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Quantenteleportation

von Wolfgang Pfaff

Vortrag im Rahmen des Seminars Quantenoptik, Sommersemester 2006


Universität Regensburg, NWF II (Physik)
Dozenten PD Dr. U. T. Schwarz und Dr. P. Schlagheck

gehalten am 19.07.2006
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Grundlagen 2
1.1 Teleportation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1.2 Qubits und deren Transformationen . . . . . . . . . . . . . . 3
1.3 Verschränkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

2 Experimentelle Grundlagen 4
2.1 Bell-State-Analyser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2 Erzeugung von EPR-Paaren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

3 Experimente 6
3.1 Protokoll nach Bennett . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
3.1.1 Prinzip . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
3.1.2 Experimenteller Aufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
3.1.3 Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
3.1.4 Teleportation von Verschränkung . . . . . . . . . . . . 12
3.2 Zwei-Teilchenschema . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
3.3 Teleportation kontinuierlicher Quantenvariablen . . . . . . . . 17

4 Quellen und Literatur 21

1
1 Einleitung und Grundlagen
1.1 Teleportation
Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, der Teleportation von Quanten-
zuständen, könnte man sich spaßeshalber fragen, was man sich denn naiver-
weise überhaupt unter dem Begriff der Teleportation vorstellt. Durchforstet
man die einschlägige Science Fiction-Literatur, so findet man folgende maß-
geblichen Punkte, auf die sich das Prinzip eigentlich immer stützt:

• Auflösung und Informationsextraktion. Dies ist immer der erste


Schritt im Teleportationsprozess. Das zu transferierende Objekt wird
aufgelöst, also zerstört, und im gleichen Schritt wird die vollständige
Information über das Objekt gemessen und gespeichert.

• Informationsübertragung und Zusammensetzung. Die gemes-


sene Information über das Objekt wird durch einen Informationskanal
welcher Art auch immer geschickt. Am Zielort wird an Hand dieser
Information das Original repliziert, und zwar aus lokal vorhandenen
Resourcen.
Wir halten also fest: Das Objekt selbst wird nicht dupliziert, wie et-
wa bei einer Fax-Übertragung. Außerdem findet kein Transport des
Objekts, auch nicht der Materie aus der es besteht, statt.

Wir werden sehen, dass diese Eckpfeiler auf denen das Beamen in der Science
Fiction beruht, auch bei der Übertragung von Quantenzuständen zum Tra-
gen kommen.
Betrachten wir nun nach der phantastischen die wissenschaftliche Seite,
so stellen wir fest dass Teleportation von den meisten Forschern lange Zeit
für absolut unmöglich angesehen wurde. Dies gründet vor allem auf der Hei-
senbergschen Unschärferelation, die besagt, dass Quantenmechanische Ope-
ratoren die nicht miteinander kommutieren nicht zeitgleich beliebig genau
gemessen werden können. Demzufolge ist es nicht möglich, alle Quanten-
informationen eines Objekts zu messen, und ohne diese Information kann
keine exakte Replik hergestellt werden. Erst 1993 wurde von Bennett et
al. ein Schema präsentiert, das Quantenzustände teleportieren kann, ohne
sie Messen. Dazu macht man sich EPR-Paare, also Teilchen deren Zustände
verschränkt sind, zu Nutze. Dieses Schema soll später ausführlich vorgestellt
werden.
Abgesehen von der Grundlagenforschung ist eine Motivation für die Tele-
portation von Quantenzuständen der mögliche Einsatz in Quantencompu-
tern, auch wenn bis dahin vermutlich noch viel Zeit verstreichen wird. Es
wäre beispielsweise denkbar, die Teleportation zum schnellen und sicheren
Übertragen von Informationen innerhalb oder auch zwischen Quantencom-
putern einzusetzen.

2
Im Folgenden sollen nun kurz einige essenzielle Grundlagen aus dem
Bereich der Quantentheorie wiederholt werden. Diese wurden großteils schon
in vorhergehenden Vorträgen im Seminar näher behandelt, weswegen wir uns
hier auf eine kurze Zusammenfassung beschränken werden.

1.2 Qubits und deren Transformationen


Ein Qubit ist die Quantenentsprechung zum Bit, der grundlegenden Ein-
heit der Informationstechnik. Genau wie beim Bit werden dafür zwei Ba-
siszustände benötigt, es können also prinzipiell alle Quantensysteme mit
mindestens zwei verschiedenen Zuständen dafür herangezogen werden. All-
gemein hat ein Qubit die Form

|Qi = α|0i + β|1i, |α|2 + |β|2 = 1, (1.1)

wobei der Zustand normiert sein soll und die Basiszustände |0i und |1i zu-
einander orthogonal sind. Es handelt sich bei dem Zustand |Qi wohlgemerkt
um eine kohärente Superposition und nicht um ein beliebiges Gemisch. Dies
bedeutet, dass es eine Basis gibt, in der |Qi wohldefiniert ist.
Mit die wichtigste Transformation an Qubits ist die HadamardTransfor-
mation. Sie ist folgendermaßen definiert:
1
H|0i 7−→ √ (|0i + |1i)
2
1
H|1i 7−→ √ (|0i − |1i) (1.2)
2
Wenden wir die Hadamard-Transformation als beispielsweise auf den Zu-
stand |Q0 i := √12 (|0i + |1i) an, so erhalten wir H|Q0 i = |0i. Wir sehen also,
dass der Zustand nun wohldefiniert ist, was mit einer inkohärenten Mischung
niemals möglich ist.

1.3 Verschränkung
Prinzipiell ist der Zustand zweier verschränkter Qubits von der Form
1
|Ψi = √ (|0i1 |1i2 + eiχ |1i1 |0i2 ), (1.3)
2
wobei wir uns der Einfachheit halber auf χ = 0 beschränken. Verschränkte
Zustände sind nicht weiter in Teilzustände faktorisierbar. Das Bemerkens-
werte an verschränkten Zuständen ist, dass alle beteiligten Zustände zunächst
völlig undefiniert sind. Wird allerdings an einem der beteiligten Partner eine
Messung durchgeführt, so befinden sich sofort (wirklich instantan, man geht
heute davon aus dass dieser Vorgang nicht-lokal ist) beide Teilchen in einem
wohldefinierten Zustand. Misst man also im obigen Beispiel bei Teilchen 1

3
den Zustand |0i1 , so ist sofort klar, dass sich Teilchen 2 im Zustand |1i2
befinden muss.
Für unsere Zwecke von Bedeutung sind insbesondere die Bellzustände.
Diese sind definiert als
1
|Ψ+ i = √ (|0i1 |1i2 + |1i1 |0i2 )
2
1
|Ψ− i = √ (|0i1 |1i2 − |1i1 |0i2 )
2
1
|Φ+ i = √ (|0i1 |0i2 + |1i1 |1i2 )
2
− 1
|Φ i = √ (|0i1 |0i2 − |1i1 |1i2 ). (1.4)
2
Sie bilden eine vollständige orthogonale Basis für zwei verschränkte Qubits.

2 Experimentelle Grundlagen
Bevor nun im Genaueren die wichtigsten Experimente vorgestellt werden,
sollen hier noch einige wichtige experimentellen Grundlagen geklärt werden,
ohne die die Teleportation nicht denkbar ist.

2.1 Bell-State-Analyser
Damit die Teleporation durchgeführt werden kann, müssen zwei Teilchen,
eines davon Teil eines EPR-Paares und ein Teilchen dessen Zustand trans-
feriert werden soll, miteinander verschränkt werden (genauer bei der Vor-
stellung des ursprünglichen Schemas). Dies erfolgt durch eine Bell-State-
Analyse, das heißt der Gesamtzustand der beiden Teilchen wird auf einen
der vier Bellzustände projeziert.
Dies geschieht, wenn wir davon ausgehen dass wir zwei Photonen in
ihrer Polarisation verschränken wollen (so wie im ersten ersten erfolgrei-
chen Experiment geschehen), mit der Hilfe von 50/50-Strahlteilern (Abb.
1). Diese funktionieren wie folgt: Für beide möglichen Eingangszustände

Abbildung 1: Schema eines 50/50-Strahlteilers

(also die beiden Eingänge des Strahlteilers) ist die Wahrscheinlichkeit, an

4
einem der beiden Ausgänge wieder auszutreten jeweils genau 50%. Genauer
gesagt: Für den Fall, dass wir fixe Phasenbeziehungen haben (auf diesen Fall
werden wir uns hier beschränken), entspricht ein solcher Strahlteiler einer
Hadamard-Transformation. Betrachten wir also exemplarisch einen Zustand

|Qiin := α|0iin + β|1iin , (2.1)

so wird er sich durch den Strahlteiler transformieren zu


1
|Qiout = H|Qiin = √ ((α + β)|0iout + (α − β)|1iout ). (2.2)
2
Interessante Fälle ergeben sich für α = ±β, sprich für den Fall dass im
Ausgangszustand |0iin und |1iin gleichwahrscheinlich auftreten – in diesem
Falle kommt es nur an einem Ausgang des Strahlteilers zum Austritt. Für
α = 0 oder β = 0 ergibt sich genau der eingangs erwähnte Fall, d.h. ein
Austritt ist für beide Ausgänge gleichwahrscheinlich.
Photonen, die wir ja hier betrachten, sind bekanntlich Bosonen, sprich
ihre Gesamtwellenfunktion ist total symmetrisch. Da wir eine Verschränkung
in der Polarisation betrachten, sind die Bellzustände in diesem Fall nur eine
Basis für die inneren Zustände während wir den räumlichen Teil, der für die
vollständige Information nötig ist, bisher außer Acht gelassen haben. Die
möglichen räumlichen Teile der Gesamtwellenfunktion sind ihrerseits auch
wieder entweder total symmetrisch oder antisymmetrisch:
1
|ΨA i12 = √ (|ai1 |bi2 − |bi1 |ai2 )
2
1
|ΨS i12 = √ (|ai1 |bi2 + |bi1 |ai2 ) (2.3)
2
Als Gesamtzustände sind folglich möglich |Ψ+ i|ΨS i, |Ψ− i|ΨA i, |Φ+ i|ΨS i
und |Φ− i|ΨS i. Man beachte dass nur |Ψ− i mit der antisymmetrischen Orts-
wellenfunktion verknüpft ist, da nur dieser Bellzustand seinerseits antisym-
metrisch ist. Betrachten wir nun eine Hadamard-Transformation, angewandt
auf den antisymmetrischen Ortszustand:
1
H|ΨA i12 = √ (|ci1 |di2 − |di1 |ci2 ) = |ΨA i12 (2.4)
2
|ΨA i12 ist also ein Eigenzustand der Hadamard-Transformation. Für das
Experiment bedeutet dies, dass wenn zwei Photonen an einem Strahlteiler
interferieren und auf den Bellzustand |Ψ− i projeziert werden, auch an beiden
Ausgängen ein Photon austritt. Bei den anderen drei Bellzuständen ist dies
nicht der Fall. Somit haben wir eine Möglichkeit, den Zustand |Ψ− i eindeutig
von den anderen zu unterscheiden. Im Experiment werden dann eben nur
Ereignisse, bei denen dieser Zustand gemessen wird berücksichtigt, während
die anderen Bellzustände einfach verworfen werden.

5
Der Vollständigkeit halber: Bei Fermionen verhält es sich dann genau
umgekehrt, nur beim Zustand |Ψ− i findet ein Austritt nur an einem der bei-
den Ausgänge statt, wodurch er wieder eindeutig von den anderen Zuständen
unterschieden werden kann.

2.2 Erzeugung von EPR-Paaren


Zur Erzeugung von verschränkten Photonen verwendet man am häufigsten
parametric down-conversion. Es handelt sich dabei um einen nichtlinearen
optischen Prozess zweiter Ordnung. Man pumpt dabei mit einer Frequenz
ωp an einem entsprechenden Kristall, wodurch zwei Photonen mit den Be-
dingungen (Impuls- und Energieerhaltung) ω1 + ω2 = ωp und k~1 + k~2 = k~p
erzeugt werden. Trifft der Pumpstrahl in einem bestimmten Winkel zur op-

Abbildung 2: Polarisationsverschränkung

tischen Achse auf den Kristall, so liegen die beiden Ausgangsstrahlen auf
Kegelmänteln, je einer pro Polarisationsrichtung, die sich in zwei Geraden
schneiden (Abb. 2). Auf diesen beiden Geraden herrscht nun keine definierte
Polarisationsrichtung vor, das Licht erscheint unpolarisiert. In diesen beiden
Strahlen sind die Photonen zueinander in ihrer Polarisation verschränkt –
der eine Partner eines erzeugten Paares liegt auf Grund der Impulserhaltung
im einen, der andere Partner in anderen Strahl. Erst durch eine Messung
könnte festgestellt werden, welches der beiden Photonen in welcher Richtung
polarisiert ist.

3 Experimente
3.1 Protokoll nach Bennett
3.1.1 Prinzip
Hier wird im Folgenden ein Schema präsentiert, das erstmals von Bennett et
al. vorgeschlagen wurde (Abb. 3). Dieses Quantum Teleportation Protocol
nutzt im Wesentlichen die in der Einführung vorgestellten Techniken und
Prinzipien.

6
Gehen wir davon aus, dass ein Sender, ab sofort Alice genannt, im Besitze
eines beliebigen Qubits im Zustand |Ψi1 ist, wobei

|Ψi1 = α|0i1 + β|1i1 . (3.1)

Der Zustand sei normiert, also

|α|2 + |β|2 = 1, (3.2)

und die beiden Basiszustände |0i und |1i seien wie immer orthogonal.
Alice möchte diesen Zustand nun zu einem Empfänger, Bob, transferie-
ren, ist allerdings aus einem beliebigen Grund nicht in der Lage ihm das
Teilchen das sich in diesem Zustand befindet direkt zu seinem Aufenthalts-
ort zu liefern. Alice ist weiterhin nicht in der Lage, den genauen Zustand zu
analysieren und diese an Bob weiterzugeben – dies liegt einfach an einem
grundlegendenden Postulat der Quantenmechanik: Misst Alice den Zustand,
so kollabiert dieser in einen der Eigenzustände ohne dass Alice erfährt, wie
er vorher aussah.
Das Protokoll zur Teleportation sieht nun vor, zwei zusätzliche Hilfs-
teilchen zu verwenden. Diese sollen sich in einer Verschränkung miteinander
befinden, ein EPR-Paar könnte also beispielsweise hierfür verwendet werden.
Eines der beiden Teilchen wird hierbei an Alice gegeben, das andere an Bob.
Nehmen wir an, die beiden Teilchen befinden sich in folgenden Zustand:
1
|Ψi23 = √ (|0i2 |1i3 − |0i3 |1i2 ) (3.3)
2
Wir erinnern uns, sobald eine Messung an einem der beiden Teilchen durch-
geführt wird, so wird sein Zustand mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit (in
diesem Falle jeweils 50%) auf einen seiner beiden Basiszustände projeziert –
das Partnerteilchen befindet sich dann sofort im anderen, dazu orthogonalen
Zustand (basisunabhängig). Wir haben nun also 3 Teilchen, wobei Teilchen
2 und 3 miteinander verschränkt sind und Teilchen 1 in keiner Weise mit 2
und 3 verknüpft ist. Dennoch kann man den vollständigen Zustand |Ψi123
aller drei Teilchen schreiben als
1
|Ψi123 = |Ψi1 ⊗ |Ψi23 = [|Ψ− i12 (−α|0i3 − β|1i3 )
2
+|Ψ+ i12 (−α|0i3 + β|1i3 )
+|Φ− i12 (α|1i3 + β|0i3 )
+|Φ+ i12 (α|1i3 − β|0i3 )], (3.4)

da die vier Bellzustände |Ψ− i, |Ψ+ i, |Φ− i und |Φ+ i eine orthogonale Basis
darstellen. Alice kann nun eine Bell-State-Messung (kurz BSM) durchführen,
und damit Teilchen 1 und 2 auf einen der vier Bellzustände projezieren,
wodurch diese beiden verschränkt werden. Der Zustand von Teilchen 3 ist

7
Abbildung 3: Schema nach Bennett

dann der in (3.4) zum entsprechenden Bellzustand korrespondierende. Misst


Alice also beispielsweise |Ψ− i12 , so hat Bob auf seiner Seite den Zustand
−α|0i3 − β|1i3 .
Zu guter Letzt informiert Alice Bob darüber, welchen der vier Bell-
zustände sie gemessen hat. Diese Information kann nun über einen loka-
len Kanal mit Hilfe von klassischer Kommunikation übertragen werden.
Bob kann mit dieser Information eine von vier unitären Transformationen
auswählen (diese ist durch (3.4) eindeutig bestimmt), die er auf seinen Zu-
stand anwendet, und damit den ursprünglichen Zustand von Teilchen 1 in
Teilchen 3 wiederherstellt. Damit ist das Protokoll abgeschlossen und die
Teleportation vollständig.
Es sei noch angemerkt, dass α und β Alice bei dem ganzen Vorgang
unbekannt bleiben. Sie erhält durch die Bell-State-Messung keinerlei Infor-
mation über den Zustand von Teilchen 1 – die Operation dient lediglich
zur Verschränkung mit Teilchen 2, also zur Projektion auf einen der Bell-
zustände. Hierbei verliert Teilchen 1 natürlich seinen Ausgangszustand, wo-
mit das No-Cloning-Theorem der Quantenmechanik eingehalten wird, da
der Ursprungszustand am Ende nur bei Teilchen 3 vorhanden ist. Teilchen
1 könnte sich auch in einem völlig undefinierten Zustand befinden, also bei-
spielsweise Teil einer Verschränkung sein. Diesen Fall werden wir später
unter dem Stichwort Entanglement Swapping“ näher behandeln.

3.1.2 Experimenteller Aufbau


Die erste gelungene Teleportation wurde 1997 von Zeilinger et al. an der Uni-
versität Innsbruck durchgeführt. Das Experiment hält sich an das Quantum
Teleportation Protocol von Bennett. Es wurden Qubits die durch Polarisati-
onszustände von Photonen dargestellt wurden verwendet. Photon 1 befindet

8
sich hierbei in einem zu übertragenden Polarisationszustand, während die
Photonen 2 und 3 das verschränkte EPR-Paar bilden, mit deren Hilfe die
Teleportation bewerkstelligt wird, also der nichtlokale Kanal. Der Aufbau

Abbildung 4: Versuchsaufbau nach dem Schema von Bennett

des Experiments wird wie folgt durchlaufen:


Zunächst werden die beiden verschränkten Photonen 2 und 3 durch parame-
tric down-conversion erzeugt. Hierbei wird zum Pumpen am Kristall ein UV-
Puls von 200fs Länge verwendet (erzeugt durch einen frequenz-verdoppelten,
modengekoppelten Titan:Saphir-Laser).
Hinter dem Kristall wird der Pumpstrahl durch einen Spiegel reflektiert
und erzeugt beim erneuten Durchlaufen ein weiteres EPR-Paar, die Photo-
nen 1 und 4. Photon 4 wird hierbei nur zur Verfizierung verwendet, dass
Photon 1 tatsächlich unterwegs zu Alice ist – Empfängt der Detektor p ein
Photon, nämlich 4, so muss auch Photon 1 unterwegs zu Alice sein.
Alice muss nun eine Bell-State-Messung an den beiden Photonen 1 und
2 durchführen. Damit dies möglich ist, müssen die beiden Teilchen unun-
terscheidbar sein, sonst kann keine Verschränkung erreicht werden. Beide
sind nach ihrer Erzeugung in 200fs langen Pulsen lokalisiert. Durch Ein-
bau einer entsprechenden Verzögerung , z.B. durch variablen Abstand des
Spiegels vom Kristall, kann eine maximale Überlagerung der beiden Pulse
erreicht werden. Dies reicht allerdings noch nicht aus: typischerweise besit-
zen Photonen die durch diese Art von parametric down-conversion erzeugt
werden eine Kohärenzlänge die einem 50fs langen Wellenpaket entspricht.
Angenommen, man führt nun eine Messung an den 4 Photonen durch, so
könnte man mit einer zeitlichen Auflösung von weniger als 50fs Teilchen 1
und 2 ihren jeweiligen Partnern zuordnen. Aus diesem Grund weitet man die
Wellenpakete der Photonen mit Hilfe von Interferenzfiltern auf eine Länge,

9
die deutlich größer ist als die des Pumppulses, auf. Durch dieses Verfahren
kann eine maximale Ununterscheidbarkeit von ca. 85% erreicht werden.
Bei der BSM wird nur der Bellzustand |Ψ− i12 verwendet (siehe hierzu
den obigen Abschnitt zu Bellzustandsmessungen). Bob muss dann, sobald
die Detektoren f1 und f2 |Ψ− i12 identifizieren, nur die Identitätsoperation
anwenden, sprich er ist bereits Besitz des ursprünglichen Zustands von Pho-
ton 1.
Wir wollen nun die Ergebnisse des Experiments betrachten. Um den
Beweis zu erbringen, dass die Teleportation funktioniert, müssen bekannte
Zustände in nicht-orthogonalen Basen übertragen werden können.

3.1.3 Ergebnisse
Im ersten Experiment wurde das zu übertragende Photon mit einer linearen
Polarisation von 45◦ vorbereitet. Die Teleportation sollte erfolgreich verlau-
fen sein, sobald an f1 und f2 |Ψ− i12 gemessen wird, d.h. Photon 3 sollte
danach in 45◦ -Richtung polarisiert sein. Die Analyse seines Polarisations-
zustands erfolgt durch einen Polarisierungsstrahlteiler und dahinter aufge-
stellte Detektoren. Bei +45◦ kommt das Photon bei d2 an, bei -45◦ bei d1.
Sobald also f1 und f2 den erwünschten Bellzustand messen und d2 ein Signal
liefert, so reicht dies als Beweis für die gelungene Teleportation. Wie bereits

Abbildung 5: Erwartetes Ergebnis

erwähnt, ist der Spiegel in einer variablen Entfernung vom Kristall ange-

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bracht, um bestmögliche Überlappung der Wellenpakete von Teilchen 1 und
2 erreichen zu können. Liegt eine schlechte Überlappung vor, so haben wir
bei Alice keine Korrelation zwischen den beiden Photonen, und demzufolge
beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine dennoch erfolgreiche Messung f1f2
(jeweils ein Photon an beiden Detektoren) 50%. Dies ist doppelt so hoch wie
bei einer erfolgreichen BSM, da hier alle 4 Bellzustände gleichwahrscheinlich
sind, wir aber nur einen davon messen. Die Polarisation von Photon 3 ist ge-
nau wie die von Photon 2 völlig undefiniert, also sind Detektionen an d1 und
d2 gleichwahrscheinlich mit 50%. Also beträgt für den Fall einer schlechten
Überlappung die Wahrscheinlichkeit einer Messung f1f2d1 bzw. f1f2d2 je-
weils 25%. Bei guter Überlappung hingegen ist zwar die Wahrscheinlichkeit
für f1f2d2 ebenfalls 25% (nur einer der Bellzustände wird verwendet), aller-
dings sinkt die Wahrscheinlichkeit für f1f2d1 auf 0%. Man erwartet also ein
Bild wie in Abb. 5, wenn man die Polarisation von Photon 3 in Abhängigkeit
der Verzögerung zwischen Photon 1 und 2 (in Bezug auf die Ankunft bei
Alice) misst. Die Ergebnisse der durchgeführten Experimente sind in Abb.

Abbildung 6: Resultate in zwei unterschiedlichen Basen

6 zu sehen. Es wurden hierbei die nichtorthogonalen Polarisationen +45◦


und +90◦ als Ausgangszustände von Photon 1 verwendet. Messdaten wer-
den, wie Eingangs erwähnt, nur verwendet wenn zugleich auch eine Detek-
tion an p festgestellt wird. Die Güte der Teleportation, also der Grad der
Überlappung von Ausgangs- und teleportiertem Zustand ist in Abb. 7 darge-
stellt. Sie hängt maßgeblich vom Grad der Ununterscheidbarkeit von Photon
1 und 2 bei der BSM die Alice durchführt ab.

11
Abbildung 7: Güte der Teleportation

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass die Verwendung von Photonen hier
keineswegs eine Notwendigkeit darstellt, die Vorgehensweise ist nicht auf die
Optik beschränkt, sondern prinzipiell auch mit allen anderen Teilchen, deren
Zustände Qubits darstellen können durchführbar. Da es sogar möglich ist,
Teilchen unterschiedlichen Typs miteinander zu verschränken, könnte man
die Teleporation auch dazu nutzen, Informationen in Form von Qubits in
stabilere Systeme zu verlagern.

3.1.4 Teleportation von Verschränkung


Teilchen 4 wurde bisher nur als Auslöser verwendet, um eine gültige Messung
zu erkennen. Allerdings lässt sich dieses Teilchen auch für andere Anwen-
dungen gebrauchen: Ist man im Besitz zweier EPR-Paare und führt eine
Bell-State-Messung an zwei nichtverschränkten Teilchen durch, so werden
augenblicklich die beiden unbeteiligten Teilchen ebenfalls miteinander ver-
schränkt (Abb. 8) Betrachten wir einen gegeben Zustand von zwei EPR-

Abbildung 8: Prinzip des Entanglement Swapping

12
Paaren:
1
|Ψi1234 = (|Hi1 |V i2 − |V i1 |Hi2 )(|Hi3 |V i4 − |V i3 |Hi4 ) (3.5)
2
Der Zustand ist noch faktorisierbar in zwei Telzustände, die beiden EPR-
Paare sind also noch in keiner Verknüpfung miteinander. Mit Hilfe der Bell-
zustände kann man den Zustand auch schreiben als
1
|Ψi1234 = (|Ψ+ i14 |Ψ+ i23 − |Ψ− i14 |Ψ− i23
2
−|Φ+ i14 |Φ+ i23 ) + |Φ− i14 |Φ− i23 ).

Wir sehen also, sobald Teilchen 2 und 3 auf einen Bellzustand projeziert
werden, befinden sich die anderen beiden Teilchen sofort im gleichen Bellzu-
stand. Man kann dies als Teleportation von Verschränkung auffassen, auch
Entanglement Swapping“ genannt. Experimentell lässt sich dies auf die

Abbildung 9: Versuchsaufbau zur Teleportation von Verschränkung

gleiche Art und Weise nachweisen wie auch die Teleportation, mit dem Un-
terschied, dass Teilchen 4 nicht nur als Auslöser verwendet wird (Abb. 9).
Zur Auswertung wird Photon 4 in variabler Polarisationsrichtung gemessen,
und Photon 1 nach einem Polarisierungsstrahlteiler an den zwei Detektoren,

wobei D+ ◦ ◦
1 −45 und D1 +45 detektiert. Misst man die Ereignisraten der
beiden Detektoren in Abhängigkeit der Polarisationsrichtung in der Photon
4 gemessen wird, so sind zwei gegenphasige Sinuskurven zu erwarten – im
Prinzip genau das erhaltene Ergebnis (Abb. 10).
Die Teleportation von Verschränkung besitzt eine Reihe möglicher An-
wendungen, die hier kurz Erwähnung finden sollen: Angenommen, es soll ein
Netzwerk aufgebaut werden, wobei beliebige Benutzer im Besitz von Teil-
chen sein sollen, die mit den Teilchen beliebiger anderer Benutzerverschränkt
sein sollen. Wenn vorher nicht näher bekannt ist, wer über das Netzwerk mit

13
Abbildung 10: Erwartung und Resultat

Abbildung 11: Netzwerk von Verschränkungen

wem verbunden“ sein soll, so kann man das Problem recht elegant lösen, in

dem man sich des Entanglement Swappings bedient. So teilen zunächst eine
Zentralstelle un jeder Benutzer je ein EPR-Paar (Abb. 11). Nun kann die
Zentrale durch Bell-State-Messungen die Teilchen auf Benutzerseite beliebig
miteinander verschränken, ohne dass die näheren Umstände beim Aufbau
bekannt hätten sein müssen.
Eine weitere mögliche Anwendung ist die Beschleunigung von Teilchen-
austausch. In Abb. 12(a) wird die Zeit t1 = L/2v (mit v = Teilchenge-
schwindigkeit) benötigt, bis A und B ein verschränktes Paar aus der Quelle
O erhalten. Führt man die Zwischenstellen C und D ein (Abb. 12(b)), die
nun EPR-Paare losschicken, so wird die Zeit t2 = L/4v + tm benötigt, wobei
tm die Zeit ist, die für eine Bell-State-Messung bei O benötigt wird. Dies
bringt bei Photonen vermutich keinen nennenswerten Vorteil, allerdings bei
Teilchen mit Masse, mit denen das Schema natürlich auch funktioniert.
Des weiteren lassen sich, was für Quantencomputer von Interesse ist,
große Zahlen von Teilchen miteinander verschränken. Angenommen, man

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Abbildung 12: Beschleunigung der Verteilung von EPR-Paaren

ist im Besitz eines Ensembles mit beliebig vielen verschränkten Teilchen


und drei weiteren Teilchen in einem sogenannten GHZ-Zustand, in dem drei
Teilchen miteinander verschränkt sind, also |E(N )i⊗|E(3)i. Durch eine Bell-
State-Messung an je einem Teilchen des Ensembles und des GHZ-Zustands
ergibt sich |E(N + 1)i ⊗ |E(2)i. Nach diesem Schema kann man fortfahren
und die Zahl der verschränkten Teilchen kontinuierlich erhöhen.

3.2 Zwei-Teilchenschema
Bei der Teleportation nach obigem Schema hängt die Güte der Telepor-
tation davon ab, wie gut die Bell-State-Messung auf der Seite von Alice
funktioniert. Wie erwähnt, ist die BSM nicht vollständig durchführbar und
eine kontrollierte Interaktion zwischen 2 Photonen ist experimentell nur sehr
schwer zu realisieren.
Popescu schlug nun ein Teleportationsschema vor (Abb. 13), das ins-
gesamt statt mit den bisherigen drei (bzw. vier) Teilchen mit nur zweien
auskommt. 1998 wurde dieser Vorschlag in Rom erstmals experimentell rea-
lisiert. Im ursprünglichen Schema bilden die Grundlage des Experiments
zwei verschränkte Teilchen (nichtlokaler Kanal) sowie ein weiteres Teilchen,
dessen Zustand transmittiert werden soll. Woher dieses Teilchen kommt,
ist dabei vollkommen gleichgültig. Das Zwei-Teilchenschema sieht hingegen
vor, das Teilchen des nichtlokalen Kanals das sich bei Alice befindet dop-
pelt zu nutzen – hierbei wird der zu übertragende Zustand in einen weiteren
Freiheitsgrad des Teilchens der nicht Teil einer Verschränkung ist eingear-
beitet. Dies hat den entscheidenden Vorteil, dass der Part von Alice während
des Experiments bedeutend einfacher wird: unterschiedliche Eigenschaften
einens einzelnen Teilchens miteinander interagiern zu lassen ist oftmals ein-
facher, als die gleiche Eigenschaft von 2 verschiedenen Partikeln.
Das Schema läuft nun wie folgt: Zunächst sollen zwei Photonen erzeugt
werden, die in ihrem Impuls verschränkt sind, aber beide eine wohldefi-
nierte Polarisation besitzen. Hierbei geht man folgendermaßen vor: Durch
Parametric down-conversion werden zwei Photonen erzeugt, die sich zuerst

15
Abbildung 13: Schema nach Popescu

im Zustand
1
|Ψ+ i = √ (|Hi1 |V i2 + |V i1 |Hi2 ) (3.6)
2
befinden. Die beiden austretenden Strahlen werden nun in Polarisierungs-
Strahlteilern weiterverarbeitet, so dass sich die beiden Teilchen nun im Zu-
stand
1
√ (|a1 i|a2 i + |b1 i|b2 i)(|Hi1 |V i2 ) (3.7)
2
befinden. Wie in Abb. 13 zu sehen ist, führen also die Strahlen mit Index
1 zu Alice und sind sicherlich in horizontaler Richtung polarisiert, während
die beiden Strahlen mit Index 2 zu Bob führen und in vertikaler Richtung
polarisiert sind. Somit sind die beiden Teilchen nun im Impuls verschränkt,
während ihre Polarisationsrichtung wohldefiniert ist.
Als nächster Schritt soll der zu teleportierende Zustand vorbereitet wer-
den. Der Vorbereiter bzw. Preparer P dreht den Polarisationszustand der
sich auf dem Weg zu Bob befindet (beide Strahlen gleichermaßen) in die
Richtung |Ψi1 = α|Hi1 + β|V i1 . Damit ist der Gesamtzustand gegeben:
1
|Φi = √ (|a1 i|a2 i + |b1 i|b2 i)(|Ψi1 |V i2 ) (3.8)
2

16
Mit Hilfe der Bellzustände kann man diesen auch schreiben als
1
|Φi = [(|a1 i|V i1 + |b1 i|Hi1 )(β|a2 i + α|b2 i)|V i2
2
+(|a1 i|V i1 − |b1 i|Hi1 )(β|a2 i − α|b2 i)|V i2
+(|a1 i|Hi1 + |b1 i|V i1 )(α|a2 i + β|b2 i)|V i2
+(|a1 i|Hi1 − |b1 i|V i1 )(α|a2 i − β|b2 i)|V i2 ]
wobei der linke Teil jedes Terms unsere Bellzustände darstellt, auf die wir
den Zustand als nächstes projezieren möchten.
Die Bell-State-Messung wird bei Alice nun wie folgt durchgeführt: Es
werden die Komponenten |a1 i|V i1 und |b1 i|Hi1 sowie a1 i|Hi1 und |b1 i|V i1
miteinander kombiniert (Durch Polarisationsstrahlteiler und Drehung der
Polarisation wie im Schema des Aufbaus eingezeichnet). Das Interferieren
an den Strahlteilern stellt dann die eigentliche Messung dar. Nach allem
was zu Anfang über die Funktionsweise von Strahlteilern erwähnt wurde
ist klar, dass eine Detektion an einem der vier Detektoren eindeutig einem
der Bellzustände zugeordnet werden kann. Im Gegensatz zur BSM an zwei
Teilchen ist die Vorgehensweise hier sehr exakt und zudem können alle Bell-
zustände identifiziert werden.
Als letztes kann nun von Bob der Ausgangszustand wiederhergestellt
werden. Zunächst werden auch hier beiden einlaufende Strahlen miteinander
kombiniert. Danach wird, entsprechend dem gemessenen Bellzustand, un-
ter Umständen noch die H-Komponente mit der V-Komponente vertauscht
und/oder eine relative Phasenverschiebung der beiden Komponenten von π
eingefügt. Mit diesem Schritt ist die Teleportation abgeschlossen.
Der große Vorteil dieses Verfahrens im Vergleich zum ursprünglichen
Schema liegt in der BSM. Zum einen ist sie vollständig, zum anderen besitzt
sie eine hohe Effizienz, da es experimentell deutlich einfacher ist, eine solche
Projektion an zwei Eigenschaften eines Teilchens durchzuführen als an zwei
Teilchen. Der Nachteil bzw. die Einschränkung hingegen ist, dass zunächst
ein Zustand, der teleportiert werden soll, vorbereitet werden muss und auch
nicht extern vorliegen darf. Außderdem muss er wohldefiniert sein, und darf
nicht Teil einer Verschränkung sein.

3.3 Teleportation kontinuierlicher Quantenvariablen


Das hier präsentierte Schema wurde von Vaidman et al. konzipiert, und
1998 am Caltech auch erfolgreich im Experiment umgesetzt. Es überträgt
die räumlichen Part eines Teilchenzustands, also Ort und Impuls (Abb. 14).
Wieder haben wir die Ausgangssituation, dass Alice einen Zustand zu Bob
transferieren möchte, allerdings ist das Teilchen nicht transportabel und wie-
derum kann der Zustand nicht befriedigend gemessen werden – in diesem Fall
verbietet dies die Unschärferelation, die im wesentlichen besagt, dass Ope-
ratoren die nicht kommutieren, nicht gleichzeitig mit beliebiger Genauigkeit

17
Abbildung 14: Prinzip: Teleportation von Ort und Impuls

gemessen werden können. In unserem Fall sind dies eben der Ort x und der
Impuls p. Der wesentliche Unterschied zu den anderen Schemata ist, dass
Ort und Impuls unendlich viele Basiszustände besitzen, während hingegen
die Polarisation, die wir bisher übertragen haben, mit zwei Eigenzuständen
darstellbar ist.
Wir gehen nun von einem EPR-Paar aus, das den Bedingungen x2 +x3 =
0 und p2 − p3 = 0 genügen soll. Zudem haben wir einen Ausgangszustand
(x1 , p1 ). Die Bell-State-Messung soll nun derart durchgeführt werden, dass
x1 + x2 = a und p1 − p2 = b gemessen werden. Diese beiden Operatoren
kommutieren, es gibt also keine Unschärfe für sie. Mit Hilfe dieser Werte
kann der Ausgangszustand einfach durch x1 = x3 + a und p1 = p3 + b wieder
rekonstruiert werden.
Das Experiment am Caltech wurde mit einer quantenoptischen Imple-
mentierung dieses Schemas durchgeführt, die hier kurz erläutert werden soll.
Erinnern wir uns zunächst an den eindimensionalen quantenmechanischen
Oszillator. Dieser wird durch den Hamiltonoperator

p̂2 m
Ĥ = + ω 2 x̂2 , [x̂, p̂] = i~ (3.9)
2m 2
beschrieben. Drückt man Ort und Impuls durch Erzeugungs- und Vernich-
tungsoperatoren für Oszillatorquanten aus,
r r
~ ~mω †
x̂ = (↠+ â), p̂ = (â − â), (3.10)
2mω 2
so wird dieser zu
1
Ĥ = ~ω(↠â + ). (3.11)
2
Betrachten wir nun eine transversale Mode des elektromagnetischen Feldes.
Für diese gilt:
Ê(t) = E0 (âe−iωt − ↠e+iωt ) (3.12)

18
â, ↠sind hier die Vernichtungs- bzw. Erzeugungsoperatoren für einzelne
Photonen. Analog zum harmonischen Oszillator kann man nun definieren:

X̂ = (↠+ â), P̂ = i(↠− â) (3.13)

Daraus folgt für die betrachtete Mode:

Ê(t) = E0 (X̂ cos ωt + P̂ sin ωt), [X̂, P̂ ] = 2i (3.14)

Somit haben wir also ein Quantenoptisches Analogon zu Ort und Impuls
in der Mechanik gefunden. X̂ und P̂ kann man als in-phasige bzw. gegen-
phasige Amplitude des Feldes identifizieren.
Wir benötigen nun einige Vorkenntnisse über gequetschte Zustände, im
Englischen als Squeezed States bezeichnet. Es sollen hier nur ganz kurz einige
Merkmale genannt werden, alles weitere würde den Rahmen hier sprengen.
Die Scheiben in Abb. 15 stellen einzelne Zustände mit ihrer Unschärfe dar.

Abbildung 15: Squeezed States

Der Zustand 1 ist also ein Vakuumzustand mit symmetrischer Unschärfe,


der Zustand 2 ein kohärenter Zustand – kohärente Zustände sind einfach
versetzte Vakuumzustände. Zudem ist ein gequetscher Zustand zu sehen,
dies heißt lediglich, dass dass seine Unschärfe nicht symmetrisch verteilt ist,
sondern sich hier im Bild großteils über die X̂-Komponente erstreckt. Lässt
man zwei maximal gequetschte Zustände, eine gequetscht in P̂ , die andere
in X̂, an einem 50/50-Strahlteiler interferieren (Abb. 16), so ergeben sich
genau die Relationen zwischen X̂ und P̂ , die im Schema für das EPR-Paar
gefordert wurden.
Die Erzeugung gequetschter Zustände erfolgt mit Hilfe von parametri-
scher Verstärkung in nichtlinearen Kristallen (Abb. 17). Durch den Kristall
wird ein Signalfeld mit der Frequenz ω1 sowie ein Pumpfeld mit der Fre-
quenz ω3 geschickt. Durch nichtlineare Prozesse zweiter Ordnung wird das
Signalfeld verstärkt und weiteres Feld mit der Frequenz ω2 = ω3 − ω1 er-
zeugt. Wir nehmen hier den denkbar einfachsten Fall an, ω2 = ω1 = ω und
ω3 = 2ω. Ausserdem sollen der Einfachheit halber alle Felder in die gleiche

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Abbildung 16: Gequetschte Zustände die am Strahlteiler interferieren

Abbildung 17: Erzeugung von gequetschten Zuständen

Richtung propagieren und nur eine Polarisationsrichtung besitzen. Dieses


System wird durch den Hamiltonoperator
1
Ĥ = ~ω(↠â + ) + S((â)2 ei2ωt − (↠)2 e−i2ωt ) (3.15)
2
beschrieben, wobei das Pumpfeld hier klassisch dargestellt wird. S ist hierbei
eine Kopplungsamplitude, die von den genauen experimentellen Gegeben-
heiten abhängt. Schauen wir uns nun die Zeitentwicklung an, so ergibt sich:
dâ i
= − [â, Ĥ] = −iωâ − iS↠e−i2ωt
dt ~
d↠i
= − [↠, Ĥ] = iω↠− iSâe+i2ωt (3.16)
dt ~

Mit Hilfe der oben definierten Operatoren X̂ und P̂ lassen sich diese beiden
Gleichungen entkoppeln:

dX̂
= S X̂
dt
dP̂
= −S P̂ (3.17)
dt
Die Lösungen sind einfach abzulesen:

X̂(t) = X̂(0)eSt , P̂ (t) = P̂ (0)e−St (3.18)

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Es ist also zu sehen, dass parametrische Verstärkung die P̂ -Komponente
quetscht. Um möglichst gut gequetschte Zustände zu erhalten plaziert man
den Kristall in der Praxis in einem optischen Hohlraum mit Resonanzfre-
quenz ω, so dass die Zeit möglichst groß und somit P̂ möglichst klein wird.
Die Bell-State-Messung besteht hier aus einer Mischung der Felder an
einem 50/50-Strahlteiler. Werden zwei Felder gemischt, so ergibt sich an den
Ausgängen C und D:

(XC , PC ) = (X1 − X2 , P1 − P2 ), (XD , PD ) = (X1 + X2 , P1 − P2 ) (3.19)

Alice misst also PC und XD (≡ a und b im Schema) und erfährt so die


Information, die Bob zum Wiederherstellen benötigt. Zum Messen wird sog.
balanced homodyne detection verwendet, die hier nicht näher erläutert wer-
den soll. Mit den klassisch übertragenen Werten a und b kann Bob das Feld
auf seiner Seite nun entsprechend transformieren. Dies geschieht zum Bei-
spiel an einem Spiegel mit einer Reflektivität von 99%, an dem durch die
abgewandte Seite ein entsprechend moduliertes Feld eingespeist wird.
Experimentell ist die hier geschilderte Vorgehensweise außerordentlich
schwierig zu realisieren, da zum einen extrem gequetschte Zustände benötigt
werden und zum anderen sehr hohe Anforderungen an die Präzision von
Phase und Position gestellt werden. Dies führte dazu, dass beim Experiment
am Caltech eine Güte der Teleportation von nur‘etwa 58% erreicht wurde.

Allerdings übertrifft auch dies den klassisch maximal erreichbaren Wert von
50%.

4 Quellen und Literatur


Als praktisch einzige Quelle diente The Physics of Quantum Information“

von Bouwmeester, Ekert und Zeilinger (Springer, Berlin, 1. Auflage 2000).
Alle Abbildungen wurden ebenfalls diesem Werk entnommen.

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