Sie sind auf Seite 1von 32

Kafka - Die Verwandlung - Schoolwork.de http://www.schoolwork.

de/kafka-verwandlung/

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/

Kafka - Die Verwandlung


Franz Kafka (1883- 1924) - Die Verwandlung (1912)

Gliederung
Einleitung
Entstehungsgeschichte
Die Thematik
Die Personen
Gregors Fantasien vs. die Realitäten der Familie
Wohnverhältnisse
Gregor - Beruf
Gregors innere Verwandlung - Befreiung
Die Stufen der Verwandlung
Schwester
Die verwöhnte, fürsorgliche Schwester
Gretes Wandlung und Abwendung vom Bruder
Der schwache Vater
Rückkehr des autoritären Familienoberhaupts
Die Mutter
Die übrigen Figuren
Form und Struktur der Erzählung
Entfremdung Gregors
Erzählzeit
Erzählweise
Sprachstil
Das Verwandlungs- und Käfermotiv
Selbstsicht, Verhältnis zum Vater/Frauen
�Die Verwandlung� als expressionistisches Werk
Quellen und Materialien/ Anregungen
Anhang
Arbeitsblatt

1 von 1 19.09.2010 09:20


Gliederung - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gliederung.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gliederung.php

Gliederung
Franz Kafka (1883- 1924) - Die Verwandlung (1912)

Gliederung:

Einleitung

1. Entstehungsgeschichte
2. Die Thematik
3. Die Personen
1. Gregor
1. Gregors Fantasien vs. die Realitäten der Familie
2. Wohnverhältnisse
3. Beruf
4. Gregors innere Verwandlung- Befreiung von der Verantwortung
5. Die Stufen der Verwandlung
2. Schwester
1. Die verwöhnte, fürsorgliche Schwester
2. Gretes Wandlung und Abwendung vom Bruder
3. Vater
1. Der schwache Vater
2. Rückkehr des autoritären Familienoberhaupts
4. Die Mutter
5. Die übrigen Figuren
1. Prokurist
2. Zimmerherren
3. Dienstpersonal
4. Form und Struktur der Erz�hlung
1. Aufbau des Textes
2. Entfremdung Gregors
3. Erzählzeit
4. Erzählweise
5. Sprachstil
5. Das Verwandlungs- und Käfermotiv
6. Kafkas Selbstsicht und das Verh�ltnis zum Vater/ Frauen
7. �Die Verwandlung� als expressionistisches Werk
8. Quellen
9. Materialien/ Anregungen
10. Anhang
11. Arbeitsblatt

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:20


Einleitung - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/einleitung.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/einleitung.php

Einleitung
Parabel- �Gib´s Auf�

� Es war sehr früh am Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine
Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, dass es schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich musste mich
sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung ließ mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser
Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein Schutzmann in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn
atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: �Von mir willst du den Weg erfahren?� �Ja� sagte ich, �da
ich ihn selbst nicht finden kann.� �Gibs auf, gibs auf�, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge
ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollten.

Auch wenn diese Parabel in ihrer Struktur in keinster Weise der Erzählung gleicht, so lassen sich doch gewisse
Gemeinsamkeiten feststellen. Das erzählerische Ich befindet sich in einer scheinbar ausweglosen Situation voller
Bedrohungen und Ängste. Diese Ausweglosigkeit findet sich auch in �Die Verwandlung� bereits zu Beginn
wieder und kann ebenfalls auf die Suche Kafkas nach einem geeigneten Lebensweg- ja einer Orientierungshilfe in
dem Wirrwarr von Einflüssen, Auflagen und Beziehungen bezogen werden.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:21


Entstehungsgeschichte - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/entstehung.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/entstehung.php

Entstehungsgeschichte
Kafka begann sein Werk am 17. November 1912 und wollte dieses wie seine Erzählung �Das Urteil� in einem
Zug beenden. Doch erwies sich das Projekt als ein hinausgezögerter Prozess, da Kafka den Umfang der geplanten
Arbeit unterschätzt hatte. Schließlich beendete er seine Erzählung am 7. Dezember 1912.
Während des Schreibprozesses hatte er keine genauen Pläne oder Vorlagen, sondern wollte seine über längere Zeit
entstandenen Vorstellungen innerhalb kürzester Zeit zu Papier bringen, um somit seine kreative Phase- geprägt von
Konzentration und geistiger Klarheit- auszunutzen.
Die Entstehungszeit war gekennzeichnet von einem angespannten Verhältnis zu Felice, seiner damaligen Verlobten.
Kafka kritisierte sich selbst als untauglicher Ehemann und Vater und mit dem Ausbleiben von Felices Briefen
wandte sich der krankhaft sensible Kafka von seiner geliebten ab und seine Erzählung �fiel ihm im Jammer im
Bett ein� und �hat ihn innerlichst bedrängt�. Dabei setzten sich seine literarischen Phantasien in der
Schaffensphase um 1912 mit dem Vater- Sohn- Konflikt, Eheproblemen und Identitätsverlust auseinander. Kafka
setzte sich somit auf schriftstellerische Weise mit seinen eigenen Problemen auseinander und hoffte, auf einen
neuen Weg oder gar eine Lösung zu stoßen. Die literarische Produktion fungiert für ihn somit als
Lebensbewältigung.
Ursprünglich sollten die Erzählungen �Das Urteil�, �Die Verwandlung� und �Der Heizer� in einem
Sammelband namens �Die Söhne� erscheinen, wobei diese Idee keine Verwirklichung fand. Dennoch lässt sich
daraus schließen, dass diese Werke thematische Gemeinsamkeiten und autobiografische Züge aufweisen, wie
bereits der Titel andeutet.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:21


Die Thematik - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/thematik.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/thematik.php

Die Thematik
�Die Verwandlung� thematisiert in erster Linie auf ungewohnte Weise ein alltägliches Problem des menschlichen
Miteinanders: Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Konflikt zwischen Vater und Sohn, obgleich die Familie
zunächst einen harmonischen Eindruck macht. Die anfangs von Gregor geschilderte Idylle impliziert jedoch
automatisch ein Hinterfragen beim Leser, denn das gesamte Wohl der Familie basiert auf der kompletten
Abhängigkeit von Gregor und dessen Verdienst. Seine Eltern erscheinen als lethargisch- phlegmatische, beinah
entmündigte Familienmitglieder und die Schwester Grete ist extrem stark auf ihren Bruder fixiert und wirkt für ihre
17 Jahre eher unreif.
Gregor erweist sich als fürsorglich und aufopferungsvoll, erntet dennoch wenig Anerkennung von seinen Eltern. Er
fungiert vor der Verwandlung als Familienoberhaupt und stellt somit die Autorität dar. (siehe Anhang 1)
Mit seiner Verwandlung zieht er sich jedoch aus dem Konkurrenzkampf mit dem Vater zurück und es erfolgen
komplementäre Verwandlungen: Der Vater entwickelt sich zu einer vitalen, entschlussfreudigen Person und Grete
reift zu einer jungen Frau heran. Somit verbessern sich die Umstände ohne Gregor- er ist lediglich das Ungeziefer
der Familie und wird als belästigend empfunden. Durch das sich verändernde Verhältnis von Gregor und seinem
Vater gewinnt die Erzählung an Dynamik. (siehe Anhang 2)

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:21


Die Personen - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/personen.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/personen.php

Die Personen
Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Familie Samsa (Ähnlichkeit des Namens zu Kafka, da genauso viele
Buchstaben und Vokale an selber Stelle). Es wird lediglich die introvertierte Kernfamilie dargestellt und Verwandte
oder Freunde werden nicht erwähnt.

Personen:

1. Gregor
1. Gregors Fantasien vs. die Realitäten der Familie
2. Wohnverhältnisse
3. Beruf
4. Gregors innere Verwandlung- Befreiung von der Verantwortung
5. Die Stufen der Verwandlung
2. Schwester
1. Die verwöhnte, fürsorgliche Schwester
2. Gretes Wandlung und Abwendung vom Bruder
3. Vater
1. Der schwache Vater
2. Rückkehr des autoritären Familienoberhaupts
4. Die Mutter
5. Die übrigen Figuren
1. Prokurist
2. Zimmerherren
3. Dienstpersonal

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:21


Gregors Fantasien vs. die Realitäten der Familie - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_familie.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_familie.php

Gregors Fantasien vs. die Realitäten der Familie


Gregor hat im Verlauf der Jahre ein sehr naives Wunschbild von seiner Familie aufgebaut und kann die
Wirklichkeit nicht kritisch reflektieren. So entschuldigt er den Betrug des Vaters, seine Aggressivität und die
Vernachlässigung durch die Familie, obwohl Gregor selbst als Ernährer der Familie fungierte. Er befindet sich
somit in einer kindlichen Abhängigkeit zu den anderen Familienmitgliedern. Auch bedauert er die Familie um die
Arbeit, welche sie ab nun zu leisten haben und zeigt Verständnis für diese auf, obwohl er der einzige wirklich hart
Arbeitende in der Familie war. Schließlich bejaht er sogar das Urteil der Schwester, Gregor müsse endlich
verschwinden und kurz vor seinem Tod denkt er noch mit Rührung und Liebe an die Familie zurück. Er behält
somit die Illusion von Harmonie als Käfer bei, da deren Entblößung seine bisherige Existenz in Frage stellen
würde. Lediglich einmal kritisiert er ansatzweise die Undankbarkeit der Familie: �man nahm das Geld dankbar an,
er lieferte es gern ab, aber eine besondere Wärme wollte sich nicht mehr ergeben.�
Kafka liefert jedoch keine Beschreibung des Familienlebens vor der Verwandlung und der Leser kann lediglich
Rückschlüsse aus Andeutungen ziehen: So durchlief Gregor seinen Bildungsweg vom Volksschüler über den
Bürgerschüler bis zum Handelsakademiker und sein Einsatz für die Familie lassen ihn als einen
verantwortungsbewussten, jungen Erwachsenen auftreten. Die Mutter hingegen beschreibt ihn als einen kindlichen,
in sich gekehrten und sehr fügsamen Menschen: Gregor geht nie aus und verrichtet allein auf seinem Zimmer
Laubsägearbeiten. Die Personencharakteristik ist somit sehr subjektiv von den Ansichten der Mutter gefärbt und
der Leser ist aufgefordert, sich ein eigenes Bild mittels der verschiedenen subjektiven Beschreibungen zu errichten.
Während der meisten Zeit ist Gregor jedoch auf Reisen und folglicherweise vom Familienleben abgeschottet. Auch
ist in keinster Weise die Rede von Gesprächen oder anderen Gemeinsamkeiten. Die Isolierung Gregors vom
Familienleben wird besonders bei dessen Heimkehr deutlich: Der Vater empfängt ihn im Schlafrock im Lehnstuhl
und hebt dabei nur leicht die Arme, die Mutter liegt jeden zweiten Tag mit Asthma auf dem Sofa und die
Schwester legt in den Tag hinein, kleidet sich nett und spielt Violine. Gemeinsame Gespräche kommen in den
wenigsten Fällen zustande, anstatt dessen liest Gregor Zeitung oder studiert am Tisch den Fahrplan. Es herrschst
somit ein kühles Nebeneinander, für welches die Mutter folgende Begründung liefert: �Der Junge hat ja nichts im
Kopf außer
Das Geschäft.� Dem Leser ist jedoch bewusst, wie sehr Gregor seinen Beruf verabscheut: �was für einen
anstrengenden Beruf habe ich gewählt! Tag aus, Tag ein auf der Reise. Die geschäftlichen Aufregungen sind viel
größer, als im eigentlichen Geschäft zu Hause, und außerdem ist mir noch diese Plage des Reisens auferlegt, die
Sorgen um die Zuganschlüsse, das unregelmäßige, schlechte Essen, ein immer wechselnder, nie andauernder, nie
herzlich werdender menschlicher Verkehr. Der Teufel soll das alles holen!� (S.1; Z. 34ff.)
Gerade nun wären doch eine unterhaltsame Abwechslung und menschliche Wärme daheim von Nöten!

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:22


Wohnverhältnisse - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_wohnen.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_wohnen.php

Wohnverhältnisse
Gregors psychische Situation drückt sich in der physischen Beschaffenheit der Wohnung aus. Die Räume besitzen
alle eine metaphorische, symbolische Bedeutung. (siehe Anhang 3)
Die Wohnung wird als eine für die gegenwärtigen Verhältnisse zu große, staatliche Wohnung beschrieben, Gregors
Zimmer hingegen als ein zu kleines Menschenzimmer definiert. Es besitzt eine einfache Einrichtung: Bett und Tisch
mit der Musterkollektion von Tuchwaren, einen Kasten mit Weckuhr, einen Stuhl und ein Kanapee- ein Symbol für
du zunehmende Isolation Gregors, da er sich unter diesem verkriecht und mithilfe eines Leinentuchs, dessen
Wortklang eher an ein Leichentuch erinnert, versteckt. Auf dem Schreibtisch prangt ein Bild mit einer Pelzdame-
ein Wunschbild, ja unerreichbares Idol Gregors und zugleich ein Symbol für seine erotische Begierde, welche
insbesondere beim Ausräumen des Zimmers aufgrund zweideutiger Formulierungen zum Vorschein kommt: �und
presste sich an das Glas, das ihn festhielt und seinem heißen Bauch wohl tat.�
Dieses Bild stellt einen harten Gegensatz zu der abstoßenden äußeren Erscheinung Gregors da und auch eine
Fotografie Gregors in Uniform steht im Kontrast zur pelzbekleideten, lasziv wirkenden Dame. Die vernünftige,
mächtige Wirkung Gregors auf diesem Bild signalisiert seine äußere, bereits vergangene Macht, deren
Symbolgehalt später durch die Uniform des Vaters wieder aufgegriffen wird.
Gregors Zimmer befindet sich im Zentrum der Wohnung und von diesem gehen drei Türen aus, vor welchen sich
die Familienmitglieder nach der Verwandlung einfinden, um sich nach Gregors Befinden zu erkundigen. Mit nur
wenigen Worten liefert Kafka an dieser Stelle eine präzise psychologische Charakterisierung der Personen: �(�)
klopfte es vorsichtig an die Tür am Kopfende seines Bettes. (�) es war die Mutter.� (S. 7; Z. 12f.) �(�) und
schon klopfte an der einen Seitentür der Vater, schwach, aber mit der Faust.� (S. 7; Z. 28ff.) �An der anderen
Seitentür aber klagte leise die Schwester (�)� (S. 7; Z. 32f.)
Schon zu Beginn der Erzählung wirkt Gregor somit von der Familie eingekreist, bedrängt und umzingelt. Die Türen
sind jedoch verschlossen, was Gregor mit der Vorsicht eines Reisenden begründet. Es drängt sich jedoch eher die
Vermutung auf, dass er sich von seiner Umgebung absetzen und schon vor der Verwandlung einen Panzer vor der
Außenwelt schaffen will. Sein Wunsch nach Abgrenzung in einer ausweglosen Lage bestätigt das Gefühl, Gregor
sei mitten in seiner Familie ein Fremder und würde auch dementsprechend behandelt.
Kafkas Zimmer lieferte hierfür die Vorlage, denn in einem Brief an Felice vom November 1912 schrieb er: �Die
Mutter ging durch mein Zimmer als ich gerade nicht
darin war- mein Zimmer ist ein Durchgangszimmer oder besser eine Verbindungsstraße
zwischen dem Wohnzimmer und dem Schlafzimmer der Eltern [�].�
Eine augenblickliche Veränderung der Wohnsituation ergibt sich mit dem Einzug der Zimmerherren: Diese speisen
im Wohnzimmer, die Familie wurde in die Küche degradiert und die Wohnsituation scheint somit zunehmend
beengender. Der geplante Wohnwechsel der Samsas bezeugt ihren sozialen Abstieg aufgrund finanzieller
Verarmung und niederer beruflicher Stellung, da sie ihren früheren großbürgerlichen Status- demonstriert durch die
Haltung eines Kindermädchens bei zwei Kindern- aufgeben mussten.
Die Bedeutung der Wohnverhältnisse für den gesellschaftlichen Status erfuhr auch Kafka, denn zahlreiche
Wohnungswechsel der Familie waren begründet im Streben des Vaters, den sozialen Status äußerlich zu
verbessern. In Armut aufgewachsen und schon als Kind zum Arbeiten gezwungen, arbeitete der Vater später hart
und etablierte sein Geschäft als Großhandlung, um somit eine sichere soziale Stellung, Reichtum und einen
gewissen Status zu erlangen und zu erhalten, wobei er seine Ziele stets mithilfe brutaler Ellenbogenmentalität und
sturer Konzentration erreichte.
Die Situation für Gregor wird im Verlauf der Erzählung immer erdrückender und die Türen sind als die letzte
Verbindung nach außen zunehmend geschlossen. Auch mit dem Blick aus dem Fenster auf ein Krankenhaus trübt
sich Gregors Blick und verschließt ihm die Sicht nach außen. Des Weiteren stellt die Treppe ein zentrales
Fluchthindernis für ihn dar: Der Prokurist nutzt sie nach der grausamen Entdeckung Gregors zur Flucht und auch
die Zimmerherren werden beim Verlassen der Wohnung auf der Treppe erblickt, während ein Fleischergesell mit
stolzer Haltung hinaufsteigt. Als die Familie Samsa erstmalig nach Gregors Tod geschlossen die Wohnung verlässt,
wird die Treppe bereits nicht mehr erwähnt- sie stellt für sie kein nennenswertes Hindernis dar.
Die Raumsituation Gregors ist eine Situation der Gefangenschaft- nicht nur im Sinne von Reduzierung der
Bewegungsfreiheit- sondern auch in Verbindung mit sozialer Isolation und Kommunikationsverlust- Thematiken,
mit welchen sich Kafka zeitlebens beschäftigte und welche auch seinen persönlichen Verlauf nachhaltig
bestimmten.

1 von 2 19.09.2010 09:22


Wohnverhältnisse - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_wohnen.php

Der Umzug der Samsas nach Gregors Tod gleicht einem Identitätswechsel: �Die größte augenblickliche
Besserung der Lage musst sich natürlich leicht durch einen Wohnungswechsel ergeben; sie wollten nun eine
kleinere und billigere, aber besser gelegene und überhaupt praktischere Wohnung nehmen, als es die jetzige, noch
von Gregor ausgesuchte war.� (S. 50; Z. 28ff.) Die Familie schließt endgültig mit der Vergangenheit ab und hat
Gregor bereits vergessen resp. verdrängt.

von Linda Krause

2 von 2 19.09.2010 09:22


Gregor - Beruf - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_beruf.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_beruf.php

Gregor - Beruf
Die berufliche Situation Gregors spielt bereits zu Beginn eine entscheidende Rolle, denn beim Erwachen erblickt
dieser die Musterkollektion auf dem Tisch während er den Käferkörper im Bett wälzt. Somit wird dem Leser
suggeriert, dass Beruf und Verwandlung in einem gewissen Beziehungsgefüge miteinander verknüpft sind und
einander bedingen. Gregor berichtet aus seiner Perspektive, wie sehr ihm der Beruf verhasst ist und das das dieser
lediglich zum Schulden abzahlen der Eltern dient.
Auch hier ergeben sich einige Parallelen zu Kafkas leben, da dieser eigentlich den Wünsch verspürte, Philosophie
zu studieren, doch entschied er sich unter dem Einfluss des Vaters für ein Studium der Rechtswissenschaften. Der
Vater lenkte das Familiengeschehen, denn auch die Mutter und später auch teilweise die Kinder mussten im
Geschäft mitarbeiten.
Ansprüche auf ein selbstbestimmendes Leben, welche Gregor angesichts seiner Eltern unterdrückt, kommen
gegenüber dem Chef zumindest in seiner Phantasie zum Ausdruck. Gregors Einstellung zu seinem Beruf erweist
sich somit als durchaus zwiespältig: Einerseits verhält er sich dem Prokuristen gegenüber devot und unterwirft sich
ihm, doch andererseits entwickelt er Rachefantasien- so stellt er sich die Kündigung vor- doch sein Handeln bleibt
hinter den Wünschen und Vorstellungen zurück. Diesen unterdrückten aggressiven Impuls hinter der von Normen
und Konventionen bestimmten Fassade musste auch Kafka zeitlebens spüren, denn seine Anstellung in einer
Versicherungsgesellschaft und sein schneller Aufstieg in dieser dienten lediglich dem Lebensunterhalt, doch sah er
diese Arbeit als eine essentielle Behinderung an seiner eigentlichen Arbeit, welche er nur noch nachts verüben
konnte: das Schreiben.
Gregors Überlegungen zeigen die harten Umstände und das Abhängigkeitsverhältnis auf, unter denen dieser
arbeiten muss: Ein Geschäftsdiener überwacht die pünktliche Ankunft Gregors am Bahnhof und Krankmeldungen
werden durch den Chef oder einen Krankenkassenarzt vor Ort geprüft, wobei für den Arzt lediglich gesunde, oder
aber arbeitsscheue Menschen existieren. Das verspätete Erscheinen Gregors verursacht somit das Eintreffen eines
Angestellten und die in einer wirtschaftlich radikal aufstrebenden Zeit nicht unüblichen Kontrollmechanismen
aufgrund des Misstrauens der Geschäftsleitung gegenüber dem Angestellten wird verdeutlicht.
Zunächst scheinbares Verständnis vorheuchelnd, meint der Prokurist schließlich, dass Gregor eine leichte
Erkrankung zum Fehlen ausnutze und deutet an, dass der Chef Gregor verdächtige, diesem Geld unterschlagen zu
haben. Es werden folglicherweise ohne Kenntnis der wahren Ursache Unterstellungen und Beschuldigungen
ausgesprochen, welche belegen, dass der Einzelne im ökonomischen Prozess keinerlei Recht, Schutz oder Anspruch
auf menschenwürdige Behandlung hat- es ist die Aufgabe der Angestellten, im Arbeitsprozess wie eine Maschine
zu funktionieren und tragischerweise war dies die Realität um die Jahrhundertwende.
Gregor ist nicht in der Lage, angemessen auf den Prokuristen zu reagieren, da die Jahre der Unterdrückung Spuren
hinterlassen haben. In seinem Monolog versucht er, sich zu entschuldigen und den Prokuristen durch Unterwerfung
für sich zu gewinnen. Seine Bitte wirkt jedoch grotesk, da seine Tierstimme nicht mehr verstanden werden kann.
Mit dieser langen, monologischen Ansprache beendet Gregor die Kommunikation mit der Umwelt und bleibt fortan
stumm- er zeigt sich damit auch zum letzten Mal als angepasster, heuchlerischer und angstvoller Untertan, der nur
in Gedanken eine Rebellion wagt.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:22


Gregors innere Verwandlung - Befreiung - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_befreiung.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_befreiung.php

Gregors innere Verwandlung - Befreiung


Gregors innere Verwandlung - Befreiung von der Verantwortung

Bis zu diesem Zeitpunkt hat Gregor seine Verwandlung noch nicht recht wahrgenommen. Er stellte die
Veränderungen seines Körpers mit erstaunlicher Gelassenheit fest und bemühte, sich zu beherrschen, obgleich er
immer wieder nach neuen Erklärungsansätzen sucht: Für die veränderte Stimmung macht er eine Erkältung
verantwortlich und die Steifheit seines Körpers schiebt er auf ungeschicktes Liegen. Im Folgenden beschließt er,
die Entscheidung über seinen Zustand den Eltern und dem Prokuristen zu überlassen: �Würden sie erschrecken,
dann hatte Gregor keine Verantwortung mehr und konnte ruhig sein. Würden sie aber alles ruhig hinnehmen, dann
hatte auch er keinen Grund sich aufzuregen, und konnte, wenn er sich beeilte, um acht Uhr tatsächlich auf dem
Bahnhof sein.� (S. 13; Z. 19ff.)
Dieser Gedanke Gregors ist naiv und listig zugleich, denn er entlastet ihn in jedem Fall. Doch übergibt er
gleichzeitig auch die Definition des eigenen Status an die anderen und macht somit das eigene Handeln von
Urteilen der Außenwelt abhängig. Obgleich die Reaktion seiner Umwelt ihm beweisen müsste, dass er keinerlei
Verantwortung mehr übernehmen braucht, versucht Gregor trotzdem, den Prokuristen zurückzuhalten und seine
Eltern werten dies als Angriff, weshalb der Vater das �Ungeheuer� in sein Zimmer zurücktreibt.
Von nun an ist Gregor nicht mehr für sich selbst verantwortlich, sondern er wird versorgt.
Die Verwandlung kann ebenfalls als eine Entfaltung von Kafkas Aussteigerfantasien gedeutet werden, denn diesem
war sein Beruf und das ständige Reisen, zu welchem er ebenfalls beruflich gezwungen war, verhasst und es störte
seinen Lebensrhythmus.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:22


Die Stufen der Verwandlung - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_stufen.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/gregor_stufen.php

Die Stufen der Verwandlung


Die anfänglichen böswilligen Unterstellung des Prokuristen, Gregor würde seine Aufgaben nicht hinreichend
erfüllen, zu wenig Aufträge einbringen und keine Verantwortung für seinen Beruf übernehmen, erfüllt Gregor als
Käfer nun vollends. Er ist vom erfolglosen Handelsreisenden zum nutzlosen Käfer geworden, was sich auch in
seinem Verhalten niederschlägt: Er verliert die Sprache, bevorzugt vergammeltes Essen, sein menschliches
Sehvermögen nimmt ab und er bevorzugt Zerstreuung durch Herumkrabbeln an den Wenden oder Herabfallen von
der Decke. Seine Denkvorgänge im Bezug auf Arbeit oder bezüglich der Reaktion seiner Mitmenschen entsprechen
jedoch noch denen eines Menschen und wichtige menschliche Empfindungen und Wesenszüge wie etwa das
Einfühlungsvermögen gegenüber der Familie, Rücksichtnahme und das Schämen für seine Gestalt und der damit
verbundene erwünschte Rückzug bleiben jedoch erhalten.
Doch folgt Gregor zunehmend auch stärker seinen Instinkten: Als sein Zimmer ausgeräumt wird, verlässt er sein
Versteck, kriecht verstört im Zimmer herum und schützt das Bild der Pelzdame. Die schwere Verletzung Gregors
durch die Apfelwürfe des Vaters verdeutlichen Gregors Ausschluss aus der nur seine tierische Existenz
akzeptierende Familie.
Vor seiner Schwester versteckt er sich nun nicht mehr, sondern stellt sich vorwurfsvoll in die schmutzigen Ecken
und die schlechte Versorgung versetzt ihn immer mehr in Wut, so dass er sich überlegt, die Speisekammer zu
stürmen. Schließlich eröffnet ihm das Violinenspiel der Schwester einen völlig neuen Horizont. Hingegen zu
früheren Zeiten, als er sich nicht viel aus der Musik seiner Schwester machte, fühlt er sich nun als Tier von ihr
gerührt und sie löst ein verbotenes Begehren gegenüber der Schwester aus. So sieht er die Zimmerherren als
Konkurrenz im Kampf um seine Schwester. Auch ist es kein Zufall, dass dies gerade durch die Musik in Gang
gesetzt wird, denn diese galt schon in der Romantik als die Kunst, welche die Menschen am ehesten zu seinen
verborgenen Wünschen und Begierden zurückführt.
Kafka beschreibt so die Annäherung Gregors an seine Schwester ähnlich wie im Falle der Pelzdame mit einem
doppeldeutigen Unterton: Gregor will ihrem Blick begegnen, erhofft sich von ihr eine unbekannte, ersehnte
Nahrung, will sie mit in sein Zimmer nehmen, um sie vor den anderen zu verteidigen und ihren nackten Hals
küssen. Die Erotik dieser Szene ist somit unübersehbar und mit dem Hintergrundwissen, dass Kafka sich zu dieser
Zeit mit der Thematik des Geschwisterinzests befasst hat, macht sie auch Sinn. So schreibt er in einem
Tagebucheintrag vom 15. 9. 1912: �Liebe zwischen Bruder und Schwester- die Wiederholung der Liebe zwischen
Mutter und Vater.�
Allerdings bedient sich der sensible Literat an dieser Stelle auch der Ironie, da er den Mensch, welcher seine
menschliche Identität aufgrund von Nützlichkeit im Arbeitsprozess erwiesen hat, nun in nutzloser Tiergestalt ein
bisher unbekanntes Menschsein erfährt, für welches die Musik und Sehnsucht nach unbekannter Nahrung als
Sinnbild stehen.
Kafka entwickelt eine deutlich satirische Perspektive, denn es drängt sich die Frage auf, was es doch für eine Welt
ist, in der ein Mensch erst zum Tier werden muss, um zu erfahren, was Mensch und Tier traditionsgemäß
unterscheidet. Die Ironie zeigt sich auch in der Komposition der Szene, denn während sich Gregor selbst als
Menschen identifiziert, wird er zugleich von seiner Schwester als Untier definiert. (siehe Anhang 5)

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:22


Schwester - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/schwester.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/schwester.php

Schwester
Gregor verbindet ein sehr ungewöhnliches Verhältnis zu seiner Schwester, welches sich im Verlauf der Erzählung
verändert. Anfang ist ihre Beziehung zueinander durch eine besondere Vertrautheit gekennzeichnet, doch dies
schlägt im Verlauf der Erzählung ins Gegenteil um.

Schwester:

1. Die verwöhnte, fürsorgliche Schwester


2. Gretes Wandlung und Abwendung vom Bruder

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:22


Die verwöhnte, fürsorgliche Schwester - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/schwester_fuersorglich.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/schwester_fuersorglich.php

Die verwöhnte, fürsorgliche Schwester


Gregor nimmt es seiner Schwester vor der Verwandlung nicht übel, dass sie sich in der Familie parasitenhaft
aufführt, denn im Gegensatz zu ihm kann sie lang schlafen, sich nett kleiden und kleinen Vergnügungen wie etwa
ihrem Violinespiel hingeben. Die Eltern sehen in ihr ein etwas nutzloses Mädchen und ärgern sich des Öfteren über
sie, aber Gregor gönnt ihr diesen Lebensstil und wollte sie sogar auf Konservatorium schicken, obwohl sie in
seinen Augen noch ein Kind ist.
Das Leben Gretes steht gleichzeitig im krassen Gegensatz zu dem des 16-jährigen, den ganzen Tag über in der
Samsaschen Küche arbeitenden Dienstmädchens.
Unmittelbar nach der Verwandlung stellt Grete zusammen mit der Mutter den Gegenpol zum Vater da, denn sie
sind besorgt um Gregor und insbesondere Grete sehr fürsorglich. Gregor hält sie für klug und sensibel und meint,
sie wäre in der Lage, dem Prokuristen seinen Schrecken auszureden.
Im Verlauf der Erzählung vollzieht sich eine Funktionsverschiebung, indem die frühere Nutzlosigkeit der Schwester
auf Gregor übertragen wird, während diese sich nun in der Familie nützlich macht. Das Verbindungsgefüge Familie
erscheint als ein labiles Gleichgewicht von Kräften, welches sensibel auf Veränderungen reagiert und immer auf
Ausgleich bedacht ist.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:23


Gretes Wandlung und Abwendung vom Bruder - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/schwester_abwendung.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/schwester_abwendung.php

Gretes Wandlung und Abwendung vom Bruder


Nach der Verwandlung verliert Gregor jedoch zunehmend Einfluss auf seine Schwester. Sie bringt ihm zwar noch
Essen und zeigt somit Verantwortungsgefühl, jedoch ist diese Fürsorge der erste Schritt in ihre Selbstständigkeit.
Zu Beginn beansprucht sie die gesamte Versorgung Gregors für sich und sieht darin ihre erste wahre Aufgabe, da
sie bisher eher nutzlos war.
Mit dem Wandel von der untätigen Tochter zur Pflegerin Gregors gewinnt sie jedoch Ansehen und Einfluss
innerhalb der Familie und entwickelt dabei mehr Selbstvertrauen.
Die Art mit Gregor umzugehen, ähnelt dabei eher dem Verhalten gegenüber einem Haustier. Bei der ersten
Begegnung mit ihm schreckt sie angeekelt zurück und flieht aus dem Zimmer. Des Weiteren weigert sie sich, seinen
Napf mit bloßen Händen anzufassen. Schließlich ist sie diejenige, welche die Isolierung Gregors gegen den Willen
der Mutter vorantreibt. Sie schlägt vor, sein Zimmer auszuräumen, um ihm angeblich mehr Bewegungsfreiheit zu
verschaffen, doch die Mutter durchschaut die wahre Motivation der Schwester- das Vergessen der menschlichen
Vergangenheit Gregors mittels dem Berauben seiner Einrichtungsgegenstände, da dieses Zimmer für ein Wesen mit
menschlichen Gefühlen unbewohnbar wäre.
So verschwindet die anfängliche Sorge der Schwester um Gregor zunehmend und je lästiger ihr die
Versorgungsarbeit wird. Gregor sieht seine Schwester jedoch anfangs als sehr fürsorglich und opferbereit und ist
der Meinung, sie kümmere sich rührend um ihn. Doch die Gesten der Schwester sprechen eine andere Sprache:
�Außerdem stellte sie zu dem allen noch den wahrscheinlich ein für allemal für Gregor bestimmten Napf, in den
sie Wasser gegossen hatte. Und aus Zartgefühl, da sie wusste, dass Gregor vor ihr nicht essen würde, entfernte sie
sich eiligst und drehte sogar den Schlüssel um, damit nur Gregor merken könne, dass er es sich so behaglich
machen dürfe, wie er wolle.� (S. 22; Z. 20ff.)
Der Erzähler lässt offen, warum Gregor einen eigenen Napf bekommt, die Schwester das Zimmer eiligst verlässt
und abschließt oder durch das Zimmer läuft, um sofort das Fenster aufzureißen, als ersticke sie fast. Doch die
Summierung der Einzelheiten lässt den Leser keineswegs zu einem so nachsichtigen Urteil wie das Gregors
kommen, denn während er glaubt, seine Schwester sähe in ihm ein vollwertiges Familienmitglied, ist der
Ausgrenzungsprozess bereits in vollem Gange. Dafür muss Gregor allerdings als Tier empfunden werden und
deshalb wehrt sich Gregor so immens dagegen, die Wahrheit der zunehmenden Ablehnung zu erkennen.
Die schwere Störung der Bruder- Schwester- Beziehung zeigt sich auch darin, dass Grete ihren Bruder nie direkt
anspricht und nur im Zorn seinen Vornamen gebraucht. So ist es ebenfalls die Schwester, welche die
Verdinglichung Gregors mit dem Benutzen des Personalpronomens �es� einführt, was ihren Entfremdungs- und
Ablösungsprozess von Gregor, der für sie bereits alle menschlichen Züge verloren hat, verdeutlicht.
Nach Gregors Tod fühlt Grete sich erleichtert, als würde eine schwere Last von ihr fallen und auch die Eltern teilen
die Erleichterung der Tochter.
Mit der vollkommenen Befreiung Gretes vom Einfluss ihres Bruders hat auch ihr körperlicher Reifungsprozess vom
Kind zur jungen Frau einen vorläufigen Abschluss gefunden, denn die Eltern meinen, sie sei zu einem schönen,
üppigen Mädchen aufgeblüht.
Mit Gregors Tod ist die letzte Hemmschwelle aus dem Weg geräumt und sie kann ihre Persönlichkeit nun vollends
entfalten. Folglich denken die Eltern sogar daran, einen Ehemann für sie zu suchen- die Verdeutlichung ihres
Eintritts in das Reich der Erwachsenen.
Kafka musste im Oktober 1912 selbst die Erfahrung machen, dass seine Lieblingsschwester Ottla, die sonst immer
gegen den Vater zu ihm gehalten hatte, sich auf die Seite der Familie schlug und Ottlas Aufforderung, sich mehr um
das Familienunternehmen zu kümmern, sah Kafka als Verrat an und die Kritik ließ ihn sogar an Selbstmord denken.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:23


Der schwache Vater - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/vater_schwach.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/vater_schwach.php

Der schwache Vater


Der Vater wird zu Beginn als sehr schwach und kränklich beschrieben. Er hat sei seinem Bankrott vor fünf Jahren
nicht mehr gearbeitet und schon viel Fett angesetzt, ist schwerfällig und träge geworden, obgleich er durchaus
gesund ist und in der Lage wäre zu arbeiten.
Aus dem Zusammenbruch seines Geschäfts hat er einen letzten Profit gezogen, missbraucht jedoch den
geschäftlichen Niedergang als Vorwand für sein müßiggängerisches Leben und unterschlägt Gregor sein eigenes
Geld, indem er ihm die Ersparnisse seines eigenen Verdienstes verheimlicht.
Kafka stellt die Familie in seinem Werk nicht als Solidargemeinschaft dar, sondern sie wird von den
Ausbeutungsstrukturen des Berufslebens durchdrungen.
Auch Gregor hat nur scheinbar die ökonomische Seite der Vaterrolle übernommen, denn die Verfügungsgewalt hat
sich der Vater vorbehalten und nutzt somit Gregors Leichtgläubigkeit und Vertrauen aus, während dieser die
Vorsicht des Vaters als lobenswert einstuft.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:23


Rückkehr des autoritären Familienoberhaupts - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/vater_autoritaer.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/vater_autoritaer.php

Rückkehr des autoritären Familienoberhaupts


Erst nach der Verwandlung zeigt sich, dass der Vater seine ursprüngliche Dominanz und Macht nie aus der Hand
gegeben hat, da Gregor unterschwellig noch immer die Autorität des Vaters akzeptiert. Gleich nach Gregors
Metamorphose übernimmt der Vater die Leitung der Familie, indem er dieser die augenblickliche finanzielle
Situation darlegt und nimmt zugleich ein völlig neues Selbstbewusstsein an. Bisher hatte sich der Vater eher als
Parasit verhalten und wurde vom blindäugigen Gregor in Schutz genommen- nun ist der Vater nicht mehr bereit, den
Käfer- einen neuen Parasiten in der Familie- zu dulden.
Er nimmt notgedrungen eine niedere berufliche Anstellung als Bankdiener an und trägt seine Arbeitsuniform als
sichtbares Zeichen seiner neu gewonnenen Macht und seines Selbstwertgefühls auch zu Haus, doch lässt sich
weiterhin als Patriarch bedienen und umsorgen: �Und auf die beiden Frauen gestützt, erhob er sich, umständlich,
als sei er für sich selbst die größte Last, ließ sich von den Frauen bis zur Türe führen, winkte ihnen dort ab und
ging nun selbstständig weiter, während die Mutter ihr Nähzeug, die Schwester ihre Feder eiligst hinwarfen, um
hinter dem Vater zu laufen und ihm weiter behilflich zu sein.�
(S. 37; Z. 3ff.)
Gegenüber Gregor tritt der Vater energisch, zupackend und aggressiv auf und wird bereits bei der ersten
Verfolgungsjagd gewalttätig, indem er Gregor rapide in sein Zimmer verdrängt, ihm mit dem Stock des Prokuristen
droht, ihm einen starken Stoß gibt und schließlich als Zeichen der Trennung Gregors von der Familie die Tür mit
dem Stock zuschlägt. Somit verweist das Familienoberhaupt Gregor in seine Schranken, wobei dies bei der zweiten
Verfolgungsjagd, welche mit Apfelwürfen und einer tödlichen Wunde endet, noch aggressiver umgesetzt wird. Der
Vater entpuppt sich immer mehr als der wahre Konkurrent Gregors und verletzt ihn mit seinen aggressiven
Ausbrüchen sowohl körperlich als auch seelisch. Der Vater bleibt somit die bleibende Wunde des Sohnes und im
Machtkampf mit Gregor der ewig Überlegene.
Vollständigerweise muss man jedoch anfügen, dass der Vater nicht objektiv, sondern aus der Perspektive Gregors
beschrieben wird.
Die Vater- Sohn- Beziehung weist deutliche Parallelen zu Kafka und seinem autoritären Vater, der ihm als Tyrann
begegnete, auf. Kafka schildert seine Sichtweise auf die Vatergestalt im �Brief an den Vater�, wobei sich die
ängstigende Unberechenbarkeit auf Gregors Vater überträgt und somit die Widersprüchlichkeit der väterlichen
Erscheinung, in welcher sich die Schwäche des Vaters mit übermächtiger Stärke verbindet, sinnvoll erscheinen
lässt: �In Deinem Lehnstuhl regiertest Du die Welt.� (Brief an den Vater)
Im zweiten Kapitel fragt sich Gregor, ob das noch sein Vater war, denn er erkannte den ehemals schwächlichen
Vater nicht mehr wieder. Die Verfolgungsjagd wird auch im �Brief an den Vater� thematisiert: �Das Schimpfen
verstärktest du mit Drohen. (�) Schrecklich war es auch, wenn Du schreiend um den Tisch herumliefst, um einen
zu fassen, offenbar gar nicht fassen wolltest, aber doch so tatest und die Mutter einen schließlich scheinbar
rettete.�
Das übermächtige Vaterbild wird jedoch durch das gehorsame Auftreten des Vaters gegenüber den Zimmerherren
korrigiert, denn diese vertreiben seine Familie aus dem Wohnzimmer und als sie Gretes Violinenspiel lauschen,
stellt er in devoter Haltung die ängstliche Frage, ob es den Herren unangenehm ist. Auch die gegenüber dem
Prokurist aufkommenden sprachlichen Verrenkungen sind sehr bezeichnend: �Er wird die Unordnung im Zimmer
zu entschuldigen schon die Güte haben.�
So erweist sich Gregor jedoch auch als der Sohn seines Vaters, da beide gegenüber dem Prokuristen kriecherisch
und unterwürfig handeln.
Der wichtigste und letzte Schritt zur Wiederherstellung seiner Autorität wird mit dem energischen und
selbstbewussten Rausschmiss der drei Untermieter aus der Wohnung vollzogen.
Im letzten Teil der Erzählung wirkt der Vater jedoch einfühlsamer gegenüber Gregor als Grete, denn unter anderem
verwendet er das Pronomen �er� und scheint somit noch stärker als Grete an Gregors Identität zu glauben,
wenngleich dies ihn nicht davon abhält, sich aufgrund dessen Todes erleichtert zu fühlen.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:23


Die Mutter - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/mutter.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/mutter.php

Die Mutter
Die Mutter übernimmt die traditionellen Aufgaben der Ehefrau und Mutter wahr: sie kümmert sich um ihre Kinder,
umsorgt den Vater, bringt ihn zu Bett und überwacht gesamten Haushalt. Außerdem ist sie für Anstellung und
Entlassung des Dienstpersonals verantwortlich, ordnet sich in ihren Entscheidungen jedoch dem Vater und der
Tochter unter. Ihre Unselbstständigkeit entspricht der Situation der meisten Ehefrauen zu Kafkas Zeiten.
Sie verteidigt Gregor vor dem familiären Ausschluss und will Grete davon abhalten, Gregors Zimmer auszuräumen.
Außerdem bittet sie ihren Mann um die Schonung Gregors Leben, während dieser ihn mit Äpfeln beschmeißt. Sie
setzt sich jedoch nie entscheidend durch.
Die Versuche, mit Sohn Kontakt aufzunehmen, werden von Vater und Schwester unterbunden, dabei ist sie die
Einzige, die in dem Käfer ihren �unglücklichen Sohn� sieht und hoffnungsvoll auf ein gutes Ende wartet.
Unfähig, das Ausmaß der Veränderung zu erfassen, verschließt sie die Augen vor der Verwandlung, die ihn für
immer von ihr entfernt, ebenso wie sie das Erwachsenwerden Gregors ignoriert und ihn weiterhin wie ein Kind
behandelt hat. Sie fungiert als der passive Part der Familie und ihre Ohnmacht wird an mehreren Stellen deutlich:
Als sie Gregor das erste Mal sieht, blickt sie hilfesuchend zu ihrem Mann und wird ohnmächtig. Diese Ohnmacht
enthebt sie jeder Entscheidung und ermöglicht ihr die Flucht aus der grässlichen Wirklichkeit. Sie spiegelt ebenfalls
die Machtlosigkeit innerhalb der Familie wider, da sie sich in kritischen Augenblicken von anderen abhängig
macht. Beim nächsten Zusammentreffen mit Gregor flüchtet sie hilflos in die Arme ihres Mannes und als Gregor
beim Ausräumen des Zimmers sein Versteck verlässt, sinkt die Mutter wieder ohnmächtig zusammen. Auf diese
Weise entflieht sie jeder Notwendigkeit, sich mit Gregors Zustand auseinanderzusetzen und ihn zu akzeptieren
respektive abzulehnen.
Mit ihren Ohnmachten entflieht sie der Wirklichkeit, ihre Atemnot wird immer bedrängender und bei der
Verurteilung Gregors kann sie dieser nur noch atemlos folgen und fängt zu husten an. So ist sie auch an dieser
Stelle einer eigenen Meinungsäußerung oder selbstständigen Entscheidung enthoben.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:23


Die übrigen Figuren - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/figuren.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/figuren.php

Die übrigen Figuren


Die Nebenfiguren erweisen sich als völlig frei von familiären Bindungen. Sie repräsentieren somit die Außenwelt
mit ihren Forderungen und Ansprüchen, wobei sie, stark stilisiert, eher gewisse Typen als menschliche Personen
darstellen.

3.5.1 Prokurist
Der Prokurist, verlängerter Arm des Chefs, ist ein Abgesandter der Macht und ersetzt die Autorität des Vaters in
dessen Abwesenheit, bis der Vater nach der Verwandlung wieder zu seiner alten Macht gelangt.
Er symbolisiert die vergiftete Berufsatmosphäre, in welcher das Prinzip von Konkurrenz und Feindschaft
vorherrschend ist. Mit der Begegnung Gregors verliert er jedoch augenblicklich seine Machtposition und der
vorherige Rachewunsch Gregors, dass dem Prokuristen dasselbe wie ihm widerfahren sollte, wird auf indirekte
Weise aufgrund dem Stoßen an eigene Grenzen und der Konfrontation mit dem Ungeheuerlichen umgesetzt.

3.5.2 die drei Zimmerherren


Die drei Zimmerherren wirken aufgrund ihres marionettenhaften Auftretens und der äußerlichen Gemeinsamkeiten
unwirklich, klonhaft und eher an Märchen erinnernd. Sie können ihre Macht nur im Kollektiv ausspielen, doch
unterliegen sie letztenendes der
Familiengemeinschaft, da sie aus dem Haus vertrieben werden.

3.5.3 Dienstpersonal
In der Erzählung tauchen ebenfalls drei Hausangestellte auf: Das erste Dienstmädchen kündigt nach der
Verwandlung und symbolisiert somit die grauenhafte Wirkung Gregors auf
die Außenwelt. Das zweite 16-jährige Dienstmädchen bittet nach der Entlassung der Köchin darum, nur noch in der
verschlossenen Küche arbeiten zu müssen. Sie wird jedoch später aufgrund finanzieller Defizite der Familie
gekündigt.
Die alte Bedienerin stellt die einzige Nebenfigur dar, welche im Laufe der Erzählung Konturen gewinnt. Der Leser
erfährt etwas über ihre proletarische Herkunft, sie ist sehr erdverbunden, grob und agiert selbstständig. So knallt sie
die Türen trotz der Bitte des Vaters und setzt sich somit über dessen Autorität hinweg.
Auch von Gregor lässt sie sich nicht beeindrucken, denn der Bereich des Naturhaften scheint ihr nicht fremd zu
sein. Ihre kraftvolle Figur stellt den Gegensatz zur Figur der kränklichen Mutter dar und erst nach Gregors Tod und
der Wiederherstellung des familiären Gleichgewichts wird sie ähnlich wie die drei Zimmermänner als störende
Mitwisserin entlassen.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:24


Form und Struktur der Erzählung - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/form_struktur_aufbau.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/form_struktur_aufbau.php

Form und Struktur der Erzählung


4.1 AUFBAU DES TEXTES

Die Erzählung ist chronologisch aufgebaut und folgt er Entwicklung Gregors von der Verwandlung bis zum Tod,
fügt allerdings anschließend noch eine Nachgeschichte, den Ausflug der Familie in die Stadt, hinzu, mit welcher
Kafka selbst nicht vollends zufrieden war. Die chronologische Abfolge wird lediglich durch Informationen aus
Gregors Vorgeschichte unterbrochen, wobei sich die Rückblenden auf alle drei Kapitel verteilen, in den ersten zwei
Kapiteln jedoch gehäuft auftreten und mittels Äußerungen anderer Figuren oder Selbstreflexionen Gregors
vermittelt werden.
Im ersten Kapitel schildert der Erzähler respektive Gregor in gedanklichen Auseinandersetzungen seine
Arbeitsverhältnisse, die zu langsame Werbung um die Kassiererin eines Hutgeschäfts, das reduzierte Privatleben
Gregors und die Rolle der Familie.
Der Leser muss hierbei selbst die Zusammenhänge konstruieren, indem er die Einzelinformationen zusammensetzt,
sich Widersprüche bewusst macht und zwischen den subjektiv gefärbten Informationen abwägt- seine Aufgabe ist
es, die Leerstellen des Textes auszufüllen.
Kafka hat in �Die Verwandlung� eine Dreiteilung der Erzählung in Kapitel vorgenommen und folgt somit einem
präzisen Konstruktionsschema, wobei sich die Kapitelanfänge stark ähneln: Die beiden ersten Kapitel beginnen mit
dem Erwachen Gregors, wobei dies dem Thema der Verwandlung oder Verwundung zugeordnet wird. Auch zu
Beginn des dritten Kapitels ist Gregor von einer schweren Verwundung gekennzeichnet und seine zunehmende
Schlaflosigkeit wird erwähnt. Folglich konzentrieren sich die Kapitelanfänge ebenfalls auf den Übergang von
Schlafen und Wachen und greifen somit die Grenzzonen des Bewussten, den Beginn des Unbewussten auf.
Innerhalb der Kapitel findet jeweils ein zentral ausgerichteter und den Handlungskonflikt entzündender
Ausbruchversuch statt: Während des ersten Kapitels betritt Gregor das Wohnzimmer, es folgen die Reaktionen der
Mitmenschen und das Kapitel endet mit der Ausgrenzung Gregors aus der Familie.
Innerhalb des zweiten Kapitels läuft der Käfer ins Nebenzimmer, während die Möbel herausgeschafft werden und
wird als Ausdruck des zunehmenden Grads an Aggression vom Vater mit Äpfeln bombardiert.
Auch im dritten Kapitel bewegt sich Gregor ins Wohnzimmer, wobei dieser Versuch mit der Verriegelung der Tür
und Einsperrung in sein Zimmer endet. Dem letzten Ausschluss folgt schließlich der Tod Gregors.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:24


Entfremdung Gregors - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/struktur_entfremdung.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/struktur_entfremdung.php

Entfremdung Gregors
Ein weiteres Strukturmerkmal stellt die zunehmende Entfremdung Gregors einhergehend mit seiner Verwandlung
dar. Zunächst scheint die Verwandlung nur rein äußerlich zu wirken. Körperlich ist er zu einem Tier geworden,
doch im Bewusstsein noch ein Mensch, denn schließlich will er sich noch wie ein Mensch bewegen und vollzieht
lange Denkvorgänge.
Während des zweiten Kapitels wird er zunehmend vertrauter mit seiner Tiergestalt, behält jedoch das menschliche
Bewusstsein und seine Empfindungsfähigkeit bei. Erst im dritten Kapitel erreicht seine Metamorphose die
entscheidende Wendung: Zunächst wird Gregor von der Bedienerin als Tier akzeptiert, indem sie ihn als alten
Mistkäfer bezeichnet. Es folgt die Verdinglichung Gregors mittels dem Pronomen �es� und somit die
Auslöschung seines Namens, welche in einer Selbstauslöschung Gregors- vollzogen mit dem Entschluss zu
verschwinden- einhergeht und in dieser gipfelt.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:24


Erzählzeit - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/erzaehlzeit.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/erzaehlzeit.php

Erzählzeit
Kafka verwendet sowohl die Mittel der Zeitdehnung als auch Zeitraffung, wobei die Erzählzeit der Kapitel ungefähr
gleichlang ist. In der erzählten Zeit ergeben sich jedoch Unterschiede.
Das erste Kapitel berichtet über circa eineinhalb Stunden- folglich wurde die Technik der Dehnung verwendet- um
lange Bewusstseinsvorgänge und Gregors Gedanken und Empfindungen in Form der erlebten Rede und des inneren
Monologs, bezeichnende Elemente Kafkas, um subjektive Empfindungen wiederzugeben, authentisch erscheinen zu
lassen. Außerdem schildert er gewisse Handlungsabläufe sehr detailliert, um deren Wichtigkeit hervorzuheben.
Ein weiterer Grund für die Ausführlichkeit der Darstellung ergibt sich aufgrund der Dialogsequenzen, denn ab dem
zweiten Kapitel ergreift Gregor nicht mehr das Wort- ein Ausdruck des Verstummens und der sozialen Isolation.
Die Dialoge symbolisieren somit im Allgemeinen das Scheitern hinsichtlich der Verständigung miteinander.
Das zweite Kapitel umfasst einen Zeitraum von schätzungsweise zwei Monaten, wobei diese Straffung der
Geschehnisse mit Zeitraffung erreicht wurde, indem neben der Schilderung besonders wichtiger Ereignisse,
beispielsweise das Ausräumen Gregors Zimmers, alltägliche Vorgänge mit Zeitadverbien wie �oft�, �täglich�
oder �immer wieder� markiert sind.
Das dritte und letzte Kapitel berichtet von einem ungefähr drei Monate andauernden Zeitraum und die Zeitraffung
übernimmt somit dieselbe Funktion wie im vorangegangenen Kapitel, wobei inhaltlich wichtige Situationen, so der
Tod Gregors, ausführlicher beschrieben werden.
Zeitraffung und �dehnung sind somit funktional auf den Inhalt bezogen und lassen beispielsweise den
Ausbruchssituationen ein besonderes Gewicht zukommen.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:24


Erzählweise - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/erzaehlweise.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/erzaehlweise.php

Erzählweise
Das Geschehen wird aus der Perspektive Gregors berichtet und der Leser weiß somit nie mehr als er. Allerdings
wird sein Weg nach der Verwandlung von einem auktorialen Erzähler, welcher jedoch eine sehr große Nähe zu
Gregor aufweist, dargestellt. Er sympathisiert mit der Wahrnehmungsweise Gregors und es erfolgt somit kein
Perspektivwechsel, etwa aus der Sicht des Vaters auf das Geschehen.
Zum einen lässt sich dies mit der erheblichen Nähe Kafkas zu seinem Protagonisten begründen; andererseits hängt
der subjektive Erzählerstandpunkt und die Einengung des Blickwinkels mit den Wahrnehmungsweisen der sich
herausbildenden Moderne zusammen: Aufgrund schwieriger gesellschaftlicher Zusammenhänge und
kontinuierlicher Veränderung legte man wieder mehr Wert auf das individuelle Bewusstsein und auch spielte die
Erfahrung sozialer Isolation eine entscheidende Rolle. Mit der Jahrhundertwende entstand des Weiteren ein
wachsendes psychologisches Interesse an Bewusstseinsvorgängen und der Erforschung des Unbewussten- zum
Beispiel durch Freud.
Die mit Gregor sympathisierende Erzählperspektive ist jedoch nicht konstant durchgehalten und an einigen Stellen
tritt der auktoriale Erzähler in Erscheinung, um Gregors Verhalten- so seine ersten Gehversuche- kritisch zu
kommentieren oder Hinweise auf die Selbsttäuschungen Gregors- unter anderem hinsichtlich seiner naiven
Einschätzung der Schwester- zu geben.
Die weitgehend einsinnige Erzählweise stellt eine hohe Anforderung an den Leser und Kafka macht diesem klar,
dass eine objektive Stellungnahme nicht möglich ist.
Zum Schluss der Erzählung tritt der auktoriale Erzähler deutlich hervor, da Gregor bereits gestorben ist, er
distanziert sich jedoch vom Geschehen und berichtet relativ nüchtern aus der Sicht der Restfamilie. Seine Präsenz
ergibt sich jedoch aus der leisen Ironie zwischen den Zeilen aufgrund der biedermeierlichen Idylle.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:24


Sprachstil - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/sprachstil.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/sprachstil.php

Sprachstil
Die sachlich- nüchterne Sprache steht in Kafkas Werk im scheinbar krassen Widerspruch zum Inhalt. Er verwendet
Adjektive zur detaillierten Beschreibung und stellt die Sprache in den Dienst einer neuen Expressivität mit starker
Metaphorik, Doppeldeutigkeiten und ungewöhnlichen, �kafkaesken� Wortverbindungen: �Gregor sah seinen
gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum
gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte�.
Mit einer beinahe zoologischen Genauigkeit wird das neue Äußere Gregors beschrieben und die Dinge scheinen
sich zu verselbstständigen.
Die umfangreichen Satzkonstruktionen (Parataxe, Hypotaxe) dienen der Anreicherung von Informationen oder
schränken gewisse Aussagen durch Einschübe ein.
Kafka bedient sich des Weiteren verschiedener Elemente des Komischen, Satirischen oder gar Grotesken, wobei
hierdurch der Erzählung die erdrückende Schwere genommen wird. Die Absurdität des Ganzen wird schon zu
Beginn der Erzählung klar, als Gregor über Beruf sinnt und ihn ein Blick auf Uhr mehr erschreckt als seine neue
Gestalt.
Auch ist Kafka ein Meister der unterschwelligen Über- oder Untertreibungen, so bekommt die Schwester einen
Weinkrampf, als die Mutter Gregors Zimmer gesäubert hat.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:24


Das Verwandlungs- und Käfermotiv - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/verwandlungs_kaefermo...

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/verwandlungs_kaefermotiv.php

Das Verwandlungs- und Käfermotiv


In Märchen oder Mythen ist die Verwandlung vom Mensch zum Tier nichts Ungewöhnliches, doch erfährt der Leser
die Vorgeschichte und es ist meist ein Grund für die Verwandlung angegeben- bei Kafkas �Verwandlung� ist
dies nicht der Fall.
Die Erzählung ergibt sich bei ihm zwangsläufig aus einem �unerhörten Ereignis�- ein Element der Novelle.
Diese Struktur einer Erzählung wird aufgrund der Zerstörung von Illusionen- schließlich wird Gregor nicht erlöst,
sondern stirbt- auch als ein Antimärchen bezeichnet.
Das Käfermotiv erfüllt hierbei mehrere Aufgaben. Zum einen hat die äußere Erscheinung eine abstoßende,
anekelnde Funktion. So ähnlich muss sich auch Kafka in bestimmten Situationen vor allem in der Anwesenheit
seines Vaters gefühlt haben. So schreibt er im �Brief an den Vater� eine fiktive Antwort des Vaters, welche
seine Inferioritätskomplexe gegenüber dem Vater verdeutlicht: � Du hast es dir nämlich in den Kopf gesetzt, ganz
und gar von mir leben zu wollen. Ich gebe zu, dass wir miteinander kämpfen, aber es gibt zweierlei Kampf. Den
ritterlichen Kampf, wo sich die Kräfte selbstständiger Gegner messen, jeder bleibt für sich, verliert für sich, siegt
für sich. Und den Kampf des Ungeziefers, welches
nicht nur sticht, sondern gleich auch zu seiner Lebenserhaltung das Blut saugt. Das ist ja der eigentliche
Berufssoldat und das bist Du.�
Aus diesem Briefteil geht ein grundlegendes Gefühl Kafkas als parasitenhafter Sohn oder Schmarotzer gegenüber
seinem Vater hervor.
Der Käfer scheint außerdem genauso hilflos und desorientiert auf dem Boden zu krabbeln, wie es ein Baby tut und
ist somit seiner Umwelt und den darin lebenden Menschen vollständig ausgeliefert, wobei dieses Ausgeliefertsein
an eine Autorität, eine höhere, undefinierbare Macht auch in anderen Schriften Kafkas, so etwa der eingangs
genannten Parabel �Gib´s auf� thematisiert wird und somit die alltägliche Bedrängnis und Wichtigkeit dieser
Problematik für Kafka aufzeigt.
Eine Parallele zwischen Gregors vorherigem Leben und der Erscheinung des Käfers ergibt sich aufgrund der
Äußerlichkeiten: So besitzt ein Käfer ein von einem harten Panzer geschütztes weiches Inneres. Da Gregor ständig
unterwegs und isoliert von der Familie war, hatte er keinerlei Bezug zu ihr, doch in stillen Stunden sinnte er über
deren Bedeutung für sein Leben nach.
Auch Kafka wird zeitlebens als ein sehr sensibler, introvertierter Mensch eingeschätzt, baute sich doch in Form
einer Näheangst eine Schutzmauer auf: Seine menschlichen Beziehungen beschränkten sich vorwiegend auf
Briefkontakt, woraus sich zwangsweise ein umfangreiches Zeugnis seiner Briefwechsel oder Tagebucheinträge für
die Nachwelt ergibt. Kafka konnte sich in schriftlicher Art und Weise auf idealstem Weg mit seiner Umwelt und
den in ihr bestehenden Verhältnissen auseinandersetzen und diese analysieren, wobei insbesondere seine
Beziehungen zu Frauen erwähnt seien. Dieser Ansatz wird jedoch im nächsten Inhaltskriterium noch weiter
ausgeführt.
Grundlegend lässt sich aber daraus schließen, dass sowohl Kafka als auch Gregor trotz ihrer Schale ein leicht zu
erdrückendes �Insekt� waren.
Des Weiteren gehört der Käfer der Gruppe der Kriechtiere an und es wird somit eine Froschperspektive, welche
dem unterwürfigen, kriecherischen Verhalten Gregors gegenüber seinem Chef entspricht, suggeriert.
Die Notwenigkeit des Kriechens und die verlorene Sprache eines Käfers fungieren ebenfalls als ein Symbol für die
Hilflosigkeit, ja das Ausgeliefertsein dieses Individuums.
Mit seinem Wunsch, keine Zeichnungen zu seinem Werk anzufertigen, wollte Kafka das Bild des Käfers nicht auf
einen Gedanken festlegen und lässt somit mittels einer gedanklichen Leerstelle Raum für die Ideen und
Vorstellungen des Lesers.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:24


Selbstsicht, Verhältnis zum Vater/Frauen - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/selbstsicht.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/selbstsicht.php

Selbstsicht, Verhältnis zum Vater/Frauen


Kafkas Selbstsicht und das Verhältnis zum Vater/ Frauen

Kafka schaffte es zeitlebens nicht, sich selbst und seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Besonders im Vergleich
mit dem Vater fühlte er sich psychisch und physisch unterlegen:
�Ich war ja schon niedergedrückt durch Deine bloße Körperlichkeit. (�) Ich mager, schwach, schmal, Du stark,
groß, breit. Schon in der Kabine kam ich mir jämmerlich vor, und zwar nicht nur vor Dir, sondern vor der ganzen
Welt, denn Du warst für mich das Maß aller Dinge. Traten wir dann aber aus der Kabine vor die Leute hinaus, ich
an Deiner Hand, ein kleines Gerippe, unsicher, bloßfüßig auf den Planken, in Angst vor dem Wasser, unfähig Deine
Schwimmbewegungen nachzumachen, die Du mir in guter Absicht, aber tatsächlich zu meiner tiefen Beschämung
immerfort vormachtest, dann war ich sehr verzweifelt und alle meine schlimmen Erfahrungen auf allen Gebieten
stimmten in solchen Augenblicken großartig zusammen.� (Brief an den Vater)
Seine Versagensängste wurden nicht minder von der fehlenden Anerkennung seines Vaters und der dafür erfahrenen
Kritik geschürt respektive aufrechterhalten:
"Je älter ich wurde, desto größer war das Material, das Du mir zum Beweis meiner Wertlosigkeit entgegenhalten
konntest, allmählich bekamst Du in gewisser Hinsicht wirklich Recht. Wieder hüte ich mich zu behaupten, daß ich
nur durch Dich so wurde; Du verstärktest nur, was war, aber Du verstärktest es sehr, weil Du mir gegenüber sehr
mächtig warst und alle Macht dazu verwendetest." (Brief an den Vater)
Kafkas Wunsch nach Akzeptanz durch den Vater kommt auch in seinem Brief deutlich zum Ausdruck, denn er
spricht keine direkten Schuldzuweisungen aus (�Wobei ich Dich aber immerfort bitte, nicht zu vergessen, daß ich
niemals im entferntesten an eine Schuld Deinerseits glaube� Brief an den Vater), da er sich nie vollständig von
seinem Vater und dessen Einfluss lösen könnte, während seine Schwester ihre eigenen Wünsche in Ehe und Beruf
realisierte. Kafka fühlte sich von seiner liebevollen Mutter zurückgehalten. Sie machte die Quälereien des Vaters
wieder wett: �Wenn schon Deine Erziehung in irgendeinem unwahrscheinlichen Fall mich durch Erzeugung von
Trotz, Abneigung oder gar Haß auf eigene Füße hätte stellen können, so glich das die Mutter durch Gutsein, durch
vernünftige Rede (sie war im Wirrwarr der Kindheit das Urbild der Vernunft), durch Fürbitte wieder aus, und ich
war wieder in Deinen Kreis zurückgetrieben, aus dem ich sonst vielleicht, Dir und mir zum Vorteil, ausgebrochen
wäre.� (Brief an den Vater)
Kafka analysierte das Wesen seines Vaters und sein eigenes immer wieder, um Gemeinsamkeiten und damit
verbundene Hoffnungen zu finden. Es war im zeitlebens nicht vergönnt, diese Beziehung mit der nötigen Distanz zu
betrachten und sich von seinem Vater zu lösen.
Das Vater- Sohn- Verhältnis lässt sich ebenfalls aus seinen Erzählungen erschließen, womit die Rolle des
Schreibens als essentieller Bestandteil seiner Lebensbewältigung und
-auseinandersetzung bestärkt wird. Denn nicht zuletzt war dies ein Gebiet, in welchem der Vater ihn nicht verfolgen
oder gar bevormunden konnte.
Seine eigene Welt war die Welt des Schreibens, ein Ventil für seine Gedanken und Gefühle und aus diesem Grund
weisen viele seiner Werke autobiografische Züge aus und beschäftigen sich mit den für Kafka all anwesenden
Problematiken.
Wie schon genannt, bestimmte die schriftstellerische Tätigkeit auch seine zwischenmenschlichen Beziehungen, da
ihm aufgrund dieser Art der Kommunikation die nötige Distanz, um sich dem anderen ganz und gar zu öffnen,
gegeben war. Seine schriftlichen Zeugnisse treffen ebenfalls eindeutige Aussagen zu seiner Einstellung hinsichtlich
der Ehe: "Heiraten, eine Familie gründen, alle Kinder, welche kommen, hinnehmen, in dieser unsicheren Welt
erhalten und gar noch ein wenig führen, ist meiner Überzeugung nach das Äußerste, das einem Menschen überhaupt
gelingen kann." (Brief an den Vater) Doch trotz dreier Verlobungen hatte Kafka keine dauerhafte Beziehung
geführt.
Das Vorleben einer harmonischer Ehe seitens seiner Eltern übte einen immensen Druck auf den Sohn ein und
anstatt dem Vater gerecht zu werden, hatte dieses Vorbild genau die gegenteilige Funktion, denn Ehe war für
Kafkas Verständnis das Terrain des Vaters und somit für ihn unbetretbar.
Kafka hatte ebenfalls Angst davor, Verantwortung für andere zu übernehmen, da er schließlich nicht mal mit seiner
eigenen Person zurecht kam. Obwohl er sich doch die Gemeinschaft mit anderen wünschte, fühlte er sich in
Gegenwart sowohl fremder als auch vertrauter Personen unwohl, was nicht zuletzt auf seine sexuellen Ängste

1 von 2 19.09.2010 09:25


Selbstsicht, Verhältnis zum Vater/Frauen - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/selbstsicht.php

zurückzuführen ist:
"Der Coitus als Bestrafung des Glücks des Beisammenseins."
�Wenn ich mir Ekel erregen will, brauche ich mir nur vorzustellen, daß ich einer Frau den Arm um die Hüfte
lege.�
Seinen letzten Rest der Freiheit in Form des Schreibens wollte Kafka durch eine Beziehung nicht verlieren und
pflegte deshalb nur distanzierte Verbindungen in Briefform, denn er konnte sich über das geschriebene Wort bei
gleichzeitiger körperlicher Distanzwahrung vollends öffnen.
Seine eigene Ansicht zur Ehe war wohl auch der Grund, weshalb er die Heirat seines engen Freundes Max Brod,
welcher Kafkas Nachlass nach seinem Tod gegen dessen Wunsch veröffentlichte, der Nachwelt zugänglich machte
und somit seinen Ruhm begründete, als Verrat ansah.

von Linda Krause

2 von 2 19.09.2010 09:25


�Die Verwandlung� als expressionistisches Werk - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/expressionistisches_we...

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/expressionistisches_werk.php

�Die Verwandlung�
� als expressionistisches
Werk
�Die Verwandlung� wird heute als expressionistisches Werk eingestuft, denn obgleich keine �typisch�
expressionistische Sprache in Kafkas Werken vorhanden ist, so versucht er doch, durch sprachliche Experimente
und Wortneuschöpfungen neue Wirkungen zu erzielen.
Auch die Verdinglichung des Menschen und die sich daraus ergebende Fragwürdigkeit der Existenz lässt sich als
eine von den Expressionisten aufgegriffene Problematik, ähnlich wie die Perspektivlosigkeit im allgemeinen und
Gregors wachsender Vereinsamung im besonderen, einordnen. Die Unmöglichkeit der zwischenmenschlichen
Kommunikation und die Missdeutung des Verhaltens werden als zentrales Thema aufgegriffen, so auch von Kafka
in der Gestalt Gregors in �Die Verwandlung�, in seinen unzähligen Parabeln, wie beispielsweise �Der
Steuermann� oder �Heimkehr� und in seinen Erzählungen und Romanen (�Der Heizer�, �Das Schloss�,
�Der Prozess�)
Kafka stellt in seinen Werken- wie nun schon zu genüge bestätigt- eigene, subjektive Empfindungen, Probleme oder
Konflikte dar, indem er Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen, Gefühle der Schwäche, Ohnmacht und
Minderwertigkeit, die entfremdete Berufswelt oder auch autoritäre Strukturen als ihn selbst zermürbende Konflikte
und sogleich expressionistische Thematiken aufgreift und erreicht somit einen autobiografischen Schreibstil, womit
seine Werke die negative, pessimistische Weltsicht Kafkas untermalen.
So wurden einige seiner Werke in der expressionistischen Reihe DER JÜNGSTE TAG/ Kurt Wolff Verlag
veröffentlicht, doch trotz dieser Bestätigung fühlte sich Kafka selbst nicht als ein Expressionist und lässt sich auch
keineswegs vollständig in einer der zahlreichen Strömungen um die Jahrhundertwende zuordnen, denn im Gegensatz
zu den Expressionisten, �schrie� er seine Probleme nicht in die Welt hinaus, sprengte keine alten, konservativen
Formen oder dergleichen.
Kafka hat seine eigene literarische Sprache gefunden und gerade diese Besonderheit lässt ihn eine hervortretende
Stellung in der Weltliteratur einnehmen, da seine Werke so intensiv von subjektiven Eindrücken und Konflikten
gefärbt waren und insbesondere diese Spannung macht das Interpretationsvermögen Kafkascher Texte aus.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:25


Quellen und Materialien/ Anregungen - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/quellen.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/quellen.php

Quellen und Materialien/ Anregungen


8. Quellen: - Peter Beicken; Franz Kafka- Die Verwandlung; Reclam
- Karlheinz Fingerhut; Kafka; Volk und Wissen
- Wolf Dieter Hellberg; Franz Kafka- Die Verwandlung; Klett
- Joachim Pfeiffer; Franz Kafka- Die Verwandlung/ Brief an den Vater;
Oldenburg Interpretationen
- Thomas Rahner; Die Verwandlung- Franz Kafka; Mentor
- Franz Kafka: Brief an den Vater
- Franz Kafka: Die Verwandlung
- http://www.cdrnet.net/kb/data/DE_Kafka.asp
- http://www.educanet.ch/home/bac3m3/autre/Dieverwandlung.htm

9. Materialien/ Anregungen

Franz Kafka: Der Aufbruch (e. 1922, v. 1931)

Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte
mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeute. Er wußte
nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: �Wohin reitest du, Herr?� �Ich weiß es
nicht�, sagte ich, �nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel
erreichen.� �Du kennst also dein Ziel?� fragte er. �Ja�, antwortete ich, �ich sagte es doch: `Weg-von-hier´,
das ist mein Ziel.� �Du hast keinen Eßvorrat mit�, sagte er. �Ich brauche keinen�, sagte ich, �die Reise ist
so lang, daß ich verhungern muß, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Eßvorrat kann mich retten. Es ist
ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise.�

Franz Kafka: Eisenbahnreisende (e. 1917, v. 1937)

Wir sind, mit dem irdisch befleckten Auge gesehn, in der Situation von Eisenbahnreisenden, die in einem langen
Tunnel verunglückt sind, und zwar an einer Stelle, wo man das Licht des Anfangs nicht mehr sieht, das Licht des
Endes aber nur so winzig, daß der Blick es immerfort suchen muß und immerfort verliert, wobei Anfang und Ende
nicht einmal mehr sicher sind. Rings um uns aber haben wir in der Verwirrung der Sinne oder in der
Höchstempfindlichkeit der Sinne lauter Ungeheuer und ein je nach der Laune und Verwundung des Einzelnen
entzückendes oder ermüdendes kaleidoskopisches Spiel.
Was soll ich tun? oder: Wozu soll ich es tun? sind keine Fragen dieser Gegenden.

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:25


Anhang - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/anhang.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/anhang.php

Anhang
Anhang 1 und 2
Anhang 4 und 5

von Linda Krause

1 von 1 19.09.2010 09:25


Arbeitsblatt - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/arbeitsblatt.php

Quelle: www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/arbeitsblatt.php

Arbeitsblatt
Franz Kafka (1883-1924): Die Verwandlung (1912)

- im Mittelpunkt des Geschehens → Familie Samsa und deren immanente Konflikte

- Thematisierung der Rolle eines scheinbar selbstst�ndigen und dennoch unterdr�ckten

Sohn

- berufliche Lasten als Einengung des menschlichen Freiraums und Unterdr�ckung der

Angestellten nach dem Autorit�tsprinzip → Industrialisierung: Mensch als ersetzbare

Maschine im Produktionsvorgang

- Verwandlung Gregors zum K�fer f�hrt zur sozialen Isolation

� ltnisse aus
- Einsamkeit Gregors dr�ckt sich in Beschaffenheit der Wohnverh�

- Umzug d. Samsas nach Gregors Tod als �Tapeten-� oder Identit�tswechsel

- verschiedene Stufen der Verwandlung → vom �u�erlichen Tier mit menschlichem

Empfinden zu einem nutzlosen �Etwas�

- Gregors Verwandlung folgen weitere Verwandlungen von

- dem kr�nklichen, schwachen Vater in ein starkes, autorit�res, aggressives

Familienoberhaupt → Konkurrent von Gregor

- der leichtlebigen, naiven, kindlichen Schwester in eine junge, selbstbewusste

Frau → aufgrund alleiniger Pflege Gregors Steigerung ihres Selbstwertes,

Anerkennung und Bewundern in Familie

- Mutter spielt untergeordnete Rolle → zeigt meiste Zuneigung zum Sohn, doch kann sich

nicht durchsetzen, Ohnmachtsanf�lle bewahren sie vor der schrecklichen Realit�t

� sentanten der Au�


- Nebenfiguren stark stilisiert → fungieren als Repr� � enwelt mit ihren

Forderungen und Idealen

- chronologischer Aufbau des Textes mit wenigen R�ckblenden

- Gemeinsamkeiten der drei Kapitel: Kapitelanf�nge, Ausbruchssituation, Vereitelung

durch Familie

- Zeitdehnung dient zur Darstellung von Bewusstseinsvorg�ngen, inneren Empfindungen,

1 von 2 19.09.2010 09:25


Arbeitsblatt - Schoolwork.de http://www.schoolwork.de/kafka-verwandlung/arbeitsblatt.php

detaillierten �u�erlichen Beschreibungen → Betonung der wichtigen Ereignisse durch

Ausf�hrlichkeit

- Zeitraffung zur Schilderung allt�glicher Vorg�nge

� hlzeit funktional mit Inhalt verbunden


→ Erz�

� hlhaltung → Darstellung von Gregors subjektivem


- vorwiegend personale Erz�

Empfinden → Ausf�llen der Leerstellen und Meinungsbildung muss durch Leser erfolgen

- mit Tod Gregors Wechsel zum auktorialen Erz�hlverhalten → ironische Distanzierung des

Erz�hlers

- realistische Schreibweise → detaillierte, exakte Beschreibungen als Kontrast zur subjektiv

gef�rbten Erz�hlsicht

- umfangreiche Satzkonstruktionen (Parataxe, Hypotaxe) → Anf�gen von Informationen und

Eingrenzen von Aussagen

- innere Monologe und erlebte Rede → Darstellung von Gregors Innenleben/ Gef�hlen

- Dialoge → signalisieren Scheitern der Verst�ndigung, soziale Isolation Gregors

von Linda Krause

2 von 2 19.09.2010 09:25