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Der ökumenische Abfall in Deutschland und

die Gründung der Gemeinschaft der Übrigen -


eine Sammlung aus den Zeitschriften der
„Stimme der Übrigen“

„Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Er-


den; was wollte ich lieber, als daß es schon brennte!
Meint ihr, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen
auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht.“
Lukas 12, 49.51

„Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine


Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem
Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine
Sünden!“ Jesaja 58,1
1
Einführung
Die Gemeinschaft der Übrigen (Abk.: GdÜ) möchte mit wenn wir den Werdegang in Deutschland sehen. Bereits
dieser Sammlung allen Geschwistern, die erst später mit 1958 wurden die STA trotz Protest „Körperschaft des öf-
der Problematik der Ökumene und der notwendigen Grün- fentlichen Rechts“ und gingen damit ähnlich wie die Staats-
dung der GdÜ konfrontiert wurden, einen chronologischen kirche eine widergöttliche Bindung mit dem Staat ein. Der
Ablauf in der Reihenfolge der Zeitschriften und gleichzei- Wunsch einerseits, dem Staat willig zu dienen, führte schon
tig eine Fundgrube zur ökumenischen Frage in die Hand in den beiden Weltkriegen - sei es die Wehrdienstfrage oder
geben. Auch das wichtige Thema „Zehnten“ und nahe ver- die Haltung zu Juden und dem „Führer“ - zu Entgleisun-
wandte Themen wie „Babylon“ wurden hierbei berücksich- gen, und andererseits, um finanzielle Vorteile zu gewin-
tigt. Im Inhaltsverzeichnis wurden zu einigen Themen in nen, zur Untreue gegenüber Gott durch Verbindung mit
Klammern zum besseren Verständnis noch kurze Hinwei- dem Staat und Korruption in finanziellen Angelegenheiten
se zum Inhalt gegeben. Am Anfang stehen Nummer und (dazu kann in Verbindung mit der Zehntenfrage, Subven-
Datum der Zeitschrift „Stimme der Übrigen“. tionen in Berlin durch den Staat und ACK einiges nachge-
Diese Zusammenstellung ist außerdem leider die trauri- lesen werden). Der Verfall ging immer weiter, sei es durch
ge Beschreibung des Untergangs der Adventgemeinde die Korruptionsaffäre in Berlin, die die Integrität der Ver-
in Deutschland - wie ja auch die Weltgemeinschaft der waltung bis hin zur Generalkonferenz zerstörte und fand
STA sich immer mehr der Welt anpasst. Nicht nur, dass seinen bisherigen Höhepunkt in dem Anschluss an die deut-
die STA in vielen Ländern mit der Ökumene verbunden sche Ökumene (ACK) sowie der Unterstützung des
sind und auch charismatische Einflüsse Boden gewon- Sonntagsschutzes. Auch die charismatischen Verflechtun-
nen haben, sondern die GK selbst ist Schrittmacherin - gen sind stark, sowie Gemeindeaufbaukonzepte aus die-
und da ist besonders B. B. Beach eine herausragende ser Richtung. Falsche psychologische Konzepte und ein-
Person - in der Anpassung an die Kirchen. Und Korrupti- dringende historisch-kritische Betrachtungsweisen tun ein
on gab es nicht nur in Deutschland sondern ebenfalls im Übriges. Und schließlich erleben wir als Folge des Abfalls,
Umfeld der GK, wenn wir nur an den ehemaligen Revisor dass seit Jahren in vielen Gemeinden keine Gemeinde-
der GK, David Dennis, denken, der wegen seiner treuen zucht mehr praktiziert wird.
Pflichterfüllung hinausgeworfen wurde, und haben noch Die Zukunft hält offenbar noch andere Dimensionen des
die Finanzaffären in Sachen Davenport und Folkenberg Abfalls bereit. Sollen durch die neuesten strategischen
im Gedächtnis. Überlegungen der Gemeinschaftsleitung auch die Predi-
Offensichtlich ist auch die Adventgemeinde nicht gefeit ger und Angestellten des Werkes in ganz Deutschland zen-
vor dem Zyklus von der Reinheit zum Abfall, den alle Kir- tral durch verbandsübergreifende Predigerschulung/Schu-
chen und Gemeinden durchlaufen. Und STA sind auch lung geprüft, überwacht und in eine bestimmte Richtung
keine besseren Christen - zumal wir in den gräulichen getrimmt werden? Könnte der ehemalige Vorsteher aus
Zeiten leben, von denen Paulus den starken moralischen Bremen, der für die Aufgabe der Schulung ausgesucht wur-
Verfall prophezeite - als in vergangenen Zeiten, wo die de und mit Supervisionen arbeitet, der geeignete Mann
allgemeine Frömmigkeit ein wesentlich höheres Niveau dafür sein?
besaß. Br. Dennis machte uns vor zwei Jahren auf das Wie dem auch sei, wir gehen den letzten Ereignissen die-
interessante Buch von Br. George Knight „Die fette Dame ser Weltgeschichte entgegen. Die gottfeindlichen Mächte
und das Königreich“ aufmerksam, das im Review and sammeln sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der
Herald Verlag 5 Jahre zuvor erschienen war. Bei seiner Adventgemeinde. Es ist allerhöchste Zeit aufzuwachen und
intensiven Studie stellte Br. Knight fest, dass keine frühe- eine entschiedene und klare Haltung einzunehmen. Das
re Kirche oder Gemeinschaft mehr als 200 Jahre erfolg- „Pulverfass“ der Gemeinschaft der Übrigen soll einen Bei-
reich war und sie folgenden 5-Phasen-Zyklus durchlie- trag liefern, den Tiefschlaf endlich zu überwinden. Möge
fen: 1. Entdeckung der neuen Religion, 2. Organisation es auch als „Augenpulver“ dienen, das Jesus seiner letz-
der Gemeinde zu einer formalen, religiösen Körperschaft, ten Gemeinde zwecks Selbsterkenntnis empfahl.
3. Maximierung der Mission, 4. Institutionalismus (wenn
die Mission gewisse Grenzen erreicht hat, zerfällt alles in Erich Schultze, Januar 2001
viele Institutionen), 5. Korruption, Abfall, Zerfall und Ver-
fall.
Anschrift:
Nach der Einschätzung von Br. Dennis, der wirklich Ein- Gemeinschaft der Übrigen e.V.
blick als langjähriger Revisor der GK hatte, befinden wir Germanenstr. 19, 58509 Lüdenscheid
uns in der 5. Phase. Dies wird uns leider auch bewusst, Tel. 02351-38686

2
Inhaltsverzeichnis

Nr. 5 Oktober 92 Editorial: Adventgemeinde wohin? ............................................................................................................. 7

Nr. 6 Februar 93 Bild: Kutsche .............................................................................................................................................. 8


Bild: Schiff .................................................................................................................................................. 9
Editorial: Von deiner Wahrheit rede ich ..................................................................................................... 10
Adventgemeinde im „Rat“ der Ökumene und protestantischer Vereinigungen? S. 11ff
(Grundlegende Ausarbeitung über Ökumene) .......................................................................................... 11
Bilder: Ökumenebaum und Hierarchie) .................................................................................................... 27

Nr. 7 Juli 93 Bild: Hure .................................................................................................................................................... 31


Editorial: Keine Gemeinschaft mit Babylon ............................................................................................... 32
Werke der Finsternis aufdecken oder an ihnen teilhaben? S. 11ff
(erstmals wird über ACK-Mitgliedschaften berichtet und Satzung der ACK Deutschland) ....................... 33

Nr. 8 Dezember 93 Bild: Turmbau zu Babel .............................................................................................................................. 41


Editorial: Turmbau zu Babel ...................................................................................................................... 42
Das apokalyptische Gesetzesmotiv, S. 7ff, (Gemeinsames Zeugnis mit ökumenischen
Christen nicht möglich) .............................................................................................................................. 43
Ein Vergleich der sich lohnt!, S. 26 ........................................................................................................... 47
Der konziliare Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, S. 28ff (auch
ökumen. Anfänge in Deutschland und weltweite ökumen. Verstrickung der STA in 39 Ländern) .............. 48
3 Grafiken zu Konz. Prozeß ..................................................................................................................... 67
Brief der Sachsen-Vereinigung von Vorsteher Sensenschmidt, S. 57f ..................................................... 71

Nr. 9 März 1994 Warum können wir uns der Ökumenischen Bewegung nicht anschließen?
(von F.D. Nicol, Schriftleiter des Review and Herald), S. 10ff .................................................................... 73
Publizierte Reaktionen auf den Beitritt der STA als Gastmitglied in der Bundes-ACK, S. 12.14 ................ 74
Proteste gegen die ACK-Gastmitgliedschaft, S. 15 .................................................................................. 75
Das Omega des Abfalls, S. 19ff (Zustandekommen der ACK-Gastmitgliedschaft und die
Rolle der Gemeinschaft in Deutschland sowie deren Satzung) ............................................................... 76

Nr. 10 Juni 1994 Bild: Schiff + STA-Schiff ............................................................................................................................. 94


Editorial: Das Land läuft vom Herrn weg der Hurerei nach ....................................................................... 95
Die ökumenische Bewegung -Beziehungen zwischen ÖRK (Weltkirchenrat, Ökumenischer
Rat der Kirchen) und ACK (Arbeitskreis Christlicher Kirchen), S. 7f ......................................................... 97
Lehren aus der Salamanca-Vision, S. 14ff (Zur Identitätsfrage der STA) ............................................... 100
Babylon ist gefallen!, S. 25ff (Was „Babylon“ bedeutet und die Frage, ob „Gastmitglied“ =
Mitglied) ...................................................................................................................................................... 103
Aktuelles (Jurist. Status der Gastmitgliedschaft, Brief von R. Holtbrügger an R. Rupp), S. 49ff .............. 122

Nr. 11 September 1994 Bild: Geld als Gott ..................................................................................................................................... 125


Bild: Bild des Tieres, Ökumene ................................................................................................................. 126
Editorial: Geld regiert die Welt .................................................................................................................. 127
Gemeinschaft der STA Zaire oder Kirche Jesu Christi Zaire - Abteilung 42 - STA?, S. 5,
(Gemeinschaftsspaltung in Zaire wegen Ökumene) ................................................................................ 128
Antwort von R. Rupp auf offenen Brief von R. Holtbrügger, S. 6 ............................................................. 129
Ökumene und Weltregierung, Kurzbibelschule in Worms vom 5.-7.8.94, S. 12 ...................................... 130
Aktuell-trauriges aus der Gemeinde, S. 13, 17 ........................................................................................ 131
Fragen der Gemeinde Hameln zur ACK an die Leitung der STA, S. 15.57 .............................................. 132
Die Verwendung des Zehnten in außergewöhnlichen Situationen, S. 17 (Grundlegende
Ausarbeitung zur Zehntenverwendung) ..................................................................................................... 133
Zehntenmoral und finanzielle Praktiken der STA-Leitung in Deutschland und Möglichkeiten des
Zehntengebens, S. 28ff (neben Zehnten- und Geldmißbr. auch Gelder durch Zuspruch der ACK) ..............144

Nr. 12, Dezember 1994 Bild: Kirche zertrümmert ............................................................................................................................ 153


Rundbrief von Anton Schosch an alle Teilnehmer der Kurzbibelschule Worms, S. 5 .............................. 154
Der Geist von Worms, S. 6 ....................................................................................................................... 155

3
Antrag auf Umwandlung des Gaststatus bei der ACK in Deutschland in den
Beobachterstatus bis zum 31. Dezember 1994, S. 7f ............................................................................. 156
Kommentar, Einigkeitsbestrebungen und Charismen - Ökumene in Hamburg, S. 19 (u.a. Verän-
derung der Anwesenden bei ACK-Beratungen und charismat. Verführung durch eigene Brüder) .......... 157
Gelebte Ökumene, S. 43, (Wie die katholische Kirche über Ökumene denkt) ........................................ 161

Nr. 13 März 1995 Bild: Entscheidung ...................................................................................................................................... 162


Editorial: Achtung „Hochspannung“! .......................................................................................................... 163
Antrag der Gemeinde Schweinfurt an die Generalkonferenz vom Juni 1994, S. 18f ............................... 163
Der Antrag einer Schwester aus Crailsheim, S. 19 ................................................................................. 165
Korrespondenz wegen ACK-Beobachter zwischen R. Rupp und R. Holtbrügger, S.19 .......................... 165
Kommentar zum NDV-Info 1/95, S. 20f ..................................................................................................... 166
STA/ACK im evangelischen Sonntagsblatt, S. 21f .................................................................................... 167
Kann die Adventgemeinde fallen und von Gott verworfen werden?, S. 23ff, ........................................... 168

Nr. 15 September 1995 Vortrag der Bibellehrerin Susan Vanko aus Ungarn über die Ökumene, S. 5ff ....................................... 176
Die Auswirkungen des konziliaren Prozesses im ACK - eine Untersuchung zur
Standortbestimmung, S. 14ff ..................................................................................................................... 181

Nr. 16 Dezember 1995 Die Bündelung antichristlicher Strömungen im Netzwerk der Ökumene, S. 5 (Zwei Gesichter
der Ökumene: Friedensgesicht und Verfolgungsgesicht) .......................................................................... 185
Ökumene vorausgesagt, S. 14f (u.a. Vergleich des Papsttums mit Ökumene) ....................................... 189

Nr. 17 März 1996 Das Bild des Tieres - Satans letzter Trumpf, S. 18ff, (u.a. Ökumene ist Bild des Tieres) .......................... 191
ACK-Gastmitgliedschaft und wirkungsgeschichtliche Beobachtungen, S. 47ff ........................................ 204

Nr. 18 Juni 1996 Kirche und Staat vereinen?, S. 23ff (die religiös-politische Mischung in der ACK wird
hinterfragt, grundlegende Prinzipien) ........................................................................................................ 206
Infiltration ökumenischen Netzwerkdenkens, S. 34f ................................................................................. 216
Wie dachte man vor 20 Jahren über die Ökumene, S. 41ff ..................................................................... 218
Protest der Gemeinde Berlin-Spandau, S. 44 .......................................................................................... 220
Vereinigung zensiert künftig Verkündigung und Betreuung!, S. 44 ......................................................... 220

Nr. 19 September 1996 Bild: Schriftgelehrte u. Jesus ..................................................................................................................... 221


Editorial: Wählet heute, wem Ihr dienen wollt! ......................................................................................... 222
Adventisten im Netz der meisterhaften Strategie der ACK in Südwestfalen, S 20ff ................................ 223
Umfragen, Anträge, Unterschriftsaktionen und Reaktionen, S. 24ff ........................................................ 227
Gemeindeglieder aus 53 Gemeinden beantragen Austritt aus ACK, S. 34f ............................................ 238

N. 20 Dezember 1996 Bild: Schiff am Eisberg .............................................................................................................................. 239


Editorial: Eisberg voraus, Eisberg rammen! .............................................................................................. 240
Bericht des SDV-Arbeitskreises zur Beobachtung der Gastmitgliedschaft in der ACK, S. 5f ................... 241
ACK-Gastmitgliedschaft und Beobachterbericht:Eindringen von Situationsethik in den
deutschen Adventismus, S. 7ff .................................................................................................................. 243
Richtigstellung, S. 11 (Zahl der Unterschriften zu diesem Zeitpunkt 1.965 aus 188 Gemeinden) ......... 247
Antrag an die Generalkonferenz in Washington, S. 13, (Austritt aus ACK) ............................................. 248
Adventgemeinde vor ihrem Fall?, S. 28ff (sehr wichtiges Grundlagenreferat) ........................................ 261
Antrag zum Austritt aus der ACK an den SDV, S. 56 ............................................................................... 279

Nr. 21 März 1997 Bild: Papst und Christus ............................................................................................................................ 280


Editorial: Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote ................................................................................... 281
Heilsvermessenheit - und die ultraradikale Unheilsbotschaft des Profeten Amos, S. 5f ......................... 282
Arbeitskreis zur Beobachtung der ACK-Gastmitgliedschaft NDV Kurzbericht, S. 28ff ............................ 283
Antwort der GK auf den Antrag vom 30.11.1997 wegen ACK und die Erwiderung, S. 30 ....................... 286
Anträge der Gemeinden an die Delegiertenversamml. des Norddeutschen Verbandes, S. 31ff ............. 286
Wo war die Gemeinde der Übrigen auf dem Berg Karmel?, S, 42, (sichtbare und unsichtb. Gem.) ........ 289

Nr. 22 Juni 1997 Bild: Weinend in Babylon ........................................................................................................................... 290


Editorial: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen! ............................................................... 291
Wir sind Gottes Volk! Verwerfung und Zerstreuung ausgeschlossen?, S. 5ff .......................................... 293
Austritt aus Gewissensgründen, S. 9 ........................................................................................................ 296

4
Der geheimgehaltene Briefwechsel zwischen R. Rupp und dem damaligen
ACK-Vorsitzenden Bischof Held sowie andere Dokumente, S. 10 .......................................................... 297
Die Rechtfertigung- und Angriffsrede von R. Rupp vor den Delegierten, S. 23ff ..................................... 310
Kennz. und Charakter der 144.000 Erstlinge und ihre Haltung zu Babylon (Off. 14,1-5), S. 26ff ............. 312
Was bedeutet das Gemeindeschiff in Wirklichkeit, S. 40 ......................................................................... 322
Briefe, Stellungnahmen und Austritt, S. 54ff ............................................................................................. 323
Antwortbrief der Generalkonferenz auf die Erwiderung der Antragsteller, S. 58 ..................................... 326
Richtlinien der GK schon seit 1980 bezüglich Beobachter oder Mitglied, S.58 ....................................... 327
In eigener Sache, S. 59 ............................................................................................................................ 327

Nr. 23 Oktober 1997 Bild: Babylon Stadt ..................................................................................................................................... 328


Bild: Brücke u. Bus .................................................................................................................................... 329
Auf dem langen charismat. Ökumenezug oder auf schmalem Fußpfad sicher zum Ziel?, S. 2 ............... 330
Editorial: Siehe, euer Haus soll euch wüst gelassen werden! ................................................................ 331
Irrige Ansichten frommer Adventisten über STA (wichtiger Grundlagenartikel über die
gängigen Ausflüchte vieler STA) S. 25ff ................................................................................................... 332
Aktuelle Ereignisse in der Gemeinschaft der STA, S. 38-44 ................................................................... 344
Erklärung der Stimme der Übrigen zur Gastmitglied. der STA in Deutschland im ACK, S. 46ff ............... 351
Presseerklärung des VAB, S. 48 ............................................................................................................... 354
Unsere Stellungnahme zu Reformgemeinden, S. 49 ............................................................................... 354
Wer ist Mitglied in der ACK?, S. 57 (Brief von B. Liske, Vorsteher des SDV) ............................................ 357
Kommentar durch Satzungsauszüge, S. 57f ............................................................................................. 357
In eigener Sache, S. 59 ............................................................................................................................ 359

Nr. 24 Dezember 1997 Editorial: Ohne Kreuz keine Krone! .......................................................................................................... 360
Satans Plan erfüllt sich, S. 25ff ................................................................................................................ 361
Richtlinien einer evangeliumsgemäßen Ordnung der Gemeinde Gottes, S.39ff
(Soll man sich organisieren?) .................................................................................................................... 369
Richtigstellungen, S. 45 ............................................................................................................................. 377
In eigener Sache, S. 47 ............................................................................................................................ 377

Nr. 1 März 1998 Editorial: Folge Du mir nach! ................................................................................................................ 377


Gründung der Gemeinschaft der Übrigen, S. 19 ..................................................................................... 378
Falschübersetzung im Adventecho verführt, S. 27 (Gemeinde sei das Schiff) ....................................... 379
Ursachen von Spaltung und Trennung, S. 28ff ......................................................................................... 380
In eigener Sache, S. 43 ............................................................................................................................ 383

Nr. 2 August 1998 Editorial: Unangenehme Trennung oder gemeinsam in den Tod? ........................................................... 383
Die Vermischung von Eisen und Ton und die Einordung des deutschen Adventismus in das
prophetische Standbild von Daniel 2, S. 5 ............................................................................................... 384
Siegreich durch die Sichtung, S. 14ff ....................................................................................................... 390
Bericht über das 1. Campmeeting der Gemein. der Übrigen in Dohren vom 30.4. - 3.5.98, S. 23 ........... 396
Die Folgen derorganisatorischen Verknüpfung mit Babylon (Offb. 16:13-14), S. 31.38 .......................... 400
Die Gem. der Übrigen oder Gott führt durch eine andere Bewegung aus dem „Schachmatt“, S. 35 ....... 404

Nr. 3 November 1998 Geschwistertreffen vom 24.-27.9.1998 in der JH Weissenbrunn bei Nürnberg, S. 31ff .......................... 405

Nr. 4 Dezember 1998 Bild: Wiederkunft, Panzer ........................................................................................................................... 415


Die Schlacht von Harmagedon - sie bahnt sich an! ................................................................................ 416
Der konziliare Prozeß - Teil 1 und 2, S. 5ff .............................................................................................. 436

Nr. 5 April 1999 Im Tal der Edelweintrauben, S. 5f ............................................................................................................. 442


Der gerade Weg Gottes und die Verführungen Satans zur Rechten und Linken in dieser
Zeit der Sichtung, S. 22ff .......................................................................................................................... 444

Nr. 6 August 1999 Editorial: Augensalbe ausverkauft ............................................................................................................. 451


Daniel 1 und die Bündnistreue, S. 5 ........................................................................................................ 452
Kurzbericht über das GdÜ-Treffen in Räbke, S. 18 ................................................................................. 456
Ökumenische Konsultation (wichtig!), S. 19ff ............................................................................................ 457
Missionsplan des Vatikan für STA, S. 32 .................................................................................................. 471
Politisierung im deutschen Adventismus, S.33 ......................................................................................... 472

5
Nr. 7 Oktober 1999 Bild: Gebote zerschlagen ........................................................................................................................... 474
Editorial: Wachet auf, das Ende naht! ...................................................................................................... 475
Was haben uns heute Sintflut, Noah und die Arche zu sagen?, S. 5f ..................................................... 476
1+1 = 3 - die Logik vieler STA in der ACK-Frage!, S. 10ff ........................................................................ 478
Die Kirchen in Deutschl. kämpfen um den Sonntag - die große Herausfor. für Sabbathalter, S. 36ff ....... 486
Ein Kurzbericht und zwei Zeugnisse von Teilnehmern des GdÜ-Treffens in Murrhardt
vom 16. bis 19. September, S. 40f .. ........................................................................................................ 488

Nr. 8 Dezember 1999 Bild: Eisenbahnzug in Papierkorb .............................................................................................................. 490


Editorial: Brennende Gemeinden und schlafende Wächter ...................................................................... 491
Die Einheit der Gemeinde Christi in diesen letzten Tagen - eine Predigt, S. 8ff ....................................... 492
Achtung: fremdes Feuer und höllische Fackeln in den Adventgemeinden!, S. 16 ................................... 495
Das Lamm und die Braut (Offb. 19,7), S. 31ff ......................................................................................... 504

Nr. 9 Februar 2000 Bild 1: Plagen ............................................................................................................................................. 509


Bild 2: Plagen ............................................................................................................................................. 510
Editorial: Sonntagsappell der ACK und das beredsame Schweigen der STA-Führung .......................... 511
Die Auseinandersetzung Sabbat-Sonntag damals und heute, S. 5ff ....................................................... 512
ACK in Deutschland appelliert für Schutz des Sonntags bei Politikern!, S. 11f ....................................... 518
Offener Brief der GdÜ an den Bundeskanzler, Bundespräsidenten und die Vorsitzenden
der Fraktionen, S. 12ff ............................................................................................................................... 520
Christliche Einigkeit - das Gebot der Stunde, S. 26ff .............................................................................. 522
Das Omega und Gottes Rettungsplan, S. 42ff ......................................................................................... 525
Die Vision des Früh- und Spätregens, S. 55 ............................................................................................ 535
Aufruf zur Unterschriftenaktion, S. 57 ....................................................................................................... 537

Nr. 10 Juni 2000 Bild: zwei Schiffe ........................................................................................................................................ 538


Editorial: „Auch aus eurer Mitt werden Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren...“ .............................. 539
Auseinandersetzung der Adventbewegung mit der Sonntagsbewegung damals
und heute - ein Vergleich!, S. 5 ................................................................................................................ 540
Austritt aus der Adventgemeinde wegen ACK, S. 19 .............................................................................. 550
Ist die Gemeinde noch zu retten?, S. 20 ................................................................................................. 550
Bericht über die Delegiertenversammlung der GdÜ, S. 31 ..................................................................... 553
Kann die Gemeinde der STA Babylon werden?, S. 32 ........................................................................... 554

Nr. 11 September 2000 Editorial: „Weh den abtrünnigen Söhnen, spricht der Herr, die ohne mich Pläne fassen...“ .................... 564
Aufklärung über Friedensau, S. 11ff ......................................................................................................... 566
Konsequente Nachfolge, Familie Gomer, S. 33 ........................................................................................ 578
GdÜ-Treffen Hohegeiß - Kurzbericht, S. 34, S. 39 ................................................................................... 579
Reformgemeinde auf dem Prüfstand, S. 40ff ........................................................................................... 580

Nr. 12 Dezember 2000 Bild: Verbindung der Kirchen ..................................................................................................................... 594


Editorial: Die Adventgemeinde ist nicht die einzige und wahre Kirche! .................................................. 595
Körperschaft des öffentlichen Rechts, S. 5ff ............................................................................................ 596
Reformgemeinde auf dem Prüfstand - Teil 2, S. 17ff .............................................................................. 606
Aktuelles - Ökumene auf dem Vormarsch, S. 39ff ................................................................................... 628
Gemeinde in der Wüste, S. 45 ................................................................................................................. 634
Endgemeinde - Allgemeines und die Ausflüchte der Juden damals und STA heute,
sich von der alten Gemeinde zu trennen, S. 48ff .................................................................................... 637
Rüstzeit der GdÜ in Räbke, Kurzbericht, S. 53 ....................................................................................... 642
GK-Verwaltungsgesellschaft befürwortet Sonntagsanbetung, S. 55ff ...................................................... 643
Bundesbedingungen Israels in der Heilsgeschichte, S. 59ff ..................................................................... 647
In eigener Sache, S. 67.............................................................................................................................. 652

Stichwortverzeichnis: .............................................................................................................................................................................. 653

ACK-Informationheft der ACK Deutschland und Ökumenischer Stadtführer der ACKH in Hamburg (+ Beilagen) .................. 655

Gedicht und Bild (sinkendes Ökumeneschiff, aus SdÜ Nr. 20, 1996, S. 60) ........................................................................................... 656

6
Editorial: Adventgemeinde wohin? Charismatische Bewegung, wenn da der Redakteur Burkhard
Meyer berichtet: „Eva Kilian gab einen Einblick in das Leben als
Liebe Leser, Predigerfrau und erläuterte ihre positive Sicht zum Thema Zun-
in den letzten Monaten hört und liest man besorgniserregende genrede... Jan Hinrichs skizzierte, wie er sich eine charismatische
Berichte, die darauf hinzudeuten scheinen, daß unsere Gemeinde Gemeinde vorstellt: lebendig, bunt, sich ergänzend, aus einer leben-
langsam aber sicher in Richtung „Babylon“ oder Ökumene um- digen Beziehung zu Gott lebend... Fetzig wurde es als Klaus Jörg
funktioniert wird. Im Adventecho vom September 1992 erfährt der (E-Gitarre) und Sebastian Fritz (Schlagzeug), ein Teil der Formati-
erstaunte Leser, daß der Vorsitzende der Gemeinschaft in Deutsch- on ‘Ellen goes wild` auftraten und uns den ‘Grano-Vita Partyspread
land einen Antrag an die Vereinigung Evangelischer Freikirchen Song` beibrachten.“
(VEF) stellt, weil die Adventgemeinde hier Gastmitglied werden Natürlich ist eine durch Gottes Geist belebte Gemeinde nur wün-
„möchte“. Möchte wirklich die „Adventgemeinde“ sich am „babylo- schenswert, müssen wir aber das falsche Zungenreden etwa 70
nischen“ Treiben beteiligen? Wurden Umfragen in den Gemeinden Studenten und Auszubildenden schmackhaft machen, und mit dem
oder bei Delegiertenversammlungen durchgeführt, um die Meinung in der heutigen Zeit belasteten und mißverständlichen Begriff „cha-
und den Willen der Geschwister zwecks Gastmitgliedschaft zu er- rismatisch“ (griech. charisma = Gnadengabe, Geistesgabe) ope-
fahren, oder sind es nur eine Handvoll Administratoren, die unsere rieren, wo doch gerade die Hansa-Vereinigung große Probleme
Adventgemeinde in eine Sackgasse, Richtung Ökumene führen? damit hat?
Man kann doch eine freundliche Haltung gegenüber Evangelischen
Freikirchen auch ohne Gast-Mitgliedschaft offenbaren, wie es bis- Auf ein drittes Gebiet möchte ich noch verweisen, wo sich Tenden-
her der Fall war oder nicht? Mitgliedschaft, ob nun volle oder als zen bemerkbar machen, die unser Glaubensgut aufweichen.
Gast verpflichtet in gewisser Weise, auch trägt jedes Mitglied ei- Im Adventecho vom Juli 1992 wird in einem Artikel über Alkohol
nen Teil der Verantwortung für das, was in der VEF geschieht. Und von Bruder Dr. Thomas Domanyi, Prediger in Zürich, u.a. behaup-
da sind wir an dem heiklen Punkt angelangt. Können wir die Irrleh- tet, daß Paulus mit großer Wahrscheinlichkeit nicht abstinent lebte
ren der Freikirchen oder prophetisch ausgedrückt, den „Zornes- und das Neue Testament grundsätzlich kein Alkoholverbot kennen
wein ihrer Hurerei“ mitverantworten? Ich denke da besonders an würde - der Text in 1.Tim. 5,23 wird als Beweis angegeben.
die Gesetzesfrage und den Sonntag, an die Lehre von der unsterb- Wenn Br. Domanyi diese falsche Auffassung als private Meinung
lichen Seele und an die Säuglingstaufe - all die vielen anderen äußert, kann man es tolerieren. Daß aber das Adventecho als
Irrtümer will ich gar nicht erwähnen. Konnte man früher die Zusam- Gemeindeblatt der STA diesen Artikel veröffentlicht, ist unverant-
menarbeit der Adventgemeinde z.B. mit Bibelgesellschaften durch- wortlich und eine Zumutung grundsatztreuer Glaubensgeschwister.
aus akzeptieren oder begrüßen, da die Bibelverbreitung ja „neu- Schlafen der verantwortliche Redakteur und deren Mitarbeiter, wozu
tral“ ist und alle christlichen Kirchen bewegt, will man jetzt sogar auch der Vorstand der Euro-Afrika-Division sowie die deutschen
mit der VEF gemeinsam Evangelisation betreiben, was m.E. ein- Verbandsvorsteher gehören, oder heißen sie diesen
malig seit Bestehen unseres Werkes in Deutschland oder gar dem
Weltfeld ist, und auch weit über mögliche Zusammenarbeit hinaus- Artikel gar gut? Offenbar voller Verzweiflung äußert sich ein
geht. Und in der Praxis geschieht dies offenbar schon in West- Leser zu diesem Artikel in der Rubrik Leserbriefe:
falen. So berichtete mir ein Bruder, daß der Vorsteher L. Wilhelm „Jetzt habe ich es schwarz auf weiß, lieber Paulus: Du warst also
per Anschlag in einer Gemeinde dazu auffordert, die Evangelisati- kein Abstinenzler. Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie du
on von Billy Graham zu unterstützen und sogar Helfer zu stellen. nach einem herzhaften Schluck Chianti eine deiner berühmten
Gott verurteilt die Irrlehren und gotteslästerlichen Praktiken der Reden hältst oder deinen Brief an die Römer schreibst. Du hast
Kirchen, wie sie bei Kirchentagen und anderen Gelegenheiten nur alleine im Kämmerlein getrunken? Dann war es auf jeden
zutage treten, aufs schärfste und wir als Adventgemeinde unter- Fall ein Fehler, dich durch einen Tip an Timotheus zu verraten.
stützen diese Organisationen und möchten Gast-Mitglieder wer- Wie dem auch sei, schade, daß du kein Abonnent des ‘Advent-
den? Die Offenbarung fordert uns auf, aus Babylon herauszugehen, echo` bist, wie ich es bisher war. Vielleicht wärst du wenigstens
damit wir nicht teilhaben an deren Sünden und die Administration durch diese Lektüre zum Abstinenzler zu bekehren gewesen.
verführt die Adventgemeinde dazu, hineinzugehen? Wie empfin- Immerhin ruhst du in Frieden und bist immun gegenüber den
den wir als Helfer in einer Evangelisation, wo über die unsterbliche Aufklärungsversuchen mit einem Hintergrund nicht eindeutig zu
Seele oder von dem ans Kreuz genagelten Gesetz gesprochen bestimmender Provenienz....“
wird? Br. Rupp, Br. Wilhelm oder sonstige Administratoren, die of-
fenbar kein Unterscheidungsvermögen besitzen und zur Ökume- Eigentlich hätte dieser Leserbrief den Redakteur und die
ne tendieren, können da gern mithelfen, aber sie mögen dies doch genannten Verantwortlichen aufschrecken und veranlassen
nicht treuen Geschwistern aufbürden. müssen, eine Entschuldigung und Richtigstellung im Adventecho
Die andere Frage, die sich hier die Gemeindeglieder zu Recht stel- zu veröffentlichen, stattdessen wird der Leserbrief in nahezu
len ist die: Können und dürfen wir dann überhaupt noch in Kreisen dreistem Trotz sogar noch abgedruckt.
der VEF evangelisieren, um diese „Glaubensgeschwister“ für die
Adventgemeinde zu gewinnen? Ist dies nicht Proselytenmacherei, In dieser Ausgabe wird recht umfangreich auf das Thema
die von der VEF verurteilt wird? Auch fragen sich die Geschwister, Alkohol eingegangen, so daß der Leser einen eindeutigen
ob Mission bei evangelischen Christen, mit denen sie zusammen Standpunkt in dieser Frage erfährt.
missionieren, nötig ist, da diese augenscheinlich gleichwertige
Partner sind. Unser ganzer Missionsgedanke und unser Auftrag, Adventgemeinde wohin? Wenn weiterhin zu diesen Mißständen
die dreifache Engelsbotschaft allen Menschen zu verkündigen, und ökumenischen Manövern geschwiegen wird und alles ohne
erhält durch solche Praktiken einen schweren Schlag. Protest weiterläuft, werden wir nicht nur Leser des Adventechos
In dem gleichen Adventecho sind noch andere Zeilen zu lesen, die verlieren, sondern scharenweise Austritte erleben und unsere Iden-
eine ähnliche Tendenz aufzuweisen scheinen, diesmal in Richtung tität, ja Berufung als STA verlieren. Jeder Vorsteher, Prediger und
7
Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt
wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz
des Herrn und sinnt über sein Gesetz Tag und Nacht!
Psalm 1 Vers 1

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jedes treue Gemeindeglied sollte seine Stimme in Briefen, Aus- verkehrte Position, die Gemeindeglieder zum Besuch und zur Mit-
schüssen und Gremien erheben, damit wieder ein eindeutiger und arbeit der Billy Graham Evangelisation aufzurufen. Ellen G. White
klarer Kurs gesteuert wird. warnt verschiedentlich davor (siehe Artikel über Ökumene), sol-
Möge Gott uns Kraft und Mut schenken, Falsches zu berichtigen che Versammlungen zu besuchen, weil uns dann schützende En-
und die dreifache Engelsbotschaft mit großer Klarheit allen Men- gel verlassen und wir so wieder nach Babylon zurückgehen, aus
schen, einschließlich der großen „Babylon“ zu verkündigen. das uns der Herr einst in die Gemeinde führte.
Erich Schultze - Editor Wir stimmen auch weder mit der Botschaft noch mit dem Ziel die-
ser, von der Evangelischen Allianz initiierten Evangelisation über-
ein. Wir können - von den Irrlehren ganz zu schweigen - einer Erlö-
sungsbotschaft ohne Verbindlichkeit zum Gesetz Gottes (Gesetz
Editorial: Von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede und Gnade darf man nicht trennen) nicht zustimmen und auch nicht
ich. nach dem Motto Friedrichs des Großen: „Jeder soll nach seiner
Fasson selig werden.“ die Zuhörer in verschiedene Kirchen ent-
lassen.
Liebe Leser,
Darüber hinaus ist Billy Graham selbst aus evangelikaler Sicht sehr
für das neue, angebrochene Jahr wünsche ich Euch Freude im
umstritten. Er sieht den Papst als moralischen Führer der Mensch-
Herrn und stärkende Glaubenserfahrungen. Ganz herzlich möch-
heit, versteht sich so gut mit den Katholiken, daß er die Ehrendok-
te ich Euch für die vielfältige Unterstützung der Zeitschrift danken.
torwürde von ihnen erhielt, verriet die Baptisten im Osten, als er in
Das Jahresmotto unserer Gemeinschaft lautet: „Von deiner Wahr-
Moskau von der dortigen Religionsfreiheit schwärmte - was ihm
heit und von deinem Heil rede ich.“
sehr übel genommen wurde - und unterhält enge Kontakte mit ei-
Was sind Wahrheit und Heil? Darüber wissen wir als STA im allge-
nigen Charismatikern, deren Fähigkeiten deutlich auf satanische
meinen gut Bescheid. Welche Antwort können wir aber auf die Frage
Kräfte zurückzuführen sind. Trotz solch eines Evangelisten und kla-
geben: Was ist heute die gegenwärtige Wahrheit für unsere
rer Warnungen der Botin Gottes, bietet L. Wilhelm diesen Giftbe-
Gemeinde? Die Wahrheit wird oft nicht gern gehört. Worte der
cher der Versuchung seinen anvertrauten „Schafen“ an.
Propheten in alter Zeit wurden geringgeschätzt, die Laodizeabot-
Man kann nur hoffen - denn Einsicht sucht man vergeblich bei L.
schaft nicht ernstgenommen. Viel lieber hat man „Frieden“, auch
Wilhelms Interview im Mitteilungsblatt -, daß sich niemand an die-
wenn es hinter der Fassade bröckelt und brodelt, und ein klares
sem gefahrvollen Unternehmen beteiligt.
Wort Abhilfe schaffen könnte. Die Wahrheit in Form von Tadel und
Das „Zugleich“ war der Fallstrick der Israeliten, die Gott und Baal
Ermahnung ist heute notwendiger denn je, um uns die Augen für
dienen wollten. Dieses „Zugleich“ ist auch unser Problem heute:
unseren wahren Zustand zu öffnen.
einerseits in Gottes Namen die Menschen vor Babylon und dem
„Wehret den Anfängen“, sagt ein bekanntes Sprichwort. Wie wir
Antichristen zu warnen und anderseits Freundschaft und Bündnis-
in der Ausarbeitung über Ökumene einige Seiten weiter erfahren
se mit diesen Organisationen zu schließen. Was hat die Gerech-
werden, ist unsere Gemeinschaft der STA in großer Gefahr, im
tigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Wir sollen nicht
ökumenischen Treibsand umzukommen und den Auftrag Gottes,
am gleichen Joch mit sonntaghaltenden Organisationen ziehen,
die dreifache Engelsbotschaft aller Welt mitzuteilen, zu verlieren.
ansonsten haben wir Anteil an deren Sünden. Wir müssen klar
Es gibt in einigen evangelikalen Kreisen deutliche Stimmen, die
trennen zwischen dem Bemühen, einzelnen Menschen die Bot-
vor der Ökumene und auch der Charismatischen Bewegung war-
schaft zu bringen und mit ihnen zu beten und einem wie auch im-
nen und diese im Lichte von Offenbarung 13, 17 und 18 sehen
mer gearteten Bündnis mit protestantischen Kirchen und Organisa-
und beschreiben. Und wo ist die deutliche Warnung derjenigen zu
tionen.
finden, die Gott besonders dazu ausersehen hat? Im Gegenteil,
während sich andere ganz von der Ökumene zurückziehen, schickt
Während Ellen White einerseits schreibt, daß wir in unseren Veröf-
unsere Gemeinschaft schon seit Jahren Angestellte des Werkes
fentlichungen und Vorträgen keine brutalen Angriffe gegen diese
in Ausschüsse der Ökumene, unterstützt auf unteren Ebenen fi-
gottfeindlichen Systeme führen sollen - was nicht der christlichen
nanziell und personell ökumenische Aktivitäten und ist Mitglied in
Höflichkeit entspricht - und auch mit Geistlichen anderer Konfessio-
etlichen nationalen Räten. Einerseits gibt es etliche Veröffent-
nen sprechen und beten sollten, macht sie deutlich, daß wir uns
lichungen in unserer Gemeinschaft, die zumindest noch bis vor
als Gemeinschaft in keiner Weise mit sonntaghaltenden, protestan-
etwa 6 Jahren deutlich vor der Ökumene warnen und darin das
tischen Vereinigungen verbinden dürfen. Gott hat uns herausgeru-
apokalyptische Babylon erblicken, andererseits buhlt man heute
fen, hat uns Erkenntnisse geschenkt wie keiner anderen Gemein-
um die Gunst dieser Bewegung und kirchlicher Bündnisse. Wir
schaft und den Auftrag erteilt, die Welt zu warnen. Wir dürfen die
wollen gerne Gastmitglieder, Beobachter oder Mitglieder dieser
Trennungslinie, die Gott zwischen uns und „Babylon“ gezogen hat
Vereinigungen sein. Die Bibel sagt: „Gehet aus von ihr mein Volk“,
nicht überschreiten. Freundlichkeit und Offenheit gegenüber pro-
und wir gehen hinein und unterstützen diese Systeme. Wir ermuti-
testantischen Kirchen und Einrichtungen, sowie Zusammenarbeit
gen sie in ihrem Tun und stellen uns ihnen gleich. Wir wollen gerne
in der Bibelverbreitung als auch im sozialen Bereich, wie Hilfe für
überall angesehen sein und bloß nicht als Sektierer bezeichnet
Suchtgefährdete oder bei Katastrophen etc. sind akzeptabel - da
werden - das tut dem Image und eigenem Ego nicht gut. „Wie
dies auf glaubensneutralem Boden geschieht und wir nur für diese
lange hinket ihr auf beiden Seiten?“, mußte Elia seinem Volk
Aktivitäten Verantwortung tragen - und wir keine unnötigen Mau-
zurufen, und dieser Entscheidungsruf gilt auch uns. Wir stehen vor
ern errichten wollen. Etwas anderes ist aber eine Mitgliedschaft in
dem Abgrund des Verderbens: Wollen wir unsere Hand über die
kirchlichen Organisationen, weil wir dann Mitverantwortung für al-
Kluft hinweg der Ökumene und anderen protestantischen Vereini-
les tragen, was dort geschieht und die Trennungslinie überschreiten.
gungen reichen, obwohl Gott es uns verbietet? Während sich un-
Oft wird von unseren Leitern das Argument ins Feld geführt, daß
ser Verbandsvorsteher R. Rupp um Gastmitgliedschaft der STA in
wir uns soweit mit Ökumene und Kirchenzusammenschlüssen
der Vereinigung Evangelischer Freikirchen bemüht, rechtfertigt der
verbinden dürfen, solange wir unsere eigene konfessionelle Iden-
Vereinigungsvorsteher L. Wilhelm in einem Mitteilungsblatt seine
10
tität wahren können. Dieses Argument ist bei näherem Hinsehen Hinwendung der STA zur ökumenischen Bewegung begrüßen soll-
nur ein Scheinargument oder Deckmäntelchen, um unsere Mitglied- ten, und den im Osten schon lange und jetzt im Westen einge-
schaft oder Gastmitgliedschaft in ökumenischen Kreisen zu recht- schlagenen Weg in die Ökumene der Kirchen ebnen.
fertigen. Selbst die Freimaurer und natürlich auch die Ökumene
verlangen von keinem Mitglied, daß es seine eigene konfessionelle Der Wunsch und die Meinung etlicher Leiter und Prediger unserer
Identität aufgibt, solange es einem gewissen gemeinsamen Kon- Gemeinschaft geht heute offenbar in dieselbe Richtung, wie es
sens zustimmt. Das eigentliche Problem ist auch nicht, die konfes- schon vor vielen Jahren unser bekannter Kinderbibelautor A. S.
sionelle Identität zu wahren, sondern die Teilhaberschaft an gott- Maxwell in einer Predigt verkündigte, nachdem er als inoffizieller
feindlichen Organisationen und deren Stützung und Verharmlosung. Beobachter im Auftrage der Gemeinschaft der STA am II. Vatikani-
Wie soll man einem denkenden Menschen erklären, daß man aus schen Konzil teilgenommen hatte:
„Babylon“ herausgehen soll und ist selbst Mitglied in etlichen öku- „Niemand wird mir je glauben, daß ich so lange, so nahe an Seiner
menischen Einrichtungen? Sind wir dann nicht inkonsequent und Heiligkeit gesessen habe. Aber ich konnte sehr gut sehen und sah
werden unglaubwürdig in den Augen der Geschwister und Inter- einige äußerst bezaubernde Dinge... Es ist ein großer Schritt vor-
essierter? wärts, das ist gar keine Frage. Es ist erstaunlich, daß die Kirche
(von Rom) sich neben die Protestanten setzt und erklärt, daß jeder
Werden wir den Anfängen wehren und doch noch zur Einsicht kom- Mensch das grundlegende menschliche Recht hat, seine eigene
men? Haben wir noch genügend, in der Adventwahrheit fest- Religion zu wählen und der Eingebung des Gewissens zu folgen...
gegründete, Protestanten in unseren Reihen? Die Zukunft wird es Wie können wir eine ausgestreckte Hand ausschlagen und Chri-
offenbaren. sten sein? Wie können wir sagen, daß sie dem Antichristen ange-
Erich Schultze - Editor hören, wenn sie so viele schöne, christliche Eigenschaften haben?
Seid ihr dadurch schockiert? ... Ich glaube, daß wir doppelt so vie-
le Glieder haben könnten wie jetzt, hätten wir diese Menschen
behandelt, wie Gott sie immer von uns behandelt haben möchte,
Adventgemeinde im „Rat“ der Ökumene und hätten wir sie geliebt anstatt gehaßt. ‘Ihr (Katholiken) wart stets so
protestantischer Vereinigungen? brüderlich... Ich danke euch für eure Brüderlichkeit` ... Oh Freun-
de, wir können diese Menschen nicht aus dem Reich Gottes aus-
Tatsachen - und wer wird Gottes letzte Warnung weitergeben? sperren, wir können sie nicht verurteilen, wir können sie nicht mit
dem Malzeichen des Tieres brandmarken. Wie schrecklich wir all’
Seit vielen Jahren arbeiten Siebenten-Tags-Adventisten fleißig in diese Jahre gehandelt haben, und dann wundern wir uns, wes-
der Spitze und Zentrale der ökumenischen Bewegung, dem Welt- halb sie uns nicht lieben... Ich denke, viele Prediger werden viele
kirchenrat, mit. Wir haben einen Vertreter der STA als Mitglied im alte Predigten wegwerfen müssen...“1
Ausschuß für Glaube und Kirchenordnung, und laut eines adventi-
stischen Magazins sind wir u.a. in den Gremien für Kommunikati- Kann Gott unseren eingeschlagenen Weg gutheißen? Kann Er
on, Religiöse Freiheit, dem weltweiten Dienst für Kirchen und dem unsere Gemeinschaft noch weiterhin als Trägerin der dreifachen
Ausschuß für Haushalterschaft vertreten. Engelsbotschaft gebrauchen, wenn einerseits die aufgetragene
Im Adreßbuch Christlicher Räte, herausgegeben vom Weltkirchen- Botschaft an die abgefallene Christenheit lautet:
rat, erfahren wir, daß STA im Mitgliedsrat der Ökumene auf nationa- „Gehet aus von Babylon, damit ihr an deren Sünden nicht Anteil
ler Ebene Mitglieder auf den Bahamas, in Belize, in Schweden habt“ und wir andererseits uns mit den gottfeindlichen Systemen
und den Cookislands sind. verbrüdern, verbinden und sie unterstützen, auch finanziell?
Bereits im Jahre 1980 beschloß die Generalkonferenz, daß
Beobachterstatus oder Mitgliedschaft in religiösen Organisationen In einem Buch wird von einem Gutsbesitzer berichtet:
vom Beirat gutgeheißen werden dürfen. „Ein Gutsherr suchte einen neuen Kutscher. Es meldeten sich drei
In Ungarn genießen die ökumenisch gesinnten Leiter der STA bei ihm. Er fragte den ersten: ‘Wie nahe kannst du an einem Gra-
weiterhin den Segen der Generalkonferenz. ben vorbeifahren, ohne umzukippen?` ‘Nun`, antwortete der, ‘ich
denke bis auf zwanzig Zentimeter.`
Auch in Deutschland beginnt die ökumenische Welle zu rollen: ‘Und du?` fragte der Herr den zweiten. ‘Bis auf zehn Zentimeter`,
Während vor der Wende der Ostdeutsche Verband der STA dem meinte dieser, um den ersten zu überbieten.
Arbeitskreis Christlicher Kirchen angehörte und nach der Vereini- ‘Und du?` wandte sich der Herr an den dritten. ‘Meiner Treu`, rief
gung sich der Westen offenbar vergeblich um weitere Gastmitglied- der mit ehrlicher Bestürzung, ‘vom Graben bleiben wir weg, so weit
schaft in dem gesamtdeutschen ACK bemühte, hat der Vorsteher wir nur können!`
der Gemeinschaft der STA in Deutschland unsere Gastmitglied- Den Kutscher stellte der Gutsherr ein.
schaft in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen beantragt. So klug sollten wir alle sein und uns von jeder Versuchung zur
Der Vereinigungsvorsteher von Nordrhein- Westfalen lädt die Sünde fernhalten!“2
Gemeindeglieder der gesamten Vereinigung dazu ein, nicht nur Wird Gott unsere Gemeinschaft als „Kutscher“ für den letzten lau-
selbst und mit Interessierten an Veranstaltungen der Evangelischen ten Ruf einstellen oder sich nach besseren Werkzeugen umsehen
Allianz - in diesem Fall an der Großevangelisation mit Billy Graham müssen, die die Versuchung deutlich erkennen und sich als treue
- teilzunehmen, sondern selbst als Helfer mitzuwirken, um dieses Wächter erweisen?
Vorhaben zu unterstützen. Mögen die folgenden Ausführungen uns bewußt machen, welch
eine große Gefahr die ökumenische Versuchung darstellt, und uns
Ein sehr guter Kenner der Wegrichtung der STA in Deutschland, Grundlage bieten, in Buße und Demut einen neuen Weg zu ge-
Erich Geldbach, plädiert aus evangelisch-ökumenischer Sicht an hen, der von Gott vorgesehen wurde und uns sowie der Welt zum
die ACK in Deutschland, daß die Ökumeniker in den Kirchen die Segen gereicht.
11
1. Ökumene - Wortbedeutung, Geschichtsabriß und Struktur ‘um das Werk der Versöhnung und der Schaffung neuer Gemein-
schaft zwischen den Kirchen zu kennzeichnen.“6
1.1 Wortbedeutung „Ökumene“ 1937 fanden zwei weitere Weltkonferenzen, die eine in Oxford und
die andere in Edinburgh statt. Der langgehegte Wunsch nach ei-
Der Begriff Ökumene hat mehrere Bedeutungen und erhielt im nem Kirchenbund nahm nun Gestalt an. Je sieben Mitglieder der
Laufe der Geschichte verschiedene Ausprägungen. In Kurzfassung beiden Weltkonferenzen von Oxford und Edinburgh sollten als
umreißt der adventistische Bibelkommentar: „Ökumene“ bedeutet Vierzehner-Ausschuß den Vorschlag, einen Weltkirchenrat zu orga-
nisieren, verwirklichen.
„die Bewegung, alle Kirchen zu gemeinschaftlichem Handeln zu
bringen und sogar zu einer organischen Einheit werden zu lassen; Am 23. August 1948 konstituierte sich in Amsterdam der Weltkir-
vom Griechischen oikoumené, ‘die bewohnte Welt`, ‘die ganze Welt` chenrat. Bei dieser ersten Vollversammlung des Weltkirchenrates
und deshalb ‘universal`. Oikumené erscheint 15mal im Neuen Te- vertraten 351 Kirchendelegierte 147 verschiedene Kirchen und De-
stament - zum Beispiel in Lukas 2,1, um anzudeuten, wie weit die nominationen aus 44 Ländern der Erde.
dort erwähnte römische Einschreibpflicht reichte, und in Matthäus
24,14, wo von der Predigt des Evangeliums die Rede ist und die Die darauf folgenden 6 Vollversammlungen fanden (siehe Abbil-
Reichweite der Predigt bezeichnet werden soll. Heute bezieht sich dung) 1954 in Evanston (USA), 1961 in Neu Delhi (Indien), 1968
unter Protestanten der Begriff der Ökumene auf die Bewegung, in Uppsala (Schweden), 1975 in Nairobi (Kenia), 1983 in Vancou-
die bestrebt ist, die in sich selbständigen Glaubensgemeinschaf- ver (Kanada) und 1991 in Canberra (Australien) statt.
ten miteinander zu verbinden.“3
Noch einige kurze, wichtige Hinweise:
Wie B.B. Beach, Abteilungsleiter in der GK und der Vertreter der
STA bei ökumenischer Zusammenarbeit, ganz richtig In Neu Delhi wurde 1961 der „Internationale Missionsrat“ in den
feststellt, hat sich Ökumene seit den 70ger Jahren „im Sinne eines Weltkirchenrat eingegliedert und die Orthodoxen Kirchen traten
mehr weltlich geprägten Bewußtseins einer Einheit aller Menschen“ massenweise ein.
entwickelt.“4 Der Weltrat für christliche Erziehung verschmolz 1971 mit dem
Weltkirchenrat.
1.2 Geschichtsabriß Bedeutsam ist vor allem noch die starke Einflußnahme der Rö-
misch-Katholischen Kirche auf das ökumenische Geschehen. 1.3.
Im Rahmen dieser Zeitschrift mag ein kurzer Überblick über die Die Struktur und Arbeitsweise der Weltkirchenrates
wesentlichen Stationen der ökumenischen Bewegung (siehe Ab-
bildung oben) genügen, die es inzwischen auf 320 Mitgliedskirchen Den Aufbau des Weltkirchenrates erläutert Th. Rehse:
gebracht hat. „Das bedeutsamste organisatorische Instrument der ökumenischen
Theophil Rehse, ein bemerkenswerter Autor, schreibt in seinem Bewegung - soweit es sich hier um Kirchen außerhalb der Rö-
lesenswerten Buch „Ökumene - woher und wohin?“ zur Geburts- misch-Katholischen handelt - ist der Weltrat der Kirchen, der seine
stunde der heutigen Ökumene: Zentrale in Genf hat. Er versteht sich, wie bereits erläutert worden
„In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brach sich ein vielfälti- ist, als ‘eine Gemeinschaft von Kirchen`...
ges Streben nach Einheit der Christen Bahn. Jene Jahrzehnte Die wichtigsten Organe des Weltkirchenrates sind die Vollversamm-
wurden zur Geburtsstunde vieler internationaler Bünde und Organi- lung, der Zentralausschuß mit seinem Exekutivausschuß, die
sationen, nicht nur auf allgemein christlichem Sektor. Nachdem Kommissionen, die Ausschüsse einzelner Programmabteilungen
sich die Evangelische Allianz (1846), der Weltbund des CVJM und die Hauptverwaltungsstelle in Genf (Generalsekretariat), die
(1855), der Jugendbund für EC (Entschiedenes Christentum) in New York ein Büro hat.
(1881), der Christliche Studentenbund (1895) und manche ande- Die Vollversammlung ist das oberste Organ, die entscheidende
ren weltweiten Zusammenschlüsse formiert hatten, kam es zur Ein- Autorität des Weltkirchenrates, und tagt in der Regel alle sechs bis
berufung von internationalen Missionskonferenzen, die für die An- acht Jahre...
fänge der ökumenischen Bewegung wichtig wurden. Jede Vollversammlung besteht zum größten Teil aus Delegierten
Die erste internationale Missionskonferenz fand 1897 in London der einzelnen Mitgliedskirchen; ein kleinerer Teil wird durch den
statt. Unter der Leitung von John R. Mott - Mitbegründer des Christ- überaus wichtigen Zentralausschuß vorgeschlagen. Auch werden
lichen Studentenweltbundes und Ehrenpräsident des Weltbundes ‘befreundete Delegierte`, etwa Vertreter von konfessionellen
des CVJM - fand 1910 in Edinburgh eine weitere statt. Weltbünden oder nationalen Kirchenräten, eingeladen und darüber
Sie kann als eigentlicher Beginn der modernen ökumenischen hinaus auch ‘delegierte Beobachter`, z.B. offizielle Vertreter der
Bewegung angesehen werden.“4 Römisch-Katholischen Kirche...
Die Vollversammlung entscheidet über die Aufnahme von Mitglieds-
Im Jahre 1925 fand eine Weltkonferenz für „Praktisches Christen- kirchen, und zwar mit der 2/3 Mehrheit ihrer Delegierten. Sie nimmt
tum“ in Stockholm statt. Die volkstümliche und seichte Parole lau- die verschiedenen Arbeitsberichte und Programmvorlagen entge-
tete hier: „Lehre trennt, Dienst verbindet“. Schon damals sprach gen und legt Richtlinien für die zu leistende Arbeit des Weltkir-
der anglikanische Bischof von Winchester davon, Gottes Reich auf chenrates fest. Die Wahl des Präsidiums, das vor allem re-
Erden zu errichten zu wollen.5 präsentative Funktion hat, und auch die der Mitglieder des
Auf dieser und der 2 Jahre später stattfindenden „Weltkonferenz Zentralausschusses ist Aufgabe der Vollversammlung...
für Glauben und Kirchenverfassung“ trat neben Bischof Bent be- Der Zentralausschuß, dieses von der Vollversammlung gewählte
sonders Erzbischof Nathan Söderblöm (1866-1931) von Uppsala Gremium, dem etwa 135 Personen (jetzt 150, E.S.) angehören,
hervor, der sich für den Frieden und eine gerechte Ordnung in der tritt einmal jährlich zusammen, um die ständigen Anliegen, in be-
Welt einsetzte, sowie „das Wort ‘Ökumene` bewußt gebrauchte, vollmächtigter Vertretung der Vollversammlung, zu beraten und zu

12
entscheiden... d) Als letzte Stufe kommt dann der Lokale Kirchenrat, zum Bei-
Um für plötzlich auftauchende Probleme aktionsfähig zu sein, stellt spiel der Kirchenrat von Bonn. Alle diese Räte sind Bundes-
der Zentralausschuß aus seinen Mitgliedern einen Exe- verbände, eine Kirche wird Mitglied. Es gibt aber geografisch ge-
kutivausschuß zusammen. Er besteht aus 15 Personen und tagt sehen Stufen.“9
wenigstens zweimal jährlich. Ihm gehören neben anderen Mitglie-
dern des Zentralausschusses der Präsident, der Vorsitzende und Über die andere Ebene der Mitgliedschaft in der Ökumene als über
die stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralausschusses an. So Mitgliedskirchen, die Mitgliedsräte, schreibt der gleiche Autor:
kann er als eins der wichtigsten Vollzugsorgane des Weltkir- „Der Weltkirchenrat hat nicht nur Mitgliedskirchen, sondern auch
chenrates angesehen werden. Mitgliedsräte. Das sind die Nationalräte der Kirchen, von denen es
Das Generalsekretariat ist das wichtigste ständige Arbeitsorgan mehr als Hundert gibt. Diese ‘member councils`- also keine Kir-
des Weltkirchenrates. Von 1948 bis 1968 wurde es durch Visser’t chen, doch Räte - sind auf drei verschiedene Weisen mit dem
Hooft geleitet, von 1968 bis 1972 durch Dr. Eugene Carson Blake Weltkirchenrat verbunden.
und seither durch Dr. Philip Potter, einem methodistischen Theolo- a) Erstens als ‘associated councils` - das heißt, einen Rat, der
gen,...(der vorletzte Generalsekretär Emilio Castro wurde im Januar ohne formelle Mitgliedschaft an diesem Bündnis teilnimmt
1993 von dem deutschen evangelischen Theologieprofessor Kon- b) Zweitens als ‘affiliated councils` - das sind adoptierte Räte
rad Raiser abgelöst, E.S) c) Drittens als ‘councils in working relationship` - das sind
Das Generalsekretariat mit seinen hauptamtlichen Mitarbeitern - Arbeitsgemeinschaften...
Theologen und Nichttheologen - steht in enger Verbindung mit al- Nicht einer von diesen ist Vollmitglied... Was aber mit den Räten
len anderen Organen des Weltkirchenrates, nimmt Informationen möglich ist, ist auch für die Konfession möglich. Unsere Konfessi-
und Anregungen an, gibt solche weiter und versorgt die Mitglieds- on des ‘Siebenten-Tags-Adventismus` ist in ‘working relationship`.
kirchen, konfessionellen Weltbünde und nationalen Kirchenräte mit Wir sind also auf genau dieselbe Weise mit dem Weltkirchenrat
gewonnenen Arbeitsergebnissen und Programmvorhaben. Dem verbunden wie 34% von allen Nationalräten in der ganzen Welt.
Generalsekretariat sind vor allem zugeordnet die Finanzen und Das sind Tatsachen, die nicht herabgespielt werden können.“10
die Zentralverwaltung, die Kommunikationsabteilung...
Selbstverständliche Aufgabe des Generalsekretärs ist die enge 2. Ökumenische Stolpersteine auf dem Weg zur Einheit
Verbindung zu den hauptsächlichen Programmabteilungen:
Abteilung I: ‘Glaube und Zeugnis`. Hierzu gehören: Glaube und Herausragende Persönlichkeiten unserer Gemeinschaft, die sehr
Kirchenverfassung, Weltmission und Evangelisation, Kirche und gut über die Ökumene und deren Bestrebungen unterrichtet sind,
Gesellschaft, Dialog mit Vertretern der Religionen und Ideologien haben, wie wir noch sehen werden, immer wieder vor einer Mit-
unserer Zeit und Theologische Ausbildung. gliedschaft gewarnt und auf die Gefahren hingewiesen. Ebenso
Abteilung II: ‘Gerechtigkeit und Dienst`. Hierzu gehören: Zwischen- erhoben bedeutende Persönlichkeiten verschiedener christlicher
kirchliche Hilfe, Flüchtlings- und Weltdienst, kirchlicher Entwick- Kirchen ihre Stimme gegen die evangeliumswidrigen Aktivitäten
lungsdienst, internationale Angelegenheiten, Programm zur Be- des Weltkirchenrates. Die hauptsächlichen Gründe, die es der
kämpfung des Rassismus, christliche Gesundheitskommission, Gemeinde Gottes und allen aufrichtigen Gläubigen unmöglich
gemeinsamer Ausschuß mit dem Vatikan für Gesellschaft, Ent- machen, sich in irgendeiner Weise an der Ökumene zu beteiligen,
wicklung und Frieden. werden nun in sieben Punkten abgehandelt.
Abteilung III: ‘Bildung und Erneuerung`. Hierzu gehören: Bildung,
Frauen, Jugend, Erneuerung und Gemeindeleben.“7 2.1 Katholische Einflüsse und päpstliche Führerschaft

Was die Beziehung des Weltkirchenrates zu Nationalräten der Kir- Schon zu Beginn ökumenischer Annäherung lassen uns Roms
chen anbelangt, heißt es in einer ihrer Veröffentlichungen: Aussagen erschrecken. Dr. Thomas Domanyi, Prediger der STA,
„Wo immer es möglich ist, arbeitet der Weltkirchenrat zusammen, schreibt:
mit oder durch Nationalräte der Kirchen und durch national-christ- „Am 25.01.1959, am Ende der Weltgebetsoktave zur Wiederverei-
liche Konzilien. Diese Körperschaften senden auch Vertreter ohne nigung, hörte die staunende Welt, es sei ein ökumenisches Konzil
Stimmrecht zu den Versammlungen und Zentralversammlungen zur Vorbereitung der Wiedervereinigung der getrennten Christen
des Weltkirchenrats.“8 einberufen worden. Mit dieser Ankündigung des Zweiten Vatikani-
schen Konzils hatte Papst Johannes XXIII. in der Geschichte der
Über die 4 Stufen der Organisation schreibt Wim Wiggers (enga- Katholischen Kirche und der ganzen Christenheit eine neue Epo-
gierter STA aus den Niederlanden): che eröffnet... Anläßlich der Ankündigung des Konzils 1959 sprach
„a) Auf Weltebene gibt es den Weltkirchenrat. der Papst folgende freundliche Einladung aus:
b) Weiterhin gibt es Regionale Räte der Kirchen: ‘Das Hauptziel des Ökumenischen Konzils wird die Stärkung der
All Africa Conference of Churches, Christian Conference of Asia, Römisch-Katholischen Kirche sein. Wenn dann die Kirche in ihrer
Caribbean Conference of Churches, Conference of European vollen Herrlichkeit ist, werden wir den Orthodoxen, Protestanten
Churches, Middle East Council of Churches, North America, Pacific und anderen sagen: ‘Brüder, Ihr könnt doch sehen, daß dies die
Conference of Churches und Latin American Council of Churches. Kirche Christi ist. Kommt! Der Weg zu einem Zusammenkommen,
Das sind praktisch die Räte von Asien, Europa, Nord-Amerika, Süd- zu einer Rückkehr ist offen. Kommt, um Euren Platz einzunehmen
Amerika, Afrika, Karibik, Mittlerer Osten und der Pazifik. oder ihn wiedereinzunehmen, der doch für viele von euch der Platz
c) Eine weitere Stufe nach unten sind die National-Räte. Zum Bei- der Vorväter ist!`...
spiel ‘die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Bundes- Um das Ziel der ‘Heimholung der getrennten Brüder` zu erreichen,
republik Deutschland und Berlin` oder ‘der Schweizerische Evan- wurde 1960 Kardinal Bea mit der Errichtung und Leitung eines
gelische Missionsrat` oder ‘der Ökumenische Rat der Kirchen in ‘Sekretariats für die Einheit der Kirche` beauftragt...
Österreich`. ‘Wir sollten den getrennten Brüder`, meinte der Papst, ‘die Mög-
13
lichkeit geben, die Konzilsarbeit zu verfolgen, um ihnen dadurch B.B. Beach schreibt:
die Rückkehr in den einen Schafstall Christi zu erleichtern.`... „Roms Zusammenarbeit mit Genf ‘erstreckt sich auf jedes Gebiet`,
Die Strategie zur Verwirklichung dieses Ziels umriss Kardinal Bea sagt Lukas Vischer vom Weltkirchenrat. Katholiken sitzen in vielen
mit den Worten: ‘Erst Annäherung, dann Anlehnung und schließ- Ausschüssen des Weltkirchenrates. Normalerweise plant der Welt-
lich die völlige Vereinigung.“11 kirchenrat keine Konferenz, bei der er nicht mit einer bedeutenden
katholischen Delegation rechnet.“15
Zur Kompromißbereitschaft die Lehre betreffend, legte Kardinal
Bea 1962 die Haltung der katholischen Kirche wie folgt dar: Wie weit der Einfluss der Römisch-Katholischen Kirche bei ökume-
„Es kann nicht die Rede davon sein, daß ein Konzil Kompromisse nischen Versammlungen reichen kann, macht die Europäische
auf dem Gebiet des Dogmas der katholischen Glaubenslehre ma- Ökumenische Versammlung (EÖV) vom 15.-21. Mai 1989 in Basel
chen könnte. Es wäre in der Tat eine schlecht verstandene Liebe deutlich, wo die Römisch-Katholische Kirche die Hälfte von 700
zur Einheit und zu den getrennten Brüdern, wenn man ihnen Hoff- Delegierten stellte und die andere Hälfte der Delegiertenplätze sich
nung machen wollte, die Römische Kirche werde von ihnen für die 120 Mitgliedskirchen der KEK teilen durften.
Wiedervereinigung nur die Anerkennung der wesentlichen Dog- Hierzu zitiert Lothar Gassman C.F. v. Weizäcker: „Der Ökumeni-
men fordern, werde etwa auf die Annahme der Glaubensdekrete sche Rat wird zu jeder Art seiner Mitwirkung bereit sein müssen,
des Konzils von Trient verzichten (Anmerkung: Dieses Konzil ab auf die er sich mit der katholischen Kirche einigen kann.“16
1545 sorgte für eine scharfe Abgrenzung gegenüber dem
Glaubensgut der Reformation; die Lehre vom Fegfeuer, vom Ab- Päpstliche Führerschaft
laß, von der Heiligenverehrung wurde neu formuliert und bestätigt
usw.), oder sich dazu verstehen, das Dogma vom Primat oder der Emilio Knechtle, der bekannte Erwekkungsprediger und gute Ken-
Unfehlbarkeit des Papstes zu revidieren. Was die Kirche einmal ner der protestantischen Szene in Amerika, brachte schon vor et-
als Glaubenssatz verkündigt hat, hat sie verkündet unter dem Bei- lichen Jahren zum Ausdruck, daß viele protestantische Leiter nicht
stand des Heiligen Geistes, als eine von Gott geoffenbarte Wahr- nur einen Zusammenschluß von Kirche und Staat wünschen, son-
heit, über die sie selbst in keiner Weise verfügen kann. Der Herr dern auch den Papst als Führer anerkennen wollen.
hat ihr die Bewahrung und Auslegung der Offenbarungswahrheiten Auch das Oberhaupt der Orthodoxen Kirchen denkt so:
anvertraut, er hat ihr aber nicht die Gewalt gegeben, etwas an die- „Einen weiteren Höhepunkt des angelaufenen ökumenischen Pro-
sen Wahrheiten zu ändern.“12 zesses bildete die Begegnung der Oberhäupter der Römischen
und Orthodoxen Kirchen im Oktober 1967 in Rom. Die beiden höch-
Römisch-Katholische Verbindungen zur Ökumene sten Würdenträger umarmten sich und tauschten den Bruderkuß
aus. Nachdem Papst Paul VI. den 81jährigen Patriarchen mit ‘viel-
Wurde es den Katholiken 1948 und 1954 noch untersagt, den geliebter Bruder in Christus` anredete, räumte der Primas der Or-
Versammlungen des Weltkirchenrates beizuwohnen, änderte sich thodoxie dem päpstlichen Stuhl den Vorrang ein und erwies damit
diese Haltung mit dem II. Vatikanischen Konzil: Rom die Ehre, indem er erklärte:
„Vatikan II und besonders die Schaffung eines Sekretariats im Va- ‘Dieser Sitz ist der erste an Ehre und in der Ordnung im Organis-
tikan zur Förderung der christlichen Einheit haben dieses Bild ra- mus der in der Welt verstreuten christlichen Kirchen, und seine
dikal geändert. Heute hat die Römisch-Katholische Kirche die Heiligkeit und Weisheit, seine Kämpfe für den gemeinsamen Glau-
ökumenische Bewegung völlig betreten und eine Anzahl Bezie- ben in der unteilbaren Kirche sind eine dauernde Eroberung und
hungen mit dem Hauptsitz des Weltkirchenrats und seiner Mitglieds- ein Hort der gesamten christlichen Welt.“17
kirchen hergestellt... 1965 kam Kardinal Bea zum Weltkirchenrat
und erklärte, daß die Römisch-Katholische Kirche den Vorschlag Die Anglikanische Kirche nimmt offenbar eine Brückenfunktion wahr
einer gemeinsam arbeitenden Gruppe aus Teilnehmern des Weltkir- betreffs der Führungsrolle Roms:
chenrates und der Römisch-Katholischen Kirche angenommen „Dr. Fisher, Erzbischof von Canterbury, sagte freimütig:
habe. In dieser Gruppe, die zweimal im Jahr tagt, werden die Be- ‘Gern würden wir die Kirchen von England, Schottland, den Verei-
ziehungen zum Weltkirchenrat und der Römisch-Katholischen Kir- nigten Staaten und irgendwelchen anderen Ländern in einer Kör-
che (in offiziellen ‘Unterredungen`) überprüft... perschaft verbunden sehen. Wenn der Papst als Vorsitzender dazu-
Außerhalb des Weltkirchenrats haben eine Anzahl von nationalen kommen möchte, sollten wir ihn alle willkommen heißen.“18
Kirchenräten Römisch-Katholische Diözesen als volle Mitglieder
aufgenommen. Gemeinsame soziale Aktionen und biblische Und T. Domanyi macht uns auf die wichtige Tatsache aufmerksam,
Forschungen (Dogmenstudien) nehmen zu.“13 daß eine sehr aktive und fortschrittliche ökumenische Arbeitsgrup-
pe, die sogenannte „Lutheran Catholic Group of the United States“,
An anderer Stelle heißt es: in einem Arbeitsdokument zum Ausdruck bringt, den Papst im Sin-
„Seit der Vollversammlung von Uppsala - und das ist überaus be- ne eines seelsorgerlich, pastoralen Oberhauptes der Kirchen an-
deutsam - gehören der Kommission für ‘Glauben und Kir- zuerkennen. Zum Schluß schreibt Domanyi: „Man ist also heute
chenverfassung` neun Vertreter der Römisch-Katholischen Kirche geneigt, das Papsttum als höchste repräsentative Wahrnehmung
als Vollmitglieder (!) an. Diese enge Zusammenarbeit auf höchster der petrinischen Funktion zu akzeptieren, sofern damit nicht die
Ebene fand ihre Nachahmung auf nationalen Ebenen. Ein Beispiel Anerkennung seiner biblischen Begründung gefordert wird.“19
gibt die Bundesrepublik mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher
Kirchen. Zu ihr gehört als Vollmitglied die Römisch-Katholische Zusammenfassung
Kirche, deren Stimmgewicht beträchtlich ist. Von seiten des Rehse kommt bezüglich des 2. Vatikanischen Konzils und der Rö-
Ökumenischen Rates wird diese Arbeitsgemeinschaft in die Ru- misch-Katholischen Einflußnahme zum Schluß:
brik ‘Nationale Kirchenräte` eingeordnet, die mit dem Weltrat der „Die Auswirkungen dieses Konzils machen sich nicht nur in der
Kirchen zusammenarbeiten.“14 zunehmenden Zusammenarbeit mit dem Weltkirchenrat bemerk-

14
bar, sondern auch auf nationalen, regionalen und örtlichen Ebe- wußtsein der Gläubigen meiner Kirche erschüttern und Unruhe
nen. Die Kirche Roms nimmt nicht nur teil an der ökumenischen bringen, die auch in Veröffentlichungen griechischer Zeitungen zum
Bewegung, sie ist auch zu einem wesentlichen Motor auf dem Weg Ausdruck kommt. Ich bin sicher, daß Ihre Frömmigkeit und Liebe
zur Sichtbarmachung der Einheit geworden.“20 zu Gott, der sich in seinem Evangelium klar über ähnliche Skan-
dale ausdrückt, dazu beitragen werden, solche unannehmbare
Wir können nicht Seite an Seite mit dem Antichristen arbeiten und Tätigkeit zu unterbinden.
schon vor einem Jahrhundert prophezeite E.G. White sehr deut- In der Liebe Christi: Der Metropolit von Deutschland Polyefktos.‘
lich die heutige Situation: Bekannt ist, daß evangelische Minderheiten in Griechenland und
„Die römische Kirche bietet heute der Welt ein äußeres Bild der anderen Ländern, wo die Orthodoxe Kirche eine starke Förderung
Sauberkeit, indem sie über ihren Bericht schrecklicher Grausam- durch staatliche Organe erfährt und im Bündnis mit staatlicher
keit einen Mantel von Entschuldigungen breitet. Sie hat sich wohl Macht lebt, Verachtung und Verfolgung zu erleiden haben. In öffentli-
in christliche Gewänder gehüllt; in ihrem Wesen jedoch ist sie un- chen Hirtenbriefen werden evangelisch gesinnte, sich von der Or-
verändert. Jeder Grundsatz des Papsttums, der in vergangenen thodoxen Kirche fernhaltende Christen als ‘Cholera und Aussatz`
Jahrhunderten Geltung hatte, ist auch heute noch gültig. Die in bezeichnet.“23
finstersten Zeiten erlassenen Verordnungen und Lehren werden
noch immer aufrechterhalten. Es täusche sich niemand! Das Papst- Sehr treffend äußert sich B.B. Beach zum Proselytismus:
tum, dem die Protestanten jetzt die Anerkennung nicht versagen „Das Wörterbuch bezeichnet Proselytismus als die Bekehrung von
wollen, ist das gleiche, das zur Zeit der Reformation die Welt be- einem anderen religiösen Glauben zum eigenen Glauben. In die-
herrschte, als Männer Gottes unter Einsatz ihres Lebens aufstan- sem Sinne ist Proselytismus ein lobenswertes Unternehmen, das
den, um die Bosheit der römisch-katholischen Kirche bloßzustellen. mit christlichem Zeugnis und Evangelisation fast gleichgesetzt
Es besitzt den gleichen Stolz, die gleiche hochmütige Anmaßung, werden kann... Im Gegensatz dazu sagt die ökumenische Definiti-
die es sich über Könige und Fürsten erheben ließ und die die Vor- on des Begriffs: ‘unlauteres Zeugnis`; das bedeutet den Gebrauch
rechte Gottes beanspruchte. Sein Geist ist jetzt nicht weniger grau- unanständiger Mittel und Verhaltensweisen, anstößiger Methoden,
sam und willkürlich als zu der Zeit, da es die menschliche Freiheit die an Bestechung oder ‘geistliche Erpressung` grenzen, wie
niederwarf und die Heiligen des Allerhöchsten erschlug.“21 Lobhudelei, materielle Verlockung oder Ausnutzung der Unwissen-
heit...
2.2 Verbotene Proselytenmacherei und nur ein begrenztes Es entsteht jedoch ein Problem, wenn man solch falsches Zeugnis
Missionsgebiet als Proselytismus bezeichnet. Wir stehen dann vor der Gefahr, das
Kind der Evangelisation mit dem schmutzigen Badewasser eines
Die Orthodoxen Kirchen gaben den Anstoß zu folgender Erklä- falschen Zeugnisses auszuschütten. Genau das geschieht... Prose-
rung des Weltkirchenrates: lytismus bedeutet dann nicht länger ‘unlauteres Zeugnis`, sondern
„Gemeinsame Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat legt den Kir- meint jedes christliche Zeugnis, das sich an die ‘falsche Adresse`
chen eine moralische Verpflichtung auf, in dieser Ausein- wendet. Es ist weit eher die Haltung des ‘Bleib unter allen Um-
andersetzung eine bestimmte Haltung zu wahren. So ist es mit ständen in unserer Kirche!` - gleichgültig, ob dies der wirklichen
dieser Mitgliedschaft unvereinbar, daß eine Mitgliedskirche einer Überzeugung eines Menschen oder seiner innersten Bedürfnisse
anderen das ‘Kirchsein` völlig abspricht oder sie als ganz häre- entspricht...“24
tisch (voller Irrlehre) oder sie als Mißbräuchen hoffnungslos verfal-
len ansieht, so daß ihren Gliedern nur noch dadurch zu helfen An anderer Stelle setzt B.B. Beach fort:
wäre, daß man sie aus ihr herausrettet. Auf Grund ihres gemein- „Jeder der die heitere Ruhe des religiösen Status quo der Ge-
samen Bekenntnisses zu Jesus Christus als Gott und Heiland und meindeglieder stört, wird des Verbrechens des Proselytismus für
alleinigem Haupt der Kirche erkennen die Mitgliedskirchen gemein- schuldig gehalten... Diese kirchlichen Kreise neigen dazu, das
sam ‘hoffnungsvolle Zeichen` aneinander an.“22 Schreckgespenst des Proselytismus als eine Art Verteidigungstaktik
zu benutzen, um damit ihr eigenes Zukurzkommen in der
Rehse führt dazu ein praktisches Beispiel an, wie dies ausgelegt Evangelisation zu verdecken, indem sie einen Schutzwall um ihr
wird: ‘konfessionelles Gehege` ziehen möchten...
„Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland schrieb an John Wesley erteilte der im Grunde antievangelistischen Denk-
den Vorsteher des Bundes Freier Evangelischer Gemeinden: weise eine deutliche Absage... In der Schrift gebietet mir Gott, nach
‘In tiefer Trauer teile ich Ihnen mit, daß schon Appelle von vielen allen Kräften die Unwissenden zu belehren, die Bösen zu ändern
meiner geistlichen Kinder an Büros der Metropole gekommen sind. und die Tugendhaften zu ermutigen. Menschen verbieten mir, das
Gemäß diesen Protesten organisiert die Ihnen unterstehende Kir- in einer anderen Pfarre zu tun... Wem soll ich nun gehorchen? Gott
che in kleinen Städten Feste, zu denen sie griechische Arbeiter oder den Menschen? Mir wurde die Verbreitung des Evangeliums
einlädt, die mit den Erfrischungen auch systematische Predigten anvertraut, und es erginge mir übel, wenn ich das Evangelium nicht
Ihres Glaubens hören. Für den 25. dieses Monats war eine solche predigte... Ich halte die ganze Welt für meine Pfarre, und in diesem
Veranstaltung in Schwelm organisiert. In einer Epoche, in der die Sinne meine ich, daß, wo ich auch bin, ich es für passend, richtig
Weltkirchenkonferenzen gegen die Propaganda seitens christlicher und für meine heilige Pflicht halte, allen, die sie hören wollen, die
Kirchen unter Christen entscheiden und in der die christlichen Kir- frohe Botschaft von der Errettung zu verkünden.“25
chen gemeinsam gegen den Materialismus und alles Böse kämp-
fen müssen, ist die Praxis der Vertreter Ihrer Kirche in den Bezir- Ein ähnlich gelagertes Hindernis des Beitritts stellt das Anliegen
ken, die wir erwähnt haben, ein Skandal. Ich bitte Sie, als höheren der Ökumene dar, die Missionsgebiete der Mitgliedskirchen be-
Geistlichen Ihrer Kirche, die dortigen Vertreter zu beauftragen, damit schränken zu wollen. Dazu heißt es in den Richtlinien der Working
aufzuhören, Erfrischungen anzubieten, Einladungen zu schicken Policy (Gemeindehandbuch der STA für das Weltfeld):
und Predigten Ihres Glaubens zu halten, die das kirchliche Be- „Diese Verkündigung wird im besonderen durch die biblische Pro-
15
phetie beschrieben, und zwar in Offenbarung 14, 6-14. Dort wird Holland und Sambia aus die Politik des südlichen Afrika, neun sind
erklärt, daß die Verkündigung dieser besonderen Botschaft vom als typische Guerillabewegungen anzusehen, die vor allem im südli-
‘ewigen Evangelium` dem Kommen des Herrn vorausgehen wird, chen Afrika operieren. Die Waffen und Instrukteure kommen aus
ja, diese Botschaft wird ‘allen` Nationen und Geschlechtern und Rotchina und aus dem kommunistischen Ostblock; die Organisatio-
Sprachen und Völkern` gepredigt werden. Deshalb dürfen wir auch nen sind durchweg vom Marxismus und Kommunismus gesteuert
nicht unser Zeugnis auf bestimmte Gebiete beschränken, sondern und erstreben die Macht, um dann ‘Volksrepubliken` zu errichten.
sind gehalten, die Aufmerksamkeit der gesamten Welt darauf zu Inzwischen sind mehr als 5 Millionen Dollar an ‘Befreiungsbewegun-
lenken.“26 gen` gezahlt worden; der größte Teil des Geldes ging an Guerilla-
truppen, die sich zum Ziel gesetzt haben, weiße Regierungen im
Jean Zürcher, ehem. Sekretär der Euro-Afrika Division macht deut- südlichen Afrika zu stürzen.“31
lich, daß die Siebenten-Tags-Adventisten glauben:
„daß die Botschaft, die ihnen anvertraut wurde, für die ganze Welt Bruder J. Zürcher zeigt die Haltung der STA auf:
bestimmt ist und die Verkündigung dieser Botschaft nicht mit der „Die politische Verbindlichkeit des ökumenischen Rates der Kir-
Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen vereinbar ist... chen ist für niemand ein Geheimnis. Im Laufe der letzten Jahre hat
Sie bedauern, daß ihre Auffassung von der Weltmission die Mitglied- diese nicht aufgehört, sich zu vertiefen und sich mehr und mehr
schaft im Nationalen und Ökumenischen Rat der Kirchen unmöglich offen zu bestätigen... Es möge uns genügen, die Gründe aufzuzei-
macht.“27 gen, warum sich die Adventgemeinde keiner religiösen Organisa-
tion anschließen könnte, deren Bestreben -ob zugegeben oder nicht
2.3 Soziales Evangelium und politisches Engagement - darin bestünde, eine politisch-soziale Rolle zu übernehmen, wie
der Ökumenische Rat der Kirchen sie gegenwärtig spielt.“32
Rehse schreibt hierzu treffend:
„Anstelle von biblischer Bekehrung zu dem allein rettenden Herrn 2.4 Synkretismus und Relativierung der Wahrheit kontra Chri-
Jesus Christus wird der Begriff ‘Dialog` zum Inhalt und Methode stus und Bibel
der Mission....
Die amerikanische Programmleiterin, die für religiöse Sendungen B.B. Beach erklärt Synkretismus und zitiert zunächst J.N.D.
einer führenden Fernsehanstalt (CBS) Verantwortung trägt, drückte Anderson:
ihre Begeisterung über diese Wende zur Mitmenschlichkeit so aus: „Weder die christliche Kirche noch das einzelne Gemeindeglied
‘Wir sind durch ein ökumenisches Zeitalter gesegnet. Immer mehr können ... an einer Sache teilhaben, die einen Beigeschmack von
verlieren die Einzelheiten der verschiedenen religiösen Glaubens- Synkretismus hat.`
anschauungen an Bedeutung. Die Unterschiede in den Absichten Der religiöse Synkretismus ist der Versuch einer Vereinigung oder
der Glaubensgemeinschaften werden von Jahr zu Jahr bemerkens- Versöhnung unterschiedlicher oder entgegengesetzter Lehrsätze
wert geringer. Man hat sich drastisch geändert. Man hat ein weit oder kirchlicher Bräuche. So gesehen stellt er einen unlogischen
stärkeres Interesse, den Menschen eine sozialethische Botschaft und widersinnigen religiösen Eklektizismus dar. Beim ‘christlichen`
zu verkündigen als Einzelheiten des Glaubens und der Bibel`... Synkretismus geht man davon aus, daß es wohl eine einzige Offen-
Professor Peter Beyerhaus hat das vielschichtige Schrifttum der barung in der Geschichte gibt - das Christusereignis nämlich -,
Vollversammlung von Uppsala kritisch durchgearbeitet und seine daß aber alle konfessionellen Formulierungen der christlichen
Beobachtungen so zusammengefaßt: Wahrheit unzureichend oder relativ sind und es deshalb nötig ist,
‘Der beängstigende Zug in der theologischen Entwicklung, sowohl die Lehren der verschiedenen christlichen Kirchen nach Möglich-
in der ökumenischen Bewegung insgesamt wie in der Abteilung keit zu verbinden und zu harmonisieren.
Weltmission und Evangelisation im besonderen, ist die ausdrückli- Anhänger der Ökumene meinen, daß jede christliche Tradition
che Umzentrierung von Gott auf den Menschen.“28 bestenfalls eine einseitige Version des Christentums und der theo-
logischen Wahrheit darstellt und daß deshalb die verschiedenen
Wie z.B. das „Heil“ von der Ökumene verstanden wird, erfahren Konfessionen zusammengebracht werden sollten, um so das gan-
wir auf der Weltversammlung in Bangkok, 1973: ze und ausgewogene Bild zu erhalten. Die ‘Cocktail`-Vorstellung
„Heil bedeutet Friede für das Volk in Vietnam, Unabhängigkeit für kann sich zu einer Form des Synkretismus entwickeln.“33
Angola, Gerechtigkeit und Versöhnung in Nordirland und Befrei-
ung aus den Fesseln der Macht der nordatlantischen Gemein- B.B. Beach weiter:
schaft...“29 „Heute besteht die Versuchung für Christen darin, den Lockrufen
eines synkretistischen Bundes nachzugeben. Harold Brown be-
Zum politischen Engagement lesen wir die wegweisende Empfeh- hauptet...: ‘In dem Maße, in dem die Ökumene die Bedeutung der
lung des Weltkirchenrates in einer Studienkonferenz zum Ras- Lehre und den Gehalt gottesdienstlicher Handlungen herabsetzt,
sismus: wie es laufend in den ökumenischen Gottesdiensten geschieht,
„Wenn alle anderen Versuche fehlschlagen, sollen der Ökumeni- legt sie das nötige Fundament für interkonfessionelle Gottesdien-
sche Rat der Kirchen und die Kirchen Widerstandsbewegungen, ste, für eine Religion ohne Lehre, ohne Bedeutung und schließlich
einschließlich Revolutionen, unterstützen, die das Ziel verfolgen, sogar ohne Gott.`
politische und wirtschaftliche Tyrannei, die den Rassismus erst er- Vom biblischen Standpunkt durchlaufen die Lehrunterschiede -
möglichen, zu stürzen.“30 wenn wir schon nicht von Wahrheiten und Ketzereien sprechen
Rehse weist dann auf die Praxis dieser Wegweisung hin: wollen, die sich in den dem Weltkirchenrat angehörenden Kirchen
„Die Genfer Zentrale wurde tätig und richtete einen Sonderfonds finden - die gesamte Tonleiter religiösen Glaubens, den es im
ein, von dem aus die finanziellen Mittel der Kirchen an ‘Befreiungs- Christentum gibt. Führende Männer des Weltkirchenrates weisen
organisationen` gezahlt werden... Man entschied sich dabei für 19 gern voller Stolz auf diesen ‘Reichtum` und auf die Vielfalt der dar-
‘anti-rassistische` Organisationen; fünf bekämpfen von England, gebotenen Traditionen hin. Andere können mit mindestens dem

16
gleichen Recht die Verwirrung des theologischen ‘Babylons` be- auch ein Bild für einen weiblichen Christus sein, für eine Frau, die
klagen, das sich hier zeigt...Fügt man dem Worte Gottes etwas die Erstgeborene unter uns ist, die uns vorangeht und andere mit
hinzu, so huldigt man dem Synkretismus (vgl. die göttlichen War- sich nimmt?“
nungen vor Zusätzen in 5. Mose 4,2 oder Offenbarung 22,18).34 Aufbrausender und lange anhaltender Beifall zahlloser Delegier-
ter, Beobachter und Besucher krönt bei dieser Weltkirchenkonferenz
Aber nicht nur die Unterschiede der einzelnen Konfessionen, son- in der australischen Hauptstadt den Vortrag von Chung Hyung Ky-
dern auch die der Religionen und Ideologien finden ihren Platz in ung. „Wie bekennt doch Chung von ihrer kommenden Christengöttin
der Ökumene: Kwan In? ‘Ihre mitleidende Weisheit heilt alle Formen des Lebens
„In Addis Abeba referierte Georges Khodr 1971 bei einer Zusam- und befähigt diese, zum Ufer des Nirvana zu schwimmen. Sie war-
menkunft des Zentralausschusses des Weltkirchenrats: tet und wartet, bis das ganze Universum, Menschen, Bäume, Vö-
‘Es erhebt sich die Frage, ob das Christentum andere Religionen gel, Berge, Luft und Wasser, erleuchtet werden. Zusammen kön-
ausschließt, wie es bisher weltweit verkündet worden ist... Die Theo- nen sie dann ins Nirwana eingehen, wo sie in ewiger Weisheit und
logie unserer Zeit sollte bedenken, daß die Ökonomie Gottes, sein ewigem Mitleiden in Gemeinschaft leben.` Das schmeckt dem
Heilsplan, nicht auf seine geschichtliche Offenbarung in Jesus von natürlichen Menschen angenehm. Aber daß diese Verleugnung
Nazareth beschränkt ist. Christus ist überall... Es hat wenig zu sa- Christi aus einer Vollversammlung christlicher Kirchen selbst kommt,
gen, ob diese oder jene Religion eine geschichtliche Mitte hat. Es dies ist schon ein unübersehbares Zeichen endzeitlicher Verfüh-
ist auch kaum von Bedeutung, ob die Anhänger dieser oder jener rung.“37
Religion ihre Lehre für vereinbar oder unvereinbar mit dem Evan-
gelium von Jesus halten. Der Christus ist schlafend in allen Reli- Zur Relativierung schreibt B.B. Beach:
gionen verborgen. Er ist überall zu entdecken und sein Leben überall „Die Kirchen sind im allgemeinen so ‘ökumenisch`, daß es kaum
zu wecken. Wir sollten daher von Gott auch so reden, wie er sich irgendwo einen eindeutigen klaren Standpunkt gibt, der eine ein-
durch die Heiligen Schriften nicht-christlicher Religionen offenbart zelne Kirche repräsentiert. Ein Prozeß der Relativierung schreitet
hat.“35 unaufhaltsam fort, so daß es in jeder Kirche mehrere Auffassun-
gen gibt, von denen einige den Ansichten der Vertreter anderer
Die Menschlichkeit wird im Spektrum ökumenischer Weite über Kirchen näherstehen als denen der eigenen Kirche.38
Christus gestellt:
„Der buddhistische Ananda Mangala Thera, der an Beratungen für B.B. Beach zeigt die Quelle des Relativismus auf:
das Weltkirchen-Programm in Colombo (1974) teilnahm, stellte in „Der Relativismus ist ein unterscheidendes Kennzeichen der
einer beachtenswerten Rede das angeblich anzustrebende Huma- nichtchristlichen Religionen Asiens, zum Beispiel des Hinduismus
nitätsideal aller Religionen heraus: und des Buddhismus. Innerhalb dieser Religionen gibt es einen
‘Laßt uns in aller Demut Menschlichkeit suchen und der Mensch- beträchtlichen Raum für Meinungsunterschiede ‘aufgrund einer
heit durch Menschlichkeit dienen, statt mit einem nebelhaften schlei- Mischung von Synkretismus und religiösem Relativismus in dem
migen Christus, mit einem künstlichen Bild Buddhas oder mit der Sinn, daß jede Religion den Anspruch erheben mag, ein bestimm-
sehr verworrenen Idee des Propheten Mohammed. Der Christus, tes Maß an Wahrheit zu besitzen, keine Religion aber behaupten
der Buddha, der Prophet ist in jedem einzelnen von uns... Wir brau- kann, sie sei im Besitz der ganzen religiösen Wahrheit....
chen den Reichtum des christlichen Bewußtseins, die Tiefe und ‘Diese Toleranz, die auf Relativierung und Synkretismus beruht,
Weite des buddhistischen Bewußtseins, die volle Gemeinschaft macht ihrer Meinung nach eine Bekehrung unnötig; denn weshalb
des islamischen Bewußtseins. Wir müssen die Reichtümer der sollten sich religiös eingestellte Menschen wegen der Forderun-
Spiritualität zusammenbringen, statt sie zu verschwenden.“36 gen ihrer unterschiedlichen Glaubensbekenntnisse streiten? Was
gewinnt man denn schließlich, wenn man von einer Religion zur
Die Haltung der Ökumene hat sich bis heute nicht geändert son- andern übertritt?“39
dern eher verschlimmert. Die Vollversammlung in Canberra 1991
wurde mit einem Tanz, bei dem Ureinwohner „reinigendes Feuer“ Bedenkt man, wie in den letzten Jahren auch innerhalb unserer
gemäß ihrer Religion anzündeten, eröffnet und ließ die Koreanerin Gemeinschaft argumentiert wird, so sind deutliche Ansätze der
Chung Hyung Kyung eines der beiden Hauptreferate halten. Diese Relativierung feststellbar.
reformierte Theologin rief dann nicht nur rituell die Geister Ver-
storbener herbei, sondern machte in ihrem Referat auf etliche Gei- Th. Rehse zeigt auch eine wesentliche Rangordnung auf, die ein-
ster und Götter aufmerksam. Rolf Hille gibt das Gedankengut der fach übersehen wird:
Theologin wieder: „So müssen wir uns z.B. vor der gefährlichen Umkehrung bibli-
Alle, die Unrecht erduldet haben, finden sich - ungeachtet ihrer scher Rangordnung schützen, wie sie in einer Erklärung in Neu
religiösen Herkunft - in dem synkretistischen Märtyrerreigen. Dazu Delhi (1961) hervorgehoben wurde, daß nämlich Gemeinschaft eine
gehören die Jungfrau von Orleans und die im Mittelalter verbrann- Vorbedingung zur gesunden Lehre sei. Und diese Umkehrung wird
ten Hexen ebenso wie vom Nationalsozialismus vergaste Juden ja vermehrt in die Praxis umgesetzt: Man wird eingeladen und ein-
oder die Freiheitskämpfer unserer Tage wie Mahatma Gandhi und bezogen in ökumenische Gemeinschaften, ohne daß dafür die
Martin Luther King. Auch der Geist des tropischen Regenwaldes, grundsätzliche Übereinstimmung mit der gesunden neutesta-
der verseuchten Luft und des verschmutzten Wassers wird fürbit- mentlichen Wahrheit gegeben ist. Das Neue Testament zeigt uns
tend gegen den Geist kapitalistischer Geldgier angerufen. Letzt- den entgegengesetzten Weg: zuerst die gesunde, alles begrün-
endlich wird Kwan In, eine als Gottheit verehrte Erleuchtete, zum dende Heilswahrheit, zu der sich alle Beteiligten bekennen, und
Vorbild eines kommenden, weiblichen Christus emporgehoben. Ihre erst dann das gemeinsame Handeln in der Einheit des Geistes
erlösende Kraft besteht darin, daß sie jederzeit ins Nirvana einge- (vgl. Epheser 1-3 und 4-6).40“
hen könnte, darauf aber aus tiefem Mitleid mit der noch leidenden
Kreatur verzichtet. Könnte sie, so fragt Professor Chung, „vielleicht Bevor dieser Punkt mit zwei Stellungnahmen und einem Bibelzitat
17
abgeschlossen wird, mag ein aufschlußreiches Zitat über einen 2.5 Die „charismatische“ Durchsäuerung
„Vater der Ökumene“, Nathan Söderblom, zeigen, welchen Stand-
ort und Geist die Ökumene besitzt: Ursprung und Brückenfunktion
„Auch in feinerer und geistvoller Weise kann derartiges über die
Kirche kommen. So wenn der schwedische Erzbischof Nathan Zum Ursprung einige Fakten im Überblick:
Söderblom, der Bahnbrecher der heutigen Abwertung der Refor- Führer der Charismatischen Erneuerung teilen ihre Geschichte in
mation und ihres absoluten Schriftprinzips, seine kirchlich-theolo- drei große Perioden ein, die sie mit „Wellen des Geistes“ bezeich-
gische Verkündigung unter die Leitidee der ‘révélation continue à nen.
travers les génies religieux` (die fortgesetzte Erfahrung durch reli- Die erste Welle sei um die Jahrhundertwende gerollt, ausgehend
giöse Genies) stellte und seinen Lockerungsbegriff der ‘Zwi- von Nordamerika (1906 gilt als Anfangsdatum). Daraus entstan-
schenregister` einführte, wenn Söderblom in der von ihm ausge- den die Pfingstgemeinden um 1909.
statteten ‘Offenbarungskirche` in Saltsjoebaden bei Stockholm Etwa 50 Jahre später ging von den USA die zweite Welle aus, also
neben den Statuen des Mose und der Propheten Bilder des So- um 1960, die zuerst auf die Episkopalkirche, dann auf die Lutheri-
krates und Platos aufrichten ließ, ja wenn er 1904 in Uppsala aus sche Kirche, die meisten Freikirchen und etwa 1966 auch auf die
der Hand des indischen Oberpriesters im Feuertempel von Wadia Katholische Kirche übergriff.
(Bombay), des Rastanji Edulji, die Insignien der heiligen Prie- Ziel der Charismatischen Bewegung war nicht die Bildung neuer
sterwürde des Ahura-Mazda-Tempels empfing.“41 charismatischer Gemeinden, sindern die Verbreitung
charismatischer Erfahrungen in allen bestehenden Volks- und Frei-
Der langjährige Professor an der Theologischen Hochschule in kirchen.
Bethel, Hellmuth Frey spricht es offen aus: Die 3. Welle begann in den 80iger Jahren, bekannt unter „Power
„Nur die Einheit, die von unten stammt, ist gleichgültig gegen die Evangelism“. Sie ging vor allem von der Gemeinde-
Wahrheit und kann sich mit der Lüge verbinden. Sie entsteht dort, wachstumsbewegung aus in Verbindung mit John Wimber. Diese
wo man sich auf Kosten der Wahrheit die Hände reicht... Die Bibel Welle hat wie die beiden anderen ihren Ursprung in Kalifornien
fordert: ‘Prüfet die Geister!` (1.Joh.4,1), und sie fordert die Schei- und zielt auf die Gruppen ab, die bisher noch nicht erfaßt wurden:
dung von den Irrlehrern und falschen Geistern sowie Treue gegen- auf die Fundamentalisten und konservativen Evangelikalen. Ihr
über der gesunden Lehre.42 besonderes Merkmal ist, das Fehlen von Uneinigkeit schaffenden
Elementen.44
J. Zürcher zeigt die adventistische Haltung auf: Von ökumenischer Seite wird die Charismatische Erneuerung als
„Mit Emil Brunner denken wir, daß ‘man mit zwanzig Kirchen-Insti- Brücke gesehen, die die tiefe Spaltung zwischen den Konfessionen
tutionen keine Ekklesia fabrizieren wird.... überwindet nach dem bekannten Motto „Lehre trennt, der Geist
Daher kommt auch die Wichtigkeit, die wir der Bibel als Wort Got- eint“.
tes und alleinigem Kriterium der Wahrheit beilegen. Ohne Richt-
schnur, ohne einstimmig anerkannte objektive Wahrheit werden Th. Rehse schildert die Anfänge der Charismatischen Öffnung in
die Christen trotz der besten Absichten ihrer jeweiligen Kirchen der ökumenischen Bewegung wie folgt:
vom Wind jeder Lehre bewegt werden. „Zum wichtigen Vorreiter bei der Öffnung des Weltkirchenrates und
Deshalb könnte die Adventgemeinde einer Einigung nicht zustim- der päpstlichen Kirche für die pfingstliche Bewegung und die spiri-
men, die sich nicht ausschließlich auf die Bibel stützt und die nicht tuellen Aufbrüche in der Charismatischen Bewegung wurde der
eine Bejahung alles dessen wäre, was die Bibel lehrt. Pfingstprediger David du Plessis. Er ließ sich zur Internationalen
So fern es der Adventgemeinde liegt, die Abweichungen in der Missionskonferenz in Willingen 1952 einladen und erlebte, daß sich
Lehre abzuschwächen, hat sie vielmehr die Überzeugung, daß es ihm durch sein Zeugnis von der ‘Geistestaufe` viele Türen zu Kir-
ihre Pflicht ist, die ihr eigenen Lehrpunkte hervorzuheben. Denn chen des Weltkirchenrates öffneten, und dann auch zur Römisch-
das, was die Adventgemeinde ausmacht, ist nicht das, was sie auf Katholischen Kirche. 1972 kam ein Dialog zwischen dem Vatikan
theologischem Gebiet mit den anderen Kirchen gemeinsam hat, und Vertretern der Pfingstgemeinden zustande und wurden mit je
sondern vielmehr das, was sie unterscheidet und ihre einer Sitzung pro Jahr - für vorerst fünf Jahre - vereinbart und in
Daseinsberechtigung rechtfertigt. Das sagt deutlich genug, wie sich das Programm des päpstlichen ‘Sekretariats zur Förderung christli-
die Adventgemeinde auch auf diesem Gebiet dem Geist wider- cher Einheit` aufgenommen...
setzt, der im Ökumenischen Rat der Kirchen vorherrscht.“43 Diese ‘geistliche Erneuerungsbewegung` wird von römisch-katho-
lischer Seite als eine Erfüllung des Gebetes von Papst Johannes
Die Heilige Schrift spricht an vielen Stellen gegen Irrlehrer und XXIII. gewertet... Manche Kirchen, die dem Weltkirchenrat ange-
Irrlehre und wie wir uns verhalten sollen, wie beispielsweise in Röm. hören, haben starke pfingstliche, charismatische Einflüsse und
16, 17-19 : „Ich ermahne euch aber liebe Brüder, daß ihr euch in Strukturen. Die neuen Geisteserfahrungen bekommen eine
acht nehmt vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten ent- Brückenfunktion über konfessionelle Abgrenzungen hinweg. Und
gegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwen- diese sind für die Förderung des ökumenischen Anliegens - so
det. Denn solche dienen nicht unserm Herrn Jesus Christus, son- meinen Vertreter des Weltkirchenrates ebenso wie der Römisch-
dern ihrem Bauch; und durch süße Worte und prächtige Reden Katholischen Kirche - von kaum zu überschätzender Wichtigkeit.“45
verführen sie die Herzen der Arglosen. Denn euer Gehorsam ist
bei allen bekannt geworden. Deshalb freue ich mich über euch; ich Stellungnahmen vom Generalsekretär und Papst
will aber, daß ihr weise seid zum Guten, aber geschieden vom
Bösen.“ Der damalige Generalsekretär Philipp Potter, ein eifriger Vertreter
des Anti-Rassismus-Programms beschreibt die Brückenfunktion
der charismatischen Bewegung wie folgt:
„Die charismatische Erneuerung ist ein Band zwischen den Kir-

18
chen der Reformation, der Römisch-Katholischen Kirche, den kon- Lebensformen zu neuen geistlichen Erfahrungen. Angesichts der
servativen Evangelikalen und den Orthodoxen. Sie ermöglicht ei- neuen geistlichen Erfahrungen, die man gemeinsam gemacht hat,
nen Dialog der Kulturen untereinander. Die ökumenische Bewe- erscheinen die verschiedenen Lehraussagen, die man getrennt
gung ist in sich selbst eine charismatische Erneuerung. Die mitgebracht hat, zweitrangig. Diese neue Ökumene... wird vermut-
charismatische Erneuerung kann dem Weltrat der Kirchen helfen lich der prägende ökumenische Impuls der kommenden Jahre
bei seinem Ziel: Einheit des Volkes Gottes und Einheit aller Men- sein.“50
schen auf der Welt.“46
A. Kuen zitiert zeugnishafte Berichte katholischer Charismatiker:
Die Offenheit der Römisch-Katholischen Kirche gegenüber der Cha- „Die Mutter Gottes ist viel näher gekommen... Ich habe das
rismatischen Bewegung, zeigte sich deutlich als Papst Paul VI. die Rosenkranzbeten nach der Geistestaufe angefangen... Die Sakra-
Teilnehmer des 3. Internationalen Charismatischen Kongresses (mit mente, besonders die Buße und Eucharistie, haben für viele neue
etwa 10.000 Teilnehmern aus allen Erdteilen) am 19. Mai 1975 im Bedeutung gewonnen... Ich habe in mir eine tiefe Ergebenheit ge-
Petersdom ansprach: genüber Maria entdeckt.“51
„Geliebte Söhne und Töchter! Ihr habt in diesem Heiligen Jahr für
euren 3. Internationalen Kongreß Rom auserwählt; ihr habt ferner Aus anderer Quelle erfahren wir:
um diese Begegnung mit uns gebeten und uns ersucht, an euch „Die Taufe mit dem Heiligen Geist führt zu größerer Liebe zur Ma-
das Wort zu richten. Damit habt ihr eure Treue zu der von Jesus ria, größerer Verehrung für den Papst, größerer Ergebung gegen-
Christus gestifteten Kirche bewiesen und eure Anhänglichkeit an über der katholischen Kirche, zu vermehrten Besuchen der Mes-
alles das, was für euch dieser Stuhl des heiligen Petrus bedeutet. se und größerer Vollmacht, für diese Belange ein Zeuge zu sein.“52
Dieses Bemühen um euren rechten Platz in der Kirche ist ein ech-
tes Zeichen des Heiligen Geistes. ... Liebe Söhne und Töchter, mit Satan, der „Affe Gottes“, versucht durch geistliches Feuer, ähnlich
der Hilfe des Herrn, kraft der Fürsprache Marias, der Mutter der wie einst zu Pfingsten oder zur Zeit Elias, seine Vollmacht unter
Kirche, und des Glaubens-, Liebes- und Apostolatsgemeinschaft Beweis zu stellen. Hätte jemand vor etwa 100 Jahren die Ökume-
mit euren Hirten seid ihr vor allem Irrtum bewahrt. Und so werdet ne, verbunden mit dem charismatischen Schwarmgeist besser
ihr auf eure Weise zur Erneuerung der Kirche beitragen. Alleluja!“47 beschreiben können als Ellen White?

Am 15. Mai 1987 sagte Papst Johannes Paul II.: „Die Grenzlinie zwischen den bekennenden Christen und den
„In diesem Jahr besteht die Charismatische Erneuerungsbewegung Gottlosen ist gegenwärtig kaum erkennbar. Glieder der Kirche lie-
in der katholischen Kirche zwanzig Jahre. Die Kraft und Fruchtbar- ben, was die Welt liebt, und sind bereit, sich mit ihr zu vereinen.
keit der Erneuerung bestätigen gewiß die machtvolle Gegenwart Satan ist fest entschlossen, sie zu einer Gemeinschaft zu verbinden
des Heiligen Geistes, der in diesen Jahren nach dem Zweiten Va- und seine Sache dadurch zu stärken, daß er alle in die Reihen des
tikanischen Konzil in der Kirche am Werk ist... Durch den Geist Spiritismus treibt. Katholiken, die Wunder als ein Zeichen der wah-
behält die Kirche beständig eine jugendliche Vitalität. Und die ren Kirche ansehen, werden durch diese Wunder wirkende Macht
Charismatische Erneuerung ist eine beredte Offenbarung dieser leicht getäuscht werden; und Protestanten, die den Schild der
Vitalität in unserer Zeit, eine deutliche Erklärung dessen, was ‘der Wahrheit von sich geworfen haben, werden ebenfalls hintergan-
Geist den Gemeinden sagt` (Offb. ,7)... gen. Katholiken, Protestanten und Weltmenschen werden den
Liebe Freunde in Christus, ihr seid im Monat Mai, im Monat Unse- Schein eines gottseligen Wesens annehmen, während sie dessen
rer Lieben Frau, nach Rom gekommen. Ihr kommt gerade vor dem Kraft verleugnen. Sie werden in dieser Vereinigung eine große
Pfingstfest und dem Beginn des Marianischen Jahres... Möge das Bewegung sehen, die die Welt bekehrt und die lang erwartete
heroische Beispiel der Liebe, das die jungfräuliche Mutter unseres tausendjährige Regierung Christi ankündigt.“53
Erlösers uns gegeben hat, euch inspirieren. Ihre Fürsprache und
mütterlichen Sorge vertraut euch an! In der Liebe ihres Sohnes, 2.6 Intoleranz gegenüber Nicht-Ökumenikern
Christi, des Herrn, unseres Erlösers, erteile ich euch allen meinen
Apostolischen Segen.“48 Die Absage an Christi Absolutheitsanspruch und die daraus fol-
gende Intoleranz gegenüber treuen Christen ist für Professor J.
Die Bedeutung des Zungenredens für die Ökumene macht O. Moltmann der logische Schritt, um eine Welteinheitsregierung zu
Markmann deutlich: schaffen:
„Wenn das einzig mögliche Subjekt der Verantwortung des Welt-
„Nicht zu unterschätzen ist auch die ökumenische Wirkung des friedens eine Menschheit ist, die sich in einer Weltregierung orga-
Sprachenredens... Auch die heutigen charismatischen Ge- nisiert, dann folgt daraus, daß sich einzelne begrenzte Subjekte
betsgottesdienste haben ökumenisches Gepräge. Das Sprachen- der Verantwortung - politische, wirtschaftliche und religiöse Insti-
reden schafft eine Gemeinsamkeit, die stärker ist als die Schran- tutionen - nur noch im Horizont des kommenden Weltfriedens und
ken der Konfessionen und Denominationen.“49 der künftigen Weltregierung konstituieren und legitimieren können
.. Nur wer stellvertretend für den Frieden des Ganzen eintritt, hat
Gleiche Erfahrungen trotz unterschiedlicher Lehre Existenzberechtigung. Jeder Absolutheitsanspruch verhindert den
Frieden... Daraus folgt für die Christenheit zuerst, daß sie die Univer-
Der Charismatiker Siegfried Großmann schreibt: sialität der Hingabe Gottes in Christus für alle Menschen nicht län-
„Die charismatische Bewegung führt an vielen Stellen zu einer ger durch den Absolutheitsanspruch der Kirche vertreten kann,
neuen Ökumene der Erfahrungen... Heute erleben Mitglieder so sondern nur im lernbereiten Dialog und in Kooperation ohne Be-
unterschiedlich geprägter Kirchen wie der römisch-katholischen dingungen mit Gruppen anderen Glaubens.“54
Kirche, der Lutheraner oder der evangelischen Freikirchen in einer
Gruppe eine gemeinsame Grenzüberschreitung starrer kirchlicher Nichteintritt in die Ökumene sei Sünde, erklärt eine der bedeut-
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samsten ökumenischen Bruderschaften, die von Taizé: Ausschüsse ausgeschlossen und von Ausschüssen ersetzt, die
„Es gibt noch Christen, die sich aus Radikalismus und Fanatismus dem Verbandsausschuß hörig waren. Und so unglaublich es klingt,
weigern, in die ökumenische Bewegung einzutreten, die immer wurden in fünf Fällen ganze Gemeinden ausgeschlossen, aufge-
stärker auf alle Kirchen übergreift, auf die katholische wie auf die löst, die Türen verschlossen und versiegelt. Weitere Versammlun-
anderen. Darin ist heutzutage die Irrlehre erkenntlich... gen auf diesen Grundstücken wurden untersagt... Zusätzlich zum
Hindert uns der Sektengeist, der ökumenischen Bewegung ent- Ausschluß wurde es einigen ehemaligen Gliedern verboten, irgend-
schlossen beizutreten, dann fallen wir in die Sünde der Häresie... eine Adventgemeinde aufzusuchen... Vier Prediger, die schriftlich
die neue ökumenische Orientierung nach Rom hin macht es je- gegen den Ausschluß Egervaris (antiökumenisch eingestellter
dem Christen zur Pflicht, ihr beizutreten, denn die Nichtbeteiligung Vereinigungsvorsteher) protestierten, wurden selbst ausge-
an dieser Bewegung konstituiert die heutige Sünde.“55 schlossen. Zudem wurden fünf Predigern im Ruhestand die Rente
entzogen, weil sie den Mut hatten, sich dagegen auszusprechen.
Nachteile, Verfolgung und Bestrafung wegen Nichtbeteiligung an Leo Hartl, einem Seminarlehrer im Ruhestand, wurde ebenfalls
der Ökumene, sind längst keine Zukunftsvision mehr, sondern Tat- die Rente - seine einzige Einkommensquelle - entzogen. Er war
sachen: über zehn Jare lang gelähmt, und seine Frau benötigte eine Vollzeit-
„Ein Brief vom 19. Februar 1968 aus dem Gefängnis Yaounde (Ka- krankenschwester, um ihn zu pflegen.“57
merun) sagt folgendes aus:
‘Es sind hier neun Pastoren mit Pastor Jean Andjongo als unser Nicht nur inspirierte Vorhersagen, beispielsweise aus Offenbarung
Führer und 94 Gläubige, im ganzen 103 Personen. Es sind sechs 13 weisen auf die intolerante, unterdrückende Macht hin, die we-
Frauen mit uns gefangen. Wir stehen unter scharfer Bewachung. der Kaufen noch Verkaufen Andersdenkender gestattet, auch Got-
Wir sind für zwei Monate verurteilt, auferlegt von Mr. Kwayep, tes Dienerin prophezeite klar:
Staatsminister...`. „Die protestantische Welt wird ein Bündnis mit dem Menschen der
Andere Briefe aus Kamerun teilen mit, daß ungefähr 2000 Gläubi- Sünde schließen, und Kirche und Welt werden in verderbter Ein-
ge gefangengenommen wurden, weil sie sich geweigert hatten, tracht sein. Hier kommt die große Krise über die Welt. Die Schrift
der vereinigten ökumenischen Kirche Kameruns beizutreten. Ei- erklärt, daß das Papsttum seine verlorene Oberherrschaft wie-
ner der eingekerkerten Pfarrer schrieb: ‘Wir starben fast, während dergewinnen soll, und daß die Feuer der Verfolgung durch die
wir in der Polizeikaserne waren. Wir standen unter Bewachung in heuchlerischen Zugeständnisse der sogenannten protestantischen
einer Zelle, in der sehr wenig Sauerstoff vorhanden war. Wir hat- Welt wieder entzündet werden (GCB, 13. April 1891).“58
ten auf dem Fußboden zu schlafen. Wir hatten kein anderes Licht
als das elektrische Licht in der Zelle. Es war nur eine Toilette vor- Können wir uns als STA mit der vorausgesagten oder überhaupt
handen und ein sehr kleiner Raum zum Waschen, den wir nur mit mit einer intoleranten, verfolgenden Macht verbünden?
großer Mühe erreichten...`
In Nordirland wurde Pastor Dr. Paisley und zwei seiner Kollegen 2.7 Die Form des apokalyptischen Babylons
ins Gefängnis gesteckt. Dr. Paisley ist ein entschiedener und treu-
er Verkünder des Evangeliums. Die Führer der Presbyterianischen Beim Studium der Offenbarung erkennen wir folgende Elemente
Generalversammlung und das Weltlonzil der Kirchen (Ökumene) und Kennzeichen des antichristlichen Bündnisses, wobei der geist-
verbanden sich mit dem Premierminister und ersuchten ihn, daß liche Aspekt durch die große Hure bzw. Stadt Babylon dargestellt
der Staat gegen Dr. Paisley handeln solle. Was denn auch prompt wird:
geschah. Wir haben hier die kirchlichen Autoritäten, die zu den Das 1. Tier in Offenb. 13 stellt das Papsttum, das 2. Tier das
politischen Autoritäten gingen, um politische Sanktionen gegen protestantische Amerika dar. Die Offenbarung sagt, daß sich die-
einen Prediger zu ergreifen, dessen Worte wie diejenigen des Pro- se beiden Mächte verbinden werden und das 2. Tier Feuer vom
pheten Amos zu stark für das Land sind. Es ist dies also eine Ver- Himmel fallen läßt - bemerkenswerter Weise rollten alle drei Wel-
folgung von Protestanten in Nordirland durch die ökumenischen len des Geistes ausgehend von den USA, Kalifornien, über die
Kräfte.‘ ganze Welt. Weiter hinten in der Offenbarung (Kap. 16, 13f) wird
In Südkorea wurde die materielle Hilfe jenen gläubigen Gemein- dieses Dreiergespann, Tier (Papsttum), falscher Prophet (Prote-
den entzogen, die sich von der Ökumene zurückgezogen hatten, stantismus) und Drache (Heidentum als Werkzeug Satans und Trä-
so daß sie in eine Notlage gerieten. Eine Hilfe gläubiger Kirchen in ger des Okkultismus, Spiritismus) genannt, aus dessen Reihen
Amerika half dann über diese Notlage mit 300 000 Dollar hinweg.“56 wunderwirkende Kräfte sichtbar werden, gewirkt von Teufels-
geistern. Sowohl der Spiritismus im Heidentum, als auch das Papst-
Aber wir wollen nicht mit Fingern auf andere zeigen. Was in unse- tum sowie der Protestantismus weisen den gleichen Schwarmgeist
rer eigenen Gemeinschaft in Ungarn passierte, ohne daß bis heu- (Charismatische Aufbrüche oder Wellen) auf.
te personelle Konsequenzen erfolgten, können wir in der Schrift Ein hervorstechendes Merkmal, wodurch das antigöttliche Bünd-
„Christen in der Krise“ nachlesen. Was geschah mit Geschwistern, nis sich von den Getreuen Gottes unterscheidet, ist das Gesetz
die gegen die ökumenischen Entwicklungen stellten durch ihre ei- Gottes - die einen übertreten es, einschließlich das 4., die ande-
genen Brüder? ren halten die Gebote Gottes. Die Getreuen zeichnet Jesu Aner-
„So seltsam und vorschriftswidrig dieser Vorgang war (der Aus- kennung und Beglaubigung aus in Form des Geistes der Weissa-
schluß von Schw. Vanko, einer treuen Bibellehrerin), zeichnet sich gung. Hier findet man die echte prophetische Gabe.
dadurch zumindest die Karrikatur eines überfälligen Vorgangs ab.
Hunderte anderer Adventisten, die sich mit dem Verbandsausschuß Während die ganze Welt sich dieser Vereinigung antichristlicher
anlegten, wurden kurzerhand brieflich ausgeschlossen: durch for- Mächte anschließt, werden die wenigen Getreuen verfolgt, weil sie
melle Briefe des Verbands- oder Vereinigungsausschusses oder Gott die Treue halten. Soweit der Schriftbefund.
durch den Gemeindeausschuß. (All dies ist laut Ge-
meindehandbuch unzulässig). In anderen Fällen wurden ganze

20
Betrachten wir die vorausgegangen Kennzeichen der Ökumene, „So fremdartig es anmuten mag: Diese jährlichen Besprechungen
so haben selbst aufmerksame Evangelikale keine Schwierigkei- sind ein direktes Beiwerk des II. Vatikanischen Konzils. In der Tat
ten, diese Bewegung auf Offenbarung 13 zu beziehen, ebenso kam ein Mitglied des Weltkirchenrates und ein Vertreter der Sie-
Leiter unserer Geminschaft. benten-Tags-Adventisten in Rom in Verbindung mit dem Vatikani-
schen Konzil zu dem Ergebnis, daß ein zwangloses Treffen einer
Offenbar sah E.G. White schon sehr früh in den ökumenischen kleinen Gruppe von Vertretern des Weltkirchenrates einen nützli-
Bestrebungen die Formung des Bildes vom Tier: chen Zweck erfüllen würde - die Adventisten wären unzureichend
„Schon werden Vorbereitungen getroffen und Fortschritte erzielt über den Weltkirchenrat informiert, während die Belegschaft des
und Bewegungen sind im Vormarsch, die in der Aufrichtung des Weltkirchenrates und die Kirchenführer ebenso zusätzliches und
Bildes des Tieres münden werden. Ereignisse in der Geschichte verständlicheres Wissen über die Gemeinschaft der Siebenten-
der Erde werden ins Rollen gebracht, die die Voraussagen der Pro- Tags-Adventisten nötig hätten.
phetie für diese letzten Tage erfüllen werden (RH, 23. April 1889).“59
An anderer Stelle schreibt sie: Das erste Treffen wurde 1965 abgehalten, wobei die Teilnehmer
„Katholiken, Protestanten und Weltmenschen werden ... in dieser von zwei Organisatoren ausgesucht wurden. So begannen die
Vereinigung eine große Bewegung sehen, die die Welt bekehrt und Gespräche auf einer völlig zwanglosen Grundlage und wurden der
die langerwartete tausendjährige Regierung ankündigt.“60 völligen Verantwortung der Teilnehmer unterstellt. Spätere Treffen
wurden etwas formeller, daß die arbeitgebenden Körperschaften
Dann sagt sie, daß die Form des Bildes unsere Prüfung als STA der Teilnehmer der Siebenten-Tags-Adventisten den Aufenthalt ih-
sein wird: rer Vertreter autorisierten und finanzierten, und die leitenden Aus-
„Der Herr hat mir deutlich gezeigt, daß das Bild des Tieres vor schüsse der drei beteiligten adventistischen Divisionen gaben ih-
Abschluß der Gnadenzeit geformt wird, denn dies ist die große ren Segen dazu, indem sie die Vertretung der Siebenten-Tags-Ad-
Prüfung für Gottes Volk, durch die das ewige Geschick des einzel- ventisten auswählten... Die Beratung vom 24. bis 26. Nov. 1969
nen entschieden wird... Dies ist die Prüfung, durch die das Volk war die fünfte in der Serie.“64
Gottes gehen muß, ehe es versiegelt wird.“(Brief 11, 1890).“61
Mitgliedschaft auf vielfältige Weise in verschiedenen Ländern
Können wir trotz der erdrückenden Tatsachen, von biblischer und
prophetischer Seite her, noch weiter die antichristlichen Systeme Die Auswirkung auf nationaler Ebene beschreibt B.B. Beach:
unterstützen und ermutigen, indem wir an ihren Beratungen Anteil „Es ist interessant zu bemerken, daß die Kontakte auf der Ebene
nehmen? des Weltkirchenrates in gewissem Ausmaß auf gewisse nationale
Ebenen durchgesickert sind. Als Beispiele können erwähnt wer-
Wim Wiggers stellt bestürzt fest: den: Kontakte der Siebenten-Tags-Adventisten mit dem Britischen
„Es war im Jahre 1950, daß die ‘Nationale Reformbewegung` ihre Kirchenamt, dem Finnischen Kirchenrat und dem Büro der Deut-
endgültige Umbildung in die Organisation vollendete, die heute schen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.
bekannt ist als der ‘Nationale Kirchenrat`. Diese religiös-politische Es gibt viele andere Kontakte, aber wir denken hier nur an solche,
Organisation ist das Bild des Tieres. Der Grund, weshalb dies die die zumindest in gewissem Ausmaß auf die Genfer Beratung
große Prüfung für Siebenten-Tags-Adventisten ist, besteht darin, zurückzuführen sind.65
daß die meisten Adventisten mithelfen, dem Bilde des Tieres zum
Leben zu verhelfen und wissen es nicht einmal!... Die „Directory Christian Councils“, vom Weltkirchenrat herausge-
Die Art und Weise, wie jemand einer politischen Partei zum Leben geben, dokumentiert die unterschiedlich geartete Mitgliedschaft
verhilft, besteht darin, ihre Programme finanzieren zu helfen. Eine der Siebenten-Tags Adventisten in verschiedenen Nationalräten.
eingehende Dokumentation beweist, daß die Führer der Ge- Wim Wiggers faßt sie zusammen:
meinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten fortwährend viele Tau- „Es gibt drei Arten von Mitgliedschaft:
sende adventistische Dollars in die politischen Programme des a) Assoziiertes Mitglied
Nationalkirchenrates fließen lassen. Weshalb führen unsere Leiter b) Beobachter
dies im Namen der Gemeinde aus? Wir möchten wie die Welt sein! c) Mitglied
Wir möchten, daß die Welt gut von uns denkt und wollen den Se-
gen der Welt haben... Wir sind Mitglied in
In unseren Anstrengungen, von Babylon anerkannt zu werden, hat 1. Bahamas, 2. Belize, 3. Schweden, 4. Cookislands
unsere Gemeinde jetzt Hauptfiguren der adventistischen Führer in Wir sind in Kenya ‘Fraternal assiociates`.
den allerwichtigsten Ausschüssen dieser Organisation als aktive 1. Rwanda, 2. Solomon Islands.
Mitglieder. So hilft die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventi- Beobachter sind wir in:
sten durch unser Geld und unseren Einfluß fraglos mit, dem Bild 1. Finnland, 2. DDR, 3. England, 4. Vanuatu...
des Tieres Leben zu geben. Wir haben gewiß die Prüfung zur Ver- Und jetzt die letzte Stufe. Die lokalen Gemeinden in Stadt und Dorf.
siegelung nicht bestanden und wissen es daher nicht einmal. Chri- Und hier stecken wir am tiefsten drin. Wieviele Veranstaltungen in
stus weint.“62 lokalen Gemeinden gibt es, in denen wir in aller Welt und für alle
Welt mitmachen?...“66
3. Adventgemeinde im Netz ökumenischer Verstrickung
Die STA haben einen Vertreter in der „Kommission für Glauben
3.1 Weltweite ökumenische Verbindungen und Kirchenverfassung“ und in der PIN-WAND 4/92 können wir
lesen: „Nach Auskunft der Generalkonferenz der STA arbeiten Ad-
Über Anfänge und Entwicklungen im Weltkirchenrat schreibt B.B. ventisten in folgenden Gremien des Kirchenrates mit:
Beach:
21
Communication Commission; Religious Liberty Committee; Office 7.8.1959 wurde Br. Bauer mitgeteilt, daß die STA kooperierendes
of Research; Evaluating and Planning; Church World Service; Mitglied mehrerer Abteilungen ist.71
Commission on Stewardship; Estate and Financial Planning Ac-
tion Team; General Committee and Regional Subcommittees of Über die finanziellen Ausgaben für den Nationalkirchenrat schreibt
Overseas Ministries.“67 Bauer, indem er ein Schreiben zitiert:
„...daß wir 1200 Dollar an die Film- und Rundfunkkommission zahl-
Einen Höhepunkt der ökumenischen Kontakte bildete sicherlich ten, 1000 Dollar für den Dienst des Weltkirchenrates und 4500
die Papstaudienz am 18. Mai 1977, bei der B.B. Beach als Sekre- Dollar für das Auslandsmissionsprogramm des Nationalkirchen-
tär der Weltkonfessionsfamilie dem Papst Paul IV. eine goldene rates. 29. Januar 1960. Seither sind die Unkosten in die Höhe ge-
Gedenkmünze unserer Gemeinschaft überreichte und später in schnellt, und ich entnehme, daß sie heute 50- bis 60tausend Dol-
einem Interview mit Radio Vatikan sagte: lar betragen.“72
„Für mich war es eine besondere Ehre, hier in Rom als Sekretär
der Konferenz an dieser Sonderaudienz mit dem Heiligen Vater Aufgrund eines Schreibens vom 18.5.1970 antwortet Contant H.
teilzunehmen...“68 Jacquet vom Nationalkirchenrat:
„Die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten ist kein volles
Mitgliedschaft empfohlen auf der Jahressitzung der GK 1980 Mitglied der Abteilung des Überseeischen Dienstes des
Nationalkirchenrates. Sie ist eine verbundene Körperschaft, die in
Bemerkenswert und sehr aufschlußreich, wie unsere Gemeinschaft verschiedenen Ausschüssen mitarbeitet. An Einkommen steuerte
zur Ökumene steht, sind die Richtlinien, die von der General- diese Körperschaft (STA) 5950 Dollar zum Haushaltsplan des DOM
konferenz 1980 aufgestellt wurden: bei.“73
„Beirat für zwischenkirchliche Beziehungen (Richtlinien der Jahres-
sitzung der Generalkonferenz, 1980) In einem Schriftstück wird leider ohne Quellenangabe auf ein Do-
1. Er stellt Richtlinien zur Verfügung und überwacht dann die Be- kument verwiesen, danach zahlten die STA in Nordamerika 1965
ziehungen der Gemeinschaft zu anderen Kirchen und religiösen pro Kopf 304,75 Dollar, das sind „ca. Sfr. 1313.-* an den Natio-
Organisationen. Entscheidungsbefugnis. nalrat der Kirchen, d. h. den höchsten Betrag pro Kirchenglied, von
2. Er empfiehlt der Generalkonferenz, bei Versammlungen, Kom- den sämtlichen sog. christlichen Kirchen. * Das sind total zirka 500
missionen, Zusammenkünften und Beratungen anderer Kirchen Mill. Schweizerfranken.“74
in aller Welt gegenwärtig oder vertreten zu sein. Entscheidungs- Über viele lokale Kirchenräte wie z.B. Predigerschaftsvereinigungen
befugnis. berichtet Bauer, in denen die STA Mitglieder sind und an den ver-
3. Er ermächtigt zur Versendung von Einladungen durch die schiedensten Aktionen teilnehmen sowie an ökumenische Gottes-
Generalkonferenz an die Vorsteher der nichtadventistischen Reli- diensten. Es würde zu viel werden diese alle aufzuzählen75, mir
gionsgemeinschaften, damit die Vertreter dieser Organisation an selbst liegen Unterlagen vor, woraus hervorgeht, daß ökumenische
Versammlungen, Sitzungen oder Kommissionen der Gemeinschaft Gottesdienste von STA in den USA abgehalten wurden, besonders
der Siebenten-Tags-Adventisten teilnehmen können. Entschei- am Weltgebetstag.
dungsbefugnis
4. Er ermächtigt zu ‘Besprechungen` oder ‘Dialogen` mit anderen Verlagshaus in Moskau zeigt unseren ökumenischen Fall an
Kirchen oder religiösen Organisationen, sofern solche Zu-
sammenkünfte nützlich sein könnten. Entscheidungsbefugnis. In einem Schriftstück wird bezug auf die Aussagen von Roland
5. Er ermächtigt zu gemeinsamen Versuchen und Erfahrungen, Hegstad genommen, wonach dieser mitgeteilt haben soll:
sei es durch Studien oder durch Beratungen mit anderen Kirchen Ein neues Verlagshaus würde zu 100 % von den Geldern der STA
oder religiösen Organisationen, und zwar überall dort, wo es wün- gebaut, 50 % des Gewinnes soll an den Staat gehen. Alle religiöse
schenswert und möglich wäre. Eine entsprechende Empfehlung Literatur soll darin gedruckt werden: für die Römisch-Katholische
sollte an PREXAD gehen. Kirche, Baptisten, Lutheraner, Methodisten, Zeugen Jehovas,
6. Überall dort, wo es nützlich sein könnte, sollte die Anwesenheit Mormonen, Pfingstler, Juden und Griechisch Orthodoxe. Dies soll
eines adventistischen Vertreters als Beobachter oder als Mitglied das einzige religiöse Verlagshaus der gesamten Sowietunion
in gewissen Ausschüssen oder Organisationen gutgeheißen wer- sein.76
den...“69 Im Adventecho wird dies offenbar bestätigt:
„Die erste christliche Druckerei Rußlands haben die Siebenten-
Für den interessierten Lesen ist der letzte Teil unter der obigen Tags-Adventisten in ihrem Zentrum Zaoksk bei Moskau eröffnet.
Fußnote abgedruckt. Bisher unterhielten zwar fast alle Konfessionen eigene Verlagsabtei-
Die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten ist Mitglied im lungen, mußten aber für den Druck auf staatliche Einrichtungen
„Bund Evangelischer Kirchen“ in Spanien. zurückgreifen... Auch andere christliche Konfessionen sollen die
Druckerei benutzen dürfen. Voraussetzung sei allerdings, daß nichts
Verbindungen zum Nationalkirchenrat in den USA Antireligiöses oder Okkultisches gedruckt werde, hieß es. Die Ma-
schinen für die Druckerei wurden aus Deutschland importiert.“77
Prediger Bauer berichtet über die Anfänge der Verbindungen der
S.T.A. mit dem Nationalkirchenrat in den USA: Hierzu können wir bei E.G. White nachlesen:
Danach wurde von den Brüdern Walde und Chase ohne Ausschuß- „Es gibt noch andere Bücher, die verderblicher sind als die Pest
beschluß bewirkt, daß wir Mitglied der Film- und Radiokommission und schrecklicher als die Plagen Ägyptens, vor denen unsere Ver-
des Nationalkirchenrates wurden, um Sendungen gestalten und lagshäuser ständig auf der Hut sein müssen. Wenn sie Geschäfts-
ausstrahlen zu können.70 aufträge annehmen, müssen sie sich sehr vorsehen, damit sie nicht
Nach einer schriftlichen Anfrage an den Nationalkirchenrat am Schrifttum aus dem Gebiet Satans in unsere Anstalten hinein-

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bringen. Werke über seelenverderbende Lehren wie Hypnose, Eine ähnliche Frage müssen wir auch an die „Stimme der Hoff-
Spiritismus, katholische Gebräuche oder andre Geheimnisse der nung“ richten: Kann man mit anderen Konfessionen, die Irrlehren
Gesetzlosigkeit, haben keinen Platz in unsern Verlagshäusern. verbreiten, und gemeinsam mit Charismatikern einen Verein auf-
Die Angestellten sollen sich nicht mit etwas beschäftigen, das auch machen, ohne schuldig an dem Wort der Schrift zu werden: „Ziehet
nur den leisesten Zweifel an der Gültigkeit oder Reinheit der Heili- nicht an einem Joch mit den Ungläubigen.“?
gen Schrift säen könnte...“78 Als Mitglieder oder gar Gründer in einem Verein, tragen wir
Mitverantwortung für das, was dort gesagt und getan wird! Und
Hier wird in Moskau eine falsche Brüderlichkeit und Gunstbezei- stehen wir dann nicht in der Gefahr, die dreifache Engelsbotschaft
gung für andere Kirchen, einschließlich der Katholischen, gezeigt, wegen der anderen Mitglieder abzuschwächen? Dann wird der
die Gott mißfällt und Satan erfreut. Aber wir wollen ja überall, ob in Papst nicht mehr als Antichrist entlarvt, sondern die Leute sollen
Politik oder Ökumene die strahlenden liebenswerten STA sein, die selbst irgendwie herausbekommen, wer oder was mit Antichrist
nie Nein sagen können und wollen. gemeint ist. Jedenfalls beklagte sich eine treue Glaubensschwe-
ster, die seit Jahren sehr engagiert einen Bibel-Hauskreis führt
3.2 Verbindungen in Deutschland zu Ökumene und kirchlichen über Kassetten von der Stimme der Hoffnung zum Thema Offen-
Zusammenschlüssen barung, wo an den entscheidenden Stellen keine Farbe bekannt
wird, sondern der Hörer nur auf persönliches Studium hingewiesen
Ein Artikel in der PIN-WAND, Nr. 4 1992, gibt uns einen guten Ein- wird.
blick, wie unsere Verbindung zur Ökumene aus evangelischer Sicht
gesehen wird: Deutlich wird die zunehmende Öffnung für Ökume- Wir sehen, die Ökumene hat viele Gesichter und ökumenischer
ne in der Gemeinschaft der STA in Deutschland erkannt. Einige Geist wird auch bei uns seit Jahren gepflegt.
wichtige Auszüge sind im Anhang wiedergegeben.79
Die STA in der ehemaligen DDR waren Beobachter in dem Ar- Die neuesten Ansätze finden wir in den letzten Wochen und Mo-
beitskreis Christlicher Kirchen und nach der Wiedervereingung will naten.
der gesamtdeutsche ACK die STA nicht als Gastmitglieder aufneh- Es fällt auf, daß in den letzten Monaten immer häufiger Artikel im
men. Offenbar besitzt der ACK mehr Feinempfinden als die STA, Adventecho über Ökumene, Kirchenbündnisse und ein neues
mit wem man sich verbünden darf und mit wem nicht. Selbstverständnis unserer Gemeinschaft zu finden ist - man könn-
te sagen die ökumenische Welle rollt über die Adventgemeinden
Zusammenarbeit ökumenischer Art gibt es allerdings schon seit Deutschlands.
einigen Jahren auch in Westdeutschland.
Der Informationsdienst Arbeitskreis Christlicher Publizisten e.V. Im Adventecho lesen wir, wie ohne Befragung der Basis unsere
(ACP) gibt zweimonatlich eine Schrift heraus, in der das ganze Führung die Gemeinschaft in Kirchenbündnisse verwickelt:
Spektrum von Glaube über Politik und Fragen allgemeiner Art zu „Gastmitglied bei der VEF
finden ist. Der verantwortliche Publizist Heinz Matthias verteidigte Die Adventgemeinde möchte Gastmitglied in der Vereinigung Evan-
noch vor einigen Monaten eine Evangelisation von dem Charismati- gelischer Freikirchen (VEF) werden. Einen entsprechenden An-
ker Reinhard Bonnke, dem „Mähdrescher Gottes“, der in Lüden- trag stellte kürzlich Reinhard Rupp, Vorsteher des Norddeutschen
scheid von einigen heftige Kritik erntete. Verbandes und gegenwärtig erster Vorsitzender der Gemeinschaft
In einer Ausgabe des ACP von 1988 finden wir beispielsweise po- in Deutschland. Der Antrag werde, so Br. Rupp, gestellt, weil sich
sitive Berichte von Reinhard Bonnke. Daß Charismatiker positiv in die Adventgemeinde als Freikirche verstehe und daher gern mit
dem ACP bewertet werden, ist nichts Ungewöhnliches. Allerdings Christen anderer Freikirchen unter Wahrung der eigenen Identität
fällt beim Lesen des Impressums auf, daß z.B. schon Ende 1986 zusammenzuarbeiten bereit sei. Gemeinsame Anliegen könnten
bekannte Adventisten nicht nur Mitglieder des ACP sind, sondern beispielsweise Evangelisation und Öffentlichkeitsarbeit, Umgang
auch an der Herstellung der Zeitschrift Anteil haben. Aufgeführt mit Kindern, Jugendlichen und Studenten, Betreuung von Kriegsver-
werden Br. Karl Hinz (damals Abteilungsleiter für Heimatmission weigerern sowie Hilfe für Bedürftige im In- und Ausland sein. ‘In
im WDV) und Gerhard Rempel (bis 1992 noch Schriftleiter des einer Zeit zunehmender Orientierungslosigkeit wollen wir von den
Adventechos). Erfahrungen anderer lernen uns auch unsere eigenen Erfahrun-
Diese Zeitschrift wurde den Predigern in Berlin über die Vereini- gen einbringen, um Menschen die christliche Botschaft wieder
gung kostenlos zur Verfügung gestellt. Der damalige Ver- nahezubringen.` Die VEF wurde 1926 in Leipzig gegründet. Zur
bandsvorsteher E. Kilian führte Schriftwechsel mit Herrn Matthias Zeit gehören ihr sechs Kirchen als Mitglieder und drei weitere als
und überwies diesem für die Zeitschriften einen hohen Betrag. Gäste an. Sie versteht sich als Plattform für das Gespräch über
In der erwähnten Ausgabe 1988 finden wir ein interessantes Bild gemeinsame Anliegen und will die Zusammenarbeit der Freikir-
auf S. 12: ganz links steht Werner Renz von der Stimme der Hoff- chen untereinander fördern. APD“81
nung und ganz rechts oben Reinhard Bonnke. Unter dem Bild war
zu lesen: Deutschland soll also demnächst ohne Abstimmung durch
„Bei der Gründungsveranstaltung der ‘Christlichen Hörfunk- und Delegiertenversammlungen und somit ohne Vertreter der Gemein-
Fernsehinitiative` in Frankfurt dabei (v.l.): Arno Patzke und Werner den Gastmitglied in der VEF sein.
Renz, beide Darmstadt; Pastor Gerhard Wessler...Pastor Dietmar
Naujoks, Darmstadt; Pastor Reinhard Bonnke, Frankfurt...“80 Die praktische Zusammenarbeit mit Kirchen wurde mit dem Bibel-
jahr 1992 eingeleitet - sicherlich sieht mancher Adventist dies mit
Können wir als STA eine Zeitschrift als Mitglieder unterstützen, die gemischten Gefühlen, wenn auch die Bibelverbreitung an sich po-
zum Teil Auffassungen verbreitet, die wir als Gemeinschaft nicht sitiv ist - muß dies aber erst und gerade dann geschehen, wenn
teilen können - und dazu noch als Angestellte des Werkes - und alle Kirchen dies tun, nur um mit dabeizusein?
dürfen wir dies auch noch von offizieller Seite finanziell mittragen? In Westfalen läutete der Vorsteher Lothar Wilhelm einen beson-
23
ders gewagtes Unternehmen ein. Erstaunte Älteste und Prediger Was Gottesdienste anbelangt hört und liest man von ersten An-
in Nordrhein Westfalen konnten in einem Rundschreiben an alle fängen:
Prediger und Gemeindeleiter lesen: „Teilnahme an Allianzgebetswoche: An Veranstaltungen der Allianz-
„Pro Christ ’93 mit Billy Graham (17.-21- März 1993) gebetswoche 1992 (5. bis 12. Januar) nahmen in Baden-
Liebe Schwestern und Brüder, Würtemberg auch Adventisten teil. So sprachen Prediger Joachim
im März 1993 findet eine Groß-Evangelisation mit Billy Graham in Spornhauer in der Friedenskirche der Evangelisch-Freikirchlichen
der Essener Gruga-Halle statt. Sie wird per Sattelit in etwa 200 Gemeinde in Ulm zum Thema ‘Gottes Wort ordnet unsere Bezie-
Orte Deutschlands übertragen (siehe beiliegende Informationen). hungen` und Prediger Sylvain Romain im evangelischen Gemein-
Die Veranstaltungen werden von der Evangelischen Allianz getra- dezentrum Hainbachtal über ‘Gottes Wort macht Mut für die Zu-
gen. Das Organisationskomitee hat die Adventisten offiziell einge- kunft`. In Esslingen hielt der evangelische Pfarrer Renz in der
laden, sich an dieser Groß-Evangelisation zu beteiligen. Adventgemeinde eine Ansprache über das Thema ‘Gottes Wort
Eine Beteiligung ist am besten auf der örtlichen Ebene möglich. In sendet uns in die Welt`.86
Städten, in denen Veranstaltungen angeboten werden, besteht die
Möglichkeit, daß Menschen dazu eingeladen werden und die Einge- Wehret den Anfängen: können wir ohne Protest dies weiter laufen
ladenen anschließend von den einzelnen Gemeinden betreut wer- lassen? Wir stehen am Scheideweg in Deutschland und müssen
den. uns entscheiden!
Wir wurden gebeten um Fürbitte,
- daß Menschen dadurch zu Christus finden. Über die Reaktion eines Interessierten berichtet Br. Bauer,
- daß Christen sich zusammenfinden, um vor Ort eine solche Evan- adventistischer Prediger in den USA:
gelisation vorzubereiten. Nach einer Versammlung wurde er vom 1. Diakon ganz aufgeregt
- daß sich Mitarbeiter finden, in verschiedenen Bereichen mitzu- angesprochen:
helfen. „Bruder Bauer, ich muß dich sprechen. Gestern abend gingen die
Jede einzelne Adventgemeinde sollte prüfen, ob und in welchem Bibelstunden verloren, die ich acht Jahre lang mit einem der Admi-
Umfang sie sich an Veranstaltungen dieser Art in ihrem Ort betei- räle der Marine in Emmerton gehalten hatte. Er trat mir in der Tür
ligen will und kann. Oft ist es leichter für einen Erstkontakt, Interes- entgegen und sagte: ‘Sie Heuchler, betreten Sie nicht noch einmal
sierte zu solchen Veranstaltungen einzuladen als zu Veranstaltun- meine Wohnung; ich will kein einziges Wort mehr von Ihnen hö-
gen in eigenen Räumen. ren.` Ich fragte den Admiral, was denn geschehen war.
Für weitere Informationen kann man sich an den Regional- Er antwortete: ‘Ich will Ihnen sagen, was geschehen ist. Letzten
beauftragten für Nordrhein-Westfalen, Herrn Hanns Meiners, Mittwochabend sah ich ein Programm im Fernsehen mit dem Titel:
Kirchstraße 33, 4992 Espelkamp, wenden. Für sonstige Rückfra- ‘Von Mann zu Mann`, ausgestrahlt vom Nationalkirchenrat. Am Ende
gen stehen Lothar Wilhelm und Werner Lange in der Ver- des Programms erschienen die Konfessionen auf dem Bildschirm,
einigungsdienststelle zur Verfügung. Mit herzlichen Grüßen L. Wil- die diese Sendung unterstützten, und sie gaben auch die Sieben-
helm“82 ten-Tags-Adventisten an.`
Er sagte: ‘Sie Heuchler, Sie haben mich durch die Bibelstudien der
Daß bei einem derartigen Ansinnen einige Prediger und Glieder Stimme der Prophetie (in Deutschland Stimme der Hoffnung) ge-
nicht erfreut waren, kann man sich denken. Wahrscheinlich auf- führt und mich überzeugt, daß die ökumenische Bewegung das
grund einiger Kritik, besann sich L. Wilhelm nicht etwa eines bes- Bild des Tieres von Offenbarung XIII ist, und dann finde ich, daß
seren, sondern rechtfertigte seinen Standpunkt in der Form eines sie als Gemeinschaft sich mit denen verbinden und ein Programm
Interviews in dem Mitteilungsblatt „miteinander - Wir Adventisten zusammen mit dem Nationalkirchenrat unterstützen.“87
in Nordrhein-Westfalen“. Einige Auszüge daraus können im An-
hang gelesen werden.83 Wird bei dieser Begebenheit nicht allzu deutlich, wie heuchlerisch
Vielleicht noch kurz etwas über den Evangelisten Billy Graham. Er und buhlerisch unser Verhalten als STA geworden ist. Einerseits
ist sehr ökumenisch eingestellt: er ist ein Verehrer des Papstes, sollen wir vor Babylon und dem Antichristen warnen, andererseits
erhielt von katholischer Seite die Doktorwürde und verkehrt gerne unterstützen wir diese Mächte und verbinden uns mit ihnen auf
mit Politikern und Charismatikern. Bei den Evangelikalen ist Billy vielerlei Weise.
Graham deshalb auch sehr umstritten, und zu diesem Evangeli-
sten lädt L. Wilhelm ein. 4. Absonderung von „Babylon“
Im Anhang werden zu B. Graham einige Angaben zitiert.84
Die Heilige Schrift sagt ganz klar, daß wir nicht mit denen Gemein-
Im Gegensatz zur Einladung durch unseren geistlichen Leiter warnt schaft pflegen sollen, die Irrtümer verkündigen:
E. G. White davor, protestantische Erweckungsversammlungen zu „Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der
besuchen, geschweige sie zu unterstützen: hat Gott nicht; wer in dieser Lehre bleibt, der hat den Vater und den
„Es liegt keine Sicherheit und erst recht kein Nutzen für unsere Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht,
Geschwister im Besuch dieser populären Erweckungsver- so nehmt ihn nicht ins Haus und grüßt ihn auch nicht. Denn wer ihn
sammlungen. Laßt uns lieber die Schrift mit großer Sorgfalt und grüßt, der hat teil an seinen bösen Werken.“ (2.Joh. 9-11)
unter ernstem Gebet studieren, damit wir den Grund unseres Glau-
bens verstehen. Dann sind wir nicht in Versuchung, uns unter dieje- Paulus verflucht die Irrlehrer sogar:
nigen zu mischen, die, während sie große Gläubigkeit für sich „Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein ande-
beanspruchen, doch in Opposition zum Gesetz Gottes sind.“85 res Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch
gepredigt haben, der sei verflucht.“ (Gal. 1,8)
An anderer Stelle, die noch zitiert wird, sagt sie, daß Gottes Engel
nicht mehr über uns wachen, wenn wir dort hingehen.

24
Und gerade von Babylon, das Symbol des abgefallenen Protestan- Obwohl in diesem Zusammenhang noch etliche wichtige Aussa-
tismus, sagt Gott zu uns in Offenb. 18,4 mit kaum zu überbietender gen von E.G. White herangezogen werden könnten, mag die prin-
Deutlichkeit: zipielle Feststellung nachfolgend genügen:
„Geht hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sün- „Dieses schreckliche Bild, das Johannes zeichnet, um aufzuzei-
den und nichts empfangt von ihren Plagen! Denn ihre Sünden rei- gen, wie vollständig die Mächte der Erde sich dem Übel ver-
chen bis an den Himmel, und Gott denkt an ihren Frevel.“ schreiben werden, sollte denen, die die Wahrheit angenommen
haben, zeigen, wie gefährlich es ist, sich mit Geheimzirkeln zu
Schließlich macht Paulus noch auf das Prinzip aufmerksam, daß verbünden oder sich in irgendeiner Weise denen anzuschließen,
die Gerechtigkeit keine Gemeinschaft mit der Ungerechtigkeit ha- die Gottes Gebote nicht halten (MS 135, 1902).“90
ben soll in 2. Kor. 6, 14-17:
„Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat Zwei prominente STA sollen noch zu Wort kommen.
die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat
das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Chri- In einem Artikel des Review vom 16. Oktober 1969 erklärt Walter
stus überein mit Beliar? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit A.R. Beach, der Sekretär der Generalkonferenz:
dem Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes gemein mit den „1. Wir müssen um unserer Lehren willen getrennt und für uns
Götzen? Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn bleiben. Wir sind bemüht, die anderen zu überzeugen, daß sie sich
Gott spricht (3. Mose 26,11.12; Hesekiel 37,27): ‘Ich will unter ih- uns anschließen müssen. Es ist deshalb unlogisch, sich mit den
nen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen anderen zusammenzuschließen und so unsere Identität zu verlie-
mein Volk sein.` Darum ‘geht aus von ihnen und sondert euch ab`, ren.
spricht der Herr, ‘und rührt nichts Unreines an, so will ich euch 2. Wir vertreten Glaubenslehren, die von den anderen nicht ange-
annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und nommen sind: Schöpfung, Sabbat, der Zustand der Toten, prophe-
Töchter sein`, spricht der allmächtige Herr (Jesaja 52,11; Hesekiel tische Schau.
20,41; Samauel 7,14).“ 3. Die Tendenz der ökumenischen Organisationen läuft darauf hin-
aus, sich von der Bibel zu entfernen und die Evangelisation durch
E.G. White schließt sich diesen Warnungen an, wenn sie schreibt: soziale Aktionen zu ersetzen.“91
„Wenn Gott neues Licht mitzuteilen hat, so wird er seinen Erwähl-
ten und Geliebten das Verständnis dafür öffnen, ohne daß sie nö- Georges Stéveny, ehemaliger Sekretär der Euro-Afrika-Division
tig haben, von denen erleuchtet zu werden, die in Finsternis und schreibt unter dem Titel: Weisungen von E.G. White über die Bezie-
Irrtum sind. hungen der Adventgemeinde zu anderen christlichen Kirchen:
Es wurde mir die Notwendigkeit gezeigt, daß diejenigen, die glau-
ben, daß wir die letzte Gnadenbotschaft haben, von denjenigen „Dem Liberalismus nachzugeben, stellt tatsächlich eine schreckli-
getrennt sind, die täglich neue Irrtümer in sich aufnehmen. Ich sah, che Versuchung dar... Unsere Verantwortung angesichts der kom-
daß weder jung noch alt ihren Versammlungen beiwohnen sollten; menden Krise ist ungeheuer. Halten wir an allem, was uns von den
denn es ist unrecht, sie zu ermutigen, während sie Irrtum lehren, anderen unterscheidet, durch Treue dem Worte Gottes gegenüber
der ein tödliches Gift für die Seele ist, und solche Lehren lehren, fest. Die Trennungslinie zwischen uns und den anderen soll deut-
die nichts denn Menschengebote sind. Der Einfluß solcher Ver- lich sichtbar sein.
sammlungen ist nicht gut. Wenn Gott uns von solcher Finsternis Die Prophezeiung wird sich erfüllen. Die anderen protestantischen
und solchen Irrtümern frei gemacht hat, sollten wir feststehen in Kirchen, welche die römisch-katholische Kirche jetzt mit Nachsicht
der Freiheit, womit er uns frei gemacht hat, und uns der Wahrheit behandeln und immer größere Gleichgültigkeit mit Bezug auf die
freuen. Es mißfällt Gott, wenn wir hingehen und Irrtümern lauschen, Abweichungen in der Lehre an den Tag legen, werden sich mit
ohne daß wir verpflichtet sind, zu gehen... dem Papsttum verbinden, um die Beobachter des Sabbats zu ver-
Die Engel wachen nicht mehr über uns, und wir sind den Anschlä- folgen... Was uns betrifft, stehen wir der einen wie der anderen
gen des Feindes ausgesetzt, um durch ihn und die Macht seiner Kirche gleich fern und müssen sorgfältig unsere eigene Identität
bösen Engel verfinstert und geschwächt zu werden; das Licht um bewahren. Das ist das Wichtigste der Botschaft von Ellen G.
uns herum wird mit der Finsternis befleckt. White...“92
... wir sollten nach Weisheit suchen, damit wir eine gründlichere
Kenntnis unserer Stellung erlangen möchten und imstande sind, 5. Gottes Ziele mit der Adventgemeinde
in Sanftmut einen Grund unserer Hoffnung aus der Schrift zu ge-
ben.“88 Denken wir an die Prophezeiung in Offenbarung 10 und 14, so
wird deutlich, daß Gott uns als Gemeinschaft der STA ins Leben
Klar warnt sie vor einer Verbindung mit Katholiken oder Protestan- gerufen hat, um in dem großen endzeitlichen Abfall die dreifache
ten: Engelsbotschaft zu verkündigen, die die Warnung gegen das ab-
gefallene Babylon und den Antichristen einschließt. Demgemäß
„Lasst es nicht zu, daß sich die Wächter auf den Mauern Zions mit sollen wir die Menschen vor den Irrlehren der Kirchen warnen und
denen zusammenschließen, welche die Wahrheit, wie sie in Chri- die Getreuen aus deren Reihen herausrufen. Wir würden die glei-
stus ist, neutralisieren. Lasst es nicht zu, daß sie sich der Vereini- che Sünde wie die Israeliten begehen, die sich mit Heidenvölkern
gung der Untreue anschließen - derjenigen des Papsttums und befreundeten und deren Gebräuche übernahmen, wenn wir uns
des Protestantismus - welche die Tradition über die Schrift stellen, mit dem endzeitlichen Babylon, mit den von Gott abgefallenen Kir-
den Verstand über die Offenbarung und die menschlichen Gaben chen befreunden und verbinden. Der wunderbare Auftrag ist eine
über den göttlichen Einfluss und über die belebende Kraft Got- Ehre für uns und so sollten wir mit freudigem Eifer unseren Auftrag
tes.“89 durchführen, der im krassen Gegensatz zu allen ökumenischen
Überlegungen steht.
25
Mit Bezug auf das Ziel der Verlagshäuser stellt E.G. White auch dessen Mitgliedskörperschaften haben.
allgemein die Prinzipien dar, die unsere Aufgabe als STA umschrei- Wir sollten keine ‘Unterredungen` und ‘Dialoge` mit ihnen führen.
ben: Wir sollten keine ‘offiziellen Beobachter` zu ihren National- oder
„In aller Welt sollen sie das gleiche Werk tun, das Johannes der Weltversammlungen entsenden.
Täufer für das jüdische Volk tat... Durch seine Verkündigung stellte Wir sollten ausgehen und uns fernhalten.
er die volkstümlichen Irrtümer bloß. Gegenüber den falschen Leh- Wir sollten uns nicht mit ihnen in Bündeln zusammenbinden las-
ren seiner Zeit wirkte die Wahrheit seiner Worte wie Gewißheit sen. (Erfahrungen und Gesichte, S. 117-118).“94
aus der Ewigkeit...
Wie Johannes den Weg für das erste Kommen, so haben wir den Th. Rehse macht uns auf die Problematik des Ausscheidens, nach-
Weg für das zweite Kommen des Heilandes zu bereiten. Unsere dem man sich schon sehr weit mit der Ökumene eingelassen hat,
Verlagshäuser sollen die Forderungen des niedergetretenen Ge- aufmerksam - er weist aber auch auf praktische Beispiele hin, die
setzes Gottes erheben... Von ihnen soll die drohende Ankündigung uns ermutigen, uns zu lösen:
erschallen: ‘Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große Stadt; „Die zunehmende ökumenische Verflechtung der Kirchen und Frei-
denn sie hat mit dem Wein ihrer Hurerei getränkt alle kirchen und die deutlich progressive Tendenz in Leitungsgremien
Heiden.`(Offb.14,8) lassen erkennen, daß Entscheidungen auf alle Glieder der Ge-
Die Verlagshäuser sind durch den dritten Engel dargestellt, der da meinde Jesu unausweichlich zukommen. Die Erfahrung lehrt die-
folgte und sprach:‘So jemand das Tier anbetet und sein Bild und ses: Sind Kirchen und Freikirchen organisatorisch erst einmal in
nimmt das Malzeichen an seine Stirn oder an seine Hand, der wird eine enge ökumenische Verflechtung eingebunden - sie werden ja
von dem Wein des Zorns Gottes trinken.‘(Offb. 14,9f)... durchweg von progressiv orientierten führenden Persönlichkeiten
Noch nie war es angebracht, diese Botschaft mit so großem Nach- in ökumenischen Organisationen vertreten - so ist ein Rückzug
druck zu verkündigen wie in unsern Tagen. Mehr und mehr stellt oder gar ein Ausscheiden äußerst schwierig. Mit Respekt konnte
die Welt die Forderungen Gottes als nichtig dar... man jedoch davon Kenntnis nehmen, daß 1978 - aus Protest ge-
Wir sind berufen, das Volk zu erwecken und auf den großen, be- gen das ‘Anti-Rassismus-Programm` des Weltkirchenrates - drei
vorstehenden Streit vorzubereiten. Wir müssen alle warnen, die Mitgliedskirchen es nicht bei verbal ausgedrückten Bedenken be-
am Rande des Abgrundes stehen. Gottes Kinder müssen im Kampf ließen, wie manche evangelikal ausgerichteten Gruppierungen in
gegen Satans Falschheit alle Kräfte einsetzen und seine Bollwer- Kirchen und Freikirchen. Vielmehr kamen sie zu dem mutigen Ent-
ke niederreißen... Den Menschen nah und fern sollen wir die Fra- schluß, dem Weltkirchenrat den Abschied zu geben, bzw. ihre
ge vorlegen: ‘Folgst du dem großen Abtrünnigen in Ungehorsam Mitgliedschaft ruhen zu lassen. Dazu gehören die Evangelisch-
gegen Gottes Gesetz, oder folgst du dem Sohn Gottes... Gottes Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe und der internatio-
heutige Mitarbeiter sollen das unerschütterliche und kühne Zeug- nale Verband der Heilsarmee. Die Ausscheidenden empfingen
nis Daniels lesen und seinem Beispiel folgen. Ein Mensch begeht natürlich den heftigen Tadel des Generalsekretärs Philipp Potter
die größte Torheit, wenn er Ansehen und Anerkennung in der Welt und vieler anderer Ökumeniker.“95
dadurch zu erreichen versucht, indem er, wenn auch in noch so
geringem Grade, die Treue oder die Gott gebührende Ehre op- Es ist notwendig, daß sich jeder treue Adventist dafür einsetzt,
fert.“93 daß zunächst in Deutschland weder eine Gastmitgliedschaft in ei-
nem protestantischen Bündnis wie die VEF erfolgt, noch der Be-
Ist der Abfall der Adventgemeinde noch aufzuhalten? such in Veranstaltungen der sonntaghaltenden Kirchen verharm-
lost und gefördert wird.
Zunächst müssen wir Wim Wiggers angesichts der Tatsachen Recht Für einzelne Gläubige und Geistliche anderer Konfessionen sol-
geben, wenn er schreibt: len wir arbeiten und mit ihnen beten, damit sie in der Erkenntnis
„Kirchen, Kirchen, Kirchen: Dutzende von Kirchen in jeder Stadt. zunehmen und im Glauben gestärkt werden, aber mit Institutionen
Protestantische Kirchen. Evangelikale, Pfingstler, die Hauptkirchen. und Vereinigungen anderer Bekenntnisse dürfen wir uns nicht ver-
Und dann über Land Tausende von Kirchen, Hunderttausende. Und bünden, auch wenn wir uns freundlich und aufgeschlossen zeigen
nahezu alle sind sonntagshaltende Kirchen. Und nahezu alle sind sollten. Die Trennungslinie muß klar erkennbar sein. Wir sollen kei-
Mitglieder des Nationalkirchenrates. ne Hetzreden gegen Protestanten und Katholiken noch irgend-
Sie sind miteinander verwickelt in zwischenkirchlichen Zusammen- welchen Ideologien halten, denn dies verbietet christliche Höflich-
schlüssen, zusammengebunden in Bündeln für den letzten gro- keit und Liebenswürdigkeit, dennoch müssen wir die Welt mit aller
ßen Tag. Deutlichkeit vor diesen antichristlichen Systemen warnen, damit
Und jetzt verbindet sich unsere Gemeinschaft der Siebenten-Tags- die vielen Menschen nicht für ewig verloren gehen - das ist unser
Adventisten mit ihnen. Hier ist eine Dokumentation über etwas, Auftrag.
das nicht sein sollte. Hier sind Tatsachen, die zu einer Tragödie
führen können, wenn das Sonntagsgesetz erlassen wird, eine Tra- Jeder Prediger und jedes Gemeindeglied muß jetzt seine Stimme
gödie, die wir verhindern sollten. gegen den Treubruch Jesu erheben, denn wir stehen in Deutsch-
Denn es werden zwischenkirchliche Zusammenschlüsse sein, die land am Scheideweg. Gott hat jedem von uns eine Verantwortung
hier und in anderen Nationen des Erdenrunds das Sonntagsgesetz auferlegt, um die wir nicht herumkommen.
erlassen werden. Und gerade jetzt - Du und Ich -, wir müssen ernst-
lich protestieren, damit unsere Führung jede Bande löst, das un- E. G. White weist sehr deutlich am Beispiel von Verlagsangestellten
ser Volk mit dem Weltkirchenrat verbindet oder mit irgendeinem auf unsere persönliche Verantwortung hin, wenn etwas nicht in
örtlich nationalen, ökumenischen Rat. Ordnung ist, in diesem Fall der Inhalt von Schriften und Büchern:
Wir sollten in ihnen keine ‘volle Mitgliedschaft` haben, wie jetzt „Wenn ihr Gott liebt und fürchtet, dann lehnt es ab, irgend etwas
andernorts in gewissen Ländern des Weltfeldes. mit dem Wissen zu tun zu haben, vor dem Gott Adam warnte. Die
Wir sollten keine ‘persönlichen Vertreter` im Weltkirchenrat oder in Schriftsetzer sollen sich weigern, dergleichen zu setzen, die

26
Hierarchie der Ökumenischen
Verbindungen der S.T.A.

S.T.A. Kirche Ökumene

Gene- Arbeitsgemeinschaftsmitglied Welt-


ral- „working relationship“ kir-
konfe- chen-
renz rat

Über-
Fördern die Ökumene nationaler
Divisionen siehe Arbeitspapier Kirchenrat
z.B.
von Europa

Verbände Einige Vollmitglieder, Nationale


und einige Beobachter, Kirchenräte
Vereinigungen Gastmitglieder, usw.

Veranstaltungen
Prediger-Treffen Lokale Räte
Gemeinden usw. Stadt-Räte usw.

27
Korrektoren, es durchgehen zu lassen; die Drucker sollten sich 5 Bert Beverly Beach, Eine Kirche für alle Christen?, S. 24f, Ad-
weigern, so etwas zu drucken, und die Buchbinder, so etwas vent-Verlag Hamburg
einzubinden. Werdet ihr dazu aufgefordert, derartiges zu bearbei- 6 ebd., S. 16
ten, dann beruft eine Versammlung der Verlagsangestellten ein, 7 T. Rehse, ebd., S. 54-58
um darüber Klarheit zu schaffen, was dies zu bedeuten hat. Die 8 Wim Wiggers, ebd., S. 14; 9., S. 71; 10 ebd.
Leiter des Verlages mögen einwenden, daß ihr dafür nicht verant- 11 ALLER DIENER, ebd., S. 89f
wortlich seid, sondern daß die Geschäftsführer diese Angelegen- 12 T. Rehse, ebd., S. 63f
heit zu regeln haben. Dennoch, ihr seid verantwortlich - ver- 13 W. Wiggers, ebd., S. 34
antwortlich für den Gebrauch eurer Augen, eurer Hände und eu- 14 T. Rehse, ebd., S. 98
res Verstandes. Sie sind euch von Gott gegeben, um ihm zu die- 15 B.B. Beach, ebd., S. 101
nen, nicht aber Satan. 16 Lothar Gassmann, Frieden und Gerechtigkeit durch Welt-
Werden in unsern Verlagshäusern Schriften mit Irrtümern gedruckt, einheit?, S. 7f 1989, Verlag der Liebenzeller Mission;
die das Werk Gottes hintertreiben, dann wird Gott nicht nur dieje- 17 T. Rehse, ebd., S. 174; 18 ebd.
nigen zur Verantwortung ziehen, die Satan Fallen legen ließen, 19 ALLER DIENER, ebd., S. 96f
sondern alle, die in irgendeiner Weise an dieser Verführung mit- 20 T. Rehse, ebd., S. 65f
wirkten...96 21 Ellen G. White, Der große Kampf zwischen Licht und Finsternis
(GK), S. 571, Saatkorn Verlag Hamburg
Vom Reformator Johannes Calvin können wir sicherlich noch eine 22 Rehse, ebd., S. 164; 23 S. 165f
Menge von dem lernen, was er einst an Margarete von Navarre 24 B.B. Beach, ebd., S. 71f; 25 S. 73f
schrieb: 26 ALLER DIENER, ebd. S. 61; 27 S. 58
„Ein Hund bellt, wenn sein Herr angegriffen wird. Ich wäre ein Feig- 28 Rehse, ebd. S. 126f; 29 S. 144; 30 S. 137
ling, wenn ich sähe, Gottes Wahrheit würde angegriffen, und ich 31 ebd., S. 137f
würde still bleiben, ohne einen Laut von mir zu geben!“97 32 ALLER DIENER, ebd., S. 37
33 Beach, ebd., S. 46; 34 S. 46f
Unser großes Problem - oder sollte man von Heuchelei sprechen - 35 Rehse, ebd., S. 193f; 36 196f
ist, daß zwar offiziell und theoretisch immer wieder beteuert wird, 37 Informationsbrief, Nr. 145, April 1991, S. 6-9, Bekenntnis-
wir sind nicht Mitglied in der Ökumene und sehen große Gefahren, bewegung „Kein anderes Evangelium“, 5880 Lüdenscheid, Worthstr.
aber in der Praxis wird, wie wir gesehen haben, fleißig mitgearbei- 49
tet und die ökumenische Sache gefördert. 38 Beach, ebd., S. 43; 39 , S. 44f;
Manchmal wird argumentiert, wir sind ja nur Beobachter und Be- 40 Rehse, ebd., S. 223
rater in den Ausschüssen und Gremien. Aber Gott sagt sehr deut- 41 Pfarrer Albert Lüscher, Das wahre Gesicht der Ökumene, S.
lich durch David in Psalm 1 in welchem Rat wir nicht sitzen sollten: 10f, 1974, Pflugverlag Langenthal, Schweiz;
42 Rehse, ebd., S. 99
„Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf 43 ALLER DIENER, ebd., S. 36
den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat 44 Wolfgang Bühne, Spiel mit dem Feuer, S. 11-13, Christliche
Lust am Gesetz des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Literatur-Verbreitung e.V. Postfach 1803, 4800 Bielefeld 1, 1991
Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der 45 Rehse, ebd., S. 73f; 46 S. 83; 47 S. 75-79
seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. 48 W. Bühne, ebd., S. 94f
Und was er macht, das gerät wohl.“ 49 Helmut Bauer, Liebe, Einheit, Frieden - um jeden Preis?, S. 83,
Verlag und Schriftenmission der Evangelischen Gesellschaft für
Werden wir diesen Rat beachten oder werden wir schweigen zu Deutschland, Wuppertal,1980; 50 S. 86f;
alledem, was in unserer Gemeinschaft geschieht? Schweigen 51 ebd. S. 89; 52 ebd.
schließt Mitverantwortung für alles Böse ein. Wird es zu einer Spal- 53 E.G. White, GK, S. 589f
tung wegen der ökumenischen Frage in Deutschland und der gan- 54 Rehse, ebd., S. 104; 55 S. 211
zen Welt kommen wie in Ungarn? Werden sich unsere Leiter besin- 56 A. Lüscher, ebd., S. 22-25
nen und umkehren? Gibt es noch genügend positive Kräfte, die 57 Sidney Reiners, Die Ungarische Krise, 1/87, aus der Reihe
Jesus und seine Gemeinde wirklich lieben und sich gegen den Christen in der Krise, Faigrounds Road, Grand Rapids, Minnesota
Abfall in unseren Reihen erheben? Laßt uns jetzt aufstehen, bevor 55744, USA
es zu spät ist! Laßt uns wahre Protestanten in unserer Gemein- 58 Ellen G. White, Bibelkommentar der Siebenten-Tags-Ad-
schaft sein, wie die Reformatoren zu ihrer Zeit in ihrer Kirche! ventisten, S. 534, Ellen G. White Förderkreis e.V., Kolbermoorstr.
51, 8202 Bad Aibling, Deutsche Übersetzung von Band 7A des
Fußnoten: STA Bibelkommentars
59 ebd.
1 Wim Wiggers, Die ökumenischen Verbindungen, S. 32f, INTER- 60 Beach, ebd., S. 8.10
EURO-PUBLISHING, P.O. Box 176, NL-7100 AD Winterswijk 61 White, Bibelkommentar (BK), S. 535
2 Heinz Schäfer, Hört ein Gleichnis, S. 91, Christliches Verlags- 62 Wiggers, ebd., S. 10f; 63 S. 76; 64 S. 50;
haus GMBH, Stuttgart 65 ebd., S. 53; 66 S. 74f
3 ALLER DIENER, III/IV 1984, S. 55, Stoffsammlungen und Mittei- 67 PIN-WAND, Nr. 4, 1992, S. 27, Magazin für Adventisten zu
lungen der EUD-Predigtamtsabteilung, Schosshaldenstraße 17, Themen der Zeit, herausgegeben von Peter Freitag, Hagebusch
CH-3006 Bern, Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten 18, 4783 Anröchte
4 Theophil Rehse, Ökumene - woher und wohin?, S. 21f, 1983, 68 Wiggers, ebd., S. 69
Verlag Schulte + Gerth, Aßlar 69 ALLER DIENER, ebd., S. 61f

28
„... Es sollte sich dabei um solche Ausschüsse oder Organisationen der eigenen Identität bis hin zu einer Geschichtsschau, die am
handeln, die nicht an eine bestimmte Glaubensgemeinschaft ge- Ende der Zeiten eine ‘Welteinheitskirche` erwartet, die dann den
bunden sind, wie zum Beispiel Bibelgesellschaften, Zusammen- großen Abfall herbeiführen wird. Eine gewisse Berührungsangst
künfte von religiösen Verwaltern, christliche Radiostationen, vor der mächtigen römisch-katholischen Kirche und die Furcht vor
Medienstellen, Missionen, Einwanderungsstellen, Entwicklungshil- einem vereinnahmenden Papsttum sind Faktoren, die sowohl zu
fe, Wohlfahrt, Flüchtlingsdienste, religiöse Organisationen für den dieser Geschichtsschau beitragen als auch von dieser abgeleitet
Frieden, theologische Kommissionen, religiöse Freiheit, die Religi- werden.
on im amerikanischen Leben. Entsprechende Empfehlungen soll- Erst im November 1991 hat die Vollversammlung der Euro-Afrika-
ten PREXAD zur endgültigen Entscheidung zugeleitet werden. Division durch Mehrheitsbeschluß eine Erklärung angenommen...
7. Es sollten Personen mit Umfragen und mit der Anfertigung von In der soeben erwähnten Erklärung vom November 1991 heißt es
theologischen Studien oder Erklärungen betraut werden, die dem aber: ‘Wir sind deshalb zu gemeinsamen Dienst mit kirchlichen
Beirat oder dem Generalsekretär dienen könnten. Ent- Organisationen überall dort bereit, wo dies unter Wahrung der eige-
scheidungsbefugnis. nen konfessionellen Identität möglich ist.`
8. Der Beirat sollte die Stellung der Gemeinschaft der Siebenten- Umso entschiedener müßten die Ökumeniker in den Kirchen die
Tags-Adventisten zur ökumenischen Bewegung beobachten und, Hinwendung einer bisher auf Distanz gebliebenen Gemeinschaft
wenn notwendig, Regeln und Grundsätze entwickeln, die dem zur ökumenischen Bewegung begrüßen.
Sekretär und solchen Personen, die mit den nichtadventistischen Die STA weisen hierzulande zu Recht darauf hin, daß ökumeni-
religiösen Organisationen in Verbindung kommen, als Leitlinie die- sche Kontaktaufnahmen bisher fast immer von ihnen ausgegangen
nen können. Entscheidungsbefugnis. seien: Sowohl auf der Ebene der Bundes-ACK als auch auf regio-
9. Den adventistischen Organisationen soll der Beirat in allen Fra- naler Ebene wurden schon vor Jahren Versuche unternommen,
gen beistehen, die die Ökumene und die Verbindungen mit ande- Kontakte herzustellen. Mehr als einmal hat man den STA die kalte
ren Religionsgemeinschaften und zwischengemeinschaftliche Schulter gezeigt. Beim Forum ‘Gerechtigkeit, Frieden und Bewah-
Organisationen oder religiöse Gruppen betreffen. Entschei- rung der Schöpfung` hatte man die STA ebensowenig berücksich-
dungsbefugnis.“ tigt wie bei der Aktion ‘Jahr der Bibel`. Im letzteren Fall ist noch
rechtzeitig vor 1992 eine Korrektur erfolgt.
70 Wiggers, ebd., S. 17; 71 ebd.; 72 S. 18 Auch sind 1990 Vertreter der STA auf regionale Tagungen der ACK
73 ebd., S. 19.27 (West) eingeladen worden und haben teilgenommen. Es erscheint
74 Schriftstück von H. Reinhard, Darmstadt, ohne Quellenangabe nach diesen Bemühungen dringend geboten, den ökumenischen
75 Wiggers, ebd., S. 21 Kontakt mit den STA auf eine solide Grundlage zu stellen, um die
76 Schriftstück von H. Fischer, Barntrup, ohne Quellenangabe ökumenische Öffnung der STA zu fördern und nicht zu behindern.
77 Adventecho, Nr. 7, 1992, S. 19, Gemeindeblatt der Siebenten- Nachdem schon 1973 der ÖRK empfohlen hatte, den Dialog zwi-
Tags-Adventisten, Saatkorn-Verlag Hamburg; schen nationalen Kirchenräten und den STA aufzunehmen, wäre
78 E.G. White, Aus der Schatzkammer der Zeugnisse, Bd. III, S. es an der Zeit, daß dies auch in Deutschland geschieht.
142-144, Advent Verlag Hamburg Allem Anschein nach gibt es da aber auf westdeutscher Seite
79 PIN-WAND, ebd., S. 26f Schwierigkeiten. Einem Kommentar des Adventistischen Pres-
„Erich Goldbach, ein Befürworter der ökumenischen Öffnung der sedienstes ist zu entnehmen, daß es am 27-28 November 1991
STA auf evangelischer Seite, veröffentlichte im ‘Materialdienst des auf der gemeinsamen Mitgliederversammlung der ACK (West) und
Konfessionskundlichen Instituts Bensheim` im Mai 1992 eine Lau- der AGCK (Ost) zu gewissen Irritationen kam.
datio für die Adventgemeinde. Unter dem Titel: ‘Die Adventisten - Von westlicher Seite wurde erwartet, daß die bisherigen ‘Gast-
eine konfessionskundliche Einordnung` beschrieb er seine Ansicht, kirchen` der ACK auch künftig in der gesamtdeutschen ACK den
ob die STA eine Sekte sind - und damit für den ACK nicht tragbar - Gaststatus innehaben würden. Das gleiche sollte aber nicht von
oder eine protestantische Freikirche mit einem Trend zur Ökume- zwei Gemeinschaften der AGCK gelten, die bisher im Osten den
ne. Der letzte Teil seiner Ausführungen trägt den Titel: ‘Ökumeni- Beobachterstatus besaßen, der Gemeinschaft der STA und dem
sche Beziehungen`, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten wol- ‘Apostelamt Jesu Christi`. Der Einwand lautete, beide seien noch
len. Er enthält interessante Informationen und Ansichten aus dem zu unbekannt. Als vom Osten derselbe Einwand kam, der Christ-
evangelisch-ökumenischen Lager. liche Gemeinschaftsverband Mühlheim a.d. Ruhr - eine West Gast-
‘Eine neue Phase der Beziehungen zwischen der Gemeinschaft kirche - sei unbekannt, wurde auf die gute Zusammenarbeit hin-
der STA und anderen christlichen Kirchen begann mit dem zwei- gewiesen, doch ließ man dieses Argument umgekehrt nicht gel-
ten Vatikanischen Konzil... ten.
In über 40 Ländern sind die STA Mitglieder in nationalen Bibel- Der Adventistische Pressedienst fragt daher zu Recht, ob sich alle
gesellschaften, und viele Radio- und Fernsehanstalten werden von Kirchen bei ihrer Mitarbeit in der AGCK Seite an Seite mit den STA
ihnen gemeinsam mit anderen Kirchen betrieben. Das gleiche gilt ‘jahrelang geirrt haben` und fährt fort: ‘Besteht nicht die Gefahr mit
für die Zusammenarbeit von adventistischen und anderen kirchli- zweierlei Maß zu messen?` Kann ‘nicht auch der Osten seine gu-
chen Hilfswerken. Diese vielfältigen ökumenischen Aktivitäten ha- ten Erfahrungen mit bestimmten Kirchen ohne wenn und aber in
ben dazu geführt, daß die Generalkonferenz 1980 einen ‘Rat für die neue ACK einbringen?`
zwischenkirchliche Beziehungen` berief. Es ist unverkennbar, daß Man möchte ein ‘Gästezimmer` und keinen ‘Mansardenplatz` im
die STA aus ihrer zum Teil selbst gewählten, zum Teil von außen Hause des ACK. Die neue, gesamtdeutsche ACK und ihre Mit-
auferlegten Isolation heraus möchten. gliedskirchen sind herausgefordert, durch Entgegenkommen der
Natürlich gibt es auch innerhalb der Gemeinschaft der STA Geg- Gemeinschaft der STA zu helfen, den im Osten schon lange und
ner eines zwischenkirchlichen Engagements. Deren Gründe für im Westen jetzt eingeschlagenen Weg in die Ökumene der Kir-
eine ökumenische Abstinenz sind sehr unterschiedlich und reichen chen weiterzugehen.“
von Unkenntnis, schlechten Erfahrungen, Furcht vor dem Verlust
29
80 Informationsdienst Arbeitskreis Christlicher Publizisten e.V. zeichnet?
(ACP), Ausgabe 1988, Herausgeber und Verleger: ACP, Schöne L.W.: Der Begriff ‘ökumenisch` wird heute für alles angewandt, was
Aussicht 8, 3501 Niedenstein, verantwortlicher Redakteur: Heinz Christen verschiedener Konfessionen gemeinsam tun.
Matthias Adventisten sind bereit, ökumenisch zu handeln, wenn es um die
81 Adventecho, Nr. 9, 1992, S. 24, Verbreitung der Bibel, dem Ruf zum Glauben an Jesus Christus
82 PIN-WAND, ebd., S. 25 und der Linderung der Not von Menschen geht...
83 miteinander, Nr. 12/Dez. 1992, S. 4f, Mitteilungsblatt der Ge- m: Empfiehlst Du also unseren Gemeinden eine Beteiligung an
meinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Nordrhein-Westfäli- ‘Pro Christ ’93`?
sche Vereinigung L.W.: Nicht pauschal. Wir haben die Prediger, Ältesten und
„... L.W. Diese Einladung zeigt, daß unsere Bemühungen, das Heimatmissionsleiter auf der Tagung am 22.03.1992 in Bochum
Sektenimage abzubauen, das uns oft angehängt wurde, Früchte und per Rundschreiben am 21.04.1992 darüber informiert. Jede
tragen... einzelne Adventgemeinde sollte prüfen, ob und in welchem Um-
L.W. Wir haben in unserer Glaubensverkündigung ein zweifaches fang sie sich an Veranstaltungen dieser Art in ihrem Ort beteiligen
Ziel: 1. Wir wollen Menschen zum Glauben an Jesus Christus füh- will und kann. Erstens hängt das von der Situation der Gemeinde,
ren. ... 2. ... Hier geht es uns um die adventistische Lebensweise, der Einstellung ihrer Glieder und ihren Möglichkeiten ab. Zweitens
die wir als ‘gegenwärtige Wahrheit`, also als Offenbarung Gottes hängt das von den Menschen, Plänen und Umständen ab, denen
für das Leben in dieser gefährlichen Zeit, verstehen. Glauben und sie am Ort unter den anderen Christen begegnen. Erst wenn das
Nachfolge sind zwar untrennbar verbunden. Der Weg dazu erfolgt geklärt ist, kann eine örtliche Gemeinde eine Entscheidung dazu
aber in diesen beiden Schritten... treffen. Es gibt Prediger und Gemeinden, die erkennen, daß es
Die Veranstalter sehen die zunehmende Säkularisierung (‘Verwelt- leichter ist, Menschen für solche Großveranstaltungen zu interes-
lichung`) Europas. Sie sehen, daß der Glaube an Jesus Christus sieren als sie zu Veranstaltungen in den eigenen Räumen einzula-
nur noch als Privatsache einzelner Christen angesehen wird. Sie den. Sie möchten sie darum auch auf diese Weise zu Christus
wollen daher ‘Jesus als den Herrn der Herren, als Schöpfer, Erhal- führen. Andere Prediger und Gemeinden planen selbständige evan-
ter, Richter und Retter der ganzen Welt verkündigen`. Dieses Anlie- gelistische Veranstaltungen und haben daher eine Beteiligung gar
gen stimmt mit unserem Ziel adventistischer Verkündigung über- nicht erst in Betracht gezogen.
ein. Das einzige, was nicht möglich ist, ist dies: Eine Gemeinde bleibt
m (miteinander): Gibt es nicht aber erhebliche Unterschiede über passiv und ist isoliert nur für sich selbst da. Wenn wir das tun,
die Auffassung zu Glaubensgehorsam und die Art und Weise der werden wir das Licht verlieren, das wir erhalten haben und am
christlichen Lebensführung? Ende selbst verloren gehen...“
L.W.: Auch die Veranstalter ‘Pro Christ ’93` wissen, daß das Evan-
gelium in die gelebte Gemeinschaft des Leibes Christi vor Ort führt. 84 Fest und Treu, Nr. 42, 3/1983, S.7f, herausgegeben von Wolf-
Die Hinführung zur Gemeinschaft der Christen ist auch ihnen ein gang Bühne, Meinerzhagen Valbert, Schoppen 405
vorrangiges Ziel ihrer missionarischen Arbeit. Sie sehen aber auch, Wolfgang Bühne, ein guter Kenner der evangelischen Szene
daß Christen auf verschiedenen Wegen dem Ruf Gottes gehor- schreibt:
sam sein und den Menschen dienen können. Die Entscheidung, in „B. Graham hat des öfteren erklärt, daß er in der Evangelisations-
welcher christlichen Glaubensgemeinschaft der einzelne Mensch arbeit mit allen Konfessionen zusammenarbeitet, wahrscheinlich
seine Nachfolge leben möchte, überlassen sie dem Menschen mit dem Ziel, auf diesem Weg viele Menschen zu erreichen. Viele
selbst. Das stimmt auch mit unserer Auffassung überein. mit Graham befreundete und in der Evangelisationsarbeit enga-
m: Aber können wir mit Menschen zusammen arbeiten, die in wich- gierte Brüder waren bereits in den 50er Jahren sehr betroffen, als
tigen Fragen des christlichen Lebens irren, nachdem was uns die bekannt wurde, daß seine Kreuzzugskomitees teilweise mit mehr
Heilige Schrift sagt? Modernisten als Fundamentalisten besetzt waren.
L.W.: Zunächst muß ganz klar sein, daß wir vor Gott alle irrende Auch dürfte bekannt sein, daß Billy Graham immer wieder mit Ver-
Menschen sind. Auch unser ‘Wissen ist Stückwerk` (1. Kor. 13,9). tretern der röm.-kath. Kirche zusammenarbeitete und des öfteren
Wir bedürfen alle der Gnade und Vergebung Jesu Christi (Römer bewundernde Worte für den jeweiligen Papst fand.
3, 23+24 u.v.a.). Niemand darf einen anderen Christen, nur weil er 1963 würdigte er anläßlich seines Adenauer-Besuches in Bonn
seine Erkenntnis nicht teilt, verurteilen. Das hat Christus uns ver- den verstorbenen Papst, der eine neue Epoche im Miteinander
boten (Matth. 7, 1 u.a.). der Konfessionen eingeleitet habe und beschwor die kathol. Welt,
Wir sind z.B. davon überzeugt, daß Gott die Heiligung des Sab- einen Nachfolger zu wählen, der diesen Weg fortsetzte.
bats geboten hat, daß sie in der bedrohlichen Endzeit von ganz So ist es auch nicht verwunderlich, daß Graham von dem kath.
besonderer Bedeutung für das Leben der Menschen ist und von Belmont Abbey College die Doktorwürde verliehen bekam. Der
Gott gesegnet wird. Darum müssen wir das auch deutlich, wahr- Vizepräsident dieser Universität schrieb nach Grahams Vortrag
haftig und liebevoll bezeugen. Aber gerade die Auseinanderset- begeistert:
zung Jesu mit den Pharisäern um den Sabbat zeigt, daß wir in ‘Graham hielt eine inspirierte und theol. gesunde Rede, die ge-
dem Augenblick schon in den Irrtum verfallen sind, wenn wir unser nauso von Bischof S. oder einem anderen kathol. Lehrer hätte sein
Richtigsein vor Gott am Halten des Sabbats nachweisen wollen. können ..., ich möchte annehmen, daß er Protestanten und Katho-
Wer sein eigenes Rechthaben am Irrtum der anderen beweisen liken in einem gesunden, ökumenischen Geist zusammenbringen
muß, handelt unchristlich und sektiererisch. Er muß sich fort wäh- könnte`...
rend von anderen abgrenzen und kann mit niemand Gemeinschaft Während die Bibel deutlich die Trennung von moralisch und theo-
haben. Dies ist keine adventistische Auffassung. Wir sind dadurch, logisch Bösem fordert (2.Kor.6,14-18) und den Menschen der ‘gro-
daß wir etwas besser wissen, noch keine besseren Christen.... ßen Hure Babylon` (ein Bild der Kirche Roms) zuruft: ‘Gehet hin-
m: Wird eine solche Evangelisation, bei der sich Christen aus ver- aus, mein Volk, auf daß ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet ...
schiedenen Kirchen beteiligen, nicht doch als ‘ökumenisch` be- denn ihre Sünden sind angehäuft bis zum Himmel (Offb. 18,4),

30
Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist,
und habt nicht Gemeinschaft mit den
unfruchtbaren Werken der Finsternis;
deckt sie vielmehr auf.
Epheser 5 Verse 10 und 11

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gibt Graham ins Fragen gekommenen Katholiken den Rat: ‘Vor al- 98 idea-Dokumentation Nr. 7/91, S. 10, Informationsdienst der Evan-
lem, verlaßt nicht die (rk.) Kirche. Bleibt in ihr, bleibt in der Nähe gelischen Allianz, Herausgeber: idea e.V., Moritz-Hensoldt-Str. 22,
des Herrn und gebraucht diese Erfahrungen als eine günstige Gele- 6330 Wetzlar
genheit, um eurer Kirche zu helfen mit dem, was Gott beabsichtigt Erich Schultze
und was die Welt braucht`.
Es ist tragisch zu sehen, daß ein Evangelist sich derart verantwor-
tungslos über die klaren Aufforderungen der Bibel hinwegsetzt und
die abscheulichen Irrlehren Roms übersieht oder verharmlost. Editorial: Keine Gemeinschaft Mit Babylon
Evangelist oder Außenminister
Es ist bekannt, daß Graham mit vielen Regierungspräsidenten, Liebe Leser,
zumindest mit Johnson, Nixon und Carter, freundschaftliche Be- endlich ist es soweit, die 7. Ausgabe kann durch Gottes Gnade
ziehungen pflegte. erscheinen.
Eigenartig aber ist, daß Graham, der 1951 im Kommunismus den Geplant war eigentlich ein anderes Schwerpunktthema in diesem
erklärten Feind Gottes, der Bibel und der Kirche sah, in den letz- Heft, aber wegen neuer Informationen, die die aktuelle Krise un-
ten Jahren den Kontakt zu kommunistischen Führern des Ostblocks serer Gemeinschaft in Deutschland bezüglich ökumenischer Ver-
suchte und fand. bindungen deutlich machen, soll der interessierte Leser so früh
Es spricht für sich, daß Billy Graham der Einladung zur Moskauer wie möglich die Wahrheit erfahren.
Abrüstungskonferenz folgte und in einem Gottesdienst der Bapti- In der letzten Ausgabe wurde sehr deutlich über Irrlehren und gott-
sten in Moskau die Hörer aufforderte, dem Staat gehorsam zu sein. lose Praktiken in der Ökumene referiert. Prominente adventistische
Die Enttäuschung vieler Gläubiger war groß, als Graham in Administratoren warnen deshalb vor einer Mitgliedschaft.
verschiedenen Interviews betonte, daß er in der UdSSR eine viel Mitgliedschaft oder auch Gastmitgliedschaft schließt mehr oder
größere Religionsfreiheit vorgefunden habe, als dies im Westen weniger Verantwortung für das mit ein, was in ökumenischen Ver-
vermutet werde. Das KGB wird sich bei dieser Propaganda die einigungen geschieht. Schon durch unsere Gegenwart, unseren
Hände gerieben haben!... Einfluß und unsere Mittel stärken und ermutigen wir gottlose Sy-
Als in Ost und West Empörung und Enttäuschung über diesen ‘Ver- steme, aus die Gott Menschen herausruft. Wir dürfen uns deshalb
rat` Grahams zu hören war, wurde alles getan, um diese Eindrük- in keiner Weise beispielsweise dem ökumenischen Nationalen Rat
ke zu verwischen... in Deutschland, dem Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) , an-
‘Amsterdam ’83` mit Yonggi Cho, Pat Robertson und weiteren schließen, der den Aufbau und die Verbreitung der Ökumene vor-
Charismatikern antreibt.
Wer den Weg Grahams in den letzten Jahren ein wenig verfolgt Gott warnt uns durch den Apostel Paulus, keinen Anteil an den
hat, wird wissen, daß er aus der Zusammenarbeit mit dem Show- widergöttlichen Werken dieser Organisationen zu haben:
und Heilungsevangelisten Oral Roberts, dem Leiter der ‘Geschäfts- „...habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der
leute des vollen Evangeliums`, Demos Shakaian, Pat Robertson Finsternis; deckt sie vielmehr auf.“
(‘Club 700`), David du Plessis (‘Mister Pentecost`), Norman V. Peal Sehr deutlich warnt Ellen White davor, irgendwelche Verbindungen
(Autor von ‘Kraft des positiven Denkens`) und weiteren einzugehen, deren Gemeinsamkeit in der Sonntagsheiligung zu
‘Charismatikern` keinen Hehl machte. finden ist. Bezugnehmend auf Offenb. 18, 1-8 (aus dem
Das Graham aber nun ausgerechnet Yonggi Cho, Korea (Pastor sündenbeladenen Babylon ausgehen) schreibt sie:
der angeblich größten Kirche der Welt), nach Amsterdam eingela- „Dieses schreckliche Bild, das Johannes zeichnet ... sollte
den hat, läßt vermuten, daß es auf diesem Kongreß um mehr geht denen, die die Wahrheit angenommen haben, zeigen, wie
als um evangelistische Impulse. gefährlich es ist, sich ... in irgendeiner Weise denen anzu-
Cho, einer der Hauptredner bei ‘Berlin ’81`, ist nicht nur ein extre- schließen, die Gottes Gebote nicht halten.“ (Bibelkommentar
mer Pfingstler, sondern bietet mit seinen Büchern und Vorträgen S. 547f)
über die ‘4. Dimension` ein Gemisch von okkult-spritualistischen E.G. White warnt nicht nur davor, sich Babylon anzuschließen,
Thesen und Praktiken, Kräften des positiven Denkens und christli- sondern fordert uns auf, derartige Verbindungen unserer Gemein-
chem Gedankengut an.“ schaft gar nicht erst zuzulassen:
„Laßt nicht zu, daß sich die Wächter auf den Mauern Zions
85 E.G. White, Evangelisation (Ev), S. 337, Deutsche Übersetzung: mit denen zusammenschließen, welche die Wahrheit, wie sie
Predigtamtsabteilung der EAD, Bern/Darmstadt, Juni 1980, Ge- in Christus ist, neutralisieren. Laßt es nicht zu, daß sie sich
meinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten der Vereinigung der Untreue anschließen - derjenigen des
86 Adventecho, Nr. 3, 1992, S. 28 Papsttums und des Protestantismus...“ (Bibelkommentar S.
87 Wiggers, ebd., S. 15f 186f).
88 Ellen G. White, Erfahrungen und Gesichte sowie Geistliche Kann die Warnung noch deutlicher sein?
Gaben, S. 116-118, Das Babylon in Offenbarung 18 besteht aus Protestanten und
Pacific Press Publication Association, Brook field, Illinois, 1947, Katholiken, wie Schwester White es deutlich im Großen Kampf
3. Auflage bezeugt. Gott warnt uns durch Johannes eindringlich davor, irgend-
89 White, BK, S. 186f; 90 S. 548 einen Anteil an deren Sünden mitzutragen:
91 ALLER DIENER, ebd., S. 59; 92 S. 45 „Geht hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren
93 White, Schatzkammer III, S. 118-130 Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen.“ (Offb. 18,4).
94 Wiggers, ebd., S. 5 Ist es nicht eine Tragik, daß die , die Gott besonders dazu auser-
95 Rehse, ebd., S. 218 wählt und berufen hat, diese Botschaft des Herausgehens aus
96 White, Schatzkammer III, S. 142-144 Babylon (2. Engelsbotschaft) zu verkündigen, selbst hineingehen?
97 Rehse, ebd., S. 217 Wir haben hier einige deutliche Aussagen Gottes an uns vernom-

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men - wer dennoch den falschen Weg weitergeht oder fördert, stellt Verbrüderung bewußt herunterspielen aber umso intensiver be-
sich bewußt oder unbewußt auf die Seite des Feindes Christi und treiben, die Adventgemeinde in Deutschland als ganzes immer
wird großen Schaden erleiden. Laßt uns nicht als solche erfunden enger an ´Babylon` anbinden... Die Meldung erreichte die Redak-
werden, die gegen Gott kämpfen. Laßt uns vielmehr beten und tion der Pin-Wand gleich einem Donnerschlag: Drei Vereinigungen
wirken, damit ein neuer Weg in Deutschland eingeschlagen wird in Ostdeutschland, die Märkische Vereinigung, die Vereinigung
und alle bisherigen unheiligen Verbindungen gelöst werden. Sachsen-Anhalt und die Vereinigung Sachsen stellte, per Beschluß
Nicht nur die Ökumene, sondern auch das charismatische Feuer, des jeweiligen Landesausschusses, den Antrag auf volle Mitglied-
vor dem Offenb. 13 warnt, droht unserer Gemeinschaft zum Fall- schaft in der jeweiligen Landesorganisation der ACK.
strick zu werden. Deshalb wird in dem Artikel über die Charismati- Dieser ökumenische ´Erdrutsch‘ war nun doch gegen den Strich
sche Bewegung deutlich hervorgehoben, daß nur gehorsame und der Kirchenleitung im NDV und so versuchte man zu retten was
wahrheitsliebende Christen, die zu den Geboten stehen, mit noch zu retten war. Wie aus gut unterrichteter Quelle zu erfahren
wunderwirkender Kraft durch Gottes Geist ausgerüstet werden. Die war, beschloß der Ausschuß des NDV, daß jede Vereinigung bei
spektakulären und übernatürlichen „Geistesgaben“ im katholischen der jeweiligen ACK ´nur‘ noch den ´Gaststatus‘ beantragen dürfe.
wie auch im protestantischen Lager entpuppen sich aufgrund des Eine volle Mitgliedschaft wird abgelehnt. Im Falle der Vereinigung
Wortes als lügenhafte Zeichen Satans. Sachsen-Anhalt, die schon die ´Heiratsurkunde‘ mit der ACK unter-
Um uns zu stärken für die vor uns liegende schwere Zeit, die der schrieben hatte, wurde dieses Faktum mit mehr oder weniger Vor-
Wiederkunft Jesu vorangeht, werden wir über den Ablauf der letz- behalte akzeptiert. Wohl nach der römischen Rechtsauffassung:
ten Ereignisse in mehreren Folgen unterrichtet. Über die propheti- Verträge müssen eingehalten werden!
sche Sicht hinaus, sollen uns einige segensreiche Erfahrungen, Im Falle der anderen zwei ökumenischen Sturmspitzen innerhalb
die unser lieber Glaubensbruder Paul Kowoll - 1. Vorsitzender von der Adventgemeinde in Deutschland, wurden die laufenden Anträ-
LÉSPERANCE - mit Gott machen durfte, stärken und ermutigen. ge für ein Jahr auf ´Eis‘ gelegt. Was steckt dahinter? Will man erst
Gott möge uns und unsere leitenden Brüder segnen, damit wir alle einmal die Gemüter derjenigen, welche der Ökumene ablehnend
gemeinsam das Ziel mit großer Freudigkeit und inniger Verbun- gegenüberstehen, beruhigen und gleichzeitig die dynamischen
denheit erreichen. Befürworter nicht verärgern? Welche Linie ist in diesem Spiel der
Erich Schultze - Editor Kirchenleitung eigentlich erkennbar?“1

Weiter berichtet Br. Freitag über ein Telefonat mit Br. Sensenschmidt,
dem Vorsteher der Sachsen Vereinigung, das recht aufschlußreich
Werke der Finsternis aufdecken oder an ihnen teil- das Denken ökumenisch eingestellter Leiter wiederzugeben
haben? scheint: „Als überzeugter Verfechter der ökumenischen Linie gibt
er sich gelassen: Sicherlich, es gibt mit der ACK auch einige
Die Sonne bringt es doch an den Tag, so lautet ein bekanntes ´Gefahrenstellen`, so sein Chredo, doch könne man ja jeder Zeit
Sprichwort. wieder aus dem ACK austreten. Die obige Entscheidung des Ver-
Viele Siebenten-Tags-Adventisten sind überhaupt nicht darüber bandsausschusses zeigt jedoch, daß in der Praxis das Austreten
informiert, was offenbar unter dem Deckmantel der Verschwiegen- schwerer ist als das Eintreten in den ökumenischen Verein.
heit innerhalb unserer Gemeinschaft geschieht. Man läßt sich in Auch die Mitfinanzierung der ACK durch Zehntengelder, im Falle
ökumenische Verbindungen ein, ohne den Rat der Gemein- einer Vollmitgliedschaft, findet er völlig normal. Schließlich profi-
deglieder, der sich auf Delegiertenversammlungen artikulieren tiert die Vereinigung ja auch von der ACK. Auf die Frage: Was das
kann, einzuholen. Umso peinlicher ist es, wenn doch einige Infor- denn konkret sei? wußte er auch eine plausible Antwort. Nun, man
mationen durchsickern und die adventistische Öffentlichkeit durch bedient sich deren Materialdienstes und man könne ja schließlich
mutige Glaubensgeschwister informiert wird. Sollte nicht alles, was nicht nur immer nehmen. Außerdem, immer nur als Beobachter
wir tun, offen, klar und durchsichtig für jedes Gemeindeglied sein? oder Gast, das sei doch den anderen nicht auf die Dauer zuzumu-
Sollte solch eine wichtige Frage wie die, ob wir uns als STA dem ten. Einleuchtend oder?
deutschen ökumenischen Nationalen Kirchenrat, nämlich der Ar- Warum denn den Antrag auf volle Mitgliedschaft ruhen lassen?
beitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK, auf Bundesebene Nun, man will nichts übereilen und werde erst noch über die Sa-
AGCK) anschließen, nicht von den Gemeindegliedern durch ihre che die Geschwister besser informieren. In einem Jahr wird man
Vertreter in ordentlichen Versammlungen erörtert und entschie- weiter sehen. Das war in groben Zügen die Position von Br. Sensen-
den werden? Warum dieser Alleingang in der Leitung und den schmidt, als der Autor mit ihm telefonierte.“2
höchsten Ausschüssen? Hat man Angst, daß diese zweifelhaften
Bündnisse keine Mehrheit finden? Oder warum wird in unserem Aber nicht nur in den neuen Bundesländern, sondern auch über-
Gemeindeblatt nicht auf solche wichtigen, grundsätzlichen Erwä- regional wurden Anträge auf Gastmitgliedschaft in der ACK ge-
gungen oder Entscheidungen hingewiesen? stellt. Br. L. Reiche stellte für den damaligen ODV am 27.3.1991
und Br. R. Rupp für den SDV und WDV am 29.5.1991 einen Antrag
An einem Joch mit dem Arbeitskreis Christlicher Kirchen auf Gastmitgliedschaft in der neuen gesamtdeutschen ACK. Ob
die ACK uns aufnimmt, ist noch nicht entschieden, denn dazu ist
Verbindungen zum Arbeitskreis Christlicher Kirchen die Zustimmung einer 2/3-Mehrheit der bisherigen Mitglieder erfor-
derlich.
In der PIN-WAND weist uns der verantwortliche Redakteur, Bru-
der Freitag, auf folgende Tatsachen hin: Satzung und Mitglieder des ACK
„Die neuesten Ereignisse auf dem Gebiet der ökumenischen Zu-
sammenarbeit einiger Vereinigungen in Ostdeutschland mit dem Obwohl es außer Zweifel steht, daß der ACK in Deutschland zu
ACK zeigen, daß die Dynamik derer, welche die ökumenische den Nationalen Räten der Ökumene zählt, gibt es anscheinend
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immer noch einige Prediger, die das ökumenische Engagement Wegen der Wichtigkeit und Brisanz der Thematik, werden nun recht
des ACK abstreiten. Zur Information jedes Aufrichtigen wollen wir ausführlich einige wesentliche Teile aus der Satzung des ACK in
zunächst die Richtlinen der regionalen ACK im Freistaat Sachsen Deutschland e.V. zitiert:
auszugsweise zitieren um dann noch ausführlicher auf die ACK in „§ 1 GRUNDLAGE
Deutschland einzugehen: 1.1 Die unterzeichneten Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften
„§ 2 AUFGABEN in Deutschland bilden die ´Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kir-
Die Arbeitsgemeinschaft dient der ökumenischen Zusammenar- chen in Deutschland e.V.‘ zu gemeinsamem Zeugnis und Dienst.
beit vor allem durch folgende Aufgaben: ...
- enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher § 2 AUFGABEN
Kirchen in Deutschland sowie den lokalen und regionalen Arbeits- Die Arbeitsgemeinschaft dient der ökumenischen Zusammenar-
gemeinschaften innerhalb des Freistaates Sachsen; beit durch die Erfüllung folgender Aufgaben:
- gegenseitiger Informations- und Erfahrungsaustausch; 2.1 Gegenseitige Information, Beratung und Zusammenarbeit im
- Weiterführung des gewachsenen Miteinanders und Zusammen- gemeinsamen Zeugnis, Dienst und Gebet;
arbeit in gemeinsamem Zeugnis, Dienst und Gebet; 2.2 Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen Kirche auf loka-
- Förderung des theologischen Gesprächs unter den Mitgliedern ler, regionaler und internationaler Ebene;
und Gästen mit dem Ziel der Klärung der Verständigung; 2.3 Förderung des theologischen Gesprächs mit dem Ziel der Klä-
- Fortführung des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden rung und Verständigung;
und Bewahrung der Schöpfung; 2.4 Vermittlung bei Meinungsverschiedenheiten zwischen einzel-
- Behandlung besonderer Anliegen einzelner Kirchen und kirch- nen Mitgliedern;
licher Gemeinschaften auf deren Antrag; 2.5 Vertretung besonderer Anliegen einzelner Mitglieder auf deren
- Beratung und Vermittlung bei Meinungsverschiedenheiten; Antrag;
- Vertretung gemeinsamer Anliegen nach außen und in der Öffent- 2.6 Wahrnehmung gemeinsamer Aufgaben nach Außen und in der
lichkeit; Öffentlichkeit;
- Zusammenarbeit mit anderen regionalen Arbeitsgemeinschaften; 2.7 Vertretung gemeinsamer Anliegen der Mitgliedskirchen bei
- Pflege von Beziehungen zu vergleichbaren ökumenischen Gre- politischen Institutionen;
mien in benachbarten Ländern. 2.8 Unterrichtung der Öffentlichkeit über ökumenische Ereignisse
und über den Stand der ökumenischen Bemühungen sowie Förde-
§ 3 ZUGEHÖRIGKEIT rung des ökumenischen Verantwortungsbewußtseins.
... ...
3. Kirchen oder kirchliche Gemeinschaften, die eine Mitgliedschaft § 4 GEMEINNÜTZIGKEIT
nicht oder noch nicht aufnehmen wollen, können mit Zustimmung ...
von zwei Dritteln der Mitglieder als Gäste mit beratender Stimme 4.2 Zweck des Vereins ist der Dienst an der ökumenischen Zu-
an den Konferenzen und Veranstaltungen der Arbeitsgemeinschaft sammenarbeit durch die Erfüllung der in § 2 genannten Aufgaben.“4
teilnehmen.
... Unter der Fußnote 4 findet der interessierte Leser den 2. Teil der
MITGLIEDSKIRCHEN der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen m.E. wichtigen Auszüge aus der Satzung.
im Freistaat Sachsen gemäß § 3 (1) sind:
- die Apostolische Administratur Görlitz der Römisch-Katholischen Problematik der Teilnahme und Reaktionen treuer Geschwi-
Kirche, ster
- das Bistum Dresden-Meißen der Römisch-Katholischen Kirche,
- der Bund Freier Evangelischer Gemeinden, Was schon in den Richtlinien des Freistaates Sachsen ökumeni-
- der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, sch anklingt und für Eingeweihte eine klare Sache ist, wird in der
- der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden Satzung der Gesamtdeutschen ACK überdeutlich. Wer Mitglied oder
- die Europäisch-Festländische Brüderunität (Herrnhuter Brüder- Gastmitglied in der ACK ist, hat den Weg der Ökumene mehr oder
gemeinde) weniger betreten, trägt Mitverantwortung, stärkt und ermutigt die-
- die Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz, se, und baut die ökumenische Bewegung mit auf. Durch Anwesen-
- die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens, heit, Gast- oder volle Mitgliedschaft, durch die dafür verbrachte
- die Evangelisch-methodistische Kirche, Zeit und angewandten finanziellen Mittel wird die ökumenische
- der Gemeindeverband der Altkatholischen Kirche und Sache gutgeheißen und wir sind Teilhaber derselben. Die entschei-
- der Kirchenbund der Evangelisch-Reformierten Gemeinden. dende Frage ist, ob wir als Siebenten-Tags-Adventisten die Ziele
und Arbeitsweisen der Ökumene unterstützen, mittragen und vor
Den Gaststatus gemäß § 3(3) haben: allem verantworten können.
- das Apostelamt Jesu Christi, Der Autor möchte den Leser nicht langweilen, aber in der letzten
- die Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker), Ausgabe der Stimme der Übrigen wurde sehr deutlich auf die Zie-
- die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche, le, Arbeitsweisen und Inhalte der Ökumene eingegangen, die es
- die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten und den STA verbieten, daran Anteil zu haben. Zwei Zitate von maß-
- die Russische Orthodoxe Kirche. geblichen adventistischen Administratoren dazu:
B.B. Beach, Vertreter der STA bei der Ökumene:
Die beiden letztgenannten Kirchen haben den Antrag auf Mit- „Nach unserer Auffassung wird die Gemeinschaft der STA ihrem
gliedschaft gestellt.“3 göttlichen Auftrag am besten gerecht, wenn sie ihre Identität, ihre
eigene Motivation, ihr Gespür für die Dringlichkeit und ihre eige-
nen Arbeitsmethoden beibehält und bewahrt ... Die Gemeinschaft

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der STA möchte keine Mitgliedschaft eingehen und lehnt jede mit schrift: „ProChrist´93: Was bleibt, sind viele Fragen“, bemängelt er,
Kompromissen verbundene Beziehung ab, die ihr klares Zeugnis daß Graham bei seinen Ansprachen niemals über den kleinsten
verwässern könnten.“5 gemeinsamen Nenner der Kirchen und Gemeinschaften, die die-
Jean Zürcher, der inzwischen in den Ruhestand getretene, ehe- se Evangelisation unterstützten, hinausging. Er vermißte das ´Voll-
malige Sekretär der Euro-Afrika-Division schreibt: kornbrot` konkret biblisch-evangelistischer Verkündigung. Dann
„Mit diesem Auftrag erwachte die Adventbewegung im Jahre 1844 schreibt er:
erneut mit der Überzeugung, daß es ihr zufalle, die Botschaft ´der „Spätestens am vorletzten Abend zeigte sich nämlich, daß es selbst
seligen Hoffnung` von der Wiederkunft Christi zuerst den Christen bei Beschränkung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner (sicher
zu verkündigen, die sie aus den Augen verloren hatten, und dann nicht nur) für adventistische Christen schwierig werden kann, sich
all denen, die sie noch nicht kannten. Nun ist es eben so, daß es ohne Probleme an derartigen Aktionen zu beteiligen. Offensichtlich
die Anforderungen dieser Aufgabe der Adventgemeinde nicht er- war es Dr. Graham ein persönliches Anliegen, an diesem Abend in
lauben, sich den Prinzipien zu unterwerfen, welche die gegensei- großer Ausführlichkeit über den besonderen Wert der Seele jedes
tigen Beziehungen der Mitglieder des Ökumenischen Rates der Menschen zu sprechen. ´Die Seele ist kostbar, weil sie unsterblich
Kirchen leiten. Täte sie es dennoch, so würde das ihrerseits einem ist.` - ´Der Körper ist das Haus, und die Seele ist der Bewohner.
Mangel an Aufrichtigkeit ihren Partnern gegenüber und einer kla- Und wenn der Körper stirbt, dann lebt die Seele weiter - entweder
ren und direkten Verleugnung ihrer Aufgabe, der ganzen Welt das im Himmel oder in der Hölle. Das lehrt die ganze Bibel...` Man-
Evangelium zu verkündigen - worin ja eigentlich ihre Daseinsbe- chem adventistischen Besucher mag es bei solchen Sätzen (die
rechtigung besteht -, gleichkommen.“6 nun bei aller Toleranz absolut nichts mehr mit dem Evangelium zu
tun haben) heiß und kalt geworden sein. Aber was soll man Men-
Verständlich ist, daß in den neuen Bundesländern einige Gemein- schen sagen, die anläßlich von ProChrist´93 in irgendeine
den auf die Barrikaden gingen, nachdem sie erfuhren, daß wir Adventkapelle gekommen sind, um Gottes Wort zu hören, und dann
Mitglied im ACK werden wollten. Wie mir berichtet wurde, drohten mit solchen Aussagen konfrontiert werden?...“8
diese mit dem Austritt aus der Gemeinschaft. Diesem Umstand
war es wohl zu verdanken, daß der Vorsteher, wenn auch wider- Reaktionen
willig, die volle Mitgliedschaft auf Eis legte.
Auch andere Reaktionen erfolgten, die hoffentlich dazu beitragen, Schon im Dezember 1992 wird in der unabhängigen Zeitung Evan-
daß in Deutschland jedes Bündnis mit der Ökumene bzw. dem gelikaler, Prophetische Mahnwache, vor der Graham Evangelisation
ACK als auch mit der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) deutlich gewarnt, beginnend mit den Schlagzeilen:
gelöst wird bzw. gestellte Anträge zurückgezogen werden. „Pro Papst ´93` strebt zum großen ökumenischen Durchbruch
Bevor wir nun von biblischer Seite und auch von E.G. White erfah- Billy Graham führt Pietisten und Katholiken fein zusammen
ren, wie wir uns ökumenischem Treiben gegenüber verhalten sol- Evangelische Allianz und Missionswerke auf römischem Kurs“
len, noch einige Anmerkungen zur PRO-CHRIST Evangelisation Auszugsweise heißt es dort:
mit Billy Graham. „Die Dämme sind gebrochen. Der Strom braust gen Rom. ´Wenn
die Grundpfeiler umgerissen werden, was richtet da der Gerechte
Nachlese - PRO-CHRIST Evangelisation mit Billy Graham aus?` (Psalm 11,3) Der Pietismus bildet sich ein, daß er die rö-
misch-katholische Kirche für das Evangelium erobert. Der Papst
Einige Tatsachen reibt sich stillvergnügt die Hände, weil ihm auch der letzte wi-
derstandsfähige Rest des Protestantismus jetzt als reife Frucht wie
Nun, es ist ja allseits bekannt, daß Billy Graham als Baptist an von selbst in den Schoß fällt. Sein einflußreichster Agent, wir-
eine unsterbliche Seele glaubt und dies auch verkündigt. Trotz War- kungsvollster Propagandist und schlagkräftigster Vorkämpfer ist der
nung ließ man sich nicht nur in Nordrhein-Westfalen und Ham- in aller Welt am meisten gefragte Evangelist Billy Graham. Er voll-
burg, sondern in etlichen Gebieten des Norddeutschen Verbandes zieht de facto die größte ökumenische Vereinigung, wenn ihm das
dazu hinreißen, diese Evangelisation durch adventistische Helfer ´fromme`Europa vom 17. bis 21. März 1993 zu Füßen liegt. So-
zu unterstützen und stellte sogar unsere Adventhäuser zur Ver- wohl die Träger-Organisation der Aktion ´Pro Christ ´93`, die Deut-
fügung wie beispielsweise unseren Gemeindesaal am Grindel in sche Evangelische Allianz (DEA), als auch etliche evangelistisch
Hamburg. arbeitende Missionswerke schwimmen längst mit auf Grahams
Die adventistischen Helfer bei PRO-CHRIST mußten auch eine Welle - Richtung Rom...
vertrauliche Bereitschaftserklärung für Seelsorgehelfer unter- Die einen betreiben ihre geistliche Hurerei offen und für jedermann
schreiben, die in 20 Punkte aufgegliedert ist und wobei ins- erkennbar, die anderen riskieren nicht so viel und machen´s ein
besondere der letzte Punkt einige in Gewissensnot brachte: wenig heimlicher. Der Strom gen Rom schwillt täglich mehr an. Vor
„Ich bin mir darüber im klaren, daß ich mich mit meiner Unterschrift diesem Hintergrund ist die Zeit reif für ´ProCrist´93‘. Billy Graham,
unter diese Breitschaftserklärung dazu verpflichte, jeder Person, amerikanischer Baptist mit einer Brust voll glitzernder Auszeich-
die nach vorne kommt, das Evangelium von Jesus Christus zu nungen und Ehren-´Lametta‘, erklärte noch im März 1990 im Ber-
erklären oder mich zu bemühen, jede andere Hilfestellung, die viel- liner Reichstagsgebäude vor 120 Journalisten, daß für ihn die
leicht benötigt wird, zu geben. Ich bin mir weiterhin darüber im Zusammenarbeit mit Katholiken keine Schwierigkeit bedeute. Ehr-
klaren, daß ich keine anderen Lehrmeinungen, die über Jesus Chri- licherweise müßte die März-´93-Aktion überschrieben sein mit
stus als Herrn und Retter hinausgehen, vertreten noch für meine ´ProPapst´93‘. Billy´s pro-römische Erklärungen in der Öffentlichkeit,
Gemeinde oder Kirche Werbung machen darf.“7 nachzulesen in den verschiedensten amerikanischen Publikatio-
nen, gehen zurück bis in die 50er Jahre.
Erfreulich ist, daß unser neuer Chefredakteur, Br. Friedhelm Klinge- Religiöse Einheitswurst
berg, im Adventecho die Evangelisation nicht beschönigt, sondern Beispiel: ´Vorige Woche habe ich anläßlich der Beerdigung eines
mutig auch auf die negativen Aspekte bezug nimmt. Unter der Über- engen Freundes von mir in einer großen katholischen Kathredale
35
gepredigt... Wie ich so da saß und der Messe beiwohnte, stellte Zumindest in Braunschweig zeigte sich, daß die Veranstalter bei
ich fest, daß diese auch ganz bestimmt in Ordnung und klar im der Auflistung der Übertragungsorte nicht die Reihenfolge des ABC
Vergleich zum Evangelium war.‘ So Grahams Worte im ´Plains Bap- einhielten, sondern die Adventgemeinde als letztes aufführten.
tist Challenger‘ bereits im Mai 1975. Und noch viel früher, am 11. Waren wir also nur Mitläufer und Mitfinanzierer? Welches Gremi-
November 1957, ließ Billy Graham in den ´San Franzisco News‘ um sah sich veranlaßt, an diesem Flop aktiv mitzuwirken? Werden
verlauten, wie unendlich weit er damals schon den engstirnigen die Grundsätze unserer Gemeinschaft künftig andere sein? Sind
Pietisten Europas in Sachen Ökumenismus voraus war: ´Jeder, wir auf dem besten Weg zur Ökumene? Müssen wir auf unsere
der während unserer Veranstaltungen eine Entscheidung trifft, wird Evangelisten verzichten? Wo sind die Nachfolger Jesu, die ein-
später aufgesucht und an einen protestantischen, katholischen oder dringlich das Wort Gottes verkündigen? Meines Erachtens haben
jüdischen Geistlichen vor Ort verwiesen.‘ Auf gleicher Ebene ar- wir als Gemeinde ein Recht auf völlige Klärung. Günter Wolf, Braun-
beiten auch bundesdeutsche Allianz-Werke, wenn sie (Mu- schweig“11
sterbeispiel: die Deutsche Zeltmission) grundsätzlich in die Volks-
kirchen hineinevangelisieren - und sich damit verhalten wie eine Ja, hat nicht jedes Gemeindeglied das Recht, aufgeklärt zu wer-
Hebamme, die einem neuen Leben ans Tagesllicht verhilft, um es den? Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Wo sind die ver-
sofort weiterzureichen an einen Metzger mit gewetztem Messer, antwortlichen Leiter und „Hirten“, die die Herde in die Irre führen?
der das Kleine unverzüglich zu Mett für die große religiöse Einheits- Es werden ökumenische Bündnisse in aller Stille geknüpft, diese
wurst verarbeitet. ökumenische Evangelisation den Gemeinden einfach aufgepropft
Treuer Vasall und ergebener Diener und man versucht dann noch womöglich mit „Unschuldsmiene“
Wenn nach strengem altem Kirchenbrauch aus aller Welt die Präla- darauf hinzuweisen, daß jede Gemeinde doch selbst entscheiden
ten, Weihbischöfe, Bischöfe, Koadjutoren, Erzbischöfe und Kardi- kann, ob sie mitmacht oder nicht. Aber allein schon, den Gemein-
näle in regelmäßigen Zeitabständen bei ´Seiner Heiligkeit‘ in Rom den von der Gemeinschaftsleitung her so etwas anzubieten, zeugt
antreten und Bericht erstatten müssen, so scheint Billy Graham in von Orientierungslosigkeit bzw. Liberalismus. Zu recht fragt des-
ähnliche Pflichten eingebunden zu sein: In nahezu jeden Europa- halb Br. Wolf, ob die Grundsätze der Gemeinschaft künftig andere
Besuch baut der Baptist eine Visite beim Papst ein, eine offenbar sein werden und ob der zukünftige Weg in der Ökumene mündet.
obligate - wie sie bei den Würdenträgern‘genannt wird - ´Ad-limina‘- Man muß sich bei Würdigung aller Umstände die berechtigte Fra-
Begegnung. Pius XII., Johannes XXIII., Paul VI. und Paul II. lernten ge stellen, ob nicht ganz gezielt und bewußt die Adventgemeinden
Billy als treuen Vasallen und ergebenen Diener der römischen durch liberale und vom alten Adventismus abgefallene Vorsteher
´MutterKirche‘ kennen. Bei seinem Deutschland-Besuch im Vor- und Prediger in die charismatisch, ökumenische Szene hineinge-
feld zu ... ´ProChrist´93‘ ... machte (er) ausnahmsweise mal keinen führt werden. Hier hilft nur noch Aufklärung. Die leitenden und
Abstecher nach Rom ... Die Vatikan-Visite holt Billy dann im näch- verantwortlichen Brüder dieser ökumenischen Aktionen müssen
sten März nach - ebenso auch mit einiger Sicherheit seinen ge- Farbe bekennen und sollten ehrlich ihren Standpunkt den Geschwi-
wohnheitsmäßigen Besuch beim Ökumenischen Weltrat der Kir- stern bekanntmachen.
chen in Genf...“9
Man kann ja über den Stil verschiedener Meinung sein, aber hat Bemerkenswert ist vor allem noch, daß der NDV gegen die klare
der Herausgeber dieser Zeitung, Wolfgang Zöller, nicht recht, bei Entscheidung der Euro-Afrika-Division handelte, die derartige
dem, was er beklagt? Was haben wir als STA diesem treuen Mah- Evangelisationen nicht gutheißt. Im Fall von ProChrist vertritt die
ner entgegenzusetzen? EUD einen guten Standpunkt und sollte die Leitung des Norddeut-
schen Verbandes in ihre Schranken verweisen und eine Ent-
Mindestens ebenso brisant und wichtig ist die Stellungnahme von schuldigung sowie Richtigstellung veröffentlichen - das wäre eine
einem anderen bekannten Mahner aus dem evangelikalen Lager: Klärung, wie sie Br. Wolf sicherlich gemeint hat. Vor allem würde
Wolfgang Bühne, Buchautor und Autorität in Fragen Charismati- damit Klarheit für alle verunsicherten Glaubensgeschwister ge-
sche Bewegung. Seine Stellung wird unter der Fußnote 10 gekürzt schaffen werden.
wiedergegeben.10
Zum Schluß wollen wir noch einige inspirierte Aussagen zu der
Von adventistischer Seite möchte ich einen Leserbrief zum Artikel Frage überdenken, ob wir Anteil an ökumenischen Vereinen und
von Br. Klingeberg zu Wort kommen lassen, der m.E. unsere ei- Aktivitäten haben dürfen.
gentliche adventistische Position zum Ausdruck bringt:
„Ende vergangenen Jahres wurde zur Mithilfe bei ProChrist ´93 Keine Gemeinschaft mit ökumenischen Vereinen und Zubrin-
aufgerufen. Im Vertrauen auf die Entscheidung der Brüder, die für gern
diese Evangelisation die Verantwortung trugen, nahm ich an zwei
Vorbereitungsabenden teil. Beim Studium der uns zur Verfügung Worte der Schrift
gestellten Unterlagen kamen mir Bedenken. Dort war unter ande-
rem folgendes vermerkt: ´Jeder Seelsorgemitarbeiter, der seinen Wer Gastmitglied bzw. Mitglied in der ökumenischen Bewegung ist
Dienst als Werbung für die eigene Gemeinde mißbraucht, muß oder an deren Aktivitäten teilnimmt, trägt Mitverantwortung für all
seinen Anstecker sofort abgeben und kann nicht weiter als Seel- das Böse, das dort geschieht.
sorgemitarbeiter tätig sein.` Grundlegend warnt uns deshalb Paulus in 1. Tim. 5,22:
Diese Zeilen veranlaßten mich, mit anderen Geschwistern über „... habe nicht teil an fremden Sünden...“
die Evangelisation zu diskutieren. Pro und contra war das Ergeb- Wir sollen keinen Anteil (griech.: koinonei) an den Sünden anderer
nis. haben. Im griechischen Wörterbuch zum Neuen Testament erklärt
Aus persönlichen Gründen konnte ich nur am Sabbatabend an der W. Bauer:
Evangelisation teilnehmen. War es Zufall, daß Billy Graham an die- „An d. Taten anderer Anteil haben bed., für sie mitverantwortlich
sem Abend über die Seele sprach? sein.“12

36
In Offenb. 18,4 sagt uns Gott durch Johannes: Trifft dieses Wort auch auf die Beziehung der STA mit katholischen
„...Geht hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren und protestantischen Vereinigungen bzw. der Ökumene zu?
Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen!“ „Laßt es nicht zu, daß sich die Wächter auf den Mauern Zions mit
Das griech. Wort „sygkoinonesete“ für „teilhabt“ wird in der denen zusammenschließen, welche die Wahrheit, wie sie in Chri-
Interlinearübersetzung (griech.-deutsch) mit „Gemeinschaft habt“ stus ist, neutralisieren. Laßt es nicht zu, daß sie sich der Vereini-
formuliert und W. Bauer erklärt es in seinem Wörterbuch mit: „zu- gung der Untreue anschließen - derjenigen des Papsttums und
sammen Anteil haben, sich zugleich beteiligen“13 des Protestantismus - welche die Tradition über die Schrift stellen,
In diesem Text geht es bekanntlich um das Herausgehen aus Baby- den Verstand über die Offenbarung und die menschlichen Gaben
lon bzw. den abgefallenen Kirchen. Wir sollen uns in keiner Weise über den göttlichen Einfluß und über die belebende Kraft Gottes.“15
an Babylons Treiben beteiligen, ja, wir sollen dieses nicht nur verlas-
sen, sondern sogar Christen aus Babylon auffordern, hinaus- Ganz eindeutig warnt uns E.G. White wie Johannes in Offenb. 18,
zugehen. Wie verträgt sich diese Aufforderung Gottes mit einem 4 davor, daß wir uns mit Babylon, mit Katholiken und Protestanten
Hineingehen und Anteil haben an den Sünden Babylons? zusammenschließen - wir sollen getrennt bleiben, sollen hinausge-
hen.
In Epheser 5, 7 warnt uns Paulus vor Verführer mit leeren Worten
und schließt den Rat an: Aber es gibt doch gläubige Baptisten und Evangelikale, kann man
„Darum seid nicht ihre Mitgenossen.“ sich nicht wenigstens mit denen zusammenschließen, mag jemand
Für Mitgenosse steht der griech. Ausdruck „symmetochoi auton“, dennoch einwenden.
der wörtlich übersetzt (vgl. W. Bauer) „mit ihnen zusammen Anteil Auch hierzu gibt es eine deutliche Antwort von Ellen White, indem
habend“ bedeutet. sie ein bestimmtes Merkmal nennt:
Wir dürfen also keine Mitgenossen bzw. Mitglieder in Kreisen sein, „Dieses schreckliche Bild, das Johannes zeichnet, um aufzuzei-
wo wir Anteil an Verführung und leeren Worten haben. gen, wie vollständig die Mächte der Erde sich dem Übel ver-
schreiben werden, sollte denen, die die Wahrheit angenommen
Sehr deutlich sagt Paulus kurz darauf in Eph. 5,11, daß wir nicht haben, zeigen, wie gefährlich es ist, sich mit Geheimzirkeln zu
nur kein Anteil an nichtigen Werken haben, sondern diese be- verbünden oder sich in irgendeiner Weise denen anzuschließen,
kämpfen sollen: die Gottes Gebote nicht halten.“16
„und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Sonntagshaltern dürfen wir uns nicht in irgendeiner Weise anschlie-
Finsternis; deckt sie vielmehr auf.“ ßen.
Wir sollen keine enge Gemeinschaft in ökumenischen Vereinen
pflegen, sondern die unfruchtbaren Worte und Taten dieser Orga- Die Aussagen der Bibel und von Ellen White sind so eindeutig,
nisationen aufdecken, damit andere gewarnt werden. daß wir schon einige Klimmzüge vollführen müssen, um unser
ökumenisches Engagement daran vorbeizumogeln. Unseren Lei-
Selbst der Jünger der Liebe konnte nicht umhin, uns deutlich zu tern sollte bewußt sein, daß sie nicht nur eindeutige Warnungen
einer Trennung von denjenigen aufzurufen, die nicht in der Lehre Gottes in den Wind schlagen, wenn sie weiter diesen falschen Weg
Jesu bleiben (2.Joh. 9-11): verfolgen, sondern letztlich sogar gegen Gott und seine letzte Ge-
„Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der meinde kämpfen.
hat Gott nicht; wer in dieser Lehre bleibt, der hat den Vater und den Wer die Warnungen nicht beachtet, dem kann es so ergehen wie
Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, es bei Br. B.B. Beach zu sein scheint, der zunächst das sehr gute
so nehmt ihn nicht ins Haus und grüßt ihn auch nicht. Denn wer ihn Buch gegen die Ökumene schrieb: „Eine Kirche für alle Christen?“,
grüßt, der hat teil an seinen bösen Werken.“ dann aber in späteren Veröffentlichungen die Klarheit und Eindeu-
tigkeit vermissen läßt und sich dazu hergab dem Papst ein golde-
Haben wir nicht teil an den bösen Werken, wenn wir mit Katholi- nes Medaillon im Auftrage der Gemeinschaft zu schenken. In sei-
ken, die nicht in der Lehre Jesu bleiben und mit anderen Irrlehrern nem Referat, gehalten während des 2. internationalen
gemeinsame Sache machen und wir sie durch unsere Anwesen- Pfingstkongresses (5.-8.6.1981 in Darmstadt) des Adventistisch
heit ermutigen oder gar Gastmitglieder werden? Ob der seltene Wissenschaftlichen Arbeitskreises wird eine, m.E. für konserva-
Fall auftritt, daß vielleicht aus den erlesenen Mitgliedern ein aufrich- tive STA erschreckende Einstellung und Strategie sowie ein Zick-
tiger Wahrheitssucher doch noch zur Wahrheit findet, mag dahinge- zackkurs deutlich - ähnlich denken wahrscheinlich viele Ökumeniker
stellt sein. in unseren Reihen :
Gottes Geist ruft uns aber durch David in Psalm 1,1 zu: „So kommt die Frage: Sollten die STA zusammenarbeiten, ökume-
„Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf nisch, mit der Ö.B. (Ökumenische Bewegung), mit dem WKR (Welt-
den Weg der Sünder noch sitzt wo die Spötter sitzen.“ kirchenrat)? Und wenn das der Fall wäre, wie weit können wir ge-
Beachten wir diese klaren und eindeutigen Worte der Schrift? hen? Meine Antwort ist die: Ja, wir können, wir sollen mitwirken,
insoweit der WKR oder andere Räte, Christus erheben, und inso-
Aussagen von Ellen G. White weit das authentische Evangelium verkündet wird, wie wir es ver-
stehen von der Heiligen Schrift, und insoweit seiner Verkündigung
In den Zeugnissen für Prediger heißt es prinzipiell: geholfen wird. Wir wollen nicht eine verworren machende Mitglied-
„Der ewige Gott hat eine Scheidelinie gezogen zwischen den Hei- schaft. Wir wollen aber Gewissensarbeiter sein...
ligen und den Sündern, den Bekehrten und den Unbekehrten. Diese So glaube ich, daß wir Adventisten unseren gegenwärtigen Weg
beiden Klassen können nicht unmerklich ineinander übergehen stärken müssen, unsere Präsenz, unsere Anwesenheit...
wie die Farben des Regenbogens. Sie sind so verschieden von- Es gibt verschiedene Ebenen von ökumenischer Präsenz, auf der
einander wie der Mittag von der Mitternacht.“14 nationalen, regionalen, internationalen Ebene. Mein Vorschlag ist
immer, daß wir auf diesen Ebenen als Beobachter arbeiten müs-
37
sen, als Beobachter, als Berater. Nicht als Mitglieder. Beobachter- Ökumene als Stellvertreter der STA den Schaden erlitten hat, den
status. Meiner Ansicht nach haben wir dann das beste von beiden uns E.G. White wie folgt beschreibt und vor dem immer wieder
Welten. Das beste, weil wir in einer gewissen Hinsicht drin sind gewarnt werden muß:
und das beste, weil wir in einer gewissen Hinsicht nicht drin sind... „Die Gemeinschaft mit Gottlosen wirkt unweigerlich auf den Gläu-
Ich würde nie vorschlagen, daß auf diesen Ebenen wir Mitglieder bigen zurück. Weltlicher Einfluß und weltliche Prinzipien färben ab
werden sollten. Die ökum. Organisationen/Gremien sind nicht neu- und bewirken, daß man sich ihnen früher oder später im Denken
tral. Sie haben bestimmte Ziele, eine bestimmte Politik, eine be- und Handeln anpaßt - ob man das will oder nicht. Die Liebe zu
stimmte Strategie... Es ist nicht gut, wenn man Mitglied einer Orga- Gott wird darunter leiden, und das Verlangen nach inniger Gemein-
nisation ist und dann stets in Opposition ist. Aber vielleicht auf dem schaft mit dem himmlischen Vater wird schwächer werden. Zuletzt
lokalen Niveau, in einer Stadt, ist es vielleicht möglich, wo die Fra- wird der Mensch geistlich blind. Die Unterschiede zwischen einem
gen praktischer Art sind, und die Streitfragen mehr begrenzt sind, Leben mit Gott und einem Leben ohne oder gegen Gott werden
ist es vielleicht möglich. Ich kann mir vorstellen, daß manchmal sich verwischen. Schließlich wird man das Böse gut und das Gute
eine gewisse Möglichkeit vorhanden wäre, ein Mitglied von etwas böse heißen....
zu sein. Mit Vorsicht natürlich. Auf der lokalen, personalen Ebene Als der Glaubensvater Jakob entdeckte, daß einige seiner Söhne
ist ja die Gemeinschaft der STA nicht verpflichtet. Ich glaube, es ist dem Bösen zuneigten, sah er kommen, wohin das führen würde:
vielleicht manchmal nötig, ein gewisses Experimentieren zu ha- ´Meine Seele komme nicht in ihren Rat, und mein Herz sei nicht in
ben auf einer lokalen Ebene - aber immer mit Vorsicht. Ich denke, ihrer Versammlung...‘(1.Mose 49,6) Auch Paulus warnte vor einer
auf der lokalen Ebene ist es möglich, daß unsere Prediger gewis- allzu vertraulichen Annäherung an die Welt und ihren Prinzipien:
sen Pfarr-Räten angehören. Das sind Gruppen von Pfarrern, Predi- ´Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der
gern, die einfach zusammenkommen, einmal im Monat und ihre Finsternis!‘ (Eph. 5,11) ´Laßt euch nicht verführen! Schlechter
Probleme besprechen. Ich denke, daß ist behilflich. Viele unserer Umgang verdirbt gute Sitten.‘(1.Kor. 15,33).“18
Prediger gehören diesen Gremien an, und sie finden es meistens
hilfreich. Man kann auch lokalen Räten angehören von Kirchen, Wollen wir unser ewiges Heil auf diese Weise riskieren?
wenigstens als Beobachter... Sowohl ökumenische Zusammenkünfte und Beratungen als auch
Was ist die Stellungnahme der Leitung der Kirche, der GK? Zuerst Evangelisationen nach der Art von ProChrist sollen gemäß der
möchte ich sagen, daß die ausführenden kirchlichen Leiter immer unmißverständlichen Aussage Ellen Whites nicht besucht werden.
behutsam und vorsichtig vorgehen müssen... Die Kirchenleitung Es besteht die Gefahr, daß wir selbst unheilbaren Schaden erlei-
ist da, um den Glauben zu bewahren und zu fördern, um die Einig- den und andere mit ins Verderben ziehen. Sie schreibt:
keit der Kirche zu bewahren und zu fördern. Das sage ich zu An- „Es wurde mir die Notwendigkeit gezeigt, daß diejenigen, die glau-
fang, damit ihr versteht, daß die GK nicht so schnell in allen diesen ben, daß wir die letzte Gnadenbotschaft haben, von denjenigen
ökumenischen Richtungen gehen kann, wie vielleicht einige den- getrennt sind, die täglich neue Irrtümer in sich aufnehmen. Ich sah,
ken, daß es gut wäre. Man darf auch nicht vergessen, daß einige daß weder jung noch alt ihren Versammlungen beiwohnen sollten;
unserer Mitglieder - wahrscheinlich mehr in den USA als in Euro- denn es ist unrecht, sie zu ermutigen, während sie Irrtum lehren,
pa - überhaupt nichts zu tun haben wollen mit anderen Kirchen der ein tödliches Gift für die Seele ist, und solche Lehren lehren,
und Christen. Sie sprechen über Babylon, Antichrist, den abfäl- die nichts denn Menschengebote sind. Der Einfluß solcher Ver-
ligen Protestantismus usw., alles Ausdrücke, die wir auch manchmal sammlungen ist nicht gut... Es mißfällt Gott, wenn wir hingehen
gebrauchen, aber in einem anderen Sinn. Ihre Ansichten können und Irrtümern lauschen, ohne daß wir verpflichtet sind, zu gehen...
einfach nicht übersehen werden. Wir müssen eine pastorale Hal- Die Engel Gottes wachen nicht mehr über uns, und wir sind den
tung gegenüber diesen Minoritäteinsichten haben, auch wenn diese Anschlägen des Feindes ausgesetzt, um durch ihn und die Macht
Einsichten fehlgeleitet sind. seiner bösen Engel verfinstert und geschwächt zu werden; das
Für mehrere Jahre, seit Mitte der 60er Jahre, habe ich die Gele- Licht um uns herum wird mit der Finsternis befleckt.“19
genheit gehabt, unsere Gemeinschaft in verschiedenen ökum.
Versammlungen zu vertreten. Dr. Zürcher, Bruder Henning waren Wie werden sich unsere leitenden Brüder entscheiden? Geschieht
auch anwesend. Aber das war vielleicht in einer zwanglosen Art, keine klare Abkehr vom bisher eingeschlagenen Weg, bedeutet
haben wir diese Sache so geleitet. Aber am Ende des letzten Jah- dies Abfall von Gott und den Grundsätzen seiner heiligen Gemein-
res, Okt. 1980, ist etwas Neues geschehen. Die GK hat einen Rat de. Dies darf nicht geduldet werden, und das Gesicht, das E.G.
aufgestellt, Counsel on Interchurch Relations. Wir haben jetzt auf White in einer kritischen Phase des Werkes von Gott erhielt, erhält
dem Niveau der GK einen Rat für interkirchliche Beziehungen. 20 eine neue Bedeutung. Ellen White wurde mitgeteilt, daß der Eis-
Mitglieder hat dieser Rat. Da hinzu kommen auch die Divisions- berg des Abfalls mit voller Kraft gerammt werden sollte, d.h., daß
vorsteher, wenn sie jedes Jahr nach Washington kommen. Das ohne Rücksicht auf das eigene Wohlergehen, der Kampf gegen
zeigt, daß die GK ein Interesse hat an ökum. Fragen. Wir haben die ökumenische Verbindung unserer Gemeinschaft geführt wer-
jetzt ein offizielles Gremium, das die Kirche leitet in diesen Fragen den muß.
von Ökumene und Beziehungen mit anderen Kirchen-Organisa- Laßt uns dafür beten, daß sich unsere Führung besinnt und gro-
tionen... ßer Schaden von der Gemeinschaft abgewendet wird.
Ich glaube, der Status von inkognito leben wird zurückgehen. Pio-
nierarbeit ist nicht leicht. Ich denke, daß einige von uns einen ge- Fußnoten:
wissen Preis bezahlt haben wegen dieser Arbeit. Aber manchmal
ist es nötig, eine bahnbrechende Arbeit zu machen. Ich muß ge- 1 PIN-WAND, Magazin für Adventisten zu Themen der Zeit, Nr. 2,
stehen, daß in den letzten 15-20 Jahren ich eine große Belohnung 1993, S. 10, Herausgeber: Peter Freitag, Hagebusch 18, 4783
bekommen habe, und eine ganz neue Dimension ist mir geöffnet Anröchte
worden...“17 2 ebd.
Es scheint so, als wenn Beach im Laufe seiner Tätigkeit in der 3 Richtlinien für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im

38
Freistaat Sachsen zu berücksichtigen. Sie werden auf Vorschlag ihrer Kirchen oder
4 Satzung DER ARBEITSGEMEINSCHAFT CHRISTLICHER kirchlichen Gemeinschaften für die Dauer ihrer Mitarbeit in der
KIRCHEN IN DEUTSCHLAND e. V., 5. März, 1992 ökumenischen Centrale freigestellt bzw. entsandt und von der Mit-
gliederversammlung für zunächst fünf Jahre berufen...
„4.5 Beim Ausscheiden eines Mitglieds oder Gastmitglieds wer- 10.5 Aufgabenbereiche der Ökumenischen Centrale sind:
den geleistete Einzahlungen, Umlagen oder Beiträge nicht zurück- ...
gezahlt. c) Pflege der Beziehungen zur lokalen, regionalen und inter-
nationalen Ökumene;
§ 5 MITGLIEDSCHAFT d) Aufnahme und Vermittlung von Initiativen und Informationen aus
... der europäischen und weltweiten ökumenischen Bewegung, die
5.3 Kirchen oder kirchliche Gemeinschaften, die eine volle Mit- im Rahmen der Zielsetzung und Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft
gliedschaft nicht oder noch nicht aufnehmen wollen, können mit Christlicher Kirchen liegen;
Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder aufgenommen wer- e) Durchführung von ökumenischen Studientagen und Konferen-
den. Voraussetzung der Aufnahme ist die Anerkennung der Grund- zen in eigener Verantwortung oder in Zusammenarbeit mit den
lage gemäß § 1, Absatz 2 der Satzung. regionalen Arbeitsgemeinschaften und anderen Trägern der öku-
... menischen Bewegung;
f) Mitarbeit an ökumenischen Studien in Verbindung insbesondere
§ 6 ORGANE UND EINRICHTUNG mit dem DÖSTA und Unterstützung der ökumenischen Aus- und
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland nimmt Fortbildung in den Kirchen;
ihre Aufgaben wahr durch g) Koordinierung der Mitwirkung der Kirchen und kirchlichen Ge-
1. ihre Organe: meinschaften an gemeinsamen Vorhaben und Bemühungen in
a) die Mitgliederversammlung (§7) Zeugnis, Dienst und Gebet;
b) den Vorstand (§ 8) h) Vorbereitung von Materialien zur Gebetswoche für die Einheit
2. ihre Einrichtungen: der Christen sowie Begleitung anderer gottesdienstbezogener öku-
a) die Ökumenische Centrale (§ 10) als Sekretariat menischer Projekte;
b) den Deutschen Ökumenischen Studienausschuß (§ 11) i) Ökumenische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Zusammen-
arbeit im Bereich allgemeiner kirchlicher Öffentlichkeitsbeziehun-
§ 7 MITGLIEDERVERSAMMLUNG gen, des Rundfunks und des Fernsehens;
7.1 Das Leitungsorgan der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kir- j) Dokumentation und Archivierung ökumenischer Literatur.
chen in Deutschland ist die Mitgliederversammlung ...
7.2 Sie setzt sich zusammen aus ... § 11 DEUTSCHER ÖKUMENISCHER STUDIENAUSSCHUSS
a) sieben Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland, 11.1 Der Deutsche Ökumenische Studienausschuß (DÖSTA) ist
b) sieben Vertreter aus dem Bereich der Deutschen Bischofskon- eine ständige Einrichtung der Arbeitsgemeinschaft zur Pflege und
ferenz, Förderung der Ökumene in Lehre und Forschung. Seine Studien-
c) drei Vertreter der Evangelisch-methodistischen Kirche, arbeit erfüllt er im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kir-
d) drei Vertreter des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Ge- chen und in Verbindung mit der Ökumenischen Centrale aufgrund
meinden, seiner von der Mitgliederversammlung genehmigten Richtlinien.
e) zwei Vertreter der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von 11.2 Der Deutsche Ökumenische Studienausschuß setzt sich vor
Deutschland, allem aus theologischen Lehrkräften der Fakultäten, Ökumenischen
f) je ein Vertreter der übrigen Kirchen und kirchlichen Ge- Institute und sonstigen theologischen Ausbildungsstätten von Kir-
meinschaften. chen und kirchlichen Gemeinschaften, die den Arbeitsgemeinschaf-
... ten angehören, zusammen...
7.3 Die Gastmitglieder entsenden je einen Vertreter mit beraten-
der Stimme. § 14 FINANZEN
... 14.1 Die für die Wahrnehmung der Aufgaben der Arbeitsgemein-
§ 9 GESCHÄFTSFÜHRER schaft erforderlichen Mittel werden anteilig von den Mitgliedern und
9.1 Zur Führung der laufenden Geschäfte der Arbeitsgemeinschaft Gastmitgliedern entsprechend ihrer Größe und Finanzkraft aufge-
beruft die Mitgliederversammlung auf Vorschlag des Vorstands den bracht.
Geschäftsführer, der nicht zugleich Vertreter eines der Mitglieder 14.2 Die Mitgliederversammlung beruft - jeweils für die Dauer von
oder Gastmitglieder in der Mitgliederversammlung sein kann. drei Jahren - einen Finanzausschuß, der aus je einem Vertreter
9.2 Der Geschäftsführer ist Leiter der Ökumenischen Centrale. Er der Evangelischen Kirche in Deutschland, der katholischen Bistü-
nimmt an den Sitzungen der Mitgliederversammlung und des Vor- mer in Deutschland und der übrigen Mitglieder der Arbeits-
stands mit beratender Stimme teil. Der Vorstand ist gegenüber dem gemeinschaft gebildet wird...
Geschäftsführer weisungsberechtigt.
§ 15 SATZUNGSÄNDERUNG UND AUFLÖSUNG
§ 10 ÖKUMENISCHE CENTRALE ...
10.1 Als Sekretariat und ständige Einrichtung ökumenischer Zu- 15.2 Für die Auflösung des Vereins ist eine Dreiviertelmehrheit der
sammenarbeit unterhält die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kir- Mitglieder erforderlich. Das im Falle der Auflösung oder Aufhebung
chen die Ökumenische Centrale (ÖC). Sie untersteht der Aufsicht des Vereins oder bei Wegfall seines bisherigen Zweckes ver-
und den Weisungen des Vorstands und der Mitgliederversammlung. bleibende Vermögen fällt an den Deutschen Caritasverband e.V.,
10.2 Bei der Berufung der Referenten der ökumenischen Centrale Freiburg i.Br., und das Diakonische Werk der Evangelischen Kir-
ist die konfessionelle Zusammensetzung der Arbeitsgemeinschaft che in Deutschland, Stuttgart, zu gleichen Teilen, die es unmittel-
39
bar und ausschließlich für gemeinnützige bzw. kirchliche Zwecke Wir brauchen heute Männer Gottes, die nicht nur eindeutig ver-
zu verwenden haben. kündigen, was sie glauben, sondern auch mit unmißverständlichen
15.3 Diese Satzung tritt an die Stelle der Satzung der ´Arbeitsge- Worten deutlich machen, was sie nicht glauben und was sie des-
meinschaft christlicher Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland halb für Sünde, Häresie und Abfall von Gottes Geboten halten.
und Berlin (West) e.V.‘ in der Fassung vom 12. März 1974, zuletzt Genau das haben die Bußprediger, Reformatoren, Puritaner und
geändert und verabschiedet am 13./14. Juli 1976, und der Richt- Erweckungsprediger zu allen Zeiten getan.
linien der ´Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Deut- Selten haben sie dafür Doktorhüte und Ehrenpreise, sondern mei-
schen Demokratischen Republik‘ vom 5. März 1982. stens Schimpf und Schande geerntet.
15.4 Die vorliegende Satzung tritt mit Wirkung vom 1. Januar 1992 Billy Graham - ein Protestant
in Kraft.“ Über Grahams freundschaftlichen Kontakte zu den Führern der
Ökumene und seine positive Haltung dem Ökumenischen Rat der
5 ALLER DIENER, III/IV, 1984, S. 31, Stoffsammlungen und Mit- Kirchen gegenüber ist viel geschrieben worden. Viele seiner
teilungen der EUD- Predigtamtsabteilung, Schosshaldenstr.17, Evangelisationen im damaligen Ostblock wurden in Verbindung mit
CH-3006 Bern, Schweiz dem Ökumenischen Rat der Kirchen durchgeführt und Billy Graham
6 ebd., S. 35 war sowohl bei der Gründungsversammlung des Weltkirchenrates
7 Seelsorgehelfer - Seelsorgeleiter Bereitschaftserklärung, An- 1948 in Amsterdam dabei, wie auch auf fast allen großen Tagun-
schrift: Furtbachstr. 16, 7000 Stuttgart 1, Tel. 0711/600885 gen des Weltkirchenrates.
8 ADVENTECHO, Mai 1993, S. 13, Deutschsprachiges Gemeinde- In einem Interview mit US News und World Report sagte Billy
blatt der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Saatkorn- Graham im Dezember 1988: ‘Meine Reisen in aller Welt und mei-
Verlag Hamburg ne Beziehungen zu Geistlichen aller Denominationen haben ein
9 Prophetische Mahnwache, Zeitung für Christen-Unabhängig, ökumenisches Wesen aus mir gemacht. Wir sind durch Theologie,
aufrichtig, nicht unfehlbar, Nr. 1 - 24. Dezember 1992, Herausge- manchmal auch durch Kultur und Rasse voneinander getrennt,
ber: Wolgang Zöller, Striegelborn 1, Siegen-Niederschelden doch all das bedeutet mir nichts mehr.` So ist es verständlich, daß
10 fest und treu, Heft 63, S.18ff, Schriftleiter: Wolfgang Bühne, Dr. Richard Perad, der Präsident der Evangelical Theological
Schoppen 1, Meinerzhagen 2 Society, Graham als ‘die treibende Kraft
zur Förderung der Ökumene unter den Evangelikalen‘ bezeichne-
Wolfgang Bühne, bekannter Buchautor und Fachmann in Fragen te. Auch Grahams Kontakte zur kath. Kirche und zu den jeweiligen
Charismatische Päpsten werden in Grahams Biographie ausdrücklich erwähnt...
Bewegung schreibt u.a. in seiner, von ihm herausgegeben Zeit- So wundert man sich nicht, daß Graham die Ehrendoktorwürde
schrift „fest und treu“ über ProChrist und Billy Graham: eines jesuitischen Seminars angenommen hat und 1972 den Ka-
„... Zum ersten Mal - soweit ich informiert bin - arbeiten Adventi- tholischen Internationalen Franziskanischen Ehrenpreis für seinen
sten (STA) offiziell an einer Großevangelisation der Evangelikalen ‘Beitrag zur wahren Ökumene` entgegennahm...
in Deutschland mit, unter starker Fürsprache der Allianz. Selbst- Wer dem römischen Katholizismus mit Wohlwollen begegnet und
verständlich sind die Freikirchen dabei, einschließlich der Pfingst- das Vertrauen der römisch-katholischen Würdenträger auf seiner
gemeinde, Charismatischen Gemeinden und teilweise arbeiten Seite hat, zahlte dafür - bewußt oder unbewußt - einen hohen Preis.
auch katholische Kirchen und Gruppen mit... Er hat die drei großen biblischen, reformatorischen Grundsätze
Die allgemeine Begeisterung ist groß: preisgegeben: ‘Allein die Schrift, allein der Glaube, allein die Gna-
‘Es ist ein faszinierender Gedanke, daß evangelische, katholische de.`... Mit Hilfe der säkularen Medien ist Graham tatsächlich zu
und freikirchliche Kirchengemeinden, Gemeinschaften und christli- einer Größe geworden, zu einem ‘christlichen Staatsmann`, der
che Jugendverbände an einem Strang ziehen und in einer für uns einen ‘Prozeß der Verschmelzung in Gang` gesetzt und dazu bei-
neuen Form das Evangelium unter die Leute bringen.`... getragen hat, daß der überwiegende Teil der Evangelikalen für die
Staatsmann oder Prophet Gottes Gefahren der Ökumene und des Katholizismus blind geworden sind.
John Pollock, der bekannte Biograph Grahams, hat in seiner offizi- Das Neue Testament warnt entschieden vor Toleranz und Vermi-
ellen Biographie das Lebenswerk Grahams mit einem Satz auf den schung mit moralisch und dogmatisch Bösem (2.Kor.6,16; 2.Tim.
Punkt gebracht: ‘Er war ein christlicher Staatsmann für die ganze 2,19; 1.Kor. 5, 11-13 usw.). Dieses wichtige Prinzip zur Wahrung
Welt, ein Katalysator, der Einzelpersonen und Bewegungen zusam- der Reinheit, Kraft und Glaubwürdigkeit der Kirche haben die
menbringen und einen Prozeß der Verschmelzung in Gang setzen Evangelikalen mit wenigen Ausnahmen vergessen oder preisge-
konnte...` geben.
Um auf grundsätzlich konträren Positionen stehende Gruppen oder
Bewegungen verschmelzen zu können, muß man allerdings einen Sichtbare Auswirkungen auf Deutschland
hohen Preis zahlen:
- man muß Leuten nach dem Mund reden, Wie bereits erwähnt wurden die Adventisten offiziell von dem Vor-
man muß heikle und kontroverse Themen nach dem Motto ‘Dog- stand von ‘ProChrist ’93` zur Beteiligung an dieser Groß-
men trennen - Liebe eint`, vermeiden, evangelisation eingeladen. Hartmut Steeb, der Generalsekretär der
- man muß Gemeinsamkeiten betonen. Deutschen Evangelischen Allianz, hat diese Tatsache Kritikern
Genau das hat Billy Graham in den letzten Jahrzehnten seines gegenüber in Idea deutlich verteidigt. Er hat den Adventisten ein
Dienstes getan und nur so konnte er regelmäßig unter den ‘Top evangelikales Glaubensbekenntnis zugestanden, obwohl die STA
Ten der angesehensten Männer` (Time magazine) geführt wer- bisher keine einzige ihrer falschen Lehren aufgegeben, oder offizi-
den... ell zurückgenommen haben. Die Delegiertenkonferenz der Deut-
Er hat weiter beste Beziehungen zu den jeweiligen Präsidenten schen Evangelischen Allianz hat im Oktober ’92 in Bad Blanken-
der USA und gilt zurecht als inoffizieller Kaplan des Weißen Hau- burg die Orts-Allianzen aufgefordert, ‘sich stärker für pfingstkirch-
ses... liche, charismatische und katholische Christen zu öffnen`. Hart-

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Auf, mein Volk! Verlaßt diese Stadt! Sonst werdet ihr mitschuldig an ihren
Sünden und müßt ihre Strafe mit ihr teilen. Denn Gott hat ihr schändliches
Tun nicht vergessen. Ihre Sünden häufen sich bis an den Himmel!
Offenbarung 18 Verse 4 und 5 (Gute Nachricht)

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mut Steeb berichtete von ‘guten Erfahrungen` mit Pfingstlern und rechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ alle möglichen
Charismatikern und betonte, daß auch Katholiken bei der christlichen Konfessionen, Religionen und Ideologien zum Aufbau
evangelikalen Sammlungsbewegung mitwirken können, wenn sie der Welteinheit einspannt. Versöhnte Glaubensvielfalt, oder sollte
deren Glaubensgrundlage bejahen. Daß aber die Glaubens- man besser von babylonischer Verwirrung sprechen, verbunden
grundlage der Evangelischen Allianz im Gegensatz zu den mit der faszinierenden Welteinheitsidee und deren praktischer Ver-
Glaubensgrundlagen der röm. kath. Kirche steht, scheint den wirklichung durch sozialpolitisches Engagement auf allen Ebenen
Evangelikalen bedeutungslos geworden zu sein... des weitgespannten ökumenischen Netzes, entfalten sich vor un-
Vergessen wir aber auch bei allem eventuellen zahlenmäßigen seren Augen.
Erfolg von ‘ProChrist ’93` nicht, daß mit großer Wahrscheinlichkeit Die ökumenische Mischung aus Katholizismus, Protestantismus
der von Billy Graham angestoßene Weg in die unbiblische religiö- und Heidentum, verbunden mit charismatisch, spiritistischer Mix-
se Weite sich auch in Deutschland, durch diese Großveranstal- tur sowie die politischen Bestrebungen und Aktionen, zeigen deut-
tung begünstigt, fort- und durchsetzen wird. Vielleicht werden wir lich nicht nur uns Adventisten, die Erfüllung der Weissagung des
in den nächsten Jahren einmal schmerzlich an ein prophetisches Johannes, der die Hure auf dem Staatstier reiten sieht bzw. das
Wort erinnert, daß vor 117 Jahren in London ausgesprochen wur- dreigeteilte Babylon erblickt.
de: Ökumenische Formeln und Ziele auf Weltebene, sind auch auf
‘Ihr Protestanten, die ihr heute eure Freiheiten wie Billigware ver- Länderebene, ja sogar auf regionalem Territorium (z.B. Bundes-
schleudert, werdet einmal den Tag verfluchen, an dem ihr euch die länder) und Ortsebene die gleichen, wie Insider ohne Umschweife
alten Ketten wieder an die Knöchel passen ließet. Das Papsttum erklären und auch die Satzungen und Programme dieser Orga-
fesselte und tötete unsere Väter, und wir machen es zu unserer nisationen verdeutlichen. Sie bilden insgesamt ein weltweites Netz,
Nationalreligion!`(C.H. Spurgeon in einer Predigt am 12.11.1876)“ um im kleinen wie im großen das hohe Ziel einer Weltregierung zu
erreichen. Dazu gehört auf Länderebene auch die Arbeitsgemein-
11 ADVENTECHO, Juni 1993, S. 32 ebd. schaft Christlicher Kirchen (ACK), die sogar zu den Schrittmachern
12 Walter Bauer, Wörterbuch zum Neuen Testament, Spalte 867, der Welteinheit oder des Weltfriedenskonzils aller Religionen zählt.
Verlag Walter de Gruyter, Berlin 1971 In einem Hauptreferat dieser Ausgabe wird darauf ausführlich ein-
13 ebd., Spalte 1533 gegangen.
14 Ellen G. White, Zeugnisse für Prediger, S. 72, INTER-EURO- Die Gemeinschaft der Siebenten Tags-Adventisten ist inzwischen
PUBLISHING, P.O. Box 176, NL-7102 CS Winterswijk als Gastmitglied der ACK auf Bundesebene bestätigt und einge-
15 Ellen G. White, Bibelkommentar, S. 186f, Ellen G. White För- tragen worden und hat sich somit offiziell und institutionell mit Baby-
derkreis e.V., Kolbermoorerstr. 51, Bad Aibling, Anmerkung: Über- lon verbunden. In dem Hauptreferat wird der erschrockene Leser
setzung des ALLER DIENER bevorzugt feststellen, in welchen Bundesländern und Städten wir schon mit
16 ebd., S. 548 der ACK verbunden sind.
17 Ökumene - Verpflichtung oder Versuchung? Band 20, S. 89ff Die Leitung der Gemeinschaft in Deutschland hatte unter Umge-
herausgegeben durch den Adventistisch Wissenschaftlichen hung der ordentlich gewählten Verbandsausschüsse im Einverneh-
Arbeitskreis e.V., Darmstadt men mit der Euro-Afrika-Division in aller Stille und Heimlichkeit die
18 Ellen G. White, Aus der Schatzkammer der Zeugnisse Band II, Gastmitgliedschaft schon 1991 beantragt, und die Verbandsaus-
S. 128, Advent-Verlag Hamburg schüsse durften dann 2 Jahre später (September 1993), ein Mo-
19 Ellen G. White, Erfahrungen und Gesichte, S. 116-118, Pacific nat vor der Aufnahme (!), den eingeleiteten Prozeß absegnen. Um
Press Publishing Association, Brookfield, Illinois 1947 diesen ökumenischen Durchbruch zu rechtfertigen und dessen
Erfolg zu sichern, finden wir sowohl im Adventecho als auch im
Erich Schultze Mitteilungsblatt der Stimme der Hoffnung von dem Beauftragten
der Gemeinschaft, Holger Teubert, Artikel, die vieles verharmlosen
und teilweise entstellen. Im Jahre 1985 begründete H. Teubert noch,
warum wir kein Gastmitglied bei der ACK sein können und heute
reist er durch die deutschen Lande, um möglichst alle Gemeinden
auf den ACK „einzuschwören“ - traurig und schade, daß dieser
Editorial: Turmbau zu Babel fähige und sympathische Prediger gegen Gottes Sache streitet.
Dann erfolgte noch eine Großoffensive der Gemeinschaftsleitung,
Liebe Leser, die m.E. einmalig in der deutschen Adventgeschichte ist, indem
an großen, weltverbessernden Ideen oder sollten wir eher von allen Gemeindegliedern eine Erklärung in Form eines Informations-
hochgespannten Utopien sprechen, hat es seit dem Turmbau zu heftes zugestellt wurde.
Babel nie gemangelt: „Ans Werk! Wir bauen uns eine Stadt und Zum Leidwesen der Administration konnten aber nicht alle Ge-
einen Turm, der bis an den Himmel reicht! Dann werden wir in aller schwister von der deutschen ACK, die die Ökumenische Centrale
Welt berühmt (1.Mose 11,4 Gute Nachricht). Weltherrschaft und unterhält, überzeugt werden.
Berühmtheit wollten nicht nur die Babylonier aus ältester Zeit er- Der Verband Adventistischer Basismissionsgruppen warnte die Ge-
langen, sondern sind auch die erklärten Ziele des heutigen Baby- meinschaftsleitung und die Verbands-Ausschüsse vor einer Gast-
lons, das nach der Einheit der Menschen, der Weltregierung oder mitgliedschaft in der ACK durch einen offenen Brief, und dies, be-
dem 1000jährigen Friedensreich strebt. vor wir aufgenommen wurden. Unter der Leitung der Verbandsvor-
Im Kern dieses Strebens, steckt der Versuch, dem durch Gott pro- steher lehnten die Ausschüsse entschieden das berechtigte Anlie-
phezeiten Schicksal entgehen zu wollen, was letztlich Auflehnung gen des VAB ab.
gegen Gott bedeutet. Dann hatte auch ein treuer und gut bekannter Bruder die Erklä-
Das moderne Babylon manifestiert sich in der ökumenischen Be- rung der Gemeinschaft, die zuvor mit fast gleichem Inhalt an Pre-
wegung, die durch den sogenannten „konziliaren Prozeß für Ge- diger und Älteste versandt worden war, entsprechend kommen-

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tiert und an viele Delegierte in der Mittelrheinischen Vereinigung, Möge doch jeder Adventist jetzt aufmerksam die Fakten prüfen,
anläßlich einer Versammlung, verteilt. Der Kommentar wies auf um nach Abwägung aller Tatsachen eine eindeutige Position ein-
unwahre Aussagen und zwielichtige Verhaltensweisen hin. nehmen zu können. Deine Entscheidung wird von ewiger Tragwei-
Auch haben drei Prediger und ein Ältester in Baden-Würtemberg te sein!
eine ausgezeichnete Ausarbeitung an die Prediger und Ältesten Erich Schultze - Editor
der Baden-Würtembergischen Vereinigung versandt, die deutlich
den unseriösen und irreführenden Inhalt der Erklärung aufdeckt.
Auch wird hierin die Unmöglichkeit einer Gastmitgliedschaft in der
ACK begründet und die Amtsanmaßung der Leitung angepran- Das apokalyptische Gesetzesmotiv
gert. Dies allerdings in sehr sachlicher und freundlicher Form.
Diese Ausarbeitung sollte jeder Adventist aufmerksam und gründ- Übersicht
lich studieren, um sich selbst ein sachgerechtes Urteil bilden zu
können. Dieses Positionspapier untersucht (1) das Gesetzesmotiv in den
Eines wird man m.E. schon jetzt sagen können: Die Baden- aramäischen Abschnitten des Buches Daniel (Dan. 2:4 bis 7:28),
Würtembergische Vereinigung wird nicht mitziehen - und ebenso (2) legt es aus im Rahmen der Johannesapokalypse und (3) ver-
jeder, der sich ernsthaft mit den Unterlagen von beiden Seiten neint in diesem Grundkonzept ein gemeinsames Zeugnis zusam-
auseinandersetzt. Die Leitung unserer Gemeinschaft hat damit ei- men mit ökumenischen Christen: das gemeinsame Zeugnis ge-
nen Spaltungsprozeß eingeleitet, der in diesen Wochen und Mo- hört mit zu den Satzungen ökumenischer Strukturen.1 Als Ge-
naten eine Sichtung bewirken wird. meinde Laodizea sind wir Siebenten-Tags-Adventisten zur Wach-
samkeit gerufen.
Über die Auswirkungen unserer ökumenischen Beziehungen
schreiben die Würtemberger u.a.: (1) Das Gesetzesmotiv in den aramäischen Passagen des Bu-
„In der SDV-Erklärung (S. 4) wird behauptet, daß die bisherigen ches Daniel
Erfahrungen mit der ACK in der früheren DDR sehr positiv sind.
Wie viele Nichtadventisten haben wir dadurch gewonnen, wie vie- Der Begriff „Gesetz“ (dat) erscheint erstmals in Dan. 2:9 etwa wört-
le STA haben wir verloren? Wie viele STA sind bereits vom Geist lich: „Wenn den Traum nicht ihr mir kundtut, einer, dieser Befehl
der ACK voll durchdrungen? (dat) über euch und Wort: Lüge und Verdorbenheit ihr habt verab-
Im Arbeitskreis für ökumenische Fragen auf der Bibelkonferenz redet zu reden vor mir...“ Mit diesem Begriff ist ein Staatsgesetz
der deutschsprachigen Prediger (30.08.-05.09.1993), so berichtet als Todeserlaß angedeutet.
ein Teilnehmer, ging die Mehrheit weit über die Forderung hinaus,
daß unsere Gemeinschaft in der ACK Gastmitglied wird. Sie for- Das einfache „dat“ (Gesetz) wird, auf seinen Höhepunkt getrie-
derten Vollmitgliedschaft in der ACK, Eintritt der Verantwortungs- ben, in Vers 13 zum Status emphaticus, d.h. es wird aus dem Sta-
träger auf allen Ebenen in die Evangelische Allianz; sie forderten dium der Androhung (Vers 9) zum akuten Erlaß und daher in Vers
ökumenische Gottesdienste mit anderen Konfessionen; nicht zu- 13 besonders betont (data). Das Staatsgesetz ordnet an, alle Wei-
letzt definierten sie die Adventgemeinde als einen Teil der sichtba- sen, auch Daniel und seine Freunde, umzubringen. Die Frage Da-
ren Gemeinde Jesu auf Erden, woraus eine Vereinigung mit ande- niels an den Scharfrichter, weshalb ein solch strenges Gesetz (data)
ren Teilen langfristig eindeutig abzuleiten ist... ergangen sei, benutzt ebenfalls jene Betonungsform (Vers 15).
Aus der Ludwigsburger Gemeinde ist am 01.07.1993 ein Glaubens-
bruder ausgetreten mit der schon Monate vorher geäußerten Der nächste Abschnitt befindet sich im 6. Kapitel des Danielbuches:
Begründung, daß sich die STA ökumenisch verhalten würden. Er Die königlichen Beamten, die Daniel eine Falle stellen, ersuchen
fügte hinzu: ´Ihr wißt ja nicht, was eure leitenden Brüder alles mit in emphatischer, betonter Sprachform ein Verbot (esra) und ein
euch machen.“ Schriftstück (ketawa)), das unveränderlich ist - es folgt die einfa-
Auch können wir als STA die Satzung des ACK nicht mittragen, die che Form - „wie das Gesetz (dat) der Meder und Perser“, Vers 9.
von Gastmitgliedern die Anerkennung ihres 1. Paragraphen for- Dieses Staatsgesetz forderte die Anbetung des Gottkönigs: To-
dert. Nach der schlüssigen Beweisführung folgern die Brüder in desstrafe bei Zuwiderhandlung, Vers 8.
Würtemberg: „Mit der Anerkennung von § 1.2 der ACK-Satzung Dieses Staatsgesetz tritt in Widerstreit mit Gottes Gesetz:
begehen wir - wenn wir wissen, was wir tun - Gotteslästerung! Die Intriganten erkennen, daß sie an Daniel keinen Anklagegrund
Wenn wir nur aus faulem Frieden zustimmen, begehen wir Heu- finden, außer „im Gesetz seines Gottes“ (bedat elahe, Vers 6). Die
chelei!“ Beamten unterbinden die Rettungsversuche des Königs, der Da-
niel aus dieser Falle befreien wollte mit dem Hinweis auf das Staats-
Um die Spaltung der Gemeinden in Deutschland wegen weniger gesetz der Meder/Perser (dat lemadai ufarsas), das der König mit
liberaler und aggressiver Führungskräfte zu verhindern, müssen eigener Hand unterschrieben hatte und unveränderlich war, Vers
wir jetzt alle fest stehen und uns auf die Seite der Wahrheit mit 16.
Entschiedenheit stellen. EUD und GK, die selbst schon im
ökumenischenTreibsand versinken, wie nicht zuletzt der „Vergleich“ Schließlich taucht der Begriff „Gesetz“ (dat) noch einmal in Daniel
einige Seiten weiter belegt, können uns nicht helfen. 7:25 auf. Wie in Daniel 6:6 ist Gottes Gesetz gemeint, das in Dani-
Der Eisberg des Abfalls in Deutschland ragt hoch empor, aber mit el 7:25 zum Angriffsziel des antichristlichen kleinen Horns wird.
Gottes Hilfe können wir ihn rammen und zerstören.
Werden wir der Demontage unseres Werkes ruhig zusehen und Dieser Überblick zeigt, daß es bei dem Gesetzesmotiv dieser
nichts unternehmen? Oder werden wir mannhaft den Glauben und aramäischen Abschnitte um eine Auseinandersetzung zwischen
Gottes Gemeinde verteidigen gegen reißende Wölfe im Schafs- Staatsgesetz und Gottesgesetz geht. In Daniel 7 lauert eine geist-
pelz, die die eigene Herde nicht verschonen? liche Macht dem Gottesgesetz auf, um es abzuändern.
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Beim nochmaligen, genaueren Hinsehen geht es um das zweite „Zeiten“ aus Daniel 7 die Summe der Anbetungen am Sabbat über-
Gebot, das Verbot, Götzen anzubeten. Unmittelbare Fortsetzung haupt: die Anbetung, die ein Sabbat nach dem andern erfolgt, sind
von Daniel 2 ist Daniel 3. Dort wird ein Standbild aus Gold aufge- „Zeiten“ der Anbetung. Im Neuen Bund, in dem die zehn Gebote
baut, das alle anbeten sollen. Der Feuerofen wartet auf die Über- weiter gelten, ist keine andere Anbetungszeit vorgesehen, die das
treter. Daniel 3 demonstriert, daß Gottes Gebot unter allen Um- kleine Horn als antigöttliche Macht abzuändern trachtet, und wie
ständen, in jeder noch so ausweglosen Lage gilt - der glühende wir es auch beim Vergleich zwischen den zehn Geboten der Bibel
Ofen, aus dem es keinen Ausweg gibt und doch einen gegeben und dem Katechismus feststellen.2
hat, doch selbst hätte es keinen gegeben: die Hebräer waren in
keinem Falle bereit, das Standbild anzubeten - eine Absage an um Abschließend die Zeit des Aufkommens der Macht aus Daniel 7:
sich greifende Situationsethik, die Gottes Gebot in sogenannten Ein Vergleich zwischen Daniel 7 und Offenbarung 13 ergibt, daß
Notlagen außer Kraft setzt. Off. 13 das kleine Horn aus Dan. 7 weiter beschreibt: ganze Satz-
teile der Beschreibung des kleinen Hornes werden in Off. 13 über-
Um dieses zweite Gebot geht es auch in Daniel 6, wo Daniel un- nommen (vgl. Off. 13:5 mit Dan. 7:8.20 und Offb. 13:7 mit Dan.
beirrt seinen Gott anbetet und die Anbetung des Königs verweigert, 7:21). Diese Macht als geistliche Institution faßt der Prophet ins
selbst in sogenannter auswegloser Notlage. Auge. In seiner Beschreibung zählt er von seinem zeitlichen Stand-
ort (weltliches Rom) die in Dan. 7 genannten Weltreiche rückwärts
Kommen wir zu Daniel 7:25, ergibt der Zusammenhang dieser auf: Parder = Griechenland, Bär = Medien/Persien, Löwe = Baby-
aramäischen Passagen, daß hier nicht irgendein Gesetz gemeint lon.
ist, sondern das zweite Gebot zunächst. In Daniel 7:25 ist der Be- In ununterbrochener prophetischer Geschichtslinie folgt das geist-
griff „Gesetz“ (dat) eng gekoppelt mit „Zeiten“ (zimnin) - Zeiten liche Rom, das somit identisch ist mit dem kleinen Horn aus Dani-
und Gesetz. Halten wir fest: Es geht in den Abschnitten um das el 7 und dem Tier aus Off. 13. Es fällt auf, daß dieses Tier angebe-
zweite Gebot, um das Anbetungsgesetz. Der enge Zusammenhang tet wird (Off. 13:4). Es geht in der Apokalyptik um Anbetung, und
legt nahe, daß es bei „Zeiten“ um „Anbetungszeiten“ geht. Hierzu das Gesetz der Anbetung. Das ist die Auseinandersetzung der al-
paßt als sachinhaltlicher Zusammenhang die Parallele zu Daniel lerletzten Zeit.
6, Vers 11 + 14, wo es um die Anbetung geht und es von Daniel
heißt, daß er unbeirrt „Zeiten drei“ (zimnin telatah), also dreimal (3) Die Verneinung eines gemeinsamen Zeugnisses in ökume-
täglich betete. Die Mehrzahlform faßt die Summe der Anbetungs- nischen Strukturen.
vorgänge zusammen. Als nächstes kommen wir weiter, wenn der
Begriff „Gesetz“, „Zeiten“, „Anbetungszeiten“ - überhaupt das Mo- Es geht nicht um allgemeine Übereinstimmungen, wie: Christus ist
tiv der Anbetung in der apokalyptischen Endzeit untersucht wird, der Herr. Aber schon hier bedeutet das Bekenntnis: „Christus ist
wobei wir mit unseren aramäischen Begriffen in den Neuen Bund der Herr auch des Sabbats“, im Munde eines Protestanten oder
gelangen. Hier erhalten sie ihre Bedeutung in dem dort vorhande- Katholiken etwas ganz anderes als im Munde eines Siebenten-
nen Sachzusammenhang. Tags-Adventisten (Mk 2:27).

(2) Das Gesetzes- und Anbetungsmotiv in der Johannesapo- Manche Gruppen werden gegen das apokalyptische Motiv - und
kalypse wir sind ja von der Entstehung her eine apokalyptische Bewegung,
aber damit will ich nicht sagen, daß die Bibel nur aus Daniel und
Die apokalyptische Bedeutung des Gesetzes tritt in der siebenten Offenbarung besteht - Einspruch erheben und betonen, wir leben
und letzten Posaune zutage, und zwar im Zusammenhang mit den im neutestamentlichen Zeitalter des Gesetzes3; als hätte Gottes
letzten Ereignissen unmittelbar vor der Wiederkunft Christi. So öff- Wort zwei Errettungswege, als gäbe es von Mose bis Maleachi
net sich das Allerheiligste. Die Lade des Bundes erscheint im Him- keine Gnade! -, nein, es wird hier kein gemeinsames Christus-
mel, begleitet von Blitz, Donner, Hagel und Erdbeben - ähnliche zeugnis geben können! Christus hier und Christus da, aber jeder
Begleiterscheinungen wie bei der Gesetzgebung am Sinai (Offb. meint einen anderen Christus, so als hätte es viele solcher Erlöser
11:15-19 vgl. 2.Mose 19:16). gegeben.
Stellen wir den Hebräerbrief daneben, so sehen wir neben der Andere Ökumenler werden uns das Anbetungskonzept mit dem
Bundeslade in der Endzeit Jesus Christus als Hoherpriester ste- Hinweis ausreden, wir müßten „historisch kritisch“ denken: Pro-
hen, Hebräer 8-9. Wie bei Daniel geht es hier um die zehn Gebote. phetie im Sinne einer Voraussage über lange Zeiträume gebe es
nicht, ein unbekannter Verfasser habe zur Makkabäerzeit gegen
Sehen wir auch hier genauer hin, geht es wie bei Daniel um die den Abfall zur Zeit Antiochus Epiphanes 168 v.Chr. unter Daniels
Anbetung: Die erste Engelsbotschaft fordert zur Anbetung auf und Namen geschrieben und seine sogenannten Prophezeiungen sei-
nimmt in den Worten: „Und betet kniefällig (proskynesate!) an den, en vaticinium ex eventu (geschichtliche Rückschau als Prophetie
der gemacht hat den Himmel und die Erde und Meer und die nachträglich ausgeben)4. Da haben wir´s! Es gibt gar kein prophe-
Wasserquellen“, bezug auf das Sabbatgebot, woraus der Engel tisches Wort! Nein, es gibt kein gemeinsames Zeugnis. Und wenn
zitiert (vgl. Offb. 14:12 und 2.Mose 20:4). es eines geben sollte, dann im historisch kritischen Sinne eine
Anbetung und Sabbat sind apokalyptisch untrennbar verbunden: reine Vernunftstheologie mit dem Verstand als oberstes Richtmaß
(a) die Tafeln in der Bundeslade im Himmel enthalten als Urschrift der Auslegung. Das würde den Ausverkauf des Prophetischen
den Text aus 2.Mose 20 und nicht den Katechismustext, wo das Wortes bedeuten, wie Siebenten-Tags-Adventisten es immer schon
zweite Gebot fehlt und das Sabbatgebot inhaltlich abgeändert verkündigt haben.
wurde. Indem (b) der erste Engel aus Off. 14 aus dem Sabbat- Ein gemeinsames Dach, wobei jede Konfession ihre eigenen Be-
gebot zitiert und die Anbetung des Schöpfers fordert, folgt daraus, sonderheiten hat und lehrt!6 Aber da hat jeder sein eigenes
daß keine andere Anbetungszeit im Neuen Bund vorgesehen ist Christuszeugnis. Wie in der Zugehörigkeitssatzung ein „gemein-
als der Sabbat. In diesem Zusammenhang bedeutet der Begriff sames Zeugnis“ verlangt und verwirklicht werden soll, bleibt ein

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Rätsel, das sich nur im synkretistischen Sinne auflöst: alle ver- Da hilft auch nicht, eine Liste von Gemeinsamkeiten aufzustellen,
schiedenen und miteinander unvereinbaren religiösen Elemente wie: Dreieinigkeit, allein die Schrift, allein aus Gnaden, allein aus
verschmelzen sich zu einer Art „Superreligion“.7 Glauben, usw. Jene historisch-kritische Bibelauslegung schaltet in
Aber das hatten wir schon mal in der Gnosis, die viele Reli- reinem Vernunftsdenken wirklich Göttliches aus (Schöpfung, Pro-
gionselemente in sich aufnahm, um eben diese „Superreligion“ dar- phetie). Das reformatorische: „Allein die Schrift!“ ist aufgelöst. Hier
zustellen. Das Christentum wäre sicher solch eine Art „Überreligion“ kann es keine wirkliche Heilige Schrift im Sinne eines wirklichen
geworden, hätten nicht die Johannesbriefe, die Pastoralbriefe, der von Gott inspirierten Gotteswortes geben. Bestenfalls ein Glaubens-
Kolosserbrief und das Johannesevangelium antignostisch argumen- dokument, das Auskunft erteilt über den Glauben Israels und der
tiert, so als ginge es um Leben und Tod der Gemeinde. Keine öku- Urgemeinde mit einem Kerngehalt an geschichtlicher Wahrheit als
menische Verschmelzung einander widersprüchlicher Elemente! Grundlage.
Es gibt kein gemeinsames Zeugnis! Das „Allein aus Gnaden“ und „Allein aus Glauben“, verbleibt als
„Theologie des Paulus“ im Sinne seiner eigenen menschlichen
Allein die Schrift! Wer hat sie noch? Unter dem Schlachtruf: Histo- Auffassung. Eine solche Auflistung angeblich gemeinsamer Punk-
risch kritisch! wird erst alles angezweifelt, dann nach einer Paral- te ist daher wertlos. Im wesentlichen geistlichen Kern besteht nicht
lele in der Geschichte gesucht. Ist keine vorhanden, wird dieses die geringste Übereinstimmung. Ein gemeinsames Zeugnis ist nicht
Ereignis als unglaubwürdig abgetan oder umgedeutet (Christus möglich.
sei im Glauben der Urgemeinde auferstanden, nicht leibhaftig. Die
Wiederkunft Christi hat es in der Geschichte auch noch nie gege- Die Gefahr liegt nahe, im Gespräch mit Geistlichen dieser den-
ben. Diese erfolge beim Aufbau einer friedlichen Gesellschaft mit kart, die heute vorherrschend ist, sich teilweise oder ganz auf die-
Gerechtigkeit - soziales Evangelium). se historisch-kritische Linie zu begeben, nach dem Motto: „Unter
Nein! Es kann und gibt kein gemeinsames Christuszeugnis. Und uns Theologen reden wir historisch-kritisch. In der Gemeinde re-
wenn, dann muß jeder das seine über Bord werfen und ein ande- det man natürlich anders, und da haben wir uns eben der Gemein-
res annehmen. de anzupassen und reden dort natürlich eine andere Sprache.“
Das ist Heuchelei.
Oder wie soll ein gemeinsames Christuszeugnis zwischen uns und
anderen Christen aussehen, die an die Unsterblichkeit der Seele Ich muß mich schon wundern, wenn bei uns in Europa einerseits
glauben und das Fundament bauen für Verkehr mit den Toten? Schwester White allgemein in den Hintergrund abgedrängt wird,
Oder mit Charismatikern, die den „Geist hoch leben lassen wol- sie aber andrerseits für proökumenische Bestrebungen plötzlich
len“, den Buchstaben aber als tot betrachten? - Gottes lebendi- herbeibemüht wird. Im großen Kampf, auf Seiten 444-445 ist ihre
ges Wort! Einstellung eindeutig antiökumenisch: Ökumenische Bestrebungen
ihrer Zeit, die sie dort anspricht, werden im Sinne der Entwicklung
Eine Mitgliedschaft in ökumenischen Strukturen, auch auf lokaler des Bildes des Tieres aus Off. 13:11ff ausgelegt. Die dort beschrie-
Ebene, ist unmöglich, weil das geforderte gemeinsame Chris- benen Einigungsbestrebungen gipfeln darin, daß solche Einigkeits-
tuszeugnis unmöglich ist. bemühungen schließlich mit Gewalt vorangetrieben werden. Die-
sen antiökomenischen Ton schlagen auch die übrigen Aussagen
Protestantische Theologie legt die Bibel historisch-kritisch aus. an, sie widerspricht sich nicht, indem sie einmal dies schreibt, dann
Göttliches, übernatürliches Eingreifen hat keinen Platz. Dieses das Gegenteil. Ihre Aussagen darüber, mit anderen Geistlichen zu
Denken ist vom Maßstab der reinen Vernunft geprägt. Diese durch- beten usw., liegen doch offensichtlich auf einer anderen Ebene
aus atheistische Bibelauslegung schließt schon im ersten Blatt der (persönliche Beziehungen). Wenn Babylon dabei ist, das Bild des
Bibel ein tatsächliches Schöpfungshandeln Gottes aus. Es wird Tieres zu errichten, ertönt die Dreiengelsbotschaft als Warnung.
als bloßer Glaube Israels angesehen oder mit der Ent- Die Dreiengelsbotschaft ist kein Auftrag, mit Babylon ein gemein-
wicklungslehre verknüpft. sames Zeugnis abzulegen. Die Forderung Babylons zu einem ge-
Damit ist von Anfang an einer Verkündigung der ersten Engels- meinsamen Zeugnis ist das Gegenstück zur Warnungsbotschaft
botschaft der Boden unter den Füßen entzogen. Hier wird aufge- der drei Engel aus Off. 14,6ff und dazu angetan, dieser letzten
rufen zur Anbetung des Schöpfers, der tatsächlich Himmel und Botschaft die Spitze zu brechen. Aber noch gibt es Wächter auf
Erde geschaffen hat, nicht im Sinne eines Jahrmillionenvorgangs, den Mauern Zions, die die Warntrompete blasen.
sondern im Sinne von Psalm 33:9:
„Denn so er spricht, so geschieht´s; so er gebietet, so steht`s da.“ Mein proökumenisches Credo
Mit der Vernunft als oberste Instanz der Bibelauslegung - es er-
folgt eine Entthronung Gottes und eine Inthronisierung der Ver- Wer meinen antiökumenischen Aufsatz gelesen hat, wird sich nun
nunft -, wird die göttliche Offenbarung verflüchtigt und der wahre über mein proökumenisches Credo wundern. Der Leser wird ge-
und wirkliche Sinn göttlicher Heilsgeschichte in Christus Jesus beten, beides in angelegter Spannung zu ertragen. Dieses schützt
verwirrt und entleert. vor Einseitigkeit, und ohne dieses Credo wäre dieses Positionspa-
Damit ist das Kennzeichen Babylons gegeben, die Verwirrung. pier einseitig.
Neuerdings wird im Protestantismus sogar die Homosexualität
wohlwollend und billigend betrachtet, ein Anzeichen sittlichen Ver- Ich glaube und bekenne:
falls. Die zweite Engelsbotschaft ruft uns nicht zu einem gemein-
samen Zeugnis mit Babylon auf, sondern verkündigt den Fall Ba- 1. Daß wir als Christen den Juden Respekt und Achtung zu zollen
bylons und ruft schließlich zum Auszug auf (Off. 14:8; 18:1-5). Seit haben: Zwar sind sie nicht unsere Brüder in Christo, so aber doch
wann ruft uns die Dreiengelsbotschaft zu einem gemeinsamen unsere „älteren Brüder“. Unser Herr stellt sie im Gleichnis des ver-
Zeugnis mit Babylon auf? lorenen Sohnes im älteren Bruder dar. Sie haben uns die Heilige
Schrift in hebräischer Sprache von Mose bis Maleachi überliefert.
45
Ohne sie hätte es die Heilige Schrift von Matthäus bis zur Offen- §2 Aufgaben. 2.1 Gegenseitige Information, Beratung und Zu-
barung des Johannes nicht gegeben und auch keine einzige christ- sammenarbeit im gemeinsamen Zeugnis, Dienst und Gebet.
liche Kirche. In Stimme der Übrigen, Nr. 7, 93 S. 12 Spalte 2 und 1 (Sachsen).
Eine Anwesenheit als Gast kann ich mir vorstellen mit Einbringen
2. Daß die katholische Kirche uns Siebenten-Tags-Adventisten in meines Christuszeugnisses, gemeinsames Zeugnis aber nicht.
ihrer konsequenten Haltung zum Gebot: Du sollst nicht töten, in
der Abtreibungsfrage tief beschämt, zumal in unseren eigenen 2 Vgl. Gegenüberstellung in: Pierre Lanarès, Wer wird die Welt
Reihen Euthanasiegedanken der Tötung vorgeburtlichen verkrüp- beherrschen, Saatkorn-Verlag Hamburg, Ss. 165-166
pelten Lebens im Umlauf sind, also Zugeständnisse zur Situa-
tionsethik erfolgen. 3 Besonders in baptistischen Kreisen begegnet uns eine solche
Epocheneinteilung von Gesetz=Altes Testament, Gnade=Neues
3. Daß die Pastoren und Seelsorger anderer Konfessionen, soweit Testament. Erlösungsgehorsam wird dort gern als Gesetzlichkeit
sie das Evangelium in Christo Jesu als solches verkündigen, Got- abgetan.
tes Wort in Christo Jesu predigen und daß die Gläubigen dieser
Kirchen echte Christen sind, soweit sie ihren Glauben an Jesus 4 Ein Blick in die einschlägigen Kommentare zeigt diese Auslegung
Christus bekennen und ausleben. auf Antiochus Epiphanes zur Zeit der Makkabäer. Als Christen sind
wir in guter Gesellschaft mit Christus selbst, der z.B. den Greuel
4. Daß die Mehrzahl der Edelsteine, also des wahren Volkes Got- der Verwüstung aus Daniel auf die Römer bezog und in der histo-
tes, nicht in unserer Gemeinde zu finden sind, sondern in „Baby- rischen Linie Rom vor Augen hatte, wie auch Johannes in Off. 13:5
lon“, wo die letzte Botschaft der Bibel sie herausruft (Off. 18). erkennen läßt. Matth. 24:15; vgl. Dan.9:27; 11:31; 12:11.

5. Daß die Bezeichnung „Babylon“ auf protestantische Kirchen nur 5 2.Petr. 1:19 aber: „Wir haben desto fester das prophetische Wort
insofern zutrifft, als das Evangelium seines Inhalts durch die ...“
Vernunftsreligion der historisch-kritischen Bibelauslegung entleert
wird. Wäre dies nicht der Fall, bestünde kein Anlaß, die Warnungs- 6 Ich denke hier an ein konfessionskundliches Seminar, wo das
botschaft des zweiten Engels aus Off. 14:8, an Babylon gerichtet, Bild eines Hauses entworfen wurde mit den Bäumen als Kirchen
zu erheben und eine solche Verwirrung des Evangeliums in Christo mit ihrem jeweiligen Sonderbekenntnis unter dem gemeinsamen
anzuprangern. Dach. Die Rede von der Einheit in Verschiedenheit wird durch die
völlige Andersartigkeit einzelner Bekenntnisse gesprengt: Der im
6. Daß der Heilige Geist weder von unserer Gemeinde noch von Geist enthusiastische Charismatiker, der das Wort als toten Buch-
irgendeiner anderen für sich zu beschlagnahmen ist. Als der „an- staben abwertet, paßt ebensowenig in eine Einheit in Ver-
dere Tröster“ und „Stellvertreter Christi“ auf Erden weht er wohin schiedenheit wie der Papst in einer adventistischen Versammlung,
er will und nicht wohin wir wollen. Im nichtchristlichen Ländern und die Eucharistie austeilend.
Religionen, wohin keine christlichen Missionare gelangen, wirkt
der Vater und der Sohn mit dem Heiligen Geist auf seine Weise. 7 Vgl. Studienheft zur Bibel, STA, Hirtenbriefe, 3/93, S. 78:
Wenn jemand in solchen fernen Ländern und in solchen fernen „Erkenntnis, (griechisch gnosis) nannte sich jene Weltanschauung,
Religionen nach dem „kleinen“ göttlichen Licht lebt, das er hat, in der Zeit der frühen Christenheit, jene Ideologie, die im Grunde
ohne Kenntnis der „Heiligen Schrift“, so hat Gott seine Rettung in ein großer Mischmasch von griechischen und vorderasiatischen
Christo Jesu vorgesehen, während ein Siebenten-Tags-Adventist Philosophien, Religionen und Geheimlehren, mancher Gedanken
im vollen Lichte der Wahrheit, soweit er sie nicht auslebt, eine sol- des Judentums und angeblich christlicher Bestandteile war.“ Zi-
che Rettung nicht für sich in Anspruch nehmen kann. tiert hier den Bibelkommentar Ed. C. Briefe an Timoteus und Titus,
7. Dieses Bekenntnis veranlaßt mich aber nicht, eine Mitgliedschaft Hänssler, Neuhausen.
in ökumenischen Strukturen anzustreben, welchen auch immer, Das Zusammenschmelzen einander fremder Elemente nennt man
zumal ein angestrebtes gemeinsames Zeugnis nicht möglich ist. Synkretismus. Eine solche synkretistische Gefahr besteht in der
Schon der Name Siebenten-Tags-Adventisten deutet einen Unter- Ökumene auf jeden Fall, zumal dort in engem Kontakt ziemlich
schied an, der sich im Sinne eines gemeinsamen Zeugnisses mit alle einander fremden Glaubenselemente zusammenprallen.
anderen Kirchen, bei aller Liebe in Christo Jesu, nicht verwirkli- Zur weiteren Übersicht über die Gnosis:
chen läßt. Rudolf Bultmann, Theologie des Neuen Testaments, Ss. 167ff,
Standardwerk,
Fußnoten: J. Schwital, Großkirche und Sekte, Ss. 167ff bekannt unter STA
Antignostische Passagen siehe 1.Tim. 6:20 (Gnosis genannt),
1 Richtlinien der regionalen ACK im Freistaat Sachsen, §2 Auf- 1.Tim. 4:1-5 ihre Schöpfungsfeindlichkeit und 1.Joh. 4:1-3 ihr
gaben. (u.a.) ... Weiterführen des gewachsenen Miteinanders und Doketismus (Christus mit Scheinleib). Gnostiker behaupten: die
Zusammenarbeit in gemeinsamem Zeugnis, Dienst und Gebet. wahren Christen zu sein. Sie sind ein Beispiel der ökumenisch-
Ob es sich um den ACK des Freistaates Sachsen handelt oder en synkretistischen Zusammenschmelzung aller religiösen Elemente
ACK in Deutschland e.V., ein Blick in die Satzung ergibt, daß in zwecks Errichtung einer Superreligion.
beiden Dokumenten das gemeinsameZeugnis betont wird.
Aus der Satzung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Winfried Stolpmann, Mölln
Deutschland e.V. §1 Grundlage. 1.1 Die unterzeichneten Kirchen
und kirchlichen Gemeinschaften in Deutschland bilden die Ar-
beitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland e.V. zu ge-
meinsamem Zeugnis und Dienst.

46
Ein Vergleich der sich lohnt!

Richtlinien Erklärung Erklärung Information Gott durch Gottes Wort


GK Euro-Afrika- Gemeinschaft Vereinigung E.G.White
Richtlinien der Division in Deutschland Sachsen
Jahressitzung der Mai 1992 im Zentralstelle für An Älteste zwecks
Generalkonferenz Adventecho Apologetik Mitglied-schaft im
1980 3.August 1993 ACK Sachsen,
24.6.93

Der Beirat für zwi- „... Folgende Gründe „I Warum Kontakte der „...Da uns die Richt- „Wir sollen uns mit den an- „Hüte dich, einen Bund
schenkirchliche Be- machen es der Ge- Gemeinschaft der STA linien der ACK Sach- deren verbinden und mit zu schließen mit den
ziehungen: meinschaft der Sie- zu anderen Kirchen und sen in keiner Weise ihnen gehen, und zwar so Bewohnern des Landes,
„1. Er empfiehlt der b e n t e n - Ta g s - A d - ökumenischen Gremi- einengen... hat der weit, wie es möglich ist, in das du kommst, da-
Generalkonferenz, ventisten nicht möglich, en?... Vereinigungsausschuß ohne irgendeinen Grund- mit sie dir nicht zum
bei Versammlungen, Mitglied des Ökumeni- in seiner Sitzung am satz aufzugeben. Dies Fallstrick werden in dei-
Kommissionen, Zu- schen Rates der Kir- 6. Mit anderen ver- 13.09.1992 gleichzeitig meint nicht, daß wir Mit- ner Mitte; sondern ihre
sammenkünften und chen (ÖRK) zu wer- binden, denn Babylons beschlossen, die Mit- glied ihrer Einrich- Altäre sollst du umstürzen
Beratungen anderer den... Fall liegt noch in der Zu- gliedschaft in dieser tungen und Vereine wer- und ihre Steinmale zer-
Kirchen in aller Welt Wir können keinem kunft ACK anzustreben den, sondern sie wissen brechen und ihre heiligen
gegenwärtig oder Streben nach Einheit Deshalb forderte sie: und einen lassen sollten, daß wir Pfähle umhauen; denn du
vertreten zu sein. zustimmen, das sich ´Wir sollen uns mit an- entsprechenden An- herzlichst mit der Absti- sollst keinen andern Gott
Entscheidungsbefug- nicht ausschließlich deren verbinden und trag zu stellen, was nenzfrage sympathisieren. anbeten...“
nis... nach dem geoffen- mit ihnen gehen, und auch geschehen ist... Wir sollen nicht isoliert für 2.Mose 34,12-14
barten Wort der Bibel zwar so weit, wie es Zur Begründung unse- unser eigene Kirche arbei-
3. Er ermächtigt zur richtet. Mit Sorge beob- möglich ist, ohne ir- res Antrages... ten... Wir sollten an der „Zieht nicht am fremden
Versendung von Ein- achten wir Tendenzen gendeinen Grundsatz Dabei wissen wir uns Spitze der Abstinenzre- Joch mit den Ungläubi-
ladungen durch die innerhalb des Ökumeni- aufzugeben.... Wir sol- im Einklang mit Rat- form stehen.“ gen. Denn was hat die
Generalkonferenz an schen Rates der Kir- len nicht isoliert für un- schlägen von Temperance 220 Gerechtigkeit zu schaf-
die Vorsteher der chen (ÖRK), die sich an sere Kirche arbei- E.G.White: ... „Jetzt und immer müssen fen mit der Ungerechtig-
nichtadventistischen unbiblischen Traditio- ten.‘(Temperance 220 ´Wir sollen uns mit an- wir uns als ein besonde- keit? Was hat das Licht
Religionsgemein- nen orientieren... ES) Denn der Fall deren verbinden und res und abgesondertes für Gemeinschaft mit
schaften, damit die Die zunehmende Öff- Babylons lag für sie mit ihnen gehen, und Volk vorstellen - ohne der Finsternis?... Was
Vertreter dieser Orga- nung des Ökumeni- noch in der Zukunft... zwar so weit, wie es Einschränkungen, die hat der Tempel Gottes ge-
nisation an Versamm- schen Rates der Kir- möglich ist, ohne ir- aus einer Verbindung mit mein mit den Götzen?...
lungen, Sitzungen chen (ÖRK) zum 2. Nein zur Mit- gendeinen Grundsatz denen kommen, die nicht Darum ´geht aus von
oder Kommissionen Katholizismus, seine gliedschaft im Öku- aufzugeben... Wir sol- über die Weisheit verfügen, ihnen und sondert euch
der Gemeinschaft der gegenwärtigen poli- menischen Rat der Kir- len nicht isoliert für un- die Ansprüche Gottes, die ab`, spricht der Herr;
Siebenten-Tags-Ad- tischen Verflechtungen chen... sere Kirche arbeiten.‘ in seinem Gesetz so deut- ´rührt nichts Unreines
ventisten teilnehmen sowie liberal-theologi- Unter ´Wahrung der ei- (Temperance 220 ES) lich dargelegt sind, anzu- an, so will ich euch
können. Entschei- sche und pluralistisch- genen konfessionellen ... erkennen. ... Es ist nicht annehmen...“ 1.Kor.6,14-
dungsbefugnis... religiöse Tendenzen Identität‘ sehen Ad- Begründung... nach Gottes Plan, daß 17
scheinen unsere Aus- ventisten daher unter wir uns mit denen ver-
6. Überall dort, wo es legung zu bestätigen anderem folgende 3. Unsere adventi- binden, die unseren „Prüft, was dem Herrn
nützlich sein könnte, (Offenbarung 13,11- Möglichkeiten der Zu- stische Position kön- Glauben nicht teilen, sei wohlgefällig ist, und habt
sollte die Anwesen- 18)... sammenarbeit: ... nen wir überzeugen- es gesellschaftlich oder nicht Gemeinschaft mit
heit eines adventisti- c. Gastmitgliedschaft der vertreten, wenn geschäftlich.“ Rev.a.H. den unfruchtbaren Wer-
schen Vertreters als Wir sind aber über- in der Arbeitsge- wir als Mitglied dabei 4.8.1904 ken der Finsternis;
Beobachter oder als zeugt, daß durch den meinschaft Christli- sind, und nicht nur „Laßt es nicht zu, daß deckt sie vielmehr auf.“
Mitglied in gewis- Ökumenischen Rat der cher Kirchen... unverbindliche Be- sich die Wächter auf den Eph.5,10f
sen Ausschüssen Kirchen (ÖRK) die von Es hat sich gezeigt, daß obachter. Den Kon- Mauern Zions ...der
oder Organisa- Jesus erbetene Einheit keine einzige Mitglieds- takt zu anderen Chri- Vereinigung der Untreue „Laßt euch von nie-
tionen gutgeheißen seiner Gemeinde nicht kirche des Ökumeni- sten wollen wir nicht anschließen - derjenigen mandem verführen mit
werden. verwirklicht werden schen Rates der Kir- halbherzig pflegen. des Papsttums und des leeren Worten; denn um
Es sollte sich dabei kann... chen (ÖRK) bis heute 4. Weil auch unser Wis- Protestantismus...“ABC dieser Dinge willen
um solche Aus- Wir sind deshalb zu bereit war, auch nur sen Stückwerk ist... 4,1141f kommt der Zorn Gottes
schüsse oder Orga- gemeinsamem Dienst eine einzige ihrer Leh- lassen wir uns von „S.T.A. müssen jetzt abge- über die Kinder des Un-
nisationen handeln, mit kirchlichen Orga- ren aufzugeben, um mit anderen gleichzeitig sondert und selbständig gehorsams. Darum seid
die nicht an eine be- nisationen bereit, wo anderen Kirchen mehr in Frage stellen... dastehen... Wahrheit und nicht ihre Mit-
stimmte Glaubens- dies unter Wahrung der Gemeinschaft zu ha- 8. Durch vertrauens- Irrtum können kein genossen.“ Eph.5,6f
gemeinschaft ge- eigen konfessionellen ben. Im Gegenteil es volle Kontakte zu An- Bündnis eingehen...Wir
bunden sind, wie Identität möglich ist. kam zu einer konfessio- dersgläubigen wird ei- sollen nach Einheit stre- „Geht hinaus aus ihr,
zum Beispiel ... reli- Dazu gehört... nellen Rückbesinnung ner möglichen Ent- ben, aber nicht auf dem mein Volk, daß ihr nicht
giöse Organisatio- und Gastmitglied- und Verfestigung.... wicklung zu Intoleranz niedrigen Niveau teilhabt an ihren Sün-
nen für den Frieden, schaft in den Ar- Adventisten wissen, und Bedrängnis vor- der...Verbindung mit den den und nichts emp-
theologische Kom- beitsgemeinschaften was sie wollen und was gebeugt. volkstümlichen Kirchen.“ fangt von ihren Plagen!“
missionen...“ Christlicher Kirchen.“ sie nicht wollen.“ 2 MCP 559 Offb.18,4
(= ACK)

47
Der konziliare Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und nicht auf die Kirchen begrenzt - sprach Papst Johannes Paul II. am
Bewahrung der Schöpfung 27. Oktober 1986 in Assisi in seiner Rede vor den dort versammel-
ten Vertretern der großen Konfessionen und Weltreligionen. Er
erklärte in pontifikalem Pathos, daß die geschichtliche Entwicklung
Einführung
der Menschheit nach dem Willen Gottes ´eine brüderliche Wande-
rung‘ sein solle, ´auf der wir uns gegenseitig begleiten zum tran-
Der „konziliare Prozeß“ oder zunächst als „Konzil des Friedens“
szendenten Ziel, das er uns gesetzt hat.‘
bezeichnet, spielt in der Ökumenische Bewegung eine außer-
Zweitens besteht ein wichtiger Unterschied darin, daß es bei den
ordentlich wichtige Rolle und kristallisiert sich als das eigentliche,
klassischen ökumenischen Konzilien bis in die Neuzeit hinein stets
zentrale Anliegen der Ökumene überhaupt heraus. In den letzten
um die Feststellung der kirchlichen Position zu Fragen der Lehre
50 Jahren hat kaum eine andere Zielvorstellung die Gemüter so
und des Ethos ging. Die heutigen konziliaren Verhandlungen und
vieler Christen - quer durch alle Bekenntnisse - in Aufwallung ver-
Zielsetzungen dagegen sind auf allgemein menschliche Fragen
setzt, wie die eines universalen Friedenskonzils.
ausgeweitet. Sie erstrecken sich vom gesellschaftlichen Bereich,
von Wirtschaft und Politik bis hin zu Fragen des Umweltschutzes.
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) im Freistaat
Es geht dabei also um Gebiete, die nach herkömmlichem theolo-
Sachsen führt in ihrer Satzung unter den Aufgaben (§ 2) mit auf:
gischen Verständnis unter die Zuständigkeit weltlicher Autoritäten
„Die Arbeitsgemeinschaft dient der ökumenischen Zusammenarbeit
fallen.
vor allem durch folgende Aufgaben...
Drittens liegt ebenfalls ein bedeutsamer Unterschied zwischen den
Fortführung des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden
bisherigen Konzilien und dem ´konziliaren Prozeß‘ in der Autoritäts-
und Bewahrung der Schöpfung.“1
ebene. Ein Konzil ist eine auf höchster Ebene einberufene Ver-
Die ACK auf Bundesebene leistete entscheidende Beiträge zu die-
sammlung von ranghohen kirchlichen Delegierten, die aufgrund
ser Thematik bereits im Jahre 1988 auf ihren Konferenzen in König-
eines rechtlichen Mandats dazu autorisiert sind, ihre Kirchen zu
stein/Taunus und Stuttgart, wobei die bedeutendste Füh-
vertreten und in deren Namen bindende Beschlüsse zu fassen.
rungspersönlichkeit im „konziliaren Prozeß“, Carl Friedrich v.
Der ´konziliare Prozeß‘ - wie er sich bisher dargestellt hat und sich
Weizäcker, beim letztgenannten Tagungsort als Hauptredner fun-
auch ganz bewußt versteht - ist dagegen eine Bewegung, die sich
gierte.
gleichzeitig auf allen Ebenen der kirchlichen Struktur vollzieht.
Gewiß trachtet man danach, die Kirchen auf ihren rechtlichen
Sowohl in Sachsen und anderen Bundesländern als auch auf Bun-
Entscheidungsebenen zu gewinnen, das heißt durch ihre Amtsträ-
desebene hat die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten
ger und kollegialen bzw. synodalen Gremien. Aber ebenso großen
die Mitgliedschaft in der ACK beantragt, wobei auf Bundesebene
Wert legt man darauf, eine Basisbewegung unter den Laien zu
„nur“ eine Gastmitgliedschaft vorerst in Betracht gezogen wird -
sein; deswegen regt man spontane örtliche Initiativen an. Hier sind
inzwischen sind wir Gastmitglied.
es insbesondere die sogenannten kirchlichen Basisgruppen, die
Damit hat die Gemeinschaft Anteil an den Zielen der ACK und
solche Anliegen wie die der Solidarität mit den Armen und Unter-
somit auch am „konziliaren Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und
drückten der Dritten Welt, des Pazifismus, des Umweltschutzes
Bewahrung der Schöpfung“.
und des Feminismus sich zu eigen gemacht haben. Dementspre-
Die entscheidende Frage ist, was mit diesen so biblisch klingen-
chend werben sie in den Gemeinden für ihre Sache, rufen zu
den Zielen und Begriffen eigentlich gemeint ist, und ob sich unse-
Sympathieerklärungen, zu Demonstrationen und Son-
re Gemeinschaft diesen Zielen anschließen kann und darf.
dergottesdiensten auf und stellen dies alles als die zeit-
entsprechende Verwirklichung des Glaubensgehorsams in der
1. Erklärung und wichtige Stationen des „konziliaren Prozes-
Nachfolge Jesu dar.
ses“
Durch eine Vernetzung dieser lokalen Aktivitäten und ihrer Träger-
gruppen entsteht eine andere Form von ökumenischer Bewegung,
1.1 Bedeutung des Begriffes „konziliarer Prozeß“
eine ´Ökumene von unten‘, die in elitärem Bewußtsein den An-
spruch erhebt, in Wahrheit die heutige Bekennende Kirche zu sein.
Professor Peter Beyerhaus arbeitet in seinem außerordentlich wich-
Durch Koordination und Vernetzung etabliert sie de facto eine neue
tigen Buch „Der konziliare Prozeß - Utopie und Wirklichkeit“ drei
Hierarchie, die ihre Autorität zunächst an den offiziellen Leitungs-
Unterschiede zwischen „konziliaren Prozeß“ und „Konzil“ heraus,
organen vorbei ausübt, schließlich durch moralischen Druck auch
um diesen Begriff zu erklären:
auf diese selbst und durch sie wiederum auf die Gemeinden.
„Erstens ist ein Konzil ein zeitlich fixiertes geschichtliches Ereignis,
In diesem Sinne stellen die bisherigen Forumsveranstaltungen und
das gewiß von jeweils unterschiedlicher Dauer sein kann, aber doch
Großkundgebungen des ´konziliaren Prozesses‘ eine Mischform
einen deutlich markierten offiziellen Beginn und offiziellen Abschluß
von kirchenpolitischer Basis-Initiative und kirchenamtlicher Reprä-
hat. Der ´konziliare Prozeß` dagegen ist ein Vorgang, der sich über
sentation dar. Das hat den Effekt, daß der ´konziliare Prozeß‘ wie
eine nicht absehbare Zeit hinzieht und einen durchaus offenen Aus-
eine Zangenbewegung gleichzeitig von unten und von oben nach
gang hat - von dem man allerdings hofft, daß er schließlich zu dem
den Gemeinden greift. Die hauptberuflichen und ehrenamtlichen
gewünschten Ergebnis führen werde.
kirchlichen Mitarbeiter können sich den moralischen Appellen und
In der Genfer Ökumene wird ein solcher Prozeß gerne als eine
den geistlichen Verpflichtungen, die nachdrücklich geltend gemacht
Wanderung zu einem zukünftigen Ziele beschrieben... Der
werden, immer weniger entziehen. Eine geschickte Strategie sorgt
´konziliare Prozeß‘ bezeichnet im Sinne des ÖRK also die gemein-
dafür, daß sich die Gemeinden früher oder später in den ´konziliaren
same Wanderung der Kirchen zu ihrem erhofften Ökumenischen
Prozeß‘ hineingenommen finden - oft bevor sie sich mit seinen
Konzil. Er soll Schritt für Schritt zu dem Ziel führen...: das univer-
Hintergründen und Zielsetzungen befassen konnten, ja, bevor sie
sale Konzil aller Kirchen als Beitrag zur Welteinheit.
den öminösen Begriff überhaupt bewußt zur Kenntnis genommen
Von einer gemeinsamen Wanderung - nun allerdings ausdrücklich
hatten.“2

48
1.2 Entstehung und Meilensteine des konziliaren Prozesses schließlich den (von anglikanischer Seite inspirierten) Namen
im Überblick ´Weltkonvokation der Kirchen für Gerechtigkeit, Frieden und Be-
wahrung der Schöpfung‘. Vorbereitet werden sollte diese Konfe-
Der Wunschgedanke eines universalen ´Konzils des Friedens‘ er- renz in mehreren Stadien, markiert durch regionale und nationale
langte seine eigentliche Breitenwirkung, als der bekannte Atom- Vorkonferenzen (Foren). Nach den Foren von Königstein 1988 und
physiker, Philosoph und Friedensforscher, Carl Friedrich von Stuttgart 1988 sollte die Europäische Ökumenische Versammlung
Weizäcker die Plattform des Deutschen Evangelischen Kir- ´Frieden in Gerechtigkeit‘ den einstweiligen Höhepunkt darstellen.
chentages in Düsseldorf 1985 benutzte, um seine Forderung pro- Sie fand vom 15. bis 21. Mai 1989 in Basel statt, in gemeinsamer
grammatisch und eindringlich wie folgt vorzubringen: Trägerschaft durch die Konferenz Europäischer Kirchen und den
„Wir bitten die Kirchen der Welt, ein Konzil des Friedens zu beru- Rat der Europäischen Römisch-Katholischen Bischofskonferenzen.
fen. Der Friede ist heute Bedingung des Überlebens der Mensch- Für diesen langen Weg, der in Seoul noch nicht enden soll, sowie
heit. Er ist nicht gesichert. Auf einem ökumenischen Konzil, das für die damit verbundenen Planungen und Bemühungen prägten
um des Friedens willen berufen wird, müssen die christlichen Kir- nun die Schrittmacher - um den ihnen so liebgewordenen Namen
chen in gemeinsamer Verantwortung ein Wort sagen, das die ´Konzil‘ nicht ganz fallenlassen zu müssen - den neuartigen Be-
Menschheit nicht überhören kann. griff ´konziliarer Prozeß‘. Schon seit der 5. Vollversammlung des
Die Zeit drängt. Wir bitten die Kirchenleitungen, alles zu tun, damit ÖRK 1975 in Nairobi waren die Worte ´Konziliarität‘ und ´konziliar‘
das Konzil so rasch wie möglich zusammentritt. Wir bitten die Ge- auf ein Handeln angewandt worden, das in die Richtung des
meinden, dem Aufruf zu einem Konzil durch ihre ausdrückliche schließlich anvisierten neuen ökumenischen Konzils wies.“4
Unterstützung Kraft zu verleihen.“3
Beyerhaus schließt hier an, um dann auf die Stationen des bis- Nach Seoul wurde der konziliare Prozeß 1991 in Canberra (Au-
herigen Verlaufes des Friedenskonzils einzugehen : stralien) auf der siebten Vollversammlung unter dem Thema:
„Wie v. Weizäcker berichtet, fand dieser Aufruf Unterstützung bei „Komm, Heiliger Geist, erneuere die ganze Schöpfung“ fortgeführt.
den Gemeinden und Kirchenleitungen der Evangelischen Kirche Unter abschließendem, tosenden Beifall konnte die koreanische
in Deutschland, beim Lutherischen Weltbund und bei einer Reihe Theologin Chung Hyung Kyung eines der beiden Hauptreferate
weiterer Kirchen und kirchlicher Organisationen, vorerst in Mittel- dieser Vollversammlung halten, wobei sie nicht nur ihren Götter-
europa. Durch zahlreiche Vorträge, Aufsätze, Fernsehauftritte und und Geisterglauben anpries, sondern sogar einen weiblichen Chri-
nicht zuletzt durch seine in Massenauflagen erschienenen Bücher stus vorstellte, nachdem sie schon zu Beginn ihrer Ansprache für
´Bewußtseinswandel` und ´Die Zeit drängt` (200.Tausend im Jah- Aufregung gesorgt hatte, indem sie die Geister Verstorbener mit
re 1988!) vermochte der Initiator des Düsseldorfer Aufrufes über einem Ritual anrief.
geographische und konfessionelle Grenzen hinweg Zustimmung Zudem nahmen 13 Vertreter nichtchristlicher Religionen teil - ein
für seinen Vorstoß zu gewinnen. Auch der Friedensgebetstag der weiterer Schritt zur Welteinheit.
Kirchen und Religionen, den Papst Johannes Paul II. im Jahre dar-
auf am 27. Oktober 1986 in Assisi veranstaltete, war das Echo auf 2. Die ökumenische Bedeutung von „Gerechtigkeit, Frieden
diese Initiative. und Bewahrung der Schöpfung“
Von Weizäcker war allerdings nicht der Urheber des Gedankens.
Schon zwei Jahre zuvor hatte der badische Ökumene-Referent Dr. 2.1 Bericht des Ökumenischen Rates der Kirchen
Ulrich Duchrow versucht, bei der 6. Vollversammlung in Vancouver
einen Antrag einzubringen, es solle ein ökumenisches Konzil des In dem Bericht des Vorsitzenden, Dr. Heinz Joachim Held, an die
Friedens einberufen werden. Gremien des Weltkirchenrates (ÖRK), über die Wegstrecke von
In beiden Fällen bezog man sich auf Dietrich Bonhoeffer. Es hatte Vancouver 1983 bis nach Canberra 1991, lesen wir zu Gerechtig-
schon am 28. August 1934 auf der Tagung des Ökumenischen keit, Frieden und Schöpfung :
Rates in Fanö (Dänemark) angesichts des herannahenden Krie- „13. ´Das Hineinwachsen aller Mitgliedskirchen in allen ihren Di-
ges die letzte verheißungsvolle Abwehrmaßnahme der Christen in mensionen in ein volles kirchliches, geistliches und politisches
einem ökumenischen Konzil erblickt, das den ´Frieden Christi aus- Engagement` für Gerechtigkeit, Frieden und das Wohl der Schöp-
ruft über dieser rasenden Welt‘. Bonhoeffer wiederum stand auf fung - so hieß es in Vancouver - ´muß zu den Zielsetzungen aller
den Schultern des großen Pioniers der Ökumenischen Bewegung, Programme des ÖRK gehören`. Auch damit ist eine Zielsetzung
des schwedischen Erzbischofs Nathan Söderblom, der schon die umrissen, die weit über den Zeitraum von Vancouver nach Can-
erste Weltkirchenkonferenz der Neuzeit, die er im Jahre 1925 nach berra hinausreicht. Doch ist klar zu erkennen, daß sie das Gesamt-
Stockholm einberief, als ein neues Konzil verstand. In kirchenge- anliegen vieler Programmabteilungen unseres Oekumenischen
schichtlicher Anspielung auf das 1600 Jahre zuvor zusammenge- Rates auf einen klaren Begriff gebracht hat und daß sie von allen
tretene erste Ökumenische Konzil bezeichnete Söderblom es als bejaht wird. So hat die Weltkonsultation über zwischenkirchliche
das ´Nizäa der Ethik‘. Hilfe, Flüchtlings- und Weltdienst, die im November 1986 in Larnaca
Die Anregung zu einem Ökumenischen Konzil im Interesse der auf Zypern unter dem Thema ´Diakonie 2000 - Nächste werden`
Friedenssicherung fiel also auf vorbereiteten Boden. Zugleich aber durchgeführt wurde, ein Verständnis der zwischenkirchlichen Hilfe
stieß sie gerade wegen solcher kirchengeschichtlicher Ambition entwickelt, das bewußt und entschieden mit dem Kampf gegen
auch auf ökumenische Widerstände. Insbesondere die römisch- Ungerechtigkeiten, Armut und Unterdrückung verbunden ist...
katholische und die orthodoxe Kirche verwahrten sich gegen die 14. Das Programm zur Bekämpfung des Rassismus hat sich weit
gewählte Terminologie... Die Genfer Leitung des Weltkirchenrates über sein allseits bekanntes Engagement gegen Unrecht des
wollte jedoch diese Anregung, die ihren eigenen Bestrebungen Apartheidsystems in Südafrika in den letzten Jahren in zuneh-
durchaus entspricht, nicht untergehen lassen. Sie beschloß da- mendem Maß mit dem Kampf anderer unterdrückter Bevölke-
her, für das Jahr 1990 in Seoul (Korea) eine ökumenische Ver- rungsgruppen um die Anerkennung ihrer Rechte befaßt... 1989
sammlung zu planen. Für sie wählte man nach einiger Diskussion veranstaltete das Programm zur Bekämpfung des Rassismus in
49
Darwin, Australien, eine internationale Konsultation mit Vertretern Dritte Welt-, Antiarpartheids- und anderen Basisgruppen und Ein-
der Ureinwohner aus aller Welt, auf der es um ihren Kampf um das zelpersonen mit gleicher Zielsetzung bis hin zu den Landes-
Recht auf Grund und Boden und damit um ihr Überleben ging. synoden.
Bezeichnenderweise stand diese Konsultation unter dem Thema Man fragt sich, ob noch die Kirchenleitungen das Schiff der Kirche
´Unser Land ist unser Leben - Bewahrung der Schöpfung, Ge- steuern oder ganz andere Kräfte, die immer wieder den kirchli-
rechtigkeit und Frieden‘... chen Entscheidungsgremien ihre Themen und Anträge aufdrän-
15. Die Vollversammlung in Vancouver hatte zu dem herkömm- gen und so Schritt für Schritt, über entsprechende Beschlüsse, an
lichen Engagement des Oekumenischen Rates für Gerechtigkeit Boden gewinnen.
und Frieden gleichsam auch offiziell das dritte Anliegen der Be- Aber was rechtfertigt diese große, teure und so arbeitsaufwendige
wahrung der Schöpfung hinzugefügt... politische Weltversammlung, und was ist ihr Ziel? Der ÖRK läßt
Diese dreigliedrige Formel für Ethik des Lebens im Sinne von Ge- vieles darüber im Nebel und weist auf Vancouver hin. Da steht in
rechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung hat sich inzwi- den Programmrichtlinien folgendes: Der Schwerpunkt (des
schen durchgesetzt, und die unauflösbare Verknüpfung dieser drei ´konziliaren Prozesses‘) sollte ´der christliche Widerstand gegen
Themen ist allgemein anerkannt. Dabei gewinnt die Überzeugung die dämonischen Mächte des Todes in Rassismus, Sexismus, wirt-
immer stärker an Boden, daß die Bewahrung der Schöpfung grund- schaftlicher Ausbeutung, Militarismus und Mißbrauch von Wissen-
legend für ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden ist...“5 schaft und Technologie sein‘.
Es geht also darum, christliche Widerstandsgruppen zu bilden, die
Schon aus diesem kleinen Ausschnitt wird deutlich, daß die zu- ´gegen die dämonischen Mächte des Todes in Rassismus, Sexis-
nächst biblisch klingenden Begriffe wie Gerechtigkeit und Frieden mus, wirtschaftlicher Ausbeutung, Militarismus und Mißbrauch von
sozialpolisch gemeint sind. Wissenschaft und Technologie‘ kämpfen. Was das in einzelnen
heißt, kann man in zwei Büchern nachlesen, die als ´Arbeitshilfen‘
2.2 Die politische Konzeption von Anbeginn für den ´konziliaren Prozeß‘ angeboten werden. Und weil U.
Duchrow maßgeblich das Programm für den ´konziliaren Prozeß‘
In Vancouver wurde der erste entscheidende Grundstein gelegt entwickelt hat, sollte man sehr aufmerksam verfolgen, was er vor-
und hier erfahren wir mit am deutlichsten, was „Gerechtigkeit, Frie- hat.
den und Bewahrung der Schöpfung“ bedeutet. Hochinteressant ist
dazu das Referat von Marie-Luise von Weitzel über die politischen Zum Beispiel schreibt er in seinem Buch ´Weltwirtschaft heute‘
Hintergründe des Friedenskonzils, das auszugsweise zitiert wird: folgendes: ´Im Kampf für Gerechtigkeit und Menschenwürde müs-
„...Fest steht, daß die Pläne für einen ´weltweiten Kampf für Ge- sen wir uns den Mächten der Unterdrückung widersetzen. Wir sind
rechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung` bereits 1982 aufgerufen, mit denen solidarisch zu sein, die für die Macht des
von einem Regionalbeauftragten für Ökumene und Weltmission in Volkes kämpfen, um durch die legitime Ausübung von Macht eine
der badischen Landeskirche, Ulrich Duchrow (Heidelberg), entwik- stärker partizipatorische Gesellschaft zu entwickeln... Daher soll-
kelt wurden, zunächst zur Bildung eines ökumenischen Netzes. In ten internationale Netzwerke zur Unterstützung von Kirchen ge-
diesem Basispapier heißt es: ´Wir wollen in Baden ein Netz knüp- stärkt und ausgeweitet werden... Diese Netzwerke helfen den Ar-
fen von christlichen Gruppen und Einzelnen, die den Zusammen- men, ihre Kräfte zu sammeln, um den Mächten der Unterdrückung
hang des Kampfes für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der zu widerstehen.‘
Schöpfung weltweit sehen und dabei zu handeln beginnen. Dabei Ernst Günter Vetter schrieb zu diesem Buch, vieles darin sei ´eine
sollen wir... nach gemeinsamer Abklärung als christliche Gruppe krause Mischung aus marxistischen und sozialistischen Gedan-
politisch gezielt handeln und deshalb mit politischen Gruppen für ken; sie offenbaren eine schlimme Unkenntnis moderner National-
Frieden, Ökologie und Dritte Welt kritisch, solidarisch zusammen- ökonomie und praktischer Wirtschaftspolitik‘. Für Duchrow schei-
arbeiten.` nen ´kommunistische Länder wie China und Kuba eher nachah-
1983 nahm Ulrich Duchrow seine Pläne und Programmrichtlinien menswerte Vorbilder zu sein als die freiheitliche Welt des Westens.
auf die 6. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen Diese sozialistisch-revolutionäre Zielsetzung ist auch in seiner Ar-
(ÖRK) nach Vancouver mit. Dort war er Redner und Mitarbeiter beit als Pfarrer und Regionalbeauftragter für Weltmission und Öku-
der Gruppe 6. mene in der badischen Landeskirche recht gut zu erkennen, nicht
Diese Gruppe empfahl dem Ausschuß für ÖRK-Programme fol- nur in der jahrelangen sehr massiven Propaganda gegen das Sy-
gendes: ´Die Mitgliedskirchen sind in einen konziliaren Prozeß stem in Südafrika, sondern auch in der Agitation gegen die Bun-
gegenseitiger Verpflichtungen (Bund) für Gerechtigkeit, Frieden und deswehr, gegen westliche Atomwaffen und gegen unser Wirt-
Integrität der ganzen Schöpfung einzubinden und sollen einen schaftssystem...
Arbeitsschwerpunkt der ÖRK-Programme bilden.‘ Einen kleinen Vorgeschmack von der Weltversammlung 1990 gibt
Erst im August 1985 gab der ÖRK-Zentralausschuß seine all- das Bundesmanifest, das von den verschiedenen Aktionsgruppen
gemeine Zustimmung dazu. herausgegeben wurde, die auf der 2. ökumenischen Versammlung
Bis zur Ankunft eines hauptamtlichen Mitarbeiters wurde U. für ´Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung‘ im No-
Duchrow im ÖRK zum ehrenamtlichen Berater bestimmt und be- vember 1986 in Siegen zusammenkamen.
auftragt, die erste internationale Konsultation über Gerechtigkeit, Als Herausforderung an das politische Handeln der Kirche wurde
Frieden und Bewahrung der Schöpfung vorzubereiten, die Anfang darin unter anderem folgendes genannt:
November 1986 in Glion stattfand. ´Eintreten gegen Weltraumrüstung; Absage an die Götzen Si-
Damit ist es U. Duchrow gelungen, seine Pläne und Strategien in cherheit und Abschreckung; Eintreten für Sicherheitspartnerschaft;
bezug auf den ´konziliaren Prozeß‘ weltweit durchzusetzen und Schritte zur Aussöhnung mit den Völkern der Sowjetunion und zum
auf die gesamte Kirche Einfluß zu nehmen. Auf der einen Seite Abbau des Antikommunismus; Unterstützung gewaltfreier
über den Weltkirchenrat und auf der anderen Seite über ein inzwi- Widerstandsformen und Anerkennung der Kriegsdienstverweige-
schen gebildetes ökumenisches Netz aus Friedens-, Ökologie-, rung als dem deutlicheren Zeichen des Christseins; Infragestellung

50
der Struktur der Militärseelsorge; Eintreten für die sofortige Stille- 2. Umgang mit Minderheiten (Ausländer, Asylbewerber)
gung aller Atomanlagen; Eintreten für umfassende und bindende Arbeitsgruppe Frieden I:
Sanktionen gegen Südafrika und das Eintreten für einen Schulden- Mehr Gerechtigkeit - Friedensförderung
erlaß zugunsten der Zweidrittelwelt.‘ 1. Aufgabe einer politischen Friedensordnung
Als Beispiel für dieses Handeln heißt es: ´Wir wollen aktiv für Boy- 2. Schuld- Buße - Umkehr: Versöhnung ehemals verfeindeter Völ-
kott- und Sanktionsmaßnahmen gegen die Republik Südafrika ein- ker
treten. Wir wollen beginnen, eine Sanctuary-Bewegung in der Bun- Arbeitsgruppe Frieden II:
desrepublik aufzubauen.‘... Weniger Gewalt - Friedenssicherung
Hierin wird deutlich, daß es sich um rein politische Fragen handelt, 1. Überwindung der Abschreckung, Abrüstung
und daß man die Worthülsen ´Gerechtigkeit, Frieden und Schöp- 2. Wehrdienst- und Kriegsdienstverweigerung
fung‘ jederzeit mit neuen Forderungen füllen kann...“6 Arbeitsgruppe Schöpfung I:
Der Mensch in der Schöpfung
2.3 Die ökumenisch-politische Ausrichtung der ACK Arbeitsgruppe Schöpfung II
Verantwortlicher Umgang mit Ressourcen und Energie.“8
Ganz im Sinne ihrer ökumenischen Satzung, leistete die ACK auf
Bundesebene entscheidende Beiträge für den „konziliaren Prozeß“. 2.4 Kritik wegen politischer Betätigung der Kirchen oder an
Der bekannte evangelische Theologe Walter Künneth schreibt: der Vermischung von Kirche und Staat

„Die konkrete Verwirklichung des vom Weltkirchenrat in Genf in- Sprachverwirrung


szenierten ´konziliaren Prozesses` der ökumenischen Bewegung
vollzog sich im europäischen Raum zunächst in drei Stufen. Künneth führt aus:
Der Trägerkreis war die westdeutsche ´Arbeitsgemeinschaft christli- „Um die kritischen Bedenken einer an das Bekenntnis gebunde-
cher Kirchen‘ (ACK), deren 120 Delegierte sich vom 13. bis zum nen Kirche zu verstehen, ist es notwendig, die Vieldeutbarkeit, die
16. April 1988 in Königstein im Taunus zur ´ersten Phase‘ eines sich der drei christlichen Zentralbegriffe ´Friede`, ´Gerechtigkeit`
ökumenischen Forums ´Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der und ´Schöpfung` bemächtigt hat, zu durchschauen und die daraus
Schöpfung‘ zur Vorbereitung der weltweiten Friedensversammlung resultierende Sprachverwirrung zu erkennen. Es wäre eine
in Seoul (Korea) versammelten. verhängnisvolle Selbsttäuschung, zu übersehen, daß diese Grund-
begriffe, die die Dokumentation beherrschen, keineswegs den ein-
Eine ´zweite Phase‘ fand ihren Niederschlag in dem konziliaren deutig-biblischen Gehalt ausprägen, sondern vielfältig schillernd
Forum in Stuttgart (20. bis 22 Oktober 1988) unter dem speziellen interpretiert werden - generell sozialpolitisch-humanitär und religi-
Thema ´Gottes Gaben - unsere Aufgaben‘, das sich in der ´Erklä- ös-ökologisch-kosmisch. Die aus dem biblischen Offenbarungs-
rung von Stuttgart 1988‘ konzentrierte. Sie enthält die ´Theologi- zeugnis stammenden und nur aus dem Blickwinkel des Glaubens
sche Grundlegung‘, die Analyse des Begriffs ´Gerechtigkeit‘, da- verständlichen drei Elementarbegriffe verwandeln sich zu Signa-
bei die Erörterung der Spezialfragen ´Entwicklungspolitik‘, len einer rein immanent anthropologischen Weltdeutung, die den
´Schuldenkrise‘, ´Rassismus‘, ´Rüstungsexport‘, ´Ausländische zentralen, christozentrischen Ermöglichungsgrund dieser Gottes-
Mitbürger/innen‘, ´Flüchtlinge‘, ´Aussiedler‘, ´Arbeitslosigkeit‘, so- gaben aus dem Blickfeld verloren hat. Die fundamentale Mißdeu-
wie den Ausblick auf künftige ´Handlungsschritte‘. tung der sprachlich gleichlautenden Begriffe führt daher zu einem
Als bisheriger Höhepunkt der konziliaren Bewegung gilt die Konfe- Prozeß fortschreitender Vernebelung. Ihr Resultat ist die Verfäl-
renz in Basel (15. bis 21.Mai 1989), auf der das grundlegende schung der dreifachen Zielsetzung:
´Arbeitsdokument‘ für die ´Europäische Ökumenische Versamm- ´Schöpfung‘ wird zu einem Sammelnamen für Naturschutz, ´Ge-
lung‘ entworfen wurde.“7 rechtigkeit‘ ist identisch mit sozialpolitischer Gesellschafts-
erneuerung, und ´Friede‘ bezeichnet das Ringen um eine von
Über die Tagung in Königstein, die wir als Beispiel herausgreifen Kampf und Krieg befreite Weltpolitik.“9
wollen, erfahren wir folgendes:
Grundsatzerklärungen und Bekenntnisse
„Laut Beschluß der Mitgliederversammlung der ACK einigte man
sich auf das Anliegen, ´die biblisch-theologischen, geistlichen und Der Theologe Künneth begründet den Konflikt mit dem biblischen
ethischen Aspekte des Themas zu entfalten... Das Forum soll dazu Bekenntnis durch Hinweis auf solide Fundamente:
dienen, zu einem gemeinsamen Zeugnis der beteiligten Kirchen in „Aufgrund dieser ideologisch-theologischen Prämissen und des
den Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöp- prinzipiellen Fehlansatzes, der durch die Sprachverwirrung bewirkt
fung zu helfen und Wege gemeinsamen Handelns aufzuzeigen. ist, vollzieht sich eine - erstaunlicherweise kaum in der Öffentlich-
Dieses Anliegen sollte in sechs Arbeitsgruppen aufgegriffen wer- keit wahrgenommene - Verschiebung im Grundgestein der christli-
den, um dann in einer zweiten Phase in Stuttgart zu einer gemein- chen Kirche. Es ereignet sich nichts Geringeres als die folgenschwe-
samen Erklärung zu führen. re Synthese zwischen Kirche und Welt, zwischen Kirche und Poli-
Folgende Themen wurden in Königstein behandelt: tik, zwischen Reich Gottes und Welterneuerung. Damit aber kommt
Arbeitsgruppe Gerechtigkeit I: es in eklatanter Weise zu einer Vermischung der ´Zwei Regimente
Gerechte Gestaltung auf nationaler Ebene Gottes`.
1. Internationale Solidarität und Entwicklungspolitik Nach Martin Luther wird das ´weltliche Regiment‘ ´mit Gottes lin-
2. Rassismus ker Hand‘ und das ´geistliche‘, ´kirchliche Regiment‘ durch Gottes
Arbeitsgruppe Gerechtigkeit II: ´rechte Hand‘ geleitet...
Gerechte Gestaltung auf nationaler Ebene Das Hören auf die Stimme der reformatorischen ´Zwei Reiche‘ oder
1. Arbeitslosigkeit ´Zwei-Regimenten-Lehre‘ ist heute allerdings nicht nur unbeliebt,
51
sondern erscheint anstößig und antiquiert. Angeblich muß ´hinter- kirchen... einen politischen Aktionismus zum Thema spezifisch
fragt‘ werden, ob diese reformatorische Tradition überhaupt noch kirchlicher Verpflichtung erheben. Damit ereignet sich ein radikaler
den zeitgeistgemäßen Anforderungen entsprechen kann. Die Ent- Bruch mit der Bekenntnisverpflichtung, die dazu verpflichtet, die
scheidung der reformatorischen Tradition, die sich in voller Über- kirchlich-pneumatische Dimension nicht mit der staatspolitisch-
einstimmung mit dem biblisch-apostolischen Zeugnis weiß, ist al- gesellschaftlichen Sphäre zu vermischen und dadurch eine sinn-
lerdings eindeutig: zerstörende Schwerpunktverlagerung des kirchlichen Aufgaben-
´Alle Obrigkeit in der Welt und geordnetes Regiment und Gesetze‘ bereiches zu bewirken. Die Eliminierung und Nichtbeachtung die-
sind ´von Gott geschaffen und eingesetzt‘. Das ´Evangelium‘ aber ser reformatorischen Entscheidung leitet einen inneren, sachlich-
´lehrt nicht äußerliches, zeitliches Wesen, sondern innerliches, theologischen Auflösungsprozeß, einen verwirrenden Szenen- und
ewiges Wesen und Gerechtigkeit des Herzens‘und ´stößt weltli- Rollenwechsel ein.
ches Regiment nicht um..., sondern will, daß man solches alles
halte als wahrhaftige Gottesordnung... in solchen Ständen gilt es Dazu folgende Einsichten: Zum ersten degradiert sich die Kirche
christliche Liebe und gute Werke, ein jeder nach seinem Berufe zu zu einer weltlichen Institution, zu einer moralisch-sozialen Orga-
beweisen... Deshalb sind die Christen schuldig, der Obrigkeit un- nisation unter ungezählten anderen derartigen Unternehmungen
tertan... Geboten und Gesetzes gehorsam... zu sein in allem, was der Öffentlichkeit, und zwar unter Verlust des wesenhaft christli-
ohne Sünde geschehen kann‘. chen Selbstverständnisses. Zum anderen verspielt die Kirche da-
In kompromißloser Eindeutigkeit trifft dazu ergänzend der Artikel mit die Einzigartigkeit ihrer transzendenten Dimension und paßt
28 der Confessio Augustana die schriftgemäße Fundamental- sich durch Vermischung von Gottesreich und Weltreich den unge-
entscheidung: ´Zum Trost des Gewissen‘ sind die ´Unseren ge- zählten diesseitigen Gestaltungsmöglichkeiten eines ideologischen
zwungen worden, den Unterschied der geistlichen und weltlichen Weltverständnisses an. Zum dritten verdirbt dieser Nivel-
Gewalt, Schwertes und Regimentes anzuzeigen und haben ge- lierungsprozeß beide Dimensionen, indem er die wesensspezifi-
lehrt, daß man beide Regimente und Gewalten, um Gottes Gebo- schen Verantwortlichkeiten von Staat und Kirche, die durch artei-
te willen, mit aller Andacht ehren und wohl halten soll als zwei gene, gegensätzliche Prämissen begründet werden, lähmt und in
höchste Gaben Gottes auf Erden... Denn das weltliche Regiment ihrer Wirksamkeit blockiert...
geht mit viel anderen Sachen um als das Evangelium... Darum soll Alle ´konziliaren‘ Dokumentationen werden charakteristischerweise
man die zwei Regimente, das geistliche und weltliche, nicht inein- von der Grundsatzfrage nach der Sachkompetenz der Kirche in
ander mengen und werfen. Denn die geistliche Gewalt hat ihren der Behandlung politisch-öffentlicher Tages- und Fachprobleme
Befehl, das Evangelium zu predigen und die Sakramente zu rei- herausgefordert. Die Einmischung der Kirche in diesen universa-
chen, sie soll auch nicht in ein fremdes Amt fallen...- weltliche Ge- len Fragenkomplex bietet ein klassisches Beispiel für das von Schrift
setze nicht aufheben und zerrütten, soll ... nicht Gesetze von weltli- und Bekenntnis verworfene ´Eingreifen in ein fremdes Amt‘, das
chen Händeln machen und aufstellen, wie ... auch Christus selbst sowohl zu einer Entartung und Verfälschung des kirchlichen Dien-
gesagt hat‘. Johannes 18,36: ´Mein Reich ist nicht von dieser Welt‘. stes als auch zu einer widerchristlichen Infragestellung der
Diese Bekenntnis-Sätze mögen allen, die dem Bann des Zeitgei- gottgewollten Weltordnung führt. Dazu eine zweifach kritische Fest-
stes verfallen sind, allzu konservativ und altmodisch erscheinen, stellung:
entsprechen jedoch uneingeschränkt dem biblischen Zeugnis. In Erstens handelt es sich bei solcher Grenzüberschreitung der Kir-
klarer Übereinstimmung mit dem reformatorischen Zeugnis urteilt che um eine Entmächtigung der legitimen Ordnungsträger und
daher auch die ´Barmer Theologische Erklärung 1934‘: politischen Instanzen, welchen Namen sie auch immer in der de-
´Die Schrift sagt uns, daß der Staat nach göttlicher Anordnung die mokratischen und sozialistisch-autoritären Landschaft tragen mö-
Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche gen... Zweitens begegnet uns in diesem Zusammenhang die An-
steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen maßung weltlicher Sachautoritäten durch kirchliche Amtsträger und
Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht Verantwortliche. Damit ereignet sich eine Usurpierung eines ´frem-
und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht den Amtes‘ durch Bevollmächtigte der Kirche ohne Sachwissen
gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert und Sachauftrag. Gerade die Veröffentlichungen zum ´konziliaren
an Gottes Reich und Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit Prozeß‘ bieten eine Überfülle von Beispielen, welche die groteske
an die Verantwortung der Regierenden und Regierten... Wir ver- Inkompetenz der Kirche zur Beurteilung der speziellen Fach-
werfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über probleme enthüllen.“11
ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufga-
ben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Die Sicht der Siebenten Tags Adventisten zu Glauben und
Organ des Staates werden.‘... Politik
Es gehört zu den Verwirrung stiftenden Irrtümern im Denkansatz
der ´konziliaren‘ Proklamation, zwischen zwei Phänomenen nicht Eigentlich sollte es jedem STA und vor allem der Leitung bekannt
sauber zu unterscheiden: zwischen der offiziellen Sendung der sein, daß wir durch die Einrichtung unserer Gemeinschaft „Gewis-
Kirche als Institution (corpus Christi), welche gemäß Schrift und sen und Freiheit“ ausdrücklich für eine Trennung von Kirche und
Bekenntnis im Namen Gottes den Menschen Gesetz und Evange- Staat eintreten. Wir wissen besser als jede andere Gemeinschaft,
lium zu verkünden hat, und der persönlichen politischen Ver- was aus der Verbindung Kirche und Staat im Mittelalter folgte und
antwortung des einzelnen Christen...“10 noch einmal im weltweiten Ausmaß in Erscheinung treten wird,
prophezeit als das Bild des Tieres.
Bruch und Verleugnung des Bekenntnisses In der Grundsatzerklärung unserer Vereinigung „Gewissen und
Freiheit“ heißt es deshalb:
Noch einmal soll Walter Künneth zu Wort kommen: „Wir glauben an die Religionsfreiheit in der Überzeugung, daß die-
„Ganz anders verhält es sich, wenn eine Landeskirche, eine Frei- ses göttliche Recht unter besseren Bedingungen ausgeübt wer-
kirche oder eine Gliedkirche eines Kirchenbundes sowie die Welt- den kann, wenn Kirche und Staat voneinander getrennt sind.

52
Wir glauben, daß die Regierung von Gott geschaffen worden ist, letzten Ursachen und Zusammenhängen der Welt. Für ihn stellt
um die natürlichen Rechte des Menschen zu schützen und um die die Natur stets die Frage nach dem Geist, nach einem universalen
weltlichen Angelegenheiten gesetzlich zu regeln; und daß sie auf Prinzip.
diesem Gebiet ein Recht auf den respektvollen und freiwilligen Herkunft, Wesen und Entwicklung der Natur waren ihm deshalb
Gehorsam eines jeden hat... der Schlüssel zur Schau der Wirklichkeit als Ganzheit.
Wir glauben, daß jede Gesetzgebung oder jede andere Regie- Welche Zusammenhänge ergeben sich, wenn wir die Geschichte
rungshandlung, die Kirche und Staat vereint, potentiell den Keim der Erde, ja des ganzen Kosmos bis in ihre fernste Zeit zurück-
von Verfolgungen in sich birgt, den Interessen von Kirche und Staat verfolgen? ´Wie kommt es vom Urnebel über dem Planeten Erde,
entgegensteht und den Menschenrechten schaden kann.“12 über Pflanzen und Tiere bis zum denkenden, wollenden, lieben-
den, leidenden Menschen?‘ Die Zielgerichtetheit der Naturent-
Können wir einerseits den Staat bitten, Kirche und Staat nicht zu wicklung bis zu sehr ´hohen‘, ´guten‘, ´schönen‘, ´wertvollen‘ For-
vereinen und andererseits uns einer Organisation wie dem ACK men, also die Entwicklung der Natur zu ihrer Bewußtseinsfähigkeit
anschließen, die beides verbindet? fragt nach dem Geheimnis der Welt, nach der Verbindung von ´Geist‘
Und wie schreibt doch unsere Botin in dem allseits bekannten Buch: und ´Natur‘.
Diener des Evangeliums: Von scheinbar ganz anderer Seite fließt ein Deutungsmuster für
„Der Herr möchte, daß sein Volk politische Fragen übergehe. Bei die Spannungen, die sich innerhalb des abendländischen Den-
diesen Dingen ist Schweigen Beredsamkeit... Wir haben uns auf- kens mehr und mehr zeigen, in diese Überlegungen ein. Von Wei-
nehmen lassen in das Heer des Herrn und sollen nicht auf des zäcker findet während einer Indienreise im Jahre 1969 den schon
Feindes sondern auf Christi Seite kämpfen, wo wir in Gefühlen, länger gesuchten Kontakt mit indischer Weisheit. Am Grab des
Handlungen, Geist und Gemeinschaft ein vereintes Ganzes bilden Maharshi öffnet sich ihm eine Erfahrungswelt, die das alte Para-
können... digma (Denkrahmen, Denkvorstellung, ES) aufbricht. Die alten
Lehrer in der Gemeinde oder an der Schule, die sich durch ihren Spannungen zwischen Wissenschaft und Religion, Denken und
Eifer in Politik auszeichnen, sollten ihrer Arbeit und ihrer Ver- Erfahrung scheinen hier zu einem ganzheitlichen Weltbild zu-
antwortlichkeiten sofort enthoben werden; denn der Herr wird nicht sammenzuschmelzen. Er berichtet:
mit ihnen wirken. Der Zehnte sollte nicht benutzt werden, um ir- ´Als ich die Schuhe ausgezogen hatte und im Ashram vor das Grab
gend jemand zu bezahlen, der Reden über politische Fragen hält. des Maharshi trat, wußte ich im Blitz: ´Ja, das ist es.‘ Eigentlich
Ein Lehrer, Prediger oder Leiter in unseren Reihen, der von dem waren schon alle Fragen beantwortet... Danach saß ich neben dem
Verlangen getrieben wird, seine Meinungen über politische Fra- Grab auf dem Steinboden. Das Wissen war da, und in einer hal-
gen kundzutun, sollte sich zur Wahrheit bekehren lassen oder sei- ben Stunde war alles geschehen. Ich nahm die Umwelt noch wahr,
ne Arbeit aufgeben... Die als Erzieher, Prediger oder Arbeiter in den harten Sitz, die surrenden Moskitos, das Licht auf den Stei-
irgendeinem Zweig in Gottes Reichssache wirken, haben in der nen. Aber im Flug waren die Schichten der Zwiebelschalen durch-
politischen Welt keine Schlachten zu liefern. Ihr Bürgerrecht ist im stoßen, die durch Worte nur anzudeuten sind: ´Du‘- ´Ich‘-´Ja‘. Trä-
Himmel; der Herr beruft sie zu einem abgesonderten, heiligen Volk... nen der Seligkeit. Seligkeit ohne Tränen.“14
Gott verlangt nicht, daß wir unsern Einfluß geltend machen, indem An anderer Stelle wird Weizäcker noch wie folgt zu diesem Erleb-
wir uns mit der Welt verbinden und uns mit politischen Fragen be- nis zitert: „Ich war jetzt ein völlig anderer geworden... Mit unendli-
fassen, sondern indem jeder persönlich als ein Teil eines großen cher Sanftheit verließ mich langsam die Erfahrung in den kom-
Ganzen dasteht mit Christuo als unserm Haupt... Eine jegliche menden Tagen und Wochen. Ihre Substanz ist immer bei mir.“15
Verbindung mit Gottlosen oder Ungläubigen, die uns ihnen gleich- Bernick führt weiter aus:
stellt, ist durch das Wort verboten. Wir sollen von ihnen ausgehen „In dieser Erfahrung erscheint ihm plötzlich die Polarität der Wirk-
und uns absondern. Auf keinen Fall dürfen wir uns mit ihnen in lichkeit als ein nur vorletztes Denkmuster, das in einem überge-
ihren Arbeitsplänen verbinden.“13 ordneten System Teil eines Ganzen wird. ´Frieden`breitet sich im
Bewußtsein des Denkers aus.“16
3. Der synkretistisch-pantheistische und okkulte Hintergrund
des „konziliaren Prozesses“ 3.2 Der philosophische Hintergrund der konziliaren Vision
Eine kosmische Evolution in 4 Bildern
3.1 Der spirituelle Vater des „konziliaren Prozesses“
Bernick beschreibt ausführlich die konzilare Vision Weizäckers, die
Wie schon angeführt, spielt Carl Friedrich von Weizäcker eine ent- den Ausweg aus der Weltkrise weist:
scheidende Rolle beim „konziliaren Prozeß“ und verhalf diesem „Dabei hat die konziliare Vision aus alten Quellen eine Schau ent-
zu einem enormen Durchbruch. wickelt, die Fortschritt und Rückschlag, Erfolge und Niederlagen,
Bevor man eine neue Lehre oder eine neue Idee annimmt, wird westliches und asiatisches Denken als Entwicklungsphasen hin
sich jeder ernsthafte und treue Christ mindestens zwei wichtige zu einem vollkommenen Verstehen und Leben sieht: Auf dem Hin-
Fragen stellen: Stimmt diese Idee mit den grundsätzlichen Aus- tergrund der platonischen Ideenlehre vermutet v.Weizäcker eine
sagen der Schrift überein (nach Gesetz und Zeugnis) und wer ist kosmische Evolution mit einer durch die ´Idee` gleichsam ´gene-
der „Vater dieser Idee“, aus dessen Innern diese Lehre entstan- tisch` vorgegebene Orientierung. Sie umfaßt alle Kräfte des Kos-
den ist - denn an den Früchten sollen wir den faulen vom guten mos und dokumentiert in der Evolution des Bewußtseins die un-
Baum unterscheiden. sichtbare Orientierung der Natur(Gestalt, s.u.).
´Evolution‘ meint hier nicht die neuzeitliche kosmogonische Theo-
Zunächst wollen wir uns dem letztgenannten Punkt zuwenden: Wer rie, sondern ein Denkmodell, das mindestens aus der Antike stammt
ist Carl Friedrich von Weizäcker? Dieser Frage ist Pastor Harm und eine Erklärung für die Herkunft, das gegenwärtige Funktionie-
Bernick nachgegangen und berichtet folgendes: ren und die Zukunft aller Wirklichkeit im Rahmen eines pantheisti-
„Von früher Kindheit an verfolgt v. Weizäcker die Frage nach den schen Naturprinzips geben will. Es ist dem Weltbild des hellenisti-
53
schen Synkretismus entnommen. Anstelle eines Schöpfers wird stalt‘ immer erkennbarer als das dieser Theorie entsprechende
aufgrund der teleologischen (zielorientierten) Entwicklung der Na- Bewußtsein. Die Materie trägt ihr Ziel (Idee) in sich und doku-
tur ein Vernunftprinzip als Ausdruck eines Geistes angenommen. mentiert es selbst in der Richtung ihres Gestaltwandels. Daß dies
Dennoch handelt es sich um eine religiöse Vision. Leitgedanke die- zum Bewußt-Sein wird, ist schon Evolution des Geistes...
ses Modells ist die Zielgerichtetheit aller Natur auf einen Punkt Dieser Bewußtseinswandel ist in einer oberflächlichen Bewegung
hin, der nur in seinen Vorstufen (´Gestalt‘, s.u.) als solcher noch unter dem Begriff ´New Age‘ bekannt geworden.
nicht erkennbar ist. Wie aus dem Ei über die Larve und dann durch In dieser platonischen Philosophie begegnet uns gleichsam eine
das Stadium der Puppe endlich ein Schmetterling wird, der mit ontologische (Seins- ES) Theorie für die Harmonisierung wider-
keiner seiner Vorstufen wirkliche Ähnlichkeit hat, so geht alle Natur streitender Ideen, eine weltanschauliche Begründung für den Syn-
auf ein ihr eingeprägtes Ziel zu, dessen zur Zeit größte Annähe- kretismus als Wahrheit.
rung im Bewußtsein des Menschen zu sehen ist... 4. Phase: Die Vollendung. Dies ist die unerreichte Vollkommenheit,
Der hierin enthaltene Entwicklungsgedanke ist ...(siehe Zeichnung die Harmonie, in der das Ende dem Ursprung gleicht. Die Vollen-
ES) schematisch dargestellt. Dabei beschreibt der Kreis in vier dung ist die real existierende ´Idee‘. Sie spiegelt die Einheit und
verschiedenen Gestalten vier Entwicklungsstufen des Kosmos. Er Ganzheit (Kreis) wider. Sie führt die vielen Menschen zu der einen
selbst symbolisiert die Ganzheit... Menschheit zusammen. Das Ziel der Evolution ist die völlige Ein-
Die 1. Phase stellt eine Art Urzustand dar. Man nennt dies die heit der Menschheit.“17
´Idee‘. Es ist die Einheit des Ganzen, und es gibt nichts, was au-
ßerhalb dieser Einheit gedacht werden kann. Die ´Idee‘ ist beschrie- Synkretistisches Gedankengut
ben als das ´Gute, Wahre und Schöne‘, als ´Ganzheit, Harmonie‘
und das ´Eine‘... Bernick zeigt nun die Grundlage der ökumenischen Denk- und Ziel-
2. Phase: Die ´Gestalt‘. Der Kreis zerfällt in Segmente. Wenn man richtung auf, die alle Religionen und Ideologien mittels Dialog ver-
auf die Trennungslinie, also den Unterschied in den Teilen des einigen will:
Ganzen, sieht, so zeigt das gegenüberliegende Teilstück wie im „Bilden der Geist und seine Erscheinungsform - die Natur - eine
Puzzle stets das ´Gegen-Teil‘ der eigenen Kontur. Ihre heimliche entwicklungsgeschichtliche Einheit, so muß es möglich sein, die-
Zusammengehörigkeit wird durch die Betrachtung des Gegenübers se Einheit schon jetzt unter der verschiedenartigen Gestalt zu er-
nichts erkennbar. Das ist die erkenntnistheorethische Beschrän- kennen. Von Weizäcker führt dies an den Hochreligionen vor: Der
kung des geschlossenen Weltbildes. Hinduismus hat diese ´Wahrheit` in der Karma-Vorstellung einer
Was geschieht hier? Die ´Idee‘ tritt als sichtbare Erscheinung auf. zyklischen Weltgeschichte aufgefaßt. Der Mensch ´hat durch die
Dies geschieht nach platonischer Auffassung unter dem ´Opfer‘ Kette seiner Existenzen das Ziel der Vereinigung mit der einen
der Gestaltwerdung; dies kann man mit der Verpuppung der Wirklichkeit`. Der Buddhismus lebt diese religiöse Idee am
Schmetterlingslarve vergleichen. Aber ein weiteres kommt hinzu: kongenialsten, wenn er nicht mit einer Lehre auftritt, sondern den
Im Wandel aus dem geistigen Bereich in die Sichtbarkeit tritt ein Menschen mit dem ´Sieh selbst!` auf die eigene Suche nach der
´Verlust‘ ein - der Geist verläßt die Einheit und beginnt den ´Ab- Überwindung des ´Durstes`, der ´nach ständiger Erfüllung gier-
stieg‘ zur Vielfalt. Der ´Geist‘ verwirklicht sich in der Gestalt und enden Daseinsangst`, schickt. In der ´Selbst`-Orientierung des
erscheint dadurch verschieden und gegensätzlich in seinen For- Menschen kommt das Programm des Geistes selber zum Durch-
men... bruch. Konfuzius hat die Wirklichkeit als ´Grundschema` einer reli-
Die ´Differenzierung‘ gilt jetzt als Forschungsmethode. Sie ist der giösen Ordnung interpretiert, ´im Sinne der kosmischen Harmonie
Weg zur Wahrheit. Der Forschungsgegenstand wird solange in Teile von Himmel und Erde, auf welcher alle irdischen Verhältnisse ab-
zerlegt, bis er in seine Ur-Teile zerfällt. Erst dann kann die Sache zustimmen sind`. Das Judentum hat in der ´Erwählung` das Sym-
´beurteilt‘ werden. Im Gefolge dieses Denkens haben wir eine un- bol einer optimalen ethischen Weisung aufbewahrt.
überschaubare Fülle von Theorien erhalten. Sie differenzieren in Die Natur ist Element und Durchgangsstufe eines umfassenden
dieser Phase Denkansätze bis zur Polarität: Die hier entstande- Evolutionsprozesses des Geistes und entwickelt sich stufenweise
nen Erkenntnismethoden können Unterschiede zunächst einzig als aus dem dumpfen, unbewußten Zustand zu sich selbst, es ist der
Gegensätze verstehen. Dies ist das polare Zeitalter. In ihm werden ´Geist, der sich noch nicht als Geist kennt.‘
in der Folge eine Fülle von Unvereinbarkeiten ´wissenschaftlich‘ Die Quantentheorie bietet dabei eine Öffnung des abendländischen
festgestellt... Denkens zu dieser Vision hin: ´Sie ist...holistisch, ganzheitlich. Sie
3. Phase: Der Konsens. Das Schaubild zeigt, was jetzt geschieht: leugnet die Endgültigkeit aller Teilungen‘...
In jedes Segment ist - gleichsam als eine Art ´Kernzelle‘- das Bild Als weltbildlicher Rahmen ergibt sich dabei ein ´spiritualistischer
des Ganzen eingeprägt. Monismus‘, der in der Lage ist, Quantentheorie, europäische Phi-
Das Konfliktmuster der zweiten Phase führt in immer höherem Maß losophie und buddhistische Interpretation zusammenzuschauen...
in Unausweichlichkeiten. Die Unverträglichkeit menschlichen Den- 2. Die konziliare Vision sucht angesichts der Aporien (logische
kens und Tuns wird zur Gefährdung. Hier tritt als Folge einer uni- Schwierigkeiten ES) des wissenschaftlichen Weltbildes und der
versalen Ermüdung des polaren Weltbildes der Paradigmenwech- Gefährdung der Lebensbedingungen nach einem integrativen
sel ein: in einem universalen Bewußtseinswandel bereitet die Evo- Weltmodell, das das konfrontative Denken und Tun des Menschen
lution den nächsten Schritt vor. Der Mensch erkennt das Neue: in den Rahmen einer übergeordneten Harmonie auflösen und Ziel-
Das Verschiedene ist in Wahrheit Eines. So wie der Betrachter sich daten für ein ´neues‘ Denken und Handeln gibt.
von der Fixierung auf ein einziges Puzzle-Teil löst und nun das 3. Im Übergang vom polaren zum ganzheitlichen Weltbild filtert die
Bild als das Ganze zu erkennen sucht, so öffnet sich jetzt der Er- konziliare Vision gleichsam vorausschauend den aus der Gestalt
kenntnisrahmen. Nicht die ewig verfehlte Gleichartigkeit aller Teile, der Ideologien und Religionen noch nicht selbst erkennbaren ´ge-
sondern eine übergeordnete Einheitlichkeit ihrer Gegensätze er- meinsamen Nenner‘ heraus. Diese Gemeinsamkeit ist ihre morali-
geben das Ganze. sche Leistungsfähigkeit.
Im Fortschreiten der Evolution entfaltet sich die ´Idee‘ in der ´Ge- 4. Das Religionsverständnis wird funktional. Es betrachtet den Text

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als Urkunde einer Theorie. Die historisch-kritische Fragestellung Konfliktaustrag.
hat für die christliche Theologie dieses Verständnis vorbereitet und 2. Phase: Der Sündenfall beginnt mit der ´Hochkultur‘, die als Mas-
öffnet so den Text für seine synkretistische Interpretation. Die sengesellschaft zunehmend in Machtstrukturen lebt und die Insti-
konziliare Vision befragt menschliches Bewußtsein - und mit ihm tution des Krieges entwickelt, um die antagonistischen Wi-
die Bibel - auf Koordinaten für eine kosmische Harmonie hin.“18 dersprüche ihres Systems zu lösen.
3. Phase: Die Erlösung kommt im Ethos auf dem Weg der Reli-
Die Relativierung der Wahrheit und ein markantes Gleichnis gion: ´In der mythischen Selbstwahrnehmung der früheren Kultu-
für die ökumenischen Bemühungen ren spiegeln Götterkämpfe die Kämpfe der Mächte. Götterkämpfe
spiegeln auch Kulturrevolutionen - die Zuwendung zu einem neu-
Anschaulich beschreibt Harm Bernick: en Gott, der das Heil, den Frieden zu bringen verspricht. Die Erlö-
„Konsequenz der konziliaren Vision ist die Überzeugung, daß nie- sung zeigt sich in der ´wohl größten Wandlung des menschlichen
mand die Wahrheit kennt oder gar hat, sondern daß sie sich nur im Selbstverständnisses vor der europäischen Neuzeit‘, die unter
gemeinsamen Bemühen möglichtst vieler diskursiv (begrifflich anderem ´die religiöse Erfahrung der jüdischen Propheten und der
schlußfolgernde Erkenntnisart, Gegensatz zu intuitiv ES) zeigt.... griechischen Philosophie, Zarathustras, der Upanischaden und
In einem ersten Gleichnis betrachten wir den theoretischen Aspekt Buddhas, des Taoismus... und die Staatsmoral des Konfuzius‘ her-
der Relativität im Wahrheitsbegriff: vorgebracht haben. Gegen die wuchernde Macht tritt in ihnen al-
Fünf Menschen leben seit ihrer Geburt in einer Höhle, haben nie- len das Ethos auf. Der Fortgang dieser ´Heils‘-Geschichte ist also
mals das Tageslicht gesehen und kennen folglich nur das Innere die ganzheitlich evolutive Durchsetzung des Ethos. Die Erlösung
der Höhle. Jeder von ihnen hat nur einen der fünf Sinne. Jeder geschieht in der Einigung aller menschlichen Kreativität, Intuition
Sinn ist nur einmal vorhanden: einer verfügt über den Seh-, ein und Taten. In diesem Zuge entwikkelt der Mensch Konvergenz-
zweiter über den Tast-, ein dritter nur über den Hörsinn, usw. Eines modelle und diskursive Denk- und Lebensformen.
Tages beginnt in der Höhle Wasser zu steigen. Es bleibt nur eine 4. Phase: Die Vollendung zeigt sich in der aus allen Religionen
Alternative: entweder geht die Gruppe ein Wagnis ein und beschrei- selektierten anthropologischen Grundkonstante. Sie ist in den Re-
tet einen völlig unbekannten Weg - oder sie kommt um. Die fünf ligionen aufbewahrt. Sie zu ermitteln, ist die entscheidende ´theo-
treten an den Ausgang, und der Tastende ertastet das Ende der logische‘ Aufgabe des ´konziliaren Prozesses‘. Es gilt, sie unter
Höhle: Das Gestein endet und dann kommt ´nichts‘ mehr. Wäre er dem Überlebensdruck der Gegenwart in dem ´Einen‘ (Hinduismus),
auf sich selbst gestellt, müßte er sich also in das ´Nichts‘ stürzen. dem ´Du selbst‘ (Buddha), der ´kosmischen Harmonie‘ (Konfuzi-
Aber der Sehende beschreibt das ´Nichts‘: eine weite Ebene und us) und im ´Guten‘ (Juden- und Christentum) zu erkennen.
in einiger Entfernung eine Art ´Gestell‘, das er im Rahmen seiner Wir sehen hier eine mit einer regelrechten ´Ur‘-, ´Sünden-‘,
Höhlenerfahrung noch nicht als ´Baum‘ ausmachen kann. Sie ge- ´Erlösungs-‘ und ´Reichslehre‘ ausgeformte Heilsgeschichte. Cha-
hen einige Schritte vor. Der Hörende hört ein von hinten heranna- rakteristisches Merkmal ist, daß der Mensch sich selbst einen
hendes Raubtier, das die Gruppe bedroht. Nur er kann die ande- umfassenden Heilsweg erstellt. Es kommt die Frage auf, ob sich
ren warnen, usw. nicht hier eine Art religiöse Evolution vollzogen hat, die das ungebro-
Alle fünf Leute sind aufeinander angewiesen. Und es wäre völlig chene Heidentum nach der Integration des Christentums wieder
verfehlt, wenn sich die Gruppe vor der Höhle niederlassen und reproduziert - nachdem dieses Heidentum sich unter Aufnahme
miteinander über den verschiedenen Wahrheitsgehalt ihrer gegen- christlicher Bilder in mehreren Phasen vom christlichen
sätzlichen Einzelbeobachtungen streiten würden. Keiner hat die Absolutheitsanspruch freigemacht hatte. Für diese Integration hat
Wahrheit. Jeder verfügt nur über eine Wahrnehmung, deren Ge- es nahezu zweitausend Jahre benötigt und darin mehrere Muta-
samtheit im unausgesetzten Dialog zur lebenswichtigen Wahrheit tionen am Christentum vollzogen...
führen würde. Wahrheit ist diskursiv. Deshalb ist die Einbeziehung
aller Erkenntnisweisen wichtig. Von Weizäcker versteht dies als Mitten in unerbittlichen, unansprechbaren und nur durch mensch-
Aufforderung zum interreligiösen Dialog: ´Die Begegnung der liche Anpassung zu ´besänftigenden‘ Prozessen findet sich der
Weltreligionen ist vielleicht das wichtigste geistige Ereignis unse- Mensch auf der Gratwanderung zwischen Tod und Leben, deren
rer Zeit.‘ In diesem Sinn gewinnt die ´Offenheit‘ einen hermeneuti- Ausgang er in der Hand hat. Die heidnische Utopie bildet sich schon
schen Eigenwert. Um den ´Aufstieg zum Einen‘ in diesem Stadium in sprachlichen Dualismen ab: ´Alternative‘, ´Umkehr‘ und ´Wen-
verfolgen zu können, ist die wissenschaftliche Erkenntnisweise de‘ gehören zu den meistgebrauchten Zielangaben im ´konziliaren
unzureichend. In der Durchsetzung des Paradigmenwechsels sind Prozeß‘ und leben aus dem Zwei-Farben-Weltbild heidnischer Ver-
emotionale, spirituelle, religiöse und okkulte Erkenntnismethoden gewisserung. Zwar wird in Bezug auf die Schöpfung zum Beispiel
aufeinander angewiesen. auf das ´Seufzen der Kreatur‘ verwiesen, sachlich jedoch operiert
Der ´Widerspruch‘ als logisches Argument verliert in diesem ´offe- der ´konziliare Prozeß‘ mit einer im heilvollen Sinn modulations-
nen‘ Paradigma seine Kraft. Einst ´unvereinbare‘ Sätze stehen ´ver- fähigen ´Masse Natur‘...
söhnt‘ nebeneinander.“19
Philosophie und Religion haben in ihren Entwürfen im ganzen im-
3.3 Die Alternative Heilsgeschichte der konziliaren Vision mer Alternativen zu dem Heilsweg Gottes entworfen. Sie zeigen in
der Verweigerung des Glaubens ihren Ausstieg aus der Heils-
Ein zweites Schaubild macht uns nun mit der alternativen Heils- geschichte Gottes. Sie offenbaren darin ihren eigentlich antichrist-
geschichte der konziliaren Vision bekannt. Pastor Bernick beschreibt lichen Charakter als Ersatzfunktion (anti = griech. ´anstatt von‘).
diese Heilsschau in 4 Phasen: Deshalb ist der Grad ihrer Bedrohung nicht allein darin zu sehen,
„1. Phase: Die konziliare Vision entwickelt ebenfalls einen ´heil- wie sehr sie ´gegen‘ die biblische Sicht sprechen, sondern mögli-
vollen` Ursprung: Ur-Impuls des Kosmos ist ein ´Geist`. Im Ursprung cherweise gerade in ihrer Affinität zur biblischen Lehre... Der
leben Menschen in einer ´primitiven Kultur`, einer Gesellschaft ohne Mensch strebt mit der ´Vollendung‘ seines Tuns in den Tempel
Machtstrukturen und deshalb weitgehend ohne kriegerischen Gottes, in das Zentrum der Versöhnung mit dem alten Ziel der
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Schlange. Dort will er sich etablieren und Zuteiler der Gnade Got- interreligiöses Zusammenkommen auch auf gemeindlicher Basis
tes werden. Als ´Vollendung‘ zeigt das Heidentum schließlich die zu einer weltweiten Bewegung zu machen.“22
komplette Erfüllung einer alternativen Heilsgeschichte.“20
Der bahnbrechende Gebetstag für den Frieden in Assisi
Christen müssen sich hier entscheiden, ob sie die „frohe Botschaft“,
das neue „Heil“ der Ökumene unterstützen und bezeugen wollen, Lothar Gassmann, Theologe und Autor der sehr zu empfehlenden
oder die klare und allein seligmachende biblische Botschaft, de- Bücher: ´Ein Konzil für den Frieden‘ und ´Frieden in Gerechtigkeit
ren Verkündigung Gott aufgetragen hat! durch Wahrheit? Basel ´89 und der ´konziliare Prozeß‘, schreibt:
„Papst Johannes Paul II. hat sich bei seinem Indienbesuch am
4. Päpstliche Kooperation und ökumenisches Netzwerk zur 1.2.1986 durch eine hinduistische Priesterin das Zeichen des ´Got-
Erreichung des Zieles tes` Shiva, das sogenannte Tilak-Zeichen, mit rotem Pulver auf
die Stirn malen lassen.
4.1 Weltliche und Katholische Bestrebungen zur Zusammen- Am 27.10.1986 veranstaltete der Papst den ´Weltgebetstag für den
führung der Religionen Frieden‘ in Assisi. Dort waren fast alle christlichen Konfessionen
vertreten und neben ihnen Juden, Muslime, Buddhisten, Hinduisten,
Über die Anfänge Sikhs, Parsen, Shintoisten, indianische Schamanen und afri-
kanische Zauberer. Johannes Paul II. sagte am 21.9.1986, also
Professor Beyerhaus greift einige wichtige Stationen der Ein- vor dieser Versammlung in Assisi: ´Niemand darf sich darüber
heitsbestrebungen heraus: wundern, wenn sich die Mitglieder der verschiedenen Religionen
„Seit 1893 anläßlich der Weltausstellung in Chicago das erste Par- treffen, um miteinander zu beten.‘ In Assisi wurden namentlich
lament der Religionen zusammentrat, sind immer wieder Versu- angerufen: ein Bodhisattva, Vishnu (Brahma), der inianische Geist,
che unternommen und Dachorganisationen gebildet worden, die Allah, Mutter Erde, die vier Winde, der Donner und afrikanische
sich zur Aufgabe setzten, die Weltreligionen zur Zusammenarbeit Ahnengeister, gleichberechtigt mit dem Vater Jesu Christi...
und zu einem dynamischen geistlichen Austausch zu bewegen - Dieser Trend paßt genau in das Programm des Weltkirchenrats in
bis hin zu dem erklärten Ziel, sie zu einer geistlichen Einheit zu- Genf. An die Stelle der Verkündigung der Frohen Botschaft von
sammenzuschließen, die dem Menschenfrieden dient. So heißt es Jesus Christus tritt zunehmend das Gespräch (der Dialog) mit
in der Abschlußerklärung einer ´geistlichen Gipfelkonferenz`, die Anhängern anderer Religionen. Dialog statt Mission! Das ökume-
im Oktober 1975 anläßlich der Feier des 30jährigen Bestehens nische Dialogprogramm zielt auf die neue Weltgemeinschaft.
der Vereinten Nationen in New York unter dem Motto One is the Damit ist der Kreis geschlossen: Weltkirchenrat (Vancouver) - Papst
Human Spirit, stattfand und an die führenden Persönlichkeiten al- Johannes Paul der II. - von Weizäcker - Konziliarer Prozeß - Welt-
ler Religionen und Konfessionen teilnahmen: ´Die großen Religio- versammlung für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöp-
nen und geistlichen Bewegungen unserer Zeit stehen bereit, sich fung - Weltfriedenskonzil der Religionen.“23
in ihrer gemeinsamen spirituellen und moralischen Vision zu ver-
einigen und zur Entwicklung einer Moral und Ethik beizutragen, Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) vom gleichen Geist
die sich rücksichtsvoll und offen engagiert für die grundlegenden beseelt
Menschenrechte und Freiheiten, für die Natur und die gemeinsa-
me Umwelt und für die Lebensfragen des Weltfriedens.“21 Lothar Gassmann berichtet aus eigener Erfahrung:
„Ich war als unabhängiger Beobachter und Berichterstatter der
Katholische Bestrebungen Bekenntnisbewegung ´Kein anderes Evangelium` beim Ökumeni-
schen Forum in Stuttgart zugegen. Um Klarheit zu bekommen, stell-
Beyerhaus führt weiter aus: „Es ist auffallend und zugleich beun- te ich den Vorstandsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Christli-
ruhigend, wie stark diese Ideen auch auf katholischer Seite aufge- che Kirchen als den Veranstaltern dieses Forums bei der Presse-
nommen werden, und zwar nicht nur von progressistischen Au- konferenz am 22.10.1988 folgende Fragen: ´Sie praktizieren hier
ßenseitern wie Hans Küng, sondern auch - gewiß in modifizierter eine Ökumene der christlichen Konfessionen. Wie halten sie es
Form - von höchster kirchenleitender Stelle. Küng erklärt als Mit- mit einer Ökumene der Religionen? Wird sie im Verlauf der gegen-
herausgeber in dem Buch ´Christentum und Weltreligionen’: ´Inter- wärtigen Bestrebungen für eine ´Weltversammlung` von den christ-
religiöser ökumenischer Dialog... hat heute zum ersten Mal in der lichen Kirchen angestrebt?` Darauf gab der Kasseler Kirchenprä-
Geschichte den Charakter eines auch kirchenpolitisch vordring- sident Heinz Joachim Held als Vertreter der ACK und der Evange-
lichen Desiderats (=Erwünschtes, Vermißtes ES); er kann helfen, lischen Kirche in Deutschland folgende Antwort: ´Eine Ökumene
unsere Erde bewohnbarer, weil friedlicher und versöhnter zu ma- der Religionen liegt sicherlich in der Perspektive der Versammlung,
chen. Kein Friede unter den Völkern dieser Welt ohne den Frieden die wir hier veranstalten. Eine grenzüberschreitende
unter den Weltreligionen! Kein Friede unter den Weltreligionen ohne Bundesgenossenschaft ist angesichts der weltweiten Herausfor-
einen Frieden unter den christlichen Kirchen!` derungen und Gefahren notwendig. Wir sind hier, um in den Pro-
Was Küng nur theorethisch zu fordern vermag, das setzt - bei al- grammen christliches Profil zu gewinnen, das für uns den Dialog
len bekannten Gegensätzen zu ihm - das Oberhaupt seiner Kir- mit Vertretern anderer Religionen befähigt.` - Ein Kommentar er-
che, Papst Johannes Paul II., zwei Jahre später in die Tat um. An- übrigt sich.“24
geregt durch den Vorstoß v.Weizäckers, konzipiert er im Januar
1986 seinen historischen Plan, die Vertreter aller Kirchen und Welt- 4.2 Netz und Zange der Ökumene
religionen zu einem großen gemeinsamen Gebetstag für den Frie-
den am 27. Oktober 1986 nach Assisi einzuladen. Dem bahnbre- Die Entstehung eines vielversprechenden Netzes
chenden Ereignis von Assisi sind inzwischen ähnliche Gebetstage
gefolgt, und der jetzige Papst ist fest entschlossen, ein derartiges Klaus Klotschmann führt das Jahr 1968 als Geburtsstunde erfolg-

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reicher Netzwerkstrategie an. Die Badisch-Elsässische Bürger- und auch die Ökologie- und Frauenbewegung aufgenommen.‘
initiative am Kaiserstuhl in der Nähe von Freiburg konnte damals Es kann also überhaupt keinen Zweifel über die zunächst perso-
mit großem Erfolg den Bau des Kernkraftwerkes Whyl am Rhein nellen Verbindungen der 68er bestehen, die nach dem Abflauen
jahrelang verhindern. Er schreibt: der großen Massenaktionen der Studentenrevolte in den unter-
„Zu den für alle Seiten bewußtseinsprägenden Erfahrungen der schiedlichen ´Bewegungen‘ aktiv wurden in der Absicht, diese zu-
Kulturrevolution, die 1968 offen zum Ausbruch gekommen ist und nächst isoliert agierenden Bewegungen zu einem großen Strom
seitdem andauert, gehört die Tatsache, daß die angestrebte zusammenzuführen: Ökologiebewegung und Frauenbewegung,
Systemveränderung mit den Mitteln der klassischen Revolution - Friedensbewegung und New Age, Neue Spiritualität und Ganz-
also Massendemonstrationen, Massenstreiks, Gewaltakte aller Art heitliche Medizin usw. Diese zunächst aus einer Vielzahl kleinerer
usw. - unter einer Organisation und einer Parole nicht zu erreichen ad-hoc-Gruppen (d.h. nur zu diesem einen Zweck) formierten Be-
ist. Die tatsächliche oder vielmehr behauptete Ungerechtigkeit des wegungen begannen unter dem maßgebenden Einfluß der 68er-
´Systems` wurde und wird von der großen Mehrheit der Bürger Ideologien sehr bald nach der Losung zu arbeiten ´Handle lokal,
persönlich nicht empfunden - ganz im Gegensatz zur Vorgeschichte denke global‘...
der großen Revolutionen der Weltgeschichte, zum Beispiel der Fran- In der ´Whyler Walduniversität‘, in der sich diese völlig unter-
zösischen Revolution von 1789, der Oktoberrevolution von 1917... schiedlich motivierten, völlig heterogen zusammengesetzten Grup-
Nicht mehr weltweite Probleme sollen in den Vordergrund des öf- pen und Bewegungen bei gemeinsamen Aktionen trafen - selbst-
fentlichen Interesses gestellt werden, denn sie wecken erfah- verständlich auch anderswo! - begann ein langsamer, aber ziel-
rungsgemäß kein Interesse mehr: nicht ´Weltrevolution‘ oder ´Er- strebiger Prozeß der Verknüpfung zu einem gemeinsamen Netz-
richtung des sozialistischen Weltsystems‘, ´Kampf dem US-Impe- werk. Es wurde ihnen bewußt bzw. bewußt gemacht, daß sie letzt-
rialismus... sondern zunächst (!) lokale Probleme, die bei den Men- lich alle nur ´verschiedene Aspekte derselben neuen Welt-
schen ´Betroffenheit‘ und ´Ängste‘ erzeugen und sie existentiell anschauung darstellten. Zu dieser Zeit bildeten sich daher zahl-
ansprechen... über den Küstenschutz an der Nordsee oder über reiche Koalitionen und Netzwerke, und es begann der langsame
das Waldsterben in Bayern...über die Lärmbelästigung durch Tief- Zusammenfluß der einzelnen Bewegungen in eine Kraft gesell-
flieger der Bundeswehr. Dafür engagieren sich die Menschen; auf schaftlicher Umgestaltung, die ich in Anlehnung an Arnold Toynbee
dieser ´Schiene‘ erreicht man die Bürger und kann ihn zur Mitar- die ´aufsteigende Kultur‘ genannt habe.
beit in einer ´Bürgerinitiative‘ gewinnen... Auf diese Weise haben Nur zum Verständnis der weiteren Darstellung sei schon an dieser
sich zu Beginn der siebziger Jahre in der Bundesrepublik Deutsch- Stelle angemerkt, daß dieses neue Weltbild keinen Raum für die
land bis 1976 ca. 15000 Bürgerinitiativen unterschiedlicher Größe Vorstellung oder gar das Wirken eines dreieinigen Gottes hat. Dar-
und Lebensdauer gebildet, in denen sich ca. 1,5 Millionen Bürger in sieht man Denkkategorien eines vergangenen oder zumindest
für mannigfaltige Ziele eingesetzt haben... untergehenden Zeitalters. Allenfalls wird Gott noch als ´Kraft der
Eine der ´erfolgreichsten‘ Bürgerinitiativen in den Anfangsjahren Evolution‘ verstanden, aus der heraus jedes System sich selbst
dieser neuen Bewegung war die Badisch-Elsässische Bürger- transzendiert und zur Einheit mit der Welt und dem Universum
initiative... Unter der Losung ´Lieber heute aktiv als morgen radio- gelangt. Tatsächlich handelt es sich bei der Vernetzung um eine
aktiv‘ sammelten sich in ihr vor allem Weinbauern dieses bekann- Fortsetzung der 1968 eingeleiteten neomarxistischen Kulturrevolu-
ten Anbaugebietes... tion mit dem Ziel der ´gesellschaftlichen Umgestaltung‘ in weltwei-
Die spektakulären Aktionen dieser Badisch-Elsässischen Bürger- ter Dimension. Die ideologische Nähe zum Sozialismus, um nicht
initiative verschafften ihr eine bundesweite Popularität, so daß sie zu sagen, die Herkunft daraus, soll auch gar nicht geleugnet wer-
als ´Anbruch einer neuen Zeit‘, der vielzitierten ´Wendezeit‘, ver- den. In der einschlägigen Literatur wird ganz offen zugegeben, daß
standen wird. Dazu Fritjof Capra in seinem gleichnamigen Buch: die ´Prinzipien des Rätesystems mit denen einer alternativen Öko-
´Whyl wurde damit zum Symbol und Ausgangspunkt einer epo- gesellschaft vereinbar‘ sind.“25
chalen Bewegung... In ihrem Widerstand gegen die Atomkraft wur-
den die Weinbauern durch ihre französischen Nachbarn bestärkt, Was ist ein Netzwerk?
die dort gegen ähnliche Atomkraftwerke ohne Erfolg gekämpft
hatten. Es entstand eine grenzüberschreitende soziale Bewegung Motschmann beantwortet diese Frage einleitend mit einem Zitat:
im sog. ´Dreiecksland‘, welches Gebiete im Südwesten der Bun- „Vernetzung ist die Strategie der Alternativbewegung. Sie besagt,
desrepublik wie auch in Frankreich und der Schweiz umschließt, - daß die zukunftsbezogenen Selbstverwaltungsmodelle, die Keim-
eine der ersten ´Regionalbewegungen‘ in Europa... und schon nach zellen der angestrebten ökologisch-sozialen Gesellschaft, in viel-
kurzer Zeit gab es einen Piratensender, Radio Dreiecksland, der fältige Austausch- und Kooperationsbeziehungen miteinander tre-
vor allem jene Nachrichten brachte, die die staatlichen Sender nicht ten, sich durch Nachahmung vermehren und schließlich ein
verbreiteten. Whyl wurde zur ´Hauptstadt‘ dieser Region, und die antizipatorisches Netzwerk mit ganzheitlichem Charakter, teils
´Universität im Whyler Wald‘, ein eigens gebautes Rundhaus, wur- ´Gegenökonomie`, teils ´linke Infrastruktur` ergeben.`
de zu einem Forum, wo täglich Seminare, Vorträge und Diskussio- Das Netzwerk versteht sich demnach nicht als ´Alternative‘ zur
nen stattfanden. So entstand eine Bewegung, die anders als jene ´Partei‘. Es bildet vielmehr die Keimform einer neuen politischen
von 1968 eine populistische Basis besaß.‘ und gesellschaftlichen Organisationsstruktur, die nicht gegen die
Es sollte dabei die Betonung auf ´Basis‘ gelegt werden, denn der Partei, sondern zusammen mit der Partei aufgebaut wird. Gemäß
´Überbau‘ war weithin derselbe wie 1968. Es wird ja auch über- dem ´ökologischen Grundsatz vom Ähnlichen im Mannigfaltigen‘
haupt nicht ernsthaft bestritten, daß die 68er Bewegung maßge- sollte es ´anfangs‘ (!) ´organisch bis zufällig‘ wachsen. Erst ´ab
benden Einfluß auf diese neue Bewegung erlangt bzw. behalten einer bestimmten Größe, Zeitdauer oder existenziellem Druck (wird
hat. Dazu noch einmal Fritjof Capra: es) organisatorisch verfestigt, geregelt. Zunächst besteht die Auf-
´Hier (in Europa) entstand die Alternativbewegung - etwa in gabe darin, fortlaufend ´Betroffenheit‘ und ´Ängste‘ zu artikulieren
Deutschland - aus der 68-er Bewegung. Sie war politisch, stand und damit die seelischen Dispositionen dafür zu schaffen, diese
ganz links und hat sich dann in Richtung New Age ausgeweitet Ideologie zu akzeptieren.“26
57
Der Netzwerk-Verein und seine Beziehung zur evangelischen niten bis zu lutherischen und katholischen Gruppen) verdichteten
Kirche bzw. ´vernetzten‘ sich im Laufe gemeinsamer und überregionaler
Aktionen zu einem ´ökumenischen Netz‘; durch Pilgermärsche, Dis-
Hierzu lesen wir: kussionsveranstaltungen, Workshops, ´Ermutigungsgottesdienst‘
„Die Funktion ´innerhalb` des ´Systems` nimmt ein Verein wahr, nach der Limaliturgie!), Eucharistiefeiern, Protestdemonstrationen
der im November 1978 in Berlin gegründet wurde: der Verein ´Netz- usw. Im Laufe dieser gemeinsamen Aktionen Ende der siebziger,
werk-Selbsthilfe e.V.`. Aus einem von privaten Spendern und staat- Anfang der achtziger Jahre wuchs die Erkenntnis, ´daß wir in einer
lichen Zuschüssen (´Staatsknete`) finanzierten ´Fonds` für politi- Zeit leben, in der wir ähnlich wie im Nationalsozialismus in allen
sche und alternative Projekte` sollen nicht nur ´von staatlicher Sozialgestalten der Kirche herausgefordert sind, bekennende Kir-
Repression Betroffene` unterstützt werden, sondern auch ´den von che zu werden... Erinnerungen an die Bruderschaften als Helfer
der kapitalistischen Destruktivität und Unmenschlichkeit - in wel- auf dem Weg zu einer bekennenden Kirche wurden wach. Zuerst
cher Form auch immer - Aufgerüttelten Mut (gemacht werden), sollte das Netz deshalb ´Bekennende Nachfolge in Baden‘ hei-
sich zu wehren.`... ßen.
Ganz gleich, ob es sich um Rauschgiftsüchtige oder alternative Nach vielen kleinen Schritten in der ´bekennenden Nachfolge‘ er-
Künstler, um anthroposophische Mediziner oder arbeitslose So- eignete sich dann Pfingsten 1983 in Kehl ein ´Pfingstwunder‘: ´Über
ziologen, um lesbische Frauen oder religiöse Selbsterfahrungs- alles Erwarten und Hoffen war das ´Netz‘ da; es lebte, es trug, es
gruppen handelt: immer läßt sich - um mit Mephistopheles zu spre- zappelte voller Fische - es war ein Pfingstwunder. Wenn man sagt:
chen - ´ihr ewig Weh und Ach aus einem einzigen Punkte‘ erklä- ´es ist etwas gelungen‘, dann meint man, daß man es nicht ma-
ren, nämlich aus der ´kapitalistischen Destruktivität und Unmensch- chen konnte oder mußte, sondern daß es bei aller Arbeit ein Ge-
lichkeit‘. Sie bedrohen nicht nur jeden einzelnen unmittelbar, son- schenk, ein unverdientes Geschenk war‘ - also gleichsam eine Gabe
dern den Frieden, die Gerechtigkeit, die Schöpfung insgesamt. des Heiligen Geistes?!
Aus dieser Überzeugung erwächst die andere Überzeugung, daß Allerdings wurde auch betont, daß wesentliche Impulse für die
alle Probleme miteinander ´vernetzt‘ sind und demzufolge nicht ´Vernetzung‘ der verschiedenen Gruppen und die Entwicklung die-
isoliert betrachtet und behandelt werden dürfen, wenn man zu ei- ser Gruppen vom Ökumenischen Rat in Genf kamen, insbesondere
ner Lösung kommen will... durch die Vorbereitung auf die 6. Vollversammlung des Ökumeni-
Wie dicht dieses ´Netz von Abhängigkeitsbeziehungen‘ bis heute schen Rates der Kirchen in Vancouver 1983.
ist, dokumentiert beispielsweise der tägliche Börsenbericht. In Mi- ´Insbesondere bemühten wir uns um ein besseres Verständnis der
nutenschnelle und mit seismographischer Empfindlichkeit werden biblischen Hintergründe der Vancouvereinladung: Was bedeutet
alle Veränderungen an den Börsen der Welt oder den großen Bund Gottes mit den Menschen und mit seiner Schöpfung, was
Rohstoffmärkten (zum Beispiel Öl) genau registriert, und ebenso neuer Bund? Welches sind besondere Bekenntnisfälle für die Kir-
wird darauf reagiert. Die mittelalterliche Vorstellung von der che Jesu Christi heute? Was heißt konziliarer Prozeß? Wir stellten
coniuncto rerum omnium (von der ´Verknüpfung aller Dinge‘) wird diese Fragen nicht nur von den verschiedenen christlichen Tradi-
täglich neu belebt... tionen aus, sondern auch im Gespräch mit den Landesrabbiner in
Strategie und Taktik der ´Vernetzung‘ sind von maßgebenden Per- Baden.‘
sönlichkeiten, Institutionen und Gruppen der evangelischen Kir- Auf dieser Grundlage erweiterte sich das ´Netz‘ durch eine weite-
che von Anfang an ausdrücklich begrüßt und gefördert worden. re Gruppe. Sie trägt den Namen ´Christen für Arbeit und Gerech-
In einem von Bischof Dr. Martin Kruse unterzeichneten ´Spenden- tigkeit weltweit‘ und fing an, sich mit den weltweiten Ursachen der
aufruf‘ an die Berliner Gemeinden zur Unterstützung des Vereins Ungerechtigkeit durch die multinationalen Konzerne zu beschäfti-
´Netzwerk‘ im März 1982 heißt es, daß durch diesen Verein ´jun- gen.
gen Menschen die Möglichkeit (gegeben werde), in selbstorgani- Aufgrund der Einladung der 6. Vollversammlung des Ökumenischen
sierten und alternativen Projekten zu arbeiten. Sein Ziel ist es, durch Rates an alle Kirchen, Gemeinden und Netzwerke, in einen ´Bund
Unterstützung von Selbsthilfeunternehmen Freiräume zu schaffen, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung‘ zu tre-
in denen sich neue Lebensformen entfalten können... ten, vollzog sich in relativ kurzer Zeit eine theologisch-ideologi-
Mögliche Unklarheiten oder Unsicherheiten in der Beurteilung des sche Gleichschaltung entsprechender Netzwerke in allen Erdtei-
Verhältnisses der evangelischen Kirche zu dieser sozialen Bewe- len, vor allem in Südamerika (Brasilien-Konferenz von Sao Paulo
gung wurden indes sehr rasch durch Aktivitäten in der ... Badi- im Herbst 1985), Südafrika, Südkorea und den USA. Das Ziel heißt:
schen Landeskirche und die überwiegend positiven Reaktionen ´Die Kirchen sollen auf allen Ebenen - Gemeinden, Diözesen und
im deutschen Protestantismus darauf beseitigt. Es ist weiter oben Synoden, Netzwerken christlicher Gruppen und Basisge-
auf das Urteil Fritjof Capras hingewiesen worden, daß ´Whyl zum meinschaften - zusammen mit dem ÖRK in einem konziliaren Pro-
Symbol und Ausgangspunkt einer epochalen Bewegung‘ gewor- zeß zu einem Bund zusammenfinden:
den ist. Diese Feststellung darf - mutatis mutandis! (unter Berück- - um Christus, das Leben der Welt, als Herrn über die Götzen un-
sichtigung gewisser Umstände ES) - auf den Protestantismus serer Zeit zu bekennen, als den guten Hirten, der seinem Volk und
übertragen werden.“27 der ganzen Schöpfung, Leben und ´Leben in seiner ganzen Fülle‘
bringt;
Das „Pfingstwunder“ der Kirchen - um den dämonischen Mächten des Todes zu widerstehen, die
dem Rassismus, dem Sexismus, der Klassenherrschaft, der Un-
Motschmann, Professor für Politologie führt weiter aus: terdrückung der Kasten und dem Militarismus innewohnen.“28
„Whyl liegt in Baden, so daß die badische Landeskirche rasch mit
den in und um uns durch ´Whyl` verursachten Probleme in beson- Der konziliare Weg durch Deutschland und die schrittmachen-
derem Maße herausgefordert wurden... de ACK
Die vielfältigen lokalen, häufig spontanen Aktivitäten christlicher
Basisgruppen im weitesten Sinne (von den Quäkern und Menno- Der evangelische Pfarrer Burghard Affeld schreibt:

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„In fast allen evangelischen Landeskirchen Deutschlands sind seit Forum in Königstein/Taunus hatte es dagegen wesentlich leichter:
1988 eigene Vorbereitungstreffen für die ökumenischen Großver- seine Organisatoren hatten nur rund 250 Anfragen zu bearbeiten!
anstaltungen in Form von Foren und Friedensversammlungen auf Die Versammlung in Dresden bestand aus 144 Delegierten aus
verschiedenen Ebenen durchgeführt worden. Entsprechend der allen christlichen Kirchen in der DDR...
Thematik werden dabei drei große Initiativgruppierungen inner- In den DDR-Versammlungen wird ein wesentlich höherer Grad an
halb der Kirchen durch den ´konziliaren Prozeß` zusammenge- Verbindlichkeit der Verpflichtungen und Empfehlungen angestrebt
führt: Friedensgruppen (Abrüstung und Weltfriede), politische Grup- als in Westdeutschland.“29
pen mit Schwerpunkten aus dem Themenbereich soziale Gerech- In einem Faltblatt stellt sich die ACK in Deutschland vor und weist
tigkeit (Ausländer, Asylanten, Rassismus, Südafrika) und vor al- darauf hin, daß sie auch in Dresden und Magdeburg Trägerin die-
lem ökologische Gruppierungen (alternative Energien, alternati- ser wichtigen ökumenischen Versammlungen war:
ver Lebensstil, alternative Ernährung u.ä.). Diese ´konzertierte „Auch nach außen hin hat die ACK gesprochen, z.B. zum Lebensstil
Aktion` säkular-ökumenischer Basisgruppen gab hier und da Ein- aus christlicher Verantwortung, zu Fragen ausländischer Mitbür-
zelnen in Gemeinden und Bewegungen - nachdem die Friedens- gerinnen und Mitbürger, zur Asylproblematik und zum Schutz des
problematik in vielen Gemeinden immer weniger Echo fand - er- Lebens in Verbindung mit der Handhabung von § 218 sowie zum
neuten Auftrieb, sich noch intensiver für den Frieden, die Bewahrung Themenkreis ´Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöp-
der Schöpfung und die Gerechtigkeit einzusetzen...Diese Grup- fung`. So war die ehemalige AGCK in der DDR Träger der Ökume-
pierungen fanden nunmehr in den konziliaren Versammlungen und nischen Versammlung in Dresden und Magdeburg (1988/1989) und
regionalen Foren eine neue, für sie notwendige Plattform. Darauf die ACK-West der Foren in Königstein und Stuttgart (1988) zu den
konnten sie sich erstens untereinander informieren, zweitens sich Themen des konziliaren Prozesses.“
gegenseitig ermutigen, drittens (das ist das Wichtigste!) vonein- Zu den Inlands- und Auslandskontakten lesen wir im gleichen Falt-
ander lernen und viertens weitere Initiativen planen. Durch die blatt:
Versammlungen und Foren wollen sie so attraktiv wie möglich in „Inlandbeziehungen
die gegenwärtige Gesellschaft hineinwirken. So sind sie mit all ih- Als Organ der multilateralen Ökumene in Deutschland steht die
ren Kräften engagiert und in den ´konziliaren Prozeß` existentiell ACK zuallererst in enger Beziehung zu den sie tragenden Kirchen
eingebunden.` ... und ihrer ökumenischen und sonstigen Arbeit. Außerdem pflegt
Auf Bundesebene fanden 1988 in Königstein und Stuttgart zwei sie enge Arbeitsbeziehungen zu den derzeit 15 regionalen ACKs
wichtige Tagungen statt, die eigentlich nur zwei Phasen einer Ver- (entsprechend etwa den Bundesländern). Sie veranstaltet mit ih-
sammlung darstellten. Veranstalter war die Arbeitsgemeinschaft nen gemeinsame Regionaltagungen und -konferenzen.
Christlicher Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland und Ber- Aus der Zusammenarbeit mit den regionalen ACKs und den seit
lin West e.V. (ACK). Auch hier lautete das Thema: ´Gerechtigkeit, 1947 durchgeführten ökumenischen Tagungen entstanden eine
Frieden und Bewahrung der Schöpfung‘. Auf dem Handzettel der Reihe von örtlichen ACKs sowie zahlreiche ökumenische Arbeits-
Einladenden war als biblisches Motto der 17. Vers aus Jesaja 32 und Studienkreise. Bundesweit existieren heute ca. 150 lokale ACKs
angegeben: ´Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein‘... und schätzungsweise 1000 ökumenische Kreise. Die ÖC (Ökume-
´Hundertzwanzig Delegierte aus nahezu allen Kirchen in der nische Centrale der ACK ES) bietet zur Gründung lokaler ACKs
Bundesrepublik Deutschland und zahlreiche Gäste aus den Kir- ihre Dienste an.
chen der Nachbarländer erlebten an vier Tagen in Gebet und Ar- Auslandsbeziehungen:
beit ökumenische Gemeinschaft... Die ACK dient laut Satzung nicht nur ´der ökumenischen Zu-
Die zweite Phase in Stuttgart vom 20. bis 22. Oktober 1988 führte sammenarbeit und Entwicklung im Bereich der Bundesrepublik
dann zu der ´Erklärung von Stuttgart‘... An wen wendet sich die Deutschland‘, sondern auch der ´Behandlung gesamtökumenischer
´Erklärung von Stuttgart? Sie richtet sich an die Mit- Fragen und Aufgaben, unbeschadet der besonderen Zuständigkeit
gliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen der Mitglieder‘.Dazu zählen u.a. die Wahrnehmung von Kontakten
und zugleich an die Kirchengemeinden und Gruppen und an alle und die Pflege der Beziehungen zum Ökumenischen Rat der Kir-
Interessierten in der Öffentlichkeit. Dabei versteht sich sie sich nicht chen (ÖRK), zu den zahlreichen ACKs bzw. Nationalen Kirchenrä-
als Abschluß des ´konziliaren Prozesses‘ sondern als Markierung ten in vielen Ländern der Welt (NCCs), zu anderen internationalen
auf dem Weg nach Basel zur ´Europäischen Ökumenischen Ver- ökumenischen Gremien und kirchlichen Institutionen, z.B. zur Kon-
sammlung ... und zur Weltkonferenz im März 1990 in Seoul... Das ferenz Europäischer Kirchen (KEK), zum Rat der Katholischen
Forum endete mit der einmütigen Zustimmung (bei einer Ent- Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), zum Rat der Förde-
haltung) zu der ´Erklärung von Stuttgart‘ - ein Ergebnis, das die rung der Einheit der Christen in Rom, zu den konfessionellen
Veranstalter sehr hoch bewerteten. Im Vorwort zur ´Stuttgarter Er- Weltbünden und sonstigen ökumenischen bzw. ökumenisch en-
klärung‘ heißt es ...: gagierten kirchlichen Institutionen und Einrichtungen...“
´Daß es trotz der bestehenden Auffassungsunterschiede am Ende
gelang, in den wichtigen Überlebensfragen unserer Zeit zu einer In der ökumenischen Zange und die Verknüpfungen
gemeinsamen Äußerung aller Mitgliedskirchen der Arbeitsge-
meinschaft christlicher Kirchen zu kommen, gibt Anlaß zu Dank Burghard Affeld führt hierzu aus:
und Freude - ein Ereignis, das es seit den Tagen der Reformation „Dieser Grundgedanke der einen Welt - ´One World` - soll nun
nicht mehr gegeben hat.‘... nach den Plänen des ´konziliaren Prozesses` durch zwei Bewe-
In der DDR hatten zwei große Treffen stattgefunden; das eine vom gungen zusammengebracht werden: durch eine Bewegung von
12.-15.2.88 in Dresden unter dem Motto ´Eine Hoffnung lernt ge- oben und eine Bewegung von unten.
hen‘ und das andere vom 7.-9.10.88 in Magdeburg unter dem Motto Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und
´Die Hoffnung geht weiter‘...Das Basisinteresse scheint in der DDR die Landeskirchenämter stellen die Bewegung von oben nach un-
wesentlich größer als in der Bundesrepublik zu sein. Über 10000 ten dar. Auf den ihnen möglichen Wegen versuchen sie, über öku-
Eingaben erreichten die Forumsleitung. Das westdeutsche EKD- menische Versammlungen, Tagungen, Studientage und Seminare
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den ´konziliaren Prozeß‘ zu verdeutlichen und Menschen in ihn Auf den Selbstverpflichtungskarten finden wir unter dem Stichwort
hineinzunehmen. Sie knüpfen das Netzwerk der Institutionen. Das ´Bewahrung der Schöpfung‘ durchaus einsichtige und praktische
geschieht zum Beispiel auch durch den riesigen Papierberg von Vorschläge, wie wir sie auch als Ratschläge von Umwelt-
Informationen, der laufend in den Pfarrämtern landet. schutzbehörden und Organisationen kennen. Diese Punkte kön-
Gegenläufig korrespondiert dieser kirchenamtlichen Bewegung die nen nach Belieben angekreuzt werden, zum Beispiel: ´Ich erkun-
Bewegung der vielen Friedens- und Ökologiegruppen als Basis- dige mich, wo und wie Asylsuchende in meiner Umgebung leben.‘
gruppen von unten. Sie stellen das ökumenische Netzwerk der Oder: ´Ich informiere mich darüber, wo meine Kirchengemeinde
Basis dar, das mit dem Netzwerk der verfaßten Kirchen verknüpft ihre finanziellen Rücklagen untergebracht hat und beantrage ei-
werden muß. Da gibt es die Friedensgruppen in oder neben den nen Teil in die ECDS (Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft)
verschiedenen Kirchengemeinden. Bei offener Jugendarbeit kommt einzuzahlen.‘ ´Ich schränke meinen Fleischverbrauch ein, weil
es verhältnismäßig schnell dazu, daß sich politische Gruppierun- unsere Futtermittelimporte in der Zweidrittelwelt Hunger ver-
gen in den Gemeindehäusern treffen, und schon werden sie ver- ursachen.‘ ´Ich rege eine Partnerschaft mit einer Gemeinde aus
netzt. Der Pastor hat darauf zu achten, daß solche Gruppen in der Zweidrittelwelt an.‘ ´Ich setze mich dafür ein, daß bei Festen
dieses Netz mit hineingenommen werden, damit kein politisches und Empfängen kein Alkohol ausgeschenkt wird.‘
Sektierertum entsteht. Sie alle sollen in dieses große Netz des Wer sollte dagegen sein? Jeder verantwortungsbewußte Christ
´konziliaren Prozesses‘ integriert werden. könnte und sollte vieles davon tun, auch ohne sich deswegen vom
Die noch unschlüssige Gemeinde befindet sich zwischen den ´konziliaren Prozeß‘ vereinnahmen zu lassen. Aber durch diese
kirchenamtlichen Verlautbarungen von oben und den Forderun- Aktion wird den Gemeindegliedern das Bewußtsein gegeben, daß
gen politischer Basisgruppen von unten in der Klemme. In dieser sie das alles als Bekenntnis zum weltweit angelaufenen Prozeß
kirchenpolitischen Zangenbewegung hat sich die Gemeinde Jesu tun. Natürlich kann man auf der Karte zum Thema ´Frieden‘ auch
heute zu bewähren... lesen: ´Ich beteilige mich an Demonstrationen und Protesten ge-
Wie vollzieht sich nun diese´konziliare Strategie der Verküpfung? gen Aufrüstung und Militarisierung.‘ Aber der Unterzeichner braucht
Sie geschieht erstens durch den Dialog. Verknüpft werden müs- sich dadurch nicht beunruhigen zu lassen; wenn ihm dieser Punkt
sen dabei verfaßte Kirchen und freie Initiativgruppen, die politisch nicht gefällt... Und nun werden wir heute von anderer Seite aufgefor-
im Sinne des Mottos im ´konziliaren Prozeß‘ arbeiten. dert: Laßt uns doch einmal alle ideologische und theologische Kri-
Der Prozeß läuft also auf verschiedenen Ebenen, die miteinander tik am ´konziliaren Prozeß‘ vergessen! Was sollte uns denn eigent-
verknüpft werden müssen. Der Prozeß läuft aber zweitens auch in lich daran hindern, uns hier und da einmal mit zwei Kreuzchen
verschiedenen Veranstaltungsformen: Friedensgottesdienste, und unserer Unterschrift in diesen Prozeß einzuschalten? Irgend-
Friedensdekaden, Literaturarbeit, Tagungen, Ausschüsse, Arbeits- eine Aktion, zu der er sich guten Gewissens verpflichten kann,
gruppen, einzelne Gruppeninitiativen und vor allen Dingen die Ar- wird wohl jeder finden; denn die Forderungen klingen ja für sich
beit an Erklärungen und Selbstverpflichtungen. genommen so plausibel! - Deshalb ist an der Gemeindebasis die
Und drittens laufen die Verknüpfungen durch die Tat. Das ist näm- Warnung vor dem ´konziliaren Prozeß‘ heute äußerst schwer zu
lich das wichtigste: Man muß etwas tun. So wird jedem einzelnen vermitteln. Der Angstpegel steigt auch bei unseren Gemeinde-
das Bewußtsein gegeben: Wenn du jetzt deinen Komposthaufen gliedern mit jeder Schreckensnachricht über das Größerwerden
aufschüttest oder dein Biotop einrichtest, dann bist du eingespannt des Ozonlochs, die wachsende Schuldenlast der ärmsten Länder
in diesen großen Weltprozeß zur Rettung der Schöpfung. - Die Tat der Dritten Welt und blutige Kriegshandlungen, die ihnen das Fern-
ist darüber hinaus überzeugender und werbender als mündliche sehen jeden Abend ins Wohnzimmer trägt.“31
Proteste oder wortreiche Stellungnahmen.“30
Adventgemeinde im Netz der Ökumene und der ACK
Das Instrument der Selbstverpflichtung im konziliaren Pro-
zeß Von der Presse- und Informationsstelle der Gemeinschaft der Sie-
benten-Tags-Adventisten in Deutschland, wird unter dem Titel „Un-
Affeld geht auf Selbstverpflichtungen wie folgt ein: „Gerade die sere Begegnung mit anderen Christen“ eine umfangreiche Ausar-
Selbstverpflichtungen scheinen eine wichtige konziliare Motivati- beitung herausgegeben, erstellt von dem Medienbeauftragten
on zu werden. Jeder kann in seinem Alltag auch in kleinen Schrit- Holger Teubert am 3. August 1993 in Ostfildern. Hier können wir
ten etwas für den großen ´konziliaren Prozeß` der Welt tun. So gibt folgendes über die Vernetzung unserer Glaubensgemeinschaft in
es mittlerweile verschiedene Selbstverpflichtungskataloge und Ökumenische Einrichtungen nachlesen. Fußnoten von H. Teubert
Vereinbarungen. werden in Klammern direkt angefügt. Hervorhebungen, und Über-
Ein anschauliches Beispiel stammt aus Oldenburg. Man ist ihm schriften außerhalb der Anführungszeichen sind vom Autoren ES.
dann auch in Basel gefolgt. Die Delegierten der Oldenburgischen Bis zur Zusammenfassung entstammen alle Zitate obiger Quelle.
Landeskirche stellten Selbstverpflichtungskarten zu den drei The-
men ´Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung´ her. - Das weltweite Netz
In der Einleitung dazu schrieben sie: ´Mit der Übernahme einer
oder mehrerer persönlicher Verpflichtungen beteilige ich mich am Unsere Begegnung mit anderen Christen
konziliaren Prozeß. Die Verpflichtung schreibe ich heute hier auf ...
oder spätestens dann, wenn mich diese Karte daran erinnert.‘... G. Kontakte auf nationaler Ebene
Die Empfänger der Karten werden mit den Worten angesprochen: Als Folge der Gespräche zwischen S.T.A. und ÖRK begannen in
´Liebe Weggenossinnen und -genossen im konziliaren Prozeß: Wir einigen Ländern auch Gespräche und Kontakte auf nationaler
bitten Sie, diese nebenstehende Karte auszufüllen und den Ol- Ebene... In nationalen Kirchenräten wählen die Adventisten meist
denburger Delegierten abzugeben. Wir schicken ihnen diese Kar- den Gast- oder Beobachterstatus..., doch je nach Satzung und
te später als Erinnerung zurück. Mit freundlichen Grüßen Ihre Ol- Arbeitsweise eines Christenrates kann auch eine Mitgliedschaft in
denburger Weggefährten.‘ Betracht kommen. (Mit folgenden nationalen Kirchenräten ist

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die Gemeinschaft der S.T.A. in Verbindung: ten der ständig wachsenden Bevölkerung gemeinsam begegnen
1. Amerikanisch Samoa zu können. Da Hongkong 1997 an die VR China zurückgegeben
Gaststatus beim „Interkonfessionellen Ausschuß von Amerikanisch wird, spielt der Rat auch in den Verhandlungen mit der Britischen
Samoa“ [Interdenominatial Committe of American Samoa (ICAS)]. Regierung eine wichtige Rolle, um künfzig die religiöse Freiheit zu
Dem „American Samoa Council of Christian Churches“ gehört die sichern - zumal nur 18 % der Bevölkerung zu christlichen Kirchen
STA nicht an. gehören. Hauptsächlich aus diesem Grund gehört der HKCC zu
2. Bahamas den nationalen Räten, die in Verbindung mit dem ÖRK stehen
Mitglied im „Christenrat der Bahamas“ [Bahamas Christian Council]. [Associated Council]. Der HKCC ist ein protestantischer Rat, die
In diesem Christenrat ist ein weiteres Spektrum von Kirchen ver- römisch-katholische Kirche gehört ihm nicht an. Außerdem gehö-
treten [von den Katholiken bis zu den Pfingstlern]. ren dem HKCC nicht nur Kirchen an, sondern auch Wohlfahrts-
Dies ist nur möglich, weil das Schwergewicht des Christenrates organisationen [wie der Hong Kong Lutheran Social Service] , Ju-
bei gemeinsamen sozialen Fragen liegt. gendorganisationen [wie Chinese YMCA] und Bibelgesellschaften
3. Belize [früher: Britisch Honduras] [wie Bible Society in Hong Kong].
Seit 1961 Mitglied im „Christlichen Sozial-Rat von Belize“ [Belize 13. Irak
Christian Social Council (BCSC). Neuer Name seit 1978: Belize Status einer „befreundeten Organisation“ beim „Protestantisch-
Christian Council]. Dem Rat geht es fast ausschließlich um ge- Evangelischen Kirchenbund“ im Irak.
meinsame soziale Anliegen. Der Rat existiert seit 1957. Die Ge- 14. Italien
meinschaft der STA trat erst ein, als der Rat reorganisiert und die Beraterstatus in der „Vereinigung Evangelischer Kirchen in Italien“
gemeinsamen sozialen Fragen herausgehoben wurden. Daran hat [Federacione delle Chiese Evangeliche in Italia (FCEI); Federation
sich auch durch die Umbenennung 1978 nichts geändert. of Evangelical Churches in Italy)].
4. Botswana 15. Kenia
Beobachterstatus beim „Christenrat von Botswana“ [Christian Beraterstatus im „Nationalen Christenrat von Kenia“ [National Chri-
Council of Botswana (CCB) ]. stian Council of Kenya (NCCK); Jumuiya ya Wakristo wa Kenya].
5. China Neuer Name: „National Council of Churches of Kenya“.
Bis zur Zwangseingliederung in die sogenannte „Drei-Selbst-Be- 16. Libanon
wegung“ waren die Siebenten-Tags-Adventisten Mitglied im 1913 Mitglied im „Rat Evangelischer Kirchen im Libanon und in Syrien“
gegründeten „National Christian Council of China“. [Sopreme Council of Evangelical Churches in Lebanon und Syria;
6. Cook-Inseln Conseil Suprème des Eglises Evangèlique au Liban et en Syrie].
Mitglied im „Religiösen Beirat der Cook-Inseln“ [Religious Advisory Da die protestantischen Kirchen im Libanon eine fast unbedeuten-
Council of Cook Islands]. Dieser Beirat wurde durch Regierungs- de Minderheit sind, haben sie den Rat gegründet, um gemeinsam
erlaß ins Leben gerufen. Die vier Hauptdenominationen der Cook- sich für die Erhaltung der Religionsfreiheit einzusetzen.
Inseln (Christliche Kirche, Mormonen, Katholiken und Adventisten] 17. Malawi
sollen die Regierung in Lebens-, Sitten-, Gesellschafts-, Familien- Mitglied im „Christenrat von Malawi“ [Christian Council of Malawi
und Jugendfragen beraten. (CCM)]. Umfaßt nur protestantische Kirchen und Mis-
7. Deutschland sionsgesellschaften. Wurde 1939 gegründet und geht zurück auf
Seit 1970 Beobachterstatus in der „Arbeitsgemeinschaft Christli- den „Rat der Förderativen Mission von Nyasaland“ [Consultative
cher kirchen in der DDR“ [AGCK]. Die ACK in der Bundesrepublik Board of Federative Missions of Nyasaland]. Wie damals geht es
Deutschland und in Berlin-West und die AGCK der DDR wurden dem Rat hauptsächlich um gemeinsame soziale Fragen.
1991 vereinigt. Die S.T.A. strebt einen Gaststatus in der neuen 18. Mauritus
gesamtdeutschen ACK an, den sie voraussichtlich Ende Oktober Mitglied im „Interreligiösen Komitee von Mauritus“ [Mauritus Inter-
1993 erhalten wird. Im Juni 1993 wurde die S.T.A. als Gastmitglied Religious Committee; Comitè Interreigieux Mauricien]. Bei diesem
in die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) aufgenommen. Komitee geht es um das gegenseitige Verstehen und die religiöse
8. Dominikanische Republik Freiheit. Da zu dem Komitee auch Hindus und Moslems gehören,
Gaststatus bei „Sozial-Organisation der Dominikanischen Kirchen“ wird eine gemeinsame religiöse Basis nicht angestrebt. Das Komi-
[Servicio Social de Iglesias Dominicanas]. tee ist vergleichbar mit dem AKR in Berlin.
9. Finnland 19. Neuseeland
Beobachterstatus beim „Ökumenischen Rat von Finnland“ [Eucu- Beobachterstatus im „Nationalen Kirchenrat von Neuseeland“ [Na-
menical Council of Finland (EFC); finnisch: Soumen Ekumeeminen tional Councils of Churches in New Zealand].
Neuvosto; schwedisch: Ekumeniska Radet i Finnland]. 20. Niue [Insel im Pazifik]
10. Grenada Beobachterstatus im „Nationalen Kirchenrat von Niue“.
Mitglied im „Zwischenkirchlichen Rat für Sozialfürsorge von Gre- 21. Norwegen
nada“ [Grenada Inter-Church Council for Social Welfare]. Diese Beobachterstatus im „Christenrat von Norwegen“ [Christian Council
Organisation befaßt sich nur mit gemeinsamen sozialen Angele- of Norway] .22. Polen
genheiten. Dem „Christenrat von Grenada“ [Grenada Christian Gaststatus im „Polnischen ökumenischen Rat“ [Polish Ecumenical
Council] gehört die STA nicht an. Council; Polska Rada Ekumeniczna (PRE)].
11. Großbritannien 23. Ruanda
Beobachter-/Beraterstatus beim „Britischen Rat der Kirchen“ [Bri- Gaststatus im „Protestantischen Rat von Ruanda“ [Protestant
tish Council of Churches (BCC)]. Council of Rwanda; Conseil protestant du Rwanda (CPR)]. Die
12. Hongkong Mitarbeit von Adventisten bezieht sich hauptsächlich auf Bibel-
Mitglied im „Christenrat von Hongkong“ [Hong Kong Christian übersetzungsprojekte.
Council (HKCC)]. Der Rat befaßt sich hauptsächlich mit sozialen 24. Salomonen
Angelegenheiten. Er wurde 1954 gegründet, um den sozialen Nö- Gaststatus in der „Christlichen Vereinigung der Salomonen“
61
[Solomon Islands Christian Association (SICA)]. 37. USA
25. Samoa Die Gemeinschaft der S.T.A. ist zwar nicht Mitglied im National
Gaststatus in der „Gemeinschaft Christlicher Kirchen in Samoa“ Council of the Churches of Christ (NCCC), arbeitet aber in folgen-
[Fellowship of Christian Churches in Samoa (FCCS)]. den Gremien dieses Kirchenrates mit: Communication Commission;
26. Sambia Religious Liberty Committee; Office of Research, Evaluating and
Mitglied in der „Sambia Christlichen Kommission für Entwicklung“ Planning; Church World Service; Commission on Stewardship;
[Zambia Christian Commission for Development (ZCCD)]. Hier geht Estate and Financial Planning Action Team; General Committee
es ausschließlich um soziale Aktivitäten. Aus dem „Christenrat von and Regional Subcommittees of Overseas Ministries.
Sambia“ [Christian Council of Zambia (CCZ)] trat die STA 1975 38. Vanuatu [früher: Neue Hebriden]
zusammen mit der Weslyan Church aus. Grund: Protest gegen die Beobachterstatus im „Vanuatu Christenrat“ [Vanuatu Christian
aktive Unterstützung von Freiheitsbewegungen durch den CCZ. Council (VCC)].
27. Schweden 39. Zaïre
Mitglied im „Schwedischen Missionsrat“ [Shwedish Missionary Mitglied in der „Kirche Christi in Zaïre“ [Eglise du Christ Zaïre (ECZ)].
Council; Svenska Missionsraadet]. Gegründet 1912. Diesem Rat Gegründet 1924. Name bis 1971: „Protestantenrat im Kongo“
gehören nur protestantische Kirchen und Missionsgesellschaften [Councils Protestant du Congo]. Nur protestantische Kirchen ar-
an. Hier geht es hauptsächlich um Fragen der Entwicklungshilfe. beiten hier sozial und im Bereich der Religionsfreiheit zusammen.
Dem „Schwedischen Ökumenischen Rat“ [Swedish Ecumenical Quellen: David B. Baratt, World Christian Encyclopedia, Oxford
Council (SEC); Svenska Ekumeniska Nämnden] und dem University Press, 1982. Directory Christian Councils, Genf: World
„Schwedischen Freikirchenrat“ [Swedish Free Church Council Council of Churches, 1985. Auswertung von Meldungen in kirchli-
(SFCC); Sveriges Frikyrkoard] gehört dagegen die STA nicht an. chen Pressediensten, wie epd [Evangelischer Pressedienst], lwi
28. Schweiz (Lutherische Welt-Information] und KIPA [Katholische Internatio-
Beobachter- bzw. Gaststatus bei den regionalen Arbeitsgemein- nale Presseagentur]. ) ...
schaften Christlicher Kirchen in den Kantonen Baselstadt, Basel-
land, Zürich und Aargau. H. Konferenz Europäischer Kirchen (KEK)
29. Slowakische Republik Die KEK ist ein Zusammenschluß von zur Zeit 109 anglikanischen,
Seit Januar 1993 Beobachterstatus im neugegründeten „Ökumeni- alt-katholischen, orthodoxen und evangelischen Kirchen in Euro-
schen Rat der Kirchen in der Slowakischen Republik“. pa. Die römisch-katholische Kirche gehört der KEK nicht an. Die
30. Spanien Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten hat bei der KEK
Mitglied im 1985 gegründeten „Bund evangelischer Kirchen“. In einen Beobachterstatus, so daß bei den Vollversammlungen der
Spanien gibt es nur 50 000 Protestanten bei einer Bevölkerung KEK regelmäßig auch adventistische Beobachter anwesend sind.
von mehr als 38 Millionen Einwohnern. Das alleinige Ziel des Bun- (Siehe Informationen des Adventistischen Pressedienstes [APD],
des ist es daher gemeinsam gegenüber dem Staat auftreten zu Zentralausgabe für Deutschland, August 1992, Seite 7.“
können, um in der Gesetzgebung mehr religiösen Freiraum zu er-
langen. - ADRA abhängig von Ökumene?
31. Swasiland
Mitglied in der „Swasiland Konferenz der Kirchen“ [Swaziland „I. Sonstige Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Organisa-
Conference of Churches (SCC)]. Hier geht es hauptsächlich um tionen.... 2. Katastrophen und Entwicklungshilfe
Fragen gemeinsamen sozialen Wirkens und der religiösen Frei- Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA
heit. Im 1976 entstandenen ökumenischen „Rat der Swasiland Kir- arbeitet mit anderen Kirchen und Organisationen zusammen. Für
chen“ [Council of Swaziland Churches (CSC)] ist die STA dagegen bestimmte Entwicklungshilfeprojekte von ADRA stellten auch schon
kein Mitglied. die „Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe“ [EZE], „Brot
32. Syrien für die Welt“ und die „Carita“ Geld zur Verfügung.
Mitglied im „Rat Evangelischer Kirchen in Syrien und im Libanon“ ADRA Deutschland arbeitet bewußt eng mit der EZE zusammen.
[s.a. unter Libanon]. Finanzielle Mittel für Entwicklungshilfeprojekte könnte ADRA auch
33. Tansania direkt vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Beraterstatus im „Christenrat von Tansania“ [Christian Council of bekommen, doch ADRA wählt den Weg über die EZE. Bei jedem
Tanzania (CCT); Jumuiya ay Makanisa ya Tanzania]. ADRA-Projekt fragt die EZE bei den Christenräten/Ökumeni-
34. Tonga schen Räten der Empfängerländer an, ob sie dem Projekt der
Gaststatus beim „Tonga Kirchenrat“ [Tonga Council of Churches Adventisten zustimmen können. Bis heute erhielt ADRA im-
(TCC)]. mer die Zustimmung der jeweiligen Christenräte. Das wäre
35. Tschechische Republik bestimmt nicht der Fall, wenn diese die Adventisten als „Sekte“
Seit Januar 1993 Beobachterstatus im neugegründeten „Ökumeni- ansehen würden. ADRA Deutschland arbeitet immerhin in mehr
schen Rat der Kirchen in der Tschechischen Republik“. als 60 Ländern der Erde.“
36. Ehemalige UdSSR
Mitgliedschaft im „Rat der Kirchen Estland“. Zu diesem Rat gehö- - Erste Anknüpfungen mit der Evangelischen Allianz
ren die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche, die russisch-
orthodoxe Kirche, die Methodistische Kirche in Estland, die Evan- „5. Evangelische Allianz
gelisch-Christliche Baptistenkirche in Estland und die Siebenten- Auf Ortsebene gibt es Kontakte zwischen Adventisten und der
Tags-Adventisten. Hauptanliegen des Rates ist gemeinsam für die Evangelischen Allianz. Manche örtlichen Adventgemeinden
Sicherung der Religionsfreiheit einzutreten. Auch in anderen Repu- nehmen auch an der Allianz-Weltgebetswoche im Januar je-
bliken der früheren Sowjetunion sollen Christenräte entstehen. Bei den Jahres teil, denn Adventisten stimmen von ihrer Lehre her
den Gründungsversammlungen beteiligen sich auch Adventisten. mit der Basis... der Evangelischen Allianz überein... Auch fanden

62
bereits Gespräche zwischen Adventisten und Vertretern der gutgeheißen werden. Es sollte sich dabei um solche Ausschüsse
Europäischen Evangelischen Allianz statt. Diese Gespräche wa- oder Organisationen handeln, die nicht an eine bestimmte Glau-
ren aber „inoffiziell“. Die Allianz scheint gegenüber Adventisten bensgemeinschaft gebunden sind, wie zum Beispiel Bibelgesell-
wesentlich mehr Berührungsängste zu haben als umgekehrt. Vie- schaften, Zusammenkünfte von religiösen Verwaltern, christliche
le Allianzvertreter wissen noch nicht, wie sie die S.T.A. einordnen Radiostationen, Medienstellen, Missionen, Einwanderungsstellen,
sollen.“ Entwicklungshilfe, Wohlfahrt, Flüchtlingsdienste, religiöse Orga-
nisationen für den Frieden, theologische Kommissionen, religiöse
- Weltgebetstag der Frauen festigt die Bande Freiheit, die Religion im amerikanischen Leben.
7. Es sollten Personen mit Umfragen und mit der Anfertigung von
„6. Weltgebetstag der Frauen theologischen Studien oder Erklärungen betraut werden, die dem
1887 entstand der Weltgebetstag der Frauen in den USA durch Beirat oder dem Generalsekretär dienen könnten.
die Presbyterianerin Darwin James. Am Weltgebetstag nehmen 8. Der Beirat sollte die Stellung der Gemeinschaft der Siebenten-
neben katholischen, evangelischen und orthodoxen auch Tags-Adventisten zur ökumenischen Bewegung beobachten und,
adventistische Frauen (In Deutschland beteiligen sich u.a. wenn notwendig, Regeln und Grundsätze entwickeln, die dem
Frauen aus den Adventgemeinden in Berlin-Köpenik, Berlin- Sekretär und solchen Personen, die mit den nichtadventistischen
Marzahn, Gentin, Hamburg-Barmbek, Hamburg-Grindelberg, religiösen Organisationen in Verbindung kommen, als Leitlinie die-
Mühlhausen, Neuruppin, Potsdam, Quedlinburg und Weimar.) nen können.
teil. Der Gebetstag, der immer wieder die Situation von Frauen in 9. Den adventistischen Organisationen soll der Beirat in allen Fra-
einem anderen Land zum Gegenstand hat, findet jedes Jahr am gen beistehen, die die Ökumene und die Verbindungen mit ande-
ersten Freitag im März statt.“ ren Religionsgemeinschaften und zwischengemeinschaftliche
Organisationen oder religiöse Gruppen betreffen.)“
- Dialoge mit anderen und die verfänglichen Richtlinien der
Generalkonferenz - Hilfe beim Limatext - ein gottwohlgefälliger Beitrag zur Öku-
mene oder Politur fürs Netz?
„7. Bilaterale Dialoge (Bilaterale Dialoge sind „bewußt auf jeweils
zwei Partner sich begrenzende Gespräche“. Hanfried Krüger ...) „8. Stellungnahme zum „Lima-Text“
1980 errichtete die Generalkonferenz der S.T.A. einen „Beirat für Obwohl die Gemeinschaft der S.T.A. nicht Mitglied im Ökume-
zwischenkirchliche Beziehungen („Councils of Interchurch nischen Rat der Kirchen (ÖRK) ist, so gab doch ihre Generalkon-
Relations“), „um die Beziehungen der Gemeinschaft zu anderen ferenz eine ausführliche Stellungnahme zu den Konvergenzer-
religiösen Körperschaften zu leiten und zu überwachen“ (Bert B. klärungen der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des
Beach, Die Siebenten-Tags-Adventisten und die Ökumenische ÖRK über Taufe, Eucharistie und Amt, die 1982 in Lima formuliert
Bewegung. Aller Diener, III/86, Seite 31). wurden, heraus. (Der Text der Darstellungen der Siebenten-Tags-
Der Beirat führte bereits mit folgenden Kirchen bilaterale Dialoge: Adventisten zu den Aussagen des Ökumenischen Rates der Kir-
der Heilsarmee, den Seventh Day Baptists, der Church of God chen und der Kommission für „Glauben und Kirchenverfassung“
(Seventh Day) über Taufe, Eucharistie und Geistliches Amt (1982) wurde auch
Mit dem Lutherischen Weltbund ist im Jahr 1994 ein Dialog ge- veröffentlicht in Aller Diener, III/87, Seite 3-17) Man kann die
plant. adventistische Stellungnahme etwa wie folgt zusammenfassen:
( Der Beirat für zwischenkirchliche Beziehungen hat folgende Auf- „Das Lima-Papier enthält manche wertvolle Aussage, manchen
gaben: Ansatz zum Weiterdenken. Keine Kirche sollte es hochmütig igno-
1. Er stellt Richtlinien zur Verfügung und überwacht dann die Be- rieren. ... Das Irrige oder Unklare hat seinen Wert darin, daß es
ziehungen der Gemeinschaft zu anderen Kirchen und religiösen uns herausfordert. Ökumenische Liebe hat nichts zu tun mit Ver-
Organisationen. schweigen der Wahrheit ... So kann das lima-Papier als Grundlage
2. Er empfiehlt der Generalkonferenz, bei Versammlungen, für ein ökumenisches Gespräch verstanden werden. Kein Zwei-
Kommissionen, Zusammenkünften und Beratungen anderer fel, daß auf die Adventgemeinde hier ein Auftrag zukommt.“
Kirchen in aller Welt gegenwärtig oder vertreten zu sein. (Dieter Leutert, Ökumenische Liebe darf die Wahrheit nicht ver-
3. Er ermächtigt zur Versendung von Einladungen durch die schweigen. Artikel im Adventecho, Nr. 3, März 1986, S. 13)“
Generalkonferenz an die Vorsteher der nichtadventistischen
Religionsgemeinschaften, damit die Vertreter dieser Organi- - Im Sonnenschein ökumenischer Grüße
sation an Versammlungen, Sitzungen oder Kommissionen der
Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten teilnehmen „9. Beobachter anderer Kirchen bei adventistischen Veranstaltun-
können. gen
Adventisten laden auch Vertreter anderer Kirchen zu ihren Ver-
4. Er ermächtigt zu ‘Besprechungen` oder ‘Dialogen` mit anderen anstaltungen ein. So überbrachten z.B. während der 55. General-
Kirchen oder religiösen Organisationen, sofern solche Zu- konferenz-Vollversammlung der STA in Indianapolis, USA, im Jahr
sammenkünfte nützlich sein könnten. 1990 Vertreter von mehr als 20 christlichen Kirchen und Organisa-
5. Er ermächtigt zu gemeinsamen Versuchen und Erfahrungen, tionen Grußworte. (Grußworte sprachen u.a.:
sei es durch Studien oder durch Beratungen mit anderen Kirchen 1. Rev. Joan Campell, Leiterin des amerikanischen Büros des
oder religiösen Organisationen, und zwar überall dort, wo es wün- Ökumenischen Rates der Kirchen in New York, im Auftrag von
schenswert und möglich wäre. Dr. E. Castro.
6. Überall dort, wo es nützlich sein könnte, sollte die Anwe- 2. Bischof Leroy C. Hodapp vom Methodistischen Weltrat.
senheit eines adventistischen Vertreters als Beobachter oder 4. Dr. Jane Dempsey Douglass, Präsidentin des Reformierten
als Mitglied in gewissen Ausschüssen oder Organisationen Weltbundes.
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5. Dr. Archie Goldie vom Baptistischen Weltbund. der ACK eingeladen. An diesen Tagungen mit bestimmten Schwer-
6. Dr. Earle Hilgert von der Presbyterianischen Kirche. punktthemen können auch Nichtmitglieder teilnehmen, da hier
7. Rev. Edward W. Jones vom Anglikanischen Konsultativrat. weder über ökumenische Anliegen beraten noch beschlossen wird.)
8. Feodro Kovalchuk vom Moskauer Patriarchat der Russisch-Or- 1988 wurde die S.T.A. auch nicht beim von der ACK veranstalteten
thodoxen Kirche. Forum „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“,
9. Abt Leonid von der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche. im Gegensatz zur DDR wo sich die S.T.A. beteiligen durften, be-
10. Rev. Thomas J. Murphy vom Päpstlichen Rat zur Förde- rücksichtigt...
rung der Christlichen Einheit.)“
c. Als deutlich wurde, daß sich in Folge der deutschen Wieder-
- Die Vernetzung in Deutschland und der Schweiz vereinigung auch die ACK-West und die AGCK-Ost ebenfalls ver-
einen wollen, ließen die Vertreter der Gemeinschaft der S.T.A. in
„J. Deutschland Ostdeutschland, die ja in der AGCK als Gäste vertreten waren,
1. Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (AGCK/ACK) keine Zweifel daran, daß sie interessiert seien, das in 20 Jahren
gewachsene gute Verhältnis mit den anderen Kirchen auch in der
a. 1969 wurde in der damaligen DDR die Arbeitsgemeinschaft neuen gesamtdeutschen ACK fortzusetzen. Am 27. März 1991
Christlicher Kirchen (AGCK) gegründet. Gleich zu Beginn kam es stellte daher Lothar Reiche (Berlin), Vorsteher des Ostdeut-
zu Gesprächen zwischen AGCK und Adventisten, mit dem Ergeb- schen Verbandes der S.T.A., bei der AGCK schriftlich den An-
nis, daß die Gemeinschaft der STA in der DDR einen Gaststatus trag, daß die Gemeinschaft der STA in der neuen ACK als Gast-
(Der Gaststatus wurde in der AGCK als Beobachterstatus bezeich- mitglied aufgenommen wird. Einen ähnlichen Antrag auf Gast-
net, entsprach aber einem Gaststatus in der West-ACK) in der status stellte Reinhard Rupp (Hannover), 1. Vorsitzender der
AGCK erhielt. Gemeinschaft der S.T.A. in Deutschland, am 29. Mai 1991.
Während der ACK-Mitgliederversammlung in Goslar (28./29. Ok-
b. In Westdeutschland gehen Gespräche zwischen Adventisten tober 1992) wurde beschlossen, den Antrag mit einer Befürwor-
und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Bundes- tung der Aufnahme an die Mitgliedskirchen der ACK weiterzulei-
republik Deutschland und Berlin (West) e.V. (ACK) bereits auf das ten. (Nach § 5 Ziff. 5.3 der Satzung der ACK ist für die Aufnahme
Jahr 1966 zurück. Jedoch kam es trotz wiederholter Begegnungen neuer gastmitglieder die Zustimmung von zwei Dritteln der Mit-
in dieser ACK zu keinem Gaststatus, an dem sich die S.T.A. später gliedskirchen erforderlich. Gegenwärtig gibt es 11 Mitgliedskirchen,
interessiert zeigten. ( Noch vor der Neukonstituierung der ACK so daß 3 Kirchen die Zustimmung verweigern oder sich der Stim-
(1974) wurde am 08. November 1973 ein Vertreter der S.T.A. [Pa- me enthalten können und die beantragende Kirche dennoch als
stor Otto Gmehling, der frühere Vorsteher der S.T.A. in Deutsch- Gastmitglied aufgenommen werden kann. Da inzwischen die
land] von der ACK zur Mitgliederversammlung eingeladen, um das meisten Mitgliedskirchen dem Antrag der Gemeinschaft der
Referat „Der Glaubensweg der Siebenten-Tags-Adventisten“ zu S.T.A. auf Gastmitgliedschaft zugestimmt haben, ist davon
halten. Allerdings hatte die damalige noch existierende Mitteleuro- auszugehen, daß die Aufnahme der STA als Gastmitglied wäh-
päische Division der S.T.A., Darmstadt, am 19. Dezember 1973 rend der ACK-Mitgliederversammlung am 27./28.10.1993 in
durch ein Schreiben an die ACK signalisiert, daß gegenwärtig eine Erfurt verkündet wird.)
Gastmitgliedschaft der S.T.A. in der ACK nicht in Frage käme. Den-
noch fanden auch in den Jahren 1975 bis 1980 Begegnungen d. Auf Bundesländerebene hat die S.T.A. seit 1971 einen Be-
zwischen S.T.A. und Vertretern der ACK statt. obachterstatus im Ökumenischen Rat Berlin (ÖRB)..., seit 1990
1985 beschlossen der Süddeutsche und Westdeutsche Verband einen Gaststatus in der ACK Hamburg und seit 1992 jeweils
der S.T.A. Kontakte mit regionalen ACK [z.B. in Baden-Würtemberg], einen Gaststatus in der ACK Bremen und in der AVK im Frei-
aber auch mit der Ökumenischen Zentrale [ÖC] in Frankfurt/Main staat Sachsen sowie seit 1993 eine Mitgliedschaft in der ACK
aufzunehmen, um die Möglichkeit eines Gaststatusses zu erör- Sachsen-Anhalt inne. (Bei der ACK im Freistaat Sachsen hat
tern. Von adventistischer Seite wurde Dr. Lothar E. Träder, Do- die Gemeinschaft der S.T.A. in Sachsen die Mitgliedschaft
zent am Theologischen Seminar Marienhöhe, Darmstadt, mit beantragt. Über diesen Antrag ist noch nicht entschieden
der Knüpfung dieser Kontakte beauftragt. Nach verschiedenen worden. Es müssen alle Mitgliedskirchen zustimmen. In Meck-
Gesprächen und Bericht von Dr. Träder in den Gremien der STA, lenburg-Vorpommern konstituiert sich die ACK am 07.09.1993
stellte Dr. Träder im offiziellen Auftrag der S.T.A. am 12.03.1986 in Güstrow. Hier wird die Gemeinschaft der S.T.A. zu den Grün-
den Antrag an die ACK, z. Hd. von Dr. Laurentius Klein, damaliger dungsmitgliedern gehören. In Thüringen wurde am 27.05.1993
Geschäftsführer der ÖC, daß er als offizieller Vertreter der S.T.A. eine ACK gegründet. Dieser neuen ACK liegt ein Antrag auf
doch für ein Jahr als persönlicher Beobachter/Gast zu den Gastmitgliedschaft der Gemeinschaft der S.T.A. auf Gastmit-
Mitgliederversammlungen und sonstigen Tagungen der Bundes- gliedschaft vor, über den noch entschieden werden muß. In
ACK zugelassen wird, „um einen Einblick in die konkrete Arbeits- Baden-Würtemberg beschloß die dortige ACK bei ihrer Mit-
weise, den Arbeitsumfang und die Zielrichtung der Arbeit zu ge- gliederversammlung in Raststatt [31.01./01.02.1986), daß ein
winnen“. Nach diesen Einsichten und Erfahrungen wollte er den „Beraterstatus“ (= Gaststatus) der Gemeinschaft der S.T.A. derzeit
Leitungsgremien der S.T.A. Bericht erstatten, damit diese dann über nicht möglich ist. In Niedersachsen fanden 1985 Gespräche zwi-
einen offiziellen Aufnahmeantrag der S.T.A. in die ACK entscheiden schen Vertretern der dortigen ACK und der Gemeinschaft der S.T.A.
könnten. Mit Schreiben vom 04.04.1986 bedankte sich Dr. Lau- statt. Sie führten jedoch zu keinem konkreten Ergebnis.)
rentius Klein bei Dr. Träder für den erhalt des Briefes und teilte mit,
daß der Vorstand in dieser Frage zu entscheiden habe. Trotz spä- e. Auf Ortsebene arbeiten verschiedene Adventgemeinden als
terer telefonischer Nachfrage von Dr. Träder bei der ÖC bekam die Mitglied, Gast oder Beobachter in lokalen ACK´s mit. (Gast bzw.
S.T.A. keinen Bescheid. Die ACK schwieg zu diesem Antrag Beobachterstatus in solchen ACK´s haben z.B. die Ad-
Erst 1989 wurde die S.T.A. zu den ökumenischen Regionaltagungen ventgemeinden in Heidelberg, Baden-Baden, Pforzheim, Ulm,

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Göttingen, Kassel, Koblenz und Neuwied. Mitgliedschaft einzel- 5. Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA)
ner Orts-ACK´s bestehen beispielsweise in Dresden, Frank- Teilnahme als Gast an den Delegiertenkonferenzen der SEA.“
furt/Oder, Esslingen und Schleswig.)
... Zusammenfassung und Kritik
3. Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF)
1926 wurde die VEF in Leipzig mit dem Ziel gegründet, daß sich Verschmelzungsprozesse und Endziel des konziliaren Prozes-
die Freikirchen, die in Deutschland kleine Kirchen sind, gemein- ses
sam in der Öffentlichkeit bemerkbar machen, um Vorurteile und
Mißverständnisse zu beseitigen. Da Adventisten sich selbst zu den Pfarrer Affeld bringt es auf den Punkt:
Freikirchen zählen und der Ordnung der VEF zustimmen können..., „Der ´konziliare Prozeß` vereinigt durch Dialog und politisch-so-
stellte am 20. Mai 1992 Reinhard Rupp, 1. Vorsitzender der Ge- ziale Taten nicht nur Ort und Welt, Kirchenleitung und Ge-
meinschaft der S.T.A. in Deutschland, den Antrag auf Gast- meindebasis, sondern auch die verschiedensten Kirchenvertreter,
mitgliedschaft in der VEF. Während der Präsidiumssitzung der Glaubensüberzeugungen und, wie wir in unserer Landeskirche sehr
VEF am 08. Juni 1993 lag das Ergebnis vor. Alle VEF-Mitglieds- vornehm und zurückhaltend sagen, ´Frömmigkeitstypen`...
kirchen haben dem Antrag der S.T.A. zugestimmt..., so daß Da im ´konziliaren Prozeß‘ weltweit gedacht wird und die ent-
sie jetzt Gastmitglied in der VEF ist. scheidenden Themen von allgemein menschheitlicher Bedeutung
sind, ist es nur logisch und konsequent, wenn man schon jetzt
4. Deutsche Evangelische Allianz (DEA) über den christlich-ökumenischen Rahmen hinaus darauf abzielt,
Da Adventisten der Basis der Evangelischen Allianz zustimmen schließlich alle Religionen und Ideologien der ganzen Welt in ge-
können, nehmen auch Adventgemeinden an der Allianz-Gebets- meinsamer Sorge um das bedrohte Überleben der Menschen zu-
woche teil. (z.B. in Annaberg-Buchholz, Darmstadt-Mitte, Des- sammenzuschließen...
sau, Erfurt, Esslingen, Greiz, Hamburg-Grindelberg, Mühl- Der ´konziliare Prozeß‘ soll also alle Menschen aller Weltan-
hausen, Langenhagen, Nordhausen, Quedlinburg, Schöne- schauungen ´grenzüberschreitend‘ zusammenbringen. ´Grenzüber-
beck, Ulm, Weimar, Zeitz) schreitend‘ ist hier ein wichtiger Begriff. Das Einigungswerk des
´konziliaren Prozesses‘ liegt nicht in der Vereinheitlichung persön-
Bei der Aktion „ProChrist´93“ mit Billy Graham, die von der licher Glaubensüberzeugungen von Christen oder auch Nichtchri-
DEA durchgeführt wird, wurden die Adventisten eingeladen, sich sten. Vielmehr geht es um die gemeinsame Ausrichtung ihrer poli-
auf Ortsebene zu beteiligen. (idea spektrum, Nr. 13/92, Seite 14. tischen und sozialen Taten...
In den Adventgemeinden Hamburg-Grindelberg, Hamburg- Wenn Glaubensüberzeugungen nicht mehr einigen können, dann
Barmbek und Braunschweig wurde „ProChrist“ direkt über- müssen es wohl die Glaubenstaten tun. Es ist die Rettung der
tragen. Mitglieder der Adventgemeinden u.a. in Berlin-Marzahn, Menschheit über den pragmatisch-politischen Weg. Mission im Sin-
Bremerhaven, Darmstadt-Mitte, Dortmund, Erfurt, Goslar, ne der Rettung unsterblicher Menschenseelen scheint dem
Görlitz, Langenhagen, Lutherstadt Wittenberg, Magdeburg, ´konziliaren Prozeß‘ total entgegenzulaufen. Der Missionsauftrag
Velbert, Neuruppin, Potsdam, Ulm, Wilmershaven, Würzburg Christi bleibt in den konziliaren Verhandlungen und Dokumenta-
beteiligten sich aktiv an „ProChrist“)... tionen weitgehend auf der Strecke... Im ´konziliaren Prozeß‘ wird
der Mensch über die politische Tat in ein dialogisches Verhältnis
K. Schweiz mit anderen Menschen und Weltanschauungen geführt. So läuft
1. Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (AGCK) dieser Prozeß auch ohne Gott... Der ´konziliare Prozeß‘ erscheint
Seit 1973 Beobachterstatus in der AGCK Baselstadt, seit 1981 somit als groß angelegter Versuch auf Weltebene, die Christen auf
Gaststatus in der AGCK im Kanton Zürich, seit der Gründung dem Weg der Einheit mit allen Menschen weiterzubringen; hin auf
der AGCK im Aargau im Jahr 1985 Beobachterstatus, seit der das Ziel, die Menschheit vor dem selbstverschuldeten Untergang
Gründung der AGCK Baselland im Jahr 1992 ebenfalls Beob- zu retten. Die Gefahren des Synergismus und Synkretismus lau-
achterstatus. ern überall. Die Mobilisation politisch-sozialer Leidenschaft, die
Faszination weltweiter Mitverantwortung, die Konzentration auf
2. Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung politische Einzelaktionen und vor allem ihre Integration durch die
Gaststatus der Schweizer Union der S.T.A. im Schweizerischen Vernetzung ist für diesen Prozeß auf Weltebene kennzeichnend.
Ökumenischen Komitee für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung Das aber führt zur geistlichen Stagnation und schließlich zur Er-
der Schöpfung (Bern: 1988/89). Teilnahme der beiden europäi- drosselung des biblisch-heilsgeschichtlichen Bewußtseins der
schen Divisionen der S.T.A. (Trans-Europa Division mit Sitz in Gemeinde, wenn sie sich in diesen ihrer eigentlichen Sendung
St. Albans/London) und Euro-Afrika Division mit Sitz in Bern) wesensfremden Prozeß einspannen läßt und sich nicht dagegen
als Gast-Delegierte an der „Europäischen Ökumenischen Ver- wehrt...
sammlung ´Frieden in Gerechtigkeit` im Mai 1989 in Basel. Wir haben es immer wieder angedeutet: Das Ziel des ´konziliaren
Prozesses‘ ist eine globale Utopie.
3. Schweizerische Evangelische Synode (SES)
Teilnahme der Schweizer Union der S.T.A. als offizielle Beobachter Das konziliare Bewußtsein ist ein Weltbewußtsein im Sinne eines
an der Laienbewegung SES am synodalen Prozeß von 1983 bis Retterbewußtseins. Carl Friedrich von Weizäcker hat die Notwen-
1987. digkeit in die knappen Worte gebracht: ´Die Zeit drängt!‘...
Der dialogische Prozeß im Meinungsaustausch ist ein Schmelz-
4. Evangelisches Forum prozeß, in den sich jeder einbringen soll - je gegensätzlicher, de-
Teilnahme als Gastkirche an den beiden Evangelischen Foren I sto besser! Die Glaubenswahrheiten für den einzelnen bleiben er-
und II (1988 und 1990). halten, aber sie werden von der Gesamtideologie überhöht und
vereinnahmt. ´Ihr Evangelikalen, macht doch mit, bringt euch doch
65
ein! Haltet doch nicht euren separaten ´Theologischen Konvent Sehr deutlich und eindringlich warnt die Bibel und E.G. White vor
über den konziliaren Prozeß, sondern hakt euch ein und macht dieser christlich-politischen Mischung oder anders ausgedrückt,
mit!‘ Das sind die teils freundlichen, und teils ungeduldigen Er- vor der Verbindung der Gemeinde mit der Welt.
mahnungen, die uns immer wieder begegnen. Und doch können
wir als Bekenntnischristen nicht einwilligen. Denn unsere Kritik am Gottes Warnung durch E.G. White
´konziliaren Prozeß‘ ist letztlich vom Ziel der Heilsgeschichte Got-
tes her bestimmt. Das politische Handeln seiner Befürworter läßt Unserer Prophetin wurde für die letzte Zeit offenbart, daß Satan
sich von deren weltanschaulichen Einstellungen nicht trennen.... überall Menschengruppen zusammenbringt, ob Gläubige oder
Die einen sagen heute: ´Das Ziel ist die Weltrettung, und deshalb Ungläubige, die gegen Gottes Gesetz eingestellt sind und vom
brauchen wir die Schaffung eines weltweiten Retterbewußtseins. wahren Glauben wegführen. Das weltweite Netz der ökumenischen
Darum geht es im konziliaren Prozeß.‘ Bewegung wird hier entlarvt:
Bekennende Christen antworten darauf: ´Wir wissen aus der bibli-
schen Offenbarung, daß der wiederkehrende Erlöser Jesus Chri- „Bündnisse werden sich in Zahl und Kraft vermehren, wenn wir
stus die Welt richten und retten wird. Dieses Ziel, Christus allein, uns dem Ende der Zeit nähern. Diese Bündnisse werden feindli-
dürfen wir uns nicht verrücken lassen, auch nicht durch den che Einflüsse für die Wahrheit entwickeln, wenn sie neue Gruppen
´konziliaren Prozeß‘!‘„32 von bekenntlichen Christen gründen, die mit ihren eigenen
verführerischen Theorien arbeiten. Der Abfall wird zunehmen. ´Ei-
Eine Erklärung des Theologischen Konventes findet der inter- nige werden sich vom Glauben abwenden und verführerischen
essierte Leser im Anschluß an die Fußnoten. Geistern und Lehren der Teufel glauben.` Männer und Frauen ha-
ben sich zusammengeschlossen, um dem Herrn, dem Gott des
Satan, der Affe Gottes Himmels zu widerstehen, und die Gemeinde nimmt diese Situa-
tion nur halb wahr.“33
Überdenken wir noch einmal den konziliaren Prozeß, so können
wir deutlich das andere Evangelium, die deutliche Nachahmung „Mehr und mehr verbünden sich Menschen in gemeinsamer Geg-
des Erlösungsgeschichte und viele Elemente der Gottesgemeinde nerschaft gegen Gott. Dieser Trend wird sich fortsetzen bis zu der
wiedererkennen: Zeit, da Christus seinen Platz als Fürsprecher verlassen und das
1) Die alternative Heilsschau in 4 Phasen, die in die kosmische Gewand des Richters anlegen wird. Satan wird überall Menschen,
Harmonie enden. die Gottes Gesetz mißachten, dazu bewegen, sich in Parteien und
2) Die Strategie der Gemeinde Gottes, in der Leitungsgremien und ähnlichen Gruppierungen zusammenzuschließen. Zu diesen Or-
Selbstunterhaltende Basismissionsgruppen das Evangelium überall ganisationen werden Leute gehören, die Gott völlig ablehnen, aber
hinbringen, gleich dem Sauerteig im Brot, wird alternativ durch auch solche, die sich als Heilige bezeichnen. In solcher Zeit muß
Vernetzung von Basis und Führung erreicht. In der Zan- die Gemeinde Gottes wissen, was sie will, und darf unter keinen
genbewegung, wo Oben und Unten sich im Wechselspiel antreiben, Umständen in ihrer geistlichen Wachsamkeit nachlassen.“34
wird allerdings zunehmend Druck auf Andersdenkende ausgeübt,
sich ihnen anzuschließen. „Die satanischen Kräfte sind ständig an der Arbeit, säen und be-
3) Als wirksames Mittel, Menschen zu binden und zu motivieren, gießen den Samen der Auflehnung gegen das Gesetz Gottes.
werden Verpflichtungserklärungen abverlangt, die eine ähnliche Unentwegt bringt Satan Seelen unter das schwarze Banner der
Funktion wie „Entscheidungskarten“ in einer Evangelisation erfül- Empörung. Er verbindet sich mit menschlichen Wesen, um gegen
len. die Reinheit und Heiligkeit zu kämpfen. Er ist bemüht durch Fleiß
Da es sich beim „Evangelium“ des Gegenspielers Gottes um welt- und Ausdauer die Zahl derer zu vergrößern, die sich ihm anschließt.
lich-politische Ziele handelt, die dem natürlichen Herzen gefallen Durch seine Stellvertreter sucht er die Entfernung zwischen Him-
und zum großen Teil jeden Menschen einleuchten, ist der Erfolg mel und Erde zu vergrößern.“35
gesichert. Hinzu kommen die Zeichen der Zeit, die selbst Ungläu-
bigen den baldigen Untergang unseres Planeten verdeutlichen, „Durch den Abfall haben sich gefallene Menschen und gefallene
so daß „die Zeit drängt“ schnell und global zu handeln. Ein 1000jäh- Engel miteinander verbunden und bekämpfen das Gute. Sie ha-
riges Friedensreich in dem alle Christen, Religionen, ja, alle Men- ben eine trostlose Gemeinschaft gebildet. Mit Hilfe seiner bösen
schen vereint sind, ist die faszinierende Vision und Utopie, die ver- Engel versucht Satan einen Komplott mit angeblich frommen Men-
mittelt wird. Daß das große „Friedenskonzil“ gelingt, und es letzt- schen zu bilden, und auf diese Weise durchsäuert er die Gemein-
lich in der Aufrichtung des Bildes des Tieres mündet, zeigt uns de Gottes...
das prophetische Wort deutlich auf. Er verbündet sich mit Menschen, die vorgeben im Glauben zu ste-
hen.“36
Als Siebenten-Tags-Adventisten wollen wir aber weder das Bild
des Tieres in der Ökumene mitbauen noch uns durch die ACK Weitere wichtige Zitate sind unter der Fußnote 37 zu finden.37
vernetzen lassen. Dies würde uns auch darin behindern, die schar-
fen Wahrheiten der dreifachen Engelsbotschaft mit aller Entschie- Ellen White nennt auch deutlich beim Namen, mit wem wir uns
denheit zur Warnung aller zu verkündigen. Wir wollen uns auf kei- nicht verbinden dürfen:
nen Fall in das „Heilsystem“ Satans integrieren lassen, sei es auch
mit noch so süßen und verharmlosenden Worten. Es ist deutlich „Laßt es nicht zu, daß sich die Wächter auf den Mauern Zions mit
geworden: Die Ökumene einschließlich der ACK sind Sammelbek- denen zusammenschließen, welche die Wahrheit, wie sie in Chri-
ken vieler politisch aktiver Gruppen und religiöser Irrlehrer oder stus ist, neutralisieren. Laßt es nicht zu, daß sie sich der Vereini-
um es biblisch auszudrücken, „eine Behausung unreiner Geister gung der Untreue anschließen - derjenigen des Papsttums und
und verhaßter Vögel“ - dort haben wir nichts zu suchen. des Protestantismus - welche die Tradition über die Schrift stellen,

66
Schema des griechisch-synkretistischen Evolutionsmodells
Versuch der Darstellung des Entwicklungsschemas des Kosmos nach der Theorie der
konziliaren Vision Carl Friedrich von Weizäckers auf dem Hintergrund der Ideenlehre (Plato)

IDEE GESTALT BEWUSSTSEINSWANDEL ZIELVISION/“FRIEDEN“


- Urzustand -Verschiedenheit (Paradigmenwechsel) - Selbst-Bewußtsein
- das Eine -Differenztheorien - Idee offenbart sich - Das Teil im Ganzen
- Absolutheitsansprüche in der Gestalt

- kosmische Harmonie
- evolutiv hervortreten-
VOLLENDUNG
- Das Ganze im Teil erkennbar

der Kern aller


- Gemeinschaft

Religionen
mit Gott
- Versöhnung mit Gott

ERLÖSUNG
- Loskauf von Sünde

setzung des Ethos


- evolutive Durch-
Schema der vier „Heilsgeschichten“

Tod und Teufel

- Entstehung von Macht


- Selbstvergottung
- Abfall von Gott

des Menschen

SÜNDENFALL

- Hochkultur
- Gesellschaft ohne
- „Primitive“ Kultur

Konfliktaustrag
URSPRUNG

kriegerischen
- Schöpfung

GEIST
GOTT

67
den Verstand über die Offenbarung und die menschlichen Gaben ist gefallen! Jetzt wird sie von Dämonen und unreinen Geistern
über den göttlichen Einfluß und über die belebende Kraft Gottes.“38 bewohnt. Alle Arten von unreinen Vögeln hausen in ihren Mauern.
Alle Menschen haben von ihrem Wein getrunken, dem schweren
„Siebenten-Tags-Adventisten müssen jetzt abgesondert und Wein ausschweifender Leidenschaft. Die Könige auf Erden haben
selbständig dastehen, ein Volk das vom Herrn als das Seine be- mit ihr Unzucht getrieben. Die Kaufleute der Erde sind durch ihren
zeichnet wird... Wahrheit und Irrtum können kein Bündnis einge- ungeheuren Wohlstand reich geworden. Dann hörte ich aus dem
hen. Laßt uns nun da stehen, wo Gott uns haben möchte... Wir Himmel eine andere Stimme, die sagte: ´Auf mein Volk! Verlaßt
sollen nach Einheit streben, aber nicht auf dem niedrigen Niveau diese Stadt! Sonst werdet ihr mitschuldig an ihren Sünden und
der Anpassung an weltliche Politik und der Verbindung mit volks- müßt ihre Strafe mit ihr teilen. Denn Gott hat ihr schändliches Tun
tümlichen Kirchen.“39 nicht vergessen. Ihre Sünden häufen sich bis an den Himmel!“
Offenbarung 18,1-4
Ein Wort an alle, die in der Gemeinschaft der Siebenten-Tags- Wir sollen nicht an den unfruchtbaren Werken der Ökumene teil-
Adventisten auf beiden Seiten hinken wollen: haben, noch zu den „Vögeln“ gehören, die im Netzwerk integriert
sind, sondern alle Welt davor warnen:
„Männer und Frauen geteilter Gesinnung sind Satans beste Ver- „Fragt immer, was dem Herrn gefällt! Beteiligt euch nicht an dem
bündete. Welche gute Meinung sie von sich auch haben mögen: finsteren Treiben, das nur verdorbene Frucht hervorbringt. Im Ge-
sie schauspielern. Alle, die Gott und der Wahrheit treu sind, müs- genteil, deckt es auf! Man muß sich schämen, auch nur zu nen-
sen für das Recht eintreten, weil es recht ist. Sich mit denen zu nen, was manche heimlich tun. Wenn es aber vom Licht der Wahr-
verbünden, die ungeheiligt sind und sich gleichzeitig der Wahrheit heit aufgedeckt wird, kommt es ans Licht.“
als treu erweisen, ist einfach unmöglich. Wir können uns nicht mit Epheser 5,10-13
denen verbinden, die sich selbst dienen und auf weltlicher Ebene
wirken, ohne daß wir unsere Verbindung mit dem himmlischen Und noch einmal ermahnt uns Gott durch Paulus, allen schädli-
Ratgeber verlieren“40 chen Einflüssen fernzubleiben:

Noch zwei letzte Zitate Ellen Whites zeigen deutlich, welchen Stand- „Laßt euch nicht vor den Karren des Unglaubens spannen!
punkt wir zur Ökumene einnehmen müssen und was uns erwartet: Recht und Unrecht passen genauso wenig zusammen wie
Licht und Dunkelheit. Sind etwa Christus und der Teufel in
„Diese sind einer Meinung.` Es wird ein weltweites Band der Verei- Einklang zu bringen? Was verbindet Glauben und Unglauben?
nigung geben: eine große Eintracht, ein Bündnis satanischer Mäch- Was haben die Götzen im Tempel Gottes zu suchen? Wir alle sind
te... Im auszufechtenden Kampf der letzten Tage werden sich alle doch der Tempel des lebendigen Gottes!
verderbten Mächte, die von der Treue zum Gesetz Gottes abgefal- Gott hat gesagt: ´Ich will bei ihnen wohnen und mitten unter ihnen
len sind, in Opposition zu Gottes Volk vereinen... In diesem Kampf leben. Ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.‘ Deshalb
wird der Sabbat des vierten Gebotes der große Streitpunkt sein.“41 sagt er auch: ´Zieht weg von hier, trennt euch von ihnen! Be-
rührt nichts Unreines! Dann werde ich euch meine Liebe zu-
„Die Grenzlinie zwischen den bekennenden Christen und den wenden.“ 2. Korinther 6, 14-17
Gottlosen ist gegenwärtig kaum erkennbar. Glieder der Kirche lie-
ben, was die Welt liebt, und sind bereit, sich mit ihr zu vereinen. Kann Gott uns, seine geliebte Gemeinde, noch deutlicher durchs
Satan ist fest entschlossen, sie zu einer Gemeinschaft zu verbin- Wort warnen und uns beauftragen, vor den Sünden Babylons zu
den und seine Sache dadurch zu stärken, daß er alle in die Reihen warnen? Beschämt uns nicht das klare Bekenntnis des Theologi-
des Spiritismus treibt. Katholiken, die Wunder als ein Zeichen der schen Konvents?
wahren Kirche ansehen, werden durch diese Wunder wirkende Mögen wir alle kirchlichen Verbindungen lösen, die irgendetwas
Macht leicht getäuscht werden; und Protestanten, die den Schild mit dem konziliaren Prozeß zu tun haben.
der Wahrheit von sich geworfen haben, werden ebenfalls hinter-
gangen. Katholiken, Protestanten und Weltmenschen werden den Laßt uns nicht eine kleine Quelle sein, die in den großen Strom
Schein eines gottseligen Wesens annehmen, während sie dessen des Abfalls fließt, um mitzuhelfen, daß viele Menschen verführt
Kraft verleugnen. Sie werden in dieser Vereinigung eine große werden und umkommen.
Bewegung sehen, die die Welt bekehrt und die lang erwartete tau- Wollen wir uns nicht gemeinsam besinnen und in dieser ernsten
sendjährige Regierung Christi ankündigt.“42 Stunde den dreifachen Engelsruf erschallen lassen? - Nur so wer-
den wir getreue Knechte unseres lieben und gütigen Meisters sein?
Gottes Wort in der Bibel Wirst Du auf die Stimme unserer Prophetin hören und „sicher sein“?
Wie wirst Du Dich entscheiden?
Drei Textabschnitte aus der Schrift verdeutlichen uns, wie Gott über
eine Verbindung seines Volkes mit den Organisationen denkt, die Alle Zeichnungen wurden dem Buch von Professor Peter Beyer-
dem Tier, anderen Göttern und dem Herrn dieser Welt dienen. Aus haus, Der konziliare Prozeß - Utopie und Realität entnommen.
der Guten Nachricht wird zitiert.
Fußnoten:
Gott erinnert uns durch sein Wort an unseren Auftrag und unsere
Botschaft: 1 RICHTLINIEN FÜR DIE ARBEITSGEMEINSCHAFT CHRIST-
LICHER KIRCHEN IM FREISTAAT SACHSEN,, 14.10.92
„Danach sah ich einen anderen Engel aus dem Himmel herab- 2 Beyerhaus/v.Padberg, Der konziliare Prozeß - Utopie und Rea-
kommen. Er hatte große Macht, und sein Glanz erhellte die ganze lität, S. 18-20, Verlag Klaus Gerth, Asslar, 1990
Erde. Er rief mit starker Stimme: ´Gefallen! Babylon, die große Stadt, 3 ebd., S. 15f; 4 ebd., S. 16f

68
5 Informationsdienst der Evangelischen Allianz, Dokumentation wohl es um Verbindungen zur Abstinenzbewegung geht. Aber selbst
Nr. 7/91, S. 39-41, idea e.V., Wetzlar hier ist warnt sie vor einer Mitgliedschaft:
6 Lothar Gassmann, Ein Konzil für den Frieden, S. 131-135, Verlag „Wir sollen uns mit den anderen verbinden und mit ihnen gehen,
Schulte&Gerth, Asslar, 1989 und zwar so weit, wie es möglich ist, ohne irgendeinen Grundsatz
7 Beyerhaus, ebd., S. 187, von Walter Künneth, Die konziliaren aufzugeben. Dies meint aber nicht, daß wir Mitglied ihrer Einrich-
Dokumente, von Königstein, Stuttgart und Basel im Aspekt der tungen und Vereine werden, sondern sie wissen lassen sollten,
lutherischen Zwei-Regimenten-Lehre; daß wir herzlichst mit der Abstinentfrage sympathisieren. Wir sol-
8 Beyerhaus, ebd., S. 254f, von Burghard Affeld, Der Strom, der len nicht isoliert für unsere eigene Kirche arbeiten... Wir sollten an
uns mitreißen soll -Der konziliare Griff nach der kirchlichenBasis der Spitze der Abstinzreform stehen.“
9 Beyerhaus, ebd., 190f; von W. Künneth ebd., 10 ebd., S. 191- Temperance, S. 220, Pacific Press Publishing Association, Mountain
194; View, California, 1949
11 ebd.; S. 194f 38 E.G. White, Bibelkommentar, ebd., S. 186f;
12 Gewissen und Freiheit, Nr. 24, 1. Halbjahr 1985, S. 105; Inter- 39 E.G.W., Mind, Charakter and Personality, S. 559, Letter 113
nationale Vereinigung zur Verteidigung und Förderung der Reli- 1903
gionsfreiheit, Bern, Schweiz 40 E.G.W. Bibelkommentar, ebd., S. 256; 41 ebd.; S. 545
13 Ellen G. White, Diener des Evangeliums, S. 346ff, Advent-Ver- 42 E.G.W., Der große Kampf, S. 589f, Saatkorn-Verlag Hamburg
lag Hamburg
14 Beyerhaus, ebd.; S. 154f, von Harm Bernick, Die konziliare Visi- Bekennende Gemeinde und „konziliarer Prozeß“
on Carl Friedrich v. Weizäckers;
15 Beyerhaus, ebd., S. 25, von Beyerhaus Eine Erklärung des Theologischen Konventes der Konferenz
16 ebd., S. 155, von Harm Bernick; 17 S. 158-162; 18 ebd., Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen
S. 163-165; 19 ebd., S. 165f; 20ebd., S. 177ff Deutschlands, Frankfurt am Main
21 Beyerhaus, ebd., S. 27; 22 ebd., S. 27f;
23 Lothar Gassmann, ebd., S. 141ff; 24 ebd., S. 153f Du sollst wissen, wie man sich verhalten soll im Hause Gottes, das
25 Beyerhaus, ebd., S. 279-283; 26 ebd., S. 283f; 27 ebd., S. 284- ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grund-
287; feste der Wahrheit (1. Tim. 3,15).
28 ebd., S. 287ff
29 Beyerhaus, ebd., S. 252-267; von Burghard Affeld ebd.; Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel
30 ebd., S. 270f; 31 ebd., S. 271-274; 32 ebd., S. 275ff meines Gottes ... (Offb. 3,12a).
33 Ellen G. White, Evangelisation, S. 336, Predigtamtsabteilung
EUD Juni 1980, Bern/Darmstadt I. Die weltweite Planung
34 Ellen G. White, Ausgewählte Botschaften von Ellen G. White
Band 2, S. 141, Advent-Verlag Hamburg; Mit großer Dringlichkeit ergeht in diesen Tagen an alle christlichen
35 Ellen G. White, Bibelkommentar, S. 186, Ellen G. White Förder- Gemeinden der Aufruf, sich aktiv an dem sogenannten konziliaren
kreis e.V., Kolbermoorstr. 51, Bad Aibling; Prozeß zu beteiligen, dessen Aufgabe der gemeinsame Einsatz
36 ebd., S. 187; für „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ ist.
37 Schon im Oktober 1988 hat in Stuttgart ein von der
„Die Gottlosen werden zu Bündeln gebunden, sie verbinden sich „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen“ veranstaltetes
zu Konzernen, zu Verbänden und zu Genossenschaften. Mit die- Forum von Vertretern aus fast allen deutschen Kirchen und
sen Organisationen sollten wir nichts zu tun haben. Gott ist unser Freikirchen (einschließlich der römisch-katholischen Kirche)
Herr und Herrscher. Er fordert uns auf, aus der Welt herauszukom- in seiner „Stuttgarter Erklärung“ das Programm für diesen
men und uns abzusondern. ´Darum gehet aus von ihnen und son- Prozeß niedergelegt. In den Landeskirchen werden ökumenische
dert euch ab, spricht der Herr, und rühret kein Unreines an.` Leh- Versammlungen, Foren und Seminare zu den Themen des
nen wir das ab, verbinden wir uns mit der Welt und betrachten „konziliaren Prozesses“ veranstaltet. Sie dienen weithin der Ver-
alles von einem weltlichen Standpunkt, dann werden wir wie die kündigung kirchenleitender Direktiven mit den Aktionen politischer,
Welt.“ Bibelkommentar, ebd., S. 187f sozialer und ökologischer Initiativgruppen im ökumenischen Netz-
„Die Menschen mögen sich darum bemühen, ihren Einfluß zu ver- werk an der Basis. Schon werden Gemeinden durch Synodalbe-
stärken, indem sie sich miteinander verbünden - und wie sie mei- schlüsse auf Landes- und Kirchenkreis-Ebene dazu aufgefordert,
nen - starke Gemeinschaften bilden, damit sie ihre Pläne verwirk- ja verpflichtet, sich durch schriftliche Eingaben, Aktionen und Ver-
lichen können. Sie mögen sich stolz und selbstzufrieden fühlen; sammlungen aktiv am „konziliaren Prozeß“ zu beteiligen. Die näch-
aber der groß von Rat ist, plant nicht mit ihnen.“ Bibelkommentar sten Schritte sollen nun eine Europäische Konferenz im Mai 1989
S. 182 in Basel und darauf aufbauend eine vom Ökumenischen Rat der
„Je näher wir dem Ende kommen, desto mehr antigöttliche Grup- Kirchen einberufene „Weltkonvokation“ 1990 in Seoul, Korea, bil-
pierungen werden sich bilden. Sogar gläubige Menschen werden den; weitere Konferenzen sollen folgen.
sich zusammenschließen und der Wahrheit schaden, indem sie Angeregt worden ist dieses Vorhaben bei der 6. Vollversammlung
irreführende Anschauungen unter die Leute bringen. Der Abfall des Weltkirchenrates in Vancouver 1983 durch eine Initiative des
wird zunehmen: ´Der Geist aber sagt deutlich, daß in den letzten badischen Ökumene-Referenten Dr. Ulrich Duchrow und des
Tagen einige von dem Glauben abfallen werden und verführeri- sächsischen Propstes Heino Falcke, danach von dem Atomphysi-
schen Geistern und teuflischen Lehren anhängen.` (1.Tim.4,1)“ ker und Philosophen Carl Friedrich von Weizäcker, der auf dem
Ausgewählte Botschaften Band 2, S. 393f Kirchentag in Düsseldorf 1985 ein universales Friedenskonzil aller
Oft wird ein Zitat von E.G. White bewußt oder unbewußt falsch Kirchen gefordert hat. Von Weizäcker und andere erstreben letzt-
verwendet, indem man es kirchlichen Verbindungen zuordnet ob- lich ein Zusammenkommen nicht nur aller Konfessionen, sondern
69
auch Religionen, weil nur so das bedrohte Überleben der Mensch- Träger des konziliaren Prozesses betrachten, springen uns - ne-
heit gesichert werden könne. ben manchen beachtenswerten Einsichten und Forderungen im
einzelnen - schwere theologische Verirrungen ins Auge. Diese stel-
II. Berechtigte Anliegen und deren Grenzen len das ganze Vorhaben in einen unaufhebbaren Gegensatz zum
biblischen Denken. Wir begegnen nämlich
Viele Christen sind geneigt, diesem Appell Folge zu leisten, weil
die hier aufgewiesenen globalen Gefahren unübersehbar sind. Der 1. einer durchgängigen Mißachtung der Heiligen Schrift.
verschwenderische Lebensstil unserer westlichen Überflußgesell- Sie zeigt sich in der Umdeutung oder Außerachtlassung wichtiger
schaft stellt in seinem krassen Gegensatz zum Hungerelend gro- Aussagen , in der Anwendung einer die Bibel vergewaltigenden
ßer Teile der Menschheit eine Beleidigung des Sinnes für Gerechtig- „kontextuellen“ Auslegungsmethode, wie sie in der sogenannten
keit dar. Das Hochrüsten der Großmächte, aber auch der unver- Befreiungstheologie üblich ist, und in der Hinzuziehung anderer
söhnliche Haß und die bewaffneten Auseinandersetzungen Erkenntnisquellen aus nichtchristlichen Religionen und aus Ideolo-
verfeindeter Völker und Stämme bedrohen ständig den Frieden gien;
auf Erden. Ebensowenig kann uns die fortschreitende Umwelt-
vernichtung durch zerstörerische Eingriffe in die ökologischen Kreis- 2. einem falschen Bild von Schöpfung und Geschichte, in wel-
läufe der Schöpfung gleichgültig lassen... chem deren Todesgefälle optimistisch zu einer stetigen Aufwärts-
Der Sündenfall des Menschen hat aber seine Gerechtigkeit vor entwicklung verkehrt wird, Heils- und Weltgeschichte ineinander-
Gott und damit den ursprünglichen Frieden auf Erden zerstört. Um gemengt werden und die Natur sogar vergötzt wird;
die gefallene Menschheit vor ihrer völligen Selbstausrottung zu
schützen, hat Gott im Staat eine Erhaltungsordnung eingesetzt, 3. einem ideologisch entstellten Heilsverständnis, bei dem an
die - wenn nötig unter Androhung und Einsatz von Gewalt (Römer die Stelle des in der Sündenvergebung empfangenen Friedens mit
13,4) - über die Einhaltung seiner Forderung nach Gerechtigkeit Gott die Herstellung innerweltlicher Harmonien durch den autono-
und Frieden im menschlichen Zusammenleben wachen soll... men Menschen gesetzt wird;
Durch das Heilswerk Jesu Christi wird allen denen, die an ihn glau-
ben (Joh. 3,16), die verlorene Gerechtigkeit, die vor Gott gilt (Röm. 4. einer Relativierung der Person Christi, der zu einem Reli-
21-28), und damit auch der Friede mit ihm (Röm. 5,1) und unter- gionsstifter unter anderen degradiert oder zu einem geschichtlichen
einander (Eph. 4,3; Phil. 2,2) wiedergeschenkt.´“Gerechtigkeit und Prinzip gemacht wird;
Friede“ in den irdischen Bezügen einerseits und als geistliche Frucht
der Erlösung (Gal. 5,22f; Eph. 5,9) andererseits gilt es deswegen 5. einer säkulären Wesensveränderung der Kirche, wodurch
im Sinne der Zwei-Regimenten-Lehre Luthers sowohl sorgfältig der Leib Christi universal zum „Leib der Menschheit“12 ausgewei-
zu unterscheiden als auch in ihrer inneren Beziehung zueinander tet und die Gemeinde unter Mißachtung der reformatorischen
zu erkennen... Verhältnisbestimmung von Kirche und Staat zum ausführenden
So sehen wir zum Beispiel in persönlichen Verpflichtungen zu ei- Organ politischer Anweisungen verplichtet wird;
nem Umweltbewußtsein und zu einem Lebensstil, der mit den
Notleidenden solidarisch ist, einen hilfreichen Weg. 6. einer Verdiesseitigung der biblischen Endzeitverheißungen,
Dabei gilt es zugleich, die biblisch-heilsgeschichtliche Schau in welcher unter Verzicht auf die Mission das künftige Reich Got-
im Auge zu behalten, daß wir seit dem satanischen Uraufruhr tes durch eine innergeschichtliche Weltfriedensordnung vorwegge-
und dem Sündenfall in einer gebrochenen Schöpfung leben nommen und die biblische Hoffnung letztlich verdrängt wird.
(1. Mose 3,17-19). Ihre tiefgehende Genesung und bleibende
Bewahrung ist uns nicht verheißen und kann deswegen nicht IV. Die Irreführung der Gemeinden
zum Programm der Kirche erhoben werden. Weil sowohl in der
menschlichen Geschichte als auch in der Natur die durch Gottes Diese schwerwiegenden theologischen Entstellungen der bibli-
Gericht verhängten Todesstrukturen wirken (Röm. 8,20), geht die- schen Schau werden von den Gemeinden, wenn sie für den
se erste Schöpfung unaufhaltsam ihrem Untergang entgegen. Auch „konziliaren Prozeß“ geworben werden, leicht übersehen, weil er
warnt uns der Seher Johannes, daß Gott selber dereinst durch ihnen zugleich mit Hilfe einer umfassenden Strategie nahegebracht
endgeschichtliche Strafgerichte kosmischen Ausmaßes der unbuß- wird. Dazu gehören folgende Elemente:
fertigen Menschheit ihre schöpfungsgegebenen Lebensbedingun-
gen zerstören und wegnehmen wird (Offb. 16,4-5; 8-11; 18-21). 1. Die Füllung vertrauter biblischer Begriffe (zum Beispiel Frie-
„Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde de und Gerechtigkeit) mit neuen ideologischen Inhalten;
nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt“ (2. Petr.
3,13). 2. der von äußerem Druck begleitete moralische Appell an die
Ebenso wichtig ist die andere heilsgeschichtliche Einsicht, daß der Gewissen sowie die Ausnutzung der Angstgefühle der Men-
Friede Christi und die Gerechtigkeit Gottes, von denen, die Heilige schen;
Schrift spricht, Gaben sind, die nur im Glauben zu empfangen sind.
Sie können deswegen nicht zwangsweise zur Grundlage einer welt- 3. ein Programm ökumenischer Vernetzung, bei welchem durch
politischen Ordnung gemacht werden. Versuche, unter Berufung ein System von konziliaren Gruppen und Agenten - unter Umge-
auf biblische Aussagen dieses zu tun, müssen als ein Verfolgen hung oder auch mit Billigung der kirchenamtlichen Leitungsorgane
schwarmgeistiger Utopien zurückgewiesen werden. - der Gemeinde eine neue Hierarchie aufgedrängt wird:

III. Die theologische Verirrung 4. die Einführung (zum Beispiel durch den Schulunterricht und
durch interreligiöse Gebetstreffen) einer unbiblischen Sicht der
Wenn wir in diesem Licht die Verlautbarungen der Initiatoren und nichtchristlichen Religionen als Partner für die Sicherung des

70
Weltfriedens; heit zu gelangen, gilt es für uns heute, unsere wahre Gemeinschaft
in einer weltweit bekennenden Gemeinde zu suchen. Sie wird die
5. die Einbeziehung der Politik in den christlichen Glaubens- wahrhaft Christusgläubigen aus allen Kirchen und Nationen ver-
gehorsam, wodurch zum Beispiel radikal umstürzlerische Plä- binden, und zwar auf der Grundlage der Heiligen Schrift sowie im
ne zu angeblichen Forderungen des Evangeliums an eine Erkennen der endzeitlichen Gefahren, die ihnen gemeinsam dro-
„bekennende Kirche“ erhoben werden. hen (Eph. 4,3-6; 1.Petr. 5,9; Offb. 12,13-17).
6. Angesichts der biblischen Warnung, daß eine unter antichristli-
Diese systematisch verfolgte Strategie bereitet die Christen- chem Vorzeichen zusammengeschlossene religiöse Welt-
heit Schritt für Schritt für die Veranstaltung eines kommen- gemeinschaft alle Christen, die ihren Ansprüchen widerstehen,
den Weltfrieden-Konzils aller Kirchen, Religionen und Ideo- verfemen, anfeinden und schließlich verfolgen wird (Offb. 17,6),
logien vor, welches ihr im Namen Gottes verpflichtende Wei- gilt es für die bekennende Gemeinde, sich in ihrem unverkürzten
sungen für das Leben in einer politisch-religiösen Welt- Christuszeugnis auf wachsende Bedrängnis vorzubereiten (Offb.
einheitsordnung geben soll. Biblisch gegründete Christen erken- 12,11) und seelische Verwundungen wegen des Protestes schon
nen in solcher „konziliaren Vision“ bedenkliche Parallelen zu dem jetzt willig zu erdulden. Denn Jesus Christus ruft uns zu:
Reich des Antichristen, das uns prophetisch vorhergesagt ist (Offb. „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens
17,12-18). geben“ (Offb. 2,10).

V. Die Antwort der bekennenden Gemeinde Prof. D.Dr. W. Künneth DD,


Prof. Dr. P. Beyerhaus,
1. Angesichts der Einbeziehung biblischer Aussagen und Bischof Dr. J. Heubach,
berechtigter sachlicher Anliegen in die widerbiblische Ge- Propst em. Dr. Karl Hausschildt
samttendenz des „konziliaren Prozesses“ gilt es für bekennende ...
Christen, der Einladung zur Beteiligung daran in sorgfältiger Entnommen: Peter Beyerhaus/Lutz E. v. Padberg „Der konziliare
Geistesunterscheidung zu begegnen. Unsere Prüfung hat auf der Prozeß - Utopie und Realität“ S. 364ff, Schulte & Gerth, 1990 Asslar.
Grundlage des geoffenbarten Gotteswortes und im Erkennen der
ideologisch-synkretistischen Quellen dieses Prozesses zu gesche- Erich Schultze
hen. Wir weisen dabei auf frühere Orientierungshilfen des Theolo-
gischen Konventes zu ähnlichen Themen wie dem Ökumenismus
(1974), der Friedensfrage (1982) und der New-Age-Bewegung
(1987) hin.
2. Angesichts des ungeheuren gesetzlichen Druckes, den die Ver- In der Sachsen-Vereinigung schrieb der Vorsteher Br.
pflichtung auf den konziliaren Prozeß - als angeblich allein mögli- Sensenschmidt folgenden Brief:
chen Rettungsweg aus der drohenden Weltkatastrophe - auf die
Gewissen ausübt, bekennen wir uns zu Jesus Christus als unse- „Gemeinschaft der STA in Sachsen, 24.06.93
rem Herrn und Erlöser, der uns zur Freiheit berufen hat (Gal. 5,1). An Gemeindeälteste (den Predigern zur Kenntnis)
Er allein ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh. 14,6). Er Stellung zur ACK Sachsen
wird uns auch den Durchbruch aus den Ängsten dieser Weltzeit in
sein schon angebrochenes und kommendes Reich schenken (Kol. Liebe Schwestern, liebe Brüder!
1,12-14; Röm. 5,9). Damit Ihr und die Gemeindeglieder die Möglichkeit habt, aus-
3. Angesichts der erschreckenden Analysen gegenwärtiger Ge- reichend informiert zu sein, übermittele ich Euch beiliegend Infor-
fahren und der faszinierenden Utopien zu ihrer Überwindung ver- mationsmaterial über unsere Stellung zur Arbeitsgemeinschaft
weisen wir die Gemeinde Jesu Christi auf den biblisch Christlicher Kirchen in Sachsen.
geoffenbarten Heilsplan Gottes. Dieser zeigt uns sowohl die Hin- Wenn Ihr eine Stellungnahme Eurer Gemeinde bzw. Eures Ge-
tergründe der gegenwärtigen Bedrängnis in Geschichte und Na- meindeausschusses an uns als Vereinigung abgeben wollt, dann
tur, unser rechtes Verhalten bei der Abwehr zeitlicher Bedrohun- bitte ich Euch, das bis 31.10.93 zu tun.
gen (vgl. zum Beispiel Apg. 27,20-38) wie schließlich auch deren Im Rahmen unserer zeitlichen Möglichkeiten (sabbats nur sehr ein-
endgültige Überwindung auf. geschränkt) sind wir Brüder von der Vereinigungsleitung bei offe-
4. Angesichts des Rufes, sich im Rahmen des konziliaren Pro- nen Fragen gern zu Gesprächen bereit. In dem Fall bitten wir um
zesses einer „bekennenden Kirche“ anzuschließen, die diesem eine rechtzeitige Planung.
verpflichtet ist und in deren Augen alle Christen, die sich fernhal- Mit herzlichen Segenswünschen grüßt Euch - im Herrn mit Euch
ten, als Abtrünnige und Feinde des Friedens dargestellt werden, verbunden - Euer Hartmut Sensenschmidt.
kann unsere Antwort keine stillschweigende Neutralität sein. Es
könnte nämlich bald die Zeit kommen, wo es für eine solche schwei- Informationen über unsere Stellung zur ACK (Arbeitsgemeinschaft
gende Haltung in unseren verfaßten Kirchen keinen Frauraum mehr Christlicher Kirchen) in Sachsen
gibt. Vielmehr gilt es für bibel- und bekenntnistreue Christen gera-
de jetzt, sich um Schrift und Bekenntnis zu sammeln und als eine 1. Am 14.Oktober 1992 wurde die ACK Sachsen gegründet.
im biblischen Sinne bekennende Gemeinde hervorzutreten. In ihr
wollen wir der Welt unerschrocken das Christuszeugnis zurufen; 2. Grundlage und Aufgaben dieser ACK können den beiliegenden
denn dieses allein bringt ihr wahren Frieden und Gerechtigkeit (2. Richtlinien entnommen werden. Anlage 1
Kor. 5,20f).
5. Angesichts des ökumenischen Strebens, vermittels des konzilia- 3. Mitglieder und Gäste sowie der Vorstand der ACK sind in Anla-
ren Prozesses zu einer die gesamte Menschheit umfassende Ein- ge 2 aufgeführt.
71
4. Unsere Stellung als Gemeinschaft der STA in Sachsen zur ACK: ihrer Arbeit darlegen - die Menschen auf die Wahrheiten des Wor-
4.1. Zur DDR-Zeit gab es eine A(G)CK, in der wir als Ostdeutscher tes Gottes aufmerksam machen. Viele dieser Wahrheiten sind al-
Verband etwa 15 Jahre im Gaststatus vertreten waren. In dieser len Christen teuer. Hier ist der gemeinsame Grund, auf dem wir
Zeit konnten auf allen Seiten Vorurteile abgebaut und unsere Menschen anderer Gemeinschaften begegnen können, im Pro-
Glaubensüberzeugungen gegenüber den kirchenleitenden Persön- zeß der Annäherung mit jenen Mitmenschen sollten wir bei The-
lichkeiten offiziell wie auch in persönlichen Gesprächen dargelegt men von gemeinsamem Interesse verweilen und nicht einem Dis-
werden. Die positiven Erfahrungen und die für uns annehmbaren kussionsgegenstand den Vorzug geben, der in direkter und poin-
Richtlinien der ACK Sachsen veranlaßten den zur Delegierten- tierter Weise zu divergierenden (auseinandertreibenden) Proble-
konferenz 1990 gewählten Ausschuß unserer Sächsischen Verei- men führt.“ 13.Juni 1912. Zitiert in Evangelism
nigung, in seiner Sitzung am 13.09.1992 die Entscheidung zu tref- „Wir sollen uns mit anderen verbinden und mit ihnen gehen, und
fen, als Sächsische Vereinigung künftig in der ACK Sachsen ver- zwar so weit, wie es möglich ist, ohne irgendeinen Grundsatz auf-
treten zu sein. zugeben... Wir sollen nicht isoliert für unsere Kirche arbeiten.“
4.2. Weil wir als Ostdeutscher Verband den Gaststatus inne hat- Review and Herald, Oktober 1884.
ten, nehmen wir auf Grund unserer Bereitschaft seit dem 14. Ok- 6. Wir sind der Überzeugung: Solange sich die prophetisch ange-
tober 1992 auch jetzt wieder den Gaststatus ein. kündigten Auseinandersetzungen und Entscheidungen (z.B. nach
4.3. Da uns die Richtlinien der ACK Sachsen in keiner Weise ein- Offb. 13; 17; 18) noch nicht in der vollen Erfüllung bei uns ereig-
engen und uns nicht zu unvertretbaren Kompromissen nötigen nen, machen wir uns schuldig, wenn wir unsere Glaubens-
können, hat der Vereinigungsausschuß in seiner Sitzung am überzeugungen und unsere Nachfolge Jesu nicht Ungläubigen wie
13.09.1992 gleichzeitig beschlossen, die Mitgliedschaft in dieser auch Andersgläubigen bezeugen. Und das kann überzeugend und
ACK anzustreben und einen entsprechenden Antrag zu stellen, verändernd nur durch menschliche Nähe geschehen.
was auch geschehen ist. Voraussetzungen dazu bietet gegenwärtig unter vielen anderen
4.4. Im Herbst 1992 wurden unsere Gemeinden in den „Mitteilungen Möglichkeiten auch die ACK Sachsen.
aus Dresden für die Adventgemeinden in Sachsen“ über unseren Hartmut Sensenschmidt ... Anlage 3
Gaststatus informiert. In den eintägigen Begegnungen der Älte- Begründung einer angestrebten Mitgliedschaft in der ACK in Sach-
sten und Prediger der Regionalbezirke im November 1992 und sen
Januar 1993 wurde über unsere beantragte Mitgliedschaft gespro- 1. Auf Grund unseres weltumspannenden Auftrages nach Off. 14,6ff.
chen. wissen wir uns allen Menschen - auch Andersgläubigen - gegen-
Informationsmaterial (Richtlinien, unsere Begründung) stand mit 1 über verpflichtet.
Exemplar abrufbereit für Interessenten in den Regionalbezirken 2. Dieser Auftrag verlangt von uns offensive Vorgehensweise. De-
zur Verfügung. fensive wird dem Auftrag nicht gerecht.
4.5. Auf Grund von Anfragen, geäußerten Bedenken und Be- 3. Unsere adventistische Position können wir überzeugender ver-
fürchtungen einzelner Geschwister und eines Antrages einer Ge- treten, wenn wir als Mitglied dabei sind, und nicht nur als unver-
meinde an den Vereinigungsausschuß auf Rücknahme unseres bindliche Beobachter. Den Kontakt zu anderen Christen wollen wir
Antrages auf Mitgliedschaft beschloß der Vereinigungsausschuß nicht halbherzig pflegen.
in seiner Sitzung am Abend des 13.März 1993, den gestellten 4. Weil auch unser Wissen Stückwerk ist, wir aber den Willen Got-
Antrag bis Ende 1993 ruhen zu lassen. In dieser Zeit sollen unsere tes immer deutlicher erkennen und befolgen wollen, lassen wir uns
Gemeinden umfassender informiert und auf Wunsch auch Gesprä- von anderen gleichzeitig in Frage stellen.
che mit den Gemeinden oder Ausschüssen geführt werden. 5. In einer materialistischen und ohne Gott lebenden Umwelt sind
wir als Christen zu gemeinsamem Zeugnis und Handeln heraus-
5. Zur Begründung unseres Antrages gefordert, wo das immer möglich ist.
5.1. Anlage 3 Dabei müssen keine Überzeugungen preisgegeben werden.
5.2. Mit unserer angestrebten Mitgliedschaft geht es uns also nicht 6. Wir wollen Vorurteile und Klischeevorstellungen Andersgläubigen
um die Aufweichung adventistischer Identifikation oder gar um das gegenüber abbauen, so wie auch wir Vorurteile uns gegenüber
Fallenlassen unseres speziellen adventistischen Auftrages. Ganz abgebaut sehen möchten.
im Gegenteil: wir können uns die Erfüllung dieses Auftrages allen 7. Durch unsere Mitgliedschaft tragen wir zu einer Stärkung der
Menschen (auch Andersdenkenden und Andersgläubigen gegen- reformatorischen Position bei.
über) ohne Kontakte und „Tischgemeinschaft“ (wie Jesus mit 8. Durch vertrauensvolle Kontakte zu Andersgläubigen wird einer
Pharisäern und Schriftgelehrten wie mit Betrügern und Ehebre- möglichen Entwicklung zu Intoleranz und Bedrängnis oder Verfol-
chern) nicht vorstellen. gung vorgebeugt.
5.3. Dabei wissen wir uns im Einklang mit Ratschlägen von 9. Der Antrag auf Mitgliedschaft wird dadurch möglich, daß der
E.G.White: ACK Richtlinien zugrunde liegen, die wir durchweg akzeptieren
„Unsere Prediger müssen versuchen, den Predigern anderer Ge- können. Z.B. - Wir können jederzeit austreten. Ein begründeter
meinschaften nahezukommen. Betet für diese Männer, für die Austritt hätte unübersehbare Signalwirkung.
Christus Fürsprache einlegt, und betet mit ihnen. Eine feierliche - Wir bleiben völlig unangetastet in Bekenntnis, Rechtsstatus,
Verantwortung ruht auf ihnen. Als Botschafter Christi sollten wir Gottesdienstordnung. Auch als Mitglied sind wir in keiner Weise an
eine tiefe und ernste Anteilnahme an diesen Hirten der Herde be- Beschlüsse der ACK gebunden.
kunden.“ . Hamburg: Advent-Verlag, 1963, Band II, S. 348 10. Das in den letzten Jahrzehnten in der DDR gewachsene Ver-
„Wenn unsere Mitarbeiter ein neues Feld betreten, sollten sie mit ständnis der christlichen Kirchen untereinander ermutigt zu einer
den Pastoren der am Ort vertretenen Kirchen bekanntzuwerden Mitgliedschaft in der ACK Sachsen.
suchen... Unsere Mitarbeiter sollten sorgfältig den Eindruck ver-
meiden, daß sie sich als Wölfe einschleichen, um die Schafe zu
stehlen. Sie sollten den Geistlichen ihren Standpunkt und das Ziel

72
Warum können wir uns der Ökumenischen Bewegung wiß, daß sie sich bemühen, dem Herrn nach dem empfangenen
nicht anschließen? Licht so gut als möglich zu dienen.
Wenn wir sie auch nicht richten sollen, können wir mit ihnen doch
Der folgende Artikel wurde von F.D. Nicol (1897-1966) geschrie- nicht gemeinsame Sache machen.
ben, als wir als STA noch unbelastet hinsichtlich ökumenischer Das Wesen der ökumenischen Bewegung kann mit den Worten
Bindungen waren, und zeigt uns den wahren adventistischen Stand- definiert werden: „Tretet bei!“ Die Adventbewegung hingegen stützt
punkt auf. sich auf den ebenfalls göttlichen Befehl: „Gehet aus!“ Nur in dem
Francis David Nicol gehört zu den prominentesten und bekannte- Maße, wie wir der Menschheit den Gehorsam diesem Gebot ge-
sten adventistischen Persönlichkeiten. Nachdem er 6 Jahre als Mit- genüber predigen, hat unsre Gemeinschaft ihre Daseinsberechti-
herausgeber der „Signs of the Times“ (Zeichen der Zeit) tätig war, gung. Möchten wir diese grundlegende Wahrheit nie vergessen!
diente viele Jahre (von 1927 bis zu seinem Tode, ab 1945 als Chef- Andernfalls würde unsre evangelische Predigt kein anderes Er-
redakteur) als Schriftleiter des Review and Herald, gab den gebnis zeitigen, als Methodisten, die den Sabbat feiern, Presbyte-
adventistischen Bibelkommentar heraus, war 15 Jahre Mitglied des rianer, die an die Lehre des Heiligtums glauben, Baptisten, die für
E.G. White Treuhänderausschusses - die letzten 3 Jahre davon unsre Ansicht über den Zustand der Toten gewonnen werden etc.,
sogar als Vorsitzender -, war besonders auf den Gebieten der Me- etc. Das Adventvolk ist aber ein einiges Volk, weil alle seine Glie-
dizin, Wissenschaft und Religion, sowie hinsichtlich des Lebens der „ausgegangen“ sind, ausgegangen aus der Welt, aus andern
und Wirkens Ellen Whites rührig, und schrieb über 20 Bücher. Kirchen oder diesen grundsätzlich ferngeblieben sind. Und was
Ein Jahr vor seinem Tode teilt er uns aus dem reichen Schatz sei- könnten sie anderes tun? Auf politischem Gebiet sind es die Mei-
ner Erfahrungen und seiner vorzüglichen Kenntnis über die Sicht nungsverschiedenheiten, welche die Anhänger der bestehenden
Ellen Whites die folgenden Gedanken mit. Parteien trennen; auf religiösem Gebiet sind es die Ansichten über
Dieser Artikel wurde 1965 in der deutschsprachigen Predigerstoff- die Lehren, welche gewisse Gläubige isolieren und vor allen an-
sammlung (AD IV/65, S. 39ff) „Aller Diener“ übersetzt und veröf- dern abgesondert halten.
fentlicht. Dort war zu lesen:
Mildern der Unterschiede in den Lehrpunkten
Warum können wir uns der Ökumenischen Bewegung nicht
anschließen? Eine der Hauptregeln, welche sich der ökumenischen Bewegung
von F.D. Nicol, aus „Review and Herald“, 18.3.1965 anpaßt, besteht in der Milderung der Abweichungen, die unter ih-
ren Anhängern vorhanden sind und von diesen nicht aufgegeben
(Sicher werden die Ausführungen aus der Feder des Chefredak- werden können. Wie wäre es sonst auch möglich, daß eine solche
teurs vom „Review and Herald“ von vielen unter uns mit Interesse Initiative eine Einheit erreichen oder die geringsten Fortschritte
gelesen werden. Sie enthalten eine klare Stellungnahme der Ad- erzielen könnte? Die Adventgemeinde hingegen hat die Überzeu-
ventisten zur ökumenischen Bewegung- - Die Redaktion.) gung, daß ihre besonderen Lehren mit Kraft verkündet werden
müssen. Ist es nicht gerade diese Haltung, die zum großen Teil
Es steht außer Zweifel, daß die ökumenische Bewegung in letzter ihre Entwicklung erklärt?
Zeit beträchtlichen Umfang angenommen hat und daß ihre Aus- Ohne Zweifel trifft es zu, daß wir mit allen Christen der Welt gewis-
dehnung bezeichnend ist. Trotz allem, was darüber bereits geschrie- se fundamentale Lehren gemeinsam haben. Vergessen wir aber
ben und gesagt worden ist, bleibt ein Punkt zu beleuchten: Welche nicht, daß es nicht die theologischen Punkte sind, die wir mit den
Stellung sollen die Adventisten zu dieser Bewegung einnehmen? andern Gläubigen gemeinsam haben, sondern daß es die umstrit-
Halten wir zuerst gleich fest, daß wir Unrecht täten, wenn wir ge- tenen Punkte sind, die unser Dasein als „abgesondertes“ Volk recht-
gen die augenblicklichen Förderer des Oekumenismus Anschuldi- fertigen. Und nur so lange, wie wir diese deutlich formulierten Un-
gungen aussprechen und an ihnen üben würden. Gott beurteilt die terschiede beibehalten, wird der Adventismus innerhalb einer im-
Menschen nach ihren tiefsten Beweggründen und nach der inner- mer chaotischeren Welt seine klaren Grenzen bewahren. Da ist
sten Einstellung ihres Herzens. Wir können weder die ersteren noch nichts, das uns so unmöglich und so bedauerlich erscheint, als
die letzteren abwägen. uns vorzustellen, daß eines der Unsrigen allmählich vom
Als Saulus von Tarsus die Christen verfolgte, war er ein aufrichti- adventistischen Glauben zu einem andern Glaubensbekenntnis
ger Mann. Nach seiner Vision auf dem Wege nach Damaskus und übertreten könnte.
nach der Zeit christlicher Belehrung, welcher er sich unterwerfen Wer auch immer uns vorschlüge, uns der ökumenischen Bewe-
mußte, blieb diese Aufrichtigkeit seine vorwiegende Eigenschaft. gung anzuschließen, dem würde ich die Frage stellen: „Wie legst
Deshalb zeigte er sich von da an bereit, sein Leben zu wagen, um Du die Botschaft des zweiten Engels in Offenbarung 14,8 aus, der
das Christentum zu fördern. sich in der Mitte der dreifachen Botschaft befindet und die Haupt-
Ich hatte Gelegenheit, sowohl in Amerika als auch in anderen Län- rechtfertigung des Daseins unsrer Gemeinschaft darstellt? „Wenn
dern mit mehreren Leitern der ökumenischen Bewegung persönli- es je ein Volk gegeben hat, das dazu bestimmt war, sich abgeson-
chen Kontakt aufzunehmen. Mit seltenen Ausnahmen erschienen dert zu halten, allein zu bleiben, dann ist es wohl dasjenige, wel-
sie mir außergewöhnlich großzügige Persönlichkeiten zu sein, die ches an die Botschaft des zweiten Engels glaubt, dessen Inhalt im
in aller Aufrichtigkeit den Willen Gottes auszuführen glauben, in- Lichte von Offenbarung 18,4 verstanden und ausgelebt werden
dem sie an der Entwicklung des Ökumenismus arbeiten. Gott steht muß.“
es allein zu, ein Urteil zu fällen. „Denn Gott hat seinen Sohn nicht
gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt Wir sind die „fünfte Kolonne“
durch ihn selig werde.“ (Joh. 3,17)
Wenn wir uns als Richter aufspielen, legen wir uns Verantwortun- Verstehen diejenigen, die sagen: „Schließen wir uns doch der öku-
gen zu, die unsre Zuständigkeit bei weitem übersteigen, und im menischen Bewegung an und gehen wir doch mit ihr, bis uns die
weiteren verhelfen wir damit niemand zur Seligkeit. Eines ist ge- Umstände zwingen, sie zu verlassen!“, daß sie damit veranlassen,
73
daß wir unsre Arbeit unter der Obhut einer Organisation verrichten Das Ende ist nahe. Lesen wir die letzten Kapitel vom „Großen
müssen, die genau das Gegenteil von der unsrigen ist? Wir wis- Kampf“ und nehmen wir diese Überzeugung erneut in uns auf. Es
sen alle, daß die Adventisten eines Tages wegen ihrer besonde- wird die Vereinigung der großen religiösen Körperschaften der Welt
ren religiösen Überzeugung vor Gericht geführt werden. Verhalten sein, die den letzten Konflikt ermöglichen wird, und in jenem Kon-
wir uns also nicht so, daß wir irgend jemandem Gelegenheit bie- flikt können wir dann unter gar keinen Umständen „ökumenisch“
ten, den übrigen Anklagen auch noch diejenige der Falschheit hin- sein.
zuzufügen. Gott bewahre uns vor einer solchen Schande!
Es kann vorkommen, daß die eine oder andere der mit den öku-
menischen Kreisen in Verbindung stehenden Persönlichkeiten sagt:
„Schließt Euch uns an, das wird Euch in keiner Weise hindern,
Euren Sabbat zu beobachten!“ Und genau das schlug man mir Publizierte Reaktionen auf den Beitritt der STA als
vor, als ich den wichtigsten Sitzungen der Organisation als Repor- Gastmitglied in die Bundes-ACK
ter beiwohnte. Es besteht sicher kein Zweifel, daß wir, wenn wir
„ökumenisch“ würden, während einer Zeit, deren Dauer schwer- Materialdienst der EZW 12/93, S. 364
lich festzusetzen ist, fortfahren könnten, den Sabbat zu halten. Wir
müssen aber bedenken, daß es nicht genügt, den Sabbat zu hal- „Siebenten-Tags-Adventisten sind Gastmitglied in der ACK...
ten; er muß auch gepredigt werden, und die Menschen müssen Am 27. Oktober wurde dieser Akt im Rahmen einer gottes-
von der Notwendigkeit der Annahme desselben als wöchentlichem dienstlichen Feier in Eisenach vollzogen. Die STA hatten bereits in
Tag der Anbetung überzeugt werden. Darum ist es so, daß, falls der einstigen Ost-ACK den Gaststatus inne gehabt; jetzt haben sie
das Vorhandensein einer fünften Kolonne innerhalb des diesen Status in der im Januar 1992 neu gegründeten gesamt-
Ökumenismus in Frage gezogen werden sollte, man sich darauf deutschen ACK erhalten.
gefaßt machen kann, daß diese aus den Adventisten bestehen Daß damit allerdings keineswegs ein ´Aufbruch einer ökumenischen
würde - wohl verstanden in der Annahme, daß sie auf ihre ursprüng- Gesinnung‘ einhergehe, hat Heinz Hopf als Vorsteher der baden-
lichen Ziele verzichtet hätten. Gott hat uns in die Welt gestellt, ge- württembergischen Vereinigung in einem Interview mit dem
wisse mutige Taten zu vollbringen. Täuschung und Spionage ge- adventistischen Pressedienst hervorgehoben. Wie demgegenüber
hören absolut nicht dazu. Wozu viele Worte machen. Es ist für die eine neue Studie (Thomas R. Steininger, ´Konfession und Soziali-
Adventgemeinde ganz unmöglich, sich der ökumenischen sation. Adventistische Identität zwischen Fundamentalismus und
organisation anzuschließen! Wer auch immer unter uns unsre Postmoderne‘, Göttingen 1993) verdeutlicht, lehnt in der Generati-
Abgesondertheit, unsre Trennung nicht als eine Notwendigkeit und on junger STA-Erwachsener durchschnittlich nur jeder Vierte den
eine Pflicht betrachtet, kennt noch nicht das wahre Wesen unsrer Eintritt seiner Glaubensgemeinschaft in die Ökumene ab...“
Botschaft und den eigentlichen Geist unsrer Bewegung.

Die Herausforderung für uns Prophetische Mahnwache, Nr. 3, Dezember 1993, Her-
ausgeber: Wolfgang Zöller, Siegen-Niederschelden
Zum Schluß können wir sagen, daß der gegenwärtige Ökume-
nismus für uns eine Herausforderung bedeutet. Er regt uns an, „Siebenten-Tags-Adventisten jetzt auf dem Weg nach Rom...
unsre Argumente, gestützt auf eine Auffassung vom Adventismus Nun ist es heraus, daß auch die Adventisten ohne ihr Wissen von
als unterschiedliche religiöse Kraft, die in der Welt allein dasteht, ihren Bundes-Oberen in eine von ihnen nicht gewollte Richtung
aber mitten in ihr am Wirken ist, zu schärfen und zu festigen. Es gesteuert werden. Neuerdings gehören sie offiziell in der
scheint, daß wir in unsern Tagen mehr als je vorbereitet sein müs- bundesdeutschen Ökumene, der sog. Arbeitsgemeinschaft Christ-
sen, um den Grund der Hoffnung zu geben, die in uns ist. Wenn licher Kirchen (ACK), mit der römisch-katholischen Kirche, der Grie-
wir nicht imstande sind, stichhaltige Gründe für die Rechtfertigung chisch-Orthodoxen Metropolie, der Syrisch-Orthodoxen Kirche,
unsrer separatistischen Haltung zu geben, werden wir noch viel dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten und
weniger imstande sein, eine Erklärung zu geben, wenn wir gefragt Brüdergemeinden), der Evangelisch-methodistischen Kirche
werden, weshalb wir mit den Gesichtspunkten und den Tätigkeiten (EmK), dem Bistum der Alt-Katholiken, der Arbeitsgemeinschaft
der ökumenischen Bewegung nicht einig sind. Früher oder später Mennonitischer Gemeinden, der Herrnhuter Brüdergemeinde, der
werden die Kirchenbehörden, die mit dieser Bewegung verbunden Evangelisch-altreformierten Kirche in Niedersachsen, der Heilsar-
sind, eine solche Erklärung von uns verlangenm. mee und der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche
Es besteht folgenmde Alternative: Entweder hat Gott in den letz- (SELK) an einen Tisch.
ten Tagen ein besonderes Volk abgesondert und ausgezeichnet
und ihm eine besondere Botschaft anvertraut oder er hat es nicht Neben diesen ACK-Vollmitgliedern gibt es noch ständige Beob-
getan. achter die Gesellschaft der Freunde/
Die Antwort, welche wir auf die gestellte Frage geben, wird unser Quäker, die Arbeitsgemeinschaft Ökumenischer Kreise und das
ganzes zukünftiges religiöses Programm bestimmen; man kann Evangelische Missionswerk (EMW), das grundsätzlich auf lücken-
sogar sagen, daß sie das endgültige Schicksal unsrer Bewegung lose ökumenische Vernetzung sämtlicher irgendwie christlich ge-
bestimmen wird. Wären wir nicht überzeugt, daß Gott sich ein Volk, arteter Sozialdienste aus ist, dazu als „Gastmitglieder“ der Bund
die Übrigen (Offb. 12,17), erwählt hat, welches als organisierte Freier evangelischer Gemeinden (BFeG) und der
Bewegung ihm allein gehört, weshalb würden wir uns dann gegen pfingstcharismatische Christliche Gemeinschaftsverband Mülheim/
den Aufruf zum Oekumenismus, zur Aufnahme in den Schoß ei- Ruhr. Die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten hat bei
ner einigen und souveränen Kirche wehren? der ACK vorläufig auch den Status eines „Gastmitglieds“. Doch zu
Beachten wir, daß uns die ökumenische Initiative mehr als je die bedeuten hat der Unterschied zwischen Vollmitglied und Gast-
Bedeutung der Zeit, in der wir leben, zum Bewußtsein bringen sollte. mitglied nicht viel; er spielt innerhalb der Abstimmungsmechanis-
74
men eine gewisse Rolle, gezahlt wird in den gemeinsamen Topf Der neunseitige Artikel von Dr. Reimer: „Die Siebenten-Tags-Ad-
jedoch von Voll- und Gastmitgliedern gleichermaßen entsprechend ventisten und das Problem der zwischenkirchlichen Beziehungen“
der Mitgliederzahl. Es hat den Anschein, daß die Möglichkeit einer erschien im Materialdienst Nr. 9 der Evangelischen Zentralstelle
Gastmitgliedschaft nur eingerichtet worden ist, damit freikirchliche für Weltanschauungsfragen vom 1.9.86.
Spitzenfunktionäre ihre gegen jeglichen Ökumenismus sich weh-
rende „Schäfchen“ an der Basis leichter beruhigen und auf ge- Die Allianz-Gebetswoche in Darmstadt
wünschten Kurs bringen können. Wo käme man sonst hin?“ Idea spektrum, 3/94, S. 17

„Wunsch: Arbeit für die Polizei


GLAUBENS Nachrichten, Nov./Dez. 1993, Herausgeber: Charismatiker und Adventisten bei der Gebetswoche
Norbert Homuth Ein Bericht von Klaus Rösler
... Mit ´Zungengesang‘ und Visionen
„Die Siebenten-Tags-Adventisten (STA) An diesem Abend wird viel gesungen. Zum Auftakt gibt es einen
Selten habe ich so viel Verlogenheit angetroffen wie bei den Ad- kurzen Bußteil... Eine Stunde lang schallen daraufhin Lobpreis-
vent-Funtionären H. Teubert, H. Hopf, E. Kilian & C., die wider bes- lieder durch das Kirchenschiff, gesungene Gebete. Auch das tradi-
seres Wissen noch bis vor kurzem behaupteten, mit der Ökumene tionelle Gebet kommt nicht zu kurz. Es ginbt eine Gebets-
nichts zu tun zu haben und mich deswegen sogar der Verleum- gemeinschaft im großen Kreis sowie eine weitere Runde in klei-
dung bezichtigten. nen Gruppen. Redner ist der Pastor der Darmstädter Siebenten-
Jetzt, als die Gastmitgliedschaft der STA in der deutschen Ökume- Tags-Adventisten, Hans Jürgen Nensel. Er ruft dazu auf, offen zu
ne ACK von der Ökumenischen Zentrale in Frankfurt bestätigt und sein für Gottes Wirken auch in anderen Gemeinden. Nicht die ei-
bundesweit veröffentlicht worden war, ist ihr altes Lügengebäude gene Frömmigkeitserfahrung dürfe Maßstab sein, sondern nötig
vor aller Augen zusammengebrochen. Man bedenke, daß ihre ACK- sei eine ´Vielfalt des Glaubens‘, meint der freikirchliche Pastor.
Mitgliedschaft nicht von heut´ auf morgen über Nacht da war, son- Besondere charismatische Elemente kommen in diesem über zwei-
dern daß da ein jahrelanger Annäherungsprozeß vorausgegan- stündigen Gottesdienst, der mit einer Abendmahlsfeier endet, nur
gen war, der darin gipfelte, daß sie flehentlich um Aufnahme in die wenig vor.
Ökumene baten. Dem Antrag wurde Ende Oktober 1993 gnädiglich Es gibt einen kurzen harmonischen ´Zungengesang‘, und Gürich
stattgegeben. Zusammen mit dem Apostelamt Jesu Christi, einer bitte jene Christen zu sich, die während des Lobpreisteils beson-
Splittergruppe der Neuapostolischen, wurden sie offiziell in die ACK dere ´Bilder‘ oder ´Visionen‘ empfangen hätten. Gürich prüft diese
aufgenommen. Na dann gute Zusammenarbeit mit der Römisch- Eindrücke und läßt einige dann öffentlich erzählen...“
Katholischen Kirche und den Neuapostolischen!....
Auch können die STA jetzt nicht mehr mit ihrer üblichen Ausrede
kommen, sie seien ja nur Beobachter. Die ACK hat nämlich seit
etwa einem Jahr ihre Struktur offiziell von 2 auf 3 Vereinbarungs- Proteste gegen die ACK-Gastmitgliedschaft
möglichkeiten festgelegt: Vollmitglied, Gastmitglied und Beobachter-
status. Die STA aber sind keine Beobachter, sondern Gastmitglieder. Etliche Gemeinden und viele Glaubensgeschwister haben heftig
Das ist amtlich...“ gegen den Alleingang der Leitung und die Gastmitgliedschaft im
ACK protestiert und Anträge auf schnellstmögliche Rücknahme
Anm.: H. Hopf hat durch sein Verhalten bewiesen, daß er gegen der Gastmitgliedschaft gestellt.
die Gastmitgliedschaft im ACK ist, der Vorwurf trifft nicht zu.
Stellvertretend und als Beispiel verschiedener Anträge, mag der
Rundbrief der Zentralstelle für Apologetik, Stuttgart, folgende Brief an die Leitung des Norddeutschen Verbandes spre-
April 1987, Holger Teubert zum Thema: Norbert Homuth chen:
- Tatsachen oder Polemik?
„GEMEINSCHAFT DER SIEBENTEN-TAGS-ADVENTI-
Nachdem Bruder H. Teubert klargestellt hat, daß Homuth sich ge- STEN PREDIGTAMTSBEZIRK MINDEN, BLÜCHERSTR.
irrt hat, wenn er meinte, daß die Adventisten längst auf Ökumene- 56, 32547 BAD OEYNHAUSEN
kurs seien, und auch E.G. White zitiert hat, die dafür eintrat, mit GEMEINDEAUSSCHÜSSE: MINDEN - BAD OEYNHAU-
den Geistlichen anderer Kirchen die Bibel zu studieren, schreibt SEN - HERFORD
er:
„Daß diese Absichten auch in ökumenischen Kreisen richtig ver- An den Vorstand des Norddeutschen Verbandes der S-T-A
standen werden, zeigt der Artikel von Dr. Reimer im ´Materialdienst`: z. Hd. Herrn Rupp, Fischerstr. 19, 30167 Hannover
´So wollen alle Adventisten, auch die progressiven, mit
der´Ökumene` als einer ´superkirchlichen Organisation` nichts zu Zur Kenntnisnahme: An den Vorstand der NRW - Vereinigung der
tun haben. Sie wollen keine Mitgliedschaft oder auch nur ´Gast- S-T-A, z. Hd. Herrn L. Wilhelm
mitgliedschaft`, weil dies Teilhaberschaft bedeutet ... Bad Oeynhausen d. 19.1.94
Sie halten es lieber mit dem Apostel Paulus: sie wollen ´haben, als
hätten sie nicht‘, wollen dabei sein, als wären sie nicht dabei. Sie ACK - Gastmitgliedschaft des NDV und SDV
möchten beobachten und bei Beratungen ihre Sicht einbringen.
Daher wählen sie in ökumenischen Gremien den ´Beobachter- und Lieber Bruder Rupp,
Beraterstatus‘.“ mit Eurer Mitteilung über die Gastmitgliedschaft bei der ACK und
den damit ausgelösten Rundschreiben verschiedener Geschwister
zu dieser Angelegenheit, ist in unseren Gemeinden des Bezirkes -
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bei einer Anzahl von Geschwistern - eine große Unruhe, Sorge sind wir von Gottes Wegen abgewichen und was hat die Führungs-
und Unsicherheit, eingezogen. In jeder Gemeinde wurde die lobby aufgebaut?
Gemeindeleitung angesprochen und, bezüglich des Vorgehens der In Anlehnung an das bekannte, inzwischen wieder neu aufgelegte
beiden Verbände, zu einer Stellungnahme dringend gebeten. Büchlein (erhältlich im Edelsteinverlag) „Eisberg voraus!“ von Lewis
Nachdem einige Geschwister über die Einbehaltung der Zehnten R. Walton, werden 5 von den dort geschilderten neun Punkten, die
und Gaben nachdenken, sehen wir uns veranlaßt, diesen Brief zu den sogenannten Alpha-Abfall kennzeichneten, mit Entwicklungen
schreiben. Wir haben im Bezirksausschuß einstimmig einen gro- und Entgleisungen in Deutschland verglichen.
ßen Vertrauensverlust zur Leitung der Gemeinschaft festgestellt Ellen White sagte voraus, daß dem Alpha-Abfall (Dr. Kellogg mit-
und handeln in dieser Sorge. Dabei stehen wir fest zur Advent- samt dem Battle-Creek-Sanatorium lösten sich von der Gemein-
gemeinde als Endzeitgemeinde Gottes in dieser Zeit. schaft) das Omega des Abfalls folgen würde.
Folgende Punkte geben die Überzeugung des Bezirksausschusses Walton schreibt dazu Eisberg voraus, S. 58f:
wieder: „Das Alpha des Abfalls war da. Das Omega würde bestimmt fol-
1. Wir fühlen uns nicht ausreichend informiert. Ein Beschluß von gen. Und Ellen White ´zitterte wegen unseres Volkes`...
solcher Tragweite kann nicht von einem Ausschuß alleine getrof- ´Laßt euch nicht irreführen; viele werden vom Glauben abfallen
fen werden, ohne die Basis angesprochen zu haben. Jeder und verführerischen Geistern und satanischen Lehren anhangen.
Gemeindeausschuß, der so handelt, bekommt Schwierigkeiten. Das Alpha dieser Gefahr haben wir jetzt vor uns. Doch das Omega
2. Wir sehen auch die Gastmitgliedschaft als eine Art Mitgliedschaft wird in seiner Art äußerst überraschend sein.‘
an. Wenn wir die Aufgabenstellung der ACK sorgfältig lesen, dann
finden wir dort vorrangig ökumenische Bestrebungen, die zur Öku- Diese Aussage machte Ellen White im Juli 1904, als die Gemein-
mene führen sollen. Damit können wir nicht einverstanden sein. schaft einer ganzen Reihe von fast unvorstellbaren Problemen
3. Wir beantragen die Gastmitgliedschaft bei der ACK schnellst- gegenüberstand: Verlust ihrer größten Institution und Lähmung des
möglich zu beenden, da die Praxis uns zeigt, daß dieser Beitritt so wichtigen ärztlichen Werkes; Abfall in großem Ausmaß seitens
zur ACK, bei anderen Christen und auch in der Gemeinde, als einiger der einflußreichsten Männer; Irrlehren, die so gut ´verklei-
Schritt in die Ökumene verstanden wird. Wenn in der Satzung lau- det‘ waren, daß selbst die, welche sie mit Nachdruck verbreiteten,
fend von ökumenischen Bemühungen geredet wird, dann ist es ihre Auswirkungen nicht bis ins Letzte erkannten; juristische Mani-
unmöglich, anders zu denken. pulationen... Es war eine Zeit, in der jedes treue Gemeindeglied
4. Wir bitten, keinen Antrag auf Gastmitgliedschaft für NRW zu seine gesamten Kraftreserven einsetzen mußte, um das Schiff über
stellen, um die o.g. Reaktionen zu vermeiden. Wir meinen, daß die Wasser zu halten. Und ausgerechnet mitten in dieser Krise nimmt
augenblickliche Situation aufzeigt, daß der eingeschlagene Weg Ellen White die Zeit, um die Gemeinde vor einer Gefahr zu war-
der Verbände nicht richtig ist und eine Korrektur dringend erforder- nen, die noch in der Zukunft lag.
lich macht. ´Im Buch ´Der lebendige Tempel‘wird das Ailpha lebensgefährlicher
Irrlehren vorgebracht‘, sagte sie. ´Das Omega wird folgen und wird
Mit dem Wunsch, daß Gottes Geist uns alle leitet und korrigiert, von allen als Wahrheit angenommen, die nicht willens sind, die
bitten wir Gott um die rechte Entscheidung der Gemeinschafts- gottgegebenen Warnungen zu beachten.‘...
leitung. Drei Fakten können wir bezüglich des ´Omega‘-Abfalls sicher wis-
Wir würden uns freuen, sehr bald Antwort zu erhalten. sen: Er sollte später ´folgen‘; er sollte noch lebensgefährlicher sein
Mit freundlichen Grüßen als der ´Alpha‘-Abfall - eine so furchtbare Herausforderung, daß
die Mitglieder der Gemeindeausschüsse Ellen White wegen der Gefahren ´zitterte‘, die sie für das Volk Got-
Minden - Bad Oeynhausen - Herford“ tes brächte; und er würde ´von allen als Wahrheit angenommen,
die nicht willens sind, die gottgegebenen Warnungen zu beachten...
Eines können wir nahezu als sicher betrachten: Der ´Omega‘-Ab-
fall wird grundlegende Wahrheiten der Adventgemeinde angrei-
fen... Solch ein Abfall, erklärte Ellen White warnend, könnte sich
Das Omega des Abfalls verheerend auswirken... Die ´Grundsätze der Wahrheit‘, die von
der Gemeinde der Übrigen seit jeher geglaubt worden sind, ´wür-
Einführung den verworfen´ werden. Eine ´neue Organisation‘ würde aufge-
richtet werden. Bücher für eine ´neue Ordnung‘ würden geschrie-
Alpha und Omega des Abfalls ben werden. An den Intellekt appellierende Philosophien würden
die Grundwahrheiten der Gemeinde ersetzen. Der Sabbat würde
Aufgeschreckt und bestürzt stellen in diesen Tagen viele treue nur noch ´oberflächlich beachtet‘ werden. Und diese neue Bewe-
Adventisten fest, daß leitende Brüder unsere Gemeinschaft in Bünd- gung würde von Männern vorangetrieben, die nicht zulassen wür-
nisse mit Babylon verstricken und diese eindeutige Tatsache mit den, ´von etwas aufgehalten zu werden‘.
Lügen verharmlosen. Trotz vieler und starker Proteste, trotz Glie- Es war ein Bild, das erschaudern ließ! Unter der Flagge ´neuen
der- und Zehntenverlust, hält man eisern an diesem in aller Stille Lichtes‘ würden starke Kräfte den Versuch unternehmen, die Ge-
und Heimlichkeit begonnenen Prozeß fest und versucht die Ge- meinde Gottes in irgeneine neue Form zu biegen, in der sie nicht
müter damit zu beruhigen, erst einmal zwei bis drei Jahre zu beob- wiederzuerkennen wäre.“
achten, wohin dieser Abfall von Gott und die Mißachtung der ein-
deutigen Warnungen E.G. Whites führen. Vier wichtige Punkte des Omega-Abfalls
Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs, die jeder, der sich mit
den Tatsachen auseinandersetzt, erkennen kann. Lewis R. Walton beschreibt in seinem Buch neun Hauptkennzeichen
Sah Ellen White diese Entwicklung, die zu einer Sichtung des Vol- des Abfalls, die in der Kellogg- oder Alpha-Krise deutlich zutage
kes Gottes führt, voraus? Welche Hinweise gab sie uns? Worin traten und mit großer Wahrscheinlichkeit den Omega-Abfall

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bestimmen.Ganz gleich, wann wir den Zeitpunkt des „Omegas“ Zu überprüfende Dokumente und 4 wichtige Gesichtspunkte
ansetzen, inhaltlich ändert dies nichts an den vorhergesagten Tatsa-
chen und Gefahren für Gottes Gemeinde. Im weiteren Verlauf werden nun die wesentlichen Informationen
Die ersten vier Merkmale werden auf den folgenden Seiten mit und Rundschreiben der Gemeinschaftsleitung auf ihren Wahrheits-
Vorgängen und Tatsachen in unserer Gemeinschaft verglichen. gehalt überprüft. Insbesondere werden die Aussagen in „Advent-
Dabei müssen wir uns zu recht die Frage stellen, ob wir nicht schon gemeinde heute, Nr. 1, Unser Verhältnis zu anderen Kirchen, Frei-
mitten in dem von Ellen White vorhergesagten Abfall stecken. kirchen und Gemeinschaften“ (nachfolgend als Info-1 bezeichnet)
untersucht und die nachfolgenden Rundschreiben.
1. Bewußte Täuschung
Vier schwerwiegende Tatsachen gegen die ACK-Gastmitgliedschaft
1.1 Männer mit wenig Ehrgefühl und boshaften Zungen galt es zu umschiffen und zu bemänteln:
1) Die Antragstellung beim ACK erfolgte ohne Beschluß der or-
Lewis Walton schreibt hierzu in dem Buch „Eisber voraus“: dentlich gewählten Verbandsausschüsse, sondern wurde in der
„1. Täuschung. Eines der Hauptkennzeichen des Abfalls am An- GiD zusammen mit Administratoren der EUD eingefädelt.
fang dieses Jahrhunderts war bewußte Täuschung. Manchmal 2) Die Gemeinden wurden nicht gefragt und informiert, sondern
wurden ganz offensichtliche Unwahrheiten ausgesprochen. Manch- vor vollendete Tatsachen gestellt.
mal wurde nur ein Teil der Wahrheit verkündigt und dadurch ein 3) Eine Verbindung mit der ACK bzw. mit Babylon wie sie auch
falscher Eindruck erweckt...“ S. 89 eine Gastmitgliedschaft darstellt, hat Gott durch sein Wort und El-
len White eindeutig verboten.
In der „Alpha-Krise“ mußte Ellen White eines Tages von Dr. Kelloggs 4) Die Ziele der ACK sind nach eigener Aussage sozialpolitischer,
Aussagen warnen: ökumenischer Art - die Einheit aller Christen und Religionen wird
„Laßt euch von seinen Aussagen nicht verführen. Einige mögen angestrebt, was letztlich in die Aufrichtung des Bildes des Tieres
richtig sein. Andere sind es nicht. Vielleicht nimmt er selbst an, daß mündet.
alles, was er vertritt, wahr ist. Ihr aber solltet das nicht denken,
noch ihn dazu ermutigen, zu denken, er habe recht.“ (aus Eisberg Wer sich diese vier Punkte vor Augen hält und die Frage stellt: Wie
voraus, S. 91) kann man diese vier heiklen Tatsachen am besten so verharmlo-
sen, umschiffen und verdrehen, daß das Gegenteil dabei her-
Auf S. 90 werden zwei prinzipielle Aussagen E.G. Whites von Wal- auskommt, wird die Variationsvielfalt und den Ideenreichtum un-
ton zitiert, die wir beachten müssen: serer lieben Obersten bewundern dürfen, die sie in dem Infor-
„Boshafte Zungen und Menschen mit einem brillanten Verstand, mationsheft an die Gemeinden anbieten. Was das aber mit Chri-
der durch lange Übung im Ausweichen vor der Wahrheit geschärft stus, Wahrheit und Aufrichtigkeit zu tun hat, steht auf einem ganz
ist, arbeiten beständig daran, Verwirrung zu stiften... anderen Blatt.
Es wird sich herausstellen, daß alle, die falsche Botschaften ver-
kündigen, wenig Ehrgefühl und Aufrichtigkeit besitzen. Sie werden 1.2 Antragstellung ohne Beschluß der Verbandsausschüsse
die Leute täuschen und ihre Irrtümer mit den Zeugnissen von Schw.
White vermischen und ihren Namen benutzen, um ihrem Werk Ein- Auf Seite 2 des Informationsheftes Nr. 1 lesen wir:
fluß zu verleihen. Sie suchen sich aus den Zeugnissen alles das „Anläßlich ihrer Jahressitzung am 11.12.91 beschloß die Gemein-
heraus, was sie meinen verdrehen zu können, um ihren eigenen schaft der STA, die Gespräche mit der ACK hinsichtlich eines Gast-
Standpunkt zu stützen. Sie stellen es in einen falschen Zusam- status bei der gesamtdeutschen ACK fortzuführen. Diese Gesprä-
menhang, damit ihre Irrlehren gewichtig klingen und von den Leu- che finden statt seit 1992 und wurden vorbehaltlich der Zustim-
ten angenommen werden.“ mung der beiden Verbandsausschüsse geführt...“
Seite 11: „Wenn daher die Verbände einen Antrag auf Gastmit-
Definition der Lüge aus Sicht der STA gliedschaft in der deutschen ACK stellten...“

Was verstehen wir als STA unter Lüge? Sind darunter nur bewuß- Was erfährt der Leser nicht - dazu die Ausarbeitung der Württem-
te und grobe Unwahrheiten zu verstehen? Dazu ein Zitat aus dem berger Prediger: J. Butcher, E. Biro und S. Romain sowie des Älte-
alten Bibellehrbrief Nr. 16 (Unterstreichungen hier und in anderen sten Dr. H.-G. Reinhold vom 8.11.1993 auf S. 3f (Nachfolgend als
Zitaten sind vom Redakteur ES): Württ-Info bezeichnet):
„Wie kam es zur Gastmitgliedschaft der STA?
„Zum 9. Gebot: 04.03.1991: Während eines Konsultationsgespräches zwischen den
Die Lüge hat tausend Gesichter drei Bundesdeutschen Verbänden und der EUD (Division) wird
Auch dies Gebot sagt mehr aus, als daß man keinen Meineid beschlossen: ´Über den ODV bei der ACK für die Gemeinschaft in
schwören darf. Es verbietet überhaupt das Lügen. Und die Lüge Deutschland den Gaststatus zu beantragen.‘
hat tausend Gesichter. Man kann falsche Gerüchte verbreiten; man 27.03.1991: Antragstellung auf Gastmitgliedschaft durch L. Rei-
kann sogar den Nächsten loben, dabei aber ein wenig Tadel ein- che
fließen lassen oder die Verleumdung gar nur im Tonfall und Mie- 29.05.1991: Antragstellung auf Beobachterstatus durch R. Rupp
nenspiel andeuten. Es ist auch möglich zu lügen, indem man et- 11.12.1991: GiD bestätigt Antragstellung.“
was die Wahrheit entstellt oder sie verschweigt oder ein wenig mit
Lüge vermengt; Lüge ist es auch, Anspielungen zu machen, zu Das Informationsheft der Leitung berichtet von Gesprächen, die
übertreiben, einseitig zu berichten oder zwar wahr, aber so, wie es Tatsache aber ist, daß bereits Anträge an die ACK gestellt und
mir nützt. Ja, die Lüge hat viele Gesichter!“ bestätigt wurden durch die GiD, und dies ohne Absprache und
Abstimmung mit den Verbandsausschüssen. Die Verbandsaus-
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schüsse wurden so unter Mitwirkung der EUD übergangen, was „Dazu gehört die finanzielle Unterstützung von Bibelgesellschaf-
als Amtsanmaßung bezeichnet werden muß, vor die der Apostel ten, Zusammenarbeit mit christlichen Radiostationen und Medien-
Petrus warnt (1.Petr.4,15). stellen, Mitarbeit in religiösen Organisationen für Entwicklung- und
Auf Seite 11 erscheint dann ohne Zeitangabe der Hinweis, daß die Kathastrophenhilfe, Flüchtlingsdienste, religiöse Freiheit, Teilnah-
Verbände einen Antrag gestellt haben. Zum einen wird hier sugge- me an der Arbeit theologischer Kommissionen und die Gast-
riert, als sei die Antragstellung durch die Verbandsausschüsse le- mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen.“
gitimiert - aber dies war nur die GiD (Gemeinschaft in Deutsch-
land) - zum anderen hat man die Angabe über den Zeitpunkt der War das also die klare Information an alle Gemeinden in Deutsch-
Antragstellung geschickt umgangen. land bezüglich Gastmitgliedschaft in der ACK?

1.3 Die Gemeinden wurden nicht informiert - Unverbindliche Erklärung als beschlossene Tatsache verkauft

In einem Rundschreiben vom 5.1.1994 an alle Prediger und Ge- Richtig ist, daß die EUD in ihrer Erklärung, ihre Bereitschaft zur
meindeältesten im NDV wird auf Seite 2 behauptet (nachfolgend Gastmitgliedschaft ganz allgemein formulierten, ebenso waren
als Rund-1 bezeichnet): auch andere Informationen im Adventecho oder im „Aller Diener“
„Es trifft nicht zu, daß die Gemeinden vor der Annahme des Gast- (Predigerstoffsammlung, herausgegeben von der EUD) über Öku-
status nicht informiert wurden. Bereits 1 1/2 Jahre vor dieser Ent- mene nur allgemeiner Art. Falsch ist, daß hier konkret eine Gastmit-
scheidung wurden Gemeinden von der Empfehlung für den Gast- gliedschaft oder deren Beantragung in Deutschland verkündet wird.
status unterrichtet, verbunden mit einer grundsätzlichen Erklärung So wird ein wenig Wahrheit (allgemeine Erklärung der EUD) mit
über das Verhältnis zu anderen Kirchen, einschließlich unserer Lüge (konkrete Mitgliedschaft in Deutschland) vermischt und wie-
kritischen Haltung gegenüber Katholizismus und Ökumene (AD- derholt behauptet, daß die Gemeinden informiert worden wären.
VENTECHO Mai 1992)...“
In gleicher Weise schreibt der Vorsteher der Nordrhein-West- Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang noch, daß die Erklärung
fälischen Vereinigung (Rundbrief an alle Prediger und Gemeinde- der EUD erst ein halbes Jahr später abgegeben wurde, nachdem
leiter in Nordrhein-Westfalen vom 5.1.1994, nachfolgend als Rund- die Verbandsvorsteher Reiche und Rupp im Einvernehmen mit der
2 bezeichnet): „Es ist nicht (Unterstreichung von L. Wilhelm) wahr, EUD die Gastmitgliedschaft beantragt hatten. Die Verbandsvor-
daß die Gemeinden von der Empfehlung für den Gaststatus nicht steher, die dem EUD-Ausschuß angehören und die Führung der
informiert wurden. Bereits 1 1/2 Jahre vor ...“ EUD schufen also erst Tatsachen und verabschiedeten im Nach-
hinein gemeinsam die EUD-Erklärung - um sich wohl später wie-
Im Info-1 heißt es auf S. 11, nachdem ebenfalls auf die Erklärung der darauf berufen zu können, was auch in den Informationen und
der EUD im Adventecho hingewiesen wurde: „Darüber hinaus wäre Rundbriefen immer wieder deutlich wird. Sogar auf den Präsiden-
es richtig und sinnvoll gewesen, seitens der Verbände mehr direk- ten der GK, Br. Robert S. Folkenberg beruft man sich in Rund-1:
te Informationen den Gemeinden zu geben.“ „Am 08.11.93 in Jongny bestätigte der Präsident der General-
konferenz, Robert S. Folkenberg, den Vorstandsgliedern der EUD
Die dreistufige Unwahrheit und den Vorstehern der beiden deutschen Verbände ausdrücklich,
daß unsere Gemeinschaft in vielen Ländern einen Gaststatus ein-
- Gemeinde Informationen nimmt, daß er an unserer Stelle genauso gehandelt hätte. Der
Gaststatus verstoße in keiner Weise gegen die Prinzipien unserer
Schon die Formulierung, daß die Gemeinden informiert wurden ist Gemeinschaft.“
nicht korrekt. Das Adventecho kann mit seiner derzeitigen Aufla-
genhöhe von etwa 10.000 nur etwa ein Drittel der deutschsprachi- Ob Br. Folkenberg wirklich wahrheitsgemäß von unserer Leitung
gen Geschwister (schätzungsweise 50.000, davon über 30.000 in über die Gastmitgliedschaft unterrichtet wurde, oder man ihm dies
Deutschland) erreichen - um die Gemeinden zu informieren, wer- im Sinne eines Beobachterstatus erklärte, entzieht sich unserer
den deshalb Rundschreiben der Administration in den Gemeinden Kenntnis. Jedenfalls versucht die Leitung selbst in ihren Veröffent-
verlesen, eine derartige Information hat es aber vor der Entschei- lichungen die Gastmitgliedschaft herunterzuspielen.
dung der Verbandsausschüsse für die ACK nicht gegeben; diese
hätte auch verbindlichen Charakter. 1.4 Verbindung zu Babylon durch ACK-Gastmitgliedschaft

- Aus „Erklärung“ wird „Empfehlung“ Kein Kirchenzusammenschluß und keine Verbindung?

Dann ist die Information der EUD in dem besagten Adventecho Die Behauptungen unserer Leiter im Info-1, S. 5:
(Mai 1992) auch als „Erklärung“ der EUD und nicht als „Empfeh- „Bei der ACK ... handelt es sich nicht um Kirchenzusammenschlüs-
lung“ (wie die Brüder es oben umformulieren) deklariert - man se, sondern um ´Arbeitsgemeinschaften` selbständiger Kirchen...“
beachte den feinen Unterschied: der eine Begriff drückt mehr die S. 7: „Der Ausdruck ´Gastmitglied` könnte mißverstanden werden...
unverbindliche Meinung aus, der andere tendiert stark zur Verbind- Da Gastkirchen in der ACK... nicht stimmberechtigt sind, können
lichkeit. sie weder in Leitungsgremien gewählt werden, noch tragen sie für
Beschlüsse Mitverantwortung.“
Darüber hinaus erscheint in dieser Erklärung in einer langen Auf- Rundbrief vom 5.1.94, S. 2: „Der Gaststatus ist demnach kein ´Bünd-
zählung ganz nebenbei die Aussage über die Gastmitgliedschaft, nis`, sondern ein Informationsverhältnis.“
die man bei oberflächlichem Lesen kaum wahrnimmt (dieser klei-
ne Nebensatz macht nur etwa ein Hundertstel der gesamten Er- Im Kreise einiger Gemeindeglieder wollte der Vorsteher von Nord-
klärung aus!!). Die besagte Aussage steht in folgendem Satz: rhein-Westfalen noch nicht einmal gelten lassen, daß wir mit der

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Gastmitgliedschaft eine Verbindung mit anderen Kirchen geknüpft Viel nüchterner und ganz eindeutig lautet die Satzung der ACK
haben. (wird sogar auf S. 4 im Info-1 aufgeführt):
„Die für die Wahrnehmung der Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft
Wie formuliert es die ACK in ihrem eigenen Informations-Faltblatt: erforderlichen Mittel werden anteilig von den Mitgliedern und Gast-
„Die in der ACK zusammengeschlossenen Kirchen ´bekennen den mitgliedern entsprechend ihrer Größe und Finanzkraft aufgebracht.“
Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift... Zwischen Vollmitgliedern und Gastmitgliedern wird hier kein Un-
Die der ACK angeschlossenen Kirchen sind laut Satzung (§2) be- terschied gemacht.
reit, folgende dem ökumenischen Miteinander in unserem Land Tatsache ist, daß die Satzung der ACK Beiträge vorschreibt und
dienende Aufgaben zu erfüllen... diese - wie auch immer, ob mit schönen Bemäntelungen, Gezeter
Die in ihr zusammengeschlossenen Kirchen und kirchlichen oder Wunschdenken - auch von unserer Gemeinschaft gezahlt wer-
Gemeinschaften waren ...“ den.

Anzumerken ist, daß Gastmitglieder einen Teil der Satzung (§1, ACK Satzung anerkennen oder nicht?
1.2) anerkennen und Beiträge entrichten müssen.
Gastmitglieder müssen darüber hinaus von zwei Dritteln aller ACK- Der Verdrehungen noch nicht genug, behauptet die Leitung unse-
Mitglieder die Zustimmung erhalten, um den Gaststatus zu erwer- res Werkes doch allen Ernstes, was den zweiten „Pflicht-Teil“ der
ben. Gastmitglieder anbelangt - nämlich den 2. Teil des Paragraphen 1
Fragt man den einfachen Mann auf der Straße, ob man von einer der Satzung anzuerkennen (Rund-1, S. 1):
Verbindung oder einem Zusammenschluß reden kann, wenn zum „Durch diesen Gaststatus ... sind wir weder verpflichtet, die Sat-
einen Mitgliedsbeiträge gezahlt werden und zum anderen die An- zung der ACK anzuerkennen, noch ihre sämtlichen Ziele und Auf-
erkennung eines Teils der Satzung notwendig ist, ist die Antwort gaben zu bejahen.“
leicht zu erraten - selbst Gebildete haben in den meisten Fällen Anscheinend gehört der 1. Paragraph der Satzung nicht zur Sat-
keine Probleme damit, aber anscheinend unsere leitenden Brüder zung? Und auch die Aussage der ACK zu § 5 (5.3) sagt deutlich:
und das hat auch „gute“ Gründe. „Voraussetzung der Aufnahme ist die Anerkennung der Grundlage
gemäß § 1, Absatz 2 der Satzung.“
Hinzu kommt noch, daß die Satzung der ACK sicherlich nicht un-
bedacht formuliert ist, wenn es unter Paragraph 5 (5.3) heißt: Bestehen Unterschiede zwischen Beobachterstatus und Gast-
„Kirchen oder kirchliche Gemeinschaften, die eine volle Mit- mitgliedschaft?
gliedschaft nicht oder noch nicht aufnehmen wollen, können mit
Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder als Gastmitglieder Um noch eine letzte Hürde unserer Gastmitgliedschaft zu nennen:
aufgenommen werden...“ Warum begnügten wir uns nicht als Beobachter - dann wären wir
von den Beiträgen befreit und bräuchten keinen Teil der Satzung
Es geht hier um das Wörtchen „volle“ - und wenn nicht volle, dann anerkennen?
doch zumindest eine „halbe“ oder Teilmitgliedschaft. Dies steht ganz Natürlich wußten unsere Leiter auch darauf eine Antwort, sie schrie-
im Einklang mit der Beitragszahlung und der Anerkennung von § ben im Rund-1, S. 10:
1,2, der in sich noch zusätzliche Schwierigkeiten birgt. Denn wir „Die Antwort ist einfach: Beobachterkirchen sind Kirchen, die nicht
können weder der katholischen Kirche zugestehen, an die Bibel allen Grundlagen der ACK zustimmen können. Was sind die Grund-
und Christus gemäß der Schrift zu glauben, noch mit ihnen ge- lagen? Erstens, der Glaube an Gott, den Vater, den Sohn und den
meinsam Christus bezeugen. Heiligen Geist. Zweitens das Wort Gottes (Satzung §...).
Andere Unterschiede zwischen Gast- und Beobachterkirchen
Mitgliedsbeiträge - Ja oder Nein? bestehen nicht...
Mit der Annahme des Beobachterstatus hätten wir nach innen und
Um eine Verbindung, ein Bündnis oder Zusammenschluß mit den außen den Eindruck erweckt, als gehörten wir zu solchen Kirchen
anderen Kirchen zu leugnen, versteigt man sich sogar so weit, zu und Religionsgemeinschaften, die u.U. weder Jesus Christus als
behaupten, daß wir keine Mitgliedsbeiträge bezahlen (S. 10 Info- Sohn Gottes, noch die Bibel als Gottes Wort anerkennen...“
1):
„ Da wir keine Mitgliedschaft haben, sind auch keine Mitglieds- Hier sind gleich zwei Unwahrheiten enthalten:
beiträge zu entrichten. Unsere Gemeinschaft bezahlt die Inan- 1) Den Kirchen, die den Beobachterstatus innehaben, wird hier
spruchnahme von Diensten und Leistungen (Informationen, nachgesagt, daß sie den Grundlagen wie in § 1, 2. Teil, wo es um
Beratungen, Arbeitsmaterialien u.a.). Wie die ACK mitteilte, bittet den Glauben an die Bibel und Jesus Christus geht - was ja die
sie, daß wir jährlich einen Kostenbeitrag in Höhe von 2.000 DM Gastmitglieder anerkennen müssen - nicht zustimmen könnten.
entrichten. Zehntengelder werden dafür nicht in Anspruch genom- Da auch das Evangelische Missionswerk (siehe Ausarbeitung der
men.“ Würtemberger, S. 3) den Beobachterstatus innehat, kommt diese
Der Vereinigungsvorsteher von Nordrhein-Westfalen schreibt Unterstellung einer Verleumdung gleich, die völlig unzutreffend ist
(Rund-2): (das ev. Missionswerk hat bezüglich der Grundlagen z.B. der kath.
„Es ist nicht richtig, daß uns durch den Gaststatus finanzielle Kirche doch einiges voraus).
Verpflichtungen vorgeschrieben werden... Die Entscheidung, wie- 2) Selbstverständlich besteht noch der gravierende Unterschied
viel Mittel wir dafür ausgeben, wird nicht bei der ACK, sondern in zwischen Beobachter und Gastmitglieder hinsichtlich der Beitrags-
den Ausschüssen des NDV und SDV getroffen. Wir haben diese zahlung - „andere Unterschiede“ bestehen eben doch. (Bei sol-
Mittel zur Zeit auf DM 2.000,- pro Jahr für beide Verbände zusam- cher Argumentation, kann man die positive Reaktion unseres GK-
men begrenzt...“ Präsidenten Folkenberg zur Gastmitgliedschaft sicher verstehen.)

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Beiträge bedeuten Mitverantwortung tragen! Gott uns haben möchte... Wir sollen nach Einheit streben, aber
nicht auf dem niedrigen Niveau der Anpassung an weltliche Politik
Was schrieb 1985 der heute wohl prominenteste Verfechter für die und der Verbindung mit volkstümlichen Kirchen.“ (Mind, Charakter
ACK, der Medienbeauftragte der Gemeinschaft in Deutschland, and Personality, S. 559)
Holger Teubert, noch vor wenigen Jahren:
„Bei einer Beteiligung an den laufenden Kosten der ACK könnte Wir sollen auch durch unsere Gegenwart die ACK nicht ideell un-
der Vorwurf erhoben werden: ´Daß (Gläubige) mit ihrem Zehnten terstützen. Klar schreibt E.G. White:
und Kollekten die Ökumene mitfinanzieren... „Auch soll der Christ niemals Unrecht durch Worte oder Taten, durch
Gegen solch einen Aufruf könnte man sich wahrscheinlich schlecht Stillschweigen oder durch seine Gegenwart gutheißen.“ (Leben
wehren, denn die Mitfinanzierung einer ACK bedeutet, daß man Jesu 138)
dann auch Mitverantwortung trägt und sich in gewisser Weise mit Daß die Ziele der Ökumene nicht gut, sondern unrecht sind, ist
der ACK identifizieren muß. Doch damit hat man bereits den Be- vom Glaubensstandpunkt her keine Frage. Es gilt nun im 4. Punkt
obachter-/Beraterstatus überschritten und fängt an sich aktiv für noch aufzuzeigen, daß die ACK Ökumene in Reinkultur ist. Und
die ACK zu engagieren. somit lehnt Gott gemäß der Aussage Ellen Whites im Grunde selbst
Daher müßte gleich bei einem schriftlichen Antrag um Zulassung Beobachter ab, weil diese stillschweigend ökumenischen Prozes-
als Beobachter/Berater mit erwähnt werden, daß sich die Advent- sen beiwohnen müssen, um nicht unangenehm aufzufallen.
gemeinde aus prinzipiellen Gründen nicht imstande sieht, die lau-
fende Arbeit der ACK finanziell mitzutragen - auch nicht mit einem Wie sehen uns die anderen Kirchen?
ganz geringen Beitrag.“ (Referat von 1985: Soll die Gemeinschaft
d. S.T.A Mitglied in der ACK werden?, S. 43, nachfolgend als Ref- Noch ein anderer Gesichtspunkt verbietet die Verbindung der S.T.A.
1 bezeichnet) als Gastmitglied mit der ACK.
Wie sehen uns die anderen Christen und vor allem die, die vor der
Das Argument von H. Teubert überzeugt, und so konnte er sogar Weltökumene und dem ACK zu recht warnen? Wie sollen wir vor
noch im April 1987 als Leiter der Zentralstelle für Apologetik, der Babylon in Bibelstunden, Evangelisationen und Predigten noch
Gemeinschaft in Deutschland, Dr. Reimer mit Überzeugung zitie- warnen können und zum Ausgehen aus Babylon aufrufen, wenn
ren (Artikel von Dr. Reimer im Materialdienst): wir uns selbst mit dieser Feindin Gottes verbinden?
„So wollen alle Adventisten, auch die progressiven, mit der ´Öku-
mene` als einer ´superkirchlichen Organisation` nichts zu tun ha- Wie ernst wird der Unterschied zwischen Voll- und Gast-
ben. Sie wollen keine Mitgliedschaft oder auch nur ´Gast- mitgliedschaft von den Administratoren genommen?
mitgliedschaft`, weil dies Teilhaberschaft bedeutet...“
Eine gewisse Heuchelei der Brüder hinsichtlich Gast- oder
Aber unsere Leiter wollen nicht auf die klaren Argumente sowohl Vollmitgliedschaft wird zudem noch an diesem Punkt sichtbar: Die
aus den eigenen Reihen als auch von anderen hören, die gegen Vereinigung Sachsen-Anhalt ist Vollmitglied. Wäre die Vollmitglied-
eine Gastmitgliedschaft sprechen. Im Rundschreiben vom 5.1.94 schaft so gravierend falsch, warum setzt dann der Verband und
geben sie ihrer Unbelehrbarkeit wie folgt Ausdruck: die EUD diese Vereinigung nicht unter Druck, sofort die Vollmitglied-
„Gegen den Gaststatus ist kein überzeugendes Argument vorgetra- schaft aufzukündigen. Darauf angesprochen meinte der Vereini-
gen worden.“ gungsvorsteher Wilhelm sinngemäß, was offenbar auch die ande-
ren Leiter denken: Man soll erstmal abwarten, wie es läuft. Man
„Da ist Hopfen und Malz verloren!“, sagt der Volksmund so tref- könne ja die ACK in Sachsen-Anhalt nicht vor den Kopf stoßen
fend. und müsse erst eine günstige Gelegenheit abwarten.
Auch behauptet er sinngemäß, daß Sachsen eine andere Satzung
E.G. White warnt vor Verbindungen mit Babylon hätte, der man zustimmen könne. Hier wird wiederum alles ver-
harmlost, so als würde die ACK in Sachsen keine ökumenischen
Zum Schluß dieses Punktes noch einige Zitate von Ellen White, Ziele verfolgen und würden die anderen Probleme nicht zutreffen.
die deutlich machen, daß wir uns nicht mit Protestanten und Ka- Ja so ist der Lauf der Dinge: erst Beobachter, dann Gastmitglied,
tholiken, die Babylon bilden, verbinden dürfen. dann Vollmitglied, dann Plagen von Gott. Und von Stufe zu Stufe
Wahrscheinlich sind diese Aussagen und auch biblische der Grund, kann man sich neue Ausreden und Ausflüchte einfallen lassen,
warum man E.G.White nur einseitig zitiert (den Geistlichen ande- um den nächsten Sprung zu bewältigen und die Ahnungslosen zu
rer Konfessionen nahekommen) und die Verbindlichkeiten und Teil- beruhigen.
habe an der ACK mit allen möglichen und unmöglichen Ausflüch-
ten wegzudiskutieren sucht. Es besteht eben doch, wie wir gese- Ökumenische Ziele und Arbeitsweisen des ACK
hen haben, eine Verbindung zum ACK, vor der E.G. White wie folgt
warnt: Die magere und irreführende Auskunft unserer Führung
„Laßt es nicht zu, daß sich die Wächter auf den Mauern Zions mit
denen zusammenschließen, welche die Wahrheit, wie sie in Chri- Unter der Überschrift: „Was ist die ACK, was sind ihre Grundlagen
stus ist neutralisieren. Laßt es nicht zu, daß sie sich der Vereini- und Ziele“ im Info 1 wird der Leser enttäuscht, denn Ziele werden
gung der Untreue anschließen - derjenigen des Papsttums und nicht genannt, es heißt lediglich am Schluß:
des Protestantismus...“ (Bibelkommentar S. 186f) „...oder verpflichtet wären, an Zielen mitzuarbeiten, die unserer
An anderer Stelle heißt es: Auffassung von biblischer Wahrheit nicht entsprechen.“
„Siebenten Tags-Adventisten müssen jetzt abgesondert dastehen,
ein Volk das vom Herrn als das Seine bezeichnet wird... Wahrheit Etwas fündiger werden wir unter der Überschrift: „Wie oekume-
und Irrtum können kein Bündnis eingehen. Laßt uns da stehen, wo nisch ist die ACK?“ Inf0 1 S. 11:

80
„Als 1948 die ACK entstand, wurde sie bewußt ´Arbeitsgemein- gemeinsamen Zeugnis, Dienst und Gebet;
schaft Christlicher Kirchen`genannt und nicht, wie in vielen ande- 2.2 Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen den Kirchen auf
ren Ländern, Kirchen- oder Christenrat bzw. Oekumenischer Rat... lokaler, regionaler und internationaler Ebene...
Auch die nach der Wiedervereinigung gebildete gesamtdeutsche 2.7 Vertretung gemeinsamer Anliegen der Mitgliedskirchen bei
ACK ist nach wie vor eine ´Arbeitsgemeinschaft`. Einen ´Kirchen- politischen Institutionen;
oder Christenrat` wollten die deutschen Kirchen und Freikirchen 2.8 Unterrichtung der Öffentlichkeit über ökumenische Ereignisse
nicht... und über den Stand der ökumenischen Bemühungen sowie För-
Der Begriff ´oekumenisch‘ deutet in den seltensten Fällen auf eine derung des ökumenischen Verantwortungsbewußtseins.“
Beziehung zum Weltkirchenrat hin...“
Der aufmerksame Leser des Info 1 wird auf S. 4 vielleicht schon
Ein klares Wort der ACK festgestellt haben, daß der einleitende Satz zu Beginn des § 2,
dort von unserer Leitung weggelassen wurde!?
Wie sieht es die ACK selbst - und man sollte doch annehmen, daß
sie wissen, welche Ziele sie verfolgen und wo man sie einordnen Bezüglich der Aufgabenstellung und Ziele des ACK, ist auch § 10
muß (Info-Blatt der ACK S. 2) der Satzung äußerst aufschlußreich:
„ACK - was ist das? „§ 10 Ökumenische Centrale
Die Einheit der Christen zu fördern, ist das Ziel der ökumenischen 10.1 Als Sekretariat und ständige Einrichtung ökumenischer Zu-
Bewegung. Sie findet Ausdruck in weltweiten, aber auch in natio- sammenarbeit unterhält die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kir-
nalen, regionalen und örtlichen Zusammenschlüssen. In vielen chen die Ökumenische Centrale (ÖC)...
Ländern gibt es Nationale Kirchen und Christenräte oder Arbeits- 10.5 Aufgabenbereiche der Ökumenischen Centrale sind:
gemeinschaften christlicher Kirchen. In unserem Land ist der ent- a) Ausführung der Beschlüsse und Durchführung der Arbeitsauf-
sprechende nationale Zusammenschluß die ´Arbeitsgemeinschaft träge der Mitgliederversammlung;...
Christlicher Kirchen in Deutschland e.V.‘ (ACK).“ c) Pflege der Beziehungen zur lokalen, regionalen und inter-
nationalen Ökumene;
Die ACK selbst macht also weder einen Unterschied zwischen der d) Aufnahme und Vermittlung von Initiativen ind Informationen aus
weltweiten Ökumene (ÖRK) und den nationalen Kirchenräten als der europäischen und weltweiten ökumenischen Bewegung, die
auch zwischen Arbeitsgemeinschaften und ökumenischen im Rahmen der Zielsetzung und Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft
Christenräten. Die Ziele des ACK sind die gleichen wie die des Christlicher Kirchen liegen;
Weltkirchenrates. e) Durchführung von ökumenischen Studientagungen und Kon-
Diese unhaltbaren Täuschungsmanöver unserer Leitung werden ferenzen in eigener Verantwortung oder in Zusammenarbeit mit
sogar von ihrem eigenen Mitstreiter Holger Teubert entlarvt. regionalen Arbeitsgemeinschaften und anderen Trägern der öku-
menischen Bewegung;
H. Teubert schreibt ganz richtig in seiner Ausarbeitung Ref-1 f) Mitarbeit an ökumenischen Studien in Verbindung insbesondere
auf S. 36: mit dem DÖSTA und Unterstützung der ökumenischen Aus- und
„Das in den Punkten a - f über den Weltkirchenrat (ÖRK) gesagte, Fortbildung in den Kirchen...
gilt auch für die Arbeitsgemeinschaften christlicher Kirchen. Denn h) Vorbereitung von Materialien zur Gebetswoche für die Einheit
wie unter ´V. Zielsetzung` (S. 13-14) ausgeführt, verfolgen die Ar- der Christen sowie Begleitung anderer gottesdienstbezogener öku-
beitsgemeinschaften, sowohl auf Bundesebene, wie auch auf Län- menischer Projekte;
der- und lokaler Ebene, die gleichen Zielvorstellungen wie der i) Ökumenische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Zusammen-
ÖRK.“ arbeit im Bereich allgemeiner kirchlicher Öffentlichkeitsbezie-
Die Punkte a-f, die Teubert hier anführt und sowohl auf den Welt- hungen, des Rundfunks und des Fernsehens;
kirchenrat als auch auf die Bundes-ACK zutreffen, sind wie folgt j) Dokumentation und Archivierung ökumenischer Literatur.“
überschrieben:
„1. Adventistische Einwände gegen die ökumenische Bewegung ACK nur ein Informationsverein?
a) Adventisten haben andere Ziele...
b) Adventisten haben ein anderes Verständnis von Einheit... Nachdem die Leitung die Aufgaben und Ziele, um die es eigentlich
c) Adventisten können einer Nivellierung der Lehre nicht zustim- im ACK geht, verschwiegen hat und diese auf zwei Bereiche ver-
men... kürzt, die wir uns wünschen, schreibt sie im Rund-1:
d) Adventisten setzen sich für eine Trennung von Kirche und Staat „Der Gaststatus ist demnach kein ´Bündnis`, sondern ein Informa-
ein... tionsverhältnis: Wir sehen den Auftrag, andere Kirchen über uns
e) Adventisten haben ein ganz bestimmtes prophetisches Verständ- und unsere Botschaft zu informieren; ebenso ist es nötig, uns über
nis... die Entwicklung in und zwischen den Kirchen zu informieren...“
f) Adventisten stellen selbst eine ökumenische Bewegung dar...“
Wenn Angesichts dieser Fülle ökumenischer Aufgaben und Ziele
Die Leitung verdreht die Tatsachen, um das ökumenische Enga- unsere Leiter noch allen Ernstes uns weismachen wollen, daß die
gement der ACK zu vertuschen. Aber die Aufgabenstellung der ACK lediglich ein unverbindlicher Informationsverein sei, ist die
ACK, wie sie deutlich in der Satzung zum Ausdruck kommt, spricht Grenze des Zumutbaren weit überschritten.
für sich: Es geht bei der ACK eben nicht um unverbindliche Information
„§ 2 Aufgaben sondern um den gezielten und tatkräftigen Aufbau der Ökumene,
Die Arbeitsgemeinschaft dient der ökumenischen Zusammenarbeit was letzlich in die Aufrichtung des Bildes des Tieres mündet. Dar-
durch Erfüllung folgender Aufgaben: an haben wir Anteil und werden vor Gott und den Mitmenschen
2.1 Gegenseitige Information, Beratung und Zusammenarbeit im schuldig.
81
Unseren Glauben darstellen können wir auch ohne Gastmitglied- „Es gibt aus Gemeinden und aus der Predigerschaft Stimmen, die
schaft, so wie es bisher möglich war. Zudem sollten wir gemäß vor diesem Gaststatus warnen, weil sie meinen:
des Rates von E.G. White die Geistlichen anderer Kirchen in ihrem - die ACK stehe zu nahe an der Oekumene...
Heim aufsuchen, um mit ihnen zu reden und zu beten, wo es mög- - in dieser Sache müßten alle Gemeinden befragt werden.
lich ist. Eine Befragung der Gemeinden wurde nicht durchgeführt; den-
noch ergibt sich aus vielen Gesprächen: die Ausschüsse der bei-
1.6 Zusammenfassung den Verbände, die diesen Schritt beschlossen haben, stimmen der
Gastmitgliedschaft unserer Gemeinschaft bei der ACK zu; auch
In den vorangegangenen vier Punkten konnte nur ein Teil der Aus- Ausschüsse der Vereinigungen, die Mehrheit unserer Gemeinden
sagen unserer Administratoren behandelt werden, und dieser of- sowie der Prediger/Predigerinnen bejahen diesen Weg.“
fenbarte schon so viele Auslassungen, Halbwahrheiten, Unwahr-
heiten und Verdrehungen, daß man anhand unserer eigenen Defi- Und damit ist für die „Hirten“ der Fall erledigt, ja sie gehen sogar
nition von Lüge nicht umhinkommt, ein großangelegtes Lügen- noch einen Schritt weiter (Rund-1, S. 10):
gebilde zu sehen. „Damit haben wir alle Argumente aus unserer Sicht genannt; wir
Seit ich STA bin, wurde offiziell von der Leitung des Werkes in haben versucht, auf alle Bedenken und Fragen einzugehen. Alles
Deutschland noch nie eine so wacklige, unseriöse und falsche Infor- weitere wäre jetzt nur eine Wiederholung von bereits Gesagtem.
mation an die Gemeinden weitergeleitet, wie gerade die Erklärun- Damit wäre niemandem gedient. Darum sollten wir nun die weite-
gen zum Eintritt der STA in die Bundes-ACK. re Diskussion beenden, um unsere eigentlichen Aufgaben zu tun.“
Hier ist das Bibelwort aus Jesaja 5,20 angebracht:
„Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Fin- Man würgt also von vorneherein eine Abstimmung aller Gemeinden
sternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß ab und ebenso weitere Diskussionen. Hier wird deutlich, von welch
und aus süß sauer machen!“ intolerantem und herrschsüchtigen Geist die Leiter beeinflußt sind.
Befürchten unsere Führer, daß entgegen ihrer Behauptungen doch
2. Spaltungen verursachen oder zu fördern eine größere Anzahl der Geschwister gegen eine Gast-
mitgliedschaft sind und vereiteln deshalb eine reguläre Befragung
Walton schreibt über die Kellogg-Krise (S. 75): aller Gemeinden?
„Ellen Whites Beschreibung ist sehr anschaulich: ´Nichts durfte der Die Beschlüsse des Verbandes, die kurz vor der Aufnahme in die
neuen Bewegung in die Quere kommen.` Eine merkwürdige Rück- ACK erfolgten, werden als unabänderlich hingestellt und keine
sichtslosigkeit machte sich breit, die man selten vorher - wenn Möglichkeit einer Korrektur eingeräumt.
überhaupt - erlebt hatte. Bewährte, langbestehende Freundschaf- Diese Vorgehensweise müßte eigentlich allen aufrichtigen Ge-
ten schienen nicht mehr viel zu bedeuten, und traditionelle Treu- schwistern, egal welche Meinung sie vertreten, die Augen öffnen.
bindungen verschwanden auf geheimnisvolle Weise... Überall, wo Natürlich wird durch solch eine diktatorische und bestimmende
die neue Theologie an Boden gewann, schien es nichts als Ärger Verhaltensweise ein großer Teil der Gemeindeglieder vor die Wahl
zu geben, hervorgebracht von ´Lügenzungen und schlauen Gehir- gestellt: „Friß oder stirb“.
nen, die seit langem darin geübt waren, der Wahrheit auszu- Ein Teil wird sich sicherlich abspalten, weil er diese Unterdrückung
weichen`. Sie waren ´beständig darauf aus, Verwirrung zu stiften und diesen Abfall von Gott nicht mittragen kann und will.
und Pläne auszuführen, die ihnen der Feind eingeflüstert hatte.“ Dies haben unsere Leiter praktiziert und damit die Spaltungs-
tendenz erzeugt, die zur Zeit Kelloggs die Gemeinschaft vor einer
Durch die Verbindung zur ACK spalten sich heute viele Gemeinden Zerreißprobe stellte.
und ein Teil protestiert heftig dagegen. Glieder sind verunsichert.
Etliche wollen austreten oder haben es schon getan. Zehnten wird Sollten man nicht besser die wenigen Führer von der Leitung ab-
zurückgehalten oder an anderen Stellen des Werkes eingesetzt. spalten, um die vielen Verzweifelten zu retten, die in ihrer Gemein-
de keine geistliche Heimat mehr finden und uns verlassen?
Treue Hirten achten auf die ganze Herde
3. Angriffe auf die Grundlehren
Die Bibel erwartet von den Hirten der Gemeinde, daß sie auf alle
und nicht nur auf einen Teil der Schafe Rücksicht nehmen: 3.1 Hinterlistige Angriffe auf Marksteinlehren vorhergesagt
„So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der
euch der Heilige Geist eingesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Lewis Walton schreibt (S. 91f):
Gemeinde Gottes, die er durch sein eigenes Blut erworben hat.“ „Alle großen Abfallbewegungen in der Geschichte der Gemein-
(Apg. 20,28) schaft haben eines gemeinsam: sie greifen die wichtigsten Grund-
lehren des adventistischen Glaubens an. Dazu gehören die Lehre
Ein treuer Hirte wird alles vermeiden, was seine Herde spalten vom Heiligtum, die vom Untersuchungsgericht und die von der
könnte, er hat acht auf die ganze Herde und nicht nur auf den Teil, Inspiration des Geistes der Weissagung...Leute, die für Verände-
der ihm gefällt. Auch von diesem Gesichtspunkt her ist das Verhal- rungen eintreten, führen oft als Begründung an, sogar Schwester
ten der „Hirten“ rücksichtslos gegenüber denen, die noch treu am White habe dazu gedrängt, für ´neues Licht` offen zu sein...An
alten Adventismus festhalten. anderen Stellen erwähnt Ellen White ... die Botschaft der drei En-
gel ... als ´Marksteinlehren`und warnte davor, daß Satan Gottes
Diktatorische Intoleranz Volk zu überzeugen versuchen würde, gerade diese müßten un-
bedingt geändert werden. Es sollte aber diesen Versuchen ´mit
Die hartherzige und überhebliche Gesinnung wird auch gerade in größter Bestimmtheit` widerstehen.“
der ACK-Frage sichtbar. Dazu lesen wir im Rund-1 auf Seite 2:

82
In diesem Abschnitt zitiert Walton Ellen White wie folgt: das Jahr 1844 zu den Säulen unseres Adventglaubens gehören
„Männer und Frauen werden sich erheben, die vorgeben, neues würde. Der Verbandsvorsteher verneinte dies (dies sei keine Säu-
Licht oder eine neue Offenbarung empfangen zu haben. Die Ten- le unseres Glaubens), was mich damals sehr verwunderte und
denz aber geht stets dahin, den Glauben an die alten Marksteine erkennen ließ, wie wenig dieser Leiter im Grunde mit unserer
zu erschüttern... Falsche Berichte werden in Umlauf gesetzt, und Adventbotschaft und der Geschichte unseres Werkes vertraut war
einige werden darauf hereinfallen. Sie werden diesen Gerüchten bzw. verbunden.
glauben und sie selbst weiterverbreiten... Dadurch werden viele
Seelen in eine falsche Richtung gebracht.“ In jener Zeit fuhren wir als Prediger nach Rom, wo ich im Predi-
gerkreis eine Andacht hielt. Unter anderem äußerte ich - was ich
Verbergen der Abtrünnigkeit vom Adventglauben als ganz selbstverständlich empfand - daß Desmond Ford Irrleh-
ren verkündigt hat. Kurz darauf äußerte sich der damalige Vorste-
Die unehrliche und heimliche Vorgehensweise dieser falschen Leh- her von Westfalen mitr gegenüber sinngemäß, daß man nicht sa-
rer beschreibt Ellen White (S. 67 Eisberg voraus) wie folgt: gen könne, daß Desmond Ford mit seinen Lehren falsch liege.
„Es gibt Menschen, die zwar die Wahrheit verkündigen, aber bei Darüber war ich sehr erstaunt und konnte es kaum glauben.
all ihrem Tun nicht die Vollkommenheit anstreben, die vor Gott gilt,
sondern ihre Abtrünnigkeit zu verbergen suchen und die Entfrem- Allerdings zeigte sich dieser Vorsteher auch in anderen Dingen
dung von Gott fördern`.“ sehr liberal. Gemäß den Aussagen von Ellen White, hielt ich es für
„Mitten aus unseren Reihen werden falsche Lehrer aufstehen, die meine Pflicht, bei Bibelstunden darauf hinzuweisen, daß wir als
auf verführerische Geister hören werden, deren Lehren satanischen Christen nicht ins Theater gehen sollten. Der Vorsteher lud damals
Ursprungs sind. Diese Lehrer werden Nachfolger um sich scha- alle Predigerfrauen ins Theater ein (ein geplantes Konzert war
ren. Sie werden sich unbemerkt einschleichen, schmeichelhafte ausgefallen) und entschuldigte sich später dafür, aber nicht wegen
Redensarten führen und geschickt ihre Entstellungen mit verfüh- des Theaters - was er und seine Frau bejahten -, sondern weil in
rerischem Feingefühl anbringen.“ Und Walton setzt fort: dieser Aufführung die Frauen „oben ohne“, also halbnackt auftra-
„Fast im gleichen Atemzug sagte sie, daß falsche Theorien ´jedem ten. Wie soll man den Neugetauften klar machen, daß Theaterbe-
Aspekt der Erfahrung untergemischt und mit teuflischem Ernst und such einerseits für das geistliche Leben schädlich ist und Gottes
Eifer verfochten` werden, ´um das Denken jeder Seele gefangenzu- Dienerin davor warnt und der Vorsteher so „vorbildlich“ denkt und
nehmen, die nicht in der vollen Erkenntnis der heiligen Grundsätze handelt?
des Wortes verwurzelt und gegründet ist.“
Später, als ich in Berlin tätig war, hörte ich das Argument von
Erschwerend kommt heute hinzu, daß die falschen Lehrer sich nach Seiten der Administration hinsichtlich der Heiligtumslehre - und
außen hin als rechtgläubig darstellen, aber in Wirklichkeit wichtige dies scheint eine gängige Auffassung vieler zu sein - Desmond
Lehren nicht glauben und ihre falschen Anschauungen geschickt Ford kam etwas zu früh, laßt uns noch ein paar Jahre warten, dann
und dosiert verbreiten. Sie wissen, daß ihre Anstellung gefährdet sieht es anders aus.
ist, wenn sie offen dagegen sprechen, und deshalb wird nur soviel
Irriges preisgegeben, wie es möglich ist und angenommen wird. Aber liberale Einstellungen wurden schon viel früher geäußert. Das
Solange einzelne Vorsteher, Lehrer, Prediger und Leiter auf eine Seminar Marienhöhe war schon zu meiner Zeit als Predigerschüler
neue Ordnung und eine Abkehr vom alten Glauben hinarbeiten, ist in zwei Lager gespalten, wobei im Laufe der Jahre, liberale Lehrer
die Gefahr noch abwendbar durch entsprechende Ausschüsse und die Oberhand gewannen.
Organisationen, die diesen Irrlehrern Einhalt gebieten und sie not- Ein gut bekannter Lehrer und Prediger, der durch Deutschland reist,
falls disziplinieren. Wenn aber in alle wichtigen Schaltstellen des um in Gemeinden und bei Veranstaltungen zu lehren und zu predi-
Werkes ganz bewußt liberale Personen gewählt werden, die sich gen, äußerte mir als Schüler seine Zweifel Ellen G. White gegen-
innerlich von dem alten Adventglauben abgewendet und zu einer über, besonders hinsichtlich der geschlossenen Tür.
neuen Ordnung bekehrt haben, können Irrlehrer im Wissen auf Der gleiche Lehrer war viele Jahre Vorsitzender des Adventistisch
Rückendeckung getrost soviel Irrlehren einschleusen, wie es die Wissenschaftlichen Arbeitskreises, der unter anderem einen Arti-
jeweilige Gemeinde verkraftet. Auf diese Weise kann die ganze kel über Ellen White veröffentlichen ließ, in der ihre Visionen auf
Gemeinschaft umfunktioniert werden. epileptische Anfälle zurückgeführt wurden. Dies war wohl der An-
Und das Bedrohliche an dieser ganzen Angelegenheit ist, daß es stoß, daß viel Unmut aufkam und der Vorsitzende zurücktrat. Er
heute viele Anzeichen gibt, die genau auf den letzten Sachverhalt hielt Predigten in den Gemeinden, worin er u.a. Reinhard Bonnke
hindeuten. Darauf wird noch später eingegangen. mit seiner Zeltmission als Vorbild hinstellte - und Reinhard Bonnke
ist Charismatiker, der viele verführt! Anläßlich der Verbands-
3.2 Denken und Handlungsweisen von Vorstehern und Leh- konferenz in Berlin, ließ dieser Verkündiger Tänze aufführen und
rern rief zur gleichzeitiger Andacht auf.

Jetzt möchte ich auf die Lehren zu sprechen kommen und dazu Und dieser Lehrer, der nicht nur Mitglied in beiden Verbands-
einige persönliche Erfahrungen einfließen lassen. Stellvertretend ausschüssen war und der schon in den achtziger Jahren im Auf-
greife ich einen Verbands- und Vereinigungsvorsteher sowie Schul- trag der Gemeinschaft Kontakte zum ACK aufnahm, ist inzwischen
leiter heraus. von der EUD sogar als Schulleiter der Marienhöhe eingesetzt wor-
Als vor einigen Jahren die Irrlehren von Desmond Ford noch eifrig den. Dies spricht Bände und wir erkennen, wie weit wir schon von
diskutiert wurden, kamen wir als Prediger von Westfalen zusam- liberalen Kräften unterwandert sind. Aber dies sind nur einige we-
men und der damalige Vorsteher des Westdeutschen Verbandes nige Dinge, die mehr oder weniger bekannt sind, was spielt sich
berichtete über den derzeitigen Stand. Unter anderem wurde eine erst hinter verschlossenen Türen ab?
Aussage unserer Gemeinschaft behandelt, wo es darum ging, daß
83
3.3 Was die Ökumene uns in Zukunft beschert (b) Wären Adventgemeinden auch bereit, bei diesen gemeinsamen
Aktivitäten auf Missionsarbeit zugunsten unserer Gemeinschaft zu
Wohin die Gastmitgliedschaft und Mitgliedschaft letztendlich hin- verzichten, da dies Spannungen mit den anderen Kirchen auslö-
führt, was uns also in Zukunft Schritt für Schritt erwartet, beschreibt sen könnte?
Holger Teubert sehr ausführlich in Form eines langen Fragen- (6) Gemeinsame Nutzung von Ausbildungsstätten
kataloges in Ref-1 (ab S. 29, in eckigen Klammern stehen Fußno- Wäre unsere Gemeinschaft bereit, bestimmte Ausbildungsstätten
ten von H. Teubert): (falls vorhanden) auch Mitarbeitern anderer Konfessionen zugäng-
„2. Verpflichtungen lich zu machen, ohne jedoch zu versuchen diese für unsere eige-
a) Keine Verpflichtung de jure ne Glaubensüberzeugung zu gewinnen?
Wie schon ausgeführt, gibt es außer der Anerkennung der (7) Gemeinsame Publikationen
´Grundlage‘der ACK, rein rechtlich gesehen keine Verpflichtung (a) Wäre der Saatkorn-Verlag bereit z.B. in der Zeitschrift ´Zeichen
für die Mitgliedschaft... Dies alles gilt sowohl für Vollmitglieder als der Zeit‘ auch Beiträge anderer Konfessionen aufzunehmen, die
auch für Gäste. für ihre Glaubenshaltung um Verständnis werben?
b) Doch Verpflichtungen moralischer Art (b) Wäre unser Verlagshaus bereit, Richtlinien aufzustellen, um
Da die Arbeitsgemeinschaften christlicher Kirchen aber eine ganz sicherzustellen, daß keine in der ACK vertretene Kirche (einschl.
bestimmte Zielsetzung verfolgen, nämlich ´der Einheit der Chri- der röm.-kath. Kirche), sich durch irgendeinen Artikel in Büchern
stenheit zu sichtbarem Ausdruck zu verhelfen‘ und von ´sündiger oder Zeitschriften aus ihrer Sicht ungerechtfertigt angegriffen fühlt?
Spaltung‘ in der zertrennten Christenheit spricht, deren ´Überwin- (Das hieße in der Praxis, daß bestimmte Artikel, die sich kritisch
dung durchaus im Bereich der Möglichkeit‘ liegt, wird von den Mit- mit einer bestimmten Kirche auseinandersetzen, künftig nicht mehr
gliedskirchen und auch Gästen erwartet, daß sie diese Zielset- erscheinen würden.)
zung bejahen, und die ACK appellieren ständig an die Mitglieder (c) Wäre unsere Gemeinschaft deshalb auch bereit, z.B. das Buch
und Gäste Schritte zu unternehmen, damit die Konfessionen sich ´Der große Kampf zwischen Licht und Finsternis‘ nicht mehr her-
näherkommen... auszugeben, da sich hier besonders die röm.-kath. Kirche ange-
Zurückkommend auf Punkt VI. ´Die Verwirklichung der Zielsetzung‘ griffen fühlt und in diesem Buch die Aufforderung enthalten ist,
in den Seiten 15-19 dieser Ausarbeitung ergeben sich folgende auch die protestantischen Kirchen zu verlassen?
Fragen: (8) Gemeinsame Seelsorge an konfessionsverschiedenen Ehegat-
(1) Ökumenische Gebetswoche ten
(a) Wäre die Gemeinschaftsleitung der STA auf Vereinigungs- oder (a) Wären unsere Prediger bereit, entgegen des Beschlusses des
Verbandsebene bereit, die Adventgemeinden aufzufordern zu- Süddeutschen Verbandes der STA, ökumenische Trauungen zu-
sammen mit anderen Kirchen (auch der röm.-kath. Kirche) an der sammen mit einem Geistlichen einer anderen Konfession durch-
ökumenischen Gebetswoche für die Einheit der Christen teilzu- zuführen?
nehmen? (b) Wären unsere Prediger bereit, den nichtadventistischen Ehe-
(b) Wären örtliche Adventgemeinden bereit, an der ökumenischen gatten wieder in Verbindung mit seiner eigenen Kirche zu bringen
Gebetswoche teilzunehmen und dabei auch Gottesdienste in an- und den adventistischen Ehegatten aufzufordern jeglichen
deren Kirchen zu besuchen? Bekehrungsversuch zu unterlassen?
c) Wären die Adventgemeinden auch bereit, sich am Ökumeni- (c) Wären unsere Prediger bereit, zusammen mit einem Geistli-
schen Opfer zu beteiligen? [Für 1985 wurden drei Projekte ausge- chen einer anderen Konfession ökumenische Gottesdienste
sucht für die das Ökumenische Opfer während der Gebetswoche durchzuführen, damit konfessionsverschiedene Ehegatten ge-
dienen Soll: 1. Förderung eines ländlichen Entwicklungsprojektes meinsam einen Gottesdienst besuchen können?
der Kopten in Ägypten; 2. Unterstützung des Ökumenischen (9) Achtung von unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen
Jugendrates von Europa; 3. Unterstützung eines Missionszentrums (a) Wären wir als Adventisten wirklich bereit, einen nominellen
der Heilsarmee in Zaire...] Kirchenchristen, der durch unsere Missionsarbeit zum lebendigen
(2) Ökumenische Gottesdienste Glauben an Christus gefunden hat, aufzufordern diesen seinen
(a) Wäre die Gemeinschaftsleitung der STA auf Vereinigungs- oder neu erfahrenen Glauben nun in seiner eigenen Kirche auszule-
Verbandsebene bereit, die Adventgemeinden aufzufordern an ben?
ökumenischen Gottesdiensten teilzunehmen? (b) Wären wir als Adventisten bereit, zuerst mit der jeweiligen Kir-
(b) Wären örtliche Adventgemeinden bereit, ökumenische Gottes- che Rücksprache zu nehmen, bevor wir bereit sind ein Glied einer
dienste auch in röm.-kath. Kirchen zu besuchen und ggf. aktiv dar- anderen Kirche bei uns aufzunehmen?
an teilzunehmen? c) Würden wir dabei der betreffenden Kirche die Möglichkeit ein-
(3) Kanzeltausch räumen ihr Glied zu überzeugen, sich nicht uns anzuschließen,
Wären die Adventgemeinden bereit, in ihren Gottesdiensten auch sondern in der eigenen Kirche zu bleiben?
einmal einen Geistlichen einer anderen Konfession (einschl. der (10) Abbau von theologischen Unterschieden
röm.-kath. Kirche) die Predigt halten zu lassen? TAUFE
(4) Gemeinsame Gemeindezentren (a) Wären wir als Adventisten bereit, die Kindertaufe unserer
Wären der Süddeutsche Bauverein und die Westdeutsche Grund- Glaubenstaufe gleichzustellen und als gültige christliche Taufe an-
stücksverwaltung der STA bereit, vor einem Kapellenneubau mit zuerkennen?
anderen am Ort vertretenen Gemeinschaften Kontakt auf- (b) Würden wir deshalb auf eine Wiedertaufe (Glaubenstaufe) ver-
zunehmen, um zu prüfen, ob nicht ein gemeinsam genutztes Ge- zichten und auch Christen nur mit Kindertaufe als vollwertige
meindezentrum errichtet werden kann? Gemeindeglieder aufnehmen?
(5) Gemeinsame soziale Aktivitäten ABENDMAHL
(a) Wären die Adventgemeinden bereit, mit anderen Kirchen ge- (a) Wären wir als Adventisten bereit, Abendmahlgemeinschaft auch
meinsame soziale Aktivitäten durchzuführen? mit Christen anderer Kirchen zu haben?

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(b) Wären wir bereit, dieses Abendmahl auch von Geistlichen an- und Gottes Auftrag, die abgefallene Christenheit zu warnen, in den
derer Konfessionen entgegenzunehmen? Wind geschlagen.
(c) Würden wir beim Abendmahl mit anderen Christen auch auf
unsere Fußwaschung verzichten, um mit den anderen Abendmahls- Ökumenische Einbrüche in Deutschland
gemeinschaft zu haben?
(d) Würden wir auch alkoholhaltigen Wein akzeptieren, um mit an- Unsere guten Erfahrungen in der ehemaligen DDR
deren Christen Abendmahlsgemeinschaft zu haben?
(e) Würden wir auch die röm.-kath. Messe als echtes Abendmahl Wohin unser Weg in Zukunft führen wird, wenn wir zunächst Gast-
akzeptieren? mitglieder im ACK sind, deuten nicht nur die Fragen von H. Teubert
(f) Wären wir bereit, das Abendmahl in jedem unserer Sabbat- an, sondern wird uns klar, wenn wir die Bestrebungen unserer Ge-
gottesdienste auszuteilen und damit fest in unsere Liturgie einzu- meinschaft in den neuen Bundesländern beobachten, die schon
bauen? auf eine 15jährige Verbundenheit mit der AGCK zurückblicken kön-
AMT nen.
(a) Wären wir als Adventisten bereit zu überprüfen, ob unsere Ein- Nicht nur die oben angeführte Vorgehensweise bei Vorträgen son-
segnungspraxis mit der Kontinuität der apostolischen Tradition ver- dern auch die Einstellung eines großen Teils der Prediger in der
einbar ist? ehemaligen DDR und auch zum Teil in den alten Bundesländern
(b) Wären wir bereit, neben dem Predigtamt auch ein spezielles zeigen, wie weit wir schon bei der Verwirklichung der Fragen H.
Bischofsamt einzuführen, damit die Sukzession besser zum Aus- Teuberts sind.
druck kommt?
(c) Wäre irgendein adventistischer Prediger bereit, sich z.B.von - Die Behauptung unserer Führung
einem orthodoxen oder röm.-kath. Bischof einsegnen zu lassen,
damit die bischöfliche Sukzession auch auf uns übergeht? Unsere Leitung behauptet kühn in Info-1, S. 6:
(d) Wären wir als Adventisten bereit, die Ämter in anderen Kirchen „In der ehemaligen DDR machte unsere Gemeinschaft seit 1970
zu akzeptieren und ihnen auch die gleichen Vollmachten einzuräu- mit ihrem Gaststatus bei der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kir-
men (d.h. ein orthodoxer Priester könnte z.B. in unseren Gemein- chen (dort AGCK abgekürzt) sehr positive Erfahrungen. Während
den genauso das Abendmahl austeilen wie ein adventistischer dieser langen Zeitperiode wurde keine unserer Glaubensüberzeu-
Prediger)? gungen aufgegeben und verwässert..“
c) Schlußfolgerung
Die meisten der o.g. Fragen, wenn nicht fast alle, müßten wir als - Mehrheit der Prediger vom ökumenischen Geist durchdrungen
Adventisten mit einem klaren ´Nein‘ beantworten. Damit stehen
wir nicht allein... Dazu lesen wir in der Württ-Info auf S. 5:
Von Seiten der Ökumene wird zwar bejaht, daß Kirchen in Lehre, „In der SDV-Erklärung (S. 4) wird behauptet, daß die bisherigen
Tradition und Gottesdienst verschieden sind, doch diese Ver- Erfahrungen mit der ACK in der früheren DDR sehr positiv sind.
schiedenheit braucht nicht trennenden Charakter zu haben. [´Es Wie viele Nichtadventisten haben wir dadurch gewonnen, wie vie-
zeigt sich, daß die verschiedenen ´Ausprägungen des christl. Glau- le STA haben wir verloren? Wie viele STA sind bereits vom Geist
bens ..., wenn sie gemeinsam auf die Mitte der Heilsbotschaft und der ACK voll durchdrungen?
des christl. Glaubens bezogen sind und diese Mitte nicht in Frage Im Arbeitskreis für ökumenische Fragen auf der Bibelkonferenz
stellen, ihren trennenden Charakter verlieren und miteinander ver- der deutschsprachigen Prediger (30.08.-05.09.1993), so berichtet
söhnt werden können zu einer verpflichtenden ök. ein Teilnehmer, ging die Mehrheit weit über die Forderung hinaus,
Gemeinschaft‘(Vollversammlung des LWB, Daressalam 1977).] daß unsere Gemeinschaft in der ACK Gastmitglied wird. Sie for-
Damit werden aber die Unterschiede, einschließlich der Lehre, nivel- derten Vollmitgliedschaft in der ACK, Eintritt der Verantwor-
liert; und dagegen wenden sich besonders evangelikale Christen. tungsträger auf allen Ebenen in die Evangelische Allianz; sie for-
Auch wir als Adventisten müssen uns dagegen wenden und derten ökumenische Gottesdienste mit anderen Konfessionen; nicht
beantworten daher die meisten der o.g. Fragen mit einem klaren zuletzt definierten sie die Adventgemeinde als einen Teil der sicht-
´Nein!‘. baren Gemeinde Jesu, woraus eine Vereinigung mit anderen tei-
Wie bereits angeführt, kann keine Mitgliedskirche der ACK ge- len langfristig eindeutig abzuleiten ist.“
zwungen werden bestimmte ökumenische Schritte zu tun. Doch
welchen Zweck hätte eine Mitgliedschaft in der ACK, wenn den - Prediger wechselten konstant zur Evangelischen Kirche
meisten Aufforderungen der Arbeitsgemeinschaft ein entschiede-
nes ´Nein!‘ entgegengebracht werden müßte? Der Satz von B.B. Statt Nicht-STA zu gewinnen, haben wir Prediger verloren:
Beach hat hier seine Berechtigung: „Schmerzhaft machte sich der vereinzelte, aber doch konstante
´Es ist nicht gut, wenn man Mitglied einer Organisation ist und Wechsel einiger Prediger zur evangelischen Kirche bemerkbar.“
dann stets in Opposition ist.‘ (Adventecho, 3/94, S. 10)
Es wäre nicht ehrlich, sich der ACK anzuschließen, aber schon im
voraus zu wissen, daß man die Vorstellungen und Ziele der Ar- - Mitwirkung am Konziliaren Prozeß zur Einheitskirche mit politi-
beitsgemeinschaft nicht mittragen kann.“ schem Engagement

Wie weit diese ökumenischen Zukunftsperspektiven schon in un- Über unsere Heldentaten im AGCK schreibt der Bezirksprediger
serer Gemeinschaft verwirklicht wurden, wollen wir nachfolgend in Chemnitz, Johannes Hartlapp im Adventecho (Februar 94) auf
einmal betrachten. Diese ökumenischen Gegebenheiten lassen uns S. 13:
zwar verbal ein adventistisches Glaubenbekenntnis, aber in der „Die Öffnung der Adventgemeinde gegenüber anderen Kirchen und
Praxis haben wir unsere besonderen Lehren schon aufgegeben Gemeinschaften zeigte sich seit 1974 auch daran, daß wir einen
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Beobachterstatus in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen - Adventisten werben andere Christen nicht ab
(AGCK) erhielten. Einen diesbezüglichen Höhepunkt stellte ohne
Zweifel das Schlußdokument der Ökumenischen Versammlung für Natürlich wird von der Leitung beteuert, daß trotz einer Gastmit-
Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung 1987 in Dres- gliedschaft (oder auch Vollmitgliedschaft) im ACK, wir unsere Leh-
den dar, wo adventistische Positionen deutlich ihren Niederschlag ren z.B. über Babylon nicht aufgeben müßten. Dies gilt zwar de
fanden.“ jure, aber in der Praxis werden die Lehren abgeschwächt, die den
Frieden mit anderen Kirchen stören könnten.
Wer in der letzten Ausgabe der Stimme der Übrigen aufmerksam Und so klingt auch schon im Info-1 an (S. 9), daß wir uns den 80
die Ausarbeitung über den Konziliaren Prozeß gelesen hat und Prozent der Bevölkerung vorrangig zuwenden sollen, die keiner
weiß, wie „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ Kirche angehören. Möchte man keine sogenannte Prose-
von der ACK und Ökumene als Schlagworte für ein sozialpoliti- lytenmacherei betreiben? Ein treffliches Beispiel für unsere künfti-
sches Programm benutzt werden und letzlich zum Aufbau der Ein- ge Vorgehensweise bei Evangelisationen bietet die Ankündigung
heit der Religionen und Menschheit dient, wird erschrocken sein, einer Vortragsreihe:
daß unsere Brüder schon als kräftige Handlanger der Öumene „Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten
mitgeholfen haben. Landesverband mit dem Sitz in Berlin...
Landesverband Brandenburg...
- Friedensau: Tagungsort eines Ökumenischen Studienseminars, An die Pastorinnen, Pastoren und Verantwortungsträger der Kir-
und adventistischer Chor in der Berliner Marienkirche zum öku- chen und Freikirchen im Landkreis Strausberg und Umgebung
menischen Gottesdienst Liebe Schwestern und Brüder in Christus,
hiermit möchte sich die ADVENTGEMEINDE des Landkreises
Aufschlußreich sind auch die Ausführungen des jetzigen Geschäfts- Strausberg mit einer Information an Sie wenden.Wir sind besorgt,
führers der Bundes-ACK (vormals Geschäftsführer der AGCK), der wie schnell und stark die esoterische, okkulte Welle nun auch un-
auch gleichzeitig als Leiter der Ökumenischen Centrale fungiert, ser Gebiet erreicht. Dem wollen wir nicht tatenlos zusehen. Des-
Martin Lange. Er schreibt über die AGCK in der ehemaligen DDR halb planen wir, im Oktober dieses Jahres in Strausberg eine Vor-
u.a.: tragsreihe zu dem Fragenkomplex ´Leben nach dem Leben?‘ zu
„Ökumenische Studienseminare veranstalten...
Zum dritten Mal konnte 1986 ein Ökumenisches Studienseminar Die geplante Vortragsreihe ist in keiner Weise als Abwerbung ihrer
für Theologiestudenten durchgeführt werden, mit dem eine Anre- Kirchenglieder gedacht. Prof. Kobialka versucht in seinen Vorträ-
gung zu ökumenischer Zusammenarbeit in der Ausbildung aufge- gen, mit Hilfe seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse und persön-
nommen wurde. Die bisherigen Tagungsorte Herrnhut (Brüder- lichen Studien einem weit verbreiteten Aberglauben und gefährli-
Unität), Friedensau (Adventisten) und Güstrow (Ev.-Luth. Landes- chen Irrtümern zu begegnen...
kirche) waren Teil ökumenischen Lernens. Die Vorbereitung und Wir fühlen uns allen Christen aufs engste verbunden, die auf
Durchführung dieser Studienseminare liegt bei der Kommission zeugnishafte Weise das Evangelium von unserem Herrn Jesus Chri-
für Ausbildung des Bundes der Evangelischen Kirchen. Teilneh- stus verkündigen. In diesem Sinne und mit herzlichen Segens-
mer waren auch Studenten der Röm.-kath. Kirche und ausländi- wünschen grüßen Sie die Pastoren der ADVENTGEMEINDEN des
sche Stipendiaten... Seelsorgebezirkes Berlin-Lichtenberg
Zur diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen fand in Friedrich Heiderstädt, Kurt Selchow, Andreas Pape
der Berliner Marienkirche ein ökumenischer Gottesdienst statt, an In Verantwortung für den Landkreis Strausberg Kurt Selchow“
dessen Ausgestaltung Vertreter vieler Kirchen und Gemeinschaf-
ten beteiligt waren: evangelische Pfarrer, ein katholischer Ökumene auf dem Vormarsch in den alten Bundesländern
Ordinatsrat, ein russ.-orthodoxer Priester, ein methodistischer Su-
perintendent, ein Pastor des Bundes Evang.-Freik. Gemeinden, Aber auch bei uns in den alten Bundesländern, und besonders im
ein Prediger der Adventisten mit seinem Chor. In diesem Gottes- Norden zeigen sich starke Verfallserscheinungen. Man erschrickt
dienst beteten wir: doch etwas, wenn bereits 1990 in Hamburg die Gastmitgliedschaft
´Wir müssen bekennen, daß wir uns mehr an Gewohntes und Ver- im Ack und dann 1992 in Bremen erfolgte. Betrachtet man die bei-
trautes halten und den Aufbruch und die Umkehr scheuen. Wir den derzeitigen Vorsteher, so ist dies nicht verwunderlich.
reden viel von Einheit und Gemeinschaft untereinander, doch
schrecken wir vor den Konsequenzen unserer Worte zurück. Des- - Der charismatische Ökumenler in Hamburg
halb bitten wir um dein Erbarmen.‘
Darum geht es also, heute und immer wieder: um die Konse- Der Vorsteher der Hansa Vereinigung studierte am Fuller-Seminar
quenzen. Man darf auf die nächsten Schritte gespannt sein. Martin in den USA, wo John Wimber - bekannt durch „Power-Evange-
Lange“ lism“, charismatische Kräfte - als Lehrer wirkt und er oder andere
den abgehenden Schülern, so wurde mir gesagt, ihren „Segen“
Obwohl in den alten Bundesländern nur Beobachter, gaben wir bzw. Bevollmächtigung durch Handauflegung übermitteln.
Friedensau für ökumenische Studientage frei und beteiligten uns Ist das vielleicht der Grund, daß dieser Bruder nicht nur cha-
an diesem ökumenischen Gottesdienst (oder Gottesdiensten?). rismatische Einbrüche in der Hansa-Vereinigung duldet und för-
Das, was Holger Teubert als Möglichkeit schreibt, wenn wir uns dert, sondern auch gegen die vorgeht, die vor der Charismatischen
dem ACK anschließen, ist zum Teil schon praktiziert worden und Bewegung und vor der ACK warnen? Wenn meine Information rich-
hat viele Prediger in der ehemaligen DDR geprägt. Aus vielen tig ist, versetzt er jetzt zwei Prediger in eine andere Vereinigung,
Gesprächen hört man heraus, daß besonders dort eine starke Ten- weil diese den ökumenischen, charismatischen Frieden stören -
denz zur Charismatischen Bewegung, Sozialpolitik und Ökumene die offizielle Begründung mag ja anders lauten.
vorherrscht. So schafft sich dieser Hirte treue und unangenehme Prediger vom

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Halse, die die Hansa-Vereinigung dringend benötigt. Welche eine - Kanzeltausch in Neandertal (Mettmann)
herzliche, charismatischew, ökumenische und brüderliche Liebe,
die solche Vorsteher oft mit beredten Worten verkündigen, wird Kanzeltausch wurde beispielsweise schon in Mettman, Neandertal
hier sichtbar? Wenn man auch noch gewillt ist hinzunehmen, daß praktiziert, wo ein baptistischer Pastor die Predigt hielt. Den Vor-
dieser Leiter der Hansa-Vereinigung an Versammlungen mit dem steher L. Wilhelm müßte man fragen, ob jener Baptist auf der
bekannten Charismatiker W. Kopfermann teilnimmt und er wegen Predigthelferliste der Vereinigung eingetragen ist. Aber für den Kan-
seiner verkehrten Auffassung von Gliedern der Gemeinde Harburg zeltausch hat unser Vorsteher natürlich schon ein Argument parat:
sich sagen lassen mußte, daß er mit dieser Haltung kein Vorsteher es gibt ja auch Nichtadventisten in Neandertal, deshalb kann auch
sein könne, so geht es doch entschieden zu weit, wenn er sogar mal ein Prediger der anderen Konfession sprechen. Man darf ge-
die Einsegnung von Predigern verhindern will, die treu zur alten spannt sein - falls auch ein Katholik in Neandertal untergebracht
Adventbotschaft stehen und diese verkündigen. Wenn meine In- ist - ob nicht auch ein katholischer Pfarrer, Bischof oder der Papst
formation richtig ist, sah er die konservative Haltung zu weit aus selbst die Predigt demnächst halten oder gar die Messe zelebrie-
dem Rahmen des adventistischen Spektrums - kein Wunder bei ren darf.
seinem eigenen falschen Standpunkt. Werden unsere treuen und
gläubigen Prediger heute von charismatischen und ökumenischen - Evangelisation nach dem Motto: Jeder soll nach seiner eigenen
Vorstehern unterdrückt, daß sie die Warnungsbotschaften nicht Fasson selig werden!
mehr verkündigen können und befürchten müssen, nicht einge-
segnet zu werden? L. Wilhelm, Vorsteher in Nordrhein-Westfalen, lud die Gemeinden
Vorsteher, die treue Diener unterdrücken und deren klare Botschaft zur Mitarbeit für die „ProChrist“ Evangelisation ein, was er aller-
durch derartige Maßnahmen verhindern wollen, sollten über Jesu dings jeder Gemeinde freistellte. Daß aber L. Wilhelm vor kurzem
Wort nachdenken: in Lüdenscheid darauf angesprochen, behauptete, er habe damit
„Wenn aber jener als ein böser Knecht in seinem Herzen sagt: nichts zu tun gehabt bzw. nicht dazu aufgefordert, ist schon ein
Mein Herr kommt noch lange nicht, und fängt an, seine Mitknechte starkes Stück. Erst verführt er die Gemeinden dazu, dies zu tun -
zu schlagen, ißt und trinkt mit den Betrunkenen: dann wird der auch wenn er es ihnen freistellt - und wäscht seine Hände dann in
Herr dieses Knechts kommen an einem Tage, an dem er´s nicht Unschuld.
erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn in
Stücke hauen lassen und ihm sein Teil geben bei den Heuchlern; Wie weit die Bereitschaft vieler STA zur Mitarbeit in solchen öku-
da wird sein Heulen und Zähneklappen.“ menischen Evangelisationen ist, zeigt das Ergebnis, welche Advent-
gemeinden sich daran beteiligten: Direkt übertragen wurde
- Adventistische Prediger auf charismatischen und katholischen ProChrist in den Adventgemeinden Hamburg-Grindelberg, Ham-
Universitäten ausbilden - mit Zehntengeldern? burg-Barmbek und Braunschweig. Mitglieder der Adventgemeinden
u.a. in Berlin-Marzahn, Bremerhaven, Darmstadt-Mitte, Dortmund,
Beachtenswert ist auch, wohin unsere Vereinigungen Prediger zum Erfurt, Goslar, Görlitz, Langenhagen, Lutherstadt, Wittenberg,
Studium hinschicken und mit Zehnten unterstützen: ein weiterer Magdeburg, Velbert, Neuruppin, Potsdam, Ulm, Wilmerhaven und
Prediger hat ebenfalls sein Studium am charismatischen Fuller Würzburg. (Quelle: Holger Teubert, Unsere Begegnung mit ande-
Seminar, wo auch Gemeindewachstum gelehrt wird, absolviert und ren Christen, 3.10.1993)
arbeitet jetzt in Norddeutschland, ein anderer der an einer katholi-
schen Universität studierte, hat inzwischen im Osten Deutschlands Werden wir auch in Zukunft gemeinsame Evangelisationen mit
seine Arbeit aufgenommen. Wird hier eine bewußte Strategie unse- anderen Glaubensgemeinschaften abhalten? Natürlich nur dann,
rer Leiter verfolgt? Sollten wir unsere jungen Prediger auf solche wenn sich alles beruhigt hat!?
Schulen und Universitäten schicken?
- Teilnahme an Allianz-Gebetswochen für ökumenische Einheit
- Der Vorsteher in Bremen
Etliche Gemeinden nahmen auch an der Allianz-Gebetswoche teil
In Ref-1 von H. Teubert, erfährt der erstaunte Leser über die Vor- (z.B. Annaberg-Buchholz, Darmstadt-Mitte, Dessau, Erfurt, Ess-
geschichte des anderen Vorstehers (S. 9): lingen, Greiz, Hamburg-Grindelberg, Mühlhausen, Langenhagen,
„Auch einzelne Adventgemeinden arbeiten in lokalen ACK mit - Nordhausen, Quedlinburg, Schönebeck, Ulm, Weimar, Zeitz), so
und zwar mit unterschiedlichem Status: daß es kein großer Schritt mehr ist, auch an der ökumenischen
(1) Die Adventgemeinde Schleswig ist Vollmitglied im Ökumeni- Gebetswoche für die Einheit der Christen teilzunehmen.
schen Ausschuß in Schleswig. [Telefongespräch von H. Teubert
mit Klaus van Treek, Prediger der STA im Bezirk Schleswig, am 10. In Darmstadt (Januar 1994) nahm unser Prediger H.-J. Nensel nicht
Jan. 1985. Klaus van Treek ist übrigends z.Zt. Vorsitzender des nur teil an dieser charismatischen Allianz-Gebetswoche, sondern
Ökumenischen Ausschusses in Schleswig (Schleswiger Nachrich- hielt auch eine Ansprache, von der berichtet wird (was in Idea
ten vom 5.11.1984 - Artikel Ökumenischer Ausschuß: Wir wollen spektrum 3/94, S. 17 nachzulesen ist):
das Gemeinsame betonen).]“ „Er ruft dazu auf, offen zu sein für Gottes Wirken auch in anderen
Gemeinden. Nicht die eigene Frömmigkeitserfahrung dürfe Maß-
Der einstige Vorsitzende des Ökumenischen Ausschusses in stab sein, sondern nötig sei eine ´Vielfalt des Glaubens`.“
Schleswig ist jetzt der Vorsteher in Bremen bzw. Niedersachsen- Wenn wir als Gemeinden an solchen ökumenischen und
Nord (und 1992 wurden wir Gastmitglied in der ACK Bremen). charismatischen Gebetswochen teilnehmen, besteht die große
Ob die Wahl ökumenisch eingestellter Prediger zum Vorsteher blo- Gefahr, daß ein anderer Geist uns beherrscht und wir Schiffbruch
ßer Zufall ist? im Glauben erleiden. Ist dies nicht eine treffliche Strategie Satans,
um unter dem Vorwand des frommen Gebets, die STA ökume-
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nisch und charismatisch zu beeinflussen und so die Gemeinschaft bringen, die mir der Herr gegeben hat. Dann mag der Herr das
langsam aber gründlich zu unterwandern und dann zu kippen? Seine tun. Ich muß die Angelegenheit jetzt in ihrer ganzen Trag-
weite darstellen; denn das Volk Gottes darf nicht geschädigt wer-
- Das ökumenische Abstimmungsergebnis in den Verbandsaus- den. Wir sind Gottes Volk, das seine Gebote hält. In den letzten
schüssen fünfzig Jahren wurde jede Form von Irrlehren aufgebracht, die uns
das klare Verständnis nehmen sollten. Besonders ging es dabei
Wie weit wir uns schon von unserem Auftrag entfernt haben, die um Christi Dienst im himmlischen Heiligtum und um die göttliche
dreifache Engelsbotschaft zu verkündigen - und dazu gehört auch Botschaft für die letzte Zeit, wie sie der Engel im vierzehnten Kapi-
die 2. und 3. - zeigt in erschreckender Weise die Abstimmung in tel der Offenbarung verkündete. Botschaften jeder Art und Prä-
den Verbandsausschüssen betreffs ACK-Gastmitgliedschaft in der gung haben den Siebenten-Tags-Adventisten zugesetzt, um die
ACK, der Ökumene in Deutschland. Stelle der Wahrheit einzunehmen, die Punkt für Punkt, mit viel Gebet
An der Abstimmung haben alle Vereinigungsvorsteher und Vorstän- erforscht und durch die wunderwirkende Macht des Herrn bezeugt
de der Verbände sowie andere gewählte Ausschußglieder aus den wurde. Aber die Wegweiser, die uns zu dem gemacht haben, was
Gemeinden teilgenommen und - außer Bruder Heinz Hopf und Br. wir sind, müssen erhalten bleiben. Und sie bleiben auch erhalten,
Küsel - für die Gastmitgliedschaft gestimmt (bis auf je eine Enthal- wie Gott durch sein Wort und durch seinen Geist angekündigt hat.
tung, wenn meine Information richtig ist). Und bedenken wir, daß Er fordert uns auf, in der Kraft unseres Glaubens an den funda-
die EUD bzw. deren Vorstand zu denjenigen gehört, die dies einfä- mentalen Grundsätzen festzuhalten, die auf einer unbestrittenen
delten und in einer Erklärung proklamierten, können wir nur erah- Autorität basieren.“
nen, wie weit wir schon in der Ökumene verstrickt sind und was
uns noch alles erwartet. 4. Versteckte Angriffe auf die Gemeindestruktur

- Der Briefwechsel zwischen dem Verbandsvorsteher des Nord- 4.1 Spione am Werk, um die Gemeindestruktur zu zerstören
deutschen Verbandes und dem Vorsitzenden der Bundes-ACK, J.
Held Lewis Walton macht uns mit dieser unglaublichen Tatsache be-
kannt (Eisberg voraus, S. 92):
Inzwischen ist bekannt geworden, daß R. Rupp einen Briefwech- „Eine der überraschendsten Anschuldigungen, die Ellen White je-
sel mit J. Held, dem Vorsitzenden der ACK führte, weil dieser et- mals machte, war die, daß „Spione“ am Werk seien, die versuchten,
was verunsichert war wegen der EUD-Erklärung. In diesem Brief- sogar die Grundlagen der Gemeindestruktur zu zerstören. Bewußt
wechsel, den R. Rupp wohl unter Verschluß hält, soll R. Rupp, wie würden Pläne gelegt, um die wichtigen Institutionen beherrschen
ein Bruder, der dies gelesen hat, berichtete - sinngemäß geschrie- zu können. Sogar Vereinigungen würden durch diese Taktik in ih-
ben haben, daß er und andere die Ansicht über das Papsttum, wie rem Bestehen bedroht, sagte sie. In der Vision wurde sie Zeuge
es bisher noch offiziell dargelegt würde, nicht teilen würde, und geheimer Zusammenkünfte, in denen Männer planten, wie man
man nur aus Rücksicht auf Geschwister aus dem Osten, weiterhin am besten an die Macht kommen, die Sympathien der Leute errin-
offizell daran festhalten müßte. gen und so die Struktur der Gemeinde verändern könnte. Und sie
Einige Geschwister wollten gern diesen Briefwechsel lesen, aber beschreibt eine Verschwörung, in der Männer ´sich zusammen-
selbst die Kopien, die es gab, waren eingesammelt worden und Br. taten und gegenseitig unterstützten.“
Rupp war selbst auf Anfrage eines Verbandsausschußgliedes nicht
dazu bereit, Einblick zu gewähren. Sind das unsere Vorsteher, zu Können wir eine derartige Entwicklung in unserem Werk in Deutsch-
denen wir noch Vertrauen haben sollen!? Was hat R. Rupp zu ver- land erkennen?
bergen, daß er diesen offiziellen Briefwechsel nicht einmal einem
Verbandsausschußglied zeigt? Viele haben schon einmal etwas von der Gemeinschaft in Deutsch-
land (Abkürzung: GiD) gehört, wissen aber damit nichts rechtes
3.4 Die Warnung unserer Gottesbotin vor dem Niederreißen anzufangen. Meines Erachtens unterläuft dieser gegründete Ver-
der dreifachen Engelsbotschaft ein unsere Organisationsstruktur als S.T.A. und bietet sich als Keim-
zelle an, um mit wenigen Männern die Gemeinschaft in Deutsch-
Ellen White warnte eindringlich davor, daß falsche Brüder eine neue land zu formen und zu beherrschen. Hier nahm auch die Antrag-
Organisation, eine neue Ordnung aufbauen und unsere Marksteine stellung für die Gastmitgliedschaft im ACK bezeichnenderweise
des Glaubens verlassen würden. Sie sah voraus, daß Säulen unse- ihren Anfang. Um die Problematik richtig verstehen zu können,
res Glaubens, wie sie auch die dreifache Engelsbotschaft darstellt, müssen wir uns zunächst mit der legitimen Struktur unserer Ge-
niedergerissen würden. Treffend beschreibt sie den Alpha-Abfall meinschaft befassen.
und trifft damit auch unsere jetzige Situation (Ausgewählte Bot-
schaften 1, 209 deutsch): 4.2 Die Verwaltungsstruktur unserer Gemeinschaft
„Was für ein Einfluß ist das nur, der Männer auf die Bühne unserer
Geschichte treten läßt, um in hinterlistiger, harter Arbeit die Grund- Verwaltungsebenen und repräsentative Ordnung
lage unseres Glaubens niederzureißen - die Grundlage, die am
Anfang unseres Werkes unter Gebet und Studium des Wortes Aus dem Gemeindehandbuch und natürlich der Working Policy geht
Gottes und durch unverkennbare Bekundungen gelegt worden ist? deutlich hervor, wie die Verwaltungsstruktur - oder wenn wir so
Auf diese Grundlage haben wir seit fünfzig Jahren gebaut. Wun- wollen, die Machtsstruktur - der Gemeinschaft der STA aufgebaut
dert es euch, daß ich etwas zu sagen habe, wenn ich sehe, wie ist (S. 34):
man damit beginnt, die Säulen unseres Glaubens zu entfernen? „Die vier Verwaltungsebenen der Organisation der Gemeinschaft
Ich muß der Weisung folgen: ´Du mußt Einhalt gebieten`... der Siebenten-Tags-Adventisten
Es ist meine Pflicht, Gottes Volk eine Warnungsbotschaft zu über- In der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten gibt es vier

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Verwaltungsebenen [nach dem alten Gemeindehandbuch, letzte 4.3 Die selbsternannte Gemeinschaft in Deutschland (GiD)
gebundene Ausgabe, waren es noch fünf Stufen, Division die 4.,
ES] vom einzelnen Gläubigen bis zur weltweiten Organisation des Die aufschlußreiche Satzung der GiD
Werkes:
1. Die Ortsgemeinde als Zusammenschluß der einzelnen Gläubi- Mir liegt nur die Neufassung der Satzung der GiD vom 15.12.1982
gen. vor aus der nun einige Passagen zitiert werden, die zeigen, daß
2. Die Vereinigung oder die Missionsvereinigung als Zusammen- die GiD weit über Befugnisse hinausgeht, die man m.E. zum Teil
schluß mehrerer Gemeinden innerhalb eines Staates, einer Pro- noch nicht einmal dem Verbandsausschuß zubillgen kann (Unter-
vinz oder eines Gebietes. streichungen von ES).
3. Der Verband (Union) oder der Missionsverband (Missionsunion)
als Zusammenschluß mehrerer Vereinigungen oder Missionsfelder „§ 4 AUFGABEN
eines größeren Gebietes. Die Gemeinschaft hat innerhalb ihres Bereiches folgende Auf-
4. Die Generalkonferenz, die größte Verwalzungseinheit, die alle gaben:...
Verbände (Unionen) in der gesamten Welt in sich vereinigt. Die
Divisionen sind Abteilungen der Generalkonferenz, denen die 3. die Erarbeitung von Beschlußvorlagen der Arbeits- und Finanz-
administrative Verantwortung für bestimmte geographische Gebiete richtlinien für den Bereich der Gemeinschaft und sämtlicher Kör-
übertragen ist. perschaften (Verbände und Landeskörperschaften);
´Bei der Wahl der Gemeindebeamten ist jedes Gemeindeglied 4. Die Vertretung allgemeiner Interessen der Gemeinschaft in der
stimmberechtigt. Die Ortsgemeinden wählen die Beamten ihrer Öffentlichkeit und vor Behörden;
Vereinigung. Die Delegierten, die von den Vereinigungen gewählt 5. die Festlegung von Richtlinien für die wissenschaftlich-theo-
werden, wählen die Beamten der Verbände (Unionen), und die logische und evangelistisch-praktische Ausbildung der Prediger und
Delegierten, die von den Verbänden (Unionen) gewählt werden, Verantwortungsträger sowie die Förderung christlicher Erziehungs-
wählen die Beamten der Generalkonferenz. Durch diese Rege- grundsätze durch das Advent-Bildungs- und Erziehungswerk e.V.
lung gibt jeder Verband (Union), jede Vereinigung, jede Gemeinde 6. Die Ordnung der Rechtsverhältnisse und der wirtschaftlichen
und jedes Glied direkt oder indirekt bei der Wahl der Männer, die Versorgung der Prediger und der sonstigen Verantwortungsträger
die Hauptverantwortung in der Generalkonferenz tragen, seine und Beschäftigten;
Stimme ab.‘ (T VIII, 236.237.)“ 7. Die Aufsicht über die Vermögensverwaltung der ihr in Lehre und
Organisation nachgeordneten Körperschaften und der in den
Die Gemeinschaft in Deutschland (GiD) innerhalb unserer Körperschaftsverbänden zusammengeschlossenen Landeskörper-
Verwaltungsstruktur schaften sowie die allgemeine Regelung der Erhebung von Abga-
ben und deren Verteilung auf die angeschlossenen Organisationen;
Wo paßt in diesen 4 Verwaltungsebenen die GiD hinein? Die Ver- 8. die Ordnung aller mit der Außenmission zusammenhängenden
waltung unseres Werkes sieht eine derartige „5. Zwischenebene“ Personal- und Verwaltungsfragen sowie die alleinige Verfügung über
nicht vor, sie ist deshalb von unserer Ordnung nicht legitimiert. die für Missionszwecke bereitgestellten Mittel und deren Weiterlei-
Nun werden einige einwenden, daß es ja in Deutschland auch tung, insbesondere im Zusammenwirken mit der Weltar-
überregionale Dinge, die über den einzelnen Verband hinausge- beitsgemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten (Generalkon-
hen, zu regeln gibt, wie Terminabsprachen, strategische Fragen ferenz);
der Mission und Evangelisation usw.. Das ist sicherlich richtig, und 9. die Förderung allgemeiner Wohlfahrtspflege, Katastrophenhilfe
Gespräche sollten die Verbandsvorstände oder auch meinetwegen und Gesundheitsfürsorge durch das Adventwohlfahrtswerk e.V.,
die Verbandsausschüsse miteinander führen - ist aber dazu die durch den Deutschen Verein für Gesundheitspflege e.V. und durch
Gründung eines übergeordneten Vereins nötig? die Wohlfahrtseinrichtung der Gemeinschaft;
10. die Förderung der Jugendpflege und Jugendfürsorge, getra-
Organisatorische Dinge können ohne Vereinsgründung - wie es ja gen durch die Gemeinschaft, Abteilung Advent-Jugend;
auch lange Zeit so lief - abgesprochen werden oder aber man legt 11. die Schaffung, Unterhaltung und Unterstützung von gemein-
die Verbände zusammen, was die korrekteste Lösung wäre. samen Einrichtungen, Ausbildungsstätten, Gotteshäusern und
Ein Verein aber, der Rechte, Aufgaben und Pflichten in Deutsch- Organisationen, die für die in der Gemeinschaft zusammengefaßten
land wahrnimmt, kollidiert mit unserer weltweiten Verwaltungsstruk- Körperschaften von Bedeutung sind, wie z.B. Schulen, Verlagsan-
tur und den Verbandsausschüssen, denen die eigentliche Verwal- stalten, Krankenhäuser, Altenheime, Schwesternschaften usw.
tungsvollmacht von den Delegierten der Gemeinden übertragen
wurde. Selbst in Bereiche der Division, die gemäß unserer § 5 BERATUNGSVERPFLICHTUNG
Verwaltungsstruktur für verbandsübergreifende Angelegenheiten Die zusammengeschlossenen Körperschaften lassen sich, unbe-
zuständig ist, wird hineingegriffen - hier offenbar mit deren Billi- schadet ihres Rechts nach den Grundsätzen ihrer Verfassungen,
gung. Verantwortungsträger zu wählen und einzusetzen, über die jeweils
zur Wahl als Verantwortungsträger vorzuschlagenden Gemein-
Festzustellen ist obendrein, das sich die GiD nicht etwa nur mit schaftsglieder von der Gemeinschaft beraten.
überregionalen Angelegenheiten oder nebensächlichen Dingen be- Die zusammengeschlossenen Körperschaften haben in allen das
schäftigt, sondern ganz entscheidende Rechte in Anspruch nimmt, religiöse Leben sowie die Verwaltung und die Organisation be-
die nur dem jeweiligen Verbandsausschuß zustehen. Auf diese treffenden grundsätzlichen Fragen Rat und Entscheidung der Ge-
Weise werden die rechtmäßig eingesetzten Verbandsausschüsse meinschaft einzuholen.
übergangen und wichtige Entscheidungen nur von einer „kleinen
Elitetruppe“ gefällt bzw. in die Wege geleitet. § 6 VORSTAND
1. Der Vorstand der Gemeinschaft setzt sich zusammen aus dem
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Vorsitzenden, dem stellvertretenden Vorsitzenden, dem Schrift- Anteilen der Beitragseinnahmen der nach § 1 zusammenge-
führer, dem Schatzmeister. schlossenen Körperschaften und der zu ihnen gehörenden Lan-
2. Jedes der vier Vorstandsmitglieder vertritt die Gemeinschaft der deskörperschaften sowie aus den Missionsgaben, die in den ge-
Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, Körperschaft des öf- nannten Organisationen eingehen. Die Höhe der Anteile wird für
fentlichen Rechts, gerichtlich und außergerichtlich je einzeln. alle Körperschaften verbindlich durch den Gemeinschaftsausschuß
3. Dem Vorstand obliegt die Leitung der Gemeinschaft der Sieben- bestimmt.
ten-Tags-Adventisten in Deutschland, Körperschaft des öffentlichen Zu den Einnahmen gehören außerdem Geschenke, Vermächtnisse
Rechts. Er ist für alle Aufgaben zuständig, die nicht durch die Sat- und sonstige Zuwendungen, die der nachhaltigen Erfüllung der
zung einem anderen Organ der Körperschaft zugewiesen worden steuerbegünstigten Zwecke der Gemeinschaft dienen. Entstehende
sind.... Überschüsse dürfen nur für die verfassungsmäßigen Zwecke der
Gemeinschaft verwendet werden....“
§ 8 GEMEINSCHAFTSAUSSCHUß
1. Der Gemeinschaftsausschuß besteht aus dem Vorstand der Ge- Die bedrohliche Machtkonzentration in der GiD und das Miß-
meinschaft, den Vorstandsgliedern der in § 1 genannten Körper- verhältnis von Angestellten und Nichtbediensteten
schaften [WDV+SDV, ES], soweit sie nicht dem Vorstand ohnehin
angehören, den Vorsitzenden und stellv. Vorsitzenden der in den Hier werfen sich eine Menge Fragen auf, die nur zum Teil angeris-
Verbänden zusammengeschlossenen Landeskörperschaften, den sen werden können.
Leitern der der Gemeinschaft unmittelbar unterstellten Einrichtun- Zunächst ist festzustellen, daß der Vorstand, hier noch aus vier
gen, dem Buchprüfer der Gemeinschaft und je 2 Mitgliedern der Mitgliedern bestehend, (das sind die beiden Verbandsvorsteher
Verbandsausschüsse der in § 1 genannten Verbände. Diese Mit- und wahrscheinlich die Verbandssekretäre) eine Verwaltungsvoll-
glieder dürfen nicht Geistliche oder Angestellte der vorstehend macht zugebilligt wird, die im Grunde gegen unsere Prinzipien
genannten Körperschaften, sonstigen Einrichtungen oder Institu- verstoßen und die Gemeinschaftordnung unterlaufen.
tionen der Gemeinschaften der Siebenten-Tags-Adventisten sein. Laut Satzung kommt dem Gemeinschaftsausschuß nur die all-
Diese Mitglieder werden von dem jeweiligen Verbandsausschuß gemeine Aufsicht zu und er trifft sich einmal im Jahr (eventuell
gewählt und in den Gemeinschaftsausschuß delegiert. Ihre Mit- auch öfter), d. h., der Vorstand kann viele Entscheidungen treffen,
gliedschaft ist an die Mitgliedschaft in den Verbandsausschüssen die erst später vom Ausschuß abgesegnet oder nur zur Kenntnis
gebunden. gebracht werden.
2. Der Gemeinschaftsausschuß führt die allgemeine Aufsicht über Betrachtet man die Zusammensetzung des Ausschusses, so fällt
die Arbeit im Bereich der Gemeinschaft, verwaltet das Gemein- ein großes Mißverhältnis der Angestellten des Werkes zu Nicht-
schaftsvermögen, trägt die Verantwortung für die Verwendung der angestellten, die den Verbandsausschüssen angehören müssen,
eigehenden Mittel und bestimmt die allgemeinen Richtlinien, nach auf. Gehen wir einmal davon aus, daß die beiden Verbände jeweils
denen die Gemeinschaft geführt werden soll. drei Vorstandsglieder also 6 Gemeinschaftsausschußglieder stel-
3. Der Gemeinschaftsausschuß verabschiedet insbesondere die len, hinzu kommen 22 Glieder (Vorsteher und Sekretär) aus 11
gemäß § 4 von dem Vorstand erarbeiteten Arbeits- und Finanz- Vereinigungen und nur jeweils 2 Nichtangestellte aus den Verbän-
richtlinien für den Bereich der Gemeinschaft und sämtlicher Kör- den, so besteht ein Verältnis von Angestellten des Werkes zu
perschaften (Verbände und Landeskörperschaften). Die Vorstände Nichtangestellten von 28 zu 4 oder 7 zu 1. Das Verhältnis wird
der Verbände und die Vorsitzenden und stellv. Vorsitzenden der noch ungünstiger, da auch die Leiter adventistischer Einrichtun-
Landeskörperschaften werden diese gefaßten Beschlüsse gegen- gen im Ausschuß sind.
über ihren Vorständen und Ausschüssen vertreten...
5. Bei Abstimmungen entscheidet einfache Mehrheit der anwesend Der Verbandsausschuß, der im NDV aus mindestens 3 Vorstands-
Stimmberechtigten. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des gliedern und 7 Vorstehern, also aus mindestens 10 hauptamtlichen
jeweiligen Vorsitzenden den Ausschlag. Mitgliedern besteht, die wiederum Mitglied in der GiD sind, be-
6. Derr Ausschuß tritt mindestens einmal im Jahr zu einer or- stimmen zudem hauptsächlich die zwei Nichtangestellten - man
dentlichen Sitzung zusammen... kann in der Regel sicher davon ausgehen, daß man eher die wählt,
7. Der Ausschuß ist zu einer außerordentlichen Sitzung einzube- die möglichst alles billigen als die, die sich kritisch äußern.
rufen, wenn dies mindestens fünf Ausschußmitglieder unter Anga- Nach § 5, der Beratungsverpflichtung, müssen sich die Verbands-
be der Gründe und der Punkte der zu behandelnden Tagesordnung ausschüsse bei der Wahl der beiden Mitglieder sogar vom Ge-
schriftlich beantragen... meinschaftsausschuß beraten lassen.
Dadurch wird dieses ungünstige Verhältnis 7 zu 1 noch größer bzw.
§ 9 WAHL UND WAHLAUSSCHUß ein reelles Gegengewicht noch kleiner.
1. Die Mitglieder des Vorstandes der Gemeinschaft sowie der Buch-
prüfer werden auf 5 Jahre gewählt. Wiederwahl ist zulässig. Wahl- Die Abhängigkeit und Befangenheit der Vereinigungsvorsteher
ausschuß ist der Gemeinschaftsausschuß, der durch den Vor- und Sekretäre gegenüber den Brüdern der Verbandsspitzen
sitzenden der Gemeinschaft unter ausdrücklichem Hinweis auf den
Einberufungsgrund mindestens einen Monat vor dem Wahltermin Ein zusätzlicher sehr besorgniserregender Gesichtspunkt ist der,
schriftlich einzuberufen ist. daß ein Beschluß des Vorstandes - und hier sind es die leitenden
2. Den Vorsitz im Wahlausschuß führt der dienstäteste Vorsitzende Brüder der Verbände - in der Regel auch vom Gemeinschaftsaus-
der Landeskörperschaften. Die Beschlüsse werden mit einfacher schuß gebilligt werden. Allein schon aus Befangenheit werden die
Mehrheit gefaßt. meisten Angestellten des Werkes zustimmen, wenn sie nicht oh-
nehin schon bei Wahlen wegen ihrer gleichen Gesinnung wie die
§ 10 FINANZEN Obersten erwählt worden waren.
1. Die ordentlichen Finanzmittel der Gemeinschaft bestehen aus Um dies zu verdeutlichen, spielen wir als Beispiel einmal die An-

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gelegenheit mit der ACK durch. Beschlußfassung festgelegt haben, kann eigentlich nur noch ein
Der Vorstand der GiD berät sich mit Vorstandsgliedern der EUD „Wunder“ den GiD-Beschluß zum Scheitern bringen und der
und sie kommen überein: wir treten dem ACK bei, zunächst erst- Verbandsausschuß anders entscheiden.
mal nur als Gastmitglieder und wollen sehen, wie die Gemeindeglie- Harald Knott, Vorsteher im SDV, konnte deshalb auch sinngemäß
der, falls sie es erfahren, darauf reagieren. einem Bruder erklären: „Die meisten Verbandsausschußglieder sind
Bei der Jahressitzung teilen sie dem GiD Ausschuß mit: wir haben sowieso in der GiD, von daher war der Beschluß der Verbandsaus-
bereits einen Antrag an die ACK auf Gastmitgliedschaft gestellt. schüsse eigentlich gar nicht mehr nötig.“
Auf diese Weise werden die ordentlich gewählten Verbandsaus-
Hier zunächst ein kleiner Einschub zum besseren Verständnis. schüsse, die zudem mehr Nichtangestellte der Gemeinschaft als
Nun muß man wissen, daß die Vereinigungsvorsteher und Se- der GiD-Ausschuß aufweisen, übergangen bzw. ausgehebelt.
kretäre bei Vereinigungswahlen unter dem Vorsitz des Ver-
bandsvorstehers nominiert und damit praktisch so gut wie sicher Gefaßte Beschlüsse der GiD müssen vertreten werden
gewählt werden. Um möglichst für die nächste Wahlperiode wie-
der als Vereinigungsvorsteher gewählt zu werden, ist es notwen- In der Satzung lesen wir: „Die Vorstände der Verbände und die
dig, sich gut mit dem Verbandsvorsteher zu stellen, weil dessen Vorsitzenden und stellv. Vorsitzenden der Landeskörperschaften
Stimme bei der Nominierung eine entscheidende Rolle spielen werden diese gefaßten Beschlüsse gegenüber ihren Vorständen
kann. und Ausschüssen vertreten.“
Hinzu kommt noch, daß der Verbandsvorsteher und Verbands-
sekretär während der Wahlperiode gewichtige Rechte besitzen, Aus der Satzung ist nicht eindeutig zu entnehmen, auf welche
ich zitiere beispielsweise aus der Berliner Verfassung: Beschlüsse („verabschiedet insbesondere“) diese Formulierung
„§ 9 Der Landesausschuß bezogen wird, also kann man wohl davon ausgehen, daß damit
(1) Der Landesausschuß besteht aus dem Vorsteher, dem Sekre- alle Beschlüsse gemeint sind - um beim Beispiel zu bleiben: alle
tär, dem Schatzmeister und mindestens vier durch die Landes- GiD-Ausschußglieder müssen oder sollen die beschlossene ACK-
versammlung zu wählenden Mitgliedern. Gastmitgliedschaft in ihren Ausschüssen vertreten.
(2) Der Vorsteher und der Sekretär der Gemeinschaft der Sieben-
ten-Tags-Adventisten, Westdeutscher Verband, Körperschaft des Mit dieser geforderten Linientreue tritt diese Klausel auch in kras-
öffentlichen Rechts, haben in dem Landesausschuß Sitz und Stim- sen Konflikt mit zwei anderen Ordnungen unserer Gemeinschaft:
me. 1) Der Vereinigungsausschuß darf in seinen Entscheidungen und
(3) Den Vorsitz in den Landesausschußsitzungen führt der Vor- Abstimmungen nicht von einer „Gruppe [z.B. GiD ES] oder einer
steher, in seiner Abwesenheit der Sekretär. Soll über die Abbe- Einzelperson [z.B. Vorsteher, ES] kontrolliert oder beeinfluß wer-
rufung des Vorstehers beschlossen werden, dann führt der Vor- den [altes Handbuch: „Einzelperson beherrscht oder beeinflußt wer-
steher der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, West- den. Entscheidungen über Verwaltungsangelegenheiten des Wer-
deutscher Verband, Körperschaft des öffentlichen Rechts, den kes, die der Ausschuß zu erledigen hat, sollten erst nach Gebet
Vorsitz im Landesausschuß und in der Landesversammlung.“ und sorgfältiger Prüfung aller Gesichtspunkte getroffen werden“].
Wie soll sich der Vereinigungsvorsteher verhalten, wenn er einer-
Da die Vereinigungsvorsteher und Sekretäre somit in einem gewis- seits die Interessen der GiD, evtl. auch gegen seine persönliche
sen Abhängigkeitsverhältnis zum Verbandsvorsteher und Verbands- Meinung im Vereinigungsausschuß verfechten und andererseits
sekretär stehen, werden sie voraussichtlich ihr Ja dem GiD-Vor- neutral und objektiv den Ausschuß beraten soll?
stand geben, was in der Praxis hinsichtlich der ACK-Gast- Auch das folgende Prinzip steht dem entgegen.
mitgliedschaft auch geschehen ist.
2)Im Handbuch wird uns folgendes Prinzip vor Augen gehalten (S.
Die Aushebelung der Verbandsausschüsse 128):
„Der für eine Vereinigungskonferenz oder Wahlversammlung
Mit der Beschlußfassung des GiD-Ausschusses ist aber bereits gewählte Abgeordnete soll nicht nur die Gemeinde oder Ver-
eine entscheidende und einschneidende Vorentscheidung getrof- einigung, die ihn gesandt hat, vertreten, sondern das ganze Werk
fen worden, die der Verbandsausschuß kaum noch rückgängig vor Augen haben und bedenken, daß er für das Wohl des Werkes
machen kann. in aller Welt verantwortlich ist. Gemeinde- oder Ver-
einigungsabordnungen dürfen keine Wahlabsprachen treffen oder
Nehmen wir doch als aktuelles Beispiel den NDV. Der Ausschuß zu treffen versuchen... Jeder Abgeordnete sollte empfänglich für
des NDV besteht aus drei Vorstandsglieder (auch GiD) und drei die Leitung durch den Heiligen Geist sein und seine Stimme auf-
Abteilungsleitern, 7 Vereinigungsvorstehern (auch GiD), 10 Aus- grund seiner persönlichen Überzeugung abgeben. Ein
schußgliedern aus den Gemeinden (2 davon in GiD) und dem Ju- Verantwortungsträger, der versucht, die Stimmen einer Gruppe von
stitiar der Gemeinschaft. Drei der Ausschußglieder aus den Ge- Abgeordneten unter seine Kontrolle zu bringen, disqualifiziert sich
meinden (einschl. Justitiar) sind von der Gemeinschaft angestellt damit selbst.“
bzw. werden von ihr bezahlt. Von den insgesamt schätzungsweise
24 Ausschußgliedern (die Rechnungsausschußglieder nicht einge- Prinzipiell muß der Vereinigungsvorsteher gemäß seiner persön-
schlossen) sind 12 in der GiD, 3 Abteilungsleiter (die in einem star- lichen, vom Heiligen Geist eingegebenen Überzeugung handeln
ken Abhängigkeitsverhältnis stehen, 3 weitere Glieder, die im Werk können. Was die GiD vom Vorsteher verlangt, verstößt gegen die
angestellt sind oder vom Werk bezahlt werden (oder zumindest christliche Sitte. Um bei dem Beispiel ACK-Gastmitgliedschaft zu
wurden), und 6 Glaubensgeschwister aus den Gemeinden. bleiben, müßte er gegen seine Überzeugung den Vereinigungsaus-
schuß beeinflussen, doch für die ACK-Gastmitgliedschaft zu stim-
Unter diesen Umständen, wo die GiD-Mitglieder sich schon durch men.
91
Amtsanmaßung der GiD über die Verbandsausschüsse GK, die aber prinzipiell auf alle untergeordneten Organisationen
anwendbar ist:
Unglaublich, vermessen und eine Mißachtung des Delegiertenbe- „Zuweilen, wenn eine kleine Gruppe von Männern, die mit der all-
schlusses - der die Vollmacht für die Wahlperiode allein dem gemeinen Verwaltung des Werkes betraut war, im Namen der
Verbandsausschuß übertragen hat - ist auch die Überhebung der Generalkonferenz versuchte, unweise Pläne auszuführen und
GiD über die Verbandsausschüsse, was durch den zweiten Teil Gottes Werk zu beeinträchtigen, habe ich gesagt, daß ich die
der Beratungsverpflichtung deutlich wird: Generalkonferenz, vertreten durch diese wenigen Männer, nicht
„Die zusammengeschlossenen Körperschaften haben in allen das länger als die Stimme Gottes ansehen könnte. Damit ist aber nicht
religiöse Leben sowie die Verwaltung und die Organisation be- gesagt, daß man die Beschlüsse der Generalkonferenz, die aus
treffenden grundsätzlichen Fragen Rat und Entscheidung der Ge- einer Versammlung von ordnungsgemäß gewählten Vertretern aus
meinschaft einzuholen.“ allen Teilen der Welt, sobald sie als Generalkonferenz zusammen-
getreten sind, Machtbefugnis haben sollen. Einige sind in Gefahr,
Erinnert dieser Machtanspruch ohne Bestätigung durch Delegier- den Fehler zu begehen, daß sie der Ansicht oder dem Urteil eines
te nicht ein wenig an päpstliche Anmaßung und Ansprüche über Mannes oder einer kleinen Gruppe von Männern die Machtbefugnis
die von Gott eingesetzten Könige? Die Verbandsausschüsse sind und den Einfluß zugestehen, womit Gott in seiner Gemeinde die
von den Delegierten bevollmächtigt worden und die GiD - ein selbst- Generalkonferenz betraut hat, um für das Gedeihen und die För-
ernannter Verein - stellt sich darüber. derung seines Werkes Pläne zu beschließen.
Wenn die Macht, die Gott seiner Gemeinde verliehen hat, einem
Die Geheimgesellschaft in Deutschland (GiD) Manne zugeschrieben und ihm die Machtbefugnis gegeben wür-
de, dann würde die wahre biblische Ordnung umgestoßen. Die
Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß sich die GiD ge- scharfsinnigsten Anstrengungen Satans wirkten beinahe überwäl-
genüber den Gemeinden in ihren Informationen auf die Verbands- tigend auf einen solchen Mann ein, und der Feind würde hoffen,
ausschüsse beruft, obwohl sie doch nach ihrer eigenen Satzung durch einen Mann viele andre zu beeinflussen. Laßt uns das, was
solche Dinge regeln dürfte. Aber vielleicht will man keine schlafen- wir einem Mann oder einer kleinen Gruppe von Männern zu geben
den Hunde wecken, denn die Gemeinden könnten hellhörig wer- geneigt wären, der dazu befugten ordnungsgemäßen höchsten
den, wenn sie wüßten, welche Vollmachten die GiD besitzt und Autorität der Gemeinde zugestehen.‘(Sch III, 353.354.)“
dadurch die Verbandsausschüsse ausschaltet und zu Erfüllungs-
gehilfen degradiert (vgl. proforma Abstimmung der Verbandsaus- Erleben wir heute nicht genau das, wovor E.G. White warnte?
schüsse kurz vor der Aufnahme in die ACK).
Wir als Prediger haben auch nie erfahren, welche Rechte und Pflich- Die Verwaltungsvollmacht der Ausschüsse
ten die GiD hat, die sie sich in eigener Regie völlig außerhalb un-
serer Ordnung geben kann, denn weder der Verbandsausschuß Was die Verwaltungsvollmacht angeht, ist uns bekannt, daß in den
noch die Verbandsdelegierten haben Kontrolle über deren Satzung, Gemeinden der Gemeindeausschuß, in den Vereinigungen der
noch können sie darüber mitentscheiden. Vereinigungsausschuß usw. letzte Entscheidungen treffen und nicht
Bis auf oberflächliche und allgemeine Informationen, erfährt der Einzelpersonen. Bezüglich des Vereinigungsausschusses lesen wir
Außenstehende nichts, so daß man die Abkürzung GiD treffender (Gemeindehandbuch, S. 127f):
mit Geheimgesellschaft in Deutschland wiedergeben sollte. „Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Wahl des Vereinigungs-
Und diese Geheimgesellschaft, die im Hintergrund über die Köpfe ausschusses, der in der Zeit zwischen den Vereinigungs-
der ordnungsgemäß gewählten Verbandsausschüsse hinweg, konferenzen die Wählerschaft zu vertreten hat. Dieser Ausschuß
weitreichende Entscheidungen trifft, wie auch die der Gastmitglied- handelt in Vollmacht aller Gemeinden der Vereinigung. [Altes Hand-
schaft im ACK, sollte man schleunigst schließen, und die volle buch: Dieser Ausschuß ist alleiniger Träger der Amtsgewalt und
Verwaltungsvollmacht den von den Gemeinden gewählten der Vollmacht aller Gemeinden der Vereinigung. ES]...
Verbandsausschüssen zurückgeben. Entscheidungen und Abstimmungen des Ausschusses dürfen nicht
von einer Gemeinde, einer Gruppe oder einer Einzelperson kon-
Bei solch einem Verein ist es auch nicht mehr schwer, sich vorzu- trolliert oder beeinflußt werden.“
stellen, wie Wahlabsprachen getroffen und umgesetzt werden, wie
liberale Kräfte in Vorsteherposten gehoben werden, so daß das Was die Arbeitsweise des Vorstehers anbelangt, so ist es seine
ganze Werk umfunktioniert, liberalisiert und letztlich zerstört wird Pflicht, gemäß den Entscheidungen seines Ausschusses zu han-
von einer kleinen Lobby. deln. In der Workin Policy lesen wir dazu (und hier geht es um die
Nimmt man noch die EUD dazu, die „erklärtermaßen“ (siehe Handlungsvollmacht des Divisionsvorstehers, was prinzipiell für alle
Adventecho 5/92) den Ökumenekurs fährt, braucht man sich nicht untergeordneten Organisationen und Vorsteher gilt):
über die liberalen Schulleiter und Lehrer zu wundern, die sie in „B 12 35 Divisionsvorsteher - Pflichten und Beziehungen -
unseren deutschen Schulen einsetzt. Der Divisionsvorsteher ist ausführender Beamter in einer Position
mit allgemeiner administrativer Aufsicht über alle Vorgänge in der
4.4 Der Geist der Beratung in großen Ausschüssen Division. Als Vizepräsident der GK ist er Beamter derselben und
ihr gegenüber für die Durchführung des Werkes in Übereinstim-
Die wahre biblische Ordnung wird umgestoßen mung mit den Richtlinien der GK verantwortlich, wobei er von den
Entscheidungen des Ausschusses der Division geleitet wird, de-
Gegen derartige Vereine, die die Verwaltungsvollmacht, die eigent- ren Vorsitzender er ist...“
lich nur den ordentlichen Ausschüssen zusteht - nur auf wenige
Männer konzentriert, wandte sich Ellen White mit allem Nachdruck. Nicht nur das Grundprinzip, daß Vorstände vom Ausschuß geleitet
Ihr folgende Aussage im Gemeindehandbuch bezieht sich auf die und beauftragt werden, wird bei der GiD verletzt (denn zuerst stell-

92
ten Vorstandsglieder den Antrag zur Gastmitgliedschaft und erst [den Eisberg]` mit voller Kraft und in Gottes Stärke!` Der Streit
später durfte der Ausschuß sein Ja geben), sondern auch, daß begann. Die Gemeinde zog aus, um dem Feind zu begegnen.“
nur wenige Männer das Zepter führen, was Ellen White ablehnt.
Dazu kommt noch, daß unsere Gemeindeordnung solche selbst- Auch heute wird das deutliche Zeugnis Ellen Whites, die vor einer
ernannten Organisationen, die von keiner Delegiertenversammlung Verbindung mit den Volkskirchen, dem Protestantismus und dem
legitimiert wurden, verbietet: Katholizismus warnt, in der Weise angegriffen, daß man es igno-
„Selbsternannte Organisationen... Daher sollte, obwohl alle Glie- riert oder mit der unwahren Aussage abwehrt, die Gastmit-
der innerhalb der Gemeinde gleiche Rechte haben, kein einzelnes gliedschaft zum ACK sei keine Verbindung mit den Kirchen. Gottes
Glied bzw. keine Gruppe von Gliedern eine Bewegung in Gang Warnung durch sie wird damit verachtet. Wer aber nicht auf Gottes
setzen, eine Organisation gründen oder eine Anhängerschaft su- Botin hört und ihre Warnung ins Gegenteil verkehrt, der wird auch
chen, um irgendein Ziel zu erreichen oder irgendeine Lehre oder nicht gehört und anerkannt.
Botschaft zu verkündigen, die nicht mit den grundlegenden Somit handeln unsere Leiter eindeutig gegen die klaren Aussagen
Glaubenszielen und Lehren der Gemeinschaft der Siebenten-Tags- Ellen Whites, und auch der Bibel. Dies sollte auch für uns das Zei-
Adventisten übereinstimmt. Ein solches Verhalten würde Partei- chen sein, den Berg des Abfalls mit voller Kraft zu rammen, wie
geist und Zwietracht fördern, die Bestrebungen und das Zeugnis Gott es Ellen White in einer Szene des Nachts bildhaft vorführte.
der Gemeinde zersplittern und so die Gemeinde daran hindern,
ihren Verpflichtungen gegenüber ihrem Haupt und der Welt nachzu- 2) Den Eisberg zerstören
kommen.“ (S. 153f)
Die Vision Ellen Whites:
Man hat schon auf der einen Seite Glieder der Gemeinschaft der
STA ausgeschlossen, nur weil sie einen Verein gründeten, der zu- „Kurz bevor ich die Zeugnisse absenden wollte, in denen ich auf
dem noch gemeinschaftskonform war, aber auf der anderen Seite die Bemühungen des Feindes aufmerksam machte, die Grundla-
gründet man selbst auf höchster Ebene in Deutschland solch ei- gen unseres Glaubens dadurch zu unterminieren, daß er verfüh-
nen Verein an den Delegierten vorbei und maßt sich Verwaltungs- rerische Theorien verbreitete, hatte ich von einem Schiffsunglück
befugnisse an, die die Ordnung der Gemeinde Gottes untergräbt gelesen. Dabei war ein Schiff im Nebel auf einen Eisberg gelaufen.
und die Zersplitterung wegen ökumenischer Anbindung hervor- danach schlief ich mehrere Nächte nur wenig. Ich kam mir vor wie
ruft. ein schwerbeladener Erntewagen, der unter den Garben ächzte.
Eines Nachts wurde mir eine Szene klar vor Augen geführt. Ein
Den Eisberg des Abfalls rammen Schiff fuhr im dichten Nebel auf dem Wasser. Plötzlich rief der Mann
im Ausguck: ´Eisberg voraus!` Und da war er, ein riesiger Eisberg,
1) Die ausweglose Lage und der Startschuß zum Protest der das Schiff turmhoch überragte. Eine Stimme befahl mit Voll-
macht: ´Eisberg rammen!` Es galt, keinen Augenblick zu zögern.
Wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, würde der Vor- Sofort mußte gehandelt werden. Der Maschinist gab Volldampf,
steher des SDV am liebsten aussteigen, weil er nur widerwillig dem und der Mann am Ruder steuerte das Schiff geradewegs auf den
Vorsteher des NDV, der der Vorsitzende der GiD ist, in der ACK- Eisberg zu. Mit einem Krach prallte es auf das Eis. Es war ein
Angelegenheit folgte. Und schon nahm das Unglück aufgrund die- Augenblick des Schreckens, dann aber brach der Eisberg in viele
ser Machtstruktur seinen Lauf, den vielleicht ein großer Teil der Teile auseinander, die mit Donnergetöse aufs Deck prasselten. Die
GiD im Grunde gar nicht wollte. Jetzt aber kämpft man verzweifelt, Passagiere wurden heftig geschüttelt durch die Wucht des
um sein Gesicht und eventuell sein Amt nicht zu verlieren und greift Zusammenstoßes, aber kein Menschenleben ging verloren. Das
in der Not zu Unwahrheiten usw.. Die Brüder mögen aber beden- Schiff war beschädigt, aber nicht in hoffnungslosem Zustand. Es
ken, welch ein Unheil und Schaden sie für das Werk Gottes an- prallte von der Berührung [mit dem Eisberg] zurück und erzitterte
richten! vom Vorder- bis zum Hintersteven wie eine lebendige Kreatur. Dann
setzte es seine Fahrt fort.
Wir haben sehr lange geschlafen und nicht mehr auf Gottes Wort Ich kannte die Bedeutung dieses Bildes sehr wohl. Ich hatte meine
und die Ratschläge von Ellen White geachtet. Wir müssen auf- Befehle. Ich hatte die Worte gehört, die wie die Stimme unseres
wachen und uns gegen den ökumenischen Abfall zur Wehr set- Kapitäns klangen: ´Eisberg rammen!‘ Die nächsten Tage arbeitete
zen, so wie Ellen White damals zum Protest durch Gott erweckt ich von früh bis spät. Ich arbeitete für unser Volk die Anweisungen
wurde. Gott schenkte ihr ein bestimmtes Zeichen, wann sie prote- aus, die mir gegeben worden waren, um den Irrtümern, die unter
stieren sollte. uns am Aufkommen waren, zu begegnen.“ (Eisberg 79)

Walton schreibt dazu auf S. 79 (Eisberg voraus): „Eine Zeitlang Zwei Eisbergspitzen in Deutschland und das Urteil unserer Ge-
war Ellen White ratlos gewesen und hatte sich gefragt, wie sie die meindeordnung
verkehrten, neuen Ideen, die Kellogg der Gemeinde aufdrängte,
behandeln sollte... Viele Monate hatte sie gewartet in der Hoff- - Was rät unsere Gemeindeordnung bei Lügen
nung, daß eines ihrer Zeugnisse eine empfängliche Seite in
Kelloggs Herzen zum Schwingen bringen und ihn doch noch für Was kann und sollte man angesichts dieser leicht zu durchschau-
die Sache Gottes retten würde. Aber es gab ein von Gott bestimm- enden bewußten und wiederholten Unwahrheiten bzw. Lügen un-
tes Zeichen, das ihr klar zu wissen gab, wann die Konfrontation serer Führung, wie sie in den Informationen nachzulesen sind, tun?
nicht mehr länger aufzuschieben war, nämlich dann, ´wenn die Das gesamte Werk der STA gerät in Verruf und in Mißkredit. Kön-
Führer in Battle Creek offen gegen die Zeugnisse zu Felde ziehen nen wir es dulden, daß Leiter, die so bewußt und wiederholt Lügen
würden` - wenn also der Geist der Weissagung ganz offen angegrif- verbreiten, weiterhin unser Werk leiten? Im Gemeindehandbuch
fen würde. Dann würde sie sagen: ´Brüder, jetzt gilt es! ´Rammt S. 158 lesen wir, was für jeden S.T.A. gilt, wenn schon für den
93
Mit solcher Wucht soll Babylon,
die große Stadt, hinabgeschleudert werden
und nimmermehr zu finden sein!
Offenbarung 18, 21 (Albrecht

94
einfachen Bruder, dann doch erst recht für leitende Geschwister: gen wird. Zwischen diesen Sitzungsperioden soll der
„Gründe, ein Glied unter Gemeindezucht zu stellen Executivausschuss in allen Fragen, in denen Meinungsverschie-
Zu den schweren Sünden, für die Glieder unter Gemeindezucht denheiten bestehen, die letzte Entscheidung fällen. Diese Entschei-
gestellt werden sollen, gehören folgende:... dung kann jedoch bei einer Vollversammlung der Generalkonferenz
2. Offene Übertretung der Gebote Gottes, wie ... absichtliches und oder bei einer Jahresversammlung des Executivausschusses über-
gewohnheitsmäßiges Lügen.... prüft werden.“
7. Festhalten oder Teilhaben an einer spalterischen oder abtrün-
nigen Organisation“ Die Führung der Euro-Afrika Division, die schon in Ungarn ihre
„ökumenische Gesellenprüfung“ ablegte und Übung besitzt, ist
Das bewußte und wiederholte Lügen ist in der Info-1 und in den mitbeteiligt an dem Zustandekommen der ACK-Gastmitgliedschaft
Rundbriefen nur zu deutlich dokumentiert und die Gemeinden, in und hat sogar den GK-Präsidenten mit hineingezogen. Durch Teil-
denen die dafür verantwortlichen Leiter Glied sind, sind gefordert haberschaft und Befangenheit kann und darf die EUD diesen Streit
diese unter Gemeindezucht zu stellen. Dies schließt mit ein: Die nicht schlichten.
Gemeindezucht „enthebt den Betroffenen aller Ämter, die er wo- So gibt es nur noch eine echte Möglichkeit, um Deutschland vor
möglich in der Gemeinde innehat, und er kann auch nicht zu ei- einer Gemeindespaltung zu bewahren: Ein Antrag an den
nem Amt gewählt werden, solange er unter Gemeindezucht steht.“ Executuvausschuß der GK in Washington sollte von so vielen Ein-
(ebd. S. 157) zelpersonen, Ausschüssen und Organisationen wie möglich ge-
stellt werden mit der Bitte, daß der Präsident oder von ihm beauf-
- Eintritt in eine neue, abtrünnige, ökumenische Organisation, was tragte Gesandte der GK nach Deutschland kommen, um einer-
Spaltung in der Gemeinschaft der STA hervorruft seits die Bedenken der Antragsteller zu prüfen und andererseits
das Vorgehen und die Begründungen der Leitung zu untersuchen.
Ebenso ist Babylon eine von Gott abtrünnige Organisation, an die Ein abschließender Bericht sollte dann dem GK-Ausschuss von
die Leitung festhält und an der sie teilhat. Hier gilt das Wort von den Abgesandten vorgelegt werden und der GK-Ausschuss fällt
Ellen White: dann die Entscheidung. So wäre gewährleistet, daß sowohl der
„Wir wollen und können die von Gott errichteten Stützpfeiler unse- GK-Präsident als auch der Ausschuß so objektiv wie möglich und
res Glaubens nicht einfach durch andere ersetzen. Und dem Ver- von beiden Seiten informiert sind, und daß eine neutrale Instanz
langen nach einer neuen Organisation nachzugeben, würde auf die letzte Entscheidung trifft. So wäre auch der weiteren Willkür
die Abkehr von der Wahrheit hinauslaufen.“ (SM deutsch 400) unserer Leitung und der EUD ein Riegel vorgeschoben.

Drei Möglichkeiten den Eisberg des Abfalls heute zu rammen Nur so kann die schwere Krise in Deutschland noch von „Oben“
bewältigt und das Vertrauen in die Verwaltungsvollmacht wieder-
- Die Leiter bereuen ihre Schuld hergestellt werden. Die rücksichtslose Vorgehensweise der Leiter
kann auf diese Weise zum Stillstand gebracht und eine außeror-
Die Brüder sehen ihre Schuld ein und bringen durch Bekenntnis dentliche Neuwahl von Verantwortungsträgern, die treu zum
und tatkräftiges Handeln alles wieder in Ordnung. Das bedeutet Adventismus stehen, durchgeführt werden.
sofortige Lösung aller ökumenischer Bande.
Dies wäre die schönste und beste Möglichkeit, die wir uns alle als Geschieht dies nicht von der Leitung des Werkes in Washington,
Kinder Gottes wünschen würden. Dann könnten wir alle wie bisher müssen andere Wege ersonnen werden, um Gott treu zu sein und
mit Freude und vereint die dreifache Engelsbotschaft der unterge- den dreifachen Engelsruf aller Welt zu verkündigen.
henden Welt und der verlorenen Christenheit verkündigen.
Werden auch wir zur Ehre Gottes mit aller Kraft und Entschieden-
- Die Führung geht den verkehrten Weg unbußfertig weiter heit den Ökumene-Eisberg rammen und so die Omega-Krise
bewältigen?
Hier kommen 2 Möglichkeiten in Frage.
Erich Schultze
a) Gemeindezucht in der örtlichen Gemeinde
„Weh den abtrünnigen Söhnen, spricht der Herr, die
Wenn die Brüder den falschen Kurs beibehalten und ihre Unwahr- ohne mich Pläne fassen und ohne meinen Geist Bünd-
haftigkeit leugnen, sollten sie von ihrer Ortsgemeinde in Gemeinde- nisse eingehen, um eine Sünde auf die andere zu häu-
zucht genommen werden, was sie automatisch aller Ämter, selbst-
fen...“ Jesaja 30,1
verständlich auch ihres Vorsteheramtes entbindet.

b) Die Anrufung der Generalkonferenz

Unsere Gemeindeordnung sieht bei Meinungsverschiedenheiten Editorial: Das Land läuft vom Herrn weg der Hurerei
innerhalb von Organisationen - wie auch diese über den ACK - nach. (Hosea 1,2)
folgende Regelung vor (Gemeindehandbuch s. 35f):
„Wenn innerhalb oder zwischen einzelnen Organisationen und In- Liebe Leser,
stitutionen Meinungsverschiedenheiten aufkommen, ist es daher
der richtige Weg, sich an die nächsthöhere Instanz zu wenden, bis leider erfüllt sich das obige Wort in unseren Tagen in Deutschland.
der betreffende Fall der Vollversammlung der Generalkonferenz Wer etwa gehofft hat, daß die Führungsspitze unserer Gemein-
oder der Jahresversammlung des Executivausschusses vorgetra- schaft bei den vielen gut begründeten Anträgen und Appellen auch
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nur ein wenig vom eingeschlagenen Kurs abweichen würde, wird kein Zehnten für die ACK verwendet wird. Wie sieht es aber wirk-
enttäuscht feststellen müssen, daß weder ein Sündenbekenntnis lich aus? Wovon werden die Prediger während der 3 Tagungen
wegen der vielen lügenhaften Informationen abgelegt noch ein des ACK bezahlt? Von was werden die Spesen und Fahrtkosten
Austritt aus Babylon erwogen wurde. beglichen? Wovon werden R. Rupp, die meisten Vorsteher und viele
Nach der Art des Rosenkranzes wurden all die vielen Anträge Ein- Prediger bezahlt, die schon seit Wochen und Monaten die Gemein-
zelner und ganzer Gemeinden mit den ewig wiederkehrenden, glei- den mit falschen und gemeindezerstörenden Reden vergiften. Wie-
chen Argumenten in Antwortschreiben heruntergebetet. Man kann viel hundertausende oder gar schon millionen Mark an Zehnten
sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Infrastruktur unserer wurden inzwischen dafür ausgegeben, irreführende Informationen
Gemeinschaft schamlos von den Obersten mißbraucht wird, so zu drucken und gegen Gottes Willen gerichtete Aktivitäten durch-
etwa nach folgendem Muster: „Laßt sie ruhig schreiben, was sie zuführen. Sie lassen sich vom Zehnten dafür bezahlen, die Ge-
wollen, auch damit gehen wir unseren Weg nach Babylon unbeirrt meinde in den Abfall von Gott zu führen und das Lager zu libe-
weiter. Was wollen die denn machen, wir sind in Amt und Würden, ralisieren.
für mehrere Jahre gewählt und die EUD ist mit auf unserer Seite.
Und was unsere Lügen anbelangen, wer will uns dafür zur Rechen- Wir müssen uns ernsthaft fragen: Ist es der Wille Gottes, diese
schaft ziehen? Mal sehen, wer den längeren Atem hat. Solange Männer noch weiter zu unterstützen, obwohl sie den Fluch Gottes
die große Mehrheit weiterhin auf unserer Seite steht und unseren durch ungehorsames Handeln über die Gemeinde heraufbe-
liberal-ökumenisch-charismatischen Kurs durch Gaben und Zehn- schwören? Sie wurden nicht in ihr Amt gewählt, um mit Lügen und
ten tatkräftig unterstützt, kann uns nichts passieren. Wir werden „Zwang“ Gottes Braut der Hure Babylon zuzuführen. Traurig ist,
weiterhin bei ökumenischen Gottesdiensten, die unsere treusten wie ich leider von einem Bruder aus dem Predigtamt erfahren habe,
Helfer schon zur Ummodellierung unserer verstaubten Dreiengels- daß der größte Teil der Predigerschaft in dieser Vereinigung die-
botschaft in vorbildlicher Pionierarbeit durchführen, ein Auge zu- sen verkehrten Kurs unterstützt und wie von Blindheit geschlagen
drücken. In der Hansa-Vereinigung, aber auch in anderen Ge- zu sein scheint, oder aber aus Angst vor Repressalien durch die
meinden Deutschlands gewinnt die charismatische Bewegung an Vorgesetzten, lieber den Mund hält, anstatt mannhaft für Christi
Boden, aber darum kümmern wir uns als Leiter natürlich nicht, Sache zu kämpfen. Wir stehen heute wie zur Zeit des Elia vor ei-
sind es doch unsere guten Wegbereiter zu den lieben Protestanten ner Entscheidung. Damals antwortete das Volk nichts auf die Ent-
und Katholiken. Heimlich hatten wir schon auf Bundesebene, aber scheidungsfrage des Elia. Wie steht es mit uns? Wir werden schul-
zuvor schon auf lokaler und Länderebene Verbindungen zur ACK dig vor Gott, wenn wir gleichgültig an dieser Krise vorübergehen.
geknüpft und Mitgliedschaften erlaubt. In Sachsen-Anhalt sind wir
sogar schon Vollmitglieder und in etlichen anderen Mitglieder bzw. E.G. White warnt uns (3T 281):
außerordentliche Mitglieder. Nachdem sich die Gemeinden auf- „Wenn Gott eine Sünde mehr als alle anderen verabscheut, an der
geregt haben, konnten wir sogar mit ´Gewalt` die Fortsetzung un- sein Volk schuldig ist, dann ist es die des Nichtstuns in einem
serer modernen Linie sicherstellen. Nachdem dies offiziell auf Bun- Notfall. Gleichgültigkeit und Neutralität in einer religiösen Krise
desebene durchgesetzt wurde, können jetzt auf allen Ebenen wei- wird von Gott als schweres Verbrechen betrachtet und ist gleich
tere Mitgliedschaften geschlossen werden. Unsere treuen Predi- der übelsten Feindschaft gegen Gott.“
ger wissen jetzt, wie sie beruflich vorwärtskommen können - mal
sehen, wer die tollkühnsten ökumenischen Neuerungen in den Wie aus einem Antrag an die Gemeinschaft (siehe ACK aktuell)
Gemeinden einführen kann. Vielleicht müssen wir uns nach außen deutlich wird, sind wir als Gastmitglieder außerordentliche Glieder
noch ein wenig enttrüsten, aber unter vier Augen und eventuell bei der ACK. Vom Gesetz her gelten wir in diesem eingetragenen Ver-
der nächsten Delegiertenversammlung, werden wir uns erkennt- ein als Mitglieder und stehen in einem Treueverhältnis zu den an-
lich zeigen. So wird bald unsere Gemeinschaft den alten Ballast deren Mitgliedern des ACK. Wollen wir Gott oder Satan treu sein?
abgeworfen haben und eine gut bekannte, erfolgreiche und offene Offiziell sind wir jetzt Mitglied in Babylon gegen die eindeutigen
Gemeinschaft entstehen. Mit einem guten Trick, den man als des inspirierten Aussagen des Herrn. Darüber helfen die vielen nichts-
´Teufels lange Bank` bezeichnet, konnten wir selbst die gutmüti- sagenden Ausreden der Führung nicht hinweg. Wir müssen uns
gen Kritiker gewinnen, und sie für ganze zwei Jahre hinhalten. Bis heute über die beiden folgenden Aussagen Ellen G. Whites Ge-
dahin werden wir ein gutes Stück weiter sein und die Stärke der danken machen:
Kritiker wird um ein beträchtliches Maß abnehmen. Wenn sie heu- „Es wäre eine schlechte Taktik, diejenigen mit Mitteln aus dem
te nicht ernst machen und gegen uns aufstehen - wo sie noch Schatzhaus Gottes zu unterstützen, die sein Werk in Wirklichkeit
verhältnismäßig stark und aufgebracht sind -, werden sie später schädigen und verletzen, indem sie andauernd das Niveau des
erst recht keine Chance haben.“ Christentums senken...“ (3T 553)
Vielleicht mag in dieser Fiktion manches übertrieben erscheinen, „Wie es ein Wehe für die gibt, die die Wahrheit predigen, während
aber ist dieser geschilderte Grundton - betrachten wir die Früchte, ihr Herz und Leben ungeheiligt sind, so gibt es auch ein Wehe für
denn in die Herzen kann nur Gott sehen - im Verhalten der Füh- diejenigen, die die Ungeheiligten aufnehmen und in ihrer Stel-
rung nicht deutlich sichtbar? lung, deren Anforderungen sie nicht erfüllen können, stützen
und unterhalten.“
Wir sind heute vor die Frage gestellt: Wollen wir den Weg des Ab-
falls von Gottes erklärtem Willen Stück für Stück mit unserer Füh- Liebe Geschwister, wir sollten die Gemeinde nicht verlassen, denn
rung mitgehen? Oder wollen wir alle unsere von Gott geschenkten es ist Gottes Gemeinde. Aber alles, was wir sind und haben, soll
Möglichkeiten einsetzen, damit der Abfall aufgehalten und Gottes zum Besten des Werkes Gottes eingesetzt werden.
Ordnung wieder hergestellt wird?
Es ist an der Zeit, die Notbremse zu ziehen, um dem Untergang Erich Schultze - Editor
gemeinsam mit Babylon zu entgehen, und um Gott treu zu sein.
Reinhard Rupp und seine Mitstreiter beteuern immer wieder, daß

96
Die ökumenische Bewegung len nationalen und internationalen Missionsgesellschaften (anfangs
Die Beziehungen zwischen ÖRK (Weltkirchenrat, waren es 21) - nicht aus Kirchen!!
Ökumenischer Rat der Kirchen) Dieser führte zur Bildung von zahlreichen regionalen und nationa-
len Christenräten.
und ACK (Arbeitskreis Christlicher Kirchen)
2) Es entstand eine „Weltkonferenz (= „Rat“) für Glauben und
1. Was ist Ökumene?
Kirchenverfassung“ - die sich mit Lehrfragen befassen sollte, und
a) Wortbedeutung
3) die „Bewegung für praktisches Christentum“. In den letzten bei-
den Weltbünden wurden nur Kirchen zur Mitarbeit berufen.
Das Wort „Oikumene“ bezeichnet ursprünglich „die ganze bewohn-
te Erde“.
Die beiden kirchlichen „Ökumenischen Weltbünde“ (2.+3.) be-
Wir finden dieses Wort u. a. in Offenb. 16, 13+14; es handelt sich
schlossen auf ihren Weltkonferenzen 1937, sich zu vereinigen und
hier um eine satanische Verschwörung kurz vor der Wiederkunft
einen „Ökumenischen Rat der Kirchen“ zu bilden. Durch den 2.
Jesu: „...Geister der Teufel ... gehen aus zu den Königen der „Öku-
Weltkrieg wurde dies verzögert, so daß der ÖRK (Weltkirchenrat)
mene“ (oikumene).“
erst 1948 in Amsterdam gegründet wurde..
Die beteiligten Kirchen wurden aufgefordert, sich förmlich dem ÖRK
In unserem Jahrhundert bezeichnet dieses Wort eine „Bewegung,
anzuschließen. Jede mußte einzeln den Antrag stellen.
alle Kirchen zu gemeinschaftlichem Handeln zu bringen und so-
1961 verschmolz auch der IMR (1.) und 1971 der „Weltrat für christ-
gar zu einer organischen Einheit werden zu lassen...“ (1)
liche Erziehung“ mit dem ÖRK. (Siehe Abb. 2)
Der ökumenische Katechismus erklärt die Wortbedeutung: „Die
ökumenische Bewegung sucht der Einheit der Christenheit zu sicht-
3. Aufgaben und Struktur des Weltkirchenrates
barem Ausdruck zu verhelfen“ (2).
Dabei wird diese Zielstellung mit Eph. 4, 5 u. Joh. 17,21 begründet
Schon bei seiner Gründung war der ÖRK nicht als eine „Super-
(„... ein Herr, ein Glaube, eine Taufe...“; „...damit die Welt glaube,
kirche“ gedacht, sondern er sollte ein Instrument der Kirchen sein,
daß du mich gesandt hast...“).
um ihren universalen Dienst in der Welt besser zu verrichten! (Da-
bei besteht natürlich immer eine Gefahr, Dienst und Macht zu
b) Ziel
verwechseln.)
Als was versteht sich der ÖRK selbst?
Das Ziel der ökumenischen Bewegung ist es, eine Welt-Gemein-
„Eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus
schaft zu schaffen, alle Kirchen und Gemeinschaften und schließ-
gemäß der Heiligen Schrift bekennen und darum gemeinsam zu
lich alle Religionen zusammenzubringen. (3)
erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Soh-
Dabei kann die einzelne Organisation mit ihrer gottesdienstlichen
nes und des Heiligen Geistes“.
Ordnung bestehen bleiben, aber „in Zeugnis und Dienst“ soll bei
Diese Formulierung nennt man „Basis“.
den getrennten Kirchen „ihre in Christus gegebene Einheit Gestalt
gewinnen“. (4)
Seine Aufgaben:
„Er soll die Kirchen zu dem Ziel der Einheit aufrufen; das gemein-
2. Geschichte der ökumenischen Bewegung
same Zeugnis der Kirchen erleichtern,
...Beziehungen zu den nationalen Kirchenkonferenzen, konfessio-
Ökumene hat viele Gesichter, sie ist kein starres Gebilde, sondern
nellen Weltbünden und anderen ökumenischen Organisationen
ein Netzwerk sich gegenseitig ergänzender Zusammenschlüsse.
pflegen...,
Um dieses zu verstehen, ist es gut, kurz die Geschichte der mo-
... die Arbeit der Internationalen Bewegungen für Glauben- u.
dernen ökumenischen Bewegung anzureißen.
Kirchenverfassung und für praktisches Christentum, sowie des In-
ternationalen Missionsrates und des Weltrates für christliche Erzie-
Mitte des 19. Jahrhunderts begann in der Christenheit ein Verlan-
hung weiterführen.“ (5)
gen nach sichtbarer Einheit. Es entstanden zahlreiche internationale
Dies entspricht der Arbeit der 4 Ursprungsbewegungen
cfhristliche Verbände, die über die Grenzen der eigenen Konfession
hinausgingen, auch Kirchenunionsverhandlungen fanden statt. So
Struktur:
wurde z.B. 1846 die Evangelische Allianz, 1855 der CVJM = Welt-
bund christlicher junger Männer, 1895 der christliche Studen-
Diese Aufgaben gliedern sich in 3 Gruppen (Programmeinheiten).
tenbund und viele Bibelgesellschaften gegründet. (Siehe Abb. 1:
Die erste Gruppe hat es mit Fragen des Glaubens und der rechten
Das ökumenische Netzwerk)
Ordnung der Kirche zu tun, die zweite mit vielerlei Notständen in
Alles begann mit einer Laienbewegung, neu gebildete Missions-
der Welt, die nach praktischer Hilfe rufen, die dritte mit Fragen, die
gruppen schlossen sich zusammen und hielten internationale Missi-
sich aus dem Auftrag der Kirche an die Welt ergeben. (Siehe Abb.
onskonferenzen ab.
3)
1910 fand die 2. Weltmissionskonferenz in Edinburgh statt, sie wird
„Alle 3 Aufgabenbereiche bilden aber ein Ganzes und sind letzt-
allgemein als der Beginn der modernen ökumenischen Bewegung
lich auf die Einheit der Kirche in Glauben, Zeugnis und Dienst be-
angesehen. Sie legte den Grundstein für 3 Bewegungen, die dann
zogen.“ (6)
später zur Gründung des ÖRK führten:
Auf die Programmeinheit 1 möfchte ich nochmal besonders auf-
1) Es wurde ein „Internationaler Missionsrat“ ins Leben gerufen
merksam machen:
(das entspricht einem ständigen Ausschuß) - er bestand aus vie-
Die Kommission für Glauben und Kirchenverfassung hat im ÖRK
97
einen eigenen Status. Ihr hatten vor 1948 Kirchen angehört, die 2) Auf regionaler (übernationaler Ebene, auch kontinentaler Ebe-
nicht Mitglied wurden, aber in der Kommission weiter mitarbeiten ne genannt) - Instrument = regionale Räte der Kirchen (z.B. Räte
wollten. von Asien, Europa, Afrika, Nord- u. Südamerika, Karibik, mittlerer
Dies wurde respektiert, so daß zu der 120-köpfigen Kommission Osten und Pazifk)
auch stimmberechtigte Theologen aus Nichtmitgliedskirchen des 3) Auf nationaler Ebene - Instrument = nationale Räte der Kirchen
ÖRK gehören. (z.B. ACK der Bundesrepublik, Schweizer Missionsrat oder öku-
Seit 1968 gehören zu ihr sogar 12 vom Vatikan benannte röm.- menischer Rat der Kirchen in Österreich, siehe Abb. 5)
kath. Delegierte! 4) Auf lokaler, örtlicher Ebene - Instrument = lokale Kirchenräte,
Stadträte (z.B. Kirchenrat von Bonn, ökumenischer Rat von Ber-
Die Bewegung für praktisches Christentum ist zum Teil in der Ar- lin...) Alle Räte sind Bundesverbände und jeweils eine Kirche wird
beitsgruppe für „Kirche und Gesellschaft“ und für „internationale Mitglied, es gibt aber geographisch gesehen verschiedene Stufen.
Angelegenheiten“ vertreten. Die letztere ist auch bei der UNO als Diese entsprechen auch der Hierarchie der Organisationen unse-
nichtstaatliche Organisation eingetragen und wirkt in verschiede- rer STA-Gemeinschaft. (Siehe Abb. 4)
nen UNO-Unterorganisationen mit.
Die Missionsbewegung ist in die „Konferenz (= Kommission) für 5. Die Beziehungen des ÖRK (Weltkirchenrat) zu den Natio-
Weltmission und Evangelisation“ aufgegangen. Ihr können (ähn- nalräten der Kirchen
lich wie bei „Glauben und kirchenverfassung“) auch Missionsräte
oder einzelne Kirchen angehören, die nicht Mitglieder des ÖRK „Der ÖRK arbeitet, wo immer es geht mit oder durch Nationalräte
sind. (7) der Kirchen und durch national-christliche Konzilien. Diese Kör-
Wir sehen hier wieder das Netzwerk der ökumenischen Bewegung. perschaften senden auch Vertreter ohne Stimmrecht zu den Vollver-
„Der ÖRK ist ein Zweig der ökumenischen Bewegung, keinesfalls sammlungen und Zentralversammlungen des Weltkirchenrats.“ (10)
mit dieser identisch. Neben ihm gibt es noch weitere Bestrebun- Der Weltkirchenrat hat nicht nur Mitgliedskirchen, sondern auch
gen, die Einigung der Kirchen zu fördern.“ (8) Mitgliedsräte. Das sind Nationalräte der Kirchen. Diese Räte
(„member councils“) können auf 3 verschiedene Weisen mit dem
„Als bevorzugtes Instrument der ökumenischen Bewegung, arbei- ÖRK verbunden sein:
tet der Rat mit vielen Partner-Organisationen zusammen - mit re- 1) „associated councils“ d.h. ein Rat, der ohne formelle Mitglied-
gionalen und nationalen Kirchenräten, konfessionellen schaft an diesem Bündnis teilnimmt = angeschlossener Rat.
Zusammenschlüssen u. a. ökumenische Gruppen. 2) „affiliated councils“ = adoptierte Räte.
Wie der Name sagt, hat der ´Rat‘ nur beratende Funktion (1) und 3) „councils in working relationship“ = Arbeitsgemeinschaften
besitzt keine gesetzgebende Gewalt über seine Mitgliedskirchen, (z.B. STA! - Mitarbeit im ÖRK)
er kann nur im Namen seiner Mitgliedskirchen handeln, denn er
soll ja den angeschlossenen Kirchen als Werkzeug dienen.“ (9) Diese Räte haben kein Stimmrecht im ÖRK! Etwa 30 Nationalräte
Die Mitgliedskirchen selbst behalten ihr konfessionelles Selbst- arbeiten mit dem ÖRK zusammen, diese Nationalräte praktizieren
verständnis. ebenso wie der ÖRK Ökumene auf multilateraler Ebene.

... Das hört sich gut an, klingt vordergründig nach Freiheit und 6. Die ACK - Plattform der Begegnung oder Nationalrat der
Harmonie. Aber kann wirklich jede Mitgliedskirche machen was Kirchen in Deutschland?
sie will?
„Die ACK wurde 1948 gegründet. Der Begriff Rat wurde hier ver-
In der Selbstdarstellung des ÖRK (9) lesen wir weiter: ...“Der ÖRK mieden, um nicht den Eindruck einer rechtlich verbindlichen Orga-
besitzt keine gesetzgebende Gewalt über seine Mitgliedskirchen, nisation zu erwecken.“ (11)
doch hat sich jede von ihnen verpflichtet, zusammen mit den ande- Die ACK hat 10 Mitgliedskirchen und 5 Gastmitgliedskirchen. Seit
ren nach Wegen zu suchen, um Einheit und Gehorsam sichtbar 1974 gehören auch die Röm.-Kath. KIrche und die griechische
zum Ausdruck zu bringen. Dazu gehören Begegnung, theologische Metropolie als Vollmitglieder dazu. (Siehe Abb. 6)
Studien, Zeugnis und Dienst.“ Die Geschäftsstelle befindet sich in Frankfurt. Ihre Arbeitsorgane
sind die „Ökumenische Centrale“ (Ö.C.) und der „Deutsche Öku-
Im Handbuch „Orientierung-Ökumene“ (1987) lesen wir auf S. 131: menische Studienausschuß“ (DÖSTA)
...“Die Arbeit der regionalen Konferenzen (= Räte) ... geschieht in Außerdem gibt es in der Bundesrepublik noch 11 regionale (ent-
organisatorischer Unabhängigkeit und weitgehender inhaltlicher Ei- sprechen etwa den Bundesländern) und über 300 lokale Arbeits-
genständigkeit gegenüber dem ÖRK .... Ständige Kontakte mit dem gemeinschaften und Arbeitskreise. - Sie alle sind mit der
ÖRK sollen ein unverbundenes Nebeneinander der Arbeit ... ver- bundesdeutschen ACK rechtlich nicht verbunden arbeiten aber in
hindern.“ vielfältiger Weise mit der Ö.C. in Frankfurt zusammen.
Das heißt also Eigenständigkeit und Verbindung zum ÖRK halten Die Ö.C. wiederum arbeitet eng mit dem ÖRK und anderen öku-
sich die Waage. Das gesamte Netzwerk der ökumenischen Bewe- menischen Verbänden zusammen.
gung dient einem gemeinsamen Ziel!
a) Wie kam es zur Gründung der ACK?
4. Formen ökumenischer Existenz (Siehe Abb. 4)
Otto von Harling (1948-1963 Geschäftsführer der ACK) berichtet:
Es gibt 4 organisatorische Stufen der internationalen ökumenischen „Schon im Frühjahr 1946 empfing der damalige Leiter der Kirchen-
Bewegung (oder 4 Bereiche der ökumenischen Arbeit). kanzlei der Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Mitar-
beiterstab des ÖRK in Genf die Anregung, einen ökumenischen
1) Auf Weltebene - Instrument = Weltkirchenrat Zusammenschluß der Kirchen in Deutschland nach dem Vorbild

98
des ´Federal council of churches` in den USA und des ´British lem, weil zu ihnen Kirchen gehören, die nicht Mitglieder des ÖRK
council of churches` herbeizuführen.... Anfang 1947 wurde die sind.“ (16)
Kirchenkanzlei vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland
förmlich beauftragt und legitimiert, Verhandlungen mit den Frei- Die Verbundenheit der ACK mit Genf (ÖRK) kommt auch darin
kirchen über die Bildung eines ´nationalen Rates der Kirchen` zum Ausdruck, daß die Themen und das Gedankengut des ÖRK
aufzunehmen.“ (12) in allen Veröffentlichungen der Ö.C. aufgegriffen wird. Außerdem
Otto von Harling betont, „daß der Ausdruck nationaler Kirchenrat wird das „Schiff der Ökumene“, - das Symbol des ÖRK auch auf
bewußt vermieden wurde, um nach außen hin jeglichen Anschein sämtlichem Schriftmaterial der ACK-Geschäftsstelle und der Ö.C.
kirchenleitender Kompetenz zu vermeiden.“ verwendet.
Allerdings wurde die „Basis“ der Arbeitsgemeinschaft in Anlehnung 2 Mitglieder des ACK-Vorstandes (Präsident Dr. Held und Bischof
an die „BASIS“ der Arbeitsgemeinschaft in Anlehnung an die ´BA- Prof. Dr. Scheele) sind auch gleichzeitig im ÖRK tätig. Dr. Held
SIS` der Verfassung des ÖRK formuliert, „um die geistige Ver- arbeitet im Zentralausschuß des ÖRK und Prof. Scheele in der
bundenheit mit diesem so deutlich wie möglich zum Ausdruck zu Kommission für Glauben und Kirchenverfassung mit.
bringen.“ (13)
Voraussetzung für die Mitgliedschaft im ACK ist die Anerkennung Die ACK entspricht in ihrer Funktion, ihrem Aufgabenbereich und
dieser Basisformel des ÖRK. der Zielsetzung einem Nationalen Rat der Deutschen Kirchen,
Seit 1955 besteht ein offizielles Informations- u. Arbeitsverhältnis selbst wenn ihre Kompetenzen nicht an den Britischen oder USA-
mit dem ÖRK in Genf. Rat heranreichen. Besonders wirkungsvoll ist die Arbeit der Ö.C.
- Somit ist die ACK zunächst einmal finanziell, organisatorisch und und des DÖSTA.
auch rechtlich nicht vom ÖRK abhängig, ebenso wie die anderen Prof. Beyerhaus schrieb 1986 an die ACK in Frankfurt:
National- oder auch Regionalräte. „ ... Es gibt nun einmal in Deutschland keine andere Organisation,
welche sich die ökumenischen Anliegen, und in der Tat in weitest-
b) Ideologische Übereinstimmung der ACK mit dem ÖRK gehender Entsprechung zur Genfer Arbeit, zu eigen machen wür-
de.“ (17)
Prof. R. Frieling (Ökumenereferent und Professor für ökumenische Auf diesem Wege gelangt das Gedankengut des ÖRK in die örtli-
Theologie in Marburg) schreibt über die ACK: „Der Begriff ´Rat` chen Gemeinden hinein.
oder ´Ökumenischer Rat` wurde vermieden....
Die ACK wurde mit ihrer Ökumenischen Centrale (Frankfurt/Main) c) Die organisatorische und rechtliche Verbindung der ACK zum
und mit dem Deutschen Studienausschuß ein wichtiges Instrument, ÖRK
um die Arbeit des ÖRK in Deutschland bekanntzumachen und die
Umsetzung seiner Verlautbarungen in den Kirchen und Gemein- Die ACK ist rechtlich ein „angeschlossener Rat“ des ÖRK.
den zu gewährleisten“ (14) Die Erklärung der bundesdeutschen ACK (1983) über ihre Bezie-
hungen zum ÖRK:
Die deutsche Ökumene hat sich von jeher als ein Teil der Welt- „Mitglieder im ÖRK können nur Kirchen sein. Die ACK ist daher
ökumene verstanden, wie sie in den verschiedenen ökumenischen nicht Mitglied im ÖRK und kann es auch nicht werden.... Die Be-
Organisationen ihren Ausdruck findet. ziehungen der ACK zum ÖRK ist die eines associated council (=
angeschlossener Rat). Das bedeutet, daß zwischen der ACK und
Über die Zusammenarbeit der ACK als „angeschlossener Rat“ des dem ÖRK ein offener Informationsaustausch stattfindet, sie aber
ÖRK schreibt Pfarrer H. Motel von der Brüdergemeinde: „Die ACK weder organisatorisch in den ÖRK eingegliedert, noch von ihm
ist bei den gelegentlichen Konferenzen der Nationalen Christen- abhängig ist... Die ACK hat im ÖRK kein Stimmrecht.“ (18)
räte, die der ÖRK durchführt, vertreten. Der Geschäftsführer der
ACK Dr. Laurentius Klein wird regelmäßig als Gast oder Mitarbeiter „Die ACK ist ihrerseits zwar dem ÖRK gegenüber selbständig, sie
zu den Tagungen des ÖRK eingeladen. wurde aber durch ihn ins Leben gerufen und weiß sich ihm gegen-
... Die ACK leistet im übrigen auch schon deswegen einen Beitrag über verpflichtet, für die sichtbare Einheit der Kirchen einzutre-
zur ökumenischen Bewegung, weil sie beispielsweise auch Kritik, ten.“
die sich gegen den ÖRK äußert, aufnimmt und kritische Anfragen Die kleinsten Zellen des ökumenischen Zusammenschlusses, die
in Richtung Genf zu beantworten sucht.“ (15) lokalen Arbeitsgemeinschaften, sieht die ACK als „Organe der
Wir erkennen auch hier wieder die Vernetzung der ökumenischen Ökumenischen Bewegung an ... sie zielen auf ... die Vervollkomm-
Organisationen. nung der kirchlichen Einheit ... sie erweisen sich als vorzügliche
Werkzeuge für die ökumenische Zusammenarbeit..
Der ÖRK formulierte auf der Vollversammlung 1983 in Vancouver Auf diese Weise nehmen sich die Kirchen und kirchliche Gemein-
die Bedeutung der ihm nahestehenden ökumenischen Organisa- schaften durch ein Netz von lokalen Arbeitsgemeinschaften ge-
tionen: genseitig und kontinuierlich in die ökumenische Pflicht.“ (19)
„1. Ökumenische Arbeit auf nationaler, regionaler und weltweiter
Ebene ist Teil ein und derselben Bewegung. Sie ergänzen sich Zuletzt noch ein Satz aus der Zeitschrift des ÖRK vom September
gegenseitig. 1990 (S. 12) „... Die Tagung ... befaßte sich mit der Rolle von Räten
2. Die Beziehung zwischen den Organisationen ist nicht linear. Viel- als Instrumenten der Einheit!“
mehr bilden diese Organisationen ein Netz.“ (16)
Ein Blick auf die Zusammensetzung der ACK ist ebenfalls recht
Oberkirchenrat Dr. G. Strauß, Delegierter der EKD in der ACK un- aufschlußreich. Von den 10 Mitgliedskirchen der ACK sind 8 gleich-
terstrich „die dringende Notwendigkeit eines engeren Kontaktes zeitig Mitglied im ÖRK.
zwischen ÖRK und regionalen bzw. lokalen Kirchenräten, vor al- Da sich die Zahl der delegierten nach der Größe der Mitgliedskir-
99
chen richtet, ist auch die Zusammensetzung der Delegierten in rend ihrem bald errungenen Sieg entgegenzusehen.“
der ACK recht aufschlußreich: Das protestantische lager stellt 12 (Ellen G. White, Erfahrungen und Gesichte, S. 78-80)
Delegierte, das katholische Lager 9 Delegierte! Die Zahlen zeigen
wiederum die Vernetzung innerhalb der ökumenischen Bewegung (Alle Hervorhebungen und Begriffe in Klammern dieser Ausarbei-
und den Einfluß der kath. Kirche bei Beschlußfassungen. tung erfolgten durch die Verfasserin.)

Da muß man sich fragen, was will unsere STA-Gemeinschaft ge- LITERATURVERZEICHNIS
gen diese Meinungsübermacht erreichen (Gastmitglieder haben
kein Stimmrecht!). (1) Adventistischer Bibelkommentar, zitiert aus „Stimme der Übri-
gen“ vom Februar 93
Wie wir unsere eigene Missionstätigkeit beschneiden lassen, in (2) Ökumenischer Katechismus S. 9 (1985)
dem wir unseren ökumenischen Partnern versprechen, keine „Ab- (3) „Alle Wege führen nach Rom“, S. 26 (1993)
werbung ihrer Kirchenglieder“ zu machen, wie wir unsere Botschaft (4) Ökumenischer Katechismus S. 11
ihnen gegenüber verleugnen müssen, zeigt ein Brief vom 9. Au- (5) Ebd., S. 34
gust 1993, der anläßlich einer Evangelisation in Straußberg (bei (6) Ebd., S. 35
Berlin) an die ökumenisch verbundenen Kirchen gesandt wurde. (7) Der Weg des ökumenischen Gedankens“ S. 76/78 von R. Frieling
(Siehe Anhang 1) (1992)
Die Einschätzung der ökumenischen Bewegung von dem (8) „Kleines Handbuch der Ökumene“, P. Neuner
Evangelikalen Heinrich Grafen sollte uns Adventisten aufhorchen (9) Broschüre: „Was ist der ÖRK?“, S. 3
lassen: (10) „Stimme der Übrigen“ Februar 1993
„Der Einheitszug rollt über Genf nach Rom! (11) „Kleines Handbuch der Ökumene“, P. Neuner S. 110/111 (1988)
Die Gleise zur totalen Verführung sind perfekt gelegt. An die Spitze (12) „Gemeinde Jesu ökumenisch-katholisch vereinnahmt?“ H.
des in Bewegung gekommenen Einheitszuges hat sich längst die Grafen, S. 10/11 (1987)
Röm.-Kath. Weltkirche gesetzt. Ihre Vertreter laden ... zur Mitfahrt (13) Ebd., S. 14/15 (1987)
ein. Viele ließen sich locken. ... Noch ist Zeit zum Ausstieg! Von (14) „Der Weg des ökumenischen Gedankens“, S. 119
Stunde zu Stunde wird deutlicher: Dieser mit dem Ziel der Öku- (15) „Gemeinde Jesu ökumenisch-katholisch vereinnahmt?“, H.
mene zusammengestellte Einheitszug rollte über Genf nach Rom!“ Grafen, S. 56
(20) (16) Ebd., S. 57
(17) Ebd., S. 61
Dieser Vergelich sollte uns an Schw. Whites Gesicht über die letz- (18) Ebd., S. 54
ten Ereignisse im Weltgeschehen in „Erfahrungen und Gesichte“, (19) Broschüre ACK-Kontakte
S. 78-80 erinnern, wo ihr ein Eisenbahnzug gezeigt wurde, der mit (20) „Gemeinde Jesu ökumenisch-katholisch vereinnahmt? H. Gra-
der Schnelligkeit des Blitzes dahinfuhr, auf dem die ganze Welt fen, S. 67
versammelt schien.
Abbildungen auf Seiten 20,24,48
Kein Adventist sollte in diesem Zug gefunden werden!!
„Ich sah, mit welcher Schnelligkeit sich diese Verführung ausbrei- Dr. Wiltrud Arlt, Berlin
tete. Ein Eisenbahnzug wurde mir gezeigt, der mit der Schnellig-
keit des Blitzes dahinfuhr. Der Engel gebot mir aufmerksam zuzu-
sehen, und ich richtete meine Augen auf den Zug. Es schien, als
ob die ganze Welt darauf wäre und nicht einer fehle. Der Engel Lehren aus der Salamanca-Vision
sagte: ´Sie sind in Bündel gebunden, daß man sie verbrenne.` Dann Ellen G. Whites,
zeigte er mir den Schaffner, der stattlich und schön aussah, und
ein Positionspapier um die Identitätsfrage der
auf den alle Reisenden blickten und ihm Ehre erzeigten. Ich war
verwirrt und fragte meinen begleitenden Engel, wer dies sei. Er
Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten
sagte: „Es ist der satan. Er ist der Schaffner in der Gestalt eines
Engels des Lichts. Er hat die Welt gefangengenommen. Sie sind in Vorwort
kräftige Irrtümer dahingegeben, zu glauben der Lüge, daß sie ver-
dammt werden. Dieser hier, der nächste nach ihm, ist der Loko- Was ist Identität? Identität ist die Voraussetzung der Universalität.
motivführer, und andere seiner Angestellten sind in verschiede- Was bedeutet das?
nen Stellen untergebracht, wo er es nötig hat; sie fahren alle mit
der Schnelligkeit des Blitzes zur Verdammnis. Israel war als besonderes Volk von Gott erwählt worden. Im Rah-
Ich fragte den Engel, ob niemand zurückgelassen sei. Er gebot mir men des Sinaibundes war es Gottes Eigentum geworden und hat-
nach der entgegengesetzten Richtung zu schauen, und ich sah te sich als Antwort auf die Erlösungstat Gottes bei der Rettung aus
eine kleine Schar, die auf einem schmalen Fußweg ging. Alle schie- ägyptischer Sklaverei im Erlösungsgehorsam nach Gottes Gebo-
nen durch die Wahrheit in Gruppen fest verbunden und vereinigt. ten zu richten. Dabei stand es im krassen Gegensatz zur Religion
Der Engel sagte: „Der dritte Engel verbindet oder versiegelt sie in der Kanaaniter mit deren abgrundtiefen Verkommenheit
Bündel für den himmlischen Gärtner.“ Diese kleine Schar sah aus (Menschenopfer, Fruchtbarkeitsorgien usw) Als priesterliches Volk
wie von Kummer aufgerieben, so als wenn sie durch schwere hatte es die Aufgabe, alle Völker in die Segnungen des Bundes
Mühseligkeiten und Kämpfe gegangen sei. Es schien, als ob die einzubeziehen (2.Mose 19:4-6). Das beinhaltete einen Missions-
Sonne gerade hinter einer Wolke hervorgekommen wäre und ihr auftrag.
Antlitz beleuchtet hätte, wodurch sie veranlaßt wurden, triumphie- Als Israel den Götzendienst mitten im Tempel einführte und die
Religion der Ureinwohner neben Gott stellte, verlor es seine Iden-
100
tität, seine Stellung, seine Position als Missionsvolk. März 1891 anberaumt war.
Es geht heute nicht weniger um Identität wie damals. Auch heute Zur Eröffnung der Versammlung sollte sie jeden Morgen um 5.30
gilt: Identität ist die Voraussetzung für Universalität und der damit Uhr früh sprechen. Sie hielt ihre Ansprachen die Woche über, und
verbundenen Mission. Die Gemeinde muß auch heute ihre Identi- am Sabbat war ihre Ansprache für den Nachmittag geplant. Sie
tät wahren. Im folgenden geht es gerade um diese Frage. stand vor 4000 Gläubigen im Battle Creek Tabernacle und sprach
über den Text: „Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, auf
Ökumene - Lehren aus der Salamanca-Vision daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel
preisen.“ Die Predigt war ein mächtiger Aufruf an Siebenten-Tags-
In dieser Vision Ellen G. Whites geht es um den Erhalt unserer Adventisten, ihre eigentümlichen Glaubensmerkmale aufrecht zu
Identität als Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten. Wir erhalten. Mitten in ihrer Ansprache wollte sie ihre Salamanca-Visi-
werden on erzählen. Als sie an die Stelle kam, wo es heißt: „Der Engel
(1) die Salamanca-Vision für sich sprechen lassen, bat mich, ihm zu folgen“, zögerte sie. Wieder war ihr die Sze-
(2) sich hieraus ergebende Gefahren aufzeigen, die sich in unse- ne entfallen. Sie setzte ihre Predigt fort und versuchte es ein
ren Reihen bemerkbar machen und zweitesmal. Wieder stockte sie an jener Stelle und setzte die
(3) außerhalb unserer Gemeinde im ACK. Predigt fort. Und noch ein drittesmal versuchte sie es - ver-
geblich. Sie sagte: „Davon werde ich später noch zu erzählen
I Die Salamanca-Vision haben“, schloß die Ansprache mit einem würdigen Abschluß und
ging vom Pult. Auf die Frage des Präsidenten der Generalkonferenz,
Im Jahre 1890 hatte Schwester White Ende Oktober in South Lan- Bruder Olsens, ob sie am nächsten Morgen sprechen werde, sag-
caster, im Staate Massachussets, im Rahmen allgemeiner te sie: „Nein, ich bin müde und habe meine Botschaft ver-
Versammlungen gesprochen. Anschließend war sie mit den kalten kündigt.“
und zugigen Eisenbahnwagen nach Salamanca, New York, gefah- Um drei Uhr früh kam der Engel und sagte zu Schwester White,
ren. Dabei zog sie sich eine schwere Erkältung zu. Sarah Mc Inter- sie solle sich für die Morgenandacht zu 5.30 Uhr fertigmachen.
fer, ihre Reisebegleiterin und Sekretärin, schlug vor, nach Battle Jetzt sollte sie ihe Salamanca-Vision berichten. Die Besucher der
Creek zurückzufahren, um sich auszukurieren. Aber die Morgenandacht waren erstaunt, das Fenster Schwester Whites
Ankündigungen zu den Versammlungen waren schon herausge- erhellt zu sehen. Ihr Sohn erfuhr, daß ihr aufgetragen worden war,
geben worden. Sie sprach am Sabbatnachmittag. Für die Sonn- die Vision zu erzählen, die sie in Salamanca gesehen hatte. Es
tagsversammlung waren schon Einladungen an die Öffentlichkeit herrschte eine spannende Erwartung.
herausgegangen. Sie vermochte nur mühsam zu wispern. Das ge- In der Vision, so sagte sie, schien sie nach Battle Creek versetzt
mietete Opernhaus war voller Menschen. Im Vertrauen zu Gott worden zu sein. Sie wurde in das Büro des Review and Herald
schritt sie, ermutigt von ihrem Mann, zum Rednerpult. Sie begann Verlags gebracht, und der Engel bat sie, ihm zu folgen. Dort wurde
mit heiserem Wispern, doch dann brach ihre Stimme klar und deut- sie Zeuge von Verhandlungen. In einem Raum diskutierten Män-
lich hervor. Eine Stunde lang sprach sie über Gesundheitsreform. ner eine bestimmte Angelegenheit. Sie redeten in blindem Eifer.
Montag wurde sie zum Rednerpult hin gestützt und hielt sich dort Es ging um Richtlinien der Herausgabe des American Sentinel
fest. Sie sprach 45 Minuten lang. Am Schluß kamen Glau- (Zeitschrift für Religionsfreiheit). Einer hielt die Schrift hoch über
bensgeschwister nach vorn und sagten: „Schwester White, der seinen Kopf und sagte: „Wenn wir die Artikel über den Sabbat
Herr hat dir heute eine Botschaft für uns gegeben.“ Doch in und die Wiederkunft Christi nicht aus dieser Schrift streichen,
ihrem Tagebuch vermerkt sie: „Ich weiß nicht, worüber ich sprach. können wir sie nicht länger als Organ der Gesellschaft für
Ich weiß nichts von dem, was ich sagte. Ich war zu krank.“ religionsfreiheit gebrauchen.“ Sie sprach noch über eine stun-
Niedergeschlagen erreichte sie ihr Zimmer und fiel auf die Knie de lang und beschrieb die Vision, die ihr Monate zuvor in Sala-
zum Gebet. In ihrem Tagebuch berichtet sie: „Ich hatte noch kein manca gezeigt worden war und setzte sich.
einziges Wort gesprochen, als der ganze Raum mit einem ge- Der Präsident war ratlos. Er wußte von keiner solchen Versamm-
dämpften silbrigen Licht erfüllt schien, und mein Schmerz der lung. da erhob sich hinten ein Mann und sagte: „Ich war in dieser
Niedergeschlagenheit und Entmutigung war vergangen. Ich Versammlung, die in dieser vergangenen Nacht stattfand.“
war mit Zuversicht und Hoffnung erfüllt - mit dem Frieden „Letzte Nacht?“ staunte Schwester White, „ich dachte, diese
Christi.“ (Tagebuch 3.11.1890) Versammlung fand vor einigen Monaten statt, als mir diese
Dann war sie in einer Vision der Herrlichkeit Gottes ergriffen. Sie Vision gezeigt wurde.“ Der Mann fuhr fort: „Ich war letzte Nacht
konnte einschlafen, sie war geheilt und dachte nach über das Wort; in jener Versammlung, und ich bin derjenige, der diese Bemer-
„Der Herr war an diesem Ort, und ich wußte es nicht.“ kungen über den Artikel in dieser Zeitschrift machte und sie
Am andern Morgen kamen Brüder, um sich nach ihr zu erkundi- hoch über meinen Kopf emporhielt. Es tut mir leid, ich war auf
gen. Sogleich wollte sie ihre Vision berichten: der falschen seite, doch ich nutze die Gelegenheit, um mich
„In der Vision schien ich in Battle Creek zu sein, und der Engel- auf die richtige Seite zu stellen.“ Er setzte sich.
bote bat mich, ihm zu folgen...“ Sie zögerte, stockte und konnte Der Präsident des Vereins für Religionsfreiheit stand auf: „Ich war
sich nicht an diese Szene erinnern, sie hatte vergessen wie einst in jener Versammlung. Letzte Nacht, nach dem Abschluß der
Nebukadnezar seinen Traum. Generalkonferenz versammelten sich einige von uns in mei-
Später waren die Männer in Reisevorbereitungen nach Virginia nem Zimmer des Review and Herald Verlagsbüros. Dort schlos-
begriffen und wolten sich verabschieden. Wieder will Schwester sen wir uns ein und diskutierten die Fragen, die wir heute
White ihnen den Inhalt ihrer Vision berichten, zumal ihr das sehr morgen gehört haben. Wir blieben in diesem Raum bis drei
wichtig schien. An jener Stelle, wo der Engel sie bat, ihm zu folgen, Uhr früh. Sollte ich beschreiben, was dort geschah, und wel-
hielt sie inne und hatte das weitere vergessen. Sie besuchte noch che Haltung die einzelnen einnahmen, hätte ich es nicht ge-
zweieinhalb Monate lang weitere Versammlungen. Danach reiste nauer und besser darstellen können als Schwester White.
sie nach Battle Creek zur Generalkonferenz, die vom 5. bis 25.
101
Ich sehe jetzt, daß ich im Irrtum war und daß die Position, die Glaubens in die Sabbatschule gingen, so gehen wir heute in die
ich bezog, nicht richtig war. Aufgrund des Lichts, das uns heute Sabbatschule. Die Welt weiß sehr wohl, was Sabbat ist, der so alt
früh gegeben wurde, erkenne ich, daß ich falsch gehandelt ist wie die Schöpfung. Wer es nicht wissen sollte, erhält eine bibli-
habe.“ sche Antwort. Das ist Mission.
Andere sprachen. Jeder, der in jener Nacht in dieser Versammlung Beginnen wir Siebenten-Tags-Adventisten erst, den Sabbat der
war, legte sein Zeugnis ab. Noch ehe diese Morgenandacht ende- jeweiligen Kultur anzupassen, kann es nach einem solchen ersten
te, wurden die Vertreter der Gesellschaft für Religionsfreiheit ge- Fehlschritt dazu kommen, unverbindlich vom „Ruhetag“ und
rufen, und der gefaßte Beschluß wurde aufgehoben. „Gruppengespräch“ zu reden.
Worum ging es? In ihren Aufzeichnungen hatte Schwester White Kein Massageinstitut wird auf den Gedanken kommen, sich als
bemerkt: „In der Nachtvision war ich in verschiedenen Bera- „Institut zur Förderung des Stoffwechsels“ nichtssagend zu
tungen zugegen, und dort hörte ich wiederholt einflußreiche bezeichnen.
Männer sagen, wenn der American Sentinel die Bezeichnung Die Auflösung des Speziellen und Genauen und die Hinwendung
´Siebenten-Tags-Adventisten` aus seinen Spalten streichen zu Allgemeinem leistet in Wirklichkeit Vorschub zu einer
und nichts über den Sabbat sagen würde, dann würden die „Ökumenefähigkeit“, wo der Sabbat in seiner Schärfe im Zu-
großen Männer der Welt diese Schrift unterstützen, sie würde sammenhang der Dreiengelsbotschaft nur unangenehm auffallen
populär werden und ein größeres Werk verrichten. Dies hörte würde.
sich gut an. Doch was war die Art und Weise des Werkes, das Desweiteren: Als unsere Gemeinschaft durch die
aufgeführt werden würde, um den Ideen der Welt entgegenzu- sensationslüsternde Presse in das Blutbad der Davidianer
kommen? Diese Männer konnten nicht einsehen, weshalb wir undifferenziert hineingezogen wurde, sind wir in das andere Ex-
uns eben nicht mit Ungläubigen verbinden sollten, um dem trem verfallen: Statt etwas aus unserem Namen zu streichen, ha-
American Sentinel zum großen Erfolg zu verhelfen.“ Sie fährt ben wir den Namen erweitert: Ich mußte mir erst die Augen reiben
fort: „Ich sah, wie sich ihre Gesichter erhellten, und sie began- und mehrmals hinschauen, denn seit meiner Taufe vor etwa 35
nen Richtlinien auszuarbeiten, um dem American Sentinel zum Jahren habe ich nicht gewußt, daß wir eine „weltweite evangeli-
großen Erfolg zu verhelfen. Diese ganze Angelegenheit wur- sche Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten“ sind.3 Zwar
de von Männern eingefädelt, die die Wahrheit in den Kammern sind wir „evangelisch“ in dem Sinne, daß wir das Evangelium
ihrer Seele nötig hatten.“ „Diese Richtlinien“, schreibt sie wei- verkündigen und „Kirche“ könnte man auch noch mit der Erklä-
ter, „sind der erste Schritt in einer Folge verkehrter Schritte. rung gelten lassen, daß „Kirche“ ja im Sinne von „Kahal“ die
Die Grundsätze, die im American Sentinel vertreten wurden, Zusammengerufenen sind (AT) oder im Sinne von „Ekklesia“ die
sind ja gerade die Summe und der Kern des Sabbats, und Herausgerufenen (NT) - aber so versteht die Öffentlichkeit es ja
wenn Männer anfangen von Änderung der Grundsätze zu re- nicht! Es entsteht doch der Eindruck, daß Siebenten-Tags-Adven-
den, verrichten sie ein Werk, das ihnen nicht zusteht. Wie Usa tisten mit der Bezeichnung „evangelische Freikirche“ irgendwie
versuchen sie, die Bundeslade zu stützen, welche Gott ge- zur evangelischen Kirche gehören oder zumindest etwas mit ihr
hört und unter seiner besonderen Aufsicht steht.“ (2.Sam. zu tun haben. Das erweckt einen falschen Eindruck, ja es ist eine
6:6.7) Soweit Schwester White.1 Irreführung der Öffentlichkeit.
Siebenten-Tags-Adventisten stehen unter dem Eindruck der sie- Wir sind doch in unserer Geschichte aus den evangelischen Kir-
benten und letzten Posaune. Hier öffnet sich das Allerheiligste, und chen ausgeschlossen worden wegen unserer verkündigung, und
die Bundeslade mit den zehn Geboten wird sichtbar im apokalyp- viele von uns sind ausgetreten, um sich dem Volk der Dreien-
tisch-endgeschichtlichen großen Versöhnungstag, der in der Zeit gelsbotschaft anzuschließen.
der letzten Posaune vor Christi Wiederkunft anbricht. Die Gebote Dabei haben wir den Protestantismus mit seinen unbiblischen Leh-
mit dem Sabbatgebot strahlen aus dem Allerheiligsten heraus, ins- ren z.B. der Unsterblichkeit der Seele, der Sonntagsheiligung, der
besondere das Sabbatgebot. Das Volk der Dreiengelsbotschaft ruft Kindertaufe usw als „Babylon“ erkannt. Wir sind eben anders und
unter dem Eindruck dieses Lichts aus: „Hier ist Geduld der Heili- weder mit der üblichen „Kirche“ noch mit „Babylon“ zu verwech-
gen, hier sind , die da halten die Gebote Gottes und haben seln.
den Glauben an Jesum. (Off. 11:19 vgl. 14,12) Dieses Volk steht Die Bezeichnung: „Evangelische Freikirche der Siebenten-Tags-
in engem Kontakt mit der Bundeslade und dem Hohenpriester Je- Adventisten“ klingt ökumenefreundlich. Unsere Vorväter des
sus Christus, der neben der Lade steht. Sabbat und Wiederkunft Advbentglaubens haben uns aber nicht: „Evangelical Freechurch
sind das „Markenzeichen“ der Endgemeinde. Dieses Mar- of Seventh-Day-Adventists“ genannt, mit gutem Grund: Wir wa-
kenzeichen soll im American Sentinel aus „missionarischen Grün- ren ja aus all diesen evangelischen Kirchen ausgeschlossen wor-
den“ gestrichen werden. In der Salamanca-Vision wird dies als den und hatten die Botschaft seit dem Sommer 1844 verkündigt:
Versuch gewertet, sich am „Allerheiligsten“, ja an der Bundeslade „Gehet aus von ihr mein Volk! Ihm (dem wiederkommenden
selbst zu vergreifen. (Vgl. 2.Sam. 6:6.7 und Off. 11:19) Herrn) entgegen!“ Hat Gott je vorgehabt, sein Volk erst aus Ägyp-
ten herauszuführen, um es hinterher wieder dorthin zurückzubrin-
II Heutige Gefahren innerhalb der Gemeinschaft der Sieben- gen?
ten-Tags-Adventisten Sollte Christus uns in unserer Adventgeschichte aus dem Babylon
des Protestantismus erst herausgeführt haben, um uns jetzt wie-
Ähnlich wird heute argumentiert, die Sabbatschule müsse nicht der dorthin zurückzubringen?
Sabbatschule heißen, sondern aus kulturellen und missionarischen
Gründen „Bibelschule“2. Der Sabbat als Aushängeschild und Gottes Führung mit seinem Volke wird hierbei ad absurdum ge-
Markenzeichen des Volkes der Dreiengelsbotschaft ist gestrichen. führt. Es ist tröstlich zu wissen, daß Gott sein Volk führt und nicht
Der Sabbat und die Sabbatfeier ist eine Kultur in allen Kulturen. Menschen.
Als eigenständige Kultur wird er von Generation zu Generation Wir haben nichts zu befürchten, außer daß wir vergessen, wie Gott
weitergegeben. Wie unsere Väter, Großväter und Urgroßväter des uns in der Vergangenheit geführt hat.

102
III Gefahren von außen forderung, die Fackel der Adventwahrheit, die sie niedergelegt ha-
ben, zu ergreifen und weiterzutragen. Es wird mich niemand zu
Aus ACK-Kreisen kommt der Vorschlag von katholischer Seite, was schelten haben, um der Ausführung dieses Auftrags willen.
sofort als „Maulkorbprinzip“ erkennbar ist: Im gemeinsamen
Miteinander der Kirchen solle das Prinzip der Urteilsenthaltung bei Aufruf:
bestimmten Glaubensaussagen gelten, die weder verurteilt noch
zurückgewiesen, aber auch nicht übernommen werden. Der Vor- Wer will die Fackel der Adventwahrheit ergreifen und in die Welt
schlag kommt von katholischer Seite.4 hineintragen? Wer will alles, was diese Welt zu bieten hat, für nichts
Die römisch katholische Kirche muß natürlich ein Interesse daran achten? Denn es wiegt weniger als nichts im Vergleich zur Herr-
haben, nicht als das geistliche Rom im Sinne des Antichrists zu lichkeit der Wahrheit jetzt und in Ewigkeit.
erscheinen, der in der Schrift vorhergesagt und beschrieben wird. Wer will es? Wenn nicht du, wer dann? Wenn nicht hier, wo dann?
(Dan. 7:25, Off. 13:1ff) Wenn nicht jetzt, wann denn?
Und der Protestantismus als Sammelbekken unbiblischer Lehren
(zuvor genannt) muß natürlich ein Interesse daran haben, nicht Fußnoten:
als das Babylon der Apokalypse zu erscheinen. Der Dreiengels-
botschaft wird mit einem solchen Urteilsenthaltungs-Grundsatz ein 1 Notes and Papers Concerning Ellen G. White and the Spirit of
Maulkorb verpaßt. Diese Diskussionen finden wohlbemerkt im ACK Prophecy, Ellen G. White Estate General Conference of SDA Wa-
statt. Es wird wohl kaum jemanden geben, der immer noch allen shington D.C.: The Story of the Salamanca Vision, erzählt von A.L.
Ernstes behaupten will, die ACK habe absolut nichts mit der Öku- White, Seiten 239-244.
mene zu tun. Im Umgang miteinander ist auf keiner Seite Unfehl- 2 Studienheft zur Bibel (Sabbatschullektion) 2. Viertel 1994. Einlei-
barkeit zu beanspruchen - die steht allein Gott zu. Ehrlichkeit aber tung: Siehe „Tips und Anregungen“.
in den Fragen des ACK ist oberstes Gebot. Der die ACK Träger 3 Adventistischer Pressedienst (APD) vom 4.3.93
ökumenischer Ideologie ist, kann nicht geleugnet werden. 4 Ökumenische Mitteilungen aus der ACK in Baden-Württemberg
Im ACK kommt ein weiterer Grundsatz zum Tragen: Der Zusam- 1991/92 S. 18
menschluß von Kirchen nach dem Grundsatz gegenseitiger 5 Ebenda, Jahrgang 1993, S. 20
Anerkennung.5 Dabei ist von Lehren die Rede. Die Rolle der 6 Ebenda, Jhg. 89, S. 55
baptisten, die gebeten wurden, auch die Kindertaufe als voll gültig 7 Es ist allgemein bekannt, daß 1929 die Keilschrifttafeln in Ugarit
und nicht wiederholbar anzuerkennen, ist bekannt.6 (Ras-Schamra) gefunden wurden. Aus ihnen erfahren wir etwas
Im Prinzip ist das Nebeneinander von Wahrheit und Irrtum schon über den ugaritischen Pantheon, die Götterfamilie mit Bel, Aschera,
im „Pantheon“ Ugarits angelegt, wo etwa 70 Götter Platz haben.7 Baal, Anath, Aschtoreth und die etwa 70 Götter und Göttinnen, die
Diese Ideologie hat Israel übernommen, als es sich einerseits auf die Aschera dem El geboren haben soll. Das Gebot: Du sollst kei-
den Tempel berief, aber in diesem Tempel außerdem das ne anderen Götter neben mir haben, ist gegen die Pantheon-
Aschtoreth-Bildnis aufstellte, die Geräte des Baal und des Ster- ideologie gerichtet. Einzelheiten über die Religion der Kanaaniter
nenkultes deponierte und am Tempel den Sonnenkult betrieb. (2.Kö- siehe ABC II, S. 39f.
nige 23:4ff vgl. Jer. 7:4) Die Propheten haben dies nicht gelten Auch Siegfried H. Horn, Der Spaten bestätigt die Bibel, Saaatkorn-
lassen wollen. Auch im Pantheon von Athen waren unzählige Göt- Verlag Hamburg, S. 282-283.
ter, und falls einer vergessen worden war, stand dort ein Altar dem Außerdem: The Westminster Historical Atlas to the Bible, Heraus-
unbekannten Gott. geber: G.E. Wright, F.V. Filseen, W.F. Albright, Westminster Press,
In gegenseitiger Anerkennung hatte dort alles Platz, und Paulus Phil. S. 36b.
hätte dort auch ein Christusbild aufstellen können. Irrtum und Wahr- Winfried Stolpmann, Mölln
heit aber läßt Paulus nicht nebeneinander gelten und verkündet
den einen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erden. (Apg. 17:16ff)
Wenn in ökumenischen Strukturen Wahrheit neben Irrtum in ge-
Babylon ist gefallen! Offenb. 14,8
genseitiger Anerkennung bestehen soll, gibt es weder Irrtum noch
Wahrheit - oder die Wahrheit anerkennt den Irrtum als Wahrheit Einstieg: Verschiedene Auffassungen heute und die Notwen-
und macht sich selbst zum Irrtum und führt sich selbst ad absur- digkeit eines klaren Verständnisses von Babylon und dessen
dum. Siebenten-Tags-Adventisten haben in solchen Strukturen Fall.
(ACK), wo derartige Grundsätze herrschen, nichts zu suchen.
Wir würden unsere Identität verlieren, von der wir behaupten, wir In den letzten Jahren verstärkt sich die Unsicherheit bezüglich der
würden sie behalten und einen weltweiten Einfluß haben - der Auslegung von Babylon. Während man im Weltfeld und auch zu
nichtssagend ist. einem großen Teil in den alten Bundesländern heute noch ein kla-
Die Salamanca-Vision E.G. Whites verteidigt die Identität unseres res Verständnis von „Babylon“ und dessen Fall besitzt, gibt es ei-
Adventvolkes. Wir haben es mit dem Zeugnis Jesu zu tun. Es ist nen starken Trend seitens unserer deutschen Führung (einschl.
das Zeugnis Jesu für sein Volk in der Endzeit. (Off. 12:17; 19:10) EUD-Vorstand) und neuer Bundesländer, über „Babylon“ zu spe-
kulieren, obwohl wir deutliche insprierte Aussagen besitzen. Ba-
Persönliches Zeugnis: bylon sei die Welt, hört man es von unseren Kanzeln.
In einer stillen Stunde saß ich allein am Meer und blickte gedanken- Oder man verlegt den Fall Babylons in die Zukunft, und versucht
versunken in die Unendlichkeit. An meinem Auge zogen alle hier auf adventistische Weise nach dem Muster des Futurismus
Bannerträger der Adventwahrheit an mir vorüber. Ich sah sie deut- (der Antichrist kommt erst in der Zukunft) diese für Kirchen anstö-
lich vor Augen und erlebte sie wieder in Erinnerung, wie sie mich ßige Wahrheit zeitlich weit wegzuschieben. Dafür gibt es auch gute
vor vielen Jahren in der Bibel unterwiesen. Die meisten von ihnen Gründe. So schreibt z.B. Holger Teubert, Leiter der Zentralstelle
ruhen schon im Grabe. Da ergriff es mich im Sinne einer Auf- für Apologetik der Gemeinschaft der STA in Deutschland in sei-
103
nem Referat „Warum Kontakte der Gemeinschaft der Siebenten- Patriarchen und Propheten“, S. 96 das richtige Verständnis:
Tags-Adventisten zu anderen Kirchen und Freikirchen und öku- „Der Sinn dieses Unternehmens war, kleine, verstreute Ansied-
menischen Gremien (vom 3.8.93) auf S. 9: „Daher sollte mit ande- lungen zu verhindern. Gott hatte den Menschen geboten, sich über
ren Kirchen zusammengearbeitet werden, soweit dadurch keine die ganze Erde auszubreiten, sie zu füllen und sich untertan zu
Glaubensgrundsätze aufgegeben werden mußten, denn der Fall machen. Aber die Erbauer von Babel wurden sich einig, beiein-
Babylons liegt noch in der Zukunft.“ ander zu bleiben und ein Reich zu gründen, daß schließlich die
ganze Erde umfassen sollte. Solche Herrlichkeit mußte der gan-
Da unsere Gemeinschaft der STA in Deutschland außerordentli- zen Welt Bewunderung und Huldigung abnötigen und sie berühmt
ches Mitglied bzw. Gastmitglied in der deutschen Ökumene (ACK) machen. Der bis in den Himmel aufstrebende großartige Turm sollte
geworden ist, und der Ostdeutsche Verband schon viele Jahre als ein Denkmal der Macht und Weisheit seiner Erbauer gelten und
Beobachter im AGCK tätig war, ist verständlich, daß man die Kir- ihren Ruhm bis zu den fernsten Geschlechtern weiterleben las-
chen, mit denen zusammengearbeitet wird, nicht als das gefallene sen.
Babylon sehen will. Denn wie kann man mit Babylon an einem Die Bewohner der Ebene Sinear zweifelten an der Bundesver-
Tisch sitzen und außerordentliches Mitglied des gefallenen Baby- heißung, daß keine Flut wieder über die Erde kommen werde. Vie-
lons sein, wäre die berechtigte Frage aller Glaubensgeschwister. le bestritten nachgerade das Dasein Gottes und machten natürli-
che Ursachen für die Flut verantwortlich. Andere glaubten noch an
Die Fragen also, was ist Babylon und ist es schon gefallen, sind für ein höheres Wesen, das die vorsintflutliche Welt vernichtete, aber
uns als STA von ausschlaggebender Bedeutung. Darüber müssen sie begehrten dagegen auf wie einst Kain. Jene Leute hatten bei
wir Klarheit haben, um unseren Verkündigungsauftrag (2. Engels- der Errichtung des Turmes auch ihre Sicherheit im Auge, falls doch
botschaft) als Endzeitgemeinde erfüllen zu können, und um nicht wieder eine Sintflut käme. Sie wollten den Bau weit höher ausfüh-
die Plagen Babylons womöglich selbst zu empfangen, weil wir Anteil ren, als eine Wasserflut damals gestiegen war, und damit glaubten
an dessen Sünden haben. sie, alle Gefahren gebannt zu haben. Und da sie es für möglich
Im ersten Teil wollen wir uns besonders mit dem Namen „Babylon“ hielten, im Turm bis in die Wolken zu steigen, hofften sie, die Ursa-
beschäftigen - was er bedeutet und worauf er anzuwenden ist. Im che der Sintflut feststellen zu können. Das ganze stolze Unterneh-
zweiten und dritten Teil geht es besonders um den Fall Babylons, men war dazu bestimmt, den Ruhm seiner Erbauer zu mehren
wobei zuerst die inspirierten Vorhersagen über den Fall aufgezeigt sowie künftige Generationen von Gott abzulenken und zur Abgöt-
werden und anschließend die Erfüllung dargelegt wird. terei zu verführen.
Als der Turm teilweise fertiggestellt war, benutzte man einige Räu-
1. Babylon, die große Stadt me als Wohnung. Andere prächtig eingerichtete und ausge-
schmückte Gemächer weihten sie ihren Göttern. Alle freuten sich
Zunächst wollen wir kurz auf einige biblische Aussagen über Ba- über ihren Erfolg, priesen die silbernen und goldenen Götzen und
bel oder Babylon eingehen, um zu erfahren, was mit diesem Na- erhoben sich gegen den Herrscher des Himmels und der Erde.“
men zusammenhängt, um dadurch eine Grundlage zu besitzen,
warum in der Offenbarung des Johannes die Stadt Babylon als Über den Ausgang dieses gegen Gott gerichteten Unternehmens,
Symbol abgefallener Kirchen verwendet wird. berichtet uns die Schrift, einleitend mit der Aussage Gottes:
„Wohlauf, laßt uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren,
1.1 Die Geschichte der Stadt Babylon daß keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der
Herr von dort in alle Länder, daß sie aufhören mußten, die Stadt
1.1.1 Babel, von Nimrod erbaut (1.M.10,8-12) zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst ver-
wirrt hat aller Länder Sprache und sie dort zerstreut hat in alle
Die erste Erwähnung über Babel finden wir schon sehr früh in 1. Länder.“
Mose 10,10. Babel wurde als erste Stadt von Nimrod, dem Enkel
Hams (vgl. V. 1.6.8), erbaut. Von Nimrod wird in Vers 8 gesagt, daß Ellen White wendet diese Begebenheit im gleichen Buch auf S. 99f
er der erste war, der „Macht gewann auf Erden“. Nimrod ist das folgendermaßen an:
erste Haupt eines Königreichs (zunächst Babel), das in der Bibel „Der Turmbau zu Babel endete beschämend für seine Erfinder,
erwähnt wird. Er verwandelte die patriarchalische Gesellschaft in und die Reste ihres stolzen Unternehmens blieben zur Erinnerung
eine Monarchie, in ein Imperium. an ihre Torheit erhalten. Doch die Menschen gehen immer wieder
Die Ausübung von Macht tritt uns hier in seiner Urgestalt entgegen. denselben Weg: sie wollen unabhängig sein und weisen darum
Das Streben nach einer „Weltregierung“ unter dem willkürlichen Gottes Gesetz zurück. Die gleiche Absicht Absicht verfolgte Satan
Gesetz des Monarchen oder einer Führungsschicht, ist im Ansatz im Himmel. Sie beherrschte auch Kain, als er sein Opfer darbrach-
erkennbar. Babel ist das erste erwähnte Machtzentrum, die erste te...
Stadt des Reiches Nimrods. In der vorgeblich christlichen Welt wenden sich viele von den kla-
ren biblischen Lehren ab und bauen sich ein Glaubensbekenntnis
1.1.2 Turmbau und Sprachenverwirrung (1.M.11,1-9) aus menschlichen Überlegungen und gefälligen Unwahrheiten auf,
auf das sie als den Weg zur Seligkeit hinweisen. Sie lauschen de-
Im Lande Schinar wollten sich die Menschen einen Turm bauen nen nur zu gern, die mit Beredsamkeit lehren, daß die Übertreter
und sprachen: „Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bau- nicht umkommen müssen und daß man die Seligkeit auch ohne
en, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Gehorsam gegen das Gesetz Gottes erlangen könne. Wenn aber
Namen machen; denn wir werden sonst verstreut in alle Länder.“ die angeblichen Nachfolger Christi den göttlichen Maßstab anleg-
(1.M.11,4). ten, kämen sie alle zur Übereinstimmung. Aber solange sie mensch-
Über die Absichten und Gründe, den Turm in Babel zu bauen, was liche Weisheit über sein heiliges Wort stellen, werden Trennung
die Bibel nur kurz wiedergibt, öffnet uns Ellen White in ihrem Buch und Zwiespalt bestehen bleiben. Die Bibel bezeichnet die verwir-

104
rende Vielfalt der Glaubensbekenntnisse und Gefolgschaften tref- hatte den Tempel zerstört - was Gott mißfiel (Jer. 50,28; 51,11),
fend mit dem Ausdruck ´Babylon‘, den der Prophet auf die weltlie- und begingen viel Bosheit an Zion (Jer. 51,24). Schließlich mußte
benden Kirchen der letzten Zeit anwendet.“ Gott die große Feindin seines Volkes durch andere Völker vernich-
ten.
Zusammenfassend finden wir beim Turmbau zu Babel als mar-
kannten Punkt die Sprachverwirrung der Götzenanbeter, die ein 1.3.2 Deckname für Rom
trefflicher Hinweis auf die vielen und unterschiedlichen, sich selbst
widersprechenden Lehren der abgefallenen Christenheit sind. In 1. Petr. 5,13 benutzt Petrus den Namen Babylon als Sinnbild für
Rom. Und so lesen wir in der Sabbatschullektion II/1980 auf S. 68:
1.1.3 Weltstadt Babylon „In jüdischer und christlicher Literatur des ersten Jahrhunderts war
es durchaus üblich, sowohl die Stadt Rom als auch das römische
Über die Weltstadt und das Weltreich Babylon bzw. Babel finden Reich mit dem Geheimwort Babylon zu bezeichnen.“
wir sehr viele Aussagen in der Bibel, besonders in Daniel, Jesaja
und Jeremia. Seine Blütezeit erlebte Babylon unter Nebukadnezar, Hier haben wir im Neuen Testament den ersten Hinweis, Babylon
und Gott stellte es als goldenes Haupt über alle folgenden irdi- symbolisch zu verstehen.
schen Weltreiche dar.
Babylon, Sitz des Gottes Marduk, des „Herrn des Himmels und 1.3.3 Protestantische Kirchen seit 1844 (Offb. 14,8)
der Erde“, war ein religiöses Zentrum ohnegleichen: 53 Tempel,
955 Heiligtümer und 384 Straßenaltäre soll es nach einer aus Den Begriff Babylon in der Offenbarung finden wir erstmals in Offb.
Nebudkadnezars Zeit stammenden Keilschrifttafel dort gegeben 14,8:
haben. Wenn man bedenkt, daß Assur, eine der wichtigsten Städ- „Und ein zweiter Engel folgte, der sprach: Sie ist gefallen, sie ist
te Assyriens, nur 34 Tempel und Kapellen besaß, so erwies sich gefallen, Babylon die große Stadt; denn sie hat mit dem Zorneswein
die Euphratmetropole nicht nur als die stärkste, sondern auch als ihrer Hurerei getränkt alle Völker.“
religiöseste Siedlung des Orients (entnommen aus: Hans Heinz,
zeiten, reiche und regenten, S. 69ff). Dazu heißt es auf der gleichen Seite der zuletzt zitierten Sabbat-
schullektion (II/1980):
Somit haben wir hier mit Babylon ein markantes Sinnbild großer „Da Babylon aber längst in Trümmern lag, als Johannes die Offen-
und vielfältiger Religiosität. Aber der Gott des Himmels wurde ähn- barung schrieb, kann sich seine Beschreibung nicht auf das einsti-
lich wie beim Turmbau zu Babel, von dessen letzten Regenten, ge Babylon beziehen. In der Offenbarung hat der Begriff ´Babylon`
Belsazar, verachtet und gelästert, worauf das Menetekel folgte und somit symbolischen Charakter. Erstmals wird er in der Botschaft
Babylon unterging. des zweiten Engels genannt und dann noch fünfmal erwähnt (Offb.
14,8;16,19;17,5;18,2.10.21).“
1.2 Der Name „Babylon“
Da die katholische Kirche viele Irrlehren aus dem Heidentum auf-
1.2.1 Der hebräische Ausdruck (1.M.11,9) nahm, herrschte Verwirrung, fanden viele widersprüchliche Aus-
sagen und Lehren aus dem Heidentum Eingang in die Kirche. Im
Dazu lesen wir in der Sabbatschullektion 3/89 auf S. 44: geistlichen Rom herrschte nun babylonische Verwirrung und Feind-
„Nach 1.Mose 11,9 bedeutet Babel Verwirrung. Für die Hebräer schaft gegen die, die nach dem Wort Gottes lebten und an den
leitete sich der Name offenbar von dem hebräischen Verb für ´ver- Lehren der Heiligen Schrift festhielten. Gott wurde durch den Anti-
wirren` = balal ab. Möglicherweise stammte der Name Babel von christen verlästert und diktatorische Macht ausgeübt. Hier finden
dem babylonischen Wort balalu, was ´zerstreuen` oder ´verschwin- wir alle Merkmale des Alttestamentlichen Babylons wieder: große
den` heißt. (Vgl. ABD, 108.109.)“ Macht über andere, Götzenanbetung und Verwirrung, sowie Feind-
schaft und Verfolgung gegen Gottes Volk. Sehr lebhaft und anschau-
1.2.2 Die chaldäische Bezeichnung lich wird das Papsttum in Offb. 17,3-6 geschildert und als Babylon
bezeichnet. Schon in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten
Auf der gleichen Seite der Lektion heißt es: wurde die Kirche zu Babylon.
„Im Babylonischen bedeutete der Name Bab-ilu (Babel oder Baby-
lon), Tor der Götter` ... Von Abfang an war die Stadt dafür bekannt, Aber das Babylon in Offb. 14,8 steht in einem ganz bestimmten
daß die Bevölkerung nicht an Gott glaubte und seinem Willen trotz- Zusammenhang und kann sich deshalb nicht auf das päpstliche
te... Der Turm zu Babel war ein Wahrzeichen für Gottlosigkeit, eine System und dessen Irrlehren beziehen. Diese Aussage ist Teil der
Festung der Rebellion gegen Gott.` (ABC VII, 828.829.)“ sogenannten dreifachen Engelsbotschaft, die erst Anfang des 19.
Jahrhunderts verkündigt wurde und auf das Gericht im Himmel
1.3 Die bildhafte und symbolische Bedeutung Babylons hinwies. Das Untersuchungsgericht, worauf der erste Engel hin-
weist, begann im Oktober 1844. Die Erwählung der Adventboten,
1.3.1 Feind des altestamentlichen Volkes Gottes die diese dreifache Botschaft verkündigen sollten, finden wir in Offb.
10. Auch hier kommen wir in die letzte Zeit, in der das Buch Daniel
Babylon gilt in geschichtlicher wie symbolischer Hinsicht seit lan- entsiegelt und die Erwartung der Adventisten enttäuscht wurde.
gem als der Feind der Wahrheit und des Volkes Gottes. Zunächst Aber sie sollten aufs neue weissagen und somit die dreifache
berief Gott Babylon als Kriegswaffe zur Strafe für Israel und gegen Engelsbotschaft der Welt verkündigen.
andere Völker (Jer. 51,20-23), aber Babylon übertrieb es, handelte Dies mag genügen, denn es ist nicht Aufgabe dieses Referates,
stolz gegen Gott (Jer. 50,29), tat den Israeliten und Juden Unrecht näher auf die soeben festgestellten Tatsachen einzugehen, die
und Gewalt an, und wollte sie nicht wieder los lassen (Jer. 50,33), offizieller Bestandteil unserer Adventbotschaft sind.
105
Als im Jahre 1844 die baldige Wiederkunft Christi mit großem Eifer 1.3.4.2 Die Hure Babylon auf dem Tier (Offb. 17)
von einer gewaltigen prophetischen Erweckungsbewegung in Nord-
amerika verkündet wurde, wehrten sich viele Kirchen und Gemein- Die Deutung der Hure Babylon
schaften dagegen. Obwohl sie einerseits die Schriftauslegung der
Adventbewegung nicht widerlegen konnten, und andererseits auf In geistlicher Hinsicht stellt eine Hure ein religiöses System dar,
ein tausendjähriges Friedensreich hofften, verharrten sie im Un- das geistlichen Ehebruch mit dem Herrn dieser Welt treibt. Ellen
glauben und hielten an den falschen, ihnen widerlegten Irrlehren White beschreibt dies im Großen Kampf, S. 384 wie folgt:
fest. Es kam so weit, daß die verschiedenen Kirchen die Advent- „In Offenbarung 17 wird Babylon als Weib dargestellt. Dies ist ein
gläubigen, auch Milleriten (nach dem Vater dieser Bewegung: Bild, dessen sich die Bibel als Symbol einer Gemeinde bedient,
William Miller benannt) genannt, ausschlossen. Zu dieser Zeit pre- und zwar versinnbildet ein tugendhaftes Weib eine reine Gemein-
digte Charles Fitch die Botschaft aus Offb. 14,8. de und ein gefallenes Weib eine abtrünnige Kirche.“
Schon die falschen Lehren dieser vielen Kirchen und Gemein-
schaften weisen sie als Babylon aus, aber auch der widergöttliche In Offenbarung 17,5 wird das große Babylon als Mutter der Hure-
Geist und die Intoleranz wurde bei den protestantischen Kirchen rei bezeichnet, wie ist das zu verstehen? Hierzu schreibt Ellen White
Nordamerikas in der Ablehnung der Wahrheit deutlich. Sie hielten im gleichen Buch auf S. 385f: „Die Macht, die so viele Jahrhunder-
nicht nur an ihren althergebrachten Unwahrheiten fest, sondern te hindurch unumschränkt über die Fürsten der Christenheit ge-
verkündigten diese weiterhin. herrscht hat, ist Rom. Purpur und Scharlach, Gold, Edelstein und
Perlen schildern lebhaft die Pracht und das mehr als königliche
1.3.4 Der religiöse Dreierbund Babylons (Offb. 16-18) Gepränge, das der anmaßende römische Stuhl zur Schau trägt.
Von keiner andern Macht konnte man so sehr mit Recht sagen,
1.3.4.1 Die dreigeteilte Stadt (Offb. 16,13.19) daß sie trunken war von dem Blut der Heiligen, wie von jener Kir-
che, welche die Nachfolger Christi auf so grausame Weise verfolgt
Schon beim Studium von Offb. 13 (1.Tier, 2. Tier und Bild) und erst hat. Babylon war ebenfalls der Sünde der gesetzwidrigen Ver-
recht bei der Betrachtung von Offb. 16, 13.19 wird deutlich, daß bindung mit den ´Königen auf Erden` angeklagt. Babylon wird ´die
das große Babylon in dieser letzten Zeit aus mehreren Hauptteilen Mutter der Hurerei` genannt. Unter den ´Töchtern` müssen Kir-
besteht, die wiederum teilweise in kleinere Einheiten zerlegt wer- chen zu verstehen sein, die ihre Lehren und Überlieferungen festhal-
den können - in Konfessionen und Religionen. Dazu lesen wir in ten und ihrem Beispiel folgen, indem sie die Wahrheit und das
der Sabbatschullektion 3/89 auf S. 70: „Das große Babylon be- Wohlwollen Gottes darangeben, um eine gesetzwidrige Verbindung
zeichnet in besonderem Sinne die vereinigten abgefallenen Reli- mit der Welt einzugehen.` (GK 385)
gionen in der Endzeit.“ (ABC VII, 851.) Worauf bezieht sich die zweite Engelsbotschaft über den Fall Ba-
bylons genaugenommen? [Jean Zürcher, Lektionsschreiber]
In Offb. 16, 13 werden die drei Hauptmächte, aus denen sich Ba- ´Viele protestantische Kirchen folgen Roms Beispiel der schrift-
bylon zusammensetzt, kurz vorgestellt: widrigen Verbindung mit den ´Königen auf Erden‘ - die Staatskirchen
„Und ich sah aus dem Rachen des Drachen und aus dem Rachen durch ihre Beziehung zu den weltlichen Regierungen, und andere
des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei un- Gemeinschaften, indem sie die Gunst der Welt suchen. Der Aus-
reine Geister kommen, gleich Fröschen.“ druck Babylon (Verwirrung) mag mit Recht auf diese Gemeinschaf-
Im adventistischen Bibelkommentar (ABC, VII, S. 844) wird unsere ten angewandt werden, da alle bekennen, ihre Lehren der Heili-
Sicht als STA wie folgt dargelegt: In dem Symbol des Drachen se- gen Schrift zu entnehmen, und doch in fast unzählige Sekten und
hen wir den Spiritismus oder das Heidentum. Das Tier ist das 1. Gruppen zersplittert sind mit weit voneinander abweichenden Glau-
Tier aus Offb. 13,1 und versinnbildet das Papsttum oder den Ka- bensbekenntnissen und Lehren.“ (Sabbatschullektion II/80 S. 69,
tholizismus. Der falsche Prophet ist identisch mit dem 2. Tier in GK 386)
Offenbarung 13 und bezieht sich auf den abgefallenen Protestan-
tismus. Das Tier, auf dem die Hure Babylon reitet

Offenbarung 16,19 berichtet, daß die große Koalition Babylon wie- Tiere versinnbilden gewöhnlich politische Mächte (vgl. Dan. 7,17;
der in drei Teile zerfällt, und somit dieser satanische Dreierbund 8,3.20f) und so lesen wir im ABC, VII, S. 851: „Der wichtigste Un-
aufgelöst wird. terschied zwischen dem Tier aus Offenbarung 13 und dem Tier
aus Kapitel 17 besteht darin, daß bei dem zuerst genannten, das
Das letzte große Babylon, das Gott vernichten wird, bezeichnet als das Papsttum gilt, kein Unterschied zwischen den religiösen
also falsche Religionssysteme und deren Führungsschicht, die wir und politischen Aspekten päpstlicher Macht gemacht wird. Beim
im Katholizismus, Protestantismus und Spiritismus finden, deren Tier aus Kapitel 17 dagegen ist der Unters