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Suworow-Kadetten: Militärschulen als Teil des Bildungssystems in Russland

In Russland ist die geplante Abschaffung der erfolgreichen Suworow-Militärschulen


heftig umstritten. Die Suworow-Kadetten sind Nachfolger der ersten “militärischen
Jugendlehranstalt” in Russland, die Peter der Grosse 1701 gründete. Seit 1943
werden in den Suworow-Militärschulen aus 11jährigen Knaben in einer sieben Jahre
dauernden, harten Ausbildung die künftigen militärischen und politischen
Führungskräfte geformt.

Von Jürg Vollmer / maiak.info

Die ersten Kadettenanstalten in Russland gründete Zar Peter der Grosse ab 1701. Nur
Söhne von Adligen und hohen Offizieren konnten diese Militärschulen besuchen.
Feldherren wie Admiral Fjodor Uschakow, Generalfeldmarschall Michail Kutusow und
Generalissimus Alexander Suworow wurden darin ausgebildet – und schickten ihre Söhne
wiederum in Militärschulen.

Die Kadetten lernten militärische Disziplin und Disziplinen, sie wurden in Fremdsprachen
unterrichtet und erhielten eine breite Allgemeinbildung. Als Absolventen der Militärschulen
bildeten sie eine angesehene Kaste der russischen Gesellschaft. Sie verkörperten
Tugend, Tapferkeit und Treue zum Vaterland.

Zwei Jahrhunderte später – in den letzten Zaren-Jahren – wurden die Militärschulen für
begabte Söhne aus dem “Volk” geöffnet. Trotzdem schlossen die kommunistischen
Bolschewiki nach der Oktoberrevolution 1917 die Kadettenanstalten, weil diese zu “elitär”
waren.

Stalin gründete 1943 die ersten Suworow-Militärschulen

Im Zweiten Weltkrieg erinnerte sich Stalin an die guten Erfahrungen des zaristischen
Russlands mit Kadettenanstalten. Er gründete die Nachimow-Marineschulen und die
Suworow-Militärschulen. Letztere wurden nach dem legendären Generalissimus Alexander
Suworow benannt, der 1799 mit einer russischen Armee die Schweizer Alpenpässe
überquert hatte.

1943 wurden in Charkow, Twer, Krasnodar, Kursk, Woronesch, Nowotscherkassk, Orel,


Wolgograd und Stawropol die ersten neun Suworow-Militärschulen eröffnet. Dazu kamen
noch je eine Suworow-Militärschule in Taschkent und Kutaissi für Kinder von
Grenzsoldaten.

In den Suworow-Militärschulen werden Knaben ab 11 Jahren aufgenommen, deren


Ausbildung zwei, drei oder sieben Jahre dauert. In den ersten Jahrgängen waren es oft
Waisen oder Söhne von Soldaten, die an der Front umgekommen waren. Bis heute wird
die Tradition hoch gehalten, benachteiligten Jugendlichen als Suworow-Kadetten eine gute
Ausbildung zu ermöglichen.

Suworow-Kadetten im Schützengraben und im Tanzsaal


Für die militärische Fachausbildung und den Schulunterricht in den Suworow-
Militärschulen beorderte Stalin die besten Offiziere und Pädagogen von der Front zurück.
Sie bildeten die Kadetten nicht nur für den Schützengraben aus. Wie im zaristischen
Russland erhielten die Suworow-Kadetten Fremdsprachenunterricht und eine breite
Allgemeinbildung bis hin zum Tanzunterricht, zu Konzert- und Theaterbesuchen.

Aufgrund der guten Erfahrungen wurden nach 1944 neun weitere Suworow-Militärschulen
eröffnet. Die insgesamt 19 Militärschulen mit je 500 Kadetten wurden bis Ende der 1990er
Jahre immer wieder reorganisiert, in andere Städte verlegt, die Schulen oder die Städte
wechselten ihre Namen. Unverändert blieb nur ihre Aufgabe und die harte Selektion der
Suworow-Kadetten.

Suworow-Kadetten absolvieren eine strenge Mittelschule in Uniform

Bis heute müssen die Aspiranten strenge Prüfungen in der russischen Sprache und
Mathematik sowie Sporttests bestehen. Dazu kommen gründliche medizinische und
psychologische Abklärungen, die späteren Suworow-Kadetten sollen stabile
Persönlichkeiten sein.

Die Moskauer Suworow-Musikschule sucht zudem besonders talentierte Kadetten, die


eine strenge musikalische Ausbildung erhalten. Sie sind als Paradetruppe der Suworow-
Kadetten weltweit bekannt und regelmässig bei uns auf Tournee.

Die Suworow-Kadetten absolvieren Führerscheinprüfungen verschiedener Kategorien,


Funkerprüfungen etc. – und sie lernen neben dem Exerzieren auch Nähen und Bügeln. Bis
heute zeichnen sich die Suworow-Militärschulen durch einen straff geregelten Tagesablauf
aus, der von den Suworow-Kadetten strengste Disziplin und grossen Ehrgeiz verlangt. Sie
sollen treue Kameraden sein – aber jeder soll danach streben, der Beste zu werden.

Wladimir Putin förderte ab 1999 die Suworow-Kadetten

Seit 1950 die ersten Suworow-Kadetten abschlossen, kamen ganze Generationen


militärischer und politischer Führungskräfte aus den Suworow-Militärschulen. Nach dieser
Mittelschule in Uniform können sie direkt in Höhere Militärische Lehranstalten oder mit
Eintrittsexamen in nichtmilitärische Hochschulen eintreten. Die Suworow-Militärschulen
und mit ihnen die anderen Militärschulen sind damit ein wichtiger Teil des russischen
Bildungssystems.

Wladimir Putin liess ab 1999 die Suworow-Militärschulen weiterentwickeln, nachdem um


1962 elf der damaligen Kadettenanstalten geschlossen wurden. Heute werden die
Suworow-Kadetten noch in den Städten Moskau, Jekaterinburg, Kasan, St.Petersburg,
Wladikawkas, Twer, Uljanowsk und Ussuriyskausgebildet.

Werden die Suworow-Militärschulen abgeschafft?

Mit der Reform der russischen Streitkräfte – und den dazu gehörenden rigorosen
Sparübungen – werden die vorbereitenden Militärschulen aber schrittweise zurückgestuft.
Ein erstes Zeichen dafür war der 9. Mai 2009, als auf dem Roten Platz in Moskau alle
Militäreinheiten, -Schulen und -Akademien vorbei defilierten – nur die Suworow-Kadetten
und Nachimow-Kadetten fehlten erstmals seit Jahrzehnten.

Gemäss dem Oberkommandierenden der russischen Landstreitkräfte, General Alexander


Postnikow, mussten sich die Suworow-Kadetten auf das Staatliche Examen vorbereiten. In
früheren Jahren war dies kein Problem, zumal traditionell die besten Kadetten für den
Roten Platz ausgewählt wurden.

Auch am 9. Mai 2010 durften die Suworow-Kadetten nicht über den Roten Platz defilieren
und General Postnikow verfügte, dass die Suworow-Militärschulen für den Jahrgang 2010
keine neuen Kadetten mehr aufnehmen dürfen. Frühere Suworow-Kadetten wie Ex-
Aussenminister Igor Iwanow sind deshalb alarmiert und befürchten, dass diese
erfolgreichen Militärschulen abgeschafft werden sollen.

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