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Junge Funktionäre: Angriff auf die Gehälter

Gerechte Löhne für alle Arbeitnehmer!


Unter dem Begriff „Funktionär“ verstehen wir die Beamten des Luxemburger
Staates, deren Gehälter durch das modifizierte Gesetz aus dem Jahr 1963
festgelegt sind. Assimiliert an die Gehälter der Funktionäre sind u.a. die der
Angestellten des Staates, der parastaatlichen Betriebe, der Gemeinden und der
Eisenbahn. Hinzu kommen im gewissen Masse auch die Gehälter der Arbeiter
in den vorgenannten Verwaltungen. Darüber hinaus finden wir in vielen
Privatbetrieben Gehältertabellen, die in großen Zügen an die der Funktionäre
angelehnt sind.

In den vergangenen Jahrzehnten war der Weg zu „lohnenden“


Funktionärsgehältern abnorm lang. Dieses Manko wurde aber teilweise
kompensiert durch die Sicherheit des Arbeitsplatzes, sowie vor allem durch
Pensionsbestimmungen, von denen die Arbeitnehmer des Privatsektors nur
träumen konnten. Im Gegenzug verweigerte die einstige Gesetzgebung den
Funktionären das Streikrecht. Um wenigstens ihren Funktionären regelmäßige
Gehaltsaufbesserungen zu garantieren, erfand der Gesetzgeber im Jahre 1921 die
periodische Anpassung der Funktionärsgehälter an den Preiskostenindex.

In den für die Luxemburger Staatskasse nicht leichten Jahren nach dem zweiten
Weltkrieg tauchte in gar vielen staatlichen Betrieben eine Hinweistafel mit
folgendem Text auf: Als Gott der Herr die Gehälter dieser treuen Staatsdiener
sah, weinte er gar bitterlich! Nach 1960, zu einer Zeit wo die Gehälter der
Angestellten und Arbeiter der Eisenhütten von Arbed und Hadir in der Regel
doppelt so hoch waren wie die der Funktionäre, erbarmte sich Staatsminister
Pierre Werner seiner „treuen Diener“. Dies mit einer – im Jahre 1963 durch das
Parlament verabschiedeten - Gehälterrevision, die in ihrer Großzügigkeit über
lange Jahre ihre Auswirkungen auf die öffentliche Gehälterpolitik hatte. Die so
auch in den Jahren nach 1963, unter den Ministern Gaston Thorn, Emile Krieps
und Boy Konen zu einer massiven Erhöhung der Anfangsgehälter der
Funktionäre führte. Demnach eine echt Luxemburger Generosität für die
Beamten aller Laufbahnen und Altersstufen, sowie insbesondere auch für die
Pensionäre. Die unter der Regie von Staatsminister Jean-Claude Juncker nicht
mehr so ist, wie sie einst von Pierre Werner initiiert wurde!
Doch lassen wir die Vergangenheit hinter uns! Ja sparen wir unsere Kräfte auf
zur resoluten Verhinderung des von der Regierung fest geplanten Angriffs auf
die Anfangsgehälter der Funktionäre! Umso mehr, da es sich hierbei um die
Gehälter von zukünftigen Beamten handelt. Die sich folglich gegen ein solches
übles Vorhaben nicht einmal wehren können. So auch Respekt für die
Arbeitnehmer-Gewerkschaften - ihnen voran die „C.G.F.P. – Confédération
Générale de la Fonction Publique“ – die sich in aller Entschiedenheit gegen den
Abbau der Anfangsgehälter ausgesprochen haben!

Warum ein solches Vorgehen: Glaubt man der Regierung, sind dem Patronat
die in der öffentlichen Funktion gezahlten Anfangsgehälter ein Dorn im Auge.
Folglich müssen diese gekürzt werden. Was aber den Funktionären genommen
wird, soll keineswegs den Arbeitnehmern des Privatsektors gegeben werden.
Vielmehr sollen die Anfangsgehälter - der unteren und mittleren Laufbahnen -
des Staates an die des Privatsektors angepasst werden. Nicht genug damit. Ist
doch zu befürchten, dass die Kürzung der Anfangsgehälter beim Staate
verheerende Auswirkungen auf sämtliche Gehälter aller Arbeitnehmer
Luxemburgs haben wird. Mit Ausnahme der Entschädigungen für Staatsbeamte
mit Universitätsabschluss, welche die Regierung an die im Privatsektor
anscheinend bezahlten Spitzengehälter anpassen möchte.

Hier handelt es sich aber um recht hinkende Vergleiche. Sind doch nicht alle im
Privatsektor gezahlten Anfangsgehälter niedriger als die beim Staate. Und
letztlich gibt es auch Akademiker im Privatsektor, die über eine Entschädigung
in Höhe eines Staatsgehaltes hoch erfreut wären. Ergo stehen sämtliche
Vergleiche zwischen den Gehältern des Staates und des Privatsektors auf recht
wackligen Füssen. Da es sich in der Regel um recht unterschiedliche Funktionen
handelt. Ja, mit welchen Funktionen im Privatsektor sollen die des Polizisten
oder die eines Richters verglichen werden? Und so könnten wir weiter fahren!

Wohlverstanden gönnen wir den Akademikern im Staatsdienst recht gerne eine


Aufwertung ihrer Gehälter. Aber unter der Voraussetzung, dass - im Rahmen
einer allgemeinen Revision - die Gehälter der Funktionäre der unteren und der
mittleren Laufbahnen proportionsgleichend angepasst werden!

Vielfach wird angeführt, dass der Staat mit seinen zu „hohen“ Anfangsgehältern
für den Privatsektor zu einem Konkurrenzunternehmen geworden ist. Für dieses
Argument können wir mit bestem Willen kein Verständnis aufbringen. Wird
doch der Staat, wie auch immer die Gehälter seiner zukünftigen Beamten
aussehen werden, in unveränderter Zahl neue Kräfte auf dem Luxemburger
Arbeitsmarkt zu rekrutieren versuchen! Wirklich zu bedauern aber ist, dass viele
unserer jungen Bürgerinnen und Bürger, die in technischen Lyzeen und
Handwerkerbetrieben in manuellen Betrieben ausgebildet wurden, späterhin
nicht mehr in den von ihnen erlernten Berufen tätig sind. Sollte es doch eine
Ehre sein, im blauen Kittel ehrlich sein Brot zu verdienen. Doch hierzu bedarf es
in unserer Bevölkerung einer radikalen Mentalitätsänderung. Ohne den Anreiz
für manuelle Arbeit durch höhere Löhne außer Acht zu lassen!

Gott sei Dank funktionieren unsere mittelständigen Betriebe noch mit


Handwerkergesellen, die – mit wenigen Ausnahmen – aus Grenzgebieten
kommen. Einen Handwerker im Haus zu beschäftigen wird in der Regel teurer
als mehrere Arztbesuche. Da könnte man glauben, dass der Gesellenlohn
entsprechend hoch sei. Doch wenn der Meister seine Investitions- und
Betriebskosten nach allen Regeln der Kunst abrechnet, bleibt ein nur sehr
bescheidener Teil übrig. Meist zu wenig für den Lohn seiner Mitarbeiter! So
wechselt der Luxemburger Geselle zur kommunalen Mühlabfuhr. Ein Beispiel
unter vielen anderen. Haushalte flüchten in die Schwarzarbeit. Und Arbeiten
werden ohne Ausstellung einer Rechnung ausgeführt. Auswirkungen einer
falschen Mittelstandspolitik. Denn wer wirklich den Handwerkerbetrieben
helfen möchte, muss darauf bedacht sein, dass dem Meister mehr Netto vom
Brutto übrig bleibt. So dass er in der Lage ist, höhere Löhne zu zahlen. Hier
wäre bei Gott der Staat gefordert, günstigere Bedingungen für die betreffenden
Betrieben zu schaffen. So durch weit günstigere Steuersätze für Personal
intensive Unternehmen!

Fazit: Sparen auf Kosten der jungen Generation lohnt sich nicht!

Henri Schumacher