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Mittelstandslexikon 1

Stiftung Volkswagenwerk - funktionale Stiftungs-Privatisierung Staatsvermögen

Die Stiftung Volkswagenwerk, die ihre Leistungen wegen der verschlechterten Ertragslage
des VW-Werkes seit 2002 verringern muß, ist durch die Privatisierung des Volkswagen-
werkes der Hitler-Jahre entstanden. Der im November 1959 zwischen dem Bund und dem
Land Niedersachsen abgeschlossene Staatsvertrag bestimmte, daß von den 600 Millionen D-
Mark Grundkapital der VW-Aktiengesellschaft je 20 Prozent der Bund und das Land
behielten, die anderen 60 Prozent in Form von Kleinaktien/Volksaktien verkauft wurden. Der
Erlös aus dem Aktienverkauf und die Gewinne auf die bei Bund und Ländern verbliebenen
Aktien werden in das VW-Stiftungsvermögen eingebracht.

Die Stiftung Volkswagenwerk wurde durch Unterzeichnung der Stiftungsurkunde am 19. Mai
1961 offiziell gegründet. Ihre Aufgabe ist es, "Wissenschaft und Technik in Forschung und
Lehre zu fördern". Unterstützt werden Forschungsprojekte aus dem gesamten Bereich der
Natur- und Geisteswissenschaften, auch aus dem Ausland. Ausgeschlossen sind technische
Entwicklung und Erprobung, die Sache der Industrie bleiben sollen. Ein formelles
Antragsverfahren besteht nicht, Anträge müssen schriftlich gestellt, ausreichend begründet
und mit einer Kostenaufstellung versehen sein.

Unter den bis jetzt unterstützten über 9000 Anträgen befinden sich Projekte wie die
Aufstellung des größten Radioteleskops der Welt in der Eifel für 28,6 Millionen Mark oder
die Herstellung eines Wörterbuchs zu Hölderlins Dichtungen für 80 000 D-Mark.
Großprojekte beschäftigen sich mit der Bildungsforschung. Die Musiker-Gesamtausgaben
von Bach bis Schönberg wurden bis jetzt mit mehr als zwei Millionen D-Mark gefördert.
Anders als beim Gesetz über die Errichtung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt/DBU in
Osnabrück kennt der Volkswagen-Staatsvertrag keine Mittelstandsklausel einer bevorzugten
Förderung mittelständischer Unternehmen mit derem Technologie-Potenzial.