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ALS IN WIEN

DIE MAUER FIEL


R« btrcM und Einlcitungj /ut: Em!lnud Althubcr
lIIustrlllion: Klllhi Rtiatuhöjtr
Mit Jrtundlichtr Untcrslütumg des Bundesarchiv DrutKhltmd

Herbst 1989: Deutschland besteh t aus zwei Staaten, doch nicht mehr lange. In der
Deutschen Demokratischen Republik gehen d ie Menschen auf die Straße, protes-
tieren gegen die SED-Regierung. Bald wird die Berliner Mauer fallen, und ein Jahr
später wird es nur noch ein Deutschland geben. Doch im Herbst 1989 ist es noch nicht
so weit, vor allem nicht in Wien, wo eine kleine SED-Truppe in der DDR-Botschaft
glaubt, den Lauf der Welt aufhalten zu können. Wir zeigen die Protokolle einer doch
recht großen Fehleinschätzung.

"DDR~Bürger in Österreich: 187, davon 36 Kinder, plus 9 Studenten


rur ein Jahr. Mitglieder der SEO: 108, davon 6 nicht berufstätig, plus 9
Studenten . .. Diese statistischen Angaben schickte die Botschaft der
Deutschen Demokratischen Republik 1989 an die Abteilung Inter,
nationale Verbindungen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands
(SED) in Osthe rlin . W ie viele der DDR.ßürger in Österreich gehe im.
dienstlichen Aktivitäten nachgingen, ist heute nicht mehr klar. Fest steht
aber, dass die Kader im Herbst des Jah res 1989 in heller Aufregung waren.

Zu Hause in der DDR gingen die Menschen auf die Straße und protestierten
gegen die Staats- und Partei führung. Die Zukunft der Deutschen Demokratischen
Republik stand auf dem Spiel. Und gerade die AußensteIlen in den westeuro-
päischen Hauptstädten sollten Ostberlin informieren, wie die Weststaaten die
EntwickJung einsc hätzten. Glaubten sie, dass der Druck der Straße die DDR-
Führung in die Knie zwingen könnte? Würden sie einer Wiedervere inigung
Deutschlands zustimmen? Die DDR-Agenten in Wien trafen im Herbst viele
Menschen. Repräsentanten des offiziellen Österreichs, Informanten - und auch
den Chef der Schweste rpa rtei KPÖ, Wal ter Silbermayr. Die Einschätzungen,
die sie aus diesen Gesprächen mitnahmen, schickte n sie an ihre Zent rale.
Das deutsche Bundesarch iv hat diese Protokolle gesammelt - wir bringen Auszüge.
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ZWEI TAGE SPÄTER,
Es ist der 29.06.1989: Ein Gespräch zwischen den Genossen
H etm ann Axen, Mitglied des Politbüros u nd Sekretär des
ZK, und Walter Silbermayr, Mitglied des Politischen Bü ros
und des Sekretariats des ZK d er KP Österreich s, find et statt.