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Ton-Nachschrift der SENDEREIHE „DAS EXPERIMENT ZUKUNFT“

Westdeutscher Rundfunk – Kulturelles Wort

Fünfte Sendung „Die Zukunft der Technik“ - Wer programmiert die Technologie?

Beiträge:

Werner Holste
Vorstandsvorsitzender Volkswagenwerke Wolfsburg

Claus Koch
Publizist, Chefredakteur Zeitschrift ATOMZEITALTER, Düsseldorf

Peter Menke-Glückert
Head Science Ressources Division OECD Paris

Sonntag, 12.Mai 1968 WDR – III. Programm 17.30 - 18.30 Uhr


Redaktion Dr. Ingo Hermann

Originalton: Einführung durch Dr. Hermann / WDR

„ … in Kybernetischen Utopia werden selbst die Lernprozesse des Menschen nicht mehr vorstellbar
sein ohne die schneller und genauer denkende Maschine Computer, das Gehirn des elektronischen
Zeitalters. Der Weg zur „informierten Gesellschaft“ scheint dabei schnurstracks geradeaus zu
gehen. Überschaubar und ohne Überraschungen. Man kann genau berechnen, zu welchem Zeitpunkt
man an irgendeiner voraussehbaren Station dieses Wegen angekommen sein wird. Der kritische
Beobachter wird dabei das Gefühl nicht los, die Gesellschaft schaue auf die Zukunftsentwicklung
der Technik wie das Kaninchen auf die Schlange. Viele technologische Entwürfe erwecken den
Eindruck als entfalten sich weltweite Computer-Netze aus sich selbst heraus wie ein unaufhaltsamer
Prozess, den man allenfalls beschleunigen oder verlangsamen, aber niemals mehr aufhalten kann.
Dabei gilt weiterhin, technologische Entwicklungen der Zukunft werden von Interessen, Visionen,
Politik-Trends der Gegenwart beeinflusst.

Originalton Menke-Glückert

Die Stellung von Wissenschaft und Forschung hat in den Jahrzehnten nach Ende des Zweiten
Weltkrieges tiefgreifenden Wandel und gewaltige Aufwertung in allen Lebensbereichen erfahren.
Tatsache Atombombe hat jedermann gigantisches Macht- und Zerstörungspotenzial - einzigartig in
der Menschheitsgeschichte – schlagartig bewusst gemacht. Transformation wissenschaftlicher
Entdeckungen in Technologien, Groß-Organisationen, Apparaturen, in ganze Auto-Stadt-
Landschaften - vor allem aber in teuflische Waffen-Systeme – erschüttert überkommene Staaten-
Welt und Zivilisation in den Grundfesten. Mensch und Natur-Grundlagen sind tödlich bedroht. Die
Menschheit ist buchstäblich in der Lage sich selbst auszulöschen. Dabei ist längst“ nicht mehr der
Krieg Ernstfall – sondern Bewahren des Weltfriedens.“ Wie – in Antwort auf Hitler-Barbarei - im
Grundgesetz in Artikeln 23, 24,25, 26 als deutsche Staats-Räson festgeschrieben.

Der unaufhaltsame Siegeszug der Groß-Macht Wissenschaft – ganz „wider ihren Willen“ (Bundes-

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Forschungsminister Leussink) begann in Amerika.

Die in den USA eingeleitete und im letzten Jahrzehnt ungeheuer beschleunigte Entwicklung neuer
Technologien war im wesentlichen die Antwort auf militärische Herausforderungen des „Kalten
Krieges“. Mit SPUTNIK-SCHOCK für Amerikaner und damit einhergehender Militarisierung des
Weltraumes und Weiterentwicklung Atom- und Weltraum-Waffen.

Der Bau der Atombombe 1943 – 1945 in Los Alamos/Nevada war das erste Modell eines neuen
Forschungsstils, der als durchgeplante und minutiös durchorganisierte GROSS-FORSCHUNG das
Gesicht der Wissenschaft völlig verändert hat. In einer in der Weltgeschichte bisher nicht gekannten
Zusammenballung von Wissenschaftlern und apparativer Ausstattung wird nach von militärischen
Denkfabriken genau vorgegebenen Zielen/goals, milestones mit Methoden der Systemforschung –
PPBS/Programming-Planning-Budgeting-System erzielt. In PlanZeit muß ein exakt vorab
definiertes Ergebnis erreicht werden. Modell der General-Stratege in Feldzugvorbereitung im
Sandkasten seit Jahrhunderten schon.

Dabei gewinnt das gewünschte Ergebnis – bei striktem Einhalten des vorgegebenen Zeitplans -
Priorität gegenüber Verfolgen anderer – etwa für Grundlagenforschung – auch forschungs-
interessanter Fragestellungen. Wissenschaft wird nicht mehr um ihrer selbst willen betrieben,
sondern zum Erreichen bestimmter Zwecke, meist miltärpolitischer. Gegen bisheriges
Wissenschafts-Ethos und gänzlich unvorbereitet ist Wissenschaft in einen neuen Aggregat-Zustand
eingetreten – in BIG SCIENCE. Dieser neue Zustand (schon von Max Weber vorausgeahnt) gibt
Wissenschaftlern ganz neuen Polit-Stellenwert. Demonstriert vor allem in enger Verflechtung von
Forschung und Rüstung. Der Strategie-Begriff militärische Sicherheit ist verändert und erweitert.

Auch „egg heads“ gehören zum Rüstungs-Potenzial als unentbehrlicher Bestandteil nationaler
Verteidigungs-Strategien. Mehr als acht Zehntel aller in der Welt lebenden Wissenschaftler arbeiten
entweder in USA und NATO-Staaten oder in der Sowjetunion. Für Oppenheimer, den Haupt-
Manager Los Alamos „haben Wissenschaftler mit Bau der Atombombe die Sünde kennen gelernt“.
Viele ehemalige Atom-Bomben-Bauer wie Linus Pauling oder Sacharow wurden zu Friedens-
forschern im Bewußsein ihrer „Kriegs-Sünden“.

Die enge Verflechtung von Groß-Forschung und Rüstung angesichts immer kostenintensivererer
und komplizierterer Waffensysteme zwang zuerst im militärischen Bereich zu konsequenten
Technologie-Planung - später mit gleicher Tendenz folgten Infrastruktur- und andere vom Staat und
Kommunen dominierte Aktionsfelder. In solcher Planung wird Zukunft in dynamisch-
kybernetischen Modellen simuliert, vorabgeschätzt. Entscheidungs-Situationen werden - wie bisher
in nur in Militär-Strategischen Kriegsplänen- minutiös vorausberechnet. Seit John von Neumann`s
und Oskar Morgenstern`s Buch Spieltheorie und wirtschaftliches Verhalten (1943) wird der
Strategie-Begriff seit Los Alamos auch in breit-nicht-militärischem Sinn gebraucht. Von Marketing-
Strategien bis hin zu makroökonomischen Global-Modellen systematischer Märkte-Eroberung.

Seit kurzer Zeit aber auch als Gegenentwurf zu Kriegsplanung und Atomrüstung im Konzept
Friedens-Strategien, Rüstungs-Kontroll-Gesetzen, Entwürfen UNO-Nicht-Weiterverbreitungs-
Verträgen von Atomwaffen. Alles Entscheidungshilfen für Abrüstung, Friedensplanung, Umwelt-
Probleme lösende UNO-Erd-Politik. Aus Militär-Praxis und -Denken übernommene Methoden und
„tools“ helfen heute Wirtschaft und Politik ihre Entscheidungen besser vorzubereiten.

Militärs planen in Stufen technologischer Vorhaben – „missions“ – mit Methoden der System-
Analyse, Kybernetik, Netzwerkplanung und Computer Simulation. Alle Begriffe, Modelle,

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Strategien heutiger Planungs-Theorien stammen ursprünglich aus der Militär-Sprache und
Denkweise. Mit der Folge der alle Militär-Bürokratie eigenen Umständlichkeit, abstrakten Strenge
und zivilen Verfremdung soldatischem „Command-Control“. Zur Karikatur erstarrt im
Wilhelminischen „Hauptmann von Köpenick“.

Schon im Mittelalter war „Mutter“ - vor allem europäischer Herrschafts-Formen - Verwaltungs- und
Finanz-Bürokratie des Feldheeres. Von autoritärer Kommando- Struktur des Heerwesens bis zu
Amts-Ritualen. Erster Außenminister war Protokollchef am Kaiserlichen Hof – als Kammer-Herr
und Mund-Schenk zuständig für Sitz- und Tischordnung, Speisefolge, Betreuung wichtiger
Staatsgäste. Modell-Geber des ersten Justizministers war der Profoss des Heeres, erste
kontinuierlich arbeitende Finanzbehörde war die Intendantur des Heeres (nach Otto Hintze, Militär-
und Verwaltungs-Historiker mit seinen Klassikern „Beamtentum und Bürokratie“ und „Staat und
Verfasssung“).

Zu solcher Struktur-Verwandtschaft staatlicher und militärischer Organisation in kontinental-


europäischen Ländern kam in den 1940er Jahren in den USA Rüstungs-Gesteuerte Großforschung
mit technik-getriebener Plan-Bürokratie.

Dieses forschungszentrierte Modell amerikanischer Rüstungswirtschaft hat dann – als Teil des
„Kalten Krieges“ mit atomarem Patt- in den 1950er und 1960er Jahren den entscheidenden
Förderungs-Schub für forschungsintensiven Industriezweige und moderne Technologien gegeben.
Sie ist zum Stabilisierungsfaktor für Technolgie-Nachfrage in der amerikanischen Industriekultur
geworden, mit Folge „technologischer Lücke“ – TECHNOLOGICAL GAP – zwischen
technikbasierten Industriezweigen Europas und Amerikas. Ohne solch gewaltige Rüstungs-
Förderung hätte die amerikanische Technologie-Maschine nicht ihren heutigen Leistungsstand
erreicht. Beispiele sind Flugzeugbau, Elektronik, Computer, wissenschaftlicher Instrumentenbau,
Chemie, Weltraumtechnologie. Einige amerikanische Firmen - auch wegen internationaler
Verflechtung - fürchten inzwischen zu starke Abhängigkeit vom Verteidigungshaushalt und trennen
stärker militärische von zivilen Aufträgen.

Rüstungstechnologien sind Blaupause, haben Modell gestanden für die in USA viel zitierte – in
Europa von Vielen beklagten und befürchteten – künstlich-virtuellen Computer-Welten
automatischer Industriekomplexe, Laboratoriums- und Wissenschafts-Städte, wie auch in Japan
oder Sowjetunion, sowie ständig neuer Planungszentren, Denkfabriken, Riesen-Datenbanken. Kritik
wird auch in den USA an Selbstläufigkeit der Rüstungs-Technologien geübt. Kritik an unterkühlt
computerhaftem Denken in RAND Corporation, MIT, SRI, Systems-Development, Harvard
Business School.

Doch Vorsicht vor pauschaler Technik-Schelte! Angst und Innovations-Scheu ist kein guter
Ratgeber. Der Mensch als naturbegabtes Naturwesen war immer auch HOMO FABER. Technik und
erfindungsreicher Tüftler und Bastler. Häufig, um einfach zu überleben in und nach
Naturkatastrophen, Wetter-Unbill, Eiszeiten, Sturmfluten. Oft erschließen sich prähistorische
Frühkulturen nur aus gefundenen technischen Konstrukten – wie Faustkeil, Rad, Pflug.

Alle Diskutanten hier sind sich einig – in Übereinstimmung mit OECD-Analysen zu techno-
logischen Lücken West-Europas - der Weg in nachindustrielle Informations- und Wissens-
Gesellschaft ist unumkehrbar. Diese Computer-Welt zeichnet sich aus durch drei MegaTrends:

− Tendenz zu quantitativer Sättigung und Übersättigung mit Produkten, Dienstleistungen,


Informationen, „pollution d`information“/InformationsVerschmutzung durch Vertausend-

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fachung der Kommunikations-Dichte und -Dauer-Präsenz

− Tendenz zur exponentiellen Beschleunigung zivilisatorisch-demographischer und


technologischer Wandlungen einschließlich all ihrer sozialen und Umweltkonsequenzen

− Tendenz zu globalem Zusammenwachsen der Welt in einer Schicksals-Gemeinschaft mit


immer größer werdenden Abhängigkeit von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik in
gigantischen Netzwerken

Amerikas Wissenschaftler - von Oppenheimer über Morgenstern, Kenneth Boulding, John McHale,
Hazan Osbekhan, zu Linus Pauling - haben im übrigen nicht nur Waffensysteme entworfen, sondern
zugleich ein Fülle von Ideen, Strategien, sozialen Innovationen entwickelt, um das „apokalyptische
Tier KRIEG“ in intellektuelle Fesseln zu legen. Eben weil sie mit Bau der Atombombe“ die Sünde
kennen gelernt“ (Oppenheimer). Sie haben dabei die neuen Disziplinen future research,
environmental design und peace research mithilfe des „systems approach“ zur Planung
nachökonomischer Wissensgesellschaft kreiert, die auf jeden Fall in einigen Bildungseinrichtungen,
wie Uni Berkeley oder dem St Barbara Center for Democratic Institutions in Kalifornien, bereits
Realität wird. Nach Auffassung der US Commission für Technologie, Automation und technischen
Fortschritt 1966 „ können die durch die neuen Informations-Techniken ausgelösten Wandlungen
und Zwänge nicht mehr überwiegend den Kräften des Marktes überlassen bleiben. Strukturelle
Weichenstellungen der Politik sind vor allem in allen Bildungseinrichtungen unerlässlich.“ Manche
Marxisten könnten sich - zu Unrecht- in ihren Thesen vom baldigen Ende des Kapitalismus
bestätigt sehen“. Tatsache ist, dass von IBM bis zu RAND Corporation, von National Academy of
Science bis zu MIT, Kongress-Ausschüsse und Regierungsstellen gemeinsam das nachökono-
mische, nachindustrielle Computer-Zeitalter vorausschätzen und planen.

Der Sicherheits-Berater des amerikanischen Präsidenten Zbigniew Brzezinski spricht von einem
auf uns zukommenden „technotronic age“, andere vom „age of globalisation“. Auf jeden Fall
werden in Zukunft Wettbewerbsvorsprünge erreicht werden durch intelligente Einführung,
Handhabung und blitzschneller wirtschaftlicher Umsetzung neuer elektronischer Produkte und
Dienstleistungen. Ebenso wird von ihrer technotronischer Kompetenz zukünftiges politisches
Gewicht der Staaten und Großfirmen bestimmt werden. Auch internationale Firmen-
Zusammenschlüsse werden zunehmen. Neben den National-Staaten werden nach Ray
Vernon/Harvard internationale Großkozerne mächtiger als viele Staaten sein, was Umsatzgröße und
politischen Einfluß anbelangt - als „second track“/Zweitspur der Politik neben gewohnter
internationaler Diplomatie oder UNO-Aktivitäten.

Alle entwickelten Industriegesellschaften der Welt stehen heute vor den gleichen Problemen:
wachsender Bevölkerung mit ständig steigenden Wohlstand-Ansprüchen und Konsum-
Gewohnheiten, maßlosen Energieverbrauch auf Öl-Basis. Überall gibt es zugleich Anzeichen für
unerwünschte Nebenfolgen wachsenden Wohlstands – „social costs“, die in Sozialprodukt-
Berechnungen nicht erscheinen: Verschmutzte Luft und Gewässer, Verödung und Verfall der
Großstädte in ihren „bidonvilles“/ verarmten Slum- und Elendsvierteln, zunehmende Weltarmut,
Versteppung in Afrika, Zersiedlung und Asphaltierung von Naturlandschaften in Europa und
Amerika, Destabilisierung Weltklima, Tropenwald-Vernichtung.

Amerikaner sprechen von „environmental deteriation“ seit Präsident Teddy Roosevelt zu Beginn
des 20. Jahrhunderts und seiner Kampagne für nature conservation. Eine der Gründe für Umwelt-
Katastrophen ist Verflachung und Verengung politischer Denkstile auf Konsum-Wachstum um
jeden Preis – angefeuert durch umweltblinde Werbung, standardisierte Massenkommunikations-

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mittel, zunehmende Hilflosigkeit und Unsicherheit der Verbraucher gegenüber allen diese
„technological fixes“- Sigmund Freud, Erich Fromm oder Mitscherlich haben diese neuen
Zivilisationskrankheiten und -Neurosen beschrieben.

Das beschriebene System der technikzentrierten Massen-Konsum- und Industriegesellschaft –


„affluent society“ / Überfluß-Gesellschaft (Gailbraith) breitet sich unaufhaltsam über die ganze
Welt aus. Es kontrolliert sich dabei nicht selbst. Bildungsbürgerliche Werte-Bilder und gewohnte
Ordnungs-Rituale gehen zunehmend verloren, Computer-Virtualitäten und weltweite Dauer-
Kommunikation sind ungewohnt. Neue Unübersichtlichkeit beruht auch auf “Folge-Problemen“
wissenschaftlich-technologischer Entdeckungen und verlangter Technik-Rationalität mit Einüben
rational-wissenschaftlicher Denkhaltungen in ungewohnten Bereichen des Alltags - etwa in
Verwaltung und Wirtschaftsleben.

Dadurch entstehen Psycho-Anspannungen, Ängste, Hilflosigkeit, Denk-Blockaden – von


„Bürosen“ bis zu „Mobbing“ und „burn out“ am Arbeitsplatz, Gefühlen des Verloren-Seins im
„hektischen am Hamster-Rad“ immer wachsender Anforderungen von Konsum- und Medien-
welten.

Obgleich jede Nation alle diese Probleme innerhalb ihrer jeweils unterschiedlichen kulturellen
Traditionen, Rechts-Systeme, sozialen, ökonomischen und Polit-Strukturen lösen muß, können
Völker und Staaten voneinander lernen, verwandte Herausforderungen gemeinsam angehen. Etwa
im Rahmen OECD und UNO-Organisationen. Oder auch der Europäischen Gemeinschaften. Das
gilt für grenzüberschreitende Umweltgefahren, Klima-Destabilisierung, ebenso wie für
Verstädterungs-Prozesse mit „Groß-Stadt-Maschinen“, unstrukturierten Stadt-Landschaften und
Endlos-Stadt-Bändern wie in Asien, Latein-Amerika, aber auch in der Ruhr-Megalopolis.

Ohne Begrenzungen durch noch aus Mittelalter vorhandenen Stadtmauern oder auch später
angelegten Grüngürteln. Rüh-rEier statt Spiegel-Eier mit traditonellem Stadtkern/Altstadt. Zu 3o bis
50 Millionen Bewohnern wie in Mexiko-Stadt, Rio de Janeiro, Los-Angeles, Kalkutta ständig
weiter wuchernd mit Slum-Rändern. In Kooperation entstehen weltweit verbundene automatische
Wetter-Kontrollen, Sturmflut- oder Wind-Orkan-Vorwarnsysteme in internationaler Zusammen-
arbeit. Neue Sicherheiten geben Zukunfts-Technologien – wie Weltraum-Wetter-Satelliten oder
weltraum-gestützte lokale Verkehrs-Navigationssysteme.

Das ehrgeizigste und größte internationale Planungs-Unternehmen wird das Bereitstellen eines
Konflikt-Regelungs- und Vorwarnsystems sein, für Erd-Politik und Welt-Gesellschaft, um schon im
Vorfeld sich abzeichnende kriegerische Konflikte zu verhindern oder einzudämmen durch UNO-
Blau-Helme und Pufferzonen zwischen Konflikt-Parteien. Stichwort: Welt-Friedens-Planung als
Ernstfall – statt Weltkriege, Völkermord, nationalen Eroberungen. Friedensforschung will das
„apokalyptische Tier Krieg einhegen“ durch völkerrechtlich sanktionierte militärische
Interventionen / Strafexpeditionen. Bei nationalem Genozid, Extrem-Mißachtung Menschen-
Rechte. UNO- Straf-Gerichtshöfe werden diskutiert.

Flankierende Maßnahmen für Planung Weltfrieden sind Internationale Projekte wissenschaftlich-


technischer-Kooperation: unter anderem im internationalen statistischen und geophysikalischen
Jahr, in hydrologischer Dekade zur Aufnahme Wasser-Vorräte der Erde, im Welt-Leit-Plan Hunger-
Prävention der FAO/Internationale Ernährungs-Organisation der UNO in Rom. Vor allem Europa-
EWG sollte Umwege über Militär-Haushalte zur Stimulierung technischen Fortschritts vermeiden
und Lösung Problem Weltarmut/ Nord-Süd-Problem mit Gefahren von Kriegen um Wasser und
andere lebenswichtige Rohstoffe rechtzeitig schon in Anfängen in internationalen Völker-Rechts-

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Regeln und –Abkommen „einhegen“, entschärfen, domestizieren. Auch in langjährigen Modell-
Vorhaben, Hilfe zur Selbsthilfe in Armen-Ländern mit Priorität Teilnahme Welthandel,
Alphabetisierung, Gesundheits-Vorsorge, nation building durch funktionierende Infratruktur / good
government.

Als Entwicklungshilfe begann in den 1950er Jahren, stand vielleicht in einigen Ländern in West wie
Ost, NATO- wie Warschauer-Pakt-Staaten der Gedanke Pate, dass Kalter Krieg auch Wettbewerb
um junge Staaten bedeute, sei es auf dem Weg in die freie Weltwirtschaft oder in kommunistische
Planwirtschaft. Dies war Irrweg, Fehl-Leitung Entwicklungshilfe für Machtmissbrauch durch
Rüstungsexporte und Korruption, Stabilisierung Demokratie-Unfähiger Militär-Diktaturen, Kalter
Krieg total!

Die sich durch DIGITAL DIVIDE noch verschärfende Weltarmut bis hin zu Völkermord und
dramatisch ansteigender Weltarmut, verlangt andere Hilfs-Strategien und Formen der UNO-und
Welt-Währungsfonds-Kooperation. Sich abzeichnende Umwelt- und Hunger-Katastrophen in armen
Ländern überschatten immer mehr Kalten Krieg und Ost-West-Konflikte, entlarven den Ideologie-
Welt-Zwiespalt der Atom-Großmächte als „europäisch-historischen Petrefakt“. Für mehr als zwei
Drittel der Menschheit überholte Fortsetzung de jahrhundertlanger Kolonialpolitik europäischer
Mächte.

Die DRITTE WELT der Bandung-Staaten richtet ihre Parolen „Schafft viele Vietnams, Weltdorf
steht auf gegen Weltstadt“, gleichermaßen gegen verbürgerlichten sowjetrussischen Marxismus, wie
gegen die Überfluß-Selbstgerechte Welt amerikanischen Konsum-Übermaßes, Verschwendung
Natur-Ressourcen und Energie. Mao TSE TUNG`s Kulturrevolution mobilisiert Kleinbauern gegen
technisch-koloniale West-Zivilisation. Arme gegen Reiche. Satte Welt gegen arme farbige.
Industrie-Länder gegen Entwicklungsländer.

Ideologisch-festgezurrte Weltspaltung mit Atom-Abschreckungs-Gleichgewicht – Bild zweier


hochgiftiger Skorpione in der Flasche – zieht unglaubliche Ressourcen durch Rüstungswettlauf von
viel dringenderen Aufgaben internationaler Welt-Verantwortungs-Gemeinschaft ab. Verhindert Erd-
Politik zur Weltklima-Stabilisierung und Kampf gegen Welthunger. Ignoriert Erd-Bürger-Status
jedes Menschen neben seiner nationalen Staatsbürgerschaft. Freiheits- und Lebens-Glück-Chancen
sozialer freiheitsinitiativer Marktwirtschaft können nicht voll ausgeschöpft und in weltweiten UNO-
Stabilsierungs-Aktionen umgesetzt werden zum Aufbrechen des Teufels-Kreises Weltarmut-
Verelendung- Hoffnungslosigkeit- Haß!

Konferenzen zu Rüstungs-Begrenzungen, Atom-Abrüstung und Atom-Waffen-Non-Proliferation,


ferner UNO-GroßProjekte der Gesundheitsvorsorge, Massen-Bildung, verbesserter Energie-
Effizienz und Sozial-Kompetenz geben Hoffnung. Ebenso Überlegungen zu veränderter
Berechnung und Bilanzierung Volkseinkommen, Lebensdienlichkeit Ressourcen-Nutzung.
Stichwort: volkswirtschaftliche Bedeutung Sozial- und Umweltkosten - bisher von
Nationalökonomen nicht berücksichtigte externe Faktoren / „externalities“ bisheriger Berech-
nungsformen des erwirtschafteten Brutto-Sozialprodukts. System-, Zukunfts- und Friedens-
Forschung geben hierzu Anregungen und Innovations-Impulse für die Politik.

Auch wächst die Einsicht in vielen Denkfabriken nicht nur der Industrieländer, dass jeder Mensch
durch Hineingeboren-Werden in die Natur-Gattung-Mensch neben seiner National-Bürgerschaft
auch Earth Citizen/ErdBürger ist, mit ganz persönlicher Verantwortung für das weitere Schicksal
unseres Planeten ERDE. Geschunden und in seinen Naturschätzen geplündert. Mit der unendlichen
Energie-Quelle SONNE - immer wieder erneuerbar. Alles zum Nulltarif. Riesen-Reserve für

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Bestehen Nach-Öl-Zeitalter in fünfzig bis sechzig Jahren.

EINE ERDE FÜR ALLE. ErdBürger ist erdgemeinsamer Über-Lebens-Ort für uns Menschen als
Vernunft-Begabte singuläre Technik-Erfinder – immer angewiesen auf Symbiose mit Millionen und
Abermillionen anderer Naturgeschöpfe. Wir Menschen brauchen dringend diese Erd-Partnerschaft.
Natur-Mitwelt und jahrmilliarden eingespielte Natur-Kreisläufe arbeiten als Überlebens-Garanten
auch ganz ohne Zutun der Menschen – und zwar kostenlos für unser Aller Wohlbefinden und
Glücks-Hoffnung auf dem Natur-Gesetzen folgenden Planeten ERDE.

Natur-Ökonomie wird Technik-Ökonomie in Zukunft ergänzen müssen. Solch internationales


Technologie-Management wird ohne breite Übernahme im Alltag rational-wissenschaftlicher
Kybernetik-Denkhaltungen nicht gelingen. Dies bedeutet ganz neue ungewohnte Bildungs-
Anstrengungen, verbunden mit globaler Erd-Verantwortung schon in den nächsten Jahrzehnten -
nicht nur für Wissenschaft, Regierungen, internationale Organisationen und Global-Groß-Konzerne,
sondern für jeden Einzelnen. Für Georg Picht, Edding und Ralf Dahrendorf ist „Bildung
Bürgerrecht“, demokratische Grundpflicht jedes Erd-Bürgers. Damit Über-Lebenschance, Ansporn
für ständige Fort- und Weiterbildung.

Erfolgs-Modell Ludwig Erhard „Soziale Marktwirtschaft“ heißt jedenfalls für anständige Mitte
bürgerlich liberale Sozialisation, vor allem Startchance jedes Bürgers nach seinen Fähigkeiten,
Bildung für wirtschaftliches Auskommen im Leben und Beruf zu erhalten. Ferner Hilfen zu haben
zum Sich-Zu-Recht-Finden in immer unübersichtlicherer überverwalteter computer-organisierten
Welt. Um Lebens-Chancen und Bürger-Rechte auch wahrnehmen zu können. Durch individuelle
Förderung -unabhängig von sozialem Status, Herkommen, Elternhaus.

Die Welt 1968 gleicht einem Silber-Glanz-Luxus-Gefährt, im Design technisch perfekt, von
allen Experten hochgelobt, das aber steuerlos – ohne Kompass - mit Höchst-Geschwindigkeit
ins Ungewisse rast. Niemand bemerkt es, weil alle Experten Super-Spezialisten. Das Ganze –
Planet ERDE – ist mehr als die Summe seiner Teile.

Siehe auch:
Menke-Glückert, TEN Eco-Commandments for Earth Citizens. Working Paper
OECD Science Directorate März 1968 Paris

Menke-Glückert „FriedensStrategien. Wissenschaftliche Techniken beeinflussen die Politik“


Hamburg: Rowohlt, 1969

Ferner in Beiträgen Menke-Glückert als Executive Secretary/Generalsekretär des World Future


Science Council/WFSF 1968 bis 1978, unter anderem auf den WFSF-Konferenzen 1969 in Tokyo,
1970 in Berlin,1972 in Bukarest, 1974 in Rom und auf der ersten Münchner System-Messe - der
systems 69 „Internationales Symposium über Zukunftsfragen“ - mit dem Vortrag „Systemplanung
von Grundstoffen und Nahrungsmittelreserven“, Tagungsband Seiten 53 – 86, Stuttgart:dva, 1970
in Vorwegnahme späterer Berichte des Club of Rome zu LIMITS OF GROWTH, UNO-
Veröffentlichungen, GLOBAL2000 Washington D.C. 1972
Schriftenreihen World Future Studien Federation/WFSF, Rom/Paris und Gesellschaft für
Zukunftsfragen Berlin in K.G. SAUR Verlag München

Zeitschriften MERKUR, analysen und prognosen, Atomzeitalter, BILD der Wissenschaft