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Adel, adeln

Adel Sb m. „Jauche“ adeln swV „mit Jauche düngen“

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Z: Das mda. Substantiv Adel „Jauche, Harn“ setzt eine vorurgermanische Abstraktbildung *h 3 od-tló- „Geruch“ > „Gestank“ fort, die genaue Entsprechungen in anderen germ. Sprachen hat. In Folge der vorgrundsprachlichen Vereinfachung der Doppeldentale vor Resonant wurde das Wort als -(a)lo- Bildung neu interpretiert und ist in das maskul. Genus übergegangen.

B: Das Substantiv Adel „Mistjauche, Mistwasser, Harn“ ist innerhalb und außerhalb des thür. Sprachraums, in den benachbarten bairischen Mundarten sowie in mittel- und niederdeutschen Dialekten (Udolph 1994: 295ff.) verbreitet. Im Thür. ist das Wort nur um Heiligenstadt, Worbis, Zeulenroda, Greiz und verstreut um Nordhausen, d. h. im Nordwesten und Südosten des thür. Sprachgebietes, belegt (ThWb s.v. Adel). Neben dem Substantiv besteht ein denominales Verb adeln „mit Jauche düngen“ (vgl. Schmell I 26, DWb s.v. Adel). L: Eine lautliche Besonderheit von niederbair. )l ist die geschlossene Aussprache des Wurzelvokalismus (ThWb s.v. Adel), die durch die Wirkung des Kollmerschen Gesetzes (mhd. *atul > * (Rowley 1990: 68, Janka 2002: 202-212 mit weiteren Beispielen)) bedingt ist. Im Südostthür. ist hingegen die Vertretung von mhd. a zu oo in offener Silbe (vgl. südostthür. dr Bauer fährt Oodel af’s Fald, Greiz) durch keinen Umlautfaktor bedingt (Sp ThGr 62) und erlaubt keine Rückschlüsse auf dem Suffixvokalismus. In beiden Mundarten hat der Haupttonvokal dann Dehnung in offener Silbe erfahren, auf die Mittensilbenschwächung gefolgt ist (* > * l). Als letztes ist die zwischenvokalische Lenition des stimmlosen Okklusivs (> niederbair., thür. l, ) eingetreten (MhdGr 74ff., Sp ThGr. 181). M: Adel folgt der Flexion der starken Maskulina und ist aufgrund seiner Semantik – es handelt sich um ein Massennomen – ein Singulare Tantum. WB: Mda. Adel „Mistjauche, Mistwasser“ setzt das in drei frühmhd. Handschriften belegte Wort atel „Schlamm, Morast, schlammiges Wasser, “ (Summarium Heinrici, vgl. Tiefenbach 1980: 53, mit Literatur) fort, während bair. )l aus einer vorgeschichtlichen Variante mit Suffixwechsel ahd., mhd. *atul stammt. Das Nebeneinander der Suffixe -ala-/-ila-/-ula- bei geschlechtigen Substantiven und Adjektiven ist eine in den germanischen Sprachen häufig anzutreffende Erscheinung (weitere Beispiele in Schaffner 1996: 148ff. vgl. aisl. -áll : ae. awel : ae. awol „Gabel“ < *áhw-ala- : *agw-alá- : *agw-ulá-, oder got. slahals : got. slahuls „Raufbold“, ae. nihol :

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ae. niwel : ae. n owel : mndd. nygel „niedrig, kopfüber“ < *níhw-a/ula- : *nigw-ilá : *nigw-

alá- : *níhw-ala-). Das denominative Verb adeln ist von Adel abgeleitet wie handeln von

Handel (Fleischer/Barz 305ff.). E germ : In den übrigen germanischen Sprachen sind die Entsprechungen von mhd. atel gut

bezeugt, mit Ausnahme des Gotischen und des Altsächsischen, wo das Wort wohl nur aus

überlieferungs- und textsortenbedingten Gründen nicht belegt ist: vgl. mnd. neben

addel, eddel (< *-ila-) und, mit Dentalschwund und Kontraktion, „garstige Feuchtigkeit,

Jauche“ (auch Kompositionsvorderglied in den Pflanzennamen Ahl-kirsche „Prunus padus,

Traubenkirsche“ nach dem fauligen Geruch des Holzes und der Rinde und Al-beere „Ribes nigrum, schwarze Johannisbeere“ nach dem unangenehmen Geruch der Beeren, s. dazu

Marzell 1977: 1138f., 1364 ff. mit Belegen); mndl. adel, nndl. aal(t); nordfries. ethel

„Harn“, ostfries. adel(t), wangeroog. ; ae. adel(a), Gen. adelan (sekundärer n-Stamm)

„Schmutz, schmutziger Platz“, auch komponiert in ae. ð „cloaca“, me. adel(e)

neben addul, adle (pl.) Adj. „faulig, verwirrt“, ne. addle(d), schott. addill, addle „Urin“,

norw. dial. aale, dän. aile, dän. schwed. dial. adel, al, komponiert in schwed. koadel „Kuhharn“, dazu auch das denominale Verb adla, ala „harnen“; das Substantiv ist auch in

Ortsnamen belegt, vgl. z.B. Ohlhof (Goslar); Adalahkewe (Freising); Addalahang

(Darmstadt); Alland (Niederösterreich); Adelath (Niederbayern); Ettelbrück (Luxemburg),

usw. Zu weiteren Formen und Belegen vgl. DWb s.v. Adel, EWA I 381ff., mit Literatur,

und Udolph 1994: 295ff., mit ortsnamenkundlichen Informationen. Alle Formen beruhen

auf einem geschlechtigen Substantiv urgerm. * -ala-/-ila-/-ula- „Adel, Schmutz, Jauche,

Urin“, das sich bisher einer etymologischen Deutung entzogen hat (vgl. EWA I loc. cit.,

EWD s.v. Adel 2 für die bisherigen Versuche; das Rekonstrukt * -la- in EWA 1: loc. cit. stellt mit Sicherheit nicht die unmittelbare Grundform dar, da die Gruppe * sich zu

urgerm. *ll entwickelt hätte).

E idg : Der traditionelle Anschluss an das ebenfalls etymologisch ungeklärte Substantiv gr. „Mist, Kot von Tieren“ (EWA I loc. cit.) bereitet Schwierigkeiten, da die

zugrundeliegende Wurzel des griech. Wortes ein -n- aufweist, das im Germanischen nicht

vorhanden ist. Da die Wurzel verbal nicht belegt ist, ist die Annahme eines alten n-

Infixpräsens *h 3 -né-d h -t / *h 3 -n-d h -ént völlig ad hoc. Ebensowenig ist eine n-Metathese

*Hod h -no- > *Hond h o- beweisbar, da eine solche Lautentwicklung im Griechischen auf

alle Fälle nur sporadisch und nicht lautgesetzlich eintritt (vgl. gr. „Eingeweide“

<= *splak h na < *sp h - h 2 vs. „Lampe“ < *luk h no- < *luksno-). Nicht

weiterführend ist auch der Vorschlag von Udolph 1994: 296, der Adel mit apreuß. attolis,

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lit. atólas, lett. atãls „Grummet, jünges Gras“ vergleicht, ohne auf die lautlichen Details einzugehen oder den angenommenen Bedeutungswandel wahrscheinlich zu machen. Die baltischen Formen setzen jedenfalls ein urbalt. *at - „Gras“ fort, das nur in einer urgerm. Form *aþ/ - eine genaue Entsprechung finden würde. Diese lautliche Abweichung könnte gewiss durch die Annahme der Wirkung des Dyboschen Gesetzes (* á- > * -, vgl. *suHnú- > urgerm. *sunu- (Schrijver 1991: 351-356, mit Literatur)) erklärt werden, aber ein Bedeutungswandel „junges Gras“ > „Mistjauche, Harn“ ist nicht sehr naheliegend, und eine etymologische Deutung bliebe auch in diesem Fall aus (zur balt. Sippe s. LitEW I 22). Eine Etymologie des germanischen Wortes kann vielmehr von folgendem ausgehen: Die Vorform * -ala- ist aus älterem * - vor der Assimilation * > *ll umgestaltet, dem die vorgermanische Vorform *Hotló- (mit Vernerschem Gesetz) zugrundeliegt. Aufgrund der schon in der idg. Grundsprache wirkenden Vereinfachung zweier homorganer Verschlusslaute vor unsilbischem Resonant (*VTTRV > *VTRV, vgl. *méd-tro- > *métro- > gr. , *séd-tlo- > *sétlo- > ahd. sedal „Sitz“ (Schaffner 2001: 246)) wurde ein

neutrales Abstraktum idg. *h 3 ed-tló- „Geruch“ > „Gestank“ > (konkret) „Mistjauche“ (zur Verbalwurzel *h 3 ed- „zu riechen beginnen“, LIV 296; zur Bedeutungswandel „Geruch“ > „Gestank“ vgl. alb. amë „Duft, Aroma; Gestank“ < *h 3 od-máh 2 „Geruch“, vgl. gr.

„Duft, Geruch“ (Demiraj 76)) zu einem *h 3 otló- vereinfacht und dadurch etymologisch opak. Im Urgermanischen konnte das Wort dann nicht anders als als -lo-Bildung reanalysiert werden und wurde infolgedessen automatisch in die produktive Gruppe der maskulinen -alo-Bildungen überführt (vgl. als Parallele ahd. stadal „Stehen, Stand“ <

*stáþla- m. <= *sth 2 -tlo- n. oder ahd. „Spalter, Keil“ < * - m. <= * e H-tlo- n.

(über diese Formen vgl. Schaffner 2001: 144f.)). Die Endbetonung in *h 3 otló- ist regulär für idg. Nomina Actionis auf -tlo-, vgl. Schaffner 2001: 177; eine Vernersche Variante urgerm. *aþla- (mit Suffixwechsel; für diesen Ersatz bei germ. Nomina actionis auf *- - vgl. Schaffner 2001: 179) ist nicht sicher auszumachen, da die mitteldeutsche Variante adel entweder Lenition von ahd. *-t- aufweist oder ein niederdeutsches Lehnwort darstellt (vgl. EWA I 381). Ein eventuelles westgerm. *aþlaz > ahd. *adal könnte außerdem von ahd. adal „Geschlecht, Sippe“ verdrängt worden sein. Zugunsten einer Vorform urgerm. *aþla- spricht aber der ON Ohlhof bei Goslar (Belege bei Udolph 1994: 297: Al, in Ole, in Ale): Wie R. Möller bemerkt, „wäre der frühe -d-Ausfall auffällig“; wenn man aber von *aþla- ausgeht, ist innerhalb des Paradigmas das Nebeneinander von dentallosen und dentalhaften Formen völlig regelmäßig; in solchen Fällen ist eine Paradigmenspaltung ein

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trivialer Vorgang (d. h. Nom./Akk. Sg. *aþla(z) > *aþl 2 > ahd. *adal, *adl-, Gen. Sg. *aþlas(a) > *ahlas, Dat. Sg. *aþlai > * => ahd. *ahal, *ahl-; vgl. das Nebeneinander von ahd. as. mahal „Versammlung“ und ae. mæðel „id.“ (Schaffner 2001: 244f.)). Die Existenz der Variante *aþla n => *aþ-la-z hat die Umgestaltung von * n zu * -ala-z > mhd. atel > mda. Adel begünstigt. Lit: B DWb s.v. Adel; Schmell I 26; ThWb s.v. Adel; Udolph 1994: 295ff.; L Janka 2002:

202-212; MhdGr 74ff.; Rowley 1990: 68; Sp ThGr. 62, 181; ThWb s.v. Adel; WB Schaffner 1996: 148ff.; Tiefenbach 1980: 53; E germ Demiraj 76; DWb s.v. Adel; EWA I 381ff.; EWD s.v. Adel 2 ; E idg LitEW I 22; LIV 296; Marzell 1977: 1364 ff.; Schaffner 2001: 144f.; 177; 179; 244f.; 246; Schrijver 1991: 351-356; Udolph 1994: 295f.

Ase, Asenbaum, Asenstange

Ase Sb f. „Ofenstange“ Asenbaum Sb m. „Trockenstange“ Asenstange Sb m. „Trockenstange“

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Z: Thür. Ase swf. „Ofenstange, Darre“ (auch komponiert in Asenbaum „Trockenstange“) ist durch die

Kontamination eines urgermanischen substantivierten Adjektivs *ansa- „der Tragende“ > „Balken“ (zu lat. onus „Last“) und eines mlat. Lehnwortes frühmhd. sine „Tragegestell“ < *„Esel“ entstanden;

die Bedeutungsspezialisierung auf „Ofen“ und „trocknen“ ist durch Assoziierung mit der german. Wurzel *as- bedingt, die auf die Sippe von idg. *h 2 eh 1 s- „vertrocknen“ zurückgeht.

B: Das Substantiv Ase „Ofenstange zum Trocknen von Kleidungsstücken oder Nahrungsmitteln; Brett zum Trocknen von Porzellanabgüssen; Darre“ ist vereinzelt neben den Komposita Asenbaum und Asenstange(l) in thür. Mdaa. als [ousn] (östl. Itzgründ.), (n)] (Saalfeld, Schleiz, Lobenstein) [åosd ] vgl. z.B. auf de Ousn sänn vier Seck Kliäsama „auf der Darre sind vier Säcke Kleesamen“, Sonneberg (ThWb s.v. Ase); im Bair. und Alemann. sind die Wörter As, Asen, Asem, Äsen in der Bedeutung „Holzstangengerüst über dem Ofen (zum Trocknen), Darre“ weit verbreitet, vgl. Schmell s.v. Âsen, Âsem, Âs; Âsenbâum „hölzerne[s] über dem Ofen angebrachte[s] Gestell“, WBMÖ s.v. Äsen „Holzstangengerüst unter der Küchen- oder Stubendecke oder über dem Stubenofen“, Schw Id s.v. Asen „hölzernes Gestell über dem Ofen oder dem Herde zum Trocknen von Brennholz udgl.“. In schweiz. Mdaa. kennt man die Varianten Asne, Asni, Asme, Hasme, Asle, Asli, Hasli, Rasle, Rasli, Rassle(r), , bei denen teilweise der Artikel durch Metanalyse vorne angetreten ist (L). Das Kompositum

Asenstange erscheint auch als Hosenstange und Ösenstange (WG). Die ersten Belege für âse stammen aus frühmhd. Zeit: vgl. frühmhd. a sine „Gerüst, Gestell aus Holz oder Eisen“ (Glossierung von lat. catasta, vgl. Gl. 2.744.2), mhd. a se Akk. a sen swf. „Holzgestell oben an der Wand“, ebenso wie in den komponierten Formen vor-a se, vor- a sene swf. „id.“, in dem oven und ûf der asen Jüngl. 414; ein âsen (Akk.) mit schîtern wol geladen Kolm. 94,49; in wes kachelofen oder ûf wes vorâsen man nachts schîter vindet Feldk. r. 96; alle die bachöfen, die in der stat sint, die suln blatten ald îsenvenster hân und nit vorâsnen Zürch. rb. 33 (EWA I 364, Lexer s. vv. âse; vor-âse, vor-âsene). Außerdem gibt es eine Variante a sel, Assel swf. „Holzgestell zum Trocknen, Darre“ mit auslautendem -l schon ab dem Mhd.: ûf die âseln uber den hert (Kell. erz 355,26., vgl. Lexer s.v. âsel) (WB). M: Die Belege ousn, asen (D.Sg.) und asen (Akk.Sg.) deuten auf ein swf. Ase, G.Sg. Asen , der Beleg vorasnen (Akk.Pl.) auf ein swf. As(e)ne. (B).

Ase, Asenbaum, Asenstange

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WB: Neben den Simplicia Ase und Asen sind Asel, schweiz. Asle, Asli bezeugt, die aber, wie

das Genus Femininum zeigt, keine Deminutive sein können (L). Zwei Determinativkomposita sind Asenbaum und Asenstange mit den Varianten Ösenstange und Hosenstange (WG).

L: Der lange Wurzelvokal des thür. Wortes / ist durch Dehnung von mhd. a in offener Silbe entstanden (MhdGr 74ff.), wie die Varianten mit ursprünglichem Kurzvokal im Bair.

angesetztes mhd. âse mit â ist auf Grund

der Belege der altertümlichsten Mdaa. unhaltbar“). Der nicht umgelautete Vokal wurde in den thür. Maa. regelmäßig verdumpft und gegebenfalls diphthongiert, daher erscheint ousn im östl. Itzgrund., (n) und im Südostthür. und åosd im südl. Südostthür. Dies entspricht der dialektalen Vertretung von mhd. (< mhd. a in offener Silbe / ) im Thüringischen (Sp ThGr 61ff., 98ff.). Die Formen mit auslautendem Nasal sind Archaismen, wie die Varianten mit eingeschobenem -d- – falls nicht durch volksetymologischen Anschluss an dt. Ast, vgl. bair. Astel „id.“, bedingt – indirekt beweisen: Der Einschub des Okklusivs ist nur vor Nasal, aber nicht vor Vokal möglich (- sn- > -sdn-). Alle thür. Dialektvarianten können auf ein älteres südostthür. * zurückgeführt werden, das seinerseits durch Synkope des unbetonten Vokals aus *a sane, einer Suffixvariante von frühmhd. a sine „Gerüst, Gestell aus Holz oder Eisen“, mhd. a se Akk. a sen swf. „Holzgestell oben an der Wand“ entstanden ist, ebenso wie in den

zeigen (WBMÖ 394f.: „[

]

von Lexer 1, 101 [

]

komponierten Formen vor-a se, vor-a sene swf. „id.“ (WB). Die bair.-österreich. Wörter mit Sekundärumlaut sprechen für verschiedene Suffixallomorphe in der Grundform, vgl. bair. Äsen < * gegenüber thür. Ousn < * . Die außerthüringischen mundartlichen femininen Formen mit auslautendem -l- (B) sind, wie das Genus Femininum zeigt, keine Deminutiva, sondern beruhen auf Konsonantenwechsel (WBMÖ 395) wie z.B. in got. himins neben ahd. himil < *h 2 emenó- „steinerner (Himmel)“ (s.a. E idg ). Bair. Däse

und Räsen sowie die alemann. Formen Rasle, Rasi (< die Äse, der Äsen) sind durch Anwachsen von d- und -r des bestimmten Artikels aufgrund von Metanalyse entstanden, wie z.B. in Nassel „Assel“ < ein Assel (WBMÖ 395, DWb s.v. Assel 1 ). WG: Das Kompositum Asenstange ist manchmal volksetymologisch umgestaltet worden zu Hosenstange, weil unter anderem Kleidung auf dieser Stange getrocknet wurde; und Ösenstange durch die äußere Gestalt bedingte Angleichung an Öse (vgl. ThWb s.v. Ösenstange). – In den meisten Dialekten ist Ase etc. durch Darre oder gar durch die semantisch durchsichtigen Komposita Trockengestell, -gerüst ersetzt worden.

Ase, Asenbaum, Asenstange

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E germ : Die mdaa. Wörter sind mit mhd. ansboum, ensboum „Brückenbalken“, aisl. áss m. „(First-) Balken, Stange“, aschwed. m. „Balken (einer Brücke)“ < urgerm. *ansa- (auch ins Finnische früh entlehnt als ansas „Trage-, Stütz-, Spannbalken“) und got. ans*, D. Sg. anza m. oder n. „Balken“ < urgerm. *anza- verglichen worden (AnEW 16, Lehmann 38, Schw Id s.v. Asen, LägLOSpr. I 28, Schaffner 2001: 117f., mit weiterer Literatur). Ferner wird auch dt. Assel „Balken“ (B) damit verbunden (DWb s.v. Assel 2 ). Die in dieser Gleichung stillschweigend angenommene Vertretung der Konsonantengruppe -ns- durch dt. -(s)s- ist aber nicht möglich, da eine solche Assimilation nur im Alemannischen auftritt, vgl. schweiz. „Gans“. Der etymologische Anschluss an mhd. ansboum entfällt also deswegen, weil im Ostoberdeutschen eine Form **Anse zu erwarten wäre, vgl. bair. Ansbaum, Ensbaum < mhd. ansboum, ensboum wie in nhd. finster < ahd. finstar, nhd. Fenster < ahd. fenstar oder nhd. Linse < ahd. linsa. Die Annahme einer Metathese von mhd. *anse zu asne (DWb s.v. Assel 2 ) wäre ebenfalls ad hoc ebenso wie eine Vorform f. * , da die germanischen Vergleichsformen nur Genus Maskulinum aufweisen. In diesem Fall wäre zudem der lange Wurzelvokalismus nicht erklärbar: Die Bedingungen für eine Vokaldehnung liegen nicht vor, und außerdem müßte der Wurzelvokal eines hypothetisch zugrundeliegenden urgerm. * aufgrund des Osthoffschen Gesetzes ausschließlich kurz sein. Die Konkurrenz von Formen wie mhd. ansboum, alem. Asnebaum und thür. Asenbaum lässt sich hingegen ohne Schwierigkeiten durch volksetymologische Kontamination von ansboum und frühmhd. a sine erklären (E idg ) . Das Vorderglied von mhd. Wort ansboum, ensboum und die oben erwähnten Formen got. anza (D. Sg.), aisl. áss sowie finn. ansas < urgerm. *ans/za- m. „Balken“ mit grammatischem Wechsel haben sich bisher einer genauen etymologischen Deutung entzogen. E idg : Die bisherigen Etymologien scheitern aus verschiedenen Gründen. So kann wegen lautlicher Probleme lat. asser m. „Latte, Stange“ nicht aus *ans° entstanden sein, da die Lautgruppe -ns- in der lat. Hochsprache erhalten blieb, vgl. lat. „Schwert“ und lat. (alat. COSUL) mit Ausbleiben der littera-Regel bei nasalierten Vokalen. Semantische Unvereinbarkeit spricht gegen die etymologische Verbindung von Ase etc. „Darre, Trockengestell“ mit den Wörtern lat. f. „Griff, Henkel, Öse“, lit. à f. „Henkel, Griff, Handhabe“, lett. ùosa, ùoss „Henkel“, apreuß. ansis „Kesselhaken“, die aus uridg. *h 2 amh 3 -s-ah 2 entstanden sind und zur Wurzel *h 2 emh 3 - „anfassen, packen“ (LIV 265f.) gehören (vgl. LitEW 18). Außerdem sind diese Wörter mit got. ans* auch lautlich

Ase, Asenbaum, Asenstange

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unvereinbar, da ein uridg. * h 2 amh 3 -s-ah 2 zu got. ** geführt hätte, vgl. got. mimz n.

„Fleisch“ < germ. *mimza- (Lehmann 256). Die einzige aus lautlichen und semantischen Gründen vertretbare etymologische Anknüpfung ist die mit der Wurzel *h 1 enh 3 - „eine Last bewegen, tragen“, die in lat. onus n. „Last, Fracht, Ladung; Wagengepäck; Mühe, Beschwerde“ und ai. anas- n. „Lastwagen, Troßwagen, Reisekarren“ < *h 1 énh 3 -os- sowie wohl in gr. „Esel“ < *h 1 ónh 3 -o-

„Lasttier“ fortgesetzt ist (Janda 1999: 188; 194; 202, mit weiteren Beispielen). Die

germanischen Wörter stellen dabei thematische Adjektivableitungen des in lat. onus und aind. anas- vorliegenden neutralen s-Stamms dar, d.h. *h 1 onh 3 -s-ó- „tragend“ > germ. *anza- > got. ans*, mit optionalem Substantivierungsakzent *h 1 ónh 3 -s-o- „der Tragende“ > germ. *ansa- > aisl. áss „Balken“. Zum Ablautwechsel zwischen s-Stamm mit e-stufiger Wurzel und thematischem Adjektiv mit o-stufiger Wurzel vgl. lat. collus (Plaut.), collum (Cic.), dt. Hals < *k w ólh 1 -s-o- *„der Drehende“ (Walde/Hofmann LEW 245) zu idg. *k w élh 1 -os- „Drehung“ (gr. n. „Ende“ < *„Drehpunkt“). Während aber mhd.

ans(-boum) direkt germ. *ansa- fortsetzt, ist die umgelautete Variante ens(-boum) nach

mhd. mda. *äsen, bair. Äsen (L) umgestaltet.

Das später schwach flektierende Substantiv mhd. a se, a sen bzw. mda. asne / äsne usw. <

frühmhd. Wort a sine ist dagegen ein lateinisches Lehnwort aus mlat. asina „Eselin“, vgl. – mit derselben semantischen Entwicklung – süd- und nordfrz. âne „Gestell“ < *as(i)na,

regg. azner „Hauptdachbalken“, span. asnas (Pl.) „Dachsparren“ (REW 57, EWA 364, mit weiterer Literatur). Die Annahme einer Entlehnung erklärt sowohl den Wechsel zwischen

-n- und -l- im Auslaut der regionalen Varianten (B), vgl. lat. asinus, asina und got.

asilus, ahd. esil, als auch den Sekundärumlaut in mhd. mda. *äsen, bair. Äsen.

Die Spezialisierung der Bedeutung auf „Ofenstange zum Trocknen“ könnte aber durch frühe Assoziierung mit mhd. esse f. „Feuerherd des Metallarbeiters“ zustande gekommen

sein, das über ahd. essa „id.“ < urgerm. *as- (EWAhd II 1161f.) auf uridg. *h 2 á(h 1 )s- ah 2

„Trocknerin“ mit Laryngalschwund durch Wirkung der Wetter-Regel wie in ahd. wetar <

*h 2 e(h 1 )d h ro- (Peters 1999: 447) zurückgeht. Eine semantische Parallele ist nhd. Darre

„Gestell zum Trocknen von Obst“ zum Verb dörren „trocknen“. Eine direkte Herleitung von frühmhd. a sine aus der urgerm. Wurzel *as- „trocknen“ wie in WBMÖ 394f. ist dagegen mit schwerwiegenden phonologischen und morphologischen Problemen behaftet:

Der Sekundärumlaut würde den Ansatz einer dehnstufigen Bildung urgerm. * aus

einer schon in uridg. Zeit v ddhierten Grundform *h 2 h 1 senah 2 (mit Ausbleiben der

Laryngalumfärbung gemäß dem Eichnerschen Gesetz, vgl. germ. * - „Wasser, Fluss“

Ase, Asenbaum, Asenstange

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< *h 2 ák w ah 2 vs. * wija- „Meer“ < *h 2 w i ó- (Darms 32f.)) erfordern, was wegen der Anfangsbetonung und der fehlenden Ableitungsbasis morphologisch unhaltbar ist. Eine german. V ddhiableitung könnte andererseits erst nach Laryngalumfärbung und Laryngalschwund erfolgt sein und hätte urgerm. * und nicht * ergeben, vgl. germ. * - „Huhn“ zu *hana-n- „Hahn“ (Darms 1978: 122ff.). Lit.: B EWA I 364, Lexer s. vv. âse; âsel; vor-âse, vor-âsene; Schmell s.v. Âsen, Âsem, Âs; Âsenbâum; Schw Id s.v. Asen; ThWb s.v. Ase; WBMÖ s.v. Äsen; L DWb s.v. Assel 1 ; MhdGr 74ff.; Sp ThGr 61ff., 98ff.; WBMÖ 394f.; WG ThWb s.v. Ösenstange; E germ AnEW 16, DWb s.v. Assel 2 ; Lehmann 38; LägLOSpr. I 28; Schaffner 2001: 117f.; Schw Id s.v. Asen; E idg Darms 32f.; 122ff.; EWAhd II 1161f.; EWA 364; Janda 1999: 188; 194; 202; Lehmann 256; Walde/Hofmann LEW 245; LitEW 18; LIV 265f.; REW 57; Peters 1999: 447; WBMÖ 394f.

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asten swV „sich abmühen, eine schwere Last tragen; sich beeilen“ abasten swV „sich abmühen“ nachasten swV „nachrennen“ asteln swV „eine schwere Last tragen; sich beeilen“

Z: Das in obdt. und mdt. Dialekten belegte schwache Verb asten (mit der Frequentativbildung asteln)

besitzt zwei miteinander nicht kompatible Bedeutungen („sich abmühen, eine schwere Last tragen“ vs.

„sich beeilen“), die auf zwei ursprünglich eigenständige Verben mit unterschiedlichen Etymologien

hindeuten. Die erste Quelle des Verbs ist das Substantiv Ast in der Bedeutung „Buckel, Schulter“, das

seinerseits ahd. ast „Ast, Zweig“ direkt fortsetzt; das daraus abgeleitete Verb bedeutete ursprünglich

„etwas Schweres auf dem Buckel tragen“, woher sich die Bedeutung „sich abmühen, schuften“

entwickelt hat. Das zweite Verb ist hingegen genauso wie mhd. hasten ein Lehnwort aus mndl. haesten,

aesten „sich überstürzen“, das seinerseits aus dem Altfranzösischem in einer Zeit entlehnt wurde, als

der anlautende Hauchlaut nur orthographisch, aber nicht sprachwirklich war. Das zugrundeliegende

afrz. Wort haste „Eile“ ist aus dem Westfränkischem entlehnt und setzt das urgerm. Abstraktum *haifsti- „Heftigkeit“ fort (uridg. Wurzel *k’e h 2 b h - in (rascher) Bewegung sein, vgl. ai. bha-

„rasch“).

B: Das thür. Verb asten weist zwei verschiedene Bedeutungen auf: einerseits „eine schwere Last tragen, sich abmühen, angestrengt arbeiten“, andererseits „sich beeilen, schnell laufen“. Die erste Bedeutung ist verstreut im Nordostthür. (vgl. Merseburgisch da kannste aber asten!), selten im südl. Ostthür., außerdem bei Wernigerode, Mühlhausen und Coburg

). Mit derselben Bedeutung ist auch das komponierte Verb abasten

). Die zweite Bedeutung ist in

). Neben

asten ist auch eine frequentative Bildung asteln mit beiden Bedeutungen in Sangerhausen

). Das komponierte Verb südostthür. nachasten

(Greiz) weist hingegen nur die zweite Bedeutung auf, vgl. dr Wert kam mer schun met en

). Das Verb asten ist mit beiden

Bedeutungen „schwer tragen, schwere Lasten (auf dem Rücken) tragen, schleppen; schwer arbeiten“ sowie „sich beeilen, rennen“ auch in den benachbarten obersächsischen

. Die zweite Bedeutung ist außerdem auch in weit

entfernten Mundarten nachweisbar, vgl. schweiz.dt. asten, nachasten „streben, trachten nach einem Ort oder Ziel, eilen“ (Küng Hilfrich astet und eilet nach Paris, 1548, vgl.

belegt (

ThWb s.v. asten

bei Sondershausen und Zeitz bezeugt (

ThWb s.v. abasten

Bernburg, Sondershausen, bei Artern und in Zeulenroda bezeugt (

und Bernburg belegt (

ThWb s.v. asteln

grußen Ruhrstacken nochgeast (

ThWb s.v. nachasten

ThWb s.v. asten

Dialekten vorhanden,

vgl. WosM 98

SchwId 576

).

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M/WB: Thür. asten ist ein schwach flektierendes Verb, genauso wie die daraus abgeleiteten

). Das Verb

asteln

eine Kreuzung von asten mit dem Synonym thür. achseln „eine Last auf den Schultern

), vgl. dazu die Synonyme thür. Astelstein und Achselstein

) oder

Präfixbildungen ab- und nachasten (zu diesen Bildungen vgl.

Lühr Nhd. 178ff. Lühr Nhd. 170
Lühr Nhd. 178ff.
Lühr Nhd. 170

ist entweder eine deverbale Ableitung mit dem Suffix -el- (

ThWb. s.v. achseln

tragen“ (

„Zaunpfahl aus Stein oder Beton“ (

ThWb s.v. Achselstein

).

E germ1 : Die zwei verschiedenen Bedeutungen von asten sind durch Zusammenfall von zwei ursprünglich unterschiedlichen Verben zu erklären. Mda. asten „sich abmühen, Schweres auf dem Rücken tragen, angestrengt arbeiten“ ist eine denominale Ableitung aus dem Substantiv thür. Ast m. n. „Zweig eines Baumes; Schulter, Buckel“ und bedeutete ursprünglich „auf dem Buckel tragen“, woraus sich die Bedeutungen „schuften“ und „Schweres tragen“ entwickelt haben. Eine semantische Parallele dazu bietet das thür. Verb achseln „eine Last auf den Schultern tragen“, das ebenfalls eine denominale Ableitung aus thür. Achsel „Schulter“ ist (vgl. auch hohe Achsel „verwachsener Rücken“, ThWb s.v. Achsel). Zu dieser Benennungsmotiv vgl. noch it. sgobbare „schuften, angestrengt

). Die in vielen deutschen

Dialekten zu beobachtende Bedeutungserweiterung von Ast (dialektal auch Nast mit

arbeiten“ aus it. gobba „Buckel“ (

Diz. De Mauro s.v. sgobbare

Zusammenwachsen des unbestimmten Artikels aus ein Ast, vgl.

„Buckel“ beruht auf der ursprünglichen Bedeutung von urgerm. *asta- m. „Auswuchs am

Baum, Ast, Zweig“ (

mndl. ast „Zweig; Arm eines Kreuzes“ (ae. „Knoten im Holz“, „rauh, knotig“, mnd. , mndl. oest, noest „Knorren, Stelle, wo ein Ast vom Stamm ausgegangen ist“ sind

). Das Wort bezeichnete

ursprünglich nicht den Zweig an sich, sondern den Ansatz des Zweiges, d.h. den Punkt, woraus der Zweig sprießt (< uridg. *h 2/3 o-sd-o- „Ansatz (am Stamm); Ast“, vgl. gr. , gr. lesb. „Ast, Zweig, Schössling; Baum-, Stengelknoten“, arm. ost „Ast, Zweig“,

). Uridg. *h 2/3 o-sd-

o- ist so ein thematisiertes präpositionales Rektionskompositum, das von der Präposition

*h 2/3 o- „bei, an, auf“ und der Verbalwurzel *sed- „sitzen“ (

diesem Typ vgl. uridg. *ni-sd-o- „Niedersitz“ > „Nest“). Aus „Auswuchs am Baum“ hat sich dann metaphorisch die Bedeutung „Auswuchs am Rücken, Buckel“ und schließlich metonymisch „Schulter“ entwickelt.

) gebildet ist (zu

heth. hasd-uir (kollektiv) „Zweige, Reisig, Abfall“, vgl.

jüngere V ddhi-Ableitungen zu *asta-, vgl.

), vgl. got. asts „Zweig“, ahd. as. mnd.

DWB s.v. Ast) zu

got. asts „Zweig“, ahd. as. mnd. DWB s.v. Ast ) zu Paul DtWb 55 , EWA
Paul DtWb 55 , EWA I 373f.
Paul DtWb 55
, EWA I 373f.

Darms 1978: 237f.

EWA I loc.cit.

LIV 513f.
LIV 513f.

3

E germ2 : Das zweite Verb asten „sich beeilen“ kann aus semantischen Gründen nicht zu asten „schuften“ gehören und stellt ein Homonym davon dar. Das Wort ist eine dialektale Variante von dt. hasten „sich überstürzen“ und weist im Vergleich zur standarddeutschen Form Beibehaltung des ursprünglichen h-losen Anlauts auf. Wie schon längst bekannt (vgl.

EWD s.v. Hast,

Pfeiffer EWD s.v. Hast,

bekannt (vgl. EWD s.v. Hast , Pfeiffer EWD s.v. Hast , DWB s.v. Hast ), handelt

DWB s.v. Hast), handelt es sich bei hasten um ein

denominales Verb aus dt. Hast „aufgeregte Eile, Überstürzung“, ein durch mittelniederländische Vermittlung aus afrz. haste ‚Eile’ (vgl. afrz. en haste „in Eile“, nfrz. hâte) entlehntes Wort, das seinerseits ein Lehnwort aus urgerm. *haifsti- ‚Heftigkeit’ ist,

. Das anlautende h- des altfrz. Wortes war zur Zeit der Entlehnung ins

Das beweisen die

Varianten des Substantivs mndl. aeste haeste und haest ‚Hast’ sowie des

. Bei der Entlehnung ins

) wurden Substantiv und Verb

dann orthographisch richtig mit anlautendem Hauchlaut übernommen. In der vorwiegend analphabeten mundartlichen Tradition wurde aber das Verb zuerst ohne Hauchlaut gesprochen (thür. hasten ist eine späte Entlehung aus der deutschen Hochsprache). Durch lexikalischen Zusammenfall mit dem schon vorhandenen Verb asten „schuften“ wurde schließlich asten „sich beeilen“ in den mitteldeutschen Mundarten bewahrt. E idg : Urgerm. *haifsti- „Heftigkeit, Streit, Anstrengung“ (vgl. got. haifsts* f. „Streit“, an.

vgl.

Gamillscheg 520

Mittelniederländische

stumm

geworden

und

rein

orthographisch.

Verbs mndl. aesten neben hasten, haesten, vgl.

Mittelhochdeutsche (etwa 14. Jh., vgl.

MnedWb 17, 19

Pfeiffer EWD loc.cit.

heifst, heift, heipt „Haß, Rache“, ae. h st „Feindschaft“,

) ist ein -ti-Abstraktum zum verbal nicht belegten

Stamm urgerm. *heif(-s)-, vgl. dazu auch das Adjektiv urgerm. *haifstija- „heftig, gewaltsam“ (> ae. h ste, afr. , ahd. heisti, mhd. heifte, heftec, nhd. heftig, vgl.

PN ahd. Heibo, as. und ahd.

Heibiscesbiunta (

*k’e h 2 b h - „in (rascher) Bewegung sein“ ist wohl auch in ai. bha- „schnell, rasch“, bham (Adverb), bhya- ‚rasch fahrend’ und (< *k’i(h 2 )b h -ró-, mit regelmäßigem

Laryngalschwund nach der „Wetter“-Regel) enthalten (gegen diesen Vergleich

). Es handelt sich dabei, wie auch das gegen uridg. Wurzelstrukturbeschränkungen

verstoßende Nebeneinander einer Tenuis und einer Media aspirata in der selben Wurzel

verrät (**T_D h , vgl. dazu

). Die zugrundeliegende Verbalwurzel spätidg.

vgl. IEW 542 , AeEW 146 , AnEW
vgl. IEW 542
, AeEW 146
, AnEW
217f. , EWD s.v. Hast, Casaretto 517
217f.
, EWD s.v. Hast,
Casaretto 517

EWGPA

266f.,

EWD

s.v.

heftig

)

sowie

die

Lühr Skalden Egill 314

EWAia II
EWAia II
643
643

Szemerényi Einführung 90ff.

), um die -b h -Erweiterung der

Wurzel *k’e h 2 - „sich in Bewegung setzen“, die gr. „bewege mich“ < *k’ih 2 -nu-, gr. Hesych 3. Sg. Aor. <= 3. Pl. Aor. *k’ih 2 - to, und lat. „setze in

4

Bewegung“ < *k’ih 2 e/o- zugrundeliegt (

Wurzel (*k’e h 2 g h - „in

unverzüglich, schnell“ < *k’ih 2 g h -ró-, ai. ghrya- „hastig“ (

„streben; sich beeilen; sich anstrengen“ (

„id.“ und wruss. „schreiten, große Schritte machen“ (

LIV 346
LIV 346

). Eine andere Erweiterung derselben

in ai. á- „rasch,

), ae.

), russ. „springen, hüpfen“, russ.

erscheint

EWAia II 642f.

Vasmer II 622 , IEW
Vasmer II 622
, IEW

(rascher)

Bewegung

sein“)

AeEW 160

542f.
542f.

).

Lit.: B SchwId 576; ThWb s.vv. abasten, asteln, asten, nachasten; WosM 98; M/WB Lühr Nhd. 170, 178ff.; ThWb. s.vv. achseln, Achselstein; E germ1 Darms 1978: 237f.; Diz. De Mauro s.v. sgobbare; DWB s.v. Ast; EWA I 373f; LIV 513f.; Paul DtWb 55; E germ2 DWB s.v. Hast; EWD s.v. Hast; Gamillscheg 520; MnedWb 17, 19; Pfeiffer EWD s.v. Hast; E idg AeEW 146, 160; AnEW 217f.; Casaretto 517; EWAia II 642f.; EWD s.v. Hast; EWGPA 266f.; EWD s.v. heftig; IEW 542f.; LIV 346; Lühr Skalden Egill 314; Szemerényi Einführung 90ff.; Vasmer II 622.

1

Banse, Bansen Sb m. „Seitenraum im Erdgeschoß der Scheune“ Banse Sb f. „id.“ Bansel Sb f. m. „Seitenraum der Scheune; aufgeschichteter Getreidehaufen; kleine, unbestimmte Menge“ bansen, banseln, bansnen swV „einen Haufen stapeln; bunkern; essen“

Z. Das mda. Substantiv Bansen m. (neben Banse f.) ‚zur Aufbewahrung von Getreide, Stroh und Heu dienender Seitenraum im Erdgeschoß der Scheune’ setzt eine vorurgermanische Abstraktbildung *b h ónd h -to- ‚Bindung’ oder ein Konkretum *b h ónd h -s-o- ‚Gebundenes’ => ‚Korb; Krippe’ => ‚Scheune, Stall; Heuhaufen’ (zur idg. Wurzel *b h end h - ‚binden’) fort; das Wort ist mit aisl. báss ‚Stand im Kuhstall’, got. bansts ‚Scheuer’, ae. bosig ‚Stall, Heuplatz über dem Stall’, ne. dial. boose ‚Kuh oder Pferdestall’, ne. dial. boost, beust ‚(Krippe im) Kuhstall’, mnd. ‚Viehstall’, nnl. boes ‚Teil des Kuhstalls’, mnl. banst ‚runder Korb’, nordfr. buusem ‚Stall’ und (mit ferner Bedeutung) afr. (D.Sg.) ‚Ehe’ verwandt. B: Das thür. Wort Banse, -n m., f. bedeutet hauptsächlich ‘zur Aufbewahrung von Getreide, Stroh und Heu dienender Seitenraum im Erdgeschoß der Scheune (auf einer Seite oder beiderseits neben der Tenne liegend)’. Mit metonymischer Bedeutungsverschiebung bezeichnet das Wort außerdem ‘Trennwand zwischen Tenne und Bansen im Erdgeschoß der Scheune (zumeist aus Brettern, aber auch aus einer Lehmwand bestehend)’, wobei wohl auch zugleich der gesamte Scheunenraum einbezogen ist (nur verstreut im westl. und südl. Zentraltthür, selten im westl. Nordthür., Ilmthür., westl. Ostthür. und nördl. Südostthür. belegt). Etwas seltener bedeutet Banse(n) ‘Getreideschober im Freien oder in der Scheune’ (mittl. Nordthür., nördl. und östl. Nordostthür., nordöstl. und westl. Zentralthür., Jena). Neben der Bedeutung ‘Heuhaufen’ (Ilmenau), auch speziell ‘Heuhaufen auf einem Reuter’ (Sonneberg), ist schließlich die Bedeutung ‘große Menge, Haufen’ als allgemeine Mengenbezeichnung verstreut bezeugt, und zwar im Nordtthür. (ohne N-Rand), Mansf. 1857, ob. Schwarza 1819, Sömmerda, Erfurt, Apolda, Gotha, vgl. das is ja ä Bansen Zeich! (Apolda), äich hob heit n Bansen Wesch (Lobenstein), vergangnen Winter hott’ me a Bansen Schniä (Erfurt), verstärkend in der Zwillingsformel Hufen un Bansen (Mühlhausen), auch ‘Batzen, Klumpen, ein Stück weicher Masse’ (Gotha).

2

Das Synonym thür. Bansel f. m. weist die ganze Bedeutungspalette von Banse(n) auf – jedoch bedeutet nur das Mask. ‚im Freien oder in der Scheune aufgestapelter Getreidehaufen’; außerdem hat das Wort die Bedeutung ‚kleine Menge, Handvoll’ (Hennb.

]; das daraus abgeleitete schwache Verb banseln

‘Getreide, Stroh, Heu (die Ernte) in die Bansel einbringen’ (Gera, Schmölln GBr, baansel Bad Salzungen 1888) ist auch komponiert als zusammenbanseln in Gebrauch. Aus Banse ist hingegen das Verb bansen, bänsen direkt abgeleitet. Das Verb bedeutet ‘etw. auf einen Haufen stapeln’ z. B. Holz, Kohlen, Stroh; Erntegut im Bansen fest einlagern; (speziell) viel essen < *(Essen) bunkern, hineinschlichten’, vgl. se hotten nich schlacht gebonst ‘viel gegessen’ Pößneck, se bansten’s in de Rippen ‘verzehrten eine Menge’ Sondershausen; von einer gutwilligen Person heißt es wenn keiner will, muß Teffel (Toffel) banse Sömmerda, Merseburg; vgl. dazu einbanse(l)n, verbansen, vollbansen, zubansen; ‚Erntegut auf den Erntewagen schichten’ zumeist als Tätigkeit der Frauen, selt. nordöstl. Got–Sömm–Mersb, °Grz Wil, auch ‘Kartoffelsäcke auf dem Wagen verstauen’ Merseburg (vgl. aufbansen, hochbansen); im übertragenen Sinn ‘angestrengt arbeiten, sich plagen’ (nur Greiz). Zum Verb bansen gehört auch das Nomen Agentis Banser m. ‘Mann, der Erntegut in den Bansen schichtet’ (Sondershausen 1862, HohenMölsen; Komponiert auch als Strohbanser belegt). Aus der n-stämmigen Variante Bansen ist schließlich das denominale Verb bansnen swV.

‚dass. wie bansen’ (Arnstadt, Arbsenstruh bansent sich schlacht Erfurt) abgeleitet [

1855) [zu den Belegen vgl.

ThWb s.v.

ThWb.
ThWb.
s.vv.
s.vv.

].

Die Wörter Banse(n) und Bansel sind auch als Bestandteile von Determinativkomposita häufig verwendet, vgl. z.B. Bansel-, Bansenblatt n., Bansenbleiche f., Bansenbrett n., Bansenlade f., Bansel-, Bansenschurz m., Bansenschutz m., Bansschiedel m., Bansel-, -ä-, Bansenwand, f., alle ‚Trennwand zwischen Tenne und Bansen im Erdgeschoß der Scheune’ zumeist aus Brettern, aber auch aus einer Lehmwand bestehend (zu weiteren

Synonymen vgl.

einem Lappen umwickelt ist (WG); die beim Flegeldrusch zuletzt ausgedroschene Garbe; Schnaps und Wurst, die von den Dreschern beim Abschluß des Flegeldrusches verzehrt werden; Drescher, der beim Flegeldrusch den letzten Schlag ausführt u. deshalb den Bansen ausfegen muß; leichtes Mädchen, Hure’; Bansengabel f. ‘kurzstielige Reichgabel’; Bansengereine n. ‘Getreideabfall, der sich beim Flegeldrusch auf dem Boden des Bansens ansammelt’; Banselhahn m. ‘fiktives Tier, nach dem man bei der Ernte jmd.

ThWb s.v. Bansenwand); Bansenfeger m. ‘derber Stock, dessen Ende mit

Tier, nach dem man bei der Ernte jmd. ThWb s.v. Bansenwand ); Bansenfeger m. ‘derber Stock,

3

schickt, um ihn zu veralbern’ (den Banselhohn holen Altenburg); Bansel-, Bansenwurst f. ‘Wurst, die angeblich in der zuletzt ausgedroschenen Garbe versteckt ist’ (als Scherz beim Flegeldrusch muß sie von dem Drescher, der den letzten Flegelschlag ausführt [auch von Kindern], gesucht werden; Eisenach: wer den letzten Schlag beim Flegeldrusch ausführt hat die Banselworscht gefangt); Umtrunk und Essen nach dem Abschluß des

Flegeldrusches’ [zu weiteren Komposita vgl.

Das Substantiv ist auch in Niederhessen bezeugt, vgl. hess. Bansen m. ‚aufgeschichteter Haufen von Garben; Menge, große Anzahl’, Kassel (19. Jh.) Gebänze ‚Aufeinanderschichtung größerer Gegenstände, Holzstücke, Stroh- und Heubündel u. dgl.’ (zu weiteren Belegen aus dem Nieder- und Mitteldeutschen von der Küste bis Hessen-

Thüringen, dazu im ostmitteldeutschen Kolonialland, vgl.

ThWb. s.vv. Bans°

].

Lerchner 1965: 39f.

).

M/WB: Die Substantive Banse m. und Bansen m. sind durch Paradigmenspaltung aus einem schwachflektierenden mask. Substantiv Banse (direkte Kasus) / Bansen (oblique Kasus) entstanden. Zweideutig ist hingegen die fem. Form Banse, da das Wort ein altes st. Fem. auf - - fortsetzen oder durch spätere Genusdifferenzierung direkt von Banse m. stammen

könnte, vgl. z.B. mhd. bin(e)z m. > nhd. Binse f., mhd. loh(e) m. > nhd. Lohe f. (

). Der Nebenform Bansel (auch Bänsel ) f. (m.) liegt eine alte * - - Bildung zugrunde, Bansel (auch Bänsel) f. (m.) liegt eine alte *- -Bildung zugrunde,

wie die umgelauteten Belege zeigen. Aufgrund der Bedeutungsspezialisierung der mask. Variante zu ‚Getreidehaufen (im Freien)’ ist es allerdings möglich, dass Bansel (m.) durch Sonantendissimilation aus Bansen herrührt und sekundär mit Bansel (f.) zusammengefallen ist. Vgl. dazu z.B. die Ableitung Bänsling m. ‚Bansenwand’, die entweder eine -ling- Ableitung von Banse darstellt oder direkt *bänsning < *bans(e)n-ing fortsetzt (zur

Schwarz 1960:

).< * bans(e)n-ing fortsetzt (zur Schwarz 1960: Dissimilation vgl. ON Prüfening / dial. Priefling <

Dissimilation vgl. ON Prüfening / dial. Priefling < ahd. Bruueningun, vgl.

Frnhd Gr
Frnhd Gr

WG: Der Bansenfeger ist ein ‘derber Stock, dessen Ende mit einem Lappen umwickelt ist’ angeblich zum Ausfegen des Bansens, aber nur als Brauchtumsgegenstand, nach dem man Kinder oder Neulinge beim Ausdreschen der letzten Garbe schickt, um sie zu veralbern; auch nur als fiktiver Gegenstand, der vom Wirt, Kaufmann oder Nachbarn geholt werden soll, an dessen Stelle aber ein mit Steinen gefüllter Sack bzw. eine Katze im Sack

mitgegeben wird (

gefüllter Sack bzw. eine Katze im Sack mitgegeben wird ( ThWb s.v. Bansenfeger ). E g

ThWb s.v. Bansenfeger).

E germ : Das mda. mitteldtsch. Substantiv Banse(n) m. ‚zur Aufbewahrung von Getreide, Stroh und Heu dienender Seitenraum im Erdgeschoß der Scheune’ hat genaue Komparanda in anderen germanischen Sprachen. Die Substantive aisl. báss m. a-St. ‚Stand im Kuhstall’,

4

mnd. m./f. ‚Viehstall’, nnl. dial. boes m. ‚Teil des Kuhstalls’, bâskees ‚Bansenkiste’, nordfries. buss m, (Sylt) buusem ‚Stall’ und ne. dial. boose ‚Kuhstall, Pferdestall; oberes

Teil des Stalls, wo sich das Futter befindet’ (

formal (bis auf die Stammbildung des altwestnordnischen Wortes) dem mitteldt. Substantiv. Das ne. Wort setzt eine altenglische Form * fort, die von der Ableitung ae. m. ‚Stall, Heuplatz über dem Stall’ vorausgesetzt wird. Wenn man für mda. Banse(n) sekundäre Anfügung eines -n-Suffix annimmt, sind alle angeführten Wörter von einem a-

Lerchner 1965: 39, mit Literatur) entsprechen

von einem a- Lerchner 1965: 39, mit Literatur) entsprechen Stamm urg. * bansa- m. ‚Abteilung im

Stamm urg. *bansa- m. ‚Abteilung im Viehstall / in der Scheune’ herleitbar (

1965: 38-41 , Hill 2003: 159) .
1965: 38-41
, Hill 2003: 159)
.
Lerchner
Lerchner

Neben den erwähnten Wörtern sind in einigen altgermanischen Sprachen auch -t-haltige Bildungen belegt, vgl. got. bansts m. ‚Scheuer’ (i-St.), das einen alten i- oder a-St. fortsetzt

(vgl.

banst, baenst ‚runder Korb’. Semantischen ferner, aber trotzdem sicher zugehörig, ist der

). Das Nebeneinander von

Bedeutungen wie ‚Kuhstall’ einerseits und ‚Scheune, Scheuer’ andererseits ist ohne Schwierigkeiten überbrückbar, da im altgermanischen Haus Tiere, Getreide und Heu im

). Die weitere

Verbindung dieser Wortgruppe mit der idg. Wurzel *b h end h - ‚binden’, die in allen germ. Sprachen als Verb belegt ist, vgl. ahd. bintan, as. bindan, mnd. binden, afr. binda, ae.

bindan, aisl. binda, got bindan (

), erlaubt eine naheliegende Erklärung auch für die Bedeutung von afr. * ‚Ehe’, eine

rechtliche Spezialisierung von einem alten Abstraktum *bons(s)-tu- ‚Verbindung’ (anders

Hill 2003: 161

sekundäre Erweiterung mit dem Suffix *-tu- von ererbtem urgerm. *bansa- ‚Bindung’ zur Verdeutlichung als Verbalabstraktum (ein ererbtes *b h ond h -s-tu- bereitet hingegen lautliche und morphologische Schwierigkeiten). Auf parallele Weise wurden got. bansts, ne. dial. boost, beust und mnl. banst weitergebildet (< *bans(s)-to-), vgl. etwa

, mit Literatur). Es handelt sich um eine

denselben Raum untergebracht wurden (Kaufmann 1987: 285,

u-stämmige afr. Dat. Sg. ‚Ehe’ (

), ne. dial. boost, beust ‚Kuhstall, Krippe im Kuhstall’ und mnl. banste,

Hill 2003: 158

Lerchner 1965: 40f.

Hill 2003: 158

Seebold Germ. st. Verben 102ff.

,

EWAhd II 72ff., LIV

75
75

; zur Semantik vgl.

EWAia II 209

Bammesberger Morph. Urg. Nom. 1990: 77

. Ein sicheres Beispiel dieser Weiterbildungen

in den germ. Sprachen ist ae. hlæst, ahd. last ‚Last’ < *hlas(s)-ti- vs. aisl. hlass ‚Last,

Hill 2003: 211-

Ladung’ < *hlassa- anzuführen < vorurgerm. *klat-to- (zur Diskussion vgl.

216 ). Gegen
216
).
Gegen

Rekonstruktion eines Determinativkompositums urg. *bansa-sta-

‚Raum mit Unterständen für Rinder’ sprechen hingegen folgende Umstände: 1) Die von E.

Hills 2003: 160

5

Hill angesetzte spezielle, von einem Verb für ‚stehen’ ausgehende Bedeutung ‚Unterstand für ein einzelnes Rind’ < ‚Stelle zum Anbinden von Vieh’ ist für urg. *bansa- nicht nachzuweisen, da das Wort eher ganz allgemein ‚Abteilung im Viehstall / in der Scheune’ bedeutete; 2) die Annahme einer Haplologie *bansastV- > got. bansti- ist wegen des unterschiedlichen Silbenanlauts (sV.stV) unwahrscheinlich (alternativ könnte man an Synkope denken, was aber nur in einem durchsichtigen Kompositum im Gotischen

problemlos zu rechtfertigen ist, vgl. die Beispiele von Synkope in

; bei undurchsichtigen Bildungen wird ein Kurzvokal im Got. nur vor schwerer bzw.

doppelter Silbe synkopiert, vgl. got. taihswa < * n , 1.P.Pl.Pass. -nda < *-midai,

niuklahs

Vorbereitung

]); man müßte also aus einem Gen. Sg. urgot. *bansastais > *banstais

ausgehen); 3) die Bedeutung von mnl. banst ‚runder Korb’ kann mit einer ursprünglichen Bedeutung ‚Unterstand für ein einzelnes Rind’ nicht in Einklang gebracht werden und eine

) wäre

Trennung dieses Wortes von got. bansts und ne. dial. boost, beust (so

allenfalls der letzte Ausweg. Das mnl. Wort legt vielmehr eine Grundbedeutung ‚Bindung’ > ‚zusammengebunder Korb’ (vgl. nhd. Korbbinder, Fassbinder) > ‚Futterkorb, Trog, Krippe für das Vieh; Behälter für Heu und Getreide’ nahe (vgl. gr. ‚Krippe’ <

*b h d h -nah 2 ‚die Gebundene’, zum Lautl. vgl.

), die durch Synekdoche die

Bedeutung ‚Stall/Scheune’ erhielt. Als Parallele für die Entwicklung ‚Korb, Trog’ > ‚Viehstall, Scheune’ kommen folgende Beispiele in Frage: 1) ahd. parno m. n-St. ‚Krippe, Raufe, praesepium, praesaepe’, mhd. houbarn foenile’, mhd. barn st. m. ‚Krippe’, nhd.

dial. Barn ‚Krippe, Heuschuppe, Stall’ (vgl. ON Rimpar ‚Rindbarn, Rinderstall’) [

Krause Hdb. d. Got.

91f.
91f.

<

*niwaknahaz,

ajuk- þs

<

*aiwa/ik(w)a-

(

Neri

Synkope

im

Got.

[in

Hill 2003: 158

EWAhd II 73

DWb.
DWb.
s.v. barn ,
s.v. barn
,

EWAhd I 482 s.v. *barno, parno

]; das Wort ist mit gr. ‚Tragkorb’

wurzelverwandt (vgl. dazu

zu *b h er- ‚tragen’); 2) mhd. krebe st. m. ‚Korb’, vuoterkrebe ‚Futtertrog’, ahd. kripfa, crippea ‚Krippe’, aisl. krubba f. ‚Krippe’ > nisl. krubba ‚Abteilung im Viehstall’ (zu urg.

*kruban-

Wenig

IEW 137f. s.v. *b h er-

‚flechten, weben’ oder

EWAhd. I loc. cit.

‚Geflochtenes’,

vgl.

Lühr

Expressivität

und

Lautgesetz

S.

250f.

).

wahrscheinlich

ist

hingegen

die

von

Lerchner

(1965:

41

,

mit

Literatur)

vertretene

Etymologie ‚durch Bindetechnick geflochtenes Haus’ > ‚abgeteilter Raum’ > (mit Verengung) ‚Krippe’, da es im Germanischen dafür das Verb *windana- gebräuchlich war (vgl. nhd. Wand) und eine Entwicklung ‚Raum’ > ‚Krippe’ ohne Parallelen ist. E idg : Urg. *bansa- ‚Bindung’ > ‚Korb’ setzt lautgesetzlich ein m. -to-Abstraktum mit o- stufiger Wurzel (nóstos-Typ) *b h ónd h -to- ‚Bindung’ fort; die Bildung gehört wohl nicht

6

zum idg. Wortschatz, da wir keine genaue formale Entsprechungen dieses Wortes in anderen idg. Sprachen kennen. Auch das Fehlen der Wirkung der grundsprachlichen -Regel, d.h. der idg. Vereinfachung zweier aufeinanderfolgender homorganer Okklusive nach unsilbischem Resonant in nachbetonter Stellung (vgl. ai. 2. Sg. Imperat.

Aor. yódhi ‚wehre ab!’ < *H é d h -d h i; zur Regel vgl.

Bildung.

Unproblematisch wäre auch die alternative Annahme einer thematischen Ableitung aus einem -s-Stamm *b h énd h -os- ‚Bindung’ => *b h ónd h -s-o- ‚Bindung habend’ (vgl. *k ólh 1 -s- o- > dt. Hals zu *k élh 1 -os- ‚Drehung’); denn die Existenz des s-Stamms wird indirekt von gr. ‚Tau, Seil’ < *b h énd h -s-m (sekundäre Ableitung zu einem s-Stamm) sowie von adjektivischen -(e)ro-Bildungen (gr. ‚Schwiegersohn, Schwager’, lit. beñdras ‚Teilhaber, Genosse’) und u-stämmigen Substantiven (a.i. bándhu- m. ‚Verwandter’), d.h. von der Belegschaft von Bildungen innerhalb des Caland’schen Suffixsystem, gestützt (zu

s.v. bintan, mit Literatur; zum Calandsystem vgl. Risch,

den Formen vgl. Meier-Brügger).

Idg Gr. 113f.

,

erst

Neri 2003: 335f. Anm.

1219 ,
1219
,

mit

Literatur)

spricht

für

eine

jüngere,

vorurgermanische

EWAhd II 74

Lit: B Lerchner 1965: 39f.; ThWb s.vv. Bans°, Banse, Bansel, Bansen, Bansenwand; M/WB Frnhd Gr 175; Schwarz 1960: 48-49; WG ThWb s.v. Bansenfeger;; E germ Bammesberger Morph. Urg. Nom. 1990: 77; DWb. s.v. barn, EWAhd I 482 s.v. *barno, parno, II 72ff. s.v. bintan; EWAia II 209; IEW 137f. s.v. *b h er-; Kaufmann 1987: 285; Krause Hdb. d. Got. 91f.; Lerchner 1965: 38ff.; LIV 75; Lühr Expressivität und Lautgesetz S. 250f.; Hill 2003: 158-161, 211-216; Neri Synkope im Got. [in Vorbereitung]; Seebold Germ. st. Verben 102ff.; E idg EWAhd II 74 s.v. bintan; Idg Gr. 113f.; Meier-Brügger ; Neri 2003:

335f. Anm. 1219, Risch.

Lerchner 1965: Gotthard Lerchner, Studien zum nordwestgermanischen Wortschatz, Halle (Saale) 1965.

Schwarz 1960: Ernst Schwarz, Sprache und Siedlung in Nordostbayern, Nürnberg 1960.

baufen swV „bellen“

baufen

1

Z: Das westthür. Verb baufen „bellen“ ist eine voreinzelsprachl. lautmalerische Bildung zur idg. Wurzel

*ba b-, die von lat. baubor „belle“ und lit. ba „brüllen“ fortgesetzt wird. Der abweichende Anlaut ist entweder durch analogische Angleichung an der Anlaut von dt. bellen oder durch Wiedereinführung von expressivem stimmhaftem *b- erklärbar.

B: Das sw. Verb thür. baufen „bellen, Laut geben (von Hund und Fuchs)“ ist im Westthür. (Eisenach), Henneberg sowie in Gotha belegt. Das Präfixverb anbaufen „jmd. mit heftigen Worten zurechtweisen, schimpfen“ ist ebenso in Eisenach und Gotha verbreitet, ist aber auch im angrenzenden Gebiet des südl. Nordthür. (vgl. uanbaife Mühlhausen) belegt (ThWb s.vv. anbaufen, baufen). Das Verb baufen, bäufen ist im Sprichwort e Hoind, der net bouft, e Katz, die net muist, un e Frau, die net schellt, töijen nüscht „ein Hund, der nicht bellt, eine Katze, die nicht miaut, und eine Frau, die nicht schimpft, taugen nichts“ (Eisenach) in Gebrauch. L: Der Stammvokal ist folgendermaßen verteilt: au ist nördl. und nordöst. von Eisenach und nordwestl. von Gotha, u ist südöstl. von Eisenach, nordöstl. von Schmalkalden und um Gotha Wal., i ist nordöstl. von Bad Salzungen, um Bad Salzungen Va. und südl. von Bad Salzungen (ThWb s.v. baufen) nachweisbar. Der Diphthong ai [åi] (vgl. uanbaife „anbäufen“) ist das Entpalatalisierungsprodukt von nordlich-westthür. [åü] (< mhd. ou) in der Gegend von Mühlhausen (Sp ThGr 144, 146-147). Alle regionalen Variante des Verbs setzen also mhd. *boufen fort (vorkonsonantisches mhd. bleibt im westl. Thür. monophthongisch, vgl. Sp ThGr. 163ff.). WG: Die Bedeutungswandel des komponierten Verbs anbaufen von „bellen“ zu metaphorischem „jmd. mit heftigen Worten zurechtweisen, schimpfen“ hat Parallelen in bellen, das u.a. auch die Bedeutung „schimpfen“ aufweist (Th Wb s.v. bellen), und belfern „(schnell) bellen“, das auch „anhaltend (vor sich hin) schimpfen, keifen, klagen, lästern; sich zanken; unaufhörlich schwatzen; dazwischen reden; überstürzt und undeutlich reden“ bedeutet und vielleicht durch Kreuzung von bellen mit geifern „schäumen; vor Wut schäumen; albern oder wütend sprechen; giftig lästernd, schmähend reden“ (DWb s.vv. belfern, geifern) zustandegekommen ist (zu anderen dial. Varianten s. EWD s.v. belfern). Vgl. außerdem gr. „belle; schmähe“ (E idg1 ).

E germ : Das mda.Verb baufen ist zweifellos eine onomatopoetische Bildung, die keine genauen Entsprechungen innerhalb des Deutschen und des Germanischen hat. Die Annahme, dass das Verb durch Kontamination von belfern mit der Interjektion wau wau entstanden ist, ist unwahrscheinlich, da beide Verben, baufen und belfern, in denselben Gebieten (z.B. um

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baufen

Eisenach oder im Hennebergischen) gebraucht werden; außerdem würde man in diesem

Fall eher *baufern erwarten (ThWb s.vv. baufen, belfern).

E idg1 : Onomatopoetische Wörter mit anlautendem labialen Konsonant und a / u wie z.B. ba,

bau, bu, wau, m(i)au, mu usw., die Brüllen, Murren und weitere Tierrufe sowie

unartikuliertes undeutliches Reden, Schreckwörter und Naturtöne bezeichnen, kommen

sehr häufig in den idg. Sprachen vor, besonders in den jeweiligen Kindersprachen, vgl.

z.B. lat. , (nach ) m. „Uhu“ (> roman. , vgl. port. bufo, span. buho),

entlehnt als ahd. bûf „Uhu; Schrei des Uhus“ (Walde/Hofmann LEW I 119, EWA II 416

s.v., mit Literatur), dazu das Verb lat. bu rufen (vom Uhu)“; ähnlich gr. m.,

f. „Uhu“, „schreie wie ein Uhu“, arm. bow, , npers. , bulg. buh, auch

nicht-idg. georg. bu, buvi „Eule“; in dt. Mundarten ist das Wort als österr. puhi(n), pu,

vorarlb. und schwäb. buhi, schles. bauhau vertreten. Es handelt sich um eine expressive

reduplizierte Nominalbildung, die auf lautmalerischem *b u- beruht und voreinzelspr. durch

Dissimilation zu *b u-b (h) o-, *b u-g/ko-, *b u- o- usw. umgestaltet wurde. Weitere Tierrufe

und -geräusche werden durch ein bilabiales Element wiedergegeben, vgl. ai. búkk - m.

„Gebrüll des Löwens“, russ.-ksl. „dröhnen“, serb. búkati „brüllen“. Zu

menschlichen Geräusche, Schreien bzw. unverständlichem Reden vgl. gr. „Ruf“, poln.

„halblaut reden, murmeln“, gr. „schwatze, rede undeutlich“, ai. -

karoti „stammelt“, barbara- „stammelnd“, gr. , „nicht griechisch,

von unverständlicher Sprache“, bulg. blaból’ „schwatze“, lat. babulus „Schwätzer“, it.

balbettare „stammeln“, nhd. babbeln, pappeln, aisl. babba „schwatzen“ usw. Zum

Gebrauch von anlautendem b- für Naturgeräusche vgl. serb. „tosen (vom Meer)“,

mir. „Meer“ < „tösende Brandung“, lett. b êt „dumpf schallen“, usw. Zu

weiteren Beispielen vgl. IEW 91f. s.v. baba-, 95 s.v. bata-, 96 s.v. , , 97 s.v. b(e)u,

bh(e)u-, 102 s.vv. blat-, -, 711 s.v. mei-, 715f. s.v. mek-, 751f. s.v. m u-; zum Begriff der

Onomatopöie vgl. Lühr Expressivität und Lautgesetz 60, mit Literatur).

E idg2 : Speziell für die Bezeichnung des Hundegebells werden in vielen indogermanischen

Sprachen mit stimmhaftem bilabialem Verschlusslaut anlautende Schallwurzeln gebildet,

vgl. ai. bukkati „bellt“, av. bucahin- „Geheule an sich habend“, buxti- „Heulen, Fauchen“,

gr. „heulend“ (mit k-Erweiterung; vgl. IEW 97); vgl. außerdem die Sippe von dt.

bellen, Schallwurzel *b h el-s- (IEW 123f., EWA I 533ff. s.v. bellan, pellan, mit Literatur

und Belegen).

Im Deutschen wird dafür kindersprachl. wau benützt, regional auch bau, vgl. die

Interjektion Baubau neben Wauwau als Bezeichnung des Schreckmännchens, des

baufen

3

Poltergeistes und des Hundes im Schweizerdt. (Schw Id IV 896); so z.B. auch in thür.

Baubau m. „Schreckgestalt, mit der man Kindern droht, Buhmann, Butzemann“,

Nebenform zu Wauwau, it. kinderspr. bubo „Schreckmännchen“, gr.

„Schreckgespenst, Hekate“, lit. bùbas, bùbis „Poltergeist“, serb. bau bau „Schreckwort“.

Die idg. Wurzel *ba - bzw. *ba -b- „brüllen, bellen, bau bau machen“ mit der aus

reduplizierten Interjektionen abstrahierten Wurzelerweiterung -b- ist für die Nachahmung

des Hundegebells besonders beliebt: vgl. einerseits gr. (Hundegebell), gr.

„belle; schmähe“, lat. baubor, „bellen“, it. bau bau (Hundegebell), abbaiare

„bellen“; vgl. dazu mit anderer Bedeutungsspezialisierung lit. ba „brüllen (vom

Ochsen)“, ba Interjekt. (Gebrüll des Ochsens), baubl , „Brüller; Uhu;

Rohrdommel“, bubénti „dumpf dröhnen, brummen, murren“, bùbinti bu-bu brüllen“ lett.

baubt „brüllen“, bubinât bu-bu brüllen“ (LitEW I 37).

Aufgrund des wurzelauslautenden -f- ist thür. baufen wahrscheinlich ererbt, da der

labiodentale Frikativ kaum in eine expressive Bildung eingeführt worden wäre und am

ehesten auf nachdiphthongisches idg. -b- > germ. -p- zurückgeht (vgl. ahd. tiof „tief“ <

urgerm. *deupa- < uridg. *d h e bo-, zu got. diups, lit. dubùs „tief, hohl“ usw. (IEW 267f.)).

Trotzdem ist es nicht zulässig, mechanisch eine Vorform *b h a b-e/o- > urgerm. *baup-i/a-

zu rekonstruieren, da die entsprechenden Wörter in fast allen anderen indogermanischen

Sprachen eindeutig idg. *b- fortsetzen. Da die Wurzel *ba b- höchstwahrscheinlich aus

der reduplizierten Interjektion stammt, sind die bilabialen Verschlusslaute vielmehr beide

als Mediae zu bestimmen. Es ist so anzunehmen, dass das ererbte Verb urgerm. *paup-a/i-

aufgrund des Einflusses von urgerm. *bell-a/i- zu *baup-a/i- umgestaltet wurde.

Andererseits könnte die anlautende Media auch automatisch wiedereingeführt oder nicht

zu urgerm. *p verschoben worden sein, da zur lautsymbolischen Nachahmung von Tierrufe

wie brüllen oder bellen stimmhafte Konsonanten wegen ihrer Schallfülle geeigneter als

stimmlose sind. Dieselbe Annahme gilt übrigens auch für Wörter wie aisl. baula f. „Kuh“

< „Brüllerin“ zu nnorw. baula, nschwed. böla, ndän. bøle „brüllen“ (entlehnt ins

Mittelenglische als bawlen „bellen“ (AnEW 29)), denen wohl die idg. Schallwurzel *ba -

ebenfalls zugrundeliegt.

Lit.: B ThWb s.vv. anbaufen, baufen; L Sp ThGr 144, 146-147, 163ff.; ThWb s.v. baufen;

WG EWD s.v. belfern; DWb s.vv. belfern, geifern; E germ ThWb s.vv. baufen, belfern; E idg1

EWA II 416 s.v.; IEW 91f. s.v. baba-, 95 s.v. bata-, 96 s.v. , , 97 s.v. b(e)u, bh(e)u-,

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baufen

119; Lühr Expressivität und Lautgesetz 60; E idg2 AnEW 29; EWA I 533ff. s.v. bellan, pellan; IEW 97, 123ff., 267f.; LitEW I 37; Schw Id IV 896.

bräkeln

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bräkeln swV „langsam braten“, „kleinlich tadeln“; „mürrisch dasitzen“

Z: Das sw. Verb bräkeln „langsam braten“ setzt eine iterative Bildung westgerm. * - fort, die

auf eine urgerm. Wurzelvariante *brek- der s-mobile-Wurzel *sprek- „zischen, prasseln“ zurückgeht. Die Bildung lässt sich außerdem mit ai. bhr ti „wird rösten“ und alat. ferctum „Opferkuchen“

(Wurzel *(s)b h re -) vergleichen.

B 1 : Das schwache Verb bräkeln ist in einigen peripheren thür. Dialekten bezeugt und kennt drei voneinander abweichende Bedeutungen: 1) „(Fleisch) langsam braten, brodeln, brutzeln“, vgl. dr Späck braachelt (Greiz); mit gleicher Semantik ist das Verb auch komponiert belegt, vgl. südostthür. einbräkeln swV. „einkochen, verdampfen“ (vgl. de Brieh is eigebrächelt Schleiz); 2) in übertragenem Sinne „jmdn. mit Bitten, Nörgeln, schlechten Nachrichten quälen“ sowie „jmdn. dauernd mahnend, kleinlich tadeln“, vgl. meine Mutter brekelte immer (Heiligenstadt); 3) „nicht richtig arbeiten, mürrisch dasitzen (u. dabei trinken)“, vgl. de Mannsen fingn schun ne Montog frieh wieder aan zu brakeln (Greiz) (ThWb s.v. bräkeln). L: Die mundartlichen Varianten br ln, br (Schmölln, Zeitz, Greiz und Coburg, d.h. östlicher Teil des Ostthür. und des Südostthür., südl. Itzgr.), br ln (Greiz, südl. Südostthür.), mit gemeinthür. Öffnung von */ ln (Mühlhausen, südwestl. Nordthür.), mit nordhess. Einfluss des Wurzelvokals, br ln (Wernigerode, Merseburg, Altenburg, d.h. Nordthür., Nordostthür., Ostthür.), ln (Nordostthür., Nordthür.) und br ln (Zeulenroda, südl. Südostthür.), mit regionalen Abbau der Senkung (Sp ThGr. 74ff.), weisen entweder auf Dehnung von mhd. ë / ä in offener Silbe oder auf umgelautetes mhd. hin (Sp ThGr. 72ff.). Thür. pracheldürr Adj. „ganz dürr, vertrocknet“ (vgl. e procheldarres Mannchen Schmölln; wohl aus prasseldürr unter Einfluss von bräkeln, ThWb s.v.) spricht aber gegen mhd. ë im Verb und setzt Umlaut für den verbalen Wurzelvokalismus voraus. Was den Konsonantismus betrifft, das Nebeneinander von velarem Verschlusslaut k und velarem/uvularem Reibelaut x / im Wurzelauslaut lassen ein ursprüngliches k ansetzen, da intervokalisches g in bestimmten thür. Dialektgebieten (Nordthür., nordl. Nordostthür.) zu j / palatalisiert wird oder schwindet (Sp ThGr. 200f.). WB: bräkeln stellt eine frequentative Bildung auf -eln dar, wie sie bei den zum selben semantischen Feld gehörigen Bildungen üblicherweise vorkommt, vgl. nhd. prasseln, brutzeln, rasseln, röcheln usw. (zum urgerm. Iterativsuffix *- -/- - vgl. Kr/M 263f.). Das Vorhandensein des i-Umlauts spricht für die Suffixvariante *- -.

2

bräkeln

E germ : Thür. dial. bräkeln wird an mhd. brëglen „braten, schmoren, pregeln; murren,

schwätzen“ (Lexer I 346, 18; vgl. auch BMZ I 235a, 15: „mache ein Geräusch, wie etwas

das brät oder gelinde aufkocht; schwatze, murre“) angeschlossen. Nach DWb II 291, 72 ist

mhd. brëglen seinerseits mit lat. urverwandt. Doch weicht thür. bräkeln im

Wurzelvokalismus sowie im Konsonantismus von dem mhd. Verb ab, so dass dieser

Vergleich aufgegeben werden muss. Eine weitere Verknüpfung zu nhd. backen, für die im

EWD loc. cit. Anlautsvereinfachung br- > b- erwogen wird, scheitert daran, dass dieser

sporadische Lautwandel sonst nur bei der Konsonantengruppe spr- zu belegen ist (vgl. das

Nebeneinander von ae. sprecan : specan „sprechen“; siehe dazu Vennemann HS 113

(2000) 244f.).

E idg : Die genaue formale Begrenzung der indogermanischen Wortsippe, die die Tätigkeit des

Bratens, Kochens, Siedens zum Ausdruck bringt, ist deswegen schwierig, weil es sich

häufig um expressive Bildungen handelt, die Kontaminationen mit Wurzeln der Bedeutung

„zischen, prasseln“ oder „brechen, platzen“ sowie volksetymologische Umgestaltungen

und lautliche Vielfalt zeigen. So ist nicht möglich zu entscheiden, ob der abweichende

Vokalismus von lat. „rösten, am Feuer dörren“ (< *b h riHg-, *b h re g- ?), gr.

„id.“ (< *b h ruHg-?) auf unterschiedlichem Ursprung beruht (in welchem Fall naturgemäß

diese Formen etymologisch völlig isoliert wären), auf jeweiligen mehrfachen

Erweiterungen einer gleichbedeutenden Wurzel *b h erH- / *b h reH-, oder auf sekundärer

Angleichung an homonyme oder fast homonyme Wurzeln wie *(s)b h erh 2 - „zischen,

prasseln“ (LIV 586: *sp h erh 2 -), *b h re - „sieden, wallen“ (anders LIV 81: *b h er -),

*b h reh 1 - „(heiß) aufwallen, -braten“ (EWA II 301: *b h erh 1 -), *b h re H- „sprudeln“ (LIV

96) oder *b h reg/ - „brechen“ (LIV 91) – zur Problematik vgl. EWA II 299ff., EWAia II

278.

Weiterführend ist für die etymologische Deutung des mundartlichen Verbs der Vergleich

mit dem Verb ai. bhr ti „wird rösten“ (RV 4, 24, 7b), 3. Sg. Konj. Präs., wohl einer

frühmittelindischen Form für ved. *bhr ti, das ein - é/ó-Präsens mit mittelindischer

Vertretung der inlautenden Affrikata vor (< *b h r - é/ó-) fortsetzt (vgl. EWAia II 278;

anders EWD s.v. backen, wonach der inlautende Konsonantismus auf expressiver

Gemination beruhen soll, und IEW 137, wo ein -s e/o-Präsens *bh ( )s rekonstruiert

wird); zur Wurzel vgl. zugehöriges ai. bhras ra- „Röstpfanne“ < *b h -tro-, Nomen

Instrumenti (weitere Formen in EWAia loc. cit.), sowie alat. ferctum „Opferkuchen“, das

ein durch Akzentverschiebung und neue Vollstufe I substantiviertes -to-Partizip *b h ér -to-

fortsetzt, vgl. dazu Vine HSPh 90 (1986) 121ff., EWA II 299ff.; fern bleibt hingegen ahd.

t

bräkeln

3

bergita „eine Gebäcksorte“, das wohl ein Lehnwort aus dem Griechischen durch lat. Vermittlung darstellt, vgl. Neumann HS 111 (1998) 165ff.). Möglicherweise gehört auch die Sippe von lit. bìrgalas „einfaches Bier“, lett. bi ga „Kohlendampf, Dunst“ dazu (LitEW I 44). Alle diese Formen weisen zunächst auf eine Wurzel *b h re - „braten, rösten“

(LIV 78: *b h er -) hin. Wenn man von einem niederdeutschen Verb mit entsprechendem

unverschobenen Konsonantismus ausgeht, können thür. bräkeln und pracheldürr direkt mit den indischen und lateinischen Formen verglichen werden, zumal diese Formen im Germanischen nicht isoliert stehen, sondern mit der Sippe von anord. spraka „knistern, prasseln“ (vgl. lit. spragù „knistern, prasseln, knacken; platzen; rösten“, tschech. prahnouti „verdorren, schmachten“, dazu den tschech. ON Praha, ursprünglich „durch Verdorrung gerodete Stelle“, slov. „schmoren“, serb. „rösten“) < *(s)p h rog°, *(s)p h r g° und letztendlich mit ahd. sprehhan, ae. sp(r)ecan „sprechen“ < „Geräusche machen“ < „prasseln“ verbunden werden kann. Zugrunde liegt eine s-mobile-Wurzel *(s)b h re - =

*[sp h re -] „prasseln“; „prasseln lassen > braten“ (anders LIV 582: *spreg- und Southern s-

mobile: zu brechen), wobei die baltoslavischen Formen eine unvollständige Satemvertretung aufweisen (vgl. als Parallele aksl. kamy, lit. akmuo vs. ai. -, jav. asman- „Stein“ < *h 2 á mon- (EWAia I 137f.)). Der Wurzelvokalismus von thür. bräkeln <

*brak- - ist dabei möglicherweise von einer verschollenen urgerm. Kausativ- Iterativbildung *brakijana- < *b h ro é e/o- „prasseln (lassen), braten“ beeinflusst worden

oder nach dem Verhältnis mhd. wegen : wackeln auf brechen hinzugebildet worden. Die s- mobile-Varianten urgerm. *brak- „braten“ vs. *sprek- „prasseln, sprechen“ haben sich dann durch Bedeutungsspezialisierung verselbstständigt. B 2 : Die Bedeutungen „jmd. mit Bitten, Nörgeln, schlechten Nachrichten quälen“ sowie „jmd. dauernd mahnend, kleinlich tadeln“ rühren aus einer semantischen Verschiebung von „langsam braten“ > „Geräusche machen“ > „nörgeln“ her. Parallelen dieser Bedeutungsentwicklung sind frk. brutzeln „braten“ > „nörgeln“ und mhd. brëgler „Schwätzer“ (Lexer I 346, 26), zu mhd. brëglen (Lexer I 346, 18) und nhd. brägeln, bregeln „braten, sieden, schmoren; prasseln“ (wohl ein Lehnwort aus dem Slavischen, vgl. DWb II 291f.; 353; dazu auch fregeln „id.“ (Henisch 1199), mit Anlautssubstitution durch Einfluss von lat. , DWb loc. cit.). Von der Bedeutung „nörgeln, tadeln“ hat sich über die angenommene Zwischenstufe „murren“ die Spezialbedeutung „nicht richtig arbeiten, mürrisch dasitzen (u. dabei trinken)“ entwickelt. Lit: B 1 ThWb s.v. bräkeln; L Sp ThGr. 72ff.; ThWb s.v. bräkeln; WB Kr/M 263f.; E germ BMZ I 235a, 15; DWb II 291, 72; EWA II 299ff.; EWAia I 137f., II 278; EWD s.v.

4

bräkeln

backen; Lexer I 346, 18; IEW 137; LitEW I 44; LIV 78; 81; 91; 96; 586; Neumann HS 111 (1998) 165ff.; Southern s-mobile; Vennemann HS 113 (2000) 244f.; E idg Vine HSPh 90 (1986) 121ff.; B 2 DWb II 291f.; 353; Lexer I 346, 18; 26.

Budike

Verkaufsstand auf dem Markt“

Sb

f.

„kleines

(schäbiges,

Budike

heruntergekommenes)

 

1

Haus;

kleines

Wirtshaus;

Z: Thür. Budike swf. „kleines (schäbiges, heruntergekommenes) Haus“ ist aus dem Französischen

entlehnt (frz. Boutique „Speicher, Magazine“). Die Bedeutungsentwicklung von „Laden“ zu „baufälliges Haus“ ist durch volksetymologische Angleichung an dt. Bude „Haus, Hütte“ < urgerm. * þ „Haus“ < idg. *b h áh 2 tah 2 - „das Verweilen“ (alb. bote „Erde, Welt“) erfolgt.

B: Das in Thüringen weit verbreitete Substantiv Budike f. hat verschiedene Bedeutungen, die

geographisch verteilt sind. Das Wort kennt die abwertende Bedeutung „kleines (schäbiges,

heruntergekommenes) Haus“ nur verstreut in südöstl. Nordostthür., Ostthür., Südostthür.,

sonst selten, doch nicht nördl. Westthür., westl. Zentralthür und südl. Ilmenauthür., vgl. de

gleen Leide ham nor Buddieken „die kleinen Leute haben nur kleine Häuser“ (Merseburg (ThWb s.v. Budike)). Mit der zweiten Bedeutung „kleines Wirtshaus“ ist Budike hingegen

nur in Worbis, Merseburg, Schmölln, Erfurt, Eisenach, Weimar, Gera und Rudolstadt

(1890) in Gebrauch (ThWb. loc.cit.). Schließlich ist das Substantiv in der Bedeutung „Verkaufsstand auf dem Markt“ in Sömmerda, Rudolstadt und Saalfeld belegt (ThWb.

loc.cit.). Budike ist auch im Pfälzischen, Hessischen, Rheinischen, Lothringischen und

Elsässischen mit der Bedeutung „baufälliges Haus, ärmliche Hütte“ bezeugt (vgl. PfälzWb

I 1398 s.v. Butik mit Literatur und Belegen) und ist außerdem in den nhd. erweiterten

Standardwortschatz eingedrungen (vgl. EWD s.v. Boutique).

M: Das Lehnwort Budike ist in die produktive schwache Femininflexion eingegliedert worden (vgl. Akk. Pl. thür. Buddieken).

L: Die dialektale Form Buddieke weist auf Dehnung von betontem /i/ in offener Silbe. Die

Schreibung mit geminiertem <d> zeigt nur die Kürze des vorangehenden Vokals.

WG/E germ : Die Betonung der Mittelsilbe bei einem nicht präfigierten Wort ist bereits ein

deutlicher Hinweis auf den Status von Budike als nicht-germanisches Wort. Die

Akzentverschiebung ist im Deutschen nur vereinzelt in Wörtern mit mittleren schweren Silben belegt, vgl. z.B. nhd. lebéndig, mda. ON Erlángen. Budike ist dabei eine deutsche

Adaptierung von frz. boutique /but'ik( )/ „Kramladen“ (Gamillscheg 142), das im 15. Jh. entlehnt worden und seinerseits eine Entlehnung durch lat. Vermittlung aus mgr.

ärese ist, vgl. auch it. bottega

„Laden, Geschäft“. Spätere Neuentlehnungen aus dem Lat. bzw. Frz. sind nhd. Apotheke

„Medizin-, Spezereiladen“ und Boutique „(kleines) Modengeschäft“; vgl. auch nndl.

boetiek, ne. boutique, nschw. butik, nnorw. butikk (EWD s.v. Apotheke, Boutique). Der

Wandel [butik ] > [budik ] ist regelmäßig nach der binnendeutschen

2

Budike

Konsonantenschwächung (Lenisierung), die einen Großteil des Mitteldeutschen und des Oberdeutschen im Spätmittelalter betroffen hat (MhdGr 130ff.). Erklärungbedürftig ist hingegen der Bedeutungswandel von „Speicher, Magazin“ auf „kleines verfallenes Haus“. Dass das Wort meist kleinere Läden bezeichnet hat, liegt daran, dass das bezeichnete Geschäft Kleidung, Gewürze und Medikamente verkaufte. Es ist aber auch denkbar, dass das ndd. Deminutivsuffix -ke (: hd. -chen) eine Rolle bei dem Bedeutungswandel gespielt hat. Denn für einen norddeutschen Sprecher war das Wort Budike segmentierbar als Deminutiv von dt. Bude. Dadurch wurde das Wort volksetymologisch an Bude „baufälliges Haus; Hütte; Zimmer, Wohnung; Laden“ angeschlossen und hat dessen negative Bedeutungskomponente übernommen (zur Bedeutungspalette des nhd. Wortes vgl. Stammler 1954: 205-208). Das deutsche Wort Bude ist bereits etymologisch gedeutet worden (DWb s.v., EWD s.v.), aber die lautlichen Einzelheiten sind bis heute unklar geblieben. Das Wort ist ab dem Mhd. belegt, vgl. buode, bude (stf. u. swf., vgl. Lexer s.v.(1,388,1)) „Hütte, Gezelt, Schuppen, Haus“, und entspricht lautlich sowie semantisch mndd. , mndl. boede „Hütte, Gezelt, Schuppen“, nndl. dial. boet, boe, boeie, bòj „Scheune“ (NedEW 69 s.v. boedel), entlehnt als poln. wruss. buda „Hütte“, lett. buõde, buõds, buõte, buõts „Bude“ und lit. à „Hütte“ (LitEW I 61). Der Wurzelvokalismus der aufgeführten Lexeme entspricht aber nicht dem von mhd. bûde „Hirtenhütte“ > nhd. Baude „(Berg-)Hütte“ sowie „Tierhöhle“ (ins Tschechische als bouda entlehnt, vgl. Bielfeldt 1965: 25 mit Literatur), ufrk. Dachsbaude „Dachsöhle (EWD s.v. Baude) und aisl. búð f. „Wohnort, Hütte, Zelt“ - vgl. dazu nisl. fär. búð, nnorw. bud, nschw. ndä. bod, shet. bød sowie die Lehnwörter me. bouþe aus an. búð (aber ne. booth aus adän. þ). Die erste Gruppe setzt eindeutig urgerm. * , die zweite urgerm. * . Da die Formen zweifellos zusammengehören und auf die Verbalwurzel urgerm. * - „sein (> verweilen, wohnen)“ < idg. *b h uh 2 - „werden“ zurückgehen, ist das Problem im Zusammenhang mit der Vielfalt des Vokalismus, die in verwandten Formen anderer indogermanischen Sprachen vorkommen, zu behandeln. E idg1 : Die Wurzel *b h uh 2 - „werden“ hat im Germanischen die subjektresultativische Bedeutung des dazugehörigen Perfekts „sein“ verallgemeinert (zur Wurzelbedeutung vgl. Lühr athem. Präs., Lühr 1997: 35-36, LIV 98-99). Die weitere Bedeutungsentwicklung von „sein“ zu „wohnen“ ist trivial; auch die umgekehrte Entwicklung kann eintreten, vgl. das urgerm. entreduplizierte Perfekt *was(i)