Sie sind auf Seite 1von 4

KURZE EINFÜHRUNG IN DIE ALTGRIECHISCHE GRAMMATIK 1

DAS GRIECHISCHE ALPHABET


Großbuchstaben Kleinbuchstabe
Schlussform Name Aussprache Transliteration
(Majuskel) (Minuskel)

A a Alpha a a

B b Bēta b b

G g Gamma g g

D d Delta d d

E e Epsilon kurzes e e

Z z Zēta ds z

H h Eta langes e ē

Q q Thēta th (wie engl.) th

I i Iōta i i

K k Kappa k k

L l Lambda l l

M m My m m

N n Ny n n

X x Xi ks x

O o Omikron kurzes o o

P p Pi p p

R r Rhō r r

S s " Sigma s s

T t Tau t t

U u Ypsilon y/ü y

F f Phi f ph

C c Chi ch ch

Y y Psi ps ps

W w Omega langes o ō
• g wird vor k, g, c, x wie ein nasales "n" ausgesprochen.
• s wird vor anderen Konsonanten immer extra ausgesprochen.
• Vokale am Anfang eines Wortes tragen ein Hauchzeichen (spiritus). Das rauhe Hauchzeichen
(" "J = spiritus asper) wird wie ein "h" ausgesprochen. Das sanfte Hauchzeichen (" "j = spiritus
lenis) wird nicht ausgesprochen. r trägt am Wortanfang einen spiritus asper.
• Der Apostroph (" *") am Ende eines Wortes zeigt an, dass ein Vokal verschluckt wurde.
• Es gibt drei Akzentzeichen: den Akut (" "v ), den Gravis (" "V ) und den Zirkumflex (" "' ).

© 2004 Hagen Laube. Dieses Material steht bei www.2felsfrei.de zum Download zur Verfügung.
KURZE EINFÜHRUNG IN DIE ALTGRIECHISCHE GRAMMATIK 2

logois tēs charitos = (wörtl.) "mit Worten der


Gnade" (Lk 4,22) meint "mit gnädigen
A. SATZLEHRE Worten"
• Subjekt und Prädikat stimmen in Genus 2 eine Gesamtheit von der etwas ein Teil
(Geschlecht) und Numerus (Zahl) überein. ist
z.B. hoi loipoi tōn anthrōpōn = "der Rest der
• Ausnahme ist ein Subjekt im Neutrum Männer" (Lk 18,11)
Plural. Es wird von einem Prädikat in der
dritten Person Singular begleitet. 2 das Subjekt eines (Aktions-)
Substantives
• Objekte, die am Satzanfang stehen, sind oft z.B. hē epithymia tēs sarkos = "die Lust des
(aber nicht immer) betont. Fleisches" (1Jh 2,16) könnte sowohl "die
z.B. panta poieite chōris gongysmōn = "Tut alles Lust auf das Fleisch" als auch "die Lust, die
ohne Murren!" das Fleisch hat" bedeuten. Im
Zusammenhang von 1Jh 2 ist offensichtlich
• Punkt (".") und Komma (",") werden wie im letzteres gemeint.
Deutschen verwendet. Der Hochpunkt (":")
2 das Objekt eines (Aktions-)
ersetzt das deutsche Semikolon und den
Substantives
Doppelpunkt. Das griechische Semikolon
z.B. zēlon theou echousin = (wörtl.) "sie haben
(";") hat wiederum die Funktion eines Eifer Gottes" bedeutet hier "sie haben Eifer
Fragezeichens. für Gott"
tou pneumatos blasphēmia = "die Lästerung
des Geistes" (Mt 12,31) besagt natürlich
B. SUBSTANTIV nicht, das der Geist lästert, sondern das
1. Kasus jemand den Geist verlästert.

(a) Akkusativ Die Bedeutung des Genitivs ist sehr oft


abhängig vom Zusammenhang. Daher
Beschreibt
lässt sie sich nicht immer völlig eindeutig
2 das direkte Objekt bestimmen.
2 die Ausdehnung in Raum und Zeit (auf z.B. apokalypsis Iēsou Christou = "Offenbarung Jesu
die Frage wie weit? wie lange?) Christi" (Offb 1,1) könnte bedeuten:
"Offenbarung von Jesus Christus" (d.h., was Er
2 die nähere Beziehung oder geoffenbart hat) oder "Offenbarung über Jesus
Beschränkung einer Sache (auf die Christus".
Frage in welcher Beziehung?) "Dem aber, der euch zu stärken vermag nach
(b) Dativ meinem Evangelium und der Predigt von Jesus
Christus…" (Röm 16,25) könnte sich auf das,
Beschreibt das indirekte Objekt, z.B.: was Jesus gepredigt hat beziehen, oder auf das,
2 die beteiligte Person oder Sache was über Ihn gepredigt wird.

2 das Mittel oder Werkzeug Aufgrund dieser möglichen Mehrdeutigkeit


ist der Genitiv von besonderer exegetischer
2 die Ursache
Relevanz.
2 die Art und Weise
(c) Genitiv
C. ARTIKEL
Beschreibt insbesondere den Bereich zu
dem etwas gehört oder dessen • Es gibt keinen unbestimmten Artikel (ein,
Ausgangspunkt, z.B. eine, usw.).
2 den Besitzer einer Sache • Im Gegensatz zum Deutschen wird der
z.B. ho amnos tou theou = "das Lamm Gottes" griechische Artikel u.a. auch verwendet im
(d.h., "das Lamm, das Gott gehört"; Jh 1,29) Zusammenhang mit:
2 den Inhalt einer Sache oder das 2 Pronomen
Material aus dem sie gemacht ist 2 Eigennamen
z.B. potērion hydatos = ein Becher Wasser z.B. eipen pros ton Simōna = (wörtl.) "er sagte zu
2 die Eigenschaft einer Sache dem Simon"
z.B. kardia ponēra apistias = (wörtl.) "ein böses 2 Infinitiven
Herz des Unglaubens" (Heb 3,12) meint "ein
böses, ungläubiges Herz"

© 2004 Hagen Laube. Dieses Material steht bei www.2felsfrei.de zum Download zur Verfügung.
KURZE EINFÜHRUNG IN DIE ALTGRIECHISCHE GRAMMATIK 3

• Im Griechischen wird der bestimmte Artikel und der Dürstende komme, der Wollende
empfange Wasser des Lebens umsonst!"
oft weggelassen, wenn zu dem Substantiv
eine Präposition gehört. • Kann u.a. als Substantiv, Adverb, Adjektiv
z.B. en kosmō = "in der Welt" oder Imperativ verwendet werden.
4. Der Infinitiv
D. ADJEKTIV • Hat mehr Verwendungsformen als im
Deutschen (z.B. als Substantiv mit Artikel).
• Steht entweder zwischen Artikel und
Wird aber trotzdem meistens als Infinitiv
Substantiv
übersetzt.
z.B. ho agathos anthrōpos = (wörtl.) "der gute
Mensch" 5. Tempora
• oder nach dem Substantiv und einem • Während im Deutschen die Tempora
wiederholten Artikel hauptsächlich verwendet werden, um die
z.B. ho anthrōpos ho agathos = (wörtl.) "der Mensch Zeitstufe auszudrücken (Wann geschieht
der gute" die Handlung?), ist dies im Griechischen
• Stimmt mit dem entsprechenden Substantiv nur beim Indikativ der Fall. Die anderen
in Kasus, Genus und Numerus überein. drei Modi (Konjunktiv, Optativ und
Imperativ) sowie Partizip und Infinitiv
drücken nur die Aktionsart aus (Wie
E. VERBEN geschieht die Handlung?). Der Indikativ
1. Zustandsformen beschreibt also als einziger Modus
Aktionsart und Zeitstufe.
• Neben dem Aktiv und Passiv (wie im
Deutschen) gibt es im Griechischen ein (a) Präsens
Medium, welches eine Handlung 2 Beschreibt normalerweise lineare
bezeichnet, in der das Subjekt für sich oder Aktionsart.
auf sich bezogen handelt. 2 Drückt die Dauer, die Wiederholung
z.B. paideuō = Ich erziehe (Aktiv) oder den Versuch einer Handlung aus.
paideuomai = Ich erziehe mir (Medium)
paideuomai = Ich werde erzogen (Passiv) 2 Für geschichtliche Erzählungen, die sich
2. Die vier Modi in der Vergangenheit abspielen, wird oft
der sog. erzählende Präsens
• Indikativ beschreibt die Wirklichkeit. verwendet.
• Konjunktiv drückt ein Begehren oder eine (b) Imperfekt
Erwartung aus, deren Zustandekommen
2 Kommt nur im Indikativ vor.
unsicher ist.
2 Beschreibt wie das Präsenz eine lineare
• Optativ drückt einen Wunsch oder eine Aktionsart, die jedoch in der
Möglichkeit aus. Die Wahrscheinlichkeit Vergangenheit liegt.
des Zustandekommens ist geringer als
beim Konjunktiv. Der Optativ kommt im NT (c) Aorist
weniger als 70 mal vor. 2 punktuelle Aktionsart
z.B. "wenn ihr auch leiden solltet" (1Petr 3,14) 2 Entweder drückt der Aorist den Beginn
• Imperativ drückt einen Befehl aus. Er kann oder den Abschluß einer Handlung aus,
sowohl in der 2. als auch in der 3. Person oder er sieht die Handlung als Ganzes
verwendet werden: ohne Bezug auf ihre Dauer.
z.B. "Dein Reich komme!" (Imp. 3. Pers.) (d) Perfekt
3. Das Partizip 2 resultative Aktionsart
• Kommt sehr häufig vor und ist dadurch ein 2 Drückt den durch die abgeschlossene
charakteristisches Merkmal der Handlung bewirkten und bis in die
griechischen Sprache. Gegenwart andauernden Zustand aus.
z.B. Lk 9,1 (wörtl.): "Die Zwölf zusammengerufen (e) Plusquamperfekt
habend, gab er ihnen Kraft und Vollmacht…."
Offb 3,13 (wörtl.): "der Hörende sage: Komm!
2 resultative Aktionsart

© 2004 Hagen Laube. Dieses Material steht bei www.2felsfrei.de zum Download zur Verfügung.
KURZE EINFÜHRUNG IN DIE ALTGRIECHISCHE GRAMMATIK 4

2 Drückt den durch die abgeschlossene aujsfuerlicen Berict uejber da", fa" Gwtt durc
Handlung bewirkten Zustand aus und seinen Dienst ujnter den Nictiuden ghtan aJtte.
betont, dass er in der Vergangenheit Seine Zu-oJerer priesen Gwtt fuer ajlle", fa"
anhielt. sie ejrfuren. Dann sagten sie zu Paulu": Du
(f) Futur siest, lieber Bruder, das" ajuc bei den *Iuden
Tausende zum Glauben ajn *Iesu" Cristu"
2 Kommt nur im Indikativ vor. ghkwmmen sind, ujnd ajlle aJlten sic feiter-iJn
2 Beschreibt die Zukunft ohne näher auf stregg an da" Gesetz de" Mwse. U * eber dic
die Art oder Dauer der Handlung iejdwc aJt man ijnen ejrzaelt, du fuerdest die
einzugehen. *Iuden, die ujnter den ajnderen Foelkern leben,
samt und swnder" zum *Abfall fon Mwse
aujffwrdern, ijndem du lhrst, sie muessten ijre
F. LITERATURANGABEN
Soene nict mhr bhscneiden lassen ujnd
• Black, David Alan. It's Still Greek to Me. muessten uejber-aJupt nict laegger nac den
Grand Rapids: Baker, 1998. Fwrscriften de" Gesetze" lhben. Fa"
• MacDonald, William G. Greek Enchiridion. koennen fir tun, ujm diesen Be-aJuptuggen
Peabody: Hendrickson, 1986. entgegenzutrhten. Scliesslic ferden ujnsere
Gescfisthr ieJr mit Sicer-eiJt ejrfaren, das" du
• Stock, Leo. Langenscheidts Kurzgrammatik nac *Ierusalhm ghkwmmen bist. *Unshr
Altgriechisch. Berlin, München: Forsclag ijst, das" du Fwlgende" macst: Fier
Langenscheidt, 1981. Maenner aju" ujnseren Rei-eJn aJben sic Gwtt mit
• Zodhiates, Spiros. Elberfelder Studienbibel eijnem Geluebde gefeit ujnd sic dazu ferflictet,
mit Sprachschlüssel: Das Neue Testament. eijne Zeit lagg keinen Fein zu trinken ujnd sic
Bearbeitet von Philippus Maier. Wuppertal, da" JAar nict scneiden zu lassen. Sei iejnen
Zürich: R. Brockhaus, 1994. dabei be-iJlflic, ijndem du dic zusammen mit ijnen
der fwrgescriebenen Reinigugg ujnterziest ujnd
ajlle ajnfallenden Kwsten ujbernimmst, damit
G. ANHANG: LESEÜBUNG ZUM LERNEN
sie die Fei-eJzeit wjrdnuggsgemaes" mit den
DES ALPHABETS
erfwrderlicen *Wpfern ujnd dem *Abscneiden
Anmerkung: Der folgende deutsche Text wurde der JAare beenden koennen. Dann ferden ajlle
mit griechischen Buchstaben notiert, um den se-eJn, das" fon dhm, fa" iejnen uejber dic
Leser mit dem griechischen Alphabet vertraut ejrzaelt furde, kein Fwrt far ijst ujnd das"
zu machen. auc du ijn Uebereinstimmugg mit dem Gesetz
Da es nicht für alle deutschen Buchstaben eine lebst ujnd seine Fwrscriften befwlgst. Fa"
griechische Entsprechung gibt, wurden die Nictiuden betrifft, die zum Glauben ajn
folgende Buchstaben auf mehrere Arten *Iesu" Cristu" gekwmmen sind, sw aJben fir
verwendet: iejnen iaj ujnseren Bhsclus" brieflic mitgeteilt
ujnd iejnen gesagt, fas" sie ujnterlassen
• f steht für "f", "ph" und "pf" aber auch für swllen, da" *Hssen fon Fleisc, da" den
"w" Goetzen ghopfert furde, dhn Genus" fon Blut
• u steht für "y" aber auch für "u" ujnd fon nict aujsghblutetem Fleisc ujnd iejde
Fwrm fon Unmwral.
• i steht für "i" aber auch für "j"
Paulu" far bereit, den fier Maennern bei der
• sc steht für "sch" *Hrfuellugg iejre" Gelubde" be-iJlflic zu sein.
• gg steht für "ng" (s.a. Seite 1) Gleic am naecsten Tag begann ejr zusammen mit
• Ein "h" nach Vokalen wird nicht iejnen da" fwrgescriebene Reiniguggsritual.
wiedergegeben. Darauf-iJn gigg ejr ijn den Tempel ujnd meldete
den Priestern, fann die gesamte siebentaegige
jAl" fir ijn *Ierusalhm ajnkamen, bhreiteten ujn"
Reiniguggszeit abgelaufen sein fuerde, damit
die Ghscfisthr ejinen hJrzlicen Hmpfagg.
dann fuer iejden fon iejnen das ajbscliessende
Gleic ajm naecsten Tag macte Paulu" eijnen
*Wpfer dargebract ferden kwnnte.
Besuc bei *Iakwbu". Fir giggen mit, ujnd ajuc
ajlle *Aeltesten der *Ierusalhmer Ghmeinde
fanden sic bei *Iakwbu" eijn. Paulu" gruesste
die Fhrsammelten ujnd gab dann eijnen

© 2004 Hagen Laube. Dieses Material steht bei www.2felsfrei.de zum Download zur Verfügung.