
gebunden ist. Für Gott gibt es keine Grenze des Verzeihens. In manchen unserer Gefängnisse sitzen in den
Zellen, wo die Todeskandidaten auf ihre Hinrichtung warten, Menschen, denen Hunderte ihrer Mitmenschen
fluchen, weil sie durch Mordtaten, Ehebruch und Trunksucht das Glück ganzer Familien zerstört haben.
Dennoch können sie in Frieden sterben, wenn sie in völligem Glauben ihre Schuld unter dem Kreuz
niedergelegt haben.

Es heißt in unserem Evangelium aber nicht bloß: "Alle Sünde wird den Menschen vergeben", es
wird noch hinzugefügt, "auch alle Lästerung". Im Markusevangelium heißt es noch deutlicher: "Alle Sünden
werden vergeben den Menschenkindern, auch die Gotteslästerungen, womit sie Gott lästern.". Es gibt heute
viele Menschen, denen all ihr Hab und Gut vernichtet worden ist und die dann die Fäuste gegen den
Himmel geballt und Gott geflucht haben, daß er so etwas zulassen konnte. Man sollte denken, Gott könnte
einen Menschen, der ihn gelästert hat, niemals mehr als sein Kind annehmen; auch wenn er in sich schlüge,
wie der verlorene Sohn, werde er das Vaterhaus verschlossen finden, weil er die Majestät Gottes beleidigt
hat. Aber Jesus sagt ausdrücklich: "Auch die Gotteslästerungen werden vergeben, womit sie Gott lästern."
Auch an dieser Stelle hat die Barmherzigkeit Gottes noch kein Ende. Weil Gottes Vergebung tatsächlich
grenzenlos ist, so kann jedes Verhältnis zwischen uns Menschen, das durch Schuld zerstört ist, wieder
zurechtgebracht werden, wenn beide ihre Schuld vor Gottes Thron bringen. Auch eine zerbrochene Ehe
kann auf diese Weise wieder zurechtgebracht werden, auch wenn sie durch eine noch so schwere Schuld
zu einer unglücklichen Ehe geworden ist. Jeremias Gotthelf erzählt einmal von zwei Eheleuten in einem
Berner Bauernhaus, die es nicht leicht miteinander hatten. Dennoch lebten sie glücklich. Was war das
Geheimnis ihres Eheglücks? Mann und Frau beteten jeden Abend von ganzem Herzen miteinander das
Vaterunser mit der Bitte: "Vergib uns unsere Schuld." Diese Vergebung Gottes war, sagt Gotthelf, wie ein
tiefer See. In diesen wurde jeden Abend aller Groll, der sich den Tag über angesammelt hatte, versenkt. So
kam es, daß die Sonne, wenn sie am andern Morgen wieder aufstieg, den Schatten nicht mehr sah, der bei
ihrem Untergang das Herz des einen oder andern verdunkelt hatte. Wir alle, denen der Glaube an den für
uns gekreuzigten Erlöser geschenkt ist, gleichen in der Tat Menschen, die am Ufer eines tiefen Sees
wohnen. Jeden Abend können wir den Groll und die Verbitterung, die sich den Tag über in unserem Herzen
angesammelt haben, in die Tiefen dieses Sees versenken. Dieser tiefe See ist die grenzenlose Bereitschaft
Gottes, uns zu vergeben.

Aber es gibt nicht nur keine auch noch so schwere Schuld oder Gotteslästerung, die Gott hindern
könnte, uns zu verzeihen. Jesus nennt noch etwas, von dem man denken sollte, es müßte ein
unübersteigliches Hindernis für Gottes Barmherzigkeit sein. "Und wer etwa redet (wörtlich: wer ein Wort
sagt) wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben." Wieviel verächtliche Worte sind gerade in der
neueren Zeit bis in unsere Tage hinein gegen Christus gesprochen worden. Was war es für ein blinder,
abgrundtiefer Haß gegen Christus, wenn Heinrich Heine beim Anblick eines Bildes des Gekreuzigten sagt:
"Grüß Gott, mein lieber Vetter, der du die Welt erlösen gewollt, du Narr, du Menschheitsretter!" Vor noch
nicht allzu langer Zeit ist das Wort gefallen: "Wir brauchen keinen krummnäsigen, plattfüßigen Heiland!"
Aber die trübe Flut von Christushaß und Christusverachtung mag noch so hoch emporbranden, auch heute
noch ragt über allem das Kreuz empor, an dem der Heiland für alle die betet, die Lästerworte zu ihm
hinaufgerufen haben: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!" Auch für die Christushasser
gibt es noch eine Rettung, auch ihnen können noch einmal die Augen darüber aufgehen, was sie getan
haben. Sie werden, wie es in der Offenbarung heißt, noch einmal weinen, wenn "sie sehen werden, in
welchen sie gestochen haben".

Und noch etwas darf hier gesagt werden (wenn es auch nicht ausdrücklich in unserem Evangelium
steht), was von entscheidender Wichtigkeit ist im Blick auf die Tausende, die heute aus diesem Leben
abgerufen werden, ehe sie innerlich zurechtgekommen sind. Auch das Ende dieser irdischen Gnadenzeit ist
nach der Schrift noch keine Grenze für Gottes Barmherzigkeit. Es heißt 1 Petr 4: "Denn dazu ist auch den
Toten das Evangelium verkündigt, auf daß sie gerichtet werden nach dem Menschen am Fleisch, aber im
Geist Gott leben." Für solche, die hier noch keine wirkliche Begegnung mit Christus gehabt haben, gibt es
also noch eine Möglichkeit der Rettung jenseits des Grabes. Das darf uns natürlich keinen Augenblick sicher
machen und auf den Gedanken führen: Nun, dann kann ich ja meine Hingabe an Christus auf die Zeit nach
dem Tode aufschieben. Aber wenn Menschen, die uns nahestehen, mitten aus ihrem inneren Ringen
heraus abgerufen worden sind, so dürfen wir gewiß sein: Ihre Entwicklung ist nicht abgerissen, wie eine
Melodie, die mitten im Satz abbricht, weil eine Saite gerissen ist. Auch mit ihrem Tod hat Gottes
Barmherzigkeit mit ihnen noch kein Ende. Das Ende dieses zeitlichen Lebens ist noch nicht die Grenze von
Gottes Vergebung.

2.
Wir haben aus alledem gesehen, daß Gottes Erbarmen in der Tat grenzenlos ist. Dennoch gibt es
eine Grenze der göttlichen Vergebung. Diese Grenze liegt in Gottes Bereitschaft, uns zu verzeihen. Gottes
Herz ist weit. Die Grenze liegt vielmehr in uns selber. Es gibt einen inneren Zustand des Menschen, durch
den Gottes Vergebung unmöglich wird. Das führt uns zu dem zweiten Heilandswort in unserem Evangelium,
das im Gegensatz zu dem ersten zu stehen scheint: "Wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird es nicht
vergeben, weder in diesem noch in dem kommenden Žon." Beim ersten Christuswort, von dem wir bisher
gesprochen haben, treten wir in einen weiten Dom, dessen Tore nach allen Seiten hin offenstehen. Beim
zweiten ist es, als wäre eine schwere Eisentür ins Schloß gefallen, die niemand mehr öffnen kann. Dieses
zweite Wort Jesu ist so schwer, daß schon manche Menschen darüber verzweifelt und in Schwermut
gefallen sind. Dennoch dürfen wir, die wir die Aufgabe haben, der Gemeinde das ganze Gotteswort
auszulegen, auch dieses zweite Wort nicht verschweigen oder verharmlosen. Wir müssen es in seiner
ganzen Gewalt auf uns wirken lassen, auch auf die Gefahr hin, daß es uns in schwere Anfechtung führt.
Warum ist der Barmherzigkeit Gottes an dieser Stelle eine unerbittliche Grenze gezogen? Warum können
Gotteslästerung und Verhöhnung Christi vergeben werden, aber die Lästerung des Geistes kann nicht
vergeben werden? Um dieses Geheimnis zu verstehen, müssen wir daran denken, was eigentlich
geschieht, wenn wir Menschen unter die Wirkung des Heiligen Geistes kommen. Die Ausgießung des
Geistes ist ja die Krönung des ganzen Erlösungswerkes. Es ist schon etwas Großes, wenn wir unter
gewaltigen Natureindrücken oder im Weltgeschehen das Rauschen der Schritte Gottes hören oder wenn
uns in den Evangelien die unvergleichliche Gestalt des geschichtlichen Jesus vor Augen tritt. Aber die
Pfingstgabe ist noch größer als das alles. In ihr kommt uns Gott noch näher. Paulus sagt: "Gottes Geist gibt
Zeugnis unserem Geist." Gott neigt sich hier also ganz persönlich zu jedem einzelnen von uns herab und
will Wohnung in unserem Herzen machen, so wie in der Weihnachtsgeschichte der Heiland der Welt im
armen Stall zu Bethlehem Wohnung machte. Wenn wir so reich beschenkt sind, dann ist damit das Größte
geschehen, was in unserem Leben überhaupt geschehen kann. Aber nun ist es mit unserem Verhältnis zu
Gott wie bei dem Verhältnis, in dem wir Menschen untereinander stehen. Wir können es wenigstens von
fern damit vergleichen. Wenn wir gegen einen Menschen Schimpfworte ausstoßen, der uns noch ganz
fernsteht, von dem wir vielleicht nur aus der Zeitung wissen oder der uns nur einmal einen Brief geschrieben
hat, dann ist es verhältnismäßig einfach, diese Sache wieder in Ordnung zu bringen. Vielleicht genügt eine
persönliche Begegnung mit der betreffenden Persönlichkeit, um das Mißverständnis zu beseitigen. Aber
ganz anders ist es, wenn ich einen Menschen kalt zurückstoße und mit ihm breche, der mir ganz
nahegekommen ist, der mir sein ganzes Herz aufgeschlossen und sich mir hingegeben und sich für mich
geopfert hat. Wenn ich einen solchen Menschen zurückstoße, dann ist etwas zerbrochen, was nie mehr
geheilt werden kann. So ist es auch in einem viel tieferen Sinn mit unserem Verhältnis zu Gott. Wenn ein
Mann, dem Gott noch eine ferne, unbekannte Macht ist, die er, wie das viele heutige Menschen tun, mit dem
Schicksal verwechselt, unter einem furchtbaren Schicksalsschlag die Fäuste gegen den Himmel ballt, wenn
etwa ein Bauersmann, dem in einer Viertelstunde kurz vor der Ernte der ganze Ernteertrag durch ein
Hagelwetter vernichtet wird, einen Fluch gegen Gott ausstößt, so wird Gott selbst dadurch ja gar nicht
betroffen. Der Fluch richtet sich gegen den "unbekannten Gott". Der Mann hat auf ein Zerrbild
losgeschlagen, das er sich selber von Gott gemacht hat. Das kann nach Jesu Wort vergeben werden. Oder
wenn ein Mensch, der kaum einmal in der Bibel gelesen hat, Christus mit Schmutz bewirft und etwa sagt:
"Mit diesem weichen Heiland kann ein kämpferischer Mensch überhaupt nichts anfangen", dann wird
Christus selbst durch ein solches Mißverständnis überhaupt nicht getroffen. Wer so spricht, der redet von
Christus wie der Blinde von der Farbe. Sein Urteil ist von Sachkenntnis ungetrübt. Wenn er einmal vor dem
Richterthron Gottes erscheinen muß, so wird er bald genug erfahren, daß der "weiche Heiland", über den er
gespottet hat, so gewaltig ist, daß die größten Helden der Weltgeschichte vor ihm zittern müssen. Er wird
merken, daß sein Lästerwort gegen Christus auf einem Mißverständnis beruht. Es kann darum vergeben
werden. Aber ganz anders ist es, wenn sich uns Gott durch seinen Geist persönlich zu erfahren gegeben
hat, wenn wir, wie es in Hebräer 6 heißt, "geschmeckt haben die himmlische Gabe ... und die Kräfte der
zukünftigen Welt", wenn wir dann in ein Lästerwort gegen die Macht ausbrechen, die uns so nahegetreten
ist, dann richtet sich unser Haß nicht gegen ein Zerrbild, das wir uns selbst von Gott zurechtgemacht haben
oder gegen einen mißverstandenen Christus, sondern gegen Gott selbst. Gott ist uns kein Unbekannter
mehr. Wir haben seine suchende Liebe erfahren. Wir wissen auch, daß er uns aus allen unseren Fesseln
befreien will, in die wir uns durch eigene Schuld geschlagen haben. Aber "wir wollen nicht, daß dieser über
uns herrsche". Wir wollen unsere eigenen Herren bleiben. Das ist bewußte Auflehnung gegen Gott. Das ist
die satanische Empörung gegen Gottes Willen. So war es bei den Pharisäern, denen Christus in unserem
Evangelium entgegentrat. Vor ihren Augen war eine unerhörte Siegestat Gottes geschehen. Ein besessener
Mensch, der blind und stumm war, war mit einem Schlag von seiner dämonischen Gebundenheit befreit
worden, und alle Ketten waren von ihm abgefallen. Auch die Pharisäer standen unter dem überwältigenden
Eindruck von Gottes Geistesmacht; aber sie wollten sich nicht beugen. Und so kamen sie auf ein Mittel, wie
es nur eine teuflische Intelligenz ersinnen konnte, um den Eindruck zu verwischen, den Christi Tat auf das
Volk gemacht hatte. Sie sagten: Wir geben zu, der besessene Mensch ist befreit worden und Christus war
das Werkzeug seiner Befreiung, aber "er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, der Teufel Obersten". Damit
hatten sie alles auf den Kopf gestellt. Sie hatten die Siegestat Gottes als Teufelswerk bezeichnet. Damit
sind sie aber selbst auf die Seite des Satans getreten. Mit dem Satan aber kann Gott in alle Ewigkeit keinen
Frieden schließen. Denn Gott läßt seiner nicht spotten. Mit dem Satan kann Gott nie paktieren oder sich an
einen Verhandlungstisch setzen. Hier gibt es nur den totalen Krieg bis zum furchtbaren Ende, bei dem es
nur noch Vernichtete und Überlebende geben kann.

Wenn wir Menschen uns bewußt gegen den erkannten Willen Gottes auflehnen, dann haben wir uns
in diese satanische Empörung hineinziehen lassen. Wir haben uns vom Feinde Gottes als Werkzeuge
gebrauchen lassen. Dadurch schließen wir uns aber selber von der Vergebung Gottes aus. Bei Menschen,
die sich dazu hinreißen lassen, brechen darum unwillkürlich satanische Lästerworte aus ihrem Herzen
hervor. Der Lästergeist kommt über sie. Dadurch wird aber die Vergebung zur inneren Unmöglichkeit. Wir
alle können das, was Christus hier von der Sünde wider den Heiligen Geist sagt, nur mit innerem Zittern
lesen. Denn was hier gesagt wird, geht ja zunächst nicht die Weltmenschen an, die noch nichts von der
Kraft Gottes erlebt haben und von der Erlösung nur wie der Blinde von der Farbe reden können. Es geht
vielmehr uns an, die wir vielleicht schon in unserer Jugend den tiefen Frieden erfahren haben, der in unser
Herz einströmt, wenn unser Leben nicht mehr uns selber, sondern Gott gehört, und die es immer wieder
erleben durften, was für eine tiefe Ruhe selbst in Todesgefahr und Schreckensnächten über uns kommt,
wenn wir ganz in Gott geborgen sind und seine Gegenwart in dauerndem Gebetsumgang unmittelbar
spüren. Aber gerade auf uns, denen Gott schon nahegetreten ist, richtet der Feind Gottes seinen
Hauptangriff. Er will uns um jeden Preis den Segen wieder rauben, der uns geschenkt worden ist, und uns
aus der Festung wieder hinauswerfen, in der wir geborgen sind. Ein Seelsorger, den ich gut kenne, wurde
nachts zu einem Mann gerufen, der, wie es schien, im Sterben lag. Seine Frau bat den Geistlichen, mit ihm
zu beten. Er sagte ihm die stärkenden Worte von der Versöhnung durch Christus, die in der Schrift stehen,
und die Verheißungen der kommenden Herrlichkeit, an der wir teilnehmen sollen. Der Schwerkranke faltete
die Hände und wurde ganz still und von innerem Frieden durchströmt. Der Geistliche hatte noch einen Gang
zu tun und kam nach einer halben Stunde wieder, um noch einmal nach dem Kranken zu sehen. Zu seinem
Staunen fand er die ganze Szene verwandelt. Der Kranke hatte sich im Bett aufgerichtet und sagte
triumphierend: "Die Krisis ist überstanden, jetzt darf ich noch einmal ins Leben zurückkehren.". Der
Seelsorger sagte ihm: "Nun bleiben Sie aber auch fest bei dem, was Christus Ihnen in dieser schweren
Stunde geschenkt hat!" Da schlug der Kranke ein teuflisches Gelächter an und sagte: "Nein, Herr Pfarrer,
das habe ich jetzt nicht mehr nötig!" Welch eine furchtbare Lästerung. Gott war diesem Mann ganz
nahegetreten, aber nun hatte eine starke Woge von Weltlust und Lebensfreude den ganzen
Zusammenhang wieder zerrissen, in den er mit Gott gekommen war, und er hatte die vergebende Hand
Gottes mit Verachtung wieder zurückgestoßen. Das ist Sünde gegen den Heiligen Geist. Wenn etwa einer
von uns bekümmert ist, weil ihm die Frage zu schaffen macht, ob er nicht die Sünde wider den Geist
begangen haben könnte, dann hat er sie sicher nicht begangen. Er verlangt ja gerade nach der
Gemeinschaft mit Gott. Er hat Gottes Hand noch nicht zurückgestoßen. Sein innerer Zusammenhang mit
Gott ist noch nicht zerrissen. Aber sobald es dem Feind unserer Seele gelungen ist, den
Gebetszusammenhang zwischen Gott und uns zu zerreißen, stehen gerade wir, die Gottes Gnade schon
erfahren haben, in der allergrößten Gefahr, unter satanische Einflüsse zu geraten. Sobald das aber
geschieht, nähern wir uns einem Punkt, von dem an keine Rettung mehr möglich ist. Ich stand einmal vor
Jahren oberhalb des Niagarafalls. Dort sind die stärksten Stromschnellen der Welt, in deren tiefste Tiefe
noch kein Taucher eindringen konnte. Dort ist eine Stelle, wo auf einer Tafel steht: "Von hier ab keine
Rettung mehr!" Bis zu dieser Stelle kann vielleicht ein sehr starker Schwimmer noch einige Meter
stromaufwärts kommen, wenn er alle seine Kräfte zusammennimmt. Ein Motorboot mit einem sehr starken
Motor kann noch ganz langsam stromaufwärts fahren. Aber von da an ist keine Rettung mehr. Die Strömung
ist zu stark, sie reißt alles, was sich ihr entgegenstellt, hinunter bis zu der Stelle, wo es durch die stürzenden
Wellen in die Tiefe gerissen wird, in der es zerschellt. Das ist ein Bild für die gefährliche Lage, in die wir
Menschen kommen, wenn das innere Band zerrissen ist, das uns mit Gott verbindet, der sich um uns
angenommen hat. Eine Zeitlang können wir uns innerlich noch aufrechterhalten, wenn wir alle Willenskräfte
anstrengen. Aber wir sind in eine gefährliche Strömung hineingeraten und kommen dem Punkt immer näher,
von dem an keine Rettung mehr möglich ist. Das ist die Grenze des göttlichen Erbarmens, die innere
Haltung, in der keine Vergebung mehr möglich ist.

Wir haben gesehen, wie grenzenlos Gottes Barmherzigkeit mit uns ist, aber es ist uns auch deutlich
geworden, was für eine ernste Sache es ist, wenn der heilige Gott sich um uns angenommen hat und wenn
wir uns dennoch bewußt gegen ihn auflehnen. Durch die heutige Zeit gehen starke Strömungen, die uns von
Gott losreißen wollen. Die Hetze und Überlastung unseres Alltags läßt Tausende nicht mehr zur inneren
Stille kommen, und die Gottlosigkeit hat in weiten Kreisen überhand genommen, so daß sich niemand ihrem
unheimlichen Einfluß ganz entziehen kann. Aber wir dürfen auch im Blick auf die heutige Lage unseres
ganzen Volkes immer wieder die Bitte an Gott richten:

Ach bleib mit deiner Gnade


bei uns, Herr Jesu Christ,
daß uns hinfort nicht schade
des bösen Feindes List!

Summary:

Jesus asserts in Matthew 12:31-37 that God's mercy and forgiveness are without limit, even for those who
die without knowing God, or who have even rejected a caricature of God which they mistake for the real
God. The one point of limitation to God's forgiveness is not placed by God, but by those who have been
offered God's Spirit, the crown of the work of salvation, but reject it, thereby cutting themselves off from
forgiveness. Such rejection is satanic, and God and Satan are never to be reconciled.